Nl. 7. 15. Mum 1894. Eine anglikanische Stimme über die Bibel- Encyklica des hl. Vaters. ? Der vielgenannte „Pater" Jgnatius, Gründer und Oberer des anglikanischen Klosters Lanthony in Wales hat anläßlich der Encyklica Leo's XIII. über das Bibelstudium einen Brief der katholischen englischen Presse übersandt. Die wichtigsten Stellen dürften der Wiederholung werth sein. „Gestatten Sie mir als nicht-römischem Katholiken auszusprcchcn, mit welcher großen Freude und lebhaften Erkenntlichkeit ich die letzte päpstliche Encyklica gelesen habe. Der herrliche, wüthige und unerschütterliche Glaube, mit welcher sie für die hl. Schrift vor der ganzen Welt der Wissenschaft und des Unglaubens eintritt, ist be- wundernswerth. Am Ende des 19. Jahrhunderts die Thatsache wieder zu bestätigen, daß die hl. Schrift irrthumsfrei ist, weil sie, unter der Inspiration des hl. Geistes geschrieben, Gott selbst zum Urheber hat, ist an sich ein erhabener Glaubensakt, der die Bewunderung und die Dankbarkeit der ganzen christlichen Welt verdient! Für die Protestanten und Anglikaner müssen alle römischen und orientalischen Katholiken Gott danken, Leo XIII. einen so heldenhaften Muth eingeflößt zu haben. Es ist mir unmöglich, darzustellen, mit welchem stets zunehmenden Erstaunen ich diese weisen und wackern Worte studiert habe! Der hl. Geist allein hat sie in die Feder gegeben und die Hand beim Schreiben geleitet. Dieser zweite Leo der Große hat die Welt mit einer Fluth himmlischlichten Glaubens erhellt, der die aufrichtigen Jünger Jesu Christi trösten und beruhigen muß. Dieser übermenschliche Muth muß alle guten Protestanten vielleicht noch mehr erfreuen, als die Katholiken. Wenn die Behörden der anglikanischen Kirche es nicht mehr wagen, als Vertheidiger der hl. Schrift aufzutreten, wenn sie denjenigen ihrer Ankläger kein Stillschweigen auferlegen, welche zum autorisirten anglikanischen Klerus gehören, so müssen sie früh oder spät Abfalls- erschcinungen ohne Beispiel zu Gunsten der Kirche Leo's XIII. erwarten. Der Papst konnte denjenigen, welche noch an Jesus Christus glauben und ihn lieben, keinen größeren Dienst erweisen, als der Kirche und der ganzen Welt diese herrliche und erhabene Encyklica über das Bibelstndium zu geben. Auch werden alle aufrichtigen Christen sie mit Freude und Dankbarkeit begrüßen." k. Jgnatius wird ohne Zweifel noch zur Mutterkirche zurückkehren. Die Fortschritte der katholischen Kirche in England sind großartig. Die tüchtigsten anglikanischen Geistlichen treten über, viele würden folgen, wenn Familie und Pfründe nicht wären. Jüngst sind wiederum drei anglikanische Geistliche zum Katholizismus übergetreten. Es sind dies: der Londoner Pastor Suther- land Macklem, der Armee-Kaplan Wood und der Pastor Briggs von Devonport. Seit dem Prozeß des wegen Nitualismus angeklagten anglikanischen Bischofs von Lincoln haben sich nicht weniger als vierzehn Geistliche der Staatskirche dem Katholizismus zugewandt. Eine neue Apologie. Die Namen Hettinger, Gntberlet, Schanz und Weiß zeigen zur Genüge, daß das katholische Deutschland zur Zeit über gediegene Werke der apologetischen Literatur verfügt. Aber neben den eigenen Produkten hat die deutsche Wissenschaft stets auch fremde Arbeiten in heimathlichem Gewände neidlos aufgenommen und freudig begrüßt, wenn sie wahrer Wissenschaft förderlich waren. Dieses Prädikat dürfen wir mit vollem Rechte dem Werke des Franzosen Bongand^) vindiciren. Schon der Name des Verfassers, der dem deutschen Publikum durch seine literarische Thätigkeit längst rühmlich bekannt ist ^), bürgt dafür. Außerdem berechtigt die von ihni angewandte Methode dazu, seine Apologie eine neue zu nennen. Bougaud, 1888 als Bischof von Lnval gestorben, steht als Redner und Schriftsteller einem Montalcmbert, Lacordaire und Dnpanlonp ebenbürtig zur Seite. Freilich verräth er sich durch seinen Stil und Nationnlpatriotis- mns sofort als Franzose. Aber er zeigt sich durchaus als genialen Meister der Form, und obwohl glühend von Liebe zu seinem Vaterland«:, zeichnet er die Schwächen und das geistige Elend seines Volkes mit photographischer Treue. Die Entdeckungen des Jahrhunderts und die Fortschritte der Wissenschaft in gerechtester Weise würdigend, übersieht er keineswegs die traurigen Schattenseiten des 19. Säkulums und bezeichnet als die Hauptursache alles Uebels die Jrreligion. „Unser Jahrhundert, klagt der Verfasser mit wehmüthigem Schmerze, hätte das aller- glücklichste werden können, nur Eines fehlt ihm, Gott — und dieses genügt, um alles zu vergiften bei den Einzelnen, wie in der Familie, unter dem Volke, wie in der Gesellschaft." Im Großen und Ganzen darf man wohl Hettingers Apologie eine dogmatische, die Gutberlet's eine philosophische, die von Schanz eine naturwissenschaftlich - h i st o r i s ch - k r i t i s ch - b i b l i s ch - e x e g e t i s ch e und die Weiß'sche eine moralistisch-kulturhistorische nennen. Bougand's „Christenthum und Gegenwart" ergänzt sie nun in würdevoller Weise als eine Art psychologischer Apologie. Ausgehend von de Maistre's berühmtem AuSspruche, daß „es in der katholischen Kirche kein Dogma, ja keinen allgemeinen, der höheren Disciplin ungehörigen Gebrauch gebe, welcher nicht in den tiefsten Tiefen der menschlichen Natur wurzelte," geht der Verfasser, entsprechend dem Geiste „unseres Jahrhunderts, welches Thatsachen lieber hat als Ideen und für die Methode der Beobachtung schwärmt" (II, 482), von der Psychologie, der Methode der inneren Beobachtung aus. Dabei werden aber die äußeren Beweismittel nicht vernachlässigt, vielmehr die sicheren Resultate der Archäologie, Geschichte, Sprach- kuude, Philologie und historischen Kritik gewissenhaft und mit feinem Takte verwerthet. So ist denn das bei seinem ersten Erscheinen freudigst aufgenommene Werb) Christenthum und Gegenwart. Autorisirte deutsche Uebcrsctznng von Philipp Prinz von Nrcnverg. 1. Bd.: Religion und Jrreligion. Kirchheini, Mainz 1891. — 2. Bd.: Jesus Christus. 1693. 2) Geschichte der hl. Monika, deutsch, ebenda?. 1870. — Geschichte der hl. Franziöka v. Chantal, deutsch, Herder, Frei- bnrg 1872. ') Es liegt bereits in 5. Auflage vor, ist in's Italienische Ungarische und Kroatische übersetzt. 50 auch in deutschem Gewände einer warmen Aufnahme werth, zumal die Uebersetzung die fließende Form und den oratorischen Schwung des Originals zu vollem Ausdruck bringt. Das Werk umfaßt fünf Bände, von denen bisher zwei in deutscher Bearbeitung vorliegen. Das erste Buch behandelt in meisterhafter Weise Religion und Jrreligion, die Schönheit der einen und die Trostlosigkeit der andern, sowie die Rolle, welche beide im öffentlichen Leben spielen. Bereits hier macht B. Gebrauch von der neuen Methode, indem er die letzte Ursache der Religion im Innern des Menschen und in der Natur Gottes aufsucht. Die Vernunft und das Gewissen, die Selbstachtung und die Ehre, die Sorge um die Zukunft sind es, die dem Menschen nicht erlauben, ohne Religion, ohne Gott leben zu können. Zugleich wird gezeigt, daß weder die Naturwissenschaften, noch die Philosophie und Geschichte, noch auch die industriellen, politischen und socialen Bewegungen irgend einen ernstlichen Einwurf gegen die Religion vorzubringen vermögen. Bedarf also der Mensch nach dem Gesagten einer Religion, so wird im zweiten Buch sofort gezeigt, daß die nothwendige Religion nicht die natürliche, sondern die Religion Jesu Christi, das Christenthum ist. Auch hier geht der Verfasser nicht den gewöhnlichen Weg der Apologetik. „Du fühlst, daß der Mensch eine Religion haben muß, du weißt aber nicht, welche. Lasse die metaphysischen Fragen, die schwierigen Probleme, Wunder und Prophezeiungen bei Seite; stelle dich vor Christus hin, vor sein unvergleichliches Antlitz, sein Leben, seinen Tod, seine Lehren, seine Tugenden, wie man sich vor die Sonne stellt, aber ohne die Augen zu schließen" (1, 36). Ohne also die Unzulänglichkeit der natürlichen Religion weitläufig zu besprechen, ohne die Fragen über Möglichkeit und Wirklichkeit der Wunder und Weissagungen, über Authentizität, Unversehrtheit und Glaubwürdigkeit der hl. Schriften zu behandeln, führt B. sofort „die großartige Evidenz Jesu Christi" dem Leser vor und erbringt den eingehendsten Beweis der Gottheit Christi, indem er von der Menschheit Jesu zu seiner Gottheit, von der menschlichen Schönheit seines Charakters, seines Geistes und Herzens, seiner ganzen Seele emporsteigt bis zu der vollkommenen Erkenntniß, bis zu der demüthigen und freudigen Anbetung seiner göttlichen Natur. Gewiß eine ebenso historisch als psychologisch berechtigte Methode, hat ja der Heiland sie selbst angewandt gegenüber seinem zweifelnden Apostel Thomas, von dem schon der hl. Augustin ebenso kurz als treffend bemerkt: viäit dominom, Ooum oonkWsua esb, er sah die Menschheit (Jesu) und bekannte seine Gottheit! Der eine Satz: Christus ist Gott, schließt aber das ganze Credo in sich. Darum wird das dritte Buch „die Dogmen des Christenthums" behandeln. Da sodann unter allen Glaubensgcnossenschaften, welche sich Töchter Christi nennen, nnr eine den herrlichen Schatz seiner Lehre unverfälscht besitzt, wird im vierten Buch die Kirche dargestellt. Den Gegenstand des letzten Theiles wird „die Uebung des Christenthums" bilden. Sachlich und logisch stehen sonach alle Theile mit einander im innigsten Zusammenhang und doch bildet jeder für sich ein abgeschlossenes Ganzes. Das Unternehmen Bougauds war nach Plan und Methode keine geringe Aufgabe. Ihre Lösung ist aber in großartiger Weise gelungen. Sie ist das Meisterwerk eines scharfsinnigen Geistes und eines edlen Gemüthes. Ein unbefangenes Herz und ein redliches Gewissen wird darin die „auserlesensten geistigen Genüsse" (I, 38) finden. Möge das schön ausgestattete und preiswürdige Buch sich recht weiter Verbreitung erfreuen! Stuttgart. Religionslehrer Or. tffsoi. A. Koch. Das Kloster Monheim und die Reliquien der heiligen Walbnrga: 893—1893. Zum 1000. Jahrestag der Neliquienübertragung und Stiftung des Klosters. Von A. Zottmann. (Fortsetzung.) IV. Kurze Zeit der Neubelebung bis zur gänzlichen Auflösung des Klosters und Reformation c. 1500 bis c. 1600. In diese trüben Tage des Klosters schien mit Anfang des 16. Jahrhunderts nochmal neues Leben kommen zu sollen. Das Kloster gelangte wieder zu Vermögen; die letzte Aebtissin (Katharina Walrab) war eine gnädige Frau, besuchte durch Abgeordnete die Landtage, und waren ihr fast alle Güter in Stadt und Flur Monheim lehenbar?6) Gegen Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts begann sie auch den Neubau der Kirche in spätgotischem Stile. Bei der Ausgrabung der Fundamente geschah nun ein besonderes Ereigniß, das die Neubelebung des Klosters noch vorzüglich fördern zu sollen schien. Der Nebdorfer regulirte Chorherr ?. Balthasar Böhm erzählte nämlich in einer Walburgapredigt folgendes von diesem Fundamentgraben: „Auch zu meiner Zeit, als zu Monheim die Klosterkirch von Grund aus erneuert und ein anderes Fundament gegraben wurde, ist unter der Erd ein Altar, obwohl völlig mit Schutt bedeckt, doch ganz und unverletzt gefunden worden. Und als Andreas, der Stadtschreiber, ein Vatter unsers Ordensund Klosterbruders Sixti in Rebdorff solchem Bau als Baumeister vorstünde, hat er dieses ersehend um den Altar rings herum zu graben befohlen, damit er frey stunde: nachgehends alle Arbeiter beyseits geschafft und er mit zwey Priestern den Altarstein eröffnet, allwo er in einem Glas jenes hl. Oel (verstehe das Oel der hl. Walburga, wovon in der Predigt die Rede ist) annoch lauter, klar, rein und hell mit denen Reliquien gefunden, welches (wie der beygelegte Zettel auswiese) bei 300 Jahr allda verharret war, und weil dieser Ort drey mahl ver- bruunen, ist dieser Altar in der unterirdischen Kapell also vergraben und unbekannt geblieben." ^) Man fand also wieder den lang vermißten, kostbaren Schatz, das Palladium Monheims: die Reliquien der hl. Walburga. Der Bau der Kirche wurde nun möglichst beschleunigt, und da es doch zu lange gewährt hätte, bis man in der Kirche selbst die hl. Reliquien hätte gut und sicher unterbringen können, muß man einstweilen in einer fertig gebauten Sakristei einen würdigen, mit Gittern umgebenen Ort, vielleicht eine Art Stein- tumba, bereitet haben und dort die in einen silbernen Schrein eingeschlossenen hl. Reliquien aufbewahrt haben, aber so, daß mau sie zu Prozessionen und sonstigen feierlichen Gelegenheiten bequem herausnehmen und um- hertragen konnte. Der Güte des hochw. Herrn Stadtpfarrers in Monheim verdanke ich nämlich eine Notiz ">) Eichst. Past.-Bl. 1870, i>§. 201. ") Luidl, Eichst. Heiligthum, 1-, i>§. 222. 51 ? 4 aus dem dortigen Pfarrbuch, welche im Jahre 1618 ein Jesuit eingetragen. Diese lautet: „Wie ich von zwey alten vernomen, da sie sich in der sacristey wegen schwer- hörens und hohen alters, den sie bey 82 aä 84 (Jahr) waren, eingestelt, nach beschehner deicht mich angeredt: Herr, es ist hierin nit mehr wie vor, da ich Jung war, denn da und da ist ein großer silberner sarg oder Truhen gestanden, in dem die heiltumb und leib 8. ^Valkui-xis gelegen und darumb heißen Unser hie soviel Walburg. Discn sölbcn Castcn haben acht Meiner über die Achseln getragen, wenn man mit dem Creitz (Kreuz), (wie ihr Herr itz wieder mit dem Creitz geht) gen Otting Zu Unser lieben Frawen ist gangen. Sonst war da und da alzeit der silbern sarg (loouw rnilii mann ostoniano) aber mit gattcr (Gitter) gleich als ein Grab und in einer truhen eingeschlossen." Die Reliquien der hl. Walburga waren demnach wieder vorhanden. Der Clerus muß um diese Zeit auch zahlreich in Monheim vertreten gewesen sein. In einem Verzeichniß der verschiedenen Stellen bei Frankenstein^) werden für Monheim sechs aufgeführt: der Pfarrer, der erste und zweite Caplan, sowie der Frühmcsser für Monheim selbst, dann noch je ein Caplan für Jtzing und Warching. Für sämmtliche sechs Stellen hatte die Aebtissin das Präscntationsrccht; außerdem hatte sie es um diese Zeit auch noch für die Pfarreien Emskeim^) und Waltersperg?°) So schienen doch abermals Bedingungen vorhanden zu sein, welche den gänzlichen Verfall hintanhalten konnten. Aber andere Verhältnisse und Zeitumstände waren zu ungünstig. Es war die Zeit der beginnenden sogenannten Reformation. Der Geist der Unbotmäßigkeit, besonders gegen alles Kirchliche, und einer falschen Freiheit beim Volke und der Geist der Güterund Ländersucht bei den Fürsten nahm immer mehr übcrhand. Dadurch kam über Monheim Verderben; schon 1511 verweigerten die Bürger die Lehenspflicht; im Bauernkrieg gab es große Unruhen; diese wurden zwar niedergehalten, aber doch die Aebtissin veranlaßt, mit ihrem Konvent nach Neuburg zu flüchten, aus Furcht, vom Pöbel überfallen zu werden?') So dem Regen ausweichend, kamen sie in die Traufe, nämlich in das Netz des Ottheinrich in Neuburg, für welchen nebst seinem Bruder Philipp, als Erben des verstorbenen Ruprecht, die junge Pfalz: Pfalz-Neuburg, durch den Kölner Spruch gebildet worden war. Welche zum mindesten höchst verdächtige Sache es war, ja gefährlich, unter Ottheinrichs zweideutigen Schutzmantel zu gelangen, wird uns klar, wenn wir uns nur einigermaßen in der Geschichte nach seiner Persönlichkeit umsehen. Bei Janssen^) finden mir über ihn Folgendes: „Durch seine Prachtbauten, seinen Hofstaat, seine Spiclsucht, sein ,epikurisches Leben' hatte sich Otto Heinrich so tief in Schulden gestürzt, daß er für den ,verarmtesten Fürsten im ganzen Reiche' gelten konnte. ,Aus Bedrängnis; der Schulden hatte er sich mit seinem Bruder, Pfalzgrafen Philipp, genöthigt gesehen, die Herrschaft Heidcck und die beiden Aemter Stein und Allersberg an Nürnberg zu verkaufen ... In Nürnberg daneben das Murmeln, das Amt Amberg und Sulzbach würden auch bald flattern' . . . ,Trotz der er- Falckenstein, Lutiqu. Uorägav. im Hochstisi Eichstätt, II. Tbl., pg'. 302-303. F.Nckcnsteiii, I. o. 303. «") 1>»cl. iix. 310. °>) Eichst. Vast.-Bl. 1870, x§. 202. Geschichte d. deutsch. Volkes, III., xg. 521—522. lösten Summen war Otto Heinrich immer noch von Gläubigern beladen' . . . Widmnnn schreibt, ,er war wohl seines Fürstenthums scxe Werth schuldig'." An andrer Stelle^) läßt Janssen einem Augenzeugen erzählen, daß Otto Heinrichs Gelage mit seinen Gleichgesinnten so lange gewährt, „also daß die Herrn zumal alle fröhlich und, wie sie es nennen, mit guten alten Spitzen versehen worden. Sonderlich hatte Herzog Otto Heinrich nicht wohl mehr stehen können". Das genügt; die Geschichte brauchte uns gar nichts aufbewahrt haben von des Klosters Schicksal, so könnten wir uns einbilden, daß für einen solchen Fürsten, der so gute alte Spitze sich angetrunken und bis über Hals und Kopf so in Schulden steckte, daß eines seiner Güter nach dem andern „flattern" mußte, Monheim recht bequem kam, um es in seine Tasche zu stecken. Es sind noch Nachrichten vorhanden, wie schlau er das angefangen. Die Aebtissin war mit ihrem Convent in Streit gekommen. Ottheinrich mischte sich nun so ein, daß beide Theile erst recht gegen einander erbittert werden mußten und selbst der Convent vermindert wurde. Nachdem er das erreicht, gab er sogar Befehl, es dürfe ohne sein Vorwisscn keine neue Convent» frau aufgenommen werden. Damit hatte er indirekt das Kloster auf den Aussterbeetat gesetzt?^) DaS war um 1525. Drei Jahre später, 1528, war außer der Acblissin nur mehr eine einzige Chorfrau im Kloster, und mußte dieses also von selbst sehr bald aufhören. Da er aber auch das nicht erwarten konnte, so wußte er beim Papste eine vour 5. Februar 1530 datirte Bulle durchzusetzen, des Inhalts, daß er wegen geringer Anzahl der Nonnen, sowie wegen schlechter Disciplin und unordentlicher Haushaltung derselben, das Kloster aufzuheben berechtigt sei. Er selbst aber schickt erst im Winter darauf seinen Pfleger nach Monheim, um sich erkundigen zu lassen, wie es mit der Verwaltung nnd Disciplin, uiit Gottesdienstordnung und kirchlicher Gesinnung u. dgl. bei den Nonnen steht. Wir sehen, welch ein ganz widriges Spiel er mit dem Kloster treibt und wie er, um die Aufhcbungsbulle zu erschleichen, den Papst nach allen Dimensionen belügt und betrügt: erst wirkt er dahin, daß alte Klosterfrauen ausgeschlossen und neue nicht aufgenommen wervcn, dann bittet er, wegen zu geringer Anzahl der Klosterbewohucr, um Erlaubniß, das Kloster aufheben zu dürfen; ferner schreibt er nach Rom, daß schlechte Disciplin rc. im Kloster herrsche, und erst fast ein Jahr später erkundigt er sich über die zwei noch übrigen alten Klosterfrauen» wie es eigentlich mit ihnen sieht; vorher wußte er nichts davon und konnte also kein Urtheil abgeben. Im Besitz der Aushebungsbulle, „ließ der Herzog Alles im Kloster Inventarisiren, stellte 1531 der Aebtissin Cnratoren zur Seite, und als dieselbe am 10. Januar 1533 mit Tod abgegangen war, nahm er Ornate und Gelder in Beschlag. Zu Ostern zog die noch übrige Nonne, Martha Eschenweck, aus dem Kloster, und die Stiftung Linbilla's war erloschen."^) Wir fragen uns unwillkürlich: Was ist aus den Reliquien der hl. Walburga geworden, nachdem die berufenen Behüterinncn derselben entfernt waren. Vorläufig wurden sie an ihrem ursprünglichen Ort belassen, nunmehr unter die alleinige Obhut des Klerus gestellt: denn Ottheinrich hatte sich bis jetzt immer noch ganz gut katholisch gestellt und auch bei der Klosterannepion ganz Ibiä. 695. Neuburger Collekt. 1816, xg. 89. Eichst. Past.-Bl. 1870, xg. 202. 52 vorzüglichen Eifer für die Neinerhaltung des kirchlichen Glaubens und kirchlicher Disciplin vorgegeben: und das mußte ihn doch noch zurückhalten, sich auch an den hl. Reliquien zu vergreifen. Wenn wir nach obiger Angabe des Monheimer Pfarrbuches vom Jahre 1618 zurück- rechnen in die Jugendzeit der beiden Alten, welche die Angabe gemacht haben, daß in ihrer Jugend der Re- liguienschrein noch in der Sakristei stand, so kommen wir ungefähr auf das Jahr 1548; es werden die Reliquien noch einige Jahre länger, etwa bis 1553, erhalten geblieben sein; das ergibt sich aus folgendem Verlauf der religiösen Verhältnisse: Der Herzog warf bald seine katholische Maske ab und ließ im Jahre 1543 seine halb lutherische, halb kalvinische Neuburger Kirchenordnung erscheinen, welche allen Pfarreien Zur Befolgung vorgeschrieben wurde. Der Monheimer Stadtpfarrer hatte die Schwäche, sich der Gewalt zu fügen und dieselbe, obwohl mit Widerstreben und innerlich gut katholisch gesinnt, äußerlich auszuführen. Auch gab er dem Drängen Ottheinrichs nach und nahm ein Weib. War so der Hirte zu Fall gebracht, so ging es um so leichter, nunmehr bei der Hecrde das Luther- thum einzuführen. Es dauerte aber nicht lang, da ging der Wind wieder anderswoher. Kaiser Carl V. hatte 1547 durch den Sieg bei Mühlberg den schmalkaldischen Krieg beendigt und beschlagnahmte nun Pfalz-Neuburg für sich und machte es wieder dem katholischen Glauben zugängig. Da schrieb Stadtpfarrer Fricdl von Monheim an die bischöfl. Behörde von Eichstätt, daß er und andere, als Ottheinrich sie unter seinen Gerichtszwang zog, in dieser Nath- und Hilflosigkeit nirgends Rettung gefunden und darum die neue Kirchenordnung durch die Verhältnisse dazu gedrängt, eingeführt hätten. Schließlich bittet er, es möge diese Erklärung dem Bischof mitgetheilt und er und seine Cooperatoren demselben als „dessen arme und gehorsame Diener und Caplüne" empfohlen werden. Aus den 6. März wurden nun verschiedene Priester vorgeladen und in Eichstätt über ihren Uebertritt vernommen. Stadtpfarrer Fricdl erklärt: „Er ist bereit den ihm angethanen Zwang legal zu constatircn. Katholisch habe er immer noch gepredigt; auch in andern Stücken katholisch sich gehalten, die Kirchenordnung nur beachtet, wo er nicht anders konnte. Er hat (weil Ottheinrich keinen unverehelichten Priester mehr duldete) ge- heirathet, werde aber ohne Umstünde das Weib entlassen." Schlimmer stand es mit seinem Kaplan von Jtzing, welcher erklärte, sein Weib nicht entlassen zu können. Letzterer wurde abgesetzt und entlassen, Stadtpfarrer Fried! wegen seiner Umkehr und guten Willens, wie mehrere andere, wieder aufgenommen. Ihre Buße bestand darin: ein Jahr lang jeden Freitag die sieben Bußpsalmen mit der Litanei zu beten und jeden Freitag bei Wasser und Brod zu fasten?») Damit schien es nun sein Bewenden zu haben und Monheim katholisch bleiben zu sollen: aber es sollte vorläufig doch nicht recht zur Ruhe kommen. Durch den Passauer Vertrag 1552 kam Ottheinrich wieder in den Besitz der Pfalz-Neuburger Lande, und der verstand es nun, mit der katholischen Religion radikal aufzuräumen. Es kamen die Prädikanten der Lehre Luthers nach Monheim, alles Katholische wurde unterdrückt, ja oft, was nur an kathol. Zeit erinnerte, mit großem Haß zerstört, und die neue Lehre pflanzte nun mit Gewalt und großer Hartnäckigkeit ihre Fahne auf. Und das wird wohl auch die Zeit gewesen sein, in welcher die hl. Reliquien abhanden gekommen sind. Der silberne Schrein wird manchem Herrn gar einladend in die Augen gestochen haben und etwa in ein willkommenes Taschengeld verwandelt, die Reliquien selbst aber werden, wenn sie vielleicht nicht doch durch Fügung Gottes irgendwo erhalten ruhen, aus konfessionellem Haß oder Gleichgültigkeit verstreut worden sein. Es ist zu befürchten, meint Luidl, daß die Heiligthümer der hl. Walburga, als das ganze Herzogthum Neuburg sich „von der Römischen Kirch abgerissen und zu des Luthers Evangelium bekennet hat", eben die Gewaltthätigkeiten erlitten haben, mit welchen die Anhänger der neuen Lehre auch anderswo „die Reliquien der Heiligen angetastet, beschimpft und vertilget haben"?») Aus dieser Periode ist nun nur Weniges mehr anzuführen. 1574 wurden die Klostergcbäude abgebrochen und im Schütte liegen gelassen. Auch die Petcrskapelle wurde entweiht und in ein Wohnhaus verwandelt. Die große Pfarr- und Klosterkirche war bis jetzt immer noch nicht fertig gestellt. Es galt eben auch, was der Generalvikar Priefer bezüglich der Kirche in Mörsach in seinem Bericht geschrieben: „vioitur, man hab aufgehellt, daran zu bauen, wie der Luther aufgestanden." Sie war bisher ohne Gewölbe, so daß man in den freien Himmel Hinaufschanen konnte. Erst 1575 wird der Thurm ausgebaut, und erst als die Leute die um die Kirche herumliegenden Steine zu ihrem Privatgebrauch fortschafften, ging man daran, die Kirche selbst zu vollenden, welches im Jahre 1596 geschah?») Beim vorigen Abschnitt hat uns ein Rückblick schon ein trauriges Bild geboten: blicken wir aber am Schlüsse dieser Periode aus die Schicksale des Klosters und die Reliquien der hl. Walburga zurück, so zeigt sich uns ein noch viel traurigeres Bild: das Bild der gänzlichen Auflösung und Zerstörung; das Kloster liegt niedergerissen in Schutt, die hl. Reliquien sind vernichtet oder wenigstens spurlos abhanden gekommen, die Klosterfrauen und der katholische Klerus entfernt, die Kirche widerhallend von den heftigen Angriffen gegen den alten Glauben. Und es schien, daß nun Monheim endgiltig nach dieser Richtung hin befestigt werde und das Andenken der hl. Walburga für immer ausgerottet sei. Aber, Gott sei Dank! es schien nur so. (Schluß folgt.) Die christlichen Missionen aus den Fiji-Jnseln. 1. Die protestantischen Misstonen. (Nach einem Privatbricfe.) Ein Freund und Mitarbeiter unserer Blätter erhielt vor kurzer Zeit aus Levnka, Fiji-Jnseln, von einem dort angesiedelten Freunde ein Schreiben vom 15. November v. Js. Es verdient dasselbe, weil die christlichen Missionen besprechend, wenigstens auszugsweise in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Ein zweiter, die katholische Mission schildernder Brief ist in Aussicht gestellt, vielleicht schon unterwegs. Verfasser des Briefes ist ein k. u. k. Oberlieutenant a. D., O. v. H. Bei Jicin 1866 schwer verwundet, genas er zur Freude seiner Freunde, reiste nach Sau Francisco zu °°) Eichst. Past.-Bl. 1868, pA. 125-130. Luidl, 1. o. 222-223. b°) Luidl, I. o. M. 222. °°) Eichst. Past.-Bl. 1863, x§. 111. 53 einem dort lebenden Bruder und lebt nun als Plantagen- besitzcr seit Anfang der 70er Jahre auf Fiji-„Daß Sie den katholischen Missionen hier den Vorzug geben, wundert mich nicht?) Man muß an Ort und Stelle sein, und zwar lange, um das Treiben der Wes- leyaner *) **) richtig beurtheilen zu können. „Nicht alle, doch viele derselben benutzen die Mission nur, um, wenn auch nicht ihre eigene Tasche, doch die ihrer Gesellschaft zu füllen. „Sie beziehen reichliche Einkünfte von ihren Absendern, während die katholische Mission nicht einen Pfennig weder von der Regierung noch von der Bevölkerung einnimmt, sondern nur von der Marianischen Kongregation und der „ 800 . pro xroMAanäu siäs" in Lyon. Graf Hübner konnte bei seinem Aufenthalt nur flüchtig sehen, dennoch ist sein Urtheil über unsere Mission im Allgemeinen richtig. „Im Jahre 1839 kam William Croß, der erste wesleyanische Missionär, hieher, im Jahre 1842 katholische Missionäre, dadiehierangesiedelten katholischen Europäer ohne Seelsorge waren, keineswegs um die Protestanten zu vertreiben. Der erwähnte 1?. Brälisret begann damals seine so gesegnete Thätigkeit." „Die Wesleyaner predigten ihre Religion unter dem Namen „I^otu-äino.", d. h. „Wahre Kirche". Die Mission machte Fortschritte, da die wesleyanische ohne Con- cnrrenz war. „Damals lieferte Fiji große Quantitäten Cocos- nußöl (VVai-^Vai). Baares Geld war unter den Ein- gebornen unbekannt, und die Missionäre erhielten und forderten-von den -Eingebornen ihre Geschenke und kirchlichen Abgaben in Cocosnußöl — nahmen sie nur zu niedrigem Preise an — und verschifften sie auf einem ihrer Gesellschaft gehörenden Schiffe. Die Eingebornen nannten daher diese Religion liotu-IVa'i-'VVai (Oel- Ncligion). »Jetzt nennen die Eingebornen auch die katholische Religion I^otu-Ouva, da die Ausfnhr von Oel fast aufgehört hat und statt dessen Copra ausgeführt wird. Die wcsleyanischen Missionäre lehrten, die rathol. Kirche verdiene nicht diesen Namen, sondern sie sei eine I-otu-Imsu (d. h. Lügenkirchel). Einer derselben veröffentlichte ein wie ein katholisches Meßbuch mit rothen und schwarzen Buchstaben gedrucktes Buch. Die gemeinsten, infamsten Lügen waren in diesem Schaudwcrk über unsere (katholische) Kirche gesagt! Man muß indeß anerkennen, daß die anderen Missionäre darüber empört waren und dies Benehmen ihres ,Bruders' schärfstens mißbilligten. Sie kauften womöglich alle Exemplare zurück, und der Thäter mußte, der allgemeinen Verachtung weichend, die Insel verlassen. „Ich muß auch constatiren, daß die nicht den Wes- leyaneru angehörenden Missionäre, in jeder Beziehung besser sind, so daß erstere ihren Anhang verloren. „Obwohl nun die Missionäre große Summen aus London beziehen, kommen sie mit ihren Familien und zahlreichem Haushalt nicht aus. Aber die Gesellschaft kann oder will ihnen nicht mehr geben, die getauften Eingebornen müssen also für das Fehlende eintreten. Es *) Ick hatte Herrn O. v. H. die Urtheile Hübners in seiner Weltreise mitgetheilt. Eine Abart der Methodisten, jener auck bei guten Protestanten ibres zudringlichen arroganten Wesens wegen in übelstem Rnt'e stehenden Sekte. muß zugegeben werden, daß diese Missionäre ein ganz außerordentliches Talent zeigen, Geldquellen aufzufinden und Zahlungen zu betreiben. Ich glaube nicht, daß sie es für ihren Privatvorthetl thun, es ist für ihre Gesellschaft. Je mehr sie ihr Geld senden, desto besser sind sie in England angesehen. „Diese Steuern werden natürlich als ,freiwillige Gaben' angegeben, denn die Regierung erlaubt keine Steuern für irgend eine Kirche! Wie diese ,Freiwilligkeit' aussieht, einige Beispiele:" „Die Lulio (Distriktsvorsteher) sind getaufte Ein- geborne, meist ehrlich, aber ganz abhängig vom protestantischen Missionär. Dieser bestimmt das ,Vasia> ruisZionarz? — Missionssteuer. Sie muß in baarem Gelde bezahlt werden, und dies zu verschaffen, müssen die Leute ihre Produkte um jeden Preis verkaufen. Einigen Missionären sagt man nach, doch will ich es nicht verbürgen, sie ließen selbst von Vertrauten die Produkte kaufen und mit Vortheil verkaufen. „Wenn ein Fijianer eine große Gabe dem Missionär oder auch dem Katechisten bringt, so empfängt er seinen Dank mit den Worten: , 8 ü äolu siivoi lro-lo inulu§i!' (Der Himmel ist für Dich offen!) Das ist eine von allen Unparteiischen, auch protestantischen, die lange hier sich aufhielten, zugegebene Thatsache. „Neben dieser großen Sammlung besteht noch die ,Valca vula 1o!u° (3monatliche Sammlung: vula Mond, Monat, tolu drei). Für dieselbe werden Waaren, Früchte, Oel, Seife u. s. w. angenommen. Die Luri und 'lurauAL (Ortsvorsteher) werden von den Missionären aufgemuntert, möglichst eifrig diese .freiwilligen Gaben' einzutreiben, natürlich dürfen keine Zwangsmaßregeln angewendet werden, denn die Regierung würde sie einfach verbieten, es muß alles durch Versprechen geschehen. Viele dieser 1uran§u predigen auch selbst, und thun es gerne. Ob sie auch dazu befähigt sind, darnach fragt die Behörde nicht und der Missionär auch nicht, wenn er nur viel sammelt. Ich habe noch nie einen gehört und auch kein Verlangen darnach. Einige derselben, die das Missions-Colleginm auf der Vitu-Levu-Insel besuchten, werden von der Regierung bevollmächtigt, gültige Trauungen zu schließen. Diese sind verhältnißmäßig gebildete Leute. Sie erhalten 80—40 Pfd. St. jährlich, aber noch einen großen Antheil der Vasia vula tolu, so daß es in ihrem eigenen Vortheil liegt, sie so hoch als möglich einzukassiren. „Alle drei Monate hält der Missionär noch mit seinen Katechisten und Unter-Predigern besondere Confercnzeu ab, in denen immer das beschlossen wird, was er will. „Obwohl getauft, halten viele Eingeborue den Missionär immer noch für eine Art Zauberer, dessen Liebe Glück, dessen Fluch in diesem und in jenem Leben Unglück bringt. Allerdings lehren dies die Missionäre nicht, doch thun sie auch nicht viel dagegen, weil ihr Einfluß sinken würde. „Die Missionäre haben auch ein Recht, von ihren Leuten gewisse Arbeiten, Bebauen der Felder, Gärten, Einsammeln der Produkte, zu verlangen. Einige von ihnen mißbrauchen es! Ihre Schüler sind mehr für sie, als mit dem Lernen beschäftigt. „Auch die Eitelkeit — sie ist sehr groß! — der Fijianer wird vielfach ausgebeutet. Man sprengt z. B. aus, ein Nebendistrikt habe so und so viel an freiwilligen Gaben gespendet. Nun werden z. B. die von ^Vo iru sil nicht ärmer sein wollen! Man sagt den Lulis, die 54 Regierung werde dünn auch diesen oder jenen Wunsch erfüllen, dem reichen Bezirk zur Freude. „Natürlich weiß die Colonial-Negiernng das Alles genau, sie muß ein Auge zudrücken, es sei denn, daß ein weißer Ansiedler offiziell die Sache zur Anzeige bringt. Dann freilich müssen die Missionare alles herausgeben, die Lulis werden abgesetzt, aber — bald ist es beim Alten! Zudem verfeindet man sich auch nicht gerne mit diesen Leuten, die einem Arbeiter entfremden oder sonst das Leben unangenehm machen können. Es erklärt auch zum Theil die Furcht, oft den Haß vieler Missionäre gegen die Europäer, die angesiedelt sind. „Ich habe keine Ursache, mich über die protestantischen Missionäre zu beklagen. Sie hassen mich wohl, weil ich katholisch bin und wir Katholiken es nicht dulden, daß unsere Priester und Missionäre von diesen Leuten verlüumdet und geschmäht werden; sie wissen, daß ich ihr Treiben durchschaue, indeß auch mich nicht um Dinge kümmere, die nicht ich verantworten muß. „Noch ein Beispiel, wie die Wesleyaner Alles zu ihrem Vortheil ausnützen. Sie haben die Communion beibehalten, aber keine Beichte. Anstatt der Hostie benutzen sie kleine Kügelchen, aus Arrowroot und Stärke verfertigt. Sie entziehen den Leuten, welche unsittlich leben, z. B. Ehebruch treiben, die Communion, bis sie sich bessern. Sie heißt: OurusiAN (Ouru eintreten, 8i§n Sonne, Tag). Einzelne — nicht alle! — wesleyanische Missionäre machten eine elende Comödie aus dieser sogen. Besserung! Der Ausgeschlossene brauchte einfach mindestens 1 Pfd. St. zu bezahlen, die Besserung war Nebensache! Nur die Wesleyaner thaten dies, und es soll auch nicht allgemein gebilligt werden. „Gut, aber wie verlüumden uns Katholiken nicht nur die Wesleyaner, sondern fast alle Protestanten mit unserem hl. Ablaß! Zwei der wesleyanischen Missionäre waren allgemein wegen ihres lauten und energischen Einschreitens gegen diesen Seelenschacher bekannt, die mir persönlich bekannten Herren Webb und Gibson. Leider haben diese beiden Ehrenmänner die Colonie verlassen, und es soll jetzt wieder neu angehen. Die Londoner Leitung ruft nicht die Schuldigen ab, sondern ihre Ankläger, weil sie an Einnahmen einbüßen könnte. „Ein gewisser Ehapman, Missionär, trieb seinen Haß gegen die katholische Kirche soweit, daß er eine katholische Kirche auf ^L-su-rvo, anzündete oder anzünden ließ! Er ist in Untersuchungshaft, und man hört, es stehe schlecht mit ihm. Darauf deutet schon, daß die Wesleyaner, entgegen ihrer Gewohnheit, ungemein still und bescheiden find. Sie haben die Sympathien des Gouverneurs gewonnen. Doch Sir Baklcy, unser Ostisk-lluslios, ist ein Ehrenmann, vollkommen unabhängig, und läßt sich nicht beeinflussen. „Glauben Sie indeß ja nicht, daß ich ein Feind der Mission bin, deren Nutzen und Segen ich nicht in Abrede stelle, obwohl meine Erfahrung mir lehrt, daß Vieles nur äußerlicher Schein ist. Was mich empört, ist das Treiben dieser Missionäre gegen unsere liebe katholische Kirche und unsern, von Hübner seinem Verdienst nach gewürdigten Ist Brieloret, von dessen Leiden und Verdiensten mein nächster Brief berichten soll. Er lebt apostolisch einfach und bescheiden und beutet Niemanden aus, wie es die Wesleyaner thaten und zum Theile noch thun. „Auch sind in Li§Ii Ostnrok Hsverenfls ganz andere Leute, haben aber gar keinen Einfluß. „Sie haben wohl vom Ist Damian gehört! Wenn je Jemand die Canonisation verdiente, so ist er es. Man muß nur den Aussatz dort gesehen haben, um sich einen Begriff von dem Leben dieses Märtyrers zu machen! Wir Katholiken können auf einen solchen Mann hinweisen, wenn unsere Feinde, und gar Leute wie die beschriebenen Wesleyaner find, mit Lügen und Ver- länmduugen uns schaden wollen. „Für heute schließe ich .... . Ihr ganz ergebener O. H." Der neue Hochaltar der St. Marienkirche zu Kaiserslautern. kl Ik. Wir lcbcn in einer Knnstära, in welcher auf dem Gebiete des gesannnien Kunsigcwcrbes die profane Innendekoration, trotz vielfacher Ausartungen, ihre täglich wachsenden Triumphe feiert. Der Innendekoration privater, öffentlicher und staatlicher Räume fallen die fürstlichsten Zuwendungen anheim, sie verlangt das regste Studium, sie beansprucht und erhält das Interesse der kunstverständigen, wie der schau- und vcrgnügungSlnstigen Bevölkerung. Im Gegensatze zu diesem künstlerischen Auffvande der modernen Zeit ist die kirchliche Innenarchitektur und Innenausstattung mit einer wahrhaft stiefmütterlichen Unterstützung und mit einem relativ geringen Interesse bedacht, und nur selbstlose Künstler wenden sich den hochidealen, aber in Rücksicht aus pekuniären Erfolg und auf Anerkennung eines modernen, unk.rchlichen Publikums meist undankbaren Aufgaben zu. So viele berühmte Vertreter heute die monumentale mittelalterliche Architektur zählt, so vcrhältniß- mäßig wenige hervorragende Spezialisten weist die kirchliche Innenausstattung und besonders die Holzarchitektur auf. Um so erfreulicher ist es, hie und da in Gotteshäusern Werke der heutigen religiösen Kunst und dcS Knnstgcwerbcs zu treffen, welche den Stempel ächter Kunst, daö Zeugniß langen und gereiften kunstgcschichtlichcn Studiums, den Beweis technisch vollendeter Ausführung an sich tragen, und welche Originalität der Gcsammtform mit Reinheit dcS Stiles und geistiger Tiefe vereinigen. Als ein solches Werk möchten wir den neuen Hochaltar der von Professor Frhrn. v. Schmidt erbauten St. Marienkirche zu Kaiserslautern bezeichnen. Der Altar, entworfen von Pfarrer Stiff in Obcrwintcr a. Rhein und ausgeführt von den Gebr. Port in Münstcrmaifcld (bei Koblenz), ist sowohl in Rücksicht auf die in ihm verkörperten geistigen Ideen, als auch in Beachtung seiner künstlerischen und technischen Ausführung ein ganz hervorragendes Produkt kirchlicher Innenarchitektur und kann ohne Uebertreibung als der künstlerisch werthvollste Hochaltar der Diöcese Speher bezeichnet werden. Der fignralc Theil der Altararbeit ist von Herrn Carl Port (Kunstanstalt in Augsburg) ausgeführt. Die dem Aufbau dcö Flügcl-Hochaltares zu Grunde liegende Idee ist, nach Pfarrer Stiff, folgende: Die Vorderseite des in Stein gearbeiteten AltartischcS ist in 12 kleine Nischen und eine größere Mittelnische eingetheilt, geschmückt mit den Apostclfiguren und unserem Erlöser und die Idee versinnbildend, daß alles Heil von Christus durch das hl. Meßopfer uns zufließt, bezeugt und mitgetheilt durch die Apostel und ihre Nachfolger. Auf dem Mariische, Predella und Altar- schrein überragend, erhebt sich der Haupttheil dcö Ganzen, der weit vorspringende Tabernakel, nuten mit dem Ncpositorium, oben mit dem Expositionsthron versehen, als „turris kortitmäinis, Thurm der Stärke". Selbst bei geschlossenen Flügeln verliert der Tabernakel nicht an seiner Bedeutung. Die Thüre deö Rc- pvsitvriums schmückt eine nach mittelalterlichem Vorbilde ent- 55 worfenc, auf goldgestirntem „Himmel" sich abhebende Darstellung des Heilandes, das Kreuz in der einen Hand, die andere segnend erhoben mit der an den Friesen der Taberuakelthüre angebrachten erklärenden Umschrift: „ÜArsäis tmr vowiuus äs toeo Lancia suo, voniot nt salvet xopuluw snum. Es schreitet der Herr aus seinem Heiligthume, er kommt, sein Volk zu erlösen." Bild und Umschrift soll dem Glauben Ausdruck geben, daß alles Heil des Christen aus Christi Opfer und Sakrament stießt. Die neben dem Repositorium befindlichen vier Medaillons der Predella haben symbolische und vorbildliche Darstellungen der Gottesmutter zum Vorwürfe. In den Bildern des Altar- schreines und der über dem Schreine sich befindenden Mittel- nische kommen sodann die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes zur Darstellung. Durch diese plastischen nnd farbigen Bilder, dem Inhalte unseres ganzen Erlösungswerkes, wird dem Beschauer laut die Wahrheit gepredigt, daß wir uns die Gnade unseres ErlöserS aneignen und durch treue Mitwirkung mit derselben durch Trübsal zur ewigen Glorie gelangen werden. Bei geschlossenen Flügeln sind nur die freudenreichen und schmerzlichen Geheimnisse und oben, in vorbczeichneter Nische, die Krönung Maria sichtbar. Der Altar soll so, an gewöhnlichen Tagen, verkündigen, daß, wie Maria (ähnlich wie ihr göttlicher Sohn) sich durch Ergebung in GotteS heiligen Willen, in Kreuz und Leiden den Himmel verdienen mußte, für den Christen kein anderer Weg zur himmlischen Glückseligkeit führt. Damit aber das schwache Herz vor dem Leiden nicht zurückschrecke, ist in dem oberen Nischenraum durch die Darstellung der Krönung Maria stets dem betrachtenden Auge der Lohn deö muthvolle» und geduldigen KampfcS angedeutet. Aus diesem Grunde, nnd weil der Altar zugleich Maricnaltar ist, soll die obere Gruppe immer sichtbar sein, damit dem Erdcnpilger fort und fort das Ziel seiner Wanderung und seines Ringend ungetrübt vor Augen schwebt. Wird aber an hohen Festtage» der Altar geöffnet, dann erstrahlt derselbe in voller Gold- und Farbenpracht, dann erscheinen die glorreichen Geheimnisse in herrlichen Hochrelief- darstellungen, und es wird dem fromme» Beschauer der Lohn der treuen Mitwirkung mit der Gnade, in diesem Leben wie in dem kommenden, an dem Beispiele der Gottesmutter zu Gemüthe geführt. Die zwei Strebepfeiler des Altarschreines umrahmen die Heiligenfiguren: hl. DominikuS nnd bl. Bernhard, den Begründer des Nosenkranzgebctcö und den glühenden Verehrer Mariens. Auf der hohen Endigung der Strebepfeiler stehen Engel mit Posaunen, welche zur Mitwirkung an der im Schreine deö Altares versinnbildlichten Aufgabe des Christen mächtig auffordern. Das ist die geistige Idee des Altares, den wesentlichen Inhalt der durch Christus uns vermittelten Wahrheit, das ganze Erlösungswcrk umschließend, alles in Beziehung auf die gnadenreiche Gottesmutter, der die Kirche erbaut und geweiht, gedacht! Der Altar ist im Charakter der rhcinischen Frühgo thik gehalten und weist auf ein seltenes Vcrtrautscin mit den Formen jenes Stiles hin. Besonders reizend ist der reiche Abschluß deö Altarschreincs. Die Bildhauerarbeit, sowohl in Stein wie in Holz, ist durchgehends vorzüglich und wabrt bei Vermeidung aller anatomischen Fehler der mittelalterlichen Plastik überall den typischen Charakter der besten gothischen Vorbilder. Von jener süßlichen und schematischen Darstellung gothisch sein sollender Heiligenfiguren, mit welchen in den letzten Jahrzehnten so viele Kirchen beglückt wurden, ist nichts zu finden. Ganz ausgezeichnet ist die Polhchromirung des Flüzelhochaltareö, deren harmonische und prächtige Farbenwirkung leider in Folge der ungünstigen Beleuchtung des Chores nicht voll zur Geltung kommt. Das Material der Architekturthcile des Altares, mit Ausnahme der Mensa und des Stipcs, ist Eichenholz. Die Mensa und der Unterbau sind in grauem, die sie schmückenden Figuren in weißem Sandstein gearbeitet. Die drei Stufen des Altares bestehen aus dunkclgrauem Marmor. Das Repositorium deö Tabernakels ist mit vergoldeten und theilwcise verzierten Kupferplatten ausgelegt. Die rechts und links von demselben befindlichen Medaillons der Predella sind in Glasemail ausgeführt. Die technische Herstellung des Kunstwerkes ist eine durchaus exakte und solide. Selbst der mit elegantem Maßwerk de- korirten Rückseite des Altares ist dieselbe Sorgfalt zugewendet, wie den übrigen Theilen des Werkes. Pfarrer Stiff, der Schöpfer des Altares, und die Firma Gebrüder Port haben durch den Hochaltar der St. Marienkirche zu Kaiserslautern ein Denkmal der heutigen religiösen Kunst geschaffen, welches zur allseitigen Beachtung und zur Nachahmung herausfordert, sie haben die höchsten Geheimnisse unseres Glaubens in einer seltenen geist- und kunstvollen Weise zum Ausdrucke gebracht und sich Hiebei, als selbstlose christliche Künstler, mit bescheidenem Lohn und bescheidener Anerkennung begnügt. Möge ihnen diese Anerkennung durch diese Zeilen, wenn auch verspätet, in weiteren Kreisen zum Antheile werden! Recensionen und Notizen. Katholisches Kirchenrccht. Von Franz Heiner. Erster Band XIV und 391 S.; zweiter Band 438 S. Paderborn, Schöningh 1893/4. An Lehr- und Handbüchern des kath. Kirchenrechts ist wahrlich kein Mangel. Nennen wir unter den neueren nur Aichner, Hcrgenröthcr, Lämmer, Phillips, Scherer, Silbcrnagl, Bering, deren jedes vortrefflich ist, jedes seine eigenartigen Vorzüge auszuweisen hat. Und doch — ein gutes Buch hat man nie zuviel. Ein solches liegt uns aber ohne Zweifel in dem neuen Heincr'schen Werke vor. Der Verfasser, Schüler der berühmten römischen Kauonisten Santi und de Angeliö, bat sich auf dem Gebiete des Kirchenrechts bereits einen ehrenvollen Namen erworben durch seine Arbeiten über die kirchlichen Censuren und das Eherecht, nnd auch vorliegendes Handbuch, das in zwei mäßigen Bänden vollständig erschienen ist, zeichnet sich durch große Klarheit und Uebersichtlichkeit aus nnd empfiehlt sich dadurch insbesondere für Kandidaten der Theologie und für Seclsorgsgeisiliche, deren Bedürfnisse der Verfasser, wie er in der Vorrede selbst bemerkt, bei Abfassung des Werkes vorzüglich berücksichtigt hat. Demgemäß hat sich der Verfasser bei seinen Citaten und Literaturangabcn durchaus auf das Nothwendigste beschränkt, mit vollem Rechte. Denn ein Zuviel, ein Wald von Namen verwirrt, nnd besonders für den praktischen Seclsorgö- gcisilichen handelt es sich doch zuvörderst darum, für jede Materie den gleichsam klassischen Autor kennen zu lernen. Die Diction des Verfassers unterscheidet sich vorthcilhaft von dem vielfach sehr geschraubten und oft ungenießbaren Juristendeutsch. All dies schließt freilich nicht aus, daß nicht etwa für eine hoffentlich bald nothwendig werdende neue Auflage einige Verbesserungen wünschenSwcrth wären. Vor allem dürfte daö Register sorgsamer bearbeitet werden. Hier sucht man z. B. „Fc- bronius", „Papalsystcm", „Spolicn (-Recht und -Klage) umsonst, bei „Episeopaliystem" ist auf S. 271 verwiesen, wo aber vom Episcopalshstem als Ausfluß deö von den weltlichen Fürsten beanspruchten ins circa saora, nicht im Gegensatz zum Papalsystcm gesprochen wird. Ucberhaupt hätte das so viel besprochene Papal- und Episcopalshstem im Rahmen der geschichtlichen Entwicklung gründlicher behandelt werden dürfen, auch die wichtige Frage über die potostas ocetcsias in tcmporalia hätte im Verhältniß zu andern Partien des Buches eine eingehendere Darlegung verdient. S. 341 beißt eö: „In Bezug auf den räumlichen Umfang erstrecken sich die pfarrlicheu Rechte auf alle diejenigen christlichen Personen, welche innerhalb des örtlich abgegrenzten Bezirks ihr Domicil haben." So richtig dieser Satz rein theoretisch betrachtet ist, so wird dem Verfasser selbst bewußt sein, daß die Praxis eine ganz andere ist, und umsomchr hätte er in seinem vornehmlich für praktische Bedürfnisse berechneten Buche darauf Rücksicht nehmen und die Frage nach dem Einfluß der ConfcssiouSverschiedcuheit in Bezug auf die Pfarrangcbörigkcit erörtern müssen; s. HinschiuS, KN. 2. B. S. 313 ff.; Aichner lehrt tu seinem trefflichen Compcndium, 7. Anst., S. 431, ausdrücklich: »Lä iiarocüianos jam pertinent omncs, gut tu Irao äistrictu äomleitiuw vvl guai-iüouueilium 56 obtänuerunt vt üclal catliolieao aäüicti suut.« S. 99 läßt der Verfasser die Kvnstauzcr Shuode von Martin V. bestätigt sein, soweit ihre Beschlüsse ooneiüariter und nicht uatioualiter und in Sachen dcö Glaubens gefaßt sind, und beruft sich hiebet aus Helcle, Conc.-Gcsch. VII. 350. Letzterer handelt aber an dieser Stelle nicht hierüber, sondern S. 368 s., und ob sich die hiebet in Betracht kommende gelegentliche Aeußerung Martins V. aus das ganze Concil und nicht vielmehr bloß auf die ihr in den ConcilSakten unmittelbar vorangehenden Faltenbergischcn Händel bezieht, ist sehr fraglich; s. Tüb. Quart.-Schr. 1838, S. 451-464; Funk. KG. 2 S. 364. DaS vom Vs. S. 239 s. unter Berufung auf daß 3. karthagische und 4. latcr. Concil (citirt ist hier e. 25 X. 3. 1. cS soll heißen o. 15) aufgestellte Verbot ist, mag auch Biederlack 8. 9. (Zeitschr. s. kathol. Theol. 1894 S. 150) daS Gegentheil behaupten, in der vom Verfasser beliebten Allgemeinheit entschieden zu rigoristisch. Man sollte sich doch hüten, Bestimmungen, die vom 3. karthagischen (i. I. 397) und 4. latcran. Concil (1215) unter völlig anderen Voraussetzungen erlassen wurden, so ohne weiteres auf die Gegenwart zu übertragen. Die Verhältnisse sind nicht an allen Orten und zu allen Zeiten dieselben, was an einem Orte zum Aergerniß gereicht, muß es nicht auch an allen anderen, Mißbrauch richtet sich von selbst. Viel ruhiger urtheilt Scherer, Handb. d. KN. I. S. 375- — Druck und Ausstattung des Heincr'schen Lehrbuchs durch die rührige Verlagsbuchhandlung verdienen alle Anerkennung. _ I)r. Lob. Keiter H., Katholischer Literaturkalcndcr. IV. Jahrg. Mit 8 Porträts. Rcgcnöburg, Selbstverlag. 1894. 8°, 236 S. M. 2.90. -j- Wenn man den ersten Jahrg. von 1891 dem heurigen gcgcnübcrhält, dann kann man sich mit Recht des Fortschrittes freuen, welchen in solcher Frist das vom Herausgeber deS „Deutschen HauSschatzeS" unternommene Werk augenfällig gemacht hat. Acht (Albert-)PorträtS zieren den neuen Band: Bischof Simar von Padcrborn als Titelbild, Geh. Neg.- NathAltum, Jos. Galland ch, Propst Ant. Kcrschbaumer, Hofrath Onno Klopp, Frl. Emilie vonNiugSeiS, ?. Albert Maria Weiß und Professor H. Zschokke; das Autorenvcr- zeichniß beansprucht 244 gesp. Seiten, daran reihen sich eine Todtcnliste, eine Aufzählung von Fachzeitschriften und hervorragender Erscheinungen auf dem katbcl. Büchermarkt vom Oktober 1892 bis November 1893, eine Zusammenstellung kath. Vcrlagshandlungen und Antiquariate Deutschlands, Oesterreichs, Luxemburgs und der Schweiz; ein Anhang von 32 S. bringt „Anzeigen". Der Fleiß der Arbeit und die mühselige Genauigkeit der bibliogr. Angaben werden dem Herausgeber überall eine wohlverdiente Anerkennung gewinnen und dem Buche gewißlich einen großen Liebhabcrkreis im kathol. Publikum, auf welches es zunächst abgesehen ist, erobern, und wäre cö auch nur, baß Manchen bloß die berechtigte Nengicrde lockte, einmal eine bibliographische Statistik der literarisch thätigen Glaubensgenossen zu Händen nehmen zu können! ES ist eine nicht leicht zu lösende und dabei die Maxime für den Herausgeber bildende Frage: Wer kommt überhaupt in einen kath olis cb en Literatur- kalender? Er soll doch mehr sein als das konfessionelle Selcct aus Kürschners deutschem Literaiurkalendcr! Und dafür, so däucht uns, wäre es besser, weniger „Nummern" und lauter Namen von Verlaß zu bringen. An der hochzeitlichen Tafel des heurigen kathol. Literaturkalenders sitzt nun hie und da Einer, den ein Nachbar, der ihn zufällig vertrauter kennt als der Herr dcö Hauses, mit Verwunderung unter den Geladenen erblickt. Wir geben zu, daß eö schwer ist, sich mit den Kalender- daten zugleich gewissermaßen die Bckenntiiißtreue des Nubrikaten jeweils bestätigen zu lassen. Aber, wenn Jemand wie z. V. Professor. M . .r. v. Wbg. in seiner Lehrthätigkcit schon öffentliches Aergerniß gegeben hat, oder wenn ein Zweiter und ein Dritter nie einen katholischen Verleger respectirt oder nichts von Eörres- odcr Leogesellscbast wissen will und von ähnlichen Unternehmungen und Prüfungen einer wcrkthätigen katholischen Gesinnung —, für solche Nummern kann füglich ein „katholischer Literaturkalcndcr" Papier und Druckerschwärze sparen, sie passen besser in die indifferente Gesellschaft Kürschners. Leipold Eugen, Coinerenzlchrer (jetzt kgl. KrciSschulinspector) in Negcnsburg, Deutsche Litcraturgeschichte, in 50 Kreise abgetheilt, nebst einem Anhange über Metrik und Poetik. Straubiug, Attenkofer, 1893. 136 S. Ueber den Zweck dieses vortrefflichen Schriftchens äußert der Vers. selbst in der Vorrede: „Dieses Büchlein soll jener großen Menge von Wißbegierigen, die keine Zeit haben, in umfangreichen Werken zu lesen oder die großen Einzeldarstellungen zum Gegenstand des Studiums zu machen, einen Ucbcrblick über die wichtigsten Dichter und Schriftsteller gewähren." DaS Büchlein ist, wie aus der Praxis erwachsen, so für die Praxis bestimmt. In seiner früheren Thätigkeit als Conscrcuzlcbrcr empfand der Verf. besonders lebhaft das Bedürfniß, den Schuldicnstexspectante» eine gedrängte Uebersicht der hervorragendsten Erscheinungen auf dem weitauSgcdchnten Gebiete der deutschen Literatur zu verschaffen. Auch die Ein- tbeilung in 50 Kreise erklärt sich daraus, daß von Woche zu Woche ein annähernd gleich großes Pensum abgesteckt werden sollte, um so binnen Jahresfrist mit dem Ganzen zu Ende zu kommen. Wie sogleich c>aS Inhaltsverzeichnis; ersehen läßt, wurde die schwierige Aufgabe erfolgreich gelöst. Zu bedauern bleibt, daß nicht ein alphabetisches Vcrzeichniß der zur Besprechung gelaugten Klassiker einerseits die Benützung erleichtert, andrerseits die fast erschöpfende Vollständigkeit der zur Darstellung gebrachten Autoren erkennbar macht. In dein bereits vorhandenen JnhaltSverzeichuiß steht beim 13. Kreis Grotte, während S. 27 richtig Groote sich findet. Die Aufführung griechischer und lateinischer Klassiker (L>. 53 beim 26. Krciö) wäre besser unterblieben. Beim 41. Kreis steht im JnhaltSverzeichuiß irrig Carmen Shlvia, S. 93 dagegen richtig Sylva. Beim 43. Kreis ist S. 105 ein störendes Versehen unberichtigt geblieben; bei Wilhelm Born waren nämlich die mit Anführungszeichen versehenen Worte „Wilhelm von Born" zu tilgen, da ja nicht der Titel deS Epos, sondern daS Pseudonhm des Verfassers also lautet. Beim 50. Kreis enthält daS JnhaltSverzeichuiß den Namen NümelinS, S. 124 liest man schon richtiger NümelinS, in Wirklichkeit hieß jedoch der Tübinger Kanzler Rümelin. Ebenda (S. 124) hätten bei Alban Stoez dessen hl. Elisabeth, der Besuch bei Sem, Chain und Japhet, die Witterungen der Seele u. s. w. gar wohl eine Erwähnung verdient. Ungern vermißt man endlich unter den Dichtern der Gegenwart die Namen: Baum- gartner, Kreitcn, Lco Tcpe van Heemstede, die Novcl- listin MarieHerbert, den Satiriker Sebastian Brunner. Im Anhange über die Theorie der Metrik u. s. f. erscheint die begriffliche Unterscheidung zwischen Figuren und Tropen kaum hinreichend klar gefaßt (S. 125). Die Dichterin Sappho stammte aus Leöbos. nicht aus Lemnos (S. 131). Schließlich muß es S. 136 heißen: Makame (Sitzung, Haltpunkt, nicht: Makamanc (Unterhaltung)). Alle diese und ähnliche Ausstellungen wird der Vers. bei einer bald zu erhoffenden neuen Ausgabe leicht verbessern; denn da er keine trockene Aufzählung bietet, vielmehr eine mit frische» Farben gesättigte Darstellung, kann es ihm an der verdienten Anerkennung nicht fehlen. Möchten namentlich die Lehrer der deutschen Schule, für welche die Schrift in erster Linie geschrieben ist, auch aus ihr ersehen, welch' ein reicher, vielfach noch »»gehobener Schatz für sie in der deutschen Literatur geschlossen ruht! Schenz. Der fromme Verehrer des hl. Josef oder der Monat März, geheiligt durch fromme Uebungen zur Verehrung dcö hl. Josef. 3. Anst. Frciburg, Herder. Preis in Lwd. mit Notbschnitt M. 1.60, in Schaflcder mit Goldschnitt M. 2.20. r Dieses hübsch ausgestattete Andachtsbüchlein wird jedem Verehrer des hl. Josef willkommen sein, der denselben durch einen ganzen Monat hindurch in besonderer Weise feiern will. Die Beispiele, welche in dem ersten Theile jeder einzelnen Betrachtung beigefügt wurden, sind von frommen, glaubwürdigen Männern erzählt und auS den bewährtesten ascetischen Schriften aufgenommen worden. Der zweite Theil enthält Andachtsübungen zn Ehren des hl. Josef, eine ncuntägige Andacht zu demselben, Litaneien, Psalmen rc., dann allgemeine Andachts- übuugcn wie Morgen- und Abendgebete, Mcßgebete, Beicht- und Communionandachteu. _ Kurze Lebensbilder von Heiligen. Von M. Nedcatiö. Verlag von Bcnziger u. Cie., Einsiedcln. T In einer ganz allerliebsten Ausstattung liegen uns aus oben genanntem Verlag kurze Lebensbilder von Heiligen der katholischen Kirche vor. Es sind kleine Heftchen von 16 kleinen Seiten in gefälliger Schrift mit Rothlinien-Eiufassung, welche je ein Lebensbild eines Heiligen oder einer Heiligen in kurzer prägnanter Schilderung geben und recht ansprechend geschrieben sind. Die Heftchen, welche vom Herrn Bischof in Chur appro- birt sind, eignen sich besonders zu kleinen Namenstaggcschenken. Der Preis ist nur 10 Pst Per Heftchen. Bis jetzt umfaßt die Serie der erschienenen Heftchen 46 Heilige. Verantw. Redacteur: Phil. Frick in AuzSbnrg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabhcrr in Augsburg.