UI-. 15 12. April 1894. Charcot über die Wirksarirkeit des Glaubens in der praktischen Heilkunde?) Von Pros. Dr. Haas in Passau. Charcot hat zu keiner Zeit, wie es der Artikel in Nr. 51 der Beilage der Augsburger Postzeitung vorn 21. Dez. 1893 nahe legen könnte, die Suggestions- behandlnng überhaupt aufgegeben, sondern nur die hypnotische Suggestionsbchandlung. Er wie manche andere wendeten das suggestive Heilverfahren ohne Versetzung des Kranken in Hypnose an, um den unvermeidlichen schädlichen Wirkungen der letzteren zu entgehen. Wie wenig er von der Suggestion selbst zurücktrat, das zeigt eine nicht lange vor seinem Tode von ihm veröffentlichte Abhandlung über den „hellenden Glauben". Der Glaube gilt ihm als das ideale Mittel; denn er bewirkt oft dann noch Heilung, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Cbarcot hat sich deßhalb längere Zeit mit dem Mechanismus der Heilung durch den Glauben, wie er sich ausdrückt, beschäftigt. Die Wnnderheilungen (durch den Glauben) erklärt Charcot als einen natürlichen Vorgang. Zu einer Heilung durch ein Wunder sind zwei Faktoren nothwendig: eine specielle geistige Verfassung des Kranken, nämlich das Vertrauen, die Leichtgläubigkeit, die Suggestibitität, und eine bestimmte Krankheit, eine solche, deren Heilung lediglich der Intervention bedarf, welche der Geist auf den Körper ausübt. Am- putirte Extremitäten wachsen nicht nach. Am zahlreichsten sind vielmehr die Fälle von geheilten Lähmungen, besonders jener Classe von Paralysen, die Reynolds „äoperituvb ou iäou" genannt hat. Auch Geschwülste und Geschwüre werden geheilt, wenn sie nicht organischer Nalur sind. Eine Menge von Lähmungen sind hysterischer Natur: damit füllt bei ihrer plötzlichen Heilung das Ucbernatürliche des Wunders weg. Die Heilkraft des Glaubens knüpft sich an Wallfahrtsorte, an Wunderthüter, welche hl. Stätten gründen. Eigenthümlicher Weise haben manche von diesen an derselben Krankheit gelitten, die sie später heilten. Der Glaube an Heilung an einem Wunderorte ist nach Charcot nicht von Anfang an in seiner wirksamen Kraft vorhanden, sondern muß erst allmählich durch verschiedene Einflüsse seine richtige Stärke erlangen. Hieher gehören etwaige Schwierigkeiten der Reise an den betreffenden Ort, Berichte von großartigen Erfolgen u. s. w. Der Widerspruch des Arztes steigert den Glauben. So bildet sich allmählig die richtige Stimmung, welche den Eintritt der Heilkraft des Glaubens begünstigt. Erhöht wird diese Stimmung durch inbrünstiges Gebet. So ist der Körper vom geistigen Zustand schon stark beeinflußt; die Reise wird unternommen, der Kranke kommt körperlich übermüdet, geistig in hohem Grade suggestive! an dem Orte an (Barwell: „Wenn der Geist des Kranken durch die feste Ueberzeugung, er werde gesund werden, beherrscht wird, so wird er gesund"), nun eine Waschung an der hl. Quelle, ein nochmaliges inbrünstiges Beten, dazu die Wirkung der aus die Sinne berechneten Cultus- einrichtungen — die Heilkraft des Glaubens tritt ein, das Wunder geschieht. *) Vgl. Internationale klinische Rundschau 1893 Nr. 20 u. Gäa XXIX. S. 491-496. Auf Grund von Abbildungen aus früheren Jahrhunderten, welche Heilungen darstellen, läßt Charcot die Wunder anscheinend meist bei Krumpfen auftreten, deren hysterische Natur anzunehmen ist. Von Littrö nimmt er herüber, daß es sich bei den Wundern am Grabe des hl. Ludwig im 13. Jahrhundert in der Mehrzahl der Fälle um hysterische Coutrakturen gehandelt habe. Nach den nach der Natur gezeichneten Abbildungen von Wunderheilungcn in dem Buche von Mont- gerou (1739, 1745)*) werden Lähmungen und C o n- trakturen, Tumoren und NIzerationen durch das hl. Wasser, also durch ein Wunder, geheilt. Aus diesem Buche nimmt Charcot die ausführliche Erzählung der Heilung des Fräuleins Coirin, welches im Sept. 1716 in einem Alter von 31 Jahren zweimal kurz nacheinander vom Pferde fiel und sich beim zweiten Male die linke Seite verletzte. Es entstand eine Geschwulst an der linken Brust, die man für Krebs hielt. Eine vorgeschlagene Operation unterblieb auf Ablehnung der Mutter des Fräuleins. Seit 1718 war dasselbe linksseitig völlig gelähmt. 1731, nachdem 12 Jahre lang aus einem Loche in der Brust übelriechender Eiter geflossen, wurde durch Anlegung eines am Grabe des hl. (s l) Franz von Päris berührten Hemdes und durch Auflegen von Erde von diesem Grabe das Loch in der Brust trocken; es begann sich zu schließen und zu heilen. Die Lähmung hörte in der nächsten Nacht auf. Die völlige Vcrnnrbung der Brust erfolgte in 15 Tagen und nach weiteren 5 Tagen konnte das Fräulein wieder allein in den Wagen steigen. Die mit dem Leiden der Coirin verbundene augenscheinliche Atrophie war nach Cbarcot nicht organischer Natur. Es sind vielmehr jetzt mehr als 20 Fälle in der Literatur bekannt, daß hysterische Lähmungen und Coutrakturen von Mnskelatrophie begleitet sind. Auch der angenommene Krebs war nur eine hysterische Affektion. Zum Beweise lang andauernder Ülzcration bei der Hysterie wird aus den hl. Franz von Assisi und auf Luise Lateau verwiesen (!). Die Coirin hatte in der Brust ein hysterisches Oedem, eine Affektion, die zuerst Sydcuham beschrieben. Charcot selbst „blaues Oedem" genannt hat. Nach Pros. Ncnaut in Lyon kann dieses Oedem, zu größerer Entwicklung gelangt, Hautgangrän bewirken. Letzterer setzt Schorfe ab, nach deren Abstoßuug große Geschwürflächen zurückbleiben. Der amerikanische Nervenarzt Fowler schildert im Mcdical Nccord 1890 acht ähnliche Fälle, bei denen die Kranken, welche alle an .Hysterie litten, hühuercigroße Geschwüre hatten; psychische Behandlung führte zum Ziele. Also, so schließt Charcot, steht die Heilkraft des Glaubens unter natürlichen Gesetzen. Eine „plötzliche" Heilung im eigentlichen Sinne zeigt sich bei den angeblichen Wundern nicht; es bedarf, wie oben gezeigt, einer allmähligen Vorbereitung. Auch tritt die Heilung nicht sofort vollständig ein: in den nächsten Tagen findet man bei genauer Untersuchung immer noch Störungen der Sensibilität und Steigerung der Schnenrcflexe; dies hat Charcot auch bei an Gnadenortcu Geheilten gefunden. Cirkulationsstörungen können schnell eintreten und schnell wieder verschwinden. Insofern kann ein Oedem rasch vergehen, wie das der Coirin beim Anziehen des *) Es ist wohl »I-s, vsritö äss wiraelss« gemeint. 114 berührten Hemdes; aber die völlige Vernarbung braucht längere Zeit. Auch Lähmung kann Plötzlich auftreten und vergehen; z. B. beim Schrecken. Sind während der Lähmung die Muskel atrophirt, so gewinnt die betreffende Extremität ihre Kraft und ihren Umfang erst nach Regeneration der zu Grunde gegangenen Muskelfasern wieder (bei der Coirin nach 20 Tagen). Am 10. Juli 1730 wurde auch ein gewisser Sergent durch eine Novene am Grabe des hl. (?l) Paris von rechtsseitiger Contraktur mit Atrophie geheilt; aber Hand und Bein bekamen nur die Fleischfarbe sogleich wieder, nicht sofort Dicke und Stärke. Charcot vergißt nicht, besonders beizufügen, daß er bei den von ihm selbst nach Lourdes geschickten Kranken nach deren Heilung daselbst die sensiblen Störungen noch beobachtet hat. Heilbar durch den Glauben (Suggestion) sind also nach Charcot in Folge des besonders günstigen Suggestionszustandes der Kranken Muskelatrophie, Oedeme, Tumoren mit Ulzerationen hysterischer Natur. Soweit die Darlegungen Charcots, die durch ihr wissenschaftliches Beiwerk und durch ihre anscheinende Objectivität und Ruhe eines gewissen Eindruckes nicht ermangeln. Sie werden daher bet allen Bckämpfern des Wunders sicherlich mehr Beachtung und Verwerthung finden, als sie in Wirklichkeit verdienen. Freilich muß man den Charcot'schen Darlegungen gegenüber ohne- weiters zu geben, daß vielfach bei der Beurtheilung und Annahme des Wundercharakters von Heilungen ganz kritiklos und oberflächlich nach subjectiven Neigungen verfahren wird. So habe ich z. B. den Bericht über eine Heilung in Lourdes vom 1. Sept. 1893 vor mir, auf den Charcot's Bemerkungen ganz genau zutreffen. Ich mache aber hier sogleich darauf aufmerksam, daß diese Kritiklosigkeit auch bei mancherlei anderen Heilungen sich findet, so daß man vielfach nicht weiß, ob überhaupt eine wirkliche Krankheit, noch viel weniger, ob wirklich die angenommene geheilt wurde. Es behauptet sicher niemand, daß alle angeblichen „Wunder- heilungen" wirklich solche sind. Private Anschauungen reichen zur Herstellung dieses Charakters nicht aus, selbst wenn sie von Aerzten ausgehen. Das Urtheil letzterer geht in diesem Betreffe über eine negative Bedeutung nicht hinaus, d. h. sie können nur sagen, daß sich die betreffende Heilung nach dem heutigen Stande der medizinischen Wissenschaft auf natürliche Weise nicht erklären lasse. Ein hinrei chender Grund zur Annahme eines Wunders liegt nur dann vor, wenn die competente kirchliche Autorität auf Grund eingehender Untersuchung und Prüfung in diesem Sinne entschieden hat. Insofern haftet den Darlegungen Charcot's schon der Mangel an, daß sie zu allgemein gehalten sind. (Schluß folgt.) Werth und Bedeutung des Studiums der Kirchengeschichte. Rede beim Antritte des Nectorats der L.-M.-Universität geholten am 25. Nov. 1893 von Dr. Alois Knöpfler. Die herrlichen Worte, welche Pros. Dr. Knöpfler beim Antritte des Nectorats der Münchner Universität gesprochen, haben auch in der Beilage der Augsburger Postzeitung Aufnahme gefunden. Nun liegt auch schon eine ausführliche Besprechung vor, welche Pros. Or. Schrörs in Bonn im historischen Jahrbuch der Görres- gesellschaft, XV. Bd>, 1. H., S. 133—45 veröffentlicht. Dieselbe verhält sich im Ganzen ablehnend, ohne daß jedoch ihre Aufstellungen, wie uns bedünken will, durchaus stichhaltig zu nennen wären. Zur Begründung dieser unserer Auffassung möge Folgendes dienen. Schrörs glaubt, Knöpflers Besorgnis), die Kirchengeschichte „solle sich in den Dienst dieser oder jener Richtung stellen, für irgend eine Lieblingsmeinung ein möglichst antikes Gewand ausfindig machen, ein zuvor ausgeklügeltes Nech- nungsresultat hintennach, so gut oder so schlecht es geht, durch historische Zeugnisse approbiren", brauche uns nicht zu quälen. Dem gegenüber sei unter vielen nur ein Beispiel angeführt, daß nämlich Funk, als er auf Grund sorgfältiger historischer Untersuchung zum Ergebniß kam, die ersten acht allgemeinen Concilien seien nicht von den Päpsten, sondern vom Kaiser berufen und bestätigt worden, das Verdick erfuhr, diese Ansicht sei theologisch und kanonistisch undenkbar (s. Funk, Lehrb. der Kirchengeschichte, 1. Aufl. 1866, Vorw. S. VI; hist. Jahrb. d. Görresges. 1893 S. 485 ff.); es scheint also die von Knöpfler geäußerte Besorguiß doch nicht ganz unberechtigt zu sein. Ferner bemerkt Schrörs: „Wenn jedoch der Kirchen- historiker noch einen Schritt weiter geht und für unsere Zeit weise Belehrung ertheilt durch offene Darlegung von Ursachen und Folgen verkehrter Anschauungen und verkehrten Handelns, so hat er damit schon halb ein Gebiet betreten, das außerhalb seiner wissenschaftlichen Zuständigkeit liegt. In diesen Angelegenheiten, die zu beurtheilen zunächst den amtlichen Auktoritäten zukommt, wird er nur mit behutsamer Zurückhaltung sich äußern dürfen . . . Denn die Kirche läßt in ihrer Verfassung weder Raum für die Einwirkung einer öffentlichen Meinung im gewöhnlichen Sinne des Wortes, noch für eine Directive durch die Vertreter der Wissenschaft." Darauf wäre zu entgegnen, daß Knöpfler an der von Schrörs bezeichneten Stelle nicht dem einzelnen Kirchen- historiker die Rolle der „weisen Belehrung" zuweist, sondern der Kirchengeschichte; daß aber die Vergangenheit die Lchrmeisterin der Gegenwart ist und daß es gewiß nur zum Segen der Kirche gereichen kann, wenn die berufenen Auktoritäten zwar nicht von den Vertretern der Kirchengeschichte, wohl aber von den Lehren dieser letzteren selbst sich leiten lassen, dürfte doch wohl nicht zu bezweifeln sein; daß dem Historiker die Rolle des Politikers oder des Mentors der amtlichen Organe zufalle, daß „vor der urtheillosen akademischen Jugend" dergleichen Fragen an der Hand der bloßen Geschichte beleuchtet werden sollen, sagt Knöpfler nicht. Wenn Knöpfler glaubt, die Trennung, welche im 11. Jahrhundert Orient und Occident und wieder im 16. Jahrhundert letzteren in verschiedene feindliche Re- ligionsgenosseuschaften auseinandergerissen hat, könne nicht durch einseitige spekulative Erörterung gehoben werden, ein gut Theil der Arbeit werde der geschichtlichen Forschung zufallen müssen, die Zeit aber, wo nach der Ansicht und Sehnsucht vieler die petrinische und paulinische Kirche sich zur johanneischen vereinigen, oder wo auf die Periode des Vaters und des Sohnes das Zeitalter des hl. Geistes folgen solle, vermöge kein Geschichtskundiger zu bestimmen, so findet Schrörs diesen Gedanken „unklar" und „nichts weniger als historischer Erkenntniß entsprungen". Uns ist nur das unklar, wie Schrörs aus Knöpflers Worten etwas anderes herauslesen konnte, als was dieser wirklich sagte: daß es sehr zu wünschen wäre, wenn die Spaltung beseitigt würde, daß dazu auch das Studium der Kirchen- 115 Geschichte beitragen könne, sofern es zeigt, es sei hüben und drüben gefehlt worden, und daß die Wiedervereinigung erleichtert werden könnte durch Beherzigung der wichtigen Wahrheit, daß Einheit nicht Einerleiheit bedeutet; was Schrörs sonst noch alles perorirt, insbesondere daß nicht die systematische, sondern die historische Theologie zu bestimmen habe, wo die Grenze zwischen Einheit und Einerleiheit liegt, sagt Knöpfler nicht. Der Spruch: «In Q 6068 gariis unitas" rc. können wir und andere Leute nicht mit Schrörs „inhaltsleer" finden, auch vindicirt Knöpfler nicht dem Historiker die Entscheidung, was nothwendig und was zweifelhaft sei. Besonders mißfallen Schrörs Knöpfler's Ausführungen über die geschichtliche Entwicklung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche. Schrörs meint, man müßte eine förmliche Abhandlung schreiben, um Knöpflers Con- structionen allseitig zu prüfen, und schreibt: „Kein Gesetz Constantins ist mit Sicherheit nachzuweisen, das den Bestand des Heidenthums irgendwie bedroht hätte; keine Verwaltnngsmaßregel allgemeiner Art, die gegen die Verehrer der alten Götter gerichtet gewesen wäre; kein Zwang, auch kein moralischer Zwang ist unseres Wissens vom Kaiser oder seinen Beamten zum Eintritt in die Kirche geübt worden. Der Arianismus hatte seinen einzigen Grund in den dogmatischen Kämpfen des 3. Jahrhunderts. ... Die Ansicht Hefele's von seinem ursächlichen Zusammenhang mit den noch halbheidnischen Anschauungen der zum Christenthum bekehrten Gebildeten darf als überwunden gelten. Bischöfe und Theologen waren die Kämpfer im gewaltigen Streite, die Laien haben darin nie eine bedeutende Rolle gespielt." Daß aber Knöpfler mit seiner von Schrörs gerügten Darstellung nicht isolirt steht, beweist uns Karl Müller, der in seiner 1892 erschienenen, von Harnack als das beste aller bisherigen kurzgefaßten (protestantischen) Lehrbücher bezeichneten (Theol. Literaturzeitung 1892 Nr. 26) Kirchengeschichte S. 174 sagt: „Mit dem Siege über Licin 324 wird er (Constantin) freier und rücksichtsloser. ... Die Annahme des Christenthums wird dem Osten öffentlich empfohlen, das Heidenthum als Welt des Irrthums gebrandmarkt. Dann werden auch seine religiösen Institutionen mehr und mehr beschränkt und verboten (Verbot aller Opfer und aller Mantik; etwa 828—30 Zerstörung einzelner Tempel, nicht ausschließlich solcher mit unsittlichen Culten, und Säkularisation des betreffenden Tempelgutes). Die gesetzlichen Verbote bedeuten freilich an sich noch lange nicht ihre Durchführung, aber sie ermöglichen sie, zumal das Beamten- thum sich immer mehr mit christlichen Elenrenten füllt" u. f. w. Daß die Laien im Arianismus nie eine bedeutende Rolle gespielt haben, ist jedenfalls eine kühne Behauptung Schrörs', der gegenüber nur an das Treiben der Schwester Constantins, Constantia, sowie der Kaiser Constantins und Valens erinnert werden möge; auch ist es sehr natürlich, daß in Folge des Beispieles und Druckes von oben sehr Viele ohne innere Ueberzeugung die Taufe annahmen, die dann beim Ausbrnche des Streites den laxeren Ariarrern zufielen. Auch was Schrörs an Knöpfler's Darstellung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche zur Zeit Gregors VII. auszusetzen hat, ist nicht ganz zutreffend. Daß nach der Anschauung des letzteren von einer wahren Coordinatton zwischen Kirche und Staat gar keine Rede sein kann, ist für jeden unzweifelhaft, der sich mit Gregors Gedqnkensphäre eingehender vertraut gemacht hat. Das erhellt schon aus dem Vergleiche von Sonne und Mond, der im Schreiben an Wilhelm den Eroberer ganz allgemein, nicht bloß, wie Schrörs will, mit Bezug auf diesen Fürsten gebraucht wird; ferner zieht Gregor VII. auch das Verhältniß von Gold und Blei heran (L^. VIII. 21, vk. o. 10 O. 96; v. Scherer, Handb. d. Kirchen- rechts, S. 36—40 Anm. 37; Maassen, neun Kapitel über freie Kirche und Gewissensfreiheit, S. 176 ff.). Schrörs bemängelt den Ausdruck „hyperdevot", den Knöpfler von Augustinus Triumphus und Torquemada gebraucht, und meint, die ausschweifenden Behauptungen der letzteren würden von niemand mehr vertreten. Allein in seinem Buche „I^a. olliosa, s 1o stato" beschränkt Matth. Li- beratore 8. 1. die Schlüsselgewalt des Papstes entfernt nicht auf das kirchliche Gebiet, sondern erklärt ihr die politische Autorität durchaus unterworfen, und ähnlich sprach sich Graf Du Maistre aus (s. Scherer, 1. o. p. 53 Anm. 12). Auch in seiner Polemik bezüglich der Stellung, die nach Knöpfler die Kirchengeschichte im Bereich der theol. Disciplinen einnehmen soll, scheint uns Schrörs nicht glücklich zu sein; nicht eine Ueberordnung, wohl aber eine Gleichstellung der Kirchengeschichte mit den übrigen theologischen Wissenschaften vertheidigt Knöpfler, und das angesichts der etwas stiefmütterlichen Behandlung, deren sie sich in den romanischen Landern unleugbar zu beklagen hat, unseres ErachtenS mit vollstem Rechte. Wenn dann Schrörs den von Knöpfler an der heutigen theol. Wissenschaft gerügten Mangel an selbständigem Forschen, ferner das Anlehnen an die „starre Schultradition" und den „normgebenden Autor" mit dem Hinweis auf die Zeiten des Jofephinismus entschuldigt, wenn er glaubt, Knöpfler sehe zu schwarz und man müsse bei Beurtheilung der theologischen Leistungen nicht die große Masse der erscheinenden Werke, sondern nur die hervorragendsten Leistungen ins Auge fassen, so könnte man einwenden, daß man für die theologischen Leistungen heute, nach beinahe 100 Jahren, den Jofephinismus doch nicht mehr gut verantwortlich machen darf, baß da, wo der Redner zu schwarz, sein Kritiker vielleicht zu kurz sehe, und daß man allgemein die Dinge nach dem Durchschnitt, nicht nach vereinzelten Erscheinungen zu messen Pflegt. Unrichtig ist es, daß Knöpfler den Vorzug wissenschaftlicher Produktivität ausschließlich den Universitäten zuerkenne, wie Schrörs ihm vorwirft. Daß zu gelehrtcm Zusammenarbeiten zwischen Lehrern und Schülern, zu wissenschaftlicher Produktivität die Hochschulen in erstw und hervorragender Weise berufen sind, wird auch Schrörs nicht bestreiten; daß alle Nichtuniversitätsprofessoren auf literarischem Gebiete unthätig oder erfolglos seien, behauptet Knöpfler so wenig, wie das Gegentheil von allen Univerfltätsprofefforen. Kurz, das Urtheil, das sich Schrörs über Knöpfler's Rede gebildet hat, würde wohl ein ganz anderes geworden sein, wenn er sich mit dem begnügt hätte, was Knöpfler wirklich gesagt hat, und nicht alles Mögliche sonst noch darin hätte finden wollen; die Kritik Schrörs' thut dar, wie sehr Knöpfler Recht hatte, wenn er in seiner Rede sagte: „Sobald ein neuer oder selbstständigcr Gedanke sich zeigt, fühlen wir ein nervöses, fieberhaftes Zittern durch die theologische Welt gehen." Dr. - q- Daß allerdings in der an sich ausgezeichneten Rede des Herrn Nector Magnificus Dr. Knöpfler einzelne Stellen 116 sich finden, welche leicht zu Mißverständnissen Anlaß geben, ist nicht zu leugnen und ist auch von anderen Gelehrten anerkannt worden, die im Allgemeinen durchaus mit den Anschauungen des Hru. Or. Knöpfler harmoniren. D. Red. Die neueste Predigtliteratur. Wenn Predigtmanuskripte auf das Drängen von buchhandlerischen Interessenten oder auf Zureden von — selbst zahlreichen — Zuhörern und Freunden im Druck veröffentlicht werden, so ist das für den Kundigen noch nicht immer auch ein sicherer Beweis für deren brauchbaren Werth und Gediegenheit. Nebst der mehr oder weniger bewußten Eitelkeit des jeweiligen Verfassers hat gerade dieses — wohl gut gemeinte, aber der Mitverantwortung nicht immer bewußte — „geschäftliche und freundschaftliche Drängen" die unfruchtbare Hypertrophie der homiletischen Literatur der Gegenwart verschuldet, das Lescpublikum vielfach mißtrauisch gemacht und die Verleger mit weiteren „Ladenhütern" bereichert. Zum Nutzen und Frommen der guten Sache dürften selbst die wenigen Predigtrecensenten, die eine scharfe Feder zu führen und vorn Blaustift eifrigsten Gebrauch zu machen pflegen, die Notenskala immer noch um etliche Grade reduciern. Wenn aber nicht kaufmännische Specnlanten, wenn nicht bloß wohlmeinende Zuhörer, sondern sogar ein allgemein anerkannter, kundiger Fachmann, ein hochangesehener Referent für Homiletik') seinen bestimmenden und ausschlaggebenden Einfluß für die Drucklegung von Predigten geltend macht, dann hat man gewiß nicht Alltägliches zu befürchten, sondern Außerordentliches zu erwarten. Diese Voraussetzung trifft zu und die damit gegebene Erwartung wird glänzend gerechtfertigt durch die neueste homiletische Publication, durch die „Predigten und Ansprachen" des berühmten Gelehrten und Kanzelredners von St. Bonifaz in München, des Paters Odilo Nottmariner 2 ). Das ist auf dem Gebiete der Homiletik auch einmal wieder eine Erscheinung, die volle Beachtung und warme Aufnahme verdient. Es sind Predigten, die man auch bis zum Ende, ja wiederholt lesen kann, lesen wird. Was die von dem warmen Hauch des eifrigen Seelenhirten durchdrungenen Predigten auszeichnet, ist die theologische und sprachliche Bildung des Verfassers. Nottmanner ist nach Inhalt und Form seiner Predigtweise „eigener Art", ja originell, er bietet nach beiden Seiten hin Neues, aber er wahrt den alten und altbewährten Satz: novo, non nova. Der Verfasser verkündigt keine neue Lehre, aber seine Lehrverkündigung bewegt sich nicht in den alltäglichen Bahnen gewöhnlicher Kanzelreden, sondern schöpft selbstständig aus dem tiefen Schacht und dem unermeßlichen Born der geoffenbarten Wahrheit und bringt mit Vorliebe die Schönheit und Macht des christlichen Glaubens- und Gnadenlebens zur Kenntniß der Zuhörer (Leser). In all den als Auswahl gebotenen „Predigten und Vortrügen" überrascht ') Universitätsprofessor Dr. P. Keppler, vgl. Literarische Rundschau. 2 ) Predigten und Ansprachen, von k. Odilo Rott- manner, O. 8. L., Dr. tbeol. 349 S. 8°. München» Lenin er 1893. Preis M. 4,SO. 2) Es sind 6 Fasteupredigten ü)er das Vater Unser, 11 geradezu die Fülle und Kraft der Gedanken, welche zugleich — mit feinstem psychologischem Takt und Zartsinn — alle Saiten des menschlichen Herzens anschlagen. Der kernige Inhalt ist überdies festgegründet auf dem ächten und sicheren Boden der kirchlichen Dogmatik und christlichen Moral. Vor allem ist es die hl. Schrift, welcher Nottmanner seine erhabenen Ideen und tiefen Gedanken entlehnt. Seine Predigten und Ansprachen liefern den thatsächlichen Beweis für die Wahrheit des alten homiletischen Hauptsatzes, daß die hl. Schrift für den Prediger die erste und unversiegbare Quelle sowie das unübertreffliche Muster der Popularität ist und bleibt. Was Nottmanners Lieblingsschriftsteller, der hl. Augustin, ausgesprochen hat: „Um so beredter wirst du sein, je mehr du geschöpft hast aus der hl. Schrift; bist du klein an Beredsamkeit und arm, durch sie wirst du groß und reich"), das hat der Kanzelredner von St. Bonifaz an sich erfahren. Nirgends die Formen und Formeln der abstrakten Schultheologie, sondern überall die frische, klare und verständliche Sprache des concreten Lebens, nirgends hohle Phrasen, sondern überall edle, inhaltsreiche Form, Anschaulichkeit und Lebendigkeit der Rede, bildliche Darstellung und malerische Schilderung, oratorischer Schwung und dichterischer Reiz: all diese Bedingungen ächter, populärer Predigtweise verdankt Nottmanner seiner gründlichen Kenntniß der hl. Schrift. Von ihr stammt Inhalt und Form seiner Predigten: ein unverkennbarer Vorzug und unnennbarer Werth derselben. Die „eigenste Art" der Predigtweise Nottmanners zeigt sich aber in der Anlage und Anordnung, der äußeren und inneren Disposition. Bekanntlich haben sich im Lauf der Jahrhunderte zwei Arten von Predigtanlagen ausgebildet, die Homilie und die thematische Predigt. Jene, die sich in der Stoffwahl, in der Auswahl und Ordnung der Gedanken ganz an die Schrift- perikope bindet, war bis in das 12. Jahrhundert hinein die reguläre Predigtform. Diese, welche ein klar formu- lirtes Thema zwar auch mit Zugrundelegung des Schriftwortes, aber nach einem frei bestimmten Plan zum Vor- trag bringt, findet sich in kleinen Ansätzen schon bei Augustin und Chryfostomus, ist aber erst durch die Scholastik kunstgerecht ausgebildet worden?) Indem bald die eine, bald die andere die Herrschaft führte, ist bis in die neuere Zeit herein von der Homiletik die thematische Predigt als allein berechtigt behandelt worden, „die Homilie mehr nur als Stiefkind"?) Erst in neuester Zeit ist die Wiederbelebung und Ausbildung der letzteren — als thematischer Homilie — warm empfohlen worden 7), „in der festen Ueberzeugung, daß von der Pflege der Homilie abhängt der Fortschritt, die Erfrischung und Erneuerung unseres ganzen Predigtwescns, das Wiederaufblühen des biblischen Studiums, welches die Hochschule der Predigt ist und bleibt" b). Nottmanners „Predigten und Ansprachen" liefern nun den thatsächlichen Beweis für diese Theorie. Sie Festtags-, 15 Sonntags-, 12 Gelegenheitspredigten und Ansprachen. LuZnstin. äs äoetr. «brist. IV, 3. Vgl. Keppler, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Prcdiqtanlage in der Tübinger Theol. Quartalschrift 1692, S. 53-120 u. S. 179—212. «) Ebendas. S. 206. Keppler, Lehre von der Homilie im „Kathol. Seelsorger" 1892 (IV. Bd.) u. „Kirchenlexckon" 2. Aufl. VI, 217 f. b) Keppler, Tübing. Quartalschr. 1892, S. 212. 117 weichen ab von der gewöhnlich üblichen Methode der Predigt und der Homilie, indem sie die Grundform und Grundbedingung beider verbinden. Das Thema ist nicht streng formulirt und nicht ausdrücklich angekündigt, die Gliederung nicht scharf ausgeprägt, das Ganze aber sachlich und logisch wohl disponirt. Diese Predigtanlage hat sicher neben der rein „thematischen Predigt" ihre volle Berechtigung und als „thematische Homilie" neben der „exegetischen" eine mehr als tausendjährige Bewährung. Noch im 16. Jahrhundert schrieb der berühmte Erfurter Domprediger Konrad Kling (Franziskaner): „Die alten Väter liebten es, einfache Homilien zu halten; diese Methode ist auch heute noch die geeignetste zur Befestigung des Glaubens und zur Kräftigung des Tugendlebens." o) Ein Versuch, die regelmäßige Gliederung und Einheit der Predigt und der allseitigen Erklärung der eigentlichen Homilie in wenigstens soweit zu verbinden, daß keine dunkle Stelle der evangelischen Perikope unberührt bleibt, ist auch neuestens von A. Perger gemacht worden"). — „So oft einer spricht, sagt Cicero, so oft wird auch über ihn geurtheilt" "). Darum sei auch uns eine — durchaus wohlwollende — Kritik gestattet. Rottmanncr zieht aus den Prämissen seines Vortrags selten oder nie eine direkte Nutzanwendung für seine Zuhörer. Nicht als ob er nicht auch aus einen bestimmten Zweck seiner Predigt hinarbeitete, aber er vermeidet die unmittelbare Appellation an den Willen der Zuhörer. Wir halten eine specielle Nutzanwendung für einen Kernpunkt der geistlichen Beredsamkeit, ja für die nächste Frucht der homiletischen Thätigkeit. „Die Predigt, so pflegte unser Professor der Pasioraltheologie zu sagen, sei nicht wie ein chinesischer Feuerkracher, der nur losgelassen wird, um Lärm zu machen, sondern wie die Büchse 'eines Jägers, bei der man nach jedem Schuß sieht, wie daS Wild fällt." Es ist bekanntlich ein Zug des menschlichen Herzens, die Nutzanwendung nicht selbst und besonders nicht auf sich selbst zu machen. Nottmanner verzichtet fast ganz aus das rhetorische Mittel des Pathos, das Zraucla äioenäi Atzung der Alten. Gewiß gibt es bezüglich der Gemüthsbewegungen ein — vielfach nicht beachtetes — Gesetz der Selbstbeherrschung, ills seit rsots ckiaere, gnr st oräinawo novit taasra (Gregor der Große); gewiß sind eine besonders außerordentliche Sprache und Darstellung, wie solche „die Predigten und Ansprachen" zieren, (neben den bekannten Mitteln des Vortrags) Merkmale des Erhabenen, Feierlichen und Pathetischen, gewiß wird durch affektirtes und übertriebenes Pathos gewöhnlich mehr gefehlt, als durch Mangel der Affekte, gewiß kann und darf das Pathos die anderen Mittel der Ucberredung und Ueberzeugung nicht ersetzen: aber das ächte Pathos hat in der Predigt eine vollberechtigte Stelle. Gerade in der Beseelung durch den Affekt liegt eine besondere Kraft der Beweggründe. Der Weg von dem Verstände zu dem Willen geht durch das Gefühl. In einem Moment der Freude oder der Furcht sind wir leichter zu einem guten Werke zu bewegen, als bei ganz ruhigem °) Lumina, cloetr. ollrist. 1562 x. 236. Vgl. „Katholik" 1894. S. 158. ") Homiletische Predigten über die sonn- und festtäglichen Evangelien v. A. Perger, Pr. der Gesellschaft Jesu. Paderborn, Bonifazins-Druckerei, 2 Bd. 1894. Vergl, auch „Katholische Homilien" von Königödorfer - Eberhart, Brixen 1894. ") vs orat. l, 27. Blute. „Wer auf dem Gebiete des Affektes herrscht, herrscht auf dem der Geister." Abgesehen von diesen beiden Ausstellungen dürfen wir Nottmanners Predigtweise als vollkommen muster- giltig bezeichnen. Möge der geschätzte Verfasser uns bald mit einem zweiten und dritten Bündchen beschenken! Stuttgart. vr. A. Koch. Studien und Mittheilungen aus dem Benedictiner- und dem Ctstercienser-Orden mit besonderer Berücksichtigung der Ordensgeschichte und Statistik. Redacteur: k. Maurus Kinter 0. 8. 0., Stiftsarchivar zu Naigern. Im Selbstverlag des Benedictiner- und Cistercienser- Ordcns. Abonnement: jährlich 7 Mk. Wenn nach dem Urtheil eines unsrer deutschen Kirchenhistoriker die intellektuelle und moralische Beschaffenheit der Klöster in jeder Periode der Kirchen- geschichte einen sicheren Schluß gestattet auf die Geistesund Herzensbildung der Weltpriester und des Volkes, dann hat eine Zeitschrift, welche sich das Studium der Ordensgeschichte zur Hauptaufgabe stellt, von vornherein eine über die Mauern der Klöster hinausgehende Bedeutung. Ein gemeinsames wissenschaftliches Organ der Benedictiner darf um so mehr auf Beachtung in weiteren Kreisen rechnen, als ja gerade dieser Orden einer ziemlich allgemeinen Hochachtung sich erfreut. Ein solches Organ sind die „Studien und Mittheilungen aus dem Benedictiner- und dem Cistercicnser- Orden", welche mit dem in nächster Zeit erscheinenden ersten Heft pro 1894 in das 15. Jahr ihres Bestandes eintreten; sie wurden im Jahre 1880 anläßlich des 1400jährigen Jubiläums der Geburt des heiligen Benedictus gegründet und stehen seit dieser Zeit unter der Redaction des Stiftsarchivars und Bibliothekars 8. Maurus Kinter 0. 8. 8. in Naigern bei Brünn in Mähren. Jedes Heft dieser Quartalschrift zerfällt in drei Theile; die erste Abtheilung bringt „Studien" von Mitgliedern der beiden Orden oder von anderen Schriftstellern, sofern sie sich auf Ordensgeschichte beziehen; die zweite Abtheilung „Mittheilungen" enthält Sammlung von Quellenmaterial (Urkunden und Negestcn), Ordensstatistik, Nekrologe und Nachrichten der mannigfachsten Art aus den einzelnen Ordenshäusern; die dritte Abtheilung „Literatur" bietet entweder in referireuder Weise oder in summarischen Angaben eine Uebersicht über die gesammte schriftstellerische Thätigkeit der Ordensmitglieder sowie über sonstige, das Ordenswesen irgendwie berührende literarische Erscheinungen. Wir gestatten uns, über die bis jetzt vorliegenden 14 Jahrgänge eine kurze Ueberschau zu halten, und glauben durch unsre Aufstellungen und Ausstellungen unser Interesse an der Sache am besten zu bekunden. Fachmänner von wissenschaftlichem Ernst, tiefer Gründlichkeit und wohlthuender Objectivitüt, wie Germain Morin, Ursmar Berliöre, Snitbert Bänmer, Gabriel Meier, Odilo Ningholz, Pins Schmieder, Uito Kornmüller, Otto Grillnberger u. a., haben einzelne Jahrgänge der „Studien" durch ihre kirchengeschichtlichen und liturgischen Aufsätze zu schützenswerthen Fundorten gediegener, wissenschaftlicher Resultate gemacht; die „Mittheilungen" brachten gar manche bedeutsame Notizen, so 118 -x. über Mabillons Korrespondenz mit Cardinal Leander Colloredo, über die Bemühungen des Melker Benedictiners Placidus Amon (1' 16. Januar 1759) um dentsche Sprache und Literatur, über den Verfasser des bekannten „Oomstab Spiritus!" u. s. w. Auch die Recensionen erhoben sich nicht selten in erfreulicher Weise über den von den Gelehrten unsrer Tage schon so oft beklagten Mangel an Kritik*); jeder Kenner der Verhältnisse wird die einschlägigen Arbeiten des Tübinger Repetenten Merkle, des Benedictiners Or. Vichodil, des Cisterciensers k. Kurz u. a. mit großer Befriedigung aufnehmen. Je geeigneter die genannten Vorzüge sind, den „Studien" Freunde zu erhalten und zu erwerben, desto mehr drängt es uns, die verehrliche Redaction zu ersuchen, die größte Strenge zu beobachten gegenüber solchen Leistungen, die nicht über jeden Vorwurf der Einseitigkeit oder Oberflächlichkeit erhaben sind. In formaler Hinsicht scheint für die Zukunft eine noch größere Scheu vor Druckfehlern den Correcwrcn empfohlen werden zu müssen. Eine weitere und letzte Klage richtet sich gegen die in jedem Jahrgang enthaltenen „Personalveründcrnngcn im Benedictiner-und Cistercienscr- orden; trotz der Richtigkeit und Gewissenhaftigkeit vieler Einsendungen geht es fast nirgends ohne falsche Namen und Daten oder ohne Verwechslungen ab. Die „Studien", welche wir hicmit allen Theologen und Historikern aufs wärmste empfehlen, sind gegründet worden, „um ein äußeres Band größerer Einheit zu gewinnen";^) wichtiger noch als diese äußere Einheit ist die Einheit aller Mitarbeiter der „Studien" in der Liebe zur Wahrheit. Wenn die wissenschaftlich thätigen Mitglieder der beiden großen Ordeussamilien in allen Dingen einzig und allein die volle ganze Wahrheit suchen, dann ist ein unzerreißbares Band um sie geschlungen; dann ist, unbeschadet der im Wesen der Benedictinerregel wurzelnden Selbst- ständigkeit eines jeden einzelnen Hauses, eine geistige Centralisation zu Stande gekommen, auf Grund deren ein nachhaltiger Aufschwung des altehrwürdigen Ordens zu erhoffen ist. Mögen die „Studien" im Verein mit der bereits zu so erfreulicher Blüthe gelangten Lsvus Lsusciiotius der Abtei MaredsonS in Belgien und der Oorvusiäs Rsviocv der Benediktiner von Downside in England jederzeit der die Wissenschaft pflegenden Mitwelt den Nachweis liefern können, daß auch die Mönche des 19. Jahrhunderts eifrig mitwirken an jeder edlen Geistesarbeit, und daß auch die heutigen Benediktiner, gerade so wie einst ihre großen Ahnen in der Kongregation von St.-Maur, sich die Pflege einer gründlichen, in Schrift und Väterlehre wohlbegründeten und deßhalb im besten Sinne des Wortes kirchlichen Theologie angelegen sein lassen. Winke für Palästmapilger. Von vr. Sepp. (Schluß.) Die Wächter des heiligen Grabes haben das hohe Verdienst, nach dem Falle des lateinischen Königreichs Jerusalem die wichtigsten Sanktuarien für das ') Vgl. die Bemerkungen von Pros. vr. Krieg in Nr. 12 des Jahrganges 1893 der „Literarischen Rundschau für das kath. Deutschland". -) Vgl. KirHenlexikori II. Aufl. II. Bd. S. 351. christliche Abendland gerettet zu haben. Das Land lag wie eine tsrra inso^nita vor ihnen, aber ihre gelehrte Bildung erreichte nicht den Höhegrad, wie jene der Kapläne, welche einen Raimund von Toulouse und Gottfried von Bouillon begleiteten; wir meinen Raimund von Agiles und Fulcher von Chartres (der zum Gefolge Herzog Roberts von der Normandie zählte), endlich später den Albert von Aachen. Die Kreuzritter zogen die directe Nömerstraße von Raum (Ramle) nach Castell Emmaus und so vor Jerusalem. Schon Franz von Assisi landete 1219 mit zwölf seiner Brüder an der Küste des gelobten Landes, und noch in seinem letzten Lebensjahre, 1226, entstand nach vorläufiger Ansiedlung in Jean d'Acre das erste Hospiz in Jerusalem. Hier waren sie nun auf Entdeckung angewiesen, und der erste folgenreiche kühne Griff war die Bestimmung der Via. äolorosa. von der einstigen Tempclkaserne Antonia her, statt von» Prätorinm des Pilatus in der Herodesburg auf Sion, welche Philo von Alexandria ausdrücklich als den Wohnsitz und das Nichthaus der römischen Landpfleger bestimmt, wie auch Josephus Flavius die besten Anhaltspunkte gibt. Die Kreuzfahrer haben noch den Stationsweg von dem Platze aus verfolgt, wo nun die protestantische Jakobskirche steht; unwillkürlich wurden jetzt die Gürtelbrüdcr die einzigen Führer für fromme Pilger, deren viele sich etwas darauf zugute thaten, ja die genauen Maße der Leidensgasse mit in die Heimath Zu bringen. So entstanden die Grabkapcllen und Kreuzwege zu Görlitz, Nürnberg n. s. w. Emmerich von Görlitz, später Bürgermeister, pilgert 1465 zur Abbüßung eines Vergehens zum erstenmal zum hl. Grab und bringt Zeichnungen davon mit, um daheim ein Nachbild herzustellen, denn er war so reich, daß Luther ihn den Görlitzer König nennt. 1476 machte er seine zweite Reise nach Jerusalem im Gefolge von Herzog Albrecht dem Beherzten, um die genauen Maße zum Bau zu nehmen. Dießmal begleitete ihn Agnes Fingerlin, eine Tuchmacherswittwe, in der Mönchskutte verkappt. Bei der Ausführung des Planes vor dem Nikolaithor nahm man auf andere Gebäude Rücksicht, welche die Situation der Leidcnsstätte, wie in Jerusalem, näher darstellten. Eine Anhöhe gilt für den Oelberg, die Lunitz für den Bach Cedron, die Hauptkirche St. Peter und Paul für Pilatns' Nichthaus, von da sind 647 Schritte bis zur Thüre dcs hl. Grabes (Von 14 Stationen ist keine Rede! Die drei Fälle unter'm Kreuz sind zur Andacht erfunden.) Die Minoriten waren eS nun auch, welche, wo immer ein namhaftes Gotteshaus bestand, sofort eine Legende ansiedelten. Im Thals von Ain Karlm, das, eine Meile vor den Thoren Jerusalems, von den Weingärten den Namen führt, trägt die Kirche den Titel Johannes Baptistas, Patrons der Zoll anniter — also mußte der Täufer hier geboren sein, Maria ihre Vase Elisabeth da besucht haben, und was sonst zur Erbauung all der xsisFrini in Israel beiträgt. Die Wiege des Vorläufers Christi ist linkerhand vor dem Seitenaltare sogar zur letzten Ueberzeugung in Stein gehauen. Erst in jüngster Zeit haben die vom katholischen Bayern aus besser unterrichteten Patres in der Priesterstadt Hebron eine Niederlassung begründet, und folgerichtig wird auch die Legende von ZachariaS dahin wandern. Einen nicht minderen Fehlgriff machten dieselben Minoyiten später mit der einstigen Kirche der Hospitaliter tn Kubeibe, wo eine Marquise Nicolay erst in unsern Tagen einen neuen Aufbau vornahm, um sich ihr Grabmal an einer berühmten Stätte zu errichten. Diese Kuppel über einem mäßigen ortuo liegt vier Stunden von der Davidsstadt ab — eine starke Zu- muthung für die Jünger von Emmaus, denn hier sollen sie bei Einbruch der Nacht angelangt sein und noch in derselben Stunde den Rückweg angetreten haben (während man bei Hellem Tage den Weg nicht ohne Führer findet), alsdann aber, nach acht Stunden Weges hin und her, noch die Apostel versammelt gefunden haben, also um Mitternacht! Doch das ist eine Kleinigkeit! Denn gleichviel, ob Lukas von einem Dorfe redet, liegt eine Tagreise von Jerusalem westlich eine Stadt Emmaus NikopoliS, wenn gleich keine römische Colonie — warum sollte nicht auch diese das neutest. Emmaus sein? Zwar ist die Eisenbahn nach Jerusalem von Jaffa (Joppe) erst am 26. September 1892 eröffnet worden, gleichwohl soll KleophaS mit seinem Begleiter noch nach Einbruch der Nacht denselben Weg zurück gelegt haben — also 16 Stunden in einem Abende. Darüber hat sich eine ganze Literatur entsponnen, ja die jüngste Schrift will sich zu Gunsten der Stadt durchaus auf patristische Autoritäten stützen, und verlangt dort einen neuen Kirchbau, obwohl HieronymuS nach seiner Anwesenheit in Palästina mit der Uebersetzung eustsllum Dwmuus in der Vulgata Luk. 24, 13 ausdrücklich auf Kastul Colonieh verweist, und Nufinus die Entfernung auf 30 Stadien abändert. Pius IX. hat am 4. Oktober 1847 das seit dem Ende Her Kreuzzüge eingegangene lateinische Patriarchat Jerusalem wieder aufgerichtet, aber der ersternnnnte Würdenträger Monsignor Valerga ereiferte sich sofort wider die Errichtung von Sanktuarien an beliebiger Stätte, daß er die Kirche zu Kubeibe sogar mit dem Jnterdicte belegte. Um weiteren Streit zu verhüten, wurde nach dem Hingang seines Nachfolgers das hohe Amt so viel wie aufgehoben, indem Rom dasselbe mit dem Franzis- kanerorden vereinigte. Unser gelehrter, aber nicht gewanderter Geograph Karl Ritter erklärte das ncntcstamentliche Emmaus, wie auch Arimathäa für verlorene, nicht mehr aufzufindende Orte. Wer weiß? Was die Heimath des Ratsherrn Joseph betrifft, welcher den Leichnam Jesu in seinem eigenen Grabmal beisetzte, so haben die Wälschen längst Ramle dafür erklärt und hier eine Pilgerstation eröffnet — nur schade, daß erst Sultan Soliman 617 n. Chr. die Stadt und das Karawanserai an der Sultansstraße erbaute, welche von Aegypten in gerader Linie nach Damaskus führt. Ausgemacht ist dagegen Arimathäa eins mit Namathaim, dem Geburtsorte Samuels, und in Beth Rima wieder gefunden, während man das Grab des Propheten durch Verwechslung mit der Pricsterstadt Nobe I. Sam. 22, 9 nach Neby Samwil verlegte. Palästina ist uns näher gerückt und unterliegt einer neuen Besitzergreifung. Es liegt Alles daran, daß uns nicht Russen und Franzosen zuvorkommen und auf die wirklichen, wissenschaftlich allein zu rechtfertigenden Bibelorte die Hand legen, uns aber die sogenannten tra- - ditionellen belassen. Unsere scheinbar strenge Kritik ist unwiderleglich und absolut gerechtfertigt, weil im Interesse der Wahrheit, aber auch im besonderen Interesse der Pilger; denn die Kirche hat ihre Ablässe keineswegs für die nächste beste Lokalität, sondern nur für die durch die Anwesenheit Christi geheiligten Orte verliehen. Wir leben in der Zeit, wo das Wort zu spät! Epoche macht: mögen die Katholiken nicht wieder, wie bet der Aneignung der Wiege des weltberühmten Johanniter- Ordens in der heiligen Stadt, die Gelegenheit versäumen, vom Nachlasse der Kreuzfahrerzeit das Möglichste für sich zu retten. Recensionen und Notizen. Clemens Blume 8. 1. Das Apostolische Glaubensbekenntniß. Eine apologetisch-geschichtliche Studie, mit Rücksicht auf den „Kampf um das Apostolicum". Freiburg i. Br., Herdcr'schc Verlagshandlung 1893. Im Gegensatz zu Suitbert BäumerS gleichbetitcltcr Schrift legt diese Studie einen Hauptnachdruck auf das apologetische Moment, indeß werden sehr häufig dogmatische Gesichtspunkte als Maß an entgegenstehende „Ergebnisse der historischen Forschung" Harnacks angelegt. In dieser Hinsicht haben uns namentlich die Ausführungen des ersten Kapitels weniger befriedigt trotz der aufgewendeten Dialektik; vollends dünkt uns das Verdikt, wornach „in dieser Sache ihm (Harnack) jeder Christ ein competentes Endurtheil, jeder unbefangene Forscher geschichtliche Zuverlässigkeit abspricht", mehr gefällt vom christlichen Gefühl, das ja entschieden durch Harnacks Darlegungen in der peinlichsten Weise gekränkt wird, als von der Apologetik, die trotz aller GlaubenSgewißhcit doch auch beim Gegner Redlichkeit Vermuthet und dessen Vorurtheile gewissenhaft und nicht oberflächlich in ihren eigensten Grundlagen prüft. Indeß rechtfertigt Harnack's Auffassung des hl. JrenäuS immer noch eher ein strenges Urtheil, als seine diskutierbare Conjectur bezüglich des in dem Berichte des hl. Justinus über daS Abendmahl (das Citat S. 20' muß geändert werden: Tübinger Tbeol. Quartalschrift Bd. 74 Jahrg. 1892 S. 643 f.). Bekanntlich liegt ja die handschriftliche Ueberlieferung der Werke deS hl. Apologeten sehr im Argen und es ist gerade Harnacks Verdienst, dies mit mathematischer Gewißheit dargethan zu haben. Ferner würde Harnacks Vermuthung selbst im Falle der Richtigkeit höchstens darthun, daß St. Justin einem sakralen Gebrauch nicht fernestand, den noch St. Cyprian (lüx. 63 eck. Viuäod. v. III. I>. II. pA. 701) mit ausfallender Schonung beurtheilt. Auch sonst hat die Verquickung der scholastisch-polemischen und historischen Methode nicht gerade Vortheilhaft gewirkt. So hat schon Wey- man im historischen Jahrbuch 1894 S. 205 gegen die Glaubwürdigkeit des Rufinus, die Blume durch eine Art PräskriptionS- bcweis erhärtet, Bedenken erhoben. So sind die Einwendungen Blume's gegen Bäumers Annahme einer in der römischen Kirche gelegentlich des Patripassianerstrcitcs vorgenommenen kleinen Umänderung des ersten Artikels zu allgemeiner Natur, um wirklich gewichtig zu erscheinen. Auch die Zeit der Uebernahme des sog. gallikanischcn Symboltextcs durch die römische Kirche (S. 163 ff.) dürfte trotz der lebhaften Polemik gegen Harnack zu spät angesetzt (ok. Bänmer S. 33) sein; die Rechtfertigung dieses Wechsels (S. 184 f., S. 193) genügt wieder bloß dem Dogmatikcr, nicht dem Apologeten und Historiker. Die Sage von der Vertheilung der Abfassung der 12 Artikel an die 12 Apostel ist keineswegs für Beurtheilung der Frage nach dem Ursprung des ApostolicumS von solchem Belang, daß sie so eingehende Berücksichtigung (S. 200 ff.) verdiente. Wie bezüglich des Rusinuö, so spielt im 2. Kap. deS 2. Abschn. „DaS Apostolicum in den drei ersten Jahrhunderten* (S. 213 ff.) der Präskriptionsbcweis und (S. 263) der Con- gruenzbcweiS eine zu bedeutende Rolle, ohne doch dem tiefern apologetischen Bedürfniß zu genügen. Indem wir bezüglich einiger literaturgeschichtlichen Corrigenda auf Weymans oben citirte Besprechung verweisen, fügen wir derselben bei, daß in der durch Kattcnbnsch der Lösung sehr nahe gebrachten Niketas- frage eine entschiedenere Stellungnahme, jedenfalls keine solche Zurückhaltung wünschenswert!) gewesen wäre. Die schöne Studie Eermain MorinS in der Usvuo Löneäiotins 1894 49 ss. »^ouvolles Usekorelies sur I'antour äu lls vsum«, die manch- fachc Berührungspunkte dargeboten hätte, hat Blume leider noch nicht bcnützcn können. — Unsre Aussetzungen betreffen, wie ersichtlich, lediglich die von Blume gewählte Methode; das wesentliche Ergebniß der Studie: „Der Christ des ausgehenden 19. Jahrhunderts bekennt den nämlichen Glaubensinhalt, Höchstwahrscheinlich der Hauptsache nach sogar mit den nämlichen Worten wie der Apostelschüler", halten wir für gesichert. Nur erachten wir, daß im „Kampfe um das Apostolicum" Davids Kieselsteine besseren Dienst gethan hätten, als Sauls schwerfälliges Rüstzeug, die anspruchslose Darstellung der Thatsachen apologetisch wirksamer gewesen wäre, als die breitspurige modern- scholastische Polemik. Deda Grnndl. 120 Grundzüge der Katholischen Dogmatik. Von Dr. Joseph Bautz, a. ö. Professor der Theologie au der Akademie zu Münster. Mit Genehmigung des bischöflichen Ordinariarts zu Mainz. 1888/93, 4 Theile, 8", S. XXX, 935. Mainz, Kirckhcim. Preis: M. 13,—. ck. v. 1^. Der Verfasser vorliegender Grundzüge ist bereits bestens bekannt durch seine trefflichen dogmatischen Monogra- phieen: Auferstehungölcib, Himmel, Hölle, Fegfcuer, Weltgericht und Weltende, sowie durch seine .Grundzüge der Apologetik'. Diesen Werken nun reiben sich die Grundzüge der Dogmatik durchaus würdig an. Sie geben den wesentlichen Inhalt der dogmatischen Vorlesungen des Verfassers wieder, und haben den einfachen, praktischen Zweck, den akademischen Unterricht zu erleichtern. Zweckentsprechend ist der dogmatische Stoff vollständig und zugleich möglichst kurz, klar und übersichtlich dargestellt. Darum durfte das Werk sich auch im späteren Leben, wo es gar oft an Zeit zum Studium einer umfangreichen Dogmatik gebricht, zur Wiederholung und geeigneten Auffrischung des früher Erlernten, sowie auch als zuverlässiger Wegweiser in theologischen Fragen überaus dienlich erweisen. Die Einleitung behandelt der Reihe nach die Quellen der theologisch-dogmatischen Erkenntniß (Schrift, Ueberlieferung und Lchrverküudigung der Kirche), den theologischen Glauben, die auf diesen sich aufbauende theologisch-dogmatische Wissenschaft, den Fortschritt der theologisch- dogmatischen Erkenntniß und die Geschichte der dogmatischen Wissenschaft, umfaßt somit die theologische Erkenntniß- lehre. Als eigentlich dogmatische Lehren folgen dieser die Lehre vom Einen und Drcieinigen Gott, die Lehre von Gott dem Schöpfer und Erlöser, die Lehre von der Gnade und den Sakramenten (im allgemeinen und einzelnen) und die Lehre von den letzten Dingen. Durchweg stützt sich der Verfasser auf gute Autoritäten und steht deshalb stets auf sicherem Boden. Uc'bcr- aus vorsichtig und sachlich ruhig werden die einschlägigen Contro- versen besprochen. Auch findet sich stets die wichtigere Literatur verzeichnet zu etwaigem weiteren tieferen Studium. Besonders wohlthuend ist der echt kirchliche Geist, welcher, wie die übrigen Werke des Verfassers, so auch unsere Grundzüge durchweht. Möglichst enge sucht sich der Verfasser an den heiligen Thomas von Aguin anzuschließen; nur ist cS ihm wohl in allwcg neck) nicht gelungen. Beispielsweise erwähnen wir bloß die Lehre von der Urgercchtigkcit, vom Wesen der Erbsünde. Gründliches Studium des 8. Bandes der Uebcrsetzung der Summa TIwoloAioa Wäre gewiß geeignet, manches Diesbezügliche zu berichtigen und zu noch größerer Vervollkommnung des Werkes in neuer Auflage beizutragen. Das Werk ist im übrigen zur Erleichterung und Förderung des Studiums der Dogmatik durchaus cmpfehlens- werth. _ Coursier-Nothwell, Neues praktisches Taschenwörterbuch. Französisch-Deutsch und Deutsch-Französisch in einem Bande. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Stuttgart, Paul Reff. Elegant in Leinwand gbd. 3 M. Unter diesem Titel hat das wohlbekannte Seitensiück zu RotbwellS Englischem Taschenwörterbuch in neuer Auflage die Presse verlassen, ein Werk, schmuck, schön gedruckt, handlich und — billig. Die Auflage ist wirklich eine in jeder Hinsicht verbesserte. In das Wörtervcrzeichniß sind eine stattliche Anzahl neuer, in den letzten Jahren entstandener Wörter (tsls- xlious, Zweirad u. dgl.) aufgenommen worden; bei den schwierigeren Wörtern ist die Aussprache beigefügt; reichhaltige Ver zeichnisse von Personen-, Länder- und Völkernamcn, sowie Con- jngationstabellen der unregelmäßigen Zeitwörter vervollständigen das Ganze. Der Preis ist im Verhältniß zum Umfang nicht bloß bescheiden, sondern geradezu unglaublich nieder. Brock Haus, Conversations-Lexikon. 9. Band. Die sociale Revolution und die finanziellen Krisen haben Italien wieder in den Vordergrund der allgemeinen Aufmerksamkeit gerückt. Es ist daber ein willkommenes Zusammentreffen, daß der soeben zur Ausgabe gelangte 9. Band der Jubiläumsausgabe von BrockhauS'Konversationslexikon Italien lind den damit zusammenhängenden Artikeln nicht weniger als 138 Spalten widmet! Der Redaktion ist es gelungen, selbst noch Crispi's neues Ministerium aufzunehmen. Nicht weniger als 5 Kartentafeln, darunter eine sehr lehrreiche Uebersicht der TruppcndiSlocation, und 8 prächtige Tafeln über „Italienische Kunst" sind bcigegebcn. Der Kunst sind außerdem 10 Tafeln gewidmet, unter ihnen 7 Chromotafeln von der bekannten meisterhaften Ausführung. Vor allen ist die seelcnvolle Madonna Hol- bein's zu erwähnen, die ein würdiges, deutscher Innigkeit entstammendes Pendant zur Sixtina Raffael's bildet. Seinem universellen Charakter entsprechend bringt Brockbauö'Conversations- Lexikon in diesem 9. Bande auch in besonders schönen Tafeln Proben der Kunst des Islam, indischer und japanischer Kunst. Namentlich die letztere, erst seit kurzer Zeit genauer bekannt, beeinflußt bekanntlich schon die Malerei und das Kunstgcwerbe Europa's. Im Ganzen enthält der Band 50 Latein, darunter 9 CbroinoS, 11 Karten und Pläne, außerdem 192 Textabbildungen. Auf geographischem Gebiete begegnen uns außer Italien eine Menge vorzüglicher Länder- und Städteartikei, darunter Helgoland, Irland, Island. Japan, Java, Hom-kong, Jena, Junöbruck, Jokobama. Ebenso nt der naturwissenschaftliche und technische, sowie der historische Theil wieder eingehend behandelt DaS Haus der heiligen Familie. Monatliche Vcreins- schrüt für alle Mitglieder des von Sr. Heiligkeit Papst Leo XI II. eingeführten „Allgemeinen Vcrems der christlichen Familien zn Ehren der heiligen Familie von Nazaretb". Monatlich erschein! 1 Hen. 32 Seiten Umfang. Ncdigirr von Dr, A. Wiche, Pfarrer in Beuren. Verlag von Cordicr in Hciligenstadt. Die monatliche Vcreiusschrift „Das Hans der heiligen Familie" bat nunmehr einen Jahrgang abgc'chlosicn. Die 12 Hefte machen einen stattlichen Band anS, und schon daö Inhaltsverzeichnis; beweist, wie reichhaltig, practisch, belehrend und unterhaltend diese Säumt ist für jede Familie, — mag sie dem frommen Vereine angehören oder nicht. Alle Kundgebungen, die auf den „frommen Verein" sich beziehen, finden sich übersichtlich angegeben. Die Schrift kostet jährlich 1 M. lmir Franco- Zmeudung 1.20 M.) und bietet eine gediegene, echt christliche, katholische Belehrung und Erbauung; Betrachtungen, Belehrungen, Erzählungen, Gedichte religiösen und heitern Inhalts» sowie nützliche Besprechungen und Berathungen über Gesundheit und Krankheit über zeitliche, häusliche, Familicnvcrhältnisse und dergleichen wechseln miteinander ab. Geschichte des deutschen Volkes. Von vr. S. Wid- niann. Vollständig in 20—21 Lieferungen L 40 Pfg. Verlag von Ferdinand Schvuiugh, Paderborn. Der Verfasser vorliegender bcachtenswerthen Erscheinung bietet mit diesem Werke keinen trockenen Abriß oder schabloncn- mäßigcn Leitfaden, sondern ein „Familien- und Volksbuch", in welchem er uns Deutschland in seiner Eigenart und Entwickelung, in seinem Culturleben mit seinem gewaltigen Ringen und Kämpfen, mit einem Worte, in dem ganzen Wcrdeprccesse eines starken, lebenskräftigen VolkSstammes bis auf den heutigen Tag vor Augen führt. Obne Voreingenommenheit, ohne Haß und Üebcr- eifcr nach irgend einer Seite hin, aber von dem LebenShauche des Christenthums wohlthuend durchwärmn, so fließt des Verfassers Sprache ruhig und klar dabin. Diese« Werk verdient in Masse verbreitet zu werden, und wird namentlich allen jenen willkommen sein, welchen daS große Werk Jansscns entweder zu wissenschaftlich und ausführlich, oder zu theuer ist. DaS Werk erscheint in 20-21 Lieferungen L 40 Pfg. Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monatschrift. Jahrgang 1894. 12 Nummern. M- 4 — fl. 2.40 ö. W. — Freiburg im Breisgau. Herdcr'sche Verlags- handlung. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 4: Die Neductionen von Paraguay. — Der selige Rudolf Aquaviva am Hofe AkbarS des Großen. (Schluß.) — Allchristliche Ruinen Nord-Syrieus. (Fortsetzung.) — Nachrichten aus den Missionen: Aequatorial-Afrika (Mission am Victoria-Nyanza); Südafrika (Die Kreuzschwestern in Natal; Der Marabelckrieg); Bclgisch-Kougo (Religiöse Anschauungen der Kongo-Neger); Oceanien (Sandwich Inseln); Aus verschiedenen Missionen. — Miscellen. — Für Missionszwecke. Illustrationen: Das Labore-Thor deö Palastes der Großmogul«: zu Dchli. — Grundriß der Kirche des hl. Simeon Sthlites zu Kalaat Seman. — Central-Oktogon der Kirche des hl. Simeon aus dem 5. Jahrhundert. In der Mitte daS Fußgestell der Säule des bl. Simeon. Ostchor der Basilika des hl. Simeon. — Portal der Kirche des hl. Simeon. — Ansicht der Basilika des hl. Simeon von Nord-Ost, aus dem 5. Jahr- bundert. — Ansicht des Klosterhofeö des bl. Simeon, aus dem 5. Jahrhundert. — Typen von Eingebornen am Kongo. — Denkmal zu Ehren des L. Damian auf der Insel Molokai. Verantlv. Redacteur: Phil. Flick in Augsburg. — Druck». Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg.