„Augsburger Postzeitung". « 1 « 5 . viustag, den 22. Dezember 1896 . Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas ü> Grabherr in Augsburg lBorbesttzer Dr. Max Huttler). Ihr erster Roman. Novelle von Antonie Haupt. (Schluß.) VI. Es dauerte mehrere Tage, ehe es den Bemühungen Doktor Hesse's gelang, Saärstein willfährig zu machen, den versprochenen Besuch ins Werk zu setzen. Die Gleich- giltigkett, welche dieser für Frau von Elz empfunden, hatte sich seit jener Enttäuschung fast zur entschiedenen Antipathie entwickelt. Ihr stetes Entgegenkommen, das er nicht zurückweisen konnte, ohne die Gebote der Ritterlichkeit zu verletzen, erschien ihm lästig; zudem zürnte er ihr wegen ihrer schroffen Aeußerungen. Während er jetzt, halb widerstrebend, ziemlich schweigsam dem Freunde nach Thale folgte, beschäftigten sich seine Gedanken mit dem Lieblingsbtld seiner Träume, mit Ilse Treuenfels. Heute mußte, auch wenn sie nicht in derselben Stadt wie ihr Verleger wohnte, sein Brief in ihre Hände gelangt sein. Ob sie sich rühren lassen, ob sie seine Bitte mit Erfolg krönen würde? Bald beklommen, bald hoffnungsfreudig schlug sein Herz, als er sich ausmalte, wie sie seine Beharrlichkeit wohl aufnehme. So sinnend und überlegend gelangte er, fast ohne zu wissen wie, in den eleganten Empfangssaal des Hotels „Zehnpfund". Nachdem man sich den Damen hatte melden lassen, kam die niedliche Zofe der Frau von Elz und führte die Herren in ein mit allem Luxus ausgestattetes Boudoir. »Die gnädige Frau wird sogleich erscheinen", versicherte sie. „Hier sieht es ja fast aus wie in dem eigenen Heim der Dame", erklärte Saarstein, indem sein Auge wohlgefällig über die prächtige und geschmackvolle Ausstattung des Gemaches glitt. Wie allen Freunden der Feder, so erging es ihm jetzt. Sein umherschweifender Blick wurde sogleich magnetisch angezogen durch einige offen auf dem Tische ausgebreitete Schriftstücke. Mechanisch, ohne sich Rechenschaft über sein Thun zu geben, schritt er hinzu und blickte hinein. Er fand eine alte Chronik, Harzsagen in wunderlicher, verschnörkelter Handschrift, kaum leserlich auf vergilbtem Papier, und daneben lag fein säuberlich die Abschrift in zierlichen modernen Buchstaben. Er starrte auf letztere hin, rieb sich die Augen und schaute wieder. Hatte seine Phantasie denn wirklich solch' unglaubliche Macht über seine Sinne, daß er überall die Schriftzüge von Ilse Treuenfels zu sehen glaubte? — Nein, ohne Zweifel, die zierlichen und doch so kühn geschwungenen Lettern blieben dieselben, es war in der ^ hat die elegante, klare Schrift, wie sie das Tagebuch, wie sie die Briefe zeigten. Sollte Frau von Elz dennoch.Ach, es war undenkbar! Eine gute Schauspielerin war sie freilich ... Ja, es war schließlich nicht anders möglich, sie mußte die geheimnißvolle Autorin sein. Eine tiefe Niedergeschlagenheit und Verstimmung bemächtigte sich Otto's bei dieser Vorstellung. Da öffnete sich die Thür, und die junge Frau trat mit einem verführerischen Lächeln ins Zimmer. Ein reizendes Morgennegligs ganz aus duftigen, cremefarbigen Spitzen mit rothen Schleifen schmiegte sich um ihre schönen Formen, und ein winziges Spttzenhäubchen lag kokett auf der halbgelösten Lockenfülle. „Ich bitte, zürnen Sie mir nicht, daß ich in diesem Aufzuge vor Ihnen erscheine", begann sie ein wenig verschämt. „Ich habe so lange vergeblich auf Ihr Kommen gehofft, daß ich um der leidigen Toilette willen auch nicht eine Minute länger warten wollte, Sie zu sehen. Ah, das Warten ist die Erfindung eines Dämons, eine qualvolle Einrichtung, die in den Tartarus gehört!" Ihr Gesichtchen nahm ganz eine melancholische Miene an, als sie dies sagte. In der nächsten Sekunde jedoch erhellte es sich wieder zu strahlender Freundlichkeit. „Und nun seien Sie mir herzlich willkommen, meine Herren!" rief sie aus, indem sie ihnen beide Hände zur Begrüßung darbot. Die schöne Amanda von Elz wußte recht wohl, daß sie in keinem andern Costüm bestrickender aussah, als in diesem leichten, scheinbar nachlässig über die anmuthige Gestalt hingeworfenen Spitzennegligö. Ja, sie war in diesem Augenblick entzückend hübsch, die kleine Circe, das mußte selbst Saarstetn sich zugestehen. Sein Sinn war jedoch gerade jetzt weniger denn je für Aeußerltchkeiten empfänglich. In fieberhafter Ungeduld drängte es ihn, Gewißheit zu erlangen über den einen Punkt, der alle seine Gedanken beschäftigte. Kaum hatte der Freund seine wohlgesetzte Entschuldigungsrede, daß sie nicht schon früher ihre Aufwartung gemacht, beendet, als Otto auch schon die scheinbar unschuldige Bemerkung hinwarf: „Gnädige Frau scheinen sich für alte Chroniken zu interessiren, da Sie sich sogar Mühe geben, diese alte verschnörkelte Handschrift zu entziffern und abzuschreiben." Dabei lächelte er so harmlos, daß Niemand ahnen konnte, 810 wie ungestüm sein Herz in ängstlicher Erwartung pochte. Sie sah ihn an und lachte. „Derartige kleine Privatvergnügen überlasse ich Lily", entgegnete ste heiter. „Ich weiß nicht einmal, was in dem alten Schmöker steht, den das Kind, Gott weiß wo, ausgegraben und hierhergeschleppt hat. Jetzt fitzt sie wie verzaubert an dieser babylonischen Urschrift und quält sich mit Abschreiben. Die Kleine wird mir jedoch bei dieser Beschäftigung ernsthaft nervös, so daß ich ein entschiedenes Veto dagegen einlegen muß. Ja, denken Sie nur, als sie soeben einen Brief erhielt, brach sie beim Lesen desselben in Thränen aus. Ich fragte erschreckt, ob sie eine traurige Nachricht empfangen habe, und sie erklärte, der Brief enthalte weder traurige, noch freudige Mittheilungen, dann lief sie erregt hinaus ins Freie. Doch ich erzähle Ihnen Dinge, welche Sie gar nicht interesstren, ich sehe das an Ihrer zerstreuten Miene." Otto war in der That wie geblendet von dem plötzlichen Licht, das ihm meteorartig aufgegangen war. Er konnte eS kaum fassen, daß die sehnlichst Gesuchte, das Ideal seiner Träume, nun in Lily von Arendal gefunden sei. Welche Verwirrung, welchen Aufruhr von Gedanken und Gefühlen brachte ihm diese Erkenntniß, die wie etwas erkältend Fremdes ihn traf und zugleich auch wieder warm sein Herz berührte. Das Bild, daS er im Herzen getragen, versank, und ein anderes, ebenso an- muthiges stieg vor ihm auf, von eigenthümlichem Glanz umstrahlt. Er hätte Lily jetzt, nachdem das Geheimniß ihm enthüllt war, um Alles nicht begegnen, ihr nicht ins Auge sehen können; denn was hätte er ihr in dieser ersten Verwirrung sagen sollen? Wie sehnte er sich nach einer Stunde der Einsamkeit, einer Stunde des Alleinseins, die ihm Klarheit über seine Empfindungen bringen mußte! Daß er auch nie an die Identität Lily's mit Ilse Treuenfels gedacht hatte! — Aber ihr Benehmen gegen ihn war ja auch so kalt, so unfreundlich. Freilich trug sein eigenes Verhalten die Schuld daran, und ihre Zurückhaltung war, das erkannte er jetzt, nur mädchenhafter Stolz. So sann er und gab sich nicht einmal den Anschein, als ob er der lebhaften Unterhaltung zwischen Frau von Elz und seinem Freunde die geringste Aufmerksamkeit zolle. „Ich kenne Sie heute nicht, Baron; es scheint, Sie sind ihm Begriffe, eine vollkommener Misanthrop zu werden", wandte sich erstere wieder zu ihm. „DaS nicht, meine Gnädige; aber ich bin im Begriffe, mich von Ihnen zu verabschieden", schaltete Otto, der in jedem Augenblick befürchtete, Fräulein von Arendal erscheinen zu sehen, unwillkürlich ein. „Ich entsann mich soeben, daß eine wichtige Angelegenheit mich von dannen ruft." „Nun so gehen Sie, trockner Mensch, der keinen Sinn für ein gemüthliches Plauderstündchen hat. Gehen Sie nur, Ihre Unterhaltungsgabe ist ohnedies heute nicht die anerkennenswertheste", warf sie scherzhaft schmollend ein. Mit einem erstaunt fragenden Blick auf Saarstetn erhob sich auch Georg; ehe er sich jedoch empfahl, unterließ er es nicht, die Frage zu stellen: „Würden die Damen uns vielleicht heute Nachmittag die Freude machen, uns auf einem Ausflug nach Treseburg zu begleiten?" „Mit dem größten Vergnügen!" rief Frau von El chtlich erfreut. „Das ewige Einerlei ist tödtlich lang weiltg. Ihr Vorschlag gilt doch einer Fußtour durch das romantische Bodethal?" „Ganz wie Sie befehlen, gnädige Frau." „Also abgemacht! Auf Wiedersehen heute Nachmittag I" Mit respektvollem Gruß wandten sich die Herren zum Gehen. „Nun erkläre mir, Du Sonderling, was ficht Dich eigentlich an? Dein Verhalten wird mir immer unverständlicher", rief Doktor Hesse, nachdem die Thür sich kaum hinter ihnen geschlossen hatte. „Komm' nur, das Räthsel soll Dir bald gelöst werden", begütigte der Freiherr, indem er mit schnellen Schritten dem Ausgang zustrebte. Als sie durch den Park wanderten, gewahrten sie unfern auf einer Ruhebank die schlanke, schmiegsame Gestalt Lily's. Der Ausdruck ihrer bleichen Züge war tieftraurig, und ihre blauen Augen, die starr ins Weite blickten, waren vom Weinen dunkel umsäumt. Der Anblick war entscheidend für Otto. Ein tiefes, inniges Gefühl für ste begann sich in seiner Brust zu regen, nur mühsam vermochte er seine Bewegung zu verbergen. Jetzt, nachdem er wußte, welcher Gluth der Empfindung oieses scheinbar so marmorkalte Wesen fähig war, nachdem er wußte, daß sie ihn liebte, ja, daß ihre Thränen in dieser Stunde ihm galten, brach die warme Neigung, welche er beim ersten Begegnen für sie empfunden und zurückgekämpft hatte, mächtig und siegreich hervor. Das unselige Mißverständniß, welches ihre stolzen Naturen getrennt, war nun gelöst, und ein Gefühl von Glück kam über ihn, wie er es nie vorher gekannt. Bei seinem schnell bewegten Gemüth, bei dem romantischen Zug seines Charakters wäre er am liebsten jetzt gleich auf der Stelle zu ihr hingeeilt, wäre vor ihr niedergekniet und hätte geflüstert: „Lily, ich weiß Alles, und ich liebe Dich!" Doch die wahre Liebe ist schüchtern und zaghaft — als er der holden Erscheinung voll ernster Anmuth gegenüberstand, da entsank ihm der Muth, zu ihr zu sprechen, wie sein Herz verlangte, und mit stummem Gruß ging er vorüber. Ihr Bild aber mit dem ganzen Zauber edler Weiblichkeit begleitete ihn auf dem Heimwege. Nachdenklich und schweigsam sah er anfänglich vor sich nieder; bald aber drängte es ihn, dem Freunde von der wundersam beglückenden Entdeckung zu erzählen, und indem er seinem Empfinden Worte lieh, kam es ihm selbst immer klarer zum Bewußtsein, wie dieses ungewöhnliche Mädchen schon gleich bei der ersten Begegnung sein ganzes Herz gefesselt. Welchen Reichthum an Geist und Gemüth hatte er schon damals in Lily erkannt, in ihr, die jeglichen äußern Prunk verschmähte, mit dem andere Frauen sich umgeben, um sich anziehend zu machen, die ihm dennoch aber glänzend über alle Andern hervorleuchtete I Jetzt verstand , er sich selbst, jetzt begriff er, weßhalb ihr scheinbar so gleichgiltiges Verhalten ihn stets so tie verletzt, ihm so wehe gethan hatte. Um so glückberau- schender war nun der Gedanke, von dem edlen, hochbegabten Mädchen geliebt zu sein. Mit ganzer Seligkeit gab er sich der zuversichtlichen Hoffnung hin. Mit einem Ungestüm, das ihm selbst thöricht und kindisch erschien, sehnte er sich nun nach ihr, und es ergriff ihn der leidenschaftliche Wunsch, ihr sogleich rückhaltslos sein Herz zu entdecken. Während sein Freund wie die an- 811 deren Gäste der Roßtrappe mit untadelhaftem Appetit den Genüssen der Tafel huldigte, wanderte Saarstein erregt auf der Plattform vor dem Hause hin und her. Sonnenbeglänzt in blauem Duft breitete sich die weite den Gegenstand seiner Wünsche und seiner Sehnsucht in sich schloß. Das Hotel „Zehnpfund", welches ihm bisher wenig Interesse eingeflößt, war ihm mit einem Male theuer geworden. . '! WI WM M88Ä :UßW Gedenket der Armen zur Weihnachtszeit I Ebene vor seinem Blicke aus, und am Fuß des Berges lag das Städtchen Thale mit seinen Häusern und hohen Schornsteinen. Des Freiherrn Auge haftete unverwandt mit dem Ausdruck der Innigkeit auf dem Hause, das Endlich, endlich nahte die Stunde, welche zu dem gemeinsamen Ausflug festgesetzt war; mit beflügelten Schritten ging es hinab ins Thal. Die Damen standen ! bereits zum Ausgehen gerüstet in der Veranda. Frau von Elz grüßte und winkte schon lebhaft aus der Ferne Doch weder der schmachtende Blick ihrer dunklen Augen' noch ihr liebenswürdiges Lächeln vermochten heute di^ Aufmerksamkeit des Freiherrn zu fesseln. Sein Auge ruhte wie gebannt auf Ltly. Eine liebliche Nöthe lag auf deren Wangen, während ihr schönes, blaues Auge in ungewöhnlichem Feuer strahlte. Ihre innere Erregung, ihre Verwirrung bet seinem Anblick verlieh ihr einen unsagbaren Reiz, der Otto mit Entzücken erfüllte. „Hoffentlich haben Sie Ihrer menschenfeindlichen Laune für heute den Abschied gegeben", mit diesen Worten näherte sich Frau von Elz ihm schmeichelnd, um ihn für den Spaziergang vollständig in Beschlag zu nehmen. Mit großer Gewandtheit wußte jedoch der junge Doktor ihren Plan zu vereiteln, indem er unverzagt sich ihr als Ritter und Geleitsmann auf dem Wege anbot und dann in scherzhaftem Eifer mit ihr eilig voraus- stürmte. Saarstein, der nun selbstverständlich mit Fräulein von Arendal in geringer Entfernung folgte, ließ dem Paare den Vorsprung, den es gewonnen. Doch eigenthümlich — kaum war er mit Lily allein, so überkam die Befangenheit ihn selber, so daß er kein Wort der Anrede zu finden wußte. Das junge Mädchen machte es ihm nicht leicht, seine Verlegenheit zu überwinden; zurückhaltend, ernst und schweigsam ging sie an seiner Seite durch die Waldespracht. Noch gestern hätte er eine solche Haltung bei ihr als Gleichgiltigkeit gedeutet, heute wußte er, daß es Befangenheit war. Was mochte Lily, nachdem sie heute Morgen seinen Brief gelesen, der, wie sie glaubte, an ein anderes geträumtes Wesen gerichtet war, jetzt in seiner Gegenwart empfinden? Er wollte zu ihr sprechen, doch die Kehle war ihm wie zugeschnürt. Lily war es, welche zuerst den Bann des Schweigens brach Sie machte ihn auf die Erhabenheit der umgebenden Natur aufmerksam, zog ihn dadurch aus seinem träumerischen Zustande und verflocht ihn in eine Unterhaltung, die ihn zu anderer Zeit lebhaft angeregt hätte, da sie die Merkwürdigkeiten, welche er auf seinen Reisen gesehen, betraf. Heute aber antwortete er zerstreut und unzusammenhängend, während seine Gedanken sich unruhig mit einer ganz anderen Angelegenheit beschäftigten. Stundenlang waren sie so im Bodethale vorgedrungen; die wildesten und romantischsten Felsenscenerien hatten sie hinter sich gelassen, an den mächtigen Gewitterklippen waren sie längst vorüber; jetzt schauten sie von einer Anhöhe herab auf Treseburg. Tief athmend in wortloser Bewegung stand der hohe Mann vor dem jungen Mädchen, das unter seinem langen, innigen Blicke erglühte und die Wimpern senken mußte. Wie ein Zauberbann lag es auf Beiden. Als aber Lily eine Bewegung machte, als wollte sie voran- schreiten, da hielt Otto nicht mehr länger an sich. „Lily, ich beschwöre Sie, gehen Sie nicht weiter, ehe Sie mich gehört, ehe Sie mein Urtheil gesprochen habenI" rief er leidenschaftlich. „Der Zufall verrieth mir heute ein Geheimniß, nach dessen Lösung Ihre Grausamkeit mich vielleicht ein ganzes Leben lang hätte vergebens forschen lassen. Er verrieth mir, daß Ilse Treuen- fels, die sehnlichst Gesuchte, mir so nahe sei." „O Gottl" hauchte Lily und ward bleich wie Marmor; sie wankte und griff tastend nach einer Stütze. Er legte den Arm fest um ihre schlanke Gestalt und sprach mit bebender Stimme: „Wie glücklich mich diese Entdeckung machte, vermag ich nicht zu schildern. Denn lange, ehe Ilse Treuen- fels mich durch ihre geist- und gemüthvolle Dichtung so mächtig und unwiderstehlich fesselte, kämpfte ich gegen eine stets von Neuem aufflammende Liebe zu Lily von Arendal, gegen eine Liebe, die ich tödten wollte, weil ich sie unerwidert glaubte. Am heutigen Tage aber", fuhr er leuchtenden Auges fort, „ging mir ein Hoffnungsstern auf. Lily, liebe Lily, von Deinen Lippen möchte ich das Geständniß hören. Sage, o sage mir, liebst Du mich?" Er bog sich zu ihr nieder und sah ihr tief und forschend in die Augen. Sie barg das blonde Köpfchen an seiner Brust und flüsterte: „Du weißt ja, daß ich Dich liebe." Stürmisch küßte er den Mund, welcher dieseWorte sprach. So war denn alles Sehnen geendet, aller Zwiespalt gelöst: die Gewißheit der Gegenliebe erfüllte Beide mit Entzücken. Nach einer langen Pause sagte Otto: „Und nun verrathe mir, mein Lieb, wie war es Dir möglich, mir, nachdem ich Dein Tagebuch gefunden, wie durch Zauberei zu entschlüpfen nnd mich auch später so lange in der Finsterniß zu lassen? Hattest Du Frau von Elz zu einem Bündniß gegen mich gewonnen? Kannte sie den Inhalt des Tagebuches, wußte sie von Deiner Neigung zu mir?" Lily lachte. „Frau von Elz wußte nur, daß ich Deiner in meinen Memoiren schmeichelhaft erwähnt; sie begriff recht wohl, wie peinlich es mir sein müsse, das Buch, nachdem Du vielleicht darin gelesen, aus Deiner Hand in Empfang zu nehmen. Sie ließ sich daher sehr leicht von mir zur Flucht vom Brocken überreden, ebenso verrieth sie mich nicht, als Du sie selber im Verdacht der Autorschaft hattest." „Böses Kind, und Du hörtest mäuschenstill und schadenfroh dem Gespräche zu." „Nicht schadenfroh, Otto; nein, in großer Angst, Du möchtest die Wahrheit erfahren, die Wahrheit, die, wie ich glaubte, Dir schrecklich sein müsse." Er antwortete nur dadurch, daß er sie auf's Neue innig an sein Herz zog. „Wußte Frau von Elz von Deiner Verwandtschaft mit Jlie Treuenfels, als sie ihr Urtheil über schriftstellernde Frauen sprach?" fragte er nach einer Weile. „Bewahre! Sie wird auch nie etwas davon erfahren. Ilse Treuenfels wird bald verschollen sein; denn wie nur die Liebe zu Dir mich zur Dichterin machte, so zwingt mich meine heiße, innige Liebe zu Dir, die Feder wohl für immer aus der Hand zu legen. Vor allem soll es meine Lebensaufgabe sein, Dich, theurer Mann, glücklich zu machen, Deinem Heim die treue, sorgende Hausfrau zu sein und mich meines neuen Wirkungskreises würdig zu zeigen. Ich weiß recht wohl, daß sich mir in meinem Berufe als Schloßherrin auf Saarstein ein unbekanntes Gebiet der Thätigkeit öffnet, daß mir so große, ernste Pflichten entgegentreten, daß ich meine besten Kräfte einsetzen muß, um Dir eine treue, mit- schaffende, sorgende Gefährtin zu werden. Ilse muß in den Hintergrund treten, da Lily sich Verdienste als Hausfrau erringen möchte. Sei still, ich merke schon, Du willst das vermeintliche Opfer nicht annehmen. Weißt Du denn nicht, Du Hoher, herrlicher^Mann, daß es 813 meine Ehre, mein größtes Glück sein wird, an Deiner Seite für das Wohl der Dir anvertrauten Untergebenen sorgen zu helfen?" Sie schaute glücklich lächelnd zu dem Geliebten auf. „Und nun kein Wort mehr darüber." Langsam schritt das Paar Arm in Arm dem nahen Wanderziele zu. „Wir wollen den Anderen nichts von unserem seligen Geheimniß verrathen, bis meine Eltern die Einwilligung gegeben haben", bat Lily. Amanda von Elz jedoch wußte sich sehr rasch zu fassen, oder sie vermochte es meisterhaft, die Gefühle ihres Innern zu verbergen. Auf der sechs Wochen später stattfindenden Hochzeit des glücklichen Paares schien sie die munterste von allen Gästen. Georg Hesse, der auf ihren Wunsch auch diesmal ihr Ritter war, konnte sich jetzt nicht über Gleichgiltigkeit und Unaufmerksamkeit beklagen. Die Hochzeit, welche im Elternhause der Braut gefeiert wurde, war zugleich auch ein Freudenfest für die ganze Herrschaft Saarstein. Man hatte immer noch daran gezweifelt, ob der Majoratsherr nicht eines Tages einem neu erwachten Dränge, fremde Länder zu durchforschen, nachgeben werde. Die Vermählung des Freiherr» gab den Unterthanen jedoch die freudige Gewißheit, daß er das Feld seiner segensreichen Wirksamkeit nicht mehr verlassen werde. -SSN-S- Die drei Verschworenen. Nach dem Gemälde von G. LÜS. „Zweifelst Du daran?" „Gewiß nicht, Otto. Doch ich möchte, daß meine Eltern die Ersten seien, welche von unserem Herzens- bündniß in Kenntniß gesetzt würden." „Du hast Recht, meine Lily; noch in dieser Stunde soll es geschehen", erklärte Otto feurig. Es war ihm fast lieb, daß er auf diese Weise genöthigt war, der schönen Wittwe persönlich seine Verlobung mit Lily zu verkünden. Sattel iliid Lasso i» Mexiko. Von Dr. E. Below. Berittene Geistliche und berittene Richter, berittene Aerzte und auch sogar berittene Hebammen, berittene Almosensammler und Bettler — nur nicht berittene Schreiber- und Schneider- Seelen — trifft man überall in Mexiko, besonders auf den gebirgigen Hochländern, aber auch im flachen und Tieflande. In den Silber- minenstädten und deren Umgegend reitet Alles, auch die Frauen. Ich wüßte kein Land der Welt, wo so viel geritten wird, wie in Ungarn und Mexiko. Beide Länder gleichen sich sehr im Reiten wie im Fahren, im Essen wie im Trinken, in der Küche wie in der Kirche, im Singen wie im Lieben; in dem Freier, der nicht reiten kann, sieht die Frau dort keinen rechten Mann. Wer bloß Ritter von der Feder und der Elle ist, zählt nicht mit, er muß Ritter mit Flinte, Sporn und Lasso sein, dann gilt er. Hat die Sache in Ungarn zuweilen einen etwas hunnischen Beigeschmack, so hat sie in Mexiko einen arabischen, von den den Spaniern beigemengten maurischen Elementen her, die durchCortez und seine Nachfolger als gut spanisch in die eroberte neue Welt mitKreuz und Sattel übertragen wurden; denn diese beiden Sachen waren dem alten, in einer eigenthümlichen Naturreligion von ihren weisen Priestern erzogenen Kulturvolk der Azteken noch neu. Sie betrachteten die ersten berittenen Spanier, die ihnen das christliche Kreuz und den spanischen Sattel ins Land brachten, als Barbaren und Centauren und flohen vor ihren Pferden, die sie noch nie gesehen, und ließen sich taufen, wie die Sachsen unter Karl dem Großen. Wie es Bernat Diaz in seiner „Eroberung von Mexiko" beschreibt (siehe: „ Deutsche Zeitung von Mexiko" (Januar 1896). Die Liebe für Musik und Reiten, wie sie in der berühmtesten aller ungarischen Rhapsodien von Liszt ausgedrückt ist, läßt sich auch im Lande Mexiko finden. Arabisch ist am mexikanischen Sattel der große breite tellerförmige, Sattelknopf, auf dem beim langen Steppenritt die müden Hände mit den Zügeln ruhen können, auf dem der Reiter zur Noth sein einfaches Mahl verzehren, auch eine Notiz schreiben kann, und auch die Sattellehne gemahnt an die hohe Stuhllehne des Arabers, von der der mexikanische Sattel noch ein kurzes Ansatzstück zeigt. Die Bauart des mexikanischen Sattels ist die unseres Bocksattels der leichten Kavallerie, welche das Rückgrat des Thieres völlig frei läßt. Ein zwei Finger breiter Spalt bleibt in der Länge von zwei Handbreiten auf dem Rücken offen, so daß man bequem durchfassen kann, um sich zu überzeugen, daß der Sattel nicht drückt. Man kann in die ärmlichsten Stuben kommen, einen Sattel und ein Heiligenbild findet man immer, wenn es auch weder Bett noch Herd in unserem Sinne dort gibt. Das Bett ist beim Volk eine Strohmatte, die aufgenommen und zusammengerollt wird. „Stehe auf, nimm dein Bett und wandle", das versteht man erst in jener sehr an primitive, palästinische Verhältnisse gemahnenden Einfachheit. Als Schmuckstück prangt der Vaquero-Sattel mit den zum Fliegenschutz herabhängenden Flankenlappen aus Ziegen- oder Lcoparden-Fell auf einem Hölzgestell mit Zaum, Gebiß und Lasso, und dies nebst dem versilberten Sombrero und dem Heiligenbildchen und Oel- lämpchen an der Wand ist die piöos äs rssistnuss, das Schmuckstück, der Stolz der dunklen, kühlen Hütte, der ärmlichen, bedürfnißlosen und deshalb glücklichen und zufriedenen Indios, der Nachkommen der Azteken, dieser Mischrasse von spanisch-arabischem und indianischem Blute. Die reiche Phantasie des mexikanischen Handwerkers, die oft den Künstler durchblicken läßt, hat aus diesem Sattel, der bei den Aermeren ein recht unscheinbares braunes Hausrathsstück bildet, die wunderbarsten und geschmackvollsten Gebilde zu schaffen gewußt. So zeigt die Ziselirung des Sattelknopfes, meist versilbert, nicht nur tellerartige Verzierungen. Oft stellt er einen Löwenkopf in Relief vor, oft einen Adler, der die Schlange tödtet, das Sinnbild der mexikanischen Republik: auf einer von Nopal bewachsenen Felseninsel hat sich der Adler, der den wandernden Toltcken als Führer zu ihrer neuen Heimath diente, der Sage nach, niedergelassen, wo er aie lauernde Schlange der Tyrannei erwürgte. Diese an die Wanderungen der vor-aztekischen Zeit gemahnende Sage gibt das Bild, das als mexikanisches Wappen die Sattelknöpfe und die Jorvegos (Manteldecken der Indios) ziert. Ganz anders als das bei uns in Europa gebräuchliche ist das mexikanische Gebiß: es ist ein Kandarengebiß, wo statt der Stangen ein Ring mit einigen daran- hängenden Metalldrückern dem Pferd über die Zunge geschoben wird. Je mehr der platt auf der Zunge liegende kupferne rauhe Metallring durch den Zügelzug herabgedrückt wird, um so mehr drücken sich die daran hängenden kleinen Drücker in das Zungenfleisch, während der Ring gegen Zunge und Unterkiefer drückt und so dem Pferde den Kopf hinabzwingt und es schließlich stillzustehen nöthigt. Dies komplizirte Gebiß wiegt nicht so schwer, wie unsere Kandarenstangen. Das Pferd spielt mehr mit der Zunge daran und speichelt und schäumt leichter. Die Mexikaner glauben das Thier dadurch aufmerksamer und munterer zu halten. Doch so sehr es auch durch solch ein schikanöses Gebiß gepeinigt wird, dies übt lange nicht den Zwang aus, wie der leicht um den Hals gehängte Lasso: ein kleiner Ruck an dieser Leine, die nicht stärker ist, als unsere gewöhnliche Wäscheleine, und das Pferd steht im schnellsten Karriere, so daß es mit den vorgestreckten Vieren eine ganze Strecke vorwärts schnurrt und Pferd und Reiter von einer Staubwolke umgeben sind. Diese Wirkung des Lasso ist die Folge der schlimmsten und grausamsten Jugenderinnerung des Thieres beim ersten Einsangen in der Wildniß, die für das ganze Leben vorhält. Als das Thier auf der Steppe von den Knechten des Hazendado zum ersten Mal mit dem Lasso eingesungen wurde, um sein Brandmal aufgedrückt zu bekommen, schauderte es bei dieser ersten Begegnung mit dem überlegenen Menschen zusammen; manches Thier bricht dabei einen Halswirbel, wenn der Zug des um den Sattelknopf des Reiters geschlungenen Lassos zu brüsk erfolgt. Doch das kommt selten vor. Die meisten laufen, nachdem sie geknebelt, niedergeworfen und ge- braudmarkt worden sind, munter davon, stehen aber wie angewurzelt, sowie sie zum zweiten Mal Bekanntschaft mit dem Lasso machen. So wie in Mexiko habe ich nirgends ein Reitpferd im vollen Jagm pariren sehen. Es geschieht nicht nur mit dem Kandarenzügel, sondern mit der um den Hals des Thieres gehängten Lassoschlinge, mit diesem Zuge jedenfalls immer am sichersten. Diese Schlinge liegt zugleich um den Kopf des Pferdes als Halfter. Die Rancheros behaupten, daß sie mit dem bloßen Halfter, ohne Gebiß, das Pferd ebenso in der Gewalt haben, wie mit Gebiß. Sieht man diese ländlichen Reitergestalten mit weit abstehenden, flügelartig sich bewegenden Ellbogen daher fliegen, so muß man den Mangel an Grazie und Eleganz bedauern. Sie reiten eben wie die wilden Indianer, bücken sich dabei zur Erde, heben den in den Sand geworfenen Hut vom Boden auf, machen diese und ähnliche Kunststücke wie das „Stierwerfen" auch auf bloßem Pferde; das ist gewöhnlich der Schluß-Akt auf den Wettrennfesten, die auch das deutsche Kasino auf seinem Rennplatz vor der Hauptstadt Mexiko gibt. Das Stierwerfen krönt die meisten größeren Wettrennen als ländliche Volksbelustigung. Dem aus dem Pferch getriebenen wilden Stier jagt eine Schaar Berittener nach. Man sucht den Schweif des Thieres zu erfassen, zwischen rechtem Knie und Sattel durchzuziehen und, den Schweif nicht locker lassend, damit voranzustürmcn, den Stier zu überholen und ihn so kopfüber stürzen zu lassen. Dann wird er gebunden, er bekommt einen Gurt um den Bauch und wenn er wieder aufsteht, sitzt ein Reiter auf ihm, der alle Versuche, ihn abzuwerfen, vereitelt, bis man das ganz blöde gewordene Thier freiläßt, worauf es dann, meist recht mattherzig, ohne Angriffe zu machen, in seinen Pferch zurücktrollt. Dieses beliebte Spiel ist freilich Sache des geborenen Hazendado. Ein Fremder lernt es selten. (Schluß folgt.) -- - Goldkörner. Seh ich die Werke der Meister an, So seh' ich das, was sie gethan: Betracht' ich meine Siebensachen, Seh' ich, was ich hätte sollen machen. >i—V—l' Goethe. 815 Ettenbeuren. (Mit Bild.) Nachdruck verboten. In dem 475 Seelen zählenden, an der Kammlach gelegenen Ettenbeuren finden wir schon in früher Zeit Besitzungen der bischöflichen Kirche von Augsburg, die wohl noch aus karolingischen Stiftungen herstammen mögen. Die Kirche von Ettenbeuren schenkte, wahrscheinlich noch im 11. Jahrhundert, ein nicht näher bekannter Diakonus Udalrich an das Domstift, welches dieselbe zu seinem Präbenden bezog. Später erscheint sie der Präbende des Dompropstes beigegeben. Einer der Dompröpste überließ dieselbe zur Zeit des BtschofsUdal- skalk (1184—1202) an sein Kapitel. Hiernach einverleibte Bischof Stfried am 6. Juni 1220 die Kirche dem Domkapitel. Demselben blieb von alter Zeit her auch einiges weltliche Gut in Ettenbeuren; den bei weitem größten Theil des Ortes aber erwarb im Laufe der Jahrhunderte das nahe Kloster Wettenhausen. Der Ort Ettenbeuren selbst stand unter der ^Landeshoheit und hohen Gerichtsbarkeit der Markgrafschaft Burgau, welcher auch das Grundeigenthum der meisten Güter im Orte zustand, die von den Markgrafen an verschiedene Lehenträger verliehen wurden. Die bedeutendsten derselben finden wir in Gliedern des weitverzweigten Ge- schlechtsvonRoth,aus Ettenbeuren. kapitel 14, die Markgrafschaft Burgau 3 Behausungen, alles übrige gehörte nach Wettenhausen. Die Pfarrkirche unter dem Titel L. Llurias V. in oosIoL Lssumxtae liegt, vom Gottesacker umgeben, an der Westseite des Dorfes, hart an der Kammlach. Die frühere Kirche war ein gothischer Bau. Am 1. Mai 1672 Abends 8 Uhr stürzte der Thurm dieser Kirche zusammen, zerschmetterte den Chor, schlug einen Theil des Langhauses ein und machte an Altären und Glocken großen Schaden. Die Kirche wurde wieder hergestellt, der Thurm von Grund aus neu aufgeführt. Die Vollendung des BaueS verzögerte sich jedoch bis zum Jahre 1684. Vom alten Baue find noch die Chormauern mit 7 gothischen Strebern übrig, das Langhaus wurde im Jahre 1776 verlängert, erhöht und ausgeziert, wie es jetzt noch steht. Unter dem gegenwärtigen Pfarrer I. Ritter wurden große Veränderungen vorgenommen. Im Jahre 1892 bekam der Thurm ein sehr schönes melodisches Geläute mit4Glocken, L, I'is, 2, hergestellt von dem bekannten Meister Hamm in Augsburg. In den Jahren 1893 und 1894 wurde die Kirche sowohl außen als auch im Innern einer gründlichen Restauration unterzogen, welche von Herrn Architekten I. A. Müller in München sehr glücklich und herrlich ausgeführt wurde, so daß die Kirche jetzt eine der schönsten Landkirchen des Bis- deren Händen Wet- Ongm-l-Aupahmk von Gustav «Lader, Photograph in «rumbach. IV-rviklsSMgui,g«rk>ht vorbehalten 1 Hums ist Der hiezu tenhausen allmählich fast den ganzen Ort erwarb. Die von Roth bewohnten wahrscheinlich eine Burg in der Nähe von Ettenbeuren, die vielleicht bei der Belagerung Burgau's im Jahre 1324 durch Ludwig den Bayer zerstört wurde, wenigstens ist im Jahre 1339 nur mehr die Rede von einem Burgstalle zu Ettenbeuren. Am 4. Juni 1437 gestattete Herzog Friedrich (mit der leeren Tasche) dem Kloster Wettenhausen auch das Dorfgericht zu Ettenbeuren, während er sein „Hochgericht und Herrlichkeit", von der Markgrafschaft Burgau rührend, sich vorbehielt. Zur Zeit der Säkularisation 1803 besaß in Ettenbeuren das Domerforderliche Kostenaufwand betrug mehr als 35,000M., welcheSumme größten- theils aus dem Nachlaß eines verstorbenen Wohlthäters, dann aber auch durch große freiwillige Beiträge der Pfarrangehörigen bis auf eine unbedeutende Restschuld aufgebracht wurde. In die Pfarrei Ettenbeuren sind noch folgende Orte eingepfarrt: Egenhofen mit 109 Seelen, Goldbach (174S.), Hartberg (84 S.), Kleinbeuren (131 S.), Ried (205 S.), Unterrohr (193 S.), Retfertsweiler (50 S.) und Grünhöfe (21 S.), sodaß die ganze Pfarrei zusammen circa 1442 Seelen umfaßt. 816 Die Pfarrei Ettenbeuren besteht aus 6 politischen Gemeinden, nämlich Ettcnbeuren mit Reifertsweiler und den beiden Grünhöfen; Egenhofen; Goldbach mit Hart- berg; Kleinbeuren; Ried und Unterrohr. Schulen sind in Ettenbeuren für die Gemeinden Ettenbeuren, Egenhofen und Unterrohr, sowie in Goldbach und Hartberg. Kleinbeuren gehört in die Schule nach Wettenhausen, Ried nach Beglingen. --ss-*-cs—- Zu unseren Bildern. Gedeuket der Armen zur Weihnachtszeit! Wie bitter und drückend muß nicht den Armen ihre Lage in der heiligen Weihnachtszeit werden, da sie sehen, wie die vermöglicheren Leute alles aufbieten, um sich vergnügte Feiertage zu bereiten und mit Geschenken aller Art einander zu überraschen. Kein Christbaum mit wohlschmeckenden Früchten, süßem Backwerk und strahlenden Lichtern steht ihnen in warmem freundlichem Zimmer. Sie haben ja nicht Holz genug, ihre Stube, in der sich nur die allernothwendigsten Möbel befinden, warm zu halten, nicht Geld genug, um fich eine hellleuchtende Lampe anzuschaffen und zu unterhalten, nicht Brod genug, um den knurrenden Magen immer zu befriedigen. Sie können ihren lieben Kleinen keine Ueberraschung bereiten, so gern sie es thun möchten. Wie sehnsüchtig schaut nicht die arme Frau auf unserem Bilde, mit dem frierenden Kinde auf den Armen hin nach dem prächtigen Christbaum im hellerleuchteten Saale des reichen Kaufmanns. Wie bescheiden sind nicht ihre Wünsche, wie letcbt könnte ihr und ihren armen Kindern geholfen und eine große Weihnachtöfreude bereitet werden. Und so wie ihr geht es noch Tausenden in diesen heiligen Tagen. Darum gilt euch allen, die ihr euch des Genusses der irdischen Güter zu erfreuen habt, der Ruf: Gedenket der Armen zur Weihnachtszeit I _ Dlie drei Verschworenen. Von Julius Lohmeyer. .Aus den Wolken muß «S fallen, Aus der Götter Schooß das Glück.' Vom Haselstrauche schwebt ein Faden nieder, D'ran wiegt ein Spinalem seine zarten Glieder, Behaglich fich im Morgenduft zu baden; Wie golden glänzt im Sonnenlicht der Faden. Gleich sind fie da, die Gickchcn, Gackchen, Göckchen, Und schauen nach dem allerliebsten Glöckchen, Das über ihnen wunderbarlich schwebt. „Ei seht doch! Hat man je so was erlebt?" Piept Gickchen; und nach läng'rer Prüfung meint es: „Ein delikater Morgrnbtssen scheint es!" Und Göckchen schmatzt: „Wie rund und appetitlich!" Und thut im voraus sich schon an ihm gütlich. — „Jetzt kommt das Spinnlein I — Nein I doch wieder nicht I" Klagt Gackchen, aufwärts blinzelnd in das Licht. „Doch jetzt! — Nein, wieder nicht!" — Das gute Gackchen Setzt sich ermüdet auf sein gelbes Frackchen. „Was hat denn solch ein dumm' Geschöpf zu denken!" Jetzt aber scheint daS Spinnlein sich zu senken — „Wahrhaftig!" Einen Hopser wagt schon Göckchen — Doch aufwärts kriecht es wiederum ein Streckchen. So geht es fort zu wiederholtcnmalen; Selbst Tantalus erlitt nicht ärg're Qualen, Als uns're Kücken. — „Ist so was erhört? Sie foppt uns!" kräht das Gickchen ganz empört. „Meinst du, wir könnten stundenlang hier warten Auf solch' armselig Ding — indeß im Garten Die schönsten Räupchen uns entgeh'» und Mückchen? Hältst du zu Narren uns?" p'ept heftig Gickchen. „Ich hab' es satt!" — Doch ha! — da kommt sie wieder, Bis an die Schnäblein läut sie sich hernieder. Heißhungrig schnappt die kleine Trias zu — Da fiieht sie wieder auf. — „Pfui, Spinne — du! Das ist zu arg! Dich mag der — Sperling holen. Meinst du, wir hätten uns're Zeit gestohlen? Häng' du ein ganzes Jahr hier meinetwegen, Uns ist wahrhaftig nichts an dir gelegen!" So piepsten sie und schimpften wie die Spätzchen — Die Spinne aber kroch zurück in's Netzchen, ' Wo sie noch heut' im Abendthaue schwebte, ÜL Ernstlich nachsinnend über das Erlebte. Die Kücken liefen desperat zur Tenne Und klagten das Gescheh'ne laut der Henne. Im Haselstrauche lachten ein paar Meisen; Man sprach noch lang davon in Kückenkreisen. Altertet. Noch vor dreißig Jahren war im amerikanischen Bundesschatzamt keine einzige Frau angestellt, und jetzt gibt es dort deren nicht weniger als 6000. Die Sachverständigen für die Feststellung gefälschten und verbrannten oder auf andere Weise verstümmelten Papiergeldes sind weiblichen Geschlechts und sehr zuverlässig. Frau Leonhard z. B. hat während eines Zeitraumes von drei Jahren Banknoten im Betrage von zwei Milliarden Dollars auf ihre Echtheit geprüft, und ihr täglicher Durchschnitt beziffert sich auf 200,000 bis 400,000 Dollars, doch sind schon zwölf Millionen an einem einzigen Tage durch ihre Hände gegangen. Trotzdem sie fich während ihrer Dienstzeit schon zum zweiten Mal verheirathet hat, so läßt man fie nicht gehen, weil sie unentbehrlich ist. Wenn irgendwo Geldkästen oder „Safes" im Feuer waren, so werden sie nach Washington geschickt. Hier werden fie geöffnet, und Frauen sieben den fast zu Asche gewordenen Inhalt durch, suchen die verkohlten Reste von Papiergeld heraus und unterwerfen sie einer mikroskopischen Untersuchung unter der Leitung von Frau Brown, denn diese ist Chef des Bureaus für die Prüfung verbrannter Banknoten. Sobald eine solche Note von ihr identificirt ist, muß das Schatzamt den Betrag herausbezahlen, doch bleibt sie haftbar für jeden Verlust, der durch ihr Versehen die Regierung trifft. Während ihrer ganzen dreißigjährigen Amtszeit hat Frau Brown nur 25 Cents ersetzen müssen, obgleich ihr alles Papiergeld zugeht, das im ganzen Gebiete der Vereinigten Staaten vom Feuer gelitten hat, von Mäusen zernagt oder vom Wasser zu Brei verwandelt worden ist. Frauen sind es, die im Bundesschatzamt daS Gold und Silber zählen, die Maschinen handhaben, welche Banknoten stempeln und zerschneiden, kurzum, dort eine Menge der wichtigsten Vertrauensämter bekleiden. * Der höfliche Wirth. Ein von Höflichkeiten und nach seiner Art schönen Redensarten überfließender Wirth auf dem Lande antwortete auf die Frage: „WaS gibt es diesen Mittag zu essen?" — „Unterthänigste Forellen, gehorsamste Bratwürste, ergebensten Kalbsbraten und dienstwilliges Schweinernes." --SSAkS-S- Telegraph enräths el. Vorstehende Zeichen entsprechen den Buchstaben von sechs Wörtern, die folgende Bedeutung haben: 1. ein im Wasser lebendes Thierchen, 2. russischer Fluß, 3. weiblicher Vorname, 4. einstens mächtiger Bund, 5. was man küßt und auch gern findet, 6. ein als Braten geschätzter Vogel. Die durch die Punkte angedeuteten Buchstaben ergeben einen Wunsch, den wir unsern Lesern zum Christfeste zurufen.