« 79 1896. „Augsburger PostMung". Vtustaz, den 22. September Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg lVorbefitzer vr. Max Huttlerl. Ein furchtbares Geheimniß. Dem amerikanischen Originale der Mrs. Mary Agnes Flemming nacherzählt von LinaFreifrau v.Berlepsch. (Fortsetzung.) 6. Kapitel. Der Tragödie Schluß. Als Lady Helena eine Stunde später leise eintrat, fand sie des Kranken schwaches Haupt in den Armen der Knieenden, ihr Antlitz verborgen und naß von Thränen. Ein Blick in sein strahlendes Antlitz sagte ihr Alles. Die Verhältnisse waren mitgetheilt und vergeben. Ein Jahr nach der Trauung waren die Beiden endlich vereint. Es bedurfte keiner Worte. Die Tante küßte Beide. „Es ist spät geworden, Edith, und Duwirstmüdesetn", sprach sie, „begib Dich nun zur Ruhe, ich will bei Victor wachen." Aber Edith schmiegte sich nur um so inniger an ihn und sah flehend auf. „Nein, ich bin nicht müde und will ihn nie wieder verlassen. O Tante, warum wußte ich nicht früher Alles, warum kannte ich Sir Victor nicht! Wie unfreundlich war ich gegen ihn, ach, und er litt für mich! Wenn er stürbe, käme ich mir vor wie eine Mörderin." Ihre Stimme erstickte in Thränen; sie hatte ihn gehaßt, seinen Tod gewünscht, und all' die Zeit opferte er sein Leben für sie. „O, lass' mich bei Dir bleiben, Victor", bat sie wieder, „schicke mich nicht fort. Wir waren lange genug getrennt, lass' uns nun vereint bleiben." Mühevoll zog er ihre Hand an seine Lippen und lächelte selig. „Sie spricht, als ob sie mich fast liebe." „Dich lieben! O Victor, hätte ich doch Alles gewußt!" „Und wenn ich gewagt hätte, Dir Alles zu sagen, wärest Du nicht vor wir, wie vor einem Ungeheuer zurückgeschreckt, wärest Du bei mir geblieben?" „Hätte ich gewußt, wieDeinVater Deine Mutter ge- tödtet, wie seinWahn auf Dich übergegangen, so hätte ich Dich von Herzen bedauert und in Folge dessen geliebt. Ich hätte Dich nie verlassen, nie gefürchtet, und was Du scheutest, wäre nie eingetroffen." „Glaubst Du das?" „Ich weiß und fühle es. Du hättest dagegen gekämpft, ich hätte es nicht gefürchtet, und mit der Zeit wäre die fixe Idee verschwunden. Du bist von Naiur abergläubisch und krankhaft erregt. Die absurde Pro- phezeihung, die grause Geschichte und des Vaters Warnung waren zu viel für Dich allein. Hättest Du es mir gesagt, so wären die hypochondrischen Ideen halb getheilt gewesen. Ich hätte Dich nie verlassen, uno Du hättest mir nie ein Haar gekrümmt." Ihr fester Ton schien ihn zu überzeugen, sein Gesicht überschattete sich. „So war Alles umsonst, all' die Leiden und Opfer, Prinz Feräinnnä von Konrbon unä seine Verlobte, Prinzessin Marin von Kagern. , > ' 602 all' die schrecklichen Monate der Trennung", sprach er betäubt. Wieder nahte sich die Tante. „Du mußt nun gehen, Edith, wenn Du da bleibst, schläft er keine Minute, und wer steht dann für die Folgen? Sage ihr, Victor, daß sie Dich verlassen müsse, sie wird Dir gehorchen." Er sah, daß die Tante recht hatte. „Geh' auf ein paar Stunden", flüsterte er schwach, „wir bedürfen der Ruhe, und ich habe Dich dann morgen den ganzen Tag." „Gute Nacht", flüsterte sie, ihn küssend, „o, daß das Lebenselixir keine Fabel, die Zeit der Wunder nicht vorüber wäre. Wie glücklich wären wir, wenn er genäse I" Edith begab sich in ihr Zimmer. Mit welch' anderen Gedanken betrat sie es jetzt. Wohl erinnerte sie sich noch der Nacht vor zwölf Monaten, wo sie Abschied genommen von Rudolfs Bild und Briefen und auf die Morgenröthe des Trauungstages gewartet hatte. Als sie am Morgen erwachte, war ihr erster Gedanke: „Lebt Victor?" Sie läutete. Jnez erschien selbst. „Ich weiß, was Sie zu wissen wünschen", sprach sie herzlich, „ja, er lebt, ist aber sehr schwach. Die Erregung und Freude der letzten Nacht waren zu viel für ihn. Und er gedenkt noch des Jahrestages." Edith wandte sich ab, das Herz voll Pein. „Hatte ich es nur gewußt", rief sie schmerzlich, „wenn Sie, wenn er es mir gesagt, Alles wäre gut gewesen." „Ich glaube es nun selbst; Sie sind so stark und wüthig und hätten ihm diese Gefühle eingeflößt. Jetzt aber ist es zu spät, und wir können ihn nur glücklich machen, so lange wir ihn noch haben." „Zu spät! Zu spät!" widerhallte es trostlos in Edith's Herz. Sie war so nahe daran, den Gatten zu lieben. Sobald sie angekleidet war, eilte sie ins Krankenzimmer. Victor lag bleicher als das Linnen in seinem Kissen. Jetzt erst bemerkte sie die geisterhafte Blässe, sah, daß sein Haar mit Grau gemischt war, daß in seinem Gesicht die Anzeichen der nahen Auflösung sichtbar wurden. Er athmete schwer. Die ganze Nacht hatte er an Herzkrämpfen gelitten. Der Schmerz war vorüber, aber er war erschöpft, vom Eis des Todes angehaucht. So lag er, das Wrack des edlen, hoffnungsvollen, schönen Mannes, den sie vor einem Jahre geheirathet, und doch umspielte das alte Lächeln seine Züge, als er sie erblickte. Unfähig zu sprechen vor innerer Bewegung, setzte sie sich an seine Seite. Er bat sie, ihm Alles mitzutheilen, was sie erlebt seit jenem verhängnißvollen Tag, da er sie verlassen. Sie entsprach dem Wunsche, erzählte ihm, wie es ihr ergangen von der Flucht von Powys Place nach Chateron Royals. Die Schattenseite ließ sie ziemlich unberührt, aber er verstand sie und wußte, wie ihr Stolz gelitten und geblutet hatte. „Ich dachte nicht, daß Du so handeln würdest", flüsterte er, „aber ich hätte Dich besser kennen sollen. Meiner Absicht entsprechend, wärest Du bei Tante Helena geblieben und hättest genommen, was Dir gebührte; als ich von Deiner Flucht hörte, war ich wie betäubt und suchte Dich überall. Weißt Du, daß ich in Amerika war?" „Jnez sagte eS mir." „Ich konnte aber weder Deinen Vater, noch die Familie Stuart ausfindig machen. Dich selbst sah ich zufällig in Madame Mirabeau's Laden, und es war meine letzte Hoffnung, als ich Jnez zu Dir sandte. Sie litt Schiffbruch, und das war am schwersten zu ertragen." „O, daß ich's gewußt hätte!" „Ja, das war der Fehler; mit Deinem Stolz konntest Du nicht anders handeln, und doch gefällt mir Dein Wesen. Ich sehe Dich im Geiste als eines edlen Mannes glückliche Gattin; lass' dann aber nicht den Stolz zwischen Dich und Deine Zukunft treten. Edith, ich werde friedlicher im Grabe ruhen, wenn ich auf Erden Dich glücklich weiß." „O, Victor, Deine Güte bricht mir das Herz." „Um eins aber muß ich Dich bitten, Edith, willst Du mir es gewähren?" „Könnte ich Dir's versagen?" „Versprich mir, daß Du nach meinem Tode nimmst, was Dir gebührt. Kein falscher Stolz soll Sir Victor Chaterons Wittwe beeinflussen. Juan Chateron ist mit einer Creolin verheirathet und lebt gebessert auf der Insel Martinique. Er erbt gesetzlich den Titel Chateron Royals und dessen Revenuen. Das Uebrige gehört Dir. Meiner Großmutter bedeutendes Vermögen ist Dir testamentarisch gesichert, und es ist mein letzter Wunsch und Befehl, daß Du Alles ohne Zögern annimmst, auf daß ich Dich ruhig verlassen kann. Versprich es mir, Edith." „Ich verspreche es", flüsterte sie. Er sammelte glühende Kohlen auf ihr Haupt. Langes Schweigen folgte. Er lag mit geschlossenen Augen, erschöpft, aber glückselig. Des Todes Bitterkeit war vorübergegangen, er hatte heiligen Frieden. An der Seite des geliebten Weibes mochte er ruhig sterben, denn er wußte, daß in ihrem Herzen nur Liebe wohnte und Vergebung, daß sie einst glücklich sein würde. Edith verließ ihn keinen Moment. Tante Helena und Jnez theilten gelegentlich ihre Wache, sie alle sahen, daß das Ende nahte. „Lies mir vor", sprach er zu Edith während deS Tages. Sie las über des Lebeus Leiden und Versuchungen: „Aber das Ende wird kommen und alle Thränen sollen getrocknet werden, und es soll nicht mehr sein Trauer noch Schmerz. Danket dem Herrn für die Auflösung." Er sah sie begeistert an; ihre Stimme brach, sie legte das Buch weg. Als der Sonnenuntergang das Fenster vergoldete, erwachte er und blickte hinaus in die purpurne Gegend. „Oeffne das Fenster, Edith, ich möchte noch einmal des Tagesgestirnes Sinken sehen." Ambrosisches Licht durchstrahlte das Zimmer, wie des Paradieses Pforten leuchtete der Horizont. „Herrlich! O, wenn die Erde schon so schön ist, wie göttlich muß der Himmel sein!" Und leise wiederholte er die Worte, die sie gelesen: „Und es soll nimmer sein weder Trauer noch Klage noch Pein." Er athmete tief auf. „Du bist bleich, Edith, geh' ein Weilchen ins Freie, Du magst mich ruhig verlassen." Sie küßte ihn und ging. Ihr ganzes Leben war sie froh, daß sie mit einem Kusse von ihm geschieden. Sie ging hinab in den Garten und blieb etwa fünfzehn Mi- 603 nuten. Allmälig erlosch im Westen die Abendröthe, bleich blickte der Mond auf die ruhende Erde. Sie kehrte zurück. Noch lag er, wie sie ihn verlassen, und sie glaubte ihn schlafend. Sie beugte sich über ihn tiefer und tiefer. „Und das Ende wird kommen und es soll nimmer sein weder Trauer, noch Klage, noch Pein!" Ein Schrei durchzitterte die Luft, gequälter Wittwen- brust entrungen. Auf die Kniee sank sie neben dem Lager deS Todten. Eine Stunde später erklang vom Thurme in Ches- holm dumpf die Todtenglocke; sie klagte um Sir Victor Chateron, der zu früh zu den Vätern geschieden. 7. Kapitel. Zwei Jahre später. Ein schönes Schiff dampfte an einem Augustnachmittage Majestätisch hinaus in die offeneSee. Alle Kajüten waren gefüllt, alle Länder schienen vertreten. Man lernte sich kennen. Eine dunkle, schöne Dame in Wittwentracht erregte allgemeines Interesse. Auf der Passagierliste stand sie als Lady Chateron, eine reiche, adelige Engländerin, mit Dienerschaft. Die Zofe erzähltenach Weiberart so viel sie wußte. Lady Chateron war seit zwei Jahren Wittwe des verstorbenen Sir VictorChate- ron, der im ersten Jahre ihres ehelichen Lebens starb und ihr einen unendlichen Reichthum hinterließ. Mehr wußte Sarah Betty nicht, sie war erst in London engagirt H worden, um mit Lady Chate-' ron auf dem Continent zu reisen. Nun begebe sich diese nach Amerika, weshalb, wisse sie nicht. Allüberall wurde die Dame bewundert, aber sie schien kalt wie Marmor, stolz und gleich- giltig gegen Alles. Die Gesellschaft besuchte sie nicht, der Verlust ihres Gatten habe ihr das Herz gebrochen. Das war Betiy's Geschichte; der Bediente war ein würdiger, schweigsamer Mann, den man unmöglich fragen konnte. Er machte keine Mittheilungen, man mußte mit den Nachrichten der Zofe sich begnügen. So wurde Lady Chateron an Bord die Heldin des Tages. Sie machte keine Bekanntschaften. Ihr Schweigen aber konnte man kaum auf Rechnung des Stolzes setzen. Noch vor Ende der Reise war sie oft bet den Zwischendeckpassagieren, spendete reiche Gaben und wurde von Segenswünschen begleitet. Gewiß nicht Stolz — die tiefen, unergründlichen Augen waren so wunderbar weich — und doch hatte sie etwas so Unnahbares, daß Niemand ihr zu nah zu treten wagte. Vom Anfang an war Lady Chateron interessant und geheimnißvoll und blieb es bis zum Ende. Ja, es war Edith — Edith, die nach Hause ging. Ihr Vater sehnte sich nach seinem Kinde. Hoffte sie noch andere Freunde zu sehen? Je näher sie Amerika kam, desto heftiger schlug ihr Herz; sie wurde ruhelos. Sie erreichte New-Iork, und schon am folgenden Tage reiste Lady Chateron ohne alle Begleitung nach Sandypoint. In der Dämmerung eines Augusttages betrat sie das Hcimathstädtchen und schritt langsam durch dessen Straßen. Vor drei Jahren hatte sie es verlassen, ein glückliches, hoffnungsvolles Mädchen von achtzehn Jahren, als einsame, trauernde Wittwe kehrte sie nun zurück. Wie verändert war Alles, und doch so bekannt! Hier waren die Läden, in die sie zu gehen pflegte, um Einkäufe für den Familienbedarf zu machen. Hier dehnte sich die lachende See aus, auf der Rudolf und sie zu schiffen pflegten. Dort lag die Wiese, auf der sie in jener Nacht sein Leben gerettet. Wäre es nicht besser gewesen, wenn damals Beide gestorben? Da war das Riff, wo er ihr unter strömendem Regen seiner Mutter Brief gegeben, worauf ihr Leben neu zu beginnen schien, dort die Thür, an deren Schwelle er gesagt: „Was auch immer die Zukunft Dir bringe, mich darfst Du nicht tadeln." Und sie tadelte ihn nicht. Das Glück des Lebens war vor ihr gelegen, sie hatte es von sich gestoßen. Die Thüre öffnete sich, und ein ältlicherMann trat heraus. Mit einemAufschrei derFreude lag sie in des Vaters Armen. Sie blieb eine Woche; wie bekannt schien ihr Alles und doch so fremd. DieKinder lärmender denn je; der Vater grauer, stirngefurchter; die Stiefmutter immer gleich sauertöpfisch, doch gegen sie höchst willfährig. Die Leute, die sie kannten, kamen sie zu sehen, oder starrten sie von Weitem an. Eine Zeitlang unterhielt sie das, dann überkam sie die alte Ruhelosigkeit und Sandypoint war, selbst um des Vaters willen, nicht mehr zu ertragen. Sie wollte in die Metropole zurückkehren, im Gewoge der Menschen würde sie Ruhe finden, hoffte sie. Und so ging sie, nachdem sie den Vater der materiellen Sorgen für die Zukunft für immer überhoben hatte. Die Zeit verstrich; sie traf alte Bekannte, von der Familie Stuart aber vermochte sie nichts zu erfahren. Sie war verschwunden, und Edith begann sich nach England zurückzusehnen, zu Tante Helena und Jnez, mit welchen sie ein behagliches Stillleben zu führen und zu vergessen suchen wollte. Vor ihrer Abreise machte sie noch einige Einkäufe. Sie betrat ein Magazin am Broadway und verlangte schwarzen Seidensammt zu sehen. Der junge Mann, der WWM MWWDtztz Prinz Max, Herzog zu Sachsen 604 sich zu ihrer Bedienung genähert, antwortete nicht, sie blickte auf und erkannte — Rudolf Stuart. (Schluß folgt.) .- Wacht in Uom Das Abendroth ist still verglühet, Verklungen längst der Glockenton, Der Römerherzen aufgefordert Zum Gruß der Mutter mit dem Sohn. Und leise nun hat sich gesenket Die Nacht herab auf's ew'ge Rom, Ich stehe sinnend hier am Fenster Und schaue nach St. Peters Dom. Da steht der hohe Riesenwächter, Die Hallen meines Gott und Herrn, In gold'nem Schimmer ihn beleuchtet Vom Himmel friedlich Stern bei Stern. Nun schau' ich hin zum Vatikane, Dort strahlet noch ein kleines Licht — Der Völkerhirt — der große Leo — Er wachet noch — er schlummert nicht. O vor Mariens reinem Bilde Er kniet jetzt noch vielleicht und fleht, Und himmelwärts die Engel tragen Für Christi Heerdc sein Gebet. Wir schlummern friedlich, und in Müben Der Hirte betend für uns wachr, Gruß dir, du treubesorgter Hirte, O heil'ger Vater, gute Nacht! Rom. Robertus, 8. v. 8. --vSSiSOVS—- Grönenbach. (Mit Illustration.) ' -—^Nachdruck verboten.) Die erste geschichtlich bekannte Erwähnung von Grönenbach, welches an einem subalpinen Hügel anmuthig erbaut ist, geht ins 8. Jahrhundert zurück, indem ein gewisser Gottschalk von Grönenbach im Kampfeder Schwaben gegen die Franken anno 727 gefallen ist. Die erste freiherrliche Familie in Grönenbach nannte sich bald nach Wolfertschwenden, Ochsenhausen und Grönenbach. Länger blühte die Linie von Grönenbach. Zu ihren letzten noch bekannten Gliedern gehören Volpert und Hatto; dieser bezeugte die Stiftung des Klosters Ochsenhausen 1099 und war auch Zeuge der bischöflichen Bestätigung des Klosters Ursberg 1130. Noch 1152 schenkte Ruppert von Grönenbach die „Jttelsburg" bei Grönenbach an Ottobeuren und gleichzeitig 1150 der edle Bertholt» von Grönenbach als Pfarrer daselbst ein Gut mit 9 Huben in Niederdorf an dasselbe Kloster. Das die Schicksale Grönenbachs bestimmende Geschlecht waren aber die Herrn von Rotenstein und ihre Erben, die Marschälle von Pappenheim, indem dieselben die bedeutendste Herrschaft innerhalb der Graf- schaft Kemplen, die gegen Kempten lehnbare Burg Rotenstein, innehatten. Schon frühe kamen nämlich auf unbekanntem Wege die Gemeinden Grönenbach, Zell und Woringen, welch letzteres 1414 für immer den Rotensteinern verloren ging, an dieses Rittergeschlecht. Auch Grönenbach war denselben einige Zeit entfremdet, denn es fiel erblich an Hans Rizner von Mem- hölz und kam von diesem an Hans Sürgen, geboren zu Vöhringen, welcher das Schloß und die Herrschaft Grönenbach an Conrad und Ulrich von Rotenstein verkaufte. 1460 besaßen Rotenstein Thomas und dessen Gemahlin von Crivelly, Grönenbach aber Ludwig von Rotenstein und dessen Gemahlin Utta von Hirnheim; beide waren ohne Leibes-Erben. Umsomehr aber lebten dieselben durch ihren frommen Sinn in Grönenbach fort. Nachdem nämlich vom Bischof Walther von Augsburg 1136 die herrlich auf einem Berge gelegene Pfarrkirche zu Ehren der hl. Apostel Philippus und Jacobus geweiht worden, wurde dieselbe von Ludwig v. Rotenstein 1479 zum Stiftscollegium mit reicher Dotation erhoben. „Ich, Ludwig v. Rotenstein, zu Leostein Ritter, will nach reifer Bedenkung, daß nichts gewisser als der Tod und daß nach demselben nichts folgt als die guten Werke, daß die genannte Pfarrkirche mit allen Nutzen, Gilden und Renten zu einem Stift und Collegtat gemacht werde. Der Decan soll mit den 12 Chorherrn bei einander in dem aufgebauten Stifte wohnen, bet einander essen, in einer Stube, an einem Tische, einer Tafel und aus einem Hafen, während der Lector vorliest. Sie sollen aus ihnen einen Schaffner wählen, der ihnen über Einnahmen und Ausgaben Rechnung thut; sie mögen einen Heiligpfleger setzen, der ihnen jährlich treulich Rechnung macht, die Kirch mit Glocken und allem Nothdürftigen und Zierde hält. . . Im Spital und in dem Schloß, wenn in demselben eine Kapelle ist, soll alle Tage Messe gelesen werden. . . Ich habe an Obgenannte Pfarrer gegeben: Gilden, Zehnten u. Renten rc., so meine Hausfrau Utta von Hirnheim gereicht und gestiftet. Ich gib an das Stift das Panholz mit all seiner Weide und das Holz im Hirschstall ..." An diese hochherzige Stiftung erinnert noch daS Doppelwappen an der Nordseite des großen Pfarrhauses. Desgleichen verdankt das frühere Spital sammt Kirche zum hl. Geiste, sowie das Frühmeßbenefizium in Altusried den genannten frommen Edelleuten ihre Entstehung, deren Andenken in dem schönen Grabsteine in der Pfarrkirche mit der Inschrift erhalten wird: ,,^rmo ävvaini 1482 am 8. Tag Mai starb der edle Herr Ludwig v. Rotenstein und Leostein Ritter, Stifter dieses würdigen Stiftes, Unno äonainl 1501 am 15. Tag April starb die edle Frau Utta von Hürnheim, sein Hausfrau. Den Gott gnad." Bon der einzigen Schwester Ludwigs, nämlich Corona, die letzte dieses Stammes, kam nun durch Heirath mit Haupt von Pappenheim und Erbeinsetzung die Herrschaft an die pappenheimische Linie. Aus dieser Ehe entsproß ihr einziger Sohn Alexander, unter dessen Befehle die schwäbischen Reichsstädte ihre Truppen nach Flandern sandten, um den 1488 in die Gefangenschaft seiner untreuen Bürger in Brügge gerathenen Kaiser Maximilian zu befreien. — Einer seiner vier Söhne, nämlich Wilhelm, vergröberte den pappenheimischen Besitz durch Ankauf von Jttelsburg. Dieses Dorf bildete nämlich mit der gleichnamigen Burg eine eigene, vom Stifte Kempten lehnbare Herrschaft, die den Herren von Jttelsburg gehörte, von diesen an das Kloster Ottobeuren kam, 1354 von Berchtold von Jttelsburg wieder ausgelöst wurde, 1400 an Franz v. Wauler fiel, sodann 1406 wieder an Ottobeuren verkauft und 1410 an Hug Gerwig von Rotenstein zu Albrechts veräußert wurde. Die Rotensteiner verkauften aber bald Jttelsburg an Conrad Leulkircher von M zier letzte Mit. Nach dem Gemälde von G. Urlaub 606 Memmingen, von welchem dasselbe an den Mitbürger Zwicker kam; Hans Zwicker erbaute auf der sogenannten Heidelburg eine neue Feste Jttelsburg, die aber schon 1457 von den Kemptern gebrochen wurde. Von den Erben dieses Zwicker, an dessen Herrschaft ein noch vorhandener Meßkelch mit Wappen in der Ftlialkirche erinnert, kaufte Dorf und Gericht Jttelsburg 1496 der genannte Wilhelm Pappenhetm. In der auf einem Hügelausläufer gelegenen Burg,Falken' behauptete sich der Woringer Zweig der Roten- steiner bis ins 15. Jahrhundert, wornach sie an Memminger Bürger veräußert, von Heinrich von Notenstein 1492 aber zurückgekauft und neu auferbaut wurde. 1558 starb Herr Wolf von Pappenheim, von welchem in der Pfarrkirche ein sehr gut erhaltenes Grabdenkmal erhalten ist, als des hl. römischen Reiches Erbmarschall noch gut katholisch. Er hinterließ 3 Söhne, nämlich Alexander, Philipp und Christoph, welche das hl. Land besuchen wollten. Zwei davon, Philipp und Christoph, haben aber ihren Entschluß in Venedig geändert und gingen in der Schweiz zur reformirten Kirche über. Philippus kam mit einem im Handel verunglückten Eisenkrämer aus Basel nach Grönenbach und brachte in und um Grönenbach seine Unterthanen nach dem in jener Zeit allgemein üblichen Grundsätze „vujua i6§io, ajua reli^io" d. h. daß der Unterthan dem Glauben seines Herrn folgen müsse, zu seinem reformirten Bekenntnisse und sicherte dieses dadurch, daß er nach langen Streitigkeiten mit der katholischen Linie seines Hauses zu Grönenbach 1577 eine Theilung des Vermögens des schon 1550 bis auf den Decan und einen Chorherrn zusammengeschrumpften Stiftes durchsetzte. Jeder der beiden Theile durfte un- genirt vom Andern zur Versetzung seiner Religion und des Gottesdienstes Personen annehmen, und zwar Alexander drei katholische Priester, zwei Alumnen, einen Schullchrer und Meßner, Philipp einen Prädicanten und Lehrer. Jeder katholische Priester soll 104 fl., der reformirte Prädicant und Lehrer zusammen 216 fl. und 24 Klafter Holz erhalten. Die Stiftskirche diente zugleich dem katholischen und reformirten Gottesdienste. Weßhalb das Stift Kempten, dem die Lehenshoheit und die hohen Gerichte über Grönenbach zustanden, nicht gegen das Eindringen der damals im Reiche noch nicht anerkannten reformirten Religion sofort Gegenmaßregeln ergriffen hat, bemerkt Dr. Baumann, bleibt räthselhaft; erst nach dem 1619 eingetretenn Tode des Marschalls Philipp, der in seinem Testamente 1613 die Erhaltung seines Glaubens in seiner Herrschaft seinen Erben eingebunden hatte, gingen der Fürstabt von Kempten und der Bischof von Augsburg, denen der Kaiser 1601 den Schirm über das Stift eigens anbefohlen hatte, gegen das reformirte Bekenntniß daselbst vor, vermochten aber die pappenheimischen Unterthanen nicht zu ihrer Kirche zurückzubringen. Die Herzöge von Bayern und Württemberg, denen der Kaiser die Regelung dieser Dinge übertragen hatte, bestimmten nur, daß in Grönenbach an die Stelle der reformirten die Augsburger Konfession zu treten habe. Diesen Entscheid nahm auch der Marschall Maximilian von Pappenheim an, indem er damals zustimmte, daß in Grönenbach Stift und Pfarrkirche ausschließlich den Katholiken, die Spitalkirche der Augsburger Konfession zugehören solle. Obwohl jetzt Marschall Maximilian in seinen Besitzungen die Memminger Kirchenord- nung einführte, so erhielt sich doch das reformirte Bekenntniß, weil die Wittwe des Marschalls Philipp im untern Schlosse den reformirten Prediger Langhaus predigen ließ, bis ihn die kemptischen Beamten im „Schulerloch" gefangen nahmen und ihm die Rückkehr nach Grönenbach verwehrten. Seitdem gingen die Grönenbacher Reformirten in die Kirche zu Herbishofen, wo die Landeshoheit der Pappenheimer ihren Glauben schützte, bis auch hier und zu Teinselberg der Kaiser 1630 die reformirten Prediger auswies. Sie wurden aber schon 1632 von den Schweden zurückgeführt, ja in Grönenbach ereignete es sich, daß die Schweden den dortigen lutherischen Prediger, also ihren Glaubensgenossen, beseitigten, für ihn einen reformirten Diener am Worte einsetzten und diesem auch die Stiftskirche überwiesen. Dieses endigte durch die Schlacht bei Nördlingen, die den Katholiken in Grönenbach die Herrschaft zurückgab. Als 1633 daS Hospital und die Spitalktrche abbrannten, ließ der Stiftsdecan den lutherischen Pfarrer wieder in die Stiftskirche; die Reformirten aber setzten ihre Religionsübung in der rotensteinischen Vogteibehausung fort. Endlich machte der westfälische Friede den bisherigen Streitigkeiten wenigstens auf einige Zeit ein Ende, indem am 19. März 1649 eine Signatur von der constanzischen und württembergischen Commission erlassen wurde, wornach den Reichsmarschallen Pappenheim das Patronatsrecht in der Stifts- und Pfarrkirche Grönenbach, wie es am 1. Januar 1624 hergebracht war, zurückgestellt wurde und sie den reformirten Gottesdienst in der Spitalkirche wieder einzuführen befugt sein sollten. Da aber diese abgebrannt war, wollten die Reformirten im oberen pappenheimischen Amtshofe eine Kirche erbauen, erhielten aber eine solche 1650 unten im Markte und einen Prediger nach pfälzischer Ktrchenordnung. Noch in demselben Jahre wurden die beiderseitigen Differenzen in folgender Uebereinkunft geschlichtet: Das Präsentationsrecht auf die Stiftsgetstlichen soll den katholischen Herrschaften zustehen; der Sttftsschaffner soll abwechselnd von Fugger und Pappenheim gewählt, aber immer katholisch sein; die Heiligenrechnung soll beiden Herrschaften zugleich gestellt werden; die Ftlialkirche in Jttelsburg nur den Katholiken gehören; der katholische Meßner soll gemeinschaftlich ernannt werden, in den Kirchen beider Confessionen dienen und von allen Pfarr- genoffen die Gefälle ziehen; der Spitalmeister soll gemeinschaftlich ernannt werden. Als die pappenheimischen Besitzungen 1692 an das Stift Kempten übergingen, übernahm Chursachsen die Gewähr, daß dort in Religionssachen alles ungestört bet dem bisherigen Zustande verbleiben werde. So blieb es auch im ganzen wirklich in Grönenbach, nur wurden die Reformirten angehalten, die katholischen Feiertage mitzufeiern, die Angabe im Heidelberger Katechismus wegzulassen, daß die hl. Messe eine vermaledeite Abgötterei sei. Eine in diesem Jahrhundert ausgebrochene Streitigkeit wegen Gefälle wurde gütlich dahin 1833 beglichen, daß die reformirte Kirchengemeinde sich verbindlich machte, die zur katholische Kirche reclamirten Renten ferners an die katholische Kirchenadministration abzuliefern und an den katholischen Meßner wie früher die normirten Natural- und Geldreichnisse zu verabfolgen habe. Die beiden Confessionen leben nun einem von Fremden oftmals bewunderten religiösen Frieden, welcher gottlob nicht auf dem psychologisch ungereimten und dogmatisch unsinnigen Satze des Lesebuchs für Sonntagsschüler beruht: „Ehre (anerkenne) fremden Glauben", sondern auf dem durch die bayerische Staatsverfaffung geforderten Motive: „der gegenseitigen Achtung." 607 Zum Verständnisse der äußern Geschichte müssen wir nachholend bet Alexander, dem katholisch gebliebenen Sohn des Reichsmarschalls Wolfgang, anknüpfen. Dieser starb als kaiserlicher Rath und Oberster, ein altlöblicher Regent, 1612. Seine Tochter Anna hatte sich 1611 an Philipp von Rechberg verheirathet, nach dessen Tod aber mit Otto Heinrich Fugger, Ritter des goldenen Vließes, und ihn, weil aus dieser Ehe auch kein Leibeserbe vorhanden war, zum Universalerben ihrer Güter eingesetzt. Dieser Fugger hat auf Seite der katholischen Liga und des Kaisers den 30 jährigen Krieg bis zu seinem Tode 1635 mitgemacht und sich durch Tapferkeit ausgezeichnet. Von Otto Heinrichs Nachkommen kaufte den Besitz Roten- stein 1693 und Grönenbach 1695 um 100,000 st. der unermüdliche Fürstabt von Kempten, Ruppert v. Bodmann, dessen Wappen noch den Kirchthurm der kathol. Pfarrkirche ziert. Unter diesem umsichtigen Regenten wurde auch das hiesige Bräuhaus erbaut und das im 16. Jahrhundert erbaute Schloß erweitert.Für dieFörderung der Landwirthschaft wurde auch vondenFürst» übten hierorts die Verein- ödung durchgeführt. Grönenbach bekam auch von denselben ein „Pflegamt", wozuGrönen- bach, Altus- ried, Lachen, Zell, Jttels- burg, Herbis- ried und Ziegelberg als einzelne Gemeinden gehörten, deren Vorsteher „Hauptmann" hießen, wie dieses jetzt noch ver Hausname auf einem Anwesen in Ziegelberg bekundet. Dieses Pflegamt hatte auch eine eigene Landschaftskasse, die gemeinsam von einem katholischen und reformirten Kassier verwaltet wurde; dasselbe hatte auch eine zehn- köpfige Landschaft, welche die ehedem pappenheimischen Unterthanen desselben mit Berücksichtigung der beiden Konfessionen — 7 katholische und 3 reformirte Pflegeausschüsse — wählten. Bezüglich des Collegiatstiftes kam zur Hebung und Festigung desselben zwischen dem Fürstabte Honorius von Kempten und Clemens Wenzeslaus, Bischof von Augsburg, am 1. Mai 1784 ein Uebereinkommen zustande, wornach das Stift niemals auf den Stand einer einfachen Pfarrei hätte reducirtwerden können; aber die unersättliche Säkularisation erklärte 1804 dasselbe für aufgelöst, und das reich dotirte Stift Ludwigs von Roten- stein zerfloß im Staatssäckel, wie auch am 19. März 1873 sein Schloß Rotenstein den Hügel daselbst hinabkollerte. Wohl hat die katholische Pfarrgemeinde 1814 und 1843 unterm Vicar, dem späteren Prälaten Merkle das Pfarr- vermögen, welches mit dem Stifte seinerzeit unirt worden, durch wiederholte Vorstellungen zurückerhalten wollen, allein dieses wiederholte Untertauchen zur Holung des „goldenen Bechers" blieb erfolglos. Auch für den Chorregenten waren die täglichen 3 Glas Bier aus dem ärarialischen Bräuhause verloren, indem solche Bezüge als bloße gratis, krinoipiZ des Fürstabtes vom Aerare erklärt wurden. Von diesem Schicksalsschlage der Säcularisaiion ist aber die mit dem hiesigen Collegiatstifte incorporirte Pfarrei Zell mit ihren Groß- und Kleinzehnten verschont geblieben. Von den Decanen des Stiftes verdienten der Mitwelt zum dankbaren Andenken besonders erwähnt zu werden: Andreas Weiß, 1589—1613, welcher die Bibliothek sehr bereicherte; Georg Megglin, welcher 1663 die Stiftskirche restaurirte; Georg Huber, welcher bei seinem Tode 1762 bet 3000 fl. zum salestanischen Seminare in Dillingen vermachte,damit von deren Zinsen Stu- dirende der katholischen Pfarrei unterstützt werden, eine für eineLand- gemeinde seltene und noch jetzt wohlthätig wirkende Stiftung. Auch die noch in unserer Gegend existtr- enden Geschlechter der „Dodel* und „Epple" hatten Decanats- und Canonikersitze in Grönenbach inne. Desgleichen gab Grönenbach auch der Kunst und Wissenschaft seinen Zoll, z. B. in dem theologischen und kanonischen Schriftsteller Benedict Schmier, 1682 — 1744, und in dem Kupferstecher Johann Gottlieb, welcher 1739 daselbst geboren und dessen Werke seinerzeit beliebt waren. An diese geschichtlichen Notizen sollen sich zum Schlüsse einige Züge von dem Bilde reihen, welches das jetzige, 1485 zum Marktflecken erhobene Grönenbach darbietet. Oben auf dem Berge steht weithin im Jllerthale sichtbar die dreischiffige, gothische, neu restaurirte Hallenkirche mit einer geräumigen romanischen Krypta, auf deren Kreuzgewölbe der Chor ruht und die 1884 wieder dem gottes- dienstltchen Zwecke zurückgegeben wurde. Auch die reformirte Kirche, früher Spitalkirche, hat seit 1880 durch einen neuen Thurm mit pfarrlichem Geläute eine Verschönerung erfahren. Wenn auch 1879 das Landgericht aufgehoben wurde und in dem Schlosse eine Lehranstalt für Photo- Grönenbach. Original-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in Arumbach (Vervielfältigungsrecht vorbehattenf 608 graphie rc. sich nun befindet, so ist doch der nahe herrliche Tannenwald mit seinen einladenden Spaziergängen und unerschöpflichen Heidelbeerplätzen, sowie die lohnende Aussicht vom „Kornhofer Bänkle" undvom „Sommersberg" auf einen sehr großen Theil der Alpenkette geblieben, und jeder Besucher kann in dem an drei Weihern idyllisch gelegenen Bad Clevers durch eine erquickende Cur Körper und Geist erfrischen. Quellen: Geschichte des Allgäus von vr. Baumann; Acten des katholischen Pfarramtes Grönenbach; Intelligenz- blatt des Jllerkreises 1816 x. 447 ff. -- Zu unseren Bildern. Prinz Ferdinand von Hourdon «nd seine Drrlobte, Prinzessin Maria von Daqern. Prinzessin Maria, die Zweitälteste Tochter des präsumtiven Thronfolgers Prinzen Ludwig, hat sich mit dem PrinzenFerdinand, Herzog von Calabrien, verlobt. Am 6. Juli 1872 in Villa Amsee bei Lindau, der Besitzung ihres Vaters, geboren, genoß sie, gleich ihren zahlreichen Geschwistern, eine vortreffliche Erziehung, wie denn das Familienleben im Elternhause als muster- giltig allgemein anerkannt wird. Die Prinzessin ist geistig und körperlich bevorzugt; sie zeichnete stcb von jeher durch Anmuth, Natürlichkeit, gewinnende Liebenswürdigkeit, vor allem aber durch rührende Herzensgüte aus. Zu Idealen neigend und von Wissensdrang beseelt, erwarb sie sich hervorragende Kenntnisse auf dem Gebiete der Litteratur, der Kunst und besonders der Gesckichte: sie beherrscht fast alle neuern Sprachen, zeichnet und malt mit auffallender Begabung und hat im Klavierspiel eine Fertigkeit erlangt, die weit über den gewöhnlichen Dilettantismus hinausgeht. Dabei zeigten sich stets als Grundzüge ihres vorzüglichen Charakters schlichte Einfachheit, Frische der Anschauung und Streben nach Wahrheit. Bereits von frühester Jugend an körperlich abgehärtet, ist die schlank und elegant gewachsene, holdselia erblühte Prinzessin eine tüchtige Touristin und erklärte Freundin des Schwimm- und Rudersports. Kein Wunder, daß die so glücklich Veranlagte nicht nur im Elternhaus- sozusagen auf den Händen getragen, sondern auch von allen, die ibr nahe stehen, geliebt und verehrt wird. Erbprinz Ferdinand Pins von Sizilien, wurde am 25. Juli 1869 zu Rom geboren. Er ist der Sohn des Grafen Alfons von Caserta, eines Halbbruders des Königs Franzll. von Sizilien. Nach dem vor zwei Jahren erfolgten Tode dieses Fürsten nahm Prinz Alfons alle Rechte und Titel des Verstorbenen für sich in Anspruch, erklärte jedoch, vorläufig den Titel „Graf von Caserta" führen zu wollen. Durch seinen vor elf Jahren verstorbenen Oheim, den Grafen Ludwig von Trani, der die Prinzessin Mathilde von Bayern als Gemahlin heimgeführt hatte, ist der Bräutigam, der in spanischen Militärdiensten steht, bereits mit dem Wittels- bacher-Hause verwandt. _ Prinz Max. Herzog zu Dachse«. Durch die am 26. Juli d. I. in der Schutzenaelkirche zu Eichstätt von dem apostolischen Vicar des Königreichs Sachsen Bischof vr. Wahl an dem Prinzen Max, Herzog zu Sachsen, vollzogene Priesterweihe in Verbindung mit der Primizfeier des prinzlichen Priesters in der Josephinen-Stiftskirche zu Dresden am 1. August ist eine Angelegenheit zum Abschluß gekommen, über die seit 1893, in welchem Jahre Prinz Max aus freien Stücken den bunten Rock des Ulanenoffiziers mit dem schmucklosen Kleide des Priesterseminarzöglings, die freundliche Garnison Oschatz mit den stillen klösterlichen Räumen von Eichstätt vertauschte, gar viel geredet und geschrieben worden ist. Bei der Priesterweihe des Prinzen Max von Sachsen waren auch sein Vater und seine Geschwister zugegen, an der Feier des ersten heil. Meßopfers betheiligten sich außer diesen seinen nächsten Verwandten und den ersten katholischen Geistlichen des Königreichs Sachsen auch das sächsische Königspaar, sowie die Bischöfe von Eichstätt, Frhr. v. Leonrod, und von Straßburg, vr. Fritzen; jener hatte den Prinzen zum Priesterberuf vorbereitet, dieser war der Religionslehrer seiner Kindheit gewesen. Die Festvredigt bei letzterer Gelegenheit hielt der Dresdener Bischof vr. Wahl, dem seinerzeit der Prinz die erste Mittheilung davon gemacht hatte, daß er in den Dienst der Kirche einzutreten Willens sei. Der Vater des Prinzen Max, Prinz- Feldmarschall Georg, war vom ersten Augenblick an mit dem Vorhaben seines Sohnes einverstanden, und der Papst hatte dazu im August 1893 seinen Segen gesandt. Am 28. August 1893 erhielt Prinz Max vom Bischof Frhrn. v. Leonrod zu Eichstätt bereits die Tonsur. Die hervorragenden Theologen von Eichstätt — so sagte Bischof vr. Wahl in seiner Festpredigt — fanden gar bald, dast dem jungen Wettiner alle Eigenschaften die dem Priester nöthig sind, soll er in Segen wirken, in hohem Grade eigen waren, unk bei der Primizfeier in Dresden verlieh ihm nun der Festprediger unter Hinweis darauf, daß er sich selbst nach absolvirvm Studium der Rechtswissenschaften an der Landesuniversität Leipzig bereits den Doctortitel erworben, den Ehrentitel eines voetor wissriooräiao: das sei ein Lehrer und Meister der Barmherzigkeit! Das Priesterkleid, das Prinz Max trug, als er in der Josephinen-Stiftskirche zum ersten Mal die heil. Messe celebrirte, hatte ihm Königin Carola eigenhändig gestickt. Das Wort aber. das Bischof vr. Wahl am Schluß seiner Predigt dem jungen Priester mitgab auf seinen fernerm Lebensweg und als Leitstern des selbstgewählten Berufes, lautete: „Und nun ziehen Sie hinaus und üben Sie mit Milde und Umsicht, nicht mit Härte Ihr Amt!" Prinz Max steht nun, wie j der andere Priester, im Dienste der heiligen katholischen Kirche und ist bereits segensreich in der Seelsorgern London thätig. _ Der letzte Dill. Sternenhell ist die Sommernacht, Und es spielt der Mondenschein Am Brombeer hin, der überdacht Der Felsen nacktes Gebein. Ein Geist geht um in der Sommernacht,i Ahnend zittert das Laub. Silberblitze werden entfacht, Wo der Huf aufwühlt den Staub. Ein Reiter zieht in stillem Trab ^ Wobl über das Heidemoor. Walküren schweben hinab, hinab Und locken die Seele empor. Gleich wie ein Regen von Blüthenschneej Rieselt des Mondes Licht. Der Rei'er starrt in wildem Weh In ein mondfahl Leichengesicht. „Deiner Wange Rose glühte so warm, Der Sieg zur Seite dir ging, Stolzliebliche Maid dir ruhte im Arm, Hell blitzte dein Panzerring. O Todeswunde, du Nordlicht roth! O Welt, du Wüste von Eis!" Er küßte den Sohn, und der war todt. Mit dem Tod ritt heim der Greis. Karl Bleibtreu. Kreuzcharade. 1 2 3 4 So lang' es eine Menschheit gibt, Hat's auch gegeben 1 und 2, Bald überschätzt, verehrt, geliebt, Und bald in stumpfer Sklaverei. 3 4 ist als Befehl gemeint, Auch nennt es einen Menschenfreund. 3 2 sei, wo die Noth ist, gern. 4 2 verräth des Fasses Kern. 1 4 wiegt sich auf starken Schwingen Weit über 2 3, Thäler, See'n; Willst 3 14 nach Haus du bringen, Mußt in's 3 4 3 oft du geh'n. Auflösung des Aritbmogriphs in Nr. 78: LisbuLn. — Inn, Lahne, Dann, 4.sien, Lahn, Nase. --SÄ888SS-