22. Mrnar 1894. öil'. 8. Der gegenwärtige Stand der Hydrotherapie. Von vr. H. Euringer. Die Behandlung von Krankheiten mit Wasser ist nichts Neues. Sie läßt sich bis zu den Zeiten des Hippokrates zurückverfolgen, und schon Asklepiades hatte den Beinamen Psychrolutes (Kaltwasserbader). Kaiser Augustus und Dichter Horatius wurden schon von An- tonius Mufa mit bestem Erfolg hydrotherapeutisch behandelt. Es gab allerdings im Laufe der Zeiten verschiedene Perioden, wo das Wasser von andern Heilmethoden mehr in den Hintergrund gedrängt wurde, um dann nach kürzerer oder längerer Pause wieder in der Werthschätzung der Patienten zu steigen. Dazu trugen — das kann und soll nicht geleugnet werden — namentlich zu gewissen Zeiten hervorragende Laienhydrothera- peuten bei, wie z. B. ?. Bernhard, ein italienischer Kapuziner, der schon 1724 auf Malta „das Barfußgehen auf kalten Steinen, nassem Boden und frischem Schnee" schilderte, Umschläge und „Aufschläger" anwandte, ferner der geniale Bauer und Thierarzt Prießnitz 1799 und heute der gefeierte Empiriker Pfarrer Kneipp. Daneben entwickelte sich unentwegt die wissenschaftliche Hydrotherapie weiter, und wenn auch manche Aerzte aus Skepticismus oder aus — Bequemlichkeit nicht viel davon wissen wollten, so hat es doch jeder Zeit bis auf den heutigen Tag zahlreiche und bedeutende Vertreter und Anhänger dieser Heilmethode unter den Aerzten gegeben, wovon die zahlreichen Schriften aller Zeiten über diesen Gegenstand und die vielen ärztlich gegründeten und geleiteten Wasserheilanstalten Zeugniß geben. Den gegenwärtigen Stand dieser Frage mögen uns einzelne Aussprüche bekannter Aerzte verschiedener Länder illustriren. Italien: Pros. Semmola von der Universität Neapel, ein persönlicher Zeuge der Prießnitz'schen Zeiten und Erfolge, schreibt in einem Werke (1890), das durch ein Vorwort von Pros. Nothnagel in Wien besonders empfohlen wurde: „Bei Organerkrankungen, die aller Behandlung trotzen, weil sie durch bestimmte Veränderungen im Stoffwechsel begünstigt werden, kann der Arzt in vielen Fällen eine wahre und wirkliche Kur vollbringen, indem er ohne jedes Mcdicamcnt alle Funktionen des Organismus zur höchsten Thätigkeit anspornt und zwar durch bloße Anwendung der gewöhnlichen physiologischen Agentien und hauptsächlich der Hydrotherapie. „Der methodische innere und äußere Gebrauch des WasscrS im Vereine mit Klima, Bewegung rc. sind die Mittel, wodurch die Wasserheilkunde die Hautthätigkeit anregt und damit alle Funktionen des Stoffwechsels und der Ausscheidung, so daß oft wahre Wunder von Heilung bei ernsten und desperaten Krankheitsformen beobachtet werden." In dem IV. Congreß der SocietL Jtaliana di Jdrologia zu Florenz im Jahre 1892 sprach unter andern Pros. Canova von Adorno über die Wasserbehandlung der Nückenmarksschwindsucht. Er kam zu dem Schlüsse, daß die Hydrotherapie für die Behandlung derselben von kapitaler Bedeutung sei. Cantani verwendet seit vielen Jahren das kalte Wasser theils mittelst Trinkens, theils mittelst Einziehungen zum Zwecke der Wärmeentziehung bei fieberhaften Erkrankungen. Er läßt z. B. beim Flecktyphus den Kranken binnen 24 Stunden 5—6 Ltr. eiskalten Wassers nach und nach trinken und erreicht damit eine merkliche Abkürzung der Kraukheitsdauer. Frankreich: Dujardin-Beaumetz sagt in seinen klinischen Vorlesungen (Therap. Gazette 1888): „Die günstigen Erfolge des kalten Wassers bei der Behandlung von Krankheiten rühren von seiner Physiologischen Wirkung auf die Circutaiion, das Nervensystem, die Ernährung, sowie von seiner revulsiven und wärmeherabsetzenden Wirkung her." Jacquet glaubt, daß die methodische Anwendung der Hydrotherapie bei Hautkrankheiten, die von Störungen des Nervensystems abhängig sind, mehr als billig vernachlässigt werde. Er räth, Hiebei öfters, als dies bisher üblich, zur Hydrotherapie seine Zuflucht zu nehmen und zwar in Form von Donchcn und kurzen kalten Ueber- gießuugen. Pros. Peter von der Vools äs Llsäioens sagt in seiner Vorrede zu dem Werke von Duval: „Hydrotherapie genügt in den meisten Krankheitsfällen. Mit andern Behandlungsmethoden combinirt, ist sie ein mächtiges Unterstützungsmittel. Kann man Besseres oder mehr darüber sagen?" Bemerkeuswerth ist noch, daß der Generalrath deS Departements Hautes-Pyrsuses in einer Resolution der Regierung den Wunsch ausgedrückt hat, daß ein Lehrstuhl für Hydrologie an der medicinischen Fakultät von Toulouse errichtet werde. Auch durch ärztliche Vereinigungen, wie z. B. die Looists ä'v^ärolo§is insäisals äs varis mit 1200 Mitgliedern, und Preisausschreibungen gibt die gelehrte Welt ihr Interesse an der Wasserbehandlung kund; so wurde im Jahre 1892 von der ^saäönris äs Nsässins in Paris ein Preis von 5000 Frs. für die beste Abhandlung über die Kaltwasserbehandlung des Typhus vertheilt; im Jahre 1894 gelangt der vrix Oaxuron zur Vertheilung. Thema: Vergleichende Untersuchung über die hydrologische Behandlung der Zuckerkrankheit. England: Pros. Lander Brunton empfiehlt das Wasser als Lösungsmittel und Reinigungsmittel. „So wie das Wasser zum Durchspülen der Kanäle verwendet wird, so reinigt es auch den Körper von Abfallsproducten." Besonders bei Gicht und Rheumatismus, bei Zuckerkrankheit, Verstopfung rc. hat er von Anwendung dieses einfachen Mittels die schönsten Erfolge gesehen. Seit Beginn des Jahres 1891 ist von englischen Aerzten bei Fieberanfüllen zur Herabsetzung der Temperatur ein mechanischer Apparat „Issoraäls" (Eisgestell) in Verbindung mit Abspülungen in Verwendung, vr. Soltan-Fenwick (London) berichtet über 100 Fälle von Unterleibstyphus und über 153 von acuter Lungenentzündung, welche mit glänzendem Erfolge auf diese höchst einfache Art behandelt worden waren. vr. Angel Money redet der Kaltwasserbehandlung ganz besonders bei Luftröhren-Lungenentzündung von Kindern das Wort. Der hauptsächlichste Vortheil liegt nach M. in der Erhaltung der Kräfte, nicht allein des Herzens, sondern auch der Athmung, des Nerven- und Muskelsystems, ferner wird die Dauer der ganzen Erkrankung abgekürzt und die Neconvalescenz eine raschere. Oesterreich: Professor Winternitz, Gründer und Leiter der Klinik für Hydrotherapie in Wien, Besitzer der großartigen Kaltwasserheilanstalt in Kaltenleut- geben, Herausgeber der Blätter für klinische Hydrotherapie, schreibt am Schlüsse seines großartigen Werkes über Wasserheilkunde: „Die großen Erfolge deS Kaltwasserverfcchrens in chronischen Lokal- und Allgemeinerkrankungen, namentlich in Stoffwechsel- störuugcn, zu leugnen, fällt gegenwärtig wohl keinem Arzte mehr ein, auch ihre rationelle Begründung wird nicht bezweifelt." Und an anderer Stelle: „Man vermag mit einzelnen thermischen und mechanischen Eingriffen eine große Reihe von Anzeigen zu erfüllen, bestimmte Störungen auszugleichen, Gefäßeverengcrnng, Gcfäßeerweiternng, Erhöhung und Herabsetzung des Gefäßtonus, Verlangsamung und Beschleunigung, Schwächung und Verstärkung der Hcrzcontraktionen, Veränderung der Dlutvertheilung und der Strömungsgeschwindigkeit können wir oft mit Sicherheit durch das kalte Wasser bewirken. Wie tief eingreifend in die intimsten organischen Vorgänge. in den BiochemiSmus muß sich eine solche Aktion schon von diesen Gesichtspunkten gestalten!" . . . Pros. Winternitz, der in Wien über Kaltwasser- heilknnde liest und Kurse abhält, hat unter andern hochinteressanten Untersuchungen auch den Nachweis von gewissen Blntverändernngen nach thermischen Eingriffen geliefert, über die wir hier der großen Bedeutung wegen die Hauptsache skizziren: 1. Bei allen allgemeinen, die ganze Oberfläche des Körpers treffenden thermischen und mechanischen Proceduren: Abreibungen im nassen, kalten Laken, Lakenbädern, Tauchbädern, Halbbädern, allen Arten die ganze Körperoberfläche treffenden Douchen, Dampfbädern mit nachfolgenden kalten Proceduren, wechselwarmen, sogen, schottischen Anwendungen, kalten Vollbädern zeigte sich eine Vermehrung der Blutkörperchen. 2. Die Zunahme der rothen Blutkörperchen betrug bet 56 untersuchten Individuen im Maximum 1,860,000 pro Cubikmillimeter, der Hämoglobin-(Blntfarbstoff-)Gehalt im Maximum 14 °/g. 3. Das Blut wird dem normalen ähnlicher und damit auch alle Ernährungsvorgänge, und unter methodischer Wiederholung wird dieser temporäre Effect zu einem dauernden. Winternitz sah auf diese Weise schwere Fülle von Anämie und Bleichsucht zur Heilung kommen. — Dieser Fund ist von eminenter Bedeutung. Dr. Fodor sagt: Es gehört die Hydrotherapie zu jenen Heilmethoden, die, abgesehen von ihrer lokalen oder symptomatischen Wirkung, nahezu in allen Fällen den Gefammtorganismus günstig beeinflussen, lebenswichtige Funktionen anregen und dadurch auf Wegen, die ex- perimcntell nicht verfolgt werden können, zur Ausgleichung krankhafter Störungen führen. Rußland: Die russischen Aerzte sind im Großen und Ganzen Freunde der Hydrotherapie und haben namentlich in den letzten Jahren sehr werthvolle Arbeiten über diesen wichtigen Heilfactor geliefert. Ich erwähne nur die zahlreichen Arbeiten über die physiologischen Wirkungen der abkühlenden, indifferenten und erwärmenden allgemeinen und lokalen Douchen bei den verschiedensten Krankheiten. Ungarn: Von den ungarischen Aerzten, welche über dieses Thema gearbeitet haben, verdient Dr. E. Tuszkay, Frauenarzt in Budapest, besondere Erwähnung. Er schreibt: „Die glänzendsten Erfolge werden uns durch diese Behandlung zu Theil in den Fällen, wo wir sonst meistens rath- und thatloS dastehen. (Er meint damit die Frauenleiden.) Aber auch die Geburtshilfe muß der Hydrotherapie sehr dankbar sein, so viele unersetzliche Behandlungsmethoden hat selbe ihr geschenkt. . . . Alle Vorurtheile müssen endlich schwinden und man soll endlich der Wasserbehandlung im Interesse der leidenden Menschheit ein wohlverdientes großes Feld in der Gynäkologie und Geburtshilfe einräumen." I)r. Fischer behandelt das Wechselfieber mit kaltem Wasser, beklagt sich aber bitter über die „wasserscheuen Patienten". „Es bedarf von Seite des Praktikers, insbesondere auf dem Lande, eines gewissen Grades von Muth und Energie, dem Patienten die Kaltwasserbehandlung anzutragen. Hat doch das Laienpublikum im Allgemeinen eine Aversion gegen jedes „kalte" Verfahren und erschrickt, wenn man ihm anräth, eine mit Schüttelfrost einhergehende Krankheit mit kaltem Wasser behandeln zu lassen. Ein sich mit Hydrotherapie befassender praktischer Arzt muß es daher noch als ein Glück ansehen, daß der Empiriker von W örisbofcn durch seine im Publikum verbreiteten, in naiver lcichtfaßlicher Schreibart verfaßten Schriften die Wasserproceduren bei dem Laicnpubliknm einigermaßen populär gemacht hat, uud ist es vielleicht unter Anderem auch diesem Unistande zuzuschreiben, daß von den frischen Wechselfieberfällen, die mir in den Monaten Juli und August unterkamen, sich beiläufig */, der Kaltwasserbehandlung unterzogen." Sachsen: Professor F. A. Hoffmann von der Universität Leipzig sagt in seinen Vorlesungen über allgemeine Therapie: „Mit der Zeit werden alle chronischen Krankheiten zur Domäne der Bäderbehandlung gehören." Baden: Professor Erb in Heidelberg widmet dieser Frage in seinem berühmten Werke über Nückenmarks- krankheiten folgende Worte: „Kälte und Bäder in verschiedenen Formen gehören zu den wichtigsten therapeutisch wirksamen Agentien auf diesen: Gebiete. Diese Methode hat, seitdem sie genauer studirt und rationeller ausgeübt wurde, einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. Ihre Resultate bei allen möglichen Formen chronischer Nervenleiden sind außerordentlich günstig. Es gibt wenige Heilmittel, die einen gleich mächtigen Einfluß auf das Nervensystem ausüben." Preußen: Professor Leyden äußert sich über die Behandlung der Rückenmarkschwindsucht mit Wasser also: „Obwohl die unvorsichtige Anwendung der Kälte oder deS kalten Wassers den Tabikern leicht Schaden bringt, erweist sich doch eine vorsichtige Anwendung desselben als entschieden nützlich und wohlthuend. Besonders nützlich hält er die Kaltwasserkuren zur Sommerszeit, wo sie auf die Muökelthätigkeit und das ganze Befinden erfrischend wirken; die wohlthätige Wirkung des kalten Wassers beruhe auf einer allgemeinen Erfrischung und Kräftigung, einer Erregung der Hautncrven und Abhärtung gegen Wittcrungseinflüsse und Erkältungen." Lübeck: Dr. Pauli im Lübecker Kinderspitale behandelt die Diphtherie der Kinder mit glänzendem Erfolge mit Hydrotherapie. Von 122 kleinen Patienten wurden auf diese Art 117 behandelt; davon starben nur 14; bei ächter Diphtherie ein schönes Resultat. Bayern: Strümpell in Erlangen schreibt in seinem Lehrbuche: „Es gibt gegenwärtig keine andere Behandlungsmethode des Typhus mit so zahlreichen und sichtbaren Vortheilen für den Kranken. Wir betrachten es als Pflicht jedes Arztes, der eine Typhusbehandlung unternimmt, alles mögliche zu thun, um die Kaltwasserbehandlung durchzusetzen." Ziemssen (Therapie der Tuberculose) sagt: „Ich kann dieses Kapitel der Prophylaxis nicht schließen, ohne der Hydrotherapie zu gedenken, welche hier sowohl als bei der entwickelten Tuberculose eine außerordentlich wichtige Rolle spielt. Wasser, richtig temperirt, ist das beste, einfachste Mittel, das überall und bei jedem angewendet weiden kann. Der Effekt dieser Procedur, der verschiedentlich variirt werden kann, ist einer der besten, die der Arzt zu erreichen vermag." Bei Behandlung von Magenleiden heißt es: „Ich kann auf die Methode der Hydrotherapie nicht näher eingehen, sondern will nur die Thatsache hervorheben, daß sie bei Störungen deß Verdaunngsapparatcs, besonders bei chronischen Magenkatarrhen rc., sehr günstig wirken." Dr. v. Hößlin (München) schreibt über die Behandlung von Bleichsucht: »In Fällen, in denen es durch innerlichen Gebrauch von Eisen, kräftiger Nahrung und anderen diätetischen Behandlungsmethoden nicht gelingt, eine Zunahme der Blutbildung zu erreichen, gelingt dies oft durch eine energische Anregung des Stoffwechsels, wie sie durch die Hydrotherapie . . . erreicht werden kann." Australien: Die Schlußfolgerungen aus einer Abhandlung über 2400 mit kaltem Wasser behandelte Fälle von Typhus aus dem Brisbane-Hospital, Queens- land, lauten: (Londoner Practitioner, März 1891.) „Durck die systematische Bäderbehaudluug kaun die Sterblichkeit an Typhus bedeutend herabgesetzt werden. Die Verminderung kann selbst 50 °/„ der früheren Sterblichkeit erreichen. Dieser Erfolg kann erzielt werden, trotzdem eine Anzahl Fälle für diese Behandlung ungeeignet ist; bei nur passenden Fällen läßt sich noch viel mehr erreichen durch Verhütung jener Com- plicationen und TodeSarten, welche man als Folgen der hochgradigen Temperaturen kennt. Es ist keine Uebertreibung, wenn behauptet wird, daß einfache Herzlähmung von der Liste gestrichen werden müßte, wenn alle Fälle gleich in der ersten KrankheitSwoche zur Behandlung gelangt wären." Smyrna: Or. Burgniöres schreibt über die Cholerabehandlung: „Besonders empfehlenswerth ist die Wasserbehandlung, die ich nnt sehr gutem Erfolge angewendet habe. Die Kranken wurden in ein in Brunnenwasser eingetauchtes Leintuch eingewickelt und mit Wolldecken bedeckt; so blieben sie bis zwei Stunden und bekamen viertelstündlich ein Glas Wasser zu trinken. In allen Fällen trat nach kaum einer halben Stunde Wiedererwärmung ein. Dann wurde das nasse Leintuch erneuert und zwar 2—3 Mal." Amerika: Or. U. A. Hare, Professor der Therapie am Jefferson-College, sagt in einer Prcisschrift in Bezug auf das kalte Bad: „Kalte Bäder besitzen einen günstigen Einfluß, dem nichts anderes an die Seite zu stellen ist." Gaillard's Medical Journal in New-Aork schreibt in der Jahresübersicht über die Fortschritte der Medicin: „Die Hydrotherapie ist Dank den ernsten und beharrlichen Bemühungen des Dr. Baruch in der Werthschätzung der Aerzte gestiegen . . . Die Wirkung des Wassers ist eine ganz andere, als die der antipyretischcn Medicamente und bei vielen Krankheiten. besonders aber bei Typhus, ist es durch nichts anderes zu ersetzen." Dr. Elliot, Arzt des St. Agnes-Hospitales in Philadelphia, berichtet über eine Herabsetzung der Sterblichkeit in diesem Krankenhause von 26,6 °/<> im Jahre 1889 und 24 °/g im Jahre 1890 auf 6,5 °/g im Jahre 1891, nachdem er die Bäderbehandlung eingeführt hatte. Auch bei Geistes- und Nervenkrankheiten findet die Hydrotherapie in Amerika immer mehr Anwendung. Diese Belege, die natürlich noch bedeutend vermehrt werden könnten, mögen genügen, die Behauptung, daß die ärztliche Welt der Wasserheilkunde feindlich gegenüberstand und stehe, ins rechte Licht zu rücken, und möchte ich nur vor einer Ueberschätzung warnen, die immer, wie nicht nur die Geschichte der Medizin, sondern der ganzen Menschheit lehrt, von einem Extrem ins andere führt und der größte Feind des Guten ist. Man darf in der Hydrotherapie kein Allheilmittel sehen und nichts Unmögliches von ihr fordern. Denn, wie „kein Kräutlcin wächst auf Erden wider den Tod," so fließt auch, Gott sei's geklagt, kein Wässerlein, das uns unverwundbar und unsterblich wacht. Palestrinafeier in München am 2. Febr. 1894. Motto: „Diesen Kuß der ganzen Welt." L. Die Ueberschrift, welche für die folgenden Zeilen gewählt worden ist, legt sofort einige Fragen nahe, deren Beantwortung nicht uninteressant sein dürfte. Erstens: wer hat eine Palestrinafeier veranstaltet? Herr Dom- capellmeister Eugen Wöhrle in München — das scheint übrigens das eigentlich Interessante nicht zu sein; interessant wäre es vielmehr, wenn ein Domcapellmeister den 800?) ') 300. Todestag — nickt 400., wie A. G. in seinem Lcbens- abriß Palestrina's zweimal sagt, Beil. 5 z. „Angsb. Postztg." Todestag Palestrina's vorübergehen ließe, ohne den großen Todten zu feiern. Die nächste Frage ist: Mit wem hat der Herr Domcapellmeister eine Palestrinafeier veranstaltet? wohl mit seinem Domchore? Wenn die Antwort bejahend lautete, so wäre auch das nichts besonders Interessantes — wenn ein Domchor Palestrina nicht kennt und feiert, wer denn sonst?! Die Antwort nun, die thatsächlich gegeben werden muß, ist wirklich interessant: Programm und Neclamezettel nennen als Sängerchor den „Münchener Chorschulverein unter gefälliger Mitwirkung ... einer größeren Anzahl von Musikfreunden" — unter den ca. 160 Sängern und Sängerinnen sahen wir Volontäre ans fast allen Ständen, Studenten, auch eine schöne Anzahl von Theologiecandivaten aus dem Gcorgianum. Davon, daß etwa der Chor der Metropole der Kern des Personales gewesen wäre, ist keine Rede; der Domchor ist nicht einmal genannt; von ihm scheint blos der Capell- meister „mitgethan" zuhaben. Ist das nicht interessant? für wen? Eine weitere Frage: Was ist aufgeführt worden? Lxwis, Oracko, eine Weihnachts-, eine Pfingst- motette, eine Motette „Lnsannn ab iinprobio", „^.vs Regina", „Imuäata Dominurn", ein 4stimm. Madrigal zur Gottesmutter (unterlegter Text) ... da ist's ja sehr kirchlich, sogar liturgisch hergegangen! Die Feier war also wohl in einer Kirche? etwa bei einer anßerlitnrgischen Nachmittags- oder Abendandacht? Aus den angeführten Programmnummern und aus der Thatsache, daß P. von seinen Werken gut 95 Prozent für die Kirche geschrieben hat, scheint eine Palestrinafeier in der Kirche, beim Gottesdienst nahe zu liegen, um so mehr, als der äiss ostitus des unsterblichen Meisters auf einen gebotenen Feiertag fällt und die Feier in München ein ^.nni- varsurium vsruiü war. Also: w o fand die Feier statt? Das Programm weist uns in das königl. Odeon, in den Concertsaal — genau dahin, wohin ein reaktionärer Wandalismus auch eine manierliche Aufführung des Mozart'schen großen Requiem gewiesen hat: von diesem Requiem sagte mir ein „strenger" Zuhörer gelegentlich der Aufführung am 1. November 1891, es sei für die Kirche zu schön; von Palestrinastil hörte ich als Universitätsstudent Anfang der 80cr Jahre in München, er sei nur für die Fastenzeit. Gegenüber solchen Argumenten gegen Kirchenmusik dürfte es allerdings schwer sein, mit Gründen aufzukommen. Nehme ich noch dazu, daß ich von Choral jahraus jahrein — damals wenigstens — nichts anderes hörte, als das Monosyllabon „Rsejuroin aatörnaM" aus Etts Oantica, saora, so gibt das, für gewisse Kirchen Münchens namentlich, eine eigenartige kirchenmusikalische Perspektive. Vielleicht ists jetzt besser (s. Nr. 32 der Augsb. Postz.: „Palestrina in der St. Ludwigskirche in München") — am Dom sind allerdings vor nicht langer Zeit Falsi- bordonvespern auf die Vigilien hcrabdecretirt worden! (ot. LIu8. saora, 1893 S. 84.) Wer endlich war Zuhörer bei dieser Palestrinafeier? Der Odeonssaal war — mitten im Carneval — für diese „Charfreitagsmnsik" ausverkauft; das ist jedenfalls auch interessant; das war ein Scherbengericht sowohl über diese Musik, als auch über die Ansicht gewisser Zöpfler, daß diese Musik (und der Choral, der mit Palestrina meist zusammen bc- Es ist schade, daß der Verfasser die GesammtauSgabe der Werke Palestrina's nicht kennt; sonst würde er sich wohl nicht ans das oxus (Indium »Tonedras kaetas snut« beziehen, um P.'S Genialität zu demonstriren, s. Vorwort zum 32. Bd. S. V. Andere Irrthümer in der genannten Lebensskizze sind mittlerweile bereits berichtiget worden. 60 handelt wird, wenigstens nicht glimpflicher wegkommt) die Leute zum Tempel hinaustreibe — Palestrina und der Choral vertreiben die Leute nicht aus der Kirche — (aber gleichzeitige Militärparademusik in einer anderen Kirche zieht sie an! Das nebenbei I) Das Publikum war so verschiedenartig, wie bei anderen Concerten auch; eine kgl. Hoheit war da, geistliche Herren (auch das Metropolitankapitel war vertreten), namentlich ziemlich viele Geistliche, die aus der Ferne hergekommen waren; ferner Professoren, Militärs, Beamte, Privatiers, auch das äurum gsnus der Kritiker, endlich eine schöne Corona von Frauen. Herr Domcapcllmeister Wöhrle hat also die That gewagt mit Vocalwcrken aus dem 16. Jahrhundert, mit vorzugsweise kirchlichen Werken in München aufzutreten, im Concertsaale, und zwar gleich im vornehmsten und geräumigsten von allen: im Odeonssaale. Das ist eine That, die es verdient, in glänzendes Licht gestellt zu werden. Das Unternehmen allein schon ist geeignet, dem Manne einen Ehrenplatz in der Münchner Musik- gesellschaft zu sichern. So ist's recht: wenn die Umstände es unmöglich machen, die Herrlichkeit jener Musik in der Kirche zu entfalten, sei es, weil man dieser Musik keine Zeit gewährt, oder weil man sie für zu trist hält, oder endlich weil man für sie keinen Kirchenchor aufbringt: dann soll diese Musik aus der Kirche fort-, dem Mozart'schen Requiem nach in den Concertsaal flüchten; dort wird sie unter den Ehrenplätzen sicherlich nicht den letzten einnehmen! Der Odeonssaal, d. h. der Bau selbst, hat sich für die Gottesgabe sehr dankbar gezeigt: man wird selten eine Kirche finden von so günstigen akustischen Verhältnissen, wie sie gerade dieser herrliche Saal ausweist. Fast jeder Ton ohne Ausnahme klang voll und rund, so das; man schon am Elementaren, d. h. an der Fülle und dem Wohlklang allein seine Freude haben konnte. Das Stimmcnmaterial ist zweifelsohne gar nicht schlecht; nur selten (im 6roäc> und in der Motette „O inagnum in^sterium") schien der eine oder andere Ton oder richtiger Vocal bei einigen Tenören etwas gequetscht. Die Stimmung war rein und folglich die Jntonations- höhe bis zum Schlüsse jeder Nummer dieselbe. Unangenehm berührt haben mich in Bezug auf das Elementare blos zwei Fehler, gegen welche wohl jeder Chorregcnt anzukämpfen hat, nämlich einmal, daß aufwärts steigende ueumatischc Figuren (Läufe) gerne, namentlich im Sopran, etwas übereilt werden. Ich darf zum Belege hiefür an „omnipotöntorn" im Oraclo der Blesse erinnern. Ferner werden :Endsilben eines Wortes, vor allem jene, die zufällig auf den schweren Takttheil treffen, häufig betont und, obwohl mitten in der Phrase stehend, dennoch kurz gesungen, d. h. sie erhalten mehr Stärke, als der Schluß der vorhergehenden Silbe, und führen eine, wenn auch nur kurze Unterbrechung des melodischen Stromes herbei, die unter Umständen recht störend wirken kann. Ich erlaube mir für das eine auf die Schlußsilbe von „§6ntss" im 116. Ps. „I^auäste Oominuin", für das andere auf den Uebergang vom 3.-4. Takt in „O ruassnuin m^s- teriuiu" und auf „ooliauäsutss Oowluuru" zu verweisen. Namentlich muß eine Phrase, wie „st sä- inirastils saorawentum", als ein ununterbrochenes Ganzes erscheinen. Die Stimmverhältnisse waren prächtig ausgeglichen: sogar da, wo beide Oberstimmen getheilt waren, wurden sie von den Tenören und Bässen nicht niedergesungen. Wer die Schwierigkeiten kennt, welche durch getheilte Oberstimmen der Reinheit der Stimmung verursacht werden, der muß gerade für die hierin musterhafte Durchführung des „O nasAnum rnMsriuin" ein Wort der Anerkennung haben. Nun zur Auffassung einzelner Nummern seitens der Ausführenden! Ich stelle hier die Motette „Susanns." neben das 6raäo der Marcellusmesse. In der Motette eine fast ununterbrochene Färbung und Modificirung des Ausdruckes — ich erinnere die Zuhörer an die herrliche Wiedergabe der Worte Susanna's: „^.u^ustiso wisti sullt nnäiyns", im zweiten Theile an das große „sx- olsrusvit ab äixit" und an das sich anschließende rührend süße Gebet Susanna's: „Osus sstsrno", an den schneidigen Schluß „et sslvstus est ssnZuis innoxius" — prachtvoll! Das war ein stetiger Wechsel von Licht und Schatten, von Kraft und Weichheit, und alles zur rechten Zeit und am rechten Orte. Und dem gegenüber das Orsäo! Hätte nicht das Dt inosrnstus est mit dem folgenden Auatuor „Oruoiüxus" Abschnitte gemacht, so wäre das ganze lange Stück ohne fühlbare Gliederung an uns vorbeigerauscht. Daß das ermüdet und zwar in derselben Weise, wie wenn etwa eine an sich ganz vorzügliche Bach'sche Fuge ohne dynamische Schattirung und besonders ohne verständnißvolle Abhebung der musikalischen Phrasen gegeneinander heruntergepoltert wird, das ist selbstverständlich. Aber woher dieser frappante Unterschied in der Darstellung der Motette und des „Orsäo". Nach meinen Erfahrungen gibt es dafür mehrerlei Gründe: einmal der Text! Bei der Motette „Susanns." geben die einzelnen Sätze, ja oft die einzelnen Wörter dem Componisten und dem ausführenden Musiker Anregung zu verschiedenartiger musikalischer Gestaltung — man stelle beispielshalber einander gegenüber: Susann« . . . seufzte: in Bedrängnis; bin ich — sündige ich, — sündige ich nicht, — aber es ist besser schuldlos in eure Hände zu fallen, als zu sündigen im Angesichts Gottes .... Susann« schrie laut auf: Ewiger Gott, du weißt, daß sie mich fälschlich anklagen; sieh, ich sterbe unschuldig — aber der Herr erhörte sie und gerettet wurde unschuldig Blut an jenem Tage. Demgegenüber sag ich, halte man: (Ich glaube) an Gott, den Schöpfer aller sichtbaren Dinge, an Jesus Christus, der aus dem Vater erzeugt, ist nicht erschaffen, gleicher Natur mit dem Vater ... an den hl. Geist den Tröster und Lebendigmacher, der aus dem Vater und Sohne hervorgeht. — Ist es zu verwundern, wenn bei solchem Texte dem Componisten und dem Dirigenten das Gestaltungsvermögen schwindet, bevor man beim „ewigen Leben" angelangt ist? während dagegen jener Text musikalisch wunderbar anregt! Ein weiterer Punkt ist die Verschiedenheit der Stimmanlage: die in Rede stehende Motette ist für 3 Ober- und 3 Unterstimmen, die Llisss „kp. Nsro." für blos 2 Ober- und 4 Unterstimmen, und zwar ist von diesen Männerstimmen nicht etwa eine „Bariton",2) sondern es sind 2 gleiche Tenöre und 2 gleiche Bässe. Die Oberstimmen sind also blos 2, kommen nie allein zur Geltung; „Susanns" weist hier reiche Mannigfaltigkeit auf, bietet also die Möglichkeit viel reicherer Klangcombinationen. Endlich der Fortschritt der Handlung: Susanns ist motettisch breit, jeder Gedanke ist musikalisch auseinandergelegt, verarbeitet; im „6rsäo" 2) Wer je einmal P.'s Nisss >Uoos o§o loauuos- aufgeführt hat, weiß die Vorzüge des -Laritonus« gegenüber 2 gleichen Bässen zu schätzen — vgl. Habcrls diesbezügl. Bemerkung in der Vorrede zum 24. Bd. der Ges.-AuSg. 61 ist das Gegentheil der Fall, da wird im Allgemeinen ein Gedanke musikalisch blos berührt, gestreift, ist im Augenblick ausgesprochen und vorbei. Schwierigkeiten imVortragedesOrsäo der Marc.-Messe macht einem aufmerksamen Chor auch die Wiederholung im Sopran bei „Lt in unnin voininuin" (Sopr. u. Tenor in Wechselbeziehung) und bei „vsuin vsrurn" (wo der Sopran sich selbst wörtlich wiederholt) und viele andere scheinbare Kleinigkeiten. Das scheinen mir Gründe zu sein, die es erklärlich machen, wenn die Wiedergabe des „Orsäo" ermüdete. Aber „Pfeile, die man voraussieht, treffen nicht so leicht" — dieses Wort des hl. Gregor läßt sich namentlich in Bezug auf die Stimmenanlage des ,,6rsäo« anwenden; man kann nämlich durch den Vortrug hier viel gut machen. Sodann bestimmt doch der Text, ja das einzelne Wort in vielen Fällen den musikalischen Ausdruck, auch im Oracko, selbst wenn das Wort noch so rasch vorübereilt; Nich. Wagner in seiner Bearbeitung des „Ltastat rnaber" V.P. hat dies vorzüglich gezeigt; andrer- eits kann gerade motettische Breite auch ermüden. So glaube ich, daß man aus „xsr yusm onmirr tactu surrt", aus den einzelnen Sätzen von „Lt uriaru suirotirm" ab viel mehr machen und viel größere Wirkung erzielen kann, obwohl, vielleicht gerade weil sie so kurz sind. Vor allem aber müssen die einzelnen Sätze viel mehr von einander abgehoben werden, es Müssen deutlich vernehmbare Cäsuren gemacht werden; hier gibt der Text und seine Behandlung gerade seitens P's. leicht verständliche Directiven; gerade deswegen halte ich jedes mir bekannte 6rsäo von P. für viel leichter als etwa das der Nissa „Anal äoirua" von Orl. di Lasso! Es muß also noch mehr Klarheit in das „Oreäo" kommen; diese Klarheit kommt hinein eben durch Gliederung, durch dynamische und agogische Schattirung. Ich schreibe diese Bemerkung hier nieder nicht zunächst für den Münchener „Chorschulverein"; denn ich glaube, daß sein Dirigent jetzt schon von deren Richtigkeit überzeugt ist, und daß der Chor selbst darauf kommen wird, sobald er einmal stabiler ist und sich in diese Werke mehr eingesungen hat. Daß meine Besprechung auch eine andere Adresse hat, als an diesen Chorschulverein, kann schon aus dem vorangestellten Motto ersehen werden. Hier gilt mein Wink jenen Kollegen, welche mit ganz leichten 6reäo's, z. B. aus „llasu Ksciswxtor" von Kaim sich, ihre Sänger und die Zuhörer ermüden, weil sie nicht zu gliedern, nicht Licht und Schatten zu geben wissen. Der alte Leopold Mozart soll gesagt haben, das Llissrers von ^.IlsZri sei eben, was man daraus mache — dieses Dictum ist gar nicht so verwerflich, als manche meinen; man verstehe es nur recht! Klangfarben geben, im orchestralen Sinne, das können wir Vokalchordirigenten nicht (höchstens können wir unter Umständen durch Knabenstimmen gegen Dameustimmen „färben" — beim „^.va Regina," müßte das im Alt des 2. Chores herrlich gewesen sein!), wir brauchen auch nicht in dieser Weise Farben zu geben, zu trompeten und posaunen: unsere Mittel sind edler, schöner Gesangston, gute Textaussprache, Dynamik und Agogik — aber eben von diesen Bütteln darf man keines übersehen, soll nicht die Aufführung geistlos und langweilig werden. Sehr gut, vortrefflich war die Wiedergabe des Madrigals „O süßer Tod", das denn auch äa onxo verlangt wurde. Was die Solovorträge betrifft, so hätte sicherlich eine größere Vertiefung in die betreffenden Partien, bei den Madrigalen auch die Beibehaltung des wohlklingenden italienischen Urtextes die Musik in viel helleres Licht gestellt. Auf alle Fälle ist der Münchener Chorschulverein und sein^Dirigent zu dem Erfolge vom 2. Februar von Herzen zu beglückwünschen. Möge er, nachdem die Münchener kgl. Vokalcapelle ihre Concerte für immer aufgegeben zu haben scheint, deren Stelle im Odeonsaale einnehmen und uns alljährlich wenigstens einmal mit seinen Leistungen erfreuen! Das Kloster Monhcim und die Reliquien der heiligen Walburga: 893—1893. Zum 1000. Jahrestag der Reliquienübertragung und Stiftung des Klosters. Von A. Zottmann. (Schluß.) VI. Nekatholisation — Erneuerung der Verehrung der hl. Walburga— neue Reliquien— neues Kloster. Von 1600 bis zur Gegenwart. Einer der Nachfolger des Herzogs Ottheinrich war Wolfgang Wilhelm. Dieser hatte, obwohl sein Vater Ludwig Philipp so voll Haß gegen die katholische Kirche war, daß er in den Kirchen seines Landes an den Sonntagen Gebete vorzubeten befahl, in welchen die Katholiken als „abgöttische Menschen", „reißende Wölfe", die katholische Kirche als „Mördergrube" dargestellt waren, dennoch große Neigung zum Katholizismus und hatte auch noch zu Lebzeiten seines Vaters, im Juli 1613, im Geheimen das katholische Glaubensbekenntniß abgelegt. Am 25. Mai 1614 that er diesen Schritt auch öffentlich zu Düsseldorf. Noch im nämlichen Jahre trat er nach dem Tode seines Vaters die Neuburger Erbschaft an. Den Lutheranern seines Landes beließ er völlige Religionsfreiheit, verordnete aber zugleich, daß es allen katholischen Unterthanen freistehen solle, ihren Glauben unbehindert zu bekennen und ihren Gottesdienst mit Messe, Predigt, Einrichtung katholischer Schulen, Kinderlehren, Prozessionen und Krcuzgängen abzuhalten °°). Dadurch schlug nun auch für Monheim die Stunde der Rückkehr zum katholischen Glauben und zur Verehrung der heiligen Walburga. Vorerst wurde im Schlosse für die Katholiken durch Kaisheimer Patres Gottesdienst gehalten. Am 7. März 1618 trafen dann 2 Patres der Jesuiten von Eichstätt zu einer Mission ein, welche die ganze Fastenzeit hindurch dauerte, worauf sie wieder abzogen. „An dem 23. April, demnach wir siben Wochen allhier gewesen, haben Ihre fürstliche Gnaden Bischof zu Eichstätt eine Gutschen hergeschickt, uns auf Befehl des H. l?. Pro- vinzialis wieder abzuholen." Nach kurzer Unterbrechung aber kehrten wieder 3 Patres zurück, welche zuerst auf weitere 3 Wochen, dann, weil während dieser Zeit der Pfarrer und Dekan Danbmeier „licenzirt" wurde, allein die Pfarrei 3 Jahre lang versahen, bis sie endlich einen neuen Pfarrer für Monheim gefunden hatten, der am 12. Januar 1622 hier eintraf. Unter dem neuen Pfarrer, Caspar Zeiller, blieb noch ein Jesuit über eiuen Monat lang, bis nämlich am 21. Februar auch ein Caplan hier eintraf." b°) Jansscn, I. o. V. M. 655-658. Aus dem Monheimer Pfarrbuch. In dieser Zeit wandte sich Monheim wieder dem Glauben seiner Ahnen zu. Luidl berichtet, daß dies nicht zum geringsten Theil der Fürbitte der heiligen Walburga beim Gebrauche des heiligen Walbnrga-Oeles zu danken sei. Er erzählt nämlich von einer kranken Frau:^) „Es stritte dieselbe lange Zeit schon mit denen empfindlichsten Geburtsschmerzen, und war die höchste Gefahr, daß nit das Kind der Mutter, die ihm das Leben geben sollte, das Leben benähme: aller Artztenkunst schlug fehl, alle befürchten, daß mit dem todten Kind zugleich die Mutter eine Leich seyn wurde. Sobald ihr aber, weiß nit auf wessen Einrathen, und von was für einer Hand das Hl. Walburgä-Oel aus dem Eichstüttischen Wunderquell gereichet war, und sie dessen ersten Tropffen genossen hatte, wurde sie den Augenblick darauf glücklich entbunden und gab demjenigen das Tageslicht, wegen welchem sie schon begunte, ihre Augen in den Tod zu schließen. Als solche wunderbarliche Begebenheit ruchbar wurde, fingen die Monheimener an, nach und nach ihre Augen zu öffnen und zu erkennen, wie billig ihre Voreltern so große Andacht gegen diese H. Abbtißin getragen hatten; entschlossen sich demnach zu jener Kirch sich willfährig Zurück zu wenden, in welcher allein GOTT seinen Heiligen solche Krafft und Macht, Wunder zu würcken, verliehen hätte." Der 30jährige Krieg hatte an Kloster und Reliquien nichts mehr zu zerstören, da dieses schon früher besorgt war; dafür scheint die Kirche ziemlich mitgenommen worden zu sein. Bald nach dem Kriege lesen wir nämlich von einer Restauration der Kirche und Consekration dreier neuer Nebenaltäre. Die letztere geschah am 5. August 1668 durch den Generalvikar des Bischofs Marquard. Am nämlichen Tage wurde auch die aus freiwilligen Beiträgen der Bürgerschaft neuerbaute St. Peterskapelle eingeweiht. Wir sehen, es war wieder der Sinn für schöne Gotteshäuser und die Opferwilligkeit dazu erwacht. Nun auch die, wie im ganzen Lande, nicht minder in der Mon- heimer Gegend, vielfach gelockerten Sitten zu bessern, trug viel bei die, wenn gleich kurze, doch segensreiche Wirksamkeit des berühmten heiligmäßigen Capuzinerpaters k. Markus, eines zweiten Johann Capistran. Der Herzog von Neuburg selbst schrieb über ihn an Bischof Marquard von Eichstätt: „Was nun dießer, von dem Allerhöchsten, bevorab bey dießen verwirdten vnndt be- trüebten Zeitten, geschickter, vnndt in Wahrheit recht gottseeliger vnndt heyliger Mann in denen Kirchen, vor den Altären, aufs den Predigtstühlen vnndt aufs den straßen, auch endlich aufs dem offenen platz, weilen die Kirchen die überaus große Anzahl des, sogar von vielen Meilen her haüffig zuegeloffenen Volks, nit fassen können, sodann vnderschiedlich in meiner Hofcapellen, vndt privatim in seinem Zimmer, biß zue dessen abraiß, durch seine voll tröst- vndt geistreiche Ermahnungen vndt mit weinenden äugen hertzinniglichen Zucsprechungen bey männiglich, hoch- vnndt niederen, geist- vnndt weltlichen standts, gucttes gewürcket, für Zerknirschung der Gemüetter vnndt Bereuung begangener Sünden erwecket, vnndt welcher gestalt das ganze Volk, zue Vergießung der Bueßzäher, vnndt daß man die Allerheiligste Dreyfaltigkeit vmb gnadt vnndt Barmherzigkeit durch einhellige öffentliche Auff- rueffung gebeten vnndt zur Besserung des Lebens mit theuren Versprechen, Gott nimmermehr zue belaidigen, beweget: — ist nit genuegsam zu beschreiben." 5. e. 1. xx. 223—224. Die Angabe, die erwacht, daß sich binnen Jahresirist „36ä0 Monheimische Einwohner" bekehrt Dieser hciligmäßige Mann kam nach Monheim am 14. November 1680 und wirkte auch hier überaus segensreich zur Befestigung des Glaubens und Erreichung guter Sitten durch seine erschütternden Predigten und die wunderbaren Heilungen, welche auch in Monheim auf seine Segnungen hin erfolgten.03) Mit dieser inneren Erneuerung ging dann die immer größere und eifrigere Verehrung der hl. Walburga Hand in Hand, womit sich das Verlangen vereinte, doch wieder wenigstens Etwas von den Reliquien der Heiligen zu besitzen. Dieses Verlangen fand auch im Jahre 1700 seine Erfüllung. Wir lassen hierüber einen Zeitgenossen erzählen, l'. Anselm Goudin, in seinem „Benediktinischen Weltwunder"; °^) er sagt: „weilen aber dem Allmächtigen GOTT beliebet, dise schon von so grossen Alter gleichsam erloschene Gedächtnuß seiner getreuen Dienerin Walburgis daselbsten wiederumb in die Hertzen der Gläubigen ein- zupflantzen; so ist zu wissen, daß der Hochwürdige und Hochgelehrte Herr Philipp Jakob Pfister, Dechant und Pfarrer zu Monheimb auf eyfrigstes Anhalten von dem Closter zu St. Walburg auß, einen schönen Partikul von den Gebäinern deß Leibs der Heiligen Walburgis überkommen, selben anno 1700 den 12. Oktober auf das andächtigiste eingeführet, und die glorwürdige Erneuerung der alten Wunder-Werck gleich mit seinen selbst eignen Augen angesehen; in deme nämblichen, gleichwie umb das Jahr nach Christi Geburt 893 bey der ersten Ueberbringnng durch Luibillam noch denselbigen Tag ein Hinfallender von seiner schwären Kranckheit augenblicklich befreyet; also ist ebnermassen bey dieser andern Ueber- bringung in schon erwähnten 1700. Jahr zu mehrerer Bestättigung, daß es ein veritabler Partikul von St. Walburg sehe, noch selbigen Tag ein gichtbrüchiger Knab durch dero grosse Vorbitt mit einer vollkommenen Gesundheit erfreuet worden. Von selbiger Zeit an biß auf gegenwärtiges Jahr befindet sich die uhralte Gedächtnuß gegen der Heiligen Walbnrg also glorreich erneueret, nicht nur allein in der Stadt Monheimb, sondern auch in anderen umliegenden Oerthern, daß die Christglaubige Menschen neben schon vielfältigen überbrachten Opffcren, auch mehr dann 170 Votiv-Täffelein außgehänget zur unfehlbaren Zeügnuß der innerhalb 15 Jahren mit ihnen geschehenen Wunder-würdigen Gnaden und Wohlthaten; als mit welchen sie auf bloss Anruffung und Verlobung zu der Heiligen Walburg ohne den Gebrauch ihres Heiligen Oeles beglücket worden." Von dieser Zeit an hob sich das religiöse Leben Monhcims immer mehr. Eine vom 15.—23. September 1717 gehaltene Mission gibt dafür sprechendes Zeugniß. Am 15. September Nachmittags 4 Uhr wurden die Missionäre (4 Jesuiten) von der Stadtgeistlichkeit, den sämmtlichen Beamten, dem Magistrate und vielen Bürgern am Stadtthore empfangen und in Prozession „unter Posaunen und sauberer musio" zur Kirche geführt, wo sofort die vorbereitende Predigt gehalten wurde. Die Volksmenge wuchs während der Mission manchmal auf 5—6000 Menschen an. Am meisten zogen die Buß- prozessionen, welche an verschiedenen Tagen Abends abgehalten wurden. Es erschienen dabei die Jungfrauen in weißen, die verhciratheten Frauen in schwarzen Kleidern, jede eine Dornenkrone auf dem Haupt und eine hätten, ist jedenfalls ein ziemlicher Irrthum, da Monheim diese Einwohnerzahl nie auch nur annähernd erreichte. -o) Eichst. Past.-Bl. 1861, ptz-. 161-162. ") 1. Theil, p 2 > 194-196. 63 brennende Kerze in der Hand. Während solcher Prozessionen fanden mehrere Exhortationen statt, „dergestalt eingriffig gehalten, daß fast männiglich die Zähren aus den Augen getrieben wurden". Von größter Wichtigkeit war die Predigt über die Pflichten der Kinder gegen ihre Eltern; die Kinder baten laut ihre Eltern um Verzeihung angesichts der 5000 Menschen, die bei dieser Predigt zugegen waren. Der erhebendste Anblick aber war, als vor dem allerheiligsten Sakramente nach der Predigt über das Bekenntniß des Glaubens die versammelte Menge mit zum Schwur erhobener Hand die xrokesslo ticlöi dem Missionär nachbetete. Am 23. September Morgens feierte die Gemeinde Monheim die hl. Communion. Um 6 Uhr gingen die Dienstboten, um 8 Uhr die Bürgerschaft, um '/zlO Uhr die Beamten und der Magistrat zum Tische des Herrn. Darnach folgte die Abschiedspredigt und mit Ertheilnng des päpstlichen Segens endete die Mission." So übte die hl. Walburga in Monheim wieder die alte Anziehungskraft, von allen umliegenden Ortschaften kamen die Wallfahrer wieder herbei, besonders feierlich wurde immer das Walburgafest selbst am 25. Februar und das Fest der Uebertragung der letzten Walburga- religuie, der 12. Oktober, begangen, und auch die Reliquien selbst waren, wenigstens in einem kleinen Theile, wieder vertreten; nur eins fehlte noch: die Stiftung Liubilla's, das Kloster, war spurlos verschwunden und hatte bis jetzt gar kein, auch nicht das kleinste Zweiglein mehr herausgetrieben. Aber auch hier wurde geholfen: vor gerade 25 Jahren zogen 4 Klosterfrauen aus der Kongregation Maria Stern in Augsburg in Monheim ein und übernahmen, was ja so ganz nach dem Geiste der hl. Walburga ist, den Unterricht in den Mädchenschulen und haben dort im Laufe dieses Vierteljahr- hunderts in ihrem Klösterl überaus segensreich gewirkt, in neuester Zeit auch mit dem Gedanken beschäftigt, diese Wirksamkeit noch weiter auszudehnen und auch den kleineren Kindern ein Plätzchen klösterlicher Sorgfalt und guter Bewahrung zu verschaffen. Damit sind wir bei der Gegenwart angelangt und bietet uns in derselben das Bild Monheims wieder einen erfreulicheren und schöneren Anblick als am Schlüsse der beiden letzten Perioden; das Bild des gegenwärtigen Jahres 1693 erinnert uns lebhaft an das vom Jahre des Beginnes und der Blüthe 893: Alles finden wir wieder vertreten: Reliquien — Kloster — eifrige und innige Verehrung der hl. Schntzpatronin Walburga, allerdings alles in nicht so ausgedehntem Maßstabe, alles gleichsam en ininiaturs! Zum Schlüsse noch eine Bemerkung! Im Pfarr- archiv zu Monheim befindet sich ein Brief eines Kaplans, worin derselbe erzählt, nachts im Traume die heilige Walburga gesehen zu haben, wie sie auf einen bestimmten Platz hinweist, bei welchem die abhanden gekommenen hl. Reliquien zu finden wären; auch hörte ich öfters die Leute erzählen, man sehe manchmal nachts an einer Stelle einen hellen Lichtglanz, der ebenfalls das Nachvorhandensein dieser hl. Reliquien daselbst andeute, und es wurzelt immer noch im Volke die Meinung, der kostbare Schatz sei doch nicht zerstört, sondern irgendwo vergraben. Wir schließen mit dem aufrichtigen Wunsche: Möge diese vox populi auch als vox Der, als Fügung Gottes sich bekunden und für Monheim bald die Stunde kommen, daß dieser große Theil der hl. Reliquien wieder zum Vorschein kommt, daß dieselben im Gotteshause, nach einer würdigen Restauration desselben, wieder feierlich ausgesetzt und von dem gläubigen andächtigen Volke mit seinen Seelsorgern an der Spitze und den Bewohnerinnen des Klosters, wie vor 1000 Jahren, aufs eifrigste verehrt werden können! Recensionen und Notizen. Don Bosco, der große Jugendcrziehcr und Verehrer Mariens. Von Präses Mehler in Negensburg. Im Selbstverlag des Verfassers. Mit Porträt Don Bosco's. 30 Pfg. 78 Seiten. -s- In Don Bosco ist der kath. Kirche einfMann erstanden, wie eben ganz allein diese sie hervorbringen kann. Ohne Uebertreibung kann Don BoSco den großen Ordensstistern an die Seite gestellt werden. Hätte jedes Land Europa'S 2—3 solche Männer, die sociale Frage wäre um ein gar gutes Stück ihrer Lösung näher gebracht. Aber noch allzuwenig ist dieser große Mann und sein Werk bekannt. Für was war er und wirkte er auch katholisch? Wenn einmal ein Freimaurermillionär etliche 100 Mark zu einem „humanitären" Zweck spendet, so weiß eS den andern Tag die halbe Welt; daß aber ein Don Bosco sein ganzes Leben der Rettung der Jugend geweiht, daß in den von ihm gegründeten Anstalten 300,000 Knaben erzogen werden, die sonst leiblich und geistig zu Grunde gingen und daß bis zum Jahre 1888 aus diesen Anstalten 6000 Priester hervorgingen u. s. w., das ist freilich nicht crwähnenswerth. DaS Schriftchen ist mit wohlthuender Lebendigkeit geschrieben und man erkennt, daß der eigene Eifer in dem nämlichen Geiste zu wirken, hier die Feder geführt hat. Wir wünschen dem Büchlein die weiteste Verbreitung, die es auch verdient, und dies umsomehr, da der Reinertrag zu einem guten Zweck bestimmt ist. Herders Theologische Bibliothek. 9. Theil. Kaulen, Dr. F., Einleitung in d. Heilige Schrift Alten u. Neuen Testaments. Dritte verbesserte Auflage. Erster Theil. (VI u. S. 1-182) M. 2. Zweiter Theil. (S. 183-436) M. 3. Dritter Theil. (S. 437-700) M. 3. Die drei Theile in einem Bande. (VI u. 700 S.) M. 8; geb. M. 9,75. Die Untersuchung beruht auf der gründlichsten und vielseitigsten Gelehrsamkeit, welche kein bloßes Notizensammcln und Referiren fremder Ansichten ist, sondern sich durchweg in einer geistvollen Höhe hält. Der Kenner wird leicht bemerken, wie vollkommen Kaulen die ganze einschlägige Literatur beherrscht, obgleich er sie nur da citirt, wo es die Beweisführung oder das Interesse des Lesers erfordert; ferner auf welche genaue eigene Durcharbeitung der Originaltexte und sämmtlicher alter Versionen sich seine Ausführungen stützen. Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monatschrift. Jahrgang 1894. 12 Nummern. M. 4 — fl. 2.40 ö. W. — Frciburg im Brcisgau. Herder'sche Verlagshandlung. Durch du Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 2: DaS neue Central-Seminar für Indien in Kandy. — Der selige Rudolf Aquaviva am Hofe Arbars des Großen. (Fortsetzung.) — Altchristliche Ruinen Nord - Syriens. (Fortsetzung.) — Nachrichten aus den Missionen: Kurdistan (Schulen); China (Tröstliches auS der Mongolei; Christengemeinden in Hupe); Hinterindien (Rückkehr der annamitischen Prinzen); Vorderindien (Kholsmission); Südafrika (Trauerkunde vom Unter-Sambesi); Belgisch-Kongo (Die hclgische Mission am Kwanzo): Nordamerika (Mission bei den Arapahus); Centralamcrika (Mission in Honduras); Süd- amerika (Die Salesiancrinissiouen); Occanien (Mission in Neu- Pommern). — Aus verschiedenen Missionen. — Miscellcn. — Für Missionszwecke. Illustrationen: Ansicht von Kandy gegen das Gebirge. — Eine Promenade in der Stadt Kandy. — Ansicht einer Thecpflanzung bei Kandy. — Das Diöcesan-L-eminar in Dswaffna. — Das Thor Aladius am Palast der Großmogule zu Kutab. — Ruinen der Kirche zu Ruciha aus dem 6. Jahrhundert. - Ruinen der Kirche zu Haß aus dem 4. Jahrhundert. — Das Innere der Kirche zu Muschabbak. — Antikes Familiengrab bei Ruciha. °°) Eichst. Past.-Bl. 1874, x§. 204 ff. Die russisch-schismatische Kirche, ihre Lehre und ihr Eult. Von Dr. Fcrd. Knie. Graz, Styria 1894. 8°. V u. 199 S.. 2 M. 50 Pf. X Verfasser ist kein Neuling in der Literatur über die russischen Verhältnisse. Seine Schrift „Die russische Gefahr" wurde von competcutester Seite aufs günstigste besprochen und dabei insbesondere hervorgehoben, was seiner Darstellung so besonderen Wert verleihe, das sei „der uukennbare Stempel langjähriger eigener Beobachtung an Ort und L-tclle und zwar mit den offenen und geübten Augen eines hochgebildeten Abeud- läuders", ferner „die überall durchblickende, besonders aber zum Schluß unumwunden ausgesprochene Erkenntniß, wie sie voll und ganz nur der gute Katholik haben kann, daß die Wurzel aller russischen Uebel .... das Schisma ist, zu dessen ver- hängnißvollstcn kirchenpolitischen Conseguenzcn aber das Staats- kirchenthum gehört, und, als dessen unausweichliches Complement, der Nihilismus." Verfasser schickt in vorliegender Schrift zunächst eine Uebersicht über die Entwicklung des russischen Schisma's von den Zeiten eines Pbotius bis zur Regierung Katharina II. voraus. Sodann beleuchtet er eingehend die russisch-„orthodoxe" Kirche und weist nach, wie sie den überkommenen Glaubensschatz keineswegs treu und sorgsam gehütet, sondern namentlich protestantischen Einflüssen Thüre und Thor geöffnet hat, wie sie in geradezu trostloser Weise dem Sekteuwcsen verfallen ist, so daß ein russischer Schriftsteller schmerzerfüllt ausruft: „Christen heißen wir, aber nicht für uns reiften die Früchte des Christenthums." Verfasser zeichnet ferner die Stellung der russischen Kirche zum Papste, ihre Sakramentcnlehre und Liturgie, eröffnet uns überaschcude Einblicke in die Verhältnisse des russischen Säcular- und Negularklerus und schließt mit einem Ausblick auf die Zukunft der schiSmatischcn StaatSkirchc, die wahrlich nicht rosig sein kann, wenn es je wahr ist, was ein nihilistischer Schriftsteller schreibt: „An Stelle des russischen Gottes ist die Schnapsflasche getreten. Da§ Volk, die Mütter, die Kinder sind betrunken. Die Kirchen sind leer." Jedem, der sich für die russisch-schismatische Kirche iuteressirt, ist das Studium der Schrift Knie's angelegentlichst zu empfehlen; eine überzeugendere äemoustratio aä oeuios, welch entsetzliche religiöse Verheerung das Schisma und daS StaatSkircheuthum in Rußland zur Folge gehabt, gibt es nicht. Wir müssen uns versagen, in diesem Referate uns weitläufiger über einzelne Partien des Buches zu verbreiten, und behalten uns vor, nächstens den einen oder andern Gegenstand ausführlicher zu behandeln. Uebrigeus können wir die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Lektüre des Buches auf uns den Eindruck gemacht hat, als schildere der Verfasser weniger auf Grund eigener persönlicher Erfahrung, als vielmehr unter Berufung auf andere Autoren, allerdings zumeist russische, deren Zeugnisse er durch seine Erfahrung bestätigt, statt umgekehrt feine eigenen Erlebnisse, Wahrnehmungen, Eindrücke anschaulich und getreu zu erzählen und sie durch Aussprüche einheimischer Schriftsteller zu stützen. Auch hätte manches bedeutend gekürzt werden können; endlich hätten wir dem Verfasser seine polemischen Erörterungen gegen Dalton gerne geschenkt. Petrus in Rom oder Xovas Viuäioias Dstriuao. Neue literar-historische Untersuchung dieser „Frage", nicht „Sage" von Johann Schund, Pros. d. Theol. in Luzcrn. Luzcrn, Räber 1892. 8°, XDIX und 229 S. 4 M. X Die göttliche Einsetzung des Primats, die Thatsache, daß der hl. Petrus seinen bischöflichen Stuhl in Rom errichtet, als Bischof in Rom gestorben und seinen Amtsnachfolgern mit der Hirtensorge über die Bekenner Christi in der ewigen Stadt zugleich auch die Regierung der Gcsammtkirche vererbt habe, das ist eine für jeden Katholiken, für jeden Christen eminent wichtige Frage, wenn sie überhaupt noch eine Frage genannt werden darf. Sicher hat schon mancher daS Bedürfniß gefühlt, all die Gründe und Zeugnisse, auf welche die katb. Behauptung eines Episcopats Petri in Rom sich stützt, in erschöpfender Darstellung gesammelt, all die Einreden und Bedenken, die namentlich pro- testantischerseitS dagegen erhoben werden, entkräftet zn sehen. Vorliegende Schrift wird diesem Bedürfnisse vollständig gerecht. Der Verfasser, der sich schon seit vielen Jahren eingehend mit diesem Gegenstände beschäftigt hat und darin, wie nicht leicht ein Anderer, compctent ist, schildert in einen: Prolog von nicht weniger denn XDIX Seiten den „hl. Petrus und seinen Primat im neuen Testamente", um dann sofort das Zeugcnverhör anzustellen, das er aber auffälliger Weise nicht mit den Apostelschülern Papias, Clemens von Rom, Jguatius, sondern mit Jrenäus und Tcrtullian beginnt. In einem weiteren Abschnitte behandelt der Verfasser Simon Magus und die auf die „Simonssage" gestützten Hypothesen gegen Petrus in Rom, um dann schließlich die Fragen zu erledigen: wann und in welcher Eigenschaft Petrus in Rom gewesen sei. Verfasser kommt zum Ergebniß, „daß die kirchliche Tradition wie in Betreff der Gründung der römischen Gemeinde durch Petrus und seines 25jährigen römischen EpiscopatcS, so auch in Hinsicht auf das Datum seines glorreichen Martcrtodes an die bcstbezcugten Momente (?) der Geschichte jener Zeit anknüpft und so in den wesentlichsten Punkten durchaus vcrlässig ist", daß ferner „Petrus Lehrer, Stifter und erster Leiter, — Bischof — der römischen Kirche war" Die Untersuchungen sind durchaus gründlich geführt, keiner Schwierigkeit, keinem Einwürfe ist aus dem Weg gegangen, auch die gegnerische Literatur ist ausgiebig herangezogen und verwerthet worden. Mit bestem Gewissen können wir daher vorliegende Schrift all den vielen Geistlichen und Laien empfehlen, „die sich wohl um wissenschaftliche Fragen interessiren, aber wegen ihrer übrigen Berufsgeschäfte dieselben oft nicht speziellen Studien unterwerfen können und denen auch vielfach hicfür die literarischen Hilfsmittel abgehen." i. „Das letzte Mittel" und „Eine Prophezeiung" betiteln sich zwei Broschüren des bekannten JesnitenmissionärS ?. W. Lcrch in Mariaschein (Nordböhmcn), die nach Inhalt und Form als sehr zeitgemäß zu bezeichnen sind. ?. Lerch ist seit einigen Jahren unermüdlich in der Abhaltung von Volksmissionen in Dcutfchöstcrrcich thätig. Als MissionSpredigcr hat er erfahrungsreich diese Broschüren verfaßt, deren erstere in überzeugend eindringlicher Weise die vollkommene Neue behandelt, während die letztere in ansprechendster Art Pflicht und Segen der Sonntagsruhe und Sonn- und FeiertagS- beiligung darlegt. Diese Broschüren sind im Verlage von A. Opitz in Warnsdorf, Ncrdböhmen, erschienen. Preis ä 5 kr., irauco Post 7 kr. — 10 Psg., 50 Stück frauco 2 fl. 50 kr. Dieselben sind namentlich für Jndustrieorte und Diaspora- Gegenden cmpfehlenSwerth. Die Todesangst unseres Herrn Jesu Christi am Oelberg. Von k. ExuperiuS von PratS de Mollo. Aus dem Französischen überseht von A. Nügemer. Rcgeus- burg, 1894. Pustet. XVI u. 175 S. Preis brosch. 80 Psg. ES werden 40, eng an daS Evangelium sich anschließende, kurze Betrachtungen über das große Leiden, den innern Kampf des Heilandes, das Entsetzen seiner hl. Seele auf dem Oelbcrge geboten. Mau erkennt sofort darin den prakiischen Geistesmann, der eS niemals versäumt, seine praktischen Anwendungen auf daS tägliche Leben eines Christen zu machen. Die Ucbersetzung ist fließend. Okkioinm Lodäoinaäas majoris a. Dominion ill kalmis usgus all 8a.bba.tum in Xlbis Zins oantu. Negensburg, 1894. Frdr. Pustet. 18°, 368 p§., brosch. 2 In Lederbd. m. Rothschn. 3 M. Dein an dieser Stelle bereits angezeigten und empfohlenen zweibändigen römischen Breviere in 18° ist nun auch das oben angekündigte Wcrkchcn in demselben Formate gefolgt. Dasselbe bietet alles, was Brevier und Missale für diese hl. Zeiten enthalten. In dem Anhang von 32 Seiten findet sich sodann noch der Oräo Llissao und die Commemorationcn jener Feste, welche in diese Zeit fallen können. Die bekannten und anerkannten Vorzüge des genannten Brevieres vereinigt auch dieses Wcrkchcn in sich, das bei seiner Dicke von 12 mm nicht handlicher gedacht werden kann. Literarischer Handweiser, begründet, herausgegeben und redigirt von Msgr. Dr. Franz Hülskamp in Münster. 24 Nrn. L 2 Bogen Hochqunrt für 4 M. p. Jahr. 1693. Nr. 23. Inhalt: Der hl. Karl BorromäuS als Pädagog (RolfuS). — Weitere kritische Referate über Fast en predigten von Bryuych, Costa, Dicssel, Ph. Hammer, Jbach, Nagelschmitt, Patiß, Paulhuber u. PratteS (Deppe), Heiner Katholisches Kirchenrccht (BellcSheüu), Bram- bach Die Historik clo s. likra. und das 8a1vs DoZina. des Her- mannus Contractus (W. Bäumker), Jahresberichte der Geschichtswissenschaft für 1892 (Wurm), Müllendorff Pfingstbetracht- ungeu, Lödler Schmerzhafte Mutter und Zobel Heilige Familie (Deppe), Für Mußestunden (Plaßmann), Keiter's und Kürschner's Literaturkalcnder für 1894 (HülSkamp). — 7 Notizen über verschiedene Nova (Hülskamp). — Novi- täten-Verzeichniß. Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg