M 1V8. Moutag, den 28. Dezember 1898 . ikür die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen ZnstitutS von Haas L Grabherr in Augsburg lVorbesitzer vr. Max Huttler). Der Aussah in Birma') Die furchtbarste Geißel, unter welcher die Völker des Orients zu leiden haben, ist ohne Zweifel der Aussatz. Der Westländer, der diese Krankheit nur dem Namen, aber nicht auch ihrem Wesen nach aus den Schriften deS alten und neuen Testamentes kennt, mag nach allem, was er hier darüber findet, leicht zur Meinung hinneigen, daß der Aussatz eine Krankheit ist, die erstens nicht zu häufig auftritt, und die zweitens auch heilbar sein kann. Beides kann und wird auch einmal, in alter Zeit nämlich, der Fall gewesen sein. Das Gesetz, nach welchem alles, was da ist und war, sich aus kleinen Anfängen entwickelt, seinen Kulminationspunkt erreicht und endlich niedergeht und ganz verschwindet, dieses Gesetz gilt, wie man beobachtet hat, für Krankheiten nicht minder wie für andere Erscheinungen der Natur und Kultur. Wenden wir eS auf den Aussatz an, so können wir wohl behaupten, daß diese Krankheit in unsern Tagen auf ihrem Höhepunkt steht, jedoch mit dem Zusätze, daß fie diesen Höhepunkt nicht erst in unserer Zeit, sondern schon vor langem erreicht haben mag. Nicht die Verbreitung des Aussatzes, sondern seine Erscheinungsform ist es, welche uns zu dem Urtheile berechtigt, daß er einer Steigerung nicht mehr fähig ist. Er ist zwar in allen Gebieten des Orients und ebenso in der gemäßigten wie in der heißen Zone zu finden, und er verschont keine der eingeborenen Rassen; was ihm aber mehr als seine Extensität furchtbare Bedeutung gibt, das ist die Intensität, in welcher er überall auftritt, daS ist der Umstand, daß er sich überall in derselben abschreckenden Gestalt zeigt, ob er nun sporadisch oder endemisch erscheint. Wenn irgendwo, so ist der Aussatz in Btrma als Endemie zu bezeichnen. Hier ist er zu Hause wie sonst nirgends in Asien, denn wenn wir die Bevölkerung Birmas zu zehn Millionen annehmen und die darunter befindlichen Aussätzigen auf beiläufig 30,000 schützen, so entfällt auf 333 Seelen ein Aussätziger, ein Verhältniß, wie eS bei einem andern Volke des Orients wohl wer-er in alter, noch auch in neuerer Zeit zu finden sein dürfte. So schrecklich aber diese Verhältnißzahl uns erscheinen mag, so wenig Eindruck scheint fie auf die Birmanen *) Wir entnehmen diese Skizze der „Oesterreichischen Monatsschrift für den Orient", die von dem k. k. Handelsmuseum in Wien herausgegeben wird und eine reiche Quelle für die Kenntniß der Ostländer bildet. selbst zu machen, denn durch nichts haben sie bis nun auS Eigenem versucht, dem Umsichgreifen des Aussatzes Grenzen zu setzen. Während die Chinesen beispielsweise die mit dem Aussatze Behafteten sofort aus der Gemeinde entfernen, an einsamen Orten isolieren, ja sogar gewaltsam aus der Welt schaffen, um sich vor Ansteckung zu schützen, begnügen sich die Birmanen damit, erst die in einem höhern und für ihre Mitmenschen schon unerträglichen Stadium des Aussatzes sich befindenden Kranken von der allernächsten Berührung mit der Gesellschaft auszuschließen; daß sie dies aber weniger aus Furcht vor Ansteckung und Vererbung, als aus Ekel und Abscheu vor dem entsetzlichen Aussehen der Aussätzigen thun, das beweist die Thatsache, daß die Gesunden mit den in den Anfängen der Krankheit Stehenden zusammen wohnen bleiben und verkehren, ja, daß sogar Ehegatten, von denen ein Theil intakt und der andere aussätzig ist, dem Zusammenleben so lange kein Ziel setzen, bis der kranke Gatte sich dem Zustande nähert, in welchem er zu einer alle Sinne beleidigenden abstoßenden Masse, zu einer lebendigen Leiche wird. Keine höhere Rücksicht hebt den nahen Verkehr der Gesunden mit den erst in leichterem Grade Erkrankten auf, und keine höhere Rücksicht, nicht Menschlichkeit, nicht Liebe, nicht Dankbarkeit, nicht Pietät, macht eS den Gesunden zur Pflicht, sich der schon in höherem Grade Erkrankten erbarmend anzunehmen, ihnen ihre Leiden zu lindern und den Rest ihres todgeweihten Daseins erträglich zu machen. So wird eS in Birma von Armen und Reichen gehalten, und obwohl jeder sich sagen kann, daß auch ihm die schreckliche Krankheit mit allen ihren der Natur und der unmenschlichen Sitte entsprechenden Folgen oroht, stehen doch alle dem Uebel — bis auf das Gefühl des Ekels — gleichgültig gegenüber. Von dem Leben und Leiden der Aussätzigen in Birma entwirft uns k. Johann Wehtnger, ein katholischer Missionär, der während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Birma viel mit Aussätzigen verkehrt hat und durch die Gründung eines Hospitals den unglücklichsten aller Menschen ein Asyl zu schaffen bestrebt war, ein anschauliches Bild. Wenn k. Wehinger bemerkt, daß eS ihm unmöglich gewesen sei, zu erfragen, zu welcher Zeit in Birma der Aussatz (Lepra) zum erstenmale aufgetreten sei, so ist dies begreiflich, und eS wird auch niemand anderem gelingen, auf diese Frage Antwort zu erhalten. Gewiß ist auch schwer zu behaupten, daß die Krankheit durch einwandernde Fremde ringe« führt sei, weil erst im sechzehnten Jahrhundert Einwanderungen stattgefunden haben und die Birmanen wissen wollen, daß es schon vor dieser Zeit Aussätzige in Birma gegeben habe. Wir müssen eben den Aussatz in Birma ebenso für autochthon ansehen wie in anderen Gebieten des Orients; er entstand, wuchs, erreichte eine Kulmination, und niemand kann in Rücksicht auf die ersten kleinen Anfänge und unbedeutenden Erscheinungen sagen, wie und wann er entstand. Als Ursachen oder vielmehr Bedingungen deS Aussatzes nennt ?. Wehinger: große Armuth, ungenügende Nahrung, Unreinlichkeit des Körpers und der Wohnung, die dort den größten Theil des Jahres herrschende Hitze, verbunden mit den von den Sümpfen und Urwäldern aufsteigenden Miasmen. Alles dies mag wesentlich dazu beitragen, dem Auftreten der Krankheit Vorschub zu leisten, doch glauben wir nicht, daß eine medizinische Aetiologie damit ihr Auslangen finden würde, und vielleicht gehen wir nicht irre, wenn wir die Birmanen, wie andere Orientalen, hauptsächlich vermöge ihrer psychischen und physischen Schlaffheit und Trägheit zur Aufnahme des durch Vererbung fortge- züchteten Krankheitskeimes für disponiert halten. Da k. Wehinger auf Grund seiner Erfahrungen die Ansicht ausspricht, daß die enorme Vermehrung der Leprafälle theils auf Vererbung, besonders aber auch auf Ansteckung, zurückzuführen ist, so erscheint das indolente Verhalten der Birmanen der Krankheit und den Kranken gegenüber geradezu ungeheuerlich. Man unterscheidet in Birma zwei Arten von Aussatz ; den feuchten oder eiternden und den trockenen Aussatz. „Die ersten Kennzeichen der feuchten Lepra sind große weiße oder auch gefärbte Flecken auf der Haut, welche an diesen Stellen ihre Empfindlichkeit verliert. Auf diesen Flecken oder daneben erscheinen bald Klümpchen, welche immer größer werden und die Größe einer Erbse oder auch Haselnuß erreichen. Am zahlreichsten und am größten find die Knötchen im Gesichte. DaS Aussehen der Leprakranken wird ganz gräßlich. Sein kupferrothes, «tt tiefen Furchen und Tuberkeln beladeneS Gesicht hat nichts mehr Menschliches an sich. Seine Augenlider schwellen unermeßlich an. Die an den Augenbrauen, an der Nase und am Kinn in Menge erscheinenden Klumpen geben dem Kranken ein fürchterliches, löwenähnliches Aussehen. Deshalb wird dieser Grad des Aussatzes öfters auch Leontiasis genannt. Die Finger krümmen sich und werden zugleich mit der ganzen Hand starr und steif. „Dieses erste Stadium kann jahrelang dauern, und wie schrecklich es auch sein mag, ist es doch eine Frist, deren Fortdauer der Kranke wünscht, um den nachkommenden Entwickelungen der Krankheit zu entkommen. Während dieser Periode sind in der That die Schmerzen nicht so heftig oder wenigstens nicht lange anhaltend. „Die Krankheit nimmt jedoch ihren weiteren Verlauf. Von den genannten Tuberkeln bricht eines nach dem andern auf, es entstehen klaffende Wunden und Geschwüre, und so erneuert sich das Leiden beständig . . . Dazu kommt, daß diese Geschwüre stets vernachlässigt werden, und so wird der erbarmenswertste Leprakranke allmählich seinen Mitmenschen und sich selbst zum Ekel. Die Ftngerglieder fallen eins nach dem andern ab oder trocknen auf. ES kommt auch vor, daß ein Fuß, eine Hand ganz verschwindet. Aehnlich dem Vater Job fühlt der Unglückliche, wie sein Körper, gleich einem von Warmem zerfressenen Kleid, in Stücke zerfällt, und er bittet Gott, ihn sterben zu lassen. Jedoch weil die Krankheit seine hauptsächlichsten Lebensorgane noch nicht angegriffen hat, ist er zum Weiterleben verurtheilt, bis die Geschwürbildung in das Innere seines Körpers dringt. Die Krankheit schreitet immer vo/würts, greift erst den Mund an. Die Luft- und Speiseröhre werden gewöhnlich zuletzt angegriffen, und es ist oftmals Erstickung, welche dem armen Leprakranken das Ende seiner Schmerzen bringt. Falls ihn Erstickung nicht befreit, bringen die in den inneren Organen stattgefundenen Zerrüttungen den Tod. Schon lange vor dem Tode verbreitet sich um den Leprakranken herum der äußerst üble Leichengeruch, und der Körper ist sozusagen schon lange abgestorben, bevor der Leidende das Ende seiner Tage, das Ende seiner Leiden erreicht hat. Und doch — in diesen vergifteten Ueberresten eines menschlichen Körpers — sollte man es glauben? — wohnt noch eine Seele. Wir fragen diese Leiche, und sie gibt uns Antwort, und wir zittern .mit Schauder, indem wir in ihr Verstand, Gedächtniß und, was einen zu Thränen rührt, ein Herz finden — ein Herz — das nicht sterben kann und noch für die liebevolle Sorge, die seinem langen Todeskampfe beiwohnt, Dankbarkeit beweist. Bei dem trockenen Aussatze find es ebenfalls die äußersten Glieder, die zuerst dem Uebel zur Beute anheimfallen. Es bilden sich alsdann in den verschiedenen Körpertheilen immer mehr rothe Brandflecken. Allmählich entfleischen sich alle Glieder. Die Knochen jedoch, anstatt sich, wie bei deM feuchten Aussatze, vom Körper loszutrennen, bleiben vereinigt, von der bloßen Haut bedeckt und zusammengehalten. Dieses lebende Skelett gleicht einem ausgedörrten Baume, der, noch von seiner schützenden Rinde umgeben ist. Die Gelenke der Glieder allein scheinen etwas aufgeschwollen. Endlich bleibt für die gierig immer weiter zehrende Krankheit kein Zehrstoff mehr — der Tod tritt ein." Diesem furchtbaren Krankheitsbilde entsprechen'auch die Zustände, die in Hinsicht auf die Behandlung der Leprakranken in Birma herrschen. Wie schon bemerkt, werden hier die Aussätzigen nicht, wie eS in Jydten und China geschieht, aus der Nähe der Gesunden verbannt sondern sie bleiben in ihre« Hause und unterhalten, so lange ihre Krankheit noch in den ersten, weniger abstoßenden Stadien steht, fast dieselben Beziehungen mit der Gesellschaft und Familie wie zuvor. Und dabei versuchen eS die Gesunden nicht, dem Fortschreiten der Krankheit durch die Anwendung irgend eines Mittels ein Ziel zu setzen oder ein Palliativ zur Linderung der Schmerzen der Kranken anzuwenden, ja, sie denken gar nicht daran, sich durch prophylaktische Maßregeln und Mittel vor der Gefahr der Ansteckung wenigstens einigermaßen zu schützen. Erst wenn das Uebel schon einen für die Gesunden unerträglichen Grad erreicht hat, wird der Kranke gemieden. Inmitten ihrer Familie, umgeben von zahlreichen Bekannten, sind die unglücklichen Aussätzigen verlassen, ja sich ganz selbst überlassen. Auf den Straßen, auf öffentlichen Plätzen, am Eingang der Kirchen und Pagoden fitzen die Aermsten der Menschheit niedergekauert, um durch den Anblick ihres fürchterlichen Elends das Mitleid der Vorübergehenden zu erregen. Das Leben der armen Aussätzigen ist schon an und für sich ein äußerst qualvolles; der Leib, gefoltert von schrecklichen Schmerzen, faulend an immer weiter greifenden, entsetzlichen Geschwüren, zerfressen von gierigem, gar- stigeür Ungeziefer. Die Seele der Kranken aber leidet an gräßlicher Verzweiflung oder thierischem Stumpfsinn, weil keine Hoffnung auf Besserung ist. Dazu kommt aber noch eine andere Qual, nämlich die schreckliche Verlassenheit, die tiefste Verachtung, die härteste Gefühllosigkeit der Mitbürger. Der Aussätzige wird als ein Auswurf der Menschheit betrachtet, nirgends findet er wahres Mitleid, nirgends hört er ein Wort deS Trostes, sondern überall wird er als gar nicht zur Menschheit gehörend behandelt. In ihrer unmittelbarsten Nähe lassen Kinder ihre Eltern, Eltern ihre Kinder bei lebendigem Leibe verfaulen, ohne sich um sie zu bekümmern, ohne es sich einfallen zu lassen, zur Pflege der Kranken auch nur einen Finger zu rühren. Und wie sollten sich die Fernerstehenden der Kranken erbarmen, wenn eS die nächsten Verwandten nicht thun? Gab doch ein vermögender Birmane, den k. Wehinger um ein Almosen für die Aussätzigen anflehte, diesem zur Antwort, daß er von Herzen gerne eine große Menge Arsenik spenden wolle, um die Aussätzigen a«S der Welt zu schaffen! Wie daS Herz des von der Idee der Nächstenliebe durchdrungenen und auf de« Böden christlicher Kultur stehenden Menschen angesichts solchen Elends nicht ungerührt bleiben kann, so hat auch k. Wehinger, erschüttert von dem Anblicke der Aussätzigen und ihres Looses, die hochherzige Idee gefaßt, für diese ein Hospital zu gründen. Seinen beharrlichen Bemühungen ist eS auch gelungen, sich soweit Mittel und Kredit zu verschaffen, daß er im Jahre 1892 an die Ausführung feines menschenfreundlichen Planes schreiten konnte. So entstand unfern der Stadt Mandalay die Anstalt „St. Johann" für Leprakranke (St'. JohnS Leper Asylum), die, den Verhältnissen entsprechend, im Pavillonstile erbaut, derzeit 15V Aussätzige, Männer, Frauen und Kinder, in allen Stadien der Krankheit beherbergt. Die medizinische Behandlung der Kranken beschränkt sich vorderhand nur auf die versuchsweise Anwendung der Naturheilmethode, und eS sollen Dampfbäder und warme und kalte Wassergüsse eine bedeutende Erleichterung der Schmerzen herbeiführen. DaS Hauptgewrcht wird auf die Diät und Pflege der Kranken gelegt. Was diesen nach Maßgabe der bescheidenen Mittel und lokalen Verhältnisse an Nahrung, Kleidung, Wohnung» Ruhe und Gesellschaft und auch Erholung geboten wird, ist ihrem Zustand ebenso angepaßt wie die Pflege, die in der täglichen Reinigung der Wunden und Geschwüre, der Entfernung der Würmer aus den eiternden Wunden und in der Verbindung der Wunden besteht. In dieses aufopfernde Geschäft, diS alle Selbstverleugnung erfordert, theilen sich im Ganzen zwei Patres für die Männer und eine Schwester für die Frauen; die Unterstützung, die ihnen Hiebei von Seite der leichter Erkrankten zu Theil wird, ist insofern eine beschränkte, als diese vor dem Verkehre und der Berührung mit den hochgradig Aussätzigen selbst zurückschaudern. Es ist klar, daß, um nur die von einem höhern Grade der Krankheit Befallenen anS der Gesellschaft der Gesunden auszuscheiden und ihnen Behandlung und Pflege zu Theil werden zu lassen, i« Verhältnisse zu der großen Zahl von Aussätzigen in Birma auch mehrere und größere solcher Anstalten bestehen sollten wie die in Mandalay. Indessen ist der Anfang gemacht, und eS ist k. Wehinger zu wünschen, daß seine Bestrebungen, durch seinen Besuch europäischer Hauptstädte die clvilisirte Welt des Westens auf sein Unternehmen aufmerksam zu machen, wenigstens dar St. JohnS Asyl in Mandalay zu vergrößern und zweckentsprechend auszugestalten, vom besten Erfolge begleitet sein mögen. Freilich ist es mehr als fraglich, ob daS gräßliche Uebel des Aussatzes in Birma je ausgerottet werden kann, selbst wenn alle Aussätzigen in Hospitälern untergebracht und von den Gesunden isoliert wären, so lange im Lande überhaupt nichts für eine entsprechende und ohne Zweifel dringendst nothwendige Hygieine geschieht. Doch genug für den Allgenblick, wenn nur den Kranken selbst jene körperliche Pflege und jener geistige Trost geboten wird, wodurch ihre leiblichen und seelischen Leiden vermindert und gelindert werden. - ^ * ALterLer. Ueber die Langlebigkeit der Menschen hielt F. W. Warner kürzlich einen Vortrag von ungewöhnlichem Interesse vor der Akademie für Wissenschaft in New-Iork. Jede Person, führte Warner aus, trägt die physikalischen Bedingungen ihrer Lebensdauer in sich, und eine langlebige Person kann schon nach ihrem Aussehen von einer kurzlebigen unterschieden werden. In vielen Fällen vermag ein Arzt nach eine« einzigen Blicke auf die Hand seines Patienten zu sagen, ob dieser leben oder sterben wird. (!) In der Pflanzen- wie in der Thierwelt erhält jedes Leben seine Charaktere von demjenigen Leben, aus dem es seinen Ursprung genommen hat. Unter diesen angeborenen Eigenschaften findet sich auch die Fähigkeit, daS Leben für eine gegebene Zeitdauer fortzusetzen; man kann diese Fähigkeit als die inhärente oder Potentiale Lebensdauer bezeichnen. Unter günstigen Bedingungen und in günstiger Umgebung kann das Individuum diese Lebenszeit ganz ausleben, unter ungünstigen wird sie merklich verkürzt werden. Ebenso kann die Lebensdauer einer Person, einer Familie oder einer Rasse auch durch die Einflüsse einer besonders günstigen Umgebung erhöht werden. Die erste Voraussetzung für ein langes Leben besteht darin, daß Herz, Lungen, Verdauungsorgane und Gehirn ihren gehörigen Umfang haben. Ist dies der Fall, so zeigt eS sich in der Länge des Rumpfes und der verhältnißmäßigen Kürze der Glieder. Solche Personen werden im Sitzen groß und im Stehen klein erscheinen, die Hand wird eine lange und etwas schwere Fläche und kurze Finger ausweisen. DaS Gehirn wird tief gelegen sein, waS sich schon daran erkennen läßt, daß die Oeffnung der Ohren tief liegt. Ein blau oder braun strahlendes Auge ist ein günstiges Zeichen. Große Lungen finden ihren äußern Ausdruck in großen, offenen und freien Nasenlöchern, während gepreßte und halb geschlossene Nasenlöcher auf kleine und schwache Lungen schließen laffen. Hierin sind die wesentlichen Punkte zur Unterscheidung von langlebigen und kurzlebigen Menschen gegeben, und zwar auf Grund einer Prüfung von sehr umfangreichen statistischen Erhebungen. Daß eS individuelle Ausnahmen gibt, ist selbstverständlich, es sind aber eben Ausnahmen, und die Regel wird dadurch nicht gestört. Handelt eS sich um Personen, die auf der einen Seite kurzlebige, auf der andern Seite langlebige Verwandte besitzen, deren Anlage sich auf sie vererbt hat, so wird die Frage verwickelter; es zeigt sich aber, soviel läßt sich im Allgemeinen feststellen, daß bei derartiger Verschmelzung verschiedener Anlagen die Natur außerordentliche An- strengungen macht, die für ein längeres Leben günstigen Eigenschaften in den Vordergrund zu bringen und die feindlichen zurückzudrängen. 836 ^U88l>ur8or 8edn<;iid1utt. sLUs RseliLe vordedr»1L6Q.^ Heseliivlltv äs» 8el»r»vl»8p!el8. VII. Legen Knde des XV. dabrbunderts weinen sied die literariseben Krreuguisse über das 8ebacb. 1472 gibt Kleister Ingold cu Augsburg eins Lbbandlung über «las 8ebaeb beraus; cwvi .labre später ersebeint cuLondon das von 6arten dem Dercog von Olarsnoe gewidmete 8ebacbbueb; 1483 gelangt sodann cu 8trassburg das erste gedruckte deutsebo 8ebaobwork, nämlieb „Ledaebcabel nacb dakobus äs Oessoles'' rur Ausgabe. Im labre 1495 kolgt den vorerwäbnten ein sxaniscbes 8ebaebwsrk, die von kranceseo Vinevot veranstaltete 8ammlung von 100 künstlieben Knd- spivlen. Von eigentliebsr Redeutung ist indess erst das 8ebaeb- werk, welebes der Oastilior Luesna 1497 cu 8alamanea verlässt« und dem krinren lobann (dem Ikjäbrigen 8okns Keräinands des Katboliscben von Aragon und der Königin Isabella von Oastilisn) widmete. Die in diesem Werke — von dem übrigens nur der Zweite lbeil dein 8ebaeb gewidmet ist — vntbaltonen 8pieiankänge sind meist nur kurc und von geriiigem Wertbe. Die Regeln, welebe Lucena belolgt, ootsprvcbsu in der llauxtsavbs bereits den beute gütigen, nur wendet er an 8telle der Rocdade noeb den altertbümlicben einmaligen 8xruog des Königs aul ein beliebiges drittes kslä an. Weit grösseres Interesse gswäbron seine Kndspiele und Lulgnben. In einem 1'keil derselben (es sollen 150 gewesen sein, von denen 100 erkalte» blieben) wird noeb naeb den kegeln des alten arabiseben 8ebaebs gezogen und die Königin demgemäss aueb mit der arabiseben Leceiebnung „Llkerecca" benannt. In dein grösseren lbeile jedoek Luden die Regeln des modernen 8xiols Anwendung, welebes Lucena im Legensatc cu der alten 8xielwei.se sebr beceiebnend „juego ds la Dama" (8piol der Dame) benennt, oLonbar mit Rück- sicbt aul die grosse Redeutung, welebe dureb ibre erweiterte Langart die Dame (Königin) im modernen 8xisls erlangt bat. Im Deinige» maebt Lueena's Werk den Kindruck, dass sein Verlasser kein besonders starker 8xioler war. Kins der besten Aufgabe», wolxbe sieb in seinem Rucks Luden, ist die Lügende: Lukgabe Kr. 10. (Lus Lueena's 8cbacbwerk vorn labre 1497.) 8cbwarc. Weiss. Llat in 8 2ügen (naeb den jetzigen 8pielregeln). (Kortsetrung dieses Lbsebnittos in 14 lagen.) Ainvl»r!el»tvi» »«8 «It'i- 8el»ael»« vlt. Der Wetlknnipt Lssker-Steinitr n« Aoskitu. In der 11. kartio, welebe Lasker gewann, ergab sieb vaeb dem 37. 2ugs von 3ebwarr kolgends Stellung: Weiss (8toinitr): Kc3, 8e2, d3; Ra2, K4, s3, l3, g2, K2. 8ebwnrc (Lasker): Kd6, Lb5, 8e6; Ra7, d5, e5, l6, gö, K7. Ks lvlgte 38. a2-a4, l6-l5; 39. b4-b5, lö-l4-, 40. e3—c4. d5> L..- Resten Dank kür Ibre Lnorkeunung und Resxekt vor Ibrer stets grüudlieben Lsarbeitung der Lösungen unserer Lulgaben ete.; aul den weiteren Inbalt Ibrer Lusebrilt kommen wir eventuell noeb curüek. -I-krdl. Oruss! L. //. Die 2abl der Waicenköruer endigt — wie 8iö riebtig bemerkten — mit 615 niebt 165; (vergl. Kr. 84). — „iVa/,s«aM,»at''>,Lo/-w/«aF^C/)ä>-v»srL).'IIerrIiobenl)ank kür Dirs liebenswürdige Lmlmerksamksit! Wir werden uns xromxt und regelmässig rsvauebiren. Resten Oruss! ^ViSLk/sL^/ Die Kamen jener 8ebaebkreunds, welebe unsere Kudspisls und kroblems riebtig lösen, sowie die Lösungen innerbalb dreiWocksn einsenden, worden stets an dieser 8teIIs ver- öilentliebt. _ LIIss aul das 8ebacb Locügliebs ist ausnabmslos ru adressiron : „Ln die Redaction des Lngsburger 8el>neli- dlatt — Okkv Lngust» — Lngsburg." "W>K