tti'. 21. 24. Mai 1894. i , Religiöse und monumentale Kunst. I. I' „Es gibt keine eigentlichen kirchlich-religiösen Künstler mehr." In diesem Sinne hat sich wiederholt der bekannte Münchener Kunstschriststeller und Maler Friedrich Pecht in seinen Schriften und Kritiken geäußert. Und aus dem Munde von Theologen und Nichttheologen konnte man in letzter Zeit oft genug das Wort hören: „Man findet keine rechten christlichen Künstler mehr. Die Künstler verstehen nicht mehr religiös zu empfinden, zu malen und zu bilden." Dieses fatale Wort, dessen trauriger Sinn gar nicht genug gewürdigt werden kann, schien in der That immer mehr Berechtigung erlangen zu sollen. Ja nicht Wenige, und zwar unter den Künstlern selbst, wie unter den Nichtkünstlern, haben bereits den Glauben, wie an vieles Andere, so auch an die Zukunft der christlichen Kunst — trotz mancher erfreulichen Erscheinung neuesten Datums — verloren. Und gerade München, dieser einstige Vorort aufblühender christlich-deutscher Kunst, in dem das warmleuchtende Feuer echter Romantik einst so hell aufstrahlte, daß es. trotz aller Anstrengungen, von dem kalten und blendenden Schimmer falsch glitzernder Tages- und greller Nachtkünste, sowie dem aufgewirbelten Staube jenes gewöhnlichen Chaussüe- und Gassen-Impressionismus bis heute noch nicht gänzlich verdunkelt werden konnte, gilt in den Augen Jener von Hüben und Drüben längst als das reine „moderne Jsar-Athen", d. h. ein für die christliche, ideale Kunst Verlorner Posten. Denn was man, als „religiöse Kunst" etikettirt, hier und von hier öffentlich zu sehen bekam, das erschien meist den vornrtheilslosen und nicht verwöhnten Kennern nur als „nichtsnutziges Zeug." Zu diesem herben Urtheil und schlechten Renommee bezüglich der höhern (idealen) Münchener Kunst gaben besonders dem Fremden nicht am wenigsten die öffentlichen Schau- und Ausstellungen, sowie die monumentalen Münchener Leistungen bezw. Nichtleistungen seit Decennien Anlaß und Berechtigung. Außer dem Namen „Karl Baumeister" ist schon seit längerer Zeit keiner als der eines bedeutenden, gegenwärtig noch schaffenden „christlichen Künstlers" in wettern Kreisen bekannt. Und auch dieser ist bereits in München selbst wie verschollen. Die paar leistungsfähigen Kräfte, die München etwa noch als Nachzügler einer bessern Zeit in seinem Schoße birgt, arbeiten in stiller Verborgenheit im Schweiße ihres Angesichtes fort und wagen nicht mehr mit ihren Schöpfungen aus helle Tageslicht der öffentlichen Ausstellungen und ihrer Kritiker zu treten. Nur von der Hand der talentvollen und an Bestellungen glücklichern zwei christlichen Künstler, des Historienmalers Ludwig Glötzle und des Bildhauers Joseph Beyrer, sah man hie und da noch eine bedeutendere Arbeit öffentlich ausgestellt. Aber auch ihre Werke konnten — Dank der Ungunst der Verhältnisse — den allgemeinen Charakter unserer modernen christlichen Kunstwerke, nämlich den von unausgereiften Schnellarbeiten, nicht gänzlich verleugnen. Die neuen Deckengemälde (auf unmonumentale Leinwand gemalt!!) in dem jüngst angebauten Theile der heiligen Getstktrche zeigen, was Anffassung und Zeichnung betrifft, mit welchem Verständniß und Geschick sich Glötzle in den Geist der ältern dort schon vorhandenen Asam'schen Bilder hineinzudenken verstand. Diese geistige Verwandtschaft tritt am auffälligsten in der wie eine moderne Concert- geberin die Orgeltasten schlagenden St. Cäcilia und noch mehr in der die Füße — resp. das nackte Bein — Jesu liebkosenden St. Magdalena hervor. Da verstehen nach unserer unmaßgeblichen Meinung die Oberammergnuer Passionsspieler die Grenzen der kirchlich-religiösen Aesthetik schärfer einzuhalten, als jene salonmäßigen Heiligen der Barock- und Zopfzeit. In der Ausführung blieben aber die neuen an Leichtigkeit der Technik und Weichheit deS Tones hinter den alten Bildern mit ihren wie hinge- hauchten lichten Gestalten, ja selbst an Frische und Klarheit des Eindruckes hinter den flott hingeworfenen, originellen Farbenskizzen Glötzle's selbst zurück. Das letzte umfangreiche Werk Beyrers, die 14 hl. Stationen in der neuen Gicsinger Kirche, bekunden wiederum seine seltene technische Meisterschaft in der Holzschnitzkunst, und sind besonders die Gruppen der Soldaten und Henkersknechte von spätmittelalterlicher Lebendigkeit, während gerade Haltung und Ausdruck der Hauptfigur hie und da in der Eile verunglückt zu sein scheint. Dagegen zeigen die großen Apostelstatuen, was Beyrer zu leisten im Stande ist. Wann ist es aber auch eiuem tüchtigen christlichen Künstler gegönnt, in wirklich künstlerischer Manier sein Werk aus- und durcharbeiten zu können! Selbst das Genie eines Baumeister findet hiezu nicht mehr die nothwendige Zeit, bezw. die ihm dies ermöglichenden Mittel. Nur durch die für einen Künstler so ungemüthliche und aufreibende Forcirung seiner reichen Schaffenskraft, der er sich bis dato noch erfreut, ist er im Stande, sich über Wasser zu halten und den oft ganz unverhältnißmäßigen Ansprüchen etwaiger Besteller durch ihm selbst einigermaßen genügende Leistungen zu entsprechen. Ist doch sowohl er wie andere moderne Meister nicht in der Lage, wie ein Albrecht Dürer, den Pinsel ganz in die Ecke zu werfen und um des lieben Brodes willen mit dem wie mit Dampf arbeitenden Grabstichel für das bilderliebende Volk populäre Heiligenbilder voll heiliger und noch mehr unheiliger Gestalten in auffälliger phantastisch-burlesker Tracht zu zeichnen. Auch dieses Geschäft ist heute für den Künstler, nachdem es bereits an so vielen Orten mit Zuhilfenahme der natürlichen Dampfkraft betrieben wird, nicht mehr lohnend. Auch die Etiketten-, Vignetten- und Schildmalerei, wodurch noch ein Moritz von Schwind, bevor er einen Mäcenaten, wie den verstorbenen Grafen Schack, fand, sich noch einigermaßen künstlerisch zu beschäftigen und das nöthige Kleingeld für Essen und Trinken zu verdienen wußte, bedarf heutigen Tages keiner akademisch gebildeten Künstler mehr. Daß zwar Baumeister noch mit genialer Gestaltungskraft inhaltlich durchaus wahre und tiefernste und formal dramatisch lebendige und packende Zeitbilder zu zeichnen versteht, das beweist seine neueste figurenreiche Darstellung, betitelt: „Moderner Lehrstuhl". Sie führt uns deutlich vor Augen, wie und was und mit welchem Erfolge ein unchristlicher Herr Professor vom Katheder herunter ein zahlreiches, verschiedenen Ständen ungehöriges Publikum über seine Menschenwürde und Rechte belehrt. Dieses Bild würden gewiß, wenn es im gegeutheiligen Sinne ausgeführt wäre, speculirende Kunstverleger mit Tausenden bezahlen, während „unsere Leute" (arm, wie sie ja alle sind!) es allenfalls als Geschenk für ein Trinkgeld, als 162 Gegengeschenk brauchen können, um es etwa im verborgenen Schoße eines Volkskalenders als schlechten Holzschnitt zu verwenden. Das ist auch so ein Stück opfer- unfähiger und — sagen wir — rücksichtsvoller Gelassenheit, die sich scheut, die volle und ganze Wahrheit, welche der Welt doch so noth thut, ihr im ungeschminkten, getreuen Bildspiegel vorzuhalten. Unsere Zeit hat überhaupt, was das angeschnittene Kapitel angeht, viel Ähnlichkeit mit dem nach äußerer Gestalt und innern: Gehalt absterbenden Mittelalter. Nur mit Ach und Krach nach Tage und Jahre langem Bereden von Seite der vornehmern Stifter brachte endlich im Jahre 1519 die Nürnberger Bürgerschaft das zur Entlohnung des Meisters Peter Bischer erforderliche Geld zusammen, damit das zum Ehrendenkmal ihres Schutzheiligen bestimmte St. Sebaldusgrab in der Kirche des Heiligen aufgestellt werden konnte. „ES hat gewogen an Messing 157 Ctr. 29 Loth und kostete der centhner daran 20 fl.: thut in Summa 3145 fl." Seit dem Jahre 1507 hatte dieser berühmteste deutsche Erzgießer an die Herstellung des Grabmals, als eines der kunstvollsten Werke der Welt in dieser Technik, sein ganzes künstlerisches Können gesetzt. — Wenn Albrecht Dürer in Italien sich als Herrn, in seiner deutschen Vaterstadt aber als Knecht fühlte, so erging es seinen besten Standes- und Heimathsgenossen noch viel trauriger. Michael Wohl- gemuth, der bedeutendste Maler und Zeichner — auch Bildhauer — deS XV. Jahrhunderts, konnte sich mit seiner Familie nur durch mehr oder weniger handwerksmäßige Massenproductionen — unter denen aber doch manche Perlen deutscher Kunst — hochhalten. Adam Krafft, der Bildner der weltberühmten „Nürnberger hl. Stationen", des wunderbaren „Sakramentshäuschens" in St. Lorenz zu Nürnberg und anderer höchst bedeutungsvoller Steinbildwerke, starb in Armuth im Schwabacher Spitale, und seine Wittwe mußte ihr Häuschen zur Befriedigung der Gläubiger verkaufen. Weit Stoß, der berühmteste Name aller Holzschnitzer, einer der zartesten und innigsten Darsteller von Madonneubildnissen, wurde aus Noth sogar ein gebrandmarkter Urkundenfälscher. Hans Holbein der Aeltere, unstreitig einer der vornehmsten und edelsten Maler echt christlicher Darstellungen, dessen Gemälde unbezahlbar geworden, lebte in Augsburg in solch drückender Armuth, daß er noch in den letzten Jahren seines Lebens, oft wegen geringfügiger Summen, wiederholt ausgepfändet wurde. Da ist denn nur natürlich, daß sein Sohn, der ebenso berühmte Hans Holbein der Jüngere, sobald er zur Selbständigkeit erwachsen, sich aus dem deutschen Staube machte, um nie wieder nach seiner Vaterstadt zurückzukehren. Fand er doch in der Schweiz und in England, was er suchte, Ruhm und Verdienst. Die vorhin Genannten konnten es bis auf Dürer, den Leistungsfähigsten von ihnen, trotz ihrer genialen unermüdlichen Arbeitskraft, mit der sie so zahlreiche, unübertreffliche Werke schufen, nicht dahin bringen, neben dem ihnen billig geschenkten Ruhm auch jene sorgenfreie Existenz zu erringen, die solche Künstler für diese Gott und die Menschen erfreuenden Werke zur gesicherten Grundlage fröhlichen rüstigen Weiterschaffens verdient hätten. Mit ihrem Tode erstarb aber auch die vornehmste Blüthe religiöser Kunst in Deutschland. Wie zu den Zeiten, der genannten großen Altmeister herrscht auch heute wieder vielfach ein gewisses Ausbeutungssystem der bessern producirenden Kräfte, die gerade auf dem vorwürsigen Gebiete und von der Seite, die dies am wenigsten zulassen, noch weniger aber selbst direkt befördern sollte, höchst bedauerlich ist. Bei diesem System kann die christliche Kunst nicht gedeihen. Sie geht keinen Schritt vorwärts, vielmehr, wenn nicht eine allgemeinere kräftige Reaktion eintritt, den unvermeidlichen Krebsgang bis zum bloßen segenslosen Hand- und Fabrik- werk. Es ist ja freilich auch richtig, daß die Mittel für Kunstzwccke gerade bei den noch am meisten christlich gesinnten mittlern und niedern Ständen immer mehr zusammenschrumpfen. Aber auch zur Zeit der Blüthe der christlichen Kunst „stand man nicht bei vollen Geldsäcken", wie August Neichensperger bemerkt. Es kommt daher umsomehr daraus an, die noch vorhandenen Mittel zusammenzuhalten und in rechter, die wahre Kunst fördernder Weise zu verwenden. Sind bloß ein paar tausend Mark vorhanden, so kann man damit nicht gleich eine ganze Kirche mit reichem Bild- und Figurenschmuck von Künstlerhand ausstatten wollen. Da muß man sich vorläufig mit dem einen oder andern Kunstwerk begnügen. Und es ist immer besser, wenn eine Kirche auch nur eine einzige würdige, wahrhaft lebens- und wirkungsvolle Kunstschöpfung, die der Künstler mit innerer Lust und Andacht gleichsam aus seinem Herzen erzengt hat, besitzt, als wenn die ganze Kirche mit handwerksmäßiger, nichtssagender Kunstwaare, wenn sie auch noch so goldig glänzte, überfüllt wäre. (Fortsetzung folgt.) Ueber die frühchristlichen Thiersymbole von Achmim-Pauopolis in Overägypten und in den Katakomben. Studie von Dr. G u st av A. M üllcr, MuseumSbevollm. und Herausgeber der „Autiquitäten-Zeitschrift" in Straßburg i. E. (Fortsetzung.) Der Löwe. Die Bedeutung der Funde von Achmim für die Kenntniß des christlichen Alterthums kann uns schon das Symbol des Löwen lehren. Noch 1879 mußte F. X. Kraus in seiner trefflichen sottsrranea" bekennen: „auf altchristlichen Monumenten ist der Löwe mit Sicherheit nicht nachzuweisen." Allerdings war der Löwe, das natürliche Sinnbild der Stärke, der Macht, des Muthes, dem christlichen Jdeenkreis nicht fremd: faßt ihn doch Augustinus als Symbol Christi, des Löwen vom Stamme Juda, auf, und kannte man darnach doch den Löwen — Christus als Gegensatz zum brüllenden Löwen — Widersacher, ähnlich, wie wir einen Jchthys — Christus und einen Jchthys — Satan kennen, und wie wir im Adler ein gutes und ein böses Motiv vorgefunden haben. Man kann wohl nicht die Rarität des Löwen auf altchristlichen Monumenten des Abendlandes damit erklären, daß man sagt, hier sei der Löwe kein einheimisches und dem Vorstellungssinn vertrautes Thier gewesen. Das ist er auch für uns nicht und war er im Ernste betrachtet auch für den ägyptischen Christen nicht. Im Gegentheil: der römische Christ kannte den Löwen sehr gut aus der Arena, und der Ruf „uä Isouss« gellte ihm eine Zeit lang in den Ohren, wie ein schrecklicher Schlachtruf. Ich halte das für bedeutsam. Wohl nimmt Paulus schon und nahm die älteste Monumental- sprache mit Vorliebe ihre Symbolik und ihre Vergleiche aus der Palaistra, dem Stadion, der Arena: allein wie es den Christen lange widerstrebte, den Kreuzestod ihres Erlösers in seiner damaligen Schmachbedeutung 163 oder das Kreuz offen darzustellen, so mochte es ihrem Gefühl widersprechen, den Löwen, diesen schrecklichen Mörder so vieler Glaubenszeugen, zu einem häufigen Symbol zu erheben. Wie es in Achmim um die Verfolgung und ihre raffinirten Torturen stand, ist nicht leicht zu sagen. Wir zweifeln in jedem Falle an einer „absoluten Gleichheit" der Lage hier und dort, einmal weil wir das pro- vinziale Christenthum nicht in allem mit dem römischen vergleichen dürfen und dann weil die uns vorliegenden Funde, auf Grund deren allein wir zu urtheilen haben, immerhin keine allzu blutige Sprache reden. Wie dem immer sei, soviel ist sicher, daß wir auf den altchristlichen Denkmälern Oberägyptens dem Löwen geradezu oft begegnen, und zwarmeistin sichtlich symbolischer Bedeutung. Schon bei Betrachtung des Bildes vom „Hasen", auf das wir besonders hier verweisen, haben wir den Löwen in Gesellschaft unstreitig symbolischer Thiere und in nicht mißzuverstehender Situation bemerkt: so auf meinem hochwichtigen Clavus, der uns zwei Hasen und einen Löwen mit rothen Zungen vor einem verhüllten Kreuze zeigt, so auf Forrers Bordüre, wo wir Hasen, Löwen und Gazellen einem orux Asiumata. zustreben sehen, so auf dem Clavus, der uns Tauben, Hasen und Löwen in Medaillons vor einem stark verhüllten Kreuz (oder Weihbrod?) sehen läßt. Hiezu kommen zahlreiche Nummern, die uns Löwen undGazellen bieten, vielfach mit Hasen vergesellschaftet, so daß nicht die Spur eines Zweifels darüber aufkommen kann, daß der Löwe hier in irgend einem Sinne den starkmuthigen, emporstrebenden Christenglauben symbolisire. Ein sehr interessanter, leider in Folge allzudefekten Zustandes zur Neproduction ungeeigneter Clavus enthält „die Arbeiten des Heracles". Das Stück ist nach Stoff, Farbe und Zeichnung durchaus „spät", das heißt höchstens aus dem V. — VI. Jahrhundert. Man braucht, wenn ich schon (wohl unter allgemeiner Zustimmung) aus diesem Grunde das Bild der christlichen Kunst überweise, nicht zu meinen, Herkules käme auf die altchristlichen Monumente „wie Pontius ins Credo". Wir wissen ja, daß neben Orpheus und Theseus auch die Gestalt des Heracles in christlichem Sinne Verwendung fand! Daß auf allerdings „synkretistischen" Darstellungen selbst die Venus eine Rolle spielte, sei nur flüchtig erwähnt. Für Orpheus aber, für Theseus und H eracles muß die christliche Uebernahme eines mythologischen Typus archäologisch anerkannt werden. Für Heracles gilt das noch für die späteren Jahrhunderte. So fand ihn Forrer mit mir auf dem herrlichen romanischen Riesentaufbecken, das als „Teufelsstein" im Pfarrgarten zu St. Ulrich im badischcn Breisgau (bei Krotzingen- Bollschweil) zu schauen ist; hier fignrirt er als eine Art Schlußbild unter Aposteln und Propheten, neben Christus und Maria. Doch zurück zu unserem Clavus. Ein Bild zeigt uns den Heracles, zwei Löwen niederdrückend. Ich erblicke hierin eine Allegorie auf den Sieg des Christenthums über das Heidenthum, es dem Leser überlassend, diesen allegorischen Sinn nach gegebenen Mustern noch weiter zu variiren. Ochs und Stier. Auf den altchristlichen Monumenten ist der Ochs ein sehr seltenes Symbol. Wir betonen das letztere Wort, denn in Verbindung mit dem Sujet der Geburt Christi, das zumal auf Sarkophagen des IV. und V. Jahrhunderts öfter erscheint, ist der Ochs keineswegs eine seltene Zugabe. Mit seiner symbolischen Bedeutung kann man nicht allzuviel anfangen, selbst die sonst so ergiebigen Väterstellen sind wenig mittheilsam. Man ist daher genöthigt, sich zunächst an die Worte des Cassio- dorius zu halten, der erklärt: „unter den Ochsen seien die Prediger zu verstehen, welche die Brust der Menschen glücklich pflügen und in ihr Gemüth den fruchtbaren Samen des himmlischen Wortes ausstreuen." Wir gestehen aufrichtig, daß wir mit diesen Worten die Symbolik des Ochsen weder fassen, noch sie als natürlich und darum als wahr zu verstehen vermögen. Das mag eine Symbolik sein, wie sie die Schultheologie für ihren Hausgebrauch gebrauchen kann: volksthümlich ist sie nur, wenn sie auf etwas Volksthümliches recurrirt. Es gehört aber eine kleine Spitzfindigkeit dazu, ohne äußere oder innere Veranlassung in dem Ochsen, der unter andern: auch zum „Pflügen" angehalten wird, das richtigste Symbol für die geistige Pflugarbeit des Evangeliums zu erblicken. Die Lösung des Räthsels kommt unseres Trachtens nicht von der „Predigt des Evangeliums", die dem Pflügen der Aecker gleicht, sondern kun st geschichtlich kommt sie aus der Betrachtung der Darstellungsweiss der vier Evangelisten in der altchristlichen Kunst. Das Symbol des Ochsen hat keine allgemeine, sondern eine spezielle Unterlage. Achmim liefert dafür entscheidende Beweise. Wir müssen, um unsern Schluß übersichtlich vorzubereiten, wider unsern Willen zunächst Bekanntes wiederholen, und wir können nicht besser sagen, was F. L. Kraus unter Quellenangaben so schön und klar zusammengestellt hat: „Nachweislich schon im II. Jahrhundert war es üblich, die geheimnißvollen Thiergestalten auf die vier Evangelisten zu beziehen. Die Deutung war freilich nicht immer die gleiche. So entspricht bei Jrenäus aäv. kasr. der Löwe dem Johannes, das Rind dem Lucas, der Mensch dem Matthäus, der Adler dem Marcus. Augustinus bezieht dagegen den Löwen auf Matthäus, den Menschen auf Marcus, das Rind auf Lucas, den Adler auf Johannes." Unsere heutige Deutung ist bekanntlich für den Menschen Matthäus, für Marcus der Löwe, das Rind für Lukas, für Johannes der Adler. „Zu ihrer Begründung beruft sich Hieronymus auf die Anfänge der einzelnen Evangelien: Matthäus beginnt mit der menschlichen Herkunft des Herrn, Marcus mit der Stimme des Rufenden in der Wüste, Lucas mit der Geschichte des (opfernden) Priesters Zacharias, Johannes aber schwingt sich in erhabenem Fluge über die Erde empor zur Betrachtung des ewigen Wortes." Blicken wir auf die altchristlichen Monumente, so sehen wir die Evangelisten anfangs in ganzer Figur, seit dem V. Jahrhundert auch im Brustbilde dargestellt. Die symbolische Abbildungsart greift aber bereits gegen Ende des IV. Jahrhunderts Platz, ein Umstand, der für uns von wesentlicher Bedeutung ist. Kraus führt uns chronologisch die einzelnen Darstellungen vor, denen wir in Kürze folgen: 1) Mosaik von St. Pudentiana in Rom, ca. 384—398: links vom Beschauer Engel und Löwe, rechts Stier und Adler, die drei Thiere ebenfalls geflügelt, ohne Inschriften; 2) ähnlich wie 1), jetzt zerstört, Mosaik von S. Sabina; 164 8) Sta. Maria Maggiore, dieselbe; 4) Mosaiken von Ra- venna um 440; 5) dito von S. Ambrogio in Mailand; 6) dito von S. Paolo f. l. m. in Rom. Ferner 7) ca. 530 S. Cosma e Damiano in Nom: Engel und Adler mit Buch; 8) S. Prisco in Capua vetere und 9) S. Apollinare in Classe mit veränderter Ordnung: Adler, Engel, Löwe, Stier, VI. Jahrhundert; 10) S. Teodora in Rom, ca. 640: zu je zwei mit Büchern, Stier und Engel, Löwe und Adler; 11) S. Prassede in Nom, Löwe und Engel, Adler und Stier, alle mit Flügeln, Nimbus und Buch; S. Marco in Nom 828—844: Stier, Engel, Adler, Löwe — wie die vorigen. Dazu kommt ein Evangeliendeckel von Mailand aus dem V. Jahrhundert mit Engel und Stier, die sechs Flügel, Nimbus und Buch haben. Wichtig ist noch das „die altchristliche Tradition bewahrende" Pult der hl. Nadegundis in Poitiers: Adler und Mensch, Stier und Löwe in Medaillons und ohne Nimben. Bemerkenswerth, allerdings unser Räthsel leider nicht lösend, ist seit dem V. Jahrhundert die Darstellungsweise, die Evangelisten in ganzer menschlicher Figur neben den Symbolen abzubilden. Für uns am wichtigsten indessen erscheint die Bemerkung von Cahier, wonach auf mehreren spanischen Darstellungen der Stier für Marcus vorkomme. Hier beginnen wir unsere Deutung für.die Ochsfiguren von Achmim. Wie die obige kurze Aufzählung schlagend beweist, kann davon nicht die Rede sein, daß die exegetische Begründung unserer Deutung, Matthäus — Mensch, Marcus — Löwe, Lncas — Ochse oder Stier, Johannes — Adler, durch Hieronymus, so plausibel und sogar richtig sie für den einmal fest fixirten Typus ist, in der alten Kunst von Anfang an als stilles Gesetz gewaltet Habei Willkürlich, d. h. verschieden von dem heutigen Usus, ist zunächst die Reihenfolge der Symbole. Nun fragt es sich, ob die so veränderte Reihe der Symbole auch eine Aenderung in der Reihenfolge der Evangelisten bedinge, oder ob letztere stets stehen blieben und die Symbole für sie allein wechselten? Das Eine ist so bedenklich und unbedenklich wie das Andere! Es genügt allein schon die Thatsache der Wandelbarkeit, um in der Deutung alter Monumente in gewissem Sinne freie Hand beanspruchen zu dürfen. Allerdings muß, wenn eine Beziehung dieses oder jenes Symbols auf einen andern als den hiefür typischen Evangelisten angenommen wird, die Deutung des Hieronymus an dogmatischer Gewißheit verlieren. Wer sagt uns aber, daß Hieronymus die älteste Auffassung oder doch die allgemeine in seiner Exegese wiedergibt? Denn es ist nicht sicher, angesichts der Variationen in der Symbolenreihe auch gar nicht von vornherein wahrscheinlich, daß dieselben Symbole überall denselben Evangelisten vertraten! Was Cahier von etlichen spanischen Darstellungen sagt, klingt durchaus nicht wundersam für den, der die oben skizzirte „Verschiedenheit der Reihenfolge in den Symbolen" bedenkt. Kommt dazu noch die Betrachtung aller Einflüsse, denen die hispanische Kirche in den ältesten Zeiten erlag, die geschichtlich wie legendär verbürgte Einwirkung orientalischer Anschauungen, so ist die Deutung des Ochsen als Symbol für Marcus nicht schwer zu begründen, zumal im Hinblick auf das Folgende, nämlich auf — Achmim. Achmim-Panopolis hat, wie seine Necropole beweist, sehr frühe dem Christenthum sich erschlossen. Es empfing die Botschaft des Heils direct oder indireet über Ale- xandrien. Die alexandrinische Christengemeinde hatte in der Urkirche eine hervorragende Stelle. Ihre Begründung führt die uralte und ununterbrochene Tradition auf den heiligen Ma rcus zurück, wie Eusebius bezeugt. Bevor er in Alexandrien Bischof ward, hatte Johannes Marcus erst den Paulus und Barnabas, dann den Petrus begleitet. Wie lebhaft sein Gedächtniß als das des Stifters der bischöflichen Succession in der alexandrinische« Kirche fortlebte, bestätigt der Diacon Liberatus: „Zu Alexandria ist es Sitte, daß der Nachfolger des verstorbenen Bischofs bei der Leiche seines Vorgängers wache deS Todten Haupt auf sein eigenes Haupt lege, ihn mit eigener Hand begrabe und dann das Pallium des heiligen Marcus nehme und es sich umwerfe, worauf er rechtmäßig bestellt erscheint." Wie sehr Alexandrien an den philosophisch-speculativen, auch an den häretischen Bestrebungen im Urchristenthum Antheil nahm, ist aus der Kirchengeschichte hinlänglich bekannt. Marcus ist es zweifellos, dessen Person und Wirken die Signatur des apostolischen Urchristentums Aegyptens ist und als solche auch durch die verschiedenen kirchlichen Umwälzungen hindurch sich aufrecht erhielt. Es wäre so auffallend, daß es unglaubhaft wäre, wenn demgemäß die Person und die Evangelisations- thätigkeit des heiligen Marcus der altchristlichen Kunst Aegyptens keine Anregung gegeben Hütte, wenn nicht auch hier die Monumente in ihrer offenen oder in ihrer bildlichen Sprache eine Erinnerung gewahrt hätten an die apostolische Wirksamkeit des ersten Bischofs von Alexandrien, den wir als Apostel Aegyptens anzusehen haben. Leider ist es mit den Achmimfunden nach ihrer Ausgrabung nicht viel anders ergangen als bei derselben: Räuberei hat sie dem Boden „ohne Wahl" entrissen und Geldgier sie in aller Herren Länder getragen, bevor der Wissenschaft Genüge geschehen war. Ohne die Hingebung Forrers wären sie kaum mehr öffentlich zu der Bedeutung gelangt, die ihnen beigemeffen werden muß. So Müssen eben von verschiedenen Seiten und allmählich Beiträge auch für diese hier aufgeworfene Frage erwartet werden! Indessen fehlt es nicht an gewichtigen Anzeichen dafür, daß unsere Vermuthung richtig ist. Ich erblicke diese Anzeichen in drei Gegenständen, die Forrer, wie er selbst ja sagt, als „Forschungsmatexial" publicirte, von denen er aber einen allzu „römisch" gedeutet haben dürfte, das Wort „römisch" in vollem Ernste genommen. Ich meine mit letzterem die kleine Goldplaquette auf seiner Tafel XIII, Fig. 3, mit den Köpfen von „Petrus und Paulus" — und sonst die zwei Thonlampen mit der Figur des Ochsen. Zunächst die Goldplaquette, ein äußerst werthvolles Kleinod für den Archäologen. Forrer bezeichnet sie selbst als „früh" und betont: „Die Art der Darstellung weist auf das III. und IV. Jahrhundert." Die zwei Häupter erklärt er als „Brustbilder von Petrus und Paulus". Auf den ersten Blick erinnert auch das Ganze mächtig an das berühmte Bronce- medaillon in der vatican. Bibliothek, das als die älteste und wohl auch authentische Darstellung der beiden Apostel zu betrachten ist. Wir müssen in Kürze dabei verweilen. „Es hat ungefähr drei Zoll im Durchmesser, die Ausführung erinnert an den edlen Stil der classischen Kunst, und die Köpfe sind mit großer Sorgfalt gearbeitet. Nach Boldetti wurde es in dem Coemeterium der hl. Domitilla gefunden, und alles spricht dafür, daß dieses Denkmal zu den Zeiten der Flantschen Kaiser, als die griechische Kunst noch in Rom blühte, verfertigt wurde. Die Gesichter sind lebensvoll und natürlich und verrathen einen starkausgeprägten, individuellen Charakter. Einer der Köpfe trägt kurzes, gekräuseltes Haar, der Bart ist gleichfalls kurz geschoren und gekräuselt, die Züge siud rauh und gewöhnlich. Die Physiognomie des andern ist edler, unmuthiger und schärfer ausgeprägt, es ist ein kühner, stolzer Kopf mit langem und vollem Barte." Eine andere Bronceplatte aus der Katakombe S. Priscilla (oder S. Callisto?) und dem HI.—-IV. Jahrhundert zugehörig zeigt Petri Porträt in gleicher Auffassung. Jenes werthvolle Medaillon aber bestätigt die bei Niccphorus erhaltene Tradition über das Aussehen der beiden Apostel, nach welcher der Erstere Petrus, der Letztere Paulus wäre." Bon einigen „sehr mittelmäßig ausgeführten" Gläsern abgesehen, kehrt dieser Typus auf den Meisten Goldgläsern wieder. Prüfen wir daraufhin die Goldplaq nette von Ach mim näher, so können wir sie sichtlich nicht zu den schlechten Producten zählen. Aber ebensowenig wird unserm kritischen Auge Profil, Physiognomik, Haltung, Haar rc. des hl. Petrus darauf erscheinen. Wohl ist der Kopf zu unserer Linken sicher ein Pauluskopf, allein ebensogewiß ist jener zur Rechten, nach dem vatikanischen Vorbild, keinPetruskopf. Wir sehen nicht das typische „kurze, gekräuselte Haar", nicht den „kurzgeschorenen und gekräuselten Bart", keine „rauhen und gewöhnlichen" Züge. Hier hilft nichts, um auf Petrus schließen zu lassen, wenn es sich um einen monumentalen Beweis handelt, den wir fordern müssen. Und mit „kirchengeschichtlichen" Conjectnren macht man die klare Tradition der Kunst nicht anders. So wenig man die gestimmte altheidnische Kunst nach dem langweiligen Recept der Herren Kunstforscher immer nach Roms Pfeife tanzen zu lassen braucht, ebensowenig darf man besonnener Weise, der Autorität des römischen Stuhles unbeschadet, das gesammte Urchri stenthum, dessen Einheit im Glauben und in der Liebe bestund, in seinem traditionellen Fühlen und Empfinden erst lange die „römische Schule" absolviren lassen. Dem Künstler von Achmim, wenn er mit Leib und Seele für die einheimischen Christen schaffte, lag, der Ehrfurcht vor dem hl. Petrus wiederum unbeschadet, die Tradition vom hl. Marcus nun einmal näher als die vom Bischof der römischen Kirche! So erblicke ich denn in dem Kopfe neben dem in der Gesammtkirche hoch angesehenen Völkerapostel Paulus dessen und des Barnabas Freund, Schüler und Begleiter, den hl. Marcus, den Apostel des ägyptischen Christenthums. Ueber den beiden Häuptern leuchtet je ein Stern, die Mitte überragt ein Kreuz. Schöner und sinniger konnte der Künstler die evangelische Missionsarbeit der beiden Apostel auf dem kleinen Raum nicht zum Ausdruck bringen! Und nun nach diesem scheinbaren Umwege zu den von Forrer producirten Thonlampen, von Achmim und jener von Köln mit dem symbolischen Bild des Ochsen. Es sind, wie die Abbildungen darthun, zwei durchaus verschiedene Darstellungen. Ob sie auch verschiedenen Sinn haben oder ob sie sich auch in ihrer Bedeutung vereinigen lassen? Die eine Lawpe zeigt uns nur den Kopf eines Stieres, ohne jede weitere Zuthat. Wiewohl von „Kölner Provenienz", hat sie Forrer doch mit Recht neben die folgende von Achmim gestellt, da ihre orientalische Herkunft nicht unmöglich, sie aber schon an sich beachtenswerth ist. Um so bedeutungsvoller ist die zweite Lampe. Sie zeigt einen springenden Ochsen mit darübergestellter Palme! Nun kennen wir die Palme als Symbol des Martyriums; aber daS ist nur eine ihrer mehrfachen Bedeutungen. Sie ist seit Alters das Zeichen des Sieges, im christlichen Sinne das der Vollendung. Nach Ambrosius bedeutet sie „den Sieg in jenem Kriege, welchen Fleisch und Geist mit einander führen". Wie sollen wir nun unser Bild deuten? Wenn der Stierkopf auf der „Kölner" Lampe einen Evangelisten symbolisirt, so erst recht diese Ochsen- figur, die sich durch die Palme als christlich documentirt. Gewiß hat sie einen allgemeinen Sinn, etwa in der Anschauung des Cassiodorius; allein der Fundort verleiht ihr auch eine spezielle Deutung. Wir fassen demnach auf unserer Lampe die Figur des palmen- geschmückten Ochsen als ein Symbol des ägyptischen Christen, dessen Seele durch die Predigt des Evangeliums aus dem Munde der Marcusschüler wie ein Ackerfeld gepflügt und besät worden ist, und die siegen soll durch die Kraft, die im Glauben und im Worte Gottes liegt. Weitere Darstellungen könnten, wenn sie nicht wirklich Neues bieten, diese Deutung nur bekräftigen. (Fortsetzung folgt.) Neise-Briefe aus dem Orient von Dr. Seb. Euringer. (Fortsetzung statt Schluß.) Nun ging es an einem Beduinenfrkedhof vorbei. Jeder Friedhof hat einen Weli, d. i. ein Heiligengrab, das besonders ausgezeichnet ist. Wenn nämlich ein Mensch verrückt ist, den Verstand verliert, so wird er als Heiliger angesehen; denn sagen sie, seine Seele ist bereits im Paradies, und darum kann er nicht mehr vernünftig reden. Diese psychiatrisch-theologische Anschauung hat daS Gute für sich, daß die unglücklichen Irrsinnigen vor jeder Nohheit und Inhumanität geschützt sind. Nach dem Tode wird auf dem Friedhof über seinem Grabe aus unbehauenen Steinen ein Haus errichtet, damit man von weitem schon dasselbe erkennt. Die Gräber der andern Leute siud sehr einfach; der Todte wird in das Grab gelegt, darüber der Sand geglättet, hie und da auch ein kleiner Sandhügel errichtet und Kopf- und Fußende je durch einen aufrecht stehenden spitzigen Stein bezeichnet. Eine solche Begräbnißstätte sieht aus, als ob Kinder mit Steinen gespielt hätten. Wir betreten das bekannteste und berühmteste Thal der Halbinsel, das Thal der Inschriften, oder Wadi Mokattam. Es hat seinen Namen daher, daß die Sandsteinblöcke, welche am Fuße der Bergwände liegen, zahlreiche Inschriften in semitischen Charakteren tragen. Zwar finden sich auch in vielen andern Thälern ziemlich häufig derartige Inschriften, aber hier ist fast jeder freie Platz beschrieben. Da die Buchstaben den hebräischen und phönizischen gleichen, so hat man lange Zeit sie für Zeugnisse der auswandernden Jsraeliten gehalten. Diese Ansicht ist durch die Entzifferung derselben hinfällig geworden, und im allgemeinen sind diese Inschriften sehr bedeutungslos. Es waren Nabatäer (Hauptstädte waren 166 Petra und Bosra), welche vom II. Jahrhundert v. Chr. bis zum IV. n. Chr. diese Schreibeübungen verübt haben. Der Inhalt ist meist derselbe: „Friede und Glück! N. Sohn des R., Sohn des N.", oder „Erwähnt werde R. Sohn des R. rc." Einige sind datirt, gerechnet wird nach der Eparchie oder der Aera von Bosra, welche im März 105 n. Chr. beginnt. Einige wenige sind griechisch, darunter eine interessante. Ein Diakon Job hatte sich urschriftlich verewigt. Daneben schrieb ein christenfeindlicher Soldat: Lullon §6nos tuto e§c» stratiotss sZrupsa.: „Ein schlimmes Geschlecht das, ich der Soldat habe es geschrieben." Den Inschriften sind auch Zeichnungen beigefügt, welche in ihrer Ausführung an die Nandzeich- nungen aus dem Schreibhefte des kleinen Moritz erinnern. Kamele, Esel, Männer, auch die Sonne und der Mond wurden oft in großer Zahl auf die geduldigen Steinblöcke geritzt. Beer, Tuch, Palmer, Euting, Lepsius haben sich um Sammlung, Veröffentlichung und Entzifferung dieses „Fremdenbuches" verdient gemacht. Eine halbe Stunde vor dem Ende des Thales wehte mir die deutsche Fahne von der Spitze meines Zeltes entgegen, und da wir früh daran waren, hatte ich Zeit, die Steinblöcke in der Umgebung meines Lagers genau anzusehen. Dinstag den 13. März mußten wir wieder einen Paß überschreiten und gelangen bald in das vom Meere sich heraufziehende Wadi Uran, dessen schwarzgraue Granitmauern steil abfallen und ein unheimliches, drückendes Gefühl erregen. In diesem Thals ist die Wüste Sin nach meiner Ansicht zu suchen, wie auch die nächsten zwei Lagerplätze. Hier wäre also zum ersten Male das Manna gefallen. Alle Jahre im Sommer wird von den Beduinen ein Harz, welches sie Man nennen, gesammelt und nach Kairo zum Verkauf gebracht. Dieses Man, welches auch im Tempellaboratorium von Edfu (gebaut unter den Ptolemäern) als Manu (oder Mann») bezeichnet wird, rührt von dem Stich eines Jnsectes (Ooocms manni- xurus) in die Rinde des Tarfastrauches (eine Tamarisken- art) her. Aus den Stichwunden träufelt der Saft auf den Sand und verhärtet sich dort. Man vergleiche diese Genesis mit dem Berichte der Bibel, und man wird finden, daß das biblische Manna denn doch etwas anderes gewesen sein muß. Weiter. Ich habe mir in Kairo eine ziemliche Quantität Manna gekauft, und da nach den Worten der Bibel das Manna wie das Dumharz ausgesehen und wie Koriandersamen mit Honig geschmeckt hat, so habe ich mir auch diese beiden Substanzen verschafft. Das Ergebniß meiner Untersuchung ist: Das Aussehen ist wie das von Dumharz, aber der Geschmack stimmt nicht. Aber last not Isast: als ich im Bazar der Gewürzhändler in Kairo ganz begierig auf das mir gezeigte Manna losschoß und mich anschickte, davon zu essen, warnte mich der Verkäufer gleich nach dem ersten Bissen, ich solle nur sehr wenig genießen, da es — Diarrhöe verursache! Und davon sollen die Juden 40 Jahre lang täglich ein Omer gegessen haben!! Ich glaube, dieser letzte Grund schon allein dürfte eine Identifikation des wunderbaren Mannas mit dem Manna der Tarfastaude verbieten. Daß dieses Harz den Namen Manna erhielt, ist leicht einzusehen; die Süßigkeit ist das tsrtium eomparationis. Es geht den ganzen Tag durch dieses lange Wadi immer auswärts, scheinbar gerade aus, aber mein Barometer geht immer weiter zurück, ein Zeichen, daß wir steigen. Was ist denn ein Wadi, werdet ihr fragen? Wir hören jetzt diesen Namen so oft. Es ist nichts anderes, als ein Thal, ein ausgetrocknetes Flußbett, das sich bei Regen in einen reißenden Strom verwandeln kann. Der Boden ist ganz mit Sand bedeckt, dazwischen liegen Steintrümmer, bald Quarz-, bald Fenersteintrümmer, die wie schwarze Glasscherben aussehen, bald Granit-, bald Sandstein rc. rc. Immer oder fast immer findet sich Vegetation, wenn auch nur spärlich. Jetzt steht alles in Blüthe. Die wohlriechende Ginster mit ihren weißen Schmetterlingsblüthen sieht wie bepndert aus, eine Wehr- muthart mit scharfem Geruch hat fast ebensoviel^ kleine gelbe Blüthen als Blätter, die eigenartigen Seyalakazien, die sanft gefiederten Tarfasträucher; muntere Eidechslein erfreuen sich an der Sonne, bedächtig schreitet ein schwarzer Käfer, dessen kunstvolle Fallen (Trichter im Sande) uns häufig begegnen; alles vereinigt sich mit der ganzen Umgebung zu einem Bild, das seinen Reiz hat. Am Abend, wenn der Mond alles mit grünlichem Lichte überzieht, ist es, als ob man am Ufer eines Sees stehe. Diese Wadis sind sehr breit und sind die natürlichen Straßen in der Wüste. Besser geebnete Heerstraßen hätte auch der größte Bauherr der Welt, Namses, nicht schaffen können. (Schluß folgt.) Die heilige Cäcilia, Oratorium für Soli und Chor, mit Klavierbegleitung und verbindendem Text mit oder ohne lebende Bilder. Dichtung von Franz Bonn. Musik von Michael Haller. Op. 57?) Z Ein ganz eigenthümlicher Hauch und Duft heiliger Poesie umschwebt und durchzieht die Legende jener römischen Jungfrau und Martyrin, von der Theodor Körner gesungen, daß sie „als Meisterin in jeder Kunst der Töne dem Glauben ihr begeistert Lied" geweiht: Und als sie einst in tiefen Harmonien, Ergriffen von dem liederreichen Drang, Der cw'geu Liebe ihre Lieder sang, Vernahm sie wunderbare Melodien. Sie blickt empor mit frommem Ungestüm, Da öffnen sich des Himmels goldne Pforten, Und eS erklingt in heiligen Accorden Das Siegeslied der Cherubim. Und schnell zerreißt sie ihrer Harfe Saiten, Erröthet still in jungfräulicher Scham. — Da sie das Lied der Himmlischen vernahm, Mag sie sich nicht an ird'schcn Tönen weiden, In süßer Wehmuth bricht ihr frommes Herz; Die Sängerin muß nach den Liedern ziehen — Und ausgelöst in hcil'gen Melodien Fliegt ihre Seele himmelwärts. Mit Recht wird die hl. Cäcilia als Patronin nicht bloß der lllrwios, saera, sondern aller heiligen Kunst betrachtet und verehrt, und es ist wohl begreiflich, wenn Dichter, Sänger und Maler gerade diese heilige Jungfrau - Martyrin, „deren Leiche", um ein Wort des hochw. Bischofes Zardctti zu gebrauchen, „noch im Aroma der Jungfräulichkeit der Verwesung widersteht, und deren Marmorbild auf dem Grabe in Rom den Grundcharakter jeder Schönheit, Kunst und Formvollendung, nämlich die Vermählung von Majestät und Einfachheit, offenbart," so gerne zum Gegenstände ibrcs künstlerischen Schaffens erwählen und die größten Meister dieser Heiligen in Bild und Sang und Dichtung den Tribut ihrer Huldigung gezollt haben. Die größten Meister hat sie angeregt, In Liedern und Gemälden allezeit Sie zu verherrlichen. ES wäre nur zu wünschen und für die Kunst der größte Gewinn, wenn alle ihre Jünger an diesem Ideal sich bilden und begeistern würden. „Ich habe mir", schrieb *) Druck und Verlag von I. Habbel. Regensburg 1894. Partitur 3 M., Chorstimmen ü 30 Pfg., Textbuch L 40 Pfg. Altmeister Glühe am 19. Oktober 1786 aus Bologna, „die Gestalt der hl. Cäcilia und noch mehr der hl. Agatha" (deren Bilder der Dichter in Bologna sah) „wohl gemerkt und werde ihnen im Geiste meine Jphigenie vorlesen und meine Heldin Nichts sagen lassen, was diese Heiligen nicht aussprechen möchten". Und die Jpbigenie wurde ein Muster-Drama von klassischer Erhabenheit und Reinheit. Auch unser laudSmänuischer Dichter Franz Bonn, dessen Gedichte „Für Herz und HauS" eine so allgemein beifällige Aufnahme gefunden und bereits in zweiter Auflage erschienen sind, hat seine Harfe wiederholt dem Lobpreis der bl. Cäcilia gewidmet. Bereits vor ein paar Jahren ist im Habbel'schen Verlag erschienen: „Die heilige Cäcilia. Schauspiel für die Jugend. Musik von Mich. Halter." Die Kritik hat sich sehr lobend über dieses Werk der Bonu'schen Muse ausgesprochen und u. A. daran gerühmt, daß „über dem Ganzen ein solch gebeimnißvoller Zauberreiz liegt, der den Geist des Hörers in die Sphären zwischen Himmel und Erde erhebt, und das ist eben die frommkindlichc Auffassung und Begeisterung, die durchs Ganze weht und in menschlich-sündigen Figuren erst den unmalbaren Tugendglanz der guten Geister ins rechte Licht setzt." Der thatsächliche Erfolg der Aufführungen dieses Schauspieles mit der so ergreifend schönen Haller'schen Musik entsprach vollauf der lobenden Kritik. Wir wissen nicht, ob vielleicht in diesem Erfolge für Dichter und Compositeur der Impuls, der Anlaß lag, sich nochinal und zu noch höherem Schwünge zur Verherrlichung der hl. Cäcilia zu erheben und ein Kunstwerk zu schaffen — „Bei dem es uns umschwebt wie Orgelton, Gemischt mit dem Gesang von Himmelsstimmen." Der Dichter gebraucht diese Worte in Bezug auf den „Namen" Cäcilia — aber wir dürfen sie auch auf das genannte Oratorium anwenden, in dem uns „in Wort und Bild, begleitet von Gesängen" gezeigt werden soll, „wie ihr die Krone ward.- die dreifach sie, die Äuscrwählte, schmückt, der Jungfrau'» Krone, des Apostolats und des Martyriums". Und fürwahr, Dichter und Komponist haben die sich gesetzte Aufgabe meisterhaft durchgeführt, und nicht vergeblich hat der Dichter im Eingang die heilige Heldin angerufen: Q leihe du Dem Worte Schwingen und dem Tone Kraft, Daß deiner würdig wir dich feiern mögen — Du Meisterin der Tonkunst — St. Cäcilia! Wir tragen kein Bedenken, dieser Dichtung einen der ersten Plätze unter den Boun'schen Schöpfungen anzuweisen, sie zu dem Schönsten und Besten zu rechnen, womit uns der gottbegnadigte edle Dichter schon erfreut hat. Hier hat er sich als Dichter nicht bloß „für HauS und Herz", sondern, wenn wir so sagen dürfen, für Welt und Kirche, Erde und Himmel, Zeit und Ewigkeit erwiesen. Es sind so klang-, so inhaltsvolle Verse! Tiefe, ewige Wahrheiten, erhabene Gedanken, das Größte, was des Christen Herz bewegt, was uns der Dichter in schönster Form vor die Seele führt. Man könnte den Inhalt dieser Dichtung in die bekannten Worte Brentano'S kleiden: O Stern und Blume, Geist und Kleid, Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit! Und wie klingt alles so jugendlich frisch und begeistert wie ein FrühlingSsang, so daß man glauben möchte, der Dichter besitze das Geheimniß, aus dem „Jungbrunnen" zu trinken! Dasselbe kann man auch von der Haller'schen Musik sagen, welche einem immer klaren und frischen Bergquell gleicht und an welche man, wie an die kirchlichen Compositionen des RegenS- burger Palcstrinajüngcrs, den sichersten Maßstab wahren Kunst- tvcrlhcs anlegen und sagen kann: Je öfter man sie hört, desto mehr erfreut und erquickt man sich an ihr. Es ist uns schwer, uns zu entscheiden, welchem von den acht Tvnstücken, die sich unmittelbar an die Dcklaination anschließen („Wo der Dichter keine Worte mehr findet, da soll der Musiker mit seinen Tönen eintreten", sagt Grillparzer) — „Chor der Geister — Brautchor — Terzett — Solo und Duett — Kriegerchor — Engel- chor — Trauerchor — Schlußchor (Lobpreis und Anrufung der Heiligen) — wir den Preis der klassischen Schönheit zuerkennen sollen. „Poesie und Musik sind zwei liebliche, verwandte Genien", sagt ein Kunstschriftsteller, und wenn beide in schöner Eintracht zusammenwirken, dann muß ein schönes Werk erstehen. Und wenn zu dem Wort und Ton auch noch die lebenden Bilder sich gesellen in der entzückenden Farbenpracht und Gruppiruug, wie eS bei der ersten Aufführung des Bonu-Haller'schen Werkes in NegenSburg geschehen ist, dann Wird dasselbe überall die Zuhörer und Zuschauer in derselben Weise befriedigen, erbauen, erheben und begeistern, wie eS in Regensburg geschah, und wird man überall dem NegcnSburger Meisterpaar Dank wissen für diese schöne Gabe! Recensionen rmd Notizen. Spanien in Wort und Bild, Herausgegeben unter Mitwirkung Sr. Kaiscrl. u. Kgl. Hoheit Erzherzog Ludwig Salvator, Mons. Professor I. GrauS, Domcapitular Kirchberger, R. Frhr. von Bibra, Mrs. Will Trclsall. Mit 157 Illustrationen und 1 Karte von Spanien. Würzburg, 1894. Quartausgabc. Verlag von Leo Wörl, k. u. k. Hosbuchhandlung. 607 S. Preis geb. 9 M. 8. Das außerordentliche Interesse, welches obgenannteS Buch, sowobl als reich illustrirtes Prachtwerk ersten RangcS, wie als hervorragende Schöpfung neuzeitlicher Länder- und Völkerbeschreibung, auch dein etwas verwöhnten Leser darbietet, ist begründet in der wahrhaft mustergiltigcn Darstellung und Schilderung eines Landes und Volkes, welches an sich schon als höchst eigenartig und für sich einnehmend gilt, wie in dem vollendeten Ensemble selbst, zu welchem die einzelnen, das Ganze integrirenden Theile deö Werkes wie zu einem organischen Kunstgcsüge zusammentreten. Hat eS doch zum Gegenstände jenes originelle Land, das schon in der Jugend uns cnthusias- mirtc, das, von Sang und Sage gefeiert, von Poesie und Phantasie verherrlicht, noch immer als das „unausgesungcne Land" gilt, immer uns neu und immer uns ferneliegcnd. Hat es doch zum Gegenstände jenes ewig ernste, ritterliche und feierliche Volk, von dem der Dichter sagt: „Stolz lieb ich den Spanier." Ja, stolz, wie seiner Bewohner chcvalereöker und ccremvniöser Charakter, stolz, wie seine Geschichte und Romanze, ist das Vaterland jener Völkerstämme, deren verschiedene Wurzeln in die ehrwürdigsten Zeiten alter Tage hinabreichen. Stolz, wie seine Sitten und Gesetze, thürmen sich seine altersgrauen Städte, seine Burgen und Paläste, seine Kirchen, seine Rath- häuser, seine zahllosen Kunstbauten, seine Ruinen und Ueber- reste einer ersten und zweiten Cultur. Stolz ist das imposante Land, wie das interessante Volk. Welch herrlichen Vorwurf für die Schilderung bildet solch eine Vorlage mit der ganzen Maicnblüthe ihrer Vergangenheit, die auf Schritt und Tritt ihre Spuren zurückgelassen hat! Wer möchte nicht Spezielleres vernehmen von solch einem Volke mit seinen Kämpfen und Errungenschaften, seinen Festen, seinen Gebräuchen, seinen Gewohnheiten, von jenen Regionen mit ihren bald schwermüthig ernsten, bald sonnig heitern, bald grandiosen, bald idyllischen LandschaftSbildcrn, Bergen, Flüssen und Ebenen! Hier unfruchtbar und unangebaut, dort ein endloses Fest der üppigsten Cultur feiernd, zeigen sich uns in Spanien Scenerien, welche so ganz verschieden sind von denen unserer Heimath. daß wir den reizenden Darstellungen und fesselnden Beschreibungen dieser neuen Glanzpublikation mit gespanntem Ohre um so lieber lauschen, als die Vorführung all deö Geschilderten in einer wunderbar schönen Sprache sich vollzieht, welche mit plastischer Anschaulichkeit die Worte zu meißeln versteht und, bei feinster Wiedergabe auch des Details und geschmackvollster Ausmalung des Einzelnen, das Gesammtbild uns in reichen, satten Farben vors überraschte Auge zaubert. Betrachten wir uns den edlen Cirkel derjenigen, welche zu diesem gediegenen, formcnschönen, voll und ganz aus katholischem Standpunkte stehenden Werke mitgewirkt haben, so könnte dieser Kreis nicht besser gewählt sein und nicht glücklicher sich zusammengefunden haben: ein mit allen Vorzügen des Geistes und Wissens ausgerüsteter, mit unerschöpflichen Neisemittelu ausgestatteter kaiserlicher Prinz, Erzherzog Ludwig Salvator, dessen angeborener Liebe zur Sache, feiner Beobachtungsgabe, hohem Ansehen und geübtem Auge sich alles erschließt und aufthut, was Herz und Auge zu entzücken vermag. Ihm verdankt das Prunkwcrk neben andern: insbesondere die reizvollen Partien über die Balcarcn, sowie einen ganz hervorragend großen und schönen Theil der Bilder, welche in einer Anzahl von 157 vorhanden sind, so daß auf jedes Blatt fast eine Illustration trifft, eine Thatsache, welche den unvergleichlichen Schmuck des Werkes bildet, die in solcher künstlerischen Vollendung und Schönheit ihres Gleichen suchen. Wir begegnen im Kranze der Mitarbeiter sodann einem Prälaten, Mons. Pros. I, Graus, der als geistlicher Kunstkenner erster Güte sich bereits einen klangvollen Namen erworben, die geschilderten Länder selbst bereist, die von ihm gespendeten Bilder — kirchliche Kunstbauten — selbst an Ort und Stelle aufgenommen und gezeichnet hat. Wir kennen ihn bereits rühmlichst I aus seinem 1893 in L. Wörl's Neisebibliothek erschienenen Buche: I „Eine Rundreise in Spanien", als einen der tüchtigsten öfter- 168 reichischcn Spczialisten in kirchlichen Kunstbausachen und als vorzüglich unterrichteten Führer zu den Denkmalen namentlich der christlichen Kunst. Ein weiterer Würdenträger der Kirche, der in obigem Werke uns seine trefflichen Dienste leiht, ist Herr Domcapitular Kirchberger, den wir sür das sichere Gelingen solcher Leistungen als eine ganz eminente Kraft bereits längst erkannt haben. Endlich begrüßen uns zwei andere Scbriftsiellcr vom besten Klänge: N. Frhr. v. Bibra und Mrs. Will Threlfall, Autoren, in deren Händen die schildernde Sprache zum Bilde sich verdichtet, zum Liede sich gestaltet, zum Wohllaute wird, Meister dcö Wortes, unter deren Leitung hier sich alles, Wort und Bild, aufs herrlichste verschönt hat und sich schmiegt und fügt, gliedert und aufbaut zu einem Ganzen, das in vollendeter Kunst vor uns prangt. Wörl's „Spante n" kann nach substantiellem Inhalt und eleganter Form sich kühn dem Besten und Schönsten, was die Länder- und Völkerkunde in neuester Zeit hervorgebracht hat, an die Seite stellen. Gedanken und Schwung reißen den Leser mit sich fort. Auch die äußere Ausstattung ist von einer Eleganz und Vornehmheit, daß sie selbst fürstliche Augen nicht zu scheuen braucht. Einfach ist nur der Einband und gleicht darin jenen fürstlichen Damen, welche, nachdem neuestens das Gewöhnliche mit geborgtem schlecht- anstehenden Marktschrcicrputze sich in gemeiner Weise zu schmücken pflegt, die Vornehmheit nun in jene Einfachheit fegen, deren daS Ordinäre niemals fähig ist. Als freudespcndeude Festgabe sür Andere wie als Mittel eigenen Hochgenusses verdient das Werk die begeistertste Empfehlung; man wird in vollen Zügen feiner genießen. Aus dem Herder'schcn Verlag: AlbanStolz. Legende oder der christliche Sterneu- himmel. Zehnte Auflage mit vielen Bildern. 1894. Dr. Hermann Rolfus. Geschichte des Reiches Gottes auf Erden. Für die katholische Familie bearbeitet. Dritte, in Text und Bildern verbesserte Auflage. 1894. Z Diese beiden Werke erscheinen nun auch in Lieferungen, so daß die Anschaffung derselben auch weiteren VolkSkrcisen möglich ist. Von der Legende werden 2 Ausgaben veranstaltet, die eine in Quartformat vollständig in 10 Heften ä 80 Pfg. Diese erscheint in größerem Format und erheblich verbesserter Druckausstattung, während der Text, unter voller Wahrung der Pietät gegen den verewigten Verfasser, einer sorgfältigen Revision unterzogen wurde; die andere Ausgabe in Oktavformat, vollständig in 4 Bänden oder 12 Heften L 1 Mk. pro Heft. Die Besitzer der „gesammelten Werke" von Alban Stolz haben nunmehr die Möglichkeit, den ganzen Stolz in uniformen Bänden anzuschaffen. Die innern Vorzüge dieser Stolz'schen Legende sind genügend bekannt. — Das zweite genannte Werk erscheint in 18 Heften gr. 8° L 50 Pfg. Dasselbe ist an dieser Stelle — Augsburger Postzeitung 1688 Beilage Nr. 55 — sehr gut, aber auch sehr treffend rccensirt worden, so daß nur mehr dem Wunsche Ausdruck zu verleihen ist, es möchte dieses Buch in recht vielen kathol. Familien Eingang finden; sie finden darin gewiß eine Lektüre, die unterhaltend, belehrend und erbauend zugleich ist, eine Lektüre, welche den GlaubcnSeifer und -Freudigkeit vermehrt, die Liebe und Anhänglichkeit zur Kirche stärkt und erhöht und viele, recht viele falsche Ansichten und Urtheile über dieselbe gründlich beseitigt. Töchterchcns Liebling. JllustrirteMädchcn-Arbeitszeitung. Verlag der Paradieödruckcrei in Passau. Preis vierteljährlich 50 Pfg. Diese Zeitschrift enthält unterhaltende Erzählungen, Aufsätze, Gedichte, Kochrcccpte, Spiele, Räthsel; der Musterbogcn bringt jeden Monat niedliche, leicht anzufertigende Handarbeiten, sowie Schnittmuster für Puppenkleidung. Auch ist jeder Nro. eine Beilage zugegeben, welche den Kindern zur Unterhaltung gereicht. Der Preis von 2 M. 40 Pf. jährlich ist ein so niedrig- gestellter, daß es auch den weniger Bemittelten möglich ist, diese empfehlcnswerthe Zeitschrift für ihr Töchterchen anzuschaffen. Wenn wir einen Wunsch aussprechcn dürfen, so ist es der, daß die Ausstattung in Druck und Papier etwas besser würde. Stern der Jugend. Eine Zeitschrift zur Bildung von Geist und Herz. Herausgegeben von Dr. I. Praxmarer, Religionslehrer in Vingcn. Ruffels Verlag in Münster. Vicrtclj. (6 Heste) 1 M. Inhalt des 14. Heftes: Lösung des scheinbaren Widerspruches zwischen Gottes Allwissenheit und Gerechtigkeit. — Für unsre jungen Lateiner. — Die Interpunktion. — Boun's berühmte Männer. — Skizzen aus dem Lande der Eskimos. U. s. w. Historisches Jahrbuch. Im Auftrage der Görrcsgesellschast herausgegeben von vr. H. Graucrt, vr. L. Pastor und Dr. G. Schuürer. Commissionöverlag von Herder u. Cie., München. XV. Jahrgang. 2. Heft. Inhalt: Aufsätze. Rauschen, neue Untersuchungen über die vssoriptio der Reliquien zu Aachen und St. Denis. — Säg- müllcr, die Anfänge der diplomatischen Corrcspondenz. — Kayser, Johannes Ludwig Vives (1492—1540). — Büchi, Georg von Wyß. — Kleinere Beiträge. Wevman, Analecta. — KamperS, eine Handschrift der vita. tlnslrarii. — Fijalek, Mahnschreiben des päpstlichen Legaten ZachariaS Ferrari an Martin Luther. — Recensionen und Referate. Klopp, der dreißigjährige Krieg bis zum Tode Gustav AdoliS (Weskamp). — Literatur zur Culturgeschichte des 19. Jahrhunderts (Weiß). — Zcitschriftcnschau. — Novitätenschau. — Nachrichten. — Den Schluß deö 2. Heftes bildet eine Antikritik Dr. KnöpflerS auf die Kritik, welche Dr. Schrörs an der vielberufenen NcctoratSrcde vr. KnöpflerS über das Studium der Kirchengeschichte geübt hatte, und eine Nep lik von Dr. Schrörs. _ Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monatschrift. Jahrgang 1894. 12 Nummern. M. 4 — fl. 2.40 ö. W. — Frciburg im Breisgau. Hcrdcr'sche Verlags- haudlung. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 5: U. L. Frau von Guadalupe, die Schutzpatronin von Mexico. — Der Mekong (Fortsetzung). — Die Ncductionen von Paraguay (Fortsetzung). — Nachrichten aus den Missionen: Europa (Hilferuf aus Adrianopel); China (Die Canossiaucrincn in Hongkong); Vorderindien (Ein Kapuzincrbischof in den Gebirgen Nordindiens; eine Blutthat); Abcssinicn (Die Schlacht bei Agbordat); Acquatorial-Afrika (Das Apostel. Vicariat Vntoria-Nyanza sSchluß); DaS Seminar in Bnddu); Westafrika (Kamerun); Nordamerika (Indianer- mission in Süd-Dakota); Aus verschiedenen Missionen. — Miscclleu. — Für Missionszwcckc. — Beilage für die Jugend: Die Sklaven dcö Sultans (Fortsetzung). Illustrationen: Kapelle und Hügel ll. L. Frau von Guadalupe bei Mexico. — Investitur des Königs von Ubongl — Der große natürliche Cirkus in den Lakoubergen. — Vorhalle des Wat Pha Kco zu Wien Schau. — Karte in zweifarbigem Druck (Apostol. Vicariat in Nyanza). — KriegertypuS aus Abessiuicn. — Abessinische Krieger mit Lanze, Wurfspeer und Schlachtmesscr. _ Studien undMittheilungen aus demBcnebictincr- Or dcn. XV. Jahrg. 1894. Preis pr. Jahrg. (4 Hefte ca. 40 Bogen) Mk. 8 — 4 fl. Nur zu beziehen durch die Administration genannter Zeitschrift im Stift Naigcrn bei Brüun (Oesterreich). JnhaltS-Verzeichniß des I. Heftes 1694. (Abhandlungen.) Schmidt, ?. Edmund (0. 8. 8. Metten): Wesen und Geist des Beuedictinerordens. Nick, I. (Salzig): Regelten des adeligen FrauenklosterS Marienbcrg. 0. 8. 8., bei Boppard a. Nh. Dolberg, Ludw. (Nibnitz): Die Satzungen der Cistercienser wider das Betreten ihrer Klöster und Kirchen durch Frauen (1.). Jud, Fr. Ruv. (0. 8. 8., München): St. Walburg, Bencdictinerinnenkloster in Eichstätt(Mittelfranken). Stölzl, 8. Marc. (0. List., Wilhcring): Ein Beitrag zur Geschichte des österr. Erbfolgekriegcs in den Jahren 1741 und 1742 (I.). Plaine, D. Fr. B. (0. 8. 8.. Silos): vo Oancmig Llissas ^.xostolieitatas oum nova clieti Oanonio oxplanations. vioqnisitio oritieo-IitnrAiea (I.). Eubcl, 8. Konrad (Rom): Die päpstlichen Provisionen auf deutsche Abteien während des Schismas und des PontificatS von Martin V. (1378—1431) (I). Hafner, Otto (Eßlingen): Regelten zur Geschichte des scbwäb. Klosters Hirsau (XIII.). Bredl, O. Sigis. (0. 6ist., Osscgg): Die Superioren und Ncctoren deö St. Bernards-Collegs vom I. 1662—1785.— (Mittheilungen.) Lager, Dr. (Trier): Bulle Martins V. betreffend die Abhaltung von Proviuzial- Capitcln der Benedictiner in Sache» der Reformation. Reform- statuten des Provinzial-Capitcls in St. Maximin i. I. 1422. Schmid, 8. Bernard (0. 8. 8., Scbeyern): Oowmnnioatio in saoris und 8xoommuniog.tio ob Inceresin? — Neueste Benedictiner- und Cistercienser-Literatur (8 VII.). — Literarische Referate. U. f. w. Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas Lc, Erabherr in Augsburg.