« 11)3 1896 . „Augsburger postzritung". Dinstag, den 15. Dezember Für die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabberr in Augsburg lBorbesitzer vr. Max Huttler). Ihr erster Roman. Novelle von Antonie Haupt. (Fortsetzung.) IV. „Station Thäte! Alles aussteigen!" „Otto, wir sind am Ziele! Hörst Du nicht? Nun, so kehre doch endlich in die Wirklichkeit zurück!" Doktor Hesse begleitete die letzten Worte mit einem ziemlich energischen Schlag auf die Schulter des Freundes. Freiherr von Saarstein klappte mit tiefem Athemzuge das Buch zu, das er nun schon zum drittenmale las, schaute im Etsenbahncoups umher und sagte noch halb wie im Traume: „Du hast Recht, Georg, diese eigenartige Dichtung versetzt mich förmlich in eine andere Welt. Aber ich müßte nicht selbst Schriftsteller sein, um mich dem Reize des Einblicks, der mir in die Gemüthswelt dieser edlen Frauenseele offen steht, entziehen zu können. Ich fühle es, die junge Dichterin hat ihr eigenes Ich lo ganz und gar mit der Heldin ihres Romans verwebt, daß ihre tiefsten Empfindungen, ja ihr ganzes Wesen und Sein aufgeschlossen vor mir liegt. Alle ihre Gedanken finden Widerhall in meiner Seel-, als ob es die meinen wären. Ich verstehe sie vollkommen, ja ich glaube sie zu kennen, wie mich selbst. Die Wahrheit und Treue, womit das wunderbare Wesen in dem Helden ihrer Schöpfung meinen Charakter schildert — freilich tdealisirt, doch mit den kleinsten Eigenthümlichkeiten — macht mich vollends fassungslos. Es ist, als ob ich mein eigenes Bild in einem Zauberspiegel sähe. Unmöglich, daß sie mich nur aus meinen Schriften kennt, in die ich allerdings ein großes Stück meiner Lebensgeschichte hineingewebt habe; wir müssen uns häufig begegnet sein. Doch wer ist sie? Wo und wann standen wir uns nahe?" Während dieser Rede hatte Saarstein seine Reiseeffekten zusammengesucht und war dem Freunde ins Freie gefolgt. Dieser hatte nur mit halbem Ohr seinen Worten gelauscht und entgegnete ziemlich zerstreut: „Nun, die romantische Geschichte wird sich doch endlich einmal aufklären. Wohin sollen wir hier denn eigentlich unsere Schritte lenken?" „Ohne Zögern nach der Roßtrappe. Dort finde ich den erhofften Brief, das ahne ich, das sagt wir die eigenthümliche, nicht zu bezwingende Sehnsucht, womit ich nach jenem mir unbekannten Ort verlange", lautete die Antwort. Georg schüttelte lächelnd den Kopf. „Wenn Du mit Ahnungen Dich abzugeben beginnst, so wird der letzte Rest von Vernunft Dich bald ganz verlassen haben." Durch die unliebsamen Erfahrungen am Renneken- berg doppelt vorsichtig geworden, sah man sich auf dem Bahnhof nach einem Führer um. Bald war einer gefunden in der vertrauenerweckenden Person des rühmlichst bekannten „alten Hartmann". Unter der Leitung des treuherzigen Alten traten unsere Freunde jetzt in das hochromantische Bodethal. Wer vermag die wunderbare Schönheit zu schildern, welche sich ihren Blicken dort enthüllte! Die weiche, goldene Septembersonne lagerte mit zauberischem Lichte auf dem buntgefärbten Laube, das zwischen den grotesken wilden Felsgebtlden freundlich hervorlugte, beleuchtete die abenteuerlichen Formen der auf allen Seiten dräuend zum Himmel starrenden, gewaltigen schwarzen Steinmassen und stahl sich zitternd hinab in die tiefste Thalsohle. wo der schäumende Bach zwischen mächtigen schwarzen Felsblöcken dahinbrauste. Das Thal in seiner majestätisch düstern Schönheit stimmt auch bei der sonnigsten Beleuchtung die Menschenseele zum Ernst. Es weht etwas Gcheimnißvollcs, Uebermenschlichcs um diese wunderbaren Felsenklüfte mit ihrem feierlichen, regungslosen Schweigen. Kein Wunder, daß die Phantasie des Volkes den Fürsten der Finsterniß in diesem Schattenreiche herrschen läßt. Man findet hier eine „Teufelskanzel", ein „Teufelswaschbecken". eine „Teuselsbrücke", ja, den leibhaftigen Bösen selbst, versteinert in unendlicher Größe. Unter der Anführung des biederen Thalensers wandten unsere Reisenden sich bald der sogenannten „Schurre", einem Zickzackwege, zu, welcher sie nach einer halben Stunde auf die Höhe der gewaltigen Roßtrapp- kltppen brachte. Die wechselnde Aussicht nach dem imposanten düstern Felsenthale mit der wildschäumenden Bode, sowie nach der weiten, sonnigen, duftblauen Ebene mit ihren vielen Städten war entzückend. Doch Otto, der begeisterte Naturfreund, bemerkte heute nur wenig von der ihn umgebenden Pracht. Seit dem Tage, an welchem er die ersten Seiten des Romans „Auf der Höhe" gelesen, stand nur ein Bild, das Bild einer idealen Frauengestalt voll Anmuth und Würde, vor seinem geistigen Auge. Er kannte nur mehr einen Wunsch, der liebenswürdigen Dichterin, welche seine Einbildungskraft mit allen Vorzügen edler Weiblichkeit schmückte, welche ihm 794 geistig so rohe stand, auch persönlich nahe zu treten. Zu seinem tiefsten Leidwesen aber hatte er mit dem Roman zugleich einen Brief des Verlegers empfangen, worin dieser sein Bedauern darüber aussprach, ihm die Adresse der Schriftstellerin nicht verrathen zu dürfen. Nach kurzem Ueberlegen fand Saarstein einen Umweg zu ihr. Er schrieb an „Ilse Treuenfels", erzählte ihr von dem Fund des Tagebuches, bekannte freimüthig seine Indiskretion, schilderte den mächtigen Eindruck, den ihr geschriebenes Wort auf seine Seele gemacht, gestand, wie er dann unablässig nach ihr geforscht. Wie er endlich ihren Roman „Auf der Höhe" kennen gelernt, der sein Herz bewegt habe, wie nie etwas im Leben. Wie nun all' sein Wünschen in dem Verlangen gipfele, ihr Auge in Auge gegenüberzustehen, ihr, die seine Gedanken, seine Phantasie, sein Herz so ganz gefangen nehme. Am Schlüsse beschwor er sie, ihm zu schreiben, ihm die Möglichkeit zu geben, ihr seine Bewunderung persönlich aus- zusprechen. Diesen Brief sandte er als geschlossene Einlage an den Verleger und bat ihn, denselben an die richtige Adresse zu befördern. Als seinen eigenen Aufenthaltsort in nächster Zeit gab er die Roßtrappe bei Thale an. Die Verfolgung hatte er aufgegeben, da er die vergebliche Mühe eines noch längeren Forschens und Umher- spähens erkannt hatte; mit der ganzen Ungeduld seines Herzens aber hoffte er nun auf ein schriftliches Lebenszeichen von ihr. Da stand er auf dem schönsten, romantischsten Punkte des ganzen Harzgebirges, doch sein Auge blieb blind für die großartige Umgebung; die ungestüme Sehnsucht nach einem Zeichen von ihr ließ ihm keine Freude an dem ruhigen Genuß der Landschaft, trieb ihn rastlos vorwärts. Mit beflügelten Schritten eilte er den Andern voraus zum nahen Gasthause. „Kein Brief für Freihcrrn von Saarstein angekommen?" war seine erste Frage. „Saarstein, Saarstein!" murmelte der dienstthuende Kellner, indem er eine Anzahl Briefe aus einem verschlossenen Fache nahm und durchmusterte. „Doch, hier ist einer." Die Aufschrift des Briefes war wirklich von der Hand des Verlegers. Hastig zerriß Otto die Umhüllung, und stehe da, die bekannte zierliche und doch so energische Handschrift der Verfasserin des Tagebuches kam zum Vorschein. Fast athemlos vor Freude verlangte Saarstein sofort sein Zimmer und eilte hinauf. Mit dem Gefühle überströmenden Glückes begann er zu lesen, doch der freudige Ausdruck seiner Züge machte bald dem der Enttäuschung und Niedergeschlagenheit Platz. Der Brief lautete: „ES gereicht mir beinahe zum Trost, daß gerade Sie und nicht ein unberufener Fremder mein unseliges Tagebuch fanöen. Doch ein ausschließliches Gefühl — die Beschämung hat mich noch viel mächtiger ergriffen. Sie werden verstehen, wie der Gedanke, daß Ihnen mein innerstes Seelenleben, das sorgsam gehütete Geheimniß meines Herzens, rückhaltlos enthüllt ist, es dringend gebietet, meinen wahren Namen, mich selbst vor Ihnen zu verbergen. Wie vermöchte ich es auch, Ihnen ruhig gegenüberzutreten und die Enttäuschung bei meinem Anblick in Ihren Augen zu lesen l Sie glauben, mich zu kennen, mich zu lieben! Welch' ein Wahn! „Aus meinen Schriften haben Sie sich eine ideale Phantasiegestalt gebildet und glauben an die Gluth Ihrer Empfindung wie an die Wahrheit der selbstgeschaffenen Traumgestalt. Wenn ich Ihnen begegnete, so fänden Sie, das weiß ich gewiß, eine vollständig Andere, als das geträumte, Ihnen so vertraute Wesen. Sie würden mir vielleicht ein wenig Mitleid weihen und sich dann mit Gleichgiltigkeit, möglicherweise sogar mit Abneigung von mir wenden. Das ertrüge ich nicht! Lassen Sie mich ferne bleiben, lassen Sie mir den Sonnenstrahl meines Lebens, das beglückende Bewußtsein, daß wenigstens mein unsichtbares Ich, meine Seele, von Ihnen geliebt werde. Uns Frauen macht die Liebe ja unser höchstes Glück aus, umschließt unser ganzes Dasein, während sie Euch Männern nur eine Episode ist. Warum soll ich es leugnen, Sie wissen es ja, daß ich Sie liebe — den hochherzigen, edlen Mann, nicht nur den so mächtig fesselnden Schriftsteller daß ich Sie liebe und verehre mit der ganzen Schwärmerei eines jungen Herzens. Nichts in der Welt jedoch hätte Ihnen meine Liebe verrathen, wenn nicht das Verhängniß Ihnen einen Einblick in mein Herz eröffnet hätte. Meinen wahren Namen nenne ich Ihnen nie; denn ich möchte lieber sterben, als der Gegenstand Ihres Mitleids sein. Forschen Sie nicht nach mir, es wäre vergebens. Leben Sie wohl. Möge der Himmel Sie glücklich machen! Meine heißesten Segenswünsche und Gebete werden Ihnen das Geleite geben, so lange ich athme. Ilse Treuenfels." Nachdem Otto den Brief erst in namenloser Spannung verschlungen, dann wieder und wieder nachdenklich und kopfschüttelnd gelesen, flog ein Lächeln über seine Züge. „Glaubt sie wirklich, daß ich mich thatlos zufriedengebe, daß ich mich mit einer anonymen Liebe begnüge?" flüsterte er. „Nein, o nein, ich müßte kein rechter Mann sein, wenn der Widerstand sie mir nicht noch begehrens- werther erscheinen ließe, mich nicht anspornte, alle Hindernisse, die mich von ihr trennen, siegreich zu überwinden. Es liegt ein unendlicher Zauber für mich in dem Gedanken, sie dennoch zu finden, sie für mich zu gewinnen. Eigenthümlich .... auch ihr Brief deutet an, daß sie mich persönlich — nicht nur als Schriftsteller — kennt, deutet an, daß ich ihr beim Begegnen Gleichgiltigkeit gezeigt habe. Ja, ja, es ist efn peinlicher Punkt in der Frauenltebe; Liebe beherrscht das ganze Leben des Weibes, Liebe ist ihr Ziel, ihr Glück; und dennoch muß die Frau, will sie nicht der Sitte Hohn sprechen, will sie nicht für unweiblich gelten, dem geliebten Manne sorgfältig ihre Neigung verbergen, es sei denn, daß die Liebe zufällig gegenseitig ist und er ihr zuerst seine Gefühle gesteht. Armes Kind! Nun, da ich einen Blick in Dein Herz gethan, werde ich die Welt durchforschen, um Dich zu finden. Mit namenloser Sehnsucht zieht es mich zu Dir; ich habe Dich verstanden, wie Du von niemand in der Welt besser verstanden werden könntest." Der Eingebung des Augenblickes folgend, setzte er sich flugs an den Tisch und schrieb: „Selten habe ich das Eingreifen einer höhern Macht, die unsere Geschicke lenkt, so dankbar empfunden, als in der wundersamen Fügung, die mir Ihr Tagebuch in die Hand spielte, die mir Ihr ganzes schönes Herz enthüllte. Und Sie könnten so grausam sein, sich noch länger vor mir zu verbergen? Sie wollten mir das höchste Glück, das Glück, Sie kennen zu lernen, versagen? — O, ich weiß, ein überfeines Gefühl edler Weiblichkeit leitet Sie hierin; ich errathe, was in Ihrer Seele vorgeht, ich verstehe Sie ja wie mich selber. Doch es ist unnatürlich, daß wir uns niemals Auge in Auge gegenüberstehen sollen, wir, die das Geschick so wunderbar zu einander hinführt. Seit ich die ersten Zeilen Ihrer Aufzeichnungen las, haben Ihre Worte mir unaufhörlich durch die Seele nachgeklungen. Seit ich in der Betrachtung der holden Schöpfung Ihres Geistes einen Genuß fand, der mein ganzes Wesen mit Entzücken durchdrang, waren Sie die Königin meiner Träume, das Ziel meines Sehnens. Es macht mich wahrhaft unglücklich, ein Wesen, das mir so ähnlich ist, mir geistig so nahe steht, das ich ! muß. die mich entzücken, während die vollendetste äußere Schönheit allein keinen Reiz auf mich auszuüben vermöchte. Mit dem heißen Wunsche, Ihnen bald wehr sein zu dürfen, als heute, wo Ihr Wille mich in ferne Schrankn bannt, bin ich Ihr Freund Otto v. Saarstein." Er verschloß den Brief, richtete einige Zeilen an den Verleger und steckte Alles zusammen in ein größeres Couvert. * * * V. Auf dem Weihnachtsmarkt. mit heißer Liebe und inniger Verehrung an mein Herz ziehen möchte, ohne körperliche Form zu wissen. Die Liebe muß, wie Jean Paul sagt, etwas Körperliches haben, einen Zweig, auf den sie herunterfliegt. Senden Sie mir wenigstens diesen Zweig — Ihre Photographie. Fürchten Sie nicht, daß Ihr Bild anders sei, als das, welches meine Phantasie mir ausmalte. Harmonie zwischen Wesen und Erscheinung muß bestehen, eine andere vielleicht, als ich träumte, aber immerhin eine mich freundlich berührende. Ich weiß ja, daß die Schönheit Ihrer Seele auch durch die unscheinbarste Hülle Strahlen werfen Am folgenden Morgen ward in aller Frühe ein Ausflug nach dem unfernen Blankenburg unternommen. Als unsere Freunde im Laufe des Nachmittags wieder nach dem Gasthause zur Roß- trappe zurückkamen, woselbst sie längeren Aufenthalt nehmen wollten, gewahrten sie in der nahen Veranda zwei junge Damen häuslich angesiedelt. Die zunächst Sitzende, eine kleine, zierliche Blondine mit feinen, etwas bleichen Zügen, schien emsig mit einer Handarbeit beschäftigt. Otto's Auge, welches einen Moment überrascht auf ihr geruht, flog über sie hinweg, um mit dem Ausdruck frohen Staunens auf der reizen den Frauen- gestalt zu haften, die unbeschreiblich unmuthig in einem Schaukelstuhle lag und mit großen, dunklen Augen in die Ferne starrte, während ein Buch, in dem sie gelesen hatte, in ihrem Schooße ruhte. Dunkel war das kurze Gelocke, welches so graziös über ihre schöne Stirn fiel, zierlich das feine Stutz- näschen, wie eine frische erschlossene Granatblüthe leuchtete der kleine, rothe Mund. Beim Erscheinen Saarstein's zuckte sie leicht zusammen; als beider Blicke sich begegneten, flog eine dunkle Nöthe über das pikante Gestchtchen, und aus ihren lebensprühenden Augen flammte ein Blitz, der den Freiherrn mit plötzlichem Licht eigenthümlich bis in's Innerste traf. Er eilte auf sie zu. „Täuscht wich eine Fata Morgana, oder sind Sie's wirklich, Frau v. Elz?" ^rief er aus. ^ „Ich bin's." Sie bot ihm die Hand fund lachte, wobei zwei Reihen blendend- " " -". ,:.Lweißer Zähnchen zum Vorschein kamen. „PhantastischcLuftgebilde verirren sich nicht in das nüchterne, ernst-gravitätische Harzgebirge." Er zog ihre Hand an seine Lippen. (Fortsetzung folgt.) Das Schlange »äuge. (Schluß.) Während ich den Brief las, stand Gopinath mit verschränkten Armen einige Schritte von mir entfernt. Ich sah ihn an und sogleich fiel mir eine große Veränderung in seiner Erscheinung auf. Als ich ihn zum letztenmale gesehen, war er mir als ein besonders schöner Vertreter seiner Race erschienen — schlank und kräftig, mit wundervollen geschmeidigen Gliedern. Jetzt war sein Gesicht verzerrt, seine Augen hatten jenen Ausdruck der Angst, den ich schon öfters in den Augen eines leidenden Hundes beobachtet hatte, seine Gestalt war gebeugt, und in Zwischen- räumen entfuhren seinen Lippen langgezogene Seufzer. „Du bjst krank, Gopinath", sagte ich unvermittelt zu ihm. „Sahib, ich leide", antwortete er. Bei diesen Worten drückte er seine rechte Hand an seine Seite. „Ich leide Todesangst." „Gib mir deine Hand I" Ich nahm sie in die meinige. Sein Puls ging schnell und unregelmäßig; seine Haut war brennend heiß; er war augenscheinlich sehr krank, und ich glaubte, er sei einem orientalischen Fieber zum Opfer gefallen. „Bei jedem Athemzuge leide ich unsägliche S hmerzen", sprach er stöhnend. Ich bot ihm einen Stuhl an, er aber setzte sich mit überschlagenen Beinen auf den Boden. „Können Sie mir Erleichterung verschaffen?" fragte er. „Man sagt, Sie verstehen die Kunst zu heilen." „Es wäre besser, wenn du einen Arzt zu Rathe ziehen wolltest," sagte ich. Er schloß die Augen und begann sich nach vor- und rückwärts zu beugen. „Ich brauche keinen englischen Doktor, die ungewohnte Kälte in diesem England verursacht mein Leiden. Ich muß in mein Vaterland zurückkehren. Ich sterbe, wenn ich noch länger hier bleibe." Er fuhr mit der Hand wiederum nach seiner rechten Seite. Bei dieser Bewegung durchkreuzte plötzlich ein Gedanke mein Gehirn. Sein tiefer Kummer, die vollständige Veränderung in seiner Erscheinung erweckten in mir eine wilde Hoffnung. Der Verdacht des Mordes war noch nicht auf Gopinath gefallen. Gesetzt, er wüßte darüber mehr als irgend ein anderer? Ich zweifelte nicht im Geringsten, daß die Person, die den Diamanten gestohlen, auch den Mord begangen habe. Gesetzt, die Versuchung, den Stein sich anzueignen, sei für Gopinath zu viel gewesen? „Steh' auf", sagte ich plötzlich zu ihm. „Du hast hier Schmerzen?" Ich deutete auf seine rechte Seite. „Qualen", erwiderte er. Ich sah, daß er sich kaum aufrecht halten konnte — sein Leiden wenigstens war keine Verstellung. „Ich werde herausbringen, was dir fehlt." „Können Sie mir helfen?" fragte er. Ein schwacher Hoffnungsschimmer blitzte in seinen Augen auf. „Vielleicht. Bleibe einen Augenblick da stehen; ich werde gleich wieder hier sein. Ich verließ ihn und ging in mein Laboratorium. Der Moment war gekommen, in welchem ich wirklich die Röntgen-Strahlen erproben konnte. War es möglich, daß sie vielleicht doch das Mittel sein konnten, ein Verbrechen zu enthüllen und das Leben eines Unschuldigen zu retten? — Crooke's Vacuumröhre wurde in die richtige Lage gebracht — ich sah, daß die Strahlen gut arbeiteten — dann kehrte ich zu Gopinath zurück. „Komm' mit mir." Er folgte mir in mein Laboratorium ohne ein Wort zu sprechen. Ich bat ihn, sich zu entkleiden und stellte ihn dann nach einigen vergeblichen Versuchen so auf, daß die Strahlen seinen Körper durchdringen mußten. Ich drehte das Licht in dem Zimmer ab — meine elektrische Batterie arbeitete gut, die Strahlen entwickelten sich in der Röhre vortrefflich. Ich entfernte die Kapsel von der Camera, und nach einer Exposittonszeit von?—10 Minuten fühlte ich, daß ich eine sorgfältige Photographie gewonnen hatte. „Es genügt," sagte ich zu Gopinath. Ich führte ihn in die Bibliothek zurück. „Ich habe dich photo- graphirt, und die Aufnahme wird mir den Sitz deiner Krankheit zeigen. Sobald ich die Photographie entwickelt habe, werde ich zu dir zurückkommen." Darauf kehrte ich in meine Dunkelkammer zurück und entwickelte schnell die Platte. Nachdem ich dieses gethan und wirklich das sah, was die geheimnißvollen X-Strahlen hervorgebracht hatten, konnte ich^ kaum einen lauten, freudigen Ruf unterdrücken. Das Skelett des Brahmanen war deutlich sichtbar, und genau an der Stelle, an welcher Gopinath hauptsächlich über Schmerzen klagte, konnte man einen Fremdkörper von der ungefähren Größe des Schlangenauges unterscheiden. Ich hatte nicht den geringsten Zweifel, daß dies die goldene Fassung des Diamanten sei, da dieser selbst auf die X-Strahlen jedenfalls nicht reagirte. Es war dies nicht das erste Mal, daß der menschliche Körper zum Versteck eines gestohlenen Gegenstandes gedient hatte. Ich kehrte zu dem Kranken zurück, sagte ihm, daß ich die Ursache seiner Krankheit herausbekommen und daß ich ihm wahrscheinlich binnen kurzer Zeit Erleichterung verschaffen könne. Er hatte derartige Schmerzen, daß er kaum auf meine Worte achtete und augenscheinlich gar keinen Verdacht schöpfte. Ich ging dann fort und kam nach kurzer Zeit mit Lord Attrill und einem sehr geschickten Arzte, Namens Symes zurück. Ich zeigte den beiden Herren die Photographie. Ihr Erstaunen war grenzenlos. „Der Unglückliche leidet an Peritonitis", sagte der Arzt, indem er die Photographie aufmerksam betrachtete. „Natürlich müssen wir erst den Gegenstand entfernen; aber ich glaube nicht, daß er es aushalten wird. Wenn es nicht gleich geschieht, ist er unrettbar verloren." „Die Hauptsache ist, ein Bekenntniß von ihm zu erzwingen", sagte Lord Attrill. „Kommen Sie jetzt mit mir, meine Herren", bat ich. Wir gingen in die Bibliothek, wo Gopinath am Boden lag und jämmerlich stöhnte. „Du bist so krank", sagte ich zu dem Inder, „daß ich dich ohne die Hülfe eines guten Arztes nicht zu heilen vermag. Dies ist Or. Symes. Er muß vor allem den Diamanten, welchen du verschluckt hast, entfernen." Seine dunklen Augen glühten wie Feuer und hefteten sich auf mein Antlitz. „Kann ich hoffen, wieder hergestellt zu werden?" „Nur, wenn der Diamant entfernt wird, sonst nicht. Nun sage uns, auf welche Weise du den Kapitän Main- waring ermordet hast." „Mit einem Safte, der nur meinem Volke bekannt ist; ich werde das Geheimniß nicht entdecken. Ich brachte das Gift von Indien mit herüber und wartete nur auf eine Gelegenheit. In der Nacht, wo ich Mainwartng Sahib mit dem jungen englischen Sahib sprechen sah, glaubte ich die Stunde gekommen. Der Xss Xnirst war daS Auge eines unserer Götter, dessen Fluch auf mir lag, bis ich es zurückbrachte. Ich hatte mich mit MWMUj »» »s « »r» M» s k- -- us ^>L-8N- LL M W> 8» 8L » IS ^ M ^ ^ W» S, g» kW LI LI ! MD KM L> LÄ kH » k» ^ ^ SS^ iuN>U! M ZW!V WWLL iSA»«?L 8Z«Z! Ls' '« ^ -—7r—° LZLL . 8 ^!L2^! WWM MML L^-.j WWW 4 798 einem Nachschlüssel zu des Sahib's Zimmern versehen, und als ich glaubte, er sei eingeschlafen, trat ich leise ein und träufelte das Gift auf sein Kissen. Ich wußte, daß es ihn augenblicklich tödten werde. Als er ganz todt war, zog ich das Etui unter seinem Kissen hervor und nahm den Stein. Ich verschluckte ihn, um ja nicht entdeckt zu werden." Der Elende wollte noch etwas sagen, fiel aber zurück und krümmte sich vor Schmerzen. vr. Symes that für ihn alles, was er konnte, aber vergebens. Gopinath starb früh am folgenden Morgen. Nach seinem Tode war es leicht, das Cobra-Auge zu entfernen, und die Anklage gegen Laurence Carroll fiel natürlich von selbst. Vor ungefähr drei Monaten verließ Lady Pamela England, und man sagt, daß ihre Gesundheit sich langsam, aber stetig bessere. Carroll ist noch in England. bestanden haben. In einer Urkunde, welche König Otto I. im Jahre 948 ausstellte, werden die Höfe zu Ober- und Unter-Binwang, die der Priester Paldmunt dem Kloster Kempten schenkte, als zur Pfarrei Jllerbeuren gehörig bezeichnet. Jllerbeuren gehörte in den frühesten Zeiten den Grafen von Balzhausen und Kirchberg. Am 26. Februar 1105 schenkten sie die Wogtet über die Kirche und der Güter an das Kloster St. Blast im Schwarzwald. Von diesen kam es an die Grafen von Nellenburg und Thengen und nach ihrem Aussterben an das Haus Oesterreich. '/g von Jllerbeuren, d. i. die zwei Güter Hs.-Nr. 2 und 7, gehörte den Rittern von Lautrach. Diese verkauften es 1356 an die von Schellenberg, diese 1413 an die Herren von Besserer, und so kam es 1417 an die von Landau, 1646 aber an das Stift Kempten. Als Lehenträger des Nellenburg'schen Lehens er- 'MM Pfarrkirche in Jllerbeuren. Original-Ausnahme von Gustav Baaber, Photograph in Krumbach. sBervielfältigungsrecht vorbehalten s Ob diese unglücklich Liebenden jemals durch Die Bande der Ehe verbunden werden, — wer weiß es? Notizen zur Jllerbevrer und Kronburger Geschichte. "Mit Illustrationen.^ --— sstiachbruck Verbote».) * Jllerbeuren, ein im Bezirksamte Memmingen, nahe an der Jller bet Lautrach, in dessen Postbezirk es seit einer dort anno 1891 erbauten Brücke über die Jller gehört, gelegenes Dorf, bildet mit dem ^ Stunden entfernten Orte Kronburg eine Pfarrei und eine politische Gemeinde. Dazu gehören die Weiler Greuth, Ober- und Unter-Binwang, Wagsberg und die Einöden Fuchsloch, Hackenbach, Hängemühle, Heißenschwende, Hurren, Oslang, Rothmoos und Westerau mit 140 Haushaltungen und 751 Personen. Die Pfarrei Jllerbeuren soll schon zur Zeit der Stiftung des Klosters Ottobeuren, im Jahre 761, scheinen die Herren von Lautrach, welche ^es mit Einwilligung des Grafen Wolfram von Nellenburg laut Urkunde Montag vor Judica 1373 an Bruno von Utten- ried zu Kronburg um 425 Pfund Heller verkauften. Seit dieser Zeit gehört es zur Herrschaft Kronburg. Der kleine Besitz */g ging als Lehen von Konrad von Landau zu Lautrach 1425 an Joß von Uttenried über; und von Joachim von Uttenried im Jahre 1460 aber an verschiedene Patrizier von Memmingen; anno 1524 und 1530 endlich an Gaudenz von Rechberg und 1619 an Johann Eustach von Westernach. Der Bauart nach stammt die jetzige 1846 Pariser Fuß hoch gelegene Kirche zu Jllerbeuren aus dem 12. Jahrhundert. Der Thurm aber scheint älter zu sein. Eine Glocke führt als Umschrift mit gothischen Buchstaben die Namen der vier Evangelisten mit der Jahrzahl 1192. Auf einer kleineren Glocke ist die Jahrzahl des Gusses 1405 zu sehen. Den eifrigen Bemühungen der beiden 799 Herren Pfarrer Haid und Fischer verdankt diese Kirche eine stilgerechte, würdevolle Restauration mit schönem gothischem Hochaltare und Chorstühlen, sowie sehr geschmackvollen gemalten Fenstern. In östlicher Richtung, bergaufwärts, */, Stunde etwa von Jllerbeuren entfernt, liegt auf einem nach allen Seiten hin freistehenden, .740 Meter hohen Hügel das Schloß Kronburg mit einer wetten Fernsicht, nördlich bis Ulm und auf die rauhe Alb, südlich auf die Allgäuer, Tiroler und Schweizer Berge. Westlich, am Fuße des Berges, liegt das gleichnamige Dorf mit Kirche und Schule. Nach dem bei einer Schlotzrenovation gemachten Funde von römischen Münzen, und nach den noch gut erhaltenen Mauern, bei welchen sogenannte Buckelsteine verwendet wurden, zu schließen, befand sich hier einst ein römisches Castell mit Wachtthurm, von wo aus viele in nächster Nähe liegende Burgstellen und Verschanzungen und auch die von Kimratshofen über Legau und Lautrach führende und unterhalb Kronberg vorbeiziehende Römerstraße leicht übersehen werden konnten. Kronburg war in der ältesten bekannten,Zeit Eigen- v. R., bis 1604 Wolf v. R., bis 1615 Wilhelm Leo v. R. Ernst von Rechberg starb 1604 ohne männliche Leibeserben. Die übrigen Nachfolger derselben geriethen aber mit dem Oberlehensherrn, dem Erzherzog von Oesterreich, in Streit, und wurden des Lehens für verlustig erklärt, welches anno 1619 an Johann Eustach von Westernach verliehen wurde. Aus diesem Geschlechte sind als Besitzer der.Herrschaft Kronburg zu nennen: bis 1627 Joh. Eustach von Westernach, Großmeister des deutschen Ordens, dann dessen Neffe: bis 1646 Wolf Christoph von Westernach, bis 1689 Joh. Rudolph, bis 1728 Joh. Carl, bis 1735 Joh. Marquard Eustach, bis 1784 Joh. Eustach, bis 1849 Joh. Jgnaz Lazarus von Westernach, der die Mediati- strung über sich ergehen lassen mußte. Seine Tochter Maria Theresia brachte den gesammten Besitz der Familie ihrem Gemahle, dem Freihcrrn Maximilian von Vequel auf Hohenkammer, zu, dessen Nachkommen den Namen Freiherren von Vequel-Westernach führen. Als die Schwaben sich im Vereine mit ihren Bundesgenossen, den Bayern, bei Kempten gegen die fränkische z Schloß Kronburg. Orininal-AuwadMk von Gustav «LLver, Photograph in Nrumbach. lv-rvteiiSUlaungirrcht Vorbehalt,».) LL. ' ' thum der Edlen von? Kronburg. Es werden in alten Aufzeichnungen genannt: im Jahre 727 Ruof von Kronburg, 833 Freson v. K., 860 Huppald v. K., 933 Radebot v. K., 1165Bertold v. K., 1268 Bertold und sein Sohn Hatto v. K., 1283 Mangold v. K., 1356 Hans Eitel und Haintz v. K. Nachdem Eitel von Kronburg als letzter seines Stammes gestorben war, wurde Kronburg vom Erzherzoge Albrecht von Oesterreich im Jahre 1360 an Ritter Heinrich von Uttenried ,um 210 Mark Silber, verpfändet. Diesem folgte 1366 Bruno"chon Uttenried, 1399 Jos .v. U., 1454 Joachim v. U. Bruno v. U. kaufte 1373 Jllerbeuren, aber Joachim v. U. verkaufte alle seine Besitzungen i. I. 1460 an Hans von Werdenstein. Dieser starb schon 1468 ohne männliche Erben. Der ganze Besitz kam dann i. I. 1478 an Georg von Rechberg, der die drei Töchter des Hans von Werdenstein auslöste und die Wittwe heirathete. Dieser Georg und sein Sohn Gaudenz bauten statt des zerfallenen Römerthurmes das Schloß Kronburg. Auch brachten die Rechberg nach und nach die verschiedenen Weiler und Einzelhöfe der Pfarrei an sich. Es lebten zu Kronburg bis 1478 Georg von Rechberg, bis 1506 Gaudenz v. R., bis 1536 Georg v. R., bis 1574 Ernst Herrschaft wehrten, da erlitten sie am Feilenforste anno 727 eine große Niederlage, in welcher Schlacht auch ein Ruof von Kronburg gefallen sein soll. In einer Grenz- beschreibung des Stiftes Kempten vom Jahre 804 wird der Berg Hohenrain gegenüber Kronburg erwähnt; und in einer Grenzberichtigung vom Jahre 1059 wird Kronburg wieder genannt. So finden wir auch diese Burg genannt in Urkunden des Klosters St. Gallen, in welchen ein gewisser Freson von Kronburg zu finden ist. Im Jahr 860 schenkte Huppald von Kronburg sein Gut dem Kloster St. Gallen, nachdem bereits im Jahre 833 Trogo Güter in Kronburg und Winterstetten an das Kloster St. Gallen sud. I^uäoviov Imx., aub. ^.äalAsro oomits gestiftet halte. Ein Ritter Berthold von Kronburg wurde als Dienstwann anno 1180 betraut mit der Hut der Grafenburg Zeil, welche an die Staufer beim Kaufe mit der Nibelgaugrafschaft kam. Der Welfenbesttz erstreckte sich auch in die Umgegend der Städte Memmingen und Schongau, zu demselben zählte ^ auch Lautrach, Kronburg und Altmannshofen. Die Ritter i von Kronburg erschienen auch als Ministerialen der Staufen, ! welche die Welsen beerbt haben. Ein Rudolf von Kron- ! bürg befand sich am 6. Mai 1227 unter dem Gefolge 800 deS Königs Heinrich VII. zu Ulm. Im Jahre 1268 schenkte Berthold von Kronburg Güter an das Kloster Noch. Kronburg kam im Jahre 1373, nachdem es nur kurze Zeit in dem Besitze der Herren von Lautrach war, durch Kauf sammt dem Berg und dem Kirchensatz nebst dem Dorfe an Bruno von Uttenried, und zwar als Vehringen-NcllenburgischeS Afterlehen. Dessen Tochter Barbara übernahm das Gut, stellte es unter den Schutz der Stadt Kempten, vermählte sich mit Hans von Werdenstein und, als dieser gestorben war, mit Georg von Rech- berg, welcher Kronburg von den drei Töchtern erster Ehe Limo 1478 erkaufte. Georg von Rechberg und mehrere Nachfolger desselben wurden sohin mit Kronburg von Seite der österreichischen Oberlehensherrschaft belehnt. Im Jahr 1615 aber wurde Kronburg als heimgefallenes Lehen dem Markgrafen Carl von Burgau als neues Lehen verliehen, nach dessen Ableben es an die Herren von Westernach, welche später von Kaiser Leopold in den Reichsfreiherrnstand erhoben wurden und von dem Schlosse Westernach — bei Mindelheim abstammen — kam. Die Herren von Westernach hielten den Besitz der Herrschaft Kronburg fest und erwarben zu der ihr bereits zustehenden niederen Gerichtsbarkeit auch anno 1712 die hohe von der Landvogtei Schwaben. Sie bekleideten hohe kirchliche und weltliche Aemter und Stellen, wie anno 1626 die eines Hoch- und Deutschmeisters, 168 t— 1707 eines Weih- bischofes zu Augsburg oder eines Directors der schwäbischen ritterschaftlichen Kantone rc. Im Jahre 1632 kamen die Schweden in die Gegend von Kronburg und es ging den Bewohnern der Herrschaft Kronburg, sehr übel. Anno 1635 wollten die Schweden das Schloß einnehmen und plündern, allein die Festigkeit der Mauern und die Tapferkeit der Vertheidiger hinderten dies. Der Pfarrer in Jllerbeuren war umgekommen. Der Pfarrer von Steinbach mußte dies versehen. Auch ein Pfarrer von Lautrach, Namens Möhner, besorgte einige Jahre Jllerbeuren-Kronburg. 1647 bemächtigten sich die Schweden neuerdings der Gegend. Der Gemeinde Kronburg wurde eine Brandschatzung oder Kriegslast von 1625 fl. auferlegt, welche Summe die Gemeinde von der Herrschaft entlehnte. Es waren nur noch vier Unterthanen in der Herrschaft Kronburg vorhanden. Die Wasserleitung, welche das Wasser auf das Schloß brachte, wurde von den Schweden zerstört, weil die Kaiserlichen dasselbe besetzt hielten; die Schweden verbrannten auch die beiden Mühlen und plünderten die Kirchen. Im spanischen Successionskrieg uvno 1704 eilte Max Emanuel mit Franzosen nach Memmingen und überrumpelte die Stadt; auch Kronburg wurde genommen und diente als Quartier für Baron Schenkel. Zwei Thürme gegen das Dorf westlich wurden im Gefechte halb abgebrochen, doch von den Franzosen wieder aufgebaut, nachdem Bayern von den Oesterreichern in Besitz genommen wurde. Anno 1706, den 27. Juli, consecrirte Joh. Eustach Egolph von Westernach als Weihbischof in Kronburg zwei neue Altäre und ertheilte die hl. Firmung. Die Kirche wurde im Jahre 1786 durch einen kurfürstl. pfälzischen Baumeister restaurirt; die hölzerne Decke wurde entfernt, dafür weiße Gypsdecke, Säulen und Gesimse ringsum in korinthischem Stile angebracht. Eine spätere, im Jahre 1886/87 durch Maler Martin von Achstetten und von Altarbauer Bertsch von Dormetingen, sowie Glaser Birk von Btberach und Glasmalereibesitzer Schneider aus Negensburg vollzogene Renovation wandelte diese Kirche in ein würdiges freundliches Gotteshaus um, in welchem auch eine gut gelungene Imitation der Felsengrotte von Lourdes angebracht ist. --S2—es— Zu unseren Bildern. Auf dem Wrihnachtsmarkl. Es ist so kalt draußm, daß man glauben sollte, ein jeder, der nicht nothwendig aus dem Hause gehen muß, sei froh, beim warmen Ofen dorten sitzen zu können. Und doch sind heute die Straßen des kleinen Städtchens belebt, wie es nur selten der Fall rst. Namentlich die jüngere Welt ist es, welche, die Mützen und Hauben tief über die Ohren heruntergezogen und die Hände bis zu den Ellbogen in die warmen Taschen gesteckt, freudig erregt sich herumtummelt; eS ist ja — Weihnachtsmarkt. 3 Tage Weihnachtsmarkt. Das ist eine Freude, all' die bunten Dinge in den Verkaufsständen umsonst ansehen und bewundern zu dürfen. Kein Wunder, wenn da die jungen Herzen sich manchem Wunsche öffnen und mit einer bescheidenen Bitte vor die Eltern treten, die auch wohl nicht anstehen werden, dieselbe so weit als möglich zu berücksichtigen. Riesengebüude in Uew-Uork. Nicht der Hang zum Ungewöhnlichen ist es, der die Amerikaner veranlaßt, ihre Bauten immer kühner emporzuführen, sondern die unglaublich hohen Preise, die im Innern der Städte für Grund und Boden zu zahlen sind, bilden die Ursache dieser abnormen Erscheinung. Um den gegebenen Platz auf's äußerste auszunutzen, wird wagehalsig ein Stockwerk auf's andere gethürmt, und während man rechnet, daß schon eine ganz beträchtliche Anzahl von Stockwerken aufgesetzt werden muß, um nur allein den Grund und Boden bezahlt zu machen, sollen dann die nächsten Etagen die Baukosten einbringen, die folgenden wieder die Kosten für Heizung, Beleuchtung, Wasserversorgung u. s. f. Daß unter diesen Verhältnissen die Anzahl der Riesengebäude, namentlich in New-Aork, von Jahr zu Jahr zunimmt und man sich dabei immer höher „versteigt", erscheint durchaus erklärlich, und so finden wir denn auch heute in New- Aork schon eine stattliche Reihe solcher gigantischen Bauten, wie sie früher doch nur vereinzelt anzutreffen waren. Die meisten dieser Riesengebäude stehen im eigentlichen Geschästs- ricrtel, von den New Aorkern mit vorvn (forvn bezeichnet, und zwischen dem City Hall Park, dem Rathhausplatz und der Batterh, dem südlichen Ende der Manhattan-Jnsel. Der Raum für das Gcschäftsviertel der Stadt ist auf drei Sechen von Wasser begrenzt und natürlich schon seit länger« Jahren bis auf das letzte Quadratmeter bebaut; eine weitere Ausdehnung der Geschäftshäuser ist eben nur noch in der Höhe möglich. Um unfern Lesern einen Begriff von dem Bodenpreis zu geben, wollen wir erwähnen, daß der Boden des Manhattan Life Insurance Building zum Preise von 282 Doll. für den amerikanischen Quadratfuß, also etwa 12,000 Mark für das Quadratmeter, abgegeben wurde. Unsere, der Zeitschrift „Scientific American" entnommene Abbildung zeigt eine Zusammenstellung der höchsten Gebäude New-Aorks. Während früher der 86,« Meter hohe, schlanke Thurm der Dreieinigkeitskirche, der mit dem (auf dem Bilde ebenfalls wiedergegebenen) Capitol in Washington ziemlich dieselbe Höhe hat, als Wahrzeichen der Stadt schon von weitem sichtbar war, verschwindet er heute vor seinen ihn überragenden Nachbarn. Das Gebäude der Amerikanischen Tractatgesellschaft übersteigt ihn allerdings nur um 0„ Meter, das der Tageszeitung „World" aber bereits um 1„. Das St. Paul-Gebäude mit seinen 25 Stockwerken erreicht die stattliche Höhe von 92,, Meter, das Gebäude der Life Insurance Lo. mißt 93„ Meter und hat 21 Stockwerke. Der Riese unter den Riesen ist jedoch ein neues Gebäude, das auf Park R»w im Bau begriffen ist; es soll 27 Stockwerke doch werden und die Höhe von 115,» Meter erhalten. Die Manhattan-Jnsel, die in ibrer ganzen Länge von 22 Kilometer aus solidem FelSgrund besteht, dürfte wohl auch einer der wenigen Flecke Erde sein, der neben der zum Handelsplatz geschaffenen Lage einen geeigneten Baugrund für solche Gebäuderiesen bietet. Das letzterwähnte Gebäude wiegt allein in seinem Stahlgerüst über der Oberfläche gegen 3500 Tonnen, während das Gesammtgewickt des im Bau begriffenen Geschäftshauses auf Park Row auf 50,000 Tonnen veranschlagt ist, die sich auf nur etwa 1400 Quadratmeter Bodenfläche vertheilen.