Eine „Sarmülttng theologischer Lehrbücher" mit besonderer Berücksichtigung der Neligions- philosophie. I. ss. v. Fast jedes Jahrhundert wagt in größerer oder geringerer Bestimmtheit, je nach seinem Culturstande, den Versuch, den Gesammtinhalt seines Wissens in einem einzelnen oder in allen Fächern zusammengenommen durch ein großes literarisches Unternehmen zur Darstellung zu bringen. Fühlt sich unser Jahrhundert in dieser Beziehung solidarisch mit den vorangegangenen, so ist das ganz natürlich. Gewinnt aber dieser Versuch bei ihm eine ganz besondere und eigenartige Gestalt, deren Entstehung oft in einer intensiven Durchdringung und bis in's Detail gehenden Beherrschung einer einzelnen Disciplin oder auch nur eines Begriffes dieser Disciplin ihren Grund hat, so liegt hierin gerade die epochemachende Bedeutung unseres Jahrhunderts. Denken wir z. B. nur an Max Müller, der es gerade versucht in 4 Banden über den Begriff der Religion zu schreiben. Die Bände tragen die Titel: „Natürliche Religion, Physische Religion, Physische und Anthropologische Religion". Wir sehen von der Tendenz dabei ganz ab. Im allgemeinen nun sind es gegenwärtig in der Regel zwei Formen oder Gestalten, in welchen sich der Wissensinhalt einer oder mehrerer Disciplinen rcpräsentirt, die Form des Wörterbuchs und die Form des Lehrbuchs. Namentlich ausgebildet sind diese beiden Formen in den staatsmiffenschaftlichen und theologischen Fächern, ohne natürlich auf diese beschränkt zu sein. Wir haben in neuester Zeit ganz hervorragende Staatswörtcrbüchcr und Lehrbücher des Staatsrechts, der Nationalökonomie und der Rechtswissenschaft, und gegenwärtig ist eben ein Unternehmen begonnen worden, das an Großartigkeit alles andere zu übertreffen und sein Vorbild in dem mehrbändigen, noch nicht vollendeten, höchst charakteristischen und interessanten „systematischen Handbuch der deutschen Rechtswissenschaften" von Dr. Karl Bindig gefunden zu haben scheint. Dieses neue Unternehmen ist dnS Hand- und Lehrbuch der Staatswissen- schaftcn, herausgegeben von Cuno Fraukensteiu. Von diesem Werk sollen jährlich 5—6 Bände erscheinen; in ungefähr 6 Jahren soll das Ganze vollendet sein, so daß wir mindestens 30 Bände zu erwarten haben. Der erste Band ist bereits erschienen und handelt von den Grundbegriffen der Volkswirthschaft von dem Münchener Professor Lehr. Daneben läuft noch eine eigene Zeitschrift mit dem Titel: Zeitschrift für Literatur und Geschichte der Staatswissenschaften von Cuno von Frankenstein. In ganz ähnlicher Weise versucht man in theologischen Kreisen den Gesammtinhalt der wissenschaftlichen Theologie darzustellen. Allbekannt sind ja in dieser Beziehung das Herder'sche Kirchenlexikon und die theologische Bibliothek, ferner die wissenschaftlichen Handbücher der Theologie, die bei Schöningh in Paderborn erscheinen, unter denen die wahrhaft hervorragende, von uns überaus hochgeschätzte Dogmatik von Schell ihren Ort gefunden hat. Aber unser volles und höchstes Interesse gilt gegenwärtig einem derartigen Unternehmen von Seite der protestantischen Wissenschaft. Ist es nun durchaus nicht auffällig, wenn in stnatswissenschaftlichen Encyclopädien und Lehrbüchern der Parteistand Punkt, sei es der liberale, conservative oder demokratische, bisweilen in den Vordergrund tritt, so ist in der protestantischen Theologie dieser Parteistandpunkt allem Anscheine nach geradezu das Entscheidende und Charakteristische, und es war höchste Zeit, daß der Tübinger Professor Robert Kübel in seinem sehr instrnctiven Buch „Ueber den Unterschied zwischen der positiven und der liberalen Richtung in der modernen Theologie" einigermaßen Klarheit geschaffen hat. Vollständige Klarheit zu schaffen, ist ihm allerdings unseres Trachtens nicht gelungen, da er, obwohl streng orthodox, doch etwas gar zu optimistisch genrtheilt hat. Ungemein wahr ist allerdings auch, was in den Historisch-politischen Blättern gelegentlich eines Artikels: „Apostolicns und Apostolikum" zu lesen war: „Der mindest Orthodoxe sieht dem mindest Liberalen oft zum verwechseln ähnlich". Der Partcistandpnnkt, sagten wir, ist entscheidend, und darum stehen sich auch in der protestantischen Literatur Lehrbücher und Encyclopädien schroff gegenüber. Den besten Beweis hicfür liefert die „Sammlung theologischer Lehrbücher", welche in Freiburg bei Mohr erscheint. Diese Lehrbücher sind sämmtlich auf liberaler Basis aufgebaut und stellen sich somit zweifellos in Gegensatz zu dem „Handbuch der theologischen Wissenschaften in encyclo- püdischcr Darstellung", herausgegeben von Dr. Otto Zöckler bei Beck in München. Dies letztere ruht auf orthodoxer Basis. Die Zwecknrsache, die der Erscheinung dieser beiden Encyclopädien zu Grunde liegt, ist schließlich ein und dieselbe. Zöckler mit seinem Handbuche verfolgt die Aufgabe, „auf dem Grund der geschichtlichen Entwicklung der einzelnen theologischen Wissenschaften eine Gesammt- darstcllung der Theologie nach ihrem damaligen Stande aufzubauen". Die „Sammlung theologischer Lehrbücher" beabsichtigt in objektiver Berichterstattung über die einzelnen Disciplinen einen sicheren Ncberblick über den Stand der gesummten theologischen Wissenschaften am Ende des 19. Jahrhunderts zu gewähren. Aber wie verschieden muß die Wirkung sein, sobald wir den Unterschied von liberal und orthodox kennen? Fragen wir darüber, um durchaus von jedem Vorurthcile uns frei zu halten, die zuverlässigste Autorität, den oben genannten Professor Kübel, der fast mit bedenklicher Nüchternheit diesen Unterschied klar legt. Seite 278 u. f. heißt e§: „Auf der liberalen Seite der Glaube zwar vermittelt, vezw. irritirt durch das Bibelwort, dieses aber ist menschliches Literaturprodukt, eigentlich nur synoptisches und da uichi ohne Beschränkung gütig, die Gemeinde, ihr Bewußtsein, ihr ChristuSbild ist die eigentliche Quelle des Glaubens. Aus positiver Seite die Gemeinde rein zuerst Produkt deS VibelworteS, das GotteS eigenes Wort ist, der Glaube und seine Erfahrung durchaus gebunden an dessen autoritatives Zeugniß. Aus liberaler Seite das Historische an Jesu Leben, selbst die von den Aposteln einstimmig als absolut entscheidend betonte Thatsache der Auferstehung als diese Thatsache religiös irrelevant, auf positiver Seite dagegen daö historische Leben Jesu, vor allem Tod und Auferstehung als Thatsachen ganz abgesehen von der subjektiven Wirkung in nuS, versöhnend d. h. auf Gott selbst objektiv cin- cimvirkcud n. s. w." Jedermann sieht sofort, welch ungeheure Verwirrung entstehen muß, wenn innerhalb der Theologie sich zwei so Wesen haft verschiedene Richtungen einander gegenüberstehen, und jedermann wird sich auf die Frage besinnen: Ist das auf liberaler Seite Gebotene überhaupt noch Theologie? Die Antwort ist leicht: Es ist auf die Spitze getriebener Subjektivismus, wonach in der Erkenntniß nur wahr ist, was das Subjekt 60 zu fassen vermag, und zwar nur in der Weise seiner Auffassung. Sehen wir uns einmal diese „Sammlung theologischer Lehrbücher" an, um sie an der Hand dieser Wahrheit zu prüfen und zugleich zu erkennen, daß mit solcher Wissenschaft der Ruin, die Zerstörung der Theologie gegeben ist, um dann ferner einzusehen, daß einzig und allein hier, in dieser protestantisch-liberalen Theologie, das Wort des Dr. Jürgen Bona Meyer, gegen deu bekanntlich Professor Dr. Schell auf der Katholikcn- vcrsammlung 1893 gesprochen hat, eine ungemeiu wahrhafte Grundlage findet, das Wort nämlich: „das Loslösen der Theologie von der Universität wird immer wahrscheinlicher", weil eben diese Theologie nichts anderes ist, als Philosophie. Nebenbei wollen wir bemerken, daß die ersten Circn- lare, die über diese „Sammlung theologischer Lehrbücher" orientiern sollten, die Versicherung gaben: „die Sammlung dient keinem Parteiintcresse". Diese Versicherung ist in den späteren Circularcn weggeblieben; man fühlte wohl, daß man hicmit sich compromittircn würde; denn die allmählige Ausgabe einzelner Bände sowohl, wie die gleichzeitige, in Verbindung mit dieser Sammlung veranstaltete Herausgabe von Büchern über bestimmte theologische Materien, wie Weizsäckers „Das apostolische Zeitalter", die Entwicklung der protestantischen Theologie vom Berliner Professor Otto Psleiderer, die praktische Theologie von Achelis, desgleichen die Herausgabe einer neuen theologischen Zeitschrift, welche von Harnack, Ncischle, Kastan, Eottschick bedient wird, — belehrte jeden Sachverständigen, daß es sich hier um die Liberalisirung der Theologie handelt. Ausfallend mag sein, daß das protestantische Kirchen recht in dieser Sammlung keine Ausnahme und keine Bearbeitung findet, auffallend sagen wir, nicht etwa deßhalb, weil der Protestantismus vermöge seiner Verfassung eine ganz eigenartige Stellung zum Kirchcurcchtc hat, sondern vielmehr deßhalb, weil auch hier die Wissenschaft wahrhaft grandiosen Fortschritt gemacht hat. Und gerade der Darstellung des Fortschritts dient die „Sammlung theologischer Lehrbücher". Denn führt eine Theologie, welche die Gottheit Jesu Christ: zur Grundlage hat, nach Harnack zum „Bock und Centauren", dann kann er doch kein Bedenken haben gegen eine Darstellung des KtrchcnrechtS, die dahin mündet, daß das Kirchcnrecht überhaupt im Widersprüche mit dem ganzen Wesen der Kirche steht. DaS mag manchem Leser sehr überraschend vorkommen, thatsächlich ist diese These, daß das Kirchcnrecht mit dem Wesen der Kirche im Widersprüche steht, aufgestellt und durchgeführt worden, und kein Geringerer als der Leipziger Professor Nndolph Sohm hat das zu Stande gebracht. Nndolph Sohm ist beauftragt, für das obcngennnnts Handbuch der deutschen Rechtswissenschaft von KarlBinding das Kircheurecht zu bearbeiten. Den ganzen ersten Band dieses seines Kirchcnrcchtcs mit 700 Seiten Großoctav benutzt Sohm dazu, die obengcnanute These mit Aufwand aller möglichen Gelehrsamkeit zu beweisen; dabei kommt aber das protestantische Kircheurecht ebenso schlecht weg, wie das katholische, und es handelt sich nur darum, welcher Kirche diese schlimme Behandlung mit Gründ angethan wird. Obwohl es eigentlich zu dem uns vorliegenden Thema nicht gehört, so können wir cS doch nicht unterlassen, eine Stelle anzuführen aus Sohm (Kirchcnrecht, I. Band, S. 458), welche, den Theil seiner Betrachtungen über das katholische Kircheurecht abschließend, also lautet: „So ist die Geschichte des KirchenrcchtS zugleich die Geschichte fortgesetzter Entstellung der christlichen Wahrheit gewesen. Sie hat begonnen mit der Herstellung einer rechtgcordnrten Gemeindc- berfassung (Gewalt des Bischofs). Sie ist vollendet mit dem Ausbau einer rcchilick geordneten Gcsammtkirchcnvcrfassung (Gewalt dcö allgemeinen Concils, Gewalt des Papstes). Durch eine Wahrheit (durch den Lehrsatz, daß kraft göttlicher Ordnung allein dem Bischof die Verwaltung der Eucharistie zustehe) ist die Gewalt dcö Bischofs, durch eine Unwahrheit (den Lehrsatz, daß eine solche formell verbindende Lehrgewalt vielmehr kraft göttlicher Ordnung schon dem Papst allein zustehe) ist die Gewalt des unfehlbaren Papstes begründet worden. Nicht als wenn die Unwahrheit durch sich selber gesiegt hätte. Aber ein geschichtlich vorhandenes, thatsächlich anscheinend unabweisbares, mittelbar aus sittlichen Beweggründen geborenes Bedürfniß, das Bedürfniß nach cincm Kirchcnrecht, welches die Ordnung und die Lehre der Kirrbe sicherstellte, war die Kraft, welche eine Reihe von Selbsttäuschungen mit der Macht geschichtlicher Nothwendigkeit und folgeweise mit der Macht dcö Sieges bekleidete." Wer lacht dad Die Völker der Erde. Von Dr. Bonif. Platz.'"") 8s1i. Mit vorgenanntem, soeben complet gewordenem Werke tritt ein großes, Generationen dnrchdanerndes und erfreuendes Säcnlarwerk in die Erscheinung, welches an Bedeutung und Interesse das so gerühmte Brchm'sche Opus über das Leben der Thiere weit überragt, da es nicht von fremder SpecieS Kunde gibt, sondern mit dem Menschengeschlechte sich beschäftigt, in dessen Kreis wir selbst gehören, und indem es die Existenzform und Lebensweise unserer so manchfaltig ausgestatteten Brüder, dieser so verschiedenen Glieder der einen Menschheitsfamilie, schildert; ein Werk, das nicht, wie Vrehm's Thierleben, an Unglauben krankend, mehr Unheil als Nutzen stiftet, sondern, auf christlichem Boden stehend, daS Gute mit dem Schönen, das Belehrende mit dem Erhebenden, daS Reale mit dem Idealen verbindet, somit uns die ganze, volle Wahrheit kredenzt. Das Werk behandelt den wichtigsten aller wissenschaftlichen Gegenstände, den Menschen, nach Art und Abart, Gestalt, Farbe und Tracht, Wohnplatz und Wohnung, Klima und Cultur, Religion, Sprache und Sitte, Spiel und Gewerbe, Gewohnheit und Treiben, kurz, nach Körper und Geist. Was wir da vor uns haben, ist sohin in Bezug auf die darauf verwendete Geistesarbeit und die damit verbundenen Kosten eine hervorragende anthropologische Leistung ersten Ranges, in Hinsicht auf den Effekt aber wahrhaft eine Wcltgemäldcgallerie in Bild und Wort, und gewährt nahezu das Vergnügen einer mühe- und kostenlosen Rundreise um die Welt. Wie eine riesige Wandcldeko- ration ziehen diese kunstlwllcn Beschreibungen aller Länder und Völker der fünf Erdtheile an unserm entzückten Geiste vorüber. Da ist alles so anschaulich geschildert, so frisch und lebendig, so naturgetreu und scharfbcobachtend geschrieben, daß man die farbenprächtigen, Aug' und Geist anregenden, ethnographischen Bilder unmittelbar vor sich 'D Würzburg, k. u. k. Hofbuchhandlung von Leo Wörl. 2 Bände in Quartformat. Auch einzeln zu haben: Asien, 28 Bogen mit 210Jllustr., darunter 44 Vollb., 4 Kart., brosch. 7 M., geb. 9 M.; Australien, 15 Bogen mit 93 Jllustr.» dar. 25 Vollb., 1 Karte, brosch. 4M., geb. 6 M.; Afrika, 18 Bogen mit 117 Jllustr., dar. 31 Vollb., 3 Kart., brosch. 5 M., geb. 7 M.; Amerika, 17 Bogen mit 88 Jllustr., dar. 31 Vollb., 4 Kart., brosch. 5 M., geb. 7M.; Europa, 22 Bogen mit 159 Jllustr., dar. 44 Vollb., 6 Kart., brosch. 6 M., geb. 8 M. Summe: 109 Bogen mit 658 Jllustr., dar. 178 Vollb., 18 Kart., brosch. 27 M.. geb. 37 M. zn haben glaubt. Dabei wird das an sich schon sehr plastische Wort des Verfassers unterstützt durch die außerordentlich vielen und schönen Originalzeichnungcn der bei dem Werke mitbetheiligten Künstler, durch Text- wie durch Vollbilder, worin sich die malerischen Schönheiten der Erde vor unserm Blick herrlich entfalten und das Charakteristische jedes Landes und Volksstammes durch eigenartige Reize der jeweiligen Scenerie und durch die Vorführung des so lehr- und kenntnißreich Geschilderten sich zur Geltung bringt. Dankbar muß der Gebildete das Hervortreten dieses eminenten Werkes begrüßen, wodurch er auf nahezu spielende Weise sein Wissen bereichert und in Länder- und Völkerkunde sich Kenntnisse aneignet, welche zeitlebens sein und seiner Freunde Ergötzen sein werden. Allerdings liegt es in der Natur der Sache und des Stoffes, daß etliche wenige Bilder sowie auch einige Textzcilen nicht sür das Kiuderange sind. Zuerst behandelt der Verfasser in allgemein verständlicher, edel klarer, oft schwungvoller Sprache Europa, welches den Neigen führt und im Verlauf von zwei Jahrtausenden aus dem Schatten der Unbe- kanntheit zum leitenden Welttheil und zur höchsten Civilisation sich emporgeschwungen hat. Staunend blicken wir hinan zu den Höhen der europäischen Cultur, freuen uns dieser Errungenschaften, belehren uns über die dort ansässig gewordenen Nationen und Stämme und wandern dann frohen Muthes aus in die andern Erdtheile, um die Natur- schönheiten und Völker jener Zonen mit dem zn vergleichen, dessen wir daheim uns erfreuen. Wahrlich, eine fröhliche Länder- und VLlkerentdcckungsfahrt, die wir da antreten! Wir begreifen die Freude, mit der die Genossen des Columbus das Wort „Land!" ausriefen, wenn wir so mit unsern Blicken, sei es auch nur in vorliegendem Werke, von einem Land zum andern übergehen, jederzeit wieder Neues und Hochinteressantes kennen lernend. Wir vertauschen Erdthcil um Erdthcil, Besuch abstattend bei den zahlreichen Völkern der Erde und sie alle in ihren Cha- raktercigcnihümlichkeiten, Körper- und Gcistcsbeschasfen- hciten, Tugenden und Fehlern genau beobachtend. Des Ungewöhnlichen, ja oft Wunderbaren erfahren wir dabei so viel, daß uns die Zeit darüber wie im Fluge vergeht. — Asien, der größte und volkreichste Erdtheil, die Wiege des Menschengeschlechtes, der Religionen, der geistigen Cultur, das Land der Zauber und Märchen, der Niesen- und Wundcrbanten, nimmt unsere Aufmerksamkeit durch die hervorstechenden Merkmale seines hohen Alters, seiner gIänZendenVcrgangcnhcit,seinersonderthümlichenGanz-üdcr Halb-Civilisation, wie durch die Contraste und wechselnde Manchfaltigkeit seiner Länder und tausendfaches Anderes bestens in Anspruch. — Es folgt Afrika, das Land, welches gegenwärtig von so aktueller Bedeutung geworden und eben für Cultur und Christenthum, wie für die Bestrebungen des Handels und der Kolonisation von Europa's Mächten aufgeschlossen wird. Afrika, an seinen Nord- küsten einstens der Ursitz menschlicher Cultur, das noch so wenig erforschte, wird nach Ethnographie und Geographie vom kenntnisreichen Verfasser sehr eingehend behandelt und so eine Fluth von Licht über diesen dunkeln Erdthsil ausgegossen. Die beigegcbenen Karten sind sehr genau revidirt; die Volksstümme, Neger wie Araber, Herren wie Sklaven, Eingewanderte wie Ureinwohner, stellen sich uns in ihrer vollen Eigenthümlichkeit vor Augen. Eingehend werden geschildert die Schrecken der Sklaverei wie die Pracht der dort sich so üppig entfaltenden tropischen Natur. Der Verfasser versteht es, rasch uns Bahn zn brechen in das ungebahnte Land und uns mit Vorliebe bekannt zu machen mit vielen seither unbekannten Natur- und Menschheitszusiänden. Unser Weg geht von Meer zu Meer. — Doch auch der Ozean hält unsere Reise nicht auf. Amerika empfängt uns. Wir stehen auf dem Boden der „Neuen Welt" mit seiner überaus reichen und wechselvollcn Scenerie, seinen auf deur höchsten Gipfel der Cultur stehenden Staaten und rasch emporgeblühten Städten, mit seiner energisch klugen, rastlosen, unternehmenden, praktischen Bevölkerung, wie mit seiner romantischen Wildnis; des Urwaldes und der Urmenschen dieses Riesenlandes. Mit steigender und gerechter Bewunderung verfolgen wir diese Zonen und diese Nation, der in Kunst, Industrie und Erfindung das Große klein, das Schwierigste leicht erscheint. — Den Schluß bildet Australien, dieses uns aui fernsten gelegene Jnselland mit seiner, man darf sagen wahrhaft sonderbaren Fauna und Flora. Auch hier fesselt der weltkundige Autor unsere ungctheilte Aufmerksamkeit durch seine Schilderung von Land und Leuten, mag er nun des öderen Kontinentes Städte oder Steppen beschreiben, oder des blühenden Jnselreiches lachende Eilande, die sich wie ein Kranz um dasselbe herumliegen, mag er von der gegenwärtigen Generation sprechen oder der ausgestorbcncn Stämme gedenken. So tritt das gestimmte Prachtwerk, welches in jeder Beziehung von äußerst eleganter und vornehmer Ausstattung ist, nach Form und Inhalt in Geist und Herz gewinnender Gestalt uns entgegen, da Wort und Bilder- schmnck, Verfasser, Zeichner, Kartograph und Verleger harmonisch zusammenwirken, den freundlichsten Eindruck auf den Leser zu machen und ein Monnmentalwerk zu schassen, durchaus und in allwcg entschieden geeignet, spielend neben der edelsten Unterhaltung die reichste Belehrung zu bieten. Das gediegene Werk dürfte sich besonders für frohe Tage als Festgescheuk empfehlen, dann aber namentlich für die Bibliotheken höherer Schulen, für Erwachsene und gebildete Familienkreise, welche in genußreicher Weise sich unterhalten und belehren wollen. Dem schönen Werke wohnt ein bleibender Werth inne. Das Ende des Hückelisums. Ein vernichtendes Gericht geht soeben über den Mann nieder, welcher in unerhörter Weise das Denken der modernen Welt, besonders der deutschen, beeinflußt hat. Häckel ist es zu verdanken, daß die extremsten materialistischen Anschauungen, welche, großentheils nur im Keime, im ursprünglichen Darwinismus schlummerten, zur vollen Entwickelung gelangten und zu den herrschenden in den Kreisen der Naturforscher wurden. Durch ihn ist die gewaltige, leidenschaftliche Propaganda entfacht worden, welche in die gebildeten Laienkreise getragen wurde, an der er selbst den Löwenanteil beanspruchen kann. Es war soweit gekommen, daß Niemand, bei Strafe der Lächerlichkeit, mehr wagen durste, an dem Darwinismus in Häckcl'scher Form zu zweifeln; Finsterling, Neactionär, Jesuitensöldling und was dergleichen ebenso liebenswürdige als wissenschaftlich entscheidende Beweise mehr sind, ris- kirte sowohl der Laie, der nicht recht zustimmen, als der Gelehrte und Naturforscher, der nicht begreifen wollte, bis endlich der Häckclismus trimnphirend durch alle Kreise gezogen war und seine Alleinherrschaft errichtet hatte. 68 V,Mr Nichts war durch eine lauge Reihe von Jahren im Stande, Häclel von seinem nsnrpirten Throne zu stoßen, weder die Gegnerschaft großer Naturforscher, noch die Zweifel manäicr seiner gewesenen Schüler, noch — und das ist das Merkwürdigste — wissenschaftliche Blamagen des tyrannischen Triumphators. Häckcl hatte die öffentliche Meinung erobert, und durch diese war er geschützt — eine merkwürdige wissenschaftliche Garde. Es wurden ihm grobe Verstoße gegen die Wahrheit wiederholt nachgewiesen, doch im großen Pnblicum horte man davon fast nichts. Keine Spur von dem Lärm in den Tagcs- blättern, den Fabriken der öffentlichen Meinung, keine Trompetenstöße jener Art, welche bei Verbreitung der Häckcl'schcn Irrlehre allgemein waren und uns noch Allen in den Ohren klingen. Auch heute, wo ein hervorragender Naturforscher und einstiger Schüler Häckcls Generalabrechnung mit dem Manne hält, der die öffentliche Meinung so lange und unbeschränkt beherrscht hat, ist in -den TagcSblättcrn kaum etwas davon zu- lesen. Paßt es etwa den Machern der öffentlichen Meinung nicht, daß die Wahrheit über den Apostel des Materialismus genügend bekannt werde? Haffen wir, daß sie doch noch die Objectioität besitzen werden, ihren Leserkreisen mitzutheilen, daß auf Häckcls Autorität kein Verlaß ist, daß dieser Mann sogar vor unerlaubten Mitteln nicht znrückschcnte, um seine vorgefaßten Ideen als Wahrheit erscheinen zu lassen. Es ist dies die schrecklichste Anklage, welche gegen einen Forscher erhoben werden kann, und wenn sie erwiesen ist, ist sie gleichbedeutend mit der Vernichtung. Gilt dies schon auf jedem, auch dem entlegensten Gebiete dcS Wissens, so ist das noch mehr der Fall, wenn es sich um ein Wissensgebiet handelt, wofür sich die ganze gebildete und ungebildete Welt im höchsten Grade intcrcssirt, um die Abstammung des Menschen, seine geistige Natur und alle die Fragen der Religion, die sich daran knüpfen. Hat ein Forscher hierin zu dcm Mittel gegriffen, eine Beobachtung als gemacht zu erklären, die er nie gemacht hatte, und von welcher ein Beweis für die ganze Frage abhängen sollte, so hat er sich nicht eines einfachen Irrthums und einer gewöhnlichen Irreführung schuldig gemacht, die der nächste Beobachter wieder gut machen kann, sondern er hat die Menschheit betrogen, die in ihren weiten Kreisen nicht fähig ist, selbst die Beobachtung zu wiederholen. Das sind scharfe Dinge, und wenn sie Häckcl treffen, so sind alle Tagcsblätter verpflichtet, den Mann zu entlarven, der in Fragen, welche für die ganze Menschheit so wichtig sind, eine derartige Irreführung gewagt hat. Wir wollen nun sehen, welches der Sachverhalt ist, auf welchen sich die vernichtende Anklage stützt?) Sie lautet: Häckcl hat, einzig um seine extrem materialistisch-darwinistische Entwickelungstheorie durch behauptete Thatsachen zu beweisen, Abbildungen theils gefälscht, theils erfunden. ° Den Beweis für diese vernichtende Anklage haben mehrere hervorragende Naturforscher erbracht, ohne daß Häckcl sie widerlegt hätte. Der bekannte Leipziger Anatom und Physiologe Professor His stellt diesen Beweis in folgender Weise her (His, „Unsere Körpcrform und das physiologische Problem ihrer Entstehung." Leipzig 1875): *) Wir folgen hier der Zusammenstellung in: „Professor Ernst Häclel in Jena mid seine KampfeSweise" von Professor Dr. Otto Hamcinn; Eöttingcn, Peppmüllcr 1893. „Es ist wohl erlaubt, Häckel eine Strecke weit auf dem Boden thatsächlicher Darstellung zu folgen und einige seiner beweisendsten Abbildungen einer genauen Prüfung zu unterziehen. Wir nehmen die erste Auslage der natürlichen Schöpfungsgeschichte zur Hand und finden Seite 242 abgebildet in drei untereinander stehenden Abbildungen das Ei des Menschen, das Ei des Affen und dasjenige des Hundes, je 100 Mal vergrößert; auf Seite 284 aber in drei nebeneinanderstehenden Figuren den Embryo des Hundes, denjenigen des HnhneL und den der Schildkröte. Die Uebereinstimmung in jeder der drei Figurenreihcn ist eine vollkommene, und kaum kann man sich etwas Ueberzcugenderes denken als diese weitgehende Identität von Formen verschiedener Wesen. . . . Noch merkwürdigere Uebereinstimmung enthüllt indeß eine weitergehende Prüfung der Figuren. Die absolute Identität besteht nicht allein für die Eier der einen und die Embryonen der anderen Reihe, sie besteht auch für Ort und Form der bezeichnenden Buchstaben, ja sie besteht für die Zahl und für die Länge der Strichclchcn, mittelst deren jene den Figuren angefügt sind. Es hat mit anderen Worten Häckel je drei Clichös desselben Holzstockes unter drei verschiedenen Titeln aufgetischt. Das Verfahren war etwas stark und von Seiten eines durch Tragweite, Liefe und durch Gewissenhaftigkeit der Forschung gleich hoch dastehenden Mannes, von Professor Nütimeyer, ward es sofort gerügt als eine den öffentlichen Credit des Forschers tief schädigende Versündigung gegen wissenschaftliche Wahrheit. Danach durfte man zum Mindesten eine Zurücknahme und Entschuldigung des begangenen Fehlers erwarten. Statt dessen hat Häckel in der Vorrede seiner späteren Auflagen schwere Schmähungen auf Professor Nütimeyer gehäuft, gleich unwahr, was ihren Inhalt, wie unedel, was ihre Form betrifft. Dabei ist, was allerdings der Erwähnung bedarf, der Holzschnitt jeder der beiden Reihen in der Folge nur einmal, der eine uiit einer einfachen, der andere mit einer Cnmnlativ- Unterschrist versehen, abgedruckt worden." Das wäre somit die erste, geradezu verblüffend kühne Fälschung. Professor His fährt in seiner niederschmetternden Beweisführung der Fälschungen HäckelS folgendermaßen fort: „Unverändert und durch zwei neue Figuren vermehrt erscheinen dagegen auch in der fünften Austage der Schöpfungsgeschichte die paar größeren Bilder, welche die Formidenlität von Hunds- und Menschcncmbryo, sowie die von Huhn und Schildkröte erweisen sollen. Won diesen Figuren sind einige Copien, andere dazu componirt. Copien sind (außer der Schildkrötcnfignr) die Abbildungen des angeblich vicrwöchcntlichen Hundes (vergleiche Bischofs Tafel XI, 42 L, Hundc-Embryo von 25 Tagen) und diejenige des angeblich vierwöchentlichen Menschen (vergleiche Ecker, leonag pst^giol., Tafel XXX, 2, allda ohne AlterZangabe). Allein es sind Kopien in freier Behandlung, und zwar sind die genommenen Freiheiten derart, daß sie eben der gewünschten Identität zu Statten kommen. Oder ist eZ ein Versehen der Lithographen, baß beim Hackcl'schen Hunde-Embryo gerade der Stirntheil des Kopfes um 3'/z Millimeter länger gerathen ist, als bei Bischofs, beim Menschen-Embryo gegen Ecker der Stirntheil um 2 Millimeter verkürzt, und zugleich durch Verrücken des AugeS um volle 5 Milli mctcr vcrschmälcr 69 und daß dafür der Schwanz des letzteren znr doppelten seiner originalen Länge sich emporschwingt?" Also eine zweite Fälschung l „Reichliche embry alogische Abbildungen enthält die Anthropogenie. Ein Theil derselben sind die wieder abgedruckten Holzstöcke der Kölliker'schcn Entwickelungsgeschichte. So weit es sich aber um Häckcl'sche Originalien handelt, stehe ich nicht an, zu behaupten, das; die Zeichnungen theils höchst ungetreu, theils geradezu erfunden sind." „Erfunden ist Figur 42, Urkeim des Menschen, in Gestalt einer Schuhsohle, vierzig Mal vergrößert. Kein Beobachter hat bis jetzt dies Stadium gesehen, und zuversichtlich möchte ich nach dem bisher vorliegenden Materials behaupten, daß es nicht so aussehen und nicht die angegebenen Dimensionen besitzen kann." Erfunden! Was heißt daö? Wissenschaftlicher Betrug! Dritte Fälschung. „Erfunden sind ferner die zwei Figuren menschlicher Embryonen S. 272, bei welchen eine Allantois (beim Menschen bekanntlich nie in Blasenform sichtbar), als „ansehnliches Bläschen" nicht allein abgebildet, sondern ausdrücklich beschrieben wird." Vierte Fälschung! „Erfunden ist die Mehrzahl von den Figuren der Embryonentafeln IV und V, auf denen, um nur ein grobes Beispiel zn citircn, Fisch- und Froschembryonen ebenso unbefangen eine Scheitelkrümmnng des Gehirns zur Schau tragen, wie die Embryonen der Schildkröte, des Huhnes und der Säugethiere." Hier wissen wir also gar nicht, wie viele Fälschungen auf den genannten Tafeln IV und V vorhanden sind; es heißt einfach: „die Mehrzahl". Die von Professor His Herrn Häckel nachgewiesenen Fälschungen werden von anderen Forschern bestätigt, ja der Würzburger Professor Scmpcr hat denselben noch weitere angereiht; er sagt in seiner Schrift: „Der Häckclismus in der Zoologie", Seite 35: „.His hat sich in seiner trefflichen Arbeit „Unsere Körperform und das physiologische Problem ihrer Entstehung" die Mühe gegeben, aus der Schöpfungsgeschichte Hückels die von diesem Autor geübten Fälschungen nachzuweisen. „Es hat uns Häckel je drei Clickös desselben Holzstockcs unter drei verschiedenen Titeln aufgetischt". Auf Seite 170 sagt His über die Anthropogenie: „Ich stehe nicht an, zu behaupten, daß die Zeichnungen, soweit es sich um Häckcl'sche Originalien handelt, theils höchst ungetreu, theils geradezu erfunden sind". Ich meinerseits könnte zu den von HiS gegebenen Beispielen noch eine ganze Reihe anderer liefern; so sind z. B. die nach Kowalewsly copirten DnrchschnittSbildcr eines Ncgenwnrmcmbryos vollständig, das des AmphioxnS theil- weise gefälscht; außerdem wird das erste in einer Weise benützt, welche auch die Darstellung des KowalewSky gänzlich verdreht." Semper protestirt auch in einem offenen Brief an Häckel dagegen, „wie Sie (Häckel) dem Publicnm Ihre Hypothesen als naturwissenschaftlich festgestellte Wahrheiten, Ihre durch Reflexion gewonnenen Meinungen «lö auf Beobachtung beruhende Thatsachen hinstellen." Ebenso erklärt der Kieler Professor Hensen (Physiolog): «Es sind Häckel so erhebliche und mnthwilligc Vergehen gegen die Wissenschaft in unwiderlegbarer Weise nachgewiesen worden, daß zwar eine Nachsicht im persönlichen Verkehre möglich ist, aber bei wissenschaftlicher Discussion die Sachlage in der That recht schwierig wird . ..denn wahre Thatsachen haben dem gegenüber kein Gewicht, der nicht ansteht, dieselben nach seinem Willen zu beugen." Wir übergehen die vielen Nachweise, welche in der citirten Broschüre von Hamann niedergelegt sind, daß Häckel auch in anderen Fragen „directe Unwahrheiten" sich zu Schulden kommen ließ und in der Polemik gegen Collegen mit Anwendung solcher Unwahrheiten den Kamps zu führen sich nicht scheute. Wir bemerken nur, daß die obengenannten Professoren, so viel uns bekannt, durchweg Protestanten sind und lauter Naturforscher, Zoologen und Physiologen, welche im Nebligen selbst auf dem Standpunkte einer Entwickelungstheorie stehen, die aber sich hüten, Hypothesen als erwiesene Resultate der Natur- forschung auszugeben. Das also hat Häckel gewagt! Einem solchen Manne hat man geglaubt, der als Thatsachen angab, was er nie beobachtet hatte, und der an den beobachteten Thatsachen „Corrccturcn" anbrachte, welche Semper richtig Fälschungen nennt! Diesem Manne stand die ganze öffentliche Meinung bei, für ihn und seine als Wahrheit ausgegebenen Fälschungen und Hirngespinuste wurde die Trommel geschlagen und eine unerhörte Propaganda gemacht! Wo sind jetzt die Zeitungen und Macher der öffentlichen Meinung, welche das bisher irregeleitete und betrogene Publicnm darüber aufklären, daß die Autorität, welcher sie glaubten, als eine betrügerische offen gebrandmarkt ist? Wir sind neugierig, ob die über alle Maßen interessante, ja sensationelle Broschüre des Professors Hamann die Reclame finden wird in den Tages- nnd Unterhaltungsblättcrn, welche seiner Zeit für die durch wissenschaftliche Fälschungen beschmutzten Hückclschen Werke betrieben wurde. Oder wird man es gleichgültig finden, wein; die Wahrheit unbekannt bleibt, wenn die Irreführung weiter besteht und um sich greift, weil alle Mittel, ja selbst Fälschung, als erlaubt angesehen werden, wenn dadurch der christliche Glaube untergraben wird? („Germania".) Albrecht Dürer. M Negensburg. H. Kciter sagt im „Deutschen Hausschatz" (20. Jahrg., S. 287) bei der Besprechung der Wcber'schen Schrift „Albrecht Dürer": „Die Hanptstreitfrage, Dürer's Glaubensbekenntnis), wird für jeden ruhigen Denker cndgiltig entschieden; ob sie freilich damit auch begraben wird, ist trotz Weber's überzeugenden Ausführungen eine Frage." Wir sind mit diesen Worten voll und ganz einverstanden; es geht wie bei Farbenblinden. So sehen wir bereits das protestantische „Ne- gcnsbnrger Tagblatt" schüchtern versuchen, den Künstler für den Protestantismus zu retten. Zuerst gestehen wir gerne, daß dasselbe seit November 1892 Fortschritte gemacht : es bezeichnet nicht mehr die damalige Behauptung Weber's von Dürer's Katholizismus mit dem unparla- mcntarischeu Ausdruck: „das aller neueste Produkt nltramontaner Idiosynkrasie" und kennt aus der Zncker'- schen Broschüre die Namen zweier katholischer Schriftsteller, Ncichensperger und Kaufmann, welche schon früher die gleiche Anschauung wie Weber vertreten hatten. Hier können wir uns nicht versagen, es aufmerksam zn machen, daß schon Janssen in zwei Bänden (sicherlich in 30,000 Exemplaren verbreitet), die „Historisch-politischen Blätter" (Band 75, 67), die Tübinger „Qnartnlschrist" (Jahrg. 70 1886, 1888), Weber in seiner Abhandlung „Albrecht Dürer" im „Vatcrlcindskalender" 1888, und andere dieselbe Ansicht vertheidigten. Für die verlorene Sache beruft sich das Blatt anf den „Katholiken" Springer. Damit sich nicht ein neues Märchen bildet, müssen wir nothgedrnugcn den Mann uns näher ansehen, obwohl wir sonst dem Grundsätze huldigen: Da wortuis nil nisi bans. Springer war aus Streberthum ein dreifacher Renegat. Sogar die „Allgemeine Zeitung" (Beilage) fand die,Unverfrorenheit auffallend, mit der Professor Springer in seiner Selbstbiographie dieses Nenegatenthum breitspurig erzählt. Springer war ein Czcche — er verrieth sein Volk und machte im Deutschthum. Er war ein Ocster- retcher, er verrieth sein Vaterland und wurde Preußeu- anbeter. Er war Katholik — er verrieth seine Religion und wurde Protestant, ohne es im Innern zu sein. Obschon man den Verrath liebt, den Verräiher haßt, erreichte diesesmal der Streber sein Ziel und wurde Universitätsprofessor in Straßburg. Da er jetzt zum Ringe gehörte, gelang es ihm, an die Universität Leipzig zu kommen. Um Orden zu erhalten, widmete er sein Werk dem Könige von Sachsen, der dasselbe natürlich vorher nicht gelesen hatte. Und „ob Dürer katholisch oder protestantisch gewesen, ist im Grunde genommen doch keine Frage, die zu der Wahrheit der katholischen Lehre etwas ab- oder zuthut" (Vermeulen in der Recension der Weber'schcn Schrift im „Volksbotcn" Nr. 15). Aber den Apostaten Springer als Autorität in Betreff des Dürer'schen Glaubensbekenntnisses anzuführen, erregt den nämlichen Verdacht, wie wenn man über das Papstthum nach den Aeußerungen des abgefallenen Mönches Pater Martin sich unterrichten sollte. Man merkt die Absicht und wird verstimmt. Dann tröstet das «Tagblatt" seine gläubigen Leser mit der Versicherung, daß „der Verein für Neformations- geschichte sich entschlossen hat, wenn nicht in diesem, so im nächsten Jahre eine Publikation über Albrecht Dürer zu bringen". Bekanntlich bildete sich in Magdeburg dieser Verein „deutscher Gelehrten, welcher sich die Aufgabe gestellt hat, die Neformationsgeschichte aus den Akten und Urkunden ZN erforschen und das Ergebniß in populärer Form allgemein zugänglich zu machen." Wie wenig wissenschaftlich und wahrheitsgetreu aber dieser Verein in seinen Publikationen seine Aufgabe gelöst hat, beweist das Urtheil eines sonst befreundeten Kritikers in der gewiß unverdächtigen Sybel'schen „Historischen Zeitschrift" (55, 295 ff.). Dort wurden die Vercins- schriften in so scharfer, abfälliger Weise besprochen, daß die Redaction sich genöthigt sah, dem hart hergenommenen „deutschen Gelehrten" die bittere Pille durch eine begütigende Nachschrift zu versüßen. Wir halten es daher lieber mit dem berühmtesten protestantischen Dürcrforscher Dr. A. v. Ehe, der neuerdings wiederholt hat, was er zum erstenmale im Jahre 1860 in seinem Werke „Leben und Wirken Albrecht Dürer's" (2. Aufl. 1869) erörtert hatte. Dieser verdiente Gelehrte meint in seinem neuen Buche: „Albrecht Dürer's Leben und künstlerische Thätigkeit in ihrer Bedeutung für seine Zeit und die Gegenwart" (Waudsbeck 1892): Es „hieße die wahre Sachlage verkennen, wenn wir ihn (Dürer) schon im heutigen Sinne als zu einem neuen Bekenntnisse übergetreten ansehen und seine Werke daraus erklären wollten". Im übrigen wird auf katholischer Seite wie durch oorurthcilslose Protestanten die ernste Forschung auch über das 16. Jahrhundert ihren Fortgang nehmen und der Wahrheit den endlichen Sieg verschaffen. Recensionen und Notizen. AurelinS Ambrosins, dcr Vatcr des KirchenzesangcZ. Eine hymnologischc Studie von Guido Maria Dreves» 8. 1. Frcibnrg, Herder 1893. br. M. 2.—. Eine interessante und mit viel kritischer Schärfe angefertigte Arbeit, für die wir dem Verfasser um so dankbarer sein müssen» als sie ein bisher noch sehr dunkles und ungeklärtes Gebiet zur Behandlung hat, nämlich die Frage nach den ächten Hymnen des bl. AmbrcsiuS und deren Siugwcise. Naturgemäß theilt sich die Schrift in 2 Theile; im ersten Theile (S. 1—87) wird an dcr Hand der 3 kritischen Kanones: 1) „Kein Hymnus kann als von Ambrosins herrührend angesehen werden, von dem nicht nachweisbar ist, daß er von Alters her in der mailändischen Kirche im Gebrauch war." 2) AuS dieser Liste sind wieder jene zu streichen, welche nicht mit dcr Denk- und Schreibweise des bl. Kirchenlehrers übereinstimmen. 3) Der Nest gilt für am- brosianisch und, für den Fall des HinzutretenS äußerer Zeugnisse, positiv für ambrosianisch — die Zahl der ächten Hymnen dcS hl. AmbrosinS festgestellt. DrcvcS weist im Gegensatze zu dem bisher höchst mangelhaften Resultate in dieser Beziehung nach, daß nicht bloß 4 Hymnen als ächt ambrosianisch sich erweisen lassen, sondern 14; außerdem noch 3 mit größerer und eine mit geringerer Wahrscheinlichkeit. Dieser Bewcisgang ist dabei so einleuchtend und natürlich, daß man sich füglich mit dem Verfasser wundern muß, wie oon allen Hymnolvgcn und Musikhistorikern bis jetzt — mit Ausnahme dcS einen Diraghi „Inni sinosri o carml cli 8ant'Lwbro§io'°, Milano 1862 — noch keiner diesen Weg gesunden hat. Ausfallender Weise aber ist dieses gediegene Werk selbst in Italien nur wenig Verbreiter, darüber hinaus aber fast gänzlich unbekannt geblieben. Aus diesem Grunds erachtete cS der Verfasser für geboten, nochmals dieser Untersuchung nahe zu treten und durch seine Schrift das Werk Biraghi'S „seinem finsteren Geschicke zu entreißen". Darum beansprucht er aber auch für diesen ersten Theil nicht das Verdienst der Originalität, sondern steht, wie er selbst sagt, aus den Schultern Biraghi'S. Originell ist nur die Anordnung deS Stoffes, sowie die prägnantere Formulirnng der Beweise, ferner einige neue Ausschlüsse über benützte Handschriften. Ganz aus eigenen Füßen steht der Verfasser im zweiten Theil seiner Schrift, in dcr Untersuchung über die Singwciscn dieser Hymnen. (S. 83—128.) Zuerst kommt — ähnlich wie im ersten Theil — eine mit würzigem Humor geschriebene Zusammenstellung über die verschiedenen Musikgeschichten, deren Verfasser zuerst alle über die Singweise dcr ambrosianischen Hymnen „nichts genaues wissen", aber dann doch alle sebr vieles und sehr genaues wissen, wobei in wunderlichem Wirrwarr, der eine so ziemlich immer das Gegentheil vom andern behauptet. Daran reiht sich ein kurzer ErknrS über ambrosianischen und gregorianischen Gesang, um hernach zur eigentlichen Ausgabe dieses Theiles zu gelangen. Auf fast dem gleichen Wege, wie im ersten Theil, gelingt es dem Verfasser, die ambrosianischen Singwciien zrr ernsten. Dcr Beweis enthält folgende Punkte: 1) die Singweise der ambrosianischen Hymnen war wirklicher Gesang und nicht bloß Recitation (S. 97!); 2) die Hymnen waren compo- nirt in den damals allein herrschenden griechischen Tongeschlccktern (S. 93!) und zwar 3) metrisch (S. 103) — weil die griechische Musik keine anderen als metrische Melodiken kennt — und im 3theiligcn Takt. Aus dem so geebneten Boden geht Dreves dann an das Ausstichen dcr ambrosianischen Mclodieen und benutzt hiezu ein Mailänder Hyinnar anS dem Jabre 1619, welches sich in dcr Pariser National-Bibliothck findcr (k); ein weiteres aus der Kibliotlisoa Vrivnlsmma zu Mailand ('!') u. A., vor Allem Cistercicnser Handschriften, welche insofern beweiskräftig sind, als die Cistercicnser sich von Ansang nicht des römischen, sondern dcS mailändischen HymnarS bedienten. Die anS diesen Quellen anögchobcncn Mclodiccn weisen allerdings verschiedene Varianten aus, doch so, daß sich ein gemeinsamer Grundstock für die einzelnen, von einander abweichenden Melodicen erkennen läßt. Durch Vcrglcichnng und Pnrgirnng derselben unternimmt nun DreveS die Ncconstrnirnng der Urform dieser Mclodiccn. ein Versuch, dcr in der That ein sehr dankenswertbcs Resultat zu Tage fördert, selbst wem: nicht, wie der Verfasser zugibt, „mit jeder Note das Ursprüngliche getroffen" sein sollte. — In einem Anhang folgen dann zusammengestellt sämmtliche anibro- sianiicke Hymnen mit ihren reeonstrnirten Singwcisen und, für jeden sachkundigen Leser als willkommene Beigabe, eine Schriftprobe aus dem Ooä. Vatlo. Ue§. 11 mit 2 Hymnen dcS 71 hl. Ambrosius. — Die in lichtvoller Klarheit und in noblem Stile abacsaßte Schrift» durch welche der Verfasser ein Anrecht auf den Dank aller Hymnologcn und Musikhistoriker bat. sei Interessenten angelegentlich empfohl en! Dnrncr, Prüftet. Franziß Franz Dr., Bayerns nationale und internationale Stellung. Historisch-politische Studie. München. Lindaucr'sche Buchhandlung (-Lchöpping). 1894. S 46. Pr. 0.8V M. Das hier angezeigte Schristchen ist wohl geeignet, verdientes Aufsehen zu erregen. Der Verfasser, Gefchichtsprofcssor am kgl. Kadettencorps, seinen Freunden als ein echt bayrisch fühlender Mann bestens bekannt, unternimmt es, auf solider, geschichtlicher Grundlage Bayerns Bedeutung in nationaler und internationaler Hinsicht darzuthun. Max Emanuel war cS, der, wie leider nicht genug bekannt ist, durch den Münchner Vertrag vom 15. Mai 1724 die verschiedenen wittclsbachischen Dynasten (2 Kurfürsten, 3 Herzöge und 2 Pfalzgrafen) bestimmte, vor allein Familicn- spaltungcn ruhen zu lassen, so dass nach 5 Jahrzehnten (1777) die Vereinigung sämmtlicher wittclsbachischer Besitzungen in Kur- pfalzbaycrn unter Karl Theodor vor sich ging. Seite 9 wird der Anklage, Bayern habe in der napolconischen Zeit eindeutsche Politik getrieben, sehr wirksam mit dem Hinweis auf die im Basier Separatfrieden vom 5. April 1795 durch Preußen gezogene Demarkationslinie begegnet. Ucbcrhauptistdcr historische Theil dcS Schriftchens von einer wohl unanfechtbaren Nollendet- hcit. Dagegen bekundet der politische Theil einen Optimismus, dessen Berechtigung gewiß erwünscht wäre, der inocß von der Mehrzahl der bayerischen Leser kaum getheilt werden dürfte. Seite 13 spricht nämlich von „weitgehendsten" Nescrvatrechtcn. Seite 14 heißt cS, von einer Majorisirung BayernS im BundcS- rathe könne keine Ncde sein. Ja wenn die nichtprcnßischcn Stimmen sich einigten; ob dieser Fall aber jemals eintreten wird? Seite 13 hätte der bedenkliche Satz -ouinü ro§io, ot eins reliAio« doch nicht obne jede kritische Bemerkung passiven sollen. S. 20 findet der Verfasser selbst Anlaß, der Befürchtungen mancher wegen eines Lnia Bavariao zu gedenken. Allein nach seiner Meinung sind (S. 23) die Gegensätze zwischen Nord und Süd seit dein verhältnißmäßig kurzen Zeitraum des Bestandes des neuen Reiches gemildert worden. Ausfallend schlägt sein Optimismus einmal in Pessimismus um (S. 25) mit dem trostlosen Satze, die Noth in einzelnen Gebirge-bezirken der Nähn, des Spcs- farl und dcS bayerüchen Waldes werde wohl immer bleiben. Nachdem unbrüdcrliche Aeußerungen nichtbayerischer Deutschen auch ihm nicht unbekannt geblieben (S. 39 f.), hätte er immerhin mit einem Appell an die Patrons. Lavariao seine jedenfalls hochinteressante Abhandlung schließen dürfen. Möge dieselbe in die weitesten Kreise dringen! Denn mag auch der Optimismus des Verfassers nicht jedem gefallen; er bleibt dennoch das kleinere Uebel im Vergleich mit jenem fremde Einmischung reizenden und eigene Thatkraft lähmenden Pessimismus so vieler innerhalb der Ercnzpsähle unseres Heimathlandcö. Lest—r. Ilcbcrblick über dicGeschichtc des Klosters Polling und dcr Stadt Wcilhci in. 1893. Druck und Verlag von Gebr. Bögler, Wcilbeim. Preis 2,50 M. 6-. Seitdem Dekan Fr. S. Geiler von Naisting seine Geschichte des Kapitels Weilhciin (1756) schrieb, besaß das Kapitel Wcilhcim keinen Priester mehr, der sich solche Verdienste um die AugSbnrgcr Divzcfangeschichte erworben hätte, wie der Verfasser obigen „ÜcberblickeS", nämlich der hochw. gcistl. Rath und Spital- kurat .Herr A. Schmidtner, Jnbelpricster und Ehrenbürger seiner Vaterstadt Weilbcim, Inhaber des Ehrenkrcuzcs dcS k. LndwigS- ordcnS. Nach Dutzenden zählen die kleinen und größer» Abhandlungen, welche der unermüdliche Geschichtsforscher mit gewissenhafter Akribie und stannenLwcrthcm Fleiße verfaßte; dabei geht ihm die Seclsorge über Alles, und nur die Mußestunden, oder wohl besser die Nachtstunden nach schwerer TageS- arbeit im Weinberge dcö Herrn, gehören dein Studium der Heimathgeschichte. Vierzig bczw. zwanzig Jahre lang hütete und ergänzte er sein Manuskript, bis er es anS Anlaß der Eröffnung eines Dominikaneriniicn-Klostcrs und Pensionates in Polling der Ocffentlichkeit übergab. Ueber die Gediegenheit des Inhaltes waren wir im vorhinein außer Zweifel, nur hätten wir gewünscht, daß auch in der Geschichte von Polling eine solch übersichtliche Einthcilnng getroffen worden wäre, wie in der Geschichte der Stadt Weilbcim. Hier müssen wir auch die Verdienste der Gebrüder Bögler hervorheben, welche seit Jahren die Spalten ihres LagblatteS der Ortsgeschichte öffnen und so dem hochw. Herrn Verfasser es ermöglichten, ohne bedeutende Kosten seine Studien zu publizieren. Weiß, Dr. I. V. v., k. k. Hofrath. Weltgeschichte. 3. verbesserte Auflage. Lieferung 94—101. Graz und Leipzig 1W2. VcrlagS-Buchhandlung .Styria'. Preis der Lieferung 50 kr. — 85 Pf. Nun liegt von diesem schönen Werke auch bereits der XII. Band vor. Derselbe beginnt mit dem zweiten schlesischcn Kriege und führt die Geschichte dcS achtzehnten Jahrhunderts fort bis zum Jahre 1773, wo die erste Theilung PolenS stattfand. Dem österreichischen Erbfolgekricg, der acht Jahre währte, folgte der siebenjährige Krieg. Also fünfzehn Jahre des KampfcS: zuerst nur ein Krieg zwischen Oesterreich und Preußen, dann ein europäischer Krieg, der zu Land wie auf dem Ocean nns- gcfochtcn wird und seinen blutigen Gürtel um den ganzen Erdkreis schlingt. Muß nnö beim Berichte über jene düstere Zeit, die unsere Vorfahren durchmachten, nicht unwillkürlich Freude daS Herz erfüllen über den Frieden, den wir seit Jahrzehnten genießen und der daS Glück von Millionen und Millionen verbürgt? Freude darüber, daß die kleinliche Politik des vorigen Jahrhunderts vorüber ist, daß Oesterreich und Deutschland, in ihren Kaisern befreundet, zusammen eine riesige Wehrkraft bilden, welche die festeste Bürgschaft des europäischen FriedcnS ist; daß beide Herrscher beflissen sind, Kunst und Wissenschaft, Industrie und Handel zu fördern, die Talente zu schützen und zerstörende Kräfte niederzuhalten. _ Die hl. drei Könige. Schauspiel in 5 Auszügen von Frd. EbcrSweiler 8. 3. NegcnSbnrz 1894. Frd. Pustet. VII. 120 S. Nicht um ein gewöhnliches Theatcrstiicklein handelt es sich hier, sondern wir haben ein religiöses Drama höheren Stiles vor unS, das an erster Stelle für ein gebildetes Publikum berechnet ist. Es spielt sich die Handlung dcS Evangeliums nickt bloß einfach dramatisch ab, sondern es faßt E. die ganze tiefe Bedeutung des Geheimnisses auf und dieser Plan, die Erscheinung dcS Herrn, beweisen durch die Erfüllung der wunderbarsten Prophezcihnngen, die Verwerfung der Juden und auch jener Heiden, die Christus nicht anerkennen, und vor Allem die Erwählnnz der Heiden, welche dem Lichte der Wahrheit folgen, dem Leser oder Zuschauer vor Augen zu führen, ist so meisterhaft durchgeführt, daß einem so recht klar wird, warum die Kirche das Fest der Erscheinung des Herrn zu einem solch privilcgirt hohen Rang erhoben. Die Sprache ist — etliche VcrSl,arten abgerechnet — eine gehobene und in den Chören, welche am Schlüsse eines jeden ActcS den hl. 3 Königen und deren Begleitern zugetheilt sind und in dieser Vcrthcilung sehr poetisch wirren, in der That schwungvoll zu nennen. Für eventuelle Aufführungen hat Verfasser in der Vorrede die entsprechenden Kürzungen angegeben und zwar für 5, 4, 3, 2 und 1 Act und dann auch noch für ein kurzes Krippenspicl mit nur zwei Scenen. Hoffentlich ist dieses Werk nicht das letzte religiöse Drama, das wir der Feder Ebersweiler's zu verdanken haben. Laumann'sche Jngendbibliothek. 2.Bündchen. Inhalt: Die Gebrüder Hachclmann. (Eine Dorfgeschichte.) Von Karl Ncginaldus. Preis 25 Pf. Laumann'sche Kinder legende. 2. Bündchen. Inhalt: Wunderbares Wirken des hl. Bernhard von Clairvaux. Aon B. Ncyeg. Preis 25 Pf. Dieses Unternehmen mehrerer Mitglieder beS Katholischen Lehrcrvcrbandes hat großen Beifall gefunden und verdient auch mit Neckt die Unterstützung Aller, welche mit dem wichtigen Amte der Kindererziehung betraut sind. DieA.Lanmann'schc Buchhandlung in Dülmen i. W. hat den Bündchen eine bei dem billigen Preise vorzüglich zu nennende AuSstattnug gegeben. Heft 6 des wacker strebenden Deutschen Hausschatzes enthält zunächst die Fortsetzungen der immer anziehender sich entwickelnden Erzählungen: Der Stadtschreiber von Köln von H. Kerncr, Die weiße Frau von Falkenstein von Marie Laue, und Die Fclsenburg von Karl May. An Artikeln hat das Heft einen besonderen Reichthum auszuweisen. Der Herausgeber bringt eine sehr interessante Zusammenstellung der Schriftstellerhonorare in alter und neuer Zeit; Dr. Dreibach behandelt den Schwan als Wappenschild; Professor Dr. Scheichcr gibt ein fesselndes Charakterbild des großen katholischen Schriftstellers Sebastian Vrnnner; Professor P. Wild liefert eine sehr inhaltreiche und gediegene Abhandlung über Orakel, Zauberei und Aberglauben. Daran reihen sich, wie in jedem Heft, zahlreiche interessante kleinere Artikel und Notizen, die jedem Leser etwas Interessantes bringen. Die Illustrationen sind auch in diesem Hest von großer Schönheit. 72 Katholische Warte. Jllustr. Monatsschrift zur Unterhaltung und Belehrung. IX. Jahrgang. Heft 8/9 ä. 15 kr., 25 Pf. Jahresabonnement fl. 1.80 (M. 3.—1. Die zuletzt erschienenen Hefte der tüchtig redigirtcn Monatsschrift geben uns willkommcucVcranlassnng, dieses echt kath.Familicnblatt wieder einmal in Erinnerung zu bringen. Die Biographieen des Säugers von Dreizehnlinden I)r. F. W. Weber (Wörndle) und des berühmten österreichischen Bildhauers Georg Raphacl Donner (I. Maurer), die interessanten Erzählungen „Ein ehrlicher Name" (H. Hirschfeld) und „Im Doctorhausc" (Cl. Borges), „Christliche Liebe" (M. v. Pclzcln) und „Gefangen und erlöst" (O. LaudSmann),die lieblichcWeihnachtSgcschichte „DaSNubincnkreuz" (Hernrine Proschko) u. s. w. bilden den reichen Inhalt dieser Hefte. Studien undMitthcilungcu aus demBenedictincr- und dem Cistercic nscr-Orden. Von Ist Maurns Kinter, 0. 8. v. XIV. Jahrg. 1893. Jnhaltö-Verzeichniß der Hefte I bis IV. (Abhandlungen.) Adlhoch, Dr. Ist Bcda (0. 8. V. Metten): Geschichts-philosophische Studien. — Braunmüller, Ist B. (0. 8. v. Metten): Gründungszeit des Klosters Obcraltaich. — Brcdl, v. Signilind (0. Orst. Ossegg): Das Collegium St. Bernardi in Prag. Ein culturhistor. Bild in honorem 8t. vernareli. — Dolberg. Ludwig (Ribnitz): Die Tracht der Cistcrcicnser nach dem über usuum und den Statuten. — Gasscr, ?. Vinccnz (0. 8. Ist Erics): Das ehemalige Beue- dictincrkloster S. Lorcnzo in Tricnt. — Hafner, Otto (Eß- liugcn): Negcsten zur Geschichte des schwäbischen Klosters Hirsau. — Mahr, Dr. M. (Innsbruck): Cardinal Commen- doncö Kloster- lind Kirchenvisitation von 1569 in den Diversen Passan und Salzburg. — Mell, I>r. Anton (Graz): 1) Das Stift Scckau und dessen wirthschastliche Verhältnisse im 16. Jahrhundert, 2) Das älteste Grundbuch dcS Stiftes Scckau aus dem Jahre 1513.— Plainc, Dr. Beda (0.8. Ist Silos): 1) 8sries crittoo-ebronoIo§iea IIaAioFraiiIlorllm eleoimi saeeuli, 2) vzunni Zlartalts: »/evs lllaris 8toIIa» oxplanatio. — Ni n g- holz, v. Odilo (0. 8. v. Einsiedelu): Bcruhard Gustav. 0. 8. Ist, Cardinal von Baden, Fürstabt von Fulda und Keuchten rc., und die Schweizerische Bencdictincr-Congrcgation. — Sievcrs, Beruh. (Ringclhcim): Der hl. Bcrnward von Hildeshein, als Bischof, Künstler und Sohn deS hl. Beneblet. — Tadra, Ferd. (Prag): Zur Vaugcschichtc der St. GeorgSkirchc in Prag. — Wichncr, Ist Jak. (0. 8. Ist Admont): Geschichte deS Nonnenklosters Goeß, 0. 8. Ist, bei Leoben in Stcicrmark. — (Mittheilungen.) Adlhoch, Dr. B.: Die älteste Benc- dictincrgcschichte und ihr neuester Kritiker. — Literarischs Notizen. Verschiedenes. StaatSlexikon. Herausgegeben im Auftrage der Görrcs- Gcsellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland durch vr. Adolf Bruder. — Erscheint in Heften von 5 Bogen Lcx.-3°, oder in Bänden von je etwa 50 Bogen, bezw. in Halbbäiiden von etwa 25 Bogen. Preis für das Heft Mk. 1.50, für den Halbband Mk. 7.50, für den Band Mk. 15. — Verlag von Herder in Freiburg. Das soeben ausgegebene 28. Heft enthält u. a. folgende Artikel: Leibniz, Schluß (Bach); Leihhäuser (Noeren); Liberalismus (Stöckl); Liberia (Cd. Franz); Liechtenstein (Ed. Franz); Lippe (Cd. Franz); List, Friedrich (Menzinger); Locke (Bach); Lübeck (Ed. Franz); Luxemburg (PcterS); LuxuS, Luxusgcsetze, LuxuSstcucr (v. Buol); Machiavclli (Brischar); MajestälSvcr- brechen (Spaltn); Maistre, I. de (Al. Schmid); Mariana, Joh. (Schccbcn); Markenschutz (Stieve); Markiverkebr (Stieve); Aia- rokko (Ed. Franz); Marsilius von Padua (Schccbcn); Maß und Gewicht (Stieve); Mecklenburg (Ed. Franz); Meinung, öffentliche (Bruder und Drcsemnnn); Mensch und Menschheit, noch ohne Schluß (Stöckl). Taschenkalender für rath. Akademiker. II. Jahrg. 1891. Herausgegeben von Julius Deck. 8°. 215 S. Würzburg, 1893. Leo Wocrl. Geb. 1 Mk. Dieser Taschenkalender bietet eine vollkommene Uebersicht aller katholischen Studentcn-Vereine, Verbindungen und Cor- porationcn Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Schweiz und gibt auch über Beginn der Vorlesungen an den einzelnen Universitäten, Militärdienst- und Lebensverhältuisse Aufschluß. « Ferner enthält der Taschenkalender eine Statistik der „kathol- > ischeu Studcntenvereine Deutschlands", der „katholischen deutschen Studentenverbindungen", der „UuitaSeoetcn", der „katholischen süddeutschen Stndentcnvereine", sowie eine confcssionelle Statistik. Gemeinnützige Mittheilungen, Notizblättcr, Listen, Kalendarium bilden den übrigen Inhalt des gut ausgestatteten Kalenders, dnrch dessen Herausgabe sich die Verlagöhandlung um katholische Interessen sehr verdient gemacht hat. Iugendbibliothek. Als eine der schönsten Bestrebungen deS Katholischen Lehrerverbandcs in Preußen ist es zu bezeichnen, daß eine größere Anzahl seiner Mitglieder cS sich zur Aufgabe gestellt hat, eine neue katholische Ju- gcndbibliothek zu schaffen. Die Bibliothek, deren Verlag die A. Lau mann'sehe Buchhandlung in Dülmen übernommen bat, wird sich nach zwei Theilen gliedern. — In dein einen Theile „Laumauu'sche Jugendbibliothek" werden profane Stoffe bearbeitet, indem andern Theile „L au in an u'- sche Kindcrlegende" wird der Stoff dem Gebiete der Legende entnommen werden. Jeden Monat erscheint ein Bündchen, und damit die Anschaffung auch armen Kindern ermöglicht werden kann, ist der Preis des Bündchens auf nur 25 Pf. gesetzt. Besonders muß noch hervorgehoben werden, daß jedes Bündchen drei bis vier Tcxiillustrationcn von namhaften Künstlern enthalten wird. — Von den bis jetzt erschienenen Bündchen sind zu nennen: die beiden Erzählungen „Wie Einer sein Glück findet" und „Angelika", „Die Wunder des heiligen FranziskuS TavcriuS" (erstes Bündchen der Kinderlegendc), die „Gebrüder Hachclmaun", eine Dorfgeschichte (zweites Bündchen der Jugcnd- biblivtbck), und „Das Leben des heiligen Bernhard" (zweites Bündchen der Kinderlegendc). Philosophisches Inhrbu ch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der GörrcSgcsellschaft herausgegeben von vr. Const. Gutberlet. VI. Jahrgang. 4. Heft. Inhalt: I. Abhandlungen. 1) Kicfl, Easscndi'S Skepticismus und seine Stellung zum Materialismus (Schluß); 2) Isenk reihe, Die Objeetivität und die Sicherheit des Er- kennenS (Schluß); 3) Gutberlet, Fr. Paulscu'S philosophisches System (Schluß); 4) AcbeliS, Der Begriff deS Unbewußten in psychologischer und crkcnntuißtheoretischcr Hinsicht bei Ed. v. Hartmann (Schleiß); 5) Bahlina u u 8. ch, Der Grundplan der menschlichen Wissenschaft (Fortsetzung); 6) Bäumker, Handschriftliches zu den Werken des Alauns (Forts.). — II. Recensionen und Referate. 1) Dreher, Der Materialismus, eine Verirrung des menschlichen Geistes, von Gut beriet; 2) Kaufmann, Die tclcologische Naturphilosophie deS Aristoteles und ihre Bedeutung für die Gegenwart, von Pfeifer; 3) Pesch 8. ch, Tilm., Die großen Welträthscl (2. Aufl.), von Gutberlet; 4) Frins 8. ch, 8. Tbomao 0. k. ckoetriu» üo oooperatione vor etc., von Schmitt; 5) v. Hertling, John Locke und die Schule von Cambridge, von Ucbinger. — III. Philosophischer Sprechfaul. — IV. Zeit- fchriftenschau. — V. MiSccllen und Nachrichten. Wvrishofer Blätter. Jllustrirte Wochenschrift für das gesammte moderne Naturheilvcrfahrcn mit der Hygienischen Gratisbeilage: „Die Gesundheit". Unter ärztlicher Redaction von Oberstabsarzt vr. Katz herausgegeben von L. Viereck in München. Preis M. 2.— vierteljährlich. Die uns vorliegenden Nummern des neuen Jahrgangs bestätigen wiederholt, wie sowohl Redaction als auch der Verlag bestrebt sind, ihren Abonnenten wirklich Gediegenes zu bieten. Abgesehen von den sehr interessanten und belehrenden Artikeln des HauptblattcS, verdient ganz besonderer Erwähnung die seit Beginn dieses Jahres den „Wörishofcr Blättern" bei- gegcbcne Hygienische Gratisbeilage „Dic Gcsundhci t", welche Abhandlungen auS der Feder der hervorragendsten derzeitigen Hygieuiker bringt. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß die Bestrebungen zur gesundheitlichen Aufklärung des Volkes immer lebendiger werden, und möchten wir nur wünschen, daß diese Bestrebungen auch thunlichst unterstützt würden durch fleißiges Lesen und Abonnircn derartiger Zeitschriften. Probcnummern stehen Seitens des Verlages jederzeit gratis und franco zu Diensten. - —u. Verantw- Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabhcrr in Augsburg.