tti'. l4 5. Aprlt 1894. Eine alte Tölzer Hausordnung. Mitten unter ein Bündel von Akten mit der etwas eigenthümlichen Überschrift „Kostenrechnungen" aus der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts hat irgend eine ordnende Hand aus Versehen eine alte Hausordnung eingelegt, welche gerade in unserer Zeit socialer Gährung nicht ohne Interesse sein dürfte. Die fragliche Hausordnung stammt, wenn sie auch kein Datum trägt, ohne Zweifel aus dem ersten Viertel des siebzehnten Jahrhunderts. Sie wurde nämlich, wie sie selbst besagt, von dem damaligen fürstlichen Pfleger in Tölz, Julius Cäsar Crivelli, erlassen. Letzterer war nach der einen Angabe daselbst Pfleger vom Februar 1609 bis zum Februar 1647, nach der anderen bereits seit 1606. Da aber Maximilian I. von Bayern auf dem Fürstentage zu Regensbnrg im Jahre 1623 mit der Knrwürde belehnt wurde und Crivelli sich in der Einleitung noch „fürstlicher Durchlaucht Herzog Maximilians" Rath nennt, so ergibt sich die ungefähre Entstehungszeit der Hausordnung von selbst. H Julius Cäsar Crivelli gehörte einem uralten adeligen Geschlechte an, welches ursprünglich in Mailand seinen Sitz hatte und daselbst in größtem Ansehen stand. Schon im zwölften Jahrhundert bestieg einer aus dem Hause der Crivelli, Ubcrto, als Papst Urban III. (1185 bis 1187) den heiligen Stuhl. Leodisio Crivelli glänzte am Hofe des ersten Sforza als Humanist, Dichter, Ueber- setzer und Geschichtschreiber. Von Carlo Crivelli, einem Künstler der venetianischen Schule, besitzt der Brera in Mailand Gemälde. Im 16. Jahrhundert übersiedelte ein Zweig des Geschlechtes nach Rom. Alexander Crivelli hatte ursprünglich unter Carl V. ein Truppencorps befehligt, in welchem nicht weniger als 400 seiner Familiengenossen Kriegsdienste geleistet haben sollen. Nach dem Tode seiner Gemahlin betrat er die geistliche Laufbahn und starb als Cardinal am 22. Dezember 1574: sein Grabmal befindet sich in seiner ehemaligen Titelkirche in S. Maria in Araceli auf dem Kapital in Rom. Auf die römischen Crivelli scheint Maximilian I. von Bayern gelegentlich seiner Nomrcise im Jahre 1593 aufmerksam geworden zu sein. Zwei derselben, Vater und Sohn, haben in der Folgezeit unter eben diesem Herzoge mehr als fünfzig Jahre den Posten des Agenten und Residenten Bayerns am päpstlichen Hofe bekleidet. Im Dienste desselben Herzogs befand sich der Baron Giulio Cesare Crivelli, ein Vetter des älteren Residenten in Rom, des Giambattista Crivelli. Dieser unser Crivelli war am bayerischen Hof. eine angesehene und beliebte Persönlichkeit. Schon im Jahre 1601 befindet er sich als Kämmerer des Herzogs Maximilian unter den Jmmatriculirten der Hochschule Jngol- stadt. Zwei Jahre später, wahrscheinlich am 9. Februar 1603, vermählte er sich in München mit Anna Maria von Etzdorf, welche seit ihrer frühesten Jugend im herzoglichen „Frauenzimmer" daselbst erzogen worden war; ihre Eltern waren damals bereits beide gestorben, der Vater, Hans Georg von Etzdorf zu Warnbach, hatte vordem die Stelle eines herzoglichen Oberstjägermeistcrs bekleidet, die Mutter stammte aus dem Hennegau. Bald darauf (1606 oder 1609) wurde Julius Cäsar fürstlicher Pfleger in Tölz, wo er in dem etwa um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts erbauten Schlosse Wohnung nahm. Doch war Crivelli in der ersten Zeit viel von Tölz abwesend und insbesondere häufig mit diplomatischen Aufträgen Maximilians an die italienischen Höfe, darunter in erster Linie an den Papst, betraut. Schon 1605 war er in Rom gewesen, um den Papst Paul V. zu seiner Erwählung im Auftrage seines herzoglichen Herrn zu beglückwünschen. Wenige Jahre später (1609) finden wir ihn abermals in Rom, diesmal in der schwierigen Mission, den Papst zur Anerkennung und Unterstützung der nengegründeten katholischen Liga zu bewegen. 1620 war er wieder dort zugleich mit dem Augsburg» Domdechanten Zacharias Fnrtenbach, als außerordentlicher Gesandter, welcher vom Papste Subsidien für die Liga erlangen sollte. Auf sein — Crivelli's — Betreiben wurde der berühmte Fra Domenico di Gesü Maria nach München geschickt, der kurze Zeit nachher nicht wenig zur Begeisterung der bayerischen Truppen in der Schlacht am Weißen Berge beitrug und so den bedeutungsvollen Sieg nnterringen half. In den nun folgenden traurigen Tagen ' des dreißigjährigen Krieges scheint Crivelli viel auf seiner Pflege in Tölz gewesen zn sein, war dann der Führer in den laugen Kämpfen gegen die Schweden im Jsarwinkel von Ende 1632 bis Anfang 1634 und hat durch sein kluges, entschlossenes Auftreten Tölz vor größerem Schaden bewahrt, als die Schweden 1632 daselbst eintrafen. Nach ihrem Abzüge von dort sammelte er die wehrhafte Mannschaft des Marktes und der Umgegend und schlug die Feinde nachdrücklichst bei Dietrams- zell. Im Jahre 1647 — also noch vor dem Friedensschlüsse — starb Crivelli; ein Grabmal ist von ihm in Tölz nicht vorhanden. Dies sind im großen Nahmen die äußeren Lebensschicksale des Schloßgcbictcrs von Tölz. Die von ihm gemeinsam mit seiner Gemahlin erlassene Hausordnung aber lautet folgendermaßen: Hausordnung» welchcrmaßen der edle und gestrenge Herr Julio Cäsar Crivell Herr zu Gudo, fürstl. Durch!. Herzog Maximilians in Bayern rc. Rath, Cammerer und Pfleger zu Thöltz, sammt Ihr. Gnaden geliebten Frau Gemahlin, die auch edle und tugcndsamc Frau Anna Maria Crivella, geborene von Etzdorf auf Warnbach und GrieSstetten rc., von allen ihren im fürstl. Schloß allhie anwesenden Dienern und Dienerinnen, groß und klein, Keines ausgenommen, bei Entsetzung ihrer Dienste, auch noch darzn nnfehlbarlichcr Strafe und Ungnade alle diese Artikel und Punkte mit höchstem Fleiß zn halten ernstlich befehlen tlmn, inmaßen nachfolgender Gestalt beschrieben und ordentlicher Weise zn vernehmen ist. „ Anfänglich und fürs Erste wollen sich wolgcdachte unser gnädiger Herr und Frau zu ihrem ganzeil Hausgesinde endlich getrosten und versehen, dasselbe werde sämmtlich und ein Jedes insonderheit nicht allein der heiligen uralten katholischen Religion zugethan, sondern ein Jedes solle hicmit auch-dahin vermahnt und schuldig sein, allezeit Gott, unsern Schöpfer und Scligmacher, vor Augen zn haben, sich des Gott- lästcrnS, SchwörcnS, Fluchens und SchcltenS gänzlich enthalten und so viel möglich einen eingezogenen und andächtigen Wandel anstellen, alle Sonn- und Feiertage gelegentlich, auf welche Stunde einem dann dazu erlaubt wird, die heilige Messe hören, vornehmlich aber sich der heilsamen Beichte, Buße und Com- munion im Jahre öfter denn einmal, als ncmlich zu gewöhnlichen hohen Festtagen, teilhaftig machen, auch was sonst dergleichen zu der Seligkeit taugliche gute Tugenden mehr sind, befleißen und in Summa sich also hierin ein Jedes erzeigen, wie einem frommen katholischen Christen gebührt und wohl- anstcht. Denn hierdurch sich ein Ehehalt nicht allein eine gute Herrschaft, sondern zuvorderst, und was noch mehr ist, einen gnädigen Gott im Himmel machen thut, der ihnen und unS Allen hernach verboffentlich hie zeitlich und dort in Ewigkeit belohnen wird. Amen. 106 Zum Andern ist dem ganzen Hausgesinde im Sommer um 4, Winterszeiten aber zu 5 Uhr zu Morgens aufzustehen hiemit ihre Stunde ernannt und angehetzt. Alsdann soll sich ein Jedes fürderlich zu seinem Dienst, wozu Eines und das Andere bestellt, verfügen, demselben sowohl, wann Ihre Gnaden allhie sind, als da sie über Land reisen, allenthalben, wie sich gebührt, möglichstem Fleiß nach abwarten rc. Da sich auch unter Diesem begibt, daß Einem durch die Herrschaften oder in ihrem Namen von derselben Richter etwas zu thun befohlen würde, dem ist ein Jedes, Keines ausgenommen, ohne fürwendende, vermeinte Ausreden, Dieß oder Jenes wäre nicht sein Dienst, alsbald zu gehorsamen schuldig; nicht weniger im Fall der Noth überall zuzugreifen und der Herrschaft Nutz zu befördern, auch zu besorgendem Schaden zuvorzukommen oder ihn zu wenden, verpflichtet und verbunden. Ebenmäßig und zum Dritten. Da ein Diener oder eine Dienerin vorhanden, so von Einem im Schloß ein unredliches Stück, als Diebstahl, Leichtfertigkeit oder andere schädliche und verbotene Sachen, so unserm gnädigen Herrn und Frauen zu Rat und Schaden, auch wider diese neu aufgerichtete und mit allem Ernst vermeinte Hausordnung reichen thäte, wußten, dem ist hiemit aufcrladcn, wie es dann ein treuer Diener ohne- dieß Pflicht halber schuldig wäre, Solches der Herrschaft oder in deren Abwesenheit dem Richter, damit man gegen den Verbrecher nach Gcstaltsame der Sache gebührende ernstliche Lcib- strafc fürnebmcn möge, alsbald anzuzeigen: und darf sich diejenige Person, die einen solchen untreuen Diener mit Wahrheit an den Tag gibt, daß sie hernach möchte offenbar gemacht werden, gar nicht befürchten, indem dicselbige allerdings unvcr- mährt (ungesagt, unbekannt) in höchster Geheim bleiben solle. Im Fall man aber das Contrarium und Widerspiel in Erfahrung brächte, daß ncmlich Eines dem Andern stillschweigend zu dergleichen Unthaten Unterschlupf geben, Fürschub leisten oder da ein Argwohn auf Eines vorhanden, verschlagener Weife die Sachen vertheidigen oder unterdrücken helfen wollte rc., dasselbige solle alsdann mit dem Tbäter Andern zu einem Exempel ohne alle Gnade gleiche Strafe zu gewarten haben. Fürs Vierte. So oft mau hiufüran die gewöhnliche Glocke zum Speisentragen läuten und in der Küche angerichtet sein wird, welches sonderlich, wenn fremde Herrschaften vorhanden, mit Fleiß zu observiren und in Acht zu nehmen ist, alsdann, und nit davor, sollen sich die Diener sämmtlich in feinen, sauberen Kleidern mit aller Zucht und Ehrbarkeit in die Küche verfügen, die Speisen ohne alles Verschütten, Dareinplatzcn mit den Fingern, wie bisher wol bräuchig gewesen, oder dergleichen unsaubern Geberden, sondern fein fleißig mit einander auftragen, damit sie der Richter, da er vorhanden, in guter Ordnung auf die Tafel setzen könnte. Wem er alsdann vor oder nach der Mahlzeit, da er cS anders nicht selbst verrichtet, das Haudwasser zu geben oder sonst etwas zu thun befiehlt, dem soll ein Jedes ohne Verweigerung als hätten es Ihre Gnaden selbst geschafft, vonstundan nachkommen und in Sonderheit, wer zum Aufwarten gehört, auf die Tafel fleißig Achtung geben, damit an Brod, Wein, sauberen Tellern und was dergleichen notwendige Sachen mehr sind, kein Mangel erscheine. Wenn es nun zum Aufheben der übergebliebenen Speisen, Confect und Anderem kommt, sollen sich die Diener und Dienerinnen sämmtlich wiederum bei der Tafel finden lassen, dasselbige tragen, wo eS hingchörig ist, doch daß allezeit aufs Wenigste ein oder zwei Diener, nach dem es not tlmt, bei der Tafel stehen bleiben; hernach aber miteinander alle Sachen aufs Sauberste, wie sich gebührt, hinwegräumen helfen, und nicht Eines da, das Andere dort mit Speisen oder Wein in die Winkel laufen in der Meinung seinem Gefallen nach sich damit zu ergötzen oder verschlagener Weise in die Zimmer zu verstecken. Denn das hieße der Herrschaft das Ihrige entfremden und abtragen; würde auch dergleichen Ungebühr keinem also hingehen, wie man vielleicht ansetzt meinen mochte, sondern solle der Notdurft nach darum strafbar sein. Fünftens. Da ein oder mehrere fremde Herrn im Schloß ihre Mäntel, Nappicr oder andere Sachen von sich legen wollen, sollen Ihrer Gnaden Diener sowohl, auch die Dienerinnen auf der fremden Frauenzimmer Kleidungen gute Obacht haben, Solches mit soliderem Fleiß aufheben und nach der Mahlzeit einem oder dem andern Herrn und Frauen dasselbige fein sauber wiederum zustellen und einhändigen. Nachdem auch zum Sechsten bei dem Gesinde bisher nicht ein Wenig ein Mißbrauch Angerissen, daß, wann sie ob Tisch gesessen, allerlei leichtfertige, schändliche und unzüchtige Possen unter ihnen vorübergegangen sind, dadurch dann Eines dem Andern zum Lachen und Kuttern (Kichern) Ursache gegeben, also daß man wol bisweilen an dem Gesiudetisch viel lauter als an der Hcrrentafel gewesen ist — und obschon wohl dergleichen Ungebühr die Herrschaft selbst etliche Male geahndet, so hat doch Solches bis Dato nichts helfen wollen, sondern man hat es auf einein oder dem andern Wege continuirt und freventlicher Weise getrieben rc. Solchem schändlichen und ärgerlichem Wesen zu begegnen und inskünftig gar abzustellen, so befehlen Ihre Gnaden hiemit ernstlich und wollen, daß derselben ganzes Hausgesinde Hinfür mit guter Zucht und Ehrbarkeit, sobald sie ihr Gebet verrichtet haben, das Essen, was ihnen Gott zuschickt, notdürftig mit einander einnehmen sollen, sich des unzüchtigen und vergeblichen Geschwätzes, so viel möglich, enthalten und allein, was sich über Tisch vorzubringen geziemt, mit einander, doch in aller Stille, reden, alsdann nach Essenszeit ordnungsgemäß fleißig wiederum beten und Gott dem Herrn um empfangene Wohlthaten mit Andacht Dank sagen rc. Im Fall aber Eines oder das Andere sich noch nicht warnen lassen, sondern in vorberührter Unzucht fortfahren, und man solche Person in gewisse Erfahrung bringen würde, wie dann Ihre Gnaden auf solche ungehorsame Leute deswegen sonderliche Spech (Spähe, Acht) halten zu lassen gedenken, hierüber ein Diener etliche Tage mit Wasser und Brod im Thurm, die Weibspersonen aber sonst in andere Wege unfchlbarlich gestraft werden sollen. Zum Siebenten. Damit nicht ein jeder Bettler oder andere vorgebliche Personen allezeit ihrem Gefallen nach, wie etliche Male bräuchig gewesen, wann man ob der Tafel sitzt, ins Schloß herein könnte, so ist anjetzo dieses Mittel fürgcnommen, daß hinfüran alle Mahlzeiten sowohl beim Tag als bei der Nacht nicht allein das innere Schloßthor, sondern auch der äußere Gatter mit allem Fleiß versperrt werden muß und so lang zubleiben, bis man von der Tafel aufgestanden — welches dann einem Füttercr und da derselbige nicht allezeit vorhanden wäre, dem Kutscher hiemit zu thun aufgetragen und ernstlich eingebunden solle sein. Zum Achten solle kein Diener sich anmaßen, für sich selbst in unsers gnädigen Herrn Zimmer zu gehen, es sei denn Sache, er werde durch das Läuten oder in andere Wege ordentlicher Weise darin begehrt, viel weniger in demselben von Schreiben oder anderen Sachen Nichts anrühren, noch verrücken — und wenn er hernach sein Geschäft verrichtet hat, sich alsbald obne ferneres Aufhalten wiederum daraus begeben, ein Jeder bei der Stelle bleiben und warten, bis Einer oder der Lindere weiter zu Diensten erfordert wird. Am Neunten. So verbieten Ihre Gnaden in Sonderheit, daß hiesüran kein Diener oder Dienerin mehr zu ihrer selbst Gelegenheit, wie sie vor Diesem gethan, sich aus dem Schloß begeben sollen, daß sie, wann man ihrer zu Diensten bedürftig, erst lang im Markt allenthalben gesucht müssen werden, ja wohl hernach dazu gar noch toll und voll heimkommen, sondern ein Jedes soll sich bei der Herrschaft oder in Abwesenheit derselben dem Richter, wie sich gebührt, darum anmelden, und, ob ihm selbiges Mal hinaus zu gehen erlaubt werden kann oder nicht, eines Bescheids zu erwarten. Was alsdann derselbige mit sich bringt, dem ist ein Jedes bei Strafe ohne weiteres Auflehnen nachzukommen schuldig. Zum Zehnten haben sich auch seither Etliche vermessener Weise unterstanden: alles, was sie im Schloß gehört und gesehen, das und noch wo mehr dazu, als die Sachen an sich selbst gewesen, ist durch sie entweder gar gen München geschrieben oder aber sonst alsbald in den Markt hinaus geschwätzt worden. Welches nun hinfüran durchaus allerlei beweglicher Ursachen halber nicht mehr zu gedulden oder zu leiden ist. Wie dann Solches ebenmäßig, als wie andere dergleichen vorange- deutcte Mißbräuche, nicht weniger auch den Dienern und Dienerinnen im Schloß das Zusammenstehen und unnotwendige Schwätzen in den Winkeln oder Zimmern hiemit bei hievor comminirter Strafe allerdings abgeschafft, dagegen aber cxpresse den Dienern und Dienerinnen befohlen und aufgetragen sein solle, alle diejenigen Sachen, so die Herrschaften betrifft, ver- fchwiegener Weise bei sich zu behalten; Jtcin, wo auch gehört wird, daß man die Herrschaften vergebens und ungebührlicher Gestalt im Maul umziehe, dieselben, so viel sich thun läßt, defendieren und möglichstem Fleiß nach schützen und schirmen helfen. Ailftens. Wann zu Nachts die Herrschaften schlafen zu gehen Pflegen, werden sich diejenigen Diener und Dienerinnen, so zu Ihrer Gnaden Zimmer und Kammer bestellt, auch zu befleißen wissen, damit bei guter Zeit zuvor der Nacht- oder Kammzeug und, was sonst dazu gehörig, fein ordentlich aufgerichtet werde, auch mit dein Abziehen, Auskehren und Zu- 107 sammmlegen der Kleider also verhalten, daß hicrmnen kein Mangel erscheine rc. Wann nun dieses Alles fleißig verrichtet und die Diener ihres Dienstes entlassen werden, sollen sie nicht erst in der Küche oder anderswo mit den Weibspersonen einen ungebührlichen Schwätzmarkt aufschlagen und allerlei leichtfertige unzüchtige Sachen auf die Bahn bringen, viel weniger bei der Nacht gar aus dem HauS liegen, inmaßen hievor Etliche gethan, sondern ein Jedes in sein deputirte Kammer schlafen gehen und zu hievor gedrohter gewißlich wahrgcmachter Strafe nicht Ursache geben. Schließlich und für'S Zwölfte. Dieweilen dann in allen diesen jetzt nach einander verlesenen Artikeln und Punkten dem Dienstgesinde gar nichts Beschwerliches oder Unleidliches, welches Eines billig zu ahnden hätte, sondern allein alle nützlichen Sachen, dadurch Zucht und Ehrbarkeit gepflanzt und ein frommer Ehehalt ohnedicß, will er anders Schande und Spott entfliehen, zu leisten schuldig ist, aufgetragen wird — demnach und hierauf soll ansitzt Eines und das Andere, daß sie diesem Allen fleißig nachleben, auch dem Richter in Abwesenheit Ihrer Gnaden in allen billigen Sachen Gehorsam leisten wollen, ihrer Herrschaft ordentliche Pflicht darauf thun. Auf daß aber Niemand, als hätten sie solche Hausordnung und Artikel auf einmal nicht allerdings Verstanden rc., mit der Unwissenheit sich entschuldigen könnte, so wird diese Hausordnung — darauf dann die Herrschaft inskünftig stark zu dringen entschlossen — im Jahr viermal, ncmlich zu Qnatemberszeitcn oder nach Gestalt der Sache Vielleicht noch öfter, dem ganzen Hausgesinde öffentlich publicirt und verlesen werden. Hierauf und zu einer gebührliche» Verglcichung aller und jeder in dieser beschriebenen und jetzt abgelesenen Hausordnung inscrirter und eingebundener Artikel, sofern anders die Diener und Dienerinnen diesem Allem fleißig und gutwillig nachkommen werden, so sind unser gnädiger Herr und Frau rc. entgegen dieses gnädigen Erbietens, daß sich derselben Dicnsilcute alle und jede nicht allein ihrer jährlichen dcputirtcn und bestimmten Besoldungen, Essen, Trinken und dergleichen Notwendigkeiten, sondern auch noch dazu alle Beförderung, es sei zu besseren Diensten, ehrlichen Hcirathen und anderer gebührlichen Hilfe gänzlich zu gctrösten haben sollen rc. Dessen weiß sich ansitzt ein Jedes durch angedeutete Mittel theilhaftig zu machen, vor Strafe und Ungnade (so man Keinem gönnen will) allerdings zu verhüten." Daß der fürstliche Pfleger Julius Cäsar Crivelli ein Alaun von Ordnung und Sitte war und seinen katholischen Glauben hochhielt, ist aus dieser „Hausordunug" wohl ersichtlich. Ihr Inhalt könnte mit Fug und Recht im Wesentlichen auch heute noch gar Vielen — Dienstboten wie Herrschaften — zur Mahnung und Darnach- achtuug dienen. Dr. Winke für Palnstiircchilger. Von Dr. Sepp. Es ist eine leidige, nicht länger zu verschweigende Thatsache, daß unsere christlichen Pilger nach dem gelobten Lande, deren Zahl von Jahr zn Jahr Zunimmt, an falsche Orte und neuerfundene Sanctn- arien geführt werden, die mit dem Leben des Heilands gar nichts zu thun haben. Schon Patriarch Valerga kam deßhalb mit den nicht wohl unterrichteten italienischen Hütern der dortigen Wallfahrtsstätten in Couflikt, und unwissenschaftliche Frömmigkeit trägt ebenso an solchen Verirrungen schuld, wie halbe Gelehrsamkeit. So mancher beeilt sich, treugläubig an den Dragoman, eine Reise- beschreibung herauszugeben, ohne sich besser zu orientiren, oder er schafft sich den Palästina-Bädeker an, welcher, vom protestantischen Theologen Benziuger neu aufgelegt, so unkritisch wie möglich ist. Verkehrt sind die Stationen der Geburt des Täuferszu Sän Giovanni in Ain Karim, zwei Stunden von der West- Pforte Jerusalems, wohl um durch solche Nähe den Pilgern den Besuch zu erleichtern. Jrrthümlich weist man in der reizendsten Landschaft, wo nun die Sionschwestern ihre Sommerfrische halten, zwischen dem „Weinbergbrunnen" (nun Mariaborn) und Terebinthenthal im eigentlichen Tempe des Landes der Verheißung dazu die J^hanniswüste (Mark. I, 4) nebst dessen Einsiedler- höhle. Halbwegs nach Bethlehem liegt das Eliaskloster, gegründet vom Jerusalemer Patriarchen Elias (ch 518); aber die Griechen schützen den Propheten vor, und zeigen vor dem Thore auf die Steinbank mit dem Lcibeseindruck zum Beweise, daß er auf der Flucht da geruht. Gründlich falsch ist die moderne Annahme von Emmaus im weit entfernten Kubeibe, weil sich dort eine Kirchcnruine fand. Verkehrt nennen wir den Neubau eines Pilgerhauses nebst Kapelle zu Kefr Kenna, näher bei Nazareth, statt in Kann Galil den Ort des Hochzeitswunders Kanu in Galiläa zu erkennen. Bethsaida führt noch heute den alten Namen Mesadijeh, gelegen am Nordostnfer, an der Abend- seite des Sce's hat es nie ein zweites gegeben. Unverzeihlich endlich ist die Wanderung nach Telhum, statt Kapharnaum in dem von den Arabern noch heute so genannten „Christendorf" Kefr Minieh zu erkennen. Daß der letzte Zufluchtsort Jesu, Ephrem in der Wüste (Joh. XI, 54), südlich in der Landschaft der Gadarener, so auch Aenon bei Salim (III, 23) im Süden JndäaS ganz übersehen sind, kommt noch dazu. Kein Land hat mehr religiöse und politische Umgestaltung erfahren, als Palästina, und die Landkarte wird zum völligen Palimpsest, indem ein Eroberer um den andern seit 2000 Jahren seine Einträge über- und durcheinander gemacht hat. Die ältesten Einwohner des Landes waren die Chetiter, ein Völkerbund, zu welchem sogar die Dardnner gehörten. Das Hans des intelligenten griechischen Bischofs Neron zu Nazareth bewahrt im Atrium zwei ansgegrabene Steinköpfe gewiß von einem Alter, wie die assyrisch-babylonischen, oder aus Abrahams Zeit, übrigens von einer Häßlichkeit, daß sonst nur Indianer- oder die atavistische Physiognomie eines Lords Maitland auf Korfn, des bekannten Gricchen- feindes, mit ähnlich verguatschten Zügen aufstoßcn könnten. Der älteste Neligionsdienst in Kanaan, dem „Niederlande", ist der des Donnergottes Elias am Karmel, der im feurigen Wagen durch die Wolken fährt und (nicht zu verwechseln mit dem Propheten) als Ncgenherr Jlia auch noch im Kaukasus, wie bei den Serben, verehrt wird. Er ist in den Hintergrund getreten, aber seine Wiederkehr wird (wie Mark. IX, 10) noch heute erwartet und jährlich am Eliasfeste den 20. Juli figürlich der Wunschknabe vom Lebensbruunen weg aufs Roß gehoben, auch wie bei den Griechen Jacchos mit unbeschreiblichem Jubel von allem Volke des Umlandes, welcher Religion immer, begrüßt. Alsdann galt für die Kreuzritter trsuAL Ost, und wie damals im Wettrennen vollführen die Beduinen noch heute ihren feurigen Umritt. Das Prophetengrab Wely Nebi Elia findet sich vor dem Nordthore von Damaskus, wie bei Sarepta; nicht minder habe ich vor dem des Jonas verschiedentlich die Schuhe ausgezogen, um beim Betreten deS Innern ja keinen Muslem zu ärgern, ziehen sich doch seine Heiligthümer der ganzen Küste entlang bis Troja hin, eben weil der Held mit dem Fischabentener — der babylonische Oanncs, eine weltgiltige Person ist. Unter der XVIII. und XIX. Manethonischen Dynastie war Palästina ägyptisch, und davon schreibt sich noch der jüngst entdeckte*) Opferstein zu Schech Sad im Hauran mit der geflügelten Sonneuschcibe. Er gehört zum Grabmal Hiobs, Kabr Ayub, welches in einem Dolmen aus der Steinzeit besteht. Aegyptens Grenze reichte in Sesostris' Tagen nach dem Papyrus Anastasi I bis zum Lande Aup gegen Syrien hinaus. Zu dem, einen Pfeilschnß südlich gelegenen, Dar Ayub oder Hiobs- kloster aus der Gassauidenzeit, kommen muslimische Pilger noch bis aus Ceutralafrika, zumal ein Negerhospiz da besteht — so nachhaltig ist der Neligionsglaube. Hiob erwähnt (30, 6) noch die Höhlenbewohner, und hat sein Andenken auch in Tannur Ayub, dem Warmbade von Channizera oder Ciunerez, das von einem noch auf einer alten Karte in Florenz verzeichneten Dolmen bis ins Mittclalter herein Tabula oder Mensa hieß. Hier soll er auf Allah's Geheiß den kalten Born, dann mit dem andern Fuße den heißen Sprudel aus dem Boden gestampft haben und in diesem vom Aussatze rein geworden sein, wie die Kvranausleger Sure 38 naher ausführen. Die Bauten der Ureinwohner, meist auf Höhen gelegen, zeigen, wie jene der Phönizier zu Tyrus und Sidon und am Salomonischen Tempel fugengeräuderte Steine. Sie waren ein Staatsvolk, aber ihre Städte- republiken unterlagen ohne inneren Zusammenhang dem Beduinenstamm der Beni Israel. Erst als diese ein Königsvolk geworden, gelang die Eroberung Jerusalems aus der Hand der Jebusiter, und die Gründung Salems wurde statt der Priesterstadt Hebron zur Hauptstadt erkoren. Die heilige Stadt hat niemals Jebussalem geheißen, auch nicht Hierosolyma, wie die Griechen deuteten, sondern der Name besagt: Die Stadt (Ir) oder Gründung (lern) Salems, sei es die Friedensstadt, wie Jeruel (II. Chron. XX, 16) die Stadt Gottes. In den babyl.- assyr. Keilinschriften taucht noch das Wort uru, oru für urlw auf, was akkadisch ori, hebräisch (Genes. 10, 11) ir; Ursalimma lautet der Name der Stadt des Chazakijahu (Hiskias) zu Kujundschik am Palaste Sanheribs, Jura in der Siegestafel Sesenks (Sisaks). Urkundlich nennt sie Jsaias 48, 2 Ir olioäesLll, die hl. Stadt, wie sie noch ei Xu äs im Munde der Araber heißt. Die assyr.-babyl. Gefangenschaft der Jsraeliten und Juden bildet einen wichtigen Abschnitt auch für die Topographie Palästina's, denn nach der Rückkehr muß der Volksrest sich im Lande erst neu zurechtfinden, und Hiebei kamen die Judäer mit den Samaritern zuerst in Conflikt. Diese behaupteten, der Berg, wo Abraham das stellvertretende Opfer für seinen Sohn brachte, welches sie noch jährlich wiederholen, sei der Garizim, und das Land Moria bei ihnen gelegen (Genes. 22, 2, Deuter. 11, 29. 30), nämlich der Hain More, darum habe Josua die Gesetzestafeln auf dem gesegneten Berge aufgestellt. Ich habe eigens den Weg von Bires Seba (Beersabe) angetreten, sprach zu mir 1874 der Cohen Jmram oder Priester des zusammengeschwundenen Volksrestes zu Sichem-Nablus, aber der Tempelberg zu Jerusalem ist gar keine Höhe, zu welcher der Patriarch die Augen erheben konnte, auch paßt die Entfernung von *) Entdecker ist der bereits von der Pforte zum Ober- ingenieur ernannte Tempelchrist Schumacher, welcher eben die Schiencnbahn von Kaifa am Fuße des Karmel durch die Ebene Jezrcel in der Richtung nach den Pfeilern der alten Nömerbrncke (Dlchisr Um cl Kanatir), sieben Kilometer vom Ausfluß des Jordans aus dein See Gcnnezareth, baut und bis Damaskus vermessen hat. Auch die französischen Dominikaner stießen bei der Grundlegung zu ihrem Hospiz vor dem Damaskusthor in Jerusalem auf eine ägyptische Stele. drei Tagen nur auf unsern heiligen Berg. Hierin mögen sie Recht haben. Nachum, welcher den Untergang Ninive's prophezeihte, hat sein Grab zu Alkusch bei Mosul; nach dem Exil errichteten die Galiläer zu seiner Verehrung im alten Kinnereth ein Grabmal, daher die Stätte fortan Kapharn au m, Dorf Nahums, und zwar im Talmud Beracoth o. 9 Fol. 48, 2 „das alte Nahum" hieß. In diesem Sinne kennt Nabbi Jsaak Chelo noch 1333 Kefar Nahum, wo früher viele Minim, d. h. Christen, waren, und Carmoly setzt die Grabstätte auf seine hebräisch beschriebene Palästinakarte. Es liegt südlich nur eine Viertelstunde von obigem Tannur oder Hammam Ayub, dem Ofen oder Warmbrunncn Hiobs. Von den Sanktuarien und strittigen heiligen Orten des gelobten Landes wollen wir vorsätzlich reden, und hier ist die Kirche des Christusgrabes zuerst angefochten. Wer möchte glauben, daß gerade seit der Gründung des anglikanischen Bisthums auf dem Hügel Sion aus Anlaß des Ritters von Bunsen 1840 die ächte Lage in Frage gestellt wurde! Ging doch noch jüngst, im September-Monat 1892, die Nachricht durch die Blätter, das von General Gordon entdeckte Heilands- grab, oder sogenannte Gordonsgrab, sei mit dem Platze um 4000 Pfund Sterling feil. Sogar der Erzbischof von Canterbury und die Bischöfe von Salisbury, Nöchester, Nipon und Cashel gaben ihre Zustimmung zu den Ausgrabungen und wenigstens 1000 Pfund sind bereits zusammengekommen. Hier käme doch besser das von Cler- mont Ganneau, dem französischen Kanzler, aufgedeckte Lustr Isu zwischen dem Berge des Aergernisses und Thale Kidron zur Sprache, in welchem der Finder sogar noch auf eine Hirnschale stieß; dabei bot ein Nachbargrab noch die Namen Lazarus und Simeon. Schade, daß die Hebräer keine Sarkophage, sondern Schubgräber kannten, wie sie auf unsere Klöster sich vererbten. König Herodes Agrippa führt 42 aer. vulg. die dritte Mauer auf, welche den Hügel Goatha (Jerem. 31, 39) oder Golgatha, die Neustadt (Oaonoxolis), und den Hügel Bezetha mit einschloß. Da nun Constantin die HI. Grabkirche baute, kam diese nothwendig in den Umfang der von Hadrian (unter Ausschluß der Süd- hälfte des Sion) mehr nach Norden verlegten Stadt. Meiner Rechtfertigung der ächten Lage kamen nachträglich die Ausgrabungen des russischen Ministers und zweimaligen Palästinapilgcrs Abraham Noroff zu statten, welche im abessinischcn Klosterhose noch ein Stück der Zweiten Stadtmauer und des alten Stadtgrabens nachwiesen, worin sich merkwürdig noch steinerne Schleuderkugeln, offenbar von der Belagerung unter Titns, vorfanden. Der Missionär Barclay nahm deren nach Amerika mit, auch ist die sogenannte Kapelle des Kreuzfundes der hl. Helena in diesen äußeren Stadtgraben hineingcbaut: der Grabmünster kommt augenscheinlich außer die Altstadt zu stehen. Seitdem haben Nachgrabungen in der Grabkirche selbst am Orte des sogenannten Kerkers Christi auf eine förmliche Gruft mit Kokim oder Schiebgräbern zur Seite geführt, wonach das Felsengrab Josephs von Arimathia nur eines von vielen hier an der Westseite war. Nach der Eroberung und Zerstörung des Tempels und der halben Stadt siedelte Titus 800 Veteranen im Dorfe Emmaus, 60 oder nach anderer Leseart 30 Stadien von Jerusalem, an. Davon erhielt der Ort den neuen Namen Colonieh, doch heißt der Brunnguell daselbst noch Botel Amus. Römisch sind Brücke und 10S Straße, sowie Kastul oder das Castell auf der Höhe, so daß Hieronymus in der Vulgata Luk. 24, 13 von der Identität überzeugt der Zeit vorausgreifend mit aastellum übersetzt. Die Sache scheint sonnenklar, auch die Entfernung von anderthalb Stunden für die Position zu sprechen: gleichwohl hat diese sichere Aufstellung mir eifersüchtige Gegner zugezogen, und doch bringe ich die Tradition bis ins vorige Jahrhundert wieder zur Geltung. In kirchlichen Fragen kommt wissenschaftlich nicht leicht eine Frage zum Austrage; schon Monelia sagt mit Recht: Lo ventum est, nb owniL tütn tirneainus, ouuota xsrvertsrs QonLnUi rnoliuntur. (Schluß folgt.) ^ ?. Constantin Lievens, der Apostel der Kolhs. I's. Seit zehn Jahren haben wir über die katholische Misston bei dem indischen Heidenvolke der Kolhs berichtet, das in mehreren Stämmen im nordwestlichen Theile West - Bengalens wohnt. Mit besonderer Aufmerksamkeit haben wir dieses Missionswerk vom Jahre 1886 verfolgt. Denn um diese Zeit begann l?. Lievens, der Apostel der Kolhs, sein großes Bekehrnngswerk. Ja, mit Recht darf man sagen: großes Bekehrungswerk! Hat doch ?. Constantin Lievens in der erstaunlich kurzen Zeit von kaum sieben Jahren und unter den schwierigsten Verhältnissen — unter bitterer Noth und Entbehrung und grimmiger Verfolgung — eine solche Menge wahrer Bekehrungen erwirkt, daß er in dieser Beziehung wohl in der ganzen — bisherigen Missionsgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts als einzig dasteht. Wenn wir heute wieder seiner großen apostolischen Thätigkeit gedenken,*) so geschieht es mit tiefer Wehmuth, denn l?. C. Lievens ist nicht mehr! In übermäßiger, ganz außerordentlicher Anstrengung hat er dem apostolischen Beruf sein Leben geopfert — und in dem schönsten Mannesalter von 37 Jahren! )?. Constantin Lievens wurde geboren am 11. April 1856 zu Moorslede in Westflaudern. Schon als junger Kleriker durchglühte ihn der Wunsch, Missionär im fernen Heidenlande zu werden. Mit diesem Wunsche entschied er sich ein Mitglied der Gesellschaft Jesu zu werden und trat am 22. Oktober 1878 ein in daS Noviziat Trouchienes. Schon im Jahre 1880 befand er sich im Lande seiner Sehnsucht — in Indien. Die belgische Ordensprovinz der Gesellschaft Jesu besaß seit dem Jahre 1859 in dem unbebauten weiten Missiousgebiete Westbengalen ein großes Arbeitsfeld. Nachdem alldort der junge Flamlünder im Seminare zu Asansole seine theologischen Studien vollendet hatte, wurde er am 14. Januar 1883 von Msgr. Goethals, apostol. Vicar (später Erzbischof) in Calcutta, zum Priester geweiht und wirkte dann zwei Jahre als Lehrer und Erzieher im Collcg des hl. Franz Xaver in Calcutta und in Asansole. Im Jahre 1885 trat?. Lievens ein in die Kolhs-Mission. Damals bestanden unter den Kolhs-Stämmen der Muudaris, Oraons und der Hos die Hauptstationen Do rundn (bei Nanchi, der Hauptstadt von Chota- Nagpur), Jamgain und Mariadi — sämmtlich im Distrikte Lahordagga, und Tschaibassa im Distrikte *) Wir entnehmen die Thatsachen der Zeitschrift „Die katholischen Missionen" aus ihren Jahrgängen von 1875 bis Singbhum. Diese Statiorten waren als Centralstellen auserlesen. Die erste Station unter den Kolhs gründete k. Stock mann im Jahre 1868, es ist jene von Tschaibassa. Im Jahre 1873 errichtete k. Stockmann die Filiale Burudi. Bald darauf gründete )?. de Coek die Station Do rundn. Anno 1874 erhielt die Kolhs- mission vortreffliche Hilfe durch Mitglieder der Kongregation der „Kreuzschwestern", welche der „Culturkampf" aus Deutschland vertrieben. Bis zum Jahre 1880 war, bei allem Eifer der tüchtigen Missionäre, das Misstonswerk noch von geringem Erfolge. Als nun die Hilfsmittel sich mehrten, kam ein reges Leben in das sich nun rasch entwickelnde Werk. Anno 1881 gründete k. Müllender die Station Mariadi und bald darauf Josephdi. 1883 gründete k. Mottet die wichtige Station Bandgaon, welche Centralstelle für Mariadi und Josephdi wurde. Im Jahre 1884 war in Dorunda die Zahl der Bekehrten von 378 im Jahre 1881 auf 1149 gestiegen. Am raschesten hatte sich bisher Mariadi entwickelt. Erst 1881 gegründet, zählte es 1885 — im August — mit Josephdi 1052 Bekehrte. Im Laufe des Jahres 1885 eröffnete k. Constantin Lievens seine erste Station — Torpa, im Bezirke Chota-Nagpur — mit 52 Christen. Diese Mission entwickelte sich sofort derart, daß der hochw. Missions-Obere l?. Grosjean meinte, Torpa könne ein zweites Mariadi werden. Aber — Torpa sollte Mariadi in fast unglaublich kurzer Zeit schon weit überholen. Nach kaum Einem (!) Jahre — im August 1886 1157 Bekehrte — und am 1. Dezember des gleichen Jahres war diese Zahl aus 2500 gestiegen! Und eben an diesem Tage — 1. Dezember — zählte Mariadi mit Josephdi, Burudi und Bandgaon 2120 Getaufte. Von der Arbeitslast, welche )?. Lievens zu bewältigen hatte, können wir uns keinen Begriff machen. Wohl war ihm k. Gengler beigegeben; derselbe war jedoch der Sprache der Eingebornen noch nicht mächtig und litt häufig am Fieber, so daß ihm gegen Ende 1886 ein anderer Ort angewiesen wurde. k. Gengler schrieb über die Arbeitslast k. Lievens' eben im Jahre 1886 — am 2. Oktober — aus Torpa: „I?. Lievens hört Jeden mit der größten Geduld an; Niemand hat ihnen bisher eine solche Theilnahme geschenkt. Aber es ist ein schweres Stück Arbeit für den eifrigen Missionär. Es gibt Tage — der gestrige z. B. — am 1. Oktober — wo uns das heiligste Herz 116 Neubekehrte geschenkt, — an denen er auch nicht einen Augenblick frei hat, und des Abends kann er sich dann vor Müdigkeit nicht mehr aufrecht halten. Wir zählen einzig auf die Hilfe der Vorsehung, um dieses schöne und große Werk auszuführen." Vierzehn Tage später schrieb k. Lievens selbst: „Ich bin krank; Arbeit und Ermüdung erdrücken mich fast. Dennoch kann ich mir keinen Augenblick Ruhe gönnen. Ich habe jetzt (das war am 16. Oktober 1886) 2000 Christen (einen und einen halben Monat später waren es 500 mehr!); etwa 15 Schulen und täglich im Durchschnitt 20 Bekehrungen. Ob das so fortgehen wird, weiß ich nicht." Und bei diesen riesigen Anstrengungen lebte U. Lievens in bitterer Armuth! — — „Ich habe kein Haus, keine Möbel (schrieb er im Herbste 1885), noch Geld, und kaum so viel Lebeusuothdurft, daß ich nicht Hungers sterbe. Allein ich habe meine Station dem liebenswürdigen Herzen unseres Heilandes geweiht; ich habe Maria zur 110 Schutzpatronin, St. Joseph zu meinem Schaffner und die heiligen Engel zu meinen Gehilfen erkoren." Das ist die Sprache eines wahren Apostels. — Als l?. van Reeth, damals Provinzial der belgischen Ordensprovinz, gelegentlich seiner Visitationsreise in Indien nach Torpa kam, „konnte er sich beim Anblick der Armuth und Entbehrung, zu welcher k. Lievens sich vemrtheilt hatte, der Thränen nicht erwehren." Aber nicht nur Armuth und Noth hatte der fromme Missionar und wahre Menschenfreund zu ertragen, sondern auch schmählichste und gröblichste Unbilden von den protestantischen „Sendboten" — aus der deutschen Goßner'schen Missionsgesellschaft. Diese „Missionäre" waren allerdings schon lange vor den katholischen Missionären unter den Kolhs thätig und hatten endlich einen wenigstens numerischen Erfolg erzielt. Und als Anfang der 1880er Jahre die katholischen Missionäre mit vermehrten Kräften schon ungewöhnliche Resultate erzielten, erhob sich auf protestantischer Seite die Verdächtigung und Verlüumdung gegen die katholische Mission in wirklich empörender Weise. Die feindlichen Angriffe wurden so heftig, daß sie von den katholischen Missionären in der Presse zurückgewiesen werden mußten. Als nun durch die ganz außerordentlich raschen und großen Erfolge des l?. Lievens das ganze Werk der protestantischen Kolhsmission zusammenzubrechen drohte, da richtete sich der Haß in grimmer Wuth und Verfolgung gegen Lievens. Er schüttelte durch markige Vertheidigung in Wort und Schrift seine Feinde ab — und waltete in gewohntem Glutheifer seiner Begeisterung seines hohen BerufeS. Am 30. Juli 1887 schrieb er: „Preisen wir Gott in den Werken seiner Gnade, die er hier in Torpa wirkt. Seit dem letzten Jgnatiusfeste (31. Juli) hat sich die Zahl der Bekehrten verzehnfacht"(!). Es waren 20,000! — Am 15. Juli 1887 erhielt er sehnlichst erwartete Beihilfe durch ?. Cazel u. I'r. Seitz. Eben 1?r. Seitz schrieb: „Voll Eifer für die Sache Gottes und beseelt von dem heißen Wunsche, Seelen zu retten, nahm sich k. Ltcvcns der Mundaris an. Seit seiner Ankunft in Indien hatte er mit Wehmuth beobachtet, wie die armen Ureinwohner von Chota-Nagpur von den geldgierigen Hindus (insbesondere von den Steuereinnehmern!) ungerechter Weise bedrückt (ja ,ausgesogeiü) wurden. Jetzt, da es ihm endlich vergönnt war, seine Arbeit und sein Leben diesen Armen zu weihen, that er es auch von ganzem Herzen." „In Calcutta und andern Städten Indiens", meinte LievenS in launiger Weise, „bestehen Vereine zum Schutze unserer Hansthiere gegen Grausamkeiten; das mag seinen guten Grund haben; aber jedenfalls will ich, eh' ich Mitglied eines solchen Vereines werde, erst einmal versuchen, meine lieben Mnndaris vor ungesetzlichen, grausamen Behandlungen von Seiten der Beamten zu schützen."*) Es war bei dem Mnndarisvolke schon früher zu einem Ausstände gekommen und es drohte eben wieder ein solcher anszubrechen. Ihr Verlangen spricht sich aus in den Worten: „Wir wollen unsern eigenen König wieder haben, wie früher; unter ihm waren wir wohlhabend und glücklich; jetzt bereichert die Frucht unserer Arbeit Fremdlinge, und wir müssen darben." Die englische Regierung hatte zwar billige Gesetze gegeben, allein diese wurden von den Steuerbeamten — „Tikedaren" — die zugleich Aufseher über das politische Verhalten des Volkes und alle Hindu *) S. „D. kath. Miss." 1888 S. 66 ff. sind, nicht gehalten. Die Polizei aber, deren Beamte zumeist Mohammedaner sind, läßt sich von den Tikedaren ins — klingende Schlepptau nehmen. Da stand nun l?. Lievens auf, belehrte mit vollständiger Kenntniß der bestehenden Gesetze das unterdrückte unwissende Volk, unterstützte es mit Wort und Schrift in vorsichtigster, kluger Weise, auch persönlich; ermähnte sie, den erlaubten Hilfeweg des Gesetzes nicht zu verlassen, und die erfreulichsten Folgen dieses An- strebens waren es, welche Hunderte und Tausende dieser Heiden dem „großen Lehrer" und Missionär ?. Lievens zuführten; der ihnen dann vollkommen begreiflich machte, daß der erreichte bessere leibliche (materielle) Zustand sie noch lange nicht wahrhaft glücklich mache, wenn sie sich nicht, und zwar mit aller Aufrichtigkeit, zum festen und treuen Glauben an die göttlichen Offenbarungen bekehren würden. Dadurch erreichte k. Lievens den Hauptzweck der Mission. Und diese Heiden, deren Religion in einer Art Geistercult, freilich auch mit traurigem Aberglauben, bestand, die sonst einen friedlichen Charakter haben, wurden in der That iuniggläubige Christen. — Schaarenweise strömte das Volk 20, 30—35 Meilen weit nach Torpa, und nicht bloß die Heiden, auch die protestantischen Ein- geborneu. Noch im August 1887 hatte Lievens 15,000 Bekehrte und 60 Schulen — im Dezember war die Zahl, wie schon gesagt, auf 20,000 gestiegen! Und der demüthige, selbstlose Pater stellte diese großen Erfolge immer allein als Gnadenwirkuugen Gottes hin. Schon im Mai 1888 zählte die Mission 45,000 Christen und Kate- chumenen! „Die kathol. Missionen" haben Recht, wenn sie in ihrem Mürzheft S. 51 schreiben: „In der That, was der junge Missionär in drei Jahren geleistet, grenzt aus Wunderbare!" — Im Jahre 1888 wurde die Mission organisirt und k. Lievens siedelte nach Nanchi über — der Hauptstadt von Chota-Nagpur und zugleich Hauptort von ganz Lohardagga. Seine Aufgabe war nun: seine reichen Erfahrungen auch in den Dienst der andern Stationen zu stellen und ihnen eine „gemeinsame" Marschroute zu geben. Außerdem leitete er die Heranbildung tüchtiger Katechisten und Schullehrer. Auch hier wurde k. Lievens wieder von Schaaren Rath- und Hilfesuchender umlagert. Durch die Anordnungen des ?. Lievens drangen nun die Missionäre — zunächst die Katechisten — bis in das Gcbirgsland im Westen Lohardagga's — nach Barwai — vor, das noch nie der Fuß eines Missionärs betreten. Von Raucht aus unternahm k. Lievens ebenfalls größere Wanderungen. Auf einer vierzehntägigen Rundreise taufte er, eben noch im Jahre 1888 und zwar im September, 1500 Kate- chumenen. In oieser Zeit begannen mit besonderer Wuth und in der Folge immer heftiger werdend die feindlichen Angriffe der protestantischen Secten, einzelner barbarischer Gutsherren und mancher Steuereinnehmer. Lievens erlebte die bittersten Stunden, und war sogar sein Leben bedroht. Das abscheuliche Echo häßlichster Verleumdung und Anklage hallte wider sogar in der „Allgemeinen deutschen Missionszeitschrift", wovon wir seinerzeit wiederholt berichteten. Trotzdem und allcdem schritt Lievens, der Mann des Gottvertrauens, feurigen Muthes fort auf seiner erhabenen Siegesbahn. Noch wollte er „mit Gott!" seinen großen Plan durchführen: die Bekehrung des biederen Barwai-Volkes. Nachdem er im September 1888 seine Katechisten dorthin gesandt, unternahm er 1889 111 im Oktober seine so berühmt gewordene apostolische Reise nach Barwai. Die Katechisten hatten mit großem Erfolge vorgearbeitet, k. Lievens prüfte, lehrte weiter und in drei Wochen taufte er 13,000 Heiden, Erwachsene und Kinder. Im Jahre 1890 zog er abermals in die Berge von Barwai, verweilte dort einige Monate, lehrte, predigte und taufte — Tag für Tag, und feierte das Weihnachtsfest unter 3000 Neubekehrten. Es folgten immer neue Bekehrungen. Am 8. Januar 1891 kam 1?. Lievens nach Ranchi zurück. Bald nun zeigten sich bei ihm sehr bedenkliche Krankheits-Symptome. Allein k. Lievens schonte sich nicht; noch gab es so viel der unaufschiebbaren Arbeit — und — die „Alles" aufbietende protestantische Propaganda! Und der Neophyten in Barwai waren es jetzt 35,000. Schon in den ersten Tagen des Monats Februar war ?. Lievens, obschon leidend, wieder unter ihnen, durchwanderte nochmals das ganze Land taufte 1677 Kaiechumenen und segnete 218 christliche Ehen ein. Seine dritte große Rundreise vom 30. April bis zum 5. Juni — auch im Jahre 1891 — war ebenso reich an Erfolg; und in diesem Jahre verzeichnete der Regierungsccusus für Lohardagga allein 5 2,0 0 0 katholische Christen! Doch — k. Lievens hatte seine Kräfte überschätzt. Sein körperlicher Zustand war so bedenklich, daß die Missionsobern k. Lievens bestimmten, noch im Juli 1891 in der frischen Gcbirgsluft von Dardscheling (am Himalaya) Erholung zu suchen. Kaum aber hatten seine Kräfte sich etwas gehoben, kehrte er nach Ranchi zurück und begann wieder seine Arbeiten ihrem ganzen Umfange nach. Das war jedoch nur ein letztes Aufdämmern seiner Kraft. Mit Gewalt zog es sein Herz wieder nach Barwai, wo seine Lieblingsgründung. Er sah sie wieder; doch zum letzen Male. Seine Kraft war gebrochen. Zwei Monate später trat er die Reise nach Europa an. Am 2. September 1892 verließ er Indien. „Mit Trauer und Schmerz sahen seine Obern, seine Mitbrüder und seine theuern Neophyten den unvergleichlichen Mann scheiden" — und sein edles Herz blutete; aber er sprach: „Gott stirbt nicht und sein Werk wird bleiben." Ein ganzes Jahr lang kämpfte der noch junge Mann mit dem Tode. Inbrünstigst bat er Gott, er möge ihm doch feine Kräfte wieder schenken und ihn zu seinen lieben Kolhs zurückführen. Doch — es sollte nicht sein; Gott verlangte von ihm das größte Opfer, das ein apostolisches Herz kennt. Seine letzten Tage im Colleg seiner Mitbrüder zu Löwen waren eine Quelle der größten Erbauung für Alle im Hause. Mit sanfter, freudiger Ergebung schaute er dem herannahenden Tode entgegen. „Die Ewigkeit ist so lang (sagte er eines Tages)! Wie gerne hätte ich noch etwas länger gearbeitet und gelitten! Doch bringe ich das Opfer von ganzem Herzen." Am 7. November 1893 gab l?. Lievens seine an Tugenden und Verdiensten reiche, schöne Seele in die Hände seines Schöpfers zurück. Der Name dieses Mannes aber, der eine so großartige religiöse Bewegung hervorgerufen, wie sie Indien seit 200 Jahren nicht mehr geschaut, wird für alle Zeiten prangen in der Missionsgeschichte Indiens unter dem Epitheton: ?. Konstantin Lievens — der Apostel der Kolhs. — L. I. k. Recensionen und Notizen. Im Verlage von A. Riffarth in M.-Gladbach ist ein neues Gebetbuch für katholische Lehrer und Lehrerinnen unter dem Titel: „Christus mein Vorbild" erschienen. Woh! sind ähnliche Bücher bereits vorhanden, doch fehlt diesen gerade das, was in einem Gebetbuch für Lehrer von besonderer Wichtigkeit ist: das Gebet des Lehrers. Dies gab dem Verfasser Veranlassung, ein für alle Lagen des Lehrers geeignetes Gebet- und Betrachtungsbuch zu bearbeiten, und darf man mit Recht behaupten, daß obiges Buch wegen seines vielseitigen und ansprechenden Inhaltes sich besonders auszeichnet und durchaus geeignet erscheint, die religiösen Bedürfnisse eines echt christlichen Lehrers auch in den verschiedensten Lebenslagen in vollkommenster Weise zu befriedigen. Da der Preis ein äußerst mäßiger ist, — das Buch kostet in Kaliko gebunden mit Marmorschnitt M. 1,25, in Chagrinleder mit Nothschnitt M. 2, — so können Wir allen Lehrern und Lehrerinnen die Anschaffung dieses schönen Gebetbuches nur empfehlen, und kann solches zu obigen Preisen durch jede Buchhandlung bezogen werden. Nirfchl Jos., Gedanken über Religion und religiöses Leben in freien Verträgen. 8° p. IV -s- 2ö3. Würzburg, F. X. Bücher 1691. (II) M. 3.09. s. Das Buch verdient es wohl, daß es nach 30 Jahren zum zweiten Mal in die Oefsentlichkcit tritt; wie es bei seinem ersten Gange viele Freunde gewann, so wünschen wir ibm dieselbe warme Aufnahme auch diesmal, handelt es doch über die wichtigsten Fragen und höchsten Ziele des Lebens, wozu jeder denkende Mensch so oder so Stellung nehmen muß. Sind Pascals berühmte Lsnsöss mehr aphorismeuartig, so sind diese „Gedanken", mit Pascals Buch geistig verwandt, mehr logisch zusammenhängend und fortschreitend. Die Form der Darstellung ist sehr gefällig und zum Herzen gehend, und doch sind es wirklich „Gedanken" und nicht bloß Phrasen. Manche Vortrüge sind ohne weitcrs als Predigten und Ansprachen verwendbar, alle aber bieten dem Leser dazu reichliche Anregung. Das Werk könnte gar manches schwülstig-süßliche Betrachtungsbuch ersehen, wenn die, welche gemeinhin überhaupt dergleichen lesen, nicht vielfach einen zu verdorbenen Geschmack hätten, um an kerniger Nahrung Gefallen zu finden. Das System der Theologischen Summe beS heil. Thomas von Aquin oder übersichtlicher und zusammenhängender Abriß der Lamms, VlreoloZies, mit Anmerkungen und Erklärungen der tsrmini teodnioi von A, Portmann, Professor der Theologie an der höheren Lehranstalt in Luzcrn. Luzern, Naber u. Comp. 1 Mk: ES gereicht uns zur großen Befriedigung, der theologischen Welt das Erscheinen eines Werkes anzuzeigen, das voraussichtlich überall in Gelehrten- wie in gebildeten Laicnkreisen die beste Aufnahme finden und gar sehr mit ein Faktor werden wird, das im raschen Aufschwung begriffene Thomasstudium namentlich bei den jüngeren Theologen zu fördern. Der Autor dieses Werkes erfreut sich bereits seit einer Reihe von Jahren durch viele sehr gründliche und gelehrte Schriften — auf welche wir nebenbei hinweisen wollen — des besten Rufes in der Gelehrten- wclt; besonders kann er auf dem Gebiete des Thomismuö als eine hervorragende Autorität anerkannt werden. Dieses Lob verdient der genannte Verfasser aber mit allem Rechte durch sein neu erschienenes bezeichnetes Werk. Dasselbe ist eine gänzliche Umarbeitung und wesentliche Erweiterung einer früheren Programmarbcit, welche als solche bereits in der Liuzer Quartalschrift 1891 I. Heft einen gefeierten Lobredncr erhielt und eine Empfehlung „dieser vorzüglichen Arbeit" an jeden Theologen. Diese Anerkennung und Empfehlung gebührt deni Verfasser in ungleich größerem Grade durch sein jüngstes Opus, und kann dieses dem ähnlichen Werke des berühmten Frciburger Professors Berthier >I/ötmIs cls ls, Lowmo Mreolog'iqno elo 8t. TlromaZ ä'^quin- nicht bloß würdig an die Seite treten, sondern muß wegen seiner ruhigen und objectiven Darstellung, welche des Schweizer Professors Werk leider vermissen läßt, demselben vorgezogen werden. Jeder Theologe besonders, der das theologische Llonumontum aero psrennins des hl. Thomas, das einst die Vater des Tricnter Concils zu ihren Berathungen und Beweisgründen neben den hl. Schriften liegen hatten, einigermaßen studieren und verstehen will, wird dieses Werk nicht leicht entbehren können; es wird ihm ein kundiger Führer durch dunkle Stellen und aufstoßende Schwierigkeiten werden und ihm so die große Arbeit des richtigen Verständnisses bedeutend erleichtern. Möge ein fleißiger Gebrauch die Mühen des Verfassers lohnen. Aigen a. Jnn, Februar 1891. Pletl Georg. Neger'S Handausgabe des Bayer. VerwaltungS- gerichtsgesctzeS. In II.Auflage und in völlig neuer Bearbeitung von Dr. A. Dyroff. (263 S. geb. 3 M.) Verlag von C. Vriigel und Sohn in AnSbach. Das Buch wird in weiten Kreisen willkommen sein; denn es bietet nicht allein dem Juristen und VerwaltnngSbcamteu eine Fundgrube für alle einschlägigen Entscheidungen namentlich des VerwaltungögcrichtShofcö lind für die bewährtesten Stimmen aus Theorie und Praxis — auch für Gemeinde- und Kirchcn- verwaltungcn bildet die vorliegende Arbeit ein kaum zu entbehrendes Stachschlagcbuch, das in allen zweifelhaften Fällen in verständlicher Weise den rechten Weg zeigen wird. DaS sind die praktischen Vorzüge des vorliegenden BncheS; damit ist aber dessen Werth mit nichtcn erschöpft; denn sein Inhalt geht weit hinaus über die herkömmlichen Grenzen einer blossen „Handausgabe". Wir haben keine Sammlung fremder Gedanken, sondern eine von Grund auö wissenschaftliche Bearbeitung deS Gesctzeö vor nnö, welche sich den hiczu erschienenen Commentarcn würdig anreiht und dieselben auf der Grundlage einer vierzehnjährigen Praxis probt und vervollständigt. Der Herr Verfasser ist seiner schwierigen Ausgabe mit ebensoviel Scharfsinn als Fleiss und umfassender Kenntniß der Literatur gerecht geworden, und stehen wir nicht an, diese tüchtige Arbeit — unter Beglückwünschung deS Autors — der Allgemeinheit anfö beste zu empfehlen. _ ^V. D. „Die fremdländischen Stubenv ögcl", ihre Naturgeschichte, Pflege und Zucht von Dr. Karl Ruß. Bd. II (Wcichfutterfrcsser), Lies. 1. Mit einer Farbcndrucktascl. Magdeburg, Crcutz'schc Verlagsbuchhandlung. Mit dem 2. Baude dieses Werkes vollendet der Verfasser ein Unternehmen, welches für alle Vogclliebhabcr und Vogel- wirthe von großer Bedeutung ist. Alle drei Gruppen der Weich- futterfrcsscr sollen hier zur Behandlung kommen. Die Darstellung beginnt mit den Jnsectenfressern, dann folgen die Frucht- fresser, demnächst die Fleischfresser und zum Schluß, in einem Anhange, die fremdländischen Tauben- und Hühnervögel, soweit sich dieselben für die Stubcnvogclpflege eignen. Die Ausstattung dcö BncheS ist tadellos, sowohl hinsichtlich des Druckes, als auch des Papiers und namentlich auch der naturgetreuen Darstellung fast aller bekannteren Vögel dieser Gattung in Farbendruck, zu denen wieder Meister Emil Schmidt die Aquarelle geliefert hat. Der 2. Band soll mit 10 Farbcndrucktafcln in 20 Lieferungen L 1 M. 50 Pf. erscheinen. Nach seiner Vollendung kommen wir nochmals auf das Werk zurück. KricgSgeschichtliche Beispiele. In N. v. Dcckcr'S Verlag (Gustav Schenck) ist eine dritte, vermehrte und verbesserte Auflage der „Kricgsgcschichtlichcn Beispiele" des neuerdings durch sein Werk über den Krieg 1806/7 in weiteren Kreisen bekannt gewordenen Obersten v. Lettow- Vorbcck erschienen. Preis 4 M. Dieses Werk hat vor denen ähnlicher Art den großen Vorzug, daß die Beispiele innerhalb ihres kricgsgcschichtlichcn Nahmens belassen sind, indem von den behandelten Schlachten und Gefechten ein zusammenhängendes Bild gegeben ist, in welchem nur die zu taktischer Belehrung geeigneten Stellen ausführlich, die übrigen kurz behandelt sind. Da dem Werke außerdem kurze Abrisse der beiden Kriege von 1866 und 1870/71, aus denen die Beispiele vorzugsweise entnommen, bcigegeben sind, so wird gleichzeitig die Kenntniß dieser so wichtigen Ereignisse gefördert. Was nun im Besonderen die dritte Auflage anbetrifft, so haben die seit dem Jabre 1884 erschienenen neuen Quellen: das Ge- ucralstabSwcrk über 1864, die eingehenden auf Grund franz. Materials bearbeiteten Schlachtcnschildcrungen dcö Majors Kunz, die hinterlassenen Papiere von Strecker Pascha über den russ.- türkischcu Krieg u. s. w., eine Umarbeitung einzelner Aufsätze nothwendig gemacht. Gleichzeitig hat aber auch eine Vermehrung der Beispiele stattgefunden. Die Ausstattung ist eine sehr gute und der Preis in Rücksicht auf die 54 Karten und Planskizzen ein niedriger. _ Freunde der katholischen Missionen wollen wir aufmerksam machen auf die Monatsschrift „Kreuz und Schwert im Kampfe gegen Sklaverei und Hcideuthum" (Münster i. W., W. Helmes). Jeden Monat erscheint ein Heft von 64 Spalten Text, welches hauptsächlich Missions-Bcrichte und Schilderungen aus Afrika bringt. Die Schreibweise ist anziehend; alle Gebiete Asrika'ö werden behandelt, so daß der Leser ein Gcsammtbild von den dortigen Fortschritten der Cultur gewinnt. Zahlreiche Vcraittw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Missionäre liefern häufige, stets recht unterhaltende Beiträgt Es fehlt ja nicht an katholischen UnterhaltungSblältcrn, aber für eine so billige Missionszcitschrift dürfte noch in jeder Familie Raum sein, und der Zweck, den sie anstrebt: Förderung der Missionen in unseren eigenen Colonieen, ist ja ein überaus wichtiger. Post und Buchhandel halbjährlich 75 Pfg.; direct voin Herausgeber bezogen 90 Pfg. einschließlich Porto; 5 Exemplare 3 M. __ Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1894. Zehn Hefte M. 10.80. — Frciburg iur VreiSgau. Hcrder'sche Vcrlagöhandluug. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt deö 3. Heftes: Deutsche Bildung und Wissenschaft im 16. Jahrhundert. (A. Baumgartncr 8. st.) — Religion und Christenthum nach Albrecht Ritschl. II. (Schluß.) (Th. Grandcrath 5.1.) — Der StaatSsocialiSmns. II. (Schluß.) (H. Pesch 8.4.) —Eucharistie und Martyrium. I. (C. A. Kneller 8. 4.) — Felix DahnS neuester Roman „Julian der Abtrünnige". I. (W. Krciten 8. .1.) Recensionen: Naffl, Die Psalmen, III. Bd. (I. K. Zenner 8. I.); 1. Bäumcr, Das Apostolische Glaubensbekenntnis;, 2. Blume, DaS Apostolische GlaubenSbekcnutniß (M. Rcich- mann 8. 4.); Spechr, Die Lehre von der Kirche nach dem hl. Angnstin (C. A. Kneller 8. 4.); Wolfsgrubcr, Carolina Auguste, die Kaiserin-Mutter (B. Dnhr 8.1.) —- EmPfchlcnSwcrthe Schriften. — MiScellen: Luther über den JacobnSbrief; Wie würde einem Jupiterbcwohner die Welt vorkommen? Die Dorfgemeinde!» in Guzerat. Der Katholik. Nedigirt von Joh. Mich. Naich, 12 Hefte M. 12. Mainz, Kirchhcim. Inhalt von 1894, Heft III, März: Dr. Selbst, Das päpstliche Rundschreiben -Drovistorttissimus Deus« über das Studium der hl. Schrift. — Dr. Ios. Bl. Bccker, Interessante Rundfrage der „Deutschen Gesellschaft für ethische Cultur". — Dr. A. BellcShcim, Der Ehrwürdige Cardinal Bellarmiu in katholischer Beleuchtung. — Probabilismns und AcquiPrcbabiliSmns. — Die Drangsale norddeutscher Fraucnklöstcr in der NcformationSzeit. — Dr. Pl Wagner, Giovanni Picrluigi da Palcstrina. — Literatur: Dr. Egg er, Dndiiristiou DllooloZsias stogmatieas gsneralis. — Dr. J g n. Schmiß, Ds eüeotibus saorainontü extrewas nnetioms. — Franz Heiner, Katholisches Kirchcnrccht. — Thomaö Liviuö, LI. Mis Liessest Virgin. — ThomaS Livius 0. 88. R. Llarg' in tlro Dpistles. — Josephus Hont he im 8. 4., Institntiones Muwstieaeao. — Carolus Frick 8. 4., Dogica. — Jgnaz Orozen, Das Bisthmn und die Diöcese Lavant. — Anton Weber, Albrecht Dürer. — Lntonin Dlrmnean, LIiMnne, et exseution stu Ollant DiL- gorisn. — Dr. M. Hohler, GottcS Wege. — Katcchetische und pädagogische Schritten. Theologisch-praktische Quartalschrift in Linz. 47. Jahrgang. I. Heft. Jnhalts-Verzcichniß: Die Aufgabe der Kirche inmitten der gegenwärtigen socialen Bewegung. Von k. Albert Maria Weiß 0. Dr. in Graz. — Ueber den Beruf zum geistlichen Stande. Von D. Ferdinand Witte ubrink 8. 4. in Blijenbcck (Holland). — Ueber Schulbibliotheken. Von Doin- capitular Johann Nößlcr in St. Pötten. — Chloroform und Morphium. (Aus Bayern.) — Geschichtliches zur Pcrchrung deS hl. Joseph. Von Dr. P. Macherl in Graz. — Die kirchliche Druckerlaubnis;. (I. Artikel.) Von?. Karl v. DilgSkron 6. 88. R., Geucral-Cousnltor in Rom. — Der Gesang bei der feierlichen Liturgie. (IV. Artikel.) Von Pfarrer Sauter, Präses des hohcnzollern'schcn BezirkS-Cäcilicn-Vcrcincs. — Bestimmungen des bayerischen Staates über kirchcnrcchtliche Gegenstände. Von Dr. Eduard Stiugl, Präses in Straubing. — MarianischcS Niederösterrcich. Von Pfarrer Joseph Maurer in Deutsch-Altenburg. — Merkwürdige Persönlichkeiten aus dem Priester- und Laicnstande. Von Joh. Langthaler, StiftL- hofmcistcr in St. Florian. — Pastoral-Fragen und -Fälle. — Literatur. — Neueste Bewilligungen oder Entscheidungen in Sachen der Ablässe. Von ?. Franz Bering er 8. st., Con- sultor in Rom. — Bericht über die Erfolge der kath. Missionen. Von Joh. G. Huber. — Kirchliche Zeitläufe oder Umschau von der Warte dcö Herrn. (5. Aug. bis 15. Nov.) Von D. Albert Maria Weiß 0. Dr. — Kurze Fragen und Mittheilungen. Verlag deS Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.