Nl-,20 17. Mai 1894. Viktor Hardung. „So eitel künstlich haben sie verwobcn Die Kunst, die selber sie nicht gläubig achten, Daß sie die Sund' in diese Unschuld brachten: Wer unterscheidet, was noch stammt von oben? Und wer mag würdig jene Reinen loben, Die in der Zeit hochmüth'gcm Trieb und Trachten Die heil'ge Flamme treu in sich bewachten, Aus ihr die alte Schönheit neu erhoben!" (Eichendorff: „Der Dichter".) 2^2 Gerne pflegen die Leser der „Beilage" Folge zu leisten, so oft es gilt, an dem frischgeschmückten Grabe eines Heimgegangenen Dichters sich zu irgend einer pietätvollen Gedächtnißfeier zu vereinen. Nicht minder freudig auch, denke ich da, werden sie willfahren, wenn einmal wir sie einladen zur schuldigen Ehrung für einen der feinsinnigsten Sänger unserer Tage. Viktor Hardung heißt der eigenartige Poet. Er ist Katholik; geboren am 3. November 1861 zu Essen an der Nuhr, lebt er augenblicklich in der Schweiz, die er sich zur zweiten Heimath erkoren hat. Von ihm wurde in kurzer Zeit (über seine literarische Thätigkeit vgl. Kathol. Literaturkalender IV, 69) der meist so poesieverlasseue Schautisch unserer modernen Literatur mit reichen Kostbarkeiten geschmückt durch die Dichtungen: „Die Kreuzigung Christi" (dramat. Entwurf), „Sonuweudfeuer", „Lieder zweier Freunde" und „Königin Rose"; ein Trauerspiel „Die Wiedertäufer in Münster" dürfte in diesem Jahre erscheinen; wir werden zur gegebenen Zeit die Leser der „Beilage" damit bekannt machen. Die lang verstaubte Laute Eichcndorffs sollte mit Hardung wiederum ihren ebenbürtigen Meister finden. Der ganze weiche Schleier, welcher die Blüthen der Romantik so zauberisch zu umspinnen liebt mit Duft und Melodie, ruht auf seiner Lyrik. Sie ist nicht künstlich zurückgestimmt. Lauscht man ihren goldenen Tonen, so beschleicht ein warmes Sehnsuchtsgefühl die Brust des Hörers, das alte Schmeicheln und Locken zur Flucht aus diesem wüsten Grunde hinaus nach dem verwunschenen Garten der Schönheit und der Träume. Denn: „Wen einmal so berührt die heil'gcn Lieder, Sein Leben taucht in die Musik der Sterne, Ein ewig Zich'n in wunderbare Ferne" — wie so tiefempfunden im Jahre 1809 „der letzte Ritter der Romantik" gesungen hat. Um Hardungs Dichtungen zu empfehlen, bedarf es nicht erst vieler Worte. Ihnen wird sich kein Herz verschließen, an dessen Saiten ihre Weisen angeschlagen haben. Hier zum Verkosten nur einige Klänge aus „Sonn- wendfeuerl" A b e n d h a u ch. Nun zieht die gaukelnde Libelle Des Sinnens müd die Schwingen ein. Verschlafen murmelt noch die Quelle, Und stille naht der Mondcnscheiu. Und über meine Seele wieder Kommt es wie längst verklung'ne Lieder Von einem fernen, gold'nen Stern — O Abendhauch, o Abendhauch, wie hab ich dich so gern! Wie hab ich dich so gern! Die blauen Blumenaugcn schließen Sich über einer Thräne zu, Und auf die Lande sich ergießen In weichen Wellen Traum und Ruh. Und über meiner Seele Kummer Kommt es wie leiser, leiser Schlummer, Und alles Leid ist weltenfern — O Abendhauch, o Abcndhauch, wie hab ich dich so gern! Wie hab ich dich so gern! Lcbenötrau m. Im schimmernden Glänze träumen Die Wipfel den FrüblingStraum — Das ist ein Lustverschäumen, Ein Träumen, Versäumen — Du merkst es kaum. Lenzduftige Wölklein weben Ihr Gold au den HimmelSsaum — Das ist geheim ein Leben, Ein Weben, Verbeben — Du merkst cS kaum. In rosigen Blüthcuflocken Verwiesest der Frühlingsflaum — DaS träufelt auf die Locken Von Flocken .... ein Stocken — Du merkst eS kaum. Das sind doch Texte, würdig der congcnialeu Com- position durch einen Robert Schumann oder Eduard Lassen, wie man edlere und dankbarere nicht leicht finden dürfte? — Und erst die „Lieder zweier Freunde"! Sieben- undzwauzig Gedichte von Hardung und gleichviel von seinem Freunde Hermann Stegemann sind vereint zu einem Dioskuren-Album von besonderem Reize, fesselnd durch Wohllaut der Sprache und schöpferische Gestaltung, staunenerweckend durch das harmonische Znsammenspiel in Dur und Moll der beiden begnadeten Sänger. Sie sind erschienen in Zürich bei Juchli und Beck in vornehmer Ausstattung (grüner Damastband, Silberschnitt, guillochirtes Papier, Vignetten) als ein köstliches Angebinde für jedes Frauenherz. Wir beschränken uns hier auf eine Auslese aus Hardungs Beiträgen: Das kranke Mädchen. O Mutter, wie so golden Ein Strahl die Schatten bricht — Ich schau gewiß dem holden Frühling inS Angesicht. Da muß es besser werden Mit meiner Krankheit Noth — Hat Lenz erst Macht ant Erden, Kein Raum bleibt mehr dem Tod. Wie selig will ich suchen Veilchen am grünen Hag, Unter knospenden Buchen Lauschen dein Drosselschlag. Mit träumenden Angen aufs neue In verschleierte Fernen schalln Und zu des Himmels Bläue Eine goldene Brücke bau'n. Der Mutter über die Wange Verstohlen die Thräne rinnt: Ja, dauern wird es nicht lange, Und wir feiern Ostern, Kind. Und der Frühling entzündet die Kerzen Zur Hochzeit im festlichen Hans Und schüttet nach allen Schmerzen Den Himmel über dich aus. Die verwaiste Mutter. Um das Fenster der Frühling spinnt Seine blühenden Zweige, Und verlassen die Mutter sinnt: Schweige, mein Herz, doch, schweige! Kinderjauchzcn und Glockengetön, Jubel die Weite, die Breite — Wie nur die Welt so schön, so schön, Wenn uns ein Liebes zur Seite! Ist es ein Händchen, ist es der Wind, Was mir da streichelt die Wangen.!. Ack', mein liebes, einziges Kind Schlafen ist's, schlajen gegangen. 154 Mutterliebe. In tiefer Nacht beb ich von Qual zerrissen Und zähl den stumpfen Stundenschlag der Zeit; Und weinend wacht auf thränenfeuchten Kissen Mein dunkles Weh, Weh der Verlassenheit. Verlassen, einsam in des Markts Getriebe, In tiefste Brust der Sehnsucht Drang gebannt; Das wunde Herz lechzt ruhelos nack Liebe — Da streift mich tröstend eine milde Hand. Und stiller wird des Herzens wildes Schlagen, Das Auge schliefst sich heiß und müde zu; Und mit dein Schlummerlied aus alten Tagen Bringt mich das todte Mütterlein zur Ruh. Guter Geist. Wiudgcbläht ein Segel flaggt und flieht In deS Abends goldneS Thor, Anf der Welleuspur ein Leuchten zieht Und versprüht im Dämmerflor. Guter Geist hat frohen Wandermuth Und die golduc Ferne winkt, Und ein Leuchten ist es rein und gut, DaS auf seinen Spuren blinkt. Mag verblassen mählich auch der Schein, Dämmer über dunkler Tiefe steh'n: Leuchtend läßt hicnicdcn sich und rein Fern zum Ziel die Straße geh'n." Eine k'orruu udsolutionis a Löuvismo. Jaussen hat schon früher in einem kleinen Schriftchen: „Aus dem deutschen Univcrsitätslcbcu des sechzehnten Jahrhunderts", ein „allgemein verrufenes „akademisches Ungeheuer"", den Pennalismns, kurz berührt. In dem neuest erschienenen VII. Band seiner deutschen Geschichte findet sich nun noch Eingehenderes über diesen Unfug, wie besonders über die Dcposition der Füchse (Lsani). „Wer eine deutsche Hochschule bezog, hieß Lsauus, Gelbschnabel (bss-Murs) oder Fuchs, und wurde angesehen wie „ein Thier des Feldes, dem zur gebührlichen Vorbereitung für die öffentlichen Vorlesungen die Hörner abgenommen werden" mußten. Man hing ihm eine Ochscnhaut mit Hörnern über den Kopf und steckte ihm einen Eberzahn in den Mund, letzterer wurde dann unter allerlei „Ceremonien" ausgebrochen, die Hörner abgesägt und darauf der Beanus, um ihn „von seinen groben, bäuerischen Sitten zu befreien", an verschiedenen Theilen des Körpers mit Kamm, Säge, Hammer und Zange, auch mit richtigen „Ohrfüchfen" bearbeitet. Nach solchen Ceremonien führte der Beanus den Namen Pennal, von xsuuats, Fedrrbüchse. „Diese ,Dcposition' war ursprünglich ernsthaft gemeint, in akademischen Gesetzen anerkannt, sogar anbefohlen, und geschah im Beisein und unter Mitwirkung deS Dekans der philosophischen Fakultät." Im Laufe des 10. Jahrhunderts artete aber dieselbe vielfach aus. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus der sogenannte Pcnnalismus. Es waren nämlich die Dürfen abgeschafft worden, und die Neuankommenden wurden „zur Beaufsichtigung" älteren Studenten, besonders Landslenten, zugetheilt, und diese fingen bald an, eine unerträgliche Herrschaft über die ihnen Empfohlenen auszuüben. Sie hießen „Schönsten", „weil sie den jungen Studenten die Haare abschoren und diese auch sonst wacker schoren". Jeder Ankömmling, „FuSs", mußte als Famulus seinen Leibburschen, seinen „Herrn" oder „Patron", bei Tische bedienen, ihm Kleider und Schuhe reinigen, seine eigenen besseren Kleider abliefern, während er selbst nur in schmutzigem und zerlumptem Gewände und in Pantoffeln sich blicken lassen durfte. Kurz, sie mußten sich zu allen Möglichen Dienstleistungen und Plackereien hergeben. „Nach Ablauf des Dienstjahres mußte der Fuchs bei den einzelnen Mitgliedern der Landsmannschaft sich die „Absolution" er- erbitten und erhielt dieselbe auf einem von ihm herzurichtenden „Pcunalschmaus" „im Namen der heiligen Dreieinigkeit": das Haar wurde ihm abgebrannt, er war Brandfuchs und konnte nunmehr anfangen, an Anderen zu vergelten, was er selbst erduldet hatte." Diese Pennalschmäuse wurden zum schlimmsten Unfug, und selbst Professoren zogen ihre Vortheile daraus.*) Die strenge Disciplin der Jesuiten an den von ihnen geleiteten Schulen machte derartigen groben Unfug unmöglich. Gleichwohl traten sie den studentischen Gepflogenheiten nicht rigoros entgegen, sondern suchten auch diese, soweit es anging, in die rechten Bahnen zu leiten. Und so wurde auch die Dcposition beibehalten, wenn auch in milder Form. In demOirsotoriuiu ^snäeraisuiu uovmrr (1691)2) der Universität Dillingen sind unter den Taxen, wie sie schon am 4. Mai 1036 im akademischen Rathe ausgemacht und vom Provinzial k. Walter Mundbrot bestätigt wurden, folgende für die Dcposition ausgesetzt: Dro clepositione Loaäemias Depositor! Leäetto Oowitis: 1 st. 1 si- 1 st- Hobilis: 30 Kr. 15 Kr. 15 Kr. vivitis - 12 Kr. 12 Kr. 12 Kr. Danperis: 0 6 Kr. 6 Kr. Und Cap. V3) enthält eine höchst merkwürdige Formel in deutscher und lateinischer Sprache. Die ersteres lautet: „Wohlan ihr Dsuni, ehe ihr jezundt von eurer Bachantercy erlediget werdet, müsset ihr 4 Sachen angeloben. Erstlich, daß ihr aämoäuw. Ilovsronclo rro lULAniüco ?. Ilaotori und euren fürgesetzten ikro- lö88oril)U8 wöllet gehorsam sein. Zum anderen, daß ihr allen den Jenigen, welchen es gebührt, alle Ehr und rsvsrsrm erweisen wöllet, damit man könne abnehmen, daß ihr Studenten seyet. Für das dritte, daß ihr euch nit wöllet rächen an den Jenigen, welche euch äsxouisrt haben. Letzlich und zum vierten, daß ihr euch nit mehr wöllet äsponisrorr lassen, es sehe gleich hie oder anderstwo: sondern euch hüten, daß ihr durch böse Sitten nit verdient, wiederumb unter das Bcanen Biech°) gezählt zu werden." Imtins, lorurnln: l?r1u8«inam vo8 Lsaur vsstro Lenuisiuo lists- rsrrrini, 4 ssgusirtin vovsrs äolrstm. 1° Huoä aäiri. IlsvZ" st ?. üsstori, st xruoxositis vobis I?raeLöxtoriI>u8 oflecliis vslitig. Islix, fau8tum«iue ait, N. l^s. (Name des Depositors) untorituts a. Na§niüao Qornino Rsotors inifii oouosaoa,, vos a.b>8o1vo rrd vmnitm3 impsäimsirtis, ^nifins lraotsuns irnxsäiti tuistis gnonrinus xotnsritis ^auäsrs privlls^iis, ^nidn8 tam Iiuiu8, c^narn aliarnw, Ilniveroitatnin stnäiosi Annclers solsnt. Lb in sissnurn Irnins iinxono oa- pititin8 vsotris oulein ( 310 !) saxisnlirrs (er bestreut also ihre Häupter mit Salz), nb xistati sb donia raoridus aoritsr insistsnäurn 6886 inbsI1i^nti3. (ksrtnnclit vino eaxitn sinZuloreirr äioenäo.) I'roxtsrsL psrtünäo oaxitn vs8trn vino äul- L6äini8, nb in Litterarum stnäiis narr tarn nori- mvniam st viin; c^uarn änlseäiirsur 6t Lnavitatsaa 1Q688S 60AU08Lati8. Man ersieht aus dem Gelöbniß, sich nicht zu rächen, u. a., daß immerhin noch einige recht wackere „Ceremonien" dabei verübt werden mochten. Wenige Spuren von diesen Ceremonien und Gebräuchen haben sich noch theils im Comment studentischer Korporationen, theils in einzelnen Kollegien oder Internaten erhalten. So ist z. B. in Innsbruck und im Georgianum zu München noch ein sogenanntes „Spritzerexamen" üblich, das nichts anderes als den letzten Rest der nfioolutio n LenrnMo bedeutet. Etwas derberer Art waren die Erinnerungen an den Pennalismus, wie sie noch bis in letzte Zeit in einigen Studienseminarien und ähnlichen Anstalten sich erhielten, und welche lediglich in Gewaltthätigkeiten gegen die Jüngeren und Neueintretenden bestanden. Man sieht aber, auch diese Erscheinungen haben ihre Geschichte und ließen sich deßhalb oft eher in erlaubte Bahnen leiten, als gänzlich ausrotten. Trotz aller Ausschreitungen muß man doch gestehen, es lag in der Sache an sich ein berechtigter humoristischer Zug, der in launiger Weise die hochtönenden würdevollen Ceremonien jener Zeit geschickt persiflirte. Und darum widmete wohl auch der Kanzler, welcher jenes Direktorium schrieb, der lorrau nlwolutronia a, LsaniMo ein eigenes Kapitel ganz wie den verschiedenen Ceremonien und Formeln bei den akademischen Promotionen. Dr. 0. I-. v. 8. Ueber die frühchristlichen Thiersymbole von Achmim-Panopolis in Oberägypten und in den Katakomben. Studie von Dr. Gustav Sl. Müller, MuscumSbevollm. und Herausgeber der „Autiquitäten-Zeitschrift" in Straßburg i. E. (Fortsetzung.) Der Hase. Zu den bedeutsamsten Thiershmbolen der altchristlichen Denkmäler gehört der Hase. Wir schließen uns bedingungslos und ohne Weiteres den bekannten Auffassungen an, wonach derselbe zu betrachten ist als Symbol 1) der schnellen Vergänglichkeit des menschlichen Lebens, dem die ewige Seligkeit folgt; 2) der Christen, die nach Christi Mahnung ihr „Heil in Furcht und Zittern" wirken, und 3) der Wachsamkeit, die „mit offenen Augen" schläft und das Böse vermeidet. Diese Deutungen haben ihren Grund in den sprichwörtlichen Charaktereigenschaften des Hasen, in biblischen und theologischen Quellen, und sie finden ihren nicht mißzuver- stehenden Ausdruck auf den verschiedensten Denkmälern der Katakomben. Auf den Grabfunden von Ach mim fehlt die specifische Symbolik der „Wachsamkeit" keineswegs, wenn auch die beiden andern Ideen häufiger und sinnvoller ausgesprochen werden. Die Darstellung auf einem Stoffe der Sammlung Forrer, die uns den Hasen „aus einem Gefäße mit Weinbeerblättern" herauskommend zeigt, enthält so ziemlich alle drei Gedanken. Sie ist das symbolische Bild des Christen, der wachsam wie der Hase in Furcht und mit Zittern vor dem Bösen seinen Lebenslauf vollendet hat und des himmlischen Friedens in Christo genießen darf. Wenn wir aus den Katakomben den Hasen kennen, wie er an einer Traube ißt, oder wenn auf einem Epigraph der Hase einer Taube entgegeneilt, die einen Oclzweig im Schnabel hält, wenn wir dann auch in Ach mim einen Hasen sehen, der an der Traube nagt, so erkennen wir in all diesen Variationen denselben Grundgedanken: der Todte hat den Lauf gut vollendet und erfreut sich der himmlischen Seligkeit, die durch Taube und Oelzweig, durch die encharistische Vase und die Weintraube dargestellt wird. Zu den Lampen mit dem Bilde des Hasen als dem Symbol der Wachsamkeit hat Forrer einen Beitrag geliefert, der, wie ein großer Theil der Achmimstoffe „byzantinischer" Provenienz, um so interessanter ist, als er genau dieselbe Darstellung bietet, wie die von Münz abgebildete Lampe der Sammlung Martiguy. Drei Stoffe aber von Achmim bieten ein tieferes Interesse. Zwei davon gehören nach Zeichnung und Symbolik sicherlich noch dem III. Jahrhundert, der Periode der Verfolgungen, an, indeß die dritte aus den gleichen Gründen dem IV. Jahrhundert zuzuerkennen ist. Ja, wir sind in den Stand gesetzt, selbst zwischen den beiden älteren Darstellungen zu entscheiden, welches die ältere und welches die jüngere sei. Betrachten wir zunächst das erste Bild. DaS Original (in meinem Besitze) ist ein 42 crn langes Stück eines Clavus mit einfarbiger (schwarzer) Darstellung auf weißem Leinwandgrunde, das wir schon aus äußeren Gründen der Zeichnung, Farben und Technik in das III. Jahrhundert setzen würden. Wir sehen, soweit der Clavus erhalten ist, der Reihe nach in Mcdaillonnmrahmungen einen Hasen, ein Ornament, einen Hasen, ein Ornament mit einem X in der Mitte, das geschickt angewendet ist, einen Löwen, Ornament mit Taube, Hase, Ornament, Löwe; hier endet eine Serie, ein schwarzer Baudstreifen scheidet sie von der neuen, von der noch ein Löwe in Gegenstellung zum letzten sichtbar ist. Diese reiche Symbolik gewinnt aber noch an Interesse durch das verhüllte Kreuz, das auf den ersten Blick nicht bemerkbar in der Form G auf dem schwarzen Bande angebracht ist, welches die Bildserien trennt. Die Verhüllung des Kreuzes Christi geschieht in dieser Darstellung entschieden vorsichtiger als auf der nächsten. Ob wir in der Form O nicht eine absichtliche Reminiscenz an das kreuzweise gekerbte encharistische Brod erblicken dürfen, bleibe dahingestellt. Nahe verwandt mit diesem Bilde, aber dennoch für sich höchst beachtenswert!) ist die folgende Darstellung, der ich wiederholt das Interesse der Alterthumsfreunde zu erwecken suchte. Das Original ist wiederum ein noch 158 auf die Berge. Gegen Abend erreichen wir das Thal Tayibe, welches in großen Bogen und Krümmungen sich bis zum Meere fortsetzt. Die Wände desselben fallen steil ab und sind vom Wasser, das einst dieses Wadi füllte, ganz ausgewaschen. Nach einer großen Krümmung stehen wir vor einer lieblichen kleinen Oase, zahlreiches Palmgebüsch steht an den Ufern eines kleinen Quell- bächleins, im Hintergrund ein merkwürdiger Berg, der ans gelben, rothen, schwarzen Schichten oder Bändern sich aufbaut. Hier bei dieser Oase, in welcher ich so gerne Elim sehen möchte, wenn es sich beweisen ließe, lagerten wir. Am andern Tage folgen wir dem Laufe des Wadi bis zum Meere. Hier sind wir sicher in den Fußstapfen der Kinder Israels. Bei dem Berge Tayibe, welcher der Reihe nach aus einer goldgelben, rothen, schwarzen und gelben Schicht besteht, öffnet sich das Wadi, und vor uns liegt in herrlichem Blau der Golf von Suez. Es beginnt nun wieder die Wüstenwanderung, dem Meeresstrande entlang. Die Formation der Berge ist hier eine andere als bisher. Meistens hatten wir bis dahin ausgewaschene Thalkesscl oder Bergwände vor uns; vielfach auch eigenthümliche Sandstcinhügel, die wie abgestumpfte Pyramiden aussehen und oben mit einer glatten Platte abschließen (die englische Karte nennt sie bezeichnend üat-toxxoä llills) und welche man oft für Menschcnwerk halten möchte; oft hatten die steil aufragenden Wände um ihren Fuß zahlreiche, kegelförmige Geröllhügel gelagert und alles war weiß, grau oder gelb. Hier aber erscheinen hinter Sandsteinvorbergen röthlich- blaue oder schwarzblaue gewaltige Gebirgsstöcke, welche namentlich bei Abendbclenchtung einen hübschen Anblick gewähren, ihre zerrissenen und verwitterten Wände bilden einen grotesken Gegensatz zu den regelmäßigen Schichten vieler Bergwände der durchwanderten Wadis. Mehrere Stunden dauert der Marsch am Ufer des Meeres, bald ganz nahe, einigemale sogar durch das Meer, meist aber in ziemlicher Entfernung. Hier in dieser Gegend ist das Lager der Juden zu suchen, von dem es heißt: „sie lagerten am Schilfmeere" d. i. rothen Meere. Als der Weg ganz nahe am Ufer hinführte, vertrieb ich mir die Zeit mit Muschelnsuchen, und es gelang mir auch zwei große Muschelschalen und viele kleine zu sammeln, sowie auch einige weiße Korallen. In der Entfernung von ungefähr 100 m sehen wir einer Schaar Delphine lange Zeit zu, wie sie in den Wogen auf- und niedertauchten. Der Karawanenweg verläßt die Wüste am Meere und biegt in ein Thal (Hanak el Logam) ein. Daß wir in der Wüste el Markha, die wir eben verlassen, einen Lagerplatz der Juden sehen dürfen, habe ich soeben erwähnt; ob aber der nun folgende Thalweg die Wüste Sin ist, in welcher das Manuawnnder zum erstenmal gewirkt, unterliegt vielem Zweifel. Ich möchte die Wüste Sin, welche zwischen dem rothen Meere und dem Sinai liegt, im Wadi Feiran suchen, dessen halbmondförmige Gestalt zu dem Namen Sin ausgezeichnet paßt und dessen Mündung nur einige Stunden unterhalb (südlich) der Wüste el Markha liegt. Das Wadi, welches wir passirten, ist reich an Akazien- bäumen, und zwar jener Spczics, aus welcher die Bundeslade gefertigt wurde, nämlich an Sayalbäumen. Dieselben sind über das Thal verbreitet, einer immer in ziemlicher Entfernung von dem andern. Sie sind dornig und Lalen kleine, gekräuselte Blättchen. Ihr Wuchs macht sie jedem unvergeßlich, sie strecken nämlich ihre zahlreichen Aeste in halber Höhe des Baumes fast wagrccht aus, um dem seltenen Regen eine möglichst große Oberfläche darzubieten, es sieht aus, als ob diese 3 — 4m hohen Bäume zahllose Arme hilfesuchend ausstrecken würden. Nach einigen Windungen endet das Thal, und ein neues, Wadi Schelal, beginnt. Die Gesteinsmassen lassen keinen Zweifel über ihren vulkanischen Ursprung über. Das Wadi Schelal hat seinen Namen von den an ihrer Oberfläche abgerundeten Basaltsteinen, da ebensolche Formationen am ersten Katarakt (ar. Schelal) vorkommen. Dieses Thal ist klein und weicht bald dem Wadi Budra, dessen nächste Umgebung gerade so aussieht, als Hütten sämmtliche chemische Fabriken der Welt die Asche und die Neste ihrer Retorten-Apparate hier aufgehäuft. Schlacken, Laven, Tuff, Basalt, Granit, Gneis, Orthoklas, Porphyr, kurz eine geologische Sammlung comms LI laut. Mein armer Kameltreiber hatte auch darum viel zu thun, um die von mir gewünschten Steinproben vom Boden aufzulesen und mir zu überreichen. Es sind alle möglichen Farben unter diesen Gesteinsarten vertreten. Gegen Ende des Tagesmarsches schließt das Wadi mit einem ungeheuren Kessel ab, in dessen: Innern sich zahlreiche kleine Hügel erheben, so daß in Uebereinstimmung mit der Formation der umgebenden Bergformen angenommen werden muß, es sei hier ein Krater mitten in seiner Thätigkeit plötzlich (wahrscheinlich durch Eindringen von Meerwasscr in die Wcrkstätte Vulkans) gehemmt worden. Die Hügel am Rande und im Innern dieses Kraters haben das Aussehen von versteinerten Wellen. Den Paß Nakb Budra überschreiten wir mühsam am andern Tage. Die Paßhöhe ist fast 400 m über dem Meere. Man hat schönen Rückblick auf Meer, Berge und Wüste. Schon im alten Pharaonenreiche, lange vor dem Auszug der Juden, wurde dieser Paß von den Lastthicren, welche aus dem Bergwerk Mafkat Türkisen an das Meer trugen, begangen. Der Weg ist eng und für Lastthiere mühsam; für ein wanderndes Volk aber kaum als Heerstraße geeignet, ein Grund mehr, den Weg der Juden in dem breiten, ebenen Thale Feiran zu suchen. Jenseits des Passes beginnt nach einer Stunde das interessante Wadi Sidr, welches von schroff abfallenden rothen Granitfclscn eingeschlossen ist. Hie und da kommt man an alten „sinaitischen Felseninschristen" vorbei. Davon rede ich später. Da ich die alten Bergmiuen von Maghara besuchen wollte, so ließ ich die Lastthiere den Weg fortsetzen und wandte mich nach dem gleichnamigen Wadi. Die Minen von Mafka, wie sie in den ägyptischen Inschriften heißen, wurden schon von den Königen der IV. Dynastie Snefru und Cheops (Erbauer der großen Pyramide bei Gizeh) ausgebeutet, wie die Inschriften an den Wänden zeigen. Zuerst besuchte ich das Kastell, das einst die Acgypter auf dem Gipfel des gegenüberliegenden Berges errichtet hatten. Am Fuße dieses Kastelles, aber noch auf dem Bergesplateau, liegen die Neste von Bergmannswohnungen, deren Grundriß sich leicht erkennen läßt. Sie waren gebaut, wie die der jetzt die Gruben ausbeutenden Beduinen, aus den großen Geröllsteinen der Umgebung. Ein Beduine, nach Art der Bergleute in gelbliches Gewand gekleidet, hatte mir diese Reste gezeigt; als ich nach den Minen und nach Inschriften fragte, hieß es: mu üsck, d. h. „gibts nicht". Ich will nicht weitschweifig werden; kurz, nach einigen kräftigen Sätzen und Redewendungen und nachdem ich ihm beigebracht, daß ich mich nicht anlügen lasse, wurde ich auf mühsamen Wegen zu den Minen und zu den Inschriften geführt. Die Minen sind nur dadurch zu erreichen, daß man eine Strecke von etwa 50 in auf allen Vieren kriecht, dann erst kommt man an den Eingang des Stollens, welcher sehr lange und auch meist sehr hoch ist. Ich ließ einen der Bergleute, die sich zu einem hl. Dutzend zusammengefunden hatten, bis zum Ende des Stollens gehen und dann den mitgebrachten Magncsinmsdraht anzünden. So hatte ick dann eine schöne Uebersicht, ohne die Kriecherei weiter fortsetzen zu müssen. Soviel ich verstehe haben die Aegypter den Stollen dauerhaft und fest angelegt, ohne jedoch Stützen anwenden zu müssen. Nachdem ich wieder herausgekrochen war, ging es auf die Jnschriftensuche. Immer hieß es: „Gibt es nicht". Nun schließlich mit Aufgebot aller Energie brachte ich im Ganzen 11 Inschriften zusammen. Sie sind aus den verschiedensten Zeitabschnitten, von der IV. Dynastie mit großen, schönen Charakteren bis zu Namses' II. Zeiten, wo sie dann aufhören. Es sind die verschiedensten Epochen der Schrift (Hieroglyphen- schrift) bis zur Zeit des Auszugs der Juden und die verschiedensten Formen vertreten. Die Felsenwände von Maghara enthalten Schriftproben, wie sie ein paläo- graphisches Handbuch für Aegyptologen nicht besser zusammenstellen könnte. Der Name Alaska ist mehrmals zu lesen, in den Bildern ist meist der betreffende Pharao als opfernd der Göttin Hathor, Königin oder Herrin von Mafkat, abgebildet oder wie er einen Beduinen niederschlägt und für den Sieg der Göttin dankt. Ich habe eines dieser Bilder den Beduinen erklärt, worauf sie mich fragten, wie groß der König Pharao gewesen sei. Sie glauben nämlich, daß die ägyptischen Könige über eine ungeheure Leibesgröße verfügt hätten. (Schluß folgt.) Recensionen und Notizen. Ueber HypnotiSmus und Suggestion. Eine orientircnde Studie vonvr.L. Haas, Pros. d. Philosophie in Passau. Auasburg 1891. Verlag der Kranzfclder'schen Buchhdlg. 8° S. 92. Preis 1 M. V Ein gar schwieriger Boden ist mit vorliegendem Schrift- chcn betreten; aber Katholiken werden dein Verfasser dafür Dank wissen. ES mutz in der Tbat eine unerquickliche Arbeit gewesen sein, sich durch all den Wortschwall fachmännischer Autoren über HypnotiSmus und Suggestion hindurchzuarbeiten. Man ist fast zur Annavmc versucht, daß dieselben absichtlich eines recht „hohen" Stiles sich befleißigen, um den Mangel an Logik zu verdecken. Aber mit unbarmbcrzigcm Griffel weist Verfasser vorliegender Studie nach, daß gerade Logik nicht die starke Seite dieser Herren sei. Man erkennt, daß die Freunde und Pfleger deS HypnotiSmuS in ihren Erklärungen selbst noch nicht einig sind. Der Verfasser fuhrt aus, daß Stigmatisation und Hypnose, wunderbare Heilung und Suggestion wesentlich verschiedene Dinge sind. Dies zu zeigen, ist überaus nützlich, seitdem z. B. die gelehrtesten Fachmänner, nachdem sich die wunderbaren Heilungen in Lourdcs nicht einfach aus der Welt leugnen lassen, dieselben ganz einfach zu erklären suchen durch die Theorie der Suggestion. Er kommt am Schlüsse zum begründeten Resultate, daß sich die Thatsächlichkeit des Hypnoiismuö nicht leugnen lasse, daß er aber Gift sei, ein moralisches Gift, und alö solches behandelt werden müsse. Möge das Büchlein die verdiente zahlreiche Leserschaar finden, und dies ist um so mehr zu wünschen, als gerade auch hierin wieder die Feinde der Kirche neue Waffen gegen dieselbe zu schmieden versuchen. Lehrbuch der Weltgeschichte. Von Pros. vr. I. B. v. Weiß. Erste und zweite Auflage. X. Band, 1. Hälfte. 1806—1809. Preis broch. 10 M. Graz 1894. VerlagS- handlung Styria. Man behauptet in protestantischen Kreisen so gern, daß die Katholiken infolge der Bevormundung von Seiten der Kirche geistig weniger regsam und produktiv seien, als die unter der wärmenden Freiheitssonne des Protestantismus lebenden Menschen. Und hauptsächlich in der Geschichtsforschung will sich dies Urtheil begründen. Allein das ist doch nur durch absichtliches Ignorieren der ganzen katholischen Literatur möglich. Die Namen Hcrgenröiher, Hcfele, Jansscn und nicht in letzter Linie Weiß, denen sich aber noch viele andere anreihen ließen, genügen, um jene Ansicht Lügen zu strafen. Vor kurzein nun ist der zehnte Band (erste Hälfte) eines katholischen Monumental- wcrkes erschienen: der Weltgeschichte von I. B. von Weiß. Janssen für Deutschland und Weiß für gesammte Weltgeschichte werden auf lange hinaus Marksteine der Geschichtsschreibung bilden. Der vorliegende Band schließt sich den erschienenen, von denen schon zweite Auflagen nöthig waren, würdig an. Unglaublich, welch eine Fülle von Material in wohl gesichteter Weise in dem Buche, das die Jahre 1806—1809 umfaßt, geboten wird. Nickts ist versäumt, was dazu beitragen kann, den innersten Charakter der handelnden Personen jener bedeutungsvollen Jahre zu kennzeichnen, wo das deutsche Volksbewußtsein aus der tiefsten Erniedrigung sich aufzuraffen begann; wo das von einem einzigen Willen geknechtete Europa in gewaltigen Zuckungen sich wand, um feine ehernen Fesseln zu sprengen. Noch war alles vergeblich. Allein die Verluste in Spanien und der TodeSmutb der Tiroler ließen erkennen, daß es eine Grenze gebe für den Flug der französischen Aare. Mit dem Morgenroth einer besseren Zeit, der Schlacht bei Aspern, wo „zum erstenmale die Intelligenz und wcltgeprieseue Tapferkeit der ° Franzosen nicht ausreichte gegen die eiserne Beharrlichkeit und uugemeine Todesverachtung jedes Einzelnen im österreichischen Heere", schließt der Band. Möge der nächste bald folgen. IV. 8. Der Seelenfriede. Nach dem Französischen des k. Lombcz von vr. E. Bicrbaum. II. Auflage. Freiburg i. Br. 1894. Herder'sche Verlagshandlung. XII und 336 S. 1.80 M. geb. 2 M. 50 Pf. lö In 4 Abtheilungen handelt dieses Werk von der Vor- trefflichkeit des Seelenfriedens, von dessen Hindernissen und den Gegenmitteln, von den Mitteln zur Erlangung des Seelenfriedens und praktische Anleitung zur Erlangung desselben. Wenn Deutsche öfters aSzctischcn Schriften französischen Ursprungs aus bekannten Gründen mit etwas Skepsis sich nähern, so kann dieses Büchlein mit vollem Vertrauen in die Hand genommen werden. In anregender und von Süßlichkeiten freier Sprache wird dieser wichtige Gegenstand behandelt, und was die Sache selbst betrifft, so kennt das Werk keine übertriebenen Forderungen, sondern nur die gesunden Grundsätze der christlichen Aszcse. Das Büchlein ist wirklich für die Praxis geschrieben. Priestern wird cS zur eigenen Vervollkommnung und zur Scclenleitung treffliche Dienste leisten. Kaiser Maximilian, der letzte Ritter. Eine kulturgeschichtliche Erzählung für Jugend und Volk von Paul Weber. Regensburg 1893. Verlagsanstalt vorm. G. I. Manz. 3 Mk. IV. 295 S. I? ES wird in einfacher, schlichter, aber von warmer Vaterlandsliebe durchdrungener Sprache ein kurzes Lebensbild Kaiser Max' I. dem Leser vor Augen geführt. Jugend- und Volks- bibliothckcn kaun das Werk ohne Bedenken eingereiht werden. Bei der Lektüre ist cS uns fast vorgekommen, als ob Gastmähler besonders hervorgehoben wären; auch der Ausdruck Seite 197, daß die Gäste bei Mahl und „Bccherlups" saßen, wäre besser weggeblieben. Warum Verfasser die Erzählung eine „kulturgeschichtliche" nennt, will uns nicht recht einleuchten. Historisch-politische Blätter. Jahrg. 1893. 113. Band, Zehntes Heft. Inhalt: Völkerrechtliche Glossen. — Der Buddhismus (II). — Grupp's Culturgeschichte des Mittelaltcrs. — Das EoalitionS-Kabinet in Oesterreich. Von einem österreichischen RcichSrathsabgeordnctcn. — Zeitläufe. Das Jesuitcngesctz vor dem BundeSrath. — Die bedingte Vcrnrthcilung. Die katholische Welt. Illustriertes Familicnblatt. Verlag von A. Rifsarth in M.-Gladbacb. Unterhaltendes und Belehrendes, Erbauliches und Beschauliches, alles ist vertreten und zwar in durchgehend ansprechender Art. Auch an interessanten Schilderungen aus Natur und Geschichte fehlt es nicht. Den sprechenden Beweis dafür geben besonders die drei letzterschienencn Hefte, 7, 8 u. 9, die sich noch besonders durch wirklich künstlerisch ausgeführte Illustrationen 160 auszeichnen. Glaubt man doch bei einzelnen nicht einen einfachen Holzschnitt, sondern einen guten Stahlstich vor Augen zu haben. Das Heft 9 enthält zudem noch ein Kunstblatt, den Heiland auf dem Kreuzweg darstellend, das äußerst wirkungsvoll in 2 Farben ausgeführt ist. Möchte die so strebsame Verlags- handluug durch eine immer großer werdende Betbciligung am Abonnement in ihrem so lobcnSwerthen Eifer unterstützt werden. ES erscheinen jährl. 18 Hefte zu dem wirklich sehr billigem Preise vcn 25 Pfg. pro Hest. Probehefte in allen Buchhandlungen zu haben. Der Rosenkranz, religiöse Monatsschrift. Verlag von A- Niffarth in M.-Gladbach. Die rasche Verbreitung des „Rosenkranz" ist wohl der beste Beweis dafür, wie zeitgemäß das Unternehmen war, und wie sehr diese Monatsschrift geeignet ist, die frommen Verehrer der Himmelskönigin zu erbauen und ibr Vertrauen zur Mutter der Barmherzigkeit zu beleben und zu stärken. Auch die neuesten Hefte (Nr. 5 und 6) des „Rosenkranz" enthalten eine reiche Fülle von auffallenden GcbetSerhöruugcn, mit denen das Vertrauen frommer MuttcrgotteSvcrchrer belohnt wurde. Preis halgjährlich nur 60 Pfg. OesterreichischesLiteraturblatt, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien, rcdigirt von Dr. Franz Sck'nur er. (Administration: Wien I., Anuagasse 9.) Inhalt der Nr. 7: Kellner I. B., Der hl. AmbrosiuS, Bischof von Mailand, als Erklärer des A. T. (Uuiv.-Prof. Dr. B. Schäfer, Wien.) — Esser G„ Die Sccleulchre Tertullians. (Hofkaplau Dr. A. Fischer Colbrie, Wien.) — Steuer W., Die GottcS- und LogoSlchre des Tatian mit ihren Berührungen in der gricch. Philosophie. (Ders.) — Bougaud E., Jesus Christus, übersetzt v. Ph. Prinz v. Arcuberg. (Theol.-Prof. Dr. Jos. Schindler, Leitmeritz.) — Hüttebräuker O., Der Mincritcuordcn zur Zeit deö großen Schismas. Bester I., Der hl. Bruno, Bischof von Würzburg, als Katechet. Bader A., Lehrbuch der Kircheugeschicbte. Müller Willib., Joh. Leop. v. Hay, Bischof von Königgrätz. (Sämmtlich von P. Lconh. Tieze, 0. 8. L., Wien.) — Sctunitz I., Ho sltootibus saeraiusuti oxtromas unotionis. (TbcoDProf. Dr. Fz. Schmid, Brixeu.) — Hamy A., Daleris illustres cls la Oomp. cls llSsus. — Brück H., Lehrbuch der Kirchengeschichte. — Jcutsch K., Geschichtsphilosophischc Gedanken. (Dr. Rieh. von Kralik, Wien.) U. s. w. Philosophisches Jahrbuch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der Görrcsgcsellschaft herausgegeben von Dr. Coust. Gutberlet. Verlag der Fuldaer Akticn- Druckerci. VII. Jahrgang. 2. Hest. Inhalt: I. Abhandlungen. LinSmeier 8. 1., Sind die chemisch-physikalischen Atome nur eine Fictiou? — Pfeifer, Widerstreiten die Wunder den Naturgesetzen, oder werden letztere durch die ersteren aufgehoben? (Schluß.) — Nassen, Ueber den platonischen Eottcsbegriff. — Bahl- mann 8. ck., Der Grundplan der menschlichen Wissenschaft. (Schluß.) — Bäumkcr, Handschriftliches zu den Werken des Alanus. (Schluß.) — II. Recensionen und Referate. Gegen den Materialismus: a) Mcndius, Die Seele in der Schrift; l>) Bormann, Kunst und Nachahmung, von Schanz. — v. Harimann, Zur Geschichte und Begründung des Pessimismus, von Th. Achclis. — Dresse! 8. ck., Zur Oricn- tiruug in der Eucrgielchrc, von Gutberlet. — Hake, Katholische Apologetik, von Erupp. — v. Hardy, Die Vedisch- brahmauischc Periode der Religionen des alten Indiens, von Gutberlet. — NolfeS, Die aristotelische Auffassung vorn Verhältnisse Gottes zur Welt, von Adlhoch 0. 8. L. — Pluzanöki, 8a§ßfto snlla ülosoiia. äs! Dnns 8eoto, von Schmitt. — III. Zeitschriftenschau. — IV. Novitäten- schau. — V. Misccllcn und Nachrichten. I. Engeln, Geschichte der christlichen Kirche. Zur Belehrung und Erbauung für Schule und Haus. 12. Austage. Bearbeitet von lis. tüsol. H. Degen, Seminar- Direktor. 8. 130 Seiten. Preis 60 Pf., gebd. 75 Pf. (1891. Verlag von W. Wchberg in Osnabrück.) Ein sehr nützliches Büchlein. Obgleich bei dem geringen Umfange des Buches die Darstellung eher eine gedrängte als breit erzählende ist, bleibt sie doch überall leicht faßlich und Verläugnct nirgends ihren populären Charakter. Aus dreierlei Gründen erklärt sich die rasche Verbreitung dieses Werkchcns: zunächst aus der leichtfaßlichcn Schreibart, ferner aus der anschaulichen Darstellung, die sich an sprechender Stelle zu lebensvollen Geschichtsbildern abrundet und außerdem durch zahlreiche charakteristische Aussprüche der behandelten historischen Persönlichkeiten gehoben wird; endlich aus dem nicdriggcstellten Anschaffungspreise. Die vom Herausgeber hinzugefügten Abschnitte, in denen die Geschichte bis auf unsere Tage fortgeführt wird, verdienen das gleiche Lob. (Stimmen aus Maria-Laach.) Ncpertorium der Pädagogik. Herausgegeben von I. B. Schubert. Ulm, Verlag der I. Ebncr'schcn Buchhandlung. 7. Hest 1891. Inhalt: G. M. Wittmann, Bischof von Regensburg, ein hervorragender Pädagoge, von Scminardirektor Bürgcl in Coruclimüustcr. Eine fürstbischöflichc Schulordnung des 18. Jahrh., von Lehrer O. Slang in Forst. Die Schule als sozialer BilduugSfaktor, von Lebrcr Baadcr in Wang. Zum LOOjähr. Todestag Palcstriua's. U. s. w. Kateche tische Blätter. Herausgegeben von Pfarrer Frz. Walk. Kösel's Verlag, Kcmptcn. Preis pr. Jahr Mk. 2,80. 3. Heft 1891. Inhalt: Fingerzeige für angehende Katecheten zur Er- tbeilung des Religionsunterrichts. — Die letzten Dinge des Menschen. — Von heiligen Lippen. — Zuspräche an ein Mädchen, welches eine Neigung sür einen Protestanten fühlt und den heimlichen Wunsch hegt, sich mit ihm zu vermählen. — Schülervcrzeickmiß. — Literatur und Miscellen. — Correspon- dcuz deS CanisiuS-Katcchetcn-VercincS. Das Aprilhcft von „Kreuz und Schwert" theilt mit, daß die Auflage vergriffen ist. DaS nächste Abonnement beginnt am 1. Juli d. Js. Für diesen Zeitpunkt hat die Redaction einen in Deutschlauv noch angedruckten Nntisklaverei- Nomau in Bereitschaft, ein SciUnstück zu „Schwester Luise" und von demselben Autor. Freunde einer angenehmen Lektüre machen wir schon jetzt darauf aufmerksam. Die Culturarbeit in Afrika nimmt immer mehr das Interesse jedes gebildeten Menschen in Anspruch, und da ist ein Blatt wie „Kreuz und Schwert" ganz am Platze. Der so billige Preis von Mk. 0,75 pro Halbjahr ermöglicht auch dem weniger Bemittelten das Halten dieser Missious-Zeitschrift. (Münster i. W., W. Helmes.) Für die katholische Fruaueuwelt, namentlich für die heranwachsende weibliche Jugend, in kath. Richtung zu arbeiten, scheint in unseren Tagen um so wichtiger, als die Gegner des Christenthums — Freimaurer und Socialvcmo- kraten — ganz vorzüglich auf die Frauenwelt und deren Einfluß bauen und darum sie ihren Zwecken dienstbar zu machen bestrebt sind. Wie man ehedem sagte: „Wer die Jugend bat, hat die Zukunft", so sagt man heute: „Wer das Weib hat, hat die Zukunft." Die Freimaurer sagen in ihrer Jnstruction für den Ncgentcngrad: „Durch Frauen wirkt man oft in der Welt am meisten, bei ihnen sich einzuschmeicheln, sie zu gewinnen suchen, sei eine eucrer feinsten L-tudien." Dem gegenüber müssen auch wir Katholiken trachten, die Frauen im Heerlager Jesu Christi, in der großen Armee der kath. Kirche, nicht bloß zu erhalten, sondern zu einer ihrem Staude und Geschlechte entsprechenden apostolischen Thätigkeit anzulocken und anzueifern. Dies strebt auch die seit fünf Jahren in Wien erscheinende Monatsschrift „DaS Apostolat der christlichen Tochter", auch „St. Angela-Blatt" genannt (Wien I., Jo- hannesgassc 8, Preis 1,00 fl. per Jahr, per Post 1,15 fl., für Deutschland 2,50 Mark, für die Länder des Weltpostvereines 3,50 Francs), an. Die uns vorliegende Nummer 9, die reichhaltigste unter allen bisher erschienenen, enthält u. a. folgendes: Zu ernst? — Christenthum und Kirche in den Werken Schillers. — Zwei Nompilgcrfahrtcn. -- Die bei der Damenwelt sehr beliebten „Fragen mit und ohne Antwort" (Baumbach, Frcytag, Bauernfeld). — Die 109. Versammlung des „Apostolates der christlichen Tochter". — Eucharistische Blüthen. — Etwas von der heiligen Philomeua. — Rede des D. Viktor Kolb 8. d. über die Wissenschaft und die kath. Schule. — Der große ungarische Laudeskatbolikeutag in Budapest. — Interessantes für Lehrerinnen, Erzieherinnen und Mütter. — Fünf Tropfen für Tänzerinnen aus der Apotheke des heil. Franz von Sales. — Weihuachtsspicle in Wien. — Theure Verstorbene (mit dem Bilde des ch Prälaten Dr. Sebastian Brunner). — Die drei Wünsche (eine Erzählung aus dem Englischen) u. s. w. Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.