tti-. 12 22. März 1894. Julius Schnorr von Carolsfeld. Ein Geben kblcitt zu dessen hundertstem Geburtstage von A. G. Gewiß ist Julius Schnorr von Carolsfeld werth, daß seiner an seinem hundertsten Geburtstag öffentlich gedacht wird, hat er sich ja auch gerade in unserm engeren Vaterland durch seine Werke verewigt. Julius war der Sohn des Veit Hans, der in Leipzig am 30. Oktober 1841 starb, er war der siebente Sohn unter fünfzehn Geschwistern. Kaiser Leopold hatte im Jahre 1687 die Familie geadelt unter Verleihung des Beinamens von Carolsfeld. Der Vater war zuerst Jurist, Notar, später Künstler, und obwohl er als Künstler nicht gar hoch gestiegen, erhielt er doch an der Kunstakademie zu Leipzig ein Amt, in dem er auch blieb bis zu seinem Tode. Julius wurde geboren am 26. März 1794 zu Leipzig und wanderte derselbe im Jahre 1811 nach Wien, da er, obwohl erst 17 Jahre alt, fest entschlossen war, sich der Kunst der Malerei zu widmen, deren Anfänge sein Vater schon in der frühesten Jugend ihm gleichsam eingeimpft hatte. Die Studien in der Perspektive und der Anatomie waren als ganz junger Mensch seine Lieblingsbeschäftigungen gewesen, und bei Radierungen seines Vaters für eine Ausgabe des Homer hatte der Sohn fleißig mitgewirkt, und zwar nicht nur oberflächlich, sondern von Anfang sich immer einstudirend, von Anfang an reiflich überlegend. Es muß sofort betont werden, daß er von Anfang an eine uugemein große Hinneigung zum religiösen Stile bekundete und es sein eifrigstes Bestreben war, zuerst nach Italien zu ziehen, denn sagt er selbst: „meine Principia sind, ein guter Künstler oder keiner; niemand lästig zu fallen und bald nach Italien zu gehen." Seine beiden Brüder, auch Künstler, waren vor ihm nach Italien gegangen, er aber ging vorläufig, wie bemerkt, nach Wien; Gründe, warum nicht auch er zuerst Italien besuchte, hat Einsender und Schreiber dieser Zeilen in den ihm zu Gebote stehenden Quellen nicht gefunden. In Wien besuchte Julius Schnorr die Akademie der Künste, ohne aber durch sie in seinen stets idealen Bestrebungen wesentlich gefördert zu werden. Sein Ideal war der große Michel Angelo; „gewaltige Muskelmänuer will ich malen". Und er probirte eS mit einem großen Oelbild „Die Sündfluth", welche aber trotz der Flnth das Schicksal hatte, vom Maler als ungenügend und unwürdig durch Feuer vernichtet zu werden, „ungenügend gegenüber den Kunstleistungen der älteren Deutschen und Niederländer". Der Krieg im Jahre 1813 drohte Schnorr, seinen Studien ein Ende zu machen, denn gleich Tausenden deutscher Jünglinge wollte auch er als Soldat seinem Vaterlands dienen, wie mehrere seiner Kunstcollegen in Wien, dienen als freiwilliger Streiter; aber er erhielt seine Pässe nicht, und dann fehlte ihm auch das Geld zur Reise zum preußischen Heere. Er gab einer Schülerin Zeichnungen zum „Versilbern", diese aber vereitelte in der besten Absicht seine Pläne, versteckte die Zeichnungen und es wurde zu spät zum „Durchbrennen". Sein Bruder ging in den Krieg, und Julius selbst half ihm zur Ausrüstung nach Prag, wo er in der deutschen Legion Fähnrich wurde, während er selbst in Folge einer Beschädigung des Knies in Wien das Zimmer zu hüten hatte. Sechs Jahre hielt sich Schnorr in Wien auf; eS fehlte ihm nicht an Gönnern, es fehlte ihm nicht an Arbeitskraft und Arbeitswillen, aber an einem fehlte es ihm bedeutend, wie wir dies merkwürdigerweise bei vielen, ja sehr vielen Künstlern finden, es fehlte ihm nämlich am norvno rsruin, am Geld. Er machte zuerst Schäferbildchen, warf sich aber in Bälde auf das Ernste. Ein „Sechskampf" nach Arioft zeigte schon sein tiefes Eindringen in das romantische Hcldenwesen, ein „Besuch des Zachnrias und der Elisabeth bei der heiligen Familie" sein religiöses Gefühl und seine „Wallfahrt" bereits den angehenden Künstler. Wie manche Künstler auf ihren Gemälden gewisse ihnen liebe Personen verewigten — wir erinnern z. B. an Martin Knoller mit seinem Haupikuppelgcmülde in der Schloß- und Klosterkirche zu Nercshcim an der bayerischen Grenze —, so hat auch Schnorr auf dem letztgenannten Gemälde seine spätere Gemahlin, Maria Heller, verewigt, die damals allerdings erst zehn Jahre alt war. Sie war die Stieftochter des Landschaftsmalers Ferdinand Olivier, bei dem Schnorr drei Jahre in Wien wohnte und der ihm stets mit Rath und That treu zur Seite stand. Die ältere Schwester Fanny heirathete auch später, und zwar Friedrich Olivier. Nachdem sich seine Finanzen besser gestaltet hatten, trat er mit selbst erworbenen Mitteln nach kurzem Aufenthalt im elterlichen Hause am 16. November 1817 von Wien aus die Reise nach dem lang ersehnten Italien an, allwo er zwei Jahre bleiben und sich ausbilden wollte. Sein Begleiter war der Dichter Müller, mit dem er nach einem kürzeren Aufenthalt in Florenz am 23. Januar 1818 in der ewigen Stadt, in Rom, ankam, wo er, da sein Name bereits bekannt war, von de- deutschen Künstlern auf das liebenswürdigste empfangen und aufgenommen wurde. Alsbald begann er eine rege künstlerische Thätigkeit. Während sein Bild „Drei Marien am Grabe" Entwurf blieb, fand sein Gemälde „Die Hochzeit zu Cana" große Anerkennung. Auch verfertigte er viele Landschafts- zeichnungcu, desgleichen viele nach dem Leben gezeichnete Porträts berühmter Männer, z. B. v. Stein, Niebuhr, Nnckert, Thorwaldsen, welche nach und nach eine stattliche Sammlung ausmachten. Auch wurde der Plan einer „Bibel in Bildern" zu damaliger Zeit gefaßt. Auch seine persönlichen Verhältnisse gestalteten sich mit der Zeit vorzüglich, besonders als Nusgang des Jahres 1818 sein Freund Friedrich Olivier auch nach Rom kam und er Hausgenosse Buuseus wurde, welcher ihm sehr zugethan war, wie auch sein Leipziger Landsmann Quaudt und dessen Gemahlin dem Künstler stets sehr gewogen waren. Im Jahre 1824 hinderte eine Armwunde Schnorr ziemlich lange an seinem künstlerischen Schaffen. Im Dezember deS nächsten Jahres ließ der kunstsinnige König Ludwig von Bayern durch den Meister Cornelius Schnorr die Berufung zu einer Professur an der Kunstakademie in München zugehen, ein Plan, den der König schon als Kronprinz gefaßt hatte. Zugleich ließ er Schnorr eröffnen, daß er in München zur Mitwirkung an großen künstlerischen Unternehmungen von ihm ansersehen sei. Obwohl dieser ehrenvolle Ruf den Künstler mit höchster Freude und mit innerem Stolze erfüllte, so konnte er demselben nicht alsbald Folge leisten, denn er sollte 90 auf Vorschlag ebenfalls Cornelius' -und Bunscns die Dircctorenstelle an der DüffeldorfewÄkademie annehmen. Es wurden Unterhandlungen eingeleitet, und im März 1826 entschied sich Schnorr für München. Zwei große Abschiedsfeste wurden ihm von der deutschen Künstlergesellschaft in Nom gegeben, eines, worauf er besonders stolz war, am Geburtsfest seines Vaters, an dem er mit wahrhaft kindlich-zärtlicher Liebe hing. Seine Reise nahm er über Wien, wo er sich einige Tage aushielt und glücklicher Bräutigam der schon oben angeführten Maria Heller wurde. In seiner neuen Stellung war Schnorr unermüdlich thätig, rastlos arbeitend und begeistert für das Schöne und Edle. Die künstlerische Hauptaufgabe aber, welche ihm zugedacht war, sollte nach dem für die Ausschmückung des Königsbaues in München ursprünglich festgesetzten Plane die Darstellung bon Gegenständen aus der Odyssee sein. Schnorr bereitete sich auf diese ehrenvolle Aufgabe durch eine Reise nach Sizilien vor im Jahre 1826. Der Plan scheint aber vom König Ludwig selbst aufgegeben worden zu sein, und statt der anfangs beabsichtigten Darstellungen sollten solche aus dem Nibelungenlied kommen. Wer die Nibelnugcnsäle der kgl. Residenz in München schon geschaut, wird die geniale Ausführung dieser herrlichen Werke Schnorrs auch bewundert haben. Mit diesem für unser engeres Vaterland bedeutendstem Werke können wir unsere kurz gefaßte Erinnerung an Julius Schnorr wohl füglich schließen, indem wir noch bemerken, das; er später eine Professur und die Directorcnstclle der Gemäldcgallerie zu Dresden übernahm, wo er am 24. Mai 1872 starb. Er ist todt, seine Werke aber werden von ihm stets Zeugniß geben als von einem gottbegnadigten Künstler. Der Herbartliulismtts an den Lehrer- und Lehrerinuen-Seminarien. (Fortsetzung.) Lindner stützt sich, ohne weitere Begründung, nur auf das Wort des Meisters, wenn er (S. 20) behauptet: „Das Seelenleben des Menschen ist ein Entwicklungsprozeß, welcher durch die Wechselwirkung zahlloser Elemente zu Stande kommt. Diese Elemente sind die Vorstellungen. Was die Buchstaben in der Schrift, was die Grundstoffe in der Chemie, was die Zellen in der Physiologie: das sind die Vorstellungen im Seelenleben." Nach dieser Psychologie ist die Seele nichts, die Vorstellungen aber und ihre Größen- und Stärkeverhältniffe sind alles. Zwischen Zellen und Vorstellungen besteht der Unterschied, daß jene von innen heraus durch Wucherung und Wachsthum, die Vorstellungen dagegen durch äußere Eindrücke hervorgerufen werden (S. 20, Anmerkung). Darnach stehen die psychologischen Prozesse noch tiefer als physiologische, organische Prozesse; sie sind etwas rein Aeußerlichcs, von außen (nicht aus einem Seelenvermögen) Entspringendes und daher auch nur äußeren, mechanischen Gesetzen Unterworfenes! Von Vermögen, mit deren Hilfe sich die Seele über die Sinne zu freiem, die Sinnlichkeit und ihren Asso- ciationsmcchanismus überragendem und sie beherrschendem Geistesleben erhebt, wollen Herbart und seine Schule nichts wissen. Mögen die Herbartianer immerhin von Geist und Wille reden, der Sinn dieser Worte ist aber nicht der gewohnte; setzen sie doch den Menschen geradezu auf die Stufe eines rein sinnlichen Wesens, auf die Wesensstufe des Thieres herab. Im rein sensualistischen Sinne sagt (S. 24) Lindner: „Auf dem großen Umfange und auf der Bedeutung des Gebietes der erworbenen Seelen- zustände beruht die Ueberlegenheit der Menschennatur im Gegensatze zur starren Angelegtheit des thierischen Wesens." Also auf dem größeren Umfang und der fortgeschrittenen Verfeinerung des Vorstellungsmaterials und nicht auf ursprünglichen Wesensunterschieden und auf entsprechenden, ursprünglichen Vermögen der Menschenseele beruht der Unterschied zwischen Mensch und Thier! Der Abschnitt über die Gemüths feite des Kindes und die Bedingungen der Gemüthsbildnng (S. 28 ff.) erweist sich als einer der schwächsten Punkte der Herbart'- schen Psychologie und Pädagogik. Der tiefere Grund der Zurückführung des Fühlens und Begehrens auf Vorstellungen liegt in der materialistisch-mechanischen Grundrichtung der Herbart'schen Philosophie. Geradezu staunen muß man, wie eine Theorie, welche das Seelenleben völlig mechanisirt, in der Pädagogik Aufnahme finden konnte. Die Ansicht: Fühlen, Begehren, Wollen seien abgeleitete Erscheinungen, ist nicht bloß als eine Folgerung aus falschen Voraussetzungen, aus einem unhaltbaren, die mehrfache Beschaffenheit eines Seienden ausschließenden Seinsbegriff, grundlos und willkürlich, sondern auch nachweisbar falsch. Hören wir darüber Trcndelenburg in seinen „Historischen Beiträgen zur Philosophie" (Bd. 3 S. 116 ff.). Nebenbei bemerkt, ist Trendelenbnrg Nicht- Theologe und Nicht-Katholik, was sicherlich besonders in der Kritik der Herbart'schen Sittenlehre sehr ins Gewicht fällt. — „In der Zurückführnng des Begehrens auf aufstrebende Vorstellungen liegt eine Verwechslung der Wirkung mit der Ursache. Das Streben, Begehren treibt Vorstellungen empor, drückt sie nieder, ist aber nicht selbst aufstrebende Vorstellung. Wie könnten die Vorstellungen, welche sich hemmen, oder die Vorstellungen, welche sich einander befördern, empfinden? Durch den zweideutigen Ausdruck .Spannung' suchen die Herbartianer einen Schein von Wahrheit für die Behauptung, Gefühl sei ein Attribut der Vorstellung, hervorzubringen. Verschmelzung und Hemmung aber genügen nicht, um das Angenehme, Harmonische und das Unangenehme zu erklären. Nicht selten fordert die Harmonie die Distinktion der zum Ganzen sich fügenden Theile; nicht selten entspringt sie dem Gegensatze. Die Vorstellung, die fühlt, Lust und Unlust empfindet, ist eine falsche Personifikation." Das wirklich Empfindende ist die vorstellende Seele, welche sowohl die Vorstellung als auch die Lust und Unlust, welche diese erregt, in sich erlebt; die Seele, welche bei Herbart die Vorstellungen nicht einmal hat. An dieser einfachen, durch die innere Erfahrung verbürgten psychologischen Wahrheit muß der Pädagoge durchaus festhalten. Denn was ist eine Erziehung ohne Anerkennung einer fühlenden und wollenden, wollend sich selbst bestimmenden und ihren Vorstellungslauf nach Gesetzen und Regeln zum erkannten Ziele leitenden Seele? Trendelenburg macht auf das idealistische Element in der Herbart'schen Auffassung des Begehrens und Wollens aufmerksam. Das Streben und Wollen hat nach Herbart sein Objekt ausschließlich in der Seele, sie will nur die Vorstellung, nicht den vorgestellten Gegenstand; die sinnliche Gegenwart des letzteren ist nur Mittel, nicht Gewalltes. Nebenbei fei der Egoismus zu beachten, dem hiermit Thür und Thor geöffnet sei. Gegen diese Auf- § ) > 91 fassung müsse gellend gemacht werden, daß die Seele im Begehren bedürftig ist. Sie begehrt z. B. nicht die Vorstellung von der Ernährung, sondern die Ernährung selbst (a. O.). Gleiches gilt auf den höheren Stufen des Seelenlebens. Nicht die Vorstellung der Unsterblichkeit der Seele; nicht die Vorstellung eines persönlichen Gottes, nicht die Vorstellung von einem unendlichen Gute bilden den Gegenstand des Verlangens und der Liebe der gläubigen Seele. Der Trost, welchen diese aus dem Umgänge mit Gott, aus dem Gebete schöpft, würde sofort in bittere Enttäuschung sich verwandeln, wenn es gelänge, ihr die Ueberzeugung beizubringen, daß sie im Augenblicke der höchsten religiösen Erregung nicht mit Gott, sondern mit ihrem eigenen Vorstellungsgebilde sich beschäftige. Mit solchem Idealismus der Herbart'schen Psychologie fällt jedoch keineswegs der dieser gemachte Vorwurf des Sensualismus und Materialismus. Denn die Vorstellung, welche Herbart mit dem vorgestellten Gute verwechselt, bleibt in all ihren Umbildungen sinnlich und materiell. Wie nämlich Gefühle und Begehrnngen sind nach Herbart auch Verstand und Vernunft aus der Verbindung und wechselseitigen Einwirkung der sinnlichen Vorstellungen abgeleitete Erscheinungen. Deutlichst tritt die mechanische Denkweise zu Tage bei der Erklärung von der willkürlichen Aufmerksamkeit. Nach Lindner (S. 39) kommt diese dadurch zu Stande, daß einer neu eintretenden, wenn auch schwachen Vorstellung aus verschiedenen Gegenden des Bewußtseins Neproduktionshülfen zuströmen, welche diese Vorstellung heben und zum Mittelpunkt des Aufmerk- samkeitskreises machen. Also ein mechanischer Prozeß, bei welchem die Seele vollkommen unbetheiligt ist, eine willkürliche Aufmerksamkeit ohne jemand, der aufmerkt, ohne Wille und Willkür! Das Gedächtniß wird in die zwei Funktionen des Behaltens und Wiedergebens unterschieden und im allgemeinen als das Vermögen der unveränderten Reproduktion gefaßt. Dabei ist dessen wahre Natur verkannt. Dem Gedächtniß ist ja wesentlich die Beziehung auf die Vergangenheit, auf die gehabte Wahrnehmung oder Vorstellung; die einfache, unveränderte Reproduktion genügt nicht. Die Erinnerung enthält überdieß ein logisches Element, da ein absichtliches Besinnen ohne eine Art von schließender Thätigkeit nicht ausführbar ist. Ebenso ganz im Herbart'schen Sinne wird (S. 42) das Lernen und (S. 44) die Einbildungskraft erklärt. Die wichtigste Stelle in der sogenannten „wissenschaftlich-exakten,, Herbart'schen Pädagogik nimmt die „Apperception" ein. Sie ist die Geburtsstätte des Denkens. Sie bildet die Brücke, welche über den sinnliches Vorstellen und geistiges Denken trennenden Abgrund nnmcrklich hinüberführen soll. (S. 51 ff.) Die Apperception ist das Umgewandeltwerden einer neuen Vorstellung durch eine ältere, ihr an Macht überlegene. Dieser Prozeß ist eine Art Assimilation der neueren Vorstellung an die ältere. Wie die Aufnahme der Speisen zur Verdauung derselben, so verhält sich die Perception zur Apperception. Damit wird die Sache so einfach, daß auch der Einfältigste die Natur und den Ursprung des Denkens versteht, ähnlich wie die des Verdauens, welches er ja täglich übet.fl?) Die allgemeine, intellektuelle Vorstellung, die Quelle all unserer höheren Erkenntnisse, das auszeichnende Merkmal des Menschen, durch welches er sich als Vernunft- wesen kundgibt, wird zu einem bloßen Namen herabge- drückt, mittels dessen wir verwandte Erscheinungen zusammenfassen. Dieser Nominalismus ist die nothwendige Folge der Herbart'schen Leugnnng der Seelenvermögen und der ausschließlichen Annahme von außen angeregter sinnlich-materieller Vorstellungen. Dabei wundert es nicht mehr, wenn die „psychologische Bildung" als ein Vcrdichtungsprozeß aufgefaßt wird. Jeder Zweifel über die wahre Meinung unseres Lehrbuches, sowie darüber, daß das Denken als ein mechanischer Vorgang gefaßt ist, wird schwinden müssen, wenn wir die (a. O.) in den Anmerkungen aufgenommenen Citate aus Anhängern der Herbart'schen Schule betrachten. Sehr wohl begreiflich ist es unter solchen Umständen, daß auch die Kunst des Unterrichtes selbst zum reinsten Mechanismus wird. Wie nach Herbart das sinnliche Vorstellen und Denken nicht wesentlich verschieden sind, so auch nicht das sinnliche Begehren und Wollen. Vom freien Wollen, der Willensfreiheit, schweigt das Lehrbuch überhaupt. Gleichwohl ist (S. 53) die Rede von der Charakterbildung. Der Charakter wird definirt „als die vollständige Konsequenz des sämmtlichen Wollens und Handelns durch Unterordnung desselben unter praktische Grundsätze und dieser wieder unter einen obersten praktischen Grundsatz. Sind sämmtliche praktische Grundsätze im Einklänge mit dem Sittengesetze und steht an der Spitze derselben das Gewissen, so ist der Charakter ein sittlicher." (S. 55.) Wie aber, fragen wir, passen Sittengesctz, Gewissen u. dgl. zur Herbart'schen Philosophie und Pädagogik? Herrscht doch da nur ein Mechanismus drängender und schiebender, gehemmter und geförderter Vorstellungen. Unsere Frage leitet uns naturgemäß Zur Prüfung der Herbart'schen Ethik, insoweit sie in die pädagogischen Lehrbücher, auch in das Lindner'sche, eingedrungen ist. Ohne allen Zweifel ist die wichtigste Bestimmung eines pädagogischen Systems die des Erzieh ungs- zweckes. Lindner (S. 57) unterscheidet einen formalen und einen sachlichen Erziehungszweck. Der formale ist die Sclbstständigkeit des Zöglings, der fachliche aber die Bestimmung des Menschen. Und diese ist das sittliche Ideal (S. 58). In der Herbart'schen Pädagogik können alle Arten von Erziehung, die humanistische, atheistische, materialistische, nur nicht die christliche, Raum finden, wie wir sehen werden. (Schluß folgt.) Ueber die religiöse Bewegung in England veröffentlichte vor kurzer Zeit George Mivart, einer von den hervorragenden Männern, die auf dem Wege des „Nilnalismus" aus der anglikanischen „Hochkirche" in den Schooß der katholischen Kirche gelangt sind, in der anglikanischen Zeitschrift The Nincteenth Century einen Artikel, der in sämmtlichen protestantischen Kreisen bedeutendes Aufsehen erregte. Der Artikel beginnt Mit einer kurzen und zutreffenden Schilderung der einschneidenden Meinungsverschiedenheiten über die kirchliche Lehre, die unter den höchsten Würdenträgern der anglikanischen „Hochkirche" auf dem im vorigen Oktober stattgehabten Kongreß zu Birmingham zum Ausdrucke gelangten, und fährt dann also fort: „Alle diese Umstände aber dürfen uns nicht veranlassen, das heilsame Werk zu verkennen, welches die Partei der „Hochkirche" auf dem Gebiete der Landesreligivn (Lotafflisluneni) zu verwirklichen im Begriffe ist. Dcis englische Volk ist leider in Folge einer alten Gewohnheit und ererbter Vornrthcile für den katholischen Klerus unzugänglich. Es hat eine Abneigung gegen jede direct von Katholiken ausgehende Belehrung. Die „ritualistischen" Geistlichen aber, welche der anglikanischen Kirche angehören, können sich leicht Gehör verschaffen und den guten Samen der katholischen Lehre nach allen Seiten hin ausstreuen. Wir begegnen jetzt häufig gottesdienstlichen Gebräuchen, die noch vor 40 Jahren außerhalb der damals in unserm Lande noch kleinen Gemeinschaft der katholischen Kirche vollständig unbekannt waren und die überall anderswo verhöhnt und der Obrigkeit angezeigt worden wären. Aber die „Nitnalisten" sind auf bestem Wege, daS Wort „protestantisch" bei der Kirchengesellschaft, der sie angehören, in Verruf zu bringen und den Protestantismus als eine verabscheuenswerthe Form des Glaubens erscheinen zu lassen. So erhalten unsere ehemaligen Kirchen eine dem römisch-katholischen Geiste entsprechende Ausschmückung und werden auf solche Weise für uns vorbereitet. Ja noch mehr: man führt sogar das Volk, welches dieselben besucht, nach und nach zu unserem Glauben. Die ausgezeichneten Männer, welche die „fortschrittliche Partei" der anglikanischen Kirche bilden, bereiten den Weg vor für ein bedeutendes Wachsthum der katholischen Kirche in England, wenn schon man vernünftigerweise nicht annehmen darf, daß die große Mehrheit des anglikanischen Klerus in die Fußstapfen des Kardinals Newmnn treten werde. Da anderseits die sogenannte „evangelische" Fraktion binnen kurzer Zeit vollständig verschwinden wird, so läßt sich das endliche Schicksal der anglikanischen Kirche einstweilen unmöglich vorhersagen. Möglicherweise und hoffentlich wird ein bedeutender Theil oder sogar die große Mehrheit dieser Kirche Bedingungen annehmen, die es gestatten, sie in Masse in den Schooß der katholischen Einheit aufzunehmen. Das ist aber nur eine Möglichkeit und keineswegs eine Wahrscheinlichkeit. Als getrennte priesterliche und dogmatische Körperschaft kann die anglikanische Kirche keine lauge Laufbahn mehr vor sich haben; nichtsdestoweniger kann ihrer eine Zukunft anderer Art warten. In einem noch unveröffentlichten Briefe vom 25. März 1884 schreibt mir der Cardinal Newman darüber Folgendes: „Der Hauptgrund, warum ich katholisch wurde, ist der, daß die Protestanten selbst den Glauben bekannten, daß Jesus Christus eine Kirche gegründet habe. War dem so oder war dem nicht so? Wenn er eine Kirche gegründet hatte, dann konnte das nur eine lehrende Kirche sein. Die anglikanische Kirche aber war kein Lehrkörper, sie war eine zersplitterte, sich selbst bekämpfende Partei." Nun aber behaupte ich Folgendes: Alan ist im Begriffe, ein Experiment zu machen, man will feststellen, ob eine christliche Kirche auch ohne ein bestimmtes, anerkanntes Credo bestehen kann. Es ist das ein Problem, welches nicht innerhalb einer einzigen Generalion gelöst werden kann. Bis heutigen Tages ist noch Nichts eingetreten, was im Stande wäre, meine bereits vor 30 oder 40 Jahren begründete Ueberzeugung zu ändern." Das SekterNvese» in der russisch-schlsmatischeu Kirche. Es ist allgemein bekannt, daß sich die russisch-schis- matische Kirche mit Vorliebe und Emphase die „orthodoxe", von jeder Makel häretischer Ansteckung fleckenlos rein gebliebene nennt. Damit steht aber in schneidendem Kontraste die Thatsache, daß dieselbe „orthodoxe" Kirche die geheimen Sekten wissentlich und anstandslos in ihrem Schoße duldet. Wir entnehmen die nachfolgende Schilderung dem jüngst erschienenen Buche von vr. Ferdinand Knie, „Die russtsch-schisinatische Kirche, ihre Lehre und ihr Cnlt",*) das auch in der Beilage zur Augsburger Postzeitung wiederholt besprochen wurde; da sich Knie bei seinen Ausführungen meist auf angesehene russische Autoren beruft, so glauben wir die Zuverlässigkeit seiner Darstellung nicht bezweifeln zu sollen. Dieselbe entrollt uns ein furchtbares Bild von der religiösen Zerfressen- heit, der die russisch-schismatische Kirche in Folge des üppig wuchernden Sekteuwesens, wie es scheint, rettungslos verfallen ist. Zunächst sind die sogenannten „altgläubigen" Sekten von den „geheimen Sekten" wohl zu unterscheiden. Die „altgläubigen" Sekten, der Raßkol genannt, sind nicht älter als 200 Jahre und entsprangen der Opposition, welche sich innerhalb der russisch-schismatischen Kirche gegen die vom Patriarchen Nikon unternommene Reinigung der Kirchentexte (1667) erhob. Der Naßköl bildet so recht das Schisma im griechischen Schisma und spaltet sich selbst wieder in zwei Stämme: in die Priesterlosen Sekten des hohen Nordens, wo nur das Volk die Opposition gegen Nikon mitmachte, und in die priesterlichen Sekten; beide Gruppen erfreuen sich noch heute trotz wiederholt erfolgter Union mit der Staatskirche zahlreichen Anhangs. Dabei ist zu bemerken, daß die russische Slaatskirche dem Naßköl gegenüber mit härtester Strenge verfuhr, so daß sich die Anhänger desselben öfter unter gemeinsamem Gebete in geschlossener, vollzähliger Versammlung ihrer Gemeinden durch Anzünden des Bethauses oder Klosters freiwillig dem Feuertode überantworteten. Dagegen erfreuen sich der Duldung die „geheimen Sekten", die meist bis in die Zeit der Christianisirnng Rußlands hinaufreichen und ihre Anhänger aus allen Ständen und Berufsklasscn rekrutiren, während der Raßkol seine Bckenner fast nur unter den niederen Volksschichten zählt. Es waren Fragen untergeordneter, ritueller Natur, die die Trennung des Naßköl von der Staatskirche veranlaßt hatten: ob das hl. Kreuz- zeichen mit zwei oder drei Fingern zu machen, ob das Allclnja an gewissen Stellen der hl. Messe zwei- oder dreimal zu singen, ob der Name des Erlösers Issus oder llissuo zu schreiben sei; ihrer dogmatischen Lehrmeinung nach sind die „Altgläubigen" den „Orthodoxen" so nahe verwandt, daß ein außerhalb ihrer gegenseitigen Streitigkeiten Stehender nur mit Mühe und angestrengter Aufmerksamkeit die Differenzpunkte herauszufinden vermöchte. Dagegen halten die „Geheimsekten" an den liturgischen Vorschriften der Staatskirche mit peinlichster Gewissenhaftigkeit fest, ja sind darin noch strenger und pünktlicher als viele „Orthodoxe"; es gibt keine genaueren und fleißigeren Erfüller der Gebote der „orthodoxen" Kirche, als gerade die „Geheimsektler". Dieses ihres Fcsthaltens an den Ceremonien der Staatskirche wegen werden denn auch die „Geheimsektler" anstandslos den Rechtgläubigen beigezählt, obgleich sie sich in ihrem innern Wesen nicht nur von der Orthodoxie, sondern vom christlichen Glauben überhaupt losgesagt haben. Es ist der nackteste Manichäis- mus, der uns in ihrem Bekenntniß entgegentritt. Die Seele des Menschen, lehren sie, stammt wohl von Gott; der Leib aber ist vom Teufel geschaffen. Das ganze Verlagsbuchhandlung Sthria, Graz 1691. 93 Menschenleben ist daher nichts als ein immerwährender Kampf zwischen Leib und Seele. Unterliegt letztere, so geht sie in die Gewalt des Bösen über, trägt sie aber den Sieg davon, so gelangt sie schon hienieden in einen so herrlichen Zustand, das; sie in unmittelbaren Verkehr mit der Gottheit tritt. Unerläßliche Mittel, um des Sieges froh zu werden, sind: strenges Fasten, Enthaltung von Fleisch, Alkohol und Tabak, von den Freuden der Liebe, von jeder Ergötzlichkeit und Sündenlockung, strenge Ascese, erfüllt vom sogenannten „Gedankengebet", von Selbstverttefung, — kurz ein rein beschauliches Leben. Das genügt aber noch nicht; man muß sich seines Willens entäußern und ihn jemandem unterordnen, der den Gipfel der geistlichen Vollkommenheit bereits erstiegen und die Gottheit bereits in sich aufgenommen hat. Durch verschiedene gewaltsame Bewegungen, durch „Beflissenheiten", wie sie es nennen, d. h. durch Springen, Tanzen, Sich- drehen, Sichwirbeln mit ausgebreiteten Armen, durch Zittern mit allen Gliedmaßen, durch Anhalten des Athems bringt sich der Ascet in einen Zustand des Außersichseins und erlangt die Fähigkeit zu Hallucinationen, ihm erscheinen Gesichter, er stößt zusammenhangslose, sinnlose Worte aus, welche den Anwesenden als Prophetenworte gelten, — nicht als ob damit stets Vorhersagungen gemeint wären, sondern überhaupt: was in solchem überreizten Zustand gesagt wird, das ist ein Prophetenwort; wer zu solchem Zustande gelangt, ist ein Prophet oder eine Prophetin. Das ist aber noch nicht der höchste Grad der Vollkommenheit. Die höchste Stufe ist für die Männer der Christusgrad, für die Weiber der Muttergottesgrad. Denn der Christus und die Jungfrau Maria der Heilsgeschichte stehen nach der Meinung der „Geheim- sektcn" keineswegs vereinzelt da: so hohe Stufen, wie diese erstiegen haben, kann jeder Mensch erreichen. Solche Menschen gibt es auch wirklich, und zwar gibt es solche beständig im Schoße der „Gcheimsekten". Das sind die acqnirirten oder erlangten Christusse, wie sie genannt werden. Gott selbst hat in ihnen die menschliche Seele vernichtet und seinen Geist an die Stelle gesetzt und ist in sie eingekehrt, so daß sie „lebende Götter" geworden sind. Solcher acgnirirter Christusse und Gottcsmütter kann eS gleichzeitig mehrere geben. Den acqnirirten Christusscn stehen am nächsten die Propheten, gewöhnlich in der Zahl von zwölf, die sich Apostel nennen. Die Anhänger der „Gchcimscktcu" betrachten Christus den Heiland zwar als Gottmenschen, aber doch nur als einen solchen, wie ihre acqnirirten Christusse. Die Wunder, die er gewirkt hat, selbst sein Krcnztod und seine Auferstehung, sind nach Meinung einiger „Schiffe" (Gemeinden) nichts als Allegorien. Sie verehren keine Heiligenbilder, selbst das Kreuz nicht, wiewohl sie dieselben bei einigen ihrer Riten gebrauchen. Die Liturgie und kirchlichen Gesänge verwerfen sie, indem sie behaupten, immer und ewig ein und dasselbe zu singen, sei ein todtes Werk; vor Gott aber müsse man ein „neues Lied" fingen. Darum haben sie ihre eigenen Gesänge, die sich meist durch Sinnlosigkeit auszeichnen, aber doch eines wilden, fanatischen Schwunges nicht entbehren. Ferner sagen sie, man dürfe nur das Gebet des Herrn beten, wie es Jesus Christus angeordnet hat, im übrigen aber nur geistliche Gesänge und Psalmen singen. Gleichwohl erfüllen sie, wie schon erwähnt, alle Vorschriften der orthodoxen Staatskirche, beichten und commnniciren jährlich viermal und gelten daher als die frömmsten Gläubigen. Der orthodoxen russischen Staatskirche kommt es eben nicht auf die Einheit des Dogmas, sondern nur auf die Einheit des Ritus an. Daher verfolgt sie die ihr dogmatisch so nahe stehenden „Altgläubigen" und duldet die „Gcheimsekten". Ja sie läßt es mit der größten Gleichgiltigkeit geschehen, daß unter dem Deckmantel gleichförmiger Liturgie nicht nur die abenteuerlichsten, geradezu »»christlichsten und heidnischen Sekten ihr Wesen trieben, sondern auch, daß unter dieser anscheinend nur Gleichartiges bergenden Decke die sonderbarsten und disparatesten Anschauungen sich entwickelten, so daß, nach den Worten Jkönnikoffs, vielerorts die sogenannte Orthodoxie kaum noch vom Schamancn- thum zu unterscheiden war. Hier ist namentlich auch an das Vorwalten des Teufelsglaubens statt des Gottesglaubens zu erinnern. Derselbe Autor, auf den sich Knie hinsichtlich der vorausgegangenen Mittheilungen beruft, berichtet auch, daß die Bekanntschaft des russischen Bauern mit dem Oberteufel und mit allen seinen Unterteufcln und die Kenntniß aller von ihnen ausgeführten Teufeleien eine wahrhaft erstaunliche ist und in ihrem Umfange alles übersteigen mag, was im Westen das gemeine Volk von göttlichen Dingen hat. Nicht der christliche Gottesglaube, sondern der volksthümliche Teufelsglaube gibt beim gemeinen Manne in Rußland die Motive des Handelns her. Knie versichert, mit Beispielen und eigenen Erlebnissen aufwarten zu können, welche klarstellen würden, daß auch die höheren Stände Rußlands, soweit sie noch „rechtgläubig" sind, dem Teufelsglauben in einer Weise huldigen, die dem Nichtrussen einfach unverständlich ist und daher kaum Glauben finden würde. Mit vollem Rechte ruft daher ein russischer Schriftsteller aus: „Ich erkenne es mit unaussprechlichem Schmerze, daß bei uns die Religion gänzlich unwirksam ist." X. Die neuere Kupferplastik. Von Dr. Scpp. Süddentschland behauptet im Kunstgebiete den Vorrang, und ein neuer Kunst zweig hat eben jetzt in München sich eingebürgert: in Kupfer getriebene Figuren. Wir sehen mit Befriedigung, wie Meister aus unserer Mitte in ihren Werkstätten gerade hierin ihre Kunst- gewerbcthätigkeit entwickeln, wie das Neichstags- gebände durch sie seine Krönung erhält, indem das Kniscrdiadem in der Mitte von vier Königskronen in kolossalem Maßstabe umgeben sich erhebt und die Germania hoch zu Roß mit gehobenem Scepter im Morgen- strahl der neuen Zeit zu reiten beginnt. Eben ergeht nach München die Einladung, sich ja an der Concurrcnz zum Denkmal am Khff Häuser zu betheiligcn, wo der erste Kaiser des neuen Reiches monumental in riesigem Maßstabe durch Knpfertriebkunst auferstehen soll. Dieß rechtfertigt, daß wir der neuen Ehre des Kunsthandwcrks in Bayerns Hauptstadt diese Zeilen widmen. Die Insel Cyperu heißt das Knpfcreiland, von da holten die Phönizier das Metall und gössen es mit Zinn in Erz um. Das Kupferzeitalter geht dem ehernen voran. Herodes der Judenkönig pachtete die einträglichen cyprischcn Bergwerke. Die Bibel setzt Tubalkain, den Meister in Erz und Eisen, bereits vor die Fluth. Das Alterthum wandte diese Technik meist auf den Panzer (tborax) an. Die griechische Toreutik hat Silber, Gold und Kupfer gehämmert und getrieben, besonders nach Holzmodellcn Todtenmasken, die man dann mit Pech ausfüllte und cisclirte. Schliemann entdeckte einen in Silber getriebenen Stierkopf in Mykenä, 94 er mißt 25 oin. Die mittelalterlichen Rüstungen sind meist aus Eisen getrieben, dann tauschtet. Wir lesen von dem 105 Fuß hohen Sonnenidol, dem Coloß von Nhodns, von Chores, dem Schüler des Lysippns, 280 v. Chr.: daß Zwischen dessen Beinen Schiffe durchführen konnten; er war allerdings am kleinen Hafen, wie man im Vorbeifahren merkt. Derselbe war von Erz gegossen, und nachdem ihn 224 v. Chr. ein Erdbeben niedergeworfen, ließ nach der muhamedanischen Eroberung der Insel der Chalife die Stücke durch 900 Kameele fortschleppen. In neuerer Zeit eröffnet die Reihe der in Knpfer getriebenen Colossalfiguren der 24 Meter hohe Carolus Borromäus zu Arona, dem Geburtsorte des Heiligen, welcher 1697 auf zwölf Meter hohem Sockel aufgestellt wurde und weithin über den Lago Maggiore sichtbar ist. Eine Treppe führt im Innern, wie in der 1844 aufgestellten 19 Meter hohen Bavaria, hinauf bis in den Kopf, in dessen Raume bei sicbenthalb Meter Umfang bequem vier Personen tafeln können, um durch die Augenöffnung zugleich die Fernsicht zu genießen. Hände und Füße sind dabei in Bronce gegossen, man war der Hohlarbeit mittels Liegamboß und Prelleiscn noch nicht mächtig; nur der Mantel ist bon schwerem Kupferblech und so setzt die Figur für die Fleischtheile ein verschiedenes Patina an. Zwanzig Jahre spater (1717) erhob sich nach dem Vorbilde des Farnesischen Herkules von Lysippns die 10 Meter hohe Niesenfigur mit der Keule, der sogen, große Christoph auf der Wilhelmshöhe bei Kassel. Thnrmhoch steht er auf seinem 85 Meter hohen Unterbau, in Metall ausgehöhlt durch den Kupferschmiedgesellen O. F. Küpper aus Hanau, dessen Name ebenso bezeichnend ist, wie uns jetzt die Wilhelmshöhe an den König erinnert, welcher nach Sedan den gefangenen Kaiser Louis Napoleon dahin abführen ließ, um dieses Symbol deutscher Heldenlraft und Größe gehörig zu betrachten. Daran reiht sich die 17 Meter hohe, vor noch nicht zwanzig Jahren enthüllte Bildsäule des Arminius oder das Hermannsdenkmal bei Detmold, zunächst dem Schlachtfeld im Teutoburgerwald, auf 30 Meter hohem Dome über der 1246 Fuß hohen Grottenburg. Bis zur Spitze des gegen Frankreich erhobenen Schwertes 80 Fuß messend, erhebt er sich 57 Meter über den Erdhügel, und nicht weniger als 11,000 Kilogramm, d. i. 210 Zentner, Kupfer sind zu den Platten verwendet, welche um den Niefenkörper merklich sichtbar vernietet wurden. Der Schöpfer des Gedankens wie des Modells ist bekanntlich der Bildhauer Ernst Bändel aus Ansbach, ein Zögling der Münchener Akademie, dessen Andenken auch hier manche Büste in Ehren erhält. Doch was sagen wir erst zu der kolossalsten aller Figuren, dem Bilde der Freiheit nach dem Modell des Elsässers Bartholdi, dem Geschenke von Frankreich für den Eingang des Hafens in New-Z)ork! Diese in Kupfer getriebene Niesenstatue von 33 Meter Höhe steht auf einem 48 Meter hohen Postament, und hält mit der Rechten eine Fackel 94 Meter über den Erdboden empor. Man steigt in ihr hinauf und genießt auf einer dritthalb Meter breiten Flüche die Fernsicht, höher als der Thurm des Berliner Nathhauses und so hoch als wo der Helm des Kölner Domes aufsitzt. Gehen wir zu den Triumphwagen über, so hat unser großer König und Kunstmäcen Ludwig I. AugustuZ die Viktoria auf dem Gespann von vier Löwen vorahnend auf das Münchener Siegesthor gestellt, durch welches 1871 die siegreich aus Frankreich heimkehrenden Truppen ihren triumphirlichen Einzug hielten. Sie allein ist 17 Fuß hoch und dieses ewige Werk von 900 Zentnern Erz gegossen. Lysippns, der von Alexander M. mit einmal den Auftrag zu 34 Neiterstatueu für die am Granikus gefallenen Helden erhielt und dem man nachrühmte, daß er 600 Statuen gegossen habe, schuf auch den Sonnew- wagen mit den vier Pferden, welche nachher tn die Rennbahn von Constantinopel, und von da auf das Portal des Markusdomes in Venedig zu stehen kamen. Sie wurden 1796 als gute Beute nach Paris entführt, von wo sie erst 1815 zurückkamen. An kupfergetriebencn Werken dieser Art geht wetteifernd voran die nach Schadow's Modell 1795 von Jury ausgeführte, mit vier zwölf Fuß hohen Rossen bespannte Quadriga auf dem Brandenburger Thor in Berlin, welche Napoleon 1806 nach Paris entführte. Bekannt ist die Anekdote, wie der Turnvater Iahn die Schuljungen beim Vorübergehen an dieser stattlichen Stadtpforte nach der Frage: was denkt ihr euch hiervon? mit einem Backcnstrciche firmte mit den Worten: Merkt euch, daß wir die Viktoria mit dem Siegeswagen aus Frankreich wieder zurückholen müssen! Daran schließt sich die nach Nitschel's Modell von Georg Howald in Braunschweig 1858 — 63 als Krönung für das Schloß geformte Brnnonia auf dem Viergespann. Nach dem Nesidenzbrande mußte das herrliche Werk 1865—68 von demselben Meister erneuert werden. Howald hat auch die Herzoge K. W. Ferdinand und Fr. Wilhelm daselbst in Kupfer getrieben und dieses Geschäft dort eingeführt: er starb erst 1891. Howald der Jüngere schuf den Herkules für den Frankfurter Bahnhof. Eine kupfergetriebene Figur der unbefleckten Jungfrau erhebt sich auf der Weltkugel über dem Thurm der Marienkirche in Würzburg, mit der Lilie in der Rechten und der Schlange den Kopf zertretend, mit zwei Gesichtern, seit etwa 50 Jahren vergoldet: sie soll in Folge eines Gelöbnisses zur Abwendung der Pest errichtet worden sein. Von getriebener Arbeit gilt auch das Reiterstandbild Augusts des Starken in Dresden von Ludwig Wicdemann 1731—36, wovon das Roß allein auf den Hinterfüßen und dem Schweife ruht. Doch bedarf es noch der Untersuchung, ob nicht doch das Pferd von Erzguß ist. (Schluß folgt.) Neue Bücher'. (Unter dieser Rubrik geben wir ein fortlaufendes Verzeich» niß der bei uns cingelangcuden Bäcker, deren Recension wir uns vorbehalten. Unsere Herren Mitarbeiter ersuchen wir, die Bücher, welche sie zu recensiern wünschen, sich aus diesem Verzeichnis auszusuchen.) Die katholische Bewegung. Monatsschrift. Herausgegeben von G. M. Schüler. Würzburg, Verlag von Wörl. 27. Jahrg. Heft 3 enthält: Das apostol. Glaubensbekenntniß und die jüngsten katholischen Schriften über dasselbe. — War Shakespeare Katholik? — Origenes und sein Leben. — Drei Stimmen über das Duell. — Das Mcßthürmchen auf dem Nctscber-Dom. Llissions ä'Lkriquö. Erscheint alle zwei Monate. AbonnementSpreiS 5 FrcS. per Jahr. Zu abonniren bei L. U. Honail, iLroviuaial, rus tlassstto 27, Laris, oder II. ?. 8u- pärisur ckss ksrss, LIanos rus cks Urncck 58 ü Lla1iues(LeI§igns). Nr. 103 enthält u. A. in franz. Sprache: Briefe von Nocher an Msgr. Livinhac. — Nachrichten aus Uganda. — Bries des 95 Msgr. Lechaptois vom Tanganika. — Brief aus Karema; vom obern Congo u. f. w. Katechetische Blätter. Zeitschrift für NeligionSlehrer. Herausgcg. von Pfarrer Franz Walk, Benefiziat in Gaimers- heim. Keuchten, Köscls Verlag. Jährlich 12 Hefte. Preis M. 2,40 per Jahr. 1894. Inhalt des 1. Heftcö: Ueber die religiös-sittliche Pflege der auS der Feiertagsschule entlassenen Jugend. — Die letzten Dinge des Menschen. — Unterricht über die Firmung. — Von hl. Lippen. — Aus unsrer Sammelmappe. — Literatur rc. Die christliche Erziehung oder Pflichten der Eltern. Von W. Becker, 8. Frcibnrg, Herder'schcr Verlag. Preis 2 M. Das Capuzinerklostcr zu Innsbruck. Von v. Mich. Hetzenauer mit Jllnstr. von I. Find! uns einer Karte des apost. MissionsgcbieteS in Indien. Innsbruck, Verlag von Fel. Rauch. 80 kr. östr. W. Die christliche Aöcese. Ihr Wesen und ihre historische Entfaltung von Dr. Jnl. Mayer Repetitor am Thcol. Convikt in Freiburg. Frcibnrg, Herder's Verlag. 80 Ps. Erinnerungen eines alt-n Prägers. Ghettogeschichten aus vergangenen Tagen von Em. Emil. Leipzig, Verlag von W. Malende. Englische Reiseskizzen mit Karten und Bildern von Heinrich Pudor. Leipzig, Verlag von H. Pudor. 2 M. Franz Luowig von Ertbal. Fürstbischof von Bamberg und Würz bürg. Ein Charakterbild, nach den Quellen bearbeitet von vr. Fr. Leitschuh. Mit 10 Vollbildern. Bamberg, C. Buchner's Verlag. Heilige und selige Kinder. Eine kleine Legcnden- sammlung. Von I. Hosmann, Pfarrer in Güntersleben. Würz- burg, Verlag von A. Göbcl. Us unse Lotterb ove-Johre. Erzählungen in Köln. Mundart. Von vr. W. Clanß. I. Band: Der Seilspenner. — Unse Student. Köln, Verlag von I. B. Bachem. Preis geb. M. 1.50. Gold zum himmlischen Brautgewand vom lieben Christkind. Für Kranke uns andere Leidende. Don G. I: Bartbclme, Seelsorger. Im Anhang Kranken- und Sterbegcbete. Würzburg, Verlag von A. Göbcl. Stadtpsarrcr M ichael Bcckert zu St. Peter in Würzburg. Von Or. C. Braun, Dompsarrcr. Würzburg, Verlag von A. Göbcl. 80 Ps. Leben des Prinzen Alexander v. Hobenlohe, Großprobst von Großwardcin. Hcransg. zum Besten eines frommen Werkes von den Karmclitcriuncn von Marienthal im Elsaß. Zu beziehen dortselbst. Preis M. 2,40. Der große Tag der Erndte, Fasienpredigtcn vonCh. Dicssel, 0. 88. v,. NegenSburg, Verlag von Frieor. Pustet. Preis M. 1,40. Stellung des kath. Religionsunterrichtes in der Volksschule -in Lehr Plan der Jünger Herbarts von vr. Johannes Scholastikus. Würzburg, Verlag von A. Göbcl. 50 Ps. Die Wetterführung der Canalisirnng des MainS bis A'chasfcnburg. Von Frz. Wörner (im Auftrag des Stadtmagistrates Asckaffcnburg verfaßt). Erklärung der gebräuchl. fremden Pslanzeu- namen. Von A. Emmerig. Douauwörth, Aucr'scher Verlag. Der Obstbau. Von F. C. B. Gillig. Douauwörth, Aucr'scher Verlag. Jahresbericht der Herber'scheu Verlagöhand- handlung für 1893, verfaßt von Frz. I. Hutter, Theilhaber dieser Handlung. Lebensbeschreibung deS Bischofes Mich. Witt- mann, von Präses I. B. Mehler. 2. Anfl. NegenSburg. Selbstverlag des Verfassers. Lebensbeschreibung des Bischofes Mich. Witt- mann, Tenium der Marianischen Kongregation Negcnsburg für 1894. Von Präses I. B. Mehler. Regensburg. VerlagS- anstalt vorm. Mauz. „Nepstitionöbüchlein." „Ein Leitfaden für den Katecheten zur Wiederholung des Nothwendigsten an-Z dem Katechismus, was dem Kinde für daö Leben bleiben soll, zugleich ein Lescbücblein für das katholische Hans." 1. Thl.: Die Glaubenslehre. Keuchten, Kösel. 1894. Ph. „Nichts ist im Unterrichte nothwendiger, als die oftmalige Wiederholung des Wichtigsten. Das gilt besonders vom Religionsunterricht", schreiben die Verfasser dieses Büchleins in der Vorbemerkung, wohl Mitglieder des katcch. Nep-titionS- kränzchens, das in Augsburg zu Frommen unserer Katcchnmenen fleißig arbeitet. Daß die Wiederholung aber von vielen unterlassen wird, das zeigt die oft krasse Unwissenheit unserer Cbristen- lehrjugend. Die Gründe für diese katechctische Unterlassungssünde hab.en die Verfasser des NepetitionsbüchlcinS wohl erkannt, wenn sie' ein „Nepetitionsbücklein zur Wiederholung des Nothwendigsten" herausgeben. Denn die Stoffübcrfülle unserer Katechismen, besonders des AugsburgcrS, lassen dem jungen Katecheten vornehmlich, der alles durcknehmen zu müssen vermeint, keine Zeit zu gründlicher Wiederholung mehr. Daß deßhalb unseren Katechismen eine Beschncidnng noth thut, har schon 1878 ein Artikelschreiber in den Katechet. Blättern S. 102 ff. jenen nachgewiesen, die dem Grundsatz huldigen: tzuoä non est in catsehismo, non est in innnclo. Vorliegendes NcpctitionS- büchlein nun hat das Wichtigste und Nothwendigste des kate- cbetischcn Memorierstosfcs auSgehobcn, so daß der junge Katechet daraus lernen kann, was er besonders gründlich zu behandeln, immer zu wiederholen, stufenweise zu vertiefen und somit auch den Schwächeren als festes katcchctisckes Eigenthum mit inS Leben zu geben bat. Dazu kommt, daß der ausgewählte Stoff mit solch methodischer Vortrcfflichkeit geboten wird, daß jeder Katechet aus dieser reisen Frucht von offenbar langjähriger katechctischcr Thätigkeit lernen kann. Die Verfasser sind bei unsern praktischsten Meistern in die Schule gegangen: Mcy, Möhlcr, Dreher. Das beweisen manche Anklänge an deren Katechismen. WaS vr. Merkel, L-celsorger 1892 11. Heft, an dem Nottenbnrger Katechismus rühmt, daß der Verfasser desselben zuerst den Wortlaut der Antworten festgestellt und diesem die Fragen gebildet habe, das finden wir auch in dem Rcpctiticnsbüchlein; denn wenn man von den nebenangedruckten Fragen absieht, liest sich das Großgedruckte leicht und flüssig in lückenloser Aufeinanderfolge. Der in katechetischen Fragen feinfühlige Falk schrieb im -vastor bonus- 1893 S. 563: „Die KatechiSmnsiprache muß die des Volkes, des Kindes sein". Den Deharbe'schcn Katechismen mangle sie, darum seien sie „Nicht-Volksbücher". Das Ncpe- titionSbüchlein hat diesen Fehler vollständig überwunden; die Verfasser haben den Muth gehabt (ich denke die Schulpraxis wird es ihnen gelehrt haben), all diese nnkindlichcn, langen Perioden, verschobenen „daß"-, „indem"- und „davnrch daß"- Sätze und Abstrakte, abzuweisen, um mit dem Kinde einfach zu reden. Nur ein Abstrakrum vermisse ich, das man doch nicht entbehren kann: „heiligmachende Gnade". Die Verfasser wollten wohl diesen Ausdruck sich aus das 3. Hanptstück verspüren, „aus der nicht unbegründeten Scbeu, Begriffe zu geben, ehe ihr Inhalt dem Kinde klar geworden ist." Denn gerade mit dem Ausdruck „Gnade" wird vielfach sinn- und gedankenlos operiert, ebne daß er stufenweise vertieft und ccnccntrisch erweitert wird, wie cS z. B. der Begriff „heiligmachende Gnade" auf 3 verschiedenen Lchrstufen verlangt. Die sonst so schwierigen und hart lcrnbarcn Partien über die Ausstattung der Stammeltern, Sündcnfolgen, Kirche sind in vorzüglicher Weise möglichst einfach behandelt. Die Schuldefiuitionen sind eben ganz weggeblieben und die (sache ist dock gegeben. Einigemal,: werden ganz glückliche Worterklärungcn versackt, wie: Wir glauben standhaft, wenn wir fest beim Glauben stehen bleiben, selbst wenn cS das Leben kostet. Die Eigenschaften Gottes werden so erfragt, daß sinnlose mechanische Antworten möglichst zurückgehalten werden. Neben solchen hervorragenden Vorzügen verschwinden einige wenige Ausführungen, mit denen ich nicht übereinstimme. In dem Satze S. 23: Gott hat Himmel und Erde durch sein bloßes Wort aus nichts gemacht, erschwert der Ausdruck bloßcö Wort eine spätere Ergänzung dahin, daß dieses Wort eben das ewige persönliche Wort dcS Vatcrö. die 2. Person, sei; dazu bereitet der Ausdruck „allmächtiges Wort" besser vor. Die Antwort auf Frage 36: Was sind die Engel? Die Engel sind die Boten Gottes, möchte dem Kinde doch eine gar zu geringe Auffassung von dem Wesen der reinen Geister verschaffen. Die Fragen 148 und 172 des AugSburger Katechismus sind in die eine zusammengezogen: Warum ist Jesus Mensch geworden? Hier muß es offenbar heißen: Warum ist der Sohn GotteS Mensch geworden? Und wenn man darauf mit dem Nepetitions- büchlcin antwortet: 1. um uuS zu erlösen, 2. um nnS dcn Wcg in den Himmel zu zeigen, so ist das theologisch unrichtig; denn das hätte er ohne Menschwerdung thun können. Hier muß jedenfalls die Lehre von, GenuzthnungS-Leidcn und Sterben angedeutet werden. Er ist Mcnsck geworden 1. um für uns leiden und sterben zu können. Später dann kaun mau fragen: Wozu wollte Jesus leiden und sterben? Die Antwort mit den Infinitiven „um zu leiden" rc. verlangen das Fragewort: Wozu. Seite 58 entscheidet sich daß Nepctitionsbüchleiu unter den drei in deutschen Katechismen üblichen Fragestellungen betreffs der Bethätigung der Gemeinschaft der Heiligen zu der von Ncttcn- bnrg gewählten. Wie zeigen wir unsere Gemeinschaft mit den 96 rechtgläubigen Christen aus Erden u. s. tv.? Doch läßt die Antwort die Antheilucchnie an den geistigen Gütern der Kirche vermissen. Vielleicht möchten manche einer größeren Stofffülle das Wort reden; doch glaube ich, daß die Verfasser in diesem Punkte am wenigsten mit sich rechten lassen, und eine Aenderung könnte auch nur zum Schaden dcS vortrefflichen Büchleins ausfallen. DaS im Kleindruck Angegebene ist sehr werthvoll, warm und herzlich, sich weit über die oft flachen, wässerigen Nutzanwendungen erhebend. Der Katechet kann cS gut zur weiteren Erklärung des Großgcdruckten verwenden; dadurch aber das Büchlein zu einem „Lesebüchlein für das katholische Volk" machen zu wollen, halte ich nicht für gut. Das Repetitionsbüchlein soll und muß meiner Ansicht nach die Grundlage zu einem neuen Diözcsankatechismus werden, und zwar einem solchen, der nach dem Vorbilde des Nottenburgers den Memorierstoff im Großdruck beschränkt und dafür Kleindruck zum Lesen bringt. Eiil Katechismus kann aber kein HanSbuch für spätere Zeit sein, wenn er seinem eigentlichen Zweck entsprechen will, nämlich dem Kinde die aus dem lebendigen Worte des Katecheten von ihm selbst abgeleiteten Hauptsätze schwarz aus weiß zum Nachlesen und Einprägen zu geben. Hirschcr's Katechismus, besonders der erste, könnte als BetrachtnngS- und HanSbuch dienen, gerade darum konnte mau ihn in der Schule nicht brauchen. Sehr gespannt dürfen wir auf die weiteren Theile des Ncpctitions- büchlcins über die Gebote und Sakramente sein, wie es der methodischen Gewandtheit und dem pädagogischen Zartgefühle der Verfasser gelingen wird, die bisher übliche kalte Sünden- rubricirung in der Gcbotenlehre und Dcfinitionsmanie bei der Lehre von den Sakramenten zu vermeiden. Dreher dürste ihnen in seiner originellen „kleinen katholischen Christenlehre" die besten Wege weisen. Mögen recht viele Katecheten, denen es mit ihrem schönsten, aber auch schwierigsten Amte Ernst ist, sich mit dem Inhalte und dem Geiste dieses Büchleins bekannt machen. Wenn sie auch vorderhand dasselbe neben dem Diöccsan- katcchismuS nicht recht benutzen können, weil es zu sehr abweicht von seinem Wortlaute, dürfen sie doch sicher hoffen, daß dasselbe eine Zukunft haben werde. Das kirchliche Imprimatur, das eS an der Spitze trägt, bürgt dafür. Huoliiridion Dlioolo§ias voKMatioao Lxsoialis. Laietoro Oro. Vraneisoo ÜAAer, Loclooias Oatlwäralis Lrixinsnsis Lelwlastioo ao Lominarii Olorioalis Keetoro. Lditio tertia. Urixinao, 1894. 8°. ?§. VIII, 1034. krotium: LI. 9,60. 9. v. I/. Für die Güte und Brauchbarkeit des vorliegenden Lehrbuches der Togmatik legt schon der Umstand ein treffliches Zeugniß ab, daß nach kaum 6 Jahren bereits die dritte Auflage nöthig wurde. Dieselbe kündigt sich zwar bloß als neue Auflage an, ist aber nicht etwa nur Abdruck der 2. Ausgabe, sonocrn merklich verbessert und vermehrt. Manches wurde genauer ausgedrückt, manches besser erklärt, anderes gründlicher und weitläufiger bewiesen. Das meiste Verdienst um die Verbesserung des BuchcS erwarb sich Dogmatik-Prof. Dr. Jos. Sachs in NegcuS- bnrg, welchem der Verfasser in der Vorrede zur neuen Auflage öffentlich seinen wärmsten Dank auespricht. Auch UniversitätsProfessor Dr. Franz Stanonik in Graz machte sich in dankens- wcrthcr Weise um die 3. Auflage verdient. Die Eintheilung des ganzen, sowie der einzelnen (XIV) Traktate blieb dieselbe. Recht lobenSwcrtb ist das Bestreben des Vers., vor allem in das innere Verständniß der einzelnen Dogmen einzuführen und so auch nachhaltig die Herzen für die hl. Glaubenslehre zu erwärmen. Vorliegendes Lneluridiou der speciellen Dogmatik dürfte ebenso wie das ünebiridion der generellen Dogmatik (Vgl. Beilage Nr. 32, v. 10. August 1893) wohl geeignet sein, den dogmatischen Vorlesungen zu Grunde gelegt zu werden, un, so das leidige Nachschreiben mehr zn beseitigen. Einzelne Nachträge, sowie Verbesserungen würden dabei zum Aufzeichnen nicht ausgeschlossen sein. Mit großem Eifer schließt sich der Autor fast durchweg an St. Thomas an; ob er denselben in einzelnen Fällen mit Recht verläßt, wollen wir dahingestellt bleiben lassen. Den durchaus kirchlichen Standpunkt des Autors bezeugt wohlthuend die Approbation und warme Empfehlung seitens seines Ordinarius. Der neu bcigegcbcne »Index Llplmbsticns« erleichtert auch den Gebrauch in der Praxis. Druck, Papier und Ausstattung machen der A. Wcger'schen Verlagsbuchhandlung und Buchdruckcrei alle Ebrc. Trotz des Zuwachses von 70 Seiten blieb der Preis derselbe, gewiß ein mäßiger. Möge das Buch seinen Theil aneifcrn zn gründlichem Dogmatik- Studiuinl Diemand (A.), Das Ceremonicll der Kaiserkrönnngcn von Otto I. bis Friedrich II. München, Lüncbnrg. 1894. gr. 8°. 149 S. -s- Als IV. Heft der „Historischen Abhandlungen, herauög. von Dr. Th. Heigel und Dr. H. Grauert", unter welchem Titel in zwangloser Folge Dissertationen aus dem Münchener Historischen Seminar zur Veröffentlichung gelangen, präscntirt sich mit vorliegender Arbeit die respektable Erstlings- lcistung eines schwäbischen LandSmanncs, der zur Zeit Praktikant am fürstlichen Archive zn Wallcrstein ist. Keinen Geringeren als Georg Waitz, außer Schreiber und Schwarzer, hat einst das Thema einer pragmatischen Darlegung der Stufen und Wandlungen, welche die Kaiserkrönung durchgemacht hat, bezw. seine Vorarbeit: die kritische Prüfung der ordiuso oder Formeln, welche die Ceremonien und Gebete für die Feier vorschreiben, zu einer Abhandlung gereizt. DicmandS Untersuchung weicht jedoch in verschiedenen Punkten von den Resultaten der genannten Forscher ab und bringt manche neue Gedanken. In 2 Abschnitten S. 9—50 und auf 4 Beilagen S. 124—149 beschäftigt sich der Verfasser mit jenen ordinos; ein Exkurs ist den Eiden gewidmet, welche der deutsche König von der Krönung zum Kaiser dem Papste zn schwören hatte (S. 103—123); ein Abschnitt S. 51—104 verbreitet sich über die einzelnen Theile des KrönungS- programmeS in einer Darstellung des Einzuges in die ewige Stadt, dcS Empfangs durch den Papst, der Ableistung des KrönungScides und der I. Benediktion über den Kaiser, des Skrntininms, der II. Benediktion, der Ausnahme dcS K. unter die Kleriker von St. Peter, der Salbung, (Überreichung der Jnsignicn, KrönnngSmcsse, dcS ZugcS zum Lateran und des Festmahles daselbst. Schade, daß uns der Raum hier nicht gestattet, aus dem Inhalte deö BncheS selbst Einiges für eine Betrachtung des Verhältnisses zwischen Papstthum und Kaiscrthum zum Besten zu geben. Die Abhandlung bietet deö Interessanten genug für die Freunde der kirchlichen wie der profanen Geschichte; ihre Lektüre sei den Lesern der „Beilage" bestens empfohlen! _ ErholungS stunden von Cardinal Manning. Einzig autor. Uebersetzg. Von vr. F. Steffens, Pros. an der Univ. Frcibnrg i. d. Schweiz. Mit dem Bildniß des Kardinals. Freiburg, Herder. 1893. 12°. XV u. 112 S. 80 Ps.; gbd. M. 1,20. Dieses nachgelassene Werk des berühmten Kirchenfürstcn zeichnet sich durch klassische Schönheit der Sprache und einen für alle Confessioncn in gleicher Weise bedeutsamen Stoff aus. Es bietet namentlich auch Pädagogen und Philologen manchen Anlaß zur Verwerthung beim Unterricht und ist es daher ein dankcnSwcrthes Unternehmen, daß Professor Steffens, mit dem Genius deö Englischen wie der deutschen Muttersprache aufs innigste vertraut, eine sauber gehaltene, feine Uebcrfetzung geliefert hat, die sich wie ein Original liest. DaS Ganze wird eingeleitet durch die wichtigsten Daten auö dem Leben des Kardinals. Die Ausstattung ist vortrefflich. Wir wollen nicht verfehlen, den hocbw. Clerus schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, daß binnen Kurzem der erste Band der zweiten Auflage des gediegenen „Elbel' scheu Moral- werkeS" zur Ausgabe gelangen wird. DaS Erscheinen der ersten Auflage dieses berühmten Buches, welches lange Zeit der Vergessenheit anheimgefallen war, wurde von der gesummten kathol. Fachpresse dcS In- und Auslandes mit Freuden begrüßt. ES ist zu hoffen, daß die zweite Auflage, an welcher einige Aenderungen vorgenommen sind, dieselbe Aufnahme und Anerkennung finden wird wie die erste, welche schon nach kurzer Zeit vergriffen war und über welche sich die „Thcol.-Pract. Monats - Schrift" wie folgt äußerte: „Der vom hl. AlphonS fleißig studirte und als hervorragende Autorität unzählige Male citirte k. Benjamin Elbel (ch am 4. Juni 1756) ist (durch k. F. Jrenäus Bicrbanm, 0. 8. Vr.) wieder auferstanden und will mit seinen ebenso umfassenden wie gediegenen moraltheolo- gischen Kenntnissen aus's Neue der katholischen Wissenschaft und Praxis dienen.In Anbetracht dessen, daß Elbcl's Deutlichkeit und Klarheit nur schwer vervollkommnet oder übertreffen werden könnte, ist das Unversehrtlassen seines Buches als besonders löblich hervorzuheben. Nachdem Elbel's Werk von Enry, Harter und Lehmkuhl mit den stärksten und verlockendsten Lobeserhebungen ausgezeichnet wird, bedarf eö wohl von anderer Seite keiner weiteren Empfehlung." Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druckn. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.