Marcia. Historisches Porträt aus der Zeit des Kaisers Commodus. (Von JohaneS Schrott.) Es ist eine bekannte Thatsache in der Kirchen- geschlchte, daß nach dem Tode des M. Aurelius, der zu Wien im Früjahr 180 erfolgte, den Christenverfolgungen Einhalt gethan wurde. Obwohl dieser so menschenfreundliche Kaiser sich persönlich an diesen Verfolgungen nicht betheiligte, ließ er doch den Staatsgesetzen ihren Lauf, und war jedenfalls den Christen, deren Heldenmuth für „pure Widersetzlichkeit" (HlXH irapäratz^) hielt, abgeneigt. Zwar bluteten noch im Laufe des Jahres 180 zu Karthago die sogenannten 12 scillitanischen Märtyrer (Nar- t^rolo§. 18. llnl.) allein dieses Martyrium kommt noch auf Rechnung der antoninischen Nescripte, da Commodus erst im Herbste dieses Jahres nach Nom von der Donau zurückkehrte. Ebenso kann die (o. 184) erfolgte Enthauptung des gläubigen Senators Apollonius (Llar- t^rolox. 18. April.), nicht dem Commodus zur Last gelegt werden, da Apollonius seine Sache vor den Senat, der durchaus altrömisch gesinnt war, brachte, und vor solchen Richtern unrettbar verloren sein mußte. Dies Ereigniß mochte indeß für die Christen insoferne bedeutungsvoll sein, als der Kaiser, der gerne that, was dem Senat zuwider war, in der Folge den Christen nur um so günstiger wurde. „Um die Zeit der Regierung des Commodus, sagt Eusebius, gestalteten sich unsere Verhältnisse ruhiger, und es verbreitete sich durch die Gnade Gottes Friede über die Gemeinden in der ganzen Welt." Ist es der bei Nachfolgern so gewöhnliche Systemwechsel, der den neuen Kaiser bestimmte, eine von seinem Vater, der dem Jupiter nicht Stiere genug, und besonders weiße, schlachten konnte, verschiedene Richtung einzuschlagen ? Von der nationalen Religion der Römer hatte er sich abgewendet und sich ganz dem Cultus der Isis und des Anubis ergeben. Für das Christenthum besaß er keinerlei Vorliebe, denn nichts war sich entgegengesetzter, als seine Natur und der Geist des Christenthums. Gefühle der Humanität oder politische Rücksicht auf die große Anzahl der christlichen Unterthanen waren es auch nicht, warum er die Christen verschonte. Soviel ist aber gewiß: daß, wenn Commodus eine entschiedene Abneigung oder einen Haß gegen die Christen gehabt hätte, eine von ihm hervorgerufene Verfolgung, bei seinem grausamen Sinn und seiner Vorliebe für blutige Thierhetzen und Gladiatorenkämpfe, die er zum eigentlichen Sport seines Lebens machte, die blutigste von allen geworden wäre. Welche Ursache oder welche Persönlichkeit ist es nun, welche' diesen blutdürstigen Tyrannen von einer Verfolgung der Christen abhielt? Nach der Vermuthung der meisten Kirchenhistoriker war es seine Concubine Marcia, die einen derartigen, mächtigen Einfluß auf ihn ausübte. Die entscheidende Stelle hiefür findet sich bei einem zeitgenössischen Historiker, bei Dio Cassius. Dieser sagt, daß Marcia, als sie an den Hof des Commodus kam, „sich der Christen sehr angenommen, und bei ihrem großen Einfluß auf Commodus, denselben viele Dienste geleistet habe". Die drei Historiker, welche das Leben dieses Kaisers beschreiben, waren der gleichzeitige Dio Cassius, der etwas jüngere Herodian und der viel spätere Lampridius, einer von den sechs Scriptoren der Kaiscrgeschichten, der unter Diokletian schrieb. Diese drei Schriftsteller, unter denen Dio Cassius weitaus der wichtigste ist, erwähnen der Marcia nur gelegentlch und vorübergehend, doch in sehr übereinstimmender Weise. Um von ihr ein deutliches Bild zu bekommen, genügen jedoch diese Stellen nicht, und dieselben werden durch eine andere, bis jetzt wenig beachtete Quelle, die Philosophumena, die man zuerst dem Origenes, dann dem Hippolytus zuschrieb, wesentlich ergänzt. Daraus gewinnen wir einen Einblick in ihre Erziehung, ihre Jugendgeschichte und in den Anfang ihrer spätern Schicksale. Im Hausgesinde vornehmer Römer, und ganz besonders auch am Kaiserhofe, befanden sich schon seit früher Zeit Christen. M. de Nosst behauptet, daß in der ersten Area der Katakombe des hl. Callistus, 160 Jnscriptioneu der Clientcle des Marc-Aurel, des Commodus und der beiden Sevire zugeschrieben werden müßten. So hatte nun auch ein naher Verwandter des Kaisers, Ummidius Quadratus, unter seiner Dienerschaft eine verwaiste junge Freigelassene, Namens Marcia, welche einem Ennuchen und christlichen Priester (27c«Sö',rc ngLoßoripm), Hyacinth, zur Erziehung war übergeben worden. Als sie herangewachsen zu großer Schönheit sich entfaltet hatte, nahm sie Quadratus, ihr Herr, zu sich, und da er sie gesetzlich nicht heirathen konnte, wurde sie seine Concubine. Bei den Römern hatten solche Verhältnisse nicht das Anstößige, wie bei uns, und waren erlaubt und gesetzlich geregelt. Die Concubine war nicht neben, sondern statt einer Frau, doch ohne die rechtlichen Ansprüche derselben. Es war eine Art morganatischer Ehe zur linken Hand. Die römischen Concubinen stunden höher, als die Kebs- weiber der Hebräer, die Hetären der Griechen und die Maitressen der Franzosen. Die beiden tugendhaftesten und sittlich tadellosesten unter den römischen Kaisern, Antoninus Pius und Marcus Aurelius, nahmen sich nach dem Tode ihrer Frauen, der ältern und jüngern Faustina, Concubinen. Es geschah dies vorzugsweise aus dem Grunde, um der Verlegenheit, sich aus den hochstrebenden, römischen Adelsfamilien Frauen aussuchen zu müssen, zu entgehen. Indeß würden niemals diese beiden Kaiser solche Verhältnisse eingegangen haben, wenn denselben auch nur die geringste Makel angehangen hätte. Bei Marc-Aurel wird noch das schöne Motiv hinzugefügt, daß er dies auch deßwegen gethan habe, um seinen vielen Kindern keine Stiefmutter geben zu müssen. Bald nach dem Anfang der Regierung des Kaisers Commodus zettelte dessen Schwester, die Exkaiserin Lu- cilla — sie war einst die Frau des Lucius Verus — eine Verschwörung gegen das Leben ihres Bruders an. Ein Haupttheilnchmer an derselben war Quadratus, der Herr der Marcia. Die Verschwörung mißlang, Lucilla wurde zuerst nach Capri verbannt und dann getödtet. Mit vielen andern der Verschmornen büßte auch Qua- dratns mit dem Leben, und Commodus setzte sich in den Besitz von dessen Vermögen, und nahm von der Dienerschaft den Kämmerer des Quadratus, Namens Eklcctus, und die Marcia zu sich. Und da er kurz vorher seine Frau, die Kaiserin Crispiua, wegen wirklichen oder angeblichen Ehebruchs ebenfalls nach Capri verbannt hatte und dann tödten ließ, so machte er die Marcia gleichfalls zu seiner Concubine. 74 Nachdem sie auf diese Weise in den kaiserlichen Palast gekommen und schnell zn großem Einflüsse gelangt war, vergaß sie nicht der christlichen Grundsätze und Ermahnungen ihres ehemaligen Erziehers und Lehrers, des Priesters Hyacinth. Sie benutzte ihre Stellung zunächst dazu, daß sie für christliche Bekenner, welche in die Bergwerke Sardiniens verurtheilt waren, Fürbitten einlegte und ihre Zurückbernfnng bewirkte. Daß sie nach verschiedenen Richtungen für das Wohl der Christen thätig war, geht aus andern Andeutungen der Philosophumena hervor, in denen sie geradezu die „fromme Concubine des Commodus" (cxlXööro;*) Ko.uääou) genannt wird. Sie ließ den Christen auch werkthätige Unterstützung angedeihen, wie Dio sagt: „sie habe ihnen viele Wohlthaten erwiesen" «drob; Sie führte ein sehr kluges und würdevolles Leben und war erhaben über den großen Schwärm von schönen Frauen und Dirnen, die gleichsam den Harem des wollüstigen Kaisers bildeten. Es waren ihrer dreihundert an der Zahl, wobei übrigens Commodus noch um siebenhundert Nummern hinter dem weisen Salomo der Hebräer zurückölieb. Sie machte mit ihnen keine Gemeinschaft, nahm an den Orgien, die Commodus mit ihnen ausführte, nicht Theil, und hütete sich wohl, sich mit irgend einem Mächtigen am Hofe in eine Beziehung einzulassen, wie dies Damostratia, eine von den dreihundert, gethan, und mit des Kaisers Erlaubniß den allgewaltigen Prä- fcctcn der Prätorianer, Cleander, geheirathet hatte, aber zugleich in seinen Sturz verwickelt, mit ihm und ihren Kindern getödtet wurde. Ihre Lebensweise gab keine Veranlassung zn jenen pikanten Klatschereien und Anekdoten, wie sie von andern weiblichen Persönlichkeiten, die mit Kaisern in Verbindung standen, erzählt wurden, und nach welchen ein Lambridins gewiß begierig gegriffen hätte, um seinen kaiserlichen Gönner Diocletian zu unterhalten. Sie spann keine Intriguen, mischte sich nicht in Staatsgeschäfte und tritt überhaupt politisch wenig hervor. Nur einmal, als das Volk einen Aufstand gegen Cleander machte, dem es die Vertheuernng der Lebensmittel schuld gab und niemand davon den Kaiser in Kenntniß zu setzen wagte, trat sie hervor und begab sich zu dem auf seiner Villa außerhalb der Stadt wohnenden Commodus, um ihn von der Lage der Sache zu unterrichten. Zehn Jahre lang beherrsche sie diesen mißtrauischen und verrückten Wütherich, der für sie eine fast rasende Zuneigung hatte. Ihre Schönheit und ihre Schmeicheleien (äsliminsnta), von denen Lampridius erzählt, waren wohl nicht die einzigen Ursachen dieser Liebe, denn solche Vorzüge besaßen auch andere Frauen. Klugheit, Bescheidenheit, ein stilles zurückgezogenes Wesen, scheint ihr in hohem Grade eigen gewesen zu sein, trotz ihrer heroischen, amazonen- haften Gestalt. Diese hatte allerdings das höchste Wohlgefallen ihres Gebieters, der ein Bild von ihr, das sie als Amazone darstellte, nicht genug bewundern konnte. Als er den Monaten andere Namen gab, nannte er, ihr zu lieb, den Januar Amazonius, ja sich selbst nannte er Amazonius, und hörte nichts lieber, als wenn er mit diesem Namen angerufen wurde. Im Costüme einer Amazone stieg er oft in die Arena des Amphitheaters zum Kampfe. Und doch glauben wir, daß es nicht bloß die äußerliche Erscheinung ihrer herrlichen Gestalt allein war, die den Kaiser so sehr an sie fesselte, sondern daß es die gute Erziehung war, die ihr jener Eunuche und *) Gelegentlich sei bemerkt, daß eS ein Adjectiv ->«koSe« nicht gibt. Priester Hyacinth im Hause des Quadratus gegeben hatte, daß es die durch den Geist des Christenthums gebildete, edlere Weiblichkeit war, welche Commodus hier zum erstenmal an einer Frau kennen lernte, und welche ihm nicht bloß Liebe, sondern auch Verehrung und Bewunderung wider seinen Willen, einflößten. Er zeichnete sie auf alle mögliche Weise aus, und sie war ihm nicht etwa die Odaliske oder Erste unter den Concubinen, sondern „sie stand in Nichts, wie Herodian sagt, einer wirklichen Gemahlin nach, und genoß alle Ehren, die einer Kaiserin zukommen, mit Ausnahme des heiligen Feuers (der Vesta). Allein so grob ihr Einfluß auf Commodus war, seinen schrecklichen Charakter zu ändern, vermochte sie nicht. Der Tyrann wurde immer mißtrauischer, bösartiger und blutdürstiger. Er hatte für nichts mehr einen Sinn, als für die blutigen Schauspiele des Amphitheaters, und sein höchster Stolz war, der erste der Gladiatoren zu sein. An einem mehrere Tage dauernden Feste erlegte er einmal an einem Tage hundert Bären mit der Lanze, und dann auch andere wilde und starke Thiere, wie Löwen, Tiger, Flußpferde, Elephanten. Freilich war er immer durch eine Barriöre geschützt, aber seine Gewandtheit war nichtsdestoweniger bewunderungswürdig. Doch erlegte er auch minder wilde Thiere im Nachkampfe. So einmal einen Strauß, hieb ihm den Kopf ab und führte mit demselben eine tragi-komische Scene auf. Er nahm den blutigen Kopf und ging mit demselben vor die Reihen der Senatoren, die in Festkleidern und lorbeerbegränzt dasaßen, hob ihn dann mit der linken Hand empor, und mit der rechten ebenso das blutige Schwert, sprach dabei kein Wort, machte aber so schreckliche Grimassen, als wollte er sagen: „Seht, so könnte ich es euch auch machen!" So gräßlich und erschütternd der Anblick war, so konnten doch Dio Cassius und andere Senatoren sich des Lachens nicht erwehren. Aber weh ihnen, wenn es der Kaiser bemerkt hätte! Um daS Lachen zu verwinden, zupfte der Geschichtschreiber ein Blatt aus seinem Kranze und behielt es kauend im Munde. Desgleichen thaten auch dann seine Kollegen, um so mit Mühe ihren Ernst zu bewahren. Nicht immer aber ging es so harmlos ab! Da er der römische Herkules sein wollte, und sich überall auf der Straße wie im Theater Keule und Löwenhaut vortragen ließ, so spielte er einmal als solcher den Gigantentödter. Er ließ eine große Schaar Krüppel zusammenbringen, ihnen künstliche Füße in Schlangengestalten ansetzen, so daß sie den mythischen Ungeheuern glichen. Statt mit Felsblöcken mußten sie mit großen, trockenen Schwämmen nach dem Kaiser werfen, der sie dann als Herkules mit der Keule todtschlug! Commodus wurde immer toller und mörderischer, so daß niemand mehr seines Lebens sicher war. Besonders waren ihm alle ernsten Leute, zumal ältere, die noch aus der Zeit seines Vaters waren, und ihm ein stiller Vorwurf zu sein schienen, zuwider. Er hatte damit auch schon gründlich aufgeräumt, und nur wenige waren, wie Pertinax und ein paar andere ältere Männer, seiner Wuth entgangen. Es nahte aber eine Katastrophe, die er selber herbeiführte. Auf das bevorstehende Neujahr 193 plante er ganz besondere Festlichkeiten und beabsichtigte, zum Festplatz nicht vom Kaiserpalast, sondern von der Gladiatorenwohnung aus zu ziehen und sich dem römischen Volke als ersten Gladiator in voller Rüstung und einzigen Consul vorzustellen. Diesen Plan theilte er der Marcia mit, welche darüber erschrack und ihn weinend auf den Knien beschwor, davon abzustehen, weil dadurch die Würde des Kaiserthums in den Augen des Volkes, welches die Gladiatoren als eine verworfene Menschenklasse ansah, erniedrigt würde. Von der Marcia in Kenntniß gesetzt, thaten auch dasselbe der Kämmerer Eklekius und der Präfeck der Garden, Lütus, zwei vortreffliche Männer, die sonst beim Kaiser in Gnade waren. In höchstem Zorne, daß diese drei ihm zu widersprechen wagten, entfernte er sich und ging, wie um auszuruhen, in sein Schlafcabinet. Daselbst nahm er ein Schreib- täfclchen und proscribirte zum Tode die Marcia, den Eklektus, den Lütus, die zwei für das Jahr 193 desig- nirten Consuln Erucius Clarus und Sossius Falko, sowie eine große Anzahl der angesehensten Senatoren. Dann entfernte er sich, ging in die Bäder — er badete oft täglich 7—8 Mal — und trieb sich den ganzen Tag hier und in Weinhäusern herum. Nun war im Palast ein sehr schöner, drolliger Knabe, den Jedermann lieb hatte, und der wie ein Amoritto, ganz nackt und nur mit Goldschmuck behängen, herumlaufen durfte. Der Kaiser liebte > ihn außerordentlich, nannte ihn Philocommodus und ließ ihn häufig bei sich schlafen. AIs das Kind bemerkte, daß der Kaiser zur ungewohnten Zeit im Schlafzimmer war, wurde es neugierig, lief hinein, fand das Schreibtäfelchen, welches ihm ein erwünschtes Spielzeug zu sein schien, nahm es mit sich und lief in den Palast hinaus. Wer ihm zuerst begegnete, war — Marcia. Sie nahm den Knaben sogleich auf ihre Arme, herzte und küßte ihn nach ihrer Gewohnheit. Als sie aber in seiner Hand das Täfelchen von Lindenbast sah und als Schreibzeug des Kaisers erkannte, nahm sie es ihm ab. Der Kuabe war es zufrieden und trollte weiter. Mit Entsetzen las sie die Liste, auf welcher sie als erste stand, die dem Tode geweiht war! Allein sie behielt Geistesgegenwart, rief sogleich den Kämmerer Lätus und den Präfecten Eklektus herbei und berieth sich mit ihnen, was zu thun sei. Die Sache lag einfach: sie wurden durch das eiserne Gebot der Selbsterhaltung zum xraövsuirs getrieben. Ihr rascher Entschluß, den Kaiser Abends zu todten, wurde durch die Ueberzeugung bestärkt, daß sie dadurch dem römischen Volke nur die größte Wohlthat erwiesen. Sie thaten es viel zu spät — rüwio sero — meinte der Geschichtschreiber Lambridius. Als der Kaiser Abends, wie das häufig geschah, betrunken nach Hause kam, wurde ihm vergiftetes Ochsenfleisch vorgesetzt.*) das bald seine Wirkung machte. Doch da er viel Wein zu sich genommen hatte, spie er einen großen Theil wieder aus und fing zu drohen und zu schimpfen an. Da schickten die Verschworenen schnell zu dem nahe wohnenden Fechtmeister Narcissus, mit dem Commodus seine gladiatorischen Uebungen zu machen pflegte. Dieser warf sich auf den Kaiser und erdrosselte ihn. Nie war eine Palastverschwörung nothgedrungener und gerechter und nie wurde eine solche besonnener und schneller ausgeführt. Die Verschworenen hatten ihre Sache nicht halb gemacht: sie verständigten vorher den Helvius Pertinax, einen wackern und hochgebildeten Feldherrn und Staatsmann aus der Zeit des Kaisers Marcus, von der Lage der Dinge, und dieser erklärte sich bereit, die Kaiser- Daß Marcia ihm auch einen Becher süßduftenden Weines, mit Gift untermischt, gereicht habe, ist koloristische Zuthat des Herodian, wovon der Hauptzeuge Dio Cassius, nichts weiß. würde anzunehmen. Noch in der Nenjahrsnacht wurde aus dem Palaste bekannt gemacht, der Kaiser sei an einem Schlaganfalle in Folge zu vielen Weingenusses gestorben. Am Ncujnhrstag wurde Pertinax von Volk und Heer mit Jubel als Kaiser begrüßt, Commodus aber von Senat und Volk mit den stärksten Flüchen und Schimpfwörtern verwünscht. Von Pertinax, der im besten Rufe stand, erwartete man die Wiederkehr der guten antoninischen Zeiten. Mit Marcia war endlich die goldene Kette, mit welcher sie zehn Jahre lang an ein Ungeheuer gefesselt war, zerbrochen. Als sie nun Herrin ihrer Persönlichkeit geworden war, reichte sie dem Kämmerer Eklektus, einem vortrefflichen Manne, ihre Hand zu rechtmäßiger Ehe. Sie kannten sich beide schon vom Hanse des Quadratus her, in welchem der Priester Hyacinth die junge Marcia unterrichtet hatte. Auch er war, wie schon sein Name andeutet, mit höchster Wahrscheinlichkeit Christ. Statt dauernden Glückes kamen aber bald für Beide traurige Nachspiele. Die Reformen, welche Pertinax einführte, wurden vom Volke mit eben so großem Beifall aufgenommen, als sie dem Heere mißfielen. Während der Regierung des Commodus war das Heer demoralisirt worden und wollte sich die disciplinarischen Anordnungen des neuen Kaisers nicht gefallen lassen. Es entstand eine Meuterei, in welcher Pertinax, von Eklektus, dem Gemahl der Marcia, mit der größten Tapferkeit vertheidigt, ermordet wurde. Auch Eklektus fiel, nachdem er zwei von den Mördern niedergestreckt hatte, unter den Streichen der Soldateska. Dio Cassius, der erwähnte Zeitgenössische Senator und Geschichtschreiber, sonst so wortkarg im Lobe, gibt dem Gemahl der Marcia folgendes ehrenvolle Zeugniß: „Dieser war der einzige, welcher den Kaiser nicht verließ und ihm, soviel er konnte, bcistand. Schon früher, hatte ich diesen für einen Ehrenmann gehalten, jetzt aber mußte ich ihn bewundern." Das feilgewordeue Kaiserthum ersteigerte mit Hilfe der Soldaten Didius Jnliänus, einer der verworfensten unter den kleinen Zwischenkaisern, um eine hohe Summe. Er glaubte, auf das commodisch gesinnte Heer sich stützen zu müssen, und ließ die Marcia und den ehemaligen Präfecten der Prätorianer, Lätus, den Mitbetheiligten bei der Ermordung des Commodus, tödten. So endigte das vielbewegte Leben dieser merkwürdigen Frau, das sie kaum auf 30 Jahre gebracht haben mag. Sie verdient nicht die Zurückhaltung und Kälte, mit der ihr heidnische und kirchliche Schriftsteller gegenüberstehen. Die erstem tadeln sie nicht und loben sie auch nicht. Das hat seinen naheliegenden Grund. Schlimmes wußten sie von ihr nicht zu berichten, und das Gute verstanden sie nicht, wenn es ihnen nicht gar unangenehm war. Von den kirchlichen Historikern hat, tonangebend, Enscbius sie unbeachtet gelassen. Er wollte wohl nicht berichten, daß die junge Kirche von einer Con- cubine Hilfe erhalten hätte, oder er schwieg deßhalb von ihr, um den Heiden keine Veranlassung zum Spotte zu geben. Bei Cohen, der bekannten numismatischen Autorität, findet man III., Tafel 4 die Abbildung einer sehr schönen und sehr seltenen Medaille, welche auf dem Avers die Profile zweier Köpfe, den des CommoduS und einer weiblichen Figur, darstellt. Diese hat ein vollkommen griechisches, sehr schönes Profil, ist behelmt und mit einem Schuppenpanzer bekleidet. Man denkt zunächst an Minerva; allein die römischen Götter verehrte Commodus 76 nicht, am allerwenigsten die Minerva, die seiner Sinnesweise so entgegengesetzt war. Es kann nur eine Per- sonification der Stadt Rom sein, und in diesem Falle hat der Kopf das Porträt der Marcia. Es sind zwei herrliche Köpfe, denn auch Commodus war, wie die Abbildungen auf den Münzen und die noch vorhandenen Büsten bezeugen, ein sehr schöner Mann, wenn auch nicht der schönste Mann seines Zeitalters, wie Herodian in seiner übertriebenen Weise sagt. Die Medaille stammt aus dem letzten Jahre des Kaisers n. 192 und bezieht sich wohl auf jene zärtliche Unterhaltung mit der Marcia, von der Lampridius (eap. VIII) erzählt, daß Commodus seiner Freundin mitgetheilt habe, er wolle die Stadt Nom zu einer commodianischen Colonie machen. Möge diese Zusammenstellung zerstreuter, sich auf Marcia beziehender Notizen dazu beitragen, diese merkwürdige, noch allzusehr im dunklen Hintergründe der Geschichte stehende Frauengestalt mit einigen freundlichen Lichtstrahlen zu erhellen, und ein Gefühl allzuspäter Dankbarkeit rege machen für die liebevollen Unterstützungen, welche sie einst in schweren Zeiten den verfolgten Christen angedeihen ließ! Eine „Sammlung theologischer Lehrbücher" mit besonderer Berücksichtigung der Religions- philosophie. II. 3. v. Gehen wir nun auf einzelne Lehrbücher dieser Sammlung näher ein. Alle Bände sind noch nicht erschienen. Zunächst mag uns hier die Religionsphilvsophie von dem Gicßener Professor der Philosophie Hermann Siebeck beschäftigen. Um uns aber verständlich zu machen, wie eine solche Neligionsphilosophie in einer Sammlung theologischer Lehrbücher Aufnahme finden konnte, erlauben wir uns auf zwei andere der gleichen Sammlung ange- hörige Lehrbücher zurückzugreifen, nämlich auf das vielgenannte, ungemcin groß angelegte „Lehrbuch der Dogmen- geschichte" in 3 Bünden vom Berliner Professor Harnack und auf das „Lehrbuch der alttestamentlichen Religionsgeschichte" von Smend, Professor in Göttingen. Was diese drei Lehrbücher mit einander gemein haben, ist einmal dies, daß die Beweiskraft ihrer Argumente in keinem Verhältniß steht zu dem colossalen gelehrten Apparat und zu dem großen Scharfsinn, der aufgewendet worden ist, und daß es allem Anscheine nach auf eine totale Elimination des Uebcrnatürlichen aus den betreffenden Gegenständen abgesehen ist. Ob nicht diese beiden Thatsachen in einem cansalen Zusammenhange stehen? Harnack läugnet die Inspiration der Schrift, er läugnct die Gottheit Christi, er läugnet die Auferstehung oder zweifelt sie wenigstens an, wie aus dem ersten Bande seiner Dogmengeschichte Seite 74 und 75 hervorgeht. Harnack spricht dem Glauben an die Auferstehung dort jegliche Bedeutung ab. Wie konnte Harnack zu dieser Negation der Grundwahrheiten des Christenthums kommen? Sind hiefür Anhaltspunkte concreter, historischer Natur vorhanden, oder tritt Harnack mit einem selbstgewählten, willkürlichen, idealen Begriff an die Beurtheilung von Jesu Person und Lehre? Daß das letztere der Fall ist, brauchen wir gar nicht eingehender zu beweisen, mehr als genügenden Aufschluß gibt uns in dieser Beziehung ein Urtheil seines eigenen Gesinnungsgenossen, des Berliner Professors Pfleiderer. Pfleiderer schreibt in seinem neuesten Buch: „Die Entwicklung der protestantischen Theologie in Deutschland seit Kant", S. 370: „Während Baur die Dogmen aus ihrer Zeit heraus zu verstehen und als nothwendigen Ausdruck des durch verschiedene Stufen sich geschichtlich entwickelnden christlichen Bewußtseins zu beurtheilen pflegte, legt dagegen Harnack an die Beurtheilung der Dogmenbildung wieder einen ihr selbst fremden, von außen herzugebrachten Maßstab an, wie das ebenso in der rationalistischen Geschichtschreibung zu geschehen pflegte. Allerdings hieß bei dieser der Maßstab: Sittliche Vernunftreligion, bei Harnack hingegen: Evangelium Jesu. Allein dieser Unterschied scheint größer, als er in Wahrheit in vorliegendem Falle ist. Denn was bei Harnack und der von ihm zu Grunde gelegten Ritschl'schen Theologie „das Evangelium" heißt, das ist, genau besehen, doch eine mehr ideale als positive Norm, die sich mit keinem concreten geschichtlichen Datum unmittelbar deckt, weder mit dem Gesammtinhalt der biblischen Evangelien, noch mit der Lehre, noch mit dem Lebensbild Jesu, wie es in diesen enthalten ist. Welcher innere Werth auch im klebrigen jenem Ritschl-Harnack'schen Normalbegriff zukommen möge, soviel ist jedenfalls gewiß, daß er ebensowenig ein positives historisches Datum, ebensosehr ein idealer Begriff, wie die Vernunftreligion der Rationalisten oder die Idee der absoluten Religion bei den spekulativen Kritikern." Es ist nnnöthig, hiefür noch einige Citate aus Harnack selbst anzuführen zur Bestätigung. Schafft aber Harnack mit dieser subjectiven Methode die Grundwahrheiten des Christenthums auf die Seite, wer will es dem Göttinger Professor Smend wehren, in seiner alttestamentlichen Religionsgeschichte auf gleiche Weise vorzugehen und mit der Negation nicht erst beim zweiten Glaubensartikel zu beginnen, sondern sofort beim ersten einzusetzen und die Schöpfung aus Nichts zu entfernen? Mit imponirender Sicherheit sagt uns Smend Seite 457: „Das Bedeutsame an Genesis 1 ist eben der Kontrast, in dem der religiöse Schöpfnngsgedanke des Verfassers zu dem heidnischen Mythus steht, der seiner Erzählung den Stoff gibt." Und um uns keinen Augenblick im Zweifel über den Standpunkt des Verfassers zu lassen, so wird gleich Seite 1 erklärt: „Die alttestamentliche und überhaupt die biblische Neligionsgeschichte hatte zu ihren Vorbedingungen die Erkenntniß des Unterschiedes zwischen der kirchlichen und biblischen Religion und Theologie, die Einsicht, daß die biblische Religion geschichtlich geworden, die Freiheit des Gewissens von der Autorität der Bibel." Da erlauben wir uns doch folgende Fragen: 1. Was ist kirchliche Religion und Theologie zum Unterschied von biblischer? 2. Was ist biblische Religion und Theologie ohne kirchliche? 3. Was ist biblische Religion ohne Autorität der Bibel? 4. Ist die kirchliche Theologie nicht ges chichtlich geworden? 5. Stützt sich die kirchliche Theologie auf die geschichtlich gewordene biblische Theologie oder abstrahirt sie von letzterer? Hätte uns Smend über diese Fragen vollkommene Klarheit verschafft oder dieselben zu beantworten versucht, wir wären ihm sehr dankbar gewesen. Hören wir weiter Smend's Auffassung vom Alten Bunde, von dem Bündniß, das Gott mit den Jsraeliten geschlossen. Denn die Auffassung dieses Verhältnisses ist ja von ungeheurer Tragweite für das Neue Testament. Denn wie uns die Theologie sagt, steht das Alte Testa- 77 uient in ebenso wesentlicher Beziehung zu Christus, wie die neutestamentliche Kirche: als Erzieher zu Christus hin. Die erziehende Vorbereitung der Wege des Herrn muß nun gewiß dem dreifachen messianischen Amt analog gedacht werden, als Vorbereitung durch prophetische Offenbarung, priesterliche Heiligung, königliche Leitung. Es ist dies schon dadurch genügend bewiesen, daß die Beziehungen der messianischen Würde nichts anderes als die Potenzirung und Vereinigung der für die alttestament- liche Theokratie wesentlichen Funktionen sind. Was aber sagt uns Smend? Auch hier ist alles Uebernatürliche eliminirt, und wir sind wirklich sehr gespannt, wie Schürer seine neutestamentliche Theologie, die er für diese Sammlung zu liefern hat, in Einklang zu bringen weiß mit Smend's Auffassung. Denn eine bestimmte Homogenität muß hier bestehen. Doch hören wir Smend's geschmacklose Darstellung Seite 24 u. 25: „Das starke Ge- meingefühl, das die Glieder des Stammes verbindet, führt nun aber auch zum Stammesgott. Der energische Wille der Selbstbehauptung, die den Stamm beseelt und am Leben erhalt, objectivirt sich in einer übermenschlichen Macht, die die Sache des Stammes führt, ihm gibt, was er zum Dasein nöthig hat, vor allem Sieg über die Feinde. Alle menschliche Gemeinschaft ist ursprünglich Blutsgemeinschaft, und auch der Stamm will sie vorstellen. Freilich beruht er nicht überall auf ihr, und im Laufe der Zeiten treten auch blutsfremde Geschlechter in ihn ein. Aber in diesem Fall wird die Blutsverbrüderung künstlich hergestellt. Die Blutsfremden verbrüdern sich, indem sie gemeinsam Blut genießen. Mit der Blutsverbrüderung ist die Bundesschließung nahe verwandt. Jene bedeutet freilich das Jneinanderaufgehen von Geschlechtern und Stämmen, diese nur die gegenseitige Unterstützung. Vielfach kommt es in der Welt vor, daß Menschen, die sich verbünden, sich die Haut aufritzen und gegenseitig das Blut lecken, um so ein Blut zu werden. An die Stelle des Mcnschenblutes tritt beim Bundesschluß später das Thierblut. Nun kann aber der Bundesschluß auch einen religiösen Charakter annehmen, indem man Gott als Garanten des Bundes in den Bund hineinzieht. Da wird das Thicrblut Opfcrblut, das Fleisch Opferfleisch. Im Grunde genommen ist aber diese Form der Bundesschließung nichts anderes, als die Anwendung des Opfers." Smend sagt uns dann Seite 129: „Die hebräischen Vorstellungen vom Wesen und von der Wirkung des Opfers waren sehr untheolog- ischer Natur." Doch glauben wir, daß in dieser Beziehung die Hebräer sehr unschuldig sind, wohl aber Smend jedes theologischen Begriffes bar ist. Wir verweilten längere Zeit bei diesem Buche, um einmal die Art und Weise zu kennzeichnen, in welcher diese sogenannte protestantische Theologie sich consolidirt, dann aber, um uns von hier aus verständlich zu machen das Lehrbuch der Neligionsphilosophie von Sicbeck, Professor in Gießen. Ist nämlich wirklich, wie Schall uns durch alle Bände seiner Dogmatik so glänzend darthut, ist nämlich die Dogmatik nichts anderes, als die wissenschaftliche Ausführung des Gottesbegriffs der Offenbarung durch das ganze Heilswerk der Gnade hindurch, ist die Dogmatik der Nachweis des geoffenbarten Gottesbegriffs in seiner alles umfassenden und alles überragenden Erhabenheit, Fülle und Lebenskraft, dann muß die Ausmerzung fast aller dogmatischen Wahrheit, wie diese „Sammlung theo» logischer Lehrbücher" sie constatirt, nothwendig zu einer gewaltigen Verdunkelung des christlichen Gottes- begriffs führen, dann muß aber ferner auch die Nc- ligionsphilosophie, die als Grundlage ein:r solch degenerirten Theologie gesucht wird, ankommen entweder bei einer durchaus problematischen Stellungnahme gegen die Existenz Gottes oder bei einer gänzlichen Läugnung derselben überhaupt. Und diese Stellungnahme, wie sie ihm durch diese Lehrbücher der Theologie vorgezeigt war, hat Siebeck glänzend erfaßt. Denn seine Religionsphilosophie kann der Nationalliberale ü la, National« zeitung, der Freisinnige L In Vossische Zeitung, der Demokrat n In Frankfurter Zeitung, der Socialdemokrat L In Vorwärts lesen, ohne nur die leisesten Skrupel zu bekommen. Nur für einen Christen ist sie nicht geschrieben. Und doch gehört sie unter die „Sammlung theologischer Lehrbücher"?? — Gehen wir auf diese Neligionsphilosophie noch ein. (Schluß folgt.) Zur Rückkehr der Schismatiker im Oriente. Vom gricchisch-mclchitischen Kanonikus Joh. Michael Schmid in Frohnstetten bei Deggendorf (Niederbaycrn). Bunins oder Panöas mit seinen Terebinthen und Eichen, mit seinen Olivenhainen und Feigenanlagen verdankt seinen Namen der in der Nähe befindlichen Grotte und Quelle des dort verehrten griechischen Hirtengottes Pcin; erst die Römer gaben ihm den Namen Cäsarea Philippi. Es liegt wahrhaft prächtig am Fuße des mächtig großen Hermon, von woher der Jordan entspringt, in Obergalilüa, etwa 20 Meilen südlich von Damaskus und Beirut und 40 Meilen nördlich von Jerusalem. Aus der heidnischen Cultstätte wurde in der Folge eine christliche; denn Cäsarea Philippi erscheint schon zur Zeit des Concils von Nicäa (325) als ein dem Patriarchate von Antiochia untergeordneter Bischofssitz, und noch auf dem Concil von Chalcedon (451) war ein Bischof Olympias von Pansas anwesend. Das Bisthum umfaßte mit dem ganzen großen Hermon, von den Arabern Dschebel esch-Schach (— der Alte) genannt, jenen Theil des heiligen Landes, welcher jenseits des Jordans im Osten, am linken Ufer des heiligen Flusses gelegen ist, die Gegend, welche im Evangelium „Irans lloräansin" genannt wird. Aber leider seit mehr denn sechs Jahrhunderten, seit den Zeiten des letzten Kreuzzuges bestand der apostolische Sitz von Cäsarea Philippi nur mehr dem Namen nach. Das griechische Schisma hatte sich dieser Gegend des Evangeliums bemächtigt. Die merkwürdige Bewegung zur Rückkehr der von Rom getrennten Brüder zum Katholizismus in diesen Gegenden gab den Anlaß zu der vor acht Jahren erfolgten Wiedererrichtung der Diöcese Cäsarea Philippi. Seit 1886 hat diese Diöcese wieder einen Bischof des griechisch-katholischen (melchitischen) Ritus in der Person des überaus eifrigen und würdigen Bischofs Petrus Eldscheraidschiry mit dem Sitze in Eldschedaidat-Mar- dschajun. Seine ganze Sorge widmet er der Wiedergewinnung dieser vom Feinde der Seelen entrissenen Gegend für die wahre Kirche Christi. Ungefähr vierzig Dörfer haben schon mehrmals um Wiederaufnahme in den Schoß der römischen Kirche gebeten. Aber es fehlen die Schulen und die Priester, um diese Neophhtcn im katholischen Glauben zu unterrichten: dagegen sind die Protestanten mit ihren ganz 78 unentgeltlichen Schulen auch hier eingedrungen, während der katholische Bischof, so schreibt dieser in einem eindringlichen Appell von Frankreich aus, woselbst er sich zur Zeit mit Erlaubniß des apostolischen Stuhles zur Sammlung von Almosen aufhält, — nichts hat für diese gänzlich armen Neophyten. Der Unterhalt seiner Priester und seiner Lehrer fällt gänzlich ihm zur Last. In seiner Noth mußte er zur Unterstützung in seinem apostolischen Amte die ehrwürdigen Basilianerwönche des griechischen NituS anrufen, welche zur Bestreitung ihres ärmlichen, klösterlichen Lebensunterhaltes nur ihre Meßstipendien verlangen, welche aber auch mangeln. Jede Schule erfordert zu ihrem Unterhalte einen jährlichen Aufwand von 3V0 bis 400 Frs.; aber woher diese Summe nehmen? Mit Hilfe der Almosen des kathol. Frankreichs konnte der Bischof bis jetzt 14 Pfarreien errichten mit etwa 10 Filialen und 20 Schulen mit mehreren Kursen zur Erlernung der französischen Sprache, welche in allen Schulen in Syrien gelehrt wird, und mittelst eines hochherzigen Geschenkes des hl. Vaters, welcher hiczu durch die Wahrnehmung bewogen wurde, daß die Diärese, ,in welcher Christus der Herr den Grundstein zu seiner Kirche gelegt hatte, einer Kathedrale entbehrte, konnte er eine solche erbauen auf den Namen des hl. Petrus zum Gedächtnisse des Wortes des Herrn: es ketrus; Du bist Petrus, ein Fels." Hervorragende Wohlthäter gaben ihm die ersten Fonds zur Errichtung eines Waisenhauses mit land- wirthschaftlichem Betriebe, das bereits seit drei Jahren besteht, ohne vollendet zu sein. Der Bischof mußte ferner eine bescheidene bischöfliche Residenz erbauen und drei Pfarrwohnungen in den hervorragendsten Orten; er kaufte eine vom ehrwürdigsten Patriarchen begonnene Kirche und restaurirte drei andere; aber die Ausgaben überstiegen die vorgesehenen Einnahmen; so hatte der hl. Vater 40,000 Frs. gespendet für die Kathedralkirche und 10,000 Frs. für die anderen Unternehmungen; aber die Kosten der Kathedralkirche betrugen allein schon 74,000 Frs. Der Aufbau der bischöflichen Residenz verursachte in Folge des Einsturzes zweier Mauern einen unvorhergesehenen Mehrauswand von 4000 Frs. Für das Waisenhaus erhielt der Bischof 30,000 Frs., es kostete aber bis jetzt schon 50,000 Frs.; zwei Wohlthäter hatten hiezu größere Summen versprochen, konnten aber das Versprechen nicht halten. Großes in kurzer Zeit ist also bereits ausgeführt worden in dieser griechisch-katholischen Missionsdiöcese, aber schwere Schulden drücken dafür auch auf die schwachen Schultern des armen Bischofs von Cäsarea Philippi! Wenn man dabei bedenkt, daß die Hilfsquellen, wenn sie auch nicht ganz versiegen, so doch immer mehr sich vermindern in Folge der allgemeinen Noth der Zeit in allen Ländern, so kann man sich eine Vorstellung machen von der Be- drängniß unseres Bischofes. Und doch muß er das Waisenhaus ausbauen und muß er auch noch drei neue Kirchen errichten in drei Pfarreien, für welche der Grund bereits angekauft und die Baumaterialien zusammengeführt sind; aber die Kosten betragen zusammen noch circa 20,000 Frs. Die bestehenden Schulen müssen nicht bloß erhalten, sondern neue müssen noch dazu errichtet werden, um die glücklich auf so vielen Ruinen wieder aufgerichtete Diärese wieder zu befestigen. Aber ach! so klagt unser Bischof, dieß wird dem armen Bischöfe unmöglich, wenn er bloß auf seine eigenen Mittel angewiesen ist. Vergegenwärtigen wir uns die Folgen, welche eintreten würden, wenn der Bischof nicht die so flehentlich erbetene Unterstützung fände, nach seinen eigenen Worten; Die Schulen müßten geschlossen werden, und alle Kinder dieser so interessanten Gegenden würden in die mit großem Aufwande gegründeten und unterhaltenen Schulen der Protestanten zurückkehren zum Schaden des Katholizismus. Unser Waisenhaus müßte ebenfalls fallen, und doch ist gerade dieses von der größten Wichtigkeit für unsere Diöcese, um diese unterknnfts- und brodlosen armen Kinder zu sammeln und vom Einkitte in die englischprotestantischen Wohlthätigkeitsanstalten abzuhalten. Es ist unsere Singschule für unsere kirchlichen Verrichtungen und religiösen Ceremonien;. es ist unsere Normalschule für die Heranbildung von künftigen Lehrern in unseren Elementarschulen, ja für einige Kinder selbst das Vorbereitungsseminar, aus welchem unsere besten Zöglinge in das Seminar von St. Anna in Jerusalem übertreten, woselbst bekanntlich an der Wiege der allcrseligsten Jungfrau (nach griechischer Tradition) die Weißen Vater von Algier eins apostolische Schule leiten zur Heranbildung von Priestern des griechischen Ritus zu Missionären behufs Zurückführung unserer getrennten Brüder zur Union mit Rom. Wenn der Unterhalt der Basilianermönche nicht bestatten werden könnte durch die einfachen Meßstipendien, so würden sie von ihren Oberen wieder in ihre Klöster zurückgerufen werden, denn diese können sie nicht unterhalten, so lange sie auf der Mission sind. Ja der glaubenseifrige Bischof ruft wehmüthig aus: „Wie könnte ich sehen, wie diese Ruinen ein Gegenstand des Spottes sind, und wie könnte ich ertragen den,Hohn der Gegner des Katholizismus? Fürwahr, ich müßte mich in meinen Thurm zurückziehen und einem Anderen dieses traurige Erbe überlassen, und ich zweifle, ob sich Einer zur Uebernahme bereit finden lassen würde. Die Einen der Neophyten, sich verlassen sehend, würden wieder zum Schisma zurückkehren, und die Anderen, welche diese Rückkehr als ein Verbrechen und als eine Schmach ansehen würden, müßten ohne religiöse Hilfe bleiben": Alles dieses zur größten Freude der Feinde der heiligen Sache, welche der Bischof allein vertritt in diesen geheiligten Gegenden von Obergaliläa, woselbst sich auch keine lateinischen Missionäre vorfinden, an den Quellen des heiligen Flusses Jordan und in den Bergen des Anti- libanon, in welchen schon David vor Absalom Zuflucht suchte und in seinem ergreifenden 41. Psalm seiner rührenden Sehnsucht nach Gott Ausdruck gab mit den Worten: „An Dich denke ich aus dem Lande des Jordan und der Hermonberge; warum wandle ich so traurig, da mich plaget der Feind; doch hoffe auf Gott; denn er ist das Heil meines Angesichtes und mein Gott!" Ueberdies wäre auch ein Rückschlag zu befürchten für ganz Syrien, welcher die gegenwärtig vorhandene Bewegung zur Einigung mit Rom ungünstig beeinflussen würde; denn immer und überall und in allen Tonarten würde man unseren Neophyten vorhalten, daß wir sie über kurz oder lang, früher oder später verlassen müßten. Das wäre aber Verzweiflung und Selbstmord in diesem Augenblicke des Fruchttragens und des Lebens. Darum sagt der Bischof zum Schlüsse: „Ich rufe alle Diejenigen an, welche unsere heilige Kirche lieben und den Werth der Seelen kennen: wollet ihr diese berühmte Diöcese Cäsarea Philippi der Hilflosigkeit überlassen nach ihrer Erhebung aus hundertjährigen Ruinen, nach schon auf- 79 gewendeten unsäglichen Mühen und Ueberwindung von so vielen tausend Schwierigkeiten? Wollet ihr verlassen sehen diese ehrwürdige Kathedrale es kebrus", dieses Monument der Liebe unseres großen Papstes Leo XIII. zu den Kirchen des Orients? „O ihr Leser dieser Zeilen! ich bitte Gott den Herrn mit der ganzen Gluth meines Herzens, daß er euch es in das Herz geben möge, ein Almosen zu spenden für diese Diöcese von Cäsarea Philippi, welche Christus der Herr auserwühlet hat, um in ihr den Grundstein zu seiner heiligen Kirche zu legen." Recensionen und Notizen. Das bittere Leiden Unseres Herrn Jesu Christi. Nach den Gesichten der Dienerin Gottes Anna Katharina Emmerich aufgezeichnet von Clemens Brentano. Nach der 4. Auflage des von v. Schmöger herausgegebenen Lebens und Leidens Jesu Christi von v. Wiggermann. Rcgensburg, Druck und Verlag von Friedrich Pustet. Preis M. 2,20. Z Es liegt uns hier die neueste Ausgabe der wunderbaren Visionen Katharina Emmerichs über das bittere Leiden unseres Herrn vor. Daß dieses kostbare Erbauungswerk in billigerer Ausgabe erschien, ist ein sehr dankenswerthes Unternehmen. Von Denjenigen, die es kennen, wird das Buch wieder und wieder ergriffen als der heilsamste Bctrachtungs-Cyclus, als eine Art fast greifbarer Beschauung des ErlösungSwerkeS. Für die breiten Kreise aber unseres indolenten kath. Volks, welche diese und ähnliche Lektüre nicht kennen, ist eS ein um so größeres Bedürfniß, gerade mit einem solchen Werke in Berührung zu kommen, das mit, man möchte gerne sagen, wunderbarer Gewalt die Phantasie, das Erkennen und Fühlen des Lesers gefangen nimmt und ihn für jene Vorgänge interessirt, welche die Grundwahrheiten unseres christkatholiscben Bekenntnisses in sich schließen. Ganz interessante Einzelheiten über das Leben der gottseligen Seherin, der wir diese Betrachtungen verdanken, bietet die Einleitung des Bncheö und haben wir in den biographischen Auszeichnungen früherer Ausgaben manche dieser charakteristischen Momente aus dem frommen Dulderleben für die Erbauung des Lesers nicht verwerthet gefunden. Möchte diese in der heiligen Fastcn'zcit so sehr passende Lektüre in keinem knthol. Hause fehlen? _ Hammer, Dr. Phil., Sieben Predigten über des Menschen Ziel und Ende und letzten Dinge. 8°. VIII, 208 S. Verlag der Fuldaer Actiendruckcrei, Fulda. Preis Mk. 1.80. Die sieben Predigten, die der Verfasser in Druck gegeben, hat er unseres Wissens in der Jesuitenkircke zu Mannheim gehalten, während er wegen der Fastenzeit alle Sonntage 5 Stunden weit per Eisenbahn fahren mußte, um predigen zu können. Er hat dies in den achtziger Jahren viermal gethan. Welchen Ruf aber der Redner in Mannheim zurückgelassen, dafür zeugt eine Besprechung des katholischen ArbeitcrfcsteS in Mannheim im „Neuen Mannheimer Volksblatt" vom 24. Juli 1892, worin ein competenter Berichterstatter vom Verfasser, der den Arbeitern die Festrede hiclr, also schreibt: „Was wir sodann von der Rednerbühne gehört haben, mußte unS mit voller Anerkennung erfüllen. Wir denken hicbci nicht allein an den gewaltigen oratorischen Massenbe- herr scher vr. Hammer, der an seelischer und körperlicher Elementargewalt Phänomenales geleistet und sich selbst übertreffen hat. Es war eine Leistung ersten Ranges, 1'/- Stunden lang mit sicherem Gedächtniß, mit packender Exemplifikation, mit Geist, Herz und Humor zugleich zu arbeiten und die köstliche Gabenfülle wie spielend auf die lauschende und in ihrer Aufmerksamkeit von Minute zu Minute gespannter werdende Menge lächelnd auszuschütten. Nein, nickt ihm, dem Bekannten und Ruhmbedeckten, gelten unsere Bemerkungen, sondern den Sprechern auS dem Volke . . . ." Ob dieses Lob übertrieben war, mögen die sieben Predigten dem Leser darthun! Jllustrirte Geschichte dcö Allgäu's. Von Dr. F. L. Baumann. Kempten, Köscls Verlag. Preis M. 1.20. Das vorliegende neunundzwanzigste (des dritten Bandes siebentes) Heft enthält a) an Text: Die neuere Zeit (1517—1802). Erster Abschnitt: Staat und Kirche. Viertes Hauptstück: Kirche (Reformation in Leutkirch, in Kausbeuren, in und um Grönenbach, Wangen vorübergehend protestantisch, protestantische Edelleute im Allgäu, protestantische Geistliche auf dem Lande, katholische Maßregeln gegen den Protestantismus, Wiedertäufer, Abschließung der Bekenntnisse gegen einander, neue Klöster und Orden im Allgäu, Kloster Kempten, Kloster Ottenbeuren, Kloster Jrsce, Kloster Jsny, Abtei Füssen, Männerklöster in Memmingen, das Franziskanerkloster Lenzfricd); b) an Illustrationen: 1. zwei Vollbilder in Farbenlicht- druck, ausgeführt in der Jos. Kösel'schen Offizin in Kempten, darstellend: Allgäuer Volkstrachten II. und III.: Landleute aus der Gegend von Weiler und Paar auSder Mcmmiuger Gegend, beide nach einem Aquarell von Jos. Bück; 2. neununddreißig in den Text gedruckte Abdüngen. Cäcilia. Zeitschrift für katholische Kirchenmusik' Monatl. 1 Nummer. Preis jährlich 1 M- Direkt unter -j- Band 20 Pf. mehr. Verlag von Franz Goerlich in BrcSlau, Altbüßerstraßc 29. Zu bezieben durch alle Buchhandlungen und Postanstaltcn. Probcnummern gratis und franco. Die „Cäcilia" bringt in 1693 Nr. 10-12 und 1694 Nr. 1 u. a. folgende interessante Aufsätze: Der Tod des römischen Chorals. Von Erzpriester August Staude in Sprottau. — Ein Besuch in Bcuron. Von vr. O. Fink. — Gute Organisten und gute Orgeln. Von Heinrich Götze. — Was das anregende Beispiel eines Priesters zur Hebung der Kirchenmusik vermag. Von Karl Fischer in Potsdam. — Künstlers Leiden. Mittheilungen aus einem BrcSlauer Pfarr-Archiv. — Aus dem Tagebuche eines CäcilianerS. — Wozu ermähnt uns das 25jährige Jubiläum unseres Vereins. Von Pfarrer Hnizdill. — Berichte über Generalversammlungen rc. — Kleinere Mittheilungen. — Recensionen. _ Fuhlrott Jos., Materialien für Prediger und Katecheten über die wichtigsten kathol.Glaubensund Sittenlehren in alphabetischer Ordnung. 8°. Bv. I. M. 7,20; Bd. II. M. 7,20. Negensburg, Ver- lagSanstalt (G. I. Manz) 1893. (II.) Für den vielbeschäftigten Seelsorger, der unmöglich Zeit findet, an die Quelle selbst heran zu gehen, ist eine Materialicn- sammlung zum Zwecke der Predigt eine sehr schätzenSwerthe Beihilfe; daß sie, wie man sagt, zur Eselsbrücke dient, läßt sich leicht vermeiden: man braucht nur nicht wie ein Esel über die Brücke zu gehen. Bis jetzt liegen unS von der neuen sehr vermehrten Auflage des Buches 2 Bände (von A. bis I. reichend) vor. Daß bei den Beispielen auS dem Leben der Heiligen viel Sagenhaftes mitunterkommt, versteht sich von selbst; die Fundorte der Äussprüche von Kirchcnvätern sollten überall genau angegeben sein; ein strebsamerer Leser möchte manchmal eine Stelle im Orginaltext nachsehen. Wir empfehlen das Buch angelegentlich und erwarten, daß es in kurzer Zeit vollständig wird. Historisches Jahrbuch. JmAuftragcderGörreSgesellschast herausgegeben von vr. H. Grauert, Dr. L. Pastor und Dr. G. Schnürer. Commissionsverlag von Herder u. Cic. XV. Jahrgang. 1. Heft. Inhalt: Schmitz, Großsiegelbewahrer Kauffmans und die Iluiv. Köln. — Nattingcr, der Lider xrovisioimm praslatorum Erbaut V. — Weh man, die vier großen Kirchenlehrer. — Helmolt, König Ruprecht im Oktober 1401. — Unkel, eine Episode aus der Geschichte der Kölner Nuntiatur. — Jostes, zum ersten Bande des Osnabrücker Urkundcn- buches. — Steuere Urkundensammlungen aus der Schweiz (Büchi). — DrcveS, Aurclius Ambrosius, der Vater des Kirckengcsanges (Wagner). — Kuöpfler, Werth und Bedeutung des Studiums der Kirchengeschichte (Schrörs). — Zeitschriftenschau. — Novitätenschau. — Nachrichten. - _ Populärer Bericht für Leidende über Hunderte Geheilte von LIeä. Euiv. vr. Adolf Roth, ärztlicher Mechaniker und Chefarzt der Orthopädischen Heilanstalt, Stefanie- straße 55 in Budapest rc. rc. Preis 1 Krone 20 Heller. Herr vr. Julius Bcely bespricht im „Gyakorlü OrvoS" dieses Werk folgendermaßen: „Getreu dem Motto: .Thatsachen beweisen' ist es dem Autor auch vollständig gelungen, den untrüglichen Beweis zu liefern, daß Gelenksentzündungen und Verkrümmungen ohne Operation schmerzlos heilbar sind. Diese hochcrfreulichcn Resultate erreichte der begabte Autor durch seinen I gcnialenSchienenhülscnverband u. seine elastischen Stützcvrsctte, die cr eigenhändig verfertigt. Nur dadurch, daß er als erfinderischer Mechaniker befähigt ist, ärztlich zu denken, ist eS ihm gegönnt, sonst unglaubliche Erfolge auszuweisen. So z. B. sprangen an schweren Gclcnkscntzündungcn Leidende bei der Demonstration im Präger deutschen ärztlichen Vereine mit Leichtigkeit vom Tische herab! 2 Tage nach erlittenem Beinbruch gehen Patienten laut Attesten zahlreicher hervorragender Aerzte in seinem Apparate ohne Krücke und ohne Stock berum, einseitige, ja selbst mit Höcker verunzierte Patienten werden laut den Photographien und unzähligen Dankschreibcn gerade. Kein Wunder, wenn alle Welt zu ihm eilt. In 50 Briefen von Wiener und Berliner Fachleuten bitten selbe, in seiner Werkstätte arbeiten zu dürfen!! und dennoch, wer würde dies glauben, verfolgt ihn die officielle Schule. Diese Broschüre soll die Antwort darauf sein. Wir gratulircn ihm dazu." Die ehrwürdige Dienerin Gottes Magbalena Sophia Barat, Stiftcrin der Gesellschaft deö heiligsten Herzens Jesu. Ein Lcbensabriß mit dem Porträt der OrdenSstifterin. NcgenSburg 1894. Frdr. Pustet. 48 S. Preis 20 Ps. Wenn schon das große Werk von Dr. Bauuard über das Leben dieser ehrwürdigen Dienerin Gottes mit seinen 800 Seiten eine 2. Auflage erlebt hat, so wird auch dieses Büchlein, dessen Erscheinen nur die Erfüllung eines Wunsches jener sein dürste, welchen das größere Werk nicht zugänglich ist, den verdienten reichen Absatz finden. Niemand wird eS ohne Interesse und auch Erbauung lesen. Man sieht darin auf'S neue, was die „bildungöfeindliche" kath. Kirche in einem einzigen Ordcns- zweige wiederum für Erziehung und Schule leistet. Philosophisches Jahrbuch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der Görresgcsellschaft herausgegeben von Dr. Sonst. Gutberlet. VII. Jahrgang. 1. Heft. Inhalt: I. Abhandlungen. 1) Pesch, 8.9. (Tilm.), Seele und Leib als zwei Bestandtheile der einen Mcnscheu- substauz gemäß der Lehre des hl. Thomas von Aquin. — 2) Gutberlet, Ueber den Ursprung der Sprache. — 3) v. Nostitz-Nieneck, 8. 9., Leibniz und die Scholastik. — 4) Adlhoch, O.8.L., Herder und GeschichtSphilosophie (Schluß). — II. Recensionen und Referate. 1) Gießwein, Die Hauptprobleme der Sprachwissenschaft in ihren Beziehungen zur Theologie, Philosophie und Anthropologie, von Gutberlet. — 2) Eortie, 8. 9., L. Perry, Jesuit und Astronom, von demselben. — 3) Ulrich, System der formalen und realen Logik, von Kiefl. — 4) Offner, Ueber die Grundformen der Vorstcllungöverbindung, von Gutberlet. — 5) Kurella, Naturgeschichte des Verbrechers, von demselben. — 6) Dornet de Borges, la, psresption st, la pszwlwtogis tlwmists, v. Schmitt. — 7) Fell, 8.9., Die Unsterblichkeit der Seele, von demselben. — 8) Cath rein, 8. 9., Moralphilosophie, 2. Aufl., von Gutberlet. — 9) Diez, Theorie des Gefühles, von Pfeifer. — 10) Wörter, Die Gcistcsentwickeluiig des hl. Aurelius Augustiners bis zu seiner Taufe, von Schmitt. — III. Philosophischer Sprechsaal. — IV. Zeit- schriftenschau. — V. MiScellen und Nachrichten. Bayerische Zeitschrift für Ncalschulwesen, herausgegeben durch den Verein von Lehrern an technischen Unterrichtsanstaltcn Bayerns, rcdigirt von Wilhelm Vogt. München 1894, M. Nieger'sche Universitäts- Buchhandlung. II. Band, I. u. II. Hcst. Inhalt: Vogt W., Der Geschichtsunterricht und der erste deutsche Histvritertag. — Geistbeck A., Zur Methodik deö heutigen Gcographieunterrichtes. — Gruber Ch., Ueber die genetische Behandlung der Geographie an realistischen Mittelschulen. — Francke M. Dr., Leitfaden für den mineralogisch- chemischen Anfangsunterricht auf höheren Schulen, bcspr. von Fischer. — Hauck-Brunottc, Lehrbuch der Arithmetik und Algebra, bespr. von Jüdt. — Nohrbach C. Dr., Vierstellige logarithmisch-trigonometrischc Tafeln, bespr. v. Horn. — Boltz- mann L. Dr., Vorlesungen über MaxwellS Theorie der Elektrizität und des Lichts, bespr. von Kurz. — Vtolle I., Lehrbuch der Physik, bcspr. von Kurz. — Rethwisch C.. Jahresbericht über das höhere Schulwesen, bespr. von Stcincl. — Uchtomsky E., Orientreise Sr. K. H. des Großfürsten-Thron- folgcrö Nikolaus Alcxandrcwitsch, bespr. v. Steine!. — Neue Hilfsmittel des geschichtlichen Unterrichts rc., bespr. v. Kral- liuger. — Neue Schulausgaben deutscher Klassiker, bespr. von Krallinger. — Nohmeder Dr., Sammlung pädagogischer Vortrage, besprochen von Marschall. — Bibliographie. — Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Müller I., Noch ein Wort zur Frage der Priorität des Französischen im fremdsprachlichen Unterricht. — Mar schall. Ueber den Stand des württembergischen Mittclschulwesens im Jahre 1893 u- s. w. Theologisch-Praktische Monatsschrift. Ceutral-Organ der katholischen Geistlichkeit Bayerns. Herausgegeben von Dr. Georg Pell, Dr. Anton Linsenmaycr und Ludwig Heinrich Krick. 4. Band, 3. Heft. Passau, Verlag von Rudolf Abt. Jnhaltsverzeichniß. l. Wissenschaftliche und belehrende Aufsätze. Gibt es eine oder mehrere Ursprachen? Die Ergebnisse der vergleichenden Sprachwissenschaft im Verhältniß zur Theologie. (Schluß.) Von Pros. k. Benno Linder bau er 0. 8. L. in Metten. — Die Pfade deö Christenthums in den ersten Jahrhunderten, mit besonderer Rücksicht aus Süddeutschland und Oesterreich. Von ?. Valentin Schund, 0. 6ist. Hohenfurt. — II. Mittheilungen, Fragen und Fälle aus der seelsorglichen und pfarramtlichcn Praxis. Der apostolische Segen in der Todesstunde. »Beueäiotio apostolioa. in artieulo wortis.« Von Domdckau Dr. Nirschl in Würzburg. — Der Priester und die Geisteskranken. Von Jgnaz Familcr, Kurat in Kart- Haus-Prüll. — Das Apostolat der Kinder. Von U. Hierony- mus Aeb lieber, Stift Einsiedeln. — Theatralische Ausführungen in Mädchen-Erziehungs-Anstalten und Jungfrauen- Vereincn. Von Nestor k. Geiger, 0. 8. L. Metten. — Sollen unsere Kirchen zugänglich oder verschlossen sein? Von Alois Zottmann, Pappenheim. — Jmportune Rigorosität und Ucberdruß erregender Zuspruchseiser. Von Wilhelm Lang, Kommorant, Wernberg. — Stcrbkasse-Vercin für die Geistlichen. Von P., Ps. in St. u. s. w. — III. Erlasse der obersten Verwaltungsstellen und Entscheidungen der obersten Gcrichtsh öfe. — IV. Literarische Novi- tätenschau. — V. Literaturbericht. Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1891. Zehn Hefte M. 10.80. — Freiburg im Brcisgau. Hcrvcr'sche VcrlagShandlung. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt deö 2. Heftes: Zur päpstlichen Enchklika kro- viäsutissiwus vsus. (I. Knabenbaucr 8. I.) — Religion und Christenthum nach Albrecht Nitschl. I. (Th- Grandcrath 8. I.) — Das höhere Mädchcnschulwesen in Deutschland. (L. v. Hammerstein 8. I.) — Das Kuckucksei und seine Räthsel. II. (Schluß.) (E. WaSmann 8. 9.) — Die Erziehung der bayerischen Wittels- bacher. II. (Schluß.) (O. Pfülf 8. 9.) — Aubrey de Vcrc. Eine litcrarische Skizze. II. (Schluß.) (A. Baumgartner 8. 9.) Recensionen: Schäfer, Erklärung des Hebräerbriefcs (I. Knabenbauer 8. 9.); Egger, blnohirielion tdeoloZias äo§- matieao geueralis (A. Lehmkubl 8. 9.); Krieg, Lehrbuch der Pädagogik (I. HilgerS 8. 9.); Schreiber, Mis Iris ok^.u§ustus ÜMizr larv (A. Zimmermaun 8.9.). — EmpfchlenSwerthe Schriften. — Miscellen: „Eine Betrachtung über Heiligung im evangelischen und katholischen Sinne"; Kannibalismus in Indien; Die katholische Sommer-Hochschule in den Vereinigten Staaten. Literarischer Handweiser, begründet, herausgegeben und redigirt von Msgr. vr. Franz Hülskamp in Münster. 24 Nrn. L 2 Bogen Hochquart für 4 M. p. Jahr. 1893. Nr. 24. Inhalt: Kritische Referate über Predigten von Weihbischos Katschthalcr, ?. Krohe, Eisenring, Graßl, Lacordaire und Badoire (Dcppe), das Oklioium wazoris Iisbäomaäao in zwei neuen Rcgensburger Ausgaben (Schrob), äsLlartinis 9ns pontiLcium äs proxaZÄNäa üäs, v. Schil- gen Kirchliches Vermögensrecht in Preußen und JP. Muth Beiträge zur staats- und kirchenrechtlicheu Lehre von den Pfarreien (Bcllesheim), 9oz?se Historz- ot Irelanä (BclleSheim), D jemand Ceremonie!! der alten Kaiserkrönungen (Ebner), von WliSlocki Volksglaube und Volksbrauch der Siebenbürger Sachsen, Th. Achelis Entwicklung der Ehe, Ehrenfeld Ritt ins Zululand und Wende Deutschlands Kolonien (Plaßmann), Na mann Franz Liszt und La Mara Liszt's Briese an eine Freundin (W. Bäumker), Fecht Der weiße Sonntag, R. Al- bers Erzählungen für Erstcommuuicanteii und Schwill inöky Erstbeickt-, Erstcommuniou- undFirmungs-Untcrricht (Rolfus). — 19 Notizen über 7 außerdeutsche Novitäten (S. Bäumer), DebeS' Neuen Handatlas (Plaßmann) und 11 sonstige Nova (Hülskamp). — Novitäten-Verzeichniß. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.