Ni-. 4. 25. Januar 1894. Zur Fortsetzung der Augsburger Bisthums- Geschichte.*) — 8. Obgleich die Fortsetzung der Augsburger Diözesangeschichte von mehrfacher Seite und zwar durchgängig günstige, ja höchst anerkennende (s. Allg. Ztg. 1893 Nr. 356; Hist. Jahrb. d. Görresgesellsch. 1893 S. 431) Besprechungen erfuhr, so glauben wir doch auch an dieser Stelle in Kürze darauf zurückkommen zu sollen, vor allem deßhalb, weil das schöne Werk zunächst gerade für jene Kreise bestimmt ist, in denen auch dieses Blatt seine weiteste Verbreitung findet. Es ist bekannt, daß das groß angelegte Werk, nachdem sein hochverdienter Begründer auf den erzbischöflichen Stuhl von München-Freising berufen worden war, aus leicht begreiflichen Gründen, nur einen sehr langsamen Fortgang nahm. Gewiß wird es von den Abnehmern wohlthuend empfunden werden, daß sich seit der in Angriff genommenen'Fortsetzung trotz der zu überwindenden Anfangsschwierigkeiten die Herausgabe erheblich beschleunigte. In verhältnismäßig kurzer Zeit sind sich drei sechs Bogen starke Hefte gefolgt, in denen die noch von dem hochseligen H. Erzbischof begonnene Beschreibung des Landkapitels Jchcnhausen zu Ende geführt und die allgemeine Uebersicht des Dekanates Jettingen gegeben wird. In der letzteren schloß sich Schröder, wie billig, ganz der bewährten Eintheilung seines Vorarbeiters an, welcher der topographisch-statistischen Beschreibung der Dekanatsbczirke unter dem Titel „Geschichtliches" jedesmal einen historischen Ueberblick über die politischen und kirchlichen Verhältnisse folgen ließ. Nur in einem Punkte konnten wir eine Abweichung oder richtiger Erweiterung von Steichele's Plan wahrnehmen, sofern nämlich jetzt der Rubrik „Kirchlich-Geschichtliches" die weitere „Knnst- geschichtliches" hinzugefügt ist. Thatsächlich hatte jedoch bereits Steichele bei der Behandlung der einzelnen Pfarreien den religiösen Kunstgegenstünden nach besten Kräften und in umfassender Weise seine Aufmerksamkeit zugewendet. Wenn daher sein Fortsetzer die allgemeinen Ergebnisse seiner Beobachtungen auf dem kunstgeschicht- lichen Gebiete bereits in der Einleitung zu den betreffenden Bezirken kurz aufführt, so kann dadurch nur einerseits die Uebersichtlichkeit des Stoffes, andrerseits aber auch die kunstgeschichtliche Darstellung gewinnen, der damit ein paffender Raum geschaffen wird, auch ihrerseits in größeren Zügen auf eine Entwicklung und auf die zusammengehörigen Bereiche und Zonen übereinstimmender Kunstübung hinzuweisen. Ueberhaupt scheint uns in der Beschreibung der kirchlichen Kunstgegenstände, wobei der Verfasser ohne Voreingenommenheit für oder gegen einzelne Stile und Richtungen das Schöne und Werthvolle anerkennt, wo es sich findet, das Werk gewonnen zu haben, und die Commission für Jnventari- sirung der Kunstdenkmüler Bayerns wird, wenn sie zu den in der Augsburger Bisthumsgcschichte behandelten Bezirken kommt, gewiesenen Weg haben. Wie wir vernehmen, beabsichtigt der Verfasser sich der mühsamen Arbeit der Negistriruug der sämmtlichen bisherigen Bände zu unterziehen und das Register dem noch in diesem Jahre fertig zu stellenden fünften Bande beizugeben. Dadurch wird ein Mangel beseitigt, der bei den Historikern von Fach längst gefühlt werden mußte, und wird die Brauchbarkeit des Werkes wesentlich gehoben. Um endlich noch mit einem Worte auf das jüngst erschienene 38. Heft zu sprechen zu kommen, so konnte in demselben der Verfasser sein Geschick für historische Forschung und Darstellung an einem größeren Gegenstände, der Beschreibung der Pfarrei Wettenhausen mit ihrem ehemaligen in das 12. Jahrhundert hinaufreichenden Augustinerchorherrenstift an den Tag legen. Durch einen glücklichen Zufall wurde erst in jüngster Zeit die Stiftungsurkunde dieses Klosters von dem Einbanddeckel eines Buches der Staatsbibliothek zu München abgelöst. Schröder stellte den beschädigten Text mit Glück wieder her und bringt das Dokument zum ersten Male zum Abdruck. Die Geschichte der ehemaligen Neichsprälatur, für welche eine sehr ausgedehnte und mannigfaltige Literatur zu bewältigen war, ist durchgehend sehr anziehend niedergeschrieben, namentlich treten die bedeutenderen Prälaten in gutem Relief hervor. Bekanntlich ist in den sechziger Jahren das Klosterleben zu Wettenhausen, wenn auch in anderer Form, durch die Thatkraft und das Gottvertraucn der unübertrefflichen Priorin Aquinata wie ein Phönix aus der Asche wiedererstanden. Am Schlüsse des Kapitels Jchenhausen fand -noch die Geschichte der ehemals katholischen, jetzt protestantischen Pfarreien Leipheim und Nisdheim bis zu der Grenze hin Berücksichtigung, welche durch eine katholische Bisthumsbeschrcibung gegeben ist. Möge das Werk seinen Zweck, Kenntniß und Liebe der heimischen Kirchcngeschichte zu wecken und zn fördern, in ausgedehntem Maße erreichen; möge diese durch den Hinweis darauf, was gewesen und geschehen ist, dazu beitragen, nicht aus dem Auge zu verlieren die Norm dessen, was sein und geschehen soll. Aus allerlei Tonarten. Verdeutschte spanische und eigene Lyrik von Otto Braun. (Stuttgart 1893. I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger.) tt. „Glücklich der Schriftsteller, welcher im Stande ist, ein schönes kleines Buch zu schreiben," sagt ein geistreicher französischer Aphoristiker. Nach Durchlesung des vorliegenden Büchleins, das nur 120 Seiten hat, muß man sagen, daß der Verfasser so „glücklich" war. Wenn er in der „Vorrede" gesteht, daß er schon in der Jugend Lieder machte und sie im Alter gesammelt habe, so darf man wohl annehmen, daß, wenn er nur die Hälfte davon herausgab, er uns gewiß einen stattlichen Band von vielen hundert Seiten hätte bieten können. Aus dieser weisen Beschränkung und Selbstkritik kann man mit Recht den Schluß ziehen, daß er uns nur Gutes und Gediegenes bietet. Eine solche Strenge haben sich nicht alle Dichter auferlegt, und selbst Goethe hat so viele lyrische Kleinigkeiten des Druckes würdig erachtet, daß seine stärksten Bewunderer gestehen müssen: die Hälfte wäre besser, als das Ganze. Weit über die Horaz'sche Vorschrift der „neun Jahre" hinaus ließ unser Verfasser, das ganze Leben hindurch bis zum Alter, seine Gedichte liegen und — reifen. Und als ein '0 Steichclc-Schröder, DaS BiStbum Augsburg büstorisch und statistisch beschrieben. 38. Heft. Augsburg, Schmio, 1891. Siebter gesteht er noch: daß er „an diesem und jenem Gedicht noch hätte bessern und feilen mögen". Das ist eine eindringliche Lehre für manchen von lyrischem Dufte berauschten deutschen Jüngling, der mit Ungestüm nach einem Verleger sucht, „wenn — wie Platen sagt — lang im Schachte der Stahl noch ruht, der einst ihm scheeren das Kinn soll". Der Verfasser ist bei den besten deutschen und ausländischen Dichtern der verflossenen Decennicn in die Schule gegangen, und hat besonders bei den Spaniern einen strengen Cursus durchgemacht. Dieser seiner Bekanntschaft mit den Spaniern verdanken wir beinahe die Hälfte seiner Sammlung — eine prächtige Schale voll goldner Aepfel aus den Gärten der Hesperiden. Es sind meistens bei uns weniger bekannte und neuere Dichter, von denen O. Braun Proben gebracht, wie z. B. Josä de Espronceda, dessen „Gesang des Piraten" uns durch seine kühne und frische Vcrsification besonders angesprochen hat. Doch sind auch ältere Dichter, wie Pouce de Leon, Lope de Vega und Santa Teresa de Jesus mit ihrem herrlichen Sonett auf den Gekreuzigten, vertreten. Wir können es uns nicht versagen, dieses Gedicht, das in der Geschichte der Mystik so hervorragend ist, in O. Brauns vortrefflicher Uebertragung hieher zu sehen. Nicht weil es nach der Himmclöpalme trachtet, Hat Lieb' zu dir, o Gott, man Herz umwunden, 'Nicht bab' ich Ehrfurcht stets vor dir empfunden, - Weil Furcht der Hölle meine Seel' umnachtet: Tu rührst zur Liebe mich, du, der verachtet, Verspottet ward, und au das Kreuz gebunden» ES rühren, Herr, mich deines Leibes Wunden, Mich rührt die Pein, in welcher du verschmachtet. Nur deine Lieb', o Heiland, kann mich laben: rluch ohne Himmel bliebe mir die Liebe, Und ohne Holt' die Ehrfurcht eiugegraben. Toch buhl' ich nicht um deiner Liebe Gaben: Wenn mir auch nicht die HimmclShofsuuuz bliebe, Würd' ich darum nicht minder lieb dich haben. Wenn auch die Kirche das Moralische dieses Ge- vichtcL wegen seines an Schwärmerei grenzenden Inhalts mißbilligt hat, wird dasselbe doch eine der farbenprächtigsten und süßdustlgsten Blumen im Garten der christlichen Dichtung bleiben und den Airsspruch eines feinsinnigen französischen Schriftstellers rechtfertigen, der die heilige Theresia die „Sappho der Andacht" genannt hat. Seiner geschmackvollen Auswahl aus den Spaniern hat der Verfasser als zweiten Theil „Eigenes" hinzugefügt, obwohl er schon die gewandte Form seiner Uebcr- setzuugcn, die sich wie Originale lesen, fein „eigen" nennen kann. Er beansprucht übrigens keineswegs, eine eigene Richtung einzuschlagen, wenn er auch seine eigenen Wege geht. Er trägt keine Fahne voran und leistet auch keiner Gefolgschaft. Da er aus „allerlei Tonarten" singt, vernehmen wir Anklänge an manche uns bekannte, jedoch wieder in einer „eigenen" Weise. Von den bedeutendem Poeten der vergangenen Epoche, von denen viele seine Freunde waren, ist er nicht unbeeinflußt geblieben. In seinem Geiste haben sich aber allenfallsige Reminiscenzen wieder ganz anders und neu gestaltet, wie z. B. bei seinem letzten und ergreifendsten Gedichte: Die Säge. Dieses Gedicht steht aber nicht bloß durch seinen reichern Inhalt, sondern auch durch seine Form und den so angemessenen Schlußvers mit der Onomatopöie: „Die Säge, Säge, Säge" — weit über einem ähnlichen des JustinuS Keiner. Eines seiner interessantesten Gedichte, „Fliegende Blätter", erinnert in der launigen Art der Durchführung und besonders im Refrain etwas an Bärnngcr. Rosen, Schwüre der Liebe, politische Lorbeeren, Parlaments-Reden — werden fliegende Blätter genannt. Aber mit der Wendung, gleichsam mit der Moral des Gedichtes, können wir uns nicht einverstanden erklären. Es heißt: Du selber ja bist an der Menschheit Baum Ein Blatt nur, geschüttelt vom Winde, D'rum eh' er zerrinnet, der liebliche Traum, Ergreife, genieß ihn geschwinde! Ja, das sind aber, wieder fliegerzde Blüthen und Blätter, und noch viel weniger werth, als die genannten andern! Und wenn der Dichter dann sagt: „Und nm das Vergängliche gräme dich nicht!" so lag der Gegensatz sehr nahe, nämlich das Unvergängliche, worauf ein spanischer Dichter, besonders aus der frühern Zeit, ganz bestimmt hingewiesen hätte. Dagegen ist der Schluß, mit der launigen Hinwcisung auf unsere „Fliegenden Blätter", wieder ganz treffend: Und kommt dir die Welt absonderlich vor, So flüchte zum deutschen, zum Münchner Humor, Der macbt die Stirne dir glätter — Kind, reich' mir die „Fliegenden Blätter"! Außer den leichten Anspielungen auf Zeitverhült- nisse, die dieses Gedicht enthält, findet man sonst keinerlei politische Gedichte, am allerwenigsten die sonst üblichen Trompeterstücklein auf die neue Herrlichkeit des Deutschen Reiches. Debatte und kontroverse bleiben ihm gleichmäßig ferne, und seine Gedichte bewegen sich nur in den höhern Anschauungen der heutigen Welt und in der Sphäre zarter Empfindungen des menschlichen Herzens. Eine Anzahl Sonette, zum Theil Freunden gewidmet, unterbrechen die lyrischen Ergüsse. Der Dichter ist überhaupt ein Meister im Sonette, das er mit großem Geschick zu behandeln weiß. Das Elephantensonett S. 103 ist ein Muster von Neisehumor, und wurde dem Dichter Zur unwillkürlichen Neclame für den „Elephant" in Brixen, wie es der Besitzer nicht besser wünschen konnte: D'rum laß Dir rathen, Freund! Wenn Dieb ein Bleisack Von Sorgen drückt, so komm' hieher nach Brixen Und senk' ihn in das Flnthenbctt deö Eisak! Im „Elephant" laß Dir die Stiefel wichsen — Hier labt der Wein, hier dampft die feinste Schüssel, D'rum blüh' ihm Heil vom Schwänze bis zum Rüssel! In allen Liedern herrscht eine lobenswerthe Kürze und Deutlichkeit der Sprache, in der jede Ueberschwäng- lichkeit vermieden ist. O. Braun, der als langjähriger Chef-Redacteur der Allgem. Zeitung der neuern Orthographie den Zugang versagt hat, macht ihr in seinen Liedern Concessionen, indem er beim alten th das h weggelassen hat. In dieser wichtigen Schriftangelegcnheit sind wir der Meinung, daß man, statt die Sache amtlich und offiziell ordnen zu wollen, besser gethan hätte, auf die Autorität unserer zwei größten Sprachmeister hin, Platen und Nückert, deren gereinigte Orthographie anzunehmen und festzustellen. Religiöse und historische Kunst. (Schluß.) II. Unser Weg führt uns heute in das Atelier eines jüngern, aufstrebenden Künstlers von nicht gewöhnlicher Bedeutung, des Bildhauers Heinrich Wadcrä. Keine seiner Arbeiten nach dem Austritte aus der Münchener Kunstakademie zeigt den Charakter sogenannter 27 Erstlingswerke. Sie tragen sämmtlich bereits den Stempel ächter Kunst, einer sichern, selbstbewußten Kraft, die in allen ihren Fortschritten und Vildungsstadien nur etwas künstlerisch und ästhetisch Berechtigtes, sowie inhaltlich Fesselndes und Erhebendes, der Darstellung Würdiges, bietet. Aus der engern und tiefern Sphäre eines reinen Akademikers - und Darstellers antikisirender Naturalistik hat er sich bald in jene höhere eines begeisterten Pflegers der rein idealen historischen und religiösen Kunst emporgeschwungen. Dieses trifft nun — wie wir hier gleich bemerken wollen — erfreulicher Weise nicht bloß bei Waderö zu. Denn wenn selbst die begabtesten Künstler sich bisher selten von dem bei der großen Masse unserer „Kunstfreunde" so beliebten Culte jenes, wenn auch hie und da sublimirten, Genres des rein Sinnlich-Schönen (in neuester Zeit selbst des Unschönen und Häßlichen) zu emancipiren im Stande waren, — mochte sie nun die eigene Neigung oder die Rücksicht auf den Geschmack des kaufenden Publikums daran hindern — so macht sich gegenwärtig vielfach wieder das Streben nach befriedigender Lösung der höchsten und würdigsten Aufgaben eines gebildeten Künstlers, nämlich jener der religiösen und historischen Kunst, bemerkbar. Zu den frühern Werken Waderö's aus dem Gebiete des körperlich Schönen, der anmuthigen und ideali- sirten Natur, zählen besonders die mit antiker Empfindung durchgeführten Figuren der „Chloe", des „Knabe, nach der Libelle haschend," der „Psyche", Gebilde von hoher künstlerischer Vollendung und poetischem Reize. Brachte ihm doch die Chloe 1891 in Berlin die II. goldene Staatsmedaille, vom Kaiser verliehen, der Libellcnfänger auf der Münchener Jahresansstellnng 1890 die goldene Medaille II. Klasse ein. Doch dieses Kunstgenre, in dem er unbedingt Bedeutendes zu leisten im Stande wäre, genügt seinem höher strebenden Idealismus nicht. Er warf sich bald nach dem Austritt aus der Akademie auf das religiöse und historische Fach. Es entstand eine lebensgroße, rührende Katakomben- gruppe, „Die Geschwister", die nach unserer Meinung hätte leicht einen Käufer finden müssen; sodann ein größeres Relief, eine sehr glücklich concipirte und vortrefflich componirte Kreuzabnahme. Doch beide Modelle — die erstere Gruppe war schon so gut wie vollendet, das andere reifte der Vollendung entgegen — lagen eines Tages zu unserm größten Bedauern, vom Bildner selbst zu einem Thonhaufen zertrümmert, da. Andere kleine, kunstgewerbliche Aufträge waren eingegangen, und „für die zwei religiösen Darstellungen", erklärte der Künstler, „fände sich ja doch kein KäuferI" Es entstanden nun in rascher Folge kleinere und größere Arbeiten, weist auf Bestellung. So ein originelles Brunnenmodell für die Chicagoer Ausstellung; eine Statuette, Otto von Wittelsbach, in höchst charakteristischer Auffassung, welche, in Lebensgröße ausgeführt, das prächtigste Monument des berühmten Wittelsbachers abgeben würde; ein reizendes Neliefbild, die Madonna mit dem Christus- kind im Schoße, das den bescheiden herzutretenden Johannes liebkost, eine poetisch-anmuthige, malerisch abgerundete Komposition, von einem feinen, mit lieblichen Engelsköpfen besetzten Nahmen eingefaßt, nur der Christusknabe ist etwas zu irdisch-schön und üppig aufgefaßt. Ein zweites Marienbild, „saäas saxisntiaa", diesen Sommer im Glaspalaste ausgestellt, zeichnet sich durch Feinheit der Drapirung, besonders aber durch den ansprechenden jungfräulichen Liebreiz des schönen Kopfes der Madonna aus, fast im Gegensatz zu der vorgenannten, deren Antlitz bei geringerer Formenschönheit mehr eine tief empfundene Frömmigkeit ausdrückt. Die Bedeutung dieser weisesten Jungfrau als „Sitz der Weisheit", welche, mit niedergeschlagenen sinnenden Augen auf einem Renaissance- Throne fitzend, mit der Linken in dem — wieder etwas zu naturalistisch-schönen — Kinde die himmlische Weisheit selbst umfaßt, während sie mit der Rechten das mit dem Zeigefinger ein wenig geöffnete Buch auf das Knie stützt, dürfte dem denkenden Beschauer wohl sofort einleuchten. (Das Titelbild der Jahresmappe der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst zeigt keine Aehnlichkeit des Ausdrucks mit dem Originale.) Von strengster Stilisirung und dennoch künstlerisch freier Behandlung erscheint die Lourdes-Madouna Waderäs, ein Marmorbild von 1,90 m Höhe, welche nun in Ober- günzbnrg oberhalb der aufsteigenden Krcnzwegstationen als abschließendes Monument von der Anhöhe die Stadt und die nächste Umgebung beherrscht. Auf den ersten Blick glaubt man eines der ebenso gerühmten wie angefochtenen Beuroner Gebilde vor sich zu haben. Doch wird der Kenner bald gewahr, daß es neben der statuarischen Geschlossenheit, dem strengen Ernste und der idealen Vertiefung der religiösen Empfindung jener Schule durch eine größere plastische Fülle, eine etwas freier stilisirende Drapirung und einen mehr natürlich belebten Ausdruck der klassisch geformten Gesichtszüge sich auszeichnet. Ein anderes vortreffliches Steinbild religiösen Gcnre's ist ein ebenfalls für Obergünzburg gefertigtes Brunnenrelief, 1,50 in hoch und 1,5 na breit. Es stellt Jesus und die Samariterin am Jakobsbrnnnen dar. Rechts unter dem Eichbaume sitzt Christus, eine vornehm bewegte, macht- und schönheitsvolle Gestalt, voll sanfter Milde und göttlicher Kraft. Dieser Erscheinung entspricht das große Wort, das gerade den Lippen zu entschweben scheint: „Wüßtest Du, wer derjenige ist, der mit Dir redet, Du würdest ihn bitten, und er gäbe Dir lebendiges Wasser, das in's ewige Leben quillt." Erstaunt auf- und ihn anblickend hält die links vor dem Brunnen stehende Samariterin im Schöpfen inne, während hinter dem Brunnen die erstaunten Jünger, als vorderster der zornig dreinblickende Petrus, auftauchen. Das durch das Relief aus dem neben der Samariterin stehenden Kruge fließende Brunnenwasser symbolisirt das „lebendige Wasser" des Erlösers. Man kann den Obergünzburgern zu den genannten christlichen Kunstdenkmalen nur gratnliren, um so mehr, weil solche öffentliche monumentale Dokumente, die den Fremden sogleich belehren, daß er sich unter einem gut christlichen Volke, in einer Stadt, einem Markte mit christlichen und nicht heidnischen Bewohnern befinde, schon seit langem nur sehr vereinzelt errichtet wurden. Wie leicht der Hand unseres Künstlers auch die Darstellung des Erhabenen gelingt, das beweisen uns zwei kürzlich aus reiner Schaffenslust entstandene Thonmodelle zu Statuen eines hl. Petrus und Paulus, voll erhabenster Kraft und Würde, von freier plastischer und zugleich echt statuarischer Haltung, mit großem, klassischem Faltenwürfe, im Geiste der besten Meister der Uebergangs- zeit aus der Gothik in die Renaissance modellirt. Die Werke der Letztem dürften wohl überhaupt neben jenen der Frühgothik, bezw. der spätromanischen Periode, für die am Meisten nachahmungswürdigen Muster eines christlichen Bildhauers zu halten sein. 28 Doch die religiöse Kunst allein würde auch in einem Waders kaum ihren Mann ernähren, und auch er sieht sich, wie so viele andere gerade der gediegensten christlichen Künstler, genöthigt, mit in den Wettbewerb um die Gunst der weltlichen Muse einzutreten. So be- theiligte er sich als geborner Kolmarer nicht ohne Erfolg an einer kürzlich für sämmtliche in Elsaß-Lothringen ge- bornen Bildhauer ausgeschriebenen Coucurrcnz. Die Elsaß-Lothringer beabsichtigen nämlich, ihrem verstorbenen Landsmanne Herrn Charles Grad, der auch als Volksvertreter im deutschen Reichstag thätig war, wegen seiner großen Verdienste um Elsaß Lothringen ein würdiges Denkmal in seiner Heimathstadt Dürkheim zu setzen. Eingesandt wurden 10 Entwürfe, darunter mehrere von Pariser Bildhauern und Architekten. Die Juroren, zu denen unter andern auch die Maler Henner und Lix aus Paris zählten, sprachen laut Diplom Herrn Waders den „ersten Ehrenpreis" zu. Die Thonskizze zeigt das einfach monumentale, auf drei Stufen sich erhebende Piedestal von feinen harmonischen Verhältnissen, welches die porträtgetreuc charakteristisch aufgefaßte Büste Grad's trägt. Eine junge, frische Elsässerin hat die Stufen zum Sockel bestiegen, auf den sie mit leichter Bewegung heran- schreitend den Lorbeerkranz legt. Gegenwärtig modellirt der Künstler (ohne Bestellung) wieder eine lebensgroße Madonna. Es ist eine schlanke und feine, zur Jungfrau aufblühende Mädchengestalt. Die Hände über die Brust gekreuzt, das Haupt ein wenig gesenkt, kniet sie, von dem faltigen Betmantel umhüllt, in selige Andacht versunken, das Ideal einer „rosa in^stioa.". Das durch Schönheit der Linien und vollendete Proportion ausgezeichnete Antlitz ist von heiliger Andacht und entzückender Himmelslust zart belebt, welche auch den empfänglichen Beschauer unwillkürlich mit stimmungsvoller hl. Freude erfüllen. Festing. Das Kloster Monheim und die Reliquien der heiligen Walburga: 893—1893. Zum 1000. Jahrestag der Neliquienübertragung und Stiftung des Klosters. Von A. Zottmann. Ungefähr in der Mitte der alten Heeresstraße von Nürnberg nach Augsburg liegt das in seinen Anfängen bayerische, später pfalz-neuburgische und nunmehr im Kreise Schwaben gelegene Städtchen Monheim. Da es gerade 1000 Jahre sind, daß dasselbe in Folge der Gründung eines Benediktinerinnenklosters durch eine bayerische Prinzessin und in Folge der Uebertragung eines großen Theiles der Reliquien der hl. Walburga zu großem Ansehen und weithin in alle deutschen Gaue verbreiteter Berühmtheit gelangte, so dürfte es als gerechtfertigt erscheinen, das gegenwärtige Jahr nicht vorübergehen zu lassen, ohne auch in diesen Spalten eine kurze Geschichte des Klosters und der hl. Reliquien vorzuführen. l. Anfänge des Klosters und Uebertragung der Reliquien: 893. Schon im Leben hatte die hl. Walburga große Verehrung genossen und nicht weniger nach ihrem 799 den 25. Febr. erfolgten Tode. In der Klosterkirche zu Heidenheim ruhten ihre Reliquien. Gegen die Mitte des 9. Jahrhunderts scheint jedoch diese Verehrung nachgelassen zu haben, wenigstens berichtet der Mönch Wolf- hard von Herrieden 9 (lebte um 870), daß den Bischof Otgcn?) in Eichstütt die hl. Walburga im Schlafe gemahnt habe, doch ihr Grab nicht so vernachlässigen und entheiligen zu lassen. Bald darauf, wahrscheinlich im Jahre 870?) entschließt sich der Eichstätter Oberhirte, die hl. Reliquien von Heidenheim, welches aus einem Benediktinerkloster in ein Canonikatstift umgewandelt worden war, ganz weg- und nach Eichstätt selbst bringen zu lassen. „Er sendete die Erzpriester Wallo und Adelung nach Heidenheim; auch den Ammon mit der Nonne Liubila ^) aus dem Kloster Monheim ^) ließ er mit ihnen ziehen, damit sie die hl. Asche der Jungfrau mit größter Sorgfalt erheben und mit Hymnen- und Psalmengesang in das Kloster nach Eichstätt bringen sollten. Diese aber vollzogen die glücklichen Aufträge auf ihrer gesegneten Reise, und unter himmelwärts klingenden Melodien der Glocken und den von überall zusammentönenden Wohllauten der geistlichen Gesänge erhoben sie die seligen irdischen Neste unter Frendenthränen aus dem Boden." °) In diesem Berichte begegnet uns zum erstenmal geschichtlich der Name Monheim, und zwar in Verbindung mit Liubila. Jedenfalls war aber damals, als Liubila zur Abholung der Reliquien aufgefordert wurde, in Mon- heim noch kein eigentliches, gestiftetes Kloster?), sondern nach den ältesten Quellen haben wir uns die Verhältnisse folgendermaßen zu denken: Liubila, welche sehr wahrscheinlich zuerst in Heidenheim am Grabe der hl. Walburga geweilt, begab sich mit ihren Gleichgesinnten nach Monheim, wo sie reich begütert war?) Hier lebten sie nun nicht in einem eigentlichen Kloster, sondern wir können sagen als Privatcongregation in kleinen Zellen (osllulas, wie sie im spätern Stiftungsbrief vorkommen) oder Klausen, welche sich um eine Kapelle gruppirten?) Das war an dem Ort, wo heute Vita s. >ValburAao nach der Ausgabe bei den L. L- 8. 8. Bollancl. I'sbr. III. x§. 525. Reg. v. 847-871. Popp, Anfang und Verbreitung des Christenthums xZ. 203 u. 217. Nach den verschiedenen Handschriften heißt sie auch: Lioba, Leoba, Luiwila, Lnibida, Hnbula, Luubnla. Ueber ihre Herkunft läßt sich ganz Bestimmtes nickt mittheilen; jedenfalls war sie verwandt mit Hildegard und Lnitpold, dem Stammvater des bayerischen KönigshauseS (et. XVoltdarä: äs mir. b. IValb. I. o. 539); Sunthem nennt sie geradezu ciueissa Lavar. (Imitisl. 8untdöm. moncwk. I'rano. bei Ocfcle II, 609.) °) Auch Monheim, Mannheim, Mouwenheim, Murwen- hcim, Monwenhcim. °) 6k. Snttner. Eichst. Past.-Bl. XVIII. Jahrg. x§. 218. ') Popp, Auf. u. Verbr. des Christenthums, sucht geradezu den Beweis zn liefern, daß es in den ältesten Handschriften ursprünglich statt ex monasterio illorvouboim: ox m. Ileiäon- Iwim gelautet habe; dem kann ich aber aus dem Grunde nicht beistimmen, weil es heißt, Liubila sei mit den andern beauftragt worden: abirs, ut saoros eineros olovarsnt,- das hätte keinen Sinn, wenn sie schon in Heidenheim bei den hl. Reliquien damals gewesen wäre. Daß sie aber vor ihrer Uebcr- sicdlung nach Monheim in Heidenheim gelebt, schließe ich daraus, daß gerade sie zur Erhebung der hl. Reliquien mitbeordert wird; sie muß also mit den Hcidcnheimer Verhältnissen vertraut gewesen sein; ferner daß sie einen so großen Theil der hl. Reliquien, gleich die Hälfte, für ihr Kloster erhielt, was sicher nicht der Fall gewesen wäre, hätte sie nicht als ehemalige Heidcn- hcimcr Nonne ein gewisses Recht darauf beanspruchen können. °) Im Stiftnugsbrief v. I. 893 werden als -ros ziroxrias xoksstaiis« Liubilens aufgeführt: „die Kirche mit alle» Ge- bäulichkcitcn, Hofe, Häuser, bebaute und unbebaute Ländcreicn, große und kleine Wälder, Wiesen, Weiher, Abflüsse der Weiher, Mühlen, Knechte und Mägde." Die Besitzungen waren also sehr weit ausgedehnt. ") Auch anderwärts sehen wir Klöster auf diese Weise vorbereitet werden durch diese oollnlcw und ihre Bewohner; so z. 29 noch die St. Peterskapelle in Monheim steht. Hier war es also, wo Liubila der ehrende Auftrag zu Theil wurde, die Reliquien der hl. Walburga in Heidenheim mit- zuerheben. In Eichstätt wurden die hl. Reliquien in feierlichster Weise in Empfang genommen und in der Kirche des hl. Kreuzes, bei welcher sich Canonissen (vermuthlich ebenfalls ehemalige Heidenheimer ") Benediktinernonnen) niedergelassen hatten, beigesetzt. Liubila weilte bei dieser Gelegenheit lange in Eichstätt, wohl aus Verehrung zur hl. Walburga, dann, weil sie schon damals ihre Herzensangelegenheit betreiben mochte, einen Theil der hl. Reliquien für Monheim zu erhalten, und sicher auch, weil sie von Heidenheim her noch manche gute Bekannte unter den Canonissen fand. Dieses lange Fernbleiben Liubilas von ihren Gütern in Monheim benutzten ihre habsüchtigen Verwandten und im Bunde damit andere Mächtige, um diese Besitzungen zu gefährden ") und an sich zu bringen; ja ein gewisser Waltheri bemächtigte sich thatsächlich eines Theiles davon.") Diesen Beunruhigungen gegenüber wählte Liubila zwei im frühern Mittelalter öfters vorkommende und gebräuchliche Mittel, durch welche sie Monheim vor den Fangschlingen Anderer sicher stellte. In einem Ergänzungsheft der Maria - Laacher Stimmen, die Ncliquienverehrnng behandelnd, wird Folgendes ausgeführt: „Weil man die Heiligen als Besitzer ihrer Kirche und des ihr zustehenden Grundbesitzes ansah, entstand .. die Sitte, diese Heiligen (d. h. ihre Reliquien) in Kapellen oder aus Grundstücke zu tragen, wogegen mächtige Herren einen Angriff planten. Als beispielsweise Graf Robert von Flandern 1074 die Güter zurücknehmen wollte, welche die Abtei Corbie von seinem Ahnen, dem hl. Adalhard, erhalten hatte, beschlossen die Mönche, die Reliquien dcS Adalhard auf die bedrohten Besitzungen zu tragen. So kamen sie auch zu einer kleinen Stadt in der Nähe von Tournay, welche Graf Robert eben belagerte. Kaum hörte dieser, die Reliquien seines Ahnherrn näherten sich, so eilte er ihnen entgegen, nahm den Schrein, brachte ibn mit seinen Hoflcutcn in die nächste Kirche und gab dort alles Geraubte zurück. Freudig kehrten die Mönche heim."") Damit haben wir das eine Mittel, das Liubila anwenden wollte, um ihr Besitzthum zu sichern. Und für sie lag es am nächsten und war auch am aussichtsreichsten, um Reliquien der hl. Walburga zu werben. Das that sie denn auch redlich, und um dieses Unternehmen durchzusetzen, wird sie auch in dieser Zeit von 870—890 eine würdigere Wohnstätte für die aufzunehmenden Reliquien an der Stelle, wo jetzt noch in Monheim die Pfarrkirche steht, erbaut haben, nämlich die Basilika, „fluas sita, est in donors Opitrcis eb Lalvatoris st Oomini n. (s. Olrr'i." Anfangs ging es hart und bereitete es B. beim Kloster Pillcureuth, dann bei Abenbcrg u. A. Zur Entstehungsgeschichte deS letztem sogt Suttuer: „Es konnte eellula eine der damals sehr gewöhnlichen Scklnsorien (Klausen) sein, in welcher nur einige sorores seelnsao wohnten, die daher auch eellitas oder cellitissae genannt wurden, und welche Zellen aus einer Kapelle mit daranstvßcndem Wohngebände zu bestehen pflegten." ">) 6tr. Popp, l. o. p§. 217—18. ") Wolfhard berichtet, dass diese Güter gefährdet wurden »proprer kemineuin imbeeiilitatis sexnm ot proptor lon§in- quitatsm, quia in alio looo in servitio Der apnst s. IVal- bur§ao Vir§. reichn!as stetsnta knit (seil. Liubila).- (Vita 8. IVaib. anotors anoiiMro.) >2) ».. alostsn, quao eiiutiscs stieitnr ,kinanelch qnarn .. iujnsts ablatam restonavit Valtberi.- (Stiftn ngSbrics.) °) 54. Ergänznngshest: Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien rc. v. St. Beissel 8. st. ihr große Schwierigkeiten eine günstige Zusage zu bekommen.") Nun kam aber Erchambold auf den Stuhl des hl. Willibald.") Er war, wie berichtet wird. Verwandter des Königs Arnulf; zum wenigsten war er ein besonderer Günstling") desselben und hatte schon verschiedene Beweise von dessen Gunst empfangen. Nun war aber auch Liubila Arnulf nahestehend und bei ihm gut angeschrieben; dadurch glückte daS Unternehmen. Liubila wandte sich zunächst an Erchambold, den Bischof von Eichstätt, und bot ihm an, wenn sie die hl. Reliquien erhalte, werde mit ihren Gütern ein eigenes Kloster gegründet und dem Bischof von Eichstätt übergeben. Da hier so hohe fürstliche Verwandtschaften hereinspielteu und es in der damaligen Zeit der Raublust für eine Diöcese mit eine Lebensfrage war, mächtige Beschützer gegen äußere Feinde zu haben, so wollte offenbar Erchambold ohne Vorwissen der fürstlichen Verwandten in dieser Angelegenheit nichts unternehmen, um dieselben nicht am Ende aus Begünstigern zu Feinden zu machen. Er schlug deßhalb Liubila's Bitte nicht direkt ab, sagte aber auch nicht zu. Liubila wußte jetzt, was sie zu thun hätte. Sie wendet sich an den König und dessen Räthe, was er dazu sage. Wolfhard berichtet: „Nachdem der Bischof in Betreff dieser Angelegenheit den Rath des Königs und seiner Hofleute erhalten hatte, gab er das Versprechen, die hl. Reliquien aushändigen zu wollen, und löste dasselbe auch zu gegebener Zeit ein."") Nachdem die neue Kirche zur Aufnahme der Reliquien fertiggestellt war und auch die darangebauten Klostergebüude ihre Vollendung erreicht hatten, sollte nun vorerst der erste Plan Liubila's, die Erwerbung der hl. Reliquien, zur Thatsache werden. „Im Jahre 893 nach der Menschwerdung unseres Herrn Jesu Christi, so beginnt ganz feierlich Wolfhard") den Bericht darüber, unter der glücklichen Regierung des erhabensten Königs Arnulf, eröffnete man das Mausoleum der hl. Jungfrau Walburga in der Basilika, in welcher sie unter Bischof Akarius begraben worden war. Zu diesem Zweck schickte der überaus weise und in allen Angelegenheiten scharfsinnige Bischof Erchambold seine gottesfürchtigen Archi- presbyter mit andern wohlverdienten Personen ab, ließ durch sie die genannten Gebeine der hl. Walburga aufsuchen, dieselben sodann mit der größten Sorgfalt herausnehmen und theilen, und (den einen Theil) mit höchster Ehrfurcht wieder beisetzen, so daß (der andere Theil) die lang ersehnten Reliquien an Liubila abgegeben und für immer ihrer Kirche bewahrt bleiben. Diejenigen, welche mit dem Befehle betraut waren, bestrebten sich beklommenen Herzens in aller Einfalt ihn auszuführen. Indem sie sich ganz der Barmherzigkeit des Herrn übergaben und unablässig in Psalmen- und Hymnengesang verharrten, gruben sie nach und fanden die zu erhebende Asche unserer seligen Mutter Walburga, wie von einer klaren Flüssigkeit benetzt (^nasi tsnui raaäs- ") »Liest prins tentansto stiküeilliinnm vieler Stur.- IVolÜ barst, vita L. >VaIb. 1. I, ex. 3, p§. 525. ") Regiert v. 882-912. ") Arnulf schenkt ihm anno 838 die Abtei Herrieden mit voller Gewalr über alle Klostergütcr; 889 den Ort Sezzi (Seitzen- mühl bei Hilpollstein), sowie einen grotzen Ferstdistrikt zwischen Biswang u. Weisscnbnrg ; 895 das Klösterlein Kirchanhauscnrc. Sax, Bischöfe u. NeichSfürsten PA. 20—21. ") Wolfhard. 1. o. I, 3 ibist. ") I. v. I, 3. 30 tuotos), so daß man davon den Thau ganz tropfenweise wegnehmen konnte." *0 Als sie nach ihrer Anweisung einen Theil der hl. Reliquien zur Seite gelegt hatten, bestatten sie den andern wieder. Die ganze Sache scheint ziemlich geheim vor sich gegangen zu sein, wurde aber doch bald in der ganzen Stadt bekannt und machte da sehr böses Blut, zumal da man glaubte der ganze hl. Leib komme nach Monheim. Erst als der noch übrige Theil wirklich als noch vorhanden gezeigt wurde, legte sich die Aufregung in Eichstätt. Nach Monheim ordnete sich indessen eine feierliche Prozession, 2 °) und mit ungeheuerm Jubel und Frohlocken wurde der kostbare Schatz dahin gebracht. Auf dem Wege und bei der Ankunft geschahen auch Wunder. „Als man zum Dorfe des hl. Bonifazius, welches Mulinheim (Mühlheim bei Mörnsheim und Solnhofen) genannt wird, kam, begegnete ein fallsüchtiger Knabe der heiligen Bürde, und unter dieselbe gelegt, erhielt er alsbald die ersehnte Gesundheit.^) Darnach verbreitete sich, wie die Begleitenden heute noch erzählen, an diesem Orte bei den Vorangehenden und Nachfolgenden ein überaus starker Wohlgcruch. Noch am nämlichen Tage wurde auch ein andrer Knabe, Rudolf mit Namen, durch Berührung der hl. Reliquien geheilt; ebenso erfuhr Liubila selbst in der Nacht nach der Ankunft der hl. Reliquien die Wunderkraft der hl. Walburga, indem sie von ihrem Podagra (vgl. die 20. Aum.) plötzlich geheilt wurde, so daß sie nun, die bisher in die Kirche getragen werden mußte, mit einemmal selbst ganz schnell dahin kommen konnte." 22 ) So war denn der eine Plan Liubila's geglückt: sie war im Besitze eines großen Theiles der hl. Reliquien der hl. Walburga. 22 a) Sofort sollte nun auch der zweite Plan verwirklicht werden, die eigentliche Klosterstiftung und Uebergabe an den Bischof von Eichstätt. Wirklich ist auch noch aus dem nämlichen Jahre der Stiftungs- brief des Klosters vorhanden. Da er für die Geschichte Monheims von großer Bedeutung ist, so mag wenigstens der Anfang in der Uebersetzung hier Platz finden: „Im Namen der heiligen und lebenspendenden Dreifaltigkeit. Kund sei allen Christgläubigen der Gegenwart und Zukunft, daß ich Liubila, unwürdige Nonne, mit meiner Schwester Gcrlinda und mit Rath und Zustimmung unserer geistlichen Schwestern Nuaouhilte, Diothilte, PcrhtSuinde und Hiltisuinde, geleitet von der Liebe zu Gott und zum Heile meiner Seele, der Kirche zu Eichstätt, welche zu Ebren des hl. Erlösers errichtet ist und wo der hl. Bekeuncr Christi Willibaldus ruht, und welcher gegenwärtig Bischof Erchenboldus vorsteht, die mir zu Eigen gehörigen Güter übergeben habe, nämlich die zu Moun- heim befindliche Kirche mit den hl. Reliquien und allen (Kloster-) Gebäuden, die Höfe und Häuser, sowie alles Dazugehörige mit den Ländereicn, bebauten wie unbebauten, größeren und kleineren Wäldern, Wiesen, Gewässern, Abflüssen, Mühlen, Knechten und Mägden, kurz Allem, was unser ist, so daß eS von heute an für künftig mit aller Deutlichkeit und Gewißheit dem Erlöser und dem hl. Bckcuuer Christi Willibald übergeben sein soll." ") Ist bemerkenSwcrth als die erste histor. Notiz von dem nunmehr in der ganzen Welt bekannten Oelfluß am Grabe der hl. Walburga. 2 °) Liubila konnte sich nicht daran bcthciligen, denn sie lag während dieser Tage an Podagra erkrankt in Monheim darnieder. (Wolfh., I. o. I, sx. 4, 526.) 2*) Wolsh., I. o. idicl. 2 -) Idick. 22 ») Dieser Theil war mindestens ebenso groß, als der, welcher sich jetzt in Eichstätt befindet; außer den Reliquien des hl. Leibes kam auch der Stab der hl. Walburga (samduta) nach Monheim, durch dessen Berührung 3 Blinde geheilt werden. Wolfh.. I. o. III. 2 PA. 537. Weiter wird dann darin bestimmt, daß die Nonnen die Besitzungen immer als Lehen zur Nutznießung empfangen sollen und ja Niemand anderer, daß dafür jede von den Klosterfrauen jährlich am St. Martinitag einen Pfennig auf St. Willibalds Altar in Eichstätt gebe. Liubila soll Aebtissin sein, nach deren Tod ihre Schwester, dann die übrigen; im Fall der Untauglichkeit oder Un- würdigkeit soll der Bischof eine andere aufstellen. Dagegen verspricht Bischof Erchambold für sich und seine Nachfolger, daß das Kloster als solches fortbestehen und niemals einem Kleriker oder Vasallen zu Lehen gegeben werden dürfe, sowie auch, daß nur gut Beleumundete und nur Adelige mit Vermögen aufgenommen werden sollen, damit sie dem Kloster nicht zur Last fallen.^) Die Urkunde, welche nicht mehr im Original, sondern in Abschrift vorliegt, ist unterzeichnet vom Bischof Erkenbald, Zwei Archipresbytern: Lampert und Eko, und 43 Presbytern; dann von Nuadpreht, dem aävoLLlus Liubilcns, und 27 andern fränkischen Zeugen, und endlich von 25 bayerischen Centgrafen.^) Wir sehen, es muß eine ganz hochansehnliche Versammlung gewesen sein, welche die Stiftung des Klosters Monheim mit Liubila als Aebtissin und die Uebergabe an den bischöfl. Stuhl Eichstätts bezeugt hat. Damit waren Liubila's lang gehegte Wünsche erfüllt. Das Jahr 893 hatte für Monheim die heil. N eliq uien gebracht und ließeS als gesichertes Bencdiktinerfrauenstift zu Recht erstehen: das wichtigste und einflußreichste Ereigniß für die ganze folgende Geschichte Monheims und zugleich, weil Bischof Erchambold, König Arnulf und dessen Verwandte Hildegard und Luitpold, sowie Liubila als bayer. Prinzessin soviel betheiligt sind, ein wichtiges Ereigniß für die damalige Eich- stätter, bayerische und deutsche Geschichte. Recensionen und Notizen. Kirchliche Baupflicht und kirchliches Bauwesen, nach den im Königreich Bayern geltenden Gesetzen und Verordnungen dargestellt von Ludwig Heinrich Krick, Pfarrer. Passau, Abt. 1893. 8°. VIII n. 232 S. 3 M. X Ein Kreuz für alle Pfründeinhabcr ist die Baupflicht an Kirche oder Psründegebändeu, sofern dieselbe an der Pfründe haftet. Wie viele Streitigkeiten, Verdrießlichkeiten, Schwierigkeiten und Zweifel sind daraus entstanden! Denjenigen nun, die mit dieser heiklen Sache zu thun haben, bietet der bereits rühmlich bekannte Verfasser einen durchaus zuverlässigen Fübrer, der über primäre und sccnndäre Banpflicht, über die Baupflicht aus besonderen NcchtStiteln, über den Gegenstand und Umfang derselben, sowie über die Conipetcnz znr Entscheidung von Streitigkeiten über die Baupflicht aus's genaueste insormirt. Der Verfasser handelt ferner vom kirchlichen Bauwesen, der obersten Aufsicht und Leitung desselben, von der Ueberwachung des baulichen Zustandes der Kirchen- und Pfründegcbäude, Wendung der Banfälle, Baufallschätzung und -Wendung bei Veränderung im Pfründebcsitz, von der Versicherung der Gebäude gegen Feuerschaden, von Neubauten, Hauptreparaturen u. f. w. Diese Inhaltsangabe allein dürfte genügen, die hervorragende Brauchbarkeit, ja Unentbehrlichkeit vorliegender Scknist, deren Benützung ein sorgfältig gearbeitetes Sachregister erleichtert, für Pfründcinhaber zu doknmentiren. Doch wird hiedurch „M. Permancder, Die kirchliche Baulast, 3. verbesserte 22) »I-Io liceutiam babeat illa Ldbatissa, sMrcao vsl iFnobilos Msilas in monaatorium intromittsrs .... ipss (Lpisooxns) . . talss sswxsr intromittat xusllas, qnas boni tsstimonii st uvbilss sint, st quas aliqnam sustoutatiouew oum suis proxrietatibus sanoto loeo iwpsrtlant.« 24) Vollständig wurde dieser interessante Stiftungsbrief zum erstenmale abgedruckt und erklärt im Eichstätter Past.-Bl. Jahrg. 1859 x§. 207 ff. 31 Auflage, bearb. von I. Niedle, Pfarrer. München. Stahl, 1890" keineswegs überflüssig, da letztere Arbeit die Verbindlichkeit der baulichen Erhaltung und Wiederherstellung der Cultusgebäude auch in ihrer bistorisch-gcnetischcn Entwicklung von den frühesten Zeiten der Kirche bis herab auf die Gegenwart darstellt und daher nicht bloß praktischen, sondern auch wissenschaftlichen Wertb besitzt. —s. Bildergrüße auö dem hl. Land. So ist ein Werk betitelt, das im Verlag von Otto Brandner, Charlotten- burg, in 14tägigen Zwischenräumen mit 30 Lieferungen ä 50 Ps. erscheint. Das Werk enthält 400 Originalillustrationen von dem Landschaftsmaler Harper, der während dreier Jahre sämmtliche in der hl. Schrift genannten Plätze, soweit noch Spuren anzutreffen sind, an Ort und Stelle aufgenommen hat. Schreiber dieses, der das hl. Land gleichfalls sckon bereiste, muß gestehen, daß die Bilder so naturgetreu sind, wie er sie noch in keinem anderen derartigen Buche gesehen. — Auch der Text ist von einem Kenner Patästina's, nämlich von dem protestantischen Theologen Dr. Geikie. Er schreibt einen sehr angenehmen Stil, hält sich im einfachen erzählenden Ton, fern von aller Schwulstigkeit und Ucbertricbenheit. Der Verfasser verräth großes Wissen in der Geschichte, Geographie, in der Bibel und Alterthum-kunde. Das „Einst und Jetzt" dieses Landes mit seinen Bewohnern, ihren Sitten und Gebräuchen kommt recht lebendig zum Ausdruck. Als einen Hanptvorzug vor allen anderen Werken über Palästina betrachte ich aber in dem genannten daö kultnr historische Moment; nach dieser Seite hin bietet cS soviel Neues und Interessantes, daß die Lektüre einen geradezu fesselt. — Aufgefallen ist mir nur, daß bei der Schilderung von Jaffa das großartige FranziSkanerllostcr, das wie eine mächtige Citadelle die Stadt beherrscht, so nebensächlich erwähnt ist und bei Namleh das dortige Fraiiziskancrüvspiz gar nicht. ES wäre zu wünschen, daß in den nachfolgenden Heften die Institute der Söhne des hl. FranziSkuS, welche doch seit Jahrbundcrten fast die einzige christliche Ehrenwache an den heiligen Orten bilden, die verdiente Berücksichtigung finden. Anton Weber, Albrecht Dürer. Sein Leben, Wirken und Glauben. Mit 11 Abbildungen. Ncgcnöburg 1894 (Friedrich Pustet). 115 S. 1 M. Ein hübsch ausgestattetes Werkcben, das sich durch Ilcbcr- sichtlichkeit und einen gefälligen Stil auszeichnet. Besonders anziehend ist der letzte Abschnitt über Dürers GlanbenSbekennt- niß, in welchem W. sämmtliche Zeugnisse, die für oder gegen die Katholicität Albrecht Dürers beigebracht worden sind, zusammenstellt und mit großer Ruhe und Objektivität bespricht. Gewiß wird jeder, der seinen Ausführungen gefolgt ist, ihm beipflichten, wenn er am Schlüsse sagt: „Es ist über jeden Zweifel erhaben, daß Dürer mit aller Wärme seines Herzens die allseitig ersehnte kirchliche Reform herbeiwünschte, und daß er mit manchem seiner Nürnberger Freunde das erste Auftreten Luthers begrüßte. Aber eS ist ebenfalls gewiß, daß Dürer sich nicht von der alten Lehre abgewendet hat und im Frieden mit der katholischen Kircke verstorben ist." Hatte doch Niemand mehr als Dürer selbst unter dem neuaufgekommencn Wahne zu leiden, daß die Kunst der Malerei „zur Abgötterei diene", und schon im Jahre 1524 beschwerte sich Dürer in einem Schreiben an den Nürnberger Rath bitter über den Undank seiner Mitbürger, den er um so drückender empfand, als er die vortheilhaftestcn Angebote der Signoria von Venedig und des Raths von Antwerpen aus Liebe zur Vaterstadt ausgeschlagen hatte. Um nicht müßig zu gehen, mußte er sich in seinen letzten Lebensjahren aus die Schriftstellerei verlegen, da nach Bildern keine Nachfrage mehr war. Erst lange nach seinem Tod brachten Kaiser Rudolf II. und der Bayernhcrzog Maximilian Dürers Namen wieder zn Ehren, indem sie hohe Preise für seine Werke bezahlten. Alles dies hat W. in seinem Büchlein näher ausgeführt und wir stehen daher nicht an, dasselbe allen jenen, die sich rasch über Dürer oricntiren wollen, aus's Beste zu empfehlen. vr. B. Sepp. * Der Breslauer Universitäts-Proscsfor vr. Probst läßt soeben bei Aschendorff in Münster ein umfangreiches Werk über die „Liturgie des 4. Jahrhunderts und deren Reform" erscheinen. Dasselbe bildet die Fortsetzung des im Jahre 1691 im gleichen Verlage von ihm herausgegebenen Werkes: „Die ältesten SakramentarienundOrdineö" und enthält eine aus den Schriften der großen Kirchcnvätcr geschöpfte Darstellung der Messe, wie sie seither nicht bekannt war. Ebenso werden die Motive und die Beschaffenheit der Meßrcsorrn in einer noch nicht einmal versuchten Weise behandelt. Pädagogische Vortrage und Abhandlugen. In Ver« bindung mit namhaften Schulmännern herausgegeben von Jos. Pötsch. Keuchten, Jos. Kösel. 1. Heft: Papst Leo XIII. und Kaiser Wilhelm II. über die Aufgabe der Schule in der heutigen Zeit. Von Jos. Pötsch. 32 S. 30 Pf. 2. Heft: Die Schule im Paradiese der Socialdemokratie. Von Heinrich Bals. 60 S. 50 Pf. v. Diese „Pädagogischen Vortrüge" erscheinen in zwanglosen Heften, jedes eine abgeschlossene Arbeit. Ihre Tendenz ist zeitgemäß, praktisch, katholisch. DaS eben erschienene 2. Heft nimmt seine Darstellung durchaus anS socialdemokratischen Schriften. So behandelt es den Kindergarten, die einzelnen Lehrgegenstände und die Erziehung nach socialdemokratischen Forderungen. Am häufigsten ist benützt Tonen (Kindergarten und Volksschule) und Bcbcl (Die Frau), aber auch andere, wie: Stern, Religion der Zukunft; Wille, Lehrbuch; Werra, Lesebuch u. s. w. Aus diese Weise wird der Leser schnell, praktisch und anschaulich in den Gegenstand eingeführt. Das Unternehmen verdient Unterstützung und Förderung. Die Glückseligkeitslehre des Aristoteles und des hl. Thomas v. A. Jnaugiiral-Dissertation von Sebastian Huber. Frcising, Datieren 1893, S. 96. Wer eine vergleichende Paraphrase von den Büchern I u. X der Nikom. Ethik des Aristoteles und den ersten 5 Quästionen der Thomistischen 8umma moralis universalis i. s. 8uw. tlisol. 1. 2 gu. 1—5 nebst üb. III der Summa, contra. Zentilss liefern würde, hätte nach Inhalt und Form geleistet, was unsere Dissertation anbietet. Höhere geschichtliche oder philosophische Gesichtspunkte sind aber darin nicht verwerthet worden, und den Anforderungen wissenschaftlicher Kritik und Unbefangenheit oder philosophischer Schulung ist nicht von Ferne entsprochen. In einem Punkte oder Theile eines großen Problems nur den Aristoteles an Thomas messen und dies noch dazu nach dem fast Heiterkeit erregenden Grundsätze (S. 2): „Thomas bekämpft Aristoteles überall, wo er ihn auf einem Irrwege ertappt, und huldigt ihm dort, wo derselbe die Wahrheit lehrt" — das ist Huldigung des naivsten Dogmatismus. Wir können darum den Vorsatz des Vers. (Vorwort), „die begonnene Arbeit fortzusetzen und über das ganze Gebiet der Ethik auszudehnen", nach dem Vorliegenden fast nur perhorrcsciren. Wer das ethische Wollen nickt im Zusammenhange einer Entwicklung der sittlichen Weltanschauung bieten kann, dem gebricht eS an philosophischer Kraft, und mit dem Willen allein ist hier nichts gethan. Wir empfehlen ihm, damit seine benutzten Autoren die Zahl 30 erreichen, angelegentliches Smdium von Wundt's Ethik und Paulscn'ö System der Ethik. Dadurch könnten ihm über Vieles die Augen aufgehen. vr. K. I. N. Ahle. VIII Oautiovss saoras vooibus asgualibus eoneinsnäas. op. 4. Von dems. VII vautiouss saoras vooibus inaogrialibus ooueinsnäas. ox. 5. Von dems. Vitamins äs 8t. Llo^sio, in 2 Ausgaben, op. 6 a und 6b. Regens bürg, Alfred Coppenrath'S Verlag. G Freunde echter und werthvollcr Kirchenmusik, besonders die Schüler und Freunde des Componisten, werden das Erscheinen obcngcnaniiter Gesänge freudigst begrüßen. Op. 4 enthält ein Voni sanoto Lpiritus, die Offertorien für daS Herz- Jesu-Fest, für die Feste des hl. Alcysius und des hl. Lau- reutius, eine Antiphon zur Prozession am Palmsonntage. Graduelle und Osfertorium für das Rosenkranzsest und, für Priester eine theure und fromme Erinnerung an die Ordination, das Respousorium: öain nou äieam vos sorvos. Partitur u. Singst. 2 M. Ox. 5 bringt ein Voni sauots Lpiritus für fünfstimmigen gemischten Chor (2 Teuöre), mehrere Offertorien und die Partitur von 12 vaisiboräoni, ohne Text, für die Vespern, welche sich durch Frische, Gedrängtheit und Wohllaut auszeichnen und vielen Chorregcnten sehr erwünscht sein dürsten. L- Hcinze nennt diese Werke „fein durchgeführte, durchweg nobel gehaltene Compositionen, in denen der polyphone Stil mit dem homophonen zu schönster Klangwirkung sich vereint." C. V. C. Nr. 1593. Part. u. Singst. 3.60 M. In op. 6 liegt eine Litanei zum hl. Aloysius vor, voll edlen Wohlklangs und inniger Melodien. Der Ausgabe op. 6 a, für zwei Vorsänger und sünfstimmigen gemischten Chor (2 Teuöre), würden wir den Vorzug geben; in der Ausgabe ox. 6d ist dieselbe 82 Litanei eingerichtet für zwei Vorsänger und vierstimmigen Männerchor. Part. u. Singst. 1,90 M-, resp. 1,60 M. Pros. Dr. Aemilian Schöpfer, Geschichte deS alten Testaments mit besonderer Rücksicht auf das Verhältnis von Bibel und Wissenschaft. Brixen, kath.-polit. Preßvcrein 1893. 1. Halbband. VIII n. 210 SS. -8. Die vorliegende Schrift konnte sich seit ihren! Erscheinen bereits mehrfacher Anerkennung von Seiten kirchlicher und kompetenter wissenschaftlicher Auktoritäten erfreuen. Ihr Haupt- vorzug liegt nach unserem Ermessen einmal in der auf dem Titel ausgesprochenen Tendenz, die biblischen Berichte mit steter Rücksicht auf die natürlichen Grenz- und Hilfswissenschaften der Schristkunde zu behandeln, sodann in der Art und Weise, wie ihr dies in der Form eines theol. Lehrbuchs gelang. Der Plan und die leitenden Gedanken der hl. Geschichte erscheinen in einer tiefen Auffassung, treten bestimmt hervor und werden bei aller Schlichtheit und Kürze der Darstellung, die ein Lehrbuch erheischt, in anziehender und geistreicher Form gegeben. Wir stimmen dem Verfasser vollständig bei, wenn er cS als eine Pflicht der Vertreter der alttestamcutl. Heilsgeschichte erachtet, gerade jene Punkte stets im Auge zu behalten, an denen der Fortgang der Forschung in Geschichte, Naturwissenschaften und Kritik werthvolle Bestätigungen oder Ergänzungen der biblischen Berichte liefert, aber auch jene, an denen auf Grund angeblicher Resultate, welche hergebrachten Auffassungen des biblischen Wortes in mehr untergeordneten Fragen gegensätzlich gcgenübcr- treten, ein Hauptvorstoß gegen die Göttlichkeit und Glaubwürdigkeit der hl. Urkunden gewagt wird. Gewiß würde die theol. Wissenschaft an lebendiger Fühlung mit den berechtigten Bewegungen der Zeit verlieren, und „würden die Theologen gegen ihr eigenes Interesse handeln, wollten sie von der Forschung und deren Resultaten sich abschließen" (S. 01), andererseits aber bedürfen die Richtungen der modernen Forschung ganz besonders auch aus dem Grunde fortwährender Kontrolle, damit der Clcrus nicht rath- und wehrlos gegenüberstehe einer negativen Kritik, die heutzutage selbst in dem entlegensten Ge- birgSdorfe ihren Nachhall finden kann. — Der bis jetzt erschienene erste Halbband behandelt in drei Abschnitten die Urzeit, die Geschichte der Patriarchen und die Schicksale Israels vom AuSzug aus Aeghpten bis zur Besitzergreifung de-Z gelobten Landes. Bei der Absicht des Verfassers mußte selbstverständlich die Darstellung der Urgeschichte sich zur schwierigsten Partie gestalten. Besonders angezogen hat uns bei kontroversen Fragen die Präcision und Uebcrsichtlichkcit, womit unter Benützung der beachtenswerthesten Literatur z. B. in der Frage über die Ausdehnung der Sintfluth die verschiedenen Ansichten formulirt, die begründeten von den rein hypothetischen geschieden werden und der eigene Standpunkt des Verfassers seine Motivirung findet. Die Art und Weise, wie der Verfasser die pragmatische Geschichte mit der Eiuleitungswissenschaft in die Schriften des alten Testamentes verbindet, zeigt am Ende dcö Halbbandcs die Kritik der Wellhausen'schcn Beurtheilung des Pcntateuchs. — Wir werden uns kaum täuschen in der Annahme, daß das gediegene Lehrbuch wie alles Gute und Brauchbare sich selbst Bahn brechen werde. Möge es nur dem rührigen Verfasser, welcher leider seit längerer Zeit an einem hartnäckigen Augenübel leidet, vergönnt sein, dasselbe recht bald in voller Gesundheit zu vollenden. Heldenlieder, von Alb. West ermann. Verlag von Hofer und Bürger in Zürich. Preis 60 Cent. * In elfter Auflage liegen unö Westermann's „Heldenlieder" vor, welche die Heldenthaten der Eidgenosse» bei Mor- garten, Laupen, Sempach, Näfels, St. Jacob und Marignano verherrlichen. Die Lieder, welche natürlich in erster Linie für die Sckweizer berechnet sind, beobachten historische Treue und sind Musterbilder poetischer Schlachtenmalerei. Ihre Lectüre bietet auch dem Nichtschweizer Genuß. Bach mann Fr., Was ist Krankheit und wie heilen wir? 8° p. XVIII -s- 142. Berlin, H. Steinitz 1894. M. 2.-. zp Das Buch will ein Versuch sein, unsere empirischen Heilmethoden wissenschaftlich zu begründen. Angeregt dazu wurde der Verfasser, wie er selbst bezeugt, durch den so häufigen Widerspruch der an der Schule erlernten theoretischen Kenntnisse mit der Praxis. Leser, willst du den Standpunkt deS Verfassers dieser Schrift kennen lernen, dann rathe ich dir einfach, das sehr interessante Buch zu lesenI In Kürze läßt sich das nicht sagen. Daß Alle in Allein mit dem Verfasser übereinstimmen, ist nicht möglich, auch nicht nothwendig, wäre auch keine gute Empfehlung für Originalität und sclbstständigeDcnk- thätigkeit. Der Inhalt des BuchcS ist reichhaltig und praktisch, und möge sich Niemand durch den etwas philosophischen Titel abschrecken lassen, das Werk einer prüfenden Lectüre zu unterziehen. Birnbaum M-, Die Kneippkur: Die Wasserkur des Pfarrers Kneipp, ärztlich beleuchtet und beschrieben. Berlin-Leipzig, H. Steinitz 1893. (5. Tausend.) 8° SS. 88. M. 2.—. -> Rabbi Jannai, so erzählt der Talmud (Sabbat 103), hatte den Mar Ukba ersucht, ihm eine von den Augcnsalben des berühmten Arztes Samuel zu schicken. Der Erbetene antwortete: „Damit du mich nicht für ungefällig haltest, erfülle ich deinen Wunsch, kann aber nicht umhin, dir noch ein besseres Recept anzurathen, das von demselben Arzt hcrrübrt, nämlich seine Regel: Ein Tropfen kalten Wassers am Morgen, das Waschen von Händen und Füßen am Abend ist wirksamer als alle Augensalben der Welt." Diesem Grundsätze huldigt in neuer Zeit auch Pfarrer Kneipp, dessen Wasserkur unanfechtbare Erfolge ausweist, fodaßPindarsWort'^c-arc,-- heute doppelt hoch steht. Alle Bücher, die im Zeichen deS Wassermannes erscheinen — und deren Zahl ist bereits Legion — können auf einen großen Absatz rechnen, so bedeutend ist die Bewegung für nrzneilose Kuren. Vorliegendes Heft stellt das KaUwasserbcilvcrfahrcn in ruhiger, objckiiver und allgemein verständlicher Weise dar, und kann allen Interessenten zur Orien- tirung gut empfohlen werden. Literarische Rundschau f. d. kathol. Deutschland. Hcrdcr'schcr Verlag. Preis per Jahr 9 M. (12 Nummern.) * Im Dczemberhest nimmt der bisherige Redakteur Pros- Dr. C. Krieg von den Lesern Abschied. Er ist durch Erweiterung seiner Lehrtätigkeit genöthigt, die von ihm seit neun Jahren geführte Redaktion niederzulegen. An seine Stelle tritt Herr Professor Dr. G. Hoberg, eine vorzügliche Kraft, welche Gewähr dafür gibt, daß das hochangcschcue Organ feinen wissenschaftlichen Charakter in der Richtung ernster Kritik beibehalten und auch ferner ein „möglichst zuverlässiges und vollständiges Spiegelbild der literarischen Gegenwart, zumal nach der kathol. Seite hin" bieten wird. — Das Dczemberhest der Lit. Rundschau brachte n. A.: Kunstgeschichte (Kelchncr, Donner- v. Richter, Galland, Firmcnich-Nichartz). — Feine, Eine vcrcauonische Ueberlieferung des Lucas. (Schanz.) — Brandscheid, Xovnm Nootamsntnm Zraoeo ot latius. — Brandschcid, Handbuch der Einleitung ins Neue Testament. — Cathrein, Moralphilosophie. — Canct, Im libsrtö cko oorweieneo. (Jeilcr.) — Nottmanner, Predigten und Ansprachen. (Kcpplcr.) — v. Hcrtling, Natur- recht und Socialpolitik. (Natziugcr.) — Schanz, Geschichte der römischen Literatur. (Scibel.) Kirchenmusikalische Vicrtcljahrsschrist. Herausgegeben vom Salzburger Diöcesau-Cäcilienvcrcin. Salzburg, Verlag von Math. Mittcrmüllcr. Jahrcsprcis 2 Mark. Inhalt des IX. Heftes 1893: Das liturgische Hochamt. Die Choral - Nesponscricn. Fortbildungscurs in Salzburg. Recensionen rc. rc. Unter dem Titel „Unser HauStheater" ist» wie Herr Dr. Holland schreibt, abermals von M. Zenner eine Sammlung erschienen (München 1894 bei E. Stahl zum), welche sich in würdigster Weise an das schon 1877 bekannt gewordene, gleichnamige Bündchen anschließt. Das sind niedliche Dramen, für kleine Leute leicht ausführbar, theilweise in Prosa und in flüssigen Reimen abgefaßt, von ächtem Humor getragen, welchem gleichwohl ein ernsterer Gehalt zur Seite geht. Im ersten Stück erscheint der leibhaftige Kafperl als Arzt, kurirt die verzogene „Prinzessin Bumphia" und erhält dafür von den! gerührten Papa König die Hand der Prinzessin und damit die Nachfolge im Lande der Birmanen. Das zweite Stück „Tausendschönchen" ist ein lustiges Märchcuspiel mit komischen Verwandlungen und sinnreich-ernster Lösung. Manch' namhafter Dichter könnte diese Dramen ihres sicheren Erfolges halber beneiden: Wo sie über die Bretter gingen, haben sie immer ein dankbares Publikum erobert! (Ladenpreis 80 Pf.) Vcrantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.