HL82. Areitag, den 2. Oktober 1896. Mr die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabhcrr in Augsburg (Borbefltzer vr. Max Huttler). Km fehlendes Wort. Original-Novelle von C. Borges. —-- (Nachdruck verboten.) I. Es war ein herrlicher Frühlingstag. Der warme Sonnenschein lockte die Veilchen aus ihrem dunklen Versteck, färbte die knospenden Bäume, schlüpfte durch die grünlich schimmernden Ziersträucher und legte sich breit und erwärmend auf die weiten Rasenflächen, von welchen längst die glitzernde Schneedecke verschwunden war. Lautes Vogelgezwitscher, melodisches Summen der Mücken und Käfer harmonierten lieblich mit dem märchenhaften Säuseln und Flüstern des leisen Zephyrs, der in den Kronen der uralten Tannen und Fichten spielte. In der säulengetragenen Vorhalle einer stolzen Villa in der Vorstadt einer süddeutschen Residenz saß in einer Fensternische die verwittwete Frau von Schalldorf, Herrin eines bedeutenden Vermögens, des weitläufigen Parkes, der sich vor ihren Augen ausbreitete, und des prächtigen Hauses. Sie athmete mit Behagen die balsamische, würzige Frühlingsluft, die ungehindert einströmte, und freute sich über die malerische Scenerie der neu erwachenden Natur, die sich vor ihren Augen ausbreitete. Vor ihr stand ein Tischchen mit weiblichen Handarbeiten. Doch ihre Hände waren auf den Schooß hinabgeglitten und hielten nur die feine Stickerei, ohne daran zu arbeiten, während sie träumerisch zu dem klaren, tiefblauen Früh- ltngshimmel hinaufsah. Neben ihr, mit gesuchter Koketterie hingegossen, in halb liegender, halb sitzender Stellung, lag in einer bequemen Chaiselongue ihre jüngere Schwester, Frau Karoline Neumann, eine längst verblühte Schönheit mit hellen, Wasserblauen Augen, gelangweiltem Gesichtsausdruck, einer langen, spitzen Nase, einem großen Mund, der sich beim Oeffnen bedenklich schief zog. Obgleich längst die Vierziger überschritten, und Mutter von fünf Kindern, fand Frau Neumann immer noch Gefallen daran, sich durch Hilfe der verschiedenartigsten Toilettenkünste ein jugendliches Ansehen zu bewahren, ohne zu ahnen, wie lächerlich sie sich in den Augen der Welt machte. Sie schmückte sich mit Vorliebe mit rothen Korallen- schnüren als Arm- und Halsbänder; rothe Korallensterne hielten das leicht gekräuselte blonde Haar zusammen, das noch bis vor Kurzem in langen ungeordneten Locken herabfiel. „Wie geht es Dir heute, meine liebste Mathilde flötete sie jetzt in ihrer klanglosen Stimme und weckte dadurch die Schwester aus ihrer süßen Siesta. „Keine wesentliche Veränderung ist seit gestern in meinem Befinden eingetreten, als Du dieselbe Frage an mich richtetest", lautete die sarkastische Antwort. Ohne aufzusehen, fühlte Frau Neumann die Blicke ihrer Schwester vorwurfsvoll auf sich ruhen, doch sie war zu weltklug, um ihren Unmuth darüber offen zu zeigen. Mit der reichen, kinderlosen Wittwe war nicht zu spaßen; sie hatte ihre Eigenheiten, aber vermuthlich — noch kein Testament gemacht, und da Karoline Neumann es meisterhaft verstand, sich überall einzudrängen, zweifelte sie keinen Augenblick an der Erfüllung ihres Lieblingswunfches, das Vermögen der Schwester sich oder ihren Kinder» zu sichern. Sie hatte früh, kaum der Kindheit entwachsen, ge- heirathet. In dem kleinen Provinzialstüdtchen, in dem ihre Eltern und Geschwister Glück und Zufriedenheit gefunden, genügte ihr das gesellige Leben nicht. Selbst das Elternhaus befriedigte ihrem unzufriedenen streitsüchtigen Gemüth nicht den Hang nach den Zerstreuungen und Vergnügungen, die das Leben einer Großstadt bietet. Die unbärttgen Jünglinge, die ihre Tanzstunden interessant machten, liebten die herzlose Kokette vielleicht umso begeisterter, je schlechter sie von ihr behandelt wurden. Nur einer machte eine Ausnahme. Der junge Jurist Neumann schaute mit unverhohlenem Spott und Verachtung auf seine Freunde, die um die Gunst der koketten Schönen eiferten, der die Liebe ein Spiel war. Er konnte nur lieben, sobald er an Herzensgüte, Wahrheit und Treue glauben konnte, und diese Tugenden konnte er in dem Herzen der vielumworbenen, stolzen Lina nicht entdecken. Diesen ernsten, strebsamen jungen Mann als Sklaven zu ihren Füßen zu sehen, war fortan das Streben der selbstbewußten jungen Dame. In äußerst liebenswürdiger Weise wußte sie sein Interesse zu fesseln; der zwanglose Verkehr und die Künste der Koketterie lockten ihn bald in ihre Netze. Als ein Muster aller Tugenden und des Wohlwollens täuschte sie leicht ihre arglosen, guten und treu ergebenen Freunde und umstrickte das Herz des jungen Anwalts, der durch die heuchlerischen Vorspiegelungen irre an sich selbst geworden war. Und so geschah es, daß er bald Name, Herz und Hand der jungen Sirene anbot, auf ihren Wunsch sich als Notar in der süddeutschen Residenz niederließ, wo 6L6 — er mit einer geringen Praxis für die Existenz seiner Familie täglich ringen mußte. Die ältere Schwester Mathilde hatte ein glücklicheres Loos gezogen. Der reich begüterte Laudedclmann von Schalldorf hatte kurz vor seinem Tode, vor kaum Zwei Jahren, in Ermangelung eines Erben, seine umfangreichen Besitzungen veräußert, um behaglich mit seiner Gattin die Früchte seines Reichthums zu genießen. Er kaufte eine prachtvolle Villa, mit großem Park umgeben, aber schon nach wenigen Wochen stand seine weinende Wittwe am Sarge des theuren Gatten, den eine kurze, heimtückische Krankheit so früh von ihrer Seite gerissen hatte. Sie hatte kein Kind, das ihren Schmerz lindern, der Trost ihres Alters werden konnte, hingegen ihre Schwester Lina hatte deren fünf. Kein Wunder also, daß Letztere ein fast täglicher Gast in der Villa war und der Gunst der Schwester sich vergewissern wollte. Kein mißzuverstehender Wink, keine spitze, sarkastische Bemerkung seitens der reichen Verwandten vermochten diese Besuche einzuschränken; mit verblüffender Kühnheit stellte sich Tante Lina, oft sogar mit ihren Kindern, immer wieder in der Villa ein, die auch von andern Gliedern der Verwandtschaft allzu häufig besucht wurde. Man machte der reichen Wittwe bei jeder Gelegenheit Geschenke, die sie nicht gebrauchen wollte oder konnte; zu jedem kleineren oder größeren Familienfeste erhielt sie die erste Einladung, obgleich dieselben niemals angenommen wurden. Man bat um ihren Rath in jeder Familienangelegenheit und zollte ihr jede Aufmerksamkeit, die ein Tribut derjenigen sind, über die das launische Geschick das Füllhorn der irdischen Güter so verschwenderisch ausgeschüttet hat. Mit fünfzig Jahren war sie immerhin noch eine stattliche Erscheinung, mit dunkeln feelenvollen Augen, obgleich zahlreiche Silberfäden ihr dunkelblondes, glatt gescheiteltes Haar durchzogen. In ihren wohlwollenden Zügen spiegelten sich innere Zufriedenheit und Seelenfrieden, die aber einen härteren Ausdruck annahmen, sobald sie, wie jetzt, von ihren Verwandten belästigt wurde. Auch heute war Lina Neumann nicht allein, sondern in Begleitung ihrer ältesten Tochter Mathilde gekommen, die nach der reichen Wittwe genannt und deren Pathen- kind sie war. Mathilde Nenmann war kaum achtzehn Jahre alt. Sie hatte von ihrer Mutter die schlanke ebenmäßige Gestalt, vom Vater die feinen, edel geschnittenen Gesichts- züge geerbt; ihr Wesen schien gutherzig und ohne Berechnung — was man ihrer Mutter nicht nachsagen konnte. Durch ihr naives Geplauder gewann sie das Vertrauen der reichen Wittwe, die ihre Aufmerksamkeiten und kleinen Zeichen der Liebe gern und dankbar hinnahm. „Mathilde Neumann ist die einzige meiner Verwandten, die mich liebt", dachte oft die einsame Frau, oie so reich und gleichzeitig so bemitleidenswerth arm war; daher erhielt diese ihre Lieblingsnichte sehr häufig Einladungen zum Kaffee oder Thee, die den Neid der übrigen Verwandten erregten, da diese, wenn auch nicht seltener, so doch ungeladen kamen. „Wie ist es heute mit Deinen Kopfschmerzen, mein Kind ? Du klagtest gestern darüber", fragte theilnehmend die Tante, das krause, widerspenstige Haar ihres Lieblings streichelnd. „Ja, Tantcheu, das ist auch kein Wunder, da ich Meinen armen Kopf täglich so sehr anstrengen muß", klagte die Angeredte. „Bedenke doch, die vielen Stunden in der Selekta, dann der Musikunterricht, die fremden Sprachen, und zu alle dem steht das Gouvernanten-Examen im nächsten Jahrs als Schreckgespenst in dem Hintergrund." Frau Neumann seufzte, und sich aus ihrer beguemen nachlässigen Stellung halb aufrichtend, versetzte sie: „Du weißt doch, Mathilde, daß Du als älteste Tochter des Hauses bald auf eigenen Füßen stehen und Dir den Lebensunterhalt selbststündig verdienen mußt! Eine gute Erziehung ist alles, was wir Dir geben können." Mathilde zuckte die Achseln, Zog ein niedriges Ta- bonret herbei, setzte sich zu Füßen der Tante, ließ mit einem schelmischen Blick ihr viclgeplagtes Köpfchen in deren Schooß sinken und spielte mechanisch mit den Fingern, die liebkosend ihre Wangen streichelten. Die Tante freute sich über diese kindlichen Liebeserweisungen und duldete sie gern. „Möchtest Du gern in Deinen Sommerferien eine Nheinreise mit mir machen?" flüsterte sie ihr zu. Das junge Mädchen sprang von seinem Sitze auf, schlug in freudiger Erregung die Hände zusammen, dann tanzte sie in der geräumigen Halle umher. „Eine Nheinreise!" jubelte sie. „O, liebste, beste Tante, wie gern möchte ich eine Rheinreise mit Dir machen I" „Mathilde, beherrsche Dich! Sei nicht so ausgelassen, das schickt sich nicht für eine angehende Erzieherin", mahnte die Mutter im strengsten Tone, dann wandte sie sich an ihre Schwester. „Es ist mir sehr lieb, daß Du meiner Tochter diesen Vorschlag machst; die Abwechselung wird ihr gut thun. Offen gestanden, bedürfen wir alle der Erholung, meine fünf Kinder sowohl wie mein Gatte und auch ich." Die Wittwe fuhr, ohne die geringste Notiz von dieser Bemerkung zu nehmen, fort: „Mathilde soll eine Zerstreuung und Abwechselung haben; sie sitzt zu viel bei ihren Büchern, es ist unbedingt für ihre Gesundheit erforderlich —" „Dort kommen Tante Nosalte und Koustne Mathilde", unterbrach das junge Mädchen plötzlich, nach dem breiten Parkwege zeigend, auf dem soeben zwei Damen sichtbar wurden. Das Antlitz der Mutter umwölkte sich. «Schon wieder!" murmelte sie zwischen den Zähnen, dann fügte sie, zu ihrer Schwester sich wendend, laut hinzu: „ES scheint mir, die Familie Schalldorf ist beständig hier anzutreffen! Biete doch den Verwandten Deines Gatten lieber ein Obdach in Deinem Hause an, dann ersparst Du ihnen den täglichen Weg hierher." „Ich fürchte, sie würden dieses Anerbieten annehmen", lautete die gelassene Antwort, „aber die Schalldorfs sind nicht die einzigen Verwandten, die mich recht häufig mit ihren Besuchen beehren." Frau Nosalie von Schnlldorf mit ihrer ältesten Tochter Mathilde betraten in diesem Augenblicke das Gemach, die ältere Dame warf einen vernichtenden Blick auf Tante Lina, wie die Gattin des Anwalts von der ganzen Familie allgemein genannt wurde, dann begrüßte sie die reiche Wittwe. Mathilde von Schalldorf, ebenfalls ein Pathenkind der Tante, deren Namen sie trug, reichte mit unbefangener Offenheit allen Anwesenden die Hand zum Gruß entgegen. „Ihr lieben, guten Menschen müßt doch täglich viel Zeit erübrigen können, um Besuche zu machen", begann 627 s die Wittwe. »Es wundert wich, wie Ihr mit Eurer zahlreichen Familie darnach Euren Haushalt einrichten könnt!" „Du sollst Dich doch nicht von uns vernachlässigt fühlen, meine liebe Mathilde", entgegnete Frau von Schalldorf, Gattin eines pcnsionirten Offiziers, „wiewohl ich nicht begreifen kann, daß andere", hierbei warf sie einen bedeutungsvollen Blick auf Frau Neumann, „so häufig im Hause entbehrt werden können." „Das ist ganz meine Anficht", höhnte Tante Lina, „besonders, wenn ich bedenke, daß in manchen Häusern die Behaglichkeit durch die häufige Abwesenheit der Hausfrau bedeutend beeinträchtigt wird." Dabei warf sie der ihr gegenübersitzenden Dame, deren Schritte sie argwöhnisch beobachtete, einen feindseligen Blick zu. Die reiche Wittwe schien sich um die Unterhaltung ihrer beiden Verwandten wenig zu kümmern. Sie wußte nur allzu gut, daß die häufigen Besuche, die vielen Aufmerksamkeiten nicht ihrer Person, sondern nur ihrem Vermögen galten, und dieser Gedanke erfüllte ihr Herz mit Bitterkeit. Daher streichelte sie ihren Hund, einen kleinen schwarzen Pudel, der sich beständig in ihrer Nähe aufhielt, um ihre Gedanken von dem Gespräch der beiden Damen abzulenken. Sie hatte eine große Vorliebe für Thiere, besonders für Hunde, denn, wie sie oft zu sagen pflegte, entspraug die Treue und Anhänglichkeit der unvernünftigen Kreatur reineren Trieben, wie manchen Menschen, die unter dem Deckmantel der Liebe und Hingebung nur ihre eigenen Zwecke verfolgten. „Ich wollte Dich daran erinnern, meine liebe Mathilde", begann die Majorin von Schalldorf, „daß Du hier in Deiner Einsamkeit doch ein viel zu ruhiges und abgeschlossenes Leben führst. Dein lieber Gatte ist nun schon seit zwei Jahren todt, die Trauerzeit ist längst vorüber und da bist Du eS doch der Gesellschaft schuldig, aus Deiner Zurückgezogenheit hervorzutreten und an den geselligen Freuden wieder theilzunehmen. Wenn ich Dich nur überreden könnte, meinen gut gemeinten Rath zu befolgen!" „Wie oft habe ich schon wiederholt, daß ich mein jetziges, ruhiges Leben dem Geräusch der Welt vorziehe", versetzte die Wittwe gereizt. Die beiden jungen Damen hatten sich während der Unterhaltung der Mütter still und unbemerkt zurückgezogen; sie saßen hinter hohen Blattpflanzen und Palmen versteckt, aber ihre Interessen gingen zu wett auseinander, um eine Unterhaltung im Gange halten zu können. Mathilde von Schalldorf war ein schlankes, großes Mädchen, etwa zwei Jahre älter wie ihre Cousine, und im Gegensatz zu dieser prägte sich in ihren Zügen Charakterstärke und Willenskraft aus, und ihre dunkeln, feelenvollen Augen bekundeten deutlich, daß ihr der Ernst des Lebens nicht fremd geblieben war. „Aber Du hast Pflichten gegen die Welt und die Gesellschaft, der Du Dich nicht länger entziehen darfst", beharrte die Majorin. „Die Welt kümmert sich wenig um mich, und Pflichten habe ich ihr gegenüber nicht zu erfüllen", lautete die ruhige Entgegnung, „und was meine Einsamkeit anbetrifft, wie Du mein Leben hier zu nennen beliebst, so glaubst Du doch selbst nicht daran, weil es mir niemals an Besuchern mangelt." Die beiden Gegnerinnen warfen sich bei diesen Worten einen bedeutungsvollen Blick zu. „Selbst hier in meiner Zurückgezogenheit fehlt eS mir nicht an kleinen Freuden", fuhr die Wittwe lächelnd fort, „und diese erhellen wie ein lichter Sonnenstrahl mein trübes Dasein. So konnte ich gestern noch einem armen Wesen helfen, daS bei mir Schutz suchte." Tante Lina horchte bet diesen Worten entsetzt auf. „Ist es wirklich wahr, daß sie die Kühnheit hatte, Dich hier aufzusuchen? Das ist unerhört!" rief sie, vor Zorn bebend. Die Schwester lachte bei dieser Erregung laut auf. „Warum ereiferst Du Dich und regst Dich so unnütz auf, liebe Lina", gab sie heiter zurück. „Ja, ein armes, halb verhungertes Wesen stellte sich gestern in unserer Küche ein, und es scheint gar keine Lust zu haben, unser Haus wieder zu verlassen." Tante Lina konnte ihren Zorn kaum noch länger beherrschen, dunkle Nöthe färbte ihre Wangen, die sogar trotz der weißen Schminke sichtbar wurde. „Das ist zu arg, das dulden wir nicht", rief sie empört aus. „War es denn nicht genug, daß sie sich bei mir eindrängen wollte! Und Du hast ihr wirklich ein Obdach in Deinem Haufe gewährt! — Eine Frau, von der wir nicht wissen, wer sie ist, und woher sie stammt, die unsern armen Bruder Herbert bethörte und ihn in ihren Netzen verstrickte!" Die Züge der reichen Wittwe waren plötzlich sehr ernst geworden, finster und zugleich überrascht blickte sie ihre erregte Schwester an. „Karoline, wir verstehen uns augenblicklich gar nicht, und Deine unbegründete Heftigkeit kann nur auf einem Mißverständniß beruhen", begann sie langsam. „Das arme, halbverhungerte Wesen, das mein Mitleid erregte, war eine kleine Katze, die sich in unserer Küche einstellte, Du kennst ja meine Vorliebe für Thiere. Was meinst Du aber von der Gattin unseres armen Bruders? Ist sie hier in der Stadt? Hat sie um Deine Hilfe gebeten?" Tante Lina erbleichte. Unter keiner Bedingung durfte die Schwester von der Anwesenheit der neuen Verwandten in der Stadt erfahren, und vorn Zorn hingerissen, hatte sie in der Uebereilung Worte fallen lassen, die sie jetzt bitter bereute, und die sie gern zurückgerufen hätte. Herbert Wendtland, der einzige jüngere Bruder, hatte vor langen Jahren in Neapel die Verbindung mit einer jungen deutschen Dame geschlossen, die sich dort als Erzieherin in einer reich begüterten italienischen Familie aufhielt. Die beiden älteren Schwestern traten energisch dieser Verbindung entgegen; nicht aus persönlichen Rücksichten, denn die erwählte Dame war ihnen ja vollständig fremd, wohl aber, weil der Bruder fein eigenes Vermögen leichtsinnig verschwendet und sich nicht die Fähigkeiten erworben hatte, für die Existenz eines eigenen Hausstandes zu sorgen. Er war ein Künstler, mst außerordentlichen Talenten begabt, allein es fehlte ihm Energie und Ausdauer, und feine wenigen Gemälde erzielten hohe Preise. Nach einem unstäten Wanderleben raffte ihn der unerbittliche Tod von der Seite seiner Gattin, sie mit ihrem kleinen Sohn in der äußersten Noth zurücklassend. Niemand wußte, was aus ihnen geworden war oder in welcher Gegend sie sich ein neues Heim gegründet hatten. Die ältere Schwester Mathilde hatte ihren jüngeren Bruder aufrichtig geliebt und nach seinem Tode sich oft gesehnt, das zurückgebliebene Kind in die Arme schließen zu können; ebenso gern hätte sie nach besten Kräften d« 628 Mgen Wittwe geholfen. Tante Lina hingegen dachte stets nur an ihr liebes Ich; sie war keiner besseren Regung fähig, aber ihre eben ausgesprochenen heftigen Worte erweckten das grösste Interesse und die Neugier ihrer Schwester. Lina wußte zu gut, daß es zu spät war, die übereilten Worte zu widerrufen oder durch eine lügenhafte Ausrede dieselben zu vertuschen. „Vor kurzer Zeit kam eine Frau zu mir, die sich als Herberts Wittwe ausgab", gestand sie kleinlaut, „sie habe sich hier in der Stadt mit ihrem Sohne niedergelassen, um Beschäftigung zu suchen, gab sie vor. Sie war vielleicht nur eine Betrügerin, denn ich konnte mich nicht vom Gegentheil überzeugen. Ich habe sie selbstredend sehr kühl empfangen, und sie wird wahrscheinlich mich nicht wieder belästigen." Das Antlitz der älteren Schwester verfinsterte sich immer mehr und mehr. „War das Kind bei ihr, als sie Dich besuchte?" fragte sie streng. „Nein, sie kam allein. Aber selbst wenn sie die Wahrheit gesprochen hätte, so würde es uns in unserer Stellung doch unmöglich sein, sie als Verwandte anzuerkennen", fuhr die herzlose Schwester fort. „Sprach sie ihre Absicht aus, mich aufzusuchen?" „Sie sagte etwas derartiges", gestand Lina, „aber ich gab ihr die Versicherung, daß Du gar nicht von Fremden belästigt sein wolltest, und daß Du mit der Verbindung mit unserem Bruder durchaus nicht einverstanden gewesen wärst. Natürlich wollte die Person nur Geld von Dir erpressen." „Eine Absicht, in der andere ihr längst zuvorgekommen sind", rief unwillig die sonst so ruhige Wittwe. „Ein anderes Mal, Karoline, überlaß mir die Regelung meiner eigenen Angelegenheiten; ich bin, Gott sei Dank, noch selbstständig genug, um für mich selbst sprechen und handeln zu können. Hat sie Dir vielleicht ihre Adresse gegeben?" „Sie hat davon gesagt, aber da ich sie nicht aufschrieb, habe ich sie wieder vergessen." „Wenn Dein Gedächtniß so kurz ist, wird das meinige in späteren Tagen gewiß nicht besser sein", fuhr die Wittwe finster fort. Diese versteckte Drohung übte auf Tante Lina den gewünschten Erfolg aus, so daß sie die Wohnung Josephstraße 16 angab. Die beiden jungen Mädchen und die Majorin hatten mit gesteigertem Interesse der immer erregter werdenden Unterhaltung der Schwestern gelauscht, doch angesichts einer neuen drohenden Gefahr beschloß die Majorin, mit ihrer Gegnerin gemeinsame Sache gegen einen gemeinsamen Feind zu machen. „Wenn Dein Bruder gegen Deinen Willen einen Bund geschlossen hat, meine liebe Mathilde", wandte sie deshalb ernsthaft ein, „so darfst Du — als die Aelteste und das Haupt der Familie — sie nicht als eine Verwandte anerkennen; Du bringst sie dadurch nur in eine falsche Stellung." „Das Beste wäre, gar keine Notiz von ihr zu nehmen", schlug Tante Lina vor. Die Wittwe lächelte wehmüthig. „Karoline, Du müßtest doch als Gattin eines Juristen wissen, daß man keinen Rath unerwünscht und gratis geben soll", sagte sie schneidend. „Ich bin noch im Stande, meine eigenen Angelegenheiten zu ordnen, und ohne Euren Rath weiß ich recht gut, was ich zu thun und zu lassen habe." ^Natürlich", Pflichtete die Majorin bei, „aber mit Deinem Hang zur Freigebigkeit kannst Du leicht das Opfer einer berechnenden Abenteurerin werden. Hast Du die Absicht, die Frau in der angegebenen Wohnung aufzusuchen?" „Ich bin noch nicht fest entschlossen", versetzte die Angeredete, „wenn Herbert's Wittwe Beschäftigung sucht, so würde eS nur Christenpflicht sein, ihr nach Kräften zu helfen. — Ach, Herr Lieutenant", unterbrach sie sich, als ein breitschultriger schmucker Dragoner-Offizier vom Diener hereingeführt wurde, „wie gut, daß Sie heute kommen! Es hat fast den Anschein, als hätte ich heute meinen Empfangstag." Lieutenant Benno von Römer gehörte zu ihren Günstlingen. Er stammte aus einer altadeligen, reich begüterten Familie, und war in der einsamen Villa ein häufiger und gern gesehener Gast. Die beständige Furcht, nur um des elenden Goldes wegen nicht vernachlässigt zu werden, wich beim Erscheinen ihres jungen Freundes, denn er war selbst reich genug, ohne daran denken zu müssen, sein hochadeliges Wappenschild mit fremden Schätzen vergolden zu müssen. Diesen jungen, strebsamen Offizier dereinst mit ihrem Liebling Mathilde Neumann vereint zu sehen, war ein unausgesprochener, aber still gehegter Wunsch der reichen Wittwe. An ihrem Hochzeitstage wollte sie als gute Fee hervortreten und dem jungen Paare eine bedeutende Summe als willkommene Gabe in den Schooß legen. Das war ein schöner Traum, aber um ihn zu verwirklichen, ließ sie keine Gelegenheit unbenutzt vorübergehen, die Beiden in ihrem Hause zusammen zu bringen. Auch jetzt warf sie ihm einen verständnißvollen Blick zu, und gleich darauf verschwand er hinter den hohen Palmen, wo die beiden Cousinen ein lauschiges Plätzchen gefunden hatten. Mathilde von Schalldorf war viel zu ernst und reif für ihr Alter, um an den launischen und witzigen Scherzen des jungen Mannes Gefallen zu finden, daher nahm sie ein Buch und schritt durch die geräumige Halle dem Park zu. „Das Glück hat mir heute wieder huldvoll zugelächelt", begann der Lieutenant, sich neben Tante Ltna'S ältester Tochter in einen bequemen Sessel werfend. „Wie meinen Sie das?" fragte Mathilde naiv. „Ich finde Sie hier, Fräulein Neumann", versetzte er, mit einem vielsagenden Augenaufschlag. „Wie kommt es, daß ich Sie jetzt so selten treffe?" „Ich werde zu sehr mit den lästigen Schularbeiten geplagt", gestand sie, „aber meine Tante hat mir für den Sommer eine schöne Zeit in Aussicht gestellt. Ich darf eine Nheinretse mit ihr machen I" In ihrer Freude hatte sie auch ihrer Cousine von der verlockenden Aussicht erzählt, doch kein trüber Schatten des Neides war in ihren Zügen sichtbar geworden. „Das freut «ich für Dich", hatte sie geantwortet, „hoffentlich kehrst Du körperlich und geistig gekräftigt zurück, um mit frischem Muth Deine Arbeit wieder aufzunehmen." „Sie beneidet mein Glück — sie gönnt mir die Frende nicht", hatte die jüngere Cousine bei sich selbst gedacht, „nur will sie mir ihre Gefühle nicht zeigen. Ich an ihrer Stelle würde mich ärgern, zurückgesetzt zu werden." Als kurze Zeit später die Gäste die einsame Villa verlassen hatten, saß ihre Bewohnerin noch lange Zeit, das Haupt in die Hand gestützt, in tiefes Sinnen versunken. 629 „Hubert'S Gattin und sein Kind sind hier in der» selben Stadt — und ich wußte eS nicht!" stöhnte sie endlich. „Mein armer, guter Bruder, er hat allzufrüh Schiffbruch in seinem Leben erlitten, und ich! — Ist es mir besser ergangen?" (Fortsetzung folgt.) --» >i » *, »--<» -' Die Zettelt! ägerm. Erzählung von D. Duncker. (Schluß.) Vergebens. Die blonde Frau lag abgewandt in einer» Sessel, das Antlitz mit den Händen bedeckt. Ein Beben durchlief die kräftige, lebensvolle Gestalt und schluchzend und stockend stieß sie abgebrochene Worte zwischen den bergenden Händen hervor. „Es kann nicht sein — es ist unmöglich — daS alte Bild — es trügt — aber das da — das Kreuz — das Gottesauge — und darunter — der Tag der Geburt — und jene, die ihr's gab — und ruir's erzählte — daß ich fortan keine Ruhe mehr fand — o, mein Gott!" — Sie löste die Hände mit einer raschen, leidenschaftlichen Bewegung von dem Antlitz und sah der Alten mit brennendem Weh und sehnsüchtigem Verlangen tn's Auge. „O, mein Gott, ist eL denn möglich, daß Sie meine Mutter — meine arme, langersehnte Mutter —" Und schluchzend brach das junge Weib zusammen. Wie ein gewaltiges Wetter brauste das Unbeschreibliche über die alte Frau hin. Völlig umnachtet waren ihre Sinne. Sie wußte nichts davon, daß und wann endlich ihre Lippen stammelnd „Martha — Martha?" fragten. — Sie sah und hörte und fühlte nichts, bis sie eng umschlungen in den Armen ihrer Tochter lag und die Ströme dieser lang getrennten Herzen ineinander flutheten, als wollten sie in einer einzigen köstlichen Stunde nachholen, was ihnen ein langes Leben grausam geraubt hatte. Wortlos, stumm, in grenzenloser Bewegung schienen sie Eins im Andern aufgehen zu wollen ohne Ende. Nach einer Zeit, für die es Beiden niemals ein Maß gegeben, drückte Martha die Mutter auf das Ruhebett zurück, und zu ihren Füßen knieend, erzählte sie in hastenden Worten, was sich zuvor nur in abgebrochenen Lauten losgerungen. Daß sie vor Jahren durch einen Zufall jener Jugendfreundin begegnet sei, die dem Neugeborenen daS verhängnißvolle Kreuzchen umgehängt. Sie habe ihr entdeckt, was Martha längst empfunden, daß ihr das Mutterherz in frühester Kindheit geraubt worden sei, daß die, die sie Mutter nannte, ihr in Wahrheit niemals Mutter gewesen sei. Von jenem Tage an habe sie unablässig gesucht, obwohl jene Freundin ihr vertraut, daß die Mutter unter fremdem, auch ihr unbekanntem Namen lebe, und nach ihrer Verheirathung ihr Mann, — der in allen Dingen denke und fühle wie sie — mit ihr. Ach, jedes kleine Goldkreuz, das sie erschauten, habe ihnen den Athem stocken gemacht und die freudige Furcht erregt, ein Gottesauge und das Datum eines gewissen LageS darauf zu finden. Vergebens, immer vergebens! In wie viel Zügen hatten sie geforscht, die dem Keinen Jugendbtld, das jene Freundin ihr gegeben, zu (gleichen schienen! Umsonst, immer umsonst! Bei jedem Kinde, das ihnen neu geboren würden, hatten sie auf der Mutter Segen gewartet — gehofft — er blieb aus — immer aus. „O Mutter, Mutter, um wie viel seliges Glück hat das Schicksal uns gebracht!" Und wieder sanken sie einander in stummer Ergriffenheit aus Herz. Aber nur auf einen kurzen, schmerzlich-süßen Augenblick. Dann löste die alte Frau sich aus den Armen ihrer Tochter, umfing die blühende Gestalt mit einem langen, wehmüthig zärtlichen Blick, streckte ihr die welke Hand entgegen und sagte mit müder, gebrochener Stimme; „Habe Dank, meine Tochter, daß Du die Mutter, die sich so schwer an Dir vergangen, mit Kindesliebe an Dein Herz nahmst. Dich als glückliche, beglückende Frau wiedergefunden zu haben, ist mehr als ich je gehofft, mehr, weit mehr als ich verdiene. Nun kann ich meine Augen dermaleinst in Frieden schließen. Leb' wohl, leb' wohl, mein Kind!" „Leb' wohl? Mutter! Mutter! Meinst Du ich ließe Dich, nun, da ich Dich endlich gefunden, auch nur auf Augenblicke wieder von mir? — Und Du sprichst und blickst, als gälte es neue Trennung? Kannst Du selbst daran denken auch nur auf kürzeste Frist wieder von mir zu gehen? Nein, geliebte Mutter, Du bleibst jetzt und auf immer. Ich rufe die Kinder — sie werden Dich lieben mit ihrer holden Kindesliebe — sie haben nie ein Großmutterherz besessen. § Und mein Mann, Deinen Sohn? Willst Du auch nur auf Stunden gehen, bevor Du ihn gesehen, der Deine Martha so über- schwänglich, glücklich macht? O, Mutter, er ist der beste Mann der Welt und unbeschreiblich lieb' ich ihn", und dabei erröthete die Frau wie ein junges Mädchen, dessen Lippen zum ersten Mal von Liebe stammeln. „Nur einen Fehler hat der Geliebte", fuhr sie eifrig fort, da die Mutter sie mit keinem Laut unterbrach, „er arbeitet zu rastlos. Allzu glänzend möchte er mein und der Kinder Loos gestalten. Und dieser rastlose Fleiß, diese nimmermüde Sorge für fein Geschäft, sie trennen uns nur allzu oft." Sie zog die alte Frau an'L Fenster. „Siehst Du dort drüben über dem letzten grauen Schieferdach linker Hand einen Schlot rauchen, den einzigen in der ganzen Stadt? Das ist unsere Fabrik. Selbst heut' am Sonntag gönnt er sich keine Ruh'. Er erprobt mit feinem ersten Ingenieur und ein paar ihm besonders ergebenen Arbeitern eine neue Erfindung. Es heißt, sie solle bedeutend, epochemachend sein. O, Mutter, glaube mir, mein Karl ist ein Prachtmensch! Besser und klüger als alle auf der Welt!" " Mama Leibig strich der jungen Frau zärtlich über den Scheitel, unverständliche Worte murmelnd. Dann küßte sie die Tochter noch einmal sanft auf die Stirn. „Grüße Deinen Karl von mir und sage ihm meinen innigen Dank dafür, daß er Dich glücklich macht." „Sag' ihm das selbst, geliebte Mutter!" Mama Leibig schüttelte den Kopf. „Nein, nein, mein Kind — ich — ich gehe „Aber Du kommst zurück. In ein, zwei Stunden erwarte ich Dich. Nein, ich hole Dich selbst — oder besser noch, ich gehe mit Dir. O, welch' ein Festtag wird das werden!"- „Martha, mein Kind — nein — erwartet mich K30 — NW — ich komme nicht wieder — nicht heute, noch morgen — niemals." „Mutter!" „Ich habe kein Recht, in euren Frieden, euer Glück einzudringen. Eine Mutter, die ihr Kind verlassen, da es klein und ihrer bedürftig war, hat das Recht verwirkt, ihren Lebensabend von Kindesliebe gestützt und getragen zu genießen; ihr bleibt nichts, als stille Buße zu thun." „Mutter! Um Gott, Mutter!« „Gott segne Dich, mein Kind, und erhalte Dir Dein Glück." Als Frau Martha sah, daß es der alten Frau furchtbarer Ernst mit diesem Scheiden, mit einem Scheiden auf immer war, brach sie weinend zusammen. Aber auch der Tochter Thränen konnten den Entschluß der Frau nicht wankend machen. „Hätte ich Dich arm und unglücklich gefunden, hätte ich Dir geben, nun endlich geben dürfen, bei Gott — ich hätte Dich nicht verlassen. Aber dem Himmel sei Dank, Du bedarfst meiner nicht. Er hat gut gemacht an Dir, was ich Schlechtes an Dir that — Lebewohl — Lebewohl — Du darfst in Frieden meiner gedenken", und ohne sich auch nur einmal noch zu wenden, schritt die alte Frau zur Thür hinaus auf den geräumigen Vorplatz, auf dem die Kinder bei ihrem Kommen jubelnd umhergetobt. Jetzt lag tiefe Stille auf dem Platz. Auch der warme, wohlige Hauch, der ihn zuvor durchströmt, war verschwunden. Die Hausthür war zu einem breiten Spalt geöffnet und eisige Winterluft drang hinein. Auf der obersten Treppenstufe, vor der Hausthür, stand ein Mann in einer grauen Arbeiterblouse. Seine schwielige Hand war's, die die Thür geöffnet hielt. Angstvoll umherspähend, blickte er in den Flur. Dann wandte er sich zurück, rief ein, der alten Frau unverständliches Wort hinab, und gleichzeitig wurden schwere tappende Schritte laut, die Thür wurde weit geöffnet, und die Stufen hinauf schritten vier Männer mit einer Trage, auf der sorgfältig gebettet, ein Todter oder Schwerkranker lag. Mit einem einzigen, mehr ahnenden als verstehenden Blick hatte Mama Leibig das Furchtbare erfaßt: todt oder schwerverletzt wurde der geliebten Tochter der angebetete Gatte heimgebracht. Zwei Worte hin und her gewechselt, bestätigten ihr, daß sie recht gefühlt. Es war der Hausherr, durch einen Unglücksfall, der sich bei dem Experiment in der Fabrik zugetragen, dem Tode nahe gebracht. Vorerst dachte Mama Leibig nur das eine, wie sie die Tochter zartfühlend vorbereiten, ihr in dieser schwersten Lebensstunde liebreich beistehen könne! Geräuschlos ließ sie den Besinnungslosen in ein Hinterzimmcr bringen, das der begleitende Ingenieur anzugeben wußte. Erst dann trat sie in das kleine Kabinet zurück, in dem Frau Martha, der Mutter jähen Abschied beweinend, in dumpfem Schmerz zusammengesunken saß. Beim Anblick der alten Frau sprang sie mit freudig verklärter Miene auf, aber als sie ihr in's Antlitz sah, wußte Martha, daß etwas Furchtbares die Mutter zurückgebracht haben müsse. — Nächte um Nächte wachten Mutter und Tochter fortab am Lager des schwerkranken Mannes. Wahre Wunder der Mutterliebe vollzog die alte Frau an dem leidenschaftlich verzweifelnden jungen Weibe. Endlich dämmerte ein schwacher Hoffnungsschein auf. Langsam, ganz langsam kam die Genesung, und als der durch lange Wochen Besinnungslose endlich wieder zum Lebensbewußt» sein erwachte, fand er Mutter und Tochter in einer Vereinigung wieder, die nur der Tod zu trennen vermochte. Mama Leidig war zum Frieden mit sich selbst gekommen. Sie glaubte zum mindesten einen kleinen Bruchtheil ihrer Schuld an ihrem Kinde abgetragen zu haben. Die Kinder des Hauses haben das so sehnlichst herbeigewünschte Märchen nicht besucht. Aber sie haben es niemals bedauert: das Märchen ist zu ihnen gekom- mer; es sitzt fortab alle Tage leibhaftig mitten unter ihnen, herzlicher und inniger geliebt, als alle Märchenbücher oder Märchenstücke der Welt. Und wie die blonde Schaar zuvor gemeint, daß eS keine Kinder auf der Welt gebe, die eine Mutter, einen Vater besäßen, der dem ihrigen vergleichbar, so meinten sie jetzt, daß keine Großmutter auf der weiten Erde, die der ihren, lang gesuchten, endlich gefundenen, ähnlich sei. -—--SWW8-»- Warum Zorg Kainz nicht hcirathete. Von Dr. Josef Hcrbeck. ^Nachdruck virboten.I Jörg Kainz war ein wüthiger Mann, der vor keinem Abenteuer zurückschreckte. Allenthalben war er als dies bekannt. Bekannt aber war er in weiten Kreisen. Und wer ihn je gekannt hat, dem ist die Erinnerung an ihn geblieben. Mancher hat schon dies und jenes aus Kainzens Leben da und dort erzählt. Seinem Muthe kam seine Freude, die er an Geselligkeit und an einer von Aufschneidereien belebten Unterhaltung fand, gleich. In traulicher Gesellschaft versagte ihm der Redestrom nicht leicht. Dies war besonders der Fall, wenn er mit seinem Freunde Reimar zusammen war, der die Kunst des Zuhorchen- in erhöhtem Maße besaß. Jörg Kainz war Förster zu B. im bayerischen Walde und Neimar ebenfalls; Jörg Kainz gefiel dem Reimar, und an letzterem hatte der erstere nichts auszusetzen. Sie hatten gleich am ersten Tage ihre Bekanntschaft miteinander im Jägerlatein gesprochen, und dem braunen Nationalgetränke deL Bayerlandes war Jeder der Beiden in gleichem Grade hold. Es blieb unentschieden, welcher von den edlen Duumvirn kräftiger aufzuschneiden oder zugiger zu trinken vermochte. Kurz und bündig: Jörg Kainz und Reimar waren die besten Freunde. Die Liebe Zum Feuchten und der Haß gegen das Trockene hatten ihre Herzen geeint. Jörg Kainz war von mittlerer Statur. Ein gewaltiger Schnurrbart streckte seine beiden Enden spitz und kühn hinaus, während ein Knebelbart sein Kinn zierte. Seine Haare glichen an Schwärze einer glänzenden Kohle, und seine Mgen funkelten, wie brombeerschwarze böhmische Perlen. Diese Augen sprangen von Gegenstand zu Gegenstand wie zwei Kobolde. In der Freude leuchteten sie auf, wie Bergfeuer am Namensfest Seiner Majestät. Zielten sie auf ein Wild, so schienen befiederte Pfeile von ihnen auszufliegen. Hatte ihr Besitzer aber eins Schelmerei im Kopf, so tanzten elektrische Funken darin. Schelmereien jedoch und Flunkereien waren KainzenS Kapitalvergnngen. Er war auch Meister in dieser Branche. Auf die Pürsche pflegte Jörg Kainz schon vor TageS- anbruch zu gehen. Einen erlegten Bock schon der aufgehenden Frau Sonne zu zeigen, war sein Plaisir. Er krappelte die Zcllerwand hinan, durchquerte das Nißloch und erklomm die Gipfel des kleinen und großen Arber. Bei diesen frühen Ausflügen ereignete es sich zuweilen, daß er das Bett zuvor nicht gesehen hatte, aus lauter Zuneigung znr Geselligkeit. Wer je in der Mooshof- wirthschast bei B. gesessen, der weiß, daß die Wirthin durch prickelnde Speisen dem Durst zu ungeahnter Höhe zu verhelfen vermag. Der Durst unsers Jägers, schon unter gewöhnlichen Verhältnissen phänomenal, vergrößerte fich bei solchen Schmausereien ins Maßlose. Daß Jörg Kainz einen maßlosen Durst mit ebenbürtigen Waffen bekämpfte, war selbstverständlich. Aß er wie ein griechischer Heroe, so trank er wie ein mittelalterlicher Held. Dabei vertrug er allein eine Getränke- menge, die mehrere Andere unter den Tisch gebracht hätte. Hatte er sich einmal am Wirthstische festgesessen, so schien er ehernes Sitzfleisch zn besitzen. Von einem Gewölks Tabaksqualm umgeben, der seiner Pfeife entquoll, verschwommen die Umrisse seiner Figur ins Undeutliche. Eines Abends vor einer festgesetzten Frühpürsche saß Jörg Kainz mit seinem erprobten Freunde Neimar bei Speise und Trank im Mooshof. Das Essen, besonders der gebratene Rehrücken mit gebackenen Knödeln als Beilage, war vorzüglich. Jörg Kainz war in seinem Elemente, und seine Schnurren und Windbeuteleien ließen bei Männern und Weiberleuteu das Lachen nicht verstummen. Der Zuhörerkreis bestand zumeist aus Holzknechten und aus Mägden, die am Spinnrocken thätig waren. Es war spät in der Nacht, als Jörg Kainz seinen letzten Maßkrug austrauk und schweigend die Stube verließ; denn die einzigen Übriggebliebenen, der Wirth und Neimar, saßen zwar am Tisch, aber ihre Häupter ruhten schlaftrunken auf demselben. Mit einem Seufzer über die Schwächlichkeit des Jahrhunderts begab sich Jörg Kainz aus dem Hause. Die Nachr war stark finster, und der Wind pfiff aus den Schluchten des Gebirges. Nach einiger Zeit trat der halbe Mond aus einer schwarzen Wolke hervor und suchte mit mattem Schein das Dunkel da und dort zu durch- dringen. Jörg Kainz drückte seinen Hut fest ins Hinterhaupt und ließ seine heiße Stirn vom Winde kühlen. »Das ist eigentlich kein Wetter Mr Pürsche", sagte er zu sich. Deßungeachtet wanderte er gegen den Wald hin weiter, regelmäßige Zickzacke auf der Straße beschreibend. Nach einiger Zeit verließ er die Straße und stieg, an dem sausenden Gewässer des Hochfalls angelangt, einen Bcrgpfad aufwärts. Zn seinen beiden Seiten ragten jhurmhohe Felswände in den Nachthimmel empor. Unbekümmert um alle Schrecken der Nacht schritt Jörg Kainz rüstig weiter und pfiff laut ein altes Waldlerlied kn die Finsterniß hinein. Jedermann sieht ein, daß Jörg Kainz bei der herrschenden Finsterniß noch nicht zn fürchten brauchte, mit seinem Pfeifen um ein jagbares Wild zu kommen und daß er ferners keinen besonders tiefen Gedanken nachhing; er trabte eben ganz prosaisch der Diensthütte auf der Höhe des Vorbergsattels zu, völlig ohne Ahnung dessen, was kommen sollte. Allerhand Lieder, die er in feinem Gedächtniß vor- räthig fand, herunterpfetfend, gelangte er schließlich an das obere Ende des Nißloches, einer gewaltigen Felsenschlucht. Er verwandte wenig Augenmerk auf die im schwachen Mondlicht wie Schaumsilber viörireuden Kaskaden des Gebirgsbaches, sondern strebte unaufhaltsam höher auswärts der Diensthütte zu. Sein Athem ging schneller, und sein Pfeifen verstummte. Endlich lichtete sich der dichte Forst, und auf einem weiten Plan, unsicher vom Mond beleuchtet, lag die kleine Diensthütte vor Kainzens Augen. Die Dicnsthütte, für gewöhnlich Zugesperrt, war ein hochgelegener Ruhcpunkt für Jäger; Jörg Kainz besaß einen Schlüssel zu derselben. Kainz öffnete das Schloß, in der einzigen Stube des Gebäudes zündete er eine Kerze an, dann setzte er sich, das Gewehr zwischen den Füßen, auf einen Stuhl, und so wollte er die Morgendämmerung abwarten. Das Licht auf dem Tische flackerte bei den Windstößen, die das ganze Haus durchstöhnten, unruhig hin und her. Bald rasselte der Wind in den Sparren des Daches der Diensthütie, bald toste er im Keller derselben, wo Kaiuz Bier, in Flaschen abgezogen, aufzubewahren pflegte. Wunderlich tönte in das Sausen das gleichmäßige Ticken des Holzwurms m den fichtenen Wänden der Untcrkunftsstcitts. Jörg Kainz gedachte der vielen naturwüchsigen Frühstücke, die er schon hier oben eingenommen hatte, worunter Rehleber, nach seiner eigenen Methode am Herd der Hütte bereitet, eine große Rolle spielte. Er erinnerte sich mancher Kameraden und mancher Abenteuer. Seinen Rücken bequem an die Wand lehnend, die Füße von sich spreizend, schloß er die Augen und siel in einen Schlummer, aus dem er seltsam geweckt wurde. Aufwachend rieb er sich die Augen und sprang verwundert empor. Nie vernommene Stimmen drangen von der Flur her, welche die Hütte umgab, an seine Ohren. Leben und Getümmel umwogte die sonst stille Behausung. Als er unter die Thüre trat, sah er Treiber mit Ratschen, Bediente mit Windlichtern, zahlreiche Jäger. Jörg Kainz schaute unbeweglich und starr in das Getriebe. »Es ist höchste Zeit", sagte Jemand zu ihm, der ihm auf die Schulter klopfte. „Sie werden einen guten Standplatz erhalten. Kommen Sie m-.tl" „Ich?" rief Jörg Kainz sich umwendend aus. „Freilich, Sie." Der sonst redegewandte Jörg Kainz brachte kein Wort über die Lippen. Er sah immer mehr Menschen auf der Waldwiese vor der Hütte hin und her gehen und kannte keinen von ihnen. Sie kamen aus dem Forst, durcheilten den Plan und verschwanden wieder im Forst. Die Leute trugen Kleider, wie er sie nur ans alten Bilderbüchern her kannte. Jörg Kainz schaute und schaute und kam zn keiner Klarheit. „Werden Sie bald in den Wald gehen?" fragte ihn der eine Perrücke tragende Mann, welcher ihn zuvor angeredet hatte. „Werden Sie bald in den Wald gehen?" fragte er, eine Laterne vor das Gesicht des Jägers haltend. „Mit Laternen?" sagte Jörg Kainz, einen Schritt zurücktretend. „Was soll denn das Ganze bedeuten?" »Es ist heute große Jagd," erwiederte der Andere. „Es muß noch nicht weit von Mitternacht weg sein," sagte Jörg Kainz. Der Andere antwortete ganz ruhig; „Nein". „Hat man auf mich angetragen," sagte Jörg Kainz. „Gewiß," sagte der Andere. „So, scll', sagte Jörg Kainz, „nun, wir werben ja sehen".- „ES geht oer Verwand zu", sagte der Andere. „Schnurstracks vour Arber zum See hinab! Hurrahl" Während so gesprochen wurde, stand plötzlich vor Jörg Kainz ein junger Herr in der Kleidung, wie sie böhmische Adelige im vorigen Jahrhundert trugen. Die Stoffe der Kleider waren hochfein, und Goldstickerei war an den Verzierungen nicht gespart. Der junge Herr trug kurze, schwarzsammtne Hosen, schwarzseidene Strümpfe, hirschlederne Schuhe, Spitzenmanschetten, einen dreieckigen Hut, einen Degen an der Seite, ein Gewehr unterm Arm. Seine Weste war von grüner schillernder Seide, und die Flügel seines gelbseidenen Halstuchs, das lässig geknöpft war, hingen weit herunter. Sein Benehmen war aristokratisch gemessen. Während Jörg Kainz noch das Gewand des Junkers musterte, trat eine Dame in grünem Sammet- klei'oe herzu. Ein schwarzes Barett schmückte ihr Haupt; ihr Antlitz war bildschön, wie Jörg Kainz sich ausdrückte. Jörg Kainz war außer sich vor Begeisterung beim Anblick dieser Erscheinung. Ein huldreicher Augeuaufschlag der Dame traf Jörg Kainz. Das Betragen des jungen Herrn gegenüber der Dame schien das eines Bruders seiner Schwester gegenüber zu sein. Ein äußerst ergeben dareinsetzender Leibjäger in pstaumenfarbigem Kleide folgte dem Paare. Die Dame hatte Jürgens Herz ganz für sich eingenommen. „Die Jagd kann losgchen", rief der junge Herr, die Hand an den Degen legend. „Die Jagd kann loSgehen", wiederholte der Leib- jäger, sich tief verbeugend. Jörg Kainz nahm den Hut ab, verneigte sich unmuthig vor der Dame und setzte seinen grünen Filz wieder auf. „Man stelle sich in Zugordnung auf!" schrie der Letbjäger im pstaumenfarbigen Kleide den Bedienten und Treibern zu; dabei deutete er auch Kainz an, sich seinem Winke zu fügen. „Ich werde meine eigenen Wege gehen", rief ihm der Förster zu. Der Pflaumenfarbene machte sofort ein bitterböses Gesicht; als aber sein Herr nichts dawider redete, ließ er die Sache bewenden. Als auch noch ein begütigender Blick der Dame den Letbjäger traf, nahm dessen Gesicht die gewohnten blöden, devoten Züge wieder an. „Wenn es den Herrschaften recht ist", sprach Jörg Kainz gemüthlich, „werde ich mich ihrem Letbjäger anschließen und besonders bei den drohenden Abgründen auf die zarten Füße der hohen Dame Acht haben. Kollega, reichen Sie mir Ihre Hand!" Der Leibjäger schlug zaghaft und wie gezwungen in die dargebotene Rechte, während der ganze Troß von Bedienten und Treibern dieser Scene großäugig und schier ungläubig zuschaute. „So etwas Wunderbares ist mir doch noch nie vorgekommen", sagte Jörg Kainz für sich. Der Zug setzte sich in Bewegung, voraus die Treiber, darnach die Bedienten mit Windlichtern, hinter diesen kam eine Sänfte, in welcher die hohe Dame saß, von vier Dienern getragen, zur Seite der Sänfte ging der Baron, und unmittelbar darauf folgten Leibjäger und Förster. Binnen kurzem schlug der Zug ein rasches Tempo an, und Kainz mußte mehr laufen als gehen. Er wollte die Träger der Sänfte tadeln, da letztere bei diesem Tempo sehr schwankte, aber er wagte es nicht, denn er sah, daß die Dame selbst zu rascher Gangart aneiferte. Deßungeachtet verwandte er sein Auge nur selten von der Dame. Diese sah sinnend in die Weite, der Kavalier schaute fast ehrerbietig zu ihr empor, und der Pflaumenfarbene schien eifersüchtig auf den Förster zu sein, den er in Aufmerksamkeit für die Dame zu überbieten versuchte. Sein Auge hing in abgöttischer Verehrung an ihr. Jürgens Gefühle waren zwischen Neugierde und auflodernder Liebe zu der Dame getheilt. Er konnte sich nicht entsinnen, je ein schöneres Müdchenbild gesehen zu haben. Und an schönen Gesichtern ist doch unter den Jungfern deS bayerischen Waldes kein Mangel. (Schluß folgt.) Auch ein Stammbuch. „Was haben Sie denn in diesem Buch alles anfnotirt?" — „Sämmtliche Kriege, die ich während meiner dreißigjährigen Ehe mit meiner Alten führte! Achtundzwanzig Schlachten hat sie gewonnen, ich dagegen dreißig — verloren!" Anzüglich. „Mensch, wo kommst Du denn her so in Gala?" — „Habe Schwiegermutter besucht!" — „Ach, deßhalb hast Du die Angströhre aufgesetzt!" Kind, hast du deine Mutter noch? Kind, hall du deine Mutter noch? Dann möcht' ich dich beneiden! Wie reich bist du, wie glücklich doch Selbst in der Armuth Leiden! Des Lebens Sorgen werden nicht Dein leichtes Herz bedrücken; Die Mutter sieht, was Dir gebricht, Weiß, was Dich kann beglücken. Und ob sie selbst die Dornen stechen, Sie sucht das NöSlcin dir zu brechen. Kind, hast du deine Mutter noch? O halt' sie hoch in Ehren! O folge jedem Winke doch, Horch' ihren frommen Lehren! Und hüte dich, das Mutterherz, Das treueste von allen, Zu quälen je mit Leid und Schmerz, Du würdest Gott mißfallen. Und täglich fromm die Hände falte Und fleh', daß Gott sie dir erhalte. Kind, hast dn keine Mutter mehr. Dann möcht' ich mit dir weinen Wohl bist Du zn beklagen sehr; Und dennoch will es scheinen, Als habe Gott im Himmel dort Besonders lieb die Waise. Er nahm zn sich die Mutier fort Und spricht in's Herz dir leise: „Ich selbst, o Kind, ich ganz allein Will Vater dir und Mutter sein!" S ch e r z r ä t h s e l. Mit b inögst du es reich besitzen, Bekommst mit u du's, mög's dir nützen! Mit s ist es ein harmlos Thier — Mit i sind's Geschöpfe voll Nanbbegier. Mit x ein wundersames Wort, Erkennst den Münchner d'ran sofort.