« 87 . 1896 . „Augsburger PostMung". Dinstag, den 20. Oktober Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg lVorbesttzer Dr. Mar Huttler). Kin fehlendes Wort. Original-Novelle von C. Borges. (Schluß.) VI. Wieder waren Wochen vergangen. Der Sommer mit seinem üppigen Blumenflor ging rasch seinem Ende entgegen, und das buntgefärbte Laub auf den Bäumen kündete einen frühen Herbst an. Im Hause des Majors von Schalldorf waren noch keine Veränderungen eingetreten. Zwar bewachten Geheimpolizisten nicht mehr den Sohn auf Schritt und Tritt, aber der schwere Verdacht ruhte noch immer auf ihm und hatte den leicht erregbaren Vater in einen lebensmüden Greis verwandelt. Da traf ein Brief des Advokaten Almer ein, der für den folgenden Tag zu einer festgesetzten Stunde den Major mit seiner Gattin zu sich in sein Comptoir bitten ließ. „Was mag er nur wollen?" brummte ärgerlich der alte Herr. „Neues hat er uns doch nicht zu sagen, denn der Prozeß scheint noch lange kein Ende nehmen zu wollen; ich behaupte doch, daß weine Tochter die rechte Erbin ist und ihr das Vermögen zuerkannt wird." Jedoch am nächsten Tag fand er sich zur bestimmten Stunde ein und wurde vom Diener in ein großes Empfangszimmer geführt. Kaum hatte er es sich mit seiner Gattin bequem gemacht, als die Thüre wieder geöffnet wurde und der Anwalt Neuwann mit Tante Lina eintrat. Der Major warf den Beiden einen feindseligen Blick zu: „Was wollen die hier, da ich hierher bestellt bin", drückte sich deutlich in seinen Mienen aus. Jetzt traten auch der Lieutenant von Römer mit seiner jungen Frau ein — das Erstaunen des Majors wurde immer größer, — oann Frau Wendtland mit ihrem kleinen Willy, — sogar seine eigene Tochter Mathilde und zu seinem größten Aerger noch dazu an der Seite des Professors Wieser, und zuletzt folgt,, sein Sohn Ernst von Schalldorf. „Ich denke, wir sind jetzt alle versammelt", ertönte jetzt oie Stimme des alten Notars Almer, der unbemerkt eingetreten war und lächelnd im Kreise umschaute. „Darf ich fragen, weshalb sie uns hier zusammengeführt haben, was soll es bedeuten?" fragte Herr Neumann mit finster gerunzelter Stirn. „Ich sehe hier ja alle Verwandten meiner verunglückten Schwester", warf Tante Lina spöttisch ein, denn sie konnte über das Erscheinen Frau Wendtlands und deren Sohnes Willy ihren Zorn kaum bcmeistern. Herr Almer schaute triumphirend die zornig erregten Gesichter im Kreise an, dann entgegnete er mit fester, vernehmbarer Stimme: „Die Beantwortung dieser Fragen überlasse ich meiner Clicntin", und ehe noch die Anwesenden den Sinn seiner Worte verstanden hatten, zog er eine schwere Portiere zurück, und im Thürrahmen stand mit glücklichem Lächeln auf dem edlen Antlitz die Todtgeglaubte, und zwar am Arm eines stattlichen fremden Herrn. Die Anwesenden waren so sehr vor Ueberraschung und Schreck gelähmt, daß sie kein Wort hervorbringen konnten. „Meine Gattin, Frau Waldhausen", rief jetzt der Fremde mit lauter Stimme, inmitten des Saales schreitend. Aber selbst diese Worte vermochten immer noch nicht den Bann zu lösen, man glaubte ein Gespenst zu sehen. „Lina, hast Du mir nichts zu sagen?" fragte jetzt die Eintretende, ihrer Schwester die Hand entgegenstreckend. Sie sah frischer und lebensfroher aus, wie in früheren Jahren, alle Härte und Bitterkeit war aus ihren Zügen gewichen, und ihre Stimme hatte einen weichen, melodischen Klang angenommen. „Mathilde! Bist Du's denn wirklich?" rief Tante Lina, endlich ihre Sprache wiederfindend. „Was bedeutet es nur? Wo bist Du die ganze Zeit gewesen? Wer hat Dich gerettet? O, diese Ueberraschung ist mir zu viel — sie wird mich noch tödtenl" Dann brach sie nach alter Gewohnheit in krampfhaftes Weinen aus. „Ich war gar nicht in meinem Hause, als das Feuer ausbrach, konnte also auch nicht gerettet werden", versetzte Frau Waldhausen. „Du warst nicht in Deinem Hause?" riefen der Herr Major und Herr Ncumann gleichzeitig. „Nein." „Warum ließest Du uns denn in dem Glauben, Du seiest in den Flammen umgekommen?" stieß Tante Lina hervor. „Das war grausam von Dir, gar nicht zu verantworten. Bedenke doch die Unkosten, die wir uns um die Trauerkleiduug wachten!" „Das ist auch meine Meinung", kam das Echo des Gatten. 666 „Ich gebe zu, daß ich eine Erklärung schuldig bin", versetzte die reiche Wittwe, jetzt Frau Waldhausen. „An dem ereignißreichen Tage, der dem Feuer voranging, suchte ich Frau Wendtland, die Wittwe unseres Bruders Herbert, auf. Ich lernte sie als eine strebsame Frau kennen, die es vorzog, sich durch eigenen Fleiß ihren und ihres Sohnes Unterhalt zu erwerben, und meine Hilfe ablehnte." Bei diesen Worten warf sie ihrer Schwägerin einen liebevollen Blick zu, der die Anwesenden überzeugte, daß Freundschaft und Vertrauen zwischen beiden Frauen bestand. „Darauf kehrte ich in meine einsame Villa zurück", fuhr die Sprecherin fort, „und fand einen Brief, den meine Nichte Mathilde Neumann in meiner Abwesenheit verloren hatte." — Dunkle Nöthe bedeckte bei diesen Worten das Antlitz der jungen Frau. — „Es war der Brief einer Schulfreundin, ich las ihn, und — wie Schuppen fiel es von meinen Augen; Mathilde, die meinem Herzen so lieb und theuer gewesen war, stand jetzt ebenso falsch und habgierig vor mir, wie ich leider so viele meiner Verwandten kennen gelernt hatte. In einem vorhergegangenen Briefe hatte sie der Freundin den Wunsch meines baldigen Todes geäußert, da sie bestimmt hoffte, in meinem Testamente bedacht zu sein, und in dem Antwortschreiben machte ihr die Freundin über diesen unnatürlichen Wunsch gerechte Vorwürfe." Die junge Frau senkte beschämt den Blick zu Boden; sie ärgerte sich, daß sie durch ihre Unachtsamkeit das Vertrauen der reichen Tante verscherzt hatte. Der Lieutenant warf seiner Gattin einen vorwurfsvollen Blick zu. „Als ich den Brief gelesen hatte, war ich vollständig niedergeschmettert", erzählte Frau Waldhausen weiter. „Mathilde war mein Liebling gewesen, die langen, traurigen Jahre meines Lebens hindurch hatte sie meine Einsamkeit wie ein lichter Sonnenstrahl erhellt. Jetzt war mein Vertrauen erschüttert, und ich fühlte mich trostlos, einsam und verlassen in meinem Reichthum. Da kam mir wieder der Gedanke an meine Schwägerin, Frau Wendtland. Sie allein hatte mich nicht aufgesucht; sie hatte sogar meine Hilfe verweigert, und einer augenblicklichen Eingebung folgend, entschloß ich mich, sie noch einmal am selben Abend aufzusuchen, obgleich es schon neun Uhr war. Wir waren vor einigen Stunden nicht freundlich von einander geschieden, jetzt reifte aber der feste Entschluß in mir, die Freundschaft und Liebe der jungen Frau zu erringen. Unsere Unterredung dauerte bis gegen Mitternacht, und ehe wir uns trennten, wußte ich, daß wenigstens ein treues Herz für mich schlug. Als ich in der stillen, lauen Sommernacht allein den Rückweg zu meiner entlegenen Villa antrat, bemerkte ich einen hellen Feuerschein. Nichts Böses ahnend, setzte ich ruhig und in glücklicher Stimmung meinen Weg fort. Die Feuerwehr stürmte an mir vorüber, und bald wurde es mir zur schrecklichen Gewißheit, daß mein eigenes Haus in hellen Flammen stand. Vor Schreck gelähmt, versagten die Füße mir den Dienst, doch die Worte eines vorbeieilenden Mannes: „Die ganze Dienerschaft ist gerettet, nur die Besitzerin der Villa ist in dem Feuermeer umgekommen", gaben mir meine Kraft zurück. Da fiel es mir auch centnerschwer auf die Seele, daß ich selbst die Schuld an dem Unglück trug. In meiner Eile, das Haus ungesehen zu verlassen, hatte ich die Lampe in meinem Schlafzimmer brennend und leider zu nahe der Portiere stehen gelassen. Diese mußte sich entzündet und dadurch den Brand verursacht haben. Die Worte des Mannes halten mich nachdenklich gemacht, Jedermann hielt mich für todt; es bot sich mir eine günstige Gelegenheit, meine Identität zu verbergen und ein Leben abzustreifen, das mir unerträglich geworden war. Unter einem anderen Namen wollte ich ein neues Dasein beginnen." „Du hast gar nicht an unsere Gefühle gedacht", schluchzte Tante Lina, die noch immer die unnützen Kosten der Trauerkleidung nicht verschmerzen konnte. Frau Waldhausen lächelte. „Das gebe ich zu", gestand sie, „aber ich war zu begierig auf Euer Benehmen nach meinem vermeintlichen Tode. Aber ich hatte noch einen triftigeren Grund zu dieser Handlung. Geld und Reichthum hatten mir kein Glück, keine Freundschaft gebracht, jetzt wollte ich versuchen, in bescheideneren Verhältnissen glücklich zu werden. Einige tausend Mark, die ich vor Jahren auf einen andern Namen in der Bank deponirt hatte, standen mir jeden Tag zur Verfügung, diese schützten mich vor Mangel, und durch das fehlende Wort in meinem Testament blieb mir mein Vermögen gesichert. Nun kehrte ich in derselben Nacht zu Frau Wendtland zurück, erzählte ihr, was sich ereignet hatte, enthüllte ihr meinen Plan für die Zukunft und bat um ihre Verschwiegenheit. Sie unterstützte mich nach besten Kräften. Einige Tage blieb ich bei ihr, dann fand sie ein Logis für mich bei Frau Wieser — —" „Tante", unterbrach Mathilde von Schalldorf erregt, „ist es möglich, daß Du mit „Fräulein Winter" identisch warst?" „Ja, mein liebes Kind", lautete die im herzlichen Tone gegebene Antwort, dabei umschlang sie zärtlich ihre Nichte. „Denke nur meine Ueberraschung, als ich von Deiner Verlobung mit dem jungen Professor hörte! Du hast eine gute Wahl getroffen, mein Kind", fügte sie dann hinzu, auch dem Professor ihre Hand reichend, „und ich hoffe, Du wirst sehr glücklich werden. Ich war fast wie eine Gefangene in meinem Zimmer, denn ich wagte nicht, es zu verlassen, aus Furcht, erkannt zu werden." „Jetzt verstehe ich auch, weshalb ich niemals einen Blick von „Fräulein Winter" haschen konnte", fiel die Nichte belustigt ein. „Die Thür war so dünn, daß ich jedes Wort ohne lauschen zu wollen hören mußte", lächelte die Tante, „und so hörte ich auch manches Wort, was nicht für meine Ohren bestimmt war. Ich lernte, daß ich mich in Dir getäuscht hatte. Du wärest mir eine treue Freundin geworden, nach der sich mein ganzes Herz sehnte, wenn ich mir nur die Mühe gegeben hätte, Dich besser zu verstehen." „O, Tante! Du warst immer so einsam und traurig", flüsterte das junge Mädchen. „Nicht als ich im Hause der guten Frau Wieser wohnte Hier machte ich viele neue Erfahrungen. Ich merkte, daß Du mich wirklich geliebt hattest, und freute mich, daß Du um meinetwillen Dich meines kleinen Hundes annahmst. Das gute Thierchen mußte meine Nähe spüren, denn es scharrte und kratzte fortwährend an der Thür. In meiner vermeintlichen Dürftigkeit empfing ich auch manche Beweise der Liebe, die ich früher nie erfahren hatte und die meinem Gemüth jetzt doppelt wohl thaten." „Jetzt weiß ich auch, woher eine gewisse Kiste kam die unlängst in unserem Hause abgegeben wurde", warf der Professor lachend ein. „Frau Wieser lud mich zu dem Mittagessen", lächelte Frau Waldhausen, „um mir eine Freude zu machen, und ich muß gestehen, daß dieses der glücklichste Tag meines Lebens wurde. Ich hörte, daß Erich Waldhausen noch lebte, er war der Bruder meiner Wirthin, und hier sah ich zum ersten Mal nach langer Zeit sein Bild wieder. — Ganz unerwartet kehrte er nach Deutschland zurück wir sahen uns, beschlossen eine baldige Hochzeit, und bis zu diesem Tage wollte ich wein Jncognito bewahren." „Seit wann bist Du wieder verheirathet?" warf Tante Lina mit verächtlicher Kopfbewegung ein, denn es verdroß sie, daß jetzt auf keine Erbschaft mehr zu hoffen war. damit Alle die Einzelheiten der letzten Wochen aus meinem Munde hören konnten." „Das war wirklich für uns alle eine großartige Ueberraschnng", rief der Major erstannt. „Wenn Ernst vorhat, ein neues Leben zu beginnen, so will ich ihm behilflich sein", nahm jetzt Herr Waldhausen das Wort. „Ich glaube, die letzten Wochen sind ihm segensreich gewesen, und ich bin überzeugt, daß er ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft werden kann, wenn er nur will. Ein Ingenieur in Amerika hat bald sein Glück gemacht; an Kenntnissen mangelt es ihm nicht, und was ihm noch fehlt, kann er sich leicht aneignen. Ich habe drüben noch viele Freunde, die sich gern seiner annehmen ; übergeben Sie ihn meiner Obhut, Herr Major, und es wird bald die Zeit kommen, daß Großvaters Friseur. Nach einem Originalgemälde von W- Roegge. «W „Die Trauung fand gestern in aller Stille statt", versetzte die Angeredete. „Schon seit Wochen hatte ich von dem schweren Verdacht gehört, der auf meinem Neffen Ernst lastete; ich allein konnte ihn davon befreien und benachrichtigte die Polizei durch meinen Freund Almer, daß ich noch am Leben und das Feuer in der Villa zufällig ausgebrochen sei. Mein Neffe wurde nicht belästigt, und daß kurze Zeit der Verdacht auf ihm ruhte, hat ihn hoffentlich dazu veranlaßt, in Zukunft sein leichtsinniges Leben zu ändern. Die an jenem Abend mitgenommenen fünfhundert Mark lasse ich ihm gern; es genügt mir zu wissen, daß er noch in derselben Nacht in einem Briefe an mich die That bekannte und um Verzeihung bat, die ihm gern gewährt wird. Schließlich bat ich Herrn Almer, alle Glieder meiner Verwandtschaft heute hierher zu bitten, Sie mit Stolz und Freude zu ihrem Sohne Hinaufblicken." — Der alte Major war sichtlich bewegt, stumm reichte er seinem neuen Freunde die Hand. „Ich will ein neues Leben beginnen und mich des Vertrauens würdig zeigen", gelobte ernstlich der junge Mann. Jetzt wandte sich Frau Waldhausen an den Major. „Nun komme ich als Fürsprecherin für meine liebe Nichte", begann sie bittend. „Sie wissen, wie sehr sich die beiden jungen Leute lieben, aber ohne Ihren Segen können sie nie glücklich werden. Geben Sie Ihre Zustimmung, damit Sie nicht das Lebensglück zweier Herzen untergraben. Meine zerstörte Villa soll in früherer Schönheit und Pracht wieder aufgebaut werden, und reichlich ausgestattet zieht dann das junge Paar ein, und sicherlich 666 werden sie dort ein glücklicheres Leben führen, als wie ich eS gethan habe." Der alte Major konnte nicht länger widerstehen. „Sei glücklich mit dem Manne Deiner Wahl", sagte er feierlich und drückte seine vor Freude weinende Tochter fest an sein Herz, dann reichte er auch dem Professor die Hand, die er nach alter Soldatenart kräftig schüttelte. „Wenn später der Lag kommen wird, daß im vollen Ernst mein Testament verlesen wird, so soll es rechtskräftig in meinem Nachlasse gefunden werden", nahm zum Schluß Frau Waldhausen das Wort. „Damit sich aber Niemand trügerischen Hoffnungen hingibt" — hierbei warf sie einen Blick auf ihre Schwester Lina — „und da ich Gelegenheit hatte, in den letzten einsam verlebten Wochen meine wahren Freunde kennen zu lernen, so verkündige ich hiermit feierlich, daß meine Nichte Mathilde von Schalldorf oder deren Kinder und die Wittwe meines Bruders Herbert, Frau Wendtland, oder ihr Sohn Willy meine Haupterben sein werden. Ein neues, voll- giltiges Testament soll bald verfertigt werden, und es soll keinerlei Veranlassung zu Uneinigkeiten geben durch ein fehlendes Wort!" i- < » . I Ueber das Heben gesunkener Schiffe. 8.-8.-0. Es bestehen z. Z. zwei Hauptmethoden zum Heben gesunkener Fahrzeuge, die je nach der Beschaffenheit der zu hebenden Wracks und der Lage, in der sie sich befinden, angewandt werden. Ist der Schiffsrumpf nur wenig beschädigt, so daß eine provisorische Dichtung desselben durch Taucher ausführbar scheint, so'wird das Wrack, nachdem es zuvor so gut wie angängig wasserdicht gemacht ist, ausgepumpt und zum Schwimmen gebracht. Bei dieser Art des Hebens muß besondere Rücksicht darauf genommen werden, ob das Deck den auf ihm ruhenden Wasserdruck auszuhalten vermag. Um ein Durchbrechen zu verhüten, wird dasselbe, nachdem man zuvor so viel wie angängig von der Ladung gelöscht, durch Streber abgestützt. Luken und andere Dccksöffnungen müssen durch dicke Bohlen verschlossen und vorsichtig abgedichtet werden; ebenso darf die Oeffnung, durch welche das Saugrohr der Pumpe hindurchgeht, nur gerade groß genug sein, um dieses durchzutasten. Die Luftzufuhr geschieht mittelst kleinerer bis über die Wasseroberfläche emporreichender Röhren. Sind alle Vorkehrungen getroffen, so werden die Pumpen, die auf in der Nähe der Wrack- stelle verankerten Fahrzeugen aufgestellt sind, angesetzt. Geht Alles gut, so hebt sich das Schiff; besondere Sorgfalt muß indessen beobachtet werden, um ein Umschlagen zu verhüten. Liegt das Schiff in beträchtlicher Tiefe, so wird der Wasserdruck so groß, daß das Deck ihn nicht auszuhalten vermag. Man baut alsdann eine wasserdichte, bis an die Oberfläche reichende Kammer aus schweren Balken und Brettern über dem Wrack und bedeckt sie mit einer Plattform, auf der die Pumpen aufgestellt werden. Das Wasser wird hierauf ausgepumpt und das Schiff, in dem Maße, wie es sich hebt, höher auf den Strand hinaufgezogen. Wenn das Deck über Wasser kommt, so entfernt man den Aufbau, setzt die Pumpen auf das Deck, um dann mit dem Auspumpen des Wassers aus den Schiffsräumen fortzufahren. Auf diese Weise sind große Schiffe aus beträchtlicher Tiefe gehoben worden, wie z. B. das vor mehreren Jahren im Hafen von Gibraltar gestrandete Auswandererschiff „Utopia". Die Methode ist allerdings umständlich, kostspielig und nicht ohne Gefahr, es ist aber die einzig mögliche Art, um große Dampfer wieder an die Oberfläche zu fördern. Ist die Wassertiefe so groß, daß die Anbringung und Befestigung einer Kammer an dem Wrack nicht mehr ausführbar ist, so hört natürlich die Möglichkeit des Hebens mittelst dieser Methode aus. Handelt es sich um das Heben von Fahrzeugen aus großer Tiefe, so wird neuerdings mit Erfolg eine zweite Methode angewandt. Dieselbe besteht darin, daß dicke Stahldrahttaue unter dem gesunkenen Schiffe hindurchgezogen werden, und zwar, je nach der Größe und dem Gewicht des gesunkenen Sckiffes, in mehr oder minder großer Zahl. Ueber dem Wrack werden Pontons verankert und nach diesen die Drahttaue hingeleitct. Liegt das Wrack an einer Stelle, wo Ebbe und Fluth auftritt, so benutzt man das Steigen des Wassers, um das gesunkene Schiff zu heben. Die Trossen (Taue) werden beim niedrigsten Wassersland steif gesetzt und an den Pontons befestigt. Steigt dann das Wasser, so werden diese letzten hochgehoben, und mit ihnen hebt sich das in den Stahltrossen hängende Wrack. Bei Hochwasser werden Schiff und Ponton nach einer paffenden flachen Stelle am Strande geschleppt und an Grund gesetzt. Mit der nächsten Ge- zeit wird dann das Experiment wiederholt, das Wrack wieder um eben so viel höher gefördert, als der Unterschied zwischen Ebbe und Fluth beträgt, und weiter so hoch nach dem Strande hinaufgebracht als wie nur möglich. Ist man auf diese Weise so weit gelangt, um das Schiff bei Niedrigwaffer trocken legen zu können, so wird es provisorisch reparirt, worauf es bei der nächsten Fluth flottgemacht und in ein Trockendock zur endgültigen Reparatur gebracht wird. Selbstverständlich müssen die Pontons zusammengenommen genug Tragfähigkeit besitzen, um das Gewicht des Wrackes im Wasser heben zu können, ebenso müssen die Stahl- trossen von genügender Stärke und Zahl sein, und ferner soll eine möglichst gleichmäßige Vertheilung des Gewichts auf sämmtliche Hebcfahrzeuge und Taue stattfinden, eine Aufgabe, deren Lösung namentlich bei unruhiger See, oder wenn sonstige hindernde Umstände obwalten, durchaus nicht leicht ist. Tritt an der Unfallstelle Ebbe und Fluth nicht auf, oder ist der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwaffer nur gering, so ist man bei dieser Methode zum Höherbringen des Wracks auf Maschinen- kraft angewiesen. Die zu diesem Zwecke anwendbaren Vorrichtungen sind in den letzten Jahren bedeutend vervollkommnet worden. Namentlich die Fortschritte, die man in der Herstellung von bieg- und schmiegsamen Drahtseilen gemacht hat, haben es ermöglicht, daß man heute weit größere Gewichte zu heben vermag, als früher, wo man für diesen Zweck ausschließlich Ketten benutzte. Die Drahtkabel werden durch Schächte, die in der Achse des Pontons liegen, nach unten geführt, sodaß die Kraft stets in der Mitte wirkt und das volle Deplacement nutzbar gemacht werden kann. Die Pontons sind durch Längs- und Querwände (Schotte) in eine Anzahl wasserdichter Kammern getheilt, welche theils als Maschinen- kammern und Aufenthaltsräume für die Mannschaft, theils als Wafferkammern zur Regelung des Deplacements dienen. Jeder Ponton hat elektrisch bewegte Winden, welche senkrecht zu seiner Längsachse verschoben werden können. Die seitliche Verschiebbarkeit der Winden ist noth- >!!!« K *v< Koliman-Kula, der schwarze Thurm in Ktobuk (Herzegowina). Von Pros. P. Zwerina, MVW INWM, -, «L z W« E -V' ^ ^ S» ^ -- 's»-' 070 wendig, um bei verschiedenen Breiten des zu hcbendcn Wracks stets eine vertikale Zugkraft in den Kurbeln zu behalten und zu verhindern, daß die Pontons sich einander nähern. Man hat neuerdings in England solche Pontons bis zu einem Deplacement von 1000 Tons hergestellt, sodaß vier derselben, an einem Wrack angebracht, ein Gewicht von nahezu 4000 Tons zu tragen vermögen. Beim Heben werden je zwei Pontons nebeneinander gelegt und das Wrack mit Hülfe elektrischer Winden bis nahe an den Boden derselben aufgewunden; dann werden letztere um die Breite des zu hebenden Fahrzeuges von einander entfernt und dieses alsdann weiter in die Höhe gefördeit und in seichtes Wasser gebracht. Die beiden vorstehend e> wähnten Metboden des H bcns mittelst Auspumpens und unter Anwendung von Stahltrossen dürften in der Mehrzahl der Fälle, wo eine Hebung überhaupt möglich ist, heute zur Anwendung kommen. Versagen beide Auskunftsmittel, sei es, weil der Boden des zu hebenden Fahrzeuges gänzlich offen gerissen ist, auch Kabel aus irgend welchen Gründen nicht unter dem Kiel hindurchgezogen werden können, oder schließlich das Gewicht zu groß ist, um mittelst Pontons gehoben werden zu können, so bleibt nur noch das Mittel des Einbauens einer Plattform in das Schiff und nach- herigen Auspumpens des darüber befindlichen Raumes übrig. Dasselbe ist indessen nur dann angängig, wenn das Wrack nicht tief liegt und bei Ebbe das Deck aus dem Wasser kommt. Die Methode erfordert sorgfältige Berechnung, ohne die der Bcrger leicht großen Schaden nicht nur an Gut, sondern unter Umständen auch an Menschenleben erleiden kann. In erster Linie muß bekannt sein: das Gewicht des Schiffskörpers, der Ladung und der in das Schiff gebrachten Bergungsgeräthschaften, dann der Kubikinhalt des Theils des Raumes, sofern ein solcher vorhanden ist, der durch Leerpumpen zum Heben des Schiffes beitragen kann, und schließlich der Kubikinhalt der Ladung, die oberhalb der Plattform aus dem Laderaum herausgeschafft werden muß, um dem Schiff genügenden Freibord zu geben, wenn das Auspump-n stattgefunden hat. Große Schwierigkeiten erfordert das Anbringen einer tiefen Plattform, und wo immer genügende Schwimmkroft erzielt werden kann, legt man sie so hoch wie möglich. Es bleibt dann mehr Zeit zwischen Steigen und Fallen des Wassers, um die Arbeiten auszuführen. Die Plattform muß in der Form den erforderlichen Umständen des Falles angepaßt werden, genau an die Schiffsseite anschließen und überhaupt wasserdicht sein. Erwähnung verdienen noch einige veraltete Methoden, die heute kaum mehr angewandt werden dürften, oder wenigstens nur da, wo moderne Hilfsmittel nicht zugänglich sind. Es ist dies zunächst die Anwendung von Luftsäcken, die im Raum der Schiffe befestigt und alsdann ausgepumpt werden. Die Erfolge, die man damit erzielt hat, sind nicht bedeutend. Das größte Fahrzeug, das auf diese Weise gehoben wurde, war der Raddampfer „Prince Consort" von 607 Brutto-Registertons, der im Hafen von Aberdecn gesunken war. Das System hat den Nachtheil, daß es nur bei leeien oder fast leeren Fahrzeugen anwendbar ist, und ferner sind die Säcke sehr der Beschädigung durch scharfe Gegenstände, wie vorstehende Bolzen rc., ausgesetzt. Aucki mst der Anbringung von Caissons, die außen am Schiffe befestigt werden und aus denen dann das Wasser durch Luftpumpen ausgetrieben wird, hat man selten gute Erfolge erzielt. Die Befestigung der Behälter durch Taucher gelingt selten so, wie man es wünscht. Aus den vorstehend beschriebenen Methoden des Hebens gesunkener Schiffe wird der Leser eine oberflächliche Vorstellung von der Art und Weise, wie derartige Arbeiten ausgeführt werden, wie von den Schwierigkeiten, mit denen man bei diesen Arbeiten zu kämpfen hat, zu gewinnen vermögen. So groß auch die Bergelöhne sind, die zeitweilig für das Heben gesunkener Wracks bezahlt werden, so lassen sie doch selten für den Bcrger einen entsprechenden Profit. Die Anschaffung und Erhaltung des Materials stellen hohe Anforderungen, zudem werden die Bergungskontrakte stets auf der Basis „kein Erfolg, keine Bezahlung" abgeschlossen. Gelingt es dem Unternehmer nicht, das Wrack zu heben, so hat er all' seine Mühe und die großen Kosten umsonst gehabt. ->S-»WS«—- Der Pelz in der Mode. Pelz auf den Hüten, an Mänteln und Kleidern, Pelz an den Handschuhen, den Stiefelchen und Pantoffeln, Pelz an Fächer, an Handtasche und Portemonnaie! Die Preise selbst der kostbarsten Felle sind herab- gegangen, die Nachahmungen zu lächerlich billigen Preisen zu haben, so daß selbst die weniger Bemittelten sich eine wärmende Umhüllung anzuschaffen vermögen. Die luxuriösen Kreise haben wohl noch niemals sich einem derartigen srnbarras ckv rlokosos in Bezug auf Pelz gegenüber gesehen, wie in der abgelaufenen Wintersaison. Vor Allem ist zu erwähnen, daß man sämmtliche Pelzarten nicht mehr, wie früher, lediglich zu Besatz oder Futter verwendet, sondern sie als Außenseite der Kleidungsstücke (Oberzeug) trägt, was reich und prächtig aussieht. Für den Salon hat die Mode ein Rauchwerk in den Vordergrund geschoben, das lange Jahre hindurch lediglich Repräsentationszwecken bei Hoff und Staatsactionen diente: den Pelz der Kaiser und Könige, den Fürstinnen über das Parkett von Schloßsälen schleifen: den Hermelin. Die kaum handgroßen Fellchen sind von außerordentlicher Kostbarkeit. Sie sehen schneeweiß aus und tragen auf schwefelgelber Ansatzstclle das kohlschwarze Schwänzchen des reizenden kleinen Thieres. Nicht nur zur Verbrämung von Prunk-Toiletten und Abcndmänteln wird der Hermelin verwendet, ganze Kragen und Capes, sowie weitärmelige Jacken von wahrhaft fürstlichem Aussehen stellt man daraus her. Das Futter wird in lichter, abstechender Seide, in Damast, Brokat mit metallflimmernden Blumen gewählt, oder aber — und das ist der Gipfel der Eleganz — es besteht ebenfalls aus Hermelin. Nächst diesem Pelz gilt als das kostbarste Fellwerk der echte Kamtschatka-Biber (See-Otter), von dem ein tadelloses Fell 2000 Frcs. im Preise steht. Sein fein dunkles Haar hat einen fabelhaften, beinahe glitzernden Schimmer. In dritter Reihe erst folgt sibirischer Zobel; dies weiche, duftige,^ entzückend kleidsame Pelzwerk, das durch die dichte Stellung seiner seidenfeinen Haare erwärmt, wie kein anderes. Zobelfutter (als Neuheit wird 671 dazu Zobelklaue, Zobelkopf, Zobelkehle, Zobelseite verwendet) gilt als das allerleichteste und somit zu stoff- reichen Pelzen geeignetste. Seit zwei, drei Saisons hat sich die Mode eingebürgert, die kostbaren, an der Außenseite aus Zobel gefertigten Mantel und Capes mit den lose herabhängenden Schweifen des Thieres zu schmücken, was weniger geschmackvoll als originell erscheint. Höchstens als Franse kann man die sonderbare Zier gelten lassen. Zobel ist der vornehme Stroßenpclz xar sxoel- Isuov, erfreut sich aber auch zum Besatz eleganter Toiletten großer Beliebtheit. In schmalen, rundgebogenen Streifen tragen ihn die jüngsten Mädchen zu hellen Tuchkleidern. Wundervoll hebt sich sein warm getöntes Braun von perlweißem, goldgesticktem Atlas ab, sowie von purpurrothem, grünem oder lila Sammt. Der amerikanische Zobel ist bedeutend billiger als der sibirische, wird auch entsprechend geringer bewerthet. Im Range folgt nun der Silberfuchs oderderBlau- suchs, kostbares Rauchwerk, das jugendlichen Erscheinungen angemessener erscheint, als der ernsthaft aus- sehcndeZobel, aber gleich ihm nur gold- gefülltenHän- den erreichbar ist. Auch der Seeal (Biberseehund aus Alaska),dieser seit Jahren so beliebte und gesuchte Pelz, ist noch ziemlich theuer. Er gleicht prachtvollem Hochflor- Seidenplüsch von tiefbrauner Farbe und ist kurzhaariger, als die übrigen edlen Pelzsorten. In Folge dieser Eigenschaft ist er besonders zu eng die Gestalt umschmiegenden Jacken und Paletots geeignet. Auch wird er von Damen für Fahr- und Reisepelze bevorzugt. Man stellt ganze Ulsters, Kaisermäntel und Rotunden daraus her, auch das Futter vornehmer Herrenpelze. Etwas Weicheres, Schmeichelnderes als Seal kann man sich kaum vorstellen, und etwas Einfacheres auch nicht. Er gehört so recht der Jugend. Sehr begehrt ist der hochmoderne Astrachan neben dem sich immer noch in der Gunst behauptenden Persianer. Der Letztere gleicht dichtgelocktem Nege'haar, der Erstere sieht aus wie das Fell eines edlen, hingemordeten Neufundländers. Aeußerst apart und fesch nimmt sich ein Bolerojäckchen aus Astrachan mit malerisch weiten Aermeln zu hechtgrauem oder russischgrünem Tuch aus. Der Nerz, das dem Zobel ähnlichste, aber bedeutend vulgärere Pclzwerk, ist augenblicklich ebenfalls sehr beliebt und wird gleich seinem kostbaren Doppelgänger vielfach mit Schweifen garnirt. Als eine hervorragende Pelzsorte gilt der Biber. Sein etwas buschiges Haar ist lichtbraun und kurz. Auf der spiegelnden, gefrorenen Fläche macht dem 'Biber freilich der so beliebte und kleidsame Chinchilla (Haselmaus) Concurrcnz. Er ist ziemlich theuer, dabei nicht praktisch; denn das silberschimmernde Grau, das er ausweist, und das wie mit Schnee bestreut erscheint, färbt sich während des Tragens gelblich. Wer ein Pelzwerk von kräftiger Eleganz, das nebenbei fast unverwüstlich ist, erwähl n will, der sei auf den Skunks (Bär) hingewiesen. Zu Herrenpelzen äußerst beliebt, hält er sich seit Jahren in der Gunst für einfachere Confection, für Muffe, Kragen und besonders für Boas, wozu auch der elegante Marder sich vortrefflich eignet. Die weiterhin in Betracht kommenden Pelzwerke sind nicht theuer, zum Theil aber hervorragend kleidsam. Es sind: grauer Krimmer, Waschbär, Luchs, Goldfuchs, Iltis, Kasto- rette, Bisam und Kanin. Das Färben des Letzteren hat eine ganze Industrie hervorgerufen. Weißer Kanin ist für die Kleinen und Kleinsten beliebt. Der Febpelz einfach grau, sowie weißgrau, kommt nur zu Futterzwccken in Betracht. Milliarden der kleinen Fehthierchen müssen alljährlich ihr Leben lassen für die Eleganz und das Wohlbefinden der Damen. Besonderer Erwähnung als pompös aussehendes Futter und Garnirung für raantsanx äs dal verdient noch das langlockige, weiße Fell des Thibetschafes. Wie aus Schneeflocken zusammengeweht erscheint dieser Pelz. Er ist in allen Farbcn-Nuancen bis zum tiefen Schwmz hinab zu haben, obgleich es sonst das löbliche Bestreben der Pelzhändler ist, keine gefärbte Waare in den Handel zu bringen. Bei den ganz billigen Sorten läßt sich das freilich nicht vermeiden. (Luz. Vaterld.) Sega«. Vriginal-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in »rumbach. lvervielsLltigungireiht vorbehalten.; WM WW 672 Zu unseren Bildern. Großvaters Friseur. Einen so geschickten lieben kleinen Friseur, wie der Großvater, hat Niemand im Haus. D'rum ist der alte Mann auch kreuzvergnügt, weint nicht wie die Grete, wenn ihr die Mutter den dicken Blondzopf sträblt, sondern schmunzelt beim Fristren, als ob ihn Engelshände über den greisen Kopf strichen. Engelsbände stnd's auch im Grunde, wenn auch recht kleine, dicke, mit Grübchen versehene und nicht immer mit übertriebener Sauberkeit behandelte, die Händchen der kleinen, braunen Lori, des jüngsten Enkelchens des Alten. Gründlich thut das Kraus- köpfchen sein gutes Werk; mit der großen Kleiderbürste, mit der der Vater Sonntags den dunkelblauen Kirchenrock putzt, fährt sie über des alten Mannes kahlen Schädel und über die wenigen silberweißen Fäden, die ihm als letzter Ueberrest seines einstigen kräftigen Lockenwuchses verblieben sind. Als ihm vor fünfzig Jahren die Hand seiner jungen Liebsten bewundernd und kosend über den glänzenden Hauptschmuck strich, lächelte er auch; aber ob mit so freundlichem Behagen wie heute, bei LorchcnS Frisirversuchen? — Ich glaube nicht! KoUman-Kula. Die wilde, mordlustige Schaar, welche im Thale die Bataillone des Kaisers aufzuhalten gedachte, ist zersprengt. Die splitternden Granaten rissen weite Lücken in ihre Reihen, und vor den blitzenden Bajonnctten, vor dem donnernden Hurrah der Söhne Oesterreichs wandten sich die Bcgs zur Flucht. Ein Häuflein sucht Zuflucht in dem Thurm, der vom steilen Abhänge trotzig herniederstebt; wild und düster ist der Bau, ein Raubnest, ähnlich dem Horste des Geiers, dem Verwesungsgeruch entströmt. Altes zerfallendes Gemäuer, überbaut mit Holzwerk, unwohnlich und unheimlich, wie die Menschen, die hier Hausen. Unter Allahgeschrei sind sie ausgezogen, um gegen die Fremden zu kämpfen und die Christen zu tödtcn. Bei den Luken sieht man sie hängen, auf langen Stangen ober dem Dache sieht man sie schwanken: die Trophäen, heimgebracht vom Schauplatze eines hinterlistigen Ueberfalls. Der christliche Fübrer der Tragtbiercolonne büßte es mit dem Leben, daß er den Soldaten den Weg gezeigt. Doch die Rache naht jetzt. Im Sturmschritt drängen den Fliehenden die Soldaten nach, klettern den steilen Hang hinauf. Die Bergkanonen senden ihre Geschosse herüber auf das Raubnest. Einer nach dem Andern der wilden Gesellen sinkt, und Jene, die mit verzweifeltem Trotze da oben noch ausharren, Kugel um Kugel aus den langen Flinten versenden, sie werden wobl kaum den Abend des Tages sehen. Sie kannten kein Erbarmen und wollen keine Schonung, sie werden kämpfen, so lange noch Pulver und Blei in ihrem Sacke ist, so lange noch ein Winkel ist, der sie birgt, eine Luke, um das Gewehr hinauszustrecken. — Unser Bild stellt Soliman-Kula, auch Kara Kula oder Erna Kula (Schwarzer Thurm) in Klo- buk dar. Die Bergveste Klobuk in der Herzegowina, an der montenegrinischen Grenze gelegen, war eines der berüchtigtsten Raubnester, sie galt als uneinnehmbar und unzerstörbar, da sie auf steiler, schwer zugänglicher Felsenhöhe lag. Den schwarzen Thurm soll Soliman II. erbaut haben, er war von jeher einer der gefürchtetsten Gefängnißthürme und Richtstätte. An dem äußeren Geländergang von Eichenholz waren ringsum Fallthüren angebracht, durch welche gleichzeitig 16 Justificirte hinaus- gehängt werden konnten. Im letzten Aufstand wurden Alle, die es nicht mit den Türken hielten, hier aufgeknüpft, so daß oft ein ganzer Kranz von Gehenkten den Thurm umgab. Die Berg- vestc Klobuk mit dem Thurme, in welchen sich die geschlagenen Insurgenten der Herzegowina geflüchtet hatten, wurde von der österreichischen Artillerie innerbalb 3 Stunden in Trümmer geschossen. Heute ist das ganze Raubnest zerstört. Kega«. Die Pfarrkirche in Legau wurde erbaut, soweit bekannt, im Jahre 766; erweitert im Jahre 1785; eingeweiht 8nd titulo sauotorum blari^ram 6oräiani st 8pimaelü ; das Patrocinium ist am Gcdächtnißtage dieser Heiligen, am 10. Mai. Der Tag der Consecration und der Name des Consecrators ist unbekannt. Die Kirche hat 5 Glocken mit den Tönen 6, v, 8, 61, ist 44 m lang mit Einschluß des Chores, Länge des Chores 12 m, Breite des Schiffes 12 m, jene des Chores 8 m, die Höhe der Kirche (innen) 12 m ohne Säulen, Backsteingemäuer. Im Jahre 1890 wurde das Innere der Kirche im polychromen Stile reich bemalt, was einen Kostenaufwand von ca. 30,000 M. erforderte. Die Pfarrei zählt gegenwärtig 1700 Einwohner. —«Mies-- ALLerLeL. In der Geschtchts stunde. Lehrer »ocirend^: ..Und so hat das Volk die Eigenthümlichkeit, die Namen seiner Herrscher mit gewissen bestimmten Prädikaten zu schmücken, die die Eigenschaften der Herrscher auch für die Nachwelt in knapper Weise veranschaulichen, wie z. B. Friedrich der Große, Philipp der Schöne, Karl der Kühne .... Nun, sage Du mir einen andern solchen Herrscher mit einem Beinamen." - Erster Schüler: „Ludwig der Fromme." — Lehrer: „Schön, nun Du!" — Jtzig Kohn: „Gott der Gerechte!" -- Hkauöe. Wie ein Quell den müden Wand'rer Labt und seine Kraft erneut. Wie des Mondes freundlich Leuchten Uns in dunkler Nacht erfreut: Sei der Glaube dir ein Stern; Folge diesem Lichte gern! Wenn die Stürme dich umbrausen, Find'st bei Menschen du nicht Trost, Wenn du keinen Freund kannst finden, Dich der wilde Schmerz erloost: Lenkt der Glaube deinen Sinn Hoffnungsvoll zum Himmel hin. Was in deinem Herzen blühet Still verborgen, fromm und rein. Wird im Lichte wahren Glaubens Himmlischer und schöner sein: Denn der Glaube ohne Trug Adelt deiner Seele Flug. Dieses Gut laß dir nicht rauben, Bleibe deinem Glauben treu. Wenn du nie im Glauben wankest, Wird dir Gottes Huld stets neu. Wohnt der Glaub' in Herz und Sinn, Schaut Gott liebend auf dich hin. Bete, daß die große Gnade Wahren Glaubens bleibe dir! Wenn einst naht die letzte Stunde, Wenn dein Leben endet hier, Mög' dein Glaube fromm und rein Führen dich zum Himmel ein. F. W. Wierleuker. Kreuz-Aäthser. 1 2 3 4 1 wirst in Rom du finden, 2 ist bei Riesen stets, 3 ist die 4 von hinten Im Inhalt des Gebets. 1 2 erfreut die Sinne Als ein Symbol der Minne. 3 4, willst du es sehen, Mußt du zum Meere gehen. 3 1 kennst du als Flüßchen In einem fernen Land. 1 4 bringt dir ein Küßchen Schenkst du's der Frau galant. 4 2 wird gut gebunden In jedem Haus gefunden. Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 85: Weiß. 1. D. 64—84 2. 82-81 3. S. 85—66 (64) Matt. Schwarz. T. 85-84: T. 84 (L. 62) — 84: