n,-. 17. 26. AM! 1894. Mge zur DgckllW Zum Häckelismns. Von Professor Dr. L. Haas in Passau. Wie Mir scheint, besteht in manchen Dingen gerade auf katholischer Seite keine rechte Begriffsklarheit. Anlaß zu dieser Bemerkung gibt mir die Besprechung der Schrift von vr. Otto Hamann, „Professor Ernst Häckel in Jena und seine Kampfesweise", Gott. 1893. Bei voller Klarheit in der Sache könnte ein aus der Germania in die Beilage der AugZburger Postzeitung Nr. 9 vom 29. Februar 1894 übergegangener Artikel nicht „Das Ende des Häckelismus" überschrieben sein. Es ist nicht das erste Mal, daß dem Jenaer Professor derartige Dinge, wie sie in dem genannten Buche enthalten sind, nachgewiesen werden. Das Ende der Lehre wurde dadurch nicht herbeigeführt, auch nicht die Zahl ihrer Anhänger verringert. Wir müssen also dergleichen Arbeiten gegenüber ruhig bleiben und dürfen nicht zu früh jubeln. So höchst verdienstlich auch Schriften sind, welche den Gelehrten aus dem Wege des Forschens nachgehen und die Fehler ihrer Methode oder ihrer Darstellungsweise aufzeigen, die Tragweite derselben darf in keiner Weise überschätzt werden. Die Hamann'sche Arbeit, deren hohes Verdienst ich mit Freuden anerkenne, berührt weder die Sache, noch betrifft sie eigentlich die Art der Forschung, sondern nur die Art der Darstellung der Forschungsresultate. Wir haben es zunächst mit Häckel als Schriftsteller zu thun. Als solcher zeigt er große Ungenirtheit, um nicht zu sagen Unverfrorenheit, wenn er entweder geradezu Fälschungen oder für Verschiedenes ein und dieselbe Abbildung bietet. Er macht es sich also mit seinen Beweisen seinem Publikum gegenüber sehr leicht und bezeugt dadurch seine geringe Meinung von demselben, indem er der Leichtgläubigkeit desselben derartiges zutraut und zu bieten wagt. Die Urtheilslosigkeit, Oberflächlichkeit und Glaubensfreudigkeit dieses Publikums erscheint in einem ganz eigenthümlichen Lichte der Weisheit eines Professors gegenüber, die viel »«geprüfter angenommen wird, als das Evangelium. Bei ihr fragt man nicht nach dem Wie? Warum? und Woher? Es genügt, daß sie geboten wird. Kopflos, mit völligem Verzicht auch auf das geringste Maß des Urtheils wird sie hingenommen und geglaubt und auf sie geschworen. Häckel war sich des Unterschiedes der abgebildeten Objecte sicher bewußt. Seinem Zwecke entsprechend hebt er aber die Aehnlichkeit ausschließlich hervor. Da nun auf den niederen embryonalen Stadien die Aehnlichkeit in der That so groß ist, daß die Unterschiede nur unter dem Mikroskope erkenntlich sind und auch im besten Holzschnitte nicht deutlich hervortreten (höchstens für den Kenner deutlich), so mag sich Häckel selbst oder der Holzschneider der Mühe überhoben erachtet haben, für die einzelnen Abbildungen besondere Stöcke herzustellen. Es füllt mir natürlich nicht im entferntesten ein, Häckels Verfahren zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen. Was ich anführte, soll nur die Tragweite der davon hergenommenen Widerlegungen in das rechte Licht stellen. Häckel hat eigentlich selbst seiner Sache einen schlechten Dienst erwiesen. Auf die Aufdeckung seiner Fälschungen hin finden seine Behauptungen jedenfalls weniger Anhänger außerhalb der Fachgenossen, aber kaum in den Reihen derselben. Für uns wäre es schlimm, wenn wir jetzt die Gefahr der Sache selbst für geringer hielten, wenn wir glaubten, die Sache selbst sei damit abgethan. Daß dies nicht der Fall ist, geht schon aus meinen obigen Andeutungen hervor. Die Frage, ob Aehnlichkeit oder Verschiedenheit bei den betreffenden Objecten, ist in dem Sinne, wie hier diese Aehnlichkeit und Verschiedenheit genommen wird, ziemlich, um nicht zu sagen vollständig gleichgiltig. Es handelt sich um tiefer Liegendes. Zunächst ist darauf zu verweisen, daß noch keine vier Dezennien vergangen sind, seit die Lehre vorgetragen wurde, daß die Ontogenesis des Menschen d. h. die Entwicklung des einzelnen Menschen im embryonalen Zustande die embryonalen Formen der Thierarteu durchlaufe. Daraus lenet man die universale und domiuireude Stellung des Menschen nach seiner leiblichen Seite ab. Bei geringen mikroskopischen Hilfsmitteln ist eine derartige Annahme leicht erklärlich; man wußte sich auch ganz gut mit derselben abzufinden. Die Frage bleibt aber: Wie steht es mit den entsprechenden Thatsachen? Auf Thatsachen, und nur auf solche, stützt sich auch der Häckelismns, wenigstens nach den Behauptungen seiner Anhänger. Eine Thatsache für den Häckelismns soll die in Rede stehende Aehnlichkeit sein. Sehen wir zu, ob sie als Thatsache genommen für den Häckelismus beweisend, und zweitens ob sie überhaupt eine vollgültige Thatsache ist. Den ersten Punkt können wir kurz abmachen. Sie ist nicht beweisend, weil logisch ganz gut auch andere Folgerungen aus ihr gezogen werden können, wie wir gesehen. Sie ist ferner ein bloßes Durchgangsstadium, also ebenso wenig beweisend, wie man aus der Thatsache, daß zwei Menschen sich auf dem Wege treffen und sogar eine Zeit lang mit einander gehen, schließen kann, daß sie denselben Ausgangspunkt oder dasselbe Ziel haben. Dies führt uns sofort zu dem zweiten Punkt. Die behauptete Aehnlichkeit kann nicht einmal als volle Thatsache gelten. Sie ist bloß eine äußere Aehnlichkeit, also bloß eine halbe oder, besser gesagt, kaum eine halbe, eine Aehnlichkeit bloß der äußeren Erscheinung, nicht des Wesens. Wir schließen zwar von der Erscheinung auf das Wesen, aber nicht in der Weise, daß wir von der äußern Gleichheit oder Aehnlichkeit zweier Dinge sofort auf die innere Gleichheit oder Aehnlichkeit schließen. Wir müssen zuvor in irgend einer sichern Weise die Erscheinungen als Wirkungen des Wesens erfaßt haben. Wenn wir ohne weiters berechtigt sind, von der äußeren Aehnlichkeit auf die innere, die wesentliche zu schließen, dann können wir das Widersprechendste zusammenreimen, dann ist Heuchelei und aufrichtige Tugend dasselbe. Dann ist das wissenschaftliche Verfahren reine Spielerei, es macht keine Mühe mehr. Auch das feinste Mikroskop zeigt uns immer nur die äußere, oberflächliche, nicht die innere, wesentliche Aehnlichkeit. Was liegt nun an dieser äußeren Aehnlichkeit, wenn ihr niemals die weitere Entwicklung entspricht? Es ist vollständig gleichgiltig, wenn z. B. die Keimzelle der Bohne ganz gleich der der Eiche ist, wenn doch in dem einen Falle immer eine Bohnenstaude, im andern eine Eiche entsteht. Was hätte es auf sich, wenn das Menschenei äußerlich vollständig dem Affenei gliche, 130 da doch niemals auZ einem Affenei ein Mensch entstanden ist? Es handelt sich ja nicht um die Ähnlichkeit des Stoffes, sondern der Kraft. Diese aber vermag die Naturwissenschaft mit allen ihren Mitteln nicht direkt in sich zu beweisen, sondern nur, wie jede andere Wissenschaft, aus dem Erfolg, wenn derselbe ein stets mit untrüglicher Regelmäßigkeit und Sicherheit wiederkehrender ist. Die Natnrwisscnschaft vermag einen dirccten Beweis für die Ähnlichkeit zweier Kräfte um so weniger zu führen, als sie an sich, will sie ihr Gebiet nicht überschreiten, über die Bewegung nicht hinauskommt und nicht zum Begriff „Kraft" gelangt. Will sie daher der Wahrheit die Ehre geben, will sie nicht zugleich unter völliger Verwirrung der Begriffe als Philosophie gelten (mit gänzlicher Ne- giruug der letzteren), dann muß sie da, wo aus äußerlich Ähnlichem stets Verschiedenes hervorgeht, sich mit ihren Mitteln einem Räthsel gegenüber bekennen. So lange nicht die Thatsache erwiesen ist, daß einmal äußerlich Ähnliches auf niederer Stufe sich dieser äußerlichen Ähnlichkeit entsprechend zu Höherem entwickelt, z. B. aus einem Affenei ein Mensch wird, so lange ist schon die Verwerthung dieser äußerlichen Ähnlichkeit zu wissenschaftlichen Folgerungen einer Fälschung gleichzustellen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die scharfe Betonung der Ähnlichkeiten in der Ontogenesis eine Ausgeburt der Verlegenheit ist. Beweisen kann sich der Darwinismus, sei eS als Hückelismus oder als Evolutionis- mns oder Entwicklungslehre, nur durch Thatsachen. Diese in bester Form würde der Nachweis von Entwicklungsstufen in der Vergangenheit liefern. Man hat krampfhaft nach solchen gesucht, besonders nach dem Mittelglied zwischen Affen und Menschen, aber die wiederholt angekündigten Funde haben sich immer als Täuschung erwiesen. Diese negative Thatsache mußte gerechtfertigt werden. Man stellte die Behauptung auf, die Ueber- gänge fänden in unendlich kleinen Unterschieden in unendlich langen Zeiträumen statt. Hiebei ereignete sich das Komische, daß man trotzdem das Suchen nach diesen Uebergängen fortsetzte, während doch mit der aufgestellten Behauptung zum mindesten die Erkennbarkeit derselben unserseits geleugnet ist. Man sucht also nach etwas, was man eingestandenermaßen der Natur der Sache nach gar nie finden kann. Thatsachen aber mußte man haben. Da sie nun in der Phylogenesis (der Entwicklung zur Gattung) nicht zu finden sind, suchte und fand man sie in der Ontogenesis. Als eine Thatsache stellte man die rudimentären Organe hin, ohne den Widerspruch mit der übrigen Lehre zu beachten. Da diese Organe jedenfalls etwas Ueberflüssigcs sind, so ist in der Entwicklungslehre ihr bleibender Charakter unerklär- bar; eine fortdauernde Rückbildung ist aber nirgends nachgewiesen, überhaupt nicht nachweisbar, wenn sie in unendlich kleinen Stadien vor sich gehend zu denken ist. Eine zweite Thatsache hat man in der Aehnlich- kcit verschiedenartiger Embryonen auf einzelnen Entwicklungsstufen gefunden. Diese Ähnlichkeit soll aus der Phylogenesis stammen, da das Individuum den Weg, den die Gattung zurückgelegt, selbst wieder in rascherem Gange zurücklegen müsse. Damit wären die Uebergangsstiifcn in der Phylogenesis erwiesen. Warum dies aber der Fall ist, warum eine spätere Entwicklungsstufe ihre einzelnen Glieder der Vergangenheit angehörende Stadien immer wieder durchmachen, also Vergangenes und längst Abgethanes immer wieder rcpristi- niren läßt, das ist im Hückelismus am wenigsten einzusehen, es müßte denn sein, daß die Entwicklung selbst stets darauf bedacht war, die Beweise für sich aufzubewahren. Daß sie das nur. durch einen Widerspruch konnte, indem das Seiende das nicht mehr Seins- bercchtigte, dessen Bedingungen eigentlich nicht mehr vorhanden sind, immer wieder zum Sein bringt, das kann dieser Entwicklung um so weniger zugerechnet werden, als es ja auch ihren Anhängern verborgen bleibt. — Werden vollends diese Ähnlichkeiten als bleibend genommen, dann widersprechen sie dem Charakter des ganzen Systems, sind also in demselben unbegreiflich als eine Laune der allgemeinen Entwicklung. Als sich ändernd können sie nicht nachgewiesen werden; und konnten sie dies, dann wären sie eigentlich wegen ihrer fortschreitenden Veränderungen keine wahren Ähnlichkeiten mehr — streng nach dem System können sie es in der That nicht sein —, könnten also nicht mehr zum Beweise deS Systems benutzt werden. Zum Schlüsse muß ich noch auf einen Punkt verweisen, den man gemeiniglich übersieht. Nimmt man im vollen Ernst eine stetige allgemeine Entwicklung an, dann stehen weder die Gesetze der Natur, noch die der Logik fest. Dann gibt es nur Thatsachen. Diese können wir aber ohne feste logische Gesetze nicht feststellen. Damit sind alle wissenschaftlichen Systeme, also auch der Hückelismus als System, zu Ende. Zur Chronologie des heiligen Willibald. Von Adam Hirschmann, Pfarrer in Schönfeld. In den Beilagen der Angsburger Postzeitung 1893 Nr. 49—52 veröffentlichte Herr S. „Bruchstücke aus der 61ironolotz'ia. ^Villibaläina zur Geschichte des 8. Jahrhunderts", deren Endresultate sich in die Worte zusammenfassen lassen: Der hl. Willibald, Eichstütts erster Bischof, wurde am 20. Oktober 743 zu Sülzenbrücke in Thüringen vom hl. Bonifatius in die bischöfliche Würde eingesetzt, nachdem er am 22. Juli 742 zum Priester geweiht worden war. Nach 36jähriger Amtsführung schied Willibald am 7. Juli 779 aus diesem Leben. Diese Ausführungen fordern die Kritik heraus. Um für die willibaldinische Chronologie einen festen Boden zu gewinnen, müssen wir uns nach einem Dokumente umsehen, das unbestrittene Geltung hat. Als ein solches erweisen sich, wie schon der gelehrte Benediktiner Joh. Mabillon (Tlcsta, Vanotornin orä. s. Lonacl. IV, 354, Venedigeransgabe 1734) betonte, die Akten des ersten deutschen Nationalconcils, gemeiniglich Oonoilium Oor- raanionm genannt. Es erhebt sich vor allem die Frage: In welchem Jahre wurde dieses Nationalconcil abgehalten ? Hcrgenröther (Handbuch der allstem. Kirchengesch. I, 3, 682) verlegt dasselbe auf den 21. April 741, Hefele dagegen (Conciliengeschichte III, 2 , 498) in das nächstfolgende Jahr 742, während Will (Regelten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöse I, 8 Nr. 42) sich für das Jahr 743 entscheidet. Nach der neuesten Publication der bonifatianischen Briefe, welche Ernst Dümm- ler für das große Sammelwerk LlonumLuta, Oarraanias (Ljiistolas üörorvinAioi eb Larolini usvi tom. I x§. 215—433) besorgt hat, erachten wir es nicht für 131 geboten, auf die Streitschriften näher einzugehen, welche Jaffa, Hahn, Oelsner, Dünzelmann und Loofs über die Aufeinanderfolge der Briefe des Apostels der Deutschen und die Zeit der von ihm gehaltenen Synoden gewechselt haben (Vgl. Will, Negestcn p. VIII, Forschungen zur Deutschen Geschichte Bd. X, XIII, XV), sondern wir nehmen die Resultate der historischen Forschung, um sie für unseren Gegenstand zu verwerthen. Der Eingang zu den Statuten des ersten dcutskben Nationalconcils (21. 6-. Lpx. I, 310; 1,6^. I, 16) lautet nun folgendermaßen: In ruzurms Ilomini ncwtri flesu Oliristi. Larlinannua, äux ot xrinasxs i^raiieoruw, anno all ineurnations Oflristi ss^tin- Asntesiino czuLäruASLimo seounäo, XI Xa- Isnäas 21aias, sum oonsilio servorum Oei et opti- matum msorum sxisooxos, c^ui in rsgiw ineo surrt, euru xweslriteris ab eouoiliurrr et, L^aoäuin xro tewxore Olrristi eonAre^avi iü est Louitatium areliiepissopuiu et Lni^llaräum et XsAentriäuin st 2Vintuuuin et IVilZaläuru et Oackauum st L Zäunn in vnm zrresllitsris eoruin: nt midi con- siliuin Zsäissent, Hnomoäo Isx Ost st eoelssiastica. relsgio rsenpsretnr, c^uae in äiedus xraeteritoruru xrineixnin äissixata, eorruit et ^ualiter xoxulus edristiunns nä sulutern nniinus xervenirs xossit et xer lalsos saeerästes äeeextus noo xsreat." Nach dieser bestimmten Angabe wurde das erste deutsche Naiionalconcil am 21. April 742 gehalten, und zwar nach Binterim's Vermuthung in Frankfurt a. M. Neben dem Erzbischofe Bouisatius werden als Theil- uehmer unter anderen aufgeführt die Bischöfe Burghard von Würzburg, Negenfrid von Köln, Winta (Witta, Weiß) von Bnraburg und Wilbald. Ist nun dieser letztere identisch mit dem ersten Bischöfe von Eichstätt, welcher gewöhnlich Willibald genannt wird? Einstimmig erklären sich Dümmler (I. v. I, 310 Nr. 4), Hefcle (I. o. III, 499), Ncttberg (Kirchengesch. Deutschlands II, 390), Lefflad (Negcsten der Bischöfe von Eichstätt Nr. 1) für die Identität. Denn wo sollte Wilbald im Umfange der Herrschaft Karlmanns Bischof gewesen sein, wenn nicht in Eichstätt? wie auch der erste Biograph des hl. BonifatiuZ l) angibt. Nach allen zeitgenössischen Nachrichten ist Bischof Wilbald, welcher an der Synode von 742 theilgenommen hat, derselbe, welcher sich 762 bei Abschließung des ersten Todtenbundes im fränkischen Reiche zu Attigny als „Bischof vom Kloster Eichstätt, sxisooxus äs ruouasterio ^.ielistaäi" (Oelsner, König Pippin S. 476) unterzeichnet hat. Wenn aber Willibald von Eichstätt am 21. April 742 schon als Bischof auftritt, ist es dann historisch und kanonistisch zulässig, daß er erst am 20. Oktober des darauffolgenden Jahres 743 zum Bischöfe consecrirt worden sei? Selbst wenn man mit Will das Ooir- *) IVillidaläi vita 8. Lonikatii: Lt ünos dcmao inclnstrias viros aä orcliueill oxiscoiiatus prowovit, 'VVillibaldum et Lurcbaränm cisguo in iiitlwis orieutatinM Lraucborum xarti- bu8 et Laioarioium tsriniuis aocclssias sibi cowwissas im- xsitisiiäo äistriduit. Lt IVillidoläo suas guberuotionis xui- roebiLiv cvumrvnäavit in ivco ening voeobntnin est Lidstat, kuieddaräo vero in toco gui voeatur IVirradurob lliZnitalis otLeiuin äsIö^Lvit. Ll. 6. H. 348. Zum Jahre 746 haben die fuldaischcn Annalen Enhards den Eintrag: Lonikacias asns enin anetoritatv seäis axostolicas, annuente Lartowanuo, ünas seäes exiscoxales constitnit, nnam in Castro IViiÄbnrg', nbi Lnrcbartnm cotlegam snnm orclinavit; alteram in loco gni vocatnr Liedstat, cni IVitlidaliius eviscovus oräinatns est. Ll. «. I, 346. eiliuiu Oerwanisurn auf das Jahr 743 verlegen wollte, was ist damit für unsere Frage gewonnen? Der 21. April 743 geht immer dem 20. Oktober 743 voraus. Herr S. verweist uns auf die Aufzeichnungen der Nonne von Heidcnhcim am Hahncnkamm, welche von dem hl. Willibald originale Nachrichten erhalten und theilweise nur dessen Diktat niedergeschrieben hat. Bei aller Wertschätzung der Nachrichten, welche diese ungenannte Klosterfrau der Nachwelt überliefert hat, können wir uns doch nicht dazu verstehen, auf Einen Satz dieser Nonne hin, der zudem verschiedener Auslegung fähig ist, die willibaldinische Zeitrechnung, nach öffentlichen Urkunden gesichert, als falsch zu erklären. Nach Holder-Eggcr, welcher das Hodoeporikon des hl. Willibald nach den ältesten und sichersten Handschriften neu herausgegeben hat (21. (1. L8. XV, 1, 86—106) schrieb die angelsächsische Nonne, welche sich selbst als eine der zuletzt Angekommenen bezeichnet, sicher erst nach Wynuebald's Tod, 19. Dez. 761, nach dem 23. Juni 778 die Angaben ihres Berichterstatters nieder; bei aller Treue und Gewissenhaftigkeit in den Aufzeichnungen gebricht es doch nicht an Fehlern und chronologischen Unebenheiten; waren ja doch seit Willibalds Pilgerreise über 50 Jahre verflossen. Lauschen wir nun den Worten unseres ersten Bischofes, wie sie die Nonne wiedergegeben hat. Im Sommer des Jahres 721 verließ der hl. Willibald in Begleitung seines Vaters, dem eine spätere Tradition den Namen Richard beilegt, und seines Bruders Wynne- bald die angelsächsische Hcimath, um sie nie wieder zu schauen. Nachdem der Vater in Lucca eine Beute des Todes geworden war, erblickten die beiden Bruder im Herbste des genannten Jahres mit Dank gegen Gott die Basilika des hl. Petrus. Vom 11. November 721 bis zum übernächsten Osterfeste, 28. März 723, verblieben sie in Nom, vielfach durch Fieber an das Krankenlager gefesselt. Nach Ostern 723 trat Willibald mit 2 Gefährten die Reise nach Palästina an, überwinterte in Patara und zog am 11. November 724 in Jerusalem ein. Die hl. Stätten besuchend, verweilte er 3 Jahre im gelobten Lande; am 30. November 727 fuhr er von TyruS ab und kam gegen April (eine Woche vor Ostern) in Konstantinopel an; daselbst verblieb er zwei Jahre (727—729). Dann trat er mit päpstlichen und kaiserlichen Gesandten die Rückreise nach Italien an und stieg im Herbste 729 hinauf nach Monte Cassino, der Wiege des Benediktinerordcns. Hier nun wirft die Nonne einen Blick rückwärts und zählt die Jahre der Pilgerreise, aber auch die Jahre seit der Abfahrt von England zusammen, indem sie sagt: Illuä ernt autumuus, guruiZo veuit act s. Leneäiotum et tuuo Ilieruut 7 auuos, guoä äs Xowa, trausirs eoepit et omuiuru eraut 10 uuuos, czuocl äs surr xatria trausibat. (21. 6-. XV, 1, 102.) Da aber Willibald die Pilgerreise nach dem Orient erst Ostern 723 angetreten hat, so scheint die Nonne die Jahre der Abreise und der Ankunft als voll gezählt zu haben, ebenso scheint sie verfahren zu sein bei der Zählung der Jahre der Abreise von England und der Ankunft in Nom. Auf Monte Cassino fand Willibald nur wenige Mouche unter dem Abte Petronax vor; als Novize war er im ersten Jahre (729 — 730) Sakristan, im zweiten (730 bis 731) Diakon (Aufwärter) im Kloster, 8 Jahre versah er dann daZ Amt eines Portners (731 — 739). 132 Nach Umfluß dieser zehn Jahre zog der Schüler des hl. Benedikt in Begleitung eines spanischen Priesters nach Rom; Papst Gregor III. (731 — 741) ließ den vielgereisten Mönch zu sich rufen und hörte mit regem Interesse dessen Erzählungen über die Pilgerreise im gelobten Lande zu: gnonioäc) septuplurn snnorum eslsulum in oxtsrnis tsrrninsrnni tsllnris prodsiiäo. xroloarst:. Hierauf theilte ihm Gregor III. den Wunsch des hl. Bonifatius mit, daß er in die deutsche Mission sich begebe. Als Willibald vorerst die Erlaubniß seines Abtes sich erbitten wollte, erhielt er vom Inhaber des apostolischen Stuhles den direkten Befehl, dem hl. Bonifatius nach Deutschland zu folgen. Am 30. November 789 war Willibald nach Rom gekommen, gegen Ostern, 24. April, 740 verließ er die ewige Stadt. (I?ost lisss tnns tiiiitis ornonlornin Isdnlis psi'Asdst inäs VVillilisläus in xssslrs, gni illis vsnislzsb in nstsli 3 . ^näress.) In Luca besuchte er das Grab seines Vaters, zog über Pavia, Brescia, nach dem Gardnsee, überstieg die Alpen und eilte an den Hof des bayerischen Herzogs Odilo, wo er sich eine Woche aufhielt. Dann zog er zu Suidger und blieb gleichfalls eine Woche bei ihm. Hierauf ging er nach Linthard zum hl. Bonifatius. Dieser schickte ihn und Suidger uach Eihstat, um zu sehen, wie ihm die Gegend gefiele. Suidger hatte nämlich diese Gegend dem Bouifatius geschenkt und letzterer übergab sie unserm Bischof Willibald. Jene Gegend lag ganz verwüstet, mit Ausnahme eines Marienkirchleins befand sich dort kein HauS. Daselbst blieben Suidger und Willibald einige Zeit, einen geeigneten Wohnplatz aussuchend: Onrngus idi lusnsdsirt äuos sinrnl all Lidstst aligusutnlriui töinp>ori 8 inäutium IVillidsläus stgrrs Luiä^srius slinsiiicius ibiäsrn Irsditstionis losuin sxxlorsnäc) slsxsdsnt st xostss itsrnrn psr^sdsiit sä s-Louskstinm sä I?ri 8 ingurn^) st idi ersnt snm illo usgus äum ornnss kiiunl iterunr vsnisdsnt sä üilrstst. Dann kehrten sie wieder zum hl. Bonifatius nach Freising zurück und verblieben daselbst, bis sie Alle wieder nach Eichstätt ihre Schritte lenkten. Dort weihte Bouifatius den hl. Willibald zum Priester am Feste der hl. Maria Magdalena 22. Juli 740. Der Aunnoustempel in Karnak (Theben). (Fortsetzung.) Nun betreten wir den großen (48 X 103 in) hyp- äthralen Vorhof. Rechts und links sind die Säulengänge noch vorhanden; 18 Säulen standen auf jeder Seite; die linke Reihe steckt bis zu den Kapitälen im Schütte. In diesen Hof ließ Seti II. eine Kapelle, Ramses III. aber einen regelrechten Tempel einbauen. Letzterer ragt weit über die Südmauer hinaus, verschwindet aber gegenüber den gewaltigen Dimensionen des Hofes und des Heiligthums. In der Mitte des Hofes war ehedem die Prozcssions- straße durch eine Doppelreihe von 21 ru hohen Säulen bezeichnet. Nur eine einzige hat mit ihrem Abakus die Stürme der Zeiten überdauert und schaut sich mit ihrem 2) S. verlegt Linthard nach Oberfranken oder Thüringen; aber diese Stelle scheint mir dafür zu sprechen, daß Willibald den hl. Bonifatius schon das crste Mal in der Nähe von Frcising getroffen habe; daher haben die Herausgeber des Hodoeporikons an Linthard bei Mallerödorf gedacht; Stamminger (§rano. s. I, 473) sagt, Linthard sei ein Ort, der heute nicht mehr bestimmbar sei. schönen Glockenkapitäl ganz betrübt in dem weiten leeren Hofe nach ihren längst verschwundenen Genossinnen um. Den Ausgang aus diesem Hofe und den Eingang zu dem nächsten Saale vermittelt ein 2. Pylon; derselbe ist von unten bis oben, innen und außen mit Sculpturen (Gott Ammon und Pharao) und Inschriften bedeckt. Der folgende Saal ist ein Wunderbau. Auf einer Fläche von 5000 djllr sind 134 Säulen vertheilt, um auf riesigen Architraven noch gewaltigere Deckenplatten zu tragen. Die mittlere Doppelreihe (12 Säulen) ist als Fortsetzung der Processionsstraße höher als die übrigen Säulen. Während diese bei einem Umfang von 8 in 13 in hoch sind, haben jene einen Umfang von 10 in und eine Höhe von 21 in. Die Kapitüle der Processionsstraße haben Glocken-, die übrigen Papyrosknospenform. Säulen, Abakus, Architrave und Wände, alles ist mit Bildern und Inschriften bedeckt, wozu die Namen der königlichen Bauherren, deren Widmung an Ammon und dessen Scgens- sprüche den Hauptstoff liefern. Einzelne dieser Säulen sind zusammengestürzt, die meisten oder besser gesagt fast alle stehen noch; eine Säule lehnt mit einem Architrav- stück am Abakus ihrer Nachbarin, man glaubt jeden Augenblick, der Architrav werde herabfallen und die Säule zusammenbrechen; — ich kam nach 14 Tagen wieder und noch immer lehnte sie müde an der Schulter ihrer Freundin, und so wird es wohl noch lange bleiben; denn die Aegypter haben so gut gebaut, daß die Zerstörung fast ebensoviel Arbeit als das Aufbauen kostet. Wenn man vom Eingang dieses Saales aus, also vom Thorweg des 2. Pylons aus, durch diesen steinernen Wald riesiger Papyrosknospen und Glockenblumen schaut, so genießt man einen unbeschreiblich schönen Anblick. Neben diesen hochragenden Säulenschäften ist man so klein, und wenn man erst die Namen der Erbauer Seti I. und Ramses II. an den Säulen und Architraven liest und die Jahrhunderte und Jahrtausende, die seitdem durch die Welt gegangen sind, im Stillen überschlägt und zu berechnen sucht, wie viele Jahrhunderte noch vergehen werden, bis die letzte in den Staub sinkt, so wird die Seele von der Majestät des Gedankens an die Ewigkeit durchschauert. Als die Tochter Ramses' II. den kleinen Moses im Nilröhricht fand, wurde an dieser Halle gebaut und standen schon die meisten Säulen; als der Pharao des Auszugs mit seinem Heere im Schilfmecre umkam, da war sie längst vollendet und ausgeschmückt; als sich ein Altar Jehovahs in Aegypten erhob (in Leontopolis) und wieder zerstört wurde, da stand sie noch in vollem Glänze; als Gott seinen Sohn aus Aegypten rief, wiederhallte sie noch von den Gesängen der Priester und Weihrauchwolken verhüllten die Kapitäle; als der Herr von Aegypten erkannt wurde (Jes. 19, 21), als Klöster und Lauren entstanden, als im Tempel von Luxor und Medinet Habu das unblutige Opfer des neuen Bundes gefeiert wurde, hatte sie noch nicht gealtert; als das Schisma das Glaubensleben erstarren machte und der Islam es ertödtete, da mag die erste Säule geborsten sein; als Champollion die Hieroglyphen entzifferte, verriethen sie ihm ihr Jahrtausende bewahrtes Geheimniß, und jetzt stehen noch die meisten, ja fast alle in voller Kraft, und es wird noch Jahrhunderte und Jahrtausende dauern, bis die Zeit den Sieg über dieses Bauwerk davonträgt, und wer weiß, ob diese Halle nicht noch Zeuge sein wird der Erfüllung der Prophetenworte über Aegypten (Jes. 19, 24 u. 25)! — 133 Noch schöner aber ist diese Säulenhalle am Abend, wenn der Mond durch die Fensterlücken scheint, wenn die Säulen Schlagschatten werfen und wenn Bild und Inschrift, Schaft und Kapitäl in magisches Licht getaucht sind, wenn die schlanken Obelisken freundlich herein- grüßen und der düstere Pylon sich trotzig in tiefes Dunkel hüllt: da ist es, als ob die ernsten Säulen müde wären die Quadern der Decke zu tragen, als ob sie die lang bewahrten Inschriften abschütteln und nach langer Arbeit gleich vielen ihrer Gefährtinnen sich zur Ruhe legen wollten. Wenn eine Mondnacht einen Dichter zu einem Liede begeistern kann, dann ist es eine Mondnacht in diesem Säulenwald; das Lied aber müßte hier zum Epos werden. — Es folgt ein mit Steintrümmern angefüllter Mittelhof. 2 Obelisken und 2 Kolosse schmückten ihn einstens, je ein Pylon bildete den Eingang und den Ausgang; alles ist jetzt zerfallen, nur eine aus rothem Granit gehauene Spitzsäule aus der Zeit Thutmosis' I. (15. Jahrh, v. Chr.) steht noch fast unversehrt da, schöne Hieroglyphen- zeichen der alten Zeit bedecken deren Seiten. Dieser 23 m hohe Obelisk verlor seinen Genossen erst im vorigen Jahrhundert. Wir bahnen uns einen Weg durch die Steintrümmer und finden im nächsten Raume in unversehrter Schönheit den zweitgrößten aller bekannten Obelisken (der größte steht vor dem Lateran in Rom); er wurde von der Königin Hatasu, jener Bilkis Aegyptens, im 15. Jahrhundert vor Christus errichtet. Seine Maße sind: 29 irr Höhe, 130 clim Inhalt, 374,000 k§r Gewicht. In der herrlich gemeißelten Inschrift heißt es: die Königin habe ihn mit sinn d. i. Elektrum (Silbergold) auslegen lassen, damit er leuchte gleich der Sonuenscheibe über die beiden Lande. Das Elektrum ist verschwunden, aber noch immer bietet er einen herrlichen Anblick, mag er im Sonnenlichte glänzen, oder vom Mondlicht um- flossen sein. Noch ein paar Gemächer und wir sind bis zum heiligsten Raume vorgedrungen. Vor dem Sekos oder Adyton erheben sich ganz frei zwei glattpolirte Granitpfeiler; jeder hat in Neliefdarstellnng je eine große Glockenblume zwischen zwei kleinern in meisterhafter Ausführung. Der Sekos ist wie gewöhnlich nicht groß, ein Rechteck aus Noscugranit. Er ist, wie bereits bemerkt, nach vorne und rückwärts geöffnet. Im Innern ist an den Seitenwänden Ammon als Ammon Generator und als ^.mrrron-i-g, srrberi untern (König der Götter) dargestellt, wie er die Huldigung des Königs in Empfang nimmt. Diese Doppelauffassnug des hier verehrten Gottes ist eine Anomalie wie die Doppelgestalt des Tempels und scheint eines das andere bedingt zu haben. Ammon war ursprünglich als Ammon Generator (mit Chonsu und Muth) Lokalgvtt von Theben. Als die Priesterschaft von Theben so großen politischen Einfluß erhielt, daß schließlich die Könige in Theben residirten und von ihnen ganz abhängig waren, suchte sie auch die geistliche Hegemonie zu erwerben und wurde Ammon mit dem Gotte Na von Heliopolis identisizirt und dann als oberster Gott und als Inbegriff der Gottheit proklamirt und heißt seitdem immer: ^mirrou-ra, König der Götter; diese Emancipation wurde durch den Namen Ammons — der Verborgene begünstigt. Um nun die übrigen Lokalgötter mit ihren Attributen, Titeln, Sagen, Mysterien rc. in dieses System zu pressen, wurde nach Kräften allegorifirt — Philo's Vorgänger sind sehr alt. An Stelle des einfachen Sonnendienstes trat eine höchst complicirte Theologie, deren Kern die pantheistische Lehre bildete, daß die Welt von einem in der Sonne verborgenen (Ammon-Ra) ge- heimnißvollen Geiste regiert werde. Die weiteren philosophischen Details dieser Theorie (z. B. Seelenwanderung) übergehe ich und erinnere nur, daß Pythagoras seine Lehre von den Aegyptern entlehnt hat. Doch politische und geistliche Hegemonie dauerten nicht zu lange; schon unter Namses II. minderte sich der Einfluß der „Brüderschaft Thebens", und schließlich mußte die Priesterschaft (unter den syrischen Königen) auswandern bis Gebel Barkal jenseits des 2. Katarakts; in geistlicher Hinsicht folgte die Reaktion unter Amenophis IV., welcher die mystische Bedeutung Ammons verwarf und den Sonnen- dienst wiederherstellte, er änderte seinen Namen in 6irrr an atsir — »Glanz der Sonnenscheibe" um und setzte dem pantheistischen Ammon die materielle Sonuenscheibe als Gottheit gegenüber. Es ließe sich hier noch vieles sagen über die „Brüderschaft Ammons", jene älteste Freimaurerei, über ihre Grade rc.; aber es gibt noch vieles zu sehen im Heiligthum zu Karnak. An der Außenseite des Adytons ist dargestellt unter Anderm, wie der Pharao von That und Horns mit hl. Wasser gereinigt, hierauf gekrönt und dann vor Ammon (dessen Emblem die Federkrone ist) geführt wird, der ihn segnet. Darunter die Procession der hl. Barke. An Festtagen wurde nämlich das Götzenbild in einem kleinen Tempelchen (Naos) auf eine goldene Barke gestellt und auf den Schultern der Priester in Procession nach dem hl. See im Südosten des Tempels getragen. Au den Wänden des Corridors, welche mit denen des Sanctuariums parallel laufen, hat Thutmosis III. seine Feldzüge aufgezeichnet. Dieselben erstreckten sich auf Syrien und Mesopotamien (Nuten und Naharin). Hinter dem Heiligthum (Adyton) liegt, wie bereits erwähnt, ein zweiter Tempel, dessen Grundriß noch leicht erkennbar ist; guterhalten aber ist nur der große Pfeilersaal Thutmesis' III. Derselbe ist 44 irr breit und 16 m tief; 20 Säulen in 2 Reihen tragen mit 32 quadratischen Pfeilern die Decke. Die Säulen haben hier „umgestürzte Kelchkapitäle", welche Form sonst nirgends mehr nachweisbar ist. Geht man gleich von der ersten Säulenreihe dieser Halle nach Süden, also nach rechts, so trifft man eine lauge Reihe von Kammern, welche zu dem Tempel gehörten. Der westlichsten Kammer gegenüber fehlt in der Corridormauer ein größeres Stück. Dort stand ehemals die „Königsrcihe von Karnak", welche sammt den Listen Manetho's, den Königsreihcn von Abydos und Sakkarah, ferner dem Turiner Königspapyrus so ziemlich unser ganzes Quellenmaterial betreffs der Chronologie der Dynastien ausmacht. Diese Köuigsliste wurde von Burton entdeckt und von Prisse nach Paris gebracht; sie schließt mit Thutmosis III. und enthält 62 Königsschilder. Hinter der Pfeilerhalle sind noch einige Gemächer, welche mehr oder minder gut erhalten sind, darauf die ganz zerfallene Karyatidenhalle Namses' II. und wir stehen am Ende des Tempels. Außerhalb noch die Ruinen eines Tempels Ramses' II. und noch weiter östlich der Pylon des Nektancbos. Von diesem östlichen Pylon bis zum 1. Pylon des Tempels ist eine Entfernung von nahezu */z Kilometer. Die Frage, wann dieses Nationalheiligthum erbaut 134 wurde, läßt sich in dieser Allgemeinheit nicht beantworten. Schon unter der 12. Dynastie stand hier ein wenn auch kleines Heiligthum, und von Uscrtcsen I. (ca. 2300 v. Chr.) bis in die Ptolcmüerzeit haben zahlreiche Könige dasselbe geschmückt, vergrößert und restaurirt; der Löwenantheil an dem Ruhme, dieses Werk geschaffen zu haben, gebührt den Pharaonen der 18. (Thntmose) und 19. (Namesidcu) Dynastie. Die nördlichen Trümmer zahlreicher Tempel lassen wir bei Seite und wenden uns dem heiligen See an der Südseite zu. Er ist heute noch vorhanden, sein Wasser aber ist salzig geworden. Sein Decken bildet ein Rechteck. Auf ihm wurde einst die heilige Barke mit dem Götzenbilde gerudert unter den Gesängen der Eingeweihten, während die Nichtwissenden im peristylen Hofe warteten. Westlich vom See erweitert sich die Tempclanlage nach Süden durch ein System von (4) Pylonen, welche mit einander durch Mauern verbunden sind; an den letzten (südlichsten) Pylon schließt sich eine Sphynxallee an, welche zu dem hübsch gelegenen, aber bis auf die Grundmauern zerstörten Tempel der Muth, des weiblichen Principes der thebanischen Trias, führt. Es war dieses ebenfalls eine Proccssionsstraße. Ein heiliger See umschließt hufeisenförmig dieses Heiligthum von 3 Seiten. Sein Wasser ist süß, und man kann fast immer wasserschöpfende Fcllachinen an seinem Ufer sehen und beobachten, wie sie die schweren, Ballas genannten Thonkrüge sowohl leer als gefüllt mit stauuenswerther Geschicklichkeit auf dem Kopfe tragen. Trümmer von 3 kleinen Tempeln liegen in nächster Nähe. Von deui Sanctuarinm der Muth führte eine weitere Sphynxallee nach Süden, wo sie fast im rechten Winkel auf die von Luxor kommende Reihe stieß, jetzt ist nur wenig mehr sichtbar. Die Sphyuxstraße von Luxor setzte sich fort bis zum Tempel des Chonsu, des dritten Principes der Trias. Von dem letzten Theil derselben ist noch sehr viel, allerdings verstümmelt, erhalten. Vor dem eigentlichen Pylon des Chonsnheiligthums erhebt sich ein Propylon aus Ptolemäischer Zeit, welcher ganz die Form des Siegesthores in München oder des aro äo triomxlro in Paris rc. hat, nur ist er schlanker, höher und voll Skulpturen und Inschriften. Hinter diesem Propylon erweitert sich die Sphynxallee um das Doppelte und endet vor dem Pylone. Der schöne Chonsutempel ist ausgezeichnet erhalten und verdient seiner edlen Formen wegen einen mehrmaligen, aufmerksamen Besuch. Selbst wenn man kurz zuvor den Wundersaal des großen Tempels gesehen hat, macht er immer noch Eindruck; wenn man aber das große Trümmerfeld passirt hat, welches diesen Tempel umgibt, dann ruht hier Auge und Geist aus, da es hier nichts zu reconstruiren gibt, und weidet sich an den alten Knnstformcn aus der Zeit Namses' III. Wenn am Abend der Mond seinen Tempel und die Bilder seiner Personifikation (Chonsu ist der ägyptische Mondgott) mit seinem magischen Lichte übergießt, dann ist es, als ob die Säulen sich enger aneinander schließen würden, gleich als ob sie sich etwas von Einst und Jetzt zuzuflüstern hätten, dann ist es eine Lust zu wandeln durch die schönen Säle und zu sinnen, dann ist es so traulich und heimisch in diesen Räumen, es ist wie ein Idyll. Nebenan ist ein kleiner Tempel der Göttin Apet, welche bei schweren Geburten angerufen wurde. In diesem Gebäude wohnte während seines Aufenthaltes in Karnak der Entdecker des Schlüssels zum Verständniß der Hieroglyphen, Champollion Is jeuuo. Vom Chonsutempel ist noch besonders zu erwähnen, daß er uns das einzige bisher bekannt gewordene Bild der Beschneidung eines Aegypters überliefert hat. Die Thatsache dieser Sitte war durch Herodot 2,104, Horapollo, Joseph FlaviuS, Clemens von Alexandrien, sowie durch Untersuchung von Mumien bekannt; hier aber haben wir die urschriftliche Bestätigung. (Schluß folgt.) Die Bücherschcitze Deutschlands. ----- Das neueste „Adreßbuch der deutschen Bibliotheken" ist werth, daß es von Jedem, der über die Entwickelung der Wissenschaft sich eine bestimmtere Vorstellung bilden möchte, angeschafft werde. Dieses Buch zählt im Ganzen 1609 Bibliotheken auf, darunter 130 öffentliche, mit einem Bestände von 27 Millionen 91,288 Druckbäudcn und 240,416 handschriftlichen Büchern. Für die Vermehrung dieser Bibliotheken werden jährlich etwa 2 Millionen 323,101 Mark ausgegeben. Unter den öffentlichen Bibliotheken gibt es 59 staatliche, 53 städtische, 18 gestiftete oder provinziale mit nahezu 15 Millionen Denckbänden und 200,000 handschriftlichen Büchern. Für die Vermehrung der öffentlichen Bibliotheken wird jährlich ungefähr eine Million Mark verausgabt. Was ist das für die Waffen der Wissenschaft im Verhältniß zu den Ausgaben für die Waffen der Zerstörung im modernen Culturstaat! Ein anderes, jedoch erfreuliches Verhältniß wird von diesem Adreßbuch in Helles Licht gesetzt. Die Aufschlüsse des Adreßbuches der deutschen Bibliotheken sind nämlich eine wissenschaftliche Ehrenerklärung für den Katholicismus. Unter den eigentlich kirchlichen Bibliotheken sind 120 protestantische und 81 katholische. Da die Protestanten etwa noch einmal so viel als die Katholiken, da sie reicher und ihre Geistlichen besser gestellt sind, so müßten sie 160 Bibliotheken haben. Betrachtet man aber den Inhalt der Bibliotheken, so ist das Verhältniß noch vortheilhafter für uns. Die 120 protestantischen Bibliotheken enthalten 436,647 Druckbünde und 1551 Handschriften; die 80 katholischen dagegen 1 Million 19,118 Druckbände und 5559 Handschriften. Und dabei sind die Bibliotheken der in Preußen wieder neu entstandenen Klöster nicht eingerechnet. Noch günstiger gestaltet sich das Verhältniß, wenn man fragt, wo diese Bibliotheken eigentlich hergekommen sind. Für die meisten öffentlichen Bibliotheken kann hier als stehende Formel gelten, was obiges „Adreßbuch" S. 144 von der herzoglichen Bibliothek in Gotha schreibt: „Begründet von Herzog Ernst dem Frommen (1640—1675) mit einem vorzüglichen Stamm seltener alter Drucke und werthvoller Handschriften, zum Theil aus der Kriegsbeute von München, Würzburg, aus mainzischen und andern Klöstern stammend." Raub aus dem 30jährigcn Bruderkrieg! Es gibt sehr wenige größere Bibliotheken, die nicht reich geworden sind durch dieBeute aus den katholischen Klöstern. Zum Beispiel: Die grobherzogliche Landesbibliothek in Karlsruhe nahm für sich die Auswahl aus den Bibliotheken des Hochstiftes Speyer, des Fürstbisthums Konstanz, der Abtei Neichenau 135 (267 handschriftliche Bücher auf Pergament und 164 auf Papier), der Klöster Allerheiligen, Ettenheimmünster, Gengenbach, Krozingen, Lichtenthal, Oehningen, Offen- burg, St. Blasien, St. Georgen, St. Margen, St. Peter, St. Trudpert, Schüttern, Schwarzach, Tennenbach, Won- nenthal. Die Universität Heidelberg bereicherte sich mit 60,000 Bänden anS dem Neichsstifte Salem, mit 870 aus der Abtei Gengenbach und noch mit anderer Klosterbeute. Auch die protestantische Universität Erlangen hat die Bücher katholischer Klöster nicht verschmäht. Die Universitäts-Bibliothek zu Leipzig ging hervor aus den Büchersammlungen des Leipziger Dominikanerklosters, verschlang die Bibliotheken der Franziskaner, Augustiner, und nahm die Drucke und Handschriften der Klöster Altzclle, Buch, Chemnitz, Langensalza, Pcgau, Petersberg, Pirna. Die königl. preußische Bibliothek in Berlin begann 1661 durch Vereinigung einer Schloßbibliothek mit den Schätzen der Klöster und Stifter aus der Mark Brandenburg, dem Magdeburgischen und Wcstphalen. Dazu mußten die Klöster in Schlesien, Provinz Preußen, Posen und Rheinland ihre Bücher hergeben. Die Universitätsbibliothek in Breslau enthält die Bücher von 70 (siebenzig) Klöstern und katholischen Anstalten. Auf diese Art und Weise war es keine Kunst, Bibliotheken anzulegen und die Wissenschaft zu fördern. Die obige Zusammenstellung enthält natürlich blos einige der stärksten Beispiele. Den Katholiken ist von ihren alten Bibliotheken außerhalb Bayerns nur selten etwas geblieben. Was die katholische Kirche dank den Opfern ihrer Mönche und Geistlichen besaß, ist durch die Reformation, Revolution und Säkularisation zum Theil vernichtet worden, zum Theil in die Bibliotheken der Landeshauptstädte und der Universitäten, und auch in protestantische Bibliotheken übergegangen. Die Katholiken haben nach ihrer Beraubung mit Büchersammeln meist wieder von vorn anfangen müssen, und zwar ohne Staatsnnterstützungen, aus eigcuen Mitteln. Besonders haben in Neuschaffung von Bibliotheken sich die bayerischen Klöster ausgezeichnet. Wie Brück in seiner Geschichte der katholischen Kirche des 19. Jahrhunderts berichtet, hat zu Anfang dieses Jahrhunderts in Bayern die Regierung ärger als die wilden Hunnen und die Ungarn gegen die Kirche gehaust. Alles wurde ausgeplündert. Heute zählt das Kloster Metten wieder 60,000 Bände, St. Bonifaz in München 36,000 nebst 150 meist arabischen Handschriften. Schcycrn, Schäftlarn, Weltenburg schließen sich würdig an, sogar die armen Franziskaner in München haben es auf 14,000 und die Minoriten zu Würzburg auf 12,000 Bände gebracht, darunter 220 erste Drucke und 242 Handschriften. Das protestantische Predigerseminar zu Wittenberg, der Wiege des Protestantismus, dagegen, obgleich im Besitze eines Theiles der alten Universitätsbibliothek, zählt nicht über 33,000 Bände, das reiche seit 1544 bestehende Thomasstift in Straßburg nicht über 30,000, die seit 1648 bestehende protestantische „Ministerialbibliothek" in Erfurt nicht über 18,000; das evangelisch-theologische Seminar in Tübingen 25,000 Bände, wogegen das kathol. Wilhelmsstift in Tübingen 40,000 Bände ausweist. Sonst haben die angesehensten Predigerseminare nirgends eine eigentlich bedeutende Bibliothek auszuweisen. Unter den deutschen Staaten hat das katholische kleinere Bayern genau gerade so viel staatliche Bibliotheken als Preußen und fast "/z der darin enthaltenen Bücher. Die katholischen Städte Köln, Aachen, Trier, Mainz, Straßburg, Metz, Colmar, Breslau, Posen u. s. w. stehen mit ihren Städtebiblio- theken glanzvoll in der ersten Reihe. Der katholische Adel darf sich mit seinen Familienbibliotheken, waS Umfang und Werth anbelangt, kühn mit dem protestantischen messen. Bemerkt sei noch, daß auch die Jesuitenbibliotheken eine bedeutende Rolle spielen. So kam 1632 die Jesuitenbibliothek in Fulda als Kriegsbeute nach Kassel. Zu manchen bedeutenden öffentlichen und vielen Gymnasialbibliotheken haben die Büchersammlungen der Jesuiten den Grundstock abgegeben. Wie Vieles und wie Kostbares bei diesen Plünderungen der alten katholischen Klöster und Stifter zu Grunde gegangen ist, läßt sich nicht beschreiben. Was laut dem „Adreßbuchs" noch vorhanden ist, kann aber schon genügen. Die alten katholtschenMöncheund Geistlichen haben zahllose Bücher abgeschrieben, verfaßt, gedruckt, gekauft und gesammelt, und so unschätzbare Denkmäler christlicher Wissenschaft zu Stande gebracht. Die leiblichen und geistigen Nachkommen der Plünderer jedoch schmähen und verleumden im Besitze und Genusse des Raubes die alten Erwerbcr und Eigenthümer. Mit stolzer Miene beschränken sie sich auf das „Ein- und Ausathmen der mentalen Vocale und Konsonanten" und erklären in gelehrtem Tone, das Christenthum könne nicht „Adjectiv der Wissenschaft" werden. Recensionen und Notizen. Emil (E.), Erinnerungen eines alten Prägers. Gbettogcschjchten aus vergangenen Tagen. Leipzig, Malende. 1893. 6°. 251 S. Ein „schlechtes" Buch; wenn auch frei von jeglicher Pikantcric eines Sachcr-Mascch, so doch „schlecht" wegen des in seiner „Gänze", wie der Verfasser zu reden beliebt, trivialen Stiles und unordentlichen Deutsches, vor allem aber wegen der Gehässigkeit, mit der der Verfasser, ein Vollblut-Ghcttojude, Christenthum und katholische Kirche anschaut. Das Letztere tritt besonders unverhüllt in die Erscheinung in der ersten Geschichte von der „Gräfin Nochile". Neben ziemlich viel Gift für den Adel wird da der ganze schäbige Apparat liberaler Colportagc- roinauc — die stereotype Schauergeschichte aus einem Kloster, der „Jünger LoyolaS" bezw. abgefeimte Beichtvater gegenüber einem „wahren, ächten Priester" nach dem Herzen Bcrthold Auerbachs — auf die Scene gebracht, und zwar möglichst plump und langweilig, allerdings deshalb auch am ungefährlichsten. Wir legen das Buch mit Befriedigung aus der Hand! F. Lindner, Erläuterungen zur bayer. Gemeinde- ordnung für die Landestheile diesseits des Rbeines. Gesetz vom 29. April 1869 und 19. Januar 1872. Nebst einem Anhange und ausführlichem Register. 2. voll. umgearbeitete und weseutl. vermehrte Anst. mit herausgegeben von Dr. Thomas von Hauck. München, I. Sckweitzers Verlag (Jos. Eichbichler) 1894. — Preis des vollsläud. Werkes 6,50 M. — gebunden 7,50 M. IV. Mit der jüngst ausgegebenen IV. bis VI. Lieferung liegt nunmehr die Linoner'sche Gcmeindcordnung für das rcchts- rhein. Bayern abgeschlossen vor. Was die erste Lieferung versprochen, ist bis zum Schlüsse voll. erfüllt worden. Die Erläu- rcrnngcn sind so ganz und im vollsten Sinne ein Handbuch der Praxis, das dem nichtjuristischen Gemeindebcamlcn und Ge- nieiudevcrtreter, dem Bürger, der sich um Ausgaben, Rechte und Pflichten der Gemeinde und Gemeiudcangehvrigen intcrcssirt, dieselben guten Dienste bietet, wie dem juristisch gebildeten Ver- waltungSbcamten. Jeder wird rasch und leicht in knappen, kurzen Ausführungen und doch in erschöpfender Klarheit Antwort auf 136 die Fragen finden, die ihn eben beschäftigen. Und in dieser raschen und leichten Ausschlußgewährung liegt eben der besondere Vorzug des BucheS; denn im heutigen Dränge der Arbeit werden Wenige, innerhalb wie außerhalb der Amtsstube, in der Lage sein, einer auftauchenden, sofortige Entscheidung und schnellen Entschluß heischenden Frage ein Studium eingehender wissenschaftlicher Erörterungen widmen zu können. Die Benützung des Werkes fördert ungcmein ein vorzüglich gearbeitetes, ausführliches Inhaltsverzeichnis;, das auch dem weniger durch Belesen- hcit Geübten ermöglicht, ohne Zeitverlust zu finden was er sucht, und ein reichhaltiger Anhang von Auszügen einschlägiger Gesetze, von Verordnungen, VollzugSbestimmungen und Normativen erspart eine umfängliche Bibliothek und daS mühsame, ausbauende Zusammentragen viel zerstreuten Materielles. In Anbetracht des Gebotenen und der schönen, soliden Ausstattung ist der Preis als ein sehr mäßiger zu bezeichnen. Schließlich kommen wir auf unsere Besprechung der ersten Lieferung zurück, indem wir das Werk insbesondere den hochw. Pfarrvorständcn und den jüngeren, sich auf den Pfarr- und Predigt- a'mtsconcurs vorbereitenden geistlichen Herren nochmals angelegentlichst empfehlen. „Haideblüthen" und „Haibemyrten" von Hildrich Burgvogt. Da mit dem Wiederbeginn der guten Jahreszeit nicht nur die profane Reiselust wieder zu erwachen anhebt, sondern auch die Pilgerzüge und Wallfahrten zu den beliebten Gnadenorten wieder ihren Ansang nehmen, glauben wir eine uns von Vielen gedankte Pflicht zu erfüllen, wenn wir auf zwei unscheinbare, aber innerlich um so wcrthvollcre Büchlein hinweisen, welche unter dem Titel „Haideblüthen" und „Haidemhrten, als Votiv- kränzchcn gewidmet dem Gnadenortc Altötting von Hildrich Burg Vogt, kürzlich dort erschienen sind. Ist es doch eine althergebrachte Sitte, daß jeder andächtige Besucher einer solchen meist aus unvordenklicher Zeit stammenden Gnadcnstätte sich dieses und jenes kleine Andenken mitnimmt. Was liegt aber naher, als daß er die zum Lobpreise der Himmelskönigin aus frommem Priestcrherzcn emporgestiegenen Lieder mit dazu erwählt, in welchen er die ihm nur erst zum Theil bekannten Wunderthaten und Gebctserhörungen der dort so hochverehrten Gottesmutter, sowie auch die an merkwürdigen Schicksalen so reiche Geschichte der geweihten Ocrtlichkeit in köstlichen Versen dargestellt findet, die er auch, heimgekehrt, stets wieder mit Erbauung und gerührten Herzens ihrer schlichten Einfachheit und ihres tief zu Gemüth gehenden Tones willen lesen wird, ! denn mit dem bescheidenen Verfasser sind wir der gleichen An- I ficht, die er in einem die dort vorhandenen Votivgeschenke, soweit sie aus dem Volke herrühren, behandelnden Poem in so flammenden Worten ausgesprochen bat: „Nein, die Kunst ist nicht das Leben, Recht zu leben, nenn' ich Kunst, Gott dem Herrn die Ehr' zu geben In der Zeiten Noth und Gunst. Alle Kunst entbehrt der Sonne, Wenn sie nur den Sinnen frommt, KindeSlallcn wird zur Wonne, Weil'ö aus Gottes Eden kommt. Blendwerk ist all' unser Können, Stammt von Gott nicht Kern und Trüb, Wenn es nicht mit Segen krönen Glauben, Hoffnung und die Lieb'. ! AuS dem Glauben muß es wachsen, Soll es gute Früchte sch'n, Sich, wie Räder um die Achsen, Um die cw'ge Wahrheit dreh'n. Dann wird's nach dem Himmel ringen, Weil es aus dem Himmel stammt, Ew'gen Heiles Früchte bringen, Weil vom heil'gcn Geist entflammt." In der That weiöheitsvolle Worte, die wir Alle beherzigen mögen t M. Gr. Dr. Jnk. Mayer, Die christliche NScese. Ihr Wesen und ihre historische Entfaltung. Mit Approbation des hochw. Herrn Erzb. von Freiburg i. Br., Herder 1894. 8°. IV -s- 48 S. 0.80 M. Es wäre vielleicht der Titel: „Die Entwicklung der mönchischen AScese bis zum 5. Jahrhundert" bezeichnender gewesen für den Inhalt des Büchleins. In dieser Beschränkung deS Thcma's hat der Verfasser eine fleißige, quellenmäßige Arbeit geliefert. Er wird cS ohne Zweifel selbst am lebhaftesten empfunden haben, daß zu einer Geschichte der Auffassung und Uebung der AScese die dctaillirten Vorarbeiten noch fehlen. Aus diesem Grunde möchte zu rathen sein, zunächst nicht „eine ausführliche Geschichte der AScese" in Angriff zu nehmen (S. IV), sondern die hauptsächlichsten Lehrer deS christlichen Alterthums und Mittelaltcrs auf ihre Anschauungen über AScese in einer Reihe von Vorstudien zu prüfen. Solche Vorstudien, als Mono- graphicen oder in Zeitschriften veröffentlicht, würden zugleich in dem einen oder andern Punkt zu DiScussionen Gelegenheit bieten, welche für das in einer „Gefälschte deS NScese" zusammenzufassende Resultat immerhin von Einfluß sein dürften. vr. A. S. Literarischer Handweiscr, begründet, herausgegeben und rcdigirt von Msgr. vr. Franz Hülskamp in Münster. L4 Nrn. ä 2 Bogen Hochquart für 4 M. P. Jahr. 1894. Nr. 2. Inhalt: Der I. Band der „Kirchengeschicht- lichen Studien" von Kuöpfler, Schrörs und Sdralek (Ehrhard). — Weitere kritische Referate über Sciden- pfcnning Ucbcrsctzung und Erklärung des Galatcr- und des I. Korinther-Bricses, Nikel Monotheismus Israels vor dem Exile, Kellner St. Ambrosius als Erklärer des alten Testaments, Kaulen Biblische Einleitung 3. Auflage und Monod Apostel Paulus (Müllcr-Breslau); Probst Liturgie des IV. Jahrhunderts (Ebner); Greve Geschichte der Abtei Abdinghos in Paderborn (?. Leonhard); viks ok chrclibisdop Vauä (Belles- hcim); Westcrmcier Botanik für Hochschulen, Bertholt» Blumen am Wege, Kaltenegger Der Honig, Ulsamer Hausapotheke und Einheimische Beeren (Plaßmann); Faure Tröstungen des Fegfencrs und David Vaterunser (Deppe).— 7 Notizen über verschiedene Nova (Hülskamp). — Novi- tätcn-Verzcichniß. Literarische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von vr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freibnrg i. Br. Jahrgang 1894. 12 Nummern. M. 9. — Freiburg im Breisgau, Hcrdcr'sche Ver- lagöhandlung. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 4: Die katholische Literatur Englands im Jahre 1893. II. (Bcllesheim.) — 8. vpüraem 8xri oom- menrarii in opistolas O. vanli. (Vetter.) — Mirbt, Die Wahl Gregors VII. (Feiten.) — Hanancr, Ooutumos matrimonialss au wogwn L§s. — Schüler, Die Verwaltung des Bußsakra- mentes. — Znvsa, 8. Optati Llilsvitani libri VII. (Weyman.) — Zycha, Lauoti aureli LuZnstinr äs Zsussi s.ä littsrrcm libri äuoäsoim. (Weyman.) — Elscr, Die Lehre des Aristoteles über das Wirken Gottes. (Braig.) — Paulsen, Einleitung in die Philosophie. (Offner.) — Bendcr, Rom und römisches Leben im Alterthum. (Egen.) — Caland, Altinvischer Ahncncult. (Hardy.) — Ehses, Quellen und Forschungen aus dem Gebiete der Geschichte. (Bellesheim.) — Zimmermann, Cardinal Pole. (Funk.) — Straßburgcr Theologische Studien. I. Band, 3. Heft. (Scbmid.) -- Westermaier, Compendium der allgemeinen Botanik für Hochschulen. (Niedcnzu.) — Wörndle, 'Lucas Ritter von Führichs ausgewählte Schriften. (Grupp.) — Stilgebauer, GrimmelShausenS Dietwald und Amelinde. (Jostes.) — Nachrichten. — Büchertisch. Der Katholik. Nedigirt von Joh. Mich. Naich, 12 Hefte M. 12. Mainz, Kirchheim. Inhalt von 1894, Heft IV, April: vr. Selbst, Das päpstliche Rundschreiben »vroviclsntissimns Dons« üher das Studium der hl. Schrift. — vr. Jof. Bl. Becker, Interessante Rundfrage der „Deutschen Gesellschaft für ethische Cultur". — vr. A. Belles- hcim, Der Ehrwürdige Cardinal Bcllarmin in katholischer Beleuchtung. — Jof. AertnyS, 6. 88. R., Beiträge zur Rechtfertigung des Acquiprobabilismus. — Literatur: Clemens Blume, Das Apostolische Glaubensbekenntniß. — H. Grisar, Vs Vombs axostoliebs. — A. A. G öpfert, Pastoral« thcologie von I. B. Rcnninger. — vr. Grützmacher, Die Bedeutung Benedikts von Nursia. — vr. Johannes Scho- lasticus, Stellung des katholischen Religionsunterrichts rc. — A. Perger, Homiletische Predigten. — Lewis Wallace, Ben-Hur. Vergiltst). Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg.