« 70 . 1896 . „Augsburgrr PostMung". Dinstag, den 25. August Für die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg. Drucl und Berlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbesitzer vr. Max Huttler). Ein furchtbares Geheimnis;. Dem amerikanischen Originale der Mrs. Mary Agnes Flemming nacherzählt von LinaFreifrau v.Berlepsch. (Fortsetzung.) 8. Kapitel. In zwei Booten. Früh am nächsten Morgen bestiegen unsere Touristen den Wagen; sie saßen wie Tags zuvor, Sir Victor neben Beatrice, Rudolf neben Edith. Aber des Barons Düsterheit war vorüber, Hoffnung erfüllte sein Herz. Er war ein bescheidener Mann; daß die arme Amerikanerin unter ihm stand, bedachte er nicht; daß sein Rang, sein Reichthum sie beeinflussen konnte, träumte er nicht. Es war ein herrlicher, wolkenloser Tag voll frischer Gebirgsluft und prächtiger Gegend. Wilde Thäler, bemooste Felsen, donnernde Gießbäche, barfüßige Kinder, Menschen und Vieh unter einem Dach, Schmutz und Armuth, wie sie es nie erträumt hatten. Sie reisten eben in dem arm — gemachten Irland! „Mein Gott, wie kann man so erbärmlich leben!" rief Edith. „Deines Lebens Gespenst ist die Armuth", sagte Rudolf; „ich wette, die Leute essen, trinken, lieben, hei- rathen und sind glücklicher wie wir." „Welch' thörichte Rede! Heirathen und sind glücklich! Sie heirathen wohl, und in der Ecke grunzt ein Schwein, und jede Hütte wimmelt von Kindern — aber glücklich!" „In Deinem Wörterbuch sind Armuth und Elend synonym." „Synonym? Kein menschliches Uebel kommt der Armuth gleich!" — Arme Edith! Wie bitter wirbst Du enttäuscht werden! Spät Abends erreichten sie Killarney. Ueber den herrlichen See strahlte der friedliche Mond. Der Scene Schönheit spottete aller Worte. Sie standen am Ufer und betrachteten schweigend die wunderbare Gegend. „Dort sind Boote", sprach Sir Victor endlich, „ich schlage eine Wasserfahrt vor." „O ja, ja!" rief Trixy begeistert, „eine Fahrt auf dem Killarney-See. Edith, kannst Du's fassen?" „Willst Du mit mir fahren", wandte Rudolf sich an seine Cousine, „oder gehst Du lieber mit den Andern?" „Mein Gott, wie artig Du auf einmal wirst, wie bedacht auf Anderer Gefühle; es ist wirklich eine ganz neue Seite Deines interessanten Charakters. Natürlich gehe ich mit Dir, Rudolf Stuart, fromm wie ein Lamm, ist ein beachtenswerther Gegenstand." Er bot ihr lächelnd den Arm. „So seien wir den letzten Abend vergnügt beisammen." „Den letzten Abend? Was fällt Dir ein? Wenn Du auf Flucht sinnst, so sag's, Ungewißheit ist lästig." Der Baron und Trixy hatten sich bereits vom Ufer entfernt. Noch ein drittes Boot war abgestoßen, in ihm befand sich ein junges Mädchen mit einer Guitarre, ihre liebliche Stimme scholl über die See und fand in den Bergen hundertstimmiges Echo. Edith blickte auf zum Sternenhimmel. „O, welche Nacht! Wie schön ist die Welt, wie glücklich könnte man sein, wenn —" „Man jährlich dreißigtausend Dollar Rente hätte!" „Ja. Warum kann das Leben nicht so sein, warum kann man nicht Alles haben, was das Herz begehrt, und einen Gefährten, den man recht gern hat." „Den man recht gern hat? O, Edith, oft frage ich mich, ob Du mich gern hast, ob Du überhaupt jemand Andern, als Dich selbst lieben kannst?" „Danke, natürlich liebe ich mich selbst am meisten, das gebe ich zu, hernach —" „Nun, hernach?" „Kommst Du. Sei ruhig, Rudolf, Du wirfst sonst das Boot um. Warum sollte ich Dich nicht lieben? Bist Du nicht mein Vetter, verdanke ich Dir nicht all' mein Glück? O, ich segne jene Nacht im Schnee, sie war die glücklichste meines Lebens." „Und die unseligste des meinen. Edith, verständigen wir uns, und wäre es selbst auf Kosten einer Trennung." Sie erbleicht, wendet sich ab und blickt hinaus über das schimmernde Wasser. Früher oder später hatte es kommen müssen, jetzt war es da. Rudolf beugte sich auf die Ruder, sie schaukelten leise dahin. „Ich brauche Dir nicht zu sagen, daß ich Dich liebe", fuhr er nach kurzer Pause fort, „Du weißt es zur Genüge, und ich hoffe, Du hast für mich ein antwortendes Gefühl. Set wahr gegen Dich selbst! Edith, willst Du mein Weib werden?" Leidenschaft zittert in seinem Tone, aus seinen Augen, aber treu dem Grundsatz, keine Scene zu erregen, bleibt er bei den Rudern sitzen. „Sprich, Edilh, vergiß den Cynismus, der Dir ja doch nicht von Herzen kommt, und sag', daß Du mein sein willst, mein, dessen Leben Du gerettet!" „Dein?" lacht sie, ihr Herz aber erbebt, „es wäre schön, aber es kann nicht sein." „Edith!" „Wir sind Cousins, Rudolf, gute Freunde werden wir immer sein — aber lieben — nein." „Und weshalb?" „Hab' ich Dir das nicht schon oft gesagt? Wenn Du mich noch für herzlos haltst, ist es meine Schuld? Ich weiß was ich mit meinem Cynismus will. Hättest Du Deines Vaters Vermögen, ich würde Dich morgen heirathen und das glücklichste Weib der Welt sein." „Bin ich Dir also nicht ganz gleichgültig?" „Gleichgültig? Siehst Du nicht, Rudolf, ich bin nicht ganz egoistisch, ich liebe Dich so, daß ich lieber stürbe, als Dich heirathen. Ich würde Dich nur unglücklich machen." „Mein Vater liebt mich, er ließe sich erweichen." „Nein. An dem Tage, wo er in Cork bet Dir war, saß ich hinter den Gardinen verborgen und hörte unabsichtlich, was der Vater sagte, sowie auch Deine Antwort. Mein erster Gedanke war, vorzutreten, seine Gunst zurückzuweisen und zu bitten, er möge mich heimschicken; als ich aber Deine ruhige Antwort hörte, verrauchte mein Zorn. „Ich und Fred Darrells Tochter heirathen nicht", sagtest Du, und ich bewunderte Deine Ruhe und Wahrheit. Dabei wollen wir bleiben, Du und Fred Darrells Tochter werden sich nicht heirathen." „Aber, Edith, Du kannst doch nicht glauben —" „Ich glaube von Dir nur Edles. Ich weiß, Du würdest Deinem Vater wüthig entgegentreten, wenn ich es duldete. Du sollst ihm aber nicht trotzen, und ich will keinen armen Mann heirathen." „Ich bin jung, stark und kann arbeiten, habe Hände und Kopf, eine gute Erziehung und viele Freunde, wir würden nicht hungern." „Nicht hungern?" wiederholte Edith mit traurigem Lächeln; „vielleicht nicht, aber wir würden ohne allen Komfort dahin leben und namenlos elend sein. Du kannst nicht arbeiten, bist nicht dazu erzogen, und ich kann, selbst um Deinetwillen, dem Ziele meines Lebens nicht entsagen." „Du kannst das nicht", sprach er bitter. Und so fuhr sie gesenkten Hauptes fort. „Zürne mir nicht, einst wirst Du mir's danken. Komm', lass' uns nicht mehr davon sprechen. Siehst Du denn nicht, daß wir unter den gegebenen Verhältnissen nicht glücklich sein können, daß wir folglich besser uns trennen?" „Ich bin ein schlechter Redner, und Deine Sophistik ist so klar, daß Jeder sie verstehen muß. Du warfst mich ohne Schmerz über Bord und willst den Baron heirathen. Noch aber bist Du nicht sein Eigenthum, noch nicht erkauft mit seinem Gelde, antworte mir denn, ob Du mich liebst." Ihr Haupt sank tiefer, das Auge füllte sich mit Thränen, ihr Herz war voll Weh. Ihn ohne Schmerz über Bord werfen? Edith wußte, waS es sie kostete, jetzt herzlos zu sein. „Antworte!" sprach er gebieterisch, „das wenigstens kann ich verlangen, liebst Du mich oder nicht?" „WaS hilft die Frage, Rudolf", entgegnete sie leise, „Du weißt es so gut wie ich." ^ Schweigen folgte. Aus der Ferne tönte des Mädchens Gesang. „Komme, was da wolle", sprach Rudolf endlich, „es ist besser, daß wir die Sache besprachen. Und wenn Du morgen Sir Victor heirathest, ich möchte die Vergangenheit nicht anders wissen. „Verachte Du mich nicht!" flehte sie mit gebrochener Stimme und begrub das Gesicht in die Hände, „ich kann nichts dafür, aber ich will lieber sterben als arm sein." Er weiß, daß sie weint, und ihre Thränen bewegen ihn seltsam. Er nimmt ihre Hand, und seine einzige Antwort ist: „Ich werde Dich lieben mein Leben lang." Auf dem anderen Boote spielte sich ebenfalls eine interessante Scene ab. Trixy sprach unaufhörlich. Zerstreut und träumerisch lauschte Sir Victor. Endlich entstand eine Pause. „Vergebung, Miß Stuart", begann der Baron. „Ich habe etwas auf dem Herzen, wovon ich heute noch mit Ihnen sprechen wollte." Beatrice richtete sich wie elektristrt auf. „Nun fängt er an", dachte sie. Eine peinliche Pause folgte. „Ja, Sir Victor", stammelte das Mädchen er- muthigend. „Ich wollte die Sache erst nicht berühren, bevor wir England erreichten", fuhr der Baron verlegen fort, „ich — ich fürchte eine Abweisung so sehr, daß ich mich zu sprechen scheue." Was sollte Beatrice sagen? Was paßt sich für eine gebildete Dame? „Wie kann er Abweisung fürchten?" dachte sie, „war je ein Sterblicher so bescheiden?" „Kürzlich erst lernte ich meine eigenen Gefühle kennen, als ich von einem Anderen erwiesene Aufmerksamkeit mit Vergnügen angenommen sah, ließ die Eifersucht mich begreifen, daß ich liebe." „Er weint den Hauptmann Hammond", sagte sich Trixy, „wie gut, daß wir uns trafen." „Und doch verzweifle ich nicht ganz! Glauben Sie, Miß Stuart, daß ich Grund zu Hoffnung habe?" „Ja, ich glaube es", stammelte sie. „Und werden ihre Eltern meine Werbung gut aufnehmen ?" „Meiner Ansicht nach werden sie eine solche sich nur zur Ehre rechnen", entgegnete sie in bebendem Tone. „Glauben Sie also, daß mein Herz und meine Hand nicht abgelehnt werden, falls ich spreche?" „Warum in aller Welt thut er's nicht?" dachte Beatrice, „er ist wahrhaftig verrückt." „Sie schweigen, Fräulein, wäre es möglich, daß bereits eine Verlobung existirt?" „Ich bin gewiß, Sir Victor wird keinen Korb erhalten." „Danke." Und ebenso, wie Rudolf Edith's, erfaßte er ihre Hand. Hierauf folgte Schweigen. Trixy's Herz war zum Zerspringen voll. Wäre sie nur am Lande, um Mama und Papa ihr Glück zu melden. Lady Chateron! Die Worte sind zu arm, solche Wonne zu beschreiben. Sie schloß die Augen und ließ sich in grenzenloser Freude dahinschaukeln. Als sie landeten, führte Sir Victor seine Dame schweigend ins Hotel. „Noch eine Gunst, Fräulein", bat er, bevor sie sich trennten, „lassen Sie unsere Unterredung ein paar Tage 535 Geheimniß bleiben unter uns. Meine Tante war mir eine zweite Mutter, und sie soll zuerst von meinen Gefühlen erfahren." „Gut, Sir Victor, Ihr Wille geschehe." „Gute Nacht." Miß Stuart eilte die Treppe hinauf. Sie wollte Edith sehen. Der Gedanke, zu ruhen war lächerlich, sie fragte sich, ob sie je wieder schlafen würde. Edith's Zimmer war dunkel, sie selbst stand am Fenster und blickte noch völlig angekleidet hinaus zu den Gestirnen. „Ganz im Finstern, Dithy, ist es nicht eine himmlische Nacht?" „Kommst Du, um mir das zu sagen?" „Nein, ich wollte Dir sagen, daß ich glücklich bin, daß es eine wunderbare Fahrt war. Hast Du Dich auch unterhalten?" „Unendlich", bemerkte Edith bitter. „Ich glaube, Du hast geweint." „Geweint? Nein, so kindisch bin ich nicht. Ich bin müde und habe Kopfweh. Gute Nacht, Trixy." „Wart' einen Augenblick,Edith,ich kann's ja nicht bei mir behalten, es drückt mir das Herz ab. Wünsche mir Glück, Sir Victor hat um mich geworben." „Trixy I" Sie konnte sonst nichts sagen, wie betäubt sank sie in einen Stuhl. „Ja, Edith, und ich bin ganz außer mir vor Freude, denke nur, ich werde Lady Chateron." Edith war todten- bleich geworden, sprachlos saß sie da „Uebrigens ist er ein sonderbarer Kauz", fuhr Beatrice fort, „konnte er nicht einfach wie ein Mann sagen: „Beatrice Stuart, wollen Sie mich heirathen?" Nein, er ging herum, wie eine Katze um den heißen Brei, sprach verwirrtes Zeug von einem Rivalen, und daß er mit Papa und Mama und Lady Helena reden wolle, sobald wir in England seien. Vielleicht machen es die englischen Aristokraten so, ich aber sehe nicht ein, weshalb er nicht direkt sprach, er hatte wahrlich Aufmunterung genug." — Die letzten Worte reizten Edith zum Lachen, aber es klang unnatürlich. „Du bist heiser wie ein Rabe und bleich wie ein Gespenst; das kommt, wenn man im Zug sitzt und den Mond beguckt. O, Edith, ich bin so glücklich, und wenn ich Lady Chateron bin, sollst Du immer bei mir weilen, bis Du wirklich meine Schwester bist und Rudolf's Frau." „Ich bin müde, ich friere." „Willst Du mir denn nicht Glück wünschen, Dithy?" „Ich wünsche — Dir — Glück." Ihre Lippen waren kreideweiß, sie bebte wieEspenlaub. Beatrice ging, und Edith athmete tief auf. AlsodochTrixyI Und sie hatte geglaubt, daß er sich für sie interessirte. Mit ihr hatte er gesprochen, sie betrachtet, wie nie Beatrice, bei ihrem Nahen war er errathet, sie hatte sein Herz pochen gefühlt, wenn sie sich auf seinen Arm stützte, und doch war es Trixy! Krank vor Aerger und Neid, legte sie den Kopf auf die Arme. „Eine hübsche Heldin", höre ich den Leser rufen, „ein niedriges, selbstisches, herzloses Geschöpf!' Ja, aber reine, edle Geschöpfe, die auf ihre Ideale verzichten, um Andere zu beglücken, finden sich wohl äußerst selten hieniedcn. 9. Kapitel. Arme Trixy. „Gott sei Dank, heute Abend geht unsere Pilgerschaft zu Ende", sprach Lady Helena acht Tage später im Zug zwischen Dublin und Kingston. Die ganze Reisegesellschaft war noch beisammen, auch Kapitän Hammond war der Einladung nach Powys Ptace gefolgt. Edith Darrest beugte sich über ein Buch. Seit der Botschaft hatte Beatrice ruhig und entschlossen von Sir Victor Besitz ergriffen. Sie glaubte, ein Recht dazu zu haben, und wenn ein Mann allzu bescheiden ist, darf dann ein Mädchen nicht etwas ihm entgegenkommen? Ehe Edith am folgenden Morgen ihr Zimmer verließ, 8«. stgk. Kostest Drin; Llupprecstt von Kagcrn als Major im königl. bayer. 2nfaiiterie-Leib-Rkgiment. 536 war sie zu Trixy gegangen und hatte sie herzlich geküßt. — „Verzeih' mir, ich war gestern thöricht und gereizt, vielleicht auch ein wenig neidisch. Doch das ist vorbei, und ich wünsche Dir von ganzem Herzen Glück. Du bist das beste, liebste Mädchen und verdienst das Glück." Ja, sie war das beste Mädchen, und wenn Sir Victor sie ihr vorzog, was sollte sie ihr zürnen? Gegen den Baron aber fühlte sie grimmen Zorn. Wie wagte er's, sie zur Vertrauten zu machen? Ihr bedeutungsvolle Blicke zuzuwerfen, wenn er Trixy heirathen wollte? Wie hätte sie sich Blößen gegeben, wenn sie weniger zurückhaltend sich benommen hätte? Seitdem war sie ihm, wenn auch nicht auffällig, ausgewichen, und wenn er es fühlte, verrieth er es in keiner Weise. Er dachte, Miß Stuart habe über ihre Unterredung etwas verlauten lassen, und hielt Edtth's Benehmen für mädchenhafte Scheu. Er liebte das und bemerkte auch mit Wohlgefallen, daß der traute Verkehr Edith's und Nudolf's aufgehört hatte. Kurz vor Mitternacht bestiegen sie den Zug in Holy- head. Fort ging's durch Wales, vorbei an Gebirgen, Stationen, zur Linken die endlose See, vorbei an Dörfern, Ruinen, Schlössern und Hütten, bis sie um zwei Uhr Morgens im Bahnhof von Ehester einfuhren. Zwei Wagen erwarteten sie, und eine Stunde später hatten sie Powys Place und das Ziel ihrer Reise erreicht. „Willkommen in Powys Place", rief Lady Helena, „ich wünsche nur, daß es Ihnen hier ebenso gut gefallen möge, wie mir in New-Aork." Als am andern Morgen Miß Stuart auf fabelhaft hohen Absätzen über den polirten Eichenboden eilte, glitt sie aus und verletzte sich das Bein. Sir Victor war der Erste, der ihr zu Hülfe eilte, und trug sie in ihr Zimmer, wo ihr Fuß sofort verbunden wurde. Bleich und müde kam Edith aus ihrem Zimmer. Auf der schlüpfrigen Passage erwartete sie Sir Victor. „Ich verlegte Ihnen absichtlich den Weg", begann er lächelnd, „damit Ihnen nicht ein Unfall zustoße. Es soll hier sofort ein Teppich gelegt werden. Aber Sie sind bleich, fühlen Sie sich krank?" Sein Ton verrieth so viel liebende Angst, wie es sich für einen Verlobten einer Andern nicht geziemt. Edith war zu deprtmirt, um es zu beachten. „Ich fühle mich ziemlich wohl, höchstens der Kopf ist etwas eingenommen." „Wollen Sie mit mir nicht etwas spazieren gehen? Der Park ist sehenswerth. Kommen Sie mit mir, Miß Darrell, es wird Ihnen gut thun." Sie zauderte, ging aber doch. Was lag daran, jetzt konnte Trixy nicht eifersüchtig sein, und sie bedurfte der Bewegung in der freien Luft. Und so ging sie den schicksalsschweren Weg. Es war ein Maitag, alles grünte und blühte, die Vögel sangen und die frische Luft hauchte Edith's Wangen rosig an. „Hier gefällt mir Powys Place am besten", sprach Sir Victor, „und wenn Sie mit mir die Anhöhe besteigen, kann ich Ihnen Chateron Noyals zeigen." Sie nahm feinen Arm und schritt die Anhöhe hinan. „Welch' wunderschöner Platz", rief sie; „Ihr Engländer, deren Ahnen hier lebten und starben, müßt jeden Stein, jeden Baum Eurer Besitzungen lieben. Wäre ich nicht eine Amerikanerin, so möchte ich eine Engländerin sein." Er betrachtete sie voll Liebe und Bewunderung. „Möchten Sie das?" rief er schnell, „würden Sie Amerika aufgeben und Ihr ganzes Leben in England zubringen, könnten Sie sich dazu entschließen?" „Das wäre kein großes Opfer." Die letzte Schranke brach. Er hatte sich vorgenommen, zuerst mit Lady Helena und Mrs. Stuart zu sprechen, jetzt war alle Ueberlegung vorüber. Er umfaßte ihre Hände und sprach sein ganzes Herz in jedem Wort. „O, so theilen Sie meine Heimath, werden Sie mein geliebtes WeibI Ich liebe Sie, liebte Sie vom ersten Augenblicke, da ich Sie sah!" „Arme Trixy!" war Edith's erster Gedanke, dann war's ihr, als müsse sie laut auflachen, nicht vor Triumph oder Freude, sie fühlte Beides nicht, sondern über das schreckliche Mißverständniß, das Triry angestellt hatte. Daß ein solches vorlag, war klar, sonst hätte doch Sir Victor nicht so gesprochen. „Ich wollte erst mit Lady Helena und Mrs. Stuart reden", fuhr er fort, „aber ich kann nun nicht länger mehr warten, muß von Ihnen mein Geschick erfahren. Ich liebe Sie, Sie sind die Erste, der meine Lippen solches gesagt, die Erste, für die ich Liebe gefühlt. Edith, darf ich hoffen?" Sie schwieg. Sie standen auf der Spitze des Hügels. Fern konnte sie die Wipfel der Bäume, die Schornsteine eines großen Gebäudes sehen, zweifellos Chateron Noyals. Es konnte ihre Heimath werden; der Baron stand neben ihr, bot ihr, der armen, niedern Edith Darrell, Rang und Reichthum. All' die Träume ihres Lebens waren erfüllt, und doch fühlte sie weder Triumph noch Freude und staunte schweigend über die eigene Apathie. „O, sagen Sie nicht es sei zu spät, sagen Sie nicht, daß schon Jemand ihr Herz gewonnen, ich ertrage es nicht. Ihre Cousine versicherte mich, daß ich eine günstige Antwort erhalten würde. Während der Bootfahrt zu Killarney sprach ich mit ihr, ich nannte zwar Ihren Namen nicht, sie aber verstand mich sofort und meinte, daß ich die Hoffnung hegen dürfte, daß-" Leidenschaft, Liebe und Furcht erstickten seine Worte, er wandte sich. „O, Trixy! Trixy!" dachte Edith, „welchen Unsinn hat das Kind angestellt!" Sie zeichnete mit dem Sonnenschirm apathisch Figuren in den Sand. Wäre ihr Leben davon abgehangen, sie hätte Sir Victor nicht antworten können. Allmählich mochte sie Freude empfinden, jetzt nicht. Er wartete auf Antwort, sie kam nicht. „Ich sehe wie es ist", sprach er traurig, „Sie lieben Ihren Cousin und sind mit ihm verlobt. Ich fürchtete es lang." Langsam hob sie das Auge zu ihm. „Mit meinem Cousin? Sie irren, ich bin mit Niemand verlobt und liebe Niemand." „Niemand? Auch mich nicht?" „Auch Sie nicht, Sir Victor. Wie sollte ich? Ich träumte nie davon." „Träumten nie davon? Mußten Sie nicht sehen, nicht wissen — —" s f „Ich dachte, Sie interessirten sich für Trixy." „Für Miß Stuart? Also hat sie Ihnen nichts gesagt von unserer Unterredung bei der Fahrt auf dem UM HWS AMmMKL «MKW WWW ^WK WW WßM- MKZ ME MWLM MMMH- MW WW OWWM -iWM '?/.^V'.^7.' 8M O-. Mtzd.-! WLÄÄüL MMWUMMMOM WWWWW -z^WW« AHMW -EE 538 See zu Killarney? Sie war mir eine gütige Freundin, eine sympathistrende Vertraute. Keine Schwester konnte aufmerksamer und aufmunternder sein, als sie." „Arme Trixy, eine SchwesterI" dachte Edith, „welche Scene wird es geben, wenn Du das hörst l" „Um Himmelswillen, sprechen Sie, Edith! Ohne Sie ist mein Leben elend, und warum soll ich nicht hoffen, wenn Sie frei sind? Ich verlange nicht, daß Sie mich jetzt lieben, ich will geduldig warten. Meine Liebe ist so groß, daß sie die Ihre erzwingen wird. Sagen Sie, daß Sie mein Weib werden wollen." „Sir Victor, ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich habe ja weder Rang noch Reichthum." „Aber Schönheit, Grazie, die Güte eines Engels, und ich liebe Sie." „Lady Helena wird nicht einwilligen." „Sie willigt in Alles, was mich glücklich macht, meines Lebens ganzes Wohl liegt in Ihrer Hand, und ich kann, ich will Sie nicht verlieren." „Geben Sie mir Bedenkzeit, Sir Victor, morgen früh sollen Sie Antwort haben, jetzt schwindelt mir der Kopf von der unerwarteten Werbung. Ich bin stolz und dankbar ob der mir erwiesenen Ehre, aber ich gestehe offen, ich liebe Sie nicht." „Aber, Sie lieben Niemand, sagen Sie mir das noch einmal?" Sie erbleichte und blickte hinaus in die sonnige Landschaft. „Ich fürchte, ich bin ein herzloses, selbstsüchtiges Wesen, das vielleicht nie Jemand wirklich lieben wird. Das müssen Sie wissen, wenn Sie um mich werben. Ihre Frau zu sein, wäre mir die höchste Ehre — doch bitte ich um Bedenkzeit bis morgen früh." Er verbeugte sich und bot ihr den Arm. Im Salon waren alle versammelt. Trixy lag bleich auf dem Sopha. Lady Helena saß neben ihr, Rudolf in einer Fensternische. Alle drei betrachteten die Kommenden, Trixy mit Eifersucht. Wenn Sir Victor sie liebte, war sein Platz nicht an ihrer Seite? „Ich reite nach Drexel Court", sprach der Baron nach einer Weile, „ich versprach Hampton —" „Ja, Lady Arabella ist dort", unterbrach ihn Lady Helena lachend, „geh' und grüße sie, wir erwarten Dich aber zu Tische." Victor erröthete wie ein Mädchen, ängstlich blickte er auf Edith, die sich in ein Album vertieft hatte. „Wo warst Du und Sir Victor die ganze Zeit, Edith?" fragte Trixy, sobald sich Gelegenheit bot. „Im Park." „Wovon spracht Ihr?" „Von allerlei Dingen, von der schönen Aussicht, dem Wetter und dergleichen, hätte ich Dein Interesse geahnt, so würde ich die Unterhaltung notirt haben." „Spracht Ihr von mir?" »Ja, Dein Name wurde erwähnt." „Sagte er etwas von — von — Du weißt schon was ich meine?" „Er sagte kein Wort, daß er Dich lieben oder hei- rathen wolle, wenn Du das meinst. Aber beendige das Verhör und laß mich die Bilder betrachten." Zur Tischzeit kam Sir Victor, er sah bleich und angegriffen aus. Alle Fragen der Tante über die Familie Drexel beantwortete er so kuiz wie möglich. „Bist Du krank, Victor?" fragte die Tante ängstlich. „Krank? Nein, sei unbesorgt, mir fehlt nichts." „Aber Du bist bleich und schweigsam und issest nicht." „Morgen will ich Dir alles sagen, verschone mich bis dahin." Sie ahnte nicht die Wahrheit und drang nicht weiter in ihn. Edith war in heiterer Laune. An „morgen" wollte sie nicht denken. Heute war sie noch frei, morgen konnte sie bereits gebunden sein, Fesseln, wenn auch goldne, tragen. Sie spielte Schach mit Sir Victor, seine Hand bebte, die ihre war fest. Hauptmann Hammond bat um ein schottisches Lied. „Singe: „Und Karl ist mein Geliebter", sagte Trixy boshaft, „das ist ja doch Dein Lieblingslied." Rudolf saß auf einem Sopha daneben. »Ja, singe es, Dithy, Du hast es schon lange nicht mehr gesungen." „Und ich werde es auch nie mehr singen", lachte sie, „man wird der alten Lieder so bald müde." Sie sang es in neckischer Weise, und Sir Victor trank jeden Ton von ihren Lippen. Nachdem sie sich in ihr Zimmer begeben, setzte sich Edith an's Fenster und sann und sann. Sollte sie Sir Victor heirathen? Sie liebt ihn nicht, würde ihn vielleicht nie lieben. Ihr ganzes Herz gehört Rudolf. Wenn sie den Baron heirathete, besaß sie Reichthum und Rang, ein herrliches Leben, alle Freuden des Daseins. Sie liebte Vergnügen, Luxus und Rang. Liebe — nun, Sir Victor liebte sie, und für eine Frau ist es immer besser geliebt zu werden, als zu lieben. Auf der andern Seite konnte sie Rudolfs Weib werden, eine Zeit lang selig sein und dann arm — ihr ganzes Leben lang. Sein Vater würde ihn verstoßen, er müßte arbeiten, und die alte Geschichte jvon Armuth und Entbehrung begänne von Neuem. Schaudernd wandte sie sich von dem Bilde. Sie wollte nicht ihr und Rudolfs Leben verderben, und wenn auch ihr Herz bräche. An ihrem Verlobungstag aber mußte sie Rudolf auf immer entsagen. Ihr Wort mußte rein und unbefleckt erhalten bleiben, und Rudolf und sie durfte nicht mehr ein Haus beherbergen. Sie suchte sich vorzustellen, was das Leben sein würde ohne ihn. Es war ihr, als dächte sie keine Zeit wo er ihr nicht gehörte. Und jetzt sollte sie ihn auf immer aufgeben! Sie erhob sich und ging zur Ruhe, sie wollte nicht mehr denken, sondern schlafen, vergessen. Als sie erwachte, vergoldete die Sonne ihr Zimmer und sie sprang klopfenden Herzens auf. Sir Victor Chateron hatte um sie geworben, der Zweifel, das Zögern war vorüber. Sie sang beim Ankleiden und begab sich dann in den Garten. Eine wohlbekannte Gestalt schritt dort rastlos auf und nieder. Ein Blick in des Mädchens lächelndes Gesicht genügte. „Ich komme um meine Antwort, Fräulein." „Ich möchte Ihnen eine Freude machen, Sir Victor, was soll ich thun?" „Mir Jawort geben,Edith, o — sagen Sie nicht nein." Sie blickte ihn so frei und offen an, wie Mädchen in solchen Momenten wohl nie dem geliebten Manne in die Augen sehen, und legte die kleine Hand in die seine. „Wenn Sie es so sehr wünschen, so geschehe Ihr Wille, ja, ich nehme Ihre Werbung an." (Fortsetzung folgt.) 539 Die künstliche Seide. Von Dr. Julius Thilo (Mühlheim a. M.). Ein großer Theil der technischen Bestrebungen ist darauf gerichtete, Produkte, die von der Natur geliefert werden und die einen großen Masscnkonsum haben, entweder direkt der Natur nachzuahmen oder, wenn das nicht geht, durch irgend ein anderes Kunstprodukt von annähernd gleichen Eigenschaften, wenn auch nicht gle cher Zusammensetzung wie das Naturprodukt, zu ersetzen. Natürlich haben solche Bestrebungen nur dann Zweck und Erfolg, wenn es gelingt, das Kunstprodukt billiger zu fabriziren, als das Naturei zeugniß sich stellt, und zwar muß die Preisdifferenz um so wesentlicher sein, je mehr das Erstere in seinen Eigenschaften gegen das Letztere abfällt. Als ein industriell sehr bedeutsamer Versuch in dieser Richtung ist die Industrie der künstlichen Seide Verbindung der drei Elemente Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, die die Salpetersäure bilden, eine aus Stickstoff und Sauerstoff bestehende Gruppe heraustritt und sich mit dem Glycerin verbindet. Diese Atomgruppe, die nicht blos dem Glycerin, sondern auch vielen anderen Substanzen bei ihrem Eintritt in dieselben gefährlich explosive Wirkungen ertheilt, heißt die „Nitrogruppe" (van Nitron, der Salpeter), und die chemische Thätigkeit des Einführens dieser Niliogruppe heißt „Nitriren". Der Holzstoff, die Cellulose, bietet nun für die Nitro- gruppe ein weites Operationsfeld. Die Cellulose kann stärker und schwächer nitrirt werden, je nachdem mehr oder weniger Nitrogruppen in dieselbe eintreten. Von einer gewissen Anzahl derselben an gewinnt nun die Cellulose explosive Eigenschaften, und zwar von so starker Natur, daß die entstehenden Körper wahre Sprengstoffe sind; die st u - - GadUngen. Original-Ausnahme von Gustav Baader, Photograph in Krumbach. sVervielsältigungsrecht vorbehalten.) zu betrachten, die seit einiaen Jahren besteht und wie es scheint vom Erfolg begünstigt ist. Im Prinzip beruht die Herstellung der künstlichen Seide etwa in Folgendem: Sie stellt sich nicht als eine Nachahmung der natürlichen Seide dar, sondern als ein Ersatz derselben; ihre chemische Beschaffenleit ist eine ganz andere als die der Naturseide. Die Cellulose oder der Holzstoff spielt eine sehr große Rolle im Haushalt der Natur und in der Technik; das Holz, die Baumwolle, das Papier bestehen im Wesentlichen aus Cellulose. Nun hat die Cellulose die für die Verwendung äußerst wichtige Eigenschaft, daß sie „nitrirt" werden kann. Der Charakter des „Nitrirens" sei an einem Beispiel geschildert: Das Glycerin, diese harmlose, ölige Flüssigkeit, wird, wenn es mit Salpetersäure in Wirkung tritt, zu dem Nitroglycerin, jenem bekannten furchtbaren Sprengstoff. Das geht so zu, daß aus der Schießbaumwolle, die auch den Hauptbestandtheil des rauchlosen Pulvers bildet, ist eine nitricte Cellulose. Die Nitrocellulose löst sich in einem Gemisch von Alkohol und Aether leicht auf, eine Lösung, welche in der Medizin und Photographie viel unter dem Namen „Col- lodium" verwendet wird. Die künstliche Seide ist nun eine nitrirte Cellulose, der nachher, um die Explosivität herabzumindern, der größte Theil der eingetretenen Nitrogruppen wieder entzogen wird. Der erste Erfinder der künstlichen Seide ist der Franzose Chardonnet, der zum ersten Mal auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1889 sein Produkt einem größeren Kreise vorführte. Als Cellulose-Material benutzte man zuerst Baumwolle; später aber gereinigten Holzstoff. Diese Cellulose wird affo mit einer Mischung von Salpetersäure und Schwefelsäure (die Letztere dient 540 nur zur Verdünnung der Salpetersäure), nitrirt und die entstandene Nitroccllulose in Alkohol-Aether-Mischung gelöst. Diese Lösung wird sodann in ein von Wasser um- spültes Rohr und von diesem in die sogenannten Fadenbilder gedrückt; diese Fadenbilder sind ebenfalls Röhren, die an das Hauptrohr angesetzt sind und eine sehr feine kapillare Oeffnung haben. Um die Oeffnung dieser Fadenbilder herum cirkulirt nun fortwährend Wasser, so daß der herausgepreßte Strahl von Collodium sofort ins Wasser fließt, dort erstarrt und seinen Alkohol und Aether ans Wasser abgibt. Die auf diese Weise erzeugte» Fäden können nun wie gewöhnliche Seide gespult werden. Ihrem chemischen Charakter nach leiden dieselben aber natürlich noch an zu großer Entzündlichkeit; sie verpuffen schnell, wenn sie an eine Flamme gebracht werden. Die künstliche Seide wird deshalb „denitrirt", d. h. es wird ihr der größte Theil ihrer Nitrogruppen entzogen und damit ihre Explosivität so weit herabgemindert, daß sie nicht entzündlicher als gewöhnliche Baumwolle wird. Die Mittel hierzu sind verschiedene. Es genügt auch schon kaltes Wasser, gewöhnlich aber wird das Produkt in einem Bade, welches Essigsäure und Schwefelverbindungen oder auch verdünnte Salpetersäure enthält, denitrirt. Die weitere Behandlung ist nun die der natürlichen Seide. Die Chardonnet'sche künstliche Seide, welche, wenn auch noch in geringem Maße, in Deutschland Verwendung findet, ist ein stark glänzendes, grauweißes Gespinnst; im Gefühl ist sie nicht so weich wie Seide. Sie hat auch sonst noch einige wesentliche Eigenschaften, in denen sie erheblich hinter der Naturseide zurücksteht. Zunächst ist ihre Festigkeit bedeutend geringer; auch ihre Elastizität soll der der Naturseide nachstehen, sie zieht auch noch stärker Wasser aus der Luft an und ist endlich in ihrem spezifischen Gewicht um 13 pCt. höher als die natürliche Seide. Verschieden sind die Urtheile über ihr Verhalten beim Färben. Während sie nach einigen Mittheilungen sich ebenso gut färben lasse wie Naturseide, verliert nach anderen fachmännischen Urtheilen der Faden beim Benetzen völlig seine Stärke und wird so schwach, daß er nur mit größter Vorsicht bearbeitet werden kann, und daß das Färben nur sehr geschickten Händen anvertraut werden darf. Die Industrie der künstlichen Seide ist in Frankreich bereits auf großem Fuße ausgebildet, und es wird sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen müssen, ob sie geeignet ist, für zahlreiche Verwendungsarten die Naturseide zu verdrängen oder nicht. -- Zu unseren Bildern. Unter und Mutter zugleich. Noch nicht gar lange ist es her, dah man die treubesorgte, gute Mutter nach schwerer, hoffnungsloser Krankheit hinausgetragen hat auf den Ruheplatz der Todten. Die ungewohnten Anstrengungen, welche ihre Krankheit den schwachen schultern der jugendlichen Tochter aufgebürdet, die schlaflosen Nächte, welche dieselbe am Bette der theuren Kranken zugebracht, der ununterbrochene Aufenthalt in der dumdfen Luft der Krankenstube und schließlich der namenlose Schmerz über den unersetzlichen Verlust, haben sie selbst aufs Krankenlager hingestreckt. Der Vater, mehr gewohnt, im wilden Wintersturme draußen des Waldes unwirsche Gesellen zu fällen, als zarte, kranke Pflänzlein zu Legen und zu pflegen, reicht ihr besorgt in das Auge blickend, aus dem ihm das Bild der Mutter entgegen- strahlt, mit schwieliger Hand die kühlende Milch. Er ist jetzt Vater und Mutter zugleich und wird es dem theuren Kinde, dem einzigen Kleinod, das ihm noch geblieben, an nichts fehlen lassen, bis es wieder gesund geworden, die Stelle der Hausfrau übernehmen und ihm seine Liebe vergelten kann. Gadltngen. In Nr. 39 des Unterhaltungsbl. vom Jahre 1896 gaben wir ein Bild von Gablingen mit geschichtlichen Notizen, auf welche wir auch für das vorstehende sehr gelungene Bild verweisen. -- Goldköruer. Es gibt nur ein Glück: die Pflicht! ^ Nur einen Trost: die Arbeit! Nur einen Genuß: das Schöne! Carmen Sylva. InßsnnLz.ßiOna.Iss IViSistzSt'-l'tit'nisr' in AinrnlkvrK. Wir theilen hiermit 6is äritts Dartie aus äiessm Nsistsr- lurniere mit. (Kaehäruclc verboten, 6a äas Recht 6er Dubli- eation von äsm 8chacheluh Kurnber" vorbehalten rvuräe. D.R.) III. (Zebluss.) Italienische lÜrötknunA. IV siss: 4Il>in (Oesterreich). 8 e b rv a r r: OllUI 0 N 8 kK (Ungarn). dL rS Weiss: 41h >» (Oesterreich). 8 chrvarr: Oliuronzek (Dnoarn.) i s 2 —e4 s7—eS 18 e4x15 D. e 8 X 1 o 2 8 . 8 . l> 8 —e 6 19 8 . 27 D. 17—e4 1. H6-16 ll 8 . b>-cI 2 e7 —«6 ^28 1 . äl—c16 §7 —06 !2 D. e3>6 15 I. 11 —sl L. x 8 —b 8 32 8 . §5—e 6 8 . 16—Ii5 16 8 . 62-11 17—15 33 D. e2—e4 aulosLehon. 17 8 . 11 -B 8 . H5—14 *) Kleine Roehaäs. KnmsrlcunA. Diese Dartis ist bis in äis kleinsten Details ant 6as exakteste änrobgelührt. K. Dolmann. Lohrvare am 8u^s. 480DDDS8 Weiss. LtellunA nach äsn, 22. 2m^e von Weiss.