klln. 5 1. Fedrilnr 1894. Palestrina. Zu seinem 400jährigen Todestag nach seinem Leben und Wirken geschildert von 61. Wer nur wenig versteht von Musik und Gesang, kennt den Namen Palestrina, der eigentliche Kenner der Musik, der kirchlichen Musik besonders, freut sich, so oft er diesen Namen hört, und er opfert Zeit und Geld, wenn er eines der staunenswerthen Musikwerke dieses Meisters anhören kann. Anfang Februar d. Js., am Lichtmeßtag, werden es 400 Jahre, daß der große Ton- künstler, der Meister von Gottes Gnaden, von seinem Gott aus diesem Leben abberufen wurde, und nicht soll dieser Tag vorübergehen, ohne daß auch in diesen Blättern seiner gedacht wird, seines Lebens und seines Wirkens. Giovanni Pierluigi wurde geboren zu Palestrina, dem alten Präneste — und nannte sich selbst von seiner Vaterstadt Pränestinus oder da Palestrina, wird gewöhnlich deßhalb einfach Palestrina genannt — und zwar von armen Eltern. Sein Geburtsjahr ist nicht bestimmt ausgemacht, wie wir dies oft bei berühmten Männern finden. Es schwankt sogar zwischen 1514 bis 1529 ; das wahrscheinlichste ist, anzunehmen, daß der Meister das Licht der Welt erblickte entweder im Jahre 1514 oder 1515. Zum Beweis hiefür sei eine Aufschrift angeführt, welche auf dem Nahmen eines Porträts des Meisters sich befindet, das im Archiv der päpstlichen Sänger in Nom aufbewahrt ist. Dieselbe lautet: „ckoannos kstrus ^.lo^sius kräneotinus, Lluoioas krinosps, 8u5 llulio 111. xrius ormtor, mox salz kio IV. rnoäulator pcmtiüoirw, latsranas 6b lifisrianao, ckamuin fiis vulioanao fiasilioas oapollas maxister. Odilb IV. läus Psdruarii LIOXOIV. vixit proxs ootoAenarnm; sopulbus 68b 8ufi Luoello vutiouuo 8t. Lirnonio 6t lluäa.6." Auf welche Weise er zur Musik hingezogen wurde, auch hierüber sind die Autoren nicht einig. Nach dem einen wurde er in Nom einfach von einem Capellmeister abgefaßt, dem die Stimme des Knaben sehr gefiel; nach dem andern bildete ihn ein gewöhnlicher Lehrer aus, weil er mit ungemein großem Gefühle die Kadenzen bei einer Aufführung begleitete; wieder nach andern hätten ihn die Eltern von Anfang an zur Musik und zum Gesang bestimmt, weil Sänger und Musiker zu jener Zeit von den italienischen Höfen sehr gesucht waren und nach den Verhältnissen jener Zeit auch gut bezahlt wurden; nach einer anderen Version berief ihn Cardinal Giovanni del Monte, der 1543—1550 Bischof von Palestrina war, alsbald nach seiner Erhebung auf den päpstl. Stuhl als Julius III. nach Rom, kurz und gut: Palestrina kam ungefähr um das Jahr 1540 nach Rom und wurde 11 Jahre darauf unter Papst Julius III. als Lehrer in der Capella Giulia im Vatikan angestellt mit dem Titel eines Kapellmeisters, Navstro cli Oaxvlla, äollrr 5 a- 8i1ioL Vatioana,. Er war der Nachfolger Arcadelts, welcher wohl einige Zeit sein Lehrer gewesen sein dürfte. Schon drei Jahre darauf ließ er einen Band vierund fünfstimmiger Messen drucken und widmete dieselben dem Papste Julius III. Zum Dank hiefür berief ihn der hl. Vater in das Kollegium seiner Sänger, obwohl durch diese Berufung zwei Grundprincipien dieser Gesangesschule durchbrochen wurden, nämlich: die Vorschrift, eine strenge Prüfung abzulegen, und die Ehelosigkeit der Sänger. Palestrina war nämlich verheiratet — zudem bestand der Sängerchor der genannten Schule allermeist nur aus Klerikern. Als Papst Paul den Stuhl des hl. Petrus bestieg, wurde Palestrina nebst zwei andern alsbald aus der Gesangsschule entfernt, eben weil er verheiratet war, und er erhielt eine monatliche Pension von sechs Scudi. Der Meister selbst wurde schwer krank auf diese Entfernung hin, er hatte Familie, ein Einkommen von monatlich sechs Scudi, Umstände, die ihn sehr niederbeugten. Zu seinem Glück fand er bald wieder eine Stelle in der Lateranensischen Hofkirche, allwo er 5'/z Jahre thätig war und sehr viel componirte; eine Menge von Bänden herrlicher Werke entstand damals. Hervorzuheben sind hieraus besonders ein Band vierstimmiger Lamentationen des Jeremias und ein Band Magnificat für fünf und sechs Stimmen, desgleichen die Jmproperien und das achtstimmige ornx fiäslis. In diesen Musikwerken, besonders in den Jmproperien, ist geradezu alles aufgeboten, was Kunst und Natur vermögen. „Die Kunst", sagt Baini, „schien bei den wenigen einfach andächtigen rührenden Accorden gleichsam durch die Natur, und diese bei der seltenen Wahl der nnge- kannten Mittel wieder durch jene übertroffen". Emil Naumann sagt ferner über die gleichen Werke in seiner Musikgeschichte: „Der Meister zeigt in diesen Schöpfungen, wie kein anderer vor oder nach ihm, daß der in Wahrheit von Gott begnadete Genius gelegentlich auch ohne Anwendung reicher Mittel oder hochentwickelter Kunst- formen zu den erschütterndsten und unvergleichlichsten Wirkungen zu gelangen vermag." Ueber das prachtvolle „l6Q65ra,6 Iaota.6 8unb" sagt speziell der gleiche Musikkenner: „Es ist nicht möglich, mehr Schönes, Ergreifendes und Contrastirendes in nur siebeuundzwanzig Takte zusammenzudrängen, als Palestrina hier gethan! Wie erschütternd wirkt, nach dem ruhig in die Dunkelheit hinabsinkenden T°6Q65ra6 laotao ount, der mit bewegten Stimmen und stark einschneidenden Modulationen auftretende Wehrnf: äum orueifixisZonb llevurn lluckuei! Welcher Antheil und welcher Schmerz in den sich anschließenden Worten: oxalanravit llsous vooo iriaZna; wie sanft ergeben und duldend dann die Frage: „mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Welche einander überbietenden Klagen in dem Terzett der den Chor ablösenden drei weiblichen Stimmen endlich, die uns die am Kreuze weinenden heiligen Frauen gleichsam mU leiblichen Augen erblicken lassen; und welch' eine erhabene und tiefe Trauer in den den eintretenden Tod des Erlösers schildernden und im Pianissimo ersterbenden Tönen, mit denen der Chor das Sätzchcn beschließt." Ja in That und Wahrheit, das ist Musik, wie sie der hl. Bernhard verlangt, wenn er sagt: „oantuw oi iusrit, xlenns t Ai'Lvitats, nee laooiviaw. rssonst, noo rrwtüoatvm, sio 8Ug.vi6, ub non Isvio; sia uruleeat aur63, nb vaoveat: ooräa." Papst Pius IV. selbst ließ sich von seiner Kapelle diese Jmproperien aufführen und legte das Geständniß ab, daß seine Erwartungen vollauf übertreffen seien. Palestrina's Ruhm wuchs und er wurde im Frühjahr 1561 Kapellmeister der liberianischen Hauptkirche zu Nom, genannt Sta. Maria Maggiore. .Hier wirkte er volle zehn Jahre, hier gelangte er in den vollen Besitz 34 der Kunst und ist diese Periode die glänzendste seines Wirkens und Schaffens als Tonkünstler. Das Concil von Trient, das sich bekanntlich auf das eingehendste mit einer rctoimatio in caxitc sd mornlzris beschäftigte, that dies auch betreffend den Kircben- gesang und die Musik und stellte den Satz auf, daß stets darüber strenge gewacht wird, daß „ab ecclcsüs ruusicas sas, ul>1 sivs or§auo, sivs cautu lascivuru ant im- xurniu alic^uiä uiiscstur — arcsaub." Der hl. Stuhl wollte eine einfachere Compositionsweise, als sie durch den figurirten Stil der Niederländer in den Kirchen der katholischen Christenheit üblich geworden war, er wollte größere Deutlichkeit und Verständlichkeit des gesungenen Texteswortes, als eine solche bisher bei einer großen Anzahl von vielstimmigen Kompositionen, darunter namentlich von Messen, möglich gewesen. Palestrina erhielt den Auftrag, nach diesen Wünschen eine Messe zu componiren, er kam dem Wunsch mehr nach als er gestellt war und schrieb drei Messen, deren letzte er zum Andenken an den ihm wohlwollenden Papst Marcellus „LIissa kaxas Narcslli" nannte. Bei den ersten Aufführungen errangen alle drei Messen Erfolg, die letztere aber einen derartigen, wie einen solchen der bescheidene Meister nicht erwartete. Pins IV. sagte nach der ersten Aufführung dieser Messe: „Dies sind die Harmonien des neuen hohen Liedes, welches einst der Apostel Johannes in dem jubelnden Jerusalem gehört hatte, von welchem ein anderer Johannes uns eine Idee in seinem wandernden Jerusalem gibt." Bekanntlich ist gerade diese Messe heute noch ein Triumph der musikalischen Kunst. Palestrina setzte diese Messe, wie die genannten zwei andern, sechsstimmig, nämlich für Sopran, Coutra-Alt, zwei Tenöre und zwei Bässe. Der allgemeine Beifall, den dieses Meisterwerk Palestrina's fand, veranlaßte Pius IV., den Meister auszuzeichnen, und er schuf für ihn den Posten eines Tonsetzers der päpstlichen Kapelle, ein Titel, den Palestrina beibehielt bis zu seinem Tode und den nach ihm nur noch ein Einziger erhielt. Auch wurde seine Pension erhöht, so zwar, daß er von jetzt an monatlich elf Scudi als solche erhielt. Es wurde schon die Frage aufgeworfen, warum der Papst Palestrina nicht den Titel eines Maestro der päpstlichen Kapelle verliehen habe, ein Titel, den er schon vorher geführt und der bei allen angesehenen Kapellen damals üblich war? Die Antwort ist leicht. Dieser Titel kam bei der päpstlichen Kapelle von jeher nur einem Prälaten zu und war dieser Titel mit besondern Auszeichnungen verbunden. Palestrina aber war ein Laie und zudem verheirathet, von dem alten Princip aber konnte nicht gut abgegangen werden. Ganz kurze Zeit nach seiner Ernennung starb Pius IV. und nun glaubten die Kollegen Palestrina's, daß letzterer wieder entfernt werden könne, allein sie täuschten sich, denn Pius V. und seine Nachfolger ließ Palestrina und seinem großen Genie Gerechtigkeit widerfahren, er blieb in seinem Amte zum Wohle und Stolze der Kirche und der Kirchenmusik. König Philipp II. von Spanien hat große Verdienste sich erworben betreffend die Verherrlichung des Gottesdienstes in seinem Reiche, besonders auch betreffend die Kirchenmusik speziell in seiner Hofkapelle zu Madrid. Aus diesem Grunde wurde Palestrina aufgefordert, dem Könige seine Messe kaxas NarcsIIi zu widmen, was der Meister auch gerne that. Er fügte noch andere Messen, vier- und fünfstimmige, bei und setzte eine sehr bescheidene Dedikation voraus, der wir folgende Worte hier beisetzen : „Owavissiworum st rsliAiosissiworuraliomimiin sscutus Consilium, aä sauctissiraum Llissas sacri- siciuur uovo ruoäorum Asnsrs äscoranäum oiuus msum stuäiunr, oxsram inäustriawgus contuli. Von seiner Llissa I'axas Llarcslli aber sagt er in der Dedikation: „lros iu§suii rusi couatus uou Huiäsw xriruos, ssä tarnen Isliciorss, ut spsro, luas wajsstati xotissinium inäicanäos sxistirnavi." Nahezu zu gleicher Zeit widmete unser Meister auch dem Cardinal Hippolyt d'Este, Herzog von Ferrara, einem begeisterten Anhänger guter Kirchenmusik und ebenso hochherzigen Beschützer derselben, einen Band fünf-, sechs- und siebenstimmiger Motetten, und auf's neue dem König von Spanien einen Band weiterer Messen, acht an der Zahl. Von Interesse mag sein, daß der Meister sich damals beklagte, daß die Tonsetzer seiner Zeit oft unzüchtige Gedichte wählen, um Musik dazu zu schreiben, ein Beispiel, dem er niemals folgen werde, zumal bei seinem gereiften Alter — matura jam st vsr-Asnti all ssniuin astats. Hier mag die Bemerkung gestattet sein, daß Palestrina als ganz jugendlicher Komponist mit mehreren Madrigalen wegen der mitunter anstößigen Dichtung Anstoß gab. Er bereute aber dies als einen jugendlichen Fehler, was aus einer Dedikation der (lautlos, canticorum an Papst Gregor XIII. hervorgeht, worin es heißt: „st orulissoo st äolso, seä yuauäo xrastsrita inutari uou xossunt, uoo isääi ivtscta, g!uas tacta säur siut, Consilium rnutavi", und an einer andern Stelle: „sx gas autsur si coZitars cosxi, Quantum iu wusica xrokscisss cxistirnarsr, äscrsvi toturu äivinis lauäidus cou- sscrai-s." Und Palestrina hielt fein Wort getreu. Nachdem im Jahre 1571 der Kapellmeister zu St. Peter im Vatican mit Tod abgegangen war, übernahm Palestrina auf vielseitiges Ersuchen diese Stelle, obgleich er dadurch die Hälfte seines Monatsgehaltes einbüßte, den er bei der Hauptkirche Sta. Maria Maggiore bezog. Er war jetzt Compositore der päpstlichen Kapelle und zum zweitenmale Kapellmeister in der vatikanischen Hauptkirche. Zu gleicher Zeit erhielt er auch die Stelle im Dienste des hl. Philipp Neri, des Stifters der Väter vom Oratorium, welcher einer der eifrigsten Förderer der Kirchenmusik zu damaliger Zeit war und dem Palestrina schon längere Zeit mit inniger Frömmigkeit anhing. Die Jünglinge des Oratoriums hatten schon längere Zeit die Werke Palestrina's mit größtem Eifer einstudirt und aufgeführt und begrüßten mit größter Freude sammt ihrem Führer diese Ernennung. Trotz seiner Doppelstellung war es dem riesigen Fleiße des Meisters dennoch beschieden, auch in dieser Periode seines Lebens eine sehr große Fruchtbarkeit zu entfalten, indem er mehrere Sammlungen von Messen und Motetten herausgab. Von letztem sind besonders der Erwähnung werth: „kuit lroiuo missus a Oso", „Irasc äiss yuana kocit Oo- miuus« und „o bollc 5ssu cxauäi wo". Zu gleicher Zeit errichtete er und leitete mit dem Kapellmeister Nanini eine Musikschule in Rom, die erste, die von einem Italiener dort errichtet wurde, die vorzügliche Meister hervorbrachte und welche durch die Pflege des Palestrina- stils einen beinahe hundert Jahre lang andauernden und für ganz Europa bestimmenden Einfluß auf die Verbreitung dieser Satzweise ausübte. Zu all diesen Geschäften übernahm er auf Befehl des Papstes Gregor XIII. mit seinem Schüler Guidetti die Verbesserung des Graduelle und des Antiphonars, einen Auftrag, dem er innerhalb dreier Jahre, zurückgezogen von der Welt, in seiner einsamen Wohnung nachkam. Nach Ablauf dieser Zeit widmete er dem Papste „das hohe Lied Salomons", 29 Motetten, in denen alles nach dem Bericht eines vorzüglichen Kenners „groß und erhaben, kunstvoll und gemüthvoll, neu und interessant ist und rührend und überraschend wirkte". Er erhielt in Folge dessen den Titel: kriuoips ciaila Llnsion, eine Auszeichnung, die vor ihm keinem Musiker zu Theil geworden war. Sofort ließ der Meister einen zweiten Band Motetten folgen, im gleichen Stil gehalten. (Schluß folgt.) Die Encyklika über das Bibelstttdinm. Das päpstliche Aktenstück von» 18. November d. Js., das in Form eines Rundschreibens an den gesammten katholischen Episkopat das Studium der heiligen Schrift behandelt, ist ein hochbedeutsames Dokument, bestimmt und geeignet, eine neue Aera der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Bibel in der katholischen Kirche zu eröffnen. Der Eingang der Encyklika „kroviäantissiurug Darm" geht von dem Wesen und Grundcharakter der Schrift aus, um aus diesem ihren Werth und die Nothwendigkeit ihres Studiums zu begründen. Die heilige Schrift ist die eine Quelle der göttlichen Offenbarung: daher ihre Würde, daher ihre Stellung im theologischen Studienplan, daher die Nothwendigkeit und die Berechtigung, das Bibelfach zum Gegenstand intensivster gelehrter Thätigkeit zu machen. Der hl. Vater erkennt an, daß besonders in der Gegenwart es nicht an katholischen Gelehrten fehlt, die die bibliologische Literatur mit schätzbaren Beiträgen bereichert haben, erklärt jedoch ausdrücklich die Vermehrung dieser Fachgelehrten, namentlich aus dem geistlichen Stande, für höchst wünschens- werth. Das Studium und die gelehrte Behandlung der hl. Schrift den Zeitbedürfnissen anzupassen, ist der besondere Zweck der Encyklika. Der an das Exordium sich anschließende erste Theil der Encyklika bespricht die Bedeutung der Schrift für die gesammte Pastoraldidaktik, also ihre homiletische, katechetische und mannigfache paränetische Verwerthung. In erster Linie und immer wieder soll der Prediger die hl. Schrift im Munde führen, aus die Schrift sich berufen, durch die Schrift begründen, die Schrift inter- pretiren; die Schrift, gleichsam ein Ausfluß des göttlichen Hauches, wird seinem Worte mehr als menschliches Gewicht und Ansehen verleihen: der Schrifttext gestattet ihm auch dann, mit apostolischem Freimuth aufzutreten, wenn seine eigenen Worte mißdeutet oder übel aufgenommen würden; die Schrift wird eine kräftige, männliche, wahrhaft salbungsvolle Beredsamkeit auch dann ermöglichen, wenn die natürliche Rhetorik versagt. Ebenso berechtigt wie beachtenswert ist des Papstes Tadel über jene Prediger, die die Lehren der Offenbarung und namentlich auch die Vorschriften deS Sittengesetzes, die doch, so weit sie Lehren der katholischen Religion sind, übernatürlichen Charakter haben, fast ausschließlich durch natürliche und menschliche Autoritäten und Motive stützen und beweisen wollen. Man hört da eine Menge Utilitäts- und Opportunitätsgründe, Aussprüche von Philosophen, Citate aus Dichtern rc. Das ist das Geheimniß des Mißerfolges gar mancher Kanzelvorträge, denen es an oratorischem Schmuck aller Art nicht mangelt; sie lassen den Verstand leer und das Herz kalt, denn in ihnen leuchtet weder göttliches Licht, noch brennt göttliches Feuer. Anders, sagt die Encyklika, haben alle großen und heiligen Prediger gethan, anders die heiligen Väter, anders die Apostel, anders Christus während seines Erdenwandels. Freilich genügt zum Erfolge nicht die materielle Kenntniß und Anwendung des Schriftwortes; denn die Schrift ist nicht wie sonst irgend ein Buch zu betrachten und zu behandeln (uegus anim eornua — saarorum — ratio lidrorura similis atgus Lvra- lüuuiuni xutauän 68t); ihr Studium erfordert eine übernatürliche Weihe, deren Elemente wir mit den Ausdrücken des Originaltextes der Encyklika andeuten wollen: iut6§ra,s piaagua voluntatis llabituo, kuiuUis prs- ontio, sauotimouin vltas. Im zweiten Theile der Encyklika wird eine historische Uebersicht der biblischen Studien und der kirchlichen Veranstaltungen zu deren Förderung von der christlichen Urzeit an gegeben; dieser Abschnitt des päpstlichen Dokumentes ist ein Muster kompendiöser Darstellung; knappe Form ist hier in meisterhafter Weise mit übersichtlicher Anordnung und relativer Vollständigkeit verbunden. Unter den Vertretern einer ausgedehnten theologischen Verwerthung der hl. Schrift im apostolischen und patristischen Zeitalter fehlt kein bedeutender Name. Von den Apologeten wird an erster Stelle Justinus genannt. Die alexandrinische und die antiochenische Katechetenschule werden in der Encyklika in desclben lähmendsten Weise erwähnt, obschon sie, wie bekannt, verschiedene Richtungen verfolgten. Der Papst erkennt aber beide Richtungen als in ihrer Art berechtigt und ersprießlich an, ohne selbstverständlich die Ausartung der allegorisirenden Schriftdeutung zu billigen. Mit besonderer Auszeichnung nennt die Encyklika Origenes und seine Hexapla. Dieses Riesenwerk verdient es wahrlich, in einem solchen Dokument lobend erwähnt zu werden; behufs Herstellung eines möglichst korrekten Scptuaginta- Tcxtes unternommen, enthielt es den hebräischen Text des Alten Testamentes in hebräischer Schrift, denselben Text in griechischer Schrift, die griechischen Uebersetzuugen des Aqnila, des Symmachus, der Septuaginta und des Theodotion, sowie stellenweise noch die in derselben als Quinta, Sexta und Septima bezeichneten Uebertragungen (daher auch die Namen Octapla und Enneapla). Die Bestrebungen und Verdienste der nachpatristischen Zeit und der Scholastiker bezüglich des Bibelstudiums werden in prägnanten Zügen und lichtvoller Charakteristik vorgeführt. Mit der Errichtung von Lehrstühlen für die orientalischen Sprachen an verschiedenen Universitäten durch die Päpste hebt im vierzehnten Jahrhundert eine neue Epoche des Bibelstudiums an: die philologische Behandlung der hl. Schrift durch Zurückgehen auf den Urtext und durch Vergleichen verschiedener Recensionen und Uebersetzungen. Die orientalische Philologie stand zunächst im Dienste der Bibelforschung und ist auf kirchlichem Boden erwachsen. Wieder eine neue Zeit für die Pflege der Bibel- kenntniß und in weiterer Folge für die wissenschaftliche Bearbeitung der hl. Schrift brach mit der Erfindung der Buchdruckerkunst an. Der Papst nennt diese Erfindung eine glückliche (arta nova lidraria, telicütsr invautu) — die beste Illustration für die „Bildungsfeindlichkeit" der Kirche. Für die Bibel bestand die erste Folge der Erfindung der Typographie in einer nie dagewesenen Vermehrung ihrer Ausgaben und Verviel- 36 fültigung ihrer Exemplare; die hl. Schrift wurde eben jetzt, wo sie so leicht zugänglich war, begreiflicher Weise weit allgemeiner gelesen, als früher, und die Kirche erließ kein Verbot des Bibellesens seitens der Laien, so lange nur katholische Bibelausgaben hergestellt wurden. Jedermann freute sich, sein eigenes Bibelexcmplar zu besitzen (multiplioata xraelo saora exainplarra . . . eatlroliaum Huusi ordow. oonaplavarint), zu einer Zeit, von der die Protestanten behaupten, die hl. Schrift sei beim Volke und so ziemlich auch bei der Geistlichkeit unbekannt gewesen. Daß die hl. Schrift auch vor und nach Erfindung der Buchdruckerkunst in die verschiedenen Landessprachen, namentlich auch häufig ins Ober- und Niederdeutsche, übersetzt wurde, ist eine bekannte Sache. Die Buchdruckerkunst steht übrigens schon deswegen zur hl. Schrift in inniger Beziehung, weil sie ja an dem „Buch der Bücher" zuerst erprobt wurde. Nach Erwähnung der Blüthe der biblischen Erudition, namentlich der Exegese in der vor- und nach- tridentinischen Periode, kommt die Encyklika auf die Sorge der Päpste für Herstellung korrekter Editionen der Vulgata und der Septuaginta zu sprechen. Die von Sixtus V. veranlaßte römische Ausgabe der Septuaginta erschien im Jahre 1587 und wurde mehrmals (in Paris, London rc.) nachgedruckt. Was die Vulgata betrifft, so überließ das Konzil von Trient, indem es dieselbe für authentisch erklärte, dem apostolischen Stuhle die Besorgung einer korrekten Ausgabe. Nach langen Arbeiten zur Feststellung eines kritisch zuverlässigen Textes erschien zu Nom 1592 unter Klemens VIII. die offizielle Edition der Vulgata. Von den Polyglotten erwähnt die Encyklika die Antwerpeucr und die Pariser, die Komplntenser wohl deßwegen nicht, weil ihr Inhalt in die beiden genannten aufgenommen wurde. Die erste Polyglotte Bibel ließ nämlich der große Kardinal Limeues in Alcala de Henares (lateinisch Lomxlutum), wo er die berühmte Universität gegründet hatte, herstellen, die 1514 bis 1519 in sechs Bänden erschien. Sie enthält nur das Alte Testament, und zwar: den hebräischen Text, die Vulgata, die Septuaginta, zu dieser eine wörtliche lateinische Uebersctzung, eine chaldäische Paraphrase, gleichfalls mit einer wörtlichen lateinischen Uebersctzung. Die Antwerpener Polyglotte, im Auftrage Philipps II. von Spanien veranstaltet unter der Leitung des berühmten spanischen Theologen Benedikt Arias, zubenaunt Montanus, kam 1568 bis 1592 heraus in acht Foliobünden und enthält nebst den Texten der Komplutenser Bibel noch einige chaldäische Paraphrasen (Targumim) und das Neue Testament in griechischem Texte, in der Vulgata, in einer syrischen, sowohl mit syrischen als mit hebräischen Lettern gedruckten Ueber- setzung, der wieder eine lateinische Uebersctzung beigegeben ist. Die 1645 in zehn Foliobänden herausgegebene Pariser Polyglotte umfaßt außer dem Inhalte der Antwerpener im Alten Testamente eine zweite syrische und eine arabische Uebersctzung mit begleitender lateinischer Version und den samaritanischen Pentateuch, im Neuen Testamente eine arabische und eine dazu gehörende lateinische Ucbersetznng. Die später von protestantischer Seite veranstalteten Polyglotten sind selbstverständlich Übergängen, da ja die Encyklika sich nur mit dem Bibelstudium auf katholischem Boden beschäftigt. Im übrigen ist es ebenso bedeutungsvoll, wie dankenswert!), daß die Encyklika ausdrücklich betont, daß es auch nach der an das Tridcntinum sich anschließenden Periode, bis in die Neuzeit, in der katholischen Kirche nie an lobenswerthen Leistungen im Bibelfache gemangelt, und daß jedes Buch der hl. Schrift wehr als einen guten katholischen Interpreten gefunden hat. Anknüpfend an diese wahrheitsgemäße Darstellung kann der Papst mit Recht hervorheben, daß die Kirche es zu keiner Zeit unterlassen hat, dem Studium der hl. Schrift und der Verbreitung ihrer Kenntniß die gebührende Pflege zu widmen, und demnach hiezu keines Anstoßes von akathol- ischer Seite bedurfte. (Schluß folgt.) Zur Pasquill-Literatur des Mittelalters. Bei bedeutsamen, in ihren Wirkungen auch auf die Allgemeinheit sich mehr oder weniger erstreckenden Ereignissen oder Manifestationen Pflegen wir meist nur von denjenigen zeitgenössischen Urtheilen zu erfahren, welche aus dem höherstehenden Kreise der Nation stammen, von Gelehrten, von Fürsten oder deren Räthen und Gesandten. Selten aber erlangen wir darüber genauere Kenntniß, wie das eigentliche Volk dächte und urtheilte, wenn wir uns nicht ganz besonders mit diesem Studium befassen.*) Und doch sind solche Aeußerungen der Volksmeinung allzeit vorhanden gewesen und in irgend welcher Form an die Oeffentlichkeit getreten. Am freiesten zeigten sie sich natürlich, als in Folge der Reformation eine allgemeine Aufregung sich der Gemüther bemächtigte und der Geist der Kritik allenthalben sich ausgebreitet hatte. Die Form, wie diese Art von öffentlicher Meinung sich manifestirte, war verschieden. Meist im Gewände der Poesie auftretend, hatte sie im Süden, in Italien, einen mehr sarkastischen, pamphletartigen Charakter, während sie in Deutschland mehr im Gewände harmloser, wenn auch zuweilen recht derber Satire sich darbietet. Aber oft vermag sie in kurzen Worten uns ein Ereigniß in hellerer Beleuchtung zu zeigen, als dies eine seitenlange Relation eines Agenten oder Gesandten zu thun im Stande wäre. Und die Fürsten und Herren der damaligen Zeit ermangelten keineswegs diesen Aeußerungen aus der Mitte des Volkes die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, wie auch die fremden Gesandten nicht versäumten, ihren Souveränen hierüber die genauesten Mittheilungen zu machen. In Nom übte der berüchtigte „Pasquillo" eine Macht aus, der Rechnung zu tragen sogar die Päpste sich genöthigt sahen, und in Deutschland finden wir allenthalben in Archiven als Beilage zu den Akten über wichtige Ereignisse und Verhandlungen Abschriften oder wohl gar die Originale von solchen Pasquillen. Einige originelle Beispiele bietet uns eine Anzahl von solchen Spottgedichten über das Augsburger Interim. Dasselbe war bekanntlich ein Versuch Kaiser Karls V., ohne Anziehung der Kirche eine Einigung unter den verschiedenen Konfessionen herbeizuführen. Dasselbe fand aber bei Protestanten wie Katholiken eine abfällige Kritik und der gesunde Sinn des Volkes sträubte sich dagegen, daß ein weltlicher Herr in kirchlichen Angelegenheiten das allein entscheidende Wort spreche. Bekannt ist ja der Vers: „Wahr' dich vor dem Interim; Es hat den Schalk hinter ihm." Die meisten Sprüche aber treten im Gewände des Akrostichon auf. Soweit sie aus dem Kreise der Ge- ') Erst Janssen hat dies in systematischer Weise gethan. 37 bildeteren hervorgingen, sind sie wohl in der Regel lateinisch, so g. B. das folgende: Oenelogia Interim Iinmorsnm Xebula L'sgit Du Roms, Impia llLuuäuw Impia June 1'ento 12 t Komauo8 Inusbo ülorss lukero iMuue Lsrris Dx Rom» Lneowmoäa Multa. Interims Ulsro lorgueo Däax Daxio Imxis ütlrreto. Andere enthalten vielfache künstliche Wortspiele: Interim interimit, mox interimetnr et ipsuiü Interitne äivi nomine rsZio zotest, oder Nachahmungen klassischer Versmaße: Interim innltoe kaoio interirs ?eräi8 inknntee, xorimi8gus kerro Lt manne wnltn mneuln8 ernenta Oaeäs xiornm. LtrnnAniee, msrga.8, koäias, cremesgu» Rumbus, I^mxbis, Alaäiis et iZne Vnw libi tote liest st licebit teinxors xarvo Leos non lallor venit illnä temxus tzno tut xoenL8 äsäeris kuroris 6 um tuis sevio iternm iuteribis Interimistis. Die deutschen Verse sind meist derber gehalten, ja vielfach so, daß sie nicht wohl hier angeführt werden können. Nur ein Beispiel (von einem Protestanten): Interim, das ist ein Buch Nit besser, denn ein be-Spruch. TeuffelSdrcck wobt und Papstes Greuel Ein recht roh'r Vogel und Ewcl") Rombzüglich fromme Christen Ist darum erdicht' von Papisten Mich dünkt'S, sie haben sich be-. Und zum Schlüsse noch ein Exemplar, bei welchem deutsch und lateinisch auf einem Blatte vereinigt ist: Merkt »luäas Jr Jr Akostium Narrete Ncichsstett 1'raäiäit Teutschen Euch Dlsetoreiu Eur Thut üomano Reich Nott Imperator! Ist Mein. W. Hoffmann. Zusehen") Vlereeäs Das Kloster Monheim und die Reliquien der heiligen Walburga: 893—1893. Zum 1000. Jahrestag der Ncliguienübertragung und Stiftung des Klosters. Von A. Zottmann. (Fortsetzung) II. Aeußerer Glanz und höchste Berühmtheit des Klosters. 893 bis o. 1000. In Kürze sei zuerst angegeben, welches der Bestand des Klosters war. Dasselbe besaß zwei Kirchen: die neue eigentliche Klosterkirche und dann eine kleinere, aber bedeutend altere, die Peterskapelle: beide werden dusiliea?") genannt; erstere muß nach Andeutungen Wolfhards ganz die Lage und Anordnung der jetzigen Pfarrkirche in Monheim gehabt haben: nach Osten gerichtet, hatte sie drei durch zwei Säulenreihen gebildete Schiffe?") Gegen die westliche Ecke an der Nordseite war das Hanptportal 2) Ewcl — vrcvcl — Frevel. "> Von unten nach oben zu lesen. "") Wolfhard 1. o. p§. 526 u. 541. 2°) Ibiä. xss. 539. mit einer Vorhalle??) Diesem Portal gegenüber war ein zweites, südliches, welches in den Kreuzgang hinausführte, an welch letzteren sich sodann das oosmsterimn anschloß?") und darüber sowie rechts davon die Kloster- gebäude. Die Kirchweihe dieser Basilika (in Ironors Lalvatoris nostri et oxilioio) wurde jedes Jahr als hoher Festtag begangen und muß nach einer Andeutung Wolfhards in die kalte Jahreszeit gefallen sein?") Die Basilika mag auch eine ziemliche Größe gehabt haben, da nichts berichtet wurde, daß die zahlreichen Wallfahrtszüge und Pilger, die dort zusammenströmten, nicht Platz gefunden hätten. Daraus, daß Wolfhard erzählt, daß in „einen Stein neben dem Nordportale fleißig das Weihwasser nachgegossen wurde?") damit es für die Eintretenden ja niemals fehle," können wir wohl folgern, daß die ganze Kirche aus Stein gebaut war. An derselben waren auch mehrere Priester angestellt; das war schon nothwendig wegen der vielen Pilger. Wolfhard redet von drei Priestern: dem Archipresbhter, dann dem Presbyter Himondus"?), welcher, wie es scheint, die verschiedenen Weihungen und Segnungen vorzunehmen hatte,"") und sodann von dem gerade für den Altar der hl. Walburga investirten Priester MegiupertuS. Auf diesem Altar waren die Reliquien der hl. Walburga ausgestellt, vor welchen die Wallfahrer beteten und viele auch die Heilung in den verschiedensten Krankheiten erlangten; er bildete den eigentlichen Wallfahrtsaltar. Eine der Nonnen, Deithilda genannt, besorgte in der Kirche den Meßnerdienst?") Die zweite Kirche, die jetzige Peterskapelle, welche heutigen Tags in einer Vorstadt Monheims liegt, nördlich von der Hauptkirche, lag damals im Orte selbst, war also wohl die alte Pfarrkirche, und um sie hatte sich auch anfangs Liubila mit ihren Genossinnen in Zellen angesiedelt. Die Kirche gehörte auch zum Kloster und wurde ebenfalls von einer Nonne besorgt, welche dort eine eigene Wohnung hatte, denn Wolfhard berichtet, daß ihr einmal dort eine Kranke zur Verpflegung übergeben wurde;^) es war das demnach so eine kleine Filiale vom Hauptkloster. Das anfängliche Klosterpersonal ist aus dem früher angeführten Theil des Stiftuugsbriefes ersichtlich?") Liubila war Aebtissiu; ihr zur Seite standen noch vier Nonnen. Diese werden aber rasch eine Vermehrung erfahren haben; denn wenn auch aus den Erzählungen Wolfhards, daß viele, welche in der Wallfahrtskirche Heilung oder sonstige Gnaden erlangten, sich dem „Dienste der hl. Walburga geweiht haben", nicht mit voller Bestimmtheit hervorgeht, daß sie wirkliche Nonnen wurden, so können wir es doch mit ziemlicher Sicherheit annehmen. Auch das Vermögen des Klosters muß sich rasch vergrößert haben, denn Wolfhard bemerkt als Augenzeuge, daß es geradezu Sitte der Wallfahrer war, Geschenke wie Kerzen, Leinwand, Wolle u. dgl., auch Hühner, Brod, Bier rc. zu bringen?") Und bei der großen Menge der Pilger "?) Ibiä. p§. 531. -°) Ibiä. i>8. 529. -°) Ibiä. pg-. 527. -°) Ibiä. PA-. 534. -") Ibiä. i>8>. 541. -2) Ibiä. p§. 542. Wolfhard 1. o. i>§. 536. Ibiä. p-x. 541: . . . >aä eam, guas iu ipso vieo proxo moiissterium VirZsium e regions wontiz sita «8t seclesikmi ...» Otr. Anm. 24. °°) Wolfhard i>§. 534, 537, 529, 532. 38 mag das immerhin Etwas ausgemacht haben. Das war der Stand des Klosters und der Kirche zu Anfang der Stiftung, und rasch stieg dessen äußere Berühmtheit, während auch im innern Leben eine große Blüthe herrschte. Das Kloster wurde rasch so bekannt, daß Wolfhard es einfach nennt rnonastarium ounotio noduiQ („allen bekannt") und erzählt: „Das auf der ganzen Erde zerstreute christliche Volk begann voll Freude Herzuströmen, so daß täglich ununterbrochen aus allen vier Himmelsrichtungen ganze Mengen von Gläubigen schnarenweise zusammenkamen» Gott und der Mutter angenehme Geschenke darbrachten und nach erhaltener Benediktion in Frieden zurückkehrten??) Diesen großen Ruf verdankte Monheim vor Allem den vielen wunderbaren Heilungen, welche dort auf Fürbitte der HI. Walburga gewirkt wurden. Wolfhard hat sie in vier Büchern ausführlich beschrieben. Da man daraus sieht, wie weit die Pilger herkamen, so führen wir sie kurz im Auszuge an: Im Jahre 893 wurden geheilt:^) die Aebtissin Liubilla selbst von ihrem Podagra; ein Mädchen aus WomöäinAa, (Wemding); ein Lahmer, Namens Wolf- gerus, aus Llegsnslroim (Megesheim bei Oettingen); Egiuswindis aus LsrZila (Berge! in Mittelsranken), welche ein Bein zersplittert hatte; eine gewisse Geila aus LloülsnUöiin (Stopfenheim bei Weissenbnrg a. S.), welche wegen Mißachtung eines Festtages von Gott gestraft, dann aber von verkrüppelter Hand und auch von Blindheit geheilt wurde; sodann Erchauboldus aus Nur» (Alten- oder Neuen-Muhr bei Gunzenhausen). Vom Jahr 894 sind aufgezeichnet:") ein Weibchen aus dem Distrikt DraZorva (Diözese Constauz) findet wunderbar einen verlorenen Gegenstand wieder; eine adelige Frau aus Franken erfleht die Gesundheit ihres Kindes; Wunder an zwei Mördern aus der Weingegend. Ein Mann aus dem lflooostarAorvs (Neckargau) bringt sein blindes Kind und es wird geheilt; ebenso ein blinder Greis aus dem Gefolge des allemannischen Grafen Adal- bert; ferner ein Blinder aus Haiwenaskurt: (Hainsfarth bei Oettingen); Wunder beim Wallfahrtszug der Regens- burger Bürger (RsKineimio quocjus urbg cjucmäam re§a1is st inol^ta, snog aä iä uroirastsrmm trarm- misit oivso) und an einem lahmen Knaben LrisaZorvansia (aus dem Breisgau am Rhein). DaS Jahr 895") bringt bei den Reliquien der hl. Walburga Hilfe einem blinden Mädchen aus Kcmpten; der Frau Rumhilde aus dem LIis§orvs (im heutigen Lothringen, nahe an der Mosel), welche etwas verloren hat; in derselben Angelegenheit der Gisela von Thüringen, aus hochadeligem Geschlechte; ferner einer epileptischen und stummen Frau aus ^äalolteslocrd in xa§o OstelesZorvö (Adelschlag im Kelsgau, bei Eichstätt), einer Lahmen aus vkoolrinAa, (Kösching bei Jngolstadt), einer stummen Frau aus 'IsizrrinAia (Thüringen) und einer nobilis Oiötbii'Aa, bei allen in Allemannien sehr berühmt. H.nno 896") und die Folgezeit verzeichnet Wolfhard Wallfahrten und wunderbare Erholungen für Fußleidende aus dem Kloster Fulda, aus fl'ubüiga (Tübingen), "1 Wolfhard 529. Enthalten im I. Buch der Wolshard'schcn Schrift ox. 4 — 6. ") Enthalten im II. Buch in 3 Kapiteln. ") Enthalten im III. Buch WolfhardS in 3 Kapiteln. ") Enthalten im IV. Buch, ebenfalls in 3 Kapiteln. Wir haben bisher immer nach der Seitenzahl bei den Äollandisten ritirt. aus den fränkischen Provinzen, aus DrutstinZa (Wasser- trüdingen), aus Monheim selbst und sogar auS Rom (Rowavns yniäorn acivonisns); endlich mit verschiedenen Leiden Behaftete aus der Donaugegend, aus Schwaben, Franken und eine aus vrutolinga. in xago Luala- nsläioo (Treuchtlingen im Sualafeld). Außer diesen genannten führt Wolfhard noch mehrere andere wunderbare Ereignisse an, bei denen er keine Ortsnamen verzeichnet, und sagt zudem, wollte er alle beschreiben, deren Augenzeuge er war oder die ihm erzählt wurden, oder die überhaupt geschehen sind, so würde ihm die Zeit dazu fehlen. Ein anderer Grund, der die große Berühmtheit und Blüthe Monheims herbeigeführt, mag der gewesen sein, daß sich Bischof Erchambold von Eichstätt so um dasselbe angenommen hat. Es war ja schon mit seine Stiftung; dann hat auch Wolfhard gerade auf seine Veranlassung seine Berichte über Monheim niedergeschrieben;") außerdem kam Bischof Erchambold öfters nach Monheim. „Es geschah auch, daß der gottesfürchiige und fromme Bischof Erchambold, wie er nach seiner Gewohnheit ziemlich häufig that, selbst das Kloster besuchte, um die Dienerinnen Gottes zu ermähnen und in der Furcht Gottes zu befestigen." Bei solchen Besuchen hielt derselbe dann auch für das Volk Predigten ab: „Als derselbe einmal noch in dieser Kirche weilte und in hl. Eifer sich alle Mühe gab, die Seelen für Christus zu gewinnen . . . ."") Gewiß wurde durch das Bekanntwerden dieser Vorliebe des Bischofes für Monheim auch der Eifer im Volke immer größer, dorthin zu Pilgern, um so mehr, da auch ein Ablaß damit verbunden war. Und es pilgerten dorthin nicht nur das Volk, sondern auch die hohen und höchsten Herrschaften des ganzen Landes, die ja, wie bemerkt, mit Liubila verwandt waren, und das war ein weiterer Grund für Monheims Berühmtheit: es fanden sich dort ein: Hildegard, die Base des Königs und nachmaligen Kaisers Arnulph, mit ihrem Sohn Luitpold von Scheyern,") welchem Arnulph die Ost- und Nordmark zur Regierung übergeben hatte, und welcher sich gegen die Ungarn so unsterblichen Ruhm geholt hat und auch sein Leben im Kampfe gegen dieselben eingebüßt; außer diesen finden wir dort Adalbert,") den erlauchten Grafen von Schwaben, sowie einen andern Adalbert,") den Markgrafen von Babenbcrg, der im Jahre 906 zu Theres durch Heukershand fiel; zu ihnen gesellt sich noch Gisela??) die Gemahlin des Herzogs Burchard von Thüringen, Gesandte von Bischof Salomo") von Constauz, Adalbero") von Augsburg und der kgl. Stadt Negensburg "). Sie alle finden wir um den, dem Karolingerhause nahestehenden Bischof Erchambold und die bayerische Prinzessin, die Aebtissin Liubila, in Monheim versammelt, und sie alle waren Persönlichkeiten, welche in die damalige Politik stark hineinverwickelt waren; es liegt nahe, mit Suttner") zu vermuthen, ") In der xraskatio zur Lebensbeschreibung der heiligen Walburga. « 2 ) Wolfhard xss. 540 (Üb. IV, ox. 2). ") IIM. pA. 539 (I. IV, ep. 1). ") Ibüi. PA-. 526 (I, 4). ?§. 540 (IV. 2). ") ?§. 535 (III, 1). 530 (II, 1). ") 535 (III. 1). °°) ?§. 533 (II. 3). ") Eichstätter Past.-Bl. 1859. 39 daß die Fäden der damaligen Politik durch Monheim gelaufen und das beigetragen hat, dasselbe zu einem der berühmtesten Klöster damaliger Zeit zu machen, um so mehr, als Wolfhard selbst bemerkt, Hildegard sei mit Luitpold gekommen, um der hl. Walburga für empfangene Wohlthaten zu danken, und damit jedenfalls gemeint ist, daß sie bei König Arnulph wieder Gnade fand, nachdem sie vorher dieselbe verloren hatte und ihrer Güter entsetzt worden war. Wie lang nun dieser äußere Glanz und diese Berühmtheit Monheims gedauert, das läßt sich nur vermuthen. Sicher haben dieselben wenigstens abgenommen mit dem Verschwinden der nach der damaligen politischen Constellation gerade im Vordergründe stehenden Persönlichkeiten: mit dem Tode des Königs Arnulph, seiner Verwandten Hildegard und Luitpold, dann des Bischofs Erchambold und der Aebtissin Liubila, so ungefähr, wollen wir sagen, bis ums Jahr 920 herum, wird ein großer Theil dieses äußeren Glanzes weggefallen sein, wenn er vielleicht auch noch längere Zeit nachgeleuchtet hat. Die besonderen Heilungen und Erhörungeu scheinen auch mit der Zeit weniger häufig geworden zu sein. Wenigstens weiß von den vier Berichterstattern, welche nach Wolfhard die Begebenheiten in Monheim beschrieben, auch nicht ein einziger dem schon von Wolfhard Erzählten noch etwas beizufügen. Nur Bischof Adolbold sagt am Schlüsse seiner Beschreibung, daß auch jetzt noch zu seiner Zeit in allen Provinzen des Frankenreiches, wo Reliquien der hl. Walburga sind, ausgezeichnete und lobenswürdige Wunder geschehen. Aber speziell namhaft macht auch dieser nichts mehr. Man geht wohl nicht fehl mit der Annahme, daß wenigstens mit Beginn des 11. Jahrhunderts Monheim in das Stadium eines gewöhnlichen Klosters und allenfalls Wallfahrtsortes für die Umgebung getreten ist. Bemerkenswerth erscheint noch Folgendes: Im Jahre 1040 erhielten die Reliquien der hl. Walburga in Eichstütt ihre letzte Translation, und zwar in der unter Bischof Heribert theils reparirten, theils neugebauten Kirche in einem Steinsarge hinter dem Hochaltar. „Von dieser Zeit an beginnt das berühmte Wunder, daß unter jenem Sarge eine färb-, geschmack- und geruchlose Feuchtigkeit hervorquillt, St. Walburgisöl genannt." Dieser Oelfluß dauert bis zum heutigen Tage fort und war von jeher die Quelle zahlreicher Heilungen und Gnaden, so daß es nicht zu wundern, daß aus allen Weltgegenden das Verlangen nach dem hl. Oele auftauchte und sich nun die Pilgerzüge nach dieser wunderbaren Guadenquelle bei St. Walburg in Eichstätt richteten: Wir sehen, mit dem 11. Jahrhundert nimmt Monheim ab, Eichstütt aber zu. Es mag im Plan der Vorsehung gelegen gewesen sein: das Kloster Heidenheim, wo Walburga begraben, ein Jahrhundert lang als erstes Glied der Verehrung derselben bestehen zu lassen und durch Wunder auszuzeichnen. In das Erbe Heidenheims treten Eichstätt und Monheim, jedes durch einen Theil der hl. Reliquien; Bionheim sollte Nach Wolfhard wurden das Leben und die Wunder der hl. Walburga beschrieben von Bischof Adelbold in Lüttich umS Jahr 1006; dann von einem unbekannten Autor vielleicht im 12. Jahrh., — vom Bischof Philipp von Eichstätt Anfang des 14. Jahrh, und endlich nach den Angaben der Klosterfrauen von St. Walburg in Eichstätt Ende des 16. Jahrh. — Noch wäre zu erwähnen eine solche Beschreibung in Versen von einem gewissen Medibardus. etwa im 12. Jahrb. Sämmtlich herausgegeben bei den Bollandisten, 25. Februar. °b) Popp. Eint. u. Ausbreitg. des Cbristentbums pq'. 206. nun zuerst ein bevorzugter Gnadenort sein als zweites Glied der Walburgaverehrung, um endlich als drittes Glied für dauernd und mit der größten Bevorzugung Eichstätt zu begnadigen, wo Walburga im Tode an der Seite ihres hl. Bruders weilt. Für Monheim beginnt damit eine neue Periode. (Fortsetzung folgt.) Recensionen und Notizen. Die Glückseligkcitslehre des Aristoteles und Thomas von Aquin und ihre Recension von Dr. K. Vor uns liegt das genannte Schriftchen, „Die Glückselig- keitslehre des Aristoteles und Thomas v. Aquin, ein historischkritischer Vergleich", von Dr. Sebast. Huber, und daneben die Recension, welche in der vorigen Nr. der Beilage 31 erschienen ist. Die letztere scheint ein Urtheil über die genannte Arbeit in Anspruch zu nehmen, und spricht sich über deren Werth dahin aus, daß sie „den Anforderungen wissenschaftlicher Kritik, Unbefangenheit oder philosophischer Schulung nicht von Ferne entspreche". Damit verbindet die Recension den feinen Ausdruck ihrer Anerkennung, daß „man den Vorsatz des Verfassers, die Arbeit fortzusetzen, fast nur perhorreSciren könne". Es ist ja berechtigt, und das Interesse der Wissenschaft fordert es, daß in ihrem Kreise jede Unwissenheit und Unfähigkeit gekennzeichnet und vom öffentlichen Schauplatze verdrängt werde. Aber wenn dies geschehen soll und das Recht zu solchem Vorgehen in Anspruch genommen wird, dann müssen jene Fehler einer Arbeit klar und überzeugend nachgewiesen werden. Dazu aber hat hier die Kritik kaum den Versuch gemacht. Soll etwa der Unwerth der vorliegenden Leistung dadurch nachgewiesen sein, daß sie nicht mehr leiste, als eine „vergleichende Paraphrase" des I. und X. Buches der Ethik des Aristoteles und der entsprechenden Abschnitte aus Thomas? Sie hatte sich ja nichts Anderes zur Aufgabe gemacht, als den Inhalt jener Stücke aus Aristoteles und Thomas historisch-kritisch zu vergleichen. Durch eine Paraphrase und Erklärung beider Stücke und eine Vcrgleichung beider nebst einem Urtheil über ihr Verhältniß wäre also ihre Aufgabe erfüllt. Die einfache Lesung überzeugt, daß in der Arbeit keines dieser Dinge fehlt. Aber der Kritiker vermißt die Verwerthung „höherer geschichtlicher oder philosophischer Gesichtspunkte". Es ist nicht reckt ersichtlich, was für höhere gesehichtliche Gesichtspunkte hätten verwerthet werden sollen, wo es sich um die Frage handelt, wie Thomas den Aristoteles benützt habe. Etwa die ganze Entwicklung der betr. Gedanken, welche zwischen beiden Denkern liegt? Aber diese, so nothwendig sie sein mag, um die Fortschritte des Thomas zu erklären, so ist sie unnöthig, um diese Fortschritte durch Vergleich festzustellen. Oder etwa die spätere Entwicklung der einschlägigen Lehren? Was soll, wie es Dr. K. zu fordern scheint, das Studium Wundt's und PanlsenS — deren Kenntniß die Kritik dem Verfasser mit Diviuationsgabe abzusprechen .weiß — bei einer Vergleickung Thomas' und Aristoteles'? Das ist eine sehr seltsame Forderung. Die Kenntniß Wundts und Paulsens kann offenbar demjenigen zum Verständniß des Thomas und Aristoteles nicht dienlich sein, der die letzteren zwei aus ihren eigenen Werken gründlich kennen gelernt hat. So lange der Kritiker nicht die Güte hat, das „Viele", worüber dann „dem Verfasser die Augen aufgehen würden", genauer zu bezeichnen, wird man seiner Mahnung wenig Dank wissen. Welche „höheren philosophischen Gesichtspunkte" hätten verwerthet werden sollen, deuret die Kritik kaum an. Es ist auch nicht einleuchtend, daß „dem naivsten Dogmatismus huldige, wer den Aristoteles an Thomas messe". Uns scheint weder, daß ein solches Messen und Vergleichen Dogmatismus wäre, noch daß der Verfasser thatsächlich den hl. Thomas zum Maßstab für Aristoteles genommen habe. Doch wie sein auch sei — es ist eine starke Entstellung, daß gesagt wird, der Verfasser habe die Vergleickung nach dem Grundsätze angestellt: „Thomas bekämpft Aristoteles überall, wo er ihn auf Irrwegen ertappt, und huldigt ibm dort, wo derselbe die Wahrbeit sagt." Es beißt doch wahrlich den Sinn entstellen, wenn man dem Verfasser ein gelegentliches Citat, womit er die Behauptung belegt, daß sich das Urtheil über Thomas' SelbMändigkeit zum Bessern gewendet, verdreht in einen „Grundsatz", von dem er sich in seiner Arbeit habe leiten lassen! (Man lese 2 der Dissertation.) Aus dem Inhalt und der Methode der Schrift bringt Kritiker auch nickt einen Beleg, um dem Verfasser wissenschaftliche Unfähigkeit nachzuweisen („Mangel an philosophischer Kraft" nennt er es). n „Mangel an wissenschaftlicher Kritik und Unbefangenheit, an philosophischer Schalung, naiver Dogmatismus" ec., all diese Vorwürfe verfangen sehr wenig und werden den Verfasser unberührt lassen, wenn sie mit nichts begründet werden. Wir bemerken es noch einmal: Auch nicht mit einem Nachweis aus Inhalt und Methode der Schrift begründet Kritiker jene zarten Prädikate. Weder eine Inhaltsübersicht, noch eine Kritik des Hauptresnltates, noch eine solche der Auffassung beider Lehr- systeme, — gar nichts bringt Kritiker vor. Der fehlende Nachweis wird durch allgemeine Redensarten nicht ersetzt. Wer lächelt nicht, wenn Kritiker angesichts dieser Arbeit die Forderung stellt, „da§ ethische Wollen im Zusammenhange einer Entwicklung der sittlichen Weltanschauung zu bieten", und dem, „der dies nicht kann"(t), die „philosophische Kraft" abspricht! Als ob nicht mit der Darstellung des letzten Zieles und höchsten Gutes bei Aristoteles und Thomas, wie sie in dieser Schrift weitläufig vorliegt, die ganze sittliche Weltanschauung beider Denker in ihren Grundzügcn entwickelt wäre! Geleistetes fordern, muthet bei einem Kritiker und genauen Leser seltsam an. Und als ob nicht das „ethische Wollen" dann am besten „im Zusammenhange der sittlichen Weltanschauung entwickelt" wäre, wenn sein letztes Ziel untersucht und dargestellt worden ist! Kurz, es scheint zu ernsteren Ausstellungen gegen die Dissertation ein sachlicher Grund nicht gegeben zu sein. Darum ist auch zu wünschen, daß die Fortsetzung der Arbeit, eine Vergleichung der ganzen Ethik bei Aristoteles und Thomas, in Bälde erscheinen möge, woran der fromme Wunsch der Recension, welche so eine Kühnheit „fast nur pcrhorreScircn kaun", voraussichtlich nichts wird ändern können. Wer an der Geschichte der Ethik so viel Interesse hat, daß er das bescheidene Schriftchen selbst zur Hand nimmt, der wird dem Verfasser Dank wissen, daß er, wenn auch in der Kürze einer Doktor- arbeit, jene Grundbegriffe der Ethik, Ziel und Glückseligkeit, Wie sie Thomas von Aristoteles entnommen und entwickelt oder verändert hat, sicher, klar und gründlich darzustellen mit Erfolg sich bemühte. O. S. in Fr. Oküeium xarvnm Loatas Zlarias VirZinis oum VII xsalmis xosuitontialibus st lütanüs Lanetorum. Xilitio tsrtia. LuAnstas Viiutsl. 1893. Lnmptibno Inst. Intsr. Dr. 21. Uuttlor (21ietmel Leiten), in Call. geb. M. 1.—. - 2 i. Im Mittelaltcr war das Psältcrlein unsrer lieben Frauen in aller Händen. Daß man auch heutzutage in den Kreisen der Gebildeten wieder zurückkehrt zu der Betweise der frommen Vorzeit, bekundet vorliegender innerhalb kurzer Zeit zum dritten Mal von der rührigen Firma Huttlcr-Seitz ausgegebener Abdruck des otüoinm parvnm, diesmal vermehrt durch eine rnbricistisch-ascetische Abhandlung, die einerseits alle auftauchenden Fragen bezüglich der Recitation berücksichtigt, andrerseits die Andacht des Beters selbst bei täglicher Recitation immer neu anzuregen im Stanke ist. Papier, Druck und Ausstattung sind in jeder Beziehung musterhaft. Für eine künftige Ausgabe möchten wir die Beifügung der Gradualpsalmen wohlwollender Berücksichtigung empfehlen. Um den Gebrauch vorliegender Ausgabe auch in Instituten zu ermöglichen, die von Benediktinern geleitet werden, hat der Herausgeber die Beilage der Hymnen für Matutin, Laudcs und Hören in der ursprünglichen Form, wie sie das monastische Stundengeber bewahrt hat, auf einem fliegenden Blatte, das leicht jeweils eingelegt werden kann und zugleich einen Merkzettel bildet, in liebenswürdigster Weise zugesagt — eine Beigabe, die auch für andre Beter willkommen sein wird, da die alte Fassung der Hymnen vor Urban VIII. kennen zu lernen Vielen angenehm sein dürfte. 1) küito soptiia. Lloralis. In usum solwlaruw. Luotors Victors ltatdrsin 8. I. L.pprol>. Lmi ^.reliiep. Iri- bnr§. 8° (X, 396 x§.) II. 3.50; roli§ato clorso eorio ('/- Franzband) 21. 4.70. PridurZi Lris§., Uerclsr 1893. 2) Pogioa. In us. soliol. Unet. Oarolo Vriok 8. I. ^pprob. (nt supra). 8° (VIII, 29b x§.) 21. 2.60; reliA. (ut snpra) 21. 3.30. ibidem. k. I. Neben der großen „kbilosoxbia Imeeusis" eröffnen mit obigen die deutschen Jesuiten eine Reihe von philosophischen Schulbüchern, welche sich jener in ihrer Weise ebenbürtig an die Seite stellt. Der jedem Bande beigegebene Index atpbsbstious erleichtert auch das Nachschlagen außer dem Schulgcbrauche, um sich schnell und sicher über den einen oder andern Punkt belehren zu können. Bei aller Reichhaltigkeit ist der Inhalt kurz und bündig und übersichtlich dargestellt. Die kliilosoxbia 2Ioralis ist gleichsam ein kerniger Auszug aus der vortrefflichen, bereits in 2. Aufl. erschienenen, großen Moralphilosophie (vgl. Nr. 36 der Beilage zur Postztg. Jahrg. 1893) desselben Verfassers. Der noch größeren Uebeisichtlicbkcit wegen sollte wohl die Kirche (als Gesellschaft) und das Verhältniß der Kirche zum Staate in eigenen Kapiteln behandelt werden (wie z. B. Zigliara in seiner ?bil. 2Ior.). Recht lobenswert!) ist die wiederholt geeignetste Verwerthung der einschlägigen Rundschreiben Papst Leo's XIII. Keine der brennenden Fragen bleibt unberücksichtigt. Jede vielmehr wird eingehend und gründlich beantwortet. — Die Po tz'isa. behandelt die „vialsetiea" (eigentliche Denklehre), wie die „Oritroa" (Nostik, Erkenntnißlchrc) in durchaus trefflicher Weise und schließt sich ziemlich enge an Tillm. Peschs, 8. I., gediegene Institutlcmes loZioates (Bd. 1, 2) an. — Die Latinität ist fließend und leicht verständlich und sollte gewiß Niemanden abschrecken. Auch sind beide Bücher durch Anwendung der sogen, scholastischen Methode wohl geeignet, in besseres Verständniß des hl. Thomas von Agnin einzuführen. Beider Klarheit und Deutlichkeit gewinnt wesentlich durch den Gebrauch der Tbesen, welche stets genau erklärt und gründlich bewiesen werden. Jeder Band ist auch einzeln käuflich. Die äußere Ausstattung ist der bewährten VerlagSbandluug durchaus würdig. So wünschen wir denn den trefflichen Büchern weiteste Verbreitung und eisrige Benützung. Die Geistliche Stadt Gottes. Leben der jungfräulichen Gottesmutter Maria, geoffenbart der ehrwürdigen Dienerin Gottes Maria von Jesus, Äbtissin des Klosters zu Agreda.. . . AuS dem Spanischen übersetzt von mehreren Priestern der Congregation des allerh. Erlösers. Mit kirchlicher Approbation und Erlaubniß der Ordensobern. 2. Aufl. I. Bd. S. 90- 1016, II. Bd. S. 1327. Gr. 8». NegenSburg. Pustet 1893. Preis M. 12.—, geb. Frzbd. M. 16.-. ?. ll. Mit größter Freude begrüßen wir die neue Auflage dieses wahrhaft ausgezeichneten Werkes in zwei stattlichen Groß- oktavbändcn. Der Text selber blieb unverändert. Die Einleitung ist bedeutend erweitert. Sie bringt die wichtigsten Approbationen der „Geistlichen Stadt Gottes", sowie eine gründliche theologische Abhandlung über deren übernatürlichen Ursprung und deren Werth. Der Abhandlung 1. Theil entwickelt die Grundsätze der hl. Theologie über Privat-Offcnbarungen im Allgemeinen (Existenz, Zwecke, Kennzeichen, Glaubwürdigkeit). Der 2. Theil wendet die dargelegten Principien auf die Geistliche Stadt Gottes an und zeigt näher, daß die Verfasserin glaubwürdig, das Werk selbst nach Inhalt und Zweck geeignet ist, Ehrfurcht und Liebe für Gott und die allerheiligste Jungfrau einzuflößen, und daß gelehrte, kluge und in geistlichen Dingen erfahrene Männer daö Werk als gut und erbaulich anerkannt und bezeugt haben. — Die Geistliche Stadt Gottes lehrt uns so recht Maria kennen als „Gipfel aller Wunderwerke Gottes und würdig, Mutter Gottes zu sein" (Pins IX., Bulle „Iirskkabilis"). Sie kann nicht warm genug empfohlen werden den Priestern zu eigener und fremder Erbauung und Belehrung, aber auch solchen Laien, welche, nicht zufrieden mit einem sogen. Alltagschristenthum, ernstlich nach der christlichen Vollkommenheit streben. — Obwohl die neue Ausgabe der ersten gegenüber in mancher Hinsicht vermehrt und verbessert erscheint, ist ihr Preis bedeutend ermäßigt und verdient deßhalb, sowie für die treffliche Ausstattung, der Verleger alle Anerkennung. Mit den hochwürdigen Uebersetzern theilen wir den sehnlichsten Wunsch, daß dieses herrliche Buch immer größere Verbreitung auch in den Ländern deutscher Zunge finde, damit unsere ge- licbteste Mutter, die erhabene Königin des Himmels, die unbefleckte Jungfrau Maria immer mehr erkannt, inniger geliebt und vertrauensvoller angerufen werde. Gut-Tod-Büchlein, oder: Geistliches Sterben vor dem Sterben. Betrachtungen von Udalrikus Probst, 8. I., nach dem Exercitiengange deö hl. Jgnatins. Neu bearbeitet und herausgegeben von einem Mitglicde des Kapuzinerordens. Preis M. 1.50, geb. M. 2.—. A.Lau- mann'sche Buchhandlung in Dülmen i/W. Dieses Buch gibt eine vorzügliche Anleitung zu einem > frommen Lebenswandel und zeigt uns den Weg zum innern I Frieden und lehrt uns, daß unser ganzes Leben eine Vorberei- ' tung auf einen seligen Tod sein soll. ! — Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabbcrr in Augsburg.