M 45, Freitag, den 29. Mai 1896. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag deS Literarischen Instituts von Haas L Gradhcrr in Augsburg (Borbesitzer vr. Max Huttler). Z-chicksttisWege. Erzählung von Einrisse Borges. (Fortsetzung.) Dieser Brief blieb nicht unbeantwortet. Die Eltern nahmen für ihre Söhne daS Anerbieten an, aber jede Familie machte eine Bedingung. Kurt schrieb, daß er für Leo das Anerbieten annehme; er wünsche aber, daß der Knabe nicht mit seinem Vetter, Martin Nieding, zusammen dieselbe Anstalt besuche. Er halte gerade nicht viel von dem Charakter seines Neffen und fürchte einen schlechten Einfluß auf Leo. — Marie Rieding schrieb auch; es war der erste Brief, den sie in ihrem Leben an die Schwester richtete. Sie wünschte, ihr talentvoller und reich begabter Sohn Martin solle in einer der vornehmsten Pensionen untergebracht werden, die nur zu finden sei. Er müsse sich die Söhne reich begüterter Leute zu seinen Freunden machen, denn nur durch vornehme und hervorragende Bekanntschaft sei es heutzutage möglich, später in der Welt ein gesichertes Fortkommen zu haben. — Die reiche Frau lächelte verächtlich beim Lesen dieser Zeilen, dann nahm sie Helene's Brief zur Hand. Die Schwester hatte einen langen, ausführlichen Brief geschrieben und von all' ihren zehn Kindern berichtet. Sie war glücklich im Besitz dieser großen Familie, aber dennoch war der Brief mit ihren Thränen benetzt, die deutliche Spuren hinterlassen hatten. Am Schlüsse schrieb sie: „Um unseres Kindes willen nehmen wir Dein Anerbieten an, aber ach, Angela, erwecke nicht ein Gefühl nach Glanz und Reichthum in seinem jungen Herzen, damit er dem Elternhause nicht entfremdet werde." Frau Marlitz ging auf alle Bedingungen ihrer Geschwister gern ein. Sie sandte die drei Knaben, die alle im vierzehnten Lebensjahre standen, nach verschiedenen Lehranstalten, aber vorher nahm sie dieselben jeden allein drei Tage in ihre Villa auf. Sie war nicht umsonst eine lange Reihe von Jahren Krankenpflegerin gewesen und hatte in ihrem Leben hinreichend Gelegenheit gehabt, die verschiedenen Charaktere zu studiren, und so lernte sie auch in wenigen Tagen die drei Knaben genau kennen. Leo von Wildenthal's offener, ehrlicher Charakter gefiel ihr gut und erfüllte sie mit den besten Hoffnungen für die Zukunft. — Martin Rieding war scheu, listig und verschlagen; er hatte keinen offenen Blick, und seine geistigen Fähigkeiten schienen auch nur sehr unbedeutend zu sein. Willy Berghanpt dagegen war ein schwächlicher Knabe, mit einem müden Ausdruck in seinem bleichen Antlitz. Ein lästiger Husten quälte und schmerzte ihn, dabei war er über sein Alter hinaus früh gereift, und die häuslichen Sorgen, unter denen er aufgewachsen war, hatten ihm die fröhlichen Kinderjahre geraubt. Angela beschloß, zunächst für das« körperliche Wohl ihres kranken Neffen zu sorgen, darum übergab sie ihn der Pflege einer ihr sehr befreundeten Familie, die in einer gesunden und stärkenden Gebirgsgegend wohnte. Sie wußte, daß hier alles zur Wiederherstellung seiner Gesundheit gethan wurde, und die Fortsetzung seiner Studien sollte nur langsam und nebensächlich betrieben werden. Die Bedingungen wurden von beiden Seiten treu» lich gehalten. Angela bezahlte alle Unkosten ihrer drei Neffen, aber keiner erhielt von ihr auch nur eine Zeile, und auch die Briefe der Eltern ließ sie unbeantwortet. Die Ferienzeit verbrachten die Knaben in ihrem Elternhause; aber so wenig sie es auch ahnten, war die Tante doch ganz genau über die Fortschritte und das Betragen ihrer Schützlinge unterrichtet. So wußte sie, daß Leo mit Fleiß und Energie seinen Studien oblag, daß er die besten Zeugnisse und die ersten Preise seinen Eltern heimbrachte. Es war sein Wunsch, sich der Landwirthschaft zu widmen, er wollte später die landwirthschaftliche Schule besuchen, um dann selbst die Güter seines Vater- wieder in die Höhe zu bringen. Martin Rieding war weniger strebsam und fleißig, und es wollte ihm auch nicht gelingen, sich mit seinen Mitschülern zu befreunden. Trotz seines reichlichen Taschengeldes hatte er stets eine leere Börse, die er mit List von seinen Schulkameraden zu füllen suchte. Sein ganzes Streben ging darauf aus, Geld zu erwerben, und dabei scheute er vor keinem Mittel zurück, und dann vergeudete er das Geld in leichtsinniger Weise. — Willy Berghanpt erholte sich bei liebevoller Pflege und stärkender, hinreichender Nahrung sichtlich; er konnte jetzt regelmäßig das Gymnasium besuchen, machte gute Fortschritte und wollte Arzt werden. So waren zehn Jahre vergangen. Die Jünglings hatten ihre Studien beendet und standen auf eigenen' Füßen, da raffte der unerbitterliche Tod die reiche Wittwe plötzlich dahin und vereinte sie mit ihrem Gatten, den sie so sehr geliebt hatte. 338 II. Die einzelnen Glieder der gräflichen Familie von Wildenthal zeichneten sich nicht durch große Herzlichkeit und hingebende Liebe aus. Vielleicht hatte auch die Armuth ihre Herzen verbittert, und die drei von der reichen Tante bevorzugten Jünglinge beobachteten einander mit Mißtrauen. Der Graf und die Gräfin von Wildenthal waren empört, daß Leo vor seinen Vettern von der reichen Tante nicht den Vorzug erhielt. Der Anwalt Nieding hielt seinen Knaben für drn besten der drei Neffen und verlangte dafür Anerkennung, die ihm nicht gewährt wurde, während die arme Lehrerfamilie sich oft bekümmerte, daß die beiden Vettern mitleidig auf ihren ältesten Sohn herabsehen möchten. Die Jahre waren auch an diesen drei Familien spurlos vorüber gegangen. Graf Kurt konnte sich vor seinen Gläubigern kaum retten. Leo war theoretisch und praktisch als Landwtrth ausgebildet und hatte auf einem großen Rittergute in der Nähe von Ebersheim eine Stelle als Inspektor angenommen. Martin Nieding hatte die juristische Laufbahn erwählt und half seinem Vater, aber ohne Energie und Ausdauer in seinem Berufe zu zeigen, und deshalb mißglückten auch alle seine Unternehmungen. — Willy Berghaupt hatte sein Ziel erreicht, als junger Arzt hatte er sein letztes Staatsexamen glücklich bestanden und weilte jetzt auf kurze Zeit bei seinen Eltern, um sich körperlich zu erholen, da seine Gesundheit in letzter Zeit wieder bedenklich gelitten hatte. Da kam plötzlich die ganz unerwartete Nachricht von dem Tode der reichen Wittwe, die der Anwalt der Verstorbenen, Herr Rnthberg, den Verwandten mittheilte. „Beim Himmel, wie plötzlich I" rief Graf Kurt, als er das Schreiben flüchtig überlesen hatte. „Was ist geschehen?" fragte seine Gattin bestürzt, wollen die Gläubiger nicht länger Frist gewähren, daß wir unser Heim verlassen müssen, oder was ist es?" „Angela ist todt! Ich wußte gar nicht einmal, daß sie krank war. Wir müssen zur Beerdigung Hinreisen." „Ich nicht," verbesserte Margot. „Wenn Du und Leo hinreist, so ist das wohl genug. O, Kurt, ich hoffe, sie hat uns in ihrem Testamente bedacht." „Das hoffe ich ganz bestimmt," versetzte der Gatte sinnend. „Sie kann kaum in all den Jahren den vierten Theil ihrer Zinsen verbraucht haben; das angehäufte Kapital muß jetzt ganz enorm sein." »Ich glaube aber nicht, daß sie uns bedacht hat," wandte Leo ein, der gerade zum Besuch bei seinen Eltern weilte; „rechne wenigstens nicht darauf, Vater, sonst ist die Enttäuschung hernach zu bitter." Leo hatte seit der ersten Zusammenkunft vor zehn Jahren die reiche Tante noch einmal beim Verlassen der Universität gesehen und die Ueberzeugung gewonnen, daß sie seinem Vater noch immer nicht gewogen sei. „Wie kommst Du zu dieser Meinung?" fragte der Graf erschreckt, „sie war doch gegen Dich stets nobel und großmüthig." , „Sie war die Güte selbst; aber sie wünschte ausdrücklich, ich solle mir als Jnspector wein Brod verdienen, um nie abhängig zu sein. Ich glaube, sie verpachte ihr ganzes Vermögen für wohlthätige Zwecke." 7 „Unmöglich! Na, wir werden es bald genug er- ifghren. Die Beerdigung ist am Mittwoch. Nieding wird mit seinem Sohne auch dort sein; der junge Martin gefüllt mir durchaus nicht." Leo lachte. „Er ist ein erbärmlicher Feigling," versicherte er, „aber wir werden nicht viel zusammenkommen, und im Testament wird er ebenso wenig bedacht sein, wie wir." Es war ein lieblicher Maientag. Die Frühlingssonne sandte ihre goldenen Strahlen vom azurblauen Himmel als letzten Scheidegruß in die kühle Gruft, die die irdische Hülle der Entschlafenen deckte. Ungesehen und unerkannt hatte sie auf Erden so viele Noth der Armen gelindert, so viele Thränen getrocknet, und die Liebe und Dankbarkeit der Bedrängten folgte ihr über das Grab hinaus. Die feierliche Ceremonie war beendet. Im Gartensaal der Nosenvilla waren die wenigen Leidtragenden versammelt. Graf Knrt, Herr Nieding und der Lehrer Berghaupt, jeder mit seinem Sohne; dann der Advokat Nuihberg und ein alter Kommerzienrath Ambach, der> nächste Nachbar und treu erprobte Freund der Entschlafenen. „Ich kenne den alten Herrn," flüsterte Leo seinem Vater zu. „Sein Enkel ist mir ein lieber Studienfreund, und der Großvater besuchte ihn oft. Da erzählte er oft von Tante Angela, die er stets lobte und mit der er sehr befreundet schien." Der Anwalt Nuthberg öffnete das Testament. Die Dienerschaft war nicht zugegen, obgleich sie reichlich bedacht war. Doch er hatte versprochen, derselben später die für sie gemachten Bestimmungen mitzutheilen, da er eine Scene, wenn nicht einen Sturm der Entrüstung unter den Verwandten befürchtete. „Ehe ich mit dem Vorlesen beginne," sagte er, sich gegen die Anwesenden verneigend, „möchte ich bemerken, daß meine Klientin sich bei der Abfassung des Testamentes weder beeinflussen, noch von Anderen bestimmen ließ, und daß die pünktliche Ausführung desselben ihr letzter Wunsch war. Herr Kommerzienrath Ambach ist von ihr als Testamentsvollstrecker ernannt, und ich bin überzeugt, daß er nur auf dringendes Bitten der Entschlafenen diese Pflichten übernommen hat. Frau Marlitz versäumte auch nicht die Vorsicht, ihrem Willen ein ärztliches Attest beizulegen, daß sie bei der Abfassung des Testaments im Vollbesitz ihrer Geisteskräfte war." Eine Wolke des Unmuths lagerte sich auf deS Grafen Stirn; das Testament fiel gewiß nicht zu seinem Gunsten aus, da seine Schwester diese Vorsichtsmaßregeln getroffen hatte. — Anwalt Ruthberg las mit klarer, vernehmlicher Stimme. Die Dienerschaft war reichlich bedacht. Die Villa mit sämmtlichen Mobilien, Silberund Kunstgegenständen fiel dem Watsenhause zu. Dann vermachte sie ihren neun Nichten — zwei Töchter des Anwalts Nieding und sieben Töchter des Lehrers Berghaupt — jeder ein Capital von 15 000 Mark, welches ihnen am Tage ihrer Verheirathung oder an ihrem dreißigsten Geburtstage ausgezahlt werden solle. Inzwischen erhalte jede Nichte bis zur Auszahlung des Kapitals eins jährliche Nente von 1000 Mark. Der Lehrer Berghaupt athmete erleichtert auf. Die Zukunft seiner sieben Töchter hatte ihm schwerer auf dem Herzen gelegen, als Worte es beschreiben können. Jetzt schien mit einem Schlage alle Noth vorüber; er hatte siebentausend Mark jährliche Rente, so lange sie unverheirathet blieben, das war eine Hilfe, die er weder erträumt noch 33S erhofft hatte. Der Advokat fuhr mit dem Lesen des Schriftstückes fort: „Das meinen neun Nichten ausgesetzte Kapital wird von den in den letzten zehn Jahren angehäuften Zinsen meines Vermögens genommen. Das Vermögen selbst besteht in sicher angelegten Staatspnpieren in einer Höhe von acht Millionen Mark, über die Herr Ambach ein Jahr nach meinem Tode in meinem Sinne, den er genau kennt, verfügen wird. Es ist mein Wunsch und Wille, daß diejenigen meiner Verwandten mich beerben, die des Erbes würdig sind, und ich habe volles Vertrauen in das Urtheil meines Freundes Ambach, der aber in der Austheilung des Erbes keinem meiner Verwandten Rechenschaft abzulegen hat." Eine peinliche Pause entstand, die der junge Martin Nietung zuerst unterbrach. „Das ist eine lächerliche Idee; das Testament darf nicht bestehen, es muß umgestoßen werden," rief er gereizt. „Durchaus nicht," widersprach Herr Nuthberg. „Ich muß sogar darauf aufmerksam machen, daß meine Klientin befürchtete, das Erbe könnte in unwürdige Hände kommen. Sie wollte mit Recht dem Kommerzienrath zwölf Monate Zeit geben, um die Charaktere ihrer Verwandten zu prüfen." „Ich verstehe ihre Meinung," sagte der Lehrer nachdenkend. „Sie wollte sehen, wie ihre drei Schützlinge sich nach ihrem Tode machen würden. Sie hat ihnen allen dreien eine sorgfältige Pflege angedcihen lassen, so daß sie ihr Fortkommen in der Welt haben." „Da haben Sie vollkommen Recht," rief Herr Am- bach, dem Lehrer kräftig die Hand schüttelnd. „Das war der einzige Wunsch der guten Frau Marlitz. Sie hielt es für ein Unglück, ein Mädchen mit einem großen Kapital zu bedenken, darum setzte sie ihren Nichten nur ein geringes aus. Ich darf Ihnen vor Jahresfrist die Absicht der Entschlafenen noch nicht sagen, aber so viel darf ich verrathen, daß die drei Neffen, für die sie sich so sehr interesstrte, ihre Zukunft in ihren eigenen Händen haben. Die Rente Ihrer Töchter ist halbjährig fällig, und werde ich Ihnen die erste Sendung zugehen lassen. Jetzt habe ich nichts mehr zu sagen und empfehle mich den Herren," mit leichter Vernetzung des Hauptes verließ er das Gemach, gefolgt von dem Anwalt Nuthberg. Die sechs Herren blieben allein — drei Vater und drei Söhne. Graf Kurt biß die Zähne aufeinander, so schwer wurde es ihm, seine Gefühle zu beherrschen. Er war empört, daß seine Schwester ihm kein Vermögen ausgesetzt hatte, dann aber auch freute er sich, daß dem Kommerzienrath Zeit gegeben war, seinen Sohn Leo kennen zu lernen, und er zweifelte nicht daran, daß dieser feine beiden Vettern übertreffen werde. Wenn es ihm nur gelingen wollte, die vielen lästigen Gläubiger noch ein Jahr hinzuhalten, so war er aller Noth enthoben. Der Lehrer Berghaupt ließ nur ein Gefühl in seinem Herzen aufkommen — Zufriedenheit und Dankbarkeit. Er hatte sich sein ganzes Leben so kümmerlich hindnrchgeholfcn, daß ihm jetzt die Rente seiner Töchter ein unermeßlicher Reichthum erschien; drei seiner Töchter waren freilich schon heirathsfähig, aber sie waren noch nicht verlobt, und wenn sie später einen Bund für's Leben schließen wollten, so verließen sie doch nicht das Elternhaus mit leeren Händen. Martin Nicding und sein Vater waren weder hoffnungsvoll, wie Graf Kurt, noch dankbar, wie der Lehrer. Sie zürnten über das ungerechte Testament, das sie nicht anerkennen wollten, und äußerten ihren Unmuth unverhohlen. Die beiden Töchter waren längst verlobt, und das Legat konnte die Trauung nur beschleunigen, aber Martin vertröstete sich, daß der Kommerzienrath Ambach zu weit von der Residenz entfernt wohne und unmöglich erfahren könne, wie schlecht und nutzlos er seine Zeit zubringe. „Es scheint mir wie ein Unrecht, jetzt noch undankbar zu sein," wandte sich Herr Berghaupt an seinen Sohn, als sie in die Heimath zurückfuhren, „aber ich hatte doch gehofft, Frau Marlitz hätte Dir ein kleines Vermächtniß hinterlassen." Willy lächelte wehmüthig. „Lass' eS gut sein, Vater, ich werde ganz gut fertig," beruhigte er. „Mir ist die Stelle als Assistenzarzt in B. angeboten, das ist nur zwei Stunden Entfernung von Ebersheim, und immerhin ein guter Anfang für mich." „Du wirst dort sehr viel zu thun haben, mein Junge." „Vielleicht, aber Mutter wird sich freuen, daß ich hier in Eurer Nähe bleibe; ich kann bei gutem Wetter sogar zu Fuß nach Ebersheim gehen." „Gibst Du denn jede Hoffnung auf das Erbe Deiner Tante auf, mein Sohn? Du hast doch dieselben Aussichten dazu wie Deine beiden Vettern." „Ich denke gar nicht daran," versicherte Willy entschlossen. „Die Ungewißheit würde mich nur beunruhigen und mir die Freudigkeit zu meinem Berufe rauben. Ich wünsche, Leo wäre der Erbe; sein Vater kann das Geld gut gebrauchen, und bei Martin würde es nur in schlechte Hände fallen." Helene Berghaupt war bet der unerwarteten Nachricht überglücklich; war doch mit einem Male alle Noth verschwunden und für ihre sieben Töchter reichlich gesorgt. Ihr ältester Sohn Willy war Arzt; Paul, der zweite, war Kaufmann und hatte feine Lehrzeit bereits hinter sich; Albert, der jüngste, zählte erst zehn Jahre, aber die guten Verhältnisse der Schwestern sollten ihm auch zum Vortheil werden. „War Hans nicht in dem Testament bedacht?" fragte sie plötzlich, als sie am Abend mit ihrem Gatten allein war. „HanS? meinst Du etwa den Anwalt Nieding damit?" „Nein, ich meine meinen Bruder Hans. Er war Angela's Lieblingsbruder und lebte zuletzt in New-Aork; ich weiß aber nicht, was aus ihm geworden ist." „Sein Name ist gar nicht erwähnt. Der alte Herr Ambach kann eigenmächtig über das Erbe verfügen, vielleicht hat die Verstorbene ihm nähere Anweisungen gegeben. Hoffe aber nicht zu sehr, daß Willy der Erbe wird, Du sparst Dir damit eine herbe Enttäuschung." „Nach meiner Meinung hätte das Vermögen in drei gleiche Theile getheilt werden müssen," sagte Helene gedankenvoll. „Graf Kurt bedarf das Geld, denn eS geht ihm schlechter denn je." „Er war fast verzweifelt, der arme Mann," gab der Lehrer zu, „er erwartete bestimmt eine bedeutende Summe." Helene schüttelte traurig ihr Haupt. Angela hat uns Allen nicht vergeben, daß wir UNS ihrsr Verbindung mit Marlitz widersetzten; Kurt wirb ebenso wenig bekommen wie wir Schwestern." 340 Die Sonne schien hell und warm. Ihre Strahlen brachen sich tausendfältig in den Thautröpfchen, die an Gräsern, Sträuchern und Bäumen glitzerten; welke Blätter, das Zeichen deS herannahenden Herbstes, bedeckten vielfach den Boden, auch die Bäume boten durch die mannigfache Schattirung des Laubes einen eigenartig schönen, malerischen Anblick. Herbstblumen wie Georginen und Astern, auch hier und dort eine verspätete Rose, die Kelche mit Thau gefüllt, bewegten leise und melancholisch die bunten Häupter in dem leichten, frischen Wind, der sich mit Sonnenaufgang erhoben hatte. Es war ein strahlend schöner Tag, und die frische, fröhliche Mädchenschaar, die sich gruppenweise um die allgemein beliebte Vorsteherin des Familienpensionates, La Nochette, schaarte, um Einige für immer. Andere nur für oie füufwöchentliche Ferienzeit Abschied zu nehmen, konnte wohl zufrieden sein, solch selten herrliches Wetter zu ihrem Reisetage zu haben. Das große, peinlich sauber gehaltene Schulzimmer war jetzt still, öde und leer. Große Landkarten hingen an den Wänden, in der Ecke auf einem Seitentische stand ein riesengroßer Globus, Tische und Bänke waren sorgfältig weiß gescheuert, nur zahlreiche Tintenflecke zeugten von dem Fleiß der Schülerinnen. Weiße, duftige Mullgardinen bewegten sich leise vom Winde, der durch die geöffneten Fenster strich, und hinter denselben verborgen stand-eine junge, bleiche Dame, allein und verlassen in dem großen, öden Schulzimmer. Sie hatte die bleichen, schmalen Lippen fest aufeinandergepreßt, und die mit Thränen gefüllten, tiefblauen Augen blickten träumend in den sonnigen Herbsttag hinein, ohne anf die sie umgebende Schönheit zu achten. (Fortsetzung folgt.) -.^SWWS-°-- Die Nörltgeirsirahlen sichtbar! Die Röntgenstrahlen können unter Umständen für das menschliche Auge sichtbar gemacht werden, dies ist wieder eine Entdeckung an diesem so wunderbaren Phänomen. Sie wurde von dem Privatdozenten Dr. Brandes in Halle gemacht, worüber Folgendes berichtet wird. Dr. Brandes kam durch eine Mittheilung des italienischen Physikers Salvioni über die sehr geringe Durchlässigkeit der Linse des thierischen Auges für Nönt- genstrahlen auf die Vermuthung, daß dieser Umstand vielleicht die Unsichtbarkeit der neuen Strahlen erklären könne. Er ließ daher ein wegen eines Augenleidens beider Linsen beraubtes Mädchen an die gänzlich verdunkelte Strahlenquelle herantreten. Als der Strom durch die Röhre ging (es wurde für den Versuch ein sehr starkes Jn- duktorium benutzt, und die große birnförmige Hittoif'sche Röhre war an der kritischen Stelle bedeckt mit Jod- rubidium, das ganz hervorragende Wirksamkeit bei Erzeugung der Röntgenstrahlen besitzt), meldete das junge Mädchen eine Lichtempfindung im linken Auge. Ursprünglich wurde an die Möglichkeit des Eindringens wirklicher Lichtstrahlen ((Überspringen des Funkens) gedacht, aber auch als diese eventuelle Fehlerquelle ausgeschaltet war, hatte das Mädchen immer noch dieselbe Empfindung. Eine Nachprüfung ergab dann das überraschende Resultat, daß auch die Forscher eine Lichtempfindung im Auge hatten. Dr. Brandes hat dann diese Erscheinung weiter untersucht und festgestellt, daß es wirklich die Röntgenstrahlen sind, welche den Reiz auf die Netzhaut ausüben. Bringt uran den in einen völlig undurchsichtigen Behälter eingeschlossenen Kopf in die Nähe der Strahlenquelle so treten auch bei geschlossenem Auge Lichterscheinungen auf, die an der Peripherie am stärksten sind; sie bleiben in gleicher Weise bestehen, wenn eine große Aluminiumplatte, die also die elektrischen Reizungen völlig ausschließen würde, zwischen Hittorf'scher Röhre und Beobachter eingeschaltet wird. Bringt man dagegen eine dicke Glasscheibe, die bekanntlich die eigenartigen Röntgenstrahlen nur in sehr geringem Maße hindurch läßt, zwischen Strahlenquelle und geschlossenes oder verdecktes Auge, so tritt vollkommene Dunkelheit ein. Ob nun die Röntgenstrahlen die nervösen Elemente des Auges direkt zu reizen im Stande sind, oder ob sie nur irgend welche innere Theile des Auges fluoresziren machen und dadurch indirekt eine Lichtempfindung verursachen, hofft man durch neue Experimente entscheiden zu können. — In.Charlottenburg betreibt Pros. Dr. Buka von der technischen Hochschule Versuche über die unmittelbare Beobachtung innerer Körpertheile mittelst der Röntgenstrahlen. Er verwendet dabei einen Barium- und Platincyanürschirm. An einem zehnjährigen Knaben konnte man, wie in der „Deutsch, med. Wochenschr." mitgetheilt wird, was zunächst das Skelett angeht, die Rippen und deren Bewegung bei der Athmnng, die Wirbelsäule, Schultcrgclenk, Schlüsselbein, Scapula, Oberarm, Ellbogengclenk, die Beckenschausel u. a. m. zur Anschauung bringen. Von inneren Organen konnten in ihren Umrissen das Herz und die Leber erkannt werden, wenn der Rücken des Knaben der Hittors'schen Röhre zugewandt wurde. Günstige Ergebnisse lieferte das Buka'sche Verfahren auch bei der Aufsuchung von Fremdkörpern. - —- Zeitungen. „Ein ZeitungSblatt gewähre nur, Der Wünsche höchstes Ziel." Holtcl's Lenore. . Pfingstmontag fder Artikel kommt etwas verspätet zum Abdrucks ist einer von den wenigen zeitungsleeren Tagen im Jahre, was von dem zeilungshnngerigeu Lcse- publicnm gewiß nicht mit solcher Befriedigung empfunden wird, wie von den vielgeplagten Hervorbringern dieser täglichen Kost. Man ist so verwohnt jetzt, wo die Meisten außer einer größeren Zeitung auch noch einige Localblätter hallen oder doch lesen und so immerfort anf dem Laufenden des Neuen, Neuesten und Allerneuesten bleiben und dabei noch den Kopfzerbruch und die Muthmaßungen über zukünftige Ereignisse mit in den Kauf bekommen. Viele Blätter erscheinen zudem zweimal im Tage; da kommt dann zum Neuen immer noch das Neuere hinzu. Und das alles muß der Zeitungswolf entbehren an diesem schönen, freundlichen Pfingsttage oder den wenigen andern Tagen seines Gleichen. Wie gern hörte er anstatt des Blättcr- gesäusels vom Baume vor seinem Fenster das leise Knistern der Blätter seiner geliebten Zeitung! Stirnrunzelnd geht er an den „Tisch des Hauses", sucht aus dem ZeitungS- packet das Neueste heraus und versucht sich in gewohnter Weise zu amüsiren. Aber es gelingt ihm nicht, es ist alles schon viel zu alt. Es ist eben Pfingstmontag und er uiuß sich noch 24 Stunden gedulden. Aber auch bei Menschen, die weniger heißhungerig auf die Zeitnngs- 341 Lcctüre sind, macht sich — so groß ist die Macht der Gewohnheit — eine gewisse Unzufriedenheit geltend. Es ist nicht immer so gewesen. Vor mir liegt eine alte, ja recht alte Zeitung, deren Titel ist: „Kaiserliche Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung zu Köln. 176. Stück. 1780. Mit Seiner römisch-kaiserlichen Majestät aller- gnädigster Freiheit. Freitag, den 3. November." Die ganze Zeitung besteht aus einem vergilbten Quartblatt, noch nicht so groß wie das Ergänzungsblatt der Köln. Volkszeitung, hat einen schönen, leserlichen Druck und weiß uns, unbeschadet ihres geringen Umfanges, allerhand Interessantes zu erzählen. Den Anfang macht ein Bericht über einen in Ober- Oesterreich im August 1780 stattgefundenen Waldschwund mit Baumsturz. Von Oberösterreich führt uns die K. R.- O.-P.-A.-Z. direct nach Frankreich, was bei dem damaligen Uebergcwicht des französischen Wesens nicht zum Verwundern ist. Es handelt sich aber nicht um Haupt- und Staats-Actionen, deren Zeit — neun Jahre vor dem Ausbruch der Ncvolirtion — noch nicht gekommen war, sondern um die Ankunft einer Kaufsahrteiflotte im Hafen von Marseille. „Es läßt sich von selbst ermessen", sagt der Berichterstatter, „in welche Freude das Handlungswesen durch diese glückliche Ankunft versetzt wurde, um so mehr, da die Schiffe theils zu Constantinopel, Smyrna und Salonichi, theils in Syrien mit morgenländischen Waaren befrachtet worden." Folgen noch von Naelis und Brest Schiffs- und Truppen-Nachrichten; dann über Paris, etwa ein Viertel der Zeitung einnehmend, ein Bericht über Vorgänge aus der Revolutionszeit in Amerika. Von da geht's wieder zurück nach Deutschland, und zwar nach der Weser, von woher die Entsendung kurhannover- scher Truppen nach „Aengland" berichtet wird, und nach Negensburg, in dessen Nähe im Hause eines Taglöhncrs während des Gottesdienstes eingebrochen und einer Las Haus bewachenden Frau der Kopf gespalten und zugleich Feuer angelegt wurde. „Dasselbe hat man zwar gelöschet, den Mörder hat man aber noch nicht entdecken können", was man bei uns, 116 Jahre später, bekanntlich auch nicht immer fertig bringt. Zur Erholung von dieser in elf Zeilen erzählten Schauergeschichte kommt etwas Kurzweiliges, wobei man sich freilich müde lesen muß an all den langen Titulaturen; handelt es sich doch um einen Kurfürsten, dessen Coadjntor, und einen Freiherr« von Hoesch, „Seiner letzt- verstorbenen Kurfürstlichen Durchlaucht ehemaliger Oberst- hoskanzlcr und hernächst Sr. Kaiserlichen Majestät Carl VII. gewesener wirklicher geheimer Rath und Hofkanzler". Der Herr mit dem langen Titel hatte, als besondere Ehrung für Kurfürst und Coadjntor, „ein musikalisches Hochamt unter Lösung verschiedener Böllerschüsse feierlich absingen lassen". „Die Vormittags zur Erwccknng mehrerer Andacht gebrauchten musikalischen Instrumente dienten am Nachmittag den Dorfschaften Strümp, Ossnn undBosig- horen zur Ermunterung einer ehrbaren, bis heute früh geendigten Lustbarkeit, zu welcher des gedachten kaiserlichen Rathes Exzellenz die in dergleichen Fällen für männ- und weibliche Geschlechter nothwendigen Sachen vollkommen besorgt haben." Dann kommt von Karl Theodor von der Pfalz die „gnädigste Bestätigung" eines Urtheils, erlassen gegen einen wegen Betrugs, Fäschung, Unbotmäßigkeit usw. seiner Ehrenämter beraubten und entadelten Adeligen, dessen „Frau und wirklich habenden ehelichen Kinder gleichwohlen davon nicht betiöffen werden. Düsseldorf, bett 25. October 1780". Man würde diese Verfügung als „amtlich" jetzt gc» wiß auf der ersten Seite einrücken, anstatt gerade vor den Inseraten. Es sind nämlich auch solche da, aber verschwindend wenig, im ganzen vier. Zuerst die Ankündigung, daß das Porträt Maximilians, Erzherzogs von Oesterreich, Coadjutors des Erzstiftes Köln, in der Haasischen Buchhandlung für 36 Stüber verkäuflich ist. Die drei folgenden Inserate sind Mittheilungen über kurfürstlich kölnische Lotterie-Augelegenheitcn, und das ist alles. Wie man sieht, sind wir den Leuten der vorigen Jahrhunderts-Neige in betreff der Inserate jedenfalls „über". Das buntscheckige, vielgestaltige Ungethüm Neclame war damals noch nicht erfunden. Besonders stark sind darin die Localblätter, zur Erheiterung harmloser Leser. Vor zwei Jahren stand wochenlang in allen Kölner Blättern die Nachricht: Corona kommt! Corona ist noch nicht eingetroffen! Corona wird nächste Woche kommen! Wer war Corona? Eine Schauspielerin, eine Kunstreiterin, eine Ricsendame? O nein, Corona war ein Corset, welches dem Publicnm angekündigt werden sollte. Inzwischen hatte aber ein Pfifficus inserirt, sein Schnaps „Corona" sei angekommen und von unvergleichlicher Güte. Der empörte eigentliche Corona-Besitzer theilte nunmehr dem Publicnm den Sachverhalt mit und überließ es demselben, über das Verfahren des andern sein Urtheil zu bilden. Das that es auch — es lachte. Den Nutzen von der Geschichte hatten aber die Blätter. Ein glücklicher junger Papa hat die Geburt eines Knaben kurz und bündig mit den Worten: „Ein Jüngcl- chen!" angezeigt. Aus dem einen wurde aber eine Menge „Jüngelchen", denn ein Schalk hatte sich den billigen Spaß gemacht, mehrere Tage hintereinander in verschiedenen Blättern das Jüngelchen, wenn auch ohne Nennung des Vaternamens, zu inscriren. Am ersten Tage stand es auf allen vier Seiten an hervorragender Stelle. Es waren gewiß viele harmlose Leser ebenso heiter darüber wie der junge Vater über die Ankunft des „Jüngelchcns". Den Umschwung der Verhältnisse merkt man in dem erwähnten Zeituugsblatte ganz besonders an dein gänzlichen Fehlen aller parlamentarischen Nachrichten, Land- und Neichstags-Neden usw. Woher hätten .die auch kommen sollen, da der -beschränkte Untcrthancuverstand noch nicht ein Mal erfunden war? Deshalb waren die damaligen Berichterstatter nicht im Stande, den kannegießernden Zeitungs- lescrn die collegialischcn Grobheiten der Reichsbotcn unter sich und die olympischen Reden vom Ministcrtische zum Morgenkaffee oder Abendschoppen vorzulegen. Es mußte auch so gehen. Auch an dem, was man Klatsch nennt, fehlt es in dem alten Blättchcn ganz, was wohl hauptsächlich der Censur zuzuschreiben ist. Es werden weder Persönlichkeiten angegriffen, noch wird dem Urtheil über zukünftige Entwickelungen und Ereignisse vorgegriffen. Wie oft ein solches trügt, zeigt sich jedem, der sich die Mühe geben will, alte Zeitungen durchznlesen. Arthur Milchhöfer erzählt in einem Reisebericht aus Griechenland, da ihn die Zeitungen nicht täglich erreichen konnten, habe er sich dieselben in großen Packeten nachschicken lassen und dann immer wieder eingesehen, daß alles gewöhnlich anders kommt als man dachte — wie wir ja auch bei Kanzlerkrisen, Schul- und Umsturz-Vorlagen usw. erfahren habend Solche Ueberraschnirgen konnte man freilich den frühern ZsitungSlcsern nicht allzu oft bieten, und wir würden es auch verschmerzen, wenn sie seltener kämen. Am Feuilleton scheint es den damaligen Zeitungen ganz gefehlt zu haben. Man kann sich das jetzt kaum vorstellen. Manche Herren behaupten, sie Hütten keine Zeit, daS Feuilleton zu lesen. Das mag ja zutreffen. Die Damen aber studiren es jedenfalls um so eifriger, und gerade deßhalb ist die Auswahl durchaus keine gleichgültige Sache. Das tägliche Lesen einer unsittlichen, wenn auch fesselnd geschriebenen Erzählung wirkt gerade in der Zeitung, wo man es, weil es weniger ist, auch mit größerer Aufmerksamkeit liest als in einem Buche, für junge und unreife Leute wie eine langsame Vergiftung. Und wenn es auch reinen Frauen nicht schadet — warum sollen sie ihre Seelen damit betrüben? Sie können ihre Zeit besser verwenden. Das sittenreine, an- muthig geschriebene Feuilleton dagegen hat ein freundliches Interesse für die ganze Familie, besonders den jüngeren Theil derselben. Es läßt sich ja sonst selten einrichten, daß alle das Gleiche lesen. Bei den Zeitungen geht es aber, und dann ist nachher der Gedankenaustausch über das Gelesene, die Muthmaßung über das, was morgen kommen mag, eben so anregend als den Geschmack bildend. In einigen Familien hat man die löbliche Gepflogenheit, die Zcitnngsgeschichten zu verwahren und später einzuheften, und vieles ist auch werth, auf solche Weise erhalten zu werden. Es kommt eben alles darauf an, daß die Zeitung gut, daß sie in religiöser und sittlicher Beziehung einwandfrei ist. Darauf wird bei Auswahl der Hauszeitungen noch immer zu wenig geachtet. Und doch sollte man bedenken, daß für viele Menschen die Zeitung wie das tägliche Brod ist und es gewiß darauf ankommt, daß dasselbe rein und unverfälscht sei. Man hört so oft das Wort: „Mir schadet das nicht." Das mag sein; aber wer weiß denn, ob es nicht andern, besonders der heranwachsenden Familie, schadet? Man läßt sich immer mehr oder weniger durch die tägliche Zeitungslectüre beeinflussen. Auf den eigenen Doctor und die eigene Zeitung halten wir wie auf etwas, das zu uns selbst gehört. Wer schlechte Zeitungen lesen muß, thue das möglichst auswärts, halte zu Hause aber gute, bewährte Blätter, woran es Gott Lob jetzt nicht mehr fehlt, die aber noch immer nicht genug unterstützt werden. ----*S>--— Der KasenderstreiL und srlue Folgen in Nngsburg. ( 1583 - 1591 .) (Schluß.) , Nachdem der Stadtvogt durch die unter das Gewehr getretene Thorwache einige Alarmschüsse hatte abfeuern lassen, um das in der Nähe postirte Fähnlein herbeizurufen, wollte er über den Vorfall auf dem Nathhause Meldung erstatten, erlitt aber unterwegs, als er mit seinem Hauptmann Peter Gleim von Mellerstadt redete, durch einen aus einem Kaufmannshaus abgegebenen Schuß eine schwere Verwundung am Arm. Auch in der Annastraße wurde trotz des Befehles, nur durch Luft- schüsse die Nebcllen zurückzutreiben, ein einziger Mensch („eine tolle und ganz lüderliche Person, die gegen alle Ermahnung von ihrer Unsinnigkeit nicht ablassen wollte, durch Müller aber zu einem Heiligen erhoben wird") durch eine Kugel tödtltch verletzt. Der Lärm und daS Schießen rief die Bürger in Waffen auf die Sammelplätze, doch gingen sie ohne Ausschreitungen wieder nach Haus, da sie Gewißheit über die glückliche Rettung deS Dr. Mylius, und daß die übrigen 13 Prediger nicht gefährdet seien, erlangt hatten. Bis zum Abend war der Aufruhr gestillt, und während der Nacht kam mit Hülfe seiner Freunde Pastor Müller aus der Stadt. Er begab sich nach Mm, wo er eine gastliche Aufnahme fand?) Nach wenigen Tagen erreichte ihn dort die Trauerbotschaft von dem plötzlich erfolgten Ableben seiner Frau; doch wagte er nicht, deßhalb nach Augsburg zurückzukehren angesichts des ihm zugefertigten Dekrets, worin ihm der Rath eröffnete, „daß er wegen Anstiftung deS Ungehorsams gemeiner Bürgerschaft gegen die Obrigkeit, und weil nicht Willens von diesem Unwesen abzulassen, alsbald aus der Stadt zu weichen, seinen Pfennig anderswo zu verzehren und des Zugangs und PraktizirenS unter und mit den Bürgern sich gänzlich zu enthalten habe. Sein Platz und Stell soll sogleich mit einem an- , deren Prediger der Augsburger Konfession wieder ersetzt i werden." Die überraschend schnelle und unfreiwillig erfolgte j „Beurlaubung" des Superintendenten verfehlte nicht die erwartete Wirkung, daß in dem Ministerium die Beseitigung des verwirrenden Einflusses dieses Mannes als eine Erleichterung empfunden wurde. Es genügte jetzt eine einzige Besprechung der Stadtpfleger mit den Prä- dikanten zur Gewinnung des Bodens einer Verständigung. Gerne bot der Rath die Hand zum Frieden, und indem er dem Predigtamte die gewünschte Erlaubniß ertheilte, noch einmal das Pfingstfest an dem Tage nach dem alten Kalender feiern zu dürfen, erklärte sich dasselbe bereit, fortan in der Kirche der neuen Zeitrechnung sich zu bedienen und die Gemeinde zu ermähnen, „den eingeriffenen Unfrieden und alle Widerwärtigkeit zu vergraben." Dem entsprechend wurde am Sonntag den 17. Juni 1584 stxlo novo und am nächsten Montag von allen Kanzeln verlesen: „dieweil leider große Zerrüttung und Unruhe, ja auch gar gefährliche Verbitterung zwischen gemeiner Bürgerschaft eine Zeit lang gewesen und dieses schädliche Uebel aus Ungleichheit der Feier- und Werktage nach altem und neuem Kalender meistentheils entstanden ist, so hat man sich der Nöm. Kais. Majestät und E. Rathe allhier zu Ehren und Gehorsam also verglichen, daß es in dieser ganzen Stadt mit Feiern und Arbeiten forthin nicht nach dem alten, sondern nach dem neuen Kalender durchaus gleichförmig soll gehalten werden." ^ Der leidige Kalenderstreit war nach hitzigem Kampfe auf beiden Seiten sonach beendet?) Pflichtschuldig berichtete der Rath über den Vorgang am 4. Juni (25. Mai a. St.) nach Wien, worauf eins kaiserliche Commission zur Untersuchung und Schlichtung 2) Nach einem Aufenthalt von 10 Minuten in Ulm berief ibn der Kurfürst von Sachsen nach Wittcnberg als Kanzler der Akademie und Propst der Schloßkirche, auch lelnte er als Professor an der Universität zu Jena und leitete 1592 die Kirchen- vlsitation im ganzen Kurfürstenthum; er starb 1607 in diesem Dienst. 3) Der Gregorianische Kalender fand 1586 in Polen, 1587 in Ungarn Eingang, wurde 1699 von den cvangel. Ständen deS deutschen Reichs als „verbesserter" Kalender angenommen und 1752 in England, 1753 in Schweden eingeführt. Rußland, Griechenland und die Slaven griechischer Konfession rechnen noch nach dem Julianischen Kalender (a. St.). 343 -er Wirren in Augsburg eintraf und sich einer mühevollen Arbeit nicht wegen des beigelegten Kalenderstreites, sondern wegen einer aus demselben erwachsenen, auf kirchlichem Gebiete wichtigen Folge unterziehen mußte. Unter den Gründen, mit welchen dem Rathe die Berechtigung zur Abänderung der kirchlichen Festtage abgesprochen werden wollte, erschien auch die Machtbefugniß des Ministeriums, alle persönlichen und inneren Angelegenheiten der Kirche allein regeln zu können, wogegen jedoch am 1. Februar 1584 Stadtpfleger Nehlingen mit Entschiedenheit protestirte, weil dieser Satz in seiner allgemeinen Fassung mit den uralten Privilegien des städtischen Regiments sich nicht vertrage. Jetzt griff Dr. Mylius in seinen aus Ulm an die evangel. Gemeinde gerichteten Trost- und Sendschreiben leidenschaftlich das Stadtoberhaupt an, welches sich nicht scheue zu behaupten, Kirchendiener zu wählen, zu nominieren, zu bestätigen und zu beurlauben stehe ebensowohl als die Vokativ« bei den Stadtpflegern und den Geheimen, „und doch lebt ihr in einem freien Staat und in keiner Monarchie oder unter einem Diktator." Ungeachtet derartiger aufreizender Schriften, denen gegenüber die Prädikanten sich ruhig verhielten, wollte der Rath weder dem in Aussicht stehenden kommissarischen Gutachten, noch weit weniger einer allerhöchsten Entschließung vorgreifen, und er begnügte sich mit Mahnungen „an jeden Bürger, Inwohner und Verwandten dieser Stadt in gebührender Bescheidenheit eine Resolution abzuwarten, verbotene Zusammenkünfte zu meiden und Geldsammlungen zu Conspirattonen und Meutereien zu unterlassen." Mit einem Auszug aus dem durch die Kaiserlichen Sub- und delegirten Commissarien aufgerichteten und von dem ganzen Rathe angenommenen Vertrag lief bei der Nathskanzlei im Monat Juni 1586 das von Rudolph II. zu Prag am 30. Januar 1586 ergangene Mandat ein. Dasselbe drückt zunächst „das ganz ungnädigste Mißfallen den ausgeschnfftcn und aus- gewichenen Bürgern ob ihres Ungehorsams und Mnth- willens" aus, will aber die gehorsamlich sich unterwerfenden von Strafe liberiren und verhofft sich einer künftigen „Reverenz und schuldiger Achtung." Was sodann den Hauptpunkt, die Nomination u. s. w., betrifft, so spricht sich der kaiserliche Wille unzweideutig dahin aus: „die Nomination, Präsentation und Confirmation der Kirchendiener Augsburger Konfession soll einem E. Rath, als dem Haupt der Stadt, welches auch die ganze Gemeinde repräsentirt, ungeschmälert bleiben, und er habe jederzeit 14 Prädikanten und nicht weniger in Bestallung zu erhalten, daneben aber soll dem Ministerio unverwehrt sein in Erledigung einer Kirchenstelle einen zum Amte tauglich Oualifizirten vorzuschlagen ohne deßhalb einem E. Rathe an dessen habenden Rechten etwas zu derogiren oder zu nehmen." Ohne Säumen ernannte der Rath aus seiner Mitte 3 Kirchenpfleger Augsburgischer Konfession und beauftragte sie, den Kirchendienern das kaiserliche Dekret bekannt zu geben. " Obwohl in der Zwischenzeit Dr. Mylius seinen Wohnsitz in Wittenberg genommen hatte, so lockerte die größere Entfernung keineswegs die Bande, mit welchen er seine vormalige Heimath an sich geknüpft hatte. Genau unterrichtet von allem, was dorten vorging, griff er noch immer mit den Trost- und Sendbriefen in die Ereignisse der, wie er meinte, hart bedrängten Stadt ein und sorgte dafür, daß die Fackel der Zwietracht nicht erlösche. Schmerzlich berührte ihn allerdings die Nachgiebigkeit des Predigamtes in dem Kalenderstreite, jetzt aber wachte er demselben gegenüber seinen ganzen Einfluß geltend, um eine zweite Niederlage abzuwenden. Nicht nur hatte er einst als seine Hauptaufgabe die Machtstärkung deS Ministeriums aufgefaßt, sondern seine Thätigkeit gegen den Wirkungskreis der weltlichen Obrigkeit durfte auch namhafte Erfolge verzeichnen, bis die neuen Stadtpfleger seine Zirkel störten. Ihm war wohl bewußt, daß von dem Siege über den kaiserlichen Willen, von dem er schon Kenntniß aus Wien erlangt hatte, ehe dieser auf dem Nathhause in Augsburg verlautete, die Fortdauer der Gewalt bet der ihm noch anhängenden Bürgerschaft bedingt sei, und daß der Ausgang dieses Kampfes in vielen Gemeinden ähnlicher Lage maßgebend werden könnte. Die durch ihn und seine Freunde bearbeiteten Prädikanten gelobten auf dem Plane auszuharren. Das Geheimniß über diesen Widerstand blieb nicht gewahrt, daher der Rath auf schnelle und kräftige Entschließungen sich vorbereitete. Als nun die 11 Pfarrer und Diakone erklärten, daß ihnen „der Artikel, belangend die Bestellung des Predigamtes, allzuschwer, unerträglich und begehrtcrmaßen ganz unmöglich sei und sie dann dieser Stadt E. Kirchen und der Gemeinde nicht länger dienen könnten", erhielten sie umgehend den Bescheid: „Kaiser!. Majestät habe einem E. Rathe den lauteren Befehl gegeben, die publizirte Resolution strack zu halten und gegen diejenigen, so sich deren widersetzen, mit ernstlicher Straf zu prozediren; wollten sie also auf ihrer Erklärung verharren, so werde man ihnen einen friedlichen Abschied aus dieser Stadt nicht versperren und mit erstem trachten, mit anderen der Augsburger Konfession verwandten tauglichen Personen und winistrig ihre Plätze zu besetzen." Eine so feste Sprache verlangte nur Ja oder Nein, und in einer langen Snpplikation begründete der ganze Konvent am 13. Juli sein ablehnendes Verhalten zu dem Artikel über die Berufung und Anstellung der evangelischen Geistlichen durch die weltliche Obrigkeit. Ju 6 Tagen hatten die Prädikanten ihre Entlassung in der Hand. „Ihres gegen der Kais. Resolutionen, Dekreten, Mandaten und aufgerichteten Vertrag erklärten Ungehorsams halber — hieß es in dem kurzen Beschlusse vom 18. Juli 1566 — sind sie allhier nicht länger zu dulden, haben sich des Predigens und des Küchendienstes nicht ferner zu unterfahen, sondern noch vor Nachts ihren Abzug mit aller Still' und Ruh', ohne Geschrei, Ge- läuf und Bewegung der Gemeinde zu nehmen, auch ihre Weiber und Kinder aufs ehest hienach zu ihnen zu fordern, dargegen will man jedem sein ganz Quatcmbergeld erlegen und bezahlen. Es soll und wird bei diesem Dekret endlich bleiben." In kurzer Zeit vollzog sich die Wiederbesetznug der Stellen. Wie tief den vr. Mylius die erlittene Niederlage schmerzte, zeigt die von ihm zu Wittenberg 1586 im Druck heransgcbene Schrift „Augsburger Händel". Allein diese Selbstvertheidignng verfehlte ihren Zweck. Die maßlosen Uebertreibungen und die lächerlichen Erdichtungen irrten so weit von dem Wege der Wahrheit ab und der Verfasser ließ dem Groll gegen den Rath und besonders gegen den Stadtpfleger Nehlingen so leidenschaftlich die Zügel schießen, daß ein Theil der eigenen Partei von ihm sich abwendete. Außerdem veranlaßte das „Famos- gedicht" den vr. Georg Tradel, im Auftrage der Herren Pfleger und Geheimräthe einen „wahrhaften Gegenbericht" durch die Presse zu veröffentlichen, in welchem mit nicht minder derben Ausfällen das ganze Gebühren des vormaligen Superintendenten in andere Beleuchtung gerückt wurde, die seinem Ansehen in weiten Kreisen schadete. All das bestimmte den Wittenberger Schloßprediger und Universitäts-Prosessor nicht, die spitzige Feder niederzulegen. Er fuhr mit den Send- und Trostbriefen fort. deren einer mit dem Schlußwort „Nöm. 16, 20: Der Gott des Friedens zertrete den Satan unter euren Füßen in Kurzem, Amen" die Tendenz aller kennzeichnet. Namentlich vergißt sich ein Schreiben „an die Bürgerschaft über ihren betrübten Zustand, daß ihnen ihre liebe Seelsorger und Prediger abgeschafft und alle zumal auf einen Tag zur Stadt ausgetrieben werden" — soweit, daß er die Schließung der Kirche als das kleinere Uebel an- rathet. „Wenn ihr — fordert vr. Mylius die Gemeinde auf — der treulosen Miethlinge von der Kanzel und aus der Kirche nicht los werden könnet, so enthaltet euch der Predigten und würdiget sie nicht ein Wort von ihnen anzuhören, die auch allbereit mehr gestohlen als sie euch je bringen können, gebrauchet nicht ihre Sakramente, weil sie nicht im göttlichen Berufe stehen, erholet nicht ihres Trostes bet Kranken und Sterbenden, taufet selbst eure Kinder und suchet in euren Häusern mit Gesind und Kindern eure Postillen und reinen Bücher auf, um in dieser Gemeinschaft das Gebet und die schönen Psalmgesänge erschallen zu lassen." Die neuen Prediger traten mit diesem „lästerlichen und einem evangelischen Lehrer ungebührlichen" Brief vor die Gemeinde, nicht „wegen der Schmähung unseres guten Leumunds, Geruchs und Ehren", sondern wegen unserer Berufung durch einen E. Rath, und „wir können nicht verhalten, daß Dr. Müller und seine gewesenen Mit- brüder allhier diesen Artikel nicht recht verstanden und damit sich sammt euch des Berufs halber böslich und schädlich verführt, auch bei diesem Punkt weit und breit geirrt haben." Dieses Bekenntniß füllte allmälig die Kluft zwischen der evangelischen Bürgerschaft und der weltlichen Obrigkeit aus, und daß bis zum endgültigen Friedensschlüsse noch 4 Jahre verstreichen wußten, verschuldete nur der damalige schleppende Geschäftsverkehr mit der kaiserlichen Kanzlei. Dadurch erlebte auch nicht die Krönung seines Werkes der Mann, durch dessen Staatsklugheit dem Rathe die ihm rechtlich zustehende politische Stellung dem evangelischen Ministerium gegenüber unbeschadet des allgemeinen Ncligionsfriedens erhalten blieb. Der Stadipfleger Anton Christoph von Rehlingen starb nach 14jähriger sturmvoller Regierung 1589. Die kaiserliche Confirmirung „der Artikel, wie es hinfüro in Berufung der Kirchendiener Augsburgischer Konfession gehalten werden soll", erfolgte 1591. Dieser wichtige Vergleich bestimmte: „daß einem E. Rath als der Obrigkeit allhier zu Augsburg alle und jede ffnris- äiotio über die evangelischen Kirchen, derselben Diener und Zuhörer, sonderlich aber das jus evangel. Kirchendiener zu vociren, zu conformiren und zu bestätigen den Herrn Stadipflegern und Geheimen von eines Ehrbaren Raths wegen zugehören und bleiben soll." Mit der Rückkehr des Friedens in die Mauern der Stadt hielt leider die Wiederbelebung des frenndnachbar- ltchen Verhältnisses zu der Reichsstadt Ulm nicht gleichen Schritt. Seit alten Zeiten standen die beiden Städte in guten und bösen Tagen hülfreich sich zur Seite, und auch bei den jüngsten Wirren erzielten die ulmischen Delektiert mit den Gesandten mehrerer Fürsten und Stände wiederholt eine Verständigung zwischen der Obrigkeit und der Bürgerschaft. In einem der aufgerichteten Verträge hatten die Verbündeten auch dahin sich geeinigt, daß sie nicht dulden werden, Zerwürfnisse in der Heimath von außen her zu nähren. Gestützt auf diese Beredung verlangte nun Augsburg die Ausschaffung des Dr. MyliuS und der später ausgewiesenen Prediger aus der Stadt und dem Gebiete Ulms wegen ihrer fortwährenden Friedensstörungen. Allein der Senat an der Donau lehnte den Antrag, als nicht in dem Nahmen der getroffenen Uebereinkunft liegend, ab und verweigerte die Ausweisung der in seinem Lande gastlich aufgenommenen Personen. Sofort verließen die aus dem Städtetag in Ulm weilenden Abgesandten Augsburgs den Konvent, und von dieser Zeit an ließ sich die Reichsstadt ungeachtet der jedesmal an sie ergangenen Einladung nimmer bei dem süddeutschen Fürsten- und Städtebunde vertreten. In dieser isolirten Lage verharrte Augsburg noch bei dem Abschlüsse der protestantischen Union am 4. Mai 1608 und bei der am 10. Juli 1609 gegründeten katholischen Liga, ohne daß die einst mächtigste Reichsstadt dadurch dem bald darauf entfesselten Kriegssturme zu entrinnen vermochte. --ss-v-es-.-- ALLeZriei» Ein Bewunderer des PapstesLeo war auch der am 1. Mai ermordete Schah von Perflen. Er hätte auf seiner letzten Reise durch Europa auch gern dem Vatikan einen Besuch abgestattet, unterließ es aber schließlich mit Rücksicht aus den König von Italien. Obwohl strenggläubiger Muhammedaner, rief der Schah in sein Reich, das 400,000 Christen zählt, Mönche vom Orden des hl. Vincenz von Paul. -- Kiimnelsschcm im Monat Juni. —X. Merkur 8 kann gegen Ende des Monates Morgens in der Dämmerung sich zeigen. Venus tz verliert sich immer mehr in der Morgen- Dämmerung. Mars A noch ziemlich lichtschwach geht erst etwa eine Stunde nach Mitternacht auf. Jupiter A geht immer früher auf, anfangs gegen 11U. 45 M., zuletzt nach 10 U. abds. und steht in NW. Saturn H rückgängig in der Wage ist sehr hell, erreicht zwischen -10 U. und 8 U. abds. seine größte Höhe und geht 1 U. 30 M. in WSW. unter. In der Nähe des Mondes befinden sich am 5. Mars, am 10. Venus, am 11. Merkur, am 21. Saturn. Vom Monde werden bedeckt Jupiter am 14. abds. 10 U. 46 M., Negulus am 16. und Antares am 23. vorm. 11 U. Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 44: Weiß. Schwarz. 1. D. V3-V1 L. L3-66 (L, L) 2. D. V1-H5 L. 66-W 3. D. L5-L6 Matt. i.: t. L. W-b"? (66) 2. D. vl-b'S beliebig. 3. D. Matt. L. L. . . . . . 65-64 oder 63-62 2. D. v1-§1(odF3-s) L. 3. D. Matt.