O 61. Ireitag, den 24. Juli 1896. Für die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesttzer vr. Max Huttler). Arauenherz und Iranenwatten. Lebensbild von Mary Dobson. (Fortsetzung.) XVI. Dr. Günther's erste Briefs waren angekommen; er schrieb von der kurzen Reise nach Hamburg und seinem dortigen Aufenthalt, hatte feine Ueberfahrt nach New- Uork besorgt und sollte diese am folgenden Abend antreten. „Von dieser Reise werde ich hoffentlich als ein anderer Mann heimkehren, Fräulein Feldheim", schrieb er an Marie, „um meinen Kindern und meiner Mutter das sein zu können, wozu ich ihnen gegenüber verpflichtet bin. Erstere befinden sich in Ihrer Obhut gewiß so wohl, wie es mein Herz nur wünschen kann. Lassen Sie mich, ich bitte sie dringend darum, recht viel von ihnen erfahren, auch schreiben Sie mir von meiner Mutter, welche beim Abschied sehr erregt war. Doch konnte ich ihrem Wunsche nicht entsprechen, nicht in der Vaterstadt zu bleiben, wo jeder meinen Verlust und mein Unglück kennt und mich oft genug daran erinnert u. s. w." Auf diesen Bries antwortete Marie mit dem nächsten Schiff, schrieb in eingehender Weise von dem Wohlbefinden der Kinder, berichtete auch über seine Familie, so weit sie dieß ohne ihr vorzugreifen konnte, und schloß mit Grüßen und Bestellungen von Ersteren, welche diese ihr in die Feder gegeben. Mit diesem Brief gingen auch die Briefe von Mutter, Schwester und Schwager ab, welche sämmtlich von Mariens Lob und Bewunderung voll waren. Auch sprachen Erstere ihm in herzlichster Weise ihre Wünsche für sein Wohlergehen in der neuen Welt aus; Herr Reichardt aber, den er zu seinem Bevollmächtigten für die Dauer seiner Abwesenheit ernannt, hatte ihm auch geschäftliche Mitteilungen zu machen. Der Sommer mit seiner Pracht und Herrlichkeit ging wiederum zu Ende, und mit kälteren, wechselvollen Tagen trat der Herbst an seinen Platz. Die Kinder konnten nicht mehr wie sonst draußen spielen und arbeiten, wenngleich sie so oft wie möglich im Freien waren. Marie hielt jede Verweichlichung von ihnen ferne, wußte sie doch zur Genüge, daß nur schwache, leicht erregbare Nerven HedwigS Unglück nach und nach herbeigeführt. Sie besuchte Frau Günther und Rei- chardt's oft mit ihnen, und diese waren eben so oft bei ihr und mit ihrer Erziehungsweise einverstanden. Auch die Gräber ihrer Mutter und ihres Bruders suchte sie mit ihnen auf, und als es keine Blumen mehr gab, sie zu schneiden, wurden Kränze aus Epheu und Immergrün gebunden. Von Dr. Günther kamen oft Briefe, die meisten an seine Mutter und Marie gerichtet, an. Er war von New-Aork nach anderen größeren Städten gereist, überall von den deutschen Cvnsuln voll Entgegenkommen aufgenommen. Die Wtntermonate gedachte er im Süden zuzubringen, später aber wieder nach den Vereinigten Staaten zurückzukehren. Er verfolgte überall wissenschaftliche Zwecke und ward von feinen Collegen, welcher Nationalität sie auch waren, voll Entgegenkommen dabei gefördert. — Die Zeit verging, der erste Wiuterschnee fiel auf Hedwigs und ihres Kindes Grab, und bedeckte die Kränze, mit denen die Liebe der Ihrigen sie geschmückt. Das Weihnachtsfest ward im Kreise derselben still begangen, und gegen Ende Januar zog in diesem große Sorge ein. Frau Günther hatte sich eine starke Erkältung zugezogen, nach welcher ein nervöser, fiebernder Zustand blieb. AIs voll Besorgniß Marie mit dem Arzt, dem Freund ihres Sohnes, sprach, erklärte dieser, daß ihr die Trennung von ihrem Sohne und den Kindern nachhänge und eine zeitweilige Ortsveränderung für sie erwünscht sei. Sie bot dazu ihr Haus an, Reichardt's waren damit einverstanden, und nun galt es, die Zustimmung der Kranken zu erlangen. Dieß war indeß nicht so leicht, sie schützte die Mühe und Sorge vor, welche nothwendig sie verursachen würde, und fügte ihren Einwendungen hinzu: „Haben Sie denn nicht schon durch die Kinder genug, Fräulein Feldheim?" „Die Kinder machen mir weder Sorge noch Mühe, Frau Günther", entgegnete voll herzlicher Freundlichkeit Marie, „und auch Sie würden dieß nicht thun, könnten Sie sich entschließen, zu mir zu kommen. In steter Unruhe aber würde ich Ihretwegen sein, wüßte ich Sie allein mit dem Mädchen in Ihrer Wohnung!" „Ich will zu Bertha gehen." „Bertha hat nicht die Kinder, die Sie aufheitern und zerstreuen werden, und wird Sie oft besuchen." — Marie drang mit ihren Vorstellungen durch, und schon in den nächsten Tagen bezog Fran Günther ei» 462 — fkenndliches Zimmer im Erdgeschoß ihres Hauses. Sie s erholte sich bald in der frischeren, freieren Luft und erheiterte sich an der Gegenwart der Kinder, die so lebensfroh, kräftig und gesund waren und in Beweisen ihrer Liebe gegen sie nicht ermüdeten. Ost, wenn in der Dämmerungsstunde sie auf dem Sopha ruhte und beim Schein der hellen Ofengluth Hugo und Marga an Mariens Seite sah, wo sie lebhaft mit ihr plauderten, oder sie ihnen eine ihrer schönen Geschichten erzählte, wenn sie dann an ihren abwesenden Sohn dachte, dessen Eemüthsstimmung eine immer ruhigere und lebens- muthigere ward, dann trat wohl das schöne Zukunftsbild, das sie so getreulich festgehalten, deutlicher vor ihre Seele, sie betrachtete es auch schon länger, ihr Herz erfreute sich daran, und mit einem leisen Seufzer pflegte sie dann ebenso oft leise zu sagen: „Wie Gott Willi" — Zu Anfang April ward das Osterfest begangen, und mit ihm die Auferstehung der Natur, die Hugo und Marga bald in jedem knospenden Blatt, in jeder sich färbenden Frühlingsblume entdeckten. Als Carl die Gartenarbeiten vornahm, begannen auch sie die ihrigen, streuten Sämereien aller Art in die verschiedenen Beete und sahen deren Aufkeimen erwartungsvoll entgegen. Bald nach Ostern kehrte, vollständig hergestellt und gekräftigt, Frau Günther voll Dank gegen Marie in ihre Wohnung zurück. Schon in den ersten Tagen fühlte sie sich einsam und verlassen, nachdem sie fast drei Monate in der heitersten Umgebung und in der liebevollsten Pflege gewesen, doch beschloß sie, dieß Gefühl Niemandem, am wenigsten Marien, zu verrathen und auch nie ihrem Sohn darüber zu schreiben. Dieser, welcher den Winter im Süden von Nord- und in Mittel-Amerika verlebt, war, wie er in seinem letzten Briefe angedeutet, im Begriffe die heißen Gegenden zu verlassen und nach dem Norden znrückzukehren. Er schrieb stets voll hoher Befriedigung über seine Reise, schrieb von seiner gekräftigten Gesundheit, und zu Aller Freude, daß er im Juli oder August heimkehren werde. Von seiner Mutter Kränklichkeit hatte er durch sie selbst erfahren und Marien herzlich für die ihr erwiesene Liebe und Sorge gedankt. — Im Mai reiste Bertha mit ihrem Gattin nach Carlsbad. Es hatte sich bei ihm ein Leberleiden geltend gemacht, das frühzeitig zu bekämpfen der Arzt gerathen. Bei ihrer Heimkehr im Juni ward ihnen eine freudige Ueberraschung zu Theil, die Frau Günther selbst erst am Morgen erfahren und außer ihr noch Niemand wußte. Der Oberarzt der chirurgischen Abtheilung bes Krankenhauses, an dem auch Dr. Günther angestellt gewesen, hatte von einer größeren Universität den Ruf eines Professors der Chirurgie erhalten und diesen angenommen, und war nun Dr. Günther an seine Stelle von der Verwaltung des Krankenhauses zum Oberarzt ernannt. Die Mittheilung machte Frau Günther ihren Kindern, als diese am Nachmittag sie zu besuchen kamen, und als Bertha das versiegelte, officielle Schreiben sah — denn die erste Nachricht war ihrer Mutter in vertraulicher Art durch einen Collegen ihres Sohnes zugegangen, und sie wie ihr Gatte hatten ihre große Freude darüber ausgesprochen — fügte sie mit leisem Nachdruck hinzu: Nun beginnen Deine früheren Hoffnungen sich zu «füllen, Mutter, denn Albrecht gelangt zu einem höheren Ansehen in feiner Vaterstadt!^ „Möchte ihm dieß nur selbst Freude bereiten", entgegnete bewegt Frau Günther, „und er sein neues, schwieriges Amt geistig und körperlich gekräftigt antreten können!" „Das wird er gewiß", versetzte Herr Reichardt, zugleich als Bevollmächtigter seines Schwagers, das amtliche Schreiben öffnend, während seine Gattin an einen andern stillen langgehegten Wunsch ihrer Mutter dachte, dessen Erfüllung auch sie unbeschreiblich beglücken würde. Frau Günther sprach nun die bestimmte Ansicht aus, daß auch Marie Feldheim die so wichtige Nachricht erfahren müsse, und eben erklärten Reichardt's, sie ihr überbringen und sie zugleich begrüßen zu wollen, als die Hausthüre geöffnet ward und kleine Füße sich schnell dem Wohnzimmer näherten. Dieß betraten alsbald Hugo und Marga mit freudestrahlendem Gesicht und blumen- gefüllten Händen, und Ersterer rief lebhaft: „Großpapa — Tante Bertha, wir sind in Eurem Hause gewesen, und Christine hat uns gesagt, daß Ihr schon angekommen und hier wäret!" Herr und Frau Reichardt begrüßten die Kinder, wie auch die ihnen folgende Marie, welche sie dagegen daheim willkommen hieß. Dann begäben sich Alle zu Frau Günther, welche voll herzlicher Liebe und Freude ihre Enkel küßte, Marie die Hand zum Gruß reichte und voll freudiger Aufregung ihr die Ernennung ihres Sohnes mittheilte. In der ihr eigenen ruhig-freundlichen Weise wünschte Marie ihr wie auch ihren Kindern Glück dazu, und Herr Reichardt bemerkte: „Es ist nur schade- daß Dr. Günther selbst die Nachricht möglicherweise erst nach einigen Wochen erfährt, denn für den Augenblick wissen wir nicht einmal bestimmt wo er sich aufhält!" „Das kann ich Ihnen sagen", antwortete ebenso ruhig Marie, „denn ich habe diesen Mittag einen Brief von ihm gehabt. Dr. Günther wird am 24. ds. Mts. in der Stadt St. John in Neufundland sein, dort einige Tage bleiben und dann die Reise nach New-Iork antreten, wo er in dem uns bekannten Hotel wohnen wird!" „In Neufundland?" rief fast erschrocken Frau Günther. „Was aber will er da? — Müßte er nicht zurückkommen, so ginge er wohl gar nach Grönland und noch weiter, und wir würden ihn in diesem Jahr kaum wiedersehen!" Die Anwesenden lächelten über diese Erklärung, und Herr Reichardt sagte: „Ich möchte allerdings auch, er wäre uns näher, oder wir wüßten wenigstens bestimmt, wo er sich diesen Abend oder morgen früh aufhält, denn dann würde ich ihm eine Depesche schicken. Was gedenken Sie in Bezug auf eine Antwort zu thun, Fräulein Feldheim?" „Ich habe, da Dr. Günther dringend Nachricht von hier begehrt, gleich heute geantwortet, und da wir erst den achten Juni haben, den Brief nach St. John geschickt", erwiderte Marie. „Ein Brief an Sie, Frau Günther", wandte sie sich dann an diese, „ist unterwegs, unterdeß aber lesen Sie diesen, der eine längere Reisebeschreibung enthält", und das Schreiben aus der Tasche nehmend, übergab sie es ihr. In der für Dr. Günther so wichtigen Angelegenheit beschloß sein Schwager sogleich zu schreiben, mit der Aufforderung, ihm nach Empfang des Briefes durch 463 ein Telegramm seine Antwort zu schicken. Sollte die Depesche nicht kommen, so war anzunehmen, daß er den Brief nicht erhalten, und in dem Fall wollte Herr Nei- chardt nochmals und nach New-Z)ox! schreibe». XVII. In Dr. Günther's Wohnung war große, wenn auch stille Freude eingekehrt, denn seine Mutter erwartete ihn daheim, und zwar an einem Abend gegen Ende Juli. Seine Zimmer standen bereit und waren von den Kindern mit den Blumen ihrer Gärten geschmückt; auf dem Schreibtisch, den Bertha wie in früheren Zeiten geordnet, lagen bereits für ihn eingegangene Briefe und amtliche Schreiben, wie auch die neuesten Zeitungen, und Hedwig's über demselben hängendes Bild war mit einem zarten Kranz von duftende« Grün umrahmt. Bertha wollte ihren Bruder bei ihrer Mutter erwarten, deren Aufregung mit jeder Minute zunahm, ihr Gatte aber seinen Schwager am Bahnhof in Empfang nehmen. Arthur Reichardt hatte ebenfalls kommen wollen, den Gatten seiner verstorbenen Pflegeschwester bei dessen Ankunft zu begrüßen, doch war er durch eine nothwendige plötzliche Reise seines Schwiegervaters daran verhindert. Hugo und Marga waren nicht nach Hause gekommen. Dr. Günther hatte in seinem letzten Brief aus England bemerkt, sie in Fräulein Feldheim's Obhut zu lassen, welcher er selbst sie anvertraut, wie überhaupt am Abend seiner Ankunft in keinerlei Aufregung zu versetzen. Marie, welche durch Frau Günther diese Bestimmungen ihres Sohnes erfahren, war damit einverstanden und sah seinem Besuch entgegen. Frau Günther und Bertha schien der Zug länger als sonst mit dem so sehnlich Erwarteten auszubleiben, doch hatte er zur gewohnten Stunde die Stadt berührt, und gegen neun Uhr fuhr auch der Wagen mit den beiden Schwagern vor. Dr. Günther stieg zuerst aus und schritt schnell dem Hause zu, an dessen Schwelle seine Mutter und Schwester ihn sprachlos und unter Thränen begrüßten, während auch seine Augen feucht glänzten. Dann begaben sie sich inS Wohnzimmer, wohin ihnen Herr Reichardt, welcher unterdeß das umfangreiche Gepäck besorgt, folgte. Hier äußerten sie in lebhafter Weise ihre Freude, gesund und wohlbehalten wieder vereint zu sein, und voll Stolz betrachtete Frau Günther den stattlichen Sohn, dessen zwar immer noch ernstblickende Augen gleichzeitig voll Thatkraft leuchteten, und dessen Gang und Haltung den früheren Lebensmuth und hohes, edles Selbstvertrauen verkündeten. Dann erkundigte er sich eingehend nach dem Befinden seines Schwagers, und als er darüber Auskunft erhalten, fragte er nach Marie Feldheim und seinen Kindern. Nur zu gerne und mit freudestrahlenden Augen erzählte seine Mutter von ihnen, und als sie ihrem Herzen Genüge gethan, er tiefernst ihr zugehört, hatte Bertha das bereitgehaltene Abendessen auftragen lassen. Als die kleine Familie sich zu diesem niederließ, begann Dr. Günther von seiner neuen Stellung zu sprechen, deren erste Ankündigung er wirklich in St. John erhalten und sogleich telegraphisch darauf geantwortet, daß er sie annehmen würde. Das Vertrauen und die Anerkennung, welche ihm die Verwaltung des Krankenhauses dadurch bewiesen, erfüllte ihn mit hoher Freude, und er erklärte, sich am folgenden Morgen dorthin begeben zu wollen, um persönlich seine Heimkehr anzuzeigen. Als in einer späteren Stunde Reichardt'S sich nach Hause begaben und auch Mutter und Sohn sich getrennt, betrat Dr. Günther zum ersten Male sein Arbeitszimmer, wo, vor seinen Schreibtisch tretend, er die Lampe ergriff und Hedwig's Bild beleuchtete. Lange betrachtete er die lieblichen, von Glück und Lebensfrohsinn strahlenden Züge seines so früh verstorbenen Weibes, wie diese in den ersten Jahren ihrer Ehe gewesen, dann die Lampe zurückstellend, richteten sich seine Augen nochmals auf das so sinnig geschmückte Bild, nur zu sicher ahnend, wer dieß gethan uud er wandte sich dann mit schmerzlich bewegten Gestchtszügen ab. — Am folgenden Morgen sah Frau Günther nur wenig von ihrem Sohn, der verschiedene Besuche abzustatten hatte und längere Zeit im Krankenhause verweilte, wo er von seinen früheren Collegen voll Herzlichkeit begrüßt ward und dem bisherigen Oberarzt zusagte, seine neue Stellung schon um die Mitte August antreten zu wollen, da dieser zu Anfang September in dem neuen Wohnort erwartet ward. Am Nachmittage eilte er nach dem Feldheim'schen Hause, wo Marie, welcher er seinen Besuch hatte melden lassen, ihn erwartete. Die Kinder, nachdem sie erfahren, daß ihr Vater angekommen, hatten dieß unter lautem Jubel im Hause verkündet, bald aber mit gänzlich verändertem Gesicht gesagt: „Wird Papa uns heute mitnehmen, Tante Marie? Laß uns lieber hier bleiben, wo wir Deinen und unsern Garten haben, in dem wir so gern pflanzen und arbeiten Wögen!" „Ich kann nichts dazu sagen, Kinder", erwiderte mit tiefgekühltem Herzen Marie. — „Ihr müßt jedenfalls thun wie es Papa will.", „Nein, nein, Tante Marie, ich gehe nicht nach der Stadt", rief entschieden die kleine Marga und blickte unerschrocken zu ihr auf. „Ich will Papa bitten, baß er uns bei Dir läßt, und gewiß wird er eS auch thun", und ihres Sieges gewiß, ergriff sie die Hand ihres Bruders und eilte mit ihm ins Freie, während traurig Marie im Gartenzimmer zurückblieb. — — Sie blieb aber nicht lange allein, bald ertönte die Glocke der Hausthür, und als diese geöffnet ward, vernahm sie eine bekannte, lange nicht mehr gehörte Stimme, welche in sehr freundlicher Weise mit Johann sprach. Ihr Herz schlug einen Moment heftig, schnell färbten sich ihre Wangen, ebenso schnell aber war die Bewegung wieder verschwunden, und als ein kurzes, scharfes Klopfen den Einlaß Begehrenden meldete, antwortete sie mit ruhiger und sicherer Stimme, und Dr. Günther trat ein. — Ihr seine Hand reichend, in die sie die ihrige legte, richteten sich nach der langen Trennung Beider Augeu auf einander, und ihre Rechte mit einem warmen Druck umfassend, sagte er mit tiefer, bewegter Stimme: „Da bin ich wieder, Fräulein Feldheim, ein anderer Mann als ich gegangen — — „Willkommen in der Heimath, Herr Doktor", ent- gegnete ebenfalls bewegt Marie, den Druck seiner Hand erwidernd, „und möge Ihnen diese wiederum lieb und theuer werden!" „Sie ist es immer gewesen, Fräulein Feldheim", versicherte er in demselben Tone, „auch als ich unter dem furchtbarsten Geschick zu leiden hatte, und der schwere Schlag ist nun etwas überwunden!" „Sie haben die Ihrigen wohl angetroffen", fuhr, als sie Platz nahmen, Marie fort. „Ja, und auch meine Kinder werde ich gesund und wohl wiedersehen", antwortete Dr. Günther, dessen Ge- stchtszüge sich etwas erheiterten. „Ja, ich hoffe, Sie werden mit meiner Sorge und Pflege zufrieden sein", antwortete, zu einem leichteren Ton übergehend, Marie. „Sollen wir sie im Garten aufsuchen oder sie rufen lassen, denn Sie werden mit großer Sehnsucht von ihnen erwartet!" Das war nicht erforderlich, denn muntere Kinderstimmen kamen näher und riefen, ehe sie noch die Thür erreicht: „Tante Marie — Tante Marie —" hielten aber, vor dieser stehend, mit weitgcöffneten Augen inne, stürzten mit dem Ausruf: „Papa! — Papa!" zu diesem, der sie in seinen Armen auffing. Sie umschlangen seinen Hals mit ihren Armen, während er sprachlos sie wieder und wieder küßte und in Mariens Augen Thränen glänzten. Die Kinder gewannen zuerst die Sprache wieder, und ihre Arme von seinem Hals lösend, ergriffen sie seine Hände, sahen ihn mit freudig glänzenden Augen an und sprachen: „Nun bleibst Du doch immer hier, Papa, und gehst nie wieder weg!" „Nein, Kinder, ich bleibe jetzt bei Euch", antwortete er, sie voll Vaterliebe und Bewunderung betrachtend. Jetzt erschien Dora, welche den Kleinen gefolgt war und auch von ihm mit freundlichen Worten begrüßt ward. Dann aber hefteten sich seine Augen wiederum forschend und prüfend auf die Kinder. ES waren dieselben Gesichter und Gestalten, aber gesund, kräftig und lebensfrisch, das eine Jahr hatte sie gänzlich umgewandelt. In lebhafter Weise fragten sie ihn jetzt nach seiner Reise und Ankunft, und als sie darüber eine ihnen verständliche Auskunft erhalten, erzählten sie ihm von ihrem Garten und fragten, ob er ihn sehen wolle. „Gewiß, Kinder", erwiderte er freundlich und sich zugleich erhebend, während sie mit leuchtenden Augen seine Hände ergriffen und ihn so schnell sie konnten fortführten, Dora aber Marie bedeutungsvoll anblickte und ihnen folgte. Dr. Günther und seine Kinder, die ihn munter umsprangen, hatten deren Anlage erreicht, auf der es grünte und in den buntesten Farben blühte, und die er voll Ucberraschung betrachtete, indeß sie voll Spannung zu ihm aufsahen. Seine Gedanken wandten sich dabei voll Dankbarkeit Marien zu, die auch dieß zum Besten der Kinder ersonnen, denen aber sein Schweigen zu lgnge währte, denn Hugo fragte: „Ist unser Garten nicht sehr schön, Papa?" „Ja, Kinder", erwiderte Dr. Günther schnell und erkundigte sich nach allen Pflanzen und Blumen, und Beide wußten ihm genaue Auskunft zu geben, erzählten ihm auch, daß sie von letzteren Kränze gebunden und sie ihrer Mama und ihrem Bruder gebracht. Bei dieser Erklärung wurden ihre Gesichter ernst; da er sie aber nicht in traurige Stimmung versetzt sehen wollte, erkundigte er sich nach einer größeren, frischgrünen Fläche ihres Gartens, und die kleine Marga war im Begriff eingehend zu antworten, doch kam Hugo ihr schnell zuvor und sagte: „Was da wächst, bekommst Du zum Abendesien, Papa. Weil Du angekommen bist, dürfen wir heute mit Euch essen und sollen bei Dir sitzen. Gehe nun aber wieder zu Tante Marie, lieber Papa. damit wir alles fertig machen können!" Dr. Günther blickte seine Kinder lächelnd an, ebenfalls lächelnd auf Dora, und ging dann langsam dem Hause zu, während die Kinder sich an die Arbeit machten und vorsichtig die größten Pflanzen auszupften. Bald betrat er das Gartenzimmer, wo voll Spannung Marie ihn erwartet hatte, und ihr seine Hände reichend sagte er mit tiefer, bewegter Stimme: „Haben Sie Dank, Fräulein Feldheim, für das was Sie meinen Kindern gethan und ihnen gewesen sind l" „Herr Doktor-" unterbrach ebenfalls bewegt Marie. „Wie — wie vermag ich Ihnen je Ihre Liebe und Fürsorge für die kleinen mutterlosen Waisen zu vergelten ?" „Herr Doktor", begann die eingetretene Pause unterbrechend Marie mit unsicherer, leicht stockender Stimme, „wenn Sie glauben, daß ich nach bestem Wissen und Willen für Ihre mutterlosen Kinder gesorgt, und allen Ernstes meinen, deshalb in meiner Schuld zu sein, so giebt eS ja, ich will Ihnen daS nicht verhehlen, es giebt eine Möglichkeit nur — ich bediene mich aber nur Ihres eigenen Ausdrucks — dieß zu vergelten —- —" „Was — was kann ich thun? Sprechen, o, sprechen Sie, Fräulein Feldheim!" rief lebhaft erregt Dr. Günther und sah sie erwartungsvoll an. „Lassen Sie mir die Kinder, die zu entbehren mir unendlich schwer werden würde", und bei diesen Worten blickten Mariens Augen ihm voll Spannung entgegen. Er war in der That überrascht und zögerte einen Augenblick, was ihr nicht entging, dann aber erwiderte er ruhig und entschlossen: „Meine Kinder bleiben Ihrem Wunsche gemäß bei Ihnen, Fräulein Feldheim! — Ich habe an Hedwig'S Grabe immer wieder gelobt, sie so glücklich wie möglich zu machen, es würde aber kein Glück für sie sein, wollte ich sie dem schönen Leben entreißen, welches sie unter Ihrem Schutze führen!" „Haben Sie Dank für dieß Versprechen, Herr Doktor", erwiderte voll tiefer Rührung Marie und reichte ihm die Hand, die er mit der seinen fest umschloß. Hier ließen sich die Stimmen der Kinder vernehmen, und als sie nach einigen Sekunden das Zimmer betraten, trug Hugo zierlich geordnet einen Teller voll frtschrother Radieschen, die er seinem Vater, den er wie auch Marga triumphirend ansahen, mit den Worten reichte: „Die haben wir schon vor langer Zeit für Dich gesäet, Papa —" Dr. Günther nahm den Teller entgegen, und dessen Inhalt betrachtend, sagte er voll Herzlichkeit: „Ihr habt mir durch diese Radieschen eine große Freude gemacht, Kinder, und wir wollen sie diesen Abend, wie Ihr gesagt, essen. Hört nun aber, was ich Euch noch zu sagen habe. Tante Marie und ich, wir haben über Euch gesprochen —" Die Kinder sahen ihn fast erschrocken an und dann auf Marie, während er den Teller auf den Tisch stellte und fortfuhr: „Tante Marie hat zu meiner Freude Euch sehr liebgewonnen und will Euch noch länger hier behalten, 465 und ich, weil Ihr immer meine guten Kinder gewesen seid, will Euch hier lassen!" Bald ihn, bald Marie ansehend, hatten die Kinder ihm aufmerksam zugehört und jedes seiner Worte verstanden. Bei den letzien aber kam neues Leben in sie, ihre Augen und Züge strahlten vor Freude, und schnell zu Marien tretend, sagten sie: „Ist es wahr, Tante Marie? — Bleiben wir bet Dir?" „Ja, Kinder", erwiderte sie bewegt, und als diese sie dann voll stürmischer Zärtlichkeit umarmten und liebkosten, schloß sie sie fest an ihre Brust. Einen Augenblick blickten Dr. Günther's Augen ernst, dann sah er voll Befriedigung auf die schöne Gruppe. Den Kindern aber kam bald ein anderer Gedanke, und von Mariens Schooß kletternd, sprangen sie zu ihrem Vater, umarmten auch ihn herzlich, und Hugo sagte: „Wie gut bist Du, Papa, daß Du uns hier lassen willst! — Wirst Du uns auch oft besuchen?" „So oft ich kann", erwiderte ruhig sein Vater, „denn ich bekomme jetzt viel Arbeit —" Er ward durch seiner Mutter und Netchardt's Kommen unterbrochen, die kaum Marie, ihn und die Kinder begrüßten, als diese ihnen voll Freude erzählten, daß ihr Vater ihnen gesagt, sie würden bet Tante Marie bleiben. Aller überraschte Blicke gewahrend, bestätigte Dr. Günther die Worte seiner Kinder, und während sie sich erfreut darüber auSsprachen, nahm Frau Günther's Vision — das schöne Zukunftsbild — eine festere Gestalt an. XVIII. Dr. Günther hatte sein neues Amt angetreten, und kamen seine Collegen wie die leidende Menschheit ihm vertrauensvoll entgegen. Er ward durch letztere mehr noch als früher in Anspruch genommen, doch der ver- hältnißmäßig noch junge Oberarzt besaß eine große Arbeitskraft, und war seine Gesundheit durch die Strapazen der langen Reise in der neuen Welt gestählt. Seine bedeutenden Kenntnisse, sein scharfer Blick und seine sichere Hand begannen schon ihm Ehre und Ansehen auch über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus zu bringen. Seine Mutter war stolz auf ihn und alle seine Erfolge, beklagte aber, daß sie so wenig von seiner Person hatte. Oft sah sie ihn während des ganzen Tages kaum länger als beim Mittagessen, da auch Rcichardt'S Ansprüche an seine Gesellschaft machten und er, sobald er eine Stunde erübrigen konnte, zu seinen Kindern ging, bei denen er stets Erheiterung fand. Oft, sehr oft auch lenkte er seine Schritte nach dem stillen Friedhof, wo die Gräber seiner Theuren stets mit frischen Kränzen geschmückt waren. Wer dieß that, wußte er nur zu gut, denn oft genug erzählten ihm seine Kinder, daß sie ihre Mama und ihren Bruder besucht. So war die Zeit vergangen, der Sommer dem Herbste gewichen und diesem der Winter mit seinen kurzen Tagen, mit Stürmen, Schnee und Eis gefolgt. Letzterer hatte auch das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel gebracht, die von Günther's, Netchardt's, wie auch Marie Feldheim in stiller Weise begangen worden. In Dr. Günther's und seiner Mutter Lebensweise war keine Veränderung eingetreten. Oft fragte sich diese und sprach auch mit ihren Kindern darüber, wie lange sie ihm wohl noch gefallen würde, da sie seinem Herzen nicht genügen konnte, nachdem er eine glückliche Häuslichkeit kennen gelernt, und als einmal sie die Sache wieder anregte, antwortete ihr Schwiegersohn: „Sei unbesorgt, Mutter, Albrecht wird nicht immer wie jetzt leben, er muß sich nur erst in seine neue Stellung wie alles was sie mitbringt hineingefunden haben. Ist das geschehen, so macht auch das Herz seine Rechte wieder geltend, und das wird nicht vergeblich sein!" Und es machte sich bereits, wenn auch erst in leiser Weise, geltend. Oft wenn er seine Kinder besuchte, die ihn mit offenen Armen empfingen und mit stürmischen Liebkosungen begrüßten, mit denen er dann in Mariens großem, behaglichem Wohnzimmer, wo er sie vor Jahren kennen gelernt, eine glückliche, schnell entschwundene Stunde verlebte, dabei sich mit Marien unterhielt, die mit klarem Verständniß auf alle seine Mittheilungen, mochten sie Krankenfälle oder seine amerikanische Reise, auf die er so gern zurückkam, betreffen, einzugehen wußte, wenn er dann im Dunkeln durch Sturm, Regen und Schnee den Rückweg unternahm, auf diesem deS traulichen, glücklichen Heims seiner Kinder gedachte, dann kam ihm wohl das Gefühl, daß sein jetziges Dasein aller Freude entbehre, welche er zu Hedwig's Lebzeiten gekannt, und in letzter Zeit regte sich auch in feinem Herzen der Wunsch, solcher Lebensfreuden wiederum theilhaftig zu werden, wenn er auch noch nicht weiter überdachte, wie dieser theilhaftig zu werden sei. Spät an einem Nachmittag, als wiederum er Marie und die Kinder verlassen, ging er von ihnen zu einer einen ernsten Fall betreffenden Consultation. Nach vorgenommener Untersuchung fand er diesen weniger gefährlich und konnte dem Kranken die Versicherung geben, ihm durch eine Operation den Arm zu erhalten, und sollte diese am folgenden Tage im Krankenhause ausgeführt werden. Der Patient war ein unbemittelter Arbeiter und daher seine wie seiner Frau Freude über die günstige Aussicht groß. In seinen Gedanken mit dem Fall beschäftigt, von dem er bedauerte, ihn nicht früher erfahren zu haben, um leichter helfen zu können, erreichte er seine Wohnung, wo er zuerst seine Mutter aufsuchte, die er an dem Tage nur bei dem verspäteten, eilig eingenommenen Mittagessen gesehen. Zu seinem nicht geringen Schrecken fand er sie bleich und angegriffen auf dem Sopha liegend, allein, ohne jegliche sorgende, liebevolle Pflege. Sich schnell nach ihrem Befinden erkundigend, erkannte er einen leichtnervösen, fieberhaften Zustand, der indeß bald gehoben werden mußte, wenn er bei ihrem Alter nicht schwächend nachwirken sollte. Dieser Zustand aber mußte schon länger gewährt haben, und er machte sich Vorwürfe, daß er ihn nicht früher beachtet, wie seiner Mutter leise Vorstellungen, daß sie nicht mit ihm darüber gesprochen, und fügte schließlich nachdrücklicher, als er vielleicht wollte, hinzu: „Du mußt Hülfe haben, Mutter, junge, kräftige Hilfe! — Wir wollen eine tüchtige Haushälterin annehmen, die Dir zugleich Gesellschafterin sein kann!" „Nicht doch, mein Sohn", beruhigte ihn Frau Günther, und ihre matten Augen blickten ihn liebevoll an, „eine fremde Person würde hier wenig nützen, ich aber werde nach einigen Tagen der Ruhe wieder hergestellt sein." . „Warum hast Du nicht zu Bertha geschickt, die doch — 466 — gewiß gekommen sein würdet fragte in hohem Grade verstimmt ihr Sohn. „Du vergißt, daß Werth« einen Mann hat, der fast in meinem Alter steht, seit einiger Zeit kränkelt und ebenfalls ihrer Pflege und Sorge bedarf!", erwiderte seine Mutter mit merklichem Nachdruck. (Fortsetzung folgt.) Polnische Bauern. Von Professor Dr. Guglielmo Ferrero. Wenige Länder sind für den Europäer des Westens so interessant und merkwürdig wie Russisch-Polen, d. h. jener Theil Polens, in welchem die alte Civilisation und der alte Geist der Nation noch lebendig sind; vielleicht eben darum, weil eine Regierung mit den ganzen ihr zu Gebote stehenden unbarmherzigen Zwangsmitteln dahin gearbeitet hat, diese Civilisation und diesen Geist zu ersticken. Für uns, namentlich für alle Jene, die in Gegenden aufgewachsen sind, welchen das Stadtleben Civilisation und das Landleben Unwissenheit bedeutet, macht es einen sonderbaren Eindruck, ein Volk zu sehen, das nahezu ohne Städte lebt, zerstreut über unendliche Ebenen, ohne daß diese Zerstreuung die ausgleichende Macht der Ergebnisse der Civilisation verringerte. Die einzige große Stadt von Russisch-Polen ist Warschau, dessen Bevölkerung überdies nur zum Theile aus Polen zusammengesetzt ist; die Mehrzahl der Bewohner sind Russen, Deutsche und Juden. Die anderen sogen. Städte, wie Grodno, Lomza, Petrikau, sind fast ausschließlich von Juden bewohnt und gleichen weit eher Dörfern zweiter Ordnung, als wirklichen Städten. Die Häuser sind fast alle aus Holz, die Straßen schlecht gepflastert, schmutzig und von Bächen durchfurcht; die Gasthöfe sind miserabel, häßlich und ärmlich die Kaufläden. Das Einzige, was an die großen Städte gemahnt, sind die hohen Preise, die — leider! — des civilisirtesten Volkes würdig wären. Man möchte meinen, daß man Dörfer vor sich habe, die zu Städten werden wollen, aber nicht können, abscheuliche Mißgeburten, die dem polnischen Edelmann verhaßt sind und die dieser den armen Juden überläßt, während er sich selbst in das auf seinen Gütern erbaute Haus zurückzieht. Das ist das wahre Heim des Polen, die eigentliche ursprüngliche Schöpfung der polnischen Civilisation. Auf je 8 oder 10 Kilometer Entfernung, inmitten einer Besitzung, erhebt sich ein schönes, gemauertes Haus, der Sitz des Eigenthümers der Ländereicn; in geringer Entfernung davon befindet sich das Dorf, ein Haufe erbärmlicher Holzhütten, in denen die Bauern wohnen. In jenen wohnt die Blüthe der gebildeten Classen Polens, in diesen die Masse der elenden Bauern; die Einen und die Anderen führen zusammen ein merkwürdiges und eigenthümliches Leben; sie haben Beziehungen zu einander, wie man sie nirgends sonst antrifft. Der erste Eindruck, den man erhält, ist der, daß man fast immer noch die Nähe der Knechtschaft fühlt. Die Leibeigenschaft wurde in Russisch-Polen erst im Jahre 1863 abgeschafft; sie liegt aber auch heute, nach dreiunddreißig Jahren, noch in der Luft, erfüllt von ihren verschiedenen Einflüssen. Die Vergangenheit ist noch gegenwärtig in den Gedanken, in den Gefühlen, in den Gebräuchen, während die neue Lage der Dinge nur langsam in die Bevölkerung eindringt und die Gesellschaft inmitten schmerzlicher Widerwärtigkeiten einer Um-' Wandlung unterwirft. Viele Häuser, welche ehemals Knechte beherbergten, sind nun von kleinen unabhängigen Besitzern bewohnt; aber die Gewohnheiten der Unterwerfung find noch nicht ganz verschwunden. Der ehemalige Knecht oder dessen Sohn grüßt noch den ehemaligen Herrn und küßt ihm ehrerbietig die Hand, wenn er ihm begegnet. In allen Angelegenheiten jeder Art, besonders aber in jenen, welche in Beziehung zu der russischen Verwaltung stehen, wendet sich der Bauer stets um Aufklärung und Rath an den Gutsherrn. Ja, der ehemalige Herr wird sogar allenthalben als eine Art Vorsehung angesehen, so daß er oft gezwungen ist, seinen ehemaligen Knechten gegenüber als Arzt und Apotheker zu wirken. Diese kleinen, ärmlichen Dörfer besitzen weder Arzt noch Apotheke, und der Arzt sowohl als die Medicamente müßten aus der zunächstliegenden Stadt geholt werden, die aber in den meisten Fällen sehr weit entfernt ist. Der Bauer regt sich deßhalb aber nicht auf, und er findet Mittel und Wege, die Ausgaben für den Arzt und die Medicinen zu ersparen. Wenn er sich unwohl fühlt, geht er zu seinem ehemaligen Herrn, theilt ihm seine Schmerzen und Leiden mit und verlangt von ihm irgend ein Heilmittel; und derjenige Gutsherr, welcher sich weigern würde, die Krankheit zu bestimmen und das Medicament zu verschreiben, würde als ein harter und unmenschlicher Mann betrachtet werden. Die Familim der polnischen Edelleute müssen darum stets mit einer kleinen, wohl assortirten Apotheke versehen sein, und eines ihrer Mitglieder muß mit den Lehren der Heilkunde wenigstens oberflächlich bekannt sein und die gangbarsten chirurgischen Operationen auszuführen verstehen, wie zum Beispiel Abscesse schneiden, Wunden auswaschen und Zähne ziehen; im entgegengesetzten Falle würde der ehemalige Knecht sehr bald jeden Rest von Ehrfurcht für den einstigen Herrn verlieren, der so unwissend und egoistisch ist, daß er nicht einmal seine Leiden zu heile» im Stande ist. Dieser Respect gegenüber dem ehemaligen Herrn ist wohl zum Theile Tradition, zum Theile aber auch Hypo- kcisie des Bauern, der jahrelang unterdrückt gewesen war und der sich eine Art Genugthuung zu schaffen trachtet, indem er seinen einstigen Herrn nunmehr auszubeuten sucht; denn die Befreiung an sich und die Art und Weise, wie diese durchgeführt wurde, trug selbst dazu bei, in dem früheren Paria die Instinkte des Eigenthums in der schärfsten Form wachzurufen und einen heimlichen Antagonismus zwischen Herrn und Knecht zu begründen. Das kaiserliche Decret der Befreiung aus der Knechtschaft bestimmte, daß die befreiten Leibeigenen als freie Bürger die Rechte bewahren sollten, die sie als Knechte ihres Herrn besessen hatten, ohne die Pflichten erfüllen zu müssen, die ihnen in diesem Falle durch ihre freie Stellung auferlegt wären. So behielt der Bauer, welcher als Knecht die Nutznießung eines Stückchens Boden gehabt hatte, unter der Bedingung, seinem Herrn zu dienen, diesen Boden als unabhängiger Eigenthümer; die Knechte, welche das Recht gehabt hatten, Holz aus den Wäldern zu nehmen, behielten dieses Recht, ohne deßhalb die Dienste versehen zu müssen, zu denen sie früher gezwungen gewesen waren. So geschah es, daß die Rechte der Knechte und Herren sehr bald miteinander verwechselt wurden, weil sie nicht, wie dies hätte sein sollen, durch deutlich redigirte und unwiderlegbare Docu- mentc bestimmt worden waren. Die Herren waren aufgebracht über die Befreiung und nicht geneigt, weitgehende Concessionen zu machen, was zu Reibungen und tiefgehenden Zwistigkeiten zwischen beiden Theilen führte, während welcher der befreite Knecht damit begann, seine Personalität als freier Mann zu behaupten durch mysteriöse Feucrsbrünste, die in den Wäldern des Herrn aus- brachen, oder durch Flintenschüsse, die des Abends hinter den Büschen abgefeuert wurden. Diese Conflicte mußten natürlich dazu beitragen, im Knechte das Gefühl des neuerworbenen Besitzthums zuzuspitzen. Und so wurde der ehemalige Knecht von einer immer wachsenden, maßlosen, fanatischen Leidenschaft für den Grund und Boden ergriffen, die einen heimlichen, heftigen, zähen und siegreichen Kampf gegen den einstigen Herrn zur Folge hatte, um diesen aller seiner Besitzungen zu berauben. Und während in allen anderen Ländern Europas der kleine Besitz von dem großen verschlungen wird, wird in Russisch-Polen der Großgrundbesitz zersplittert, und die Bruchstücke fallen in die Gewalt der ehemaligen Knechte, die nach so langer Fastenzeit hungrig über Grund und Boden herfallen. Sie arbeiten gleich den Termiten: eine riesenhafte Eiche scheint sicher und kräftig auf ihren Wurzeln emporzuwachsen; aber Millionen von Ameisen sind in die Fiber des Holzes eingedrungen und haben jahrelang gewühlt und genagt, bis eines Tages der stolze Niese in Splitter zerfällt. Der Bauer führt diesen Angriff auf das Eigenthum des einstigen Herrn auf alle mögliche Weise, vor Allem aber durch die Versuche gewaltsamer Ucbcrgriffe. „So sicher wie in jedem Jahre im April der Schnee schmilzt," sagte mir ein polnischer Gutsbesitzer lachend, „so sicher wird jeder kleine unabhängige Eigenthümer, wenn die Zeit herankommt, da man die Felder Pflügt, seinen Acker um einen Meter, einen Fuß, eine Hand breit auf das angrenzende Gebiet des Gutsherrn auszubreiten trachten, und er wird nicht müde werden, diesen Versuch der Usurpation Jahr für Jahr zu wiederholen. Seine Geduld ist geradezu erstaunlich; und wenn wir nicht jedes Jahr genau Acht geben würden, um diese gewaltsamen Ueber- griffe zu verhindern, dann wären wir gar bald von diesen Heuschreckenschwärmen des Großgrundbesitzes zu Grunde gerichtet. Im Uebrigen vermag hier keine Ermahnung, keine Bestrafung auch nur im Geringsten bessernd zu wirken." — Ja, der Bauer glaubt wgar ein Recht zu haben, sich auf diese Weise die Güter seines ehemaligen Herrn anzueignen, nachdem er Jahrhunderte hindurch unter dem Joche für ihn gearbeitet hat, und er betrachtet die Macht des Gesetzes, welche ihn an den eben geschilderten Uebergriffen hindert, als eine ungeheure Ungerechtigkeit, die auf ihn ausgeübt wird, weil er arm und schwach ist. Deßhalb lautet der größte Schimpfname, dessen sich der polnische Bauer bedient, um einen Gegner heftig zu beleidigen: „Geometer!" Der Geometer, der mit seinen teuflischen Instrumenten im Stande ist, in den Schollen der Erde zu lesen und, ohne zu irren, auf einen Zoll genau festzustellen, wem ein bestimmtes Stückchen Feld gehört, ist in seinen Augen das verächtlichste und hassenswertheste Geschöpf der Welt. Der Geometer ist in Polen beim Volke noch weit mehr verhaßt und ^verachtet, als bei uns etwa der Scharfrichter. — "/Die Geduld und die Ausdauer des polnischen Bauers 'im Kampfe Men den, Gutsherr« itz^eine, so ungeheuer große, daß er, wenn es ihm nicht gelingt, durch Usur< pationen seinen Besitz auszudehnen, Alles ins Werk setzt, um dies auf gesetzmäßigem Wege zu thun. Gelingt ihm der Raub nicht, so muß ihm der Kauf gelingen! Die polnischen Edelleute sind in einer rapiden Dccadenz begriffen. Ihre einstigen Reichthümer schwinden rasch dahin; der Ertrag von Grund und Boden ist in Polen ungeheuer gesunken, zum Theil in Folge der Werthvcr- minderung der landwirthschaftlichen Erzeugnisse, besonders des Getreides; andererseits in Folge der schweren Abgaben, die darauf lasten, insbesondere nach den den Polen auferlegten Kriegssteuern nach der Revolution vorn Jahre 1864. Und die polnischen Edelleute, die seit Jahrhunderten gewohnt sind, ihre Landhäuser mit dem ganzen Comfort ausgestattet zu sehen, der ihnen ein angenehmes, Vergnügungsreiches Leben ermöglicht, unterbrochen von wenig Arbeit und erheitert durch schöngeistige Beschäftigungen, haben ihr kostspieliges und glänzendes Leben der glücklichen alten Zeiten auch später noch fortgesetzt, als ihre finanziellen Verhältnisse nicht mehr so gute waren. Einige von ihnen, die vorsichtiger waren als die Anderen, haben sich der Entwickelung den landwirthschaftlichen Industrien gewidmet, besonders der Bereitung des Bieres und der alkoholischen Getränke. Die Meisten aber, welche die Ausübung der bürgerlichen Handclsgcwerbe unter ihrer Würde fanden, fuhren gedankenlos fort, das kostspielige Leben zu führen und sich mit Schulden zu überhäufen, und so kam für Alle früher oder später der Tag des Zusammenbruches heran. Da sie ihre Schulden nicht mehr zahlen können, sind sie gezwungen, ihre Felder zu verkaufen und die väterlichen Güter zu veräußern, um die Wucherer zu befriedigen, mit deren Geldern sie lange Zeit hindurch so sorglos und glänzend gelebt hatten. Und da kommen nun die ehemaligen Knechte heran und suchen das Wrack zusammen, das aus dem Schiffbruch der reichen Herren zu retten ist. Die Ländereien der Herren sind im Allgemeinen sehr ausgedehnt und in Folge dessen zu groß für die ökonomische Stärke des armen Bauers. Um die große Schwierigkeit zu überwinden, nehmen die polnischen Bauern Zuflucht zu einem System, das wohl einzig ist in dieser Welt: sie vereinigen sich zu einer zeitweiligen Gesellschaft, kaufen gemeinschaftlich das Stück Land und vertheilen es untereinander in Gemäßheit der eingezahlten Quoten. Trotzdem bleibt es immer sehr räthselhast, wie es möglich ist, daß die kleinen Bauern Geldsummen, seien sie auch verhältnißmäßig noch so gering, aufzutreiben im Stande sind, um Ländereien anzukaufen. Die Felder Polens sind im Allgemeinen nicht fruchtbar, die landwirthschaftlichen Produkte haben nur geringen Werth, die Bauern besitzen zum größten Theile Felder von geringer Ausdehnung und sind den Diebereien der russischen Staatsbeamten ausgesetzt, die oft aus deren Unkenntni ß der russischen Sprache Nutzen ziehen, um sie zur Bezahlung höherer Steuern zu zwingen, und endlich haben sie Alle zumeist zahlreiche Familie. Und trotz alledem ersparen sie noch Geld, um sich neue Felder zn kaufen. Wovon nähren sie sich? Wie leben sie? Ein Physiologe wäre vielleicht um eine Antwort auf diese Fragen verlegen. Sie leben nur, um neue Felder zu erwerben; sie concentriren ihre ganzen Geistes- und Willenskräfte in dieser höchsten Leidenschaft und finden Mittel, um das außerordentliche Wunder zu verwirklichen, daß sie, die elenden, erbärmlichen Bauern, die Güter der fallitm Großgrundbesitzer anzukaufen vermögen. Sie 468 leiden viele Jahre hindurch und führen ein wahres Märtyrerleben, sie fügen sich in ein Dasein furchtbarer Entsagungen, um einen fernen Ersatz von wenigen Quadratmetern selbstgekaufter neuer Erde zu finden, die ihnen nicht dazu dienen wird, ihr Loos günstiger und erträglicher zu gestalten, die aber ihre Hoffnung aus eine weitere Ausdehnung ihrer Felder erhöhen wird. Wir haben es hier fast mit einem ökonomischen Mysticismus zu thun, mit einer übersinnlichen Leideuschaft des Länderbesitzes, welchem der polnische Bauer Alles opfert, sowie der Asket auf alle Freuden des Lebens verzichtet, um das Paradies zu erlangen. Das, was der polnische Bauer zu erreichen trachtet, ist blutwenig; aber die Willenskraft, die er dazu anwendet, um sein Ziel zu erreichen, ist so groß, daß sein Sieg über den einstigen Herrn in Wirklichkeit als einer der größten Triumphe des menschlichen Willes betrachtet werden kann. Die Verschiedenheit der menschlichen Schicksale ist, wie man sieht, heute nicht geringer als zu den Zeiten, da Horaz sie zum Gegenstände seiner schönen Dichtungen machte. Der Schwärm der befreiten Leibeigenen des Alterthums vertreibt aus den väterlichen Ländern die ehemaligen Herren, die genöthigt sind, ihre Lebensweise zu ändern und neue Arbeit und neue Erwerbsquellen zu suchen. Die herrschaftlichen Landhäuser des alten Polen- landes verfallen; die reichsten unter ihnen verlieren ihren Glanz von ehemals, nachdem die Armuth in ihnen Einzug gehalten; viele sind geschlossen oder fallen in die Hände der wohlhabenden Wucherer. Der Lärm des lustigen und sorgenlosen Lebens, der so lange Zeit hindurch in ihren Mauern wiederhallte, verklingt nach und nach und macht einem traurigen Schweigen Platz. Inzwischen wächst in den Städten das Bürgcrthum, das zum Theile aus Fremden, zum Theile aus polnischen Edelleuten besteht, welche die Bedürfnisse des Lebens Handel treiben gelehrt haben. Die russische Regierung steht dieser Umwandlung wohlgefällig zu, denn die Herrschaftshäuser der polnischen Landedelleute waren stets die Citadellen des Nationalgefühls, die Mittelpunkte, von welchen aus sich die Ausstände über das ganze Land verbreiteten und gleich Waldbränden rasch um sich griffen. Denn die Landedelleute waren stets die Anführer der aufständischen Heere, die in der Oppositions-Politik jenen Ausfluß des angeborenen Thätigkeitsbedürfniffes fanden, das ihr müßiges Leben ihnen nicht anderswo zu finden gestattete. Mögen sie Alle zu Kaufleuten werden, denkt die russische Regierung; so werden sie vorziehen, Geld zu erwerben, statt sich dem gefährlichen Svort der Revolution zu widmen! ^ Allerlei. ,, * Vor einiger Zeit erschien in mehreren Blättern ein Artikel, wonach die beständige Beschäftigung mit dem Schachspiele nachtheilig auf Körper und Geist einwirken soll. Hiezu wird uns geschrieben: Wir theilen Ihnen hier folgende Zusammenstellung der Lebensdauer der berühmtesten bereits verstorbenen Schachmeister mit, wobei wir ausdrücklich bemerken, daß wir nicht etwa für unseren Zweck nicht passende Daten absichtlich weggelassen haben. ES erreichten ein Alter: Andersten Adolf von 61 Jahren, St. d'Amant 72, Cochrane 80, Deschappelles 67, Du- fresne Jean 64, Evans 82, Kolisch Jgnaz 52, Lewis 83, Köwenthal 66, Mackenzie 54, Morphy 47, Pausten Louis 59, Philidor 69, Staunton 64, Zukertort 46; so daß sich die durchschnittliche Lebensdauer derselben auf (966:15) 64 Jahre 5 Monate beläuft. Außerdem stehen noch folgende derzeit noch lebende berühmte Schachmeister in einem Alter: Bird von 65 Jahren, Blackburne 54, Lange 64, v. d. Lasa 78, de Riviöre 66, Rosenthal 59, Steinitz 60, Winawer 58. Aus dieser kurzen Zusammenstellung dürfte sich mit Sicherheit die Schlußfolgerung ziehen lassen, daß von einem Körper und Geist schädigenden Einfluß des Schachspieles, selbst bei ausschließlicher Beschäftigung mit demselben, wohl nicht die Rede sein kann. » N ormal-Festbericht, den modernen Festen auf den Leib geschnitten: Welch ein Wetter — blauer Himmel, Voll Erwartung — Groß' Gewimmel, Lange Züge — Aus dem Wagen Menschenmassen — Rennen, Jagen. Festcomits — Auf dem Platze Schöne Herren — Schnurrbart, Glatze. Bravo! Hurrah! — Hoch willkommen! Stolze Heimath — Nutz und Frommen > Zug zur Hütte — Blumenregen Alle Herzen — Warm entgegen. Auf zur Arbeit — Strammes Schaffen Händeklatschen — Großes Gaffen. PreiSvertheilung — Festjungsrauen. Lorbeerkränze — Kaum getrauen. Jubclstimmung — Gratuliren, Becherkreisen — Depeschiren. Große Reden — Freunde, Brüder Fest umarmen — Kommet wieder. Feuerwerke — Ehrenweine, Später Aufbruch — Schwanke Beine. Arger Kater — Bald genesen, Abschiedsküsse — Schön gewesen. Blätter melden — Vcm Profite? O bewahre — Deficite. Aimmelsscha» im Monat August. —X Merkur, Venus und Jupiter sind nicht sichtbar. Mars F nimmt etwas an Helligkeit zu, geht anfangs um 11 U., zuletzt um 9 U. 45 M. abdS. auf. Am 4. geht Mars gegen 11 U. unter der Mondsichel auf. - Saturn tz läuft in der Waage vorwärts, steht abds. am südwestlichen Himmel und geht zuletzt um 9 U. 30 M. unter. Am 14. steht er in der Nähe des Mondes. Vom 10.—13. findet ein Sternschnuppenfall aus dem Radianten im PerseuS statt. Die Sternschnuppen sind indessen vereinzelt 14 Tage vor- und nachher zu sehen, und der Radiant verschiebt sich parallel der Erdbahn. In den Morgenstunden des 9. August findet bet uns eine partielle Sonnenfinsterniß statt; der Anfang der Finsterniß ist jedoch nicht sichtbar, da die größte Finsterniß 4 U. 33 M. früh eintritt, das Ende 6 U. 23 M. und an diesem Tage die Sonne 6 U. 2 M. aufgeht. Die Zone der Totalität erstreckt sich von Norwegen über Sibirien nach Japan. " Am 23. findet eine partielle Mondsfinsterniß statt, die in Amerika, an den Küsten von Westeuropa und Westafrika sichtbar ist. Sie beginnt 6 U. 24 M. mgs. und hat eine Größe von 0,738 in Theilen des Monddurchmessers, ist aber in unserer Gegend nicht sichtbar, da der Mond an diesem Tage bereits 5U. 14 M. früh untergeht.