«47. Ireltag» den 5. Juni 1896. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbcfitzer vr. Max Huttler). Kchickfalsivege. Erzählung von Clarisse Borges. (Fortsetzung.) Der junge Arzt schaute enttäuscht im Gemache umher, doch Lilli beantwortete seine unausgesprochene Frage und sagte: »Ich will in'S Schulzimmer gehen und Fräulein Adair zum Abendessen rufen," doch die Mutter hielt sie von ihrem Vorhaben zurück. »Bemühe Dich nicht," sagte sie schroff, »Fräulein Adair weiß, daß pünktlich um acht Uhr gespeist wird, darnach kann sie sich richten." Noch vor wenigen Monaten hatte sie sehnlichst gewünscht, ihre Töchter zu Lehrerinnen oder Gouvernanten auszubilden, damals fehlten aber leider die Mittel dazu und jetzt — — sah sie eine weite Kluft zwischen ihren Töchtern und deren Erzieherin, die ja für ihr tägliches Brod arbeiten mußte! Martha Adair war bereits im Speisezimmer. Willy bot ihr zum Gruß die Hand und stellte Leo vor, doch er war entrüstet, daß weder Mutter noch Schwestern während der Mahlzeit auch nur ein Wort an sie richteten. Die junge Dame hatte sich in den wenigen Monaten, seitdem sie in der Lehrerfamilte weilte, sehr zu ihrem Vortheil verändert. Der matte, müde Ausdruck aus ihrem Antlitz war verschwunden und hatte einer lebhaften Frische Platz gemacht, nur ein melancholischer Ausdruck lagerte noch oft auf ihrem lieblichen Gesichtchen, wenn sie an den plötzlichen Tod ihrer Mutter gedachte, die sie so gern in diesem Leben noch einmal wieder gesehen hätte.- Leo von Wildenthal konnte kaum seine Blicke von der lieblichen Erscheinung abwenden. So unmuthig und bezaubernd in ihrer kindlichen Bescheidenheit hatte er kaum in seinem Leben eine junge Dame gesehen, und jetzt verstand er Willh'S Gefühle, die von dieser seltenen Schönheit mächtig angezogen waren. Und doch fühlte sich Martha Adair entäuscht in ihrem neuen Wirkungskreise. Die Kinder liebten sie und machten gute Fortschritte; der Lehrer und der Arzt kamen ihr mit zuvorkommender Höflichkeit entgegen, aber Frau Berghaupt und die beiden ältesten Töchter suchten die neue Hausgenossin in „ihre Schranken" zurückzuhalten ind zeigten ihr bei jeder Gelegenheit den großen Unterschied, der zwischen ihrer Familie und der armen Erzieherin bestand. Martha selbst konnte diesen gewaltigen Unterschieb nicht gnt einsehen. Sie erinnerte sich genau der Zeit, da Jenny Berghaupt in ihrem fadenscheinigen, ärmlichen Kleide Mademoiselle La Rochette angefleht hatte, sie doch als Handarbeitslehrerin zu behalten, sie wolle ja kein Geld beanspruchen, sonderu nur um das tägliche Brod arbeiten. Wie sie dann nach vergeblichen Bitten schluchzend bei Martha Adair Trost gesucht und geklagt hatte, daß die Eltern jetzt nach ihrer Rückkehr wieder ein Kind mehr zu beköstigen haben würden. Es berührte den jungen Inspektor seltsam, daß die drei Herren die Kosten der Unterhaltung ganz allein tragen mußten; Frau Berghaupt und ihre beiden Töchter verhielten sich ganz schweigsam, und wenn das Wort an sie gerichtet wurde, antworteten sie einsilbig und stockend, man merkte es ihnen an, daß sie in großer Zuriickge- zogenheit gelebt hatten und dadurch ihre Ansichten beschränkt und ihr Gesichtskreis ein enger war. Leo bemitleidete die arme Gouvernante, deren LooS in dieser Familie gewiß nicht zu beneiden war, er fand keine Gelegenheit mehr, mit ihr zu sprechen, und bald nachher trat er mit Willy den Rückweg an. „Nun?!" Leo verstand wohl dieses kleine an ihn gerichtete Wörtchen und wußte, daß Willy sagen wollte: „Wie gefällt sie Dir?" aber er beantwortete nicht die unange- sprochene Frage und sagte nur: „Dein Vater gefällt mir sehr gut; er ist daS echte Bild eines biederen deutschen Lehrers." „DaS ist er," pflichtete der Sohn bet, „so lang. ich denken kann, hat er sich bemüht, uns Kindern ein liebevoller Vater zu sein. Meine Mutter ist auch gut, aber sie hat oft sehr beschränkte Ansichten." „Sie hat vielleicht bittere Erfahrungen im Leben gehabt." »Deshalb darf sie aber nicht hart und ungerecht sein, und meine beiden Schwestern sind ebenso wie sie. Leo, es hat mich empört, wie rücksichtslos sie Fräulein Adair behandelten." »Sie waren gerade nicht freundlich gegen sie," gab Leo zu, »es ist doch sonderbar, daß Frauen gegen es« schönes Mädchen oft so hart und rücksichtslos sind." »Hältst Du sie wirklich für schön?" „Sie ist entzückend. Lieber Willy, siehst Du denn nicht die Gefahren, die ihr drohen? Glaubst Du, daß Deine Mutter ihre Einwilligung zu Deiner Verbindung mit ihr geben wird?" „So weit sind wir noch nicht. Es wird noch Jahre dauern, ehe ich an eine Heirath denken kann." „Wie soll es denn werden?" „Was?" fragte der Arzt ahnungslos. „Ich verstehe Dich nicht." „Du sagst selbst, eS sollen noch Jahre darüber hingehen? Glaubst Du denn, daß Du Deiner Mutter und Deinen Schwestern Dein Geheimniß solange verbergen kannst? Denke an meine Worte, Willy! Sobald die Deinigen Deine Absicht erfahren, wird Fräulein Adair ihr Haus verlassen müssen." Der Arzt seufzte. „Daran habe ich nie gedacht," gestand er. „Ich hoffte, Fräulein Adair würde so lange bleiben, bis Anna fertig ist, und sie ist erst acht Jahre alt."- Leo lachte herzlich. „Lieber Junge," scherzte er, „glaube doch nicht, daß eine so bildhübsche Dame fünf oder sechs Jahre von der Männerwelt unbemerkt bleibt. Entweder mußt Du Dich bald mit ihr verloben — oder auf sie verzichten." V. Es war sonderbar, daß nach diesem ersten Besuche der junge Inspektor seinen Weg sehr häufig nach Ebersheim nahm, noch auffälliger, daß er zu den Besuchen in der Lehrersfamilie Stunden wählte, in denen er Willy in seinem Berufe beschäftigt wußte. Er wurde bald ein Liebling der ganzen Familie. Die Kleinen freuten sich, wenn er kam, denn er stellte sich niemals mit leeren Händen ei«. Der Lehrer verplauderte gern ein Stündchen mit ihm, sogar Frau Berghaupt und die beiden ältesten Mädchen, Babette und Florentine, legten allmählig ihre Schüchternheit ab und empfingen den Gast mit aller Freundlichkeit, die ihnen zu Gebote stand. Die mit Töchtern so reich gesegnete Mutter hatte keinen anderen Gedanken, als daß der reichbegabte Pflege- sohn ihrer Schwester Gefallen an einem ihrer Mädchen gefunden habe, nur wußte sie nicht, ob er Babette oder Florentine den Vorzug geben solle. Es war zwar traurig, daß das alte Stammschloß der Familie verloren gegangen war, aber es schien ihr, daß Leo der Liebling ihrer Schwester Angela gewesen sei, und als ihr Erbe konnte er zweifellos die Güter wieder erwerben. Immerhin war er eine sehr gute Partie, aber ach! warum zögerte er so lange, sich offen zu erklären? Ihrem Gatten sagte sie kein Wort von ihrem Lieblingstraum, auch Willy nicht, wohl aber ihren Töchtern, und alle drei Damen stimmten überein, daß Florentine die passendste Gattin für Leo werden würde. „Ich würde in bescheideneren Verhältnissen weit glücklicher sein," gestand Babette offen, „aber Florentine ist wie geschaffen dazu, um ein Dutzend Dienstboten zu befehlen und in einem großen Schlosse zu herrschen; sie ryuß Leo'S Gattin werden." DaS lautete für jeden Unbefangenen selbstlos, aber feit einigen Monaten hatte ein reicher Gutsnachbar, Herr Mayfeldt, häufig den Lehrer Berghaupt besucht, und sowohl Babette wie ihre Mutter hielten diese Besuche nicht für absichtslos. So war der Winter dem Frühling gewichen. Der Lehrer schien für alle Vorgänge in seinem Hause blind zu sein; auch Willy hatte nur feine Augen für Martha Adair offen und ahnte nichts von den Träumen seiner Mutter, die Herrn Mayfeldt und Leo bereits wie ihre eigenen Söhne ansah. Mittlerweile wurde die Gouvernante von Tag zu Tag bleicher; ihre glänzenden Augen blickten trübe, und nur mühsam konnte sie ihre täglichen Pflichten erfüllen. Leo beobachtete sie scharf, und es war ihm zur Gewißheit geworden, daß die Entdeckung von Wtllh's Geheimniß diese traurige Veränderung hervorgerufen habe. „Hat Fräulein Adair niemals eine Ferienzeit?" fragte Leo den Lehrer, als er sich in der Familie zum Abendessen wieder einmal einstellte. „Sie verlangt gar nicht darnach, da sie weder Freunde noch Verwandte hat, zu denen sie anch auf kurze Zeit Hinreisen könnte," lautete die Antwort. „Aber sie bedarf einer Erholung," beharrte Leo, „ich wundere mich, daß Du als Arzt diese Veränderung nicht siehst, Willy; sie schleicht einher wie ein Schatten. Entweder hat sie großen Kummer oder sie ist ernstlich krank." Der junge Arzt war sichtlich erschrocken. Beim Heimweg lenkte er das Gespräch gleich wieder auf Martha Adair. „Ich weiß wirklich nicht, wozu ich mich entschließen soll," begann er, „biete ich ihr jetzt schon Herz und Hand an und sie schlägt meine Bitte ab, so ist mein Elternhaus kein Aufenthalt mehr für sie; spreche ich aber nicht offen mit ihr, so habe ich kein Recht, nach ihrem Kummer zu fragen." „Sprich offen mit ihr," rieth Leo mit seltsam bebender Stimme, „sie hat das Herz auf dem rechten Fleck. Wenn sie Dich liebt, wird sie entweder warten oder ein Leben unter wenig günstigen Aussichten schon jetzt mit Dir beginnen." Der auffallend bewegte Ton der Stimme ließ den Arzt verwundert aufschauen. Plötzlich fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er rief erschreckt aus: „Oh Leo, sage mir nicht, daß Du sie auch liebst, das könnte ich niemals ertragen! Raube mir nicht daL einzige Glück meines Lebens, denn ich habe nur die eine Hoffnung, Martha's Liebe zu gewinnen." ES entstand eine lange, peinliche Pause. Leo kämpfte einen schweren Kampf; er liebte die bleiche, schöne Gouvernante mit allen Fasern seines Herzens, aber konnte er den Freund betrügen, der ihm vertraut hatte? Willy hatte ihm das Geheimniß feines Herzens geoffenbart, ehe er Fräulein Adair gesehen hatte, und es wäre schlecht und niedrig von ihm gewesen, dem Freunde die einzige Hoffnung und Lebensfreude zu rauben. Endlich brach er das Schweigen und sagte so ruhig als möglich: „Von mir hast Du nichts zu befürchten, alter Junge; auf den Trümmern Deines Glückes würde ich nie das weinige aufbauen. Aber Andere sind vielleicht weniger gewissenhaft. Wie könnten sie es auch sein, da Dein Geheimniß Niemandem außer mir bekannt ist? Folge meinen: Rathe und sprich gleich morgen mit Fräulein Adair; es ist doch besser wir diese quälende Ungewißheit. Wenn Deine Mutter sie fortschickt, was ich fast befürchte, so wird Dein Vater sich doch um eine andere Heimath für sie bemühen. Sie scheint ohnehin nicht glücklich in Eurem Hause zu sein, und ich fürchte, daß Deine Schwestern ihr das Leben beträchtlich erschweren." 355 Willy athmete erleichtert auf. Er bemerkte gar nicht, daß Leo nicht gesagt hatte: „Ich liebe sie nicht", aber er vertraute ihm und freute sich, keinen Nebenbuhler in ihm zu finden. „Morgen soll sich mein Schicksal entscheiden," sagte er ernst, „Du hast Recht, Gewißheit ist besser wie Ungewißheit, und dann komme ich gleich zu Dir und sage Dir das Resultat." Aber das war für Leos Edelmuth zu viel. Darum fiel er eifrig ein: „Nein, nicht morgen. Ich habe sehr viel zu thun und muß in Geschäften nach der Residenz. Sage mir später von Deinem Erfolg." Er wollte erst warten, um selbst ruhiger zu werden, und lieber in angestrengter Thätigkeit seinen Schmerz betäuben und Vergessenheit suchen. Wie lag doch sein Leben so öde und trostlos vor ihm! Er war ja nicht blind gegen die Regungen in seinem Herzen, er liebte Martha Adair und wußte, daß diese Liebe hoffnungslos sei. Aus eigenem freien Willen war er zurückgetreten, um dem Freunde den Weg zu ebnen. Er zweifelte keinen Augenblick daran, daß sie Willh's Herz und Hand annehmen würde; sie war so einsam und verlassen; aber dennoch regte sich eine Stimme in seinem Herzen, und er fürchtete, daß Martha nicht an der Seite des jungen Arztes glücklich werden würde. So oft er Willy sah, stieg unwillkürlich der Gedanke in ihm auf, daß seinem Leben bald ein Ziel gesetzt sei. Er war so bleich und abgemagert, seine Gestalt gebeugt, und deutlicher denn je brannten die rothen Flecken auf seinen Wangen. Er war ein kranker Mann — er würde niemals durch angestrengte Thätigkeit ein reicher Mann werden, sein einziges Lebensglück bestand in seiner Liebe; würde diese ihm geraubt, so versetzte man ihm den Todesstoß. „Nein!" rief er aus, die Hand gegen die brennende Stirne drückend, „ich konnte und durfte nicht anders handeln. Es wäre ja feige und ehrlos gegen Willy gehandelt. Aber meine kleine Martha, meine einzige Liebe, sie soll nie den Kampf erfahren, den ich heute Abend errungen und bestanden habe." Am nächsten Morgen lagen die Sorgen der vergangenen Nacht centnerschwer auf seinem Herzen. Die Sonne hatte ihren Schein, die neu erwachenden Natur ihren Reiz für ihn verloren. Mit verdoppeltem Eifer lag er seinen Pflichten, ob und gegen Mittag eilte er nach der Station, um nach der Residenz zu fahren. Auf dem Wege dorthin begegnete er dem Pfarrer des Ortes. „Ich war gerade auf dem Wege zu Ihnen," begann der geistliche Herr in feiner leutseligen Weise. „Kommen Sie mit mir, hier in dieser Allee sind wir ungestört. Ich muß mit Ihnen über unsern jungen Arzt sprechen." „Willy! was ist mit ihm? Ich sprach noch gestern Abend mit ihm, aber da hatte sich nichts Besonderes ereignet." „Ich glaube, er stirbt," flüsterte der alte Herr sichtlich bewegt, „und es wäre mir lieb, wenn Sie seiner Familie diese Nachricht schonend überbringen wollten." Leo erschrak. „Er klagte gestern gar nicht und schien sogar heiter und hoffnungSfreudig. Irren Sie auch nicht, Herr Pfarrer?" Der Pfarrer erzählte alles, was er selbst wußte und gesehen hatte. Der junge Arzt war früh im Krankenhause beschäftigt gewesen und hatte dort drei Mal eine anhaltende, tiefe Ohnmacht gehabt. Ein Arzt sei schnell zur Hülfe gewesen, der größte Ruhe und Schonung anempfohlen habe, jedoch der Patient selbst halte seinen Zustand keineswegs für bedenklich und rechne seine Schwäche allein dem angreifenden Frühlingswetter zu. „Ich hielt seinen Zustand schon lange für bedenklich," schloß der Pfarrer, „und ich denke, Sie können am besten die Eltern auf diese Nachricht vorbereiten." „Sind Sie auch ganz sicher?" „Ganz entschieden. Er kann seine Pflichten nicht länger im Krankenhause erfüllen, der Doctor schlägt ei» südliches Klima vor." „Aber wir sind doch glücklich über den Winter hinaus." „Wir sind erst im März," verbesserte der Pfarrer. „Der Frühling ist die schlimmste Jahreszeit für Schwindsucht." „Ist es denn — Schwindsucht?" Der Pfarrer nickte. „Der Doctor hat den Kranken von Kindheit an in Behandlung gehabt, und er wundert sich selbst, daß er bis jetzt sein Leben erhalten hat. Nun, Herr Jnspector, gehen Sie schnell und bereiten Sie den Lehrer schonend vor." „Man wird mir kaum glauben, — Herr Pfarrer, lassen Sie uns zusammen gehen — es wird zu schwer." „Es wird ihnen ein harter Schlag sein, aber vielleicht empfinden sie ihn nicht so schmerzlich, da eS ihnen doch bedeutend besser geht. Es ist sonderbar, seitdem die Mädchen geerbt haben, sind Mutter und Töchter weit weniger liebenswürdig wie früher. „Ich kannte die Familie früher gar nicht. Willy und der Lehrer sind meine Freunde." „Auch die meinigen. Sie dürfen aber nicht so sprechen, junger Freund, denn ich hörte, Sie seien im Begriffe, sich mit Florentine zu verloben. Die Verlobung ist zwar ein offenes Geheimniß, aber da die Spatzen auf den Dächern davon zwitschern, begehe ich gewiß keine Jndiscrction, davon zu sprechen." Leo erbleichte. „Dann wissen die Leute mehr, wie ich selbst," sagte er entschieden. „Es ist mein fester Entschluß, niemals zu hetrathen." „Dann rathe ich Ihnen, das Haus Ihrer Freunde nicht so oft zu besuchen", warnte der Pfarrer, „oder es steht der Familie eine große Enttäuschung bevor. Doch eilen Sie jetzt; Sie treffen Frau Berghaupt nicht an; ich sah sie erst mit der Gouvernante zur Bahnstation fahren." „Dann muß Willy sein Vorhaben aufschieben", dachte Leo, als er sich vom Pfarrer trennte. Er ahnte ja nicht, was sich inzwischen im Lehrerhause zugetragen hatte. — Der Großgrundbesitzer Mayfeldt war ein reich begüterter, in der ganzen Umgegend hochgeachteter und beliebter Herr. Erst seit kurzer Zeit war er ein häufiger Gast der Lehrerfamilie, und Frau Berghanpt vermuthete mit Recht, daß der reiche Junggeselle sich aus ihrem Hause eine Gattin heimführen werde. Gerade an diesem Morgen, der für Fräulein Adatr so verhängnißvoll werden sollte, hatte sie ein Briefchen von ihm erhalten, welches ihr stolzes Herz mit triumphtren- der Freude erfüllte. Es war nur kurz und geheimnißvoll und theilte ihr nur mit, daß er gegen 11 Uhr am selbigen Morgen kommen würde, in der Hoffnung, mit ihr eine Sache von größter Wichtigkeit, sein zukünftiges Lebensglück betreffend, zu besprechen. „Er liebt Babette", jubelte eS in dem Herzen der glücklichen Mutter, „aber beide Mädchen sollen heute im Hause bleiben. Fräulein Adair wird mit den Kleinen einen längeren Spaziergang machen, damit wir ungestört sind, und da mein Gatte in der Schule beschäftigt ist, wird Alles glatt ablaufen." Pünktlich zur festgesetzten Stunde wurde Herr May- feldt in das kleine Empfangszimmer geführt, und mit einem Lächeln auf dem harten Antlitz trat Frau Berghaupt ihm entgegen, mit der Versicherung, eS sei ihr eine Freude, seine Wünsche erfüllen zu können. „Sie waren gewiß erstaunt, mich in letzter Zeit hier so häufig zu sehen", begann der junge Freier in seiner offenen, ehrlichen Weise. „Es ist ja nicht zu leugnen, Ihr Haus hatte eine große Anziehungskraft für mich. Ich bin des Junggesellenlebens müde, und die junge Dame — Er stockte verlegen, eS war doch schwerer, wie er gedacht, seine Wünsche in Worte zu kleiden; Frau Berghaupt lächelte und half ihm bereitwillig, indem sie selbst seinen Satz vollendete und sagte: „Die junge Dame ist mir lieb und theuer; sie gehört unserer Familie an, und da haben Sie gedacht, ich könnte Ihnen am besten helfen. O Herr Mayfeldtl eine Mutter ist nicht blind und erräth leicht kleine Herzensgeheimnisse. Schon seit Wochen habe ich dieses Geständniß von Ihnen erwartet; sie sind beide wie für einander geschaffen, und das liebe Kind wird Sie glücklich machen." Absichtlich nannte sie nicht Babette's Namen — immerhin konnte es noch Floreniine sein, daß es aber keine von beiden war, kam der guten Mutter gar nicht in den Sinn. „Sie sind sehr gütig", versetzte Herr Mayfeldt mit aufrichtiger Herzlichkeit. „Sie halten also meine Liebe nicht für hoffnungslos? Wollen Sie mir Gelegenheit geben, bei ihr meine Sache selbst zu führen?" „Ich darf nichts verrathen", gab die glückliche Mutter geheimnißvoll zurück, „sprechen Sie selbst mit dem lieben Kinde, Herr Mayfeldt, meiner Zustimmung können Sie gewiß sein." „Bis jetzt hatte ich noch nie eine Gelegenheit, allein mit ihr zu sprechen; sie scheint mich sogar absichtlich zu vermeiden. Oft kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, daß sie meine Gefühle ahnt und mir deßhalb ausweicht. Vielleicht will sie mir durch ihr Benehmen zeigen, daß meine Hoffnungen grundlos sind." Frau Berghaupt biß sich auf die Lippen. Es mußte also doch wohl Floreniine gemeint sein, denn sie hatte ihm zu häufig zu einem ungestörten tsta-ä-töts mit Babette Gelegenheit gegeben; noch vor wenigen Tagen bei einem längeren Spaziergange hatte sie dafür gesorgt, daß der Gutsherr der Begleiter ihrer ältesten Tochter war. „Sie ist noch sehr jung und —" „Und bezaubernd in ihrer berückenden Schönheit", fiel Herr Mayfeldt ihr in's Wort, „von dem ersten Augenblick an, da ich sie sah, gehörte ihr mein ganzes Herz und meine Liebe. Ich glaube gern, daß sie in Ihrem Hause zufrieden ist, daß sie Liebe und Freundlichkeit genießt, aber sie ist doch in abhängiger Stellung, Md da möchte ich sie so gern recht bald als Herrin in Meinem Hause einführen." Während dieser letzten Worte war Frau Berghaupt hleich geworden. Ihre Zähne bohrten sich in die Unterlippe, daß sie blutete, und nur mit großer Anstrengung konnte sie ruhig erwidern: „Sie wollen also Fräulein Adair heirathen? Wissen Sie auch, daß sie eine Waise und gänzlich ohne Vermögen ist?" Herr Mayfeldt wunderte sich, wie schnell das Interesse für das »liebe Kind" abgekühlt war, aber jetzt konnte er ganz offen sprechen und fuhr deßhalb unbeirrt fort: „Ich bin reich genug und sehe nicht auf das Vermögen meiner Gattin. Ich liebe Martha Adair, und gerade ihre Einsamkeit in der Welt veranlaßt mich, sie schon recht bald heimzuführen." „Sie sind sehr edelmüthig", höhnte Frau Berghaupt. „Natürlich möchten Sie gern Fräulein Adair selbst sprechen, um ihre Antwort von ihren eigenen Lippen zu hören. Ich will sie rufen lassen." Sie erhob sich und zog die Schelle. „Fräulein Adair soll sofort kommen — sie kann die Kinder im Schulzimmer lassen," befahl sie dem eintretenden Hausmädchen. Die Antwort kam schnell zurück. „Fräulein Adair und die Kinder sind nicht im Schulzimmer. Fräulein Babette sagt, sie machen einen langen Spaziergang." „Ah! sie gehen regelmäßig in den Klostergarten", sagte Frau Berghanpt, wiewohl sie ausdrücklich geboten hatte, die entgegengesetzte Richtung einzuschlageen. „Dort werden Sie Fräulein Adair treffen, Herr Mayfeldt. Schicken Sie die Kleinen heim, dann haben Sie ein ungestörtes täta-ü-tsts. Sollten Sie zufällig die Begegnung verfehlen, so erwarte ich Sie zum Abendbrod; ich werde inzwischen die junge Dame vorbereiten." Er war fort, Frau Berghaupt brauchte sich nicht länger einen Zwang auferlegen. Unwillig stampfte sie mit dem Fuß den Teppich, und ihre Augen flammten zornig. Herr Mayfeldt, der einzige heirathsfähige Junggeselle im ganzen Umkreise, hatte ihre eigenen Töchter übersehen und seine Blicke auf die Gouvernante ihrer Kinder geworfen, das war empörend, unerträglich l Die beiden Schwestern sahen den Gast davonreiten, sie waren von der Mutter nicht in das Wohnzimmer gerufen worden, jetzt konnten sie die Ungeduld nicht länger zügeln, und sie kamen unaufgefordert. „WaS in aller Welt ist geschehen, Mama", begann Floreniine ungestüm, „Du siehst aus, als habest Du einen Geist gesehen." „Beruhige Dich", fiel Babette boshaft ein, „wenn er Flora vorzieht, so kommt doch wenigstens eine von uns unter die Haube. Dank Tante Angela's Güte sind wir ja nicht gezwungen zu heirathen." „O, meine Kinder, — meine armen beleidigten Kinder", schluchzte die Mutter unter Thränen. „Wer hätte jemals geahnt, daß Herr Mayfeldt so falsch und hinterlistig sein könnte! Oh! hätte ich ihm meine Meinung nur ganz offen gesagt, aber diese falsche Schlange soll noch heute unser Haus verlassen." „Mama — Mama", riefen beide Mädchen bestürzt, „Du sprichst in Räthseln, so sage uns doch, was geschehen ist." (Fortsetzung folgt.) 1 357 Der Bauer«fönger. (Schluß.) Ein paar Stunden später saß der Polizei-Präsident in voller Arbeit, als Stuppke eintrat und meldete: „Der Bürgermeister von Schwiesen!" „Schon wieder? Ist ja heute gar nicht todt zu kriegen!" rief der Polizei-Präfident ungeduldig. „Zu Befehl, Herr Präsident, eS ist ein Anderer." „Ein anderer Bürgermeister von Schwiesen?" rief mit weit aufgesperrten Augen der Polizei-Präsident und sah Stuppke an, als ob er ihn auf seine Nüchternheit hin untersuchen wollte. „Vielleicht hat Schwiesen zwei Bürgermeister wie Berlin. Schwiesen wird Weltstadt!" sagte Stuppke. „Ruhe!" schrie der schon sehr nervös gewordene Polizei-Präsident. „Soll eintreten." Der Bürgermeister von Schwiesen, Böttchermeister Krämer, trat ein, ein älterer, freundlicher und etwas dumm aussehender Herr, der mit künstlicher Gewandtheit auf den Polizei-Präsidenten zuschritt, von dem er scharf angeblickt wurde, und sehr viel Worte machte, als er mittheilte, er sei der dem hochlöblichen Polizei-Präsidium vom Magistrat in Schwiesen angekündigte Bürgermeister, der zu dem in dem Schreiben angedeuteten Zwecke nach Berlin gekommen und dem fördernden Wohlwollen der hohen Behörde empfohlen sei. „Der war heute Morgens da!" rief der Polizei- Präsident, der überzeugt war, daß er einen Betrüger vor sich habe. Der Bürgermeister von Schwiesen konnte nicht mißverstanden haben und traute doch seinen Ohren nicht. Der Polizei-Präsident klingelte. Stuppke erschien. Schallow sollte kommen. Schallow kam sofort. „Kennen Sie den Mann, Schallow?" rief der Polizei-Präsident diesem entgegen. Schallow sah den Bürgermeister von Schwiesen genau an. Nein, er kannte ihn nicht, und er kannte doch das Verbrecher-Album genau. Er wollte es aber nochmals durchsehen, vielleicht fand sich ein Porträt darin, das auf die Spur führte. Er ging wieder fort, um sich an die Arbeit zu machen. Der Polizei-Präsident blieb mit dem Bürgermeister allein und nahm diesen in ein scharfes Verhör. Der Bürgermeister war gestern Abends von Schwiesen mit dem Acht-Uhr-Zug angekommen und war im „Central- Hotcl" abgestiegen. Merkwürdig, genau wie der Andere. Er wäre schon in der Frühe auf das Polizei-Präsidium gekommen, wenn ihm nicht ein vertrauenerweckender Mann, der auf der letzten Station in sein Coups gestiegen und mit dem er ins Gespräch gekommen war, gesagt hätte, daß der Herr Polizei-Präsident sich in den Vormittagsstunden nicht sprechen ließe und vor dem zweiten Frühstück nicht recht genießbar sei. Das habe ihm der Mann wie jemand gesagt, der es genau wisse, und der Mann habe überhaupt einen so guten Eindruck auf ihn gemacht, daß er ihm seinen Namen genannt und mitgetheilt habe, zu welchem Zwecke er nach Berlin fahre. Er habe ihm einfach eine Copte des Briefes des Magistrates gezeigt, welche er als Legitimation mitgebracht habe. Der Bürgermeister von Schwiesen hatte bereits diese Copie aus einer colossalen Brieftasche herausgesucht und hielt nun das Dokument in der zitternden Hand. „Ist ja unglaublich!" sagte der Polizei-Präsident außer sich. „Mir dürfen Sie Alles glauben," versicherte treuherzig der Bürgermeister, „ich lüge nicht." Der Polizei-Präsident sah den Mann an, der wirklich den Eindruck der Ehrlichkeit machte. „Ist es denn möglich!" rief der Polizei-Präsident. „Was soll denn unmöglich sein?" fragte der Bürgermeister und fuhr dann fort: „Mein neuer Freund kannte Berlin genau, das merkte ich sofort, und ich war daher ganz froh, als er mir anbot, mit mir den Abend zu verbringen, denn er sei Strohwittwer und mochte nicht allein sein. Ich ging also in's Hotel, machte mich sauber und schloß mich wieder dem Manne an, der vor dem Hotel auf mich wartete. Nun bummelten wir in der Stadt herum, bis wir Hunger bekamen. Da standen wir denn auch zufällig vor einer Weinstube, die mir mein Freund als sehr solide empfahl, und wir traten ein —" „Weiß schon", fiel der Polizeipräsident sehr aufgeregt dazwischen. „Da wurde Klavier gespielt und gesungen, und da saßen an Ihrem Tisch noch einige Landsleute Ihres Freundes, die ein Spiel spielten, das eigentlich kein Spiel war, sondern ein Kunststück mit dem Pique- Buben, der nie da lag, wo man ihn sicher vermuthete — o dieser Pique-Bube hat es in sich — und nachdem Ihr neuer Freund mehrmals gewonnen hatte, wurden Sie Ihr ganzes Geld los! Weiß Alles! Und nun kommen Sie und wollen nicht nur Beamten haben, der Sie mit den Geheimnissen des Bauernfangs bekannt macht, sondert auch Credit in Anspruch nehmen." „So ist eS freilich", sagte der Bürgermeister, obschon er eigentlich sprachlos vor Staunen hätte sein müssen, daß der Polizei-Präsident dies Alles so genau wußte. Der Polizei-Präsident ging um seinen Schreibtisch herum. Er war reingefallen, das war ihm klar. Er sagte also zu dem Bürgermeister, indem er vor diesem stillstand: „Lieber Freund, Sie sind reingefallen, sind Opfer eines Bauernfängers geworden, haben Bauernfang gestern Abends gründlich kennen gelernt, können ruhig wieder nach Schwiesen fahren, werde Ihnen hundert Mark für Rechnung des Schwiesener Magistrats anweisen lassen." — Der Bürgermeister war in einen Stuhl gesunken, und der Polizei-Präsident hatte seine Fassung wiedergefunden, als er sagte: „Sehe klar in der Sache, bin nicht zu täuschen, kenne die Schliche dieser Gauner!" Der eintretende Schallow sah den Bürgermeister wieder scharf an wie vorher und meldete, er habe in dem ganzen Ver- brecher-AIbum keine unter all den Galgen-Visagen gefunden, die dem anwesenden- Der Polizei-Präsident ließ ihn nicht ausreden. „Es ist gut, Schallow", unterbrach er ihn. „Führen Sie den Herrn zur Kasse und lassen Sie ihm gegen seine Quittung hundert Mark auszahlen." Dann setzte er leise hinzu: „Wie die Dreihundert, die der — heute Morgens bekommen hat, zu buchen sind, werde ich noch bestimmen." Schallow sah den Polizei-Präsidenten an und sagte: „Zu Befehl!" Ein feines Ohr mußte so etwas wie ein „Ach so!" heraushören. Der Polizei-Präsident drückte nun dem sich verabschiedenden Bürgermeister von Schwiesen die Hand, indem er sagte: „Sehr angenehm gewesen!" Das war aber nicht wahr, es war ihm durchaus nicht angenehm gewesen, und als er nun allein war, zündete er feine Cigarre wieder an, goß sich einen Cognac ein und be. — 353 schloß, künftig noch etwas vorsichtiger als bisher zu sein. Als Stuppke in's Bureau kam, um irgend etwas auf den Schreibtisch zu legen, sah ihn der Polizei-Präsident nicht an, und das war vernünftig, denn Stuppke lächelte ein klein wenig schadenfroh. -»—r-->»-- Der Wirbelstnrm von St. Louis. Die ungeheuren Verheerungen, welche der Cyklon a« Mittwoch Abend in St. Louis, der am Mississippi gelegenen Hauptstadt des Staates Missouri, mit 452,000 Einwohnern, der fünftgrößten Stadt der Vereinigten Staaten, verursacht hat, werden erst jetzt nähere Einzelheiten bekannt, weil mehr als 12 Stunden lang alle telegraphischen Verbindungen unterbrochen waren und auch am Donnerstag Morgen erst nur zwei Linien benutzt werden konnten. Am Mittwoch Morgen war in St. Louis das Wetter ruhig und schön, und es wehte ein leichter Wind. Am Nachmittag, um 4 Uhr ungefähr, wurde die Atmosphäre drückend und schwül, bald aber erhob sich ein starker Wind, der beständig umsprang. Schwere Wolken jagten hin und her, allein allmälig schienen sich auch die verschiedenen Luftströmungen zu concentrireu, bis ein Sturmcentrnm sich im Westen entwickelte. Von Südwssten sah man eine Wolke, wie eine hohe Röhre, heranrücken. Noch war die Sonne sichtbar, allein bald verwandelten die Wolken, die dem Tornado vorangingen, den Tag in völlige Nacht. Es war dieser Cyklon, der über Ost-St. Louis fuhr und alles in seinem Wege zerstörte. Mittlerweile wüthete ein von Nordwesten gekommener Wirbelsturm in dem westlichen Theile der Stadt. In der Zeit von bis ^7 Uhr entfaltete der Sturm seine größte Stärke, indem er mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometer per Stunde über die Stadt fuhr. Mit dem Sturm kam ein heftiger Regen mit Blitz und Donner. Dampfer und Boote wurden von ihren Ankerplätzen gerissen und stürzten um oder trieben fort. Glücklicherweise fuhren zwei mit Passagieren beladene Dampfer zu der kritischen Zeit oberhalb bezw. unterhalb der Stadt auf dem Flusse, doch sind verschiedene andere, auf dem Flusse befindliche Dampfer mit Mann und Maus untergegangen. Der Wirbelsturm überraschte Tausende von Menschen, die aus dem Geschäftscentrum der Stadt nach Hause eilten. Da das elektrische Licht erloschen, der Trambahn- und Eisenbahn- dienst eingestellt war, so mußten viele Tausende die Nacht in der Stadt zubringen. Viele Häuser wurden in Trümmer gelegt, andere durch die Blitze in Brand gesteckt. Die Feuerwehr bekämpfte 14 Brände. Die Geschäftstheile, besonders in Ost-St. Louis, haben stark gelitten. Viele hohe Elevatoren und zwölfstöckige Lagerhäuser am Mississippi find in Trümmer gelegt. Alle am Quai liegenden Dampfer sind untergegangen. Der große „Vandalia"- Speicher stürzte mit einem gewaltigen Krach zusammen. 35 Leute wurden unter den Trümmern begraben. Eine Mauer dcS Gefängnisses fiel ein, und von der Straße aus konnte man in das Innere des Gebäudes sehen. Zur Zeit machten sich die 200 Gefangenen im Gefängnißhofe körperliche Bewegungen, sie benutzten aber die Gelegenheit zur Flucht nicht; auch wurde keiner von ihnen verletzt. Die Bassins der „Oel-Gesellschaft" flogen in die Luft. Besonders in dem Armenquartier von Ost-St. LouiS hat der Cyklon furchtbare Verheerungen angerichtet. Ein Eisenbahuzug wurde, als er die Brücke über den Mississippi passirte, umgeweht, und nur die starke stählerne Balustrade verhinderte, daß er in den Fluß fiel. Die Passagiere wurden arg durcheinander geworfen, doch kamen sie mit geringen Verletzungen davon. Eins Cigaretten- fabrik, wo 200 Mädchen beschäftigt waren, fiel ebenfalls ein. Wie viele Mädchen umgekommen sind, steht noch nicht fest. Die Güterwagen auf den Bahngeleisen stieß der Sturm hin und her. Einige fielen in den Graben, andere wurden ellenweit in's Feld geschleudert. Lokomotiven wurden umgeworfen und die Personenwagen waren ein Spielzeug für den Cyklon. Tausende von Schafen und Rindvieh sind zu Grunde gegangen. Das grüne Wasser des Mississippi bauschte sich zu ungeheuren Wellen auf und prallte gegen den Quai an. Einige Schiffe wurden in die Luft gehoben und dann wieder unter dem Wasser fortgewirbelt. St. Louis steht aus, als ob es vom Feinde bombardirt worden wäre. Die ganze Nacht war die Stadt in Dunkel gehüllt. Viele Personen wurden durch den Sturm gegen die Mauern geschleudert, und selbst Wagen mit Pferden wurden durch die Luft gerissen. Durch die überall herumliegenden elektrischen Drähte sollen nicht wenige Menschen getödtet worden sein. Da eS nicht möglich war, telegraphisch Ambulanzen herbeizurufen, so wurden die Todten und Verwundeten in gewöhnlichen Wagen nach dem städtischen Hospital gebracht, das bald überfüllt war. Ein Theil dieses Hospitals war überdies auch durch den Sturm zerstört worden, und so brachten die Aerzte ihre Patienten in provisorische Räume. Einige der 450 Kranken stürzten schreiend aus ihren Betten auf die Straße, um sich zu retten. Ein Theil des Daches von Convention Hall, wo die republikanische Nationalconvention am 17. Juni abgehalten werden soll, ist fortgerissen worden, und die übrigen Theile des Gebäudes sind durch herumfliegende Eisenstücke durchlöchert worden; doch glaubt man, in 10 Tagen die nothwendigen Reparaturen machen zu können. Als der Sturm auf seinem Höhepunkte war, brach ein Gasometer zusammen, und die Leute wurden durch hoch in die Luft schießende Flammen erschreckt. Der Wasserbehälter war zur Zeit fast voll, allein der Sturm warf ihn ganz um. Sehr schwer hat das im äußersten Südosten der Stadt liegende Armenhaus gelitten. DaS ganze Dach des von Frauen bewohnten Gebäudes wurde fortgerissen; der Thurm auf dem Mittelgebäude wurde weggeweht und stürzte durch dasselbe. Von den 1030 Insassen wurden merkwürdigerweise nur 8 durch herumfliegende Eisen- und Glassplitter verletzt. Viele Mühe machten den Wärtern die Irrsinnigen, die erst nach dem Aufhören des Sturmes beruhigt werden konnten. In einem der Hospitäler saß eine Frau neben ihrer kranken Schwester, die ein 1 Jahr altes Kind auf ihren Armen hielt, während ihr 4jähriges Kind nebenan spielte. Die Frau sah den Sturm kommen, allein noch ehe sie den Raum verlassen konnten, stürzten die Mauern auf die Gruppe und tödteten sofort beide Kinder. Ein Bild wildester Zerstörung boten die Ufer des Mississippi. Auf dem Westufer desselben zwischen Biddlestreet und Chateau Avenue lagen eine Menge Dampfer und Werftboote. Dieselben waren nach dem Sturme alle verschwunden, gesunken oder weggetrieben. Das Anchortine-Werftboot und ein Excursionsboot waren hoch auf den Quai geworfen worden, und zwar erkannte man aus ihrer Lage die rotirende Bewegung des Sturmes. Nördlich von der Cad-Brücke ist am Ufer nicht ein Haus stehen geblieben. und eS gibt kaum eine Familie, die nicht mindestens ein Mitglied verloren hat. In vielen Fällen sind ganze Familien getödtet worden. Der Maschinist des über die Cad- Brücke fahrenden ZugeS von Alton nach Chicago vermochte durch seine Geistesgegenwart großes Unglück zu verhüten, indem er Volldampf gab, sobald er die Gefahr bemerkte, die durch das Abfallen der Granitquadern an dem Endpfeilrr drohte; so sauste er über die gefährliche Stelle hinweg, und es war keinen Augenblick zu früh, denn gleich nachdem der Zug durch war, erfolgte der Einsturz. Die Brücke ist auf einer Länge von 100 m abgebrochen. Der im Südwesten der Stadt verwüstete Theil ist 6 Kilometer lang und ^Kilometer breit. Am Donnerstag fuhren die Eisenbahnzüge wieder. In jedem Theil der Stadt find Hospitäler eröffnet und viele Bürger haben ihre Häuser für die Verwundeten zur Verfügung gestellt. Das Rettungswerk schreitet jedoch nur langsam fort, da die Mauern der verwüsteten Häuser einzustürzen drohen. Die Zahl der Getödteten dürfte zwischen 400 bis 500 schwanken, während der Schaden an Eigenthum zwischen 10 und 30 Millionen Dollars geschätzt wird. Die Verkehrsstörung wird noch längere Zeit dauern, da der Sturm über St. Louis hinaus gewüthet hat; u. A. find mehrere Eisenbahnzüge vom Geleise in die Prairie geschleudert worden. Im Süden von Illinois find mehrere Ortschaften schwer heimgesucht worden, und auch von dort wird der Verlust vieler Menschenleben gemeldet. Die Stadt St. Louis ist in Folge ihrer Lage den von Wirbel- stürmen drohenden Gefahren besonders ausgesetzt. Auch sonst ist die Stadt wiederholt von schweren Unglücksfällen betroffen worden. Im Jahre 1849, als St. Louis nur 75,000 Einwohner hatte, wurde die Hälfte der Stadt während eines Sturmes durch Feuer zerstört. Es verbrannten außerdem 20 Dampfer. Am 29. Januar 1853 verbrannten die Dampfer „New-Lucy" und „New-Eng- land", und am 6. Juli 1856 wurden sechs Dampfer durch Feuer zerstört. Im September 1863 suchte ein Erdbeben die Stadt heim, und im Monat darauf verbrannten wieder verschiedene Dampfer. Am 25. Oktober 1866 verursachte ein Cyklon großen Schaden, und am 19. Januar 1870 zerstörte ein heftiger Sturm viel Eigenthum. Im März und April 1872 wurde der Ort von drei Cyklonen heimgesucht. Am 11. April 1877 brannte das Southern Hotel nieder, wobei viele Menschen umkamen, und am 13. Juli 1883 und am 12. Januar 1890 wütheten heftige Stürme. Diese und manche andere Kalamitäten haben die Einwohner von St. Louis mit der ihnen eigenen Energie stets schnell zu überwinden gewußt und es unterliegt keinem Zweifel, daß sie auch dem neuesten, besonders schweren Unglück gewachsen sein werden. Freude und Leid der aufstrebenden Stadt finden um so eher einen Widerhall in Deutschland, als in St. Louis nicht weniger denn 150,000 Deutsche, also ein Drittel der gesammten Bevölkerung, leben. Ein guter Freund. .Suche in niemand einen guten Freund tu finden. Der nicht einen Freund in Dir gesunden hat!' Ein etwas scharfer Freund zwar ist es, von welchem hier die Rede sein soll, doch ein sehr empfehlenswerther, vtelbeliebter, wenn gleich noch immer nicht so allgemeiner Allerweltsfreund, wie er wegen seiner vielen guten Eigenschaften es verdiente: Der Rettig! Lange, sehr lange und wett reicht schon fein Ruf zurück, bis ins graueste Alterthum, als er — im Reiche der Chinesen, seiner eigentlichen Heimath, wild emporwachsend — noch im engern Kreise seine wohlthätige Wirkung! ausübte, ja bis zu den mumienhaften Acgyptern dieselbe hin erstreckte. — Auch bei uns wird er seit alten Zeiten geschätzt und angebaut, als Sommer- wie als Winterrettig; seine feineren, zarten Sprößlinge dagegen: die Monatsrettige oder Radieschen, kamen erst im 16. Jahrhundert aus Italien nach Deutschland. Aus dem Alterthum verpflanzte Freund Rettig sich und seine Heilkräfte ins Mittelalter, deren nützliches Wirken durch frühes Aufstehen und entsprechende Bewegung unterstützt werden mußte. „Steh' bet Zeiten auf, dann setz' dich in ein Schwitzbad, und — iß einen Rettig!" lautete eine mittelalterliche Gesundheitsregel. Mehr und mehr verbreitet, als wohlfeiles, wohlthuendes Genuß- wie als eine Art von Hausmittel aber ward der Rettig, nachdem er auch in die Neuzeit hinein Wurzel schlug! Hoch im Norden wie im sonnigen Süden hat er Anhänger gefunden, obgleich er z. B. im schönen Italien nicht recht gedeihen will, sondern dorthin importiert wird. Dem frugalen Spanier bedeutet er sogar eine genügende Mahlzeit, während der französische Feinschmecker ihn mehr als Mittel zum Zweck, das heißt pikantes Zubehör, betrachtet. In Rußland aber hat er sogar im vorigen Jahrhundert schon eine diplomatische Rolle gespielt, die zugleich Zeugniß ablegt für seine dortige Beliebtheit, indem nämlich der mächtige Fürst Potemkin, Günstling der großen Czarin Katharina II., ihn zur Beschwichtigung der vielen, in seinem Vorzimmer auf Audienz harrenden Bittsteller benutzte, durch Präsentieren silberner Schüsseln mit Nettigscheiben, nebst dem obligaten Schnaps dazu, was auf Gaumen und Geduld der wackern Russen eine so günstige Beeinflussung ausübte, daß sie nicht einmal murrten, wenn sie am Ende, nach langem Warten, ohne empfangen worden zu sein, sich von bannen trollen mußten. — Besonders jedoch ist Deutschland die Hauptstätte für Rettigkultur und Nettig- liebhaber, speziell der Süden mit seinem gemüthlichen Land des Bieres: Bayern, und dessen Residenzstadt an der schönen grünen Jsar: München! Nichts geht dem echten rechten „Astrologen" über seinen „Radi", wie die landesübliche Bezeichnung lautet für den guten Freund des Hauses und Wirthshauses, der namentlich im Sommer zum Bier gehört wie's liebe Brot, kunstgerecht und fein geschnitten, und richtig gesalzen, wie es — ausnahmsweise einmal auf gastronomischem Gebiet — am besten und gewandtesten das stärkere Geschlecht versteht. Welch ein Genuß ist für den Kenner ein frisch aus der Erde gezogener Rettig, mit kühlem Wasser abgewaschen, um dann in möglichst dünnen Scheiben zum schäumenden Nasse des Gambrinus verspeist zu werden, ganz abgesehen davon, daß Freund Rettig die gute Eigenschaft besitzt, vor der Mahlzeit den Appetit zu reizen, und nach derselben — in Folge seiner stark zertheilenden Kraft — die Verdauung zu befördern. — So pflegt er überall, wo er sich eingebürgert hat, ein gar gern gesehener Gesell zu sein, der besonders tief im Volke eingewurzelt ist, als allgemeiner Leib- und Magenfreund! Außerdem aber ist er eine Art von Naturarzt, gut für den Magen, und gesund für daS Blut. Schon in früheren Zeiten galt er dafür, ward seine frische Wurzel bei Husten und Ver- schleimung von den Aerzten selbst verordnet, während man den heilsamen Saft gegen die schreckliche Pestkrankheit 360 — anwendete. Auch gegenwärtig gilt Rettigsast mit Kandiszucker als gutes Hausmittel gegen Heiserkeit und Husten, oder man betrachtet als lösendes Mittel gegen chronischen Husten: Honig, etliche Tage in der Hülle eines ausgehöhlten Rettig aufbewahrt, weil — ohne seine Süßigkeit zu verlieren — derselbe Aroma, Kraft und Saft deS Rettig an sich zieht, ähnlich wirkend wie Nettigsaft und Rettig-Bonbons, die ja bekannte Handelsartikel bilden, wegen der Tugend der Nettigwurzel, den zähen Schleim im Körper zu zertheilen, und auS der Brust ihn zu vertreiben. Auch soll das auS der Wurzel gebrannte Wasser, noch mehr aber der Rettigsast, gute Dienste leisten bei Milz- und Leberleiden rc., und die Wurzel selbst — in dünne Scheiben geschnitten und mit Salz bestreut — auf die Fußsohlen gelegt, bei Fieber die Hitze abziehen. — So manchem aber hat besonders eine steine „Rettig- Kur" von jungen Sommerrettigen schon wohlgethan, womöglich schwarze oder braune, da just deren Schale vor allem auflösende Kraft besitzt, zu feinen, runden Schnitten gespalten, die man salzt und gleich verspeist, ohne sie erst wässern zu lassen, weil das sehr schädlich für den Magen wäre. Etwa drei Wochen hindurch, außerhalb der Essenszeit, 1—2 Rettige täglich gegen vier Uhr nachmittags gegessen, macht frei von mancherlei Beschwerde, indem der Rettig die lobenswerthe Eigenschaft besitzt: schädliche Stoffe auszuscheiden; es macht aber auch beweglich, heiter, und Appetit, nur darf man ja nicht unterlassen, sich darauf Bewegung zu machen, um Freund Rettigs heilsame Thätigkeit Tag - für Tag nach dem Genuß zu unterstützen. So weiß dieser gute Freund das Angenehme mit dem Nützlichen stets plastisch zu verbinden, und ist er im großen Ganzen auch bet den Herren der Schöpfung beliebter als beim Ewig-Weiblichen, so weiß doch die Hausfrau ihn zu schätzen, als billigen, gern gesehenen Tischgast; theils in seiner schlichten, natürlichen Gestalt, theils recht feinscheibig geschnitten, unter Gurkensalat gemischt. — Daß sogar auf dem Gebiet der Kunst der Rettig bereits rühmlichst sich hervorgethan, beweist seine Mitwirkung bet Garten- und landwirthschaft- lichen Ausstellungen, an denen er — ausgezeichnet durch Staats- und andere Preise — nebst der großen Familie seiner Arten, Abarten und Färbungen, mit ehrendem Erfolge Antheil nimmt. Auch Frau Poesie hat Freund Rettig mehrfach schon besungen! So findet er z. B. sogar in einem Stammbuch des vorigen Jahrhunderts sich verewigt, nämlich in dem eines reisenden Bäckergesellen und Hamburger Bürgerssohn, der nach damaliger guter Sitte dasselbe mit auf die Wanderschaft nahm. „Bier und Brot in jeder Noth, geb' Dir unser Herregott!" schrieb ihm ein gemüthlicher Münchener hinein; ein zweiter lustiger Bicrbruder fügte schnell hinzu: „Und ex begnad'Di auch mit'n Radi!" — Was aber eigentlich ein guter „Radi" (Rettig) zu bedeuten hat, und wie lieblich der Lockruf: „Die ersten Rettige!" stets in die Ohren klingt, und den Mund schon im voraus wässern macht, trotz der anfangs oft noch recht „gesalzenen" Preise, daS weiß freilich nur der „Eingeweihte" voll zu würdigen, denn nichts geht über diesen scharfen, aber guten Freund. ---S-MSS-- Allerlei. Dieser Tage vollzog sich in Madrid eine jener eigenartigen Feierlichkeiten, wie sie der spanische Hof in unübertroffener Fülle bietet, das ist die Uebergabe deS Anzuges, den der kleine König AlphonS XIII. während des feierlichen Gottesdienstes am Dreikönigstage trug, an den Grafen von Nibadeo. Um halb zwölf Uhr Vormittags verließ den königlichen Palast ein prachtvoller, von sechs normannischen Pferden gezogener Prunkwagen; in diesem saß ein Kammerherr, begleitet von einem Lakai, der auf einer herrlichen silbernen Schüssel den bewußten Anzug trug. Neben und hinter dem Wagen ritt eine Abtheilung Hellcbardiere. Der Zug begab sich nach der Castellana-Avenue, wo der Palast des Herzogs von Hijar steht, der zugleich Graf von Nibadeo ist. Der Herzog empfing das eigenthümliche Geschenk, indem er seinen tiefgefühlten Dank dafür aussprach. Diese Förmlichkeit wiederholt sich, laut „Frkf. Ztg.", jedes Jahr um diese Zeit, und zwar schon seit mehr als vier und einem halben Jahrhundert. Im Jahre 1431, als sich der König von Kastilien, Don Juan II., in Toledo befand, verschworen sich die Großen des Reiches auf Anstiftung deS Jnfanten Don Enrique gegen ihn und beschlossen, ihn zu tödten. Die Ermordung sollte während eines Gastmahls, an dem der König am Dreikönigstage theilnehmen sollte, erfolgen. Als nun am genannten Tage das erwähnte Bankett seinen Anfang genommen hatte, trat plötzlich Don Rodrigo Villandrando, Graf von Nibadeo, an Juan II. heran und raunte ihm einige Worte in's Ohr, worauf sich der König hastig erhob und mit dem Grafen in einem Seiten- Gemach verschwand. Die Großen vermutheten, daß die Verschwörung entdeckt worden, und ehe der König entfliehen konnte, stürzten sie mit gezücktem Degen in daS bezeichnete Seitengemach. Dort fanden sie einen Mann, der mit den Abzeichen der königlichen Würde bekleidet war, stießen ihn nieder und zogen sich schleunig zurück. Sie hatten aber nicht den König getödtet, sondern den Grafen von Nibadeo, der seinen Anzug mit dem seines Fürsten vertauscht hatte. Juan II., der dadurch gerettet wurde, verlieh aus Dankbarkeit den Nachkommen deS Grafen das Vorrecht, jedes Jahr am Dreikönigsfest zur rechten Seite des Königs zu essen und den an diese« Tage vom Könige getragenen Anzug eingehändigt zu bekommen. So haben sich seit 46S Jahren im Hause der Nibadeo die königlichen Anzüge in staunenswerthem Maße gehäuft und bilden eine der merkwürdigsten Kostümsamm- lungen, die es in der Welt gibt. ---SLIWS---- Der Korsthof. Um des WalbeS Lichtung schließen Föhren sich zum grünen Kranz, Freundlich spielt auf ihren Wipfeln dann und wann der Sonne Glanz; Friede, Gottes Friede weilet über'm kleinen Försterhaus, Friede wandelt mit des Forstes frischen Düften ein und auS. Treues Bild des Sommerhimmels, grüßt der stille, blaue Teich» Und cS gleiten schwarzeSchwäne plätschernd durch ihr kleinesReich; Försters Tochter, schlank und züchtig, sinnend steht am Uferrand, Löst die dunklen Ringellocken mit der schmalen weißen Hand. Düst're Geister, düst're Sorgen, fleucht von hinnen, hebt euch fort— Denn geweiht ist diese Stätte, denn geweiht ist dieser Ort! Friede wohnt in jedem Raume, Friede wandelt ein und aus, Friede, Gottes Friede weilet freundlich über Hof und Haus! Maximilian Dursch. ——»ZZAA---