O 55. Freitag, den 3. Juli 1896. Für die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag der Literarischeu Instituts von Haas L Gradherr in Augsburg (Bvrbesttzer vr. Max Huttler). Irauenherz «nd Irauenrvatten. Lebensbild von Mary Dobson. Nachdruck verboten. I. Die Dämmerung eines schönen MaitageS war eingetreten, und die Abendruhe begann für die Natur wie die Menschen sich geltend zu machen, als langsam sich einem freundlichem Hause in einem der Vororte der Stadt . . . dessen Fenster dicht verhangen waren, drei Wagen näherten und alsbald vor diesem hielten. Dem zweiten entstiegen ein älterer und ein jüngerer Mann, wie ein etwa achtzehnjähriges, in tiefe Trauer gekleidetes Mädchen, welche sich hineinbegaben, während den dritten ebenfalls vier Männer verließen. Diese traten an den ersten Wagen, der von ansehnlicher Länge, schwarz und gänzlich geschlossen war, was alles leicht seine traurige Bestimmung erkennen ließ. Nur halblaut sprechend, öffneten sie ihn und entnahmen ihm einen mit verschiedenen Kränzen geschmückten Sarg, den sie in's Haus trugen, wo die zuerst ausgesttegenen Männer sie erwarteten und in ein erleuchtetes Zimmer führten, in welchem schon alle Vorbereitungen zur Ausstellung desselben getroffen waren. Nachdem sie ihn niedergelassen, entfernten sie sich und bestiegen nochmals ihren Wagen, der dann mit den übrigen langsam davon fuhr, die Hausthüre ward geschlossen, und die Zuschauer, welche sich eingesunken, um ernst und schweigend der letzten Heimkehr der ihnen im Leben bekannt gewesenen Frau Nothenfels zuzusehen, gingen, nachdem sie noch erfahren, daß deren Beerdigung am folgenden Morgen stattfinden würde, ebenfalls von dannen und besprachen ihren in der Ferne erfolgten Tod, der Alle mit aufrichtiger Theilnahme erfüllt. Drinnen im düsteren Leichenzimmer hatten unterdeß die beiden Männer noch einige Anordnungen getroffen, und kaum war dieß geschehen, so erschienen zwei in tiefe Trauer gekleidete Frauengestalten, von denen die eine das schon erwähnte junge Mädchen, die andere aber die Gattin des älteren und Mutter des jüngeren Mannes war. Eine Weile umstanden sie in traurigem Schweigen den Sarg, dann brach Ersteres in lautes Weinen aus, und das Haupt an der Brust seiner Begleiterin bergend, sagte es mit schmerzlicher Stimme: „O, liebe, liebe Tante, jetzt habe ich nur Euch noch, die Ihr stets so freundlich und gütig gegen mich gewesen!" „Du wirst immer unser Kind bleiben, Hedwig", erwiderte sie an sich schließend Frau Neichardt, während deren Gatte und Sohn sie voll inniger Theilnahme anblickten und nähertretend Ersterer hinzufügte: „Und so lange wir leben wird es Dir an Liebe und Schutz nie fehlen!" Hedwig Nothenfels hatte keine Erwiderung auf diese Versicherung ihrer treuen Freunde, welche dies schon ihren Eltern gewesen, und ließ sich in das gegenüberliegende Zimmer führen, wohin Vater und Sohn ihnen folgten. Frau Neichardt blickte voll Besorgniß in ihr bleiches Gesicht, das nur zu deutlich von den vielseitigen Aufregungen sprach, welche sie während der letzten Zeit erfahren, und trotz welcher sie ungeachtet aller Vorstellungen darauf bestanden, die Leiche ihrer vor einer Woche auswärts verstorbenen Mutter in die Heimath zu begleiten. Während nun der kleine Kreis eingehend die letzte Vergangenheit bespricht, was offenbar der jungen Waise eine traurige Erleichterung gewährt, wollen wir die Leser mit den vorgeführten Personen bekannt machen. Hedwig Nothenfels ist das einzige Kind eines städtischen Beamten, der vor mehreren Jahren gestorben, seiner Gattin und Tochter eine nur mäßige Pension und ein sehr geringes Vermögen hinterlassen, von welcher Einnahme Erstere jedoch zn leben und ihrer Tochter eine gute Erziehung zu geben vermochte. Stets von zarter Gesundheit bildete sich leider nach und nach bei Frau Nothenfels ein Nervenleiden aus, das rechtzeitig zu bekämpfen durch dringende Vorstellungen die Freunde das Ihrige thaten. Die strengbefolgten Anordnungen des Hausarztes waren jedoch vergeblich, da auch durch den unerwarteten Tod ihres Bruders und einzigen Verwandten ihre Nerven einen zweiten schweren Stoß erlitten. Ein zu Rathe gezogener Spezialarzt erklärte, daß unfehlbar eine Gemüthskrankheit das Ende ihres Leidens sein würde, und rieth daher zu schneller Orts- und Luftveränderung, und bald war auch ein geeigneter Aufenthalt, eine Heilanstalt für Nervcnleidende, in der schönsten Gegend des Nheinlandcs gefunden. Zu Anfang des JahreS reiste sie mit ihrer Tochter, denn von dieser hatte sie sich nicht trennen wollen, nach . . ., und bald schien auch aller Hoffnung auf ihre Genesung sich in etwas verwirklichen zn wollen. Dann aber trat im Frühling auf unerklärte Weise eine Verschlimmerung in ihrer Krankheit ein, die nur zu schnell ihre Kräfte schwinden ließ und sie ihrer kaum ihr schweres Geschick begreifenden Tochter entriß. Voll aufrichtiger Trauer vernahmen dieß die Freunde in der Heimath, und während Herr Neichardt zur Stütze der Letzteren sogleich nach dem Rhein reiste, traf seine Gattin alle Vorkehrungen zur Ankunft der Verstorbenen und deren verwaisten Tochter, denn Frau Nothenscls hatte den bestimmten Wunsch ausgesprochen, an der Seite ihres Gatten ruhen zu wollen. Am folgenden Morgen fand ihre Beerdigung statt, unter Betheiligung von Herrn Neichardt und seinem Sohn, wie der wenigen Bekannten, welche sie gehabt; Frau Neichardt aber nahm sich Hedwigs an, deren Kräfte, als der Sarg mit der irdischen Hülle ihrer Mutter aus dem Hause getragen ward, zusammenbrachen, und die sie bewußtlos in ihr Zimmer brachte. Dieß verließ sie erst nach einigen Wochen wieder, kaum genesen von einem Nervcn- sieber, in welchem Frau Neichardt sie voll mütterlicher Liebe und Sorge gepflegt, während ihr Gatte, Hedwig's Vormund, die schwere Krankheit voll Bekümmeruiß verfolgte. Beider Sohn, Arthur Neichardt, welcher bereits verheirathet war und als Compagnon seines Schwiegervaters mit seiner Gattin und kleinem Sohn in einer nahegelegenen Stadt wohnte, und nur zur Bestattung der ihm länger bekannt gewesenen Frau Rothcnfels gekommen, war nach derselben wieder abgereist. Es war für Herrn Neichardt eine große Freude, als, eines Tages vorn Geschäft in der Stadt zum Mittagessen heimkehrend, er Hedwig mit einer Handarbeit beschäftigt im Wohnzimmer antraf. Ihre gegenseitige Begrüßung nach so langer Zeit war eine herzliche, mit tiefem Mitgefühl aber sah er die Veränderung, welche binnen der wenigen Wochen mit ihr vorgegangen. Die reichen Wellen ihres goldblonden Haares umgaben eine bleiche, blaugeäderte Stirn, ihre sonst so lebhaften dunklen Augen blickten matt unter den feingewölbten Brauen und den weißen Lidern hervor, während die übrigen Theile des sonst so blühenden jugendlichen Gesichts ebenfalls von der kaum überstandcnen Krankheit sprachen. Demungeachtet aber machte ihre Herstellung dauernde Fortschritte, doch war der sie behandelnde Arzt, welcher auch das Leiden ihrer verstorbenen Mutter gekannt, der Ansicht, daß zur vollständigen Kräftigung ihrer Gesundheit noch eine Luftveränderung, verbunden mit Mineraloder Seebädern, erforderlich und keine Zeit damit zu verlieren sei. Die Sache ward in ernste Erwägung gezogen, und da auch Frau Neichardt's Gesundheit keine starke war, sie ebenfalls einige Wochen der Erholung bedurfte, so schlug ihr Gatte vor, Hedwig zu begleiten, ein Vorschlag, dem sie zu deren Freude nach einiger Ueberlegung zustimmte. Nun ward der Aufenthalt selbst besprochen, die Wahl fiel auf ein See- und Stahlbad, und als auch der Arzt hinzukam, entschied er sich für Letzteres und rieth, sich so schnell wie möglich dahin zu beaeben. II. In dem Badeort .... hatte die Kürzest ihren Höhepunkt erreicht, und während des besonders günstigen Sommers hatten die leidenden u. schwachen Menschen die berühmten und bewährten Heilquellen mehr denn je aufgesucht. Auch viele Touristen kehrten zeitweilig dort ein, sahen sich die Badegesellschast und ihr Thun und Treiben an, oder wanderten weiter in das nahegelegene Wesergebirge und den Tentoburgerwald und suchten davon die schönsten Punkte auf. In einem freundlichen Fremdeuhause, nahe der Hauptallee und dem Brunnenplatz, wohnten Frau Neichardt und Hedwig Rothcnfels für die Dauer ihrer Kürzest. Sie waren in den Händen des geschicktesten Arztes, an den Dr. Stein seiner jungen Patientin wegen noch besonders geschrieben, und Bäder, Brunnen und Waldluft begannen ihre gute Wirkung geltend zu machen, was Beide nach der Heimath berichteten und von Herrn Neichardt voll Freude und Theilnahme gelesen ward. Da Hedwig's Kräfte zunahmen und sie der Erheiterung und Zerstreuung bedurfte, so wurden Ausflüge in den näheren Bergen, auch in Gemeinschaft der ihnen bekannt gewordenen Hausgenossen, gemacht. Auf einer solchen suchten sie die Ruine einer einstigen Ritterburg auf, unterhalb welcher sich eine schöngelegene Försterei befand, die den Touristen Ruheplätze und jede gewünschte Erquickung gewährte. Als nach dem weiten Ritt die Gesellschaft sich dort durch einen Imbiß gestärkt, stieg sie zu der auf dem abgeplatteten Eipiel des Berges liegenden Ruine hinauf. Von dem umfangreichen und durch den Förster sorglich erhaltenen Mauerwerk aus überblickte man weit- ^ hin die Gegend und vergegenwärtigte sich dabei, wie es vor Jahrhunderten in demselben gewesen sein mochte, als dessen Bewohner das Land ringsum beherrscht. Die' Welt war seitdem eine andere geworden, auch in der dortigen Gegend halten sich schon die Wandlungen der Zeit geltend gemacht, die Berge und Höhsnzüge jedoch waren dieselben geblieben, keine Veränderung an sie herangetreten. Noch die herrliche Aussicht bewundernd, hörten sie Männerstimmen, und bald auch erschienen höflich grüßend drei rüstige, jüngere Wanderer. Diese erfreuten sich ebenfalls in lebhaftester Weise des weiten Blickes über die Gegend, die im Licht der Nachmittagssonne voll Abwechslung vor ihnen lag, es entspann sich eine Unterhaltung mit den Anwesenden, welche zugleich erfuhren, daß die offenbar den besseren Ständen angehörenden Ankömmlinge eine Ferienreise benutzten, um das Wesergebirge und den Tentoburgerwald zu durchstreifen. Da es kühl zu werden begann, wollte die größere Gesellschaft sich entfernen, doch schloffen sich ihnen die jungen Männer an, und einer derselben wußte dabei so fesselnd von andern schon gesehenen Ruinen mit schauerlichen Verließen und unterirdischen Gängen zu erzählen, daß die ihm voll Spannung lauschende Hedwig die letzte Stufe einer kleinen, ins Freie führenden Treppe übersah und vielleicht unsanft zu Boden gestürzt wäre, hätte nicht gewandt und mit starkem Arm sein älterer Gefährte sie davor bewahrt. Frau Neichardt, welche dies gesehen, trat besorgt hinzu und sprach mit Hedwig deren Beschützer ihren Dank für seinen Beistand aus, den er jedoch mit einem theilnehmenden Blick auf ihre bleichen Züge ablehnte. Bald darauf empfahlen sich die drei Wanderer und schlugen den ihnen vom Förster bezeichneten Weg durch die Berge ein, um noch vor Anbruch der Dunkelheit den Aufenthalt für die Nacht zu erreichen, die Badegesellschast aber nahm in der Försterei ein kleines Mahl ein und trat in jeder Weise befriedigt den Rückweg an. Der gehabte Schrecken war für Hedwig's leicht 415 erregbare Nerven ohne nachtheilige Folgen geblieben, und gewissenhaft ihre Kur fortsetzend, konnte über ihr Befinden nur Günstiges in die Heimath berichtet werden. Herr Neichardt freute sich dessen und rieth, als Nachkur noch eine kleine Gebirgsreise zu unternehmen. — An einem sonnigen Sommertag zu Anfang August trafen sie mit einigen Bekannten aus . . . ., welche sich ihnen angeschlossen, nach einer längeren Bergtour im besten Wohlsein in der korta 'Westta-licn ein, um noch diese so verschiedenen Endpunkte des Wesergebirges zu ersteigen. Kaum hatten sie die kahle, umfangreiche Hohe des Jacobsberges erreicht, so vernahmen sie lebhafte Männerstimmen, und bald standen ihnen ihre Bekannten aus der Bergruins bei ... . gegenüber. Nach gegenseitiger freundlicher Begrüßung erkundigte sich der Aeltere von ihnen theilnehmend nach Hedwig's Befinden, und als diese ihm darauf geantwortet, wandte er sich > an Frau Neichardt mit der Frage, ob es ihm und seinen Gefährten gestattet fei sich ihnen anzuschließen. »Das kann uns nur erwünscht sein", entgegnete diese, der Zustimmung ihrer Begleiter gewiß. Er stellte darauf die Seinigen vor. Sie waren Bruder; der ältere in seiner Vaterstadt C. als Referendar angestellt, der jüngere als Assistenzarzt in einer Klinik der Universitätsstadt Halle beschäftigt. „Mein Name", fuhr er dann fort, „ist Albrecht Günther, und ich bin ebenfalls in Halle in der chirurgischen Klinik Gehülfsarzt. Meine Vaterstadt, wo später ich mich auch niederlassen werde, ist . . . ." „Die ist auch die unselige und zugleich unser Wohnort", unterbrach lebhaft Frau Neichardt. „Da mochte ich um die Erlaubniß bitten, bei Ihnen vorsprechen zu dürfen, falls einmal ich meine Mutter und Schwester besuche, denn leider habe ich meinen Vater vor längerer Zeit verloren", erwiderte Dr. Günther. „Dieß ist Ihnen gern gewährt", sprach freundlich Frau Neichardt, „und mein Mann wird sich freuen, ebenfalls Ihre Bekanntschaft zu machen I" Nach dieser Vorstellung trat die so unerwartet vergrößerte Gesellschaft den Weg nach den Steinbrüchen an, die sie lange eingehend besichtigte, dabei aber auch die prächtige Aussicht über die Abwechslung aller Art bietende Gegend genoß; dann begaben sie sich nach der gegenüber liegenden bewaldeten Margarcthenkluft und freuten sich des kühlen, sie hier umgebenden Schattens. Sie erstiegen auch an dieser Seite der Porta die äußerste Berghohe und wurden durch den herrlichsten Neberblick über das Weserthal gelohnt. Auf diesem Wege hatte Dr. Günther sich Hedwig zugesellt, welcher er ein fürsorglicher Führer ward. Sie unterhielten sich dabei über das, was sie seit ihrer ersten Begegnung gesehen und erlebt, und sprachen ihre Verwunderung aus, sich nicht einmal in den Bergen getroffen zu haben. Sie äußerte so lebhaft ihre Freude und Bewunderung über alle Genüsse, welche ihr diese geboten, daß er nicht umhin konnte, die Frage an sie zu richten, ob sie dieselbe zum ersten Mal gesehen. Sie verneinte dies und erzählte von ihrem Aufenthalt am Rhein und dessen trauriger Veranlassung, wodurch er auch daS Leiden und den Tod ihrer Mutter erfuhr. Ihr über deren Verlust seine Theilnahme aussprechend, gewahrte er Thränen in ihren Augen und wechselte daher den Gegenstand des Gespräches. Da auf der Höhe fühlbare Kühle herrschte, stieg bald die Gesellschaft an den Fuß des Berges hinab, wo sich ein freundliches Wirthshaus befand, in dem sie auszuruhen und nach allen Anstrengungen sich zu stärken gedachten. Mit dem Nächsten vom Rhein kommenden Zug setzten dann Frau Neichardt und Hedwig nach freundlichem Abschied von allen Bekannten die Rückreise fort.. Diese aber hatten verabredet, gemeinschaftlich noch andere schönö Punkte des Wesergebirges aufzusuchen, und verließen, dieß Vorhaben auszuführen, ebenfalls die Porta West- falica. III. An dem düsteren, naßkalten Januartag war frühzeitig die Dämmerung eingetreten und, am Fenster des Wohnzimmers eines nahe der Stadt gelegenen HauseS (in entgegengesetzter Richtung von dem der Familie Neichardt) stand eine jugendliche Frauengestalt und blickte auf die Straße hinaus, wo eben die Gaslaternen angezündet wurden. Diese, welche auch bald ins Zimmer hineinleuchteten, ließen sie erkennen, daß mit dem Regen auch Schneeflocken vom Himmel herabfielen, die der heftige Nordostwiud gegen die Fenster trieb, von denen sie schmelzend herabsanken. Eine Weile blickte sie dem unwirtlichen Wetter zu. gedachte darauf des Frühlings und des Sommers Pracht und Herrlichkeit — dann traten Bilder vergangener Tage vor ihr geistiges Auge — und langsam wandte sie sich vom Fenster ab nnd dem Innern des größeren Raumes zu. Dieser war behaglich, doch ohne Luxus ausgestattet, und die röthlich glimmende Kohlengluth verlieh ihm ein freundliches, anheimelndes Aussehen. Der milde Feuerschein fiel voll auf einen Sessel, in dem in weiche Decken gehüllt ein älterer Mann ruhte, dessen rechtes Bein noch durch einen Schemel gestützt ward, und der in die helle Ofengluth blickte, deren leises Knistern für den Augenblick die einzigen hörbaren Laute in dem großen Zimmer waren. Jetzt hatte die Frauengestalt den Sessel erreicht, und sich leicht über dessen Lehne neigend, sagte sie in besorgtem, liebevollem Ton: „Haben die Schmerzen noch nicht nachgelassen, Vater?" „Nein", entgegnete dieser kurz und verdrießlich, „sie plagen mich vielmehr ärger denn jel" und da er schwieg, fuhr sie in überredendem Ton fort: „Du solltest uns einen Arzt holen lassen —" „Ein hiesiger vermag mir ebenso wenig zu helfen, wie die auswärtigen es gekonnt", erwiderte abwehrend der Kranke. „Habe ich auf unserer Ncise deren nicht schon genug gebraucht?" „Der Versuch wäre dennoch zu machen", entgegnete die Tochter mit einem theilnehmenden Blick auf sein durch heftige Schmerzen entstelltes Gesicht, „nachdem Du so lange vergeblich alle früheren Mittel angewandt!" Ihren Worten folgte eine längere Pause, dann sagte einlenkend und einen Grad weniger verstimmt ihr Vater: „Du könntest Recht haben, Marie, denn auch mit den Brustbeschwerden wird es immer schlimmer. ES war ein großes Unglück für mich, daß ich im vorletzten Sommer auf der Reise, die ich zum ersten Mal zu meinem Vergnügen unternommen, das Bein brechen mußte, das ich seitdem nie mehr wie sonst gebrauche« konnte und das mir schon so viele Plage gemacht." 416 Ein neuer Schmerzenänfall verzerrte nochmals seine Gesichtszüge, und ächzend und stöhnend wand er sich im Sessel, während seine Tochter voll tiefen Mitgefühls, doch unfähig zu helfen, ihm zur Seite stand. Als endlich die Qualen nachließen, sagte er mit mattex Stimme: „Wir konnten es einmal mit dem früheren Ge- hülfsarzt des Professors S. in Halle versuchen, der, wie dieser uns im letzten Sommer gesagt, sich hier niedergelassen hat. Der Professor rühmte ihn sehr, und wir wissen aus Erfahrung, daß er umsichtig und tüchtig war l" Die im Zimmer herrschende Dämmerung verbarg ihm die höhere Nöthe, welche plötzlich die Wangen seiner Tochter färbte. Ihre Erregung aber schnell unterdrückend, erwiderte sie mit ruhiger Stimme: „Wenn Du so großes Vertrauen zu ihm hast, Vater, ist es gewiß sehr rathsam, ihn kommen zu lassen „Es ist mir jetzt schon eine Beruhigung, zu wissen, daß ich ihn sehen kann", versetzte dieser lebhafter, „und ich begreife nicht, daß wir nicht längst an ihn gedacht." „Wir sind erst seit sechs Wochen wieder hier", antwortete die Tochter. Ein neuer, wenn auch nicht so heftiger Schmerzenanfall trat ein, und während dessen drängte der Kranke: „Schicke doch sogleich zu ihm, Marie! — Sein Name war, meine ich, Günther, und seine Adresse wirst Du in meinem Taschenbuch notirt finden. Berufe Dich in dem Brief auch auf unsere frühere Bekanntschaft in Halle und auf Professor S." An den Tisch tretend, zündete die Tochter dte Lampe an und ließ die Vorhänge des Fensters herab, wobei sie gewahrte, daß jetzt die Straße mit Schnee bedeckt war, der noch in großen Flocken gegen die Fenster anschlug. An den Tisch zurücktretend, siel das volle Licht der hohen Lampe auf ihre Gestalt und Gesichtszüge. Erstere ging über die mittlere Größe hinaus, war schlank, doch kräftig gebaut und ward, wenn Möglich, noch durch einen dunklen, geschmackvollen Anzug gehoben. Ihre Gesichtszüge waren weniger schön, als sympathisch, und ließen auf Herzensgüte und geistige Begabung schließen, die auch aus ihren dunkelblauen Augen hervorleuchtete. Sie hatte einen wohlgeformten, durch schöne Zähne gezierten Mund, um den gleich wie um das länglichrunde Kinn ein entschieden fester Zug hervortrat, und reiches lichtbraunes Haar, das sie in einfacher, kleidsamer Weise um den Kopf geordnet trug. Marie Feldhelm hatte das zweiundzwanzigste Lebensjahr erreicht, vor Jahren schon ihre Mutter verloren, und seitdem die größere Haushaltung ihres Vaters geleitet, welcher ein bedeutendes Holzgeschäft betrieben. Im Bewußtsein jedoch, für sich und sein einziges Kind, das ihm von vieren geblieben, hinreichend Geld und Gut zu besitzen, hatte er es vor mehreren Jahren, als sein letzter Sohn gestorben, verkauft und seitdem sich nur der Verwaltung seines Vermögens gewidmet. Im Laufe der Zeit hatte Herr Feldheim sich ein rheumatisches Leiden zugezogen, das in schmerzlicher Weise sich geltend machte, und dazu, wie bereits erwähnt, auf einer Vergnügungsreise mit seiner Tochter vor längerer Zeit einen gefährlichen Beinbruch erlitten. Nach Heilung desselben in Halle, in dessen Nähe der Unfall statt- gefundW, hatten sie seitdem die Zeit auf Reisen zugebracht und hätten auch den Winter in Italien verlebt, wenn nicht dringende Eeschäftsangelegenheiten ihn heimaerufcn. (Fortsetzung folgt.) -- — . . . Wherngokö. Novelle von Carl) Groß. (Schluß.) Er mußte über sich selber lachen ob der Bedingung, die er sich gestellt! Wer ihm je vorausgesagt Hütte, daß er von der Unterredung mit einem alten, herabgekom- menen Sänger einen Pflichtbesuch abhängig machte, und sogar mit Herzklopfen der Begegnung entgegeneilte, er, der vernünftige, wählerische Max Heermannl — Am Frankfurter Hof nannte Max seinen Namen dem Portier, ihn fragend, ob keine Bestellung für ihn da sei. „Ah — sind Sie der Herr, der auf Nr. 24 er» wartet wird? Gut, man wird Sie führen und anmelden. Piccolo — erster Stock! Der Herr kann den Lift benutzen!" Max zog die Treppe vor. Er konnte nicht umhin, beim Betreten der weichen Teppiche sich über GoldmundS Wahl des vornehmen Hotels zu wundern. Schon stand Max vor Nr. 24, und der schon wieder entgegenkommende Piccolo bedeutete ihm einzutreten. — Kein Irrthum war möglich, und doch mußte einer vorgefallen sein; denn in dem eleganten Salon, den er ohne anzuklopfen betrat, stand nicht Goldmund, sondern ein distinguirt aussehender, ältlicher Herr, mit einer wohlbekannten, klug-fröhlichen Nheinländcrphysiognomie. Kein anderer war es als Professor Grnbe, dem Max seinen späteren Besuch zugedacht hatte. — Wie ärgerlich war die Verwechslung. Er wollte sich rasch zurückziehen, aber die Hand mußte er sich doch schütteln lassen, mußte ein Wort stammeln von seinem Irrthum und einem unfaß- lichen Mißverständnis). Aber Grube hielt dte erfaßte Hand mit kräftigem warmen Druck in der seinen. „Nein, nein, Sie haben sich nicht geirrt, Sie wurden auf Nr. 24 erwartet, bester Heermann, und brauchen nicht weiter zu gehen, um einen Ausschluß zu erhalten, den man Ihnen schuldig ist." „Nicht Aufschluß, Vater, habe ich zu geben, sondern Verzeihung zu erbitten", sagte eine klangvolle, wohlbekannte Stimme, und aus einer Seitenthüre trat die auf Max zu, die seine Gedanken in weiter Ferne gesucht hatten. Es war sie selbst, keine Erscheinung, weder Fee, noch Engel, noch Traumbild, wie mau aus dem Gesichtsans- druck des jungen Mannes hätte schließen können, sondern das leibhaftige holde Mädchen, mit dem fröhlichen Lächeln und den strahlenden Augen, in denen aber ein eigenthümlicher feuchter Schimmer sich zeigte, als es zaghafter und verschüchterter ihn anblickte als bei der ersten Begegnung auf dem Drachenfels. „Diese unerwartete Bewohnerin von Nr. 24 lassen Sie mich an Goldmunds Stelle Ihnen vorstellen, aber nicht als feine Tochter, wofür das unbesonnene Wesen eine Zeit lang gelten wollte, sondern als die meinige, Ottilie Grube. Die Namen Dame Kobold, Mamselle Uebermuth oder verzogenes Kind würde sie viel besser verdienen, und verdient eS sogar, meinen ehrbaren, schlichten Namen demnächst zu verlieren. Wenn Sie ihr verzeihen können und sich im Nebligen gut mit ihr auseinandersetzen, soll mir's lieb sein. Sehen Sie aber gut zu, sichere Be- 417 bingungen zu stellen. Ruft mich, wenn Ihr mich dabei braucht." Nach dieser Rede erst ließ Grube die Hand des jungen Kollegen los, die er nochmals herzlich gedrückt hatte. Dann zog er sich geräuschvoll in ein offenstehendes Nanchzimmerchen zurück, wo er sich am Fenster mit einer Zeitung niederließ. Max sah es und sah es nicht. Es schwindelte ihm vor den Augen. Er hörte auch nur Ottiliens Stimme, ohne zu verstehen was sie sagte, und doch sprach sie ganz langsam und deutlich: „Ich durfte Sie nicht länger in Täuschung belassen und eilte zu meinem Vater, daß er mir Verzeihung erlange, wenn ich Sie beleidigt oder zu einer Uebereilung verleitet habe. Wenn es Sie reut, was Sie zu Goldmund sagten, will ich es tragen als Strafe für meinen Uebermnth." Jetzt erst blickte Max der Sprecherin fest in die Augen, sah, daß der feuchte Schimmer sich in eine zitternde Thräne verwandelt hatte, und bekam unendlich Lust diese hinwegzuküssen. Sie belehrte ihn ja, daß er das Herz bereits besaß, das er sich hatte erringen wollen. Drum brauchte er ihre Entschuldigung nicht weiter anzuhören. Er faßte ihre Hände, zog sie an sich und redete Worte der Lust und der Freude, des Dankes und der Liebe, der Wehmuth und Demuth, bunt durcheinander, wie sie bräutliche Stimmung aus tiefen und reichen Gemüthern hervorquellen läßt, eine Sprache, die Niemand zu hören braucht, als die Beiden, die über dem Hören die ganze Welt vergessen. So dachte auch Professor Grube und ließ sie geraume Zeit allein miteinander. Als zwei Stunden später der rechtsrheinische Zug angelangt war, kamen mit dem Omnibus des Frankfurter Hofes drei Personen an's Haus gefahren, zwei Herren und eine Dame, die sofort sich erkundigten, ob Professor Grube auf seinem Zimmer nnd zu sprechen sei. Zu Hause sei er, denn er habe Besuch schon seit geraumer Zeit, lautete der Bescheid, dem ein geschäftiger Kellner beifügte, es sei soeben eine Flasche Johannis- berger nnd Nömergläser auf das Zimmer des Herrn Professors befohlen worden. „JutI Dat is jut", sagte Fräulein Hermiue im schönsten Kölnerdcutsch, wie es stets den Hochpnnkt der Gefühle bei ihr anzeigte, und eilte, ohne die Zimmernummer zu erfragen, von den Herren gefolgt, genau zur Thür Nr. 24, die sie sachte aufmachte. Herr Grube saß zwischen den jungen Leuten und schenkte soeben die Nömer voll. „Wenn die Verlobung am Main gefeiert wird, dürfen des Rheines Abgesandte dabei sein, und zwar die Mitwissenden vom Drachenfelser Komplott: Papa Goldmund, Ottmar und ich!" Jetzt kam der Jubel der Herzen erst zum lauten Ausdruck. Goldmund, der etwas ängstlich der Begegnung mit dem von ihm Mystisizirten entgegen gesehen hatte, verlor rasch seine Scheu bei Dr. Hcermauns herzlichem Gruß und des alten Grube jovialen Worten: „Natürlich mußten Sie mitkommen. Tante Mina hatte Recht, es zu wollen. Sie mußte doch mit Augen sehen, ob es die Rechte Ihrer Töchter ist, die sich hier verlobt. üebrigcnS sind Sie der Urheber dieser Verlobung nnd der eigentliche Brautvater. Von meiner Tochter wollte Dr. Heermann nie etwas hören! Erst als er sie als die Ihrige fand, gefiel sie ihm, und auch sie, die Mißtrauischste ihres Geschlechtes, lernte unter Ihrem Schutz an echte, uneigennützige Liebe glauben." „Drum muß auch mein Verlobnngsvater bei mir bleiben", schmeichelte Ottilie, „bis zu meiner Verhei- rathung, die erst erfolgen soll, wenn Herr Max, das o. ö. vor den Professor setzen kann. So hat es Papa bestimmt und gar lange wird es nicht dauern. Aber in der Brautzeit will ich viel Musik machen und dazu sollen Sie helfen, und zugleich finden sich alle ihre Schülerinnen in Graz wieder zusammen nnd Sie können Ihr rechtes Töchterlein in ein behagliches Heim führen, wenn das unrechte Sie verläßt." „Wenn Felicitas nur inzwischen im Kloster ihr Herz nicht ganz von der Welt abwendet und dort bleibt für immer", seufzte Goldmund. „Das wird sie nicht. Ich habe ihr Wort!" platzte Ottmar heraus, und als Alle lachten, fügte er mit trotzig zurückgeworfenem Kopf und gerötheten Wangen hinzu: „Warum soll ich mich nicht freuen! Ich brauche übrigens die ganze Jurisprudenz und den Doktor gar nicht, wenn Papa wir sein Gut in der Steiermark übergibt, und am besten ist's, ich hole Felicie gleich herbei." Aber Grube schüttelte freundlich, doch bestimmt mit dem Kopf. „So eilig ist's nicht. An einer Verlobung ist's für heute genug. Beim Doktor bleibt's auch. Gerade weil ich so selten etwas bestimme, muß das geschehen, was ich festgesetzt habe. Inzwischen vollendet auch Gold- mnnds Kind die selbstgewählte Aufgabe, und sprechen dann die Herzen noch, werden wir beiden Alten es hören. Keine Sprache ist klangvoller wie die der Herzen, zumal wenn diese sind wie die rheinischen Herzen. Echtes Gold ist darin, und auf dieses Rheingold sollt Ihr mit mir anstoßen mit dem flüssigen Gold der rheinischen Neben. — Füllt die Römer! Das Brautpaar lebe hoch! — Max nnd Ottilie! -«-sttk-rs-«-— Die Htssllig-Vlllrn in Nrilhenhnll. . Wenn man in Neichenhall die Straße nach Groß- gMain cwporwandelt, wo es links in's Bcrchtesgadener Land, rechts in'S Oberösterreichische geht, sieht man eine prächtige Villa in die Höhe streben. Sie zeigt sich im Stil der italienischen Renaissance, am Bergeshang hin- gelagert, mit schön gegliedertem Mittelbau, an den sich zwei niedrigere, mit großen Terrassen geschmückte Flügel schließen. Schwungvolle Freitreppen führen zur Straße hinab, herrliche Baumgrnppen heben sich von dem leuchtenden Weiß der Mauern. Das Ganze wirkt harmonisch, ruhig, eS überkommt den Beschauer wie ein Hauch von hellenischer Kraft, Freude und Schönheit. Man wird begierig, hinaufzusteigen, daS weiße Haus in der Nähe, von allen Seiten, von innen zu besehen. Das ist ein Leichtes. Gastlich offen stehen die Thore des Parkes mit seinen schönen Bäumen: lichtes Lanbholz, Blutbuchen, dunkle Fichten und Föhren in nuancenreicher Vereinigung. Eine schattige Kastanien-Allce führt langsam hinauf, und nach links über einen Platz mit Noscnbceten gelangt man an die Rückfront. Wir treten in's Haus. Vorüber an der Treppe, die sich leicht hinaufschwingt in die oberen Stockwerke, gelangt man in schöne Wohngemächer, licht und hoch, elegant möblirt. Nicht nur elegant, auch originell, denn jedes Stück ist nach guten Zeichnungen kunstvoll gearbeitet nnd fügt sich trefflich in's Ganze. Am rechten Ende befindet sich ein großer Speisesaal, durch dessen — 413 breite Fenster man in'S Grüne blickt; von der Decke füllt mattes Oberlicht herab. Am linken Ende ein ähnlicher Raum als ConversatiouSsaal. Die beiden Süle lassen die Bestimmung des Hauses sogleich erkennen; es ist keine Privatbilla, wie man aus der ruhigen Vornehmheit hätte schließen können, sondern eine Pension. Jeder kann dort wohnen, all der Schönheit sich erquicken und sich so recht seines Lebens erfreuen. Nach einem guten Diner sitzt man draußen auf einem der vielen Balcons in angenehmer Gesellschaft, Neichcnhall liegt zu unseren Füßen, von hohen Bergen umrahmt, von unten tönt die Curmusik ganz deutlich herauf, und die Vogel schmettern gratis ihr Lied dazu. Die Bäume blühen und duften, und die Brust wird Einem weit, daß man aufjubeln möchte: Wie schön bist du, du weite Gotieswelt! Der Mann, der all dies mit Künstlerauge geschaffen, genießt gar wenig von der Pracht und Herrlichkeit. Es ist der geniale Meister Friedrich Hessin g, dessen rastloser Geist sich nicht damit begnügt, kunstvolle Apparate für Kranke zu bauen — Hessing baut auch Wohnstätten für die müden, erholungsbedürftigen Stadtmenschen, sie sollen sich hier in Licht und Schönheit baden, und ihre Nerven sollen wieder gesund und stark werden. Der Meister aber, der Erholung manchmal selbst am meisten benöthigt, gönnt sie sich nur im allergeringsten Maße. Selten und nur aus kurze Zeit kommt er nach Neichcnhall. Sein ständiger Aufenthalt ist GLggingen, denn dort sind seine Kranken, die seine unermüdliche Pflege genießen, Tag für Tag, Stunde um Stunde. Der Renaissancebau, Friedrtchshöhe genannt, ist nur ein kleiner Theil dessen, was Hessing in Reichenhall geschaffen. Wenn wir weiter wandern, durch den Park mit den gewundenen Kieswegen, den schattigen Plätzchen, gelangen wir zu einem zweiten Baue, die altdeutsche Villa genannt. Von der Renaissance zurück zur Gothik, einer etwas phantastischen Gothik. Eine kleine Festungs- maucr umgibt ihn, von Eckthürmen untergrochen. Ein i Thor führt auf den Vorplatz mit schönen Platanen; überall rankt sich Grün hinauf und überall gibt es kleine Ausblicke auf Berg und Thal. Vom Vorplätze gelangen wir in eine Glashalle, ein angenehmer Aufenthalt im Regen- wetter. Sie ist am Bergcsabhang hingebaut, mit einem großen Balcon, auf welchem zwei eiserne Ritter Wache halten. Unter der Halle sind sechs Badecabinen sehr praktisch angebracht und für Soolbäder eingerichtet. Die altdeutsche Villa selbst ist ein traulicher Giebelbau, das Dach trägt reichgeschnitzte, groteske Holzverzierungen. An den Wänden zeigen sich Fresken, die zum guten Theile die Hcilkunst des Meisters allegorisch versinnbildlichen. Und wie heimlich, wie gemüthlich ist es im Innern! Freundliche kleine Wohnränme, auf die Holztreppe fällt gedämpftes Licht von Butzenscheiben. Dann präsentirt sich uns eine gewölbte gothische Halle, ganz holzgetäfelt, mit bunten Wappen verziert, die durch hohe Scheidewände in drei reizende Zimmer getheilt ist. So ist jedem Geschmack Rechnung getragen, der verwöhnte 1?tir äs sieola-Mensch kann prunkvoll wohnen oder sich in einen behaglichen kleinen Winkel einnisten. Will er volle Ruhe und Stille finden, weit ab vom Getriebe des Curortes, so schreite er rüstig aus und steige etwa 20 Minuten bergan. Dort empfängt ihn ein neues Paradies. Hoch oben erhebt sich ein anderer Bau Hesstng's, „zur schönen Aussicht" genannt. Das herrlichste Panorama bietet sich dem Auge. In weitem Umkreis sind die mächtigen Bergriesen gelagert, massig die einen, wie der sagenreiche Untersberg, andere in bizarren Formen züm Himmel strebend, in allen Mulden voll leuchtenden Schnee's. Und weiter rückwärts, da flimmert's und glihert's ganz weiß, das sind die Loferberge, die herübergrüßen. Unten im Thals die überall aus dichtem Grün hervorblinkenden Villen, die großen Hotels mit flatternden Fahnen, die Kirchen und Kirchlein, Alles vereinigt sich zu frohem Bilde. Der Bau ist in phantastischem und originellem Stile ausgeführt. Eine Säulenhalle verbindet das Haus mit dem großen Speisesaale und führt von hier zu einem geschlossenen Pavillon mit herrlichem Ausblick, hinüber zum Gaisberg und den Höhen des Salzachthales und hinunter über saftige Wiesen nach Nink-Lehen in Bayerisch-Gmain, wo Hessing noch eine prächtige, musterhaft gehaltene Oeko- nomie besitzt. Dann treten wir den Rückweg an, reich an freundlichen Eindrücken und von Verehrung erfüllt für den Mann, der all das Schöne hier geschaffen. --SrWNS--- Die gegenwärtige Fahrsncht. Ein trauriges Kapitel. Ist es nicht unerhört, daß man in einer Zeit, wo alles vorwärts schreitet, gerade diejenigen, die denn doch in erster Linie dazu berufen wären, mehr und mehr einem kläglichen Stillstände überantwortet? Ich rede natürlich von unsern Füßen. Seit Jahrtausenden haben sie die trefflichsten Dienste geleistet; eine außerordentlich: Geschichte, reich an Leistungen ersten Ranges, liegt hinter ihnen. Und nun stellt man dieses altbewährte, dieses hochelegante und natürliche Beförderungsmittel zu Gunsten all' der neuen, ungeschlachten und künstlichen Beförderungsmittel sozusagen kalt oder zwingt es, falls es mit ihnen wetteifern will, zu einer nähmaschinenartigen Raserei, die ebenso widerwärtig als unnatürlich ist. DaS Traurigste aber ist nicht die Thatsache als solche, sondern die Gemüthsruhe, womit sie von der Bevölkerung im großen und ganzen hingenommen wird. Man könnte glauben, Pietät und Widerstandskraft seien verlorengegangene Gegenstände. Nun, es lebt zum Glück noch eine ansehnliche, über die ganze Monarchie verstreute Männergesellschaft, die weder der einen noch der andern ermangelt. Es ist die wackere Schaar der a. D.'s, deren Schicksal leider eine zu große Aehnlichkeit mit demjenigen des genannten Körpertheiles im allgemeinen besitzt, als daß er im besondern ihrer besondern Fürsorge nicht werth erscheinen müßte. Nicht bloß willfahren sie pietätvoll einem angeborenen Triebe, indem sie Tag für Tag ihre sechs bis acht Stunden im Freien herumlaufen, hin und wieder pflanzen sie sich auch gleichsam als stumme und doch so grimmig-beredte Proteste an den Schienen der vorbei- eilenden Straßenbahnen und an den Schlagbäumen der dreist ihren Weg kreuzenden Eisenbahnen auf, und wie verkörperte Mene Tekel sieht man sie den Staub aufwirbelnden Radfahrern drohende Blicke nachschleudern. Freilich, was hilft es? Das Unheil ist im Zuge oder vielmehr in allen möglichen Fuhrwerken. Einst, als noch die Postkutsche so poetisch durch die Natur humpelte, war ein nicht geringer Theil der Reisenden Fußreisende, Leute, die jeder Fahrerei abhold waren und alles zu Fuß machten. Jetzt haben wir bereits eine eben so große Menge Sitzreisende, Leute, welche in den drei, vier Wochen, die sie unterwegs sind, eigentlich gar nicht 419 auö dem Sitzen herauskommen, nur bei Nacht, wo sie liegen, wie cS immer Brauch war. Man kennt ihre Methode: aus dem Hause in die Droschke, aus der Droschke in die Eisenbahn, aus der Eisenbahn in den Hotcl-Omni- buS, dann vermittels Auszuges auf den Stock, wo gleich rechts oder links ihr Zimmer ist. Zurück ebenso, in die Droschke, auf den Dampfer, auf die Drahtseil- oder Zahnradbahn. Sind sie in einer Großstadt, so empfängt sie die Pferde-, die Dampf-, die elektrische, wenn nicht gar die Stadt- oder Untergrund-Bahn. Und alle diese verschiedenen Beförderungsmittel liefern sie richtig wieder im Gasthofe und schließlich wieder zu Hause ab. Solche Reisende sind wie Frachtgüter, die fortwährend umgeladen werden. Und welche Rolle spielen bei dieser langwierigen Sitzprocedur die Beine? So gut wie keine, sie sind lediglich für den Fall der Noth da, ähnlich wie in elektrisch erleuchteten Sälen der Vorsicht halber immer ein paar Gasslärumchen brennen. Verständige Leute würden höchstens den Kopf schütteln, wenn die geschilderte Methode einzig für die Reise vorbehalten bliebe. Sie wird indessen von gar vielen I das ganze Jahr über angewendet, vor allem von den so- genannten Großstädtern. Sie führen zur Entschuldigung > die riesigen Entfernungen an. Das scheint mir aber nur halb richtig zu sein, denn daß im Grunde etwas ganz anderes dahintersteckt, als Zeit, Geld und Kraft zu sparen, sieht man in gewissen Kleinstädten, wo die Leute bisher ganz gut ohne Pferdebahnen und dergleichen ausgekommen sind, jetzt dagegen, wo sie sich solche zugelegt haben, die tollsten Streiche machen, wie ich unlängst erleben mußte. Ich war nämlich auf den Gedanken gerathen, wieder einmal nach Krähwinkel zu gehen. Krähwinkel ist mir immer als das gemüthlichste Städtchen von der Welt erschienen, so puppig und still — wenn ich am einen Ende der Stadt nieste, rief mir regelmäßig der Obsthändler, der am andern Ende seinen Stand hatte, Prost zu. Wie erstaunte ich daher, als das erste, was ich bei meiner Ankunft sah, eine Pferdebahn war. „Potztausend!" sagte ich zu meinem Freunde, der mich am Bahnhöfe abgeholt hatte, „da habt ihr ja eine Pferdebahn." „Das will ich meinen! Es war aber auch hohe Zeit." Dabei strahlte seine Miene ordentlich vor Vergnügen- Ich traute meinen Ohren nicht. „Ha, hat sich denn die Stadt so vergrößert?" „Das nicht", bemerkte er. „Aber wenn du glaubst, unsere Pferdebahn rentire sich nicht, da sieh' nur! Komm rasch, daß wir auch noch Plätze erwischen." Eigentlich war es ganz überflüssig, die kurze Strecke bis zu meines Freundes Wohnung zu fahren. Indessen der Cnriosität halber fügte ich mich. Natürlich kam es» wie ich es vorausgesehen hatte: Kaum daß wir glücklich saßen, mußten wir wieder aufstehen, wir waren am Ziel. In der nächsten halben Stunde war ich stark beschäftigt. Ein Familienglied nach dem andern erschien, um mich zu begrüßen, und jedes legte mir die Frage vor: „Nun, was^ sagen Sie denn zn unserer Pferdebahn?" Gerade hatte ich znm siebenienmal mein grenzenloses Erstaunen ausgedrückt, als die Thüre aufging und meines Freundes Schwiegermutter eintrat. „Willkommen, willkommen". — rief sie — „soeben vernahm ich, daß Sie da sind, und sofort bin ich mit der Pferdebahn her- gceilt, um Sie zu sehen." Obwohl tief gerührt, konnte ich doch nicht umhin, zu fragen, ob sie denn nicht mehr dicht nebenan wohne? „O gewiß", erwiderte sie, „aber ich mache das immer so: Ich nehme die Pferdebahn bis zum Bahnhof und fahre dann mit dem nächsten Wagen hierher. Ach, es ist ja gar zu angenehm! Man trifft immer so viele Bekannt: und hört immer 'was Neues." Ich war sprachlos. Doch es kam noch schöner. Gegen Abend führte mich mein Freund hierhin und dorthin, zu diesem und jenen: Bekannten, aus einer Kneipe in die anders. Trotzdem es sich immer nur um einen Katzensprung handelte, wurde jedesmal die Pferdebahn genommen. Er behauptete, alle Welt mache es so. Und so war es auch. Ein fortwährendes Ein- und AuL- steigen, daß die Pferde gar nicht aus dem Schritt kamen. Blos ein alter lahmer Herr war eigensinnig genug, nebenher zu humpeln; er hatte jedoch schon bald einen derartigen Borsprnng, daß er nicht mehr einzuholen war. Nachher zu Hause klopfte ich meinem Freunde auf die Schulter und bemerkte: „Hör' 'mal, ihr müßt ja mit eurer Pferdebahn brillante Geschäfte machen, und du, alter Glückspilz, hast natürlich einen ganzen Stoß Actien davon im Schrank." „Nicht ein Stück." „Wie?" staunte ich ihn an. „Nein, niemand hier hat Actien. Die fremden Kapitalisten, die auf den guten Einfall kamen, waren bisher nicht zu bewegen, die Actien auf den Markt zu bringen, und ich fürchte, sie werden es auch in Zukunft nicht thun. Es ist wirklich recht schade." Nach dieser Eröffnung sann ich auf eine Ausrede, um mich baldmöglich aus den: Staube zu machen. Offen gestanden, Krähwinkel war mir unheimlich geworden. In der That, es ist einfach ein krankhafter Zustand. DaS eine Drittel der civilisirten Menschheit ist bereits vollständig ergriffen, ein Drittel zeigt sehr bedenkliche Anwandelungen, lediglich das letzte Drittel hält sich, wie wir eingangs gesehen haben, noch tapfer. Ob auch auf die Dauer? Warten wir's ab. Wir haben es leider mit einer wahren Manie zu thun, und man weiß, wie ansteckend dergleichen ist. Allgemein gesprochen möchte ich sie Fahrsucht nennen, doch gibt es allerhand Spezialitäten, wovon die schlimmste die Tretradsucht ist. Schon feit längerer Zeit bildet sie den Gegenstand meines besonderen Studiums. Die Ergebnisse liegen soweit vor, daß ich demnächst damit herausrücken kann. Also auf Wiedersehen! (Köln. Volksztg.) --s—- Goldkörner. Es giebt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem Verstände. Die ersten erhellen ihre llmgebnng, die zweiten verdunkeln sie. M. v. Ebner-Eschenbach. Sei auf deiner Hut vor Aufwallungen des Zorns. Laß deinen Unmnih niemals Leute fühlen, die dir nichts darauf erwidern dürfen oder mögen. Placken. Gemeinsam leiden macht die Bürde leichter. Das Bitr'rc wird durch Gewohnheit süß. Wohl dein Ganzen, findet Sich einmal einer, der ein Mittelpunkt Für viele Tausend wird, ein Halt; — sich hinstellt Wie eine siste Sänl', an die man sich Mit Lust mag schließen und mit Zuversicht. _ Schiller. ALLeVLbZ. Die Ehren-Fräulein der Königin von England. Die Königin von England wählt ihre Ehren- Fräulein unter den Töchtern der Peers, welche mit Ihrer Majestät befreundet sind. Meistens werden die Eltern der jungen Dame, auf welche die Wahl der Königin fällt, brieflich von dem Wunsche der Monarchin als besonderer Gunstbezeigung verständigt. Es ist kaum jemals vorgekommen, daß die Bitte abgelehnt wurde. Ein Ehren- Fräulein der Königin bezicht ein Gehalt von 300 Pfd. Sterling. Jedes Ehrenfräulein hat ihr eigenes Schlafzimmer, muß aber ihr Wohnzimmer mit einer Kollegin theilen. Jedes Fräulein trügt ihr Abzeichen. Dieses ist ein in Brillanten gesetztes Miniaturbildniß der Königin. Das Fräulein, welches am Dienste ist, hat vor den Privat- gcmüchern der Königin zu weilen, während Ihre Majestät sich zum Mahle vorbereitet. Das Fräulein trägt einen Blumenstrauß in der Hand, welchen sie zur Rechten des Couverts niederlegt, sobald Ihre Majestät den Speisesaal betritt. Wenn keine Gäste da sind, nimmt das Ehren- Fräulein zur Rechten der Königin neben dem Lord- Kammcrherrn Platz. Sobald das Mahl vorüber ist, darf sich das Ehren-Fräulein in ihre Gemächer zurückziehen, wenn die Königin sie nicht auffordert, zu singen, Klavier oder Karten zu spielen. Da die Königin niemals Geld annimmt, welches im Umlauf gewesen ist, so haben die Ehren-Fräulein stets eine hübsche Summe neu von der Münze gekommenes Geld. Ein Ehren-Fräulein der Königin Viktoria muß hochgebildet sein und deutsch und französisch fließend sprechen. Ebenso nothwendig ist es, daß sie vom Blatte ab singen und spielen kann. Auch muß sie eine gute Vorleserin sein. Das ist eine ihrer Pflichten. Die Königin ist ganz eigen bezüglich der Kleidung ihrer Ehren- Fräulein. Ihre Majestät liebt das Einfache und würde eine aufgethürmte Frisur nicht dulden. Die Königin macht den jungen Damen häufig werthvolle Geschenke. Ihre Majestät redet sie mit ihren Vornamen an, während die Anrede der Ehren-Fräulein „Madame" ist. Die Königin interessirt sich tief für die Freuden und Sorgen ihrer Ehren-Fräulein. Sie ist eine höchst rücksichtsvolle Herrin. Das Leben am englischen Hofe verläuft höchst regelmäßig. Eine Ehrendame muß deßhalb vor Allem sehr praktisch sein. Danach muß sie ein heiteres Gemüth haben und bereit zu allem Guten sein. Gespräche über die persönlichen Angelegenheiten der Königin sind streng verboten. Während der langen Negierungszeit der Königin Viktoria ist nur ein Ehren-Fräulein entlassen worden. Das erzeugte zu seiner Zeit mit Recht viel Gerede. Ehren- Fräulein haben in der Regel dreimal im Jahre einen Monat Dienst. Und auch dann werden sie nur jeden zweiten Tag zum Dienst befohlen. Sind sie frei, so schreibt ihnen Niemand vor, was sie thun sollen. « Die Frage nach der Mutter. Als Kaiser Joseph II. von Oesterreich durch Medwisch in Siebenbürgen kam, redete ihn eine hochbetagte Frau, die ihn um die Entlassung ihres Sohnes aus dem Kriegsdienste bitten wollte, mit den Worten an: „Guten Tag, Herr Kaiser! Ich wünsche, daß der Herr noch fein gesund sei! Was macht die Frau Mutter? Ist sie auch noch fein gesund?" Der Kaiser antwortete ihr auf alle diese Fragen sehr freundlich, gab ihr ein kleines Geschenk und sagte: „ES hätte ihn auf allen seinen Reisen noch Niemand um seine Frau Mutter gefragt, als diese gute alte Frau; in elf Tagen sollte sie auch ihren Sohn wieder frei bei sich haben." Und es geschah. Ec ist ciie Kieke. Auf allen Blättern steht geschrieben, Wie Wundergut der Vater ist. O Herz, wie magst Du ihn nicht lieben, Der Dich auS jeder Blume grüßt? Auf alle Vlättlein möcht' ich schreiben, Wie sehr mein süßer Freund mich liebt, Und all sein Thun und all sein Treiben, Das er als Mensch für mich geübt. Auf alle Vläitcr möcht' ich malen Des Liebsten klares Angesicht, Doch alle Farben, alle Strahlen Erreichen feine Schöne nicht. Und allen Blättern möcht' ich sagen Won feiner Treue, seiner Huld, Ilnd allen Steinen muß ich'ö klagen, Daß ihn getödtet meine Schuld. ---— Rösselsprung. neu des in ver dan die las cS ich und er er der daß 6- sei sich te to ken jün scn brau be be will de die be strr get der schöpf de fri des al ein mit ßen schen he keil wer scn le ter mal wenn ring de ne noch lcn früh der cke ran ich'S fas ling sin er Win Berichtigung zum Krnmbad-Artikel in Nr. 52 des UnterhaltnngSblattcS. Auf den drei Stellen, an denen Nitt-r Hans von EllcrS- bach die Scheune, in welche seine heiligmäßige Gemahlin Adelheid vor seiner Eifersuchtswuth geflüchtet war — im Jahre 1390 erbarmungslos angezündet hatte, sprudelten beim Abräumen des Brandschuttcs drei Quellen hervor, welche bald als Heilquellen anerkannt und benützt wurden und dem Krum- bade nach den verlässigsten geschichtlichen Quellen und Notizen sein Dasein gaben. Diese drei Quellen fließen heute noch, sind jede eigens gefaßt und liefern das Heilwasser des Krumbades. Bon den ältesten Zeiten an wurde in diesem Wasser auch ein gewisser Stein gesotten und zur Heilkur mitvcrwendet. Derselbe wird aus dem Berge gegraben, dem die besagten Quelle» nachweislich entspringen, und ist unter dem Namen „Badstein" oder „Krumbaderstein", auch „Krumbacherstein" bekannt. Die Untcrsuchung(Analyfe) ergab bei diesem Steine einen reichen Satz von Heilbestandtheilen, wcßhalb er auch auf Verlangen jederzeit versendet u. zu Bädern verwendet wurde, welche ebenfalls bedeutende Heilerfolge bei solchen Kranken erzielten, die das Krumbad nicht besuchen konnten. Freilich gehören Quelle und Stein zusammen und wirken so am stärksten und schnellsten und nachhaltigsten, aber er erscheint doch als wahre Wohlthat für die bezeichneten Nothsällc, in welchen kein persönlicher Badbesuch möglich ist. So das richtige, thatsächliche Verhältniß.