« 53 Ireitag, den 26 . Juni 1896 . . ^ Kür die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler). WHeingotö. Novelle von Cary Groß. (Fortsetzung.) IV. Durch den Abzug der Studenten wurde der Ausblick nach der Linde wieder frei; sogleich flog Ottiliens Blick hinüber. Gottlob, der ganze Tisch war leer. Vermuthlich hatte die Gesellschaft der Frau Rehwald den Aufstieg zur Thurmruine unternommen, denn Shawls und Schirme waren auf den Stühlen zurückgeblieben; ein Kellner rüstete den Tisch für eine Bowle, Kuchen und Gläser wurden bereitgestellt. So war anzunehmen, daß die Räthin und Miß Nich die Verlegenheit, in welche Ottilie soeben gerathen war, gar nicht bemerkt hatten; sie brauchte weder Schadenfreude, noch Vorwürfe zu fürchten, noch um die der guten Miß Nich verursachte Sorge sich selber Vorwürfe zu machen. — Nun konnte Ottilie wieder hoffen, daß das ganze Abenteuer trotz aller Zwischenfälle, auf die sie nicht gefaßt war, noch einen harmlosen, sogar lustigen Verlauf nehmen würde und sie ihre Rolle unerkannt zu Ende führen werde. Aber gerade als sie mit dieser erheiternden Zuversicht sich beruhigt hatte, bedrohte eine schlimme Gefährdung ihr Jncognito auf's Neue. Zwischen den Zuschauern, die der Studenten Lied und Abzug herbeigelockt hatte, sah sie plötzlich ein bekanntes Gesicht mit namenloser Verwunderung auf sich gerichtet. — Es war ein freundliches Frauenantlitz, das Ottilie zu jeder andern Zeit mit Wonne erblickt hätte, denn es gehörte einer lieben, fast mütterlichen Freundin Ottiliens an, der einzigen nahen Bekannten, die das junge Mädchen in dieser Gegend besaß, die sie aber ferne von Bonn geglaubt hatte. Doch gerade um Ottiliens willen war Fräulein Hermine Stark von Düsseldorf zurückgekommen, wo sie auf Besuch gewesen war, und hatte sogleich zur Partie auf den Drachenfels sich einigen Freunden angeschlossen, weil ihr gesagt wurde, daß Räthin Nehwald mit ihrem Gast hinaufgefahren war. Hermine freute sich darauf, Ottilie dort zu überraschen. Die Ueberraschung war aber auf ihrer Seite, als sie, die wenig später als die Professorin Führer die Terrasse erreicht hatte, Ottilie am Tische des Sängers in fremdartigem Aufputz, mit der Guitarre in der Hand, erblickte. Sie hätte fast aufgeschrieen, denn Hermine Stark war lebhaften Fühleus und nicht gewöhnt mit dem Ausdruck desselben ängstlich zurückzuhalten; aber sie schloß den schon geöffneten Mund wieder, denn blitzschnell hatte Ottilie die Gefahr erkannt und in bittender Geberde den Finger auf den Mund gelegt. Fräulein Stark war zeitlebens keine Spaßverderberin gewesen; sie verstand sogleich, daß es sich hier um einen Scherz handle, und fühlte dabei sich sogleich in ihrem Element. Ohne eine Miene zu verziehen, suchte sie sich zu orientieren, wer bei der Sache mitwirkend war, wer nicht. Sie näherte sich sachte, ohne aufzufallen, dem Tisch der Sänger, so daß Ottilie ihr zuflüstern konnte: „Beste Tante Mina! Verrathen Sie mich nicht! Ich habe einen tollen Streich gemacht, kann nicht zurück. Helfen Sie mir ihn zu Ende führen. Miß Rich weiß Alles. Sie sitzt bei der Räthin. Gehen Sie hin, schützen Sie meine Stellvertreter in." „Wer ist das?" „Goldmunds Tochter." „Wie lange?" „Bis heute Abend. Schicken Sie mir Bruder Ottmar an die Trambahn. Hier soll er mich beileibe nicht kennen und nichts ausplaudern; bitte, bitte!" Fräulein Hermine verwickelte sich absichtlich in dem Stuhlchaos und stellte sich an, als danke sie dem jungen Mädchen für die kleine Hülfe, die es dabei leistete, so, daß die Worte unbemerkt gewechselt werden konnten. Jetzt erst trat sie an den Tisch, wo ihre beiden Neffen,' die Brüder Heermann, für sie und die Professorin Führer nebst ihren Freundinnen längst Plätze belegt hatten. „Du kommst spät, Tante Mina", rief man de< Ankommenden entgegen. Unter diesem Namen war die' heitere Dame, eine echte Nheinlandstochter, nickt nur ihren ^ vielen Verwandten, sondern auch einer großen Zahl vor^ Freunden bekannt. Der Name gefiel ihr, sie hatte ihn auch bei Ottilie, die bei einer Schweizer Badereise sie kennen gelernt hatte, die Tante gespielt, und zwar um so lieber, da Ottiliens Vater ein alter Bekannter von Fräulein Stark war. Als Ottilie die Freundin von den Brüdern Heer- mann Tante nennen hörte, brauchte sie daher nicht anzunehmen, daß sie wirkliche Neffen Mina's seien. Erst allmählig wurde ihr die Beziehung klar, als Fräulein Stark am Nachbartisch absichtlich laut sprechend die Herren begrüßte mit „Tag, Max! Lag, Walter! Danke Euch, mir den Platz bewahrt zu haben; kann aber nicht hier bleiben. Habt an Frau Professorin und den lieben Frankfurterinnen bessere Gesellschaft als an mir. Ich 398 muß zu Frau Näthin Rehwald, habe der „lieben Emma" versprochen, Bowle mitzutrinken; fahre wohl auch mit ihr nach der Villa, zum Abendessen. Kommst Du nicht auch hinüber an den Tisch der Näthin, Max? Sie hält bekanntlich viel auf Deinen Besuch und liebt Dich sehr!" „Wie sollte sie nicht? — Wir kennen einander längst gut", entgegnete lachend der junge Mann. „Erlaube mir jedoch, daß ich Dir später nachkomme, Tante, um der „lieben Emma" aufzuwarten und zugleich mich Professor GrubeS Tochter vorzustellen. Das läßt sich Beides nicht umgehen." „Nun so zögere nicht lange, denn ich glaube, die Näthin bricht bald auf." Unter lebhaftem Bevauern der Andern verabschiedete sich Tante Mina. — „Man muß den Freunden Wort halten", sagte sie bedeutungsvoll und blickte dabei auf Ottilie, als sie an dieser vorbei sich zur Linde begab." Das junge Mädchen war froh, der Eingebung gefolgt und Tante Mina als Wächter!» zu der Näthin geschickt zu haben. Jetzt konnte von dort kein Ueberfall kommen, selbst von Ottmar nicht, der sein Erscheinen ohnehin nicht fest zugesagt hatte. Im Mfühl vermehrter Sicherheit beängstigte es nun Ottilie keineswegs, als Frau Professor Führer den Sänger aufforderte, mit seiner Tochter an ihrem Tisch Platz zu nehmen und Thee mitzutrinken. Die Damen und Herren hatten bereitwillig Platz gemacht, so daß Ottilie zwischen Dr. Heermann und Frau Schwitz aus Frankfurt zu sitzen kam. Tante Mina, die nur hübsch langsam, da und dort Bekannte grüßend, sich entfernte, sah diese Veränderung noch von weitem; ein lustiges Lächeln überflog ihre Züge. — „Hml" dachte sie bei sich, „wenn Neffe Max wüßte, daß er sich gar nicht weit zu bemühen braucht um Grubes Tochter kennen zu lernen, ja, wenn sie ihm schon gefällt, ehe er nur weiß wer sie ist, so wäre das eine allerliebste Geschichte I Der Mensch denkt und Gott lenkt! Tolle Streiche sind schon oft der Vorsehung Leit- kxile geworden." In bester Laune kam Tante Mina bei der Näthin an, deren bekümmerte Miene ihre Heiterkeit vollends hervorrief. Frau Proffessor Führer aber beschäftigte sich, Während sie den Thee bereitete, mit Goldmunds vermeintliche Tochter. „Kein Wunder", sagte sie zu dem Alten, der neben ihr saß, „daß Ihr schönes Kind den Studenten auffiel! Wäre sie bei dieser Schönheit auch noch mit Stimme begabt, so könnte man ihr Glück wünschen zu einer glänzenden Künstlerlaufbahn. Singen Sie wirklich nicht, mein Fräulein?" „Gewiß, ich singe!" erwiederte Ottilie, die sich beeilte dem die Sänger Gelegenheit zu neuen Verwirrungen abzuschneiden. „Ich bin ja Schülerin von Papa Goldmund! Aber ich konnte und wollte mich nicht zwingen lassen an einem Ort zu singen, wo mein eigentlicher Platz Nicht ist." „Sie hatten recht. Aber ich kann sagen, wo Ihr eigentlicher Platz ist, Fräulein! Wenn Sie die entsprechende Stimme haben, so ist Ihr Platz das Theater, Mo Ihnen glänzender Erfolg sicher ist." Ottilie lächelte muthwillig. »Ich zweifle ob mein Vater damit einverstanden wäre!" „Wie, Herr Goldmund, Sie, ein Künstler, könnten Ihrer Tochter die Künstlerlaufbahn wehren?" so wandte sich die Professorin entrüstet gegen Goldmund. „Ich — bewahre — nein!" sagte dieser halb erschreckt. „Ich nicht! Sie selber will nicht. Sie paßt auch nicht für's Theater. Ihre Schüchternheit ist unüberwindlich, dazu ihre klösterliche Erziehung." Er hielt inne; er merkte, daß er wieder von Fettete sprach. Frau Professorin blickte erstaunt von einem zum andern ihrer Gäste. So taktvoll und bescheiden Ottilie auftrat, war doch von Schüchternheit ihr nichts anzumerken. Zur klösterlichen Erziehung stimmte auch die geschmackvolle Kleidung nicht, die mit großer Eleganz getragen wurde; ohne das Hütchen, da§ Ottilie nun abgelegt hatte, würde man sie für eine Dame aus feiner Gesellschaft gehalten haben. Dr. Max Heermann hatte Aehnliches gedacht und zugleich wahrgenommen, daß zu wiederholten Malen schon das junge Mädchen durch Goldmunds Mittheilungen in Verlegenheit gebracht und vom Eingehen auf ungezwungene Unterredung abgehalten worden war; deßhalb zog er den alten Goldmund in ein Gespräch über Musikpublikationen mit seinem Bruder und hatte bald die Genugthuung zu sehen, daß seine Taktik dem jungen Mädchen nützte. Ottilie verkehrte ungezwungen und anmuthig mit den Damen, sobald sie Goldmunds Einrede nicht mehr fürchtete, und Max suchte und fand Anlaß sich am Gespräch mit heiterem Humor zu betheiligen. Es gelang ihm, der wenn er wollte, von Witz und Geist sprudelte, bald die ächte lustige Rheinlandstimmung hervorzurufen. Die Zeit verging im Fluge; im Publikum verlangte man nicht mehr nach dem Sänger. Die Gäste, welche das Dampfschiff erreichen wollten, brachen auf, ebenso Andere, die noch weite Wege zu Fuß vor hatten. Auch am Tisch unter den Linden schien man sich zum Weggehen vorzubereiten. Max Heermann sah es zufällig und erinnerte sich seines Vorhabens, die Näthin zu grüßen. „Sie werden uns untreu", riefen, als er aufstand, die Damen mit Ausnahme Ottiliens. „Die kleine Grube soll reizend sein. Sie wird Sie drüben fesseln." „Ich bin ein Aal, der jeder Fessel entschlüpft." „Bis er einmal in eine Grube fällt", lachte sein Bruder ihm nach. „Ich wette eine Bowle, daß er drüben bleibt und mit Näthin Nehwald nach der Villa fährt." „Eine Erdbeerbowle! Sie müssen sie zahlen, wenn Ihr Bruder zurückkommt!" bestimmt Frau Schwitz. Ottilie vertauschte ihren Platz mit einem andern neben Goldmund. Unauffällig konnte sie von dort den Tisch unter der Linde beobachten. Neben Goldmunds Töchterlein entdeckte sie diesmal eine blaue Cerevismütze. Die Mütze saß auf dem Lockenkopf ihres Bruders. Gewiß hatte Hermine Stark Wort gehalten und Ottmar war von ihren Bestimmungen benachrichtigt, und somit war auch ihr Rückweg gedeckt. Vermuthlich war das Abenteuer ganz nach Ottmar's Geschmack. Er hatte sich mit einem Anschein von brüderlicher Vertraulichkeit neben Fettete niedergelassen und plauderte lustig zu ihr. Das junge Mädchen hörte offenbar vergnügt zu; sein Gesicht- chen schaute nicht mehr so blaß wie vorhin unter der himmelblauen Feder hervor, sondern strahlte von kindlichem Frohsinn, der seine Lieblichkeit erhöhte. Soeben trat Dr. Max Heermann, der zuerst die ältern Damen begrüßt hatte, vor Felicie hin. Ottilie war sicher, daß er sich als Bekannten und Schüler ihres Vaters vorstellte, denn Felicie verbeugte sich verlegen und erröthete. „Wenn ihA die Tochter meines Vaters dort drüben besser gefällt wie hier", gestand sich Ottilie — „so ist es nicht schmeichelhaft für mich — würde mir auch weniger belustigend vorkommen, als es bei Dr. Lebert der Fall wäre." Der ältere Heermann beobachtete gleichfalls was am Tische der Näthin vorging. „Alle Wetter!" rief er auf einmal, „das hatte ich nicht erwartet. Kellner, besorgen Sie eine feine Erd- beerbowle mit Champagner für unsern Tisch! Max kehrt wirklich zu uns zurück." Ueber dem Lachen und Beifallklatschen Aller bemerkte man nicht, daß Ottiliens schönes Gesicht freudig erstrahlte. Aufs Lustigste wurde der wiederkehrende Max begrüßt und mit Fragen bestürmt, wie er Professor Grubes Töchterlein gefunden habe. „Hübsch genug, aber nicht interessant. Allerdings kann ich nicht urtheilen in so wenig Zeit", sagte er ablehnend. „Jedenfalls gefällt sie meiner Tante Mina sehr. Sie will mit Frau Näthin, die einen Platz frei hat, zurückfahren und den Abend in ihrer Gesellschaft verbringen." „Macht Fräulein Grube mehr Glück bei Damen als bei Herren?" fragte Frau Schruitz. »Ich möchte gern dem Vater, wenn ich ihn in Frankfurt sehe, eine ganze Liste von Eroberungen melden, die seine Tochter in der Bonner Herrenwelt gemacht hätte." „Dann schreiben Sie nur getrost den eleganten Doktor Lebert auf die Liste", scherzte Max. „Er sieht ganz ingrimmig aus, wenn das Fräulein mit seinem eigenen Bruder, dem jungen Grube, plaudert, der allerdings auffallend munter ist. Die Geschwister scheinen sich besonders gut zu verstehen. Ich war jedenfalls überflüssig und stelle mich als eintägiger Freiwilliger wieder zu Diensten." „Das muß solenn gefeiert werden", sagte Frau Professorin Führer und schlug vor, die Bowle lieber in den hübschen Gartensalon bringen zu lassen, wo keine Gäste seien und man nicht befürchten müsse, von der Abendkühle zur Eile getrieben zu werden. „Ein Klavier ist auch dort, und wer weiß, ob wir nicht unbehelligt von ungebetenen Zuhörern ein Liebchen von jugendfrischer Stimme zu hören bekommen l" schloß sie, Ottilie freundlich ansehend. Diese blickte diesmal nicht streng auf bei der Anspielung. AIS die Tafelrunde in dem eleganten Saal etablirt war und fast alle Gäste von den Nachbartischen sich verloren hatten, erhob sich Goldmund, sein Notenbuch zu holen. Aber Ottilie hielt ihn zurück, und ihm ihr Glas zuschiebend, griff sie nach der Guitarre und erklärte selbst singen zu wollen. „O, Welt, wie bist Du so wunderschön!" klang es glockenrein in Jubeltönen durch den Saal. — Entzückt lauschte die gewählte Gesellschaft der Musikfreunde, und des Beifalls und Lobes ihrer Stimme wie ihrer vortrefflichen Schulung im Vortrug wollte es kein Ende werden. — Als Ottilie mit dem alten Goldmund auch noch ein Duett aus Schumanns Genovefa gesungen hatte, das die Professorin wünschte und selbst auf dem Klavier begleitete, steigerte sich in Frau Führer das Entzücken zu Enthusiasmus, und sie rückte sogleich mit dem ganzen Kunstfeucr vor, um GoldmundS unbegreiflichen Widerstand gegen den Künstlerberuf seiner Tochter zu besiegen, wobei sie von den Uebrigen unterstützt wurde. Nur Dr. Heermann verhielt sich ruhig. Er horchte um so gespannter auf das, was Ottilie selbst entgegneie, und verleitete daher diese, als sie es bemerkte, zu der Schelmerei, zu sagen, sie werde Hiebei sich ganz von der Einsicht ihres Vaters leiten lassen, der bisher den Wunsch noch nie geäußert habe, sie auf der Bühne zu sehen. Dies erschien hinwieder der Frau Professorin empörend, denn Goldmunds Tochter würde ein Stern ersten Ranges am Bühnenhimmel werden. Da dem alten Gold- mund dabei wacker eingeschenkt wurde, zeigte er sich immer nachgiebiger, versprach die Sache zu bedenken, erregte aber dadurch der Professorin Unmuth gegen die philisterhaften Anschauungen der Neuzeit, die sogar Künstler bedenklich machten. Der junge Heermann fand während der lebhaften Discussionen über Kunst und Beruf des älteren Gelegenheit zu einem andauernden Gespräch mit Ottilie, deren Meinung er ebenso geschickt zu ergründen suchte, als sie verstand, einen Theil davon, und zwar gerade den, der ihn am meisten interessirte, zu verschweigen. Dagegen konnte Max sich überzeugen, daß das junge Mädchen gründlich und vielseitig gebildet war, viel gelesen und gedacht hatte, ein zutreffendes Urtheil und feinen Geschmack auf dem Gebiet der Litteratur und Kunst besaß. Max wunderte sich nicht mehr, daß eine so sorgfältige Erziehung dem alten Goldmund viele Opfer auferlegt hatte; er staunte nur, daß eine Jnstitntserziehung ein solches Resultat gehabt hatte, denn die Auffassung deS jungen Mädchens war so frisch und ursprünglich, als habe sie mehr durch Anschauung als durch schablonmäßigeS Lernen sich unterrichtet, dabei auch volle Freiheit genossen nach Liebhaberei und Talent sich zu entwickeln, wie es nur die Mnzelerziehung und diese nur unter den günstigsten Verhältnissen gewähren kaun. Wahrlich, ein derart erzogenes und ausgebildetes Mädchen hatte Alles in sich, um als Künstlerin nicht nur in Gefahren zu bestehen, sondern auch die Höhe zu erreichen, der ihr Talent entsprach. Dennoch widerstrebte es dem jungen Professor, die Frage der Professorin einfach zu bejahen, ob nicht ein außerordentliches Talent die Verpflichtung auferlege, es bis zur Kunstvollendung auszubilden. Damit zog er sich aber die Ungnade von Frau Führer zu, die, ihres guten Rufes gewiß, nichts lieber that, als von ihrer eigenen Laufbahn als Künstlerin zu sprechen. „MnnneregoiSmus ist es", eiferte sie gegen Max. „Ihr glaubt immer, die feinsten Blumen sollten nur dazu dienen, Euer Haus und Eucrn Küchengarten zu schmücken. Mag ja sein, daß viel Schönes dort gedeihen und beglücken kann, besser als anderswo. Aber den seltenen, den ungewöhnlichen Wunderblumen, wie Goldmunds Kind zu sein verspricht, ihnen gebührt die Stelle im Zaubergarten der Kunst, und zwar aui einer Höhe, wo Tausende sie bewundern können, wo sie Wonne und Veredlung dem Fürsten und dem Volke spenden." „Aber auch von plumpen Füßen zertreten, vom Staub der Oeffeutlichkeit belästigt und befleckt werden können." „Altmodische Einwendungen! Solche Blumen schützt die Höhe, oder auch die Hand der Liebe. Oder sollten auch Sie, Dr. Heermann, den ich trotz seiner Weiberscheu, oder vielleicht wegen derselben, für einen Diener des Ideals und Verehrer edler Weiblichkeit halte. 400 zu Jenen gehören, die sich die Gattin nur aus den Reihen der im Schooße des Ueberflusses Erzogenen holen würden ? Sind Sie nicht der Mann, zu begreifen, daß die beste Liebe nur da sich entfaltet, wo das Weib um seiner Vorzüge, die ihm innewohnen, die unzertrennlich zu ihm gehören, gewühlt und gefreit wurde? Daß Geld und Rang gar nichts zum inneren Werth beifügen?" Ottilie hatte, als die Rede der Professorin eine verfänglich ernste Wendung nahm, sich sachte entfernt und am Klavier sich zu thun gemacht. — Dr. Heermann blickte verstohlen zu ihr hinüber, als er in halblautem, aber gleichfalls ernstem Ton antwortete: „Ziehen Sie die gute Meinung nicht zurück, die Sie von mir hegen, gnädige Frau! Ich hoffe Sie noch zu rechtfertigen; aber verdenken Sie mir auch den Wunsch nicht, sofern ich ein Kleinod von unschätzbarem Werth fände, es bei mir sicher zu bergen." Ein wohlklingender Accord ertönte. Ottilie hatte sich an's Klavier gesetzt und spielte die Einleitung zu der wunderbaren Widmung an die Musik von Franz. Jetzt ertönte von ihrer sympathischen Stimme das Lied: „Wenn die Schatten dunkeln." Mäuschenstill war es im Saale geworden. Als das Lied geendet war, eilte Frau Führer auf Ottilie zu und umarmte sie. „Sie haben unsern Streit wunderbar geschlichtet, theures, hochbegnadrteS Geschöpf! Mit der Lehre, die ihre Widmung gibt, können wir Frieden schließen. Wer sich der Musik weiht, ernstlich und für immer sich ihr hingibt, der dient der Kunst auch außerhalb des Theaters und bleibt geheiligt auch in seiner Oeffentlichkeit. — Aber Sie, liebe Sängerin, lasse ich heute nicht mehr von mir. Sie müssen mit mir kommen in unser Tusculum nach Godesberg. Professor Führer wird glücklich sein Sie kennen zu lernen, und wir verbringen einen wunderbaren Abend. Goldmund schließt sich den Herren an, indeß Sie mit mir und den Damen vorausfahren. Ich lade sämmtliche Herren zum Abcndbrod in meine Villa ein." Aber Ottilie lehnte die Einladung ab. Entschieden erklärte sie, Papa Goldmund könne weitere Aufregungen nicht ertragen, und sie selber müsse rechtzeitig in die Familie zurück, zu Freunden ihres Vaters, die ihr Schutz und Asyl gewährten. Goldmund bestätigte auf ihren Wink ihre Aussage. Ohne Zeit zu neuen Einwendungen zu geben enteilten beide dem Drachenfels auf den Weg, die zur nahen Trambahnstation führte, um den letzten Zng abwärts zu benützen. (Fortsetzung folgt.) -- Ueber das Mormonenlhnnr. „Was wissen Sie von den Mormonen?" Diese Frage wurde mir unlängst vorgelegt. Ich konnte nur eine kurze Antwort geben, wenig mehr, als auf das von den „Heiligen der jüngsten Tage" (wie sich die Mormonen nennen) erbaute neue Jerusalem und auf einige kurze Glaubenssätze hinweisen. Diese unvollständige Antwort bewog mich, das Leben und Treiben dieser Secte durch eingehendes Studium diesbezüglicher Schriften kennen zu lernen. Da manche der geehrten Leser vielleicht auch nicht mehr zu antworten wissen, als ich seinerzeit wußte, so zeige ich mit kurzen Notizen das Lehren und Treiben der Mormonen. Joe Smith, geboren am 23. September 1605 zu Sharon im amerikanischen Staate Vermont, ^ist der Stifter dieser abergläubischen, schwärmerischen/ jüdifch-christlich-mahomedanischen Secte; — er war der Sohn eines Landmanns und empfing, den einfachen Verhältnissen gemäß, nur eine dürftige Schulbildung, nach derselben widmete er sich dem Kaufmannsstande. Durch sein religiös gestimmtes Gemüth und sein Forschen nach religiöser Wahrheit getrieben, las er in seiner freien Zeit viel die Wesleyanischen Predigten und die Bibel, gerieth aber in einen Wirrwarr von Widersprüchen und Zweifeln, darin er sich nicht zurecht finden konnte. Da er eine positive Abneigung gegen die katholische Kirche besaß, suchte er Belehrung und Rath bei der protestantischen, — englischen, — puritanischen, — metho- distischen Kirche; doch konnte ihn keine dieser Religionen befriedigen, daher erklärte er alle Religionen und Con- fessionen für falsch und beschloß eine neue Religion zu stiften. — Joe Smith behauptete, mit Gott und den Engeln in Rapport zu stehen und göttliche Offenbarungen empfangen zu haben. In seinem 17. Jahre (1820), gab er an: eine Stimme vorn Himmel habe zu ihm gesprochen und alle bestehenden Religionen für falsch erklärt. — Da er als ein Abgeordneter Gottes gelten wollte, kam er mit vielen religiösen Sectenpredigern in Streit, die ihn als einen Betrüger und Schwärmer erklärten. Diesen gegenüber vertheidigte er seine Stellung durch folgende Mittheilung: Am 21. September 1823 habe ihm ein Engel gesagt, er solle die an einer bestimmten Stelle der Erde vergrabenen Tafeln der Offenbarungen aufsuchen; er habe jahrelang gesucht und endlich eine auf goldene Platten mit ägyptischen Buchstaben geschriebene Urkunde gefunden, die eine Ergänzung der heiligen Schriften des alten Testamentes sei und deren Verfasser „Mormon" geheißen. Bei diesen Platten hätten zwei transparente Steine gelegen, die ihm als Instrument gedient, den Inhalt der Urkunde zu übersetzen. Diese Uebersetzung der Urkunde, — das Buch der Mormonen, — sei der heiligen Schrift gleich zu achten; — eS berichtet die Geschichte der Ureinwohner Amerikas, die nach dem verunglückten Thurmbau zu Babylon aus Asien gewandert, um sich in Amerika niederzulassen. — Weiter wird erzählt, daß Christus nach seiner Auferstehung zuerst den Amerikanern erschienen und bei ihnen seine Kirche gegründet habe. — Im vierten und fünften Jahrhundert n. Chr. wurden die Christen aber, ihrer Sünden wegen, ausgerottet. Mormon, der letzte christliche Prophet, schrieb eine Geschichte der amerikanischen Christen, ihre Lehren und Weissagungen und grub dieselben in jene Platten ein, die Joe Smith gefunden. Mormon's Sohn Morant empfing, als auch er verfolgt wurde, von Gott den Befehl, die von seinem Vater geschriebenen Tafeln zu vergraben; Gott selbst wolle dieselben in Schutz nehmen und erst „in den jüngsten Tagen" wieder an's Tageslicht befördern. — Thatsächliche Untersuchungen dieser eklatanten Betrügerei haben festgestellt, daß im Jahre 1812 ein anglikanischer Prediger in Neu-Salem, Salomon Spaulding, einen Roman geschrieben über die Ureinwohner Amerikas und die Abenteuer der in Amerika zerstreuten Stämme Israels. Das Manuscript dieses Romans kam in den Besitz eines Freundes Smiths, Namens Sidney Rigdon. Beide Freunde fabricirten nach dem Manuscript in betrügerischer Weise die Urkunde des Mormon und nannten dies Werk die „goldene Bibel". Der werthvolle Fund dieser, die göttlichen Offenbarungen enthaltenden „goldenen Bibel", durch amerikanische Zeit- ungen bekannt gemacht, würbe acceptiert von einer Schaar gläubiger Anhänger. Dadurch ermuthigt, beglückte Joe Smith die Seinen mit einem neuen inspirirten Buche, das Offenbarungen von Engeln enthielt. — Das hebräische Original, das er von Engeln empfangen, habe er selbst übersetzt; er gab an, eine Wunderbrille zu besitzen, durch welche er hebräische und griechische Prophezeiungen ins Englische übersetzen könne. — Auch dieses Machwerk fand Glauben. Smith's Anhänger nannten sich „die Heiligen der letzten Tage.- — Die Dogmatik dieser wunderbaren Heiligen behauptet Folgendes: Sion wird wieder hergestellt. Christi Reich dauert 1000 Jahre; am Ende desselben erfolgt die Auferstehung der Todten. — Gott ist ein körperliches, mit Sinnen begabtes Wesen. — Die ganze Welt mit allen Schätzen gehört den Mormonen. Ihre Kirche besitzt die Gnaden und Wundergaben des Urchristenthums. — Sie glauben an Gott, an Jesum Christum, an die Erlösung durch ihn und an den heiligen Geist. Eine verschiedene Taufe ist nothwendig, eine für Sünder, eine für Kranke, eine für Todte. Die Taufe geschieht in der Kirche oder in Flüssen durch Untertauchen. — Die Taufe der Todten befreit die Verdammten aus der Hölle. — Nächstenliebe, Gehorsam gegen die Obrig- ^rit, Mäßigkeit, Fleiß und Vielweiberei sind geboten. — Das Priesterthum unterscheiden sie nach der Ordnung des Mclchisedech und nach der Ordnung des Aron. Die Hierarchie besteht aus Propheten, Aposteln, Bischöfen, Hirten, Großpriestern, Lehrern, Aeltesten und Diakonen. — Der Platz, an dem das neue Jerusalem erstehen sollte, wurde von Smith durch Prophetie bestimmt. An einem Orte im Staate Missouri, im Counth Jackson sprach Smith: „Wahrlich, ich sage euch, mein Knecht Sidney Gilbert (ein mormonischer Apostel) soll sich an diesem Orte anbauen und — einen Laden etablieren." So wurde dort 1833 Neu-Sion erbaut. Die Mormonen geriethen in Folge ihrer fanatischen Anmaßungen und Herrschsucht mit den übrigen Einwohnern in Conflikt. Ein gewaltiger Aufruhr entstand gegen die „Heiligen der letzten Tage", bei dem Joe Smith Nachts aus dem Bette geholt und gelyncht wurde, in der Weise, daß man ihn mit Theer überschüttete und ihn sodann mit Federn umhüllte. — Nach dieser schimpflichen Behandlung zogen die Mormonen von bannen im Jahre 1834 und erbauten Nauvoo am Mississippi. Die Gemeinde bestand damals aus 15,000 Mann. Joe Smith gründete hier einen Gottesstaat; er gab als Prophet, König und Hohepriester seine Gesetze; bildete eine Miliz, baute einen prachtvollen Tempel, der 1,000,000 Dollars kostete. Dieser Tempel trug in goldenen Buchstaben die Inschrift: „DaS HauS des Herrn, erbaut durch die Kirche Jesu Christi, der Heiligen der letzten Tage. Begonnen am 1. April 1841." In diesem Tempel befand sich ein umfangreiches Taufbecken aus Metall, das auf 12 Ochsen mit vergoldeten Hörnern ruhte. Da es Joe gelang, auf legislativem Wege viele bedeutende Privilegien zu erhalten, war er in seinem Hochmuth so vermessen, daß er als Candidat der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten auftrat. In alle Welttheile sandte Joe seine Apostel aus, die neue Lehre zu verbreiten, — und nicht umsonst. Ihre Propaganda hatte reichen Erfolg. Da die Mormonen in ihrem Glück übermüthig wurden und ihre Gegner mit schroffen Maßregeln angriffen und verfolgten, bot der Staat Illinois seine Miliz auf, den Uebermuth der Mormonen zu dämpfen. In diesem Aufruhr wurden Joe Smith und sein Bruder Hiram inS Gefängniß gebracht, und am 27. Juni 1844 drangen als Indianer verkleidete Männer ins Gefängniß und ermordeten den großen Propheten-König sammt seinem Bruder. Nach dem Tode Joe's entstanden verschiedene Parteien und Spaltungen innerhalb der Secte. Der nach langem Streit gewählte neue Propheten-König Brigham Doung gab den Befehl, den bisherigen Wohnort zu verlassen. 1846 geschah die Auswanderung, einem unbestimmten Ziele zu. Ein ganzes Jahr hindurch wanderten sie unter Mühsalen und Entbehrungen, bis sie endlich in Utah, fern von allen'Verkehrswegen, in dem unbewohnten Lande, das einer öden Wildniß glich, ihre Wohnstätte nahmen, wo ein neues Sion gegründet und der „Gottesstaat" hergestellt werden sollte. Mit großem, energischem Fleiß haben die Mormonen das Land bearbeitet und cultiviert; schon im Jahre 1850 besaßen sie dort drei große Colonien und sehr viele Farmen. Ein neues Jerusalem wurde auf dem östlichen Ufer des Flusses, den sie Jordan nannten, erbaut. Großartig ist die Stadt angelegt. Die Straßen sind 132 Fuß breit. Jedes Haus muß 20 Fuß von der Straßenfront abstehen; dieser Raum wird mit Sträuchern und Blumen bepflanzt. Durch jede Straße rinnt ein klares Büchlein, dasselbe dient zur Reinhaltung der Straßen und zum Nutzen der Gärten. Der Bau eines colossalgroßen Tempels wurde in Angriff genommen, der aber so bald seine Vollendung nicht erreichen wird, da eS der größte Tempel der Welt werden soll. Nachdem sie sich nun eine blühende Hetmath gegründet, wurden viele Missionäre ausgefandt, um immer mehr GlaubenSbrüder zu gewinnen; sie verbreiteten kräftigltch den Glaubenssatz: nur auf dem heiligen Boden ihres Landes könne man selig werden. Im Jahre 1849 hatten die Mormonen sich eine demokratisch-theokratische Verfassung in ihrem Staate gegeben. Der Congreß verweigerte jedoch die Genehmigung und verlangte einen uichtmormonischen Gouverneur; dagegen sträubten sich aber die Heiligen. Es gelang ihnen durch eigene Zwischen- fälle, daß ihr Propheten-König Brigham Joung zum Gouverneur ernannt wurde. Doch schon 1858 bestimmte der Congreß durch energisches Eingreifen einen Gouverneur, der Nichtmormone war, dadurch sollte insonderheit bezweckt werden, der Vielweiberei ein Ende zu machen. Leider ist dieser Zweck bis jetzt noch nicht erreicht. Die Gemeinde der Heiligen wird zunächst mit unumschränkter Machtvollkommenheit regiert von dem Propheten-König, der mit zwei ihm zur Seite Stehenden ein Triumvirat bildet. Sodann folgen 7 Apostel, 2085 Mitglieder des Sieben- ziger-Nathes, 715 Oberpriester, S94 Aelteste, 514 Priester, 471 Monitoren und 227 Diakonen. Das Missiouswerk der Mormonen ist ein über alle Länder der Erde verbreitetes. Nahe an 600 Missionäre sind thätig. Im Jahre 1858 gab es 120,000 Mormonen; 68,000 in Amerika, 39,000 in Europa, 3500 auf den Sandwichinseln, 2400 in Australien, 1000 in Asien und 100 in Afrika. In Europa sind sie am zahlreichsten in England, Dänemark, Schweden und Norwegen. Bemerkens- und bedauernswerth ist die Thatsache, daß Joe Smith im Jahre 1830 seine Secte organisirte mit 30 Anhängern; in neuerer Zeit zählt sie über eine halbe 402 Million Seelen, die auf diesem Wege der wahren Kirche Christi verloren gehen. — Mögen die vielen Zerwürfnisse, Spaltungen und Uneinigkeiten innerhalb der Secte, sowie unserseits beharrliches Beten und Arbeiten für die Kirche Christi krüftigltch dazu beitragen, daß die armen betrogenen „Heiligen" zur Erkenntniß der Wahrheit kommen, damit die Entstellung und Verunglimpfung der christlichen Religion vom Erdball verschwinde. „Stcckeichrocesslon" und StaLchfer. *) In den kleinen Mittheilungen von Nr. 24 des „Bayerland" war von einem ehemaligen Krcuzgange der Pfarrei F. nach Mühldorf die Rede, welche man den Stcckenkrcuzgang nannte, „weil jeder Theilnehmer mit einem Stecken versehen sein mußte, der in Mühldorf in einen hölzernen Behälter des Gottesackers geworfen wurde". Leider hat der Einsender dieser Notiz es unterlassen, sich über Zweck und Charakter jener Processivn weiter zu äußern. Er fügt nur noch die Vermuthung an, daß jener eigenthümliche Brauch mit einem Ereignisse im Schwcdcnkriege zusammenhänge. Das Letztere möge dahingestellt bleiben. Doch sei es gestattet, auf weitere Thatsachen aufmerksam zu machen, welche darthun, daß ein eigenthümlicher Gebrauch von Stäben bei Processionen und Wallfahrten weder eine singuläre Erscheinung, noch jungen Datums sei. Auch in Negcnsburg cxistirt eine Procession, welche ganz ebenso wie jene in F. bei Mühldorf im Volksmunde die „Steckenprocession" heißt. Sie wird veranstaltet von der marianischen Cougregation und bewegt sich von der ehemaligen Dominikanerkirche aus, in welche die Cougregation nach dem Brande der Jcsuitenkirche St. Paul (1809) verlegt wurde, über den Vismarcks- platz zur Kirche zurück. Nur Männer bcthciligen sich an derselben, und zwar entsprechend der großen Zahl der Congregationsmitglieder sehr viele von Stadt und Land. Da sieht man nun allerdings, wie fast ein jeder entweder mit seinem städtischen Spazierstocke oder seinem urwüchsigen, in Strauch und Wald geschnittenen „Kruüen- stccken" in der Hand cinherwaudelt, wie eben sonst auch. Doch davon allein kann die Procession nicht recht wohl „Steckenprocession" genannt worden sein. Der Name muß irgend welchen historischen, nunmehr vergessenen Grund haben, der vielleicht noch um ein gutes Stück hinter der Zeit zurückliegt, da die Jesuiten die genannte Procession in Negcnsburg einführten. Längere Stäbe, welche oben mit einem farbigen Tuche nach Art eines Fähnleins und in der Regel auch mit irgend einem frommen Emblem aus Metall geschmückt sind, werden allenthalben in Süddeutschland von einzelnen Bruderschaftsmitgliedcrn bei feierlichen religiösen Umzügen mitgetragen. Jeder, der die Fronleichnams- procession in München kennt, erinnert sich der als Pilger gekleideten Gestalten, welche derartige Stäbe führen. Doch scheint dieser Brauch mit dem Stcckenkrcuzgang von F. nichts gemein zu haben und eher daran zu gemahnen, daß gewisse kirchliche Vergünstigungen, wie Ablässe, welche ehemals an eine Pilgerfahrt an entfernte Orte geknüpft waren, allmälig auch an Bruderschaften übergingen und von deren besonderen Andachtsübungen abhängig gemacht wurden. *) Aus der Zeitschrift „Das Vayerland".. Eine große Aehnlichkeit mit dem genannten Steckenkreuzgang von F., bei welchem man die Stäbe am Ziele der Pilgerfahrt deponirte, finde ich dagegen bei den Wallfahrten zum Grabe des heil. Bischofs Ulrich von Augsburg, welche bereits kurz nach dessen Tod (973) begannen. Propst Gebehard, welcher zwischen 983 und 993 das Leben und die Wunder des hl. Ulrich beschrieb, erzählt uns davon. Nach ihm hätte der eigenthümliche Gebrauch, Stäbe am Grabe des hl. Ulrich niederzulegen, auf Veranlassung des Propstes bei St. Afra, Wiksred, seinen Anfang genommen. Zu diesem sei ein fieberkranker Mann, Reginwalech, aus der norischen Provinz gekommen, ein Mittel gegen seine Krankheit zu erhalten. Da sprach Wiksred: „Geh' und hole Dir einen Stab und trage ihn Zum Grabe meines Herrn, des hl. Ulrich, zur Erlangung Deiner Gesundheit!" „Und dieser ging, schnitt sich einen Stab von Birkenholz und brachte ihn zu dem genannten Propste, welcher ihn zu dem heil. Grabe führte und ihn anwies, den Stab darauf zu legen. Zur Stunde wurde er sodann, der auch auf das Gebet der Geistlichen vertraute und durch ihre Unterweisung im Glauben bestärkt wurde, fieberfrei und gesund." Daraufhin kam eine unglaubliche Menge von Leuten, die ebenfalls von einem damals herrschenden Fieber befallen waren, zum Grabe des Augsburger Bischofs, „die einen mit Stäben, andere auch noch mit anderen Opfergaben". Die Stäbe wuchsen begreiflicherweise zu einer solchen Zahl an, daß sie in den Ecken der Kirche nicht mehr Platz fanden und in dem Balkenwerke des Daches aufbewahrt werden mußten (ok. Volssri opp. Nürnberg 1682: Llircreuka. 8. Hckalrioi x. 574 ss.). Offenbar galten sie als die schlichteste und einfachste Art von Wcihegcschcnkcn, als ein bloßes Zeichen der Verehrung und des Dankes gegen den Heiligen, nicht als die Darangabe eines wirklichen Werthes an sein Heilig« thum. **) Sollte sich nicht auch anderwärts in der Ueberlieferung oder in geschriebener oder gedruckter Literatur die Erinnerung an eine ähnliche Sitte erhalten haben? Geht sie vielleicht zurück auf einen urgermanischen, noch heidnischen Gebrauch? Dr. E. in N. Alis dem Vogelleben. Eine fesselnde Skizze aus dem Vogekleben theilt der „Köln. Volksztg." ein Leser aus Gymnich mit. Es handelt sich darin um merkwürdige Erlebnisse mit einem Buchfinken. Der Winter 1894P5 führte bekanntlich, so erzählt der Vogelfreund, ein recht strenges Regiment, namentlich blieb der hart gefrorene Schnee andauernd liegen, so daß die armen Vogel, denen es am Nothwendigsten gebrach, dichter um die Wohnungen der Menschen sich ansammelten. Wir hatten im Spätherbst die zur Reife gelangten Sonnenblumen abgeschnitten und sie an einem luftigen Ort zum Trocknen aufgehängt. Diese wurden jetzt hervorgeholt und an den Bäumen unseres Gartens befestigt. Es währte nicht lauge, so kamen die Meisen herbei und pickten mit hurtiger Geschicklichkeit die schwarzen Samenkörner aus ihrem Versteck heraus. Das geschäftige **) Unwillkürlich erinnert man sich an die Redensart, welche von einer Sache, die gar nichts werth ist, sagt: „sie fei keinen Stecken werth". 403 Treiben der munteren Gesellschaft machte uns viel Vergnügen. Da, eines Tages gesellte sich ein dicker Buchfink zu der kleineren Vogelschaar. Ohne Ansehen der Person hackt er rechts und links um sich und treibt alle in die Flucht, bis er sich selbst gesättigt hat. Ein solch unverschämtes Auftreten erregte natürlich unseren gerechten Zorn; zu steuern war jedoch dem Unfug nicht, und dann hatte das Thterchen auch wohl großen Hunger, und so ließen wir es gewähren. Damit die anderen nicht zu kurz kamen, hingen wir noch mehrere Sonnenblumen auf, streuten außerdem Brodkrumen und verschiedene Samen auf die Fensterbank. Aber auch hier behauptete der Dicke bald seinen Platz als Alleinherrscher. Als es draußen zu grünen und zu knospen begann, stellten wir das Füttern ein. Mit diesem Verhalten war jedoch der Buchfink keineswegs einverstanden. Eines Tages sitzen wir beim Kaffee, da fliegt ein Vogel außen an den Fensterscheiben auf und ab, als begehre er Einlaß. Wir öffnen das Fenster und streuen Samen auf den Blumentisch. Der Dicke — er war es — bedenkt sich nicht lange, sondern hüpft lustig hinein und verzehrt Alles, was wir ihm hingelegt. Von dem Augenblick an wurde er täglich kühner und unternehmender. Wenn er uns von außen bei Tisch erspähte, krallte er sich gegen eine Scheibe an und klopfte mit dem Schnabel an's Glas. Sobald wir ihm dann öffneten, kam er herein, sogar bis auf den Eßtisch, und holte sich die Brocken von unseren Tellern. Unser früherer Ingrimm gegen den frechen Gesellen verwandelte sich so allmälig in Liebe und Anhänglichkeit. Wir hatten uns mit der Zeit derart an den gefiederten Gast gewöhnt, daß wir ihn recht schmerzlich entbehrten, als er vergangenen Herbst plötzlich ganz ausblieb. Da auch Buchfinken bei uns überwintern, so glaubten wir nicht anders, als das Thierchen fei durch einen Sperber oder eine Katze ums Leben gekommen oder infolge zu guter Nahrung eingegangen. Wir sprachen noch Manchmal — bereits in der Vergangenheit — von dem netten Kerlchen, und den vielen Bekannten, die sich nach ihm erkundigten, mußten wir stets dieselbe traurige Antwort geben: „Unser lieber Dicker kommt nicht mehr." Dieses Frühjahr nun, vor mehreren Wochen, als die Sonne so prächtig und warm schien, höre ich einen Buchfinken im Garten singen. Der etwas herausfordernde Schlußton dünkt mich bekannt. Ich trete an's Fenster und rufe: „DickerI Dicker!" Siehe da: es währt nicht lange, so sitzt unser Dicker auf dem Fenstersims, hüpft gleich darauf geschäftig auf den Blumentisch, zum Kanarienvogel, zum Papagei, auf den Eßtisch — als sei er erst gestern noch dort gewesen! Im ganzen Hause herrschte Freude über die Rückkehr des Todtgeglaubten. Er besucht uns nun Tag für Tag. Wo Jemand sich blicken läßt, sei es im Wohn- oder Eß-Zimmer, in der Küche oder den Schlafräumen, sofort ist der liebe Dicke da und klopft und ruft, bis man ihm aufmacht. Verspürt er besonders tüchtigen Hunger oder hat er Eile, dann setzt er sich auf den Kirschbaum vor dem Hause und schreit aus Leibeskräften. Tritt man an's Fenster, so fliegt er Einem schon entgegen. Seine Kühnheit nimmt stetig zu. Mehrere Male hat er mir schon aus der Hand gefressen. Man merkt jedoch seinem Wesen an, daß er dieses Unternehmen selbst für ein großes Wagniß hält; dagegen scheut er es gar nicht, mir auf den Schooß zu fliegen und dort gemüthlich zu speisen, während ich arbeite und mit ihm spreche. In der Küche hält er sich mit Vorliebe auf; dort gibt es so mancherlei auf der Anrichte und vom Boden aufzupicken. Nie versäumt er es, meiner Schwägerin, die augenblicklich leidend ist, seinen täglichen Krankenbesuch abzustatten; bei der Gelegenheit fallen dann auch immer einige gute Brocken ab, die er auf dem Bette verzehrt. Ganz frei von Eigennutz sind also diese Besuche wohl nicht. Doch wie manches gute Werk verträgt eine eingehende Prüfung des Beweggrundes? Unsere anderen Hausthiere dulden den Eindringling. Möpschen, der draußen allen Vögeln nachstellt, betrachtet ihn als zur Familie gehörig, und wenn ich mich nur dem Fenster nähere, schreit Lora schon aus voller Kehle: „Dekahr." Sie spricht das „Dicker" wie ein Garde-Lieutenant auS. — Eben jetzt, während ich über ihn schreibe, sitzt er neben mir auf dem Schreibtische und sieht mich mit seinen schwarzen klaren Aeuglein so klug und zutraulich an. Ja, du kleiner Schelm, die Hauptsache darf ich doch nicht von dir verschweigen: daß du nämlich ein sehr aufmerksamer Gemahl bist. Sobald nämlich fein Weibchen einen Ton von sich gibt, horcht er auf, beim zweiten schon läßt er die feinsten Leckerbissen im Stich und fliegt mit augenscheinlicher Hast zu ihm hin in den großen Kastanienbaum. Oder sollte er am Ende trotz seines selbstbewußten Auftretens doch nur ein Pantoffelheld sein? . --S2-V-LA-»- ALLssLstz« Selbstmord eines indischen Fürsten. Ueber den Selbstmord eines indischen Fürsten wird der „Franks. Ztg." aus Chandernagor geschrieben: Vor Kurzem entleibte sich der Maharadscha von Patna; aber die Beweggründe, die ihn zu diesem verzweifelten Schritte getrieben haben, sind erst jetzt bekannt geworden. Der Herrscher von Patna war ein sogenannter „unabhängiger" Fürst. Jedem indischen Fürsten wird von der englischen Regierung ein sogenannter politischer Agent an die Seite gestellt, der den Verkehr des Fürsten mit der Regierung vermittelt und ihm in allen Angelegenheiten mit Rath und That beistehen soll. Der Maharadscha darf ohne ausdrückliche Erlaubniß dieses Agenten keinen Europäer einladen, er kann keine Reise unternehmen, kein Fest geben, kurz, er befindet sich vollständig in den Händen des politischen Agenten. Nun mißbrauchte aber der politische Agent in Patna seine Stellung in ganz unglaublicher Weise. Er untersagte dem Maharadscha selbst die harmlosesten Vergnügungen. Eines Tages brachte ihm einer seiner Spione einen Brief, in dem der Maharadscha den Vicekönig flehentlich M Abberufung des politischen Agenten ersuchte. Nun kannte seine Wuth keine Grenzen mehr; er beschimpfte den Maharadscha vor seinen Dienern mit den gemeinsten Schimpfwörtern. Jeder Tag brachte eine neue Beleidigung. In einem Briefe, den der Maharadscha wenige Wochen vor seinem Tode geschrieben hat, beschwert er sich darüber, daß man ihm Alles versage, außerdem drückt er seine Furcht vor einer Tigerjagd, zu der man ihn zwingen wolle, aus. Im Laufe der Jagd wHde ihm gewiß „unglücklicherweise" ein Arm abgeschossen Enden. Zuletzt erhebt er noch die schwere Anklage, daß er fast mittellos sei, da der politische Agent und der Dewan des Staates sich seiner Kasse und aller Einkünfte bemächtigt hätten. Der Fall hat unter den anderen Fürsten eine ungeheure Aufregung hervorgerufen. 404 Die Regierung gebe sich die größte Mühe, diese zu beschwichtigen. Die englische Presse schweigt den Fall todt, dagegen kann sie nicht verhindern, daß die einheimische Presse von fast nichts Anderem redet. » EinHospital fürAuSsätzige inLouisiana. Da im Staate Louifiana die Zahl der Aussätzigen in erschrecklicher Weise zunahm, wurde ein Hospital zur Aufnahme derselben gegründet, um sie von der menschlichen Gesellschaft abzusondern und so eine weitere Verbreitung der schrecklichen Krankheit durch Ansteckung zu verhindern. Als das Spital zur Ausnahme der Kranken fertig war, meldete sich Niemand zur Uebernahme desselben. Man mußte an die katholischen Krankenschwestern sich wenden, und die Barmherzigen Schwestern waren bereit, die Anstalt zu übernehmen. Die in New-Orleans erscheinende ,Picayunst beschreibt in einem längeren Bericht den Abschied dieser Heldinnen der Nächstenliebe und ihre Abreise nach ,Leper Land'. „Schaudern Sie nicht vor dieser Misston und werden Sie nicht von Furcht ergriffen?" so fragte der Berichterstatter die Oberin dieser Schwestern. Er erhielt von der Schwester Beatrice die schöne Antwort: „Warum sollte eine Barmherzige Schwester sich fürchten? Wir haben ja unser Leben der leidenden Menschheit geweiht. Gott wacht über dieses Asyl für Aussätzige. Er wird seine Kinder, uns und die Kranken, die unsere Brüder und Schwestern sind, in seinen Schutz nehmen." Als der Dampfer sich in Bewegung setzte, wurde den Schwestern von der Volksmenge ein herzlicher und ehrfurchtsoller Abschied bereitet. Die Herren zogen ehrerbietig ihre Hüte und die Damen schwenkten ihre Taschentücher. Alle waren von Bewunderung für die muthvollen Schwestern ergriffen. „Jetzt wird die Sache schon arbeiten", sagte Herr Ncynes, der Sekretär des Ver- waltungSrathes des Spitals. „Bald werden alle Aussätzigen im Staate sich in unserer Anstalt befinden; zum Mindesten gibt es in Louifiana 100 Aussätzige. Wir haben bis jetzt erst 31 davon in unserer Anstalt. Aber die anderen werden schon kommen, nachdem die Barmherzigen Schwestern die Anstalt übernommen haben. Jetzt können sie der besten Pflege versichert sein." Den prot. Protectivisten kommt dieser Bericht der ,Picayuni' sehr in die Quere. Man hört im Volke die spöttische Frage: „Warum haben die von der American Protective Association sich nicht erboten, die Leitung der Anstalt zu übernehmen?" * Die Musik in der englischen Königsfamilie. Die Königin Victoria ist äußerst musikalisch. Schon als zwölfjähriges Mädchen sang sie vor geladenen Gästen Duette mit ihrer Mutter, der Herzogin von Kent. Später bildeten Händel, Gluck und Mendelssohn ihre Lieblingscomponisten und unter den Werken des letztem besonders die Lieder ohne Worte. Die Königin hat bis vor wenigen Jahren Pianospiel und Gesang fortgesetzt. Jetzt rührt die 77jährige Monarchin das Instrument nur selten an. In ihren verschiedenen Schlössern besitzt die Königin 30—40 Pianos. Das schönste darunter steht im Scharlach-Saale im Schlosse Windsor; es hat einen wunderbar weichen Ton. Die Prinzessin Beatrice benutzte es häufig. Auf der Violine hat es die Königin niemals zur Meisterschaft gebracht; auf diesem Instrument glänzt der Herzog von Coburg. Dieser ist das einzige Mitglied der englischen Königshauses, welches eine echte Stradivarius- Geige besitzt, obgleich der berühmte Geigenbauer von Cremona vier Geigen für Georg I. anfertigte. » Der neueste Frauenhut. Jüngst ging ich zur Mode hin, — Zu der Weltbeherrscherin, — Und ich habe unverzagt — Nach dem neu'sten Hut gefragt. — „Blumen, Schmelz und Straußenfedern — Werden nachgerade ledern;" So begann die Königin, — „Höheres erstrebt mein Sinn; — Sieh das herrlichste Modell!" — Und sie lüftet ein Gestell. — Tief geblendet von der Pracht — Fragt' ich: „Ist das selbst gemacht?" — Freilich, keiner steht so gut, — Wie ein eig'ner Doctorhut." Scherzfrage. Wie theilt man einen Seufzer in fünf Theile? — Antwort: Indem man ihn in einen Handschuh aushaucht. ---8SLWS8"--- Kimmclsfcliau im Monat Juki. —X. Merkur ^ entfernt sich immer mehr weiter westlich von der Sonne und ist in den ersten Tagen als Morgenstern schwach sichtbar. Venus Z geht bereits nach 8 Uhr abds. unter. Mars F zwischen dem Kopf des Walisisches und Widders geht auf gegen Mitternacht. Jupiter H steht nach Sonnenuntergang niedrig in NW. und geht nach 9 U. abds. unter. Saturn D geht anfangs vor 1 U. nachts, zuletzt vor 11 U. unter und wird lichtschwächer. In der Nähe des MondeS befinden sich Mars am 5.; Merkur am 9.; Venus am 10.; Jupiter am 12.; Saturn am 19. Vom Monde werden bedeckt Negulus am 13. abds. 5 U. und Antares am 20. abds. 6 U. Am 28. findet ein Sternschnuppenfall statt in langen, langsam ziehenden Bahnen aus dem Radianten zwischen Steinbock und Wassermann. -SSWLS-"-— „Gttellc»k>»Nl!e." Oftmals frug ich Wind und Welle Nach des Glückes holdem Sterne, Lauschte lange an der Quelle, Ob's nicht rauschte nah' und ferne: „O das Glück, es lächelt gerne Jedem an des Daseins Schwelle." Doch es klang wie heimlich Höhnen Anö dem neckischen Wellenspiele Zu des Herzens wildem Sehnen; Und es rauschte laut und stille: „O, wie fern stehst du dem Ziele, Wirst du's wohl erreichen können?!" Also klang die kurze Kunde. — Und ich sah die Wasser wallen Lange noch im Wiesengrunde — Sah dann aus der Tiefe strahlen Sanft den Himmel, Frieden allen Winkend auf dem Erdenrunde. Da vergaß ich Erdenweben, Frug nicht länger Wind und Welle, Ob sie Glück mir könnten geben: Aus der Tiefe klar und helle, Aus dem Himmel quillt die Quelle Frieden träufelnd in das Leben. ll. N.