11. Januar 1894. f vr. Sebastian Brmmer. Von Franz Vogt. Am 26. November v. I. schloß im Greisenasyl zu Währing bei Wien ein Mann die müden Augen zum ewigen Schlummer, der wohl verdient, daß ihm nach seinem Tode die Anerkennung gezollt wird, die er im Leben nicht gefunden. Nicht Orden und Ehrenzeichen schmückten seine Brust, nicht die Stufen hoher Ehren und Würden hat er erklommen, nicht Schätze und Reichthum hat er sich gesammelt, kurz nichts, was in den Augen der Welt Ehre und Ansehen verleiht, konnte er sein eigen nennen, und doch überragte er himmelweit gar viele hochgestellte Männer seiner Zeit, die mit mitleidigem Achselzucken auf ihn Herabschauen zu müssen glaubten, und doch windet sich um seine Stirne der unvergängliche Lorbeer des Sieges, nicht errungen im Männermordenden Kriege, sondern im Kampf der Geister, in welchem er, ein stahlbewehrter ritterlicher Kämpe, das Schwert des Geistes schwang im Dienste Gottes und seiner HI. Kirche; ein Kämpfer, der von der Vorsehung mitten hineingestellt wurde in die Wirren einer gott- entfremdetcn, kirchenfeindlichen Zeit und der seinen Beruf, für GotteS heilige Sache zu fechten, so klar und wahr erkannte, wie kaum ein anderer. Dieser Mann, dessen Name für seine Zeit ein ganzes kirchenpolitisches Programm bedeutete, der mit feinem Leben und Wirken als ein Mahnzeichen in unsere Zeit hercinragt, es ist der ch Prälat Dr. Sebastian Brunner. Leider verbietet uns der Raum, eine ausführliche Lebensbeschreibung dieses seltenen Mannes zu geben, und nur in großen Zügen möge hier das Wichtigste aus seinem Leben und Wirken geschildert sein. Sebastian Vruuuers Wiege stand in der donan- umrauschten Kaiserstadt Wien. Er wurde geboren am 10. Dezember 1814. Seine Eltern, der Seidenweber Jakob Brunner und dessen Gattin Anna, geb. Stettcr, waren goticsfürchtige, streng religiöse Leute. tuaiu illuinillu super ssrvuiu tuuiu eb cioee euiu zustülicatiouss tuas" schrieb der des Lateins kundige Vater in den Kalender neben das Datum der Geburt seines Sohnes, und diese in der Familie herrschende Religiosität war bedeutungsvoll für fein ganzes Leben: er empfing im Elternhause feste, religiöse Grundsätze, empfing jenen Fonds christlicher Gesinnung, der ihn später aufrecht erhielt, als Studium, Lektüre und Gesellschaft auf die Erinnerungen seiner Jugend einstürmten, so daß er wohl wanken und straucheln, aber nicht fallen konnte. Ueber BrunnerS Jugend, die er uns so köstlich in seiner Selbstbiographie „Woher? Wohin?" schildert, müssen wir rasch hinwegeilen, nur so viel sei gesagt, daß ihm schon in der Elementarschule das passirte, was ihm oft im späteren Leben vorkam, daß er nämlich gründlich verkannt wurde. Seine erste Lehrerin, Madame Embler, meinte nämlich seinem Vater gegenüber, im Rechnen gehe es ihm wohl so halb und halb leidlich, im schriftlichen Aufsatz aber sei er der schlechteste; „Der Bub hat halt keinen Geist; schlafen thut er immer, er ist halt der Schlafende." Wie eben bemerkr, wurden auch später, als Brunner längst einen ehrenvollen Platz in der österreichischen Schriftstellerwelt sich erobert hatte, von dem Pygmäcnthiim der damaligen geistlichen und weltlichen Bureaukratie solche Urtheile über ihn gefällt. Dem einen war er ein „praktisch unbrauchbarer Mensch"' einem andern „nicht gerade ohne Talent", einem dritten „nichts als ein phantastischer Schwarzmaler der Zukunft mit ein wenig Darstellnugsgabe" und was solcher erheiternden Urtheile mehr sind. Mit dem Beginn seiner Gymnasialstudien begann für Brunner eine Zeit geistiger Gefahr und geistigen Ringens und Kümpfens. Der für die damaligen Verhältnisse ganz ungenügende und verfehlte Religionsunterricht, sowie eine maßlos betriebene Lektüre, der er sich hingab, stürzten ihn in Glaubenszweifel, die er selbst in ergreifender Weise schildert und die andauerten, bis ihm endlich nach seiner Aufnahme ins Alumnat in Wien in dem dortigen Spiritual Horni ein Seelcnführcr erstand, der ihm die richtige Lektüre in die Hand gab: Hurters Jnnozenz III., Möhlcrs Symbolik rc. rc. Zur vollen Wahrheit uud Klarheit aber führten ihn die Bekenntnisse des hl. Augustiuus, uud als er sich durch seine Seelenkämpfe durchgerungen hatte, da stand der Entschluß fest bei ihm, Priester zu werden, ein Entschluß, der bei der damaligen Mißachtung, in welcher der Clcrus stand, geradezu heroisch genannt werden muß. Am 5. August 1838 feierte Brunner in Maria-Zcll, einem berühmten Wallfahrtsort Stcicrmarks, seine Primiz, und jetzt beginnt für ihn ein Opscrleben, das er bis zum Grabe führen mußte. Damals lag in Oesterreich die Kirche Gottes sehr darnieder. Kaiser Joseph II. hatte das bekannte „I/stach o'esb raoi" auch in kirchlicher Beziehung durchgeführt und in staatlichen Bildungsanstalten einen Klerus herangezogen, „dem das Kriechen nach oben vielfach zur regulären Bewegungsart geworden war" und „der sich das Denken vollständig abgewöhnt halte". In Folge dessen wurden die Priester wie Schuljungen behandelt, Kirchcn- kncchtschast war damals Zeitanschauung und eine steife Bureaukratie machte sich in der Kirche breit. Was Wunder, wenn einem Manne, der durch schwere, innere Kämpfe zur Wahrheit gelangt war, beim Anblick dieser Zustünde das Herz blutete, was Wunder, wenn sich heiliger Manneszorn in seiner Brust erhob und wenn er die Kirchenbureaukraten mit Keulcnschlägen tractirte, wenn er sang:' „Mit allem Zaudern und Zagen fort, Die Zeit braucht ein entschieden Wort, Und eS ist Pflicht eines Jeden, Dem die Wahrheit im Herzen lebt, Daß er die Hand zum Schwur erhebt, Im Dienste des Herrn zu rceen," und wenn er jene Bureaukratie mit den Versen geißelte: „Aufgcklärtsein ist ihr Wahlspruch, Dafür soll die Welt sie halten, Dabei wedeln sie wie Hunde Vor den irdischen Gewalten. An der Kirche kaun man zweifeln Und am Ausspruch der Conzile, Doch wer an Dekreten zweifelt, Setzt sein Leben ein zum Spiele. Statt dem echten heiligen Geiste, Der einst in die Wüt geflossen, Wird das Tintenfaß von nun an Ueber alle auögegossen." Gegen diese Bureaukratie gründete er mitten in den Wirren des Jahres 1848, wo er selbst eine Belagerung auszuhalten gezwungen war, seine „Kirchenzeitung", auf deren Banner stand: Freiheit der Kirche und Errettung 10 derselben aus den Händen der Polizei. Gegen die knechtischen Schreiberseelen im Clerus, „die unter fortwährenden heuchlerischen Bücklingen vor der Staatsomnipotenz nach der josefinischen Pfeife tanzen", sendet er seine „Schreiber- knechte", denen obenstehende Probe entnommen ist. Unter solchen Umständen war es natürlich, daß Brnnner keine Carriöre machte; er blieb Zeit seines Lebens Eaplan und au seinem siebenzigsten Geburtstag konnte er mit vollem Rechte von sich singen: „Ich hab' keinen Wagen und hab' keine Pferde, Und bin nie gesessen am eigenen Herde Und hab' nie gegessen aus eigener Küche Und war nie vergessen aus eigene Sprüche." Freilich wollte er anch keine Carriöre machen: „Ich habe nie verrenkt meinen Rücken Durch gnadenbegchrendeö, tiefes Verbuchen, Ich suchte gerade durchs Leben zu schreiten Und spielte nie doppelt auf zweierlei Saiten." Dies sagte er auch mit nackten dürren Worten einem josefinischen Sekretär aus dem geistlichen Departement, dem er über seinen Nationalismus tüchtig die Leviten las. Der Sekretär sagte ihm: „Junger Mann, Sie werden sich in dieser Weise Ihre Carriare verderben; es ist Schade um Sie, Sie hätten sonst keine üblen Anlagen." Darauf Brnnner: „Wenn ich mir vorgenommen hätte, Carriöre zu machen, so würde ich dies in einem andern Stande angestrebt haben, denn im geistlichen Stande, wo Leute über das Geschick eines Geistlichen mitentscheiden, denen ich ihres Systems willen meine feindliche Gesinnung immer in's Gesicht sagen werde, muß man diese paar Jahre lumpigen Erdenlebeus Gott zum Opfer bringen." Brnnner machte keine Carriere. Dafür sorgte neben andern das damals tonangebende Jndenthum und das verjudete Literatenthum, mit dem er ebenfalls Krieg führte bis auf's Messer, wie er auch die sogenannten Heroen der deutschen Literatur, einen Göthe rc. rc., unerbittlich ihres Nimbus entkleidete. Dafür erntete er von den Juden und deren Gesinnungsgenossen allerlei Ehrentitel. So schrieb die Breslauer Kleine Morgen- post: „Brnnner, ein fanatischer nltramontaner Humorist, dem der Scheiterhaufen zu seinen Satiren leuchtet, die er statt mit der Feder mit den Torturwerkzcugen der Inquisition schreibt, der soviel Schärfe der Kritik und des Witzes hat, daß man deren Verbindung mit der ägyptischen Finsterniß, der fanatischsten Intoleranz in seinem Kopfe kaum begreifen kann." (Schluss folgt.) Friedrich Hebbel. Ruch seinem Leben und Wirken geschildert von A. G. (Schluß.) Stets war Mangel in Hebbels Kasse, überall suchte er zu verdienen, sr warf sich auf Geschichtsschreiberei, schrieb viel und erhielt wenig Honorar. Zu dieser Zeit schenkte ihm zu allem hin Elise einen Sohn, dessen Gebnrt er mit einem „Gebet" begrüßte, das folgendermaßen schließt: „Also bet' >ck>, weil ich schmerzlich wünsche, Daß für mich, alö ich geboren wurde, So ein edler Mensch gcbeter hätte." Leider fing Hebbel wieder eine neue Liebschaft an mit einer Patrizicrstochter, Namens Emma, und ging so weit, diese Liebe seiner Elise in glühenden Farben zu schildern. In einer der Quellen, die dem Verfasser zu Gebote standen, hat ein Leser früherer Zeit zu diesem Brief mit Bleistift die Randbemerkung gemacht: „Abscheulicher Kerl!!", ein gewiß sehr herber Ausdruck, aber doch wohl füglich berechtigt und gerechtfertigt; wir selbst möchten beisetzen: „Rücksichtsloser Mensch I" Als zweites Drama dichtete Hebbel seine „Geno- vefa", welche schon vorher von Tieck und Nampach bearbeitet war, im kurzen Zeitraum von einem halben Jahre war sie fix und fertig, in siebertscher Hitze und Eile wurde gearbeitet, sogar bisweilen das Mittagessen vergessen, und was kam heraus? ein ziemlich verfehltes Stück trotz mancher Schönheiten. „Auch hier", sagt König," that er seinem Urbilds Gewalt an. Seine Genovcfa ist eine über alles Maß wortkarge Heilige, die selbst für das Schändlichste keine Aeußerung des Abscheues und der Entrüstung übrig hat; Golo eine allmählig zum Teufel gesteigerte Mischung der Don Juan- und Faustnatur. Zum Schluß gibt der Schurke sich freiwillig den Tod, anstatt ihn, der Sage gemäß, von Henkershand zu erleiden". Fr. Dingclstedt sprach sich in mehreren Briefen an Hebbel anerkennend über dieses Stück aus, wie er denn auch die Ausführung desselben sehr angelegentlich betrieb. Nun warf er sich auf ein früher begonnenes Lustspiel „Der Diamant", um alsbald wieder eine Novelle „Mattes" zu schreiben, das als ein Nachtstück bezeichnet werden muß. In diese Zeit fällt der große Brand von Hamburg, über den Hebbel schreibt: „Mir war es, als ob ich nichts Gegenwärtiges sähe, aber die ungeheuersten Bilder der Vergangenheit standen vor meinem Blick: ich sah Carihago mit dem zerschmelzenden Moloch, ich sah Perfepolis und die tanzende Thais, ich sah Moskau und den Imperator, wie er unwillig und finster den Kreml verließ, bei dem nüchternen Tageslicht besah man sich mit Schauder und Entsetzen den Leichnam einer Stadt." Das gleiche Jahr führte ihn in Hamburg mit Uhland und feiner Frau zusammen, und er sagt von dem schwäbischen Dichter: „er war sehr herzlich und liebevoll, als ob wir alte Freunde wären, nicht starr und kalt, wie die meisten ihn finden und wie ich ihn selbst 1836 auch fand. Aeußerst anspruchslos, schwer im Reden, aber auf eine naive, rührende Weise. Freue mich." Allerdings, Müssen wir beisetzen, dauerte der Besuch Uhlands nur einige Augenblicke, da der Wagen mit seinen Damen vor Hebbels Hause hielt. Dann ging's planlos auf Reisen, nach Kopenhagen, Paris, Italien, Wien, wohin auch wir den ruhelosen Mann kurz begleiten wollen. Er fuhr nach Kopenhagen, die See ging hoch und stürmisch, worüber sich Hebbel folgendermaßen ansläßt: „Ich ahnt' cö längst! die grollenden Titanen Sind aus dem Schlummer wieder aufgestört, Und haben, an die alte Nacht zu mahnen, Jedwedes Element der Welt empört." Das Hotelleben war ihm eincstheils zu theuer, anderntheils zu nobel, so daß er alsbald ein Privat- zimmer bezog, Besuche bei hohen Würdenträgern wurden gemacht, er erhielt Einladungen von vielen Seiten, was ihm mitunter sehr unangenehm war, da es ihm an der Handhabung der gesellschaftlichen Formen ordentlich fehlte. Endlich erhielt er Audienz bei dem König Christian VIII. und ging dabei dem Hofmarschall nach, „wie die Jolle dem stolzen Jagdschisf". Er bat um eine Professoratsstelle für Aesthetik und Literatur, dann gab er sich zufrieden mit einer Privatdozentenstelle — es wurde nichts 11 daraus, da er keine Universitätsstudien gemacht hatte, kein Geld und keine Lust zum Studieren auf der Universität hatte, auch von einer Disputation wollte er auf Anregung des KönigS nichts wissen, der zudem seine Judith etwas zerzauste, kurz, die guten Hoffnungen erfüllten sich nicht, die er gehegt, aber Eines schlug er heraus auf Empfehlung Adam Oehleuschlügers und Thorwaldsens, einen Brief Collins mit dem kostbaren Inhalt: daß der König Hebbel ein Neisestipendium von sechshundert Neichsthalern jährlich auf zwei Jahre bewilligt. „Zwei sorgenfreie Jahre habe ich vor mir und diese will ich redlich benutzen." Ueber Thorwaldsens „Ganymed und der Adler" war unser Dichter so entzückt, daß er sofort ein Gedicht über dieses Prachtwerk machte mit dem Eingangsverse: „Knabe, süßer, wunderbarer, Unterm Kuß des ZenS gereift, Blüthe, die in leuchtend klarer Schönheit nie der Wind gestreift." Ueber Hamburg, wo er einigen Aufenthalt bei Elise nahm, ging es nun 1843 nach Paris, wo ihn besonders Heine sehr liebevoll aufnahm, fast könnte man sagen: Gleiche Vrüder, gleiche Kappen! Bald machte er sich an ein bürgerliches Trauerspiel und bald war es vollendet, nämlich „Maria Magdalena". Wenn heutzutage neu- modische französische und auch deutsche Dramaturgen sich gefallen, Stücke zu schreiben, wo Mord und Todtschlag, Ehebruch und anderes Unsittliche die Hauptrolle spielen, so daß am Ende der Witz eines Bauern, der in einem Theater zu Berlin sagte: „jetzt sind alle caput, jetzt wird das Stück anS sein", Wahrheit ist, jedenfalls Wahrheit enthält, so ist dies, um mit Ben Akiba zu reden, alles schon dagewesen, denn die Maria Magdalena Hebbels ist Beweis hiefür. Wie der Autor auf den Titel kam, ist nicht ersichtlich, aber das ist aus dem Stück ersichtlich, daß ein einziger Mann in einem einzigen Stück Diebstahl, Entehrung, Untreue, Selbstmord, Kindsmord und anderes haarsträubendes Zeug nie wird so realistisch über die Bühne marschiren lassen können, wie Hebbel es in diesem Stück gethan — gottlob, es ist auch gar nicht nöthig. Berlin wies das Stück zurück, Paris führte es auf, jeder hat eben seinen besonderen Geschmack. Auch in den folgenden Stücken, um dieselben kurz und bündig abzumachen, die der Dichter in Wien schrieb, wohin er sich von Paris aus begab, herrscht das Absonderliche und Greuliche vor, obwohl natürlich in jedem sich auch poetische Schönheiten finden; Hebbel ließ eben in sittlicher Beziehung die Zügel schießen, wie der Freund in Paris — Heine. In seinen Stücken findet sich, wie Julian Schmidt sagt: „bei den rasfinirien Empfindungen und der künstlich gesteigerten Hitze die frostige Sprache der Reflexion." Bei Thorwaldsens Tod war Hebbel sehr ergriffen: „so sterben die Götter! so starb Göthe, Shakespeare, so würden wir alle sterben, wenn das Leben sich naturgemäß entwickelte". Er dichtete auf Thorwaldsen und soll eine Strophe aus dem Gedicht auch hier ein Plätzchen finden. „Thorwaldsen folgt, der letzte wohl im Zug. Der aus dem Marmor gricch'schcS Feuer schlug, Der das, waS werden sollte und nicht ward. Weil eö im Werden selbst schon halb erstarrt, Das ungcschaff'ne Urbild allcö Seins, Erlöste aus dein spröden Schooß des Steins." In dieser Zeit erklärte sich die Universität Erlangen auf eifriges Betreiben des alten Rousseau hin bereit, auf Grund einer Abhandlung Hebbel den Doctorgrad zu ertheilen. Er reichte eine Arbeit ein, beantwortete die ihm zugesandten „kindleichten" Fragen, die Abhandlung wurde als gut befunden, den Doctorhut erhielt er aber erst nach zwei Jahren, da er früher die hiefür nothwendigen Taxen nicht bezahlen konnte. Am 3. Oktober 1844 ist Hebbel in Nom. „Ja eS ist Alles belebt in Deinen heiligen Mauern, Ewige Noma, nur mir schweiget noch Alles so still." So begrüßte er die heilige Stadt und setzen wir bei: es muß im Herzen eines Mannes, der zum erstenmale die ewige Noma betritt, eben noch etwas sitzen, was in Hebbels Herz fehlte, und was unsere Leser gewiß selbst errathen, wenn nicht „alles so still schweigen soll", wie bei Hebbel! In Nom selbst verkehrte er besonders gern und viel mit den deutschen Künstlern, besuchte fleißig die großartigen Kunstsammlungen und war besonders begeistert im Vatikan vom Apoll und der Laokoongruppe, welche er mit den Händen befühlte zum Zeichen der „geistigen Besitzergreifung".(!) Charakteristisch ist es, daß er bei den herrlichen Ceremonien der heiligen Charwoche kalt blieb, während schon viele, viele, selbst Ungläubige, von diesen tief erschüttert wurden nach ihren eigenen Bekenntnissen. Hebbel suchte eben auch in der „ewigen Noma" mitunter höchst Zeitliches, nicht am wenigsten auch galante Abenteuer; Elise drang jetzt auf Heirath, Hebbel wollte nichts davon wissen. Eines muß man ihm lassen, er dichtete auch in Nom fleißig, wodurch mitunter auch recht Schönes entstand, so seine Sonetten: „An den Künstler", „Das Opfer des Frühlings" und andere mehr. Am 29. Oktober 1845 verließ er die ewige Stadt und hinterließ — Schulden und hatte dabei „keine Kleider, o Du hast recht, Elise! ich schwimme in Genüssen aller Art!" Eine solche Interjektion kann man füglich doch wohl mit Recht als eine Art Galgenhumor auffassen und bezeichnen. Es ging nach Wien, wo er fünf Jahre verweilte. Die dortigen Künstler kamen Hebbel auf das Freundlichste entgegen, besonderes Gefallen fand letzterer an dem „leidenden" Grillparzer. In Wien war es auch, daß er sich verlobte mit Fräulein Christine Enghaus, die er auch im Jahre 1847 heirathete. Wir sind nicht berufen, den Dichter wegen dieses Schrittes zu verdammen, aber auch nicht berufen, ihn zu vertheidigen, wie dies einzelne gethan haben; wir sagen nur: Elise, die „Angebetete", lebte, sie war Mutter von zwei Kindern, sie hatte ihr Vermögen mit Hebbel getheilt, ihn stets unterstützt und Hebbel wurde der Mann einer Andern! und ihr Besitz „erfüllte mich mit einem Glücksgcfühl, das ich bis dahin nicht gekannt hatte"! Seine „Maria Magdalena" wurde in Wien aufgeführt, mehr aber wegen gewisser Schauspieler und Schauspielerinnen, als wegen des Stückes selbst, das denn auch eine sehr getheilte Aufnahme fand. Damals vollendete er auch sein Trauerspiel „Julia". Auf Betreiben Christine's kam Elise nach dem Tod ihres zweiten Knaben auf Besuch nach Wien und schied „wehmüthig, aber in wirklichem Frieden", nach längerm Aufenthalt wieder nach Hamburg zurückkehrend. Mit seiner „Judith" hatte Hebbel Glück auf dem Burgtheater, vielleicht auch, weil Christine selbst die Judith spielte, die nach den Worten des Dichters selbst „wie der Adler auf den HoloferneS loskam"; hiegegen erfuhr seine Tragödie „Herodes und Marianne" eine vollständige Niederlage. Die Tragödie wurde einmal aufgeführt und dabei blieb eS! Auch sein Märchenlustspiel „Der Rubin" wurde zwar aufgeführt, 12 das Publikum war „in heiterer Laune", aber es verschwand alsbald auch wieder vom Repertoire. Andere kleinere Arbeiten können mit Fug und Recht übersprungen werden. Der neue Hofburgtheaterdirektor Heinrich Laube und mit ihm Andere waren dem Dichter zudem nicht gewogen, so das; er zur damaligen Zeit kein Glück hatte, „auf der Bühne erscheinen zu können", denn auch hiczu sind vielleicht mehr als anderswo Vetter und Basen von größter Nothwendigkeit. Mehrere Gedichte aus damaliger Zeit athmen wiederum recht poetischen Geist aus, u. a. auch das auf die Sixtiuische Madonna in der Gemüldegallerie zu Dresden mit dem Anfangsvers: „Das hätt' ein Mensch gemacht? Wir sind betrogen! Das rührt nicht her von einer irdischen Hand! DaS ist entstanden wie der Regenbogen, Und auch, wie er, ein göttlich Unterpfand!" Nach einem kürzeren Aufenthalt in Berlin kam Hebbel wieder nach München, wo er in Ehren stand. Der kunstsinnige König entließ ihn nach einer sehr gnädigen Audienz mit den Worten: „ich wünsche, daß es Ihnen noch länger bei uns gefallen möge, und ich hoffe, Sie nicht zum letzten Male gesehen zu haben". Später sagte der König zu Dingelstedt: „ich bin seit lange von keinem Mann so angeregt worden, wie von Hebbel". Er arbeitete seine „Agnes Bernauer" aus, aber Melchior Meyer, der Bayer, war ihm mit seinem eigenen Opus gleichen Namens zuvorgekommen, er dichtete sehr fleißig, so spricht er die Arcaden an: „O Park, sei mir gesegnet! Bleib ewig frisch und grün, Und wcnn's nur einmal regnet, So sollst du zweimal blüh'nl In jedem deiner Gänge Verlier' ich mich mit Lust, Denn jeder hat Gesänge Gehaucht in meine Vtnst." Er war in München, was bei Hebbel sehr viel heißen will, zufrieden mit sich und der Welt, „ich stehe auf der Höhe meiner Existenz und freue mich jeden Tages". Allein wie der Schmetterling von einer Blume zur andern fliegt ohne Rast und ohne Ruh', so war auch Hebbel der reinste Schmetterling und zog von München wieder nach Wien, obwohl er am letztgenannten Platze bittere Erfahrungen gemacht hatte. Ende des Jahres 1854 starb Eltse, die er nebst seiner Frau stets unterstützt hatte, er beklagte den Tod derselben bitter und „will niemand lieber als ihr in den reineren Regionen begegnen, wenn sie sich dereinst mir erschließen". Seine erste Gönncrin Amalie Schoppe wanderte zu gleicher Zeit nach Anierika aus, um bald darauf auch zu sterben. Anfang des Jahres 1856 begann er sein letztes Werk, die Trilogie der „Nibelungen", welche trotz allzuvielen Reflektirens und Moralisirens der Helden ohne Zweifel eine hervorragende Dichtung von hoher Schönheit ist, freilich ist das Werk ungcmein schwierig zum Aufführen. Doch es wurde aufgeführt und zwar an vielen Bühnen. In Wien wurde er nach der Aufführung im Burgtheater sozusagen der Löwe, der Held des Tages, er wurde geehrt mit Gedichten, Geschenken, Telegrammen und neuen Titeln, er schwamm in Wonne; die Ehrungen wiederholten sich an seinem fünfzigsten Geburtstage in vermehrter Auflage. So ernannte ihn der Großherzog von Weimar zum Hofbibltothekar, die Großherzogin sandte einen prächtigen silbernen Pokal rc. Daneben dichtete Hebbel noch sehr viel, fast zu viel, er schonte sich zu wenig. In seinem „Sommerbild" singt er: „Ich sah des Sommers letzte Rose steh'n, Sie war, als ob sie bluten könne, roth; Da sprach ich schauernd im Vorübergeb'n: So weit im Leben ist zu nah am Todt" Auch der Dichter war „nah am Tod", an seinem 50. Geburtstag lag er zu Bett, sich freuend an den Ehrungen; rheumatische Schmerzen, Gichtanfälle, „alte Bekannte", plagten ihn bedeutend; „schwer ist der Kopf, steif ist das Kreuz, aber Geduld muß man haben", und er hatte Geduld. Große Freude bereitete dem Leidenden die Nachricht, daß den „Nibelungen" der vom König von Preußen ausgesetzte Preis von tausend Thalern zugesprochen sei. Bei der Nachricht davon rief er aus: „Das ist Menschenloos, bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher." Auch Bäder konnten nichts mehr helfen, die Qualen wuchsen und in den Qualen entstand noch sein Gedicht „Der Brahmine", nach dessen Vorlesen die Frau des Dichters ausrief: „Friedrich! das ist dein Testament!" Und so war es, der Tod war nicht mehr abzuwenden, die Krankheit stellte sich heraus als Erweichung der Wirbelsäule und der Nippen, und Hebbel starb am 13. Dezember 1863. Auf das einfachste wollte er beerdigt sein, wie er in seinem Testamente, das begann: „Der Tod ist gewiß, die Stunde aber ungewiß", bestimmt hatte, „am liebsten wäre es mir, wenn mein Leichnam den Flammen übergeben würde, kann dies nicht sein, so muß es davon sein Abkommen haben, jedenfalls keine Todesanzeige, keine Trauerzcttel, kein Leichengcfolge und keine Rede am Grabe." Universalerbin war seine Frau. Das „Trauergefolge" war doch großartig, der akademische Gesangverein ließ seine Weisen ertönen auf dem evangelischen Gottesacker zu Matzleinsdorf bei Wien, wo Friedrich Hebbels leibliche Ueberreste ruhen bis zum allgemeinen Auferstehungstage. Aus dem Leben zweier edlen kalhol. Frauen. Von Frhr. T. zu W. (Fortsetzung.) Leider gibt ihr Biograph keine Andeutungen, welche Persönlichkeiten auf Elisabeth von maßgebendstem Einfluß waren. Die Erinnerung an ihre Freunde in Li- vorno konnte nicht wohl genügen. In Nord-Amerika war damals die römisch-katholische Kirche die unterdrückte. Sie genossen nicht mehr Freiheit als die Protestanten in katholischen Staaten. Englische Puritaner und Quäker, die ihre Heimath verließen, weil ihnen die verlangte Cultusfreiheit nicht gewährt wurde, hüteten sich wohl, in Nord-Amerika, wo sie den größten Einfluß hatten, diese Freiheit den Katholiken zu bewilligen, eine Methode, welche vielfach die Freisinnigen unserer Tage befolgen. In einer solchen Umgebung war Elisabeth Seton erzogen worden; solche oder ähnliche katholischfeindliche Gesinnungen herrschten in ihrem elterlichen Hause ohne Zweifel vor; sie wurde von Persönlichkeiten getheilt, an denen sie mit der ganzen Gluth ihres feurigen Herzens hing. Leicht wurde ihr gewiß der Uebertritt nicht gemacht. Einen solchen inneren Kampf wird sie wohl an dem entscheidenden Tage gehabt haben. Sie sah diesen Moment zeitlebens als eine besondere göttliche Fügung an. Sie ging an einem Hause vorbei in einer entlegenen Straße New-Iorks, aus dem ein herrlicher Gesang ertönte. Bei v 13 dem Hören dieser erhebenden Melodien, deren sie sich wohl noch erinnerte aus Livorno's Dome und den Kirchen Italiens, kam es ihr wie eine Inspiration, in das Haus einzutreten. Aus ihres Herzens Grunde richtete sie ein Stoßgebet zu Gott, er möge ihr das Richtige eingeben, solle sie eintreten oder nicht. Eine innere Stimme sagte ihr: Tritt ein! Kein Zweifel mehr möglich. Nicht die kirchlichen Melodien allein bewegten ihr Herz, mehr noch die Worte, welche der Priester an die Anwesenden richtete. Von des Heilands Worten an die Mühseligen und Beladenen, zu ihm zu kommen, ausgehend, zeigte er, daß auf Erden die von Christus gegründete Kirche die Stätte sei, an welcher in seinem Namen und Auftrag die Mittel des Heils in den heiligen Sakramenten gespendet würden. Allerdings hatte Elisabeth Seton bisher auch einer christlichen Kirche angehört. Allein diese bot ihr nicht, wessen sie bedurfte, was sie suchte, den Seelenfrieden. Nun hatte, nach langen inneren Kämpfen, auf einen letzten Angstschrei ihrer nach Frieden ringenden Seele, Gott ihr auf so deutliche Weise seinen Willen kundgegeben. Sie konnte — und mit Recht — nicht glauben, ein bloßer Zufall habe es gefügt, daß sie eben in diesem Augenblicke an dem Hause vorbeigehe, aus der ihr im Kirchengesange der Ruf kam: Tritt ein! Wie sollte etwa der zur Gemeinde sprechende Priester wissen, daß eine ihm ganz fremde Persönlichkeit eben eintrete, auf die seine Worte einen für ihr Leben entscheidenden Eindruck machten? Nicht nur in ein dem katholischen Cultus geweihtes Gebäude trat Elisabeth Seton, sie trat bald darauf in die römisch-katholische Kirche ein. Elisabeths Biographie gibt leider auch darüber keine näheren Umstände. Sie sind vielleicht in einer früher erschienenen Lebensbeschreibung dieser seltenen Frau enthalten?) Am 14. März 1805 machte sie den wohl erwogenen und würdig vorbereiteten Schritt. „Mir war zu Muthe", schreibt sie bald nachher, „wie dem heiligen Petrus, als ihm im Kerker die Fesseln herabfielen." Im höchsten Grade intolerant und exclusiv auch den Protestanten gegenüber, die sich nicht ihren Kreisen anschließen, mußte die protestantischen Puritaner Elisabethens Uebertritt in die höchste Wuth versetzen. Fast alle ihre Verwandten, ihre Bekannten zogen sich von ihr zurück, vermieden mit Absicht mit ihr jeden Verkehr, versagten ihr auch eine materielle Hilfe, die sie in ihrer Lage so bedurfte, und die ihr, wäre sie Puritanerin geblieben, schwerlich vorenthalten worden wäre. Elisabeths edle Seele und christliche Gesinnung zeigte sich nun auch im schönsten Lichte. Alan hörte nie aus ihrem Munde einen Tadel, oder gar ein von Groll zeugendes Wort über dieses recht unchristliche Benehmen. Im Gegentheil, sie versicherte, ihre Liebe gegen ihre jetzigen Feinde sei nicht erkaltet, im Gegentheil. Elisabeths Kinder blieben bei ihr. Es mögen gewiß Seitens ihrer Feinde Schritte gethan worden sein, ihr auch diesen Trost zu rauben. Sie blieben vergeblich, denn Elisabeth bestand auf ihrem zweifellosen Rechte. Verlassen von ihren ehemaligen Freunden, voll der Sorgen eine Familie zu ernähren, sah sie sich vor dem bittersten Elende. Sie wankte in ihrem Muthe und Gottvertrauen nicht. Sie wollte eine Privatschule für kleinere Kinder gründen. An Kenntnissen und Fähig- Nir-Lbotk 8eton st Iss oommencemonts äs I'üoligs ostboligus Lux Ltats-IIms: xsr Llsäsms äs Larirsrs^. keiten fehlte es ihr nicht. Ich habe es bisher unterlassen, besonders darauf hinzuweisen, daß Elisabeth Seton eine treffliche Erziehung genossen, wodurch ihre reichen geistigen Fähigkeiten entwickelt und auf die richtige Weise gefördert wurden. Da, in ihrer höchsten Noth, sandte ihr Gott einen wahren Freund. Dieser Mann war Abbs du Bougg. Von den Folgen der französischen Revolution gezwungen, sein Vaterland zu verlassen, war er nach Nord-Amerika ausgewandert, und war nun Superior des Klosters St. Maria von Baltimore. Der Abbö sah gleich, daß Elisabeth Seton nach den Kränkungen, die sie in New-Iork erdulden mußte, dort nicht bleiben konnte. Er veranlaßte sie, nach Baltimore zu ziehen, dort werde sich leichter ein Feld zur Entfaltung einer regen Thätigkeit, die ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entspreche, finden. Seine Bemühungen hatten Erfolg. Man hatte in katholischen Kreisen Baltimores den Plan gefaßt, eine katholische Anstalt zu gründen, in der nicht nur katholische Kinder in den Lehren ihrer Kirche erzogen, eine in diesem Geiste geleitete Schule sich vorfinde, sondern in welcher auch alte, kranke Confessionsgenossen Pflege und Aufnahme finden würden. Der römisch- katholische Erzbischof behielt sich die Oberaufsicht vor. Noch fehlte die zur Leitung einer solchen Anstalt befähigte Persönlichkeit, als der Abbs auf Elisabeth Seton aufmerksam machte. Die verfügbaren Mittel gestatteten nur einen kleinen Anfang. DaS Lokal, damit auch die Zahl der Aufzunehmenden, war beschränkt. Vielleicht sind es eben diese scheinbaren mißlichen Umstände, welche Elisabeths Glaubensmuth und Energie bewogen, freudig die angetragene Leitung zu übernehmen. Ihr Leben war von diesem Tage an ein wahres Noviziat. Sie, die gewesene Puritanerin, an das kalte, formlose, in die engen Schranken einer verkehrten Weltanschauung gebannte Wesen gewohnt, sah sich unvermittelt in katholisches Leben versetzt, von Katholiken umgeben; dies Alles mußte ihr neu und ungewohnt vorkommen. Sie fand sich bald in ihre neuen Obliegenheiten, mit der ihr eigenen Elastizität des Geistes, und diese mit strengster Erfüllung ihrer Pflichten verbindend. Der Erfolg blieb nicht aus. Ein angesehener Bürger von Baltimore, Herr Cooper (Protestant?), stellte Elisabeth Seton eine Summe zur Verfügung, um damit ein größeres, zweckentsprechenderes Gebäude herzustellen. Es sollte auch ein neues HanS gebaut werden, um darin Erwachsene und Kinder aufzunehmen, die in der Lage waren, einen angemessenen Beitrag zu bezahlen. Diese Einnahme sollte zur Deckung anderer Ausgaben für Arme verwendet werden. Elisabeth Seton mußte sich natürlich bei der Zunahme des Werkes nach geeigneten Hilfskräften umsehen. Sie fand sie. Die Neubauten wurden nicht in Baltimore selbst, sondern in einem Dorfe in nicht zu großer Entfernung, Emitsburgh, gebaut. Der Erzbischof von Baltimore wünschte schon lange diesen Anstalten einen geistlichen Charakter zu geben. Elisabeth Seton selbst trat nicht eigentlich als Supenorin eines weiblichen Ordens auf. Ich vermisse Näheres darüber in Herrn de.Saint-Amand's Buch. Dennoch übertrug ihr der Erzbischof die Oberleitung der Anstalten und verlieh ihr das Recht, sich Mutter Eltsa- bethzunennen. Ihre Gehilfinnen legten aber Profeß 14 ab. Erst später traten sie in den Verband des Vaters St. Vinzent v. Paula als Schwestern zum heil. Joseph und standen unter der Leitung des Obern dieses Ordens in Frankreich. Der Ruf dieser Anstalten verbreitete sich bald in allen nordamerikanischen Unionsstaaten. Viele Freunde und Verwandte Mutter Elisabeths, welche sich, wie erwähnt, von ihr abgewendet hatten, konnten nicht anders, als die außerordentlichen Eigenschaften, mit denen sie so Vieles erreichte, anerkennen, und die meisten traten wieder mit ihr in Verkehr. Ihre Schwägerinnen Henriette und Cäcilia Seton zogen zu ihr, nachdem ihre drei Töchter Anna, Nebekka und Katharina schon länger bei ihrer Mutter weilten. Der Zeitpunkt, wann letztere dem Beispiele ihrer Mutter folgend auch zur katholischen Kirche übertraten, ist nicht angegeben. So wuchs und gedieh die Anstalt, zur Ehre Gottes und den armen Mitmenschen Zum Besten, fort. Doch recht trübe Tage sollten noch über Mutter Elisabeth kommen. An einem herrlichen Morgen machte Mutter Elisabeth mit einigen Schwestern und Kindern einen Spaziergang in die schöne Umgebung Emmitsburghs. Sie hatte schon einigemal ihr Bedauern ausgesprochen, daß die Anstalten keinen eigenen, geweihten Kirchhof besitzen, aber die Mittel erlaubten nicht die Erwerbung eines theueren Platzes. An einer besonders schönen, von herrlichen Bäumen umgebenen Stelle rief Henriette Seton: „Ach hier ist es so schön! Hier möchte ich begraben sein!" „Ich auch" erwiderte ihre Mutter. Einige Tage später erfuhr Mutter Elisabeth, daß eben dieser Platz unter günstigen Bedingungen käuflich sei. Sie war nicht die Frau, eine solche Gelegenheit achtlos vorübergehen zu lassen. Sie trat sogleich in Unterhandlungen, die auch bald Erfolg hatten. Kaum war der Platz gekauft und zum Kirchhof eingeweiht, erkrankte Henriette Seton. Sie war die erste, die dort begraben wurde, auf jener Stelle, wo sie den Wunsch aussprach. Unvermuthet schnell rief Gott sie von dieser Welt ab. Der Leidenskelch war noch nicht geleert. Auch Mutter Elisabeths Tochter Anna, 17 Jahre alt, ein Engel an Schönheit und Liebreiz, bereitete sich eben mit vollster Inbrunst vor als Novize in ein Kloster zu treten, als auch sie erkrankte. Ihr stand eine lange, schmerzvolle Krankheit bevor. Es ist leider des Raumes wegen nicht möglich, auch nur Auszüge aus Mutter Elisabeths Briefen über die Krankheit und den Tod ihrer Tochter mitzutheilen. Nicht die Kranke, sagt sie, sondern die Gesunden, welche sie umgaben und pflegten, benöthigten und empfingen Trost von der Sterbenden. Ihr Antlitz erstrahlte schon vor ihrem Tode in einem fast überirdischen Glänze. Vier Jahre später folgte auch ihre jüngste Tochter Nebekka im Tode ihren Schwestern, auch erst nach vorangegangenen schweren Leiden. Eine große Freude nach so vielem Kummer sollte Mutter Elisabeth noch erleben. Es war einer der schönsten Tage ihres Lebens. Der Druck, zum Theil die Verfolgungen, unter denen die katholische Kirche, auch nachdem die nordamerikanischen Staaten sich von englischer Vormundschaft „freigemacht" hatten, lag, wurde gesetzlich durch den Congreß gehoben, und sie konnte sich so frei und mit demselben Rechte entfalten, als die evangelischen Kirchen und deren Secten. Damit schien das Tagewerk Mutter Elisabeth Setons beendet zu sein, ihre körperlichen, aber nicht die geistigen Kräfte gingen zur Neige. Am 4. Januar 1821 starb sie, in einem also keineswegs hohen Alter. Aber von diesen 47 Jahren waren mehr als 20 Leidensjahre gewesen. Ihre Leitung der Anstalten, die auch manche Sorgenstunde für ihre Insassen zur Folge hatte, nahmen ihre vollste körperliche und geistige Kraft in Anspruch, so daß man sagen kann, sie starb auf dem Felde der Ehre, als Streiterin Gottes. Ihre Werke aber bleiben. Ein einfacher Stein bezeichnet ihre Ruhestätte, und im ärmlichen Zimmer, das sie in der Anstalt inne hatte, mit einem fast armseligen Bett, zeigt eine Inschrift, wer dort wirkte und starb. Gewiß war Elisabeth Seton eine edle Frau! (Schluß folgt.) S i a in. Von I. G. Fußcuccker. (Schluß.) Zur Geschichte SiamS. Die crstcn unö bekannt gewordenen historischen Urkunden von Siam stammen anö dem dritten Dccennium des 7. Jahrhunderts n. Chr., anö der Zeit von 635—638. Im 13. Jahrhundert war daö Reich, nach langen und schweren Kämpfen zwischen den Ureinwohnern und den Angedrungenen Mongolen, Chinesen und Hindn, unter Königen zur Blüthe gelangt; hatte aber dann Jahrhunderte hindurch viel von den raubgierigen Nachbarstaaten, besonders von Birma, zu leiden. Das war hauptsächlich der Fall um die Mitte dcS vorigen Jahrhunderts. Damals hatte ein Emporkömmling, ein birmanischer Bauer Namens Alombra, sich zum HecrcS- führer emporgeschwungen und durch seine Kriegsmacht die Landschaften Pegu, Ära und Arcann erobert und mit Birma vereint. Dieses neue Reich Birma trat i. 1.1759 mit dem Reiche Siam in Krieg, bei welchem letzteres außerordentlich viel gelitten. Es war ein „siebenjähriger", blutiger Krieg, wobei die alte Hauptstadt SiamS — Ajuthia — nach zweijähriger Belagerung von den Birmanen erobert und zerstört worden. Da die Birmanen jedoch einsahen, daß Siam zu weit ausgedehnt sei, um ihre Herrschaft über dasselbe dauernd begründen zu können, begnügten sie sich mit Plünderung, Zerstörung der Städte und dem Fortschleppen der Gefangenen in die Sklaverei. Da erhob sich im trauernden Siam das Näubcrwesen und ein gegenseitiger Vernichtungskrieg. In diesem jammervollen Zustand, welcher das herrliche Land dem Barbarismus preiszugeben drohte, erstand endlich ein Netter. Dieß war der Held Pin-Tak, ein geborener Chinese, der zuerst in seiner Vaterstadt Tiak und dann im nördlichen Siam als Unterbcamter des letzten KönigS gedient hatte. Pin-Tak, der sich später Phay-Tak nannte, sammelte den Nest der siamesischen Streitkräfte im Süden des Reiches, überfiel an der Spitze von zehntausend Mann den birmanischen Feldherrn Phaya-Nakong bei Bangkok, tödtcte ihn, zerstreute sein Heer und nahm ihm die ganze ungeheure Kriegsbeute ab. Er wählte Bangkok zur neuen Hauptstadt und befestigte sie. Die verlorenen Provinzen eroberte er zurück, stärkte seine Herrschaft durch ein Bündniß mit Annam und Cambodscha, bevölkerte daö Land wieder und schuf ein neues, reges Leben durch Kolonisation, Handel und Völkerverkchr. Phay-Tak war in der That der Netter SiamS und sein großer Wohlthäter; dennoch aber endete seine Herrschaft nicht 15 glücklich. Er wurde, wie alle Emporkömmlinge, sehr mißtrauisch und — namentlich wegen seiner großen Erfolge — übermüthig. Endlich ward er trübsinnig, finster und auch grausam. So verlor er die Liebe seines Volkes. Da ließ ihn ein Unterfcldherr Namens Eh a kr i gefangennehmen, tödten nnd bemächtigte im Jahre 1782 sich selbst des Thrones. Aber Chakri starb bald und ihm folgte sein Sohn als König. Dieser führte glückliche Kriege mit Birma. Im Jahre 1811 starb er, und ein Enkel Chakri's bestieg den Thron. Er regierte zwar klug, war auch tapfer im Kriege und brachte die rebellischen Malaycnstämme im Süden zum Gehorsam; ließ aber, aus allerdings nicht unbegründeter Furcht vor Verschwörung, 117 Prinzen und vornehme Siamescn hinrichten. Seine Regierung reichte bis inö Jahr 1824. Rechtmäßiger Thronerbe war sein zwanzigjähriger Sohn Chao-Fa-Mo ngknt. Dieser hatte nun einen herrschsüchtigcn, ältern Halbbruder, von einer Neben- frau des Königs abstammend, welcher sich auf unblutige, ganz streitlose Weise des Thrones bemächtigte. Er bedeutete nämlich dem Kronprinzen, er sei zum Regieren noch zu jung, und erklärte ihm: Ich werde für Dich einige Jahre regieren und Dir alsdann die Regierung überlassen. Der junge Prinz willigte ein und sein Halbbruder ließ unter dem Namen Phra- Chao-Prasat-Thong sich zum König ausrufen. Dieser ward zum Usurpator. Er dachte nicht an die Erfüllung seines Versprechens. Und der Kronprinz, der wohl Grund hatte, vor seinem Bruder sich zu fürchten, ging in eine Pagode und wurdeTalapoin(Mönch). Von der Regierung des Usurpators ist nur zu berichten, daß er den König im nördlichen Laos in einem Kriege (1829) gefangen und den größten Theil dieses Gebietes für Siain gewonnen. Der arme König wurde in einem eisernen Käfig nach Siam gebracht und erlag bald der Beschimpfung und Mißhandlung. Ein Krieg mit Cochinchina hatte keinen andern Erfolg, als einen großen Menschenraub, der mehrere Tausend Chinesen nach Siain schleppte. Seine Regierung endete i. I. 1851. Er wollte auf seinem Krankenlager noch seinem Sohne das Thron-Erbrecht verschaffen, was ihm jedoch nicht gelang. Nach seinem Tode holten die Großen des Reiches den Prinzen Ehao-Fa-Mongkut den Mönchen auö dem Kloster und setzten ihn, nachdem er sein gelbes MönchSgcwand abgelegt, auf den Thron. Er wurde ein gerechter und weiser Herrscher. In 26 Jahren klösterlicher Zurückgczogcnhcit hatte er durch eifriges Studium abendländischer Wissenschaft und Religion seinem Geist eine tiefernste und hohe Bildung gegeben und seinen Charakter veredelt. Er schätzte die abendländische Cultur, proklamirte und schützte die Freiheit aller Religionen und schloß mit England, Frankreich, Deutschland, Oesterreich und Amerika Handelsverträge. König Mongknt starb am 1. Oktober 1868 (64 Jahre alt). Ihm folgte als Thronerbe sein Sohn Somtech- LschaufaiChnlalonkom — erst 17 Jahre alt. Der junge Fürst, erzogen von britischen Lehrern, erwies sich fähig, große Reformen in seinem Lande zu unternehmen, suchte die guten Beziehungen zu den europäischen Staaten aufrecht zu erhalten, sowie auch zu den katholischen Missionären. Die religiösen Verhältnisse Siams erinnern an jene in China, die wir früher schon geschildert; sie sind ebenso traurig. Neben dem Buddhismus, der die Staatsreligion bildet, und eigenthümlich — eben siamesisch — „zugestutzt" ist, besteht der grcuelhaftestc Aber- und Geisterglaube, dem noch Menschen zum Opfer fallen. Im Volke herrscht eine krasse Unwissenheit, denn der Schulunterricht, welchen die buddhistischen Lehrer ertheilen, ist höchst mangelhaft. Trotz vielen.Betens und Opfernd steht die Moral des siamesischen Volkes auf einer sehr niederen Stufe. In seinem Neligionscult spielt bekanntlich der weiße - Elephant eine Hauptrolle. Da dieses mächtige Thier Kraft und Muth rcpräsentirt, und die weiße Farbe die „heilige Reinheit", so ist er den Siamcsen ein heiliges Thier und der „Schutzgeist deSReicheS". Der „heilige" Elephant wohnt in einem prächtigen Palast und wird von einer Menge von „Priestern" bedient, welche ihm täglich, auf den Knieen vor ihm liegend, auf silbernen Gefäßen die Nahrung vorsetzen. Vor diesem Elephanten müssen auch die höchsten Staatsbeamten sich verneigen; der kaiserliche Leibarzt hat sich täglich nach dem Befinden des „heiligen" Elephanten zu erkundigen, und wer immer demselben näher treten will, hat die goldenen Quasten seiner kostbaren Decke zu küssen und — eine Rupie zu opfern. Den Riescnleib förmlich mit Gold und Edelgestein überladen, wird jeden Morgen der Elephant von Priestern auf die obere Schwelle des Tempels hinaufgeführt. Hier nun hebt der Koloß seinen im Diamantschmuck blitzenden Rüssel empor; das ist das Zeichen zum Gebet! Da sinken alle Anwesenden auf die Kniee, ein Knabcnchor hebt einen heiligen Gesang an — und die Bonzen müssen sich sputen, die vielen Opfcrgaben einzusammeln, indeß der Elephant die für ihn bestimmten Leckerbissen in emsiger Weise sich aneignet. Man wird da an den „göttlichen" Stier „Apis" der alten Aegypter erinnert. Welch' traurige Verirrungl Wie nothwendig doch ist hier die Ausbreitung des Christenthums; damit aber geht cS in Siam den Schnccken- gang. Obgleich auch in diesem Reiche das MissionSwcrk schon im Jahre 1554 begann und im Allgemeinen die Könige und das Volk dem Christenthum geneigt sich zeigten, und bei ihnen niemals eine so blutige Christcnvcrfolgnng wie in China und Tongking stattfand, so hat es doch niemals eine so zahlreiche Christengemeinde wie diese Länder gehabt. Die ersten Apostel und zugleich Märtyrer SiamS waren die portugiesischen Dominikaner l?. HieronymuS vom Kreuz und ?. Sebastian von Cantu. Sie kamen, gesandt von ihrem Provinziell, 1554 nach Juthia, um mit der Erlaubniß des Königs zunächst in der dortigen portugiesischen Niederlassung die Scelsorge zu versehen. Ihr MissionSbemühen bei den Eingcbornen war von Erfolg und in 3 bis 4 Jahren battcn sie schon an 1500 Heiden bekehrt. Da erhob sich der Neid uns Zorn der Bonzen, denen beide Patres erlagen, k. HieronymuS wurde erstochen, als er einen Kampf zweier Buddhisten, der absichtlich nur ein Schcinkamps war, abwehren wollte, und ?. Sebastian wurde später (nach einem oder halbem Jahre?) heimtückisch ermordet. Im Jahre 1600 wurde k. Ludwig Fonseca, der mit den Patres Ludwig Linie ncö und Johann Maldonat in Siain eingedrungen war und viele Götzendiener bekehrt hatte, am Altare während deö Gottesdienstes überfallen und erwürgt, k. Ludwig Limcncö, der Provinziell war und aus heiligem Eifer selbst in die Heidcn- bckehrilng eintrat, wurde mit k. Maldonat auf Befehl dcS KönigS ergriffen und ibm mit einem Beile das Haupt abgeschlagen, während l?. Johann Maldonat von einer Stcin- schleuder - Maschine zermalmt wurde. ES ist hiebet zu bemerken, daß diese Missionäre Spanier waren, gegen welche eben der König sehr aufgebracht war, weil spanisches Militär dem König von Compodscha, mit dem Siam im Kriege lag Hilfe geleistet hatte. Im Jahre 1606 kam der Jesuitcnpatcr Balthasar Scgueira nach Siam und 18 Jahre später folgte ihm sein Mitbruder k. Julius Cäsar Maripico. Dieser erwarb sich die Gunst deö KönigS und der Großen, bildete eine Christengemeinde und hatte eben in der Hauptstadt Juthia eine schöne Kirche gebaut, alö seine eigenen LandSlcnte schändliche Vcr- räthercien gegen ihn anzettelten, denen er endlich erlag. Er soll im Kerker vergiftet worden sein. So war das mühsam errungene, hoffnungsvolle Missionswerk mit einem Schlag vernichtet. Es erstand erst wieder im Jahre 1665, alö in Siam ein apostolisches Vicariat errichtet wurde. Der erste apostolische 16 Vicar Siams wurde der französische Jesuit Msgr. De la Mothe, der schon 1662 nach Siam gekommen war. Erst nach mannigfachen Kämpfen, besonders mit den Portugiesen, die ihre kirchliche Jurisdiktion auch über Siam erstrecken wollten, gelang es ihm, bei der vollen staatlichen Religionsfreiheit, der Mission in Siam eine Grundlage zu schaffen und schöne Erfolge zu erzielen. Doch das neue Werk war nicht von Bestand. Auch diese Mission wurde eine Passion — mit Zwischenpausen — bis endlich das so mühsam errungene Merk in Trümmer ging, aus denen in unserm Jahrhundert die Mission sich langsam wieder herausgearbeitet hat. Der gegenwärtige Stand der Mission in Siam ist (dem neuesten Berichte „d. kathol. Missionen" — Novemberhcst — zufolge) folgender: Unter dem apostol. Vicariat des Mszr. Ludwig Bey wirken 48 Missionäre, wovon 11 eingcborne Priester sind. Das Priesterseminar zählt 52 Alumnen. Die Hauptstadt Bangkok, wo der Sitz des apostol. VicarS, hat sechstausend Christen, besitzt 5 Gemeinden mit ebensoviel Kirchen, ein Collcg mit 212 einheimischen Zöglingen, ein Pensionat der Schwestern vom Kindlein Jesu, ein Hospital und mehrere andere Anstalten. Die Gesammtzahl der Katholiken beträgt über zwanzig Tausend. In 52 Schulen erzieht die Mission 2737 Kinder, hat 17 Waisenhäuser mit 133 Knaben und Mädchen, 4 Spitäler mit 500 Kranken, ein KatcchisteuhauS mit 39 Zöglingen und eine landwirthschasrliche Schule. Was die Neugestaltung der politischen Verhältnisse der Mission bringen wird — wer weist cS? Hoffen wir indeß das Beste. — Durch den Unistand, daß Frankreich in jüngster Zeit ein respektables Stück von Siam sich angeeignet, dürfte Hoffnung gehegt werden, daß die Mission in Siam nun in weniger schwieriger Weise vorwärts schreitet. Die Franzosen haben es verstanden, durch bloße Kriegsdrohung — nur mit einem Fedcrzug — in ihrem Vertrage mit Siam im Oktober 1393 ihr hinter indisch es Kolonialreich (Eochinchina, Annaim Tongking — Schutzgebiet Kombodscha) mir ein siamesisches Gebiet von rund 100,000 glrm zu vergrößcr. Frankreich ist auch Herr des Riesenstromcs Mekong geworden und hat seine Herrschaft über eine ganze Reihe von noch wenig bekannten Volksstämmen ausgedehnt. Zu den wenigsten derselben sind bis jetzt die Missionäre vorgedrungen und waren sie überdieß gezwungen, ihre mühsam gebildeten kleinen Gemeinden zeitweise zu verlassen. Wir wollen hoffen, daß bei dieser Gebicts- crwerbung Frankreichs das MissionSwerk einen sicheren Bestand gewinnen werde. Recensionen und Notizen. ^ „Der Todtentanz in der St. Michaels capelle zu Merzen theim" lautete ein Artikel von, 14. Sept. d. I. in der Beilage zur „Augöb. Postztg.", Nr. 37, der eine gerechte Belobung dieses Werkes brachte. ES erübrigt hier nur noch nachzutragen, daß der ganze Gcmäldccyclus als Prachtwcrk vor ein paar Jahren erschienen ist unter dem Titel: >8 oeprra mortis.l Ein biblischer Todtentanz. Fünfzehn Kunstblätter nach den Originalcartons zu den Gemälden in der St. Michaclscapelle zuMergent- heim von Tobias Weiß. Mit erklärendem Text von k. W. Kreitcn 8. 4., und zwar in B. Kühlens Kunstverlag zu M.-G lad back) (T^pograk. ^postolio.). Die gesammte katholische Presse hat rückhaltlose Anerkennung gezollt und damit den Beweis geliefert, welch außerordentlich günstige Aufnahme sich das Werk im Kreise der Literaten und Kunstkenner erworben; das gewichtigste Zeugniß aber für den Werth und die künstlerische Vollendung des Werkes ist doch gewiß in der seltenen Auszeichnung zu finden, daß Seine Heiligkeit Papst Leo XIII. geruht haben, die Widmung des Prachtwerkes huldvollst entgegen;»- nehmen. Das Format ist 49: 33 Centimeter, dieReproduc- s tion in unveränderlichem Lichtdruck auf feinstem Elfenbein- Carton, die Textbeilage in zweifarbigem Druck 26 Seiten Grotz- octav, die Mappe in zarter, geschmackvoller Ausführung mit ächter Goldpressung. Der Preis von 18 Mark für das Exemplar ist gewiß ein niedriger zu nennen und erleichtert die Anschaffung oder Vcrschenkung dieses Hauöschatzes, der, wie die „Stimmen aus Maria-Laach" schreiben: „einmal im Familienbesitz, eine Quelle gemeinsamen Genusses auf lange Zeit hinaus" bleiben wird. Von BrockhauS' Convcrsations-Lexikon, dem Vorbilde aller deutschen Werke dieser Art, ist mit dem 8. Bande die Hälfte der 14. Auslage soeben erschienen. Der 8. Band enthälr eine reiche Fülle sorgsam ausgearbeiteter, zuverlässiger Artikel, die von 48 Tafeln, darunter 7 Chromotafcln und 12 Karten und Pläne, und 2!2 Tcxtbildern illustrirt werden. Die Chromotaseln sind wie immer wahre Meisterwerke, mögen sie die merkwürdige Gestalt einer Giraffe oder eine noch seltsamer geformte Gruppe der Glasschwämme (einer Thicrgattungl) oder das berühmte Goethe-Denkmal (Berlin) von Schaper oder eine kostbare Sammlung farbenprächtiger GlaSfeustcr darstellen. Die Karten sind vorzüglich und dem neuesten Stande entsprechend. In den bisher erschienenen Bänden ist das großartige Programm der Derlagshaudlung in allen Theilen musterhaft durchgeführt. Der Text ist, wenn wir auch nicht mit Allem übereinstimmen können, klar, knapp und angenehm lesbar. Die illustrative Ausstattung ist meisterhaft. Auf dem Gebiete der Naturwissenschaften z. B. liegen nicht weniger als 96 Tafeln vor, darunter 19 Cbrvmotafcln, auf technischem Gebiete 89 Tafeln; zur Kunst finden sich 60 Tafeln, darunter 15 Chromes; 15 landwirtbsebastliche, 12 militärische, 19 geographische Tafeln, in Summa 414 Tafeln und Karten. Wie viel reicher muß erst die zweite Hälfte des Werkes illustrirt sein, da sie noch 77 Cbromoiafein. beinahe doppelt so viel als bisher, insgesammt noch 486 Tafeln und Karten bringen wird! Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monatschrift. Jahrgang l894. 12 Nummern. M. 4 — fl. 2.40 ö. W. — " Freiburg im Breiögau. Herder'sche Verlagshandlung. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 1: Der Mekong. (Eine geographische Skizze.) — Der selige Rudolf Aquaviva am Hofe Akbars deö Großen. — Altchristliche Ruinen Nord-Shriens. — Nachrichten aus den Missionen: Pcrsicn (Stand der Mission); China (Die Unruhen in Ost-Hupe); Vorderindien (Mission in Puna); Aequatorial-Asrika (Mission in Buddn); Südafrika (M-ssion im Masckonalaud); Westasrika (Mission am Kongo; Jesuiienmission am Kivango); Aus verschiedenen Missionen. — Miscellcn. — Für MissionSzweckc. — Beilage für die Jugend: Die Sklaven des Sultans. Illustrationen: DaSL-lromland dcSMekong. (Kartenskizze.) — Pnom Pcuh vom Strome aus. — Straßcnbild aus Kambodscha. — Die Niesen-Avenue von Augkor Tom (hergestellt). — Hauptiassadc des Augkor Wat. — Prinzen aus dem Geschlechte der Großmoguls. — Hamah am OronteS. — Kalaat em Mudik von Süowcst and gesehen. — HauSthor und Straße zu Jeradi. — Der innere Hos einer Villa zu Serdschilla. — Das Innere des PerlcnkioSkS im Serail. Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1894. Zehn Hefte M. 10.80. — Freiburg im BrciSgau. Herder'sche Verlagshandlung. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 1. HeftcS: Der Staatssocialismus. I. (H. Pesch 8. I.) — Deutschlands höheres. Schulwesen im neunzehnten Jahrhundert. (L. v. Hammcrstein 8. 4.) — Die ältesten Mosaiken der römischen Kirchen. (St. Beissel 8. 4.) — Die Erziehung der bayerischen Wittelsbacher. I. (O. Pfüli 8. 4.) — Das Kuckucksei und seine Räthsel. I. (E. Waömann 8. 4.) — Aubrey de Vere. Eine literarische Skizze. I. (A. Baum- gartncr 8. 4.) Recensionen: 1. Dittrich, Nuntiaturberichte Giovanni Moroncs; 2. Ehscs, Römische Documente zur Geschichte der Ehescheidung Heinrichs VIII. von England (O. Braunsberger 8. 4.); Hardy, Die vediich-brabmanische Periode der Religion des alten Indiens (I. Dahlmann 8. 4.); Vau Overbsrgch, Los inspeotsurs äu travail (A. Lehmkuhl 8. 4.); Herbert, Baals- opser (W. Kreiten 8.4.). — Empfehlenswerthe Schristen. — Miscellcn: Deutschlands Bücherschatz; Nietzsche und kein Ende; Zum Ende der Nonnenplage. Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg. Vcrantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des