« 58 , 1896 . „Augsburger Postxeitung". Di«stag, den 14. Juli Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg (Borbesitzer Dr. Mar Huttlers. Arauenherz und Irauenivatten. Lebensbild von Mary Dobson, (Fortsetzung.) X. Zwei Jahre find wiederum vergangen, und an einem schönen Herbsttag führen wir die Leser nach Dr. Günther's Wohnung, welche in der Nähe derjenigen seiner Mutter und im Erdgeschoß eines größeren Hauses liegt. Es ist gegen die Mittagsstunde, die Zeit wo er vom Krankenhause zurückzukommen pflegt, und Hedwig ist allein mit dem Haus- und dem Kindermädchen, denn vor zwei Monaten ist ihr zweiter Sohn geboren, während der zweijährige Albrecht, welcher seinem Vater auffallend gleicht, ein kräftiger, stattlicher Knabe ist. In Hedwig sehen wir eine gesunde, rührige junge Frau, die eifrig schafft und wirkt, und bisher die Befürchtungen ihrer Schwiegermutter überflüssig gemacht, obgleich ihre Nerven der Schonung bedürfen, was indeß in der vergrößerten Haushaltung meistens übersehen wird. In der Küche beschäftigt, denn der kleine Hugo schläft in der Obhut des Kindermädchens, hört sie die Hausthür öffnen, und neben ihr spielend hat Albrecht dieß ebenfalls vernommen, denn er eilt auf den Flur, und bald hört sie ihn die eingetretene Person mit lautem Jubel als „Großmama" begrüßen. Dem anwesenden Mädchen ihre Anweisungen ertheilend, geht sie dann zu ihnen, und bei der gegenseitigen Begrüßung Frau Reichardt ansehend, fragt sie schnell und besorgt: „Was ist geschehen, liebe Tante, denn Deinem Aussehen nach — —" „Ich bringe in der That traurige Nachrichten, Hedwig", unterbrach Erstere mit schmerzlich bewegten Gesichtszügen und folgte ihr mit dem Knaben ins Wohnzimmer. „Doch nicht von Albrecht?" rief erbleichend die junge Frau, und ihre Augen blickten der Pflegemutter angstvoll entgegen. „Von Albrecht", wiederholte fragend Frau Reichardt. „Weßhalb denkst Du an ihn? — Ich meine, er wird sogleich hier sein — —" „Ach, ich fürchtete schon — —", rief sich fassend Hedwig, „denn seit er den schlimmen Fall gethan und Abends blutend nach Hause kam, ängstige ich mich seinetwegen bis ich ihn wiedersehe!" „Sei nicht thöricht, Hedwig", antwortete verweisend ihre Pflegemutter, „und laß ihn nie dergleichen kindische Reden vernehmen, die ihn verdrießen könnten und müßten. Höre dagegen was ich Dir zu sagen habe. Arthur und der kleine Max sind am Typhus erkrankt, der in . . . herrscht, und Elfriede, die hinreichend mit den beiden jüngeren Kindern und der großen Haushaltung zu thun hat, bittet mich dringend ihr zur Stütze zu kommen!" „Du wirst doch nicht gehen, liebe Tante?" rief von neuem aufgeregt Hedwig. „Bedenke die so gefährliche und ansteckende Krankheit — —" „Eine Mutter zaudert nicht, wenn es sich um ihr und noch dazu einziges Kind handelt", entgegnete mit ernstem Nachdruck Frau Reichardt. „Mein Brief an Elfriede, daß ich morgen kommen werde, ist bereits unterwegs!" „Aber der Onkel?" fiel Hedwig ein. „Er weiß noch nicht einmal, daß ich die schlimmen Nachrichten aus .... erhalten, wird aber mit meinen Anordnungen einverstanden sein" , antwortete Frau Reichardt. „Willst Du ihn aber allein lassen, jetzt wo er etwas leidend ist und besonderer Pflege bedarf?" fragte Hedwig besorgt. „Ich möchte Bertha bitten, zu uns zu kommen, die Ruhe genug zu ihren Arbeiten hätte, dann aber wäre ihre Mutter allein — —" Nochmals ward die Hausthür geöffnet, und mit freudestrahlendem Gesicht und dem Ausruf: „Tante Marie!" eilte der kleine Albrecht Marie Feldheim entgegen. Sie, welche mit einem Herzen voll ruhiger Entsagung und edler Menschenliebe aus England heimgekehrt war, hatte sich während der verflossenen zwei Jahre nicht oder nur zu ihrem Vortheil verändert, und war mit der aufrecht getragenen Gestalt, den ansprechenden Zügen des mildesten Gesichtes und den tiefblauen ausdrucksvollen Augen eine in hohem Grade fesselnde Erscheinung. Niemand konnte begreifen, weshalb sie keinen der vielen Bewerber um ihre reiche Hand annahm, und auch ihre englischen Freunde hatten ihr gezürnt, weil sie diejenige ihres jüngsten Sohnes, eines angesehenen Seeoffiziers, ausgeschlagen. Ihrem Geheimniß aber war noch Niemand nahe gekommen, es lag tief in ihrer Brust verborgen, und wenn je von Bekannten besprochen ward, daß sie unvermählt geblieben, so ward dieß allerdings wohl einer unerwiderten Neigung zugeschrieben, Niemano 438 aber ahnte, daß der Gegenstand derselben in ihr eine Freundin verehrte, ein Vorbild edler Weiblichkeit, die ihrem ganzen Umfange nach kennen zu lernen er in seiner Familie, mehr aber noch als Arzt Gelegenheit gehabt. — Marie Fcldheim ward von den Anwesenden freundlich begrüßt, während der kleine Albrecht sich ihrer Hand bemächtigte, die ihm schon unzählige Male Freude gespendet und in der er auch wiederum ein Spielzeug fand, mit dem er sich hocherfreut zurückzog. Ihr scharfer Blick gewahrte Frau Neichardt's und Hedwig's aufgeregte Gesichter und ehe sie noch einmal nach der Ursache derselben fragen konnte, erzählte ihr schon Letztere, was ihre Tante ihr mitgetheilt. Marie sprach ihre ganze Theilnahme über die erhaltenen schlimmen Nachrichten aus und schlug in Bezug auf Frau Günther vor, falls sie darauf eingehen wolle, ihr Gast zu sein. „Ihr freundlicher Vorschlag dürfte ihr zusagen, Fräulein Feldheim", entgegncte Frau Neichardt, „und da ich jetzt zu ihr gehe, will ich ihn ihr mittheilen. Jedenfalls werden Sie mich, wenn Sie zu Hause sein sollten, diesen Abend bei sich sehen!" Marie bejahte dieß, und sich an Hedwig wendend fuhr Frau Neichardt zwar mit erzwungener Ruhe fort: „Hedwig, wir werden uns vor meiner Abreise wohl nicht mehr sehen, da mir noch sehr viel zu besorgen übrig bleibt, laß uns also schon jetzt scheiden —" „Tante, liebe Tante, muß es wirklich sein?" rief auf Höchste erregt Hedwig und umschlang sie mit beiden Armen. „Wenn ich mir vorstelle, daß Du — —" „Still, still, Kind", unterbrach Erstere ernst, „und laß uns das Beste hoffen. Wir trennen uns vielleicht nur für kurze Zeit — —" „Aber Albrecht, Tante", unterbrach weinend, doch resignirt Hedwig. „Er muß diesen Abend spät zu uns, sonst morgen nach dem Bahnhof kommen", erwiderte Frau Neichardt, deren ganzer Kraft es bedurfte, um ruhig zu bleiben. „Und nun lebe wohl, liebes Kind, hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Möge der Himmel uns Alle schützen und vor jedem Unglück bewahren!" Sie küßte Hedwig wiederholt und machte sich dann sanft von ihr los, küßte auch den kleinen Albrecht, grüßte Marie und verließ schnell das Zimmer, in dem diese die weinende Hedwig zu trösten suchte. Nach angebrochener Abenddämmerung trat Frau Neichardt bei Marie Feldheim ein und theilte ihr Frau Günther's Entschluß, in der Nähe ihrer Kinder bleiben zn wollen, mit, wie auch, daß deren Tochter sie in ihrem Hause vertreten würde. Dann fügte sie bewegt hinzu: „Jetzt habe ich Sie noch um Vieles zu ersuchen, Fräulein Feldhcim, und müssen Sie mir versprechen, meine Bitten, da Sie es können, erfüllen zu wollen!" „Ich versprechen Ihnen, alles das für Sie zu thun, wozu ich im Stande bin!" gelobte Marie ernst, fast feierlich. „Ich empfehle Ihnen Hedwig an", antwortete Frau Neichardt mit Nachdruck, „über die ich seit dem Tode ihrer Mutter gewacht, und die mir theuer wie ein eigenes Kind ist. Ihr aufgeregter Zustand macht mich besorgt, und muß diesem mit Ernst und Ruhe entgegengetreten werden. L>ie, Fräulein Feldheim, besitzen bei aller Herzensgütc diese Eigenschaften, und da sie Ihnen großes Vertrauen weiht, werden auch Ihre Bemühungen nicht ohne Erfolg sein!* „Ich werde alle Ihre Wünsche erfüllen", versprach tiefbewegt Marie. „Sie müssen noch mehr thun, Fräulein Feldheim", fuhr erregter Frau Neichardt fort. „Ich gehe in ein von schwerer Krankheit heimgesuchtes Haus und verhehle mir auch die für mich damit verbundene Gefahr nicht. Die Fügungen des Himmels sind wunderbar, und ich könnte zu meinen Kindern gegangen sein, um lebend nicht mehr hierher zurückkehren zu sollen!" „Frau Neichardt l" unterbrach fast erschrocken Marie. „Man muß in Fällen wie der vorliegende auf alles gefaßt sein", fuhr unbeirrt Frau Neichardt fort. „Sollte mir also etwas Menschliches zustoßen — dann — dann — dann, Fräulein Feldheim, müssen Sie Hedwig Ihre ganze Sorge weihen, denn ein solcher Schlag würde sie furchtbar treffen I" „Aber, Frau Neichardt-", unterbrach nochmals Marie. „Lassen Sie mich ausreden, theures Fräulein Feldheim", sprach tief Athem holend Frau Neichardt. „Leider, leider ist Hedwtgs Mutter einer traurigen Nervenkrankheit erlegen, vor der durch rechtzeitige Ueberwachung sie gewiß bewahrt werden kann. Sollte also eine schwere Stunde kommen, so seien Sie ihr mit Liebe und Trost nahe, und haben Sie Geduld, auch wenn sie Beides zurückweist. Und nun — —" , und hier erhob sich Frau Neichardt, „muß ich gehen. Leben Sie wohl, Fräulein F-eldheim", hier ergriff sie deren beide Hände, „und nehmen Sie meinen Dank für das mir geleistete Versprechen. Möge Gottes Segen immer bei Ihnen sein und Ihnen im Leben alles Glück zu Theil werden, welches Sie in so reichlichem Maße verdienen!" und Marie unter Thränen in ihre Arme schließend, verließ sie dann schnell auch dieß Haus und eilte an dem mondhellen Abend dem ihrigen zu. Marie Feldhcim blickte ihr tiefbewegt nach, denn eine bestimmte Ahnung sagte ihr, daß sie Frau Neichardt, welche sie verehren und hochschätzen gelernt, zum letzten Mal gesehen. Täglich gingen Nachrichten aus . . . über das Befinden seines Sohnes und Enkels bet Herrn Neichardt ein, und Vertha Günther beförderte sie stets dorthin, wo sie so sehnlich erwartet wurden. Anfänglich kamen sie von Frau Neichardt's Hand und meldeten die Zunahme der Krankheit bei Beiden; dann hatte Ersterer die Krisis glücklich überstanden, bei Letzterem jedoch das Fieber zugenommen. Darauf kam eines Tages mit der ersten Post ein von dem Schwiegervater geschriebener Brief; Arthur Neichardt's Zustand besserte sich, der kleine Max aber war in Lebensgefahr und auch Frau Neichardt vom Typhus ergriffen. Diese Nachrichten, welche die Betheiligten auf's Schmerzlichste erregt, erfuhr Hedwig durch Marie, die von Herrn Neichardt und Dr. Günther gebeten worden sie ihr mitzutheilen. Diese zu ungewohnter Stunde bei sich eintreten sehend, rief sie, deren ernstes Gesicht gewahrend, in höchster Besorgniß: „Marie, Sie bringen mir gewiß schlimme Nachrichten -" „Ich habe Ihnen allerdings traurige Mittheilungen zu machen, Hedwig", erwiderte ruhig Marie im vollen Bewußtsein dessen, was sie Frau Neichardt in der 439 Scheidestunde versprochen, „und wir dürfen uns nicht verhehlen, daß die Lage der Dinge in . . . sehr ernst ist, „und sie wiederholte ihr den Inhalt des Briefes, den am Morgen Herr Neichardt erhalten. Hedwig hörte ihr mit steigender Aufregung zu und sagte, als sie alles vernommen, mit bebenden Lippen: „Es wäre ein furchtbarer Schlag für Arthur und Elfrtede, wenn sie wirklich ihr ältestes Kind verlieren wüßten. Ich — ich glaube cs nicht ertragen zu können", und sie drückte ihren neben ihr stehenden Knaben so leidenschaftlich an sich, daß dieser sie erschrocken ansah. „Dem Menschen wird nur das vom Lenker aller Schicksale auferlegt, was er zu ertragen vermag, Hedwig", erwiderte mit leisem Nachdruck Marie, und Beide besprachen dann die erhaltenen traurigen Nachrichten in eingehendster Weise. — Am folgenden Tag hatte sich der Zustand des kleinenMax verschlimmert, während sein Vater der Genesung entgegenging, Frau Neichardt aber im heftigen Fieber lag, und am Nachmittag traf schon seine Todesnachricht ein. Hedwig war bei dieser aufs Schmerzlichste bewegt, nahm sie aber ruhiger auf, als ihr Gatte und Herr Neichardt, der sie ihnen überbrachte, gedacht. Nur zu Manen sagte sie, als diese sie aufsuchte: „Wie kann eS nur die arme Elfriede ertragen, ihr Kind von sich geben zu müssen, um es auf den Kirchhof gebettet zu wissen! — Ich glaube, ich würde an ihrer Stelle auch sterben oder wahnsinnig werden l Mit dem ihr eigenen milden Ernst suchte Marie sie zu beruhigen, was anscheinend ihr auch gelang; sie sah aber ein, daß Frau Reichardt's Befürchtungen nicht unbegründet gewesen. — Leider folgte in einigen Tagen schon Frau Neichardt ihrem Enkel, nachdem die über sie eingegangenen Berichte immer ungünstiger geworden. Die zwar erwartete Nachricht versetzte die Familie und alle ihr Nahestehenden in die größte Trauer, und Hedwig, welche sie wiederum durch Marie erfahren, wies alle Vorstellungen und jeden Trost der Freundin hartnäckig, ja, fast heftig, zurück. Einige Tage später fand Frau Reichardt's Beerdigung statt, nachdem am Abend zuvor ihre Leiche angekommen, die Arthur Reichardt's Schwiegervater begleitete und ihr Gatte und Dr. Günther am Bahnhof in Empfang genommen. Sie ging unter großer Betheiligung von Verwandten, Freunden und Bekannten vor sich, und Jeder beklagte den so frühen Tod der allgemein verehrten Frau. Auch Frau Günther und Bertha waren ihr zu Grabe gefolgt, Marie aber bei Hedwig geblieben. Diese, im höchsten Grade aufgeregt, war sehr leidend und fand einen traurigen Trost darin, fortwährend von der Verstorbenen zu sprechen, und Marie hörte ihr mit der größten Geduld zu. Wie sie wußte, war Dr. Günther seiner Gattin wegen keineswegs besorgt, sondern der bestimmten Ansicht, daß nur die letzten Ereignisse ihre Nerven in hohem Grade erregt, sie aber bei Ruhe und Schonung sich bald wieder kräftigen würde. LII. Das Leben geht auch ohne die geliebten Dahingeschiedenen weiter, und soviel auch der Mensch geschafft, gewirkt und geleistet, er ist — das ist leider eine traurige Wahrheit — zu entbehren, seine Stelle wird ersetzt. Dieß galt auch in Bezug auf Frau Neichardt, die anfänglich schwer vermißt wurde und ohne die die Ihrigen nicht leben zu können glaubten. Ihr Leben ging indeß in gewohnter Weise weiter, wenngleich überall täglich von ihr gesprochen ward. Ihr Gatte hatte sich von dem ihn so unerwartet getroffcmnSchlag erholt,Bertha Günther leitete vollU msicht sein Hauswesen, und seine Kinder und Enkel befanden sich wohl, wenn Erstere auch die gehabten Verluste noch nicht überwunden. Auch Hedwig gewöhnte sich, ihre zweite Mutter zu entbehren, und der kleine Albrecht fragte nur zuweilen nach der Großmama. Ihre Gesundheit schien die frühere zu sein, doch lebte sie nur für ihre Familie und ihre Haushaltung. Rührig und rüstig wie immer wohnte Frau Günther in ihrer Nähe, Marie Feldheim aber, die unverändert dieselbe geblieben, wachte über sie und suchte, so weit sie cs zuließ, sie zu erheitern und zu zerstreuen. Zu Hedwig's großer Freude und Genugthuung mehrte sich die Praxis ihres Gatten, auch unter den Aerzten des Krankenhauses stand er in hohem Ansehen, und wie stets seine Mutter gehofft, war die Zeit nicht fern, die ihn als einen der bedeutendsten Aerzte seiner Vaterstadt sehen würde. Die fortwährenden Anstrengungen aber schwächten seine Nerven, er bedurfte dringend einer Erholung, und eines Mittags nach Hause kommend, theilte er Hedwig mit, daß er einen vierwöchent- lichen Urlaub genommen und die Zeit mit ihr und den Kindern in einer ruhig gelegenen, waldreichen Sommerfrische zu verleben gedenke. Hedwig war darüber sehr erfreut, ein geeigneter Aufenthalt war bald gefunden, und von diesem kehrte körperlich und geistig erfrischt und gekräftigt die Familie zurück. Marie Feldheim hatte unterdeß die Familie Stanfield, die in Baden angekommen, besucht, doch ließ sie sich, wohl wissend, daß Hedwig ihrer bedurfte, zu weiterem Bleiben nicht bewegen. Der Winter — schon der zweite nach Frau Reichardt's Tod — verging wiederum Allen in gewohnter thätiger Weise, und im Frühling ward zu ihrer Erzherzog Otto. 440 — P großen Freude im Günther'schcn Hause ein Töchterchcn geboren. Zum Andenken an die theure Verstorbene erhielt sie in der Taufe deren Namen Margaretha Wil- helmine, und ward beschlossen, sie Marga zu nennen. Im Sommer ward in aller Stille ein zweites Familienfest gefeiert, Herrn Reichardt's und Berthas Hochzeit, nachdem sie nur kurze Zeit verlobt gewesen. Der Unterschied der Jahre war allerdings bedeutend, allein Herr Neichardt war noch immer ein stattlicher Mann und in gutenVermögensverhältnissen, und Bertha, die zum großenKummer ihrer Mutter nach ihrem Tode mittellos gewesen wäre, besann sich nur kurze Zeit seinen Antrag anzunehmen, und gleich nach der Hochzeit sicherte ihr Gatte testamentarisch ihre Zukunft. Bald darauf ward Arthur Reichardt ein Sohn geboren, und sämmtliche Ereignisse beschäftigten die betreffenden Familien in erregender Weise. Für den Winter hatte Marie Feldheim eine Einladung der Familie Stanfield nach Wiesbaden angenommen, und wenngleich Hedwig sie nur ungern und so lange entbehrte, beredete sie sie dennoch dorthin zu gehen. Marie blieb drei Monate bei ihren englischen Freunden und kehrte dann zu Aller Freunde nach . . . und ihrer schönen, durch verschiedene Ankäufe vergrößerten Besitzung zurück. Wiederum waren zwei Jahre verflossen, doch hatten sie den Familien keinerlei bedeutende Veränderung gebracht. Sie lebten in schönstem Ein- verständniß un^dregem Umgang, und besonders glücklich wäreFrauGünther gewesen, hätte sie nicht Hedwig's wegen in steter Sorge gelebt, die sie indeß nur Marie Feldheim anvertraute. Diese Sorge schien indeß vollständig ungegründet, und auch Marie versuchte sie ihr auszureden, doch gelang ihr dieß nicht, denn sie war der festen Ueberzeugung, daß Hedwig, wie sie stets gefürchtet, die traurige Krankheit ihrer Mutter geerbt habe. Zu ihrer großen Freude ging ihr Sohn mit seiner Familie auf längere Zeit nach einem freundlichen Ort des Harzes, und unter- deß bereisten sie, Marie Feldheim, Herr Reichardt und seine Gattin verschiedene deutsche Hauptstädte, und Alle kehrten befriedigt von dem was ihnen der Sommer geboten zurück. — Dann kam und ging der Herbst; ein kalter Winter folgte, und im März, wo es wiederum Frühling werden sollte, gab es dagegen Schnee und Eis mit heftigem Nordostwind. Aus vielen Städten brachten die Zeitungen ungünstige Gesundheitsberichte; Epidemien, die namentlich für die Kinder gefährlich, waren aufgetreten, doch war glücklicherweise die Stadt ... mit ihrer nahen und fernen Umgebung verschont geblieben. Da brach dennoch das Scharlachfieber aus, und Günther's ältester HEG. MG Ätz ^ W MB .^ U« Sohn, ein schöner, höchst begabter Knabe, ward zu ihrem und Aller Schrecken davon ergriffen. Die Krankheit nahm gleich einen bösartigen Charakter an, und um möglicherweise die jüngeren Kinder davor zu schützen, nahm Frau Günther sie zu sich in ihre Wohnung, während Marie Fcldheim, welche sie bereits gehabt, Hedwig ^11 — in der Pflege ihres Sohnes Hilfe leistete. Die tückische Krankheit aber blieb nicht auf den kleinen Albrecht beschränkt, eines Tages kehrte auch Dr. Günther davon ergriffen heim. Nun reichten Hedwigs Kräfte nicht mehr aus, und L' Ä' WK WWW M Diakonissin angenommen. Was die Aerzte befürchtet und sie auchMarien nicht vorenthalten, trat ein. Des kleinenAlbrcchts Zustand verschlimmerte sich schnell, denn das Fieber nahm zu, es zeigten sich gefährliche Krankheitserscheinungen, und ungeachtet der größten Sorge und Pflege starb er nach dreiwöchentlicherKrank- heit. Marie war tieferschüttert bei dem so frühzeitigen Tod des hoffnungsvollen Knaben, und Dr. Günther, bei dem die Krankheit keinen gefährlichen Charakter hatte, vernahm ihn mit tiefem Schmerz; doch war er durch die Nachrichten, welche er stets über ihn erhalten, darauf vorbereitet gewesen. Er war der Ansicht, daß, sobald wie thun- lich, seine Gattin ihn erfahrenm üsse, und ließ Herrn Reichardt bitten, die Bestattung seines Kindes zu besorgen, und zwar in dem Rothen- AL fels'schen Familiengrab, was dieser bereitwillig übernahm. Er undBertha beklagten das schwere Geschick ihrer Verwandten, und hätten ihnen dieß so gern selbst gesagt, doch durften sie, da Letztere die Krankheit nicht gehabt, auch deren Haus nicht betreten. (Forts, folgt.) --- 5« Velletri. P. Bender. ein geschickter Wärter ward zur Hülfe genommen. Die furchtbare Angst und Aufregung aber, in der sie lebte, wirkte nachteilig auf ihre Nerven, und das frühere Leiden begann sich geltend zu machen. Beide den Kranken behandelnde Aerzte forderten dringend, daß sie der Pflege gänzlich fern bleibe, und es ward noch eine Von Dr. Joseph Herb eck. (Schluß.) Cieco erwachte am hellen Morgen aus einem betäubenden Schlummer, richtete sich im Bett empor und bemühte sich mehrere Minuten vergeblich, sich der Vorfälle der Nacht zu entsinnen. Plötzlich wurde ihm Alles wieder klar. Er sah verstört nach dem Bilde hin. „ GutenMorgen,alterWeinkieser!" rief Cieco ihm zu; denn Cieco war, wie die meisten Leute, bei Tage weit dreister, als bei Nacht. Das Conterfei rührte sich nicht und sagte kein Wort. „Schlecht geschlafen?" fuhr Cieco forl; aber das Bild war nicht aufgelegt zu einer Unterhaltung. „Wo ist denn die Urkunde und der Plan? Das könnt Ihr mir doch wohl sagen", sprach Cieco weiter, allein das Gemälde ließ sich nicht eine Silbe entlocken. „Ich muß es näher besehen", sagte Cieco, stieg bedächtig aus dem Bette, ging^auf das Bild zu, griff es an, und richtig, da hing ein altes Pergament aus dem Rahmen herunter. Es war wirklich der Plan eines außerhalb Chiavenna gelegenen Berggrundes, und die wenigen Zeilen besagten den Inhalt des dort verborgen angelegten Kellers, zu dem man durch einen langen wag- rechten Schacht, dessen Außenöffnung künstlich mit Gestrüpp und Steinblöcken verlegt war, gelangte. „Beim Liber, das ist wundersam", sagte Cieco und blickte abwechselnd nach dem Bild und dem in seiner Hand liegenden Pergament und abermals nach dem Bilde hin. „Sehr seltsam", sagte Cieco. Er kleidete sich an, um sofort zu Antonio Dario zu gehen. Ein Vorhang mit einer Art Draperie überhing den Uebertritt in die nur durch ein schmales Gewölbe vom Gastzimmer getrennte Küche, so daß er das Prasseln der Polenta nicht ohne Behagen hörte. Der Wirth erschien, die Hände auf dem Rücken. Er begrüßte Cieco mit freundlichem Lächeln. Er versprach ein bill'ges Fuhrwerk bis zu dem Einschiffplatz des Comersee's zu verschaffen. Cieco schmunzelte in sich hinein. Dann lachte er ihm geradezu in's Gesicht. „Guten Morgen, Alberghiere", sagte er. „Ich habe bereits guten Morgen Ihnen gewünscht. „Mein werther Herr Wirth", antwortete Cieco, „wollen Sie die Güte haben, sich einen Augenblick niederzulassen!" Der Wirth machte eine äußerst verwunderte Miene, ließ sich jedoch nieder, und Cieco setzte sich dicht neben ihn. Er erfaßte des Wirthes Hand und hielt sie umfangen, während er sprach. „Mein werther Herr Wirth", begann Cieco, der immer höflich war, „mein werther Wirth, Sie verdienen es in der That, eine unerwartete Entdeckung und Bereicherung zu erleben." „Was fehlt Ihnen, Signore?" rief der Wirth aus, was auch natürlich genug war, denn Cieco's Anfang war etwas ungewöhnlich, um nicht mehr zu sagen, besonders wenn man bedenkt, daß er den Wirth am vorigen Abend zum ersten Male in seinem Leben gesehen hatte. „Was fehlt Ihnen, Signore?" rief also der Wirth aus. „Ich verachte alle Schmeichelei, mein Lieber," fuhr Kt. Alban (Kirche und Fischerhaus). Original-Aufnahme der beiden Bilder von Max Merz, Photograph in Dicffen-Weilheim. fVerviclsiiltigungsrecht vorbehalten.) Signore," entgegnete der Wirth. „Was befehlen Sie zum Frühstück, Signore?" Cieco überlegte bei sich selbst, wie er die Sache am besten angreifen könnte, und gab daher keine Antwort. „Ich kann mit sehr guter Polenta", fuhr der Wirth fort, „und mit schönen leckeren Forellen aus dem Comer- see dienen. Was befehlen Sie, Signore?" Diese Worte weckten Cieco aus seinem Nachsinnen. Er gedachte der Freihaltung während der Ferien. Die Speisekammer schien trefflich ausgerüstet zu sein. „Wen stellt das Gemälde in meinem Schlafzimmer dar?" fragte Cieco. „Es ist mein Urahn, Signore," erwiderte stolz der Wirth. „Wo liegt er begraben?" fuhr Cieco fort „Er ging eines Abends in die Berge fort", versetzte der Wirth, „und ist nie mehr wiedergekehrt." „So!" sagte Cieco. „Haben Sie noch etwas zu befehlen?" fragte der Wirth, demCieco'sBcnehmcn ein wenig eigenthümlich vorkam. Cieco fort; „Sie verdienen einen fürstlichen Weinkeller Ihr eigen zu nennen, und ich weiß gewiß, daß Sie in diesem Falle auch mir fürstliche Beweise Ihrer Freigebigkeit anbieten würden." Während Cieco so sprach, schweiften seine Blicke im Zimmer umher, wie wenn er darin noch ein paar Wochen zu bleiben gedächte. Der Wirth sah noch weit verwunderter aus, als vorhin, und wollte aufstehen. Cieco drückte ihm leise die Hand und suchte ihn zurückzuhalten, was ihm gelang. Der Wirth blieb sitzen. „Ich bin Ihnen für Ihre gute Meinung sehr verbunden, Signore," sagte der Wirth halb lachend, „kaufen Sie beim nächsten Agenten drüben auf meinen Namen ein Mailänder Loos, und wenn ich den ersten Treffer bekomme, soll es Ihr Schaden nicht sein." „Wenn — wenn Sie den ersten — einen ersten Treffer bekommen", sagte Cieco, äußerst listig aus dem rechten Winkel seines linken Auges blinzelnd. „Wenn—" „Nun ja", sagte der Wirth, diesmal nicht bloß mit 443 halbem Lachen, „wenn mir irgend Jemand einen großen Gewinn verschafft, so würde er von mir seinen redlichen Antheil daran erhalten." „Wie? wenn ich Ihnen noch eine Erbschaft von Ihrem Urahn zubringen könnte?" sagte Cieco. „Was fehlt Ihnen, Signore?" rief der Wirth abermals. „Ich weiß von der Hinterlassenschaft Ihres Urahns mehr als Sie." „Ich bin überzeugt, daß dies nicht der Fall ist", versetzte der Wirth und fing an, zurückhaltender zu werden. „Hm!" sagte Cieco. Der Wirth fragte Cieco, wie weit dieser sein Spiel treiben wolle; ob Cieco glaube, daß sein Gastgeber als bejahrter Mann ein Gegenstand studentischer Witze sei; ob es sich nicht für den Gast gezieme, wenn er etwas Wahrhaftes zu sagen hätte, es wie ein ernster Mann seinem Nebenmann frei zu sagen, statt sich in unverständlichen Gleichnissen zu bewegen. „Ja, ja", wiederholte der Wirth ungeduldig. „Und auch der Urkunde glauben und an der bezeichneten Stelle nachsehen?" fuhr Cieco fort, „und auch Ihre Christenpflicht an einem Leichnam erfüllen?" „Ja doch, ja doch, geben Sie nur das alte Papier her!" antwortete der Wirth. „Da ist es", sagte Cieco und gab ihm das Pergament. Eine furchtbare Aufregung bemächtigte sich des Wirthes. Cieco sah sofort, daß der Wirth längst Geahntes bestätigt fand. Die Enkel hatten stets von geheimen Kellern ihres Urahns reden hören und glaubten auch, daß er in einem solchen verunglückt sein könne. „O der arme Ahn!" rief der Wirth aus. „Sie werden den Schatz heben", sagte Cieco. „Beruhigen Sie sich!" „Ich beruhige mich", keuchte der Wirth. „Bleiben Sie dicse Ferien bei uns, wir wollen dem Velletri wacker St. Alb an (Villa und Gasthaus). NM-I „Ich will Ihnen Alles sagen", entgegnete Cieco, „hoffe aber, daß Sie auch Ihrer vorigen Betheuerungen nicht uneingedenk sind." „Was ist's?" fragte der Wirth, Cieco erwartungsvoll ansehend. „Es wird Sie in das größte Erstaunen setzen", sagte Cieco, in die Tasche greifend. „Sie find in Geldverlegenheit", erwiderte der Wirth, „ich kann Ihnen nicht dienen." „Pah!" fuhr Cieco fort, „ich habe wenig Geld, aber nie während meiner Reise gerade auf Sie gerechnet. Das ist's nicht." „Bei meiner Nase, was kann es sein?" rief der Wirth fast geängstigt aus. „Erschrecken Sie nicht!" sagte Cieco, zog langsam das Pergament hervor und faltete es auseinander. „Lesen Sie dies und betrachten Sie die Zeichnung!" sagte er. „Geben Sie her!" sprach derWirth. „Was ist damit?" „Wollen Sie Ihrer Versprechungen eingedenk sein?" zusprechen, und ich will auch sorgen, daß Sie bei der Heimreise nicht allzusehr denselben vermissen." „Ich nehme Ihr Anerbieten an", sagte Cieco, und trotz der Fragen des Wirthes verschwieg er, auf welche wundersame Art er zu dem Pergament gekommen. Der Urahn, in dem Vorgewölbe zur Mumie geworden, fand seinen Platz auf dem Cimiterio Chiavenna's. Der Wein — ein Velletri von seltenstem Alter und auserlesener Güte — wanderte nach und nach in den Hauskeller des Antonio Dario. Cieco aß und trank nach Herzenslust vier Wochen lang in dem behaglichen Albergo. Als er schied, weinte Dario. Ob aus Schmerz, den Freund zu verlieren, oder aus Freude, den Schmauser los zu werden, steht dahin. Sein Versprechen, dem Studenten noch zur Weiterreise die Börse zu füllen, hielt er. Auf dem Heimweg suchte Cieco durch weise Abstufungen, indem er vom Velletri in Bozen zum Kälterer Seewein, in Meran zum Terlaner, in Innsbruck zum Spezial und in Kufstein zum gewöhnlichen Tiroler über- 444 ging, seine Geschmacksnerven wieder für weniger kostbare Genüsse zu präpariren. Cieco's Geschichte wurde von Jedermann geglaubt, seine Feinde ausgenommen. Von diesen sagten Einige, Cieco hätte sie vom Anfang bis zum Ende erdichtet; Andere, er wäre bckneipt gewesen, hätte sie geträumt, und die Urkunde sei schon Abends zufällig beim Herabheben des Bildes aus dem Rahmen desselben herausgefallen. Es besteht kein triftiger Grund, die wenigstens theilweise Wahrheit der Erzählung Cieco's, die Verfasser woitgetreu wiedergab, anzufechten, und dabei muß es sein Bewenden haben. —»s-!8«es—- — Zu unseren Bildern Erzherzog Glto. Nach dem Tode des Kronprinzen Rudolf, des einzigen Sohnes Kaiser Franz Joseph'S, ging nach der Tbronfolgeord- nung der österreichisch-ungarischen Monarchie die Anwartschaft auf die Thronfolge auf den ältesten Bruder des Kaisers, den Erzherzog Karl Ludwig, über. Nach dem vor wenigen Wochen eingetretenen Tode des Erzherzogs Karl Ludwig gina der Anspruch auf die Thronfolge auf den Erzberzog Franz Ferdinand d'Este über, der, seit seiner Weltreise in seiner Gesundheit erschüttert, zu seiner Herstellung großer Schonung bedaif und für längere Zeit sich auf sein Schloß Kouopischt in Böhmen zurückgezogen hat. Der Tod des Erzhczogs Karl Ludwig machte die Ueberlragung der von diescnr mit größter Hingebung erfüllten RepräsentationSpflichten auf andere Schultern nothwendig. Da der hierzu in erster Linie berufene Erzherzog Ferdinand d'Este wegen seiner leidenden Gesundheit mit derartigen Aufgaben nicht betraut werden konnte, so wurden dieselben und die damit verbundene Stellvertretung des Kaisers dem Erzherzog Otto übertragen, dem hierbei seine Gemahlin, Erzherzogin Maria Josepha, eine Tochter deS Prinzen Georg von Sachsen, zur Seite lieht. Der bisherige beschränkte Hofhält des erzherzoglichen Paars wird aufgelöst, an seine Stelle tritt ein größerer Hofstaat. Das erzherzogliche Paar wird in dem lauschigen Augartenpalais, dem Buenretiro Kaiser Joseph'S II. und deS nachmaligen Kaisers Maximilian von Mexico, residiren und — auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers — einen Hofhält in großem Stil führen. Der Hofwelt und den höheren wiener Gesellschaftskreisen wird sich sonach im Augartenpalais eine neue Stätte geselligen Verkehrs erschließen. Erzherzog Otto Franz Joseph, am 21. April 1865 geboren, ist ein Sohn des verstorbenen Kaiserbruders Karl Ludwig aus dessen zweiter Ehe mit der 1871 verstorbenen Prinzessin Maria Annunciata von Bourbon-Sicilien. Er genoß, wie seine Geschwister, unter den Augen seines Vaters, eine sorgfältige Erziehung. Im praktischen Truppendienst, dem er mit großer Pflichttreue oblag, ist er, meist in kleinern Städten garniso- nirend, zum Oberst und Commandanten eines Husarenregiments emporgcrückt und wird demnächst als Generalmajor eine Brigade der wiener Garnison übernehmen. Seiner Ehe mit der Prinzessin Maria Josepha von Sachsen, die schon zu wiederholten Malen bei Hoffeierlichkeiten an Stelle der abwesenden Kaiserin fungirte, entsprossen die Erzherzoge Karl und Max. Diese noch im jugendlichen Alter stehenden Prinzen nehmen in der Thronfolge- und Hofrangordnung den Rang unmittelbar nach ihrem Vater ein. Genesen. Den ganzen langen Winter über hat die Arme, von einer bösartigen Krankheit heimgesucht, auf dem Leidenslager zugebracht. Der alte Spitalarzt hegte nur noch geringe Hoffnung, sie dem Leben zu erhalten, doch Dank der unermüdl chen selbstlosen Pflege der freundlichen Schwester ist m t dem erwachenden Frühling allmälig wieder neues Leben über den siechen Körper gekommen, und seitdem der Lenz seinen Einzug gehalten und die warmen Sonnenstrahlen die duftenden Rosenkelche geöffnet haben, kann sie an der Hand ihrer treuen Pflegern: schon einige Stunden des Mittags in dem freundlichen Garten zubringen, dessen seliger Friede, dessen duftige Farbenpracht im Verein mit dem lustigen Gesänge der munteren Vögelein so wohlthuend auf Keilt und Körver der Genesenden wirken. Von Tag zu Tag fühlt sie ihre Kraft erstarken, bad blühende Roth, das ehedem auf ihren Wangen gethront, kehrt langsam wieder zurück, und in einigen Wochen schon wird sie sich dankbaren Herzens gegen Gott und die menschenfreundlichen Schwestern ihrer Arbeit wieder unterziehen können. Sankt Alban am Ammersee. Am westlichen Ufer des Ammersee's, zwei Kilometer vom Markte Diessen entfernt, spiegeln sich die etlichen Häuschen mit der alten Kirche und der Badeanstalt nebst Gartenwirthschaft St. Alban im Ammersee, eine wahre Perle deS Seetbales. Weit zurück in die Römerzeit reicht die Geschichte dieses lieblichen Erdenfleckchens, denn noch jetzt finden sich binter den beiden Fischerhäuschen die deutlichen Spuren eines Wallgrabens, der das Wachthaus der Fähre nach Hersching umgab. Auf der nahen, westlichen Höbe zog die Römerstraße vorüber, und das jetzige Oekonomiegut Romanthal da oben mag wohl dereinst die Villa eines Tribunen gewesen sein. — Um das Jahr 970 erbaute die fromme Gräfin Cunissa von Diessen und Andechs, eine geborene Gräfin von Oeningen, das Kirchlein zu Ehren des heiligen Märtyrers Alban von Mainz, dessen Leichnam ihr der Schwager, Bischof Aribo von Mainz, ein An- dechser Graf, geschenkt hatte. Im Jahre 1490 ward die Kirche so baufällig, daß sie der Propst Zallingcr au: den einmüthigen Wunsch der Pfarrangehörigen, welke großes Vertrauen zu dem wundertbätigen Heiligen hatten, erneuern ließ. Bei dieser Gelegenheit wurden St. Albans Gebeine, welche unter Propst Jacob im Jahre 1416 der Sicherheit wegen nach Andechs gebracht worden waren, wieder in die erneute Kirche überführt. Im 18. Jahrhundert erfolgte noch ein Umbau, und da die Kirche im Jahre 1812 versteigert wurde, erwarb dieselbe der Diessener Bierbrauer Johann Mambofer für die Pfarrei. Am 2l. Juni jeden Jahres wird das Patrocmium in St. Alban mit Amt und Predigt gefeiert, wobei viele auswärtige Wallfahrer erscheinen. Ganz nahe bei der Kirche befindet sich die Badeanstalt mit Gastwirthschaft, welche seit der Uebernahme durch Herrn Lauter wesentlich verbessert und verschönert wurde. Es ist wirklich ein Genuß, von dem schattigen WirthSgarten aus, in welchem übrigens auch für die leiblichen Bedürfnisse durch vorzügliches frisches Bier und kalte Speisen bestens gesorgt ist. das schöne Landschaftsbild, den herrlichen See, die jenseitigen bewaldeten Höhen mit dem alten, ehrwürdigen Kloster und Wallfahrtsorte Andechs, dann die im bläulichen Dufte sich zeigende Gebirgskette von der Benediktenwand bis zur Zugspitze zu schauen. Liebhaber erhalten in der Wirthschaft auch vorzügliche Milch und guten Kaffee, denn Herr Sauter hat selbst eine Oekoncmie. Es war lange Zeit still an diesem Fleckchen, aber seit einem Jahre ist's lebhasr geworden, die Diessener, besonders gesellige Vereine, wandern oder fahren zu dem selbst musikalischen Besitzer des Gasthauses und amüsiren sich dort vortrefflich. Vom WirthSgarten aus führt ein Steg zum Badehäuschen im See, welches mehrere Kabinen enthält. Versäume es nicht, lieber Wanderer, hier in der kühlen, herrlichen Fluth deinen Leib zu erfrischen, behauptet ja ein berühmter norddeutscher Arzt, daß die Ammerseebäder den Nordseebädern an Wirkung gleichkommen. Bist Du ein Freund von Fischen, so werden zwei Fischer Deine Sehnsucht stillen, und kommst Du im August, so wird Dir Herr oder Frau Fischer Rauch eine Delikatesse des Ammersee's, die geräucherten Schilche, vorsetzen. — Sowohl in der Badewirthschaft, als bei den beiden Fischern und im Schusterhause sind eingerichtete Zimmer zu haben. Also auf nach Sankt Alban, dieser Perle des Ammersee's I F. Sch... Auflösung der Schachaufgabe iu Nr, 57: Weiß. L-ckwarz. 1. S. 68-V7 -j- K. 68-67 2. T. 4.8-68 K. 67—66 3. S. 07-66 §7-86: 4, D. 67—671- K. 66-65 5. S. V7—65 §6 65: 6. L. §3-64 §5—64: 7. L. 61—§3 §4-63: 8. D. §7-§7 -j- K. 65 - 66 9. K. 63-62 114-113 10. 62-63 65-114 11. 63-64 66-115 12. 64 - 65 117—116 13. D. §7—§6 f 14. 65-66 Matt. K. 66 -117 - -KZWZ-- —