n,-. 22, 31. Mal 1894. Mge W DlPßmgkr MM li Joseph Barm. Zu seinem 50jährigen Todestag gewidmet von A. G. Am 21. Mai waren es fünfzig Jahre, daß Abbate Baini gestorben ist. Baini, einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der Geschichte der Tonkunst, auch nicht unbedeutend als Componist; Baini, Director der päpstlichen Capelle, als welcher er in erster Linie die unsterblichen Werke seines Lieblingscomponisten Palestrina förderte und pflegte; Baini, welcher auf die Entwicklung der Kirchenmusik großen Einfluß übte, verdient wohl in Kürze in diesen Blättern erwähnt zu werden, zumal seiner nicht gar häufig mehr gedacht wird. Die Dankbarkeit hat wohl den Meister F. X. Haberl veranlaßt, in dem kirchenmusikalischen Jahrbuch des laufenden Jahres eine sehr interessante biographische Skizze über Baini zu veröffentlichen, welche auch wir im Folgenden benützen, zumal außer Hiller, Proske und dem französischen Fötis nebst Adr. de la Jage nur wenige über Baini geschrieben haben dürften, ausgenommen natürlich die Abhandlungen in verschiedenen Enchclopüdien und Konversationslexikons und einer solchen in den historisch-politischen Blättern. Joseph Baini, der Neffe des Komponisten Laurcntino Baini, wurde in Nom geboren am 21. Oktober 1775 und verließ, kleine Reisen ausgenommen, die ewige Stadt nicht, so lange er lebte. Sein Onkel unterrichtete ihn in der ersten Zeit, und der junge Joseph machte in Bälde die größten Fortschritte, besonders im Kontrapunkt. Den Gesangsunterricht erhielt er durch einen portugiesischen Ordenspriester, und wird von ihm von Anfang bis in sein hohes Alter seine gewaltige Baßstimme gerühmt. Mit siebzehn Jahren wurde er schon als Dirigent in der Seminarkirche verwendet und im Alter von zwanzig Jahren als Mitglied der päpstlichen Capelle aufgenommen. Nachdem er sowohl Philosophie als Theologie glänzend absolvirt hatte, erhielt er im Jahre 1795 die Priesterweihe. Er war nach den Quellen ein Priester ganz nach dem Herzen Gottes, hing mit innigster Liebe an seiner heiligen Kirche und an deren Oberhaupt, seine Tagesarbeit wechselte ab mit Gebet und Studium und Studium und Gebet. Damals waren, wie stets, würdige Priester mehr denn je nothwendig: die Religion war verachtet, der hl. Vater in der Verbannung, Nom eine Republik, als solche zuerst erklärt durch General Bathier im Namen Frankreichs, zwölf Jahre später durch den gewaltthätigen Kaiser Napoleon I., ein ächter Kulturkampf wüthete, wie wir ihn auch zu erleben das Unglück hatten. Baini erhielt zu jener Zeit einen Ruf nach Paris, er aber schützte seine Gesundheits- verhältnisse vor und wollte Nom nicht verlassen, zumal Frankreich viel brauchbarere und tüchtigere Männer habe, als er sei. Im Jahre 1814 den 24. Mai zog Papst Plus VII. wieder in Nom ein, und Baini sammelte die noch übrigen Mitglieder der päpstlichen Capelle, hielt Proben über Proben und Aufführungen, wobei auch seine eigenen Kompositionen zu Gehör gebracht wurden, welche mitunter uugetheiltesten Beifall fanden. Fassen wir gerade hier Baini als Komponisten in's Auge! Er hat nicht gar viel componirt, hat fast nichts veröffentlicht, aber was er componirte, ist ächt kirchliche Musik, ächt christlich- frommer Gesang. Vor allem ist zu erwähnen sein zehn- stimmiges Miserere, componirt für die sixtinische Capelle auf Wunsch des Papstes Pins VII. Man darf wohl behaupten, daß diese Komposition im gleichen Rang steht mit dem Miserere von Allegri, wie es denn auch in der Charwoche zu Nom abwechselnd mit dem letztgenannten aufgeführt wurde. Durch dieses eine Stück allein zeigt sich Baini als ein Componist von Gottes Gnaden, der ganz und gar an der Doktrin der alten römischen Schule hing. Auf diese Komposition hin wurde Baini zum Camerlengo der päpstlichen Capelle ernannt und jedes Jahr bis zu seinem Tode wieder gewählt, auch sollte er zum Rektor der Propaganda ernannt werden, eine Würde, welche er aber entschieden zurückwies. An weiteren Kompositionen sind zu erwähnen: ein Band kirchlicher Hymnen, die sehr schöne Sequenz: Dies iras, nach deren Aufführung „alles hingerissen war und diese Vollendung der musikalischen Kunst bis zu den Sternen erhob", die Nesponsorien zur Passion nach Markus, ziemlich viele Motetten rc. Seinen Hauptruhm aber gründete Baini nicht als Componist, sondern als Musikschriftsteller speciell durch sein unübertreffliches Werk: „Llsmoris Ltoriao-aritielrs ckella viba et äalls opars cii Oiovanni IllorluiAi cla, kalestrina." Dieses Werk, eine großartige Monographie über Palestrina, verräth den großen Kritiker, ein großes musikalisches Verständniß, eine Kenntniß aller Stile durch und durch, und ist und bleibt ein Monument in der Geschichte der Musik. Es ist hier belgische, spanische und natürlich italienische Musik auf das eingehendste behandelt. Der Verfasser des seinerzeitigen Artikels in den Historisch- politischen Blättern sagt über dieses Werk: „Baini führt uns hier in chronologischer Reihenfolge alle bedeutenden Momente des bürgerlichen und künstlerischen Lebens jenes weltberühmten Picrluigi vor Augen; gibt über die Entstehung seiner Kompositionen die nöthigen Notizen, zählt deren Auflagen auf, bestimmt mit Kennerauge den innern Werth derselben und gibt die Regeln und Vorschriften der römischen Sängerschule durch gelegentlich eingestreute Bemerkungen sicher und bestimmt an. Dies konnte aber auch nur ein Baini, der von Jugend auf mit dem Studium palcstrinischer Musik sich befaßte, immer tiefer eindrang in die Schönheiten jenes großen Nachahmers der Natur und dadurch begeistert wurde, das schwierige, von niemand noch versuchte Unternehmen, nämlich sämmtliche Werke Pierluigt's zu sammeln, zu beginnen und ausdauernden Muthes zu vollenden." Wohl standen dem Meister die Sammlungen und Archive des Vaticans ganz und gar offen, dennoch aber muß seinem Bienenfleiß die höchste Achtung gezollt werden, und man darf ja nicht außer Acht lassen, daß er den größten Theil seines Einkommens zur Lösung dieser seiner Hauptaufgabe verwendete. Manche haben in diesem seinem größten Werke höhere philosophische Gedanken vermißt, alle aber sind darin einig, daß es eine Wissensgrube ist für alle Mnsikkcnner und Musikfreunde, wie selten ein zweites, es sind in demselben alle Werke Palestrina's gesammelt, soweit es irgendwie möglich war. (Ein Werk Baini's übersetzte ein Bruder des Kaisers Napoleon in das Französische, und verräth dasselbe eine sehr solide Kenntniß und ein sehr tiefes Verständniß.) Es erübrigt uns noch, Baini kurz noch als Menschen näher in's Auge zu fassen, und hat Hiller, dem wir im Großen und Ganzen dabei folgen, ein treffliches Bild von ihm entworfen. Obwohl hoch angesehen, obwohl u. a. sehr geehrt von Friedrich Wilhelm III. von Preußen» 170 der einem Concert, dirigirt von Baini, beiwohnte, obwohl mit Ehren und Würden überhäuft, Baini blieb die reinste Demuth, so zwar, daß er nicht duldete, daß man in seiner Gegenwart sich lobend nussprach über seine Kompositionen. Es konnte auch nicht anders sein, da ja der fromme Mann sich der demüthigen Magd des Herrn, der lieben Gottesmutter, geweiht hatte, der er auch sein obgenauntcs bedeutendstes Werk widmete mit folgenden kindlich einfachen Sätzen: rveigrrras Virgini Harias Lins Hds, eonesgtlrs losspkNs tznilqvM ict est oxerls Diesr vi 6on8eerar.l Baini war selbstlos so, wie es unsere Zeit nahezu nicht mehr fassen kann; überall geehrt, eingeladen, blieb er stets zu Nom am „Arbeitstisch und im Beichtstuhl", und nur einmal soll er eine Reise gemacht haben, auch nicht weithin, nur nach Bologna. Seine Wohnung war schmucklos, mehr als einfach, und nur seine stattliche Bibliothek zeigte, daß ein großer Mann in diesen Räumen lebte und wirkte; eine Schwester besorgte seinen sehr einfachen Haushalt, empfing die Gäste und verschwand sofort wieder vor deren Augen. Er war ferner sehr wohlthätig, gab oft mehr, als seine Mittel erlaubten, und kam dadurch mitunter in kleine finanzielle Verlegenheiten. Die werthvollen Geschenke, die er erhalten, vermachte er testamentarisch dem vaticanischen Museum, andere bestimmte er für Bilder der allerseligsten Jungfrau Maria, seine Bücher und Manuscripte erhielt die Kongregation der Minerva. Merkwürdig dürfte es auch sein, daß Baini, obwohl er sich auch mit Theaterstücken beschäftigte und eine dießbezüglichc große Sammlung von Werken und Abhandlungen sein eigen nannte, nie in ein Theater ging. Mit Hiller verkehrte der Meister sehr gern, und möge aus diesem Verkehr hier eine Episode angeführt werden. Er sagte einstens zu Hiller: „Die Protestanten sind gute Christen, sie verehren den Heiland wie wir; wie können sie sich nun so gleichgiltig der heiligen Jungfrau gegenüber Verhaltens Sie ist ja doch die Mutter Gottes; ich kann dies nicht begreifen." Hiller sandte Baini aus Anhänglichkeit und Dankbarkeit ein Exemplar der Partitur der Zerstörung Jerusalems, das Requiem und die O-molI-Messe von Mozart und die O-äur-Messe von Beethoven, und erhielt von Baini zwei prächtige Dankschreiben. Das Requiem von Mozart nannte er darin „lamoso" und die O-niolI-Messs „belissiino". In früheren Jahren sehr gesund und robust, litt der Körper des Meisters durch Ueberanstrengung bedeutend, er wurde sehr magenleidend und konnte längere Zeit nur einmal des Tages etwas zu sich nehmen, und zwar nur leichteste Speise. Am Abend des 21. Mai 1844 entschlief er sanft, ohne jeglichen Kampf, während er gerade sein Brevier betete, in einem Alter von 68 Jahren und 7 Monaten. Er wurde beigesetzt in St. Maria in Dallicclla, dem Begräbnißplntz der päpstlichen Sänger. Für die päpstliche Kapelle war sein Verlust ein ungemein schwerer — in der Geschichte der Tonkunst überhaupt aber werden sein Name und seine Werke fortleben. Die LehrtlMgkeit der Jesuiten vor dreihundert Jahren?) 8. 8b. Es gibt wohl keine albernere Behauptung, als, die Reformation hätte Deutschland in geistiger *) Nach Zanssen. Hinsicht gehoben; wie Mehlthan legte sich der Neligions- hadcr nicht allein auf das gesammte Volksleben, sondern er schien besonders jede geistige Regung des deutschen Volkes ertödten zu wollen. Als Netter in diesem Niedergang deutscher Bildung erschien der soviel verleumdete Jesuitenorden. Wenn man die Lehrtätigkeit der Jesuiten in Deutschland objectiv und der geschichtlichen Wahrheit gemäß betrachtet, so ist es nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, das deutsche Volk stände heute unter allen europäischen Völkern auf der geringsten Kultur- und Bildungsstufe, hätte der Jesuitenorden nicht ein gut Stück der deutschen Bildung und Wissenschaft aus dem Ausgaug des Mittelaltcrs durch die Wirrnisse der Reformation und des dreißigjährigen Krieges hinübergerettet, worauf dann später wieder aufgebaut werden konnte. Dies einmal mit geschichtlichen Dokumenten unwiderleglich festgestellt zu haben, ist das Werk Janssens. In dieser Hinsicht ist der letzte, VII. Band so lehrreich, wie kein vorhergehender. Dort wird uns eine fast unerschöpfliche Fundgrube dargeboten, woraus wir heute nur Einiges schöpfen wollen. Eigentlich müßten wir zuerst den Verfall der Bildungsstätten, der Volks-, Latein- und Hohen- schulen darthun, doch dieses traurigste Kapitel deutscher Geschichte wollen wir hier übergehen. Wilhelm Noding, Professor am Pädagogium in Heidelberg, erging es wie manchen Andern, gleich Balaam, er sollte fluchen und mußte segnen. Er schrieb in einer eigenen, dem pfälzischen Kurfürsten Friedrich III. gewidmeten Schrift „Wider die gottlosen Schulen der Jesuiten" also: „Sehr viele Leute, bis doch zu den Christen (d. h. Protestanten) gezählt werden wollten, übergäben ihre Kinder den Jesuiten zum Unterricht. Dieses sei äußerst gefährlich, weil die Jesuiten ausgezeichnete und scharfsinnige Philosophen seien, vor Allem darauf bedacht, ihre ganze Gelehrsamkeit auf die Erziehung der Jugend zu verwenden; sie seien die feinsten und gewandtesten Lehrer und wüßten sich nach den natürlichen Anlagen eines jeden Schülers zu richten." Also ein Professor eines Pädagogiums! Er konnte es ja wissen! In Hessen drückte der Superintendent Georg Ni- grinus im Jahre 1852 sich über die Jesuiten also aus: „Ich meines Theils wundere mich nicht, wenn ich höre, daß Jemand zu den Jesuiten übergeht (vorher hatte er geklagt, daß viele protestantische Eltern adelichen nnd bürgerlichen Standes ihre Kinder den Jesuiten zur Erziehung übergäben). Sie besitzen eine vielseitige Gelehrsamkeit, sind beredt, lehren, predigen, schriftstellern, dis- putiren, ertheilen der Jugend unentgeltlichen Unterricht, und zwar mit einem unermüdlichen Eifer; über- dieß empfehlen sie sich durch ein sittenreines Leben und Bescheidenheit;" dagegen sei bei den mit dem Namen des Evangeliums sich Brüstenden die Wissen- schaftlichkeit nicht groß, jedenfalls nicht so groß, daß sie mit der gelehrten Bildung der Jesuiten einen Vergleich aushalten könnte." Nathan Chtstrüus stellte der „in Ausgelassenheit und Wildheit ertrunkenen" Jugend in Rostock die Jesuitenschulen gegenüber: „Was sollen wir denn von den Schulen der Jesuiten, wie man sie nennt, von der Religion abgesehen, halten? Wahrlich, diese Schulen.... könnten nicht überall diesen Ernst der Zucht, diesen Fleiß und diese Beharrlichkeit bei Lehrern und Schülern in Erfüllung ihrer Pflichten ausweisen, wenn jene Auflösung der Zucht in einem göttlichen Verhängnis; ihren Grund Hütte." Viele Protestanten glaubten 171 nämlich in der Znchtlosigkeit derJngend, ganz verzweifelnd an einer Besserung, ein Strafgericht Gottes erblicken zn müssen. Solche und ähnliche Zeugnisse könnten wir aus dem VII. Bande Janssens noch eine große Menge hinzufügen. Der Unterschied der Bildungsstätten der Jesuiten von denen der alten Orden lag darin, daß die alten Orden meistens ihre Zöglinge zn Religiösen erzogen, wahrend die Jesuiten die Jugend auf weltliches wie auf theologisches Studium vorbereiteten, zu weltlichen wie geistlichen Berufsständen heranbildeten. Dann „zog die satzungsmäßige Unentgeltlichkeit des Unterrichts die Söhne der minder bemittelten Stände zn den Jesuitenschulen", während „die höheren Stände" von „der Urbanität und Disciplin und Lehrfähigkeit" der Jesuiten- collegien angezogen wurden. Dies bezeugt uns wiederum ein Jesuitenfeind, Zirngiebl. Und Nuhkopf bestätigt uns: „In den Jcsuitencollegien wurde die Jugend ohne große Kosten, und die ärmere ganz frei, sehr sorgfältig, sanft und milde behandelt und erzogen. Die Jesuiten betrugen sich als gütige Bäter: sanftes Zureden, herzliche Vorstellungen vertraten die Stelle der körperlichen Strafen, die höchst selten bei ihnen waren. Sie konnten also auf die größte Anhänglichkeit der Zöglinge, die sie entlassen hatten, zuverlässig rechnen. In ihren Kollegien herrschte eine Sittenreinigkeit, welche man vergeblich auf den protestantischen Schulen und Universitäten suchte. Alan wußte nichts von schimpflichen Züchtigungen, denn die verwahrlosten und ganz verdorbenen, bei denen ihre sanfteren Mittel nichts halfen, litten sie nicht weiter unter ihren Alumnen, und schickten sie wieder zn ihren Eltern. Bei ihnen selbst konnte nicht leicht eine solche Sittenlosigkeit und Verwahrlosung eintreten, weil sie alles mit der größten Vorsicht entfernten, was die Einbildungskraft der ihnen anvertrauten Jugend hätte irre leiten und beflcckenoderihrenSittcnhätte schädlich werdcnkönnen. Die Sorge für die Reinlichkeit und Ordnung in den Zimmern der Zöglinge, im Anzüge und in ihrer kleinen Oekonomie war musterhaft, und die Pflege, welche die kranken Alumnen genossen, nicht minder genau und herzgewinnend. Ueberall standen sie unter der Aussicht ihrer Lehrer, welche sie selbst bei ihren Spielen und körperlichen Bewegungen, denen gewisse Stunden angewiesen waren, nie aus den Augen ließen." Also da haben wir das ganze Geheimniß der großen Zugkraft, welche heute wie vor 300 Jahren die Jesuitenschulen ausüben und ausübten. Der heilige Jgvatins hat eben verstanden, Ernst und Milde in der richtigen Weise in seiner Lehrmethode zu paaren. „Alles soll mit Maß je nach Verhältniß der Personen, des Ortes und der Zeit geschehen", heißt es in einer Instruktion des hl. Jgnatius an die nach Jngolstadt entsandten Jesuiten. Auf die Erholung von Geist und Körper, auf die Erhaltung von Gesundheit wurde ebensowohl gesehen, wie auf ernste Wissenschaft. Die Ancifernng des berechtigten Ehrgeizes und die Furcht vor der Schande sollten an die Stelle von Strafen treten. In Köln gründeten die Jesuiten im Jahre 1544 daS erste Colleg und übernahmen drei der städtischen Gymnasien. Rektor des CollegS war der hervorragende k. Fr. Coster. Oeffentliche Prüfungen, öffentliche Schüler- vorträge, öffentliche und Privatdisputationen waren damals schon für Lehrer und Lernende eine rege Aneiferung. 1558 zählten die Schulen beiläufig 600 Zöglinge und 60 Con- victoristen, 1578 840, 1581 über 1000. Von Köln aus verpflanzten sich die Jesuiten nach Trier, Koblenz, Main; und Heiligenstadt, und hatten überall blühende Gymnasien und Lyceen mit zahlreichen Schülern. Unter Mohnheim und Fabrizius, „der deutsche Cicero" genannt, hatte die fürstliche Schule in Düsseldorf noch 1700—2000 Schüler, im Jahre 1581 aber nur noch 100. Mohnheim suchte die Schule zu einer Pflanzstätte des Protestantismus zu machen. Mit der Neuerung wurde auch der Grund zum Verfall der fürstlichen Schule gelegt, und die Schüler bezogen die Jesuitenschulen. In Emmerich hatte das Gymnasium 1559 noch 2000 Schüler, Anfang der 90er Jahre sank die Zahl durch Krieg und Krankheit auf 50 herab. Dann im Jahre 1593 übernahmen die Jesuiten dasselbe, und die Zahl stieg trotz des Krieges wieder aus 300 und um 1606 auf 400. In Münster übernahmen im Jahre 1588 die Jünger Loyola's die dortige, dem Verfall sich immer mehr zuneigende Domschule. Sie begannen den Unterricht mit 300 Schülern; im darauffolgenden Jahr war die Zahl auf 900 angewachsen und 1592 sogar auf 1100 und bei Beginn des 30jährigen Krieges auf 1300. Es kamen protestantische Schüler her aus Bremen, Hamburg und Lübeck und aus Preußen und Holland. An das Gymnasium schlössen sich später theologische und philosophische Vorlesungen. B. Sökeland zeichnet die Jesuitenschulen in Münster also: „Die Blüthe des Münsterffchen Gymnasiums unter den Jesuiten füllt in eine höchst schreckliche Zeit bürgerlicher Zwietracht und mancherlei Elends. In den letzten 20 Jahren des 16. Jahrhunderts wetteiferten Pest und Krieg, die Leiden Westfalens voll zu machen. Die Pest raffte, fast alle 2—3 Jahre wiederkehrend, Tausende hin; der Krieg wurde in den Niederlanden zwischen Holländern und Spaniern geführt, und verbreitete sich von da aus über Westfalen, welches, theilweise ohne Wehr und Vertheidigung und den Naubzügen der Holländer wie der Spanier preisgegeben, fast ärger zertreten wurde, als der eigentliche Schauplatz des Kampfes." Das war also eine harte Lage für die Erzieher der Jugend, und doch: „Erfreulich und tröstend", fährt Sökeland fort, „ist auf jeden Fall bei der Betrachtung der oft mit Trauer erfüllenden Geschichte dieser Zeit der Gedanke, daß ohne die Jesuiten die Schulen dieser Stadt gänzlich würden in Verfall gerathen fein, während sie unter den Jesuiten blühten und eine Zahl von mehr als 1000 Schülern zählten, und ferner der Gedanke, daß die Jesuiten es waren, welche die Gebäude errichteten, deren wir uns noch jetzt erfreuen, und das Vermögen sammelten und sparten, welches noch jetzt unsern Lehranstalten reichliche Mittel gewährt." Wohl zn merken ist bei diesem Zeugniß, daß Sökeland keineswegs ein Jesnitenfreund ist. Achnlich wie in Münster ging es in Paber born. (Fortsetzung folgt.) Religiöse und monumentale Kunst. (Fortsetzung.) Nachdem die Kirchen so vieler Kunstschätzs und Mittel zn Neuanschaffungen durch die Säcularisation beraubt wurden, so sollten die Vertreter des Volkes in den gesetzgebenden Körpern zunächst nur solche aus den Taschen des letztern fließende Mittel bewilligen, welche auch wieder I zu allgemeinen, dem Volke direct dienenden Kunstzwecken 172 verwendet würden. Hieher gehört in erster Neihe die monumentale Ausschmückung der Tempel des Allerhöchsten, der Kirchen- und Cultusbauten, die schon bei den Griechen und Römern durch vornehmere und reichere Kunstformen vor den Privatgebäuden ausgezeichnet sein mußten. Nach den Kirchen beanspruchen wohl die den höhern und allgemeinen Staatszwecken dienenden, der Pflege der öffentlichen Wohlfahrt geweihten Bauwerke einen zum Wolke redenden nationalen und christlichen, nicht aber unpopulären altheidnischen Vildschmuck. Für Ausstellungen und Gallerten „moderner Meister" das Geld des Volkes auszugeben, halten wir mit Andern für ganz und gar unberechtigt. Denn das so ausgegebene Geld dient doch im Grunde nur der Begünstigung einer einzelnen Stadt, fast ausschließlich der Hauptstadt, einzelner weniger Persönlichkeiten und eines gewissen modernen Kunstwortes, welcher der wahren und echten Volkskunst, nämlich jener, die ihren Grund und Boden, und damit ihre Berechtigung für die Oeffentlichkeit, in der Seele des Volkes selbst, in der breiten Basis der Ge- sammtnation hat, nur schädlich, ja verderblich sein kann. Diese Kunstsportgeschichten sind rein lokaler und persönlicher Natur und gehen die Nation als solche nichts an. Das Volk steht ihnen kalt und zum Theil geärgert gegenüber. Sie dienen nur zur Verfluchung und Entnatiouali- sirung der Kunst, welche immer mehr auf das Nivean eines künstlich gemischten Treibhausgewächses ohne natur- wiichsige Lebendigkeit und Ursprünglichkcit herabsinkt. Würden daher unsre Landboten von nun ab die für jede Bndgctperiode für Knnstzwccke zu bewilligende Summe — etwa 150,000 Mark — einzig und allein zur Förderung der idealen, monumentalen deutschen Kunst auf dem Gebiete der Malerei und Bildhauerei bewilligen, und zwar mit der ausgesprochenen Bestimmung gerechter und sachdienlicher Verwendung — nicht um einige Wenige zu bereichern, sondern vielmehr strebsamen und tüchtigen Kräften Gelegenheit zum Schaffen und zur Entwicklung ihrer Kräfte zu geben — gewiß, sie würden sich ein großes Verdienst um die Kunst und die Künstler, sowie nm's bayerische Volk, und den Dank aller Billigdenkenden erwerben. Zu den bereits erwähnten Hindernissen des Empor- kommens und der Ausbreitung talentvoller, zu christlichidealer Anschauung hinneigender Künstler in Bayern kam noch, daß in den letzten Jahrzehnten die nach Geist und Auffassung allein berechtigte Kunstform religiöser und idealer Vorwürfe vor dem Areopag der herrschenden Kunstrichtung in München geradezu verfehmt war. Den Leuten dieser Richtung gilt ja heute noch das wirklich objective, wenn auch mit idealem Sinne aufgefaßte und in idealisirender Form dargestellte „Historienbild" als etwas Ueberlebtes, für unsere fortgeschrittene und nun einmal auch fortspringende Zeit nicht mehr Berechtigtes und Abgethanes, bereits der Geschichte selbst Anheimgefallenes. — Daß aber junge, aufstrebende Talente auf dem für sie als Künstler grundlegend fein sollenden Boden ihrer akademischen Bildungsstätte eine begeisternde Anregung empfingen, das Feld idealer christlicher Kunstbestrebungen zu betreten, das beförderte am wenigsten gerade jener bis vor Kurzem den angehenden Kunstjüngern die ästhetischen Grundsätze dockende sogen. „Wonne .." durch seine sarkastischen Verunglimpfungen der die ganze christliche Kunst erst begründenden heiligsten historischen Personen des Christenthums. Es muß daher als eine höchst erfreuliche mannhafte That anerkannt werden, daß vor etwa neun Jahren ein junger, strebsamer Akademiker einen Kreis gleichgesinnter Kollegen um sich zu sammeln begann und zur Bildung jenes, den Lesern dieses Blattes bekannten, akademischen „Albrecht-Dürer-VereinS" zu gegenseitiger Förderung in der Pflege christlich-idealer Kunstbestrcbungen zu begeistern wußte. Dieser Verein eyistirt auch heute noch und verdient gewiß die aufrichtige Sympathie aller wahren Kunstfreunde im geistlichen wie im Laienstandei Entwickelte sich doch aus ihm, als dem grundlegenden Keime, und zwar wieder vorzüglich durch die Initiative und die Bemühungen des Gründers jenes Vereines, des Bildhauers Herru Georg Busch in München, die in diesem Blatte schon mehrfach genannte „Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst", welche sich in ihrem ersten Beginne, wenn auch als „prmillns Arox«, aus jenen der Akademie bereits entwachsenen, inactiv gewordenen Mitgliedern des Albrecht-Dürer-Vereins und einigen mit ihnen schon in Verbindung stehenden Kunstfreunden zusammensetzte. AuS dieser kleinen, für die christliche Kunst begeisterten Schaar ist nun bereits nach dem kurzen Zeitraum von l^ Jahr im stetigen Fortschreiten eine nach Verhältniß stattliche Gesellschaft von 600 Mitgliedern — unter ihnen 15 Bischöfe nebst einer Reihe hervorragender Künstler — geworden. Wir unterlassen es hier, die Gesellschaft für christliche Kunst und ihre Bestrebungen den Lesern der Postzeitung auf's Neue zu empfehlen. Letztere, die Bestrebungen der Gesellschaft, empfehlen sich, sollte man meinen, von selbst. Denn sie gehören doch gewiß mit zu jenen, deren unsere materialistische Zeit so sehr benöthigt ist, zu denen von „positivster" Art. Sie sind also an sich schon keine schlechte Empfehlung für die Gesellschaft selbst. Diese hat die Bedeutung eines sehr ernst gemeinten Versuches — vielleicht für lange Zeit und weiten Raum letzten Versuches — die christliche Kunst aus ihrer Ver- sunkenheit und Versumpftheit wieder auf eine gewisse respektvolle Höhe zu bringen und ihr den gebührenden Raum und damit den gewünschten Einfluß auf das Volk zurückzuerobern. Doch den besten Grund zu erfolgreicher Empfehlung der genannten Vereinigung wird immer der thatsächliche Beweis abgeben, daß dieselbe neben begeisterten und ver- ständnißvollen Kunstfreunden auch solche leistungsfähige Kräfte i« sich schließt, die den Ansprüchen, die man an ein christliches Kunstwerk der Gegenwart stellen muß, voll und ganz gewachsen sind. Die Gesellschaft könnte freilich mit einer Neihe von bekannten und bereits berühmten Namen aufwarten, die an sich schon eins Bürgschaft für das Vorhandensein solcher Kräfte wären, indem ihre Gesammtleistungen vollgiltig ihre künstlerische Qualität und manches Einzelwerk ihre Fähigkeit speciell für das religiös-kirchliche Kunstwerk bezeugen. Daß solche weltbekannte Künstler schon seit länger als einem halben Jahrhundert nicht öfter in der Lage waren, ein hervorragendes christliches Kunstwerk zu schaffen, daran sind sie selbst doch am allerwenigsten schuld. Es kommt nun jener Gesellschaft vor allem auch darauf an, alles, was an frischen aufstrebenden Kräften tauglich und gewillt, die christlich-idealen Knnsttraditionen für die Nachwelt zu retten und weiterzuführen, heranzuziehen, zu sammeln und theilnahmsvoll mit Rath und That in ihren Bestrebungen zu fördern. Die beste und wirksamste Unterstützung der Künstler — und der Kunst — wird freilich immer diese sein, daß 173 man dem einzelnen tüchtigen Künstler direkten Auftrag ertheilt. Denn nur so hat er Gelegenheit, sich recht zu entwickeln und den Beweis seiner Kunst, als beste Empfehlung seiner Tüchtigkeit, zu geben. Die Gesellschaft erstrebt nun in der That dieses laut ihren Satzungen ihr vorschwebende Ziel, aus ihren Mitteln solche Kunstwerke für Kirchen, Schulen oder sonstige öffentliche Zwecke von Mitgliedern anzukaufen, bezw. zu bestellen, oder deren Herstellung zu fördern. Vorläufig aber steht ihr, als einer noch ganz jungen, im ersten Entwicklungsstadium begriffenen Vereinigung, nur das eine, wohl nicht zu unterschätzende Mittel zur Verfügung, die christlichen Künstler, die jüngern aufstrebenden wie die ältern bereits bewährten, in weiter« Kreisen durch Photographische Vervielfältigung und Verbreitung ihrer Werke mittels der Jahresmappe bekannt zu machen. Diese Werke aus dem Gebiete der Architektur, Malerei, Bildhauerei und der Kleinkünste können natürlich sowohl bereits in Folge von Bestellung ausgeführte und vollendete Kunstschöpfungcn als auch speciell für die Mappe bestimmte Zeichnungen und Entwürfe sein.*) Möchte daher die Mappe, um dem gedachten Zwecke immer vollkommener und ausgiebiger zu dienen, einen immer reichern und werthvollern Inhalt an Bildern und Zeichnungen bieten können! Möchte, um dies zu ermöglichen, die Zunahme der Gesellschaftsmitglieder, wie bisher, von Tag zu Tag fortschreiten. (Fortsetzung folgt.) Ueber die frühchristlichen Thiersymbole von Achmim-Panopolis in Oberiigypten und in den Katakomben. Studie von vr. G ustav A. Mül ler, Museumsbcvollm. und Herausgeber der „Autiguitätcu-Zeitschrift" in Strahlung i. E. (Fortsetzung.) Der Pfau. Wie man für die Figuren des Hahns und des Hirsches Äquivalente in der heidnisch-klassischen Kuust und Ideenwelt findet, so ist auch der Pfau ein Gemeingut der christlichen wie der pagancn Kunst: sein christlicher Charakter liegt eben in der Deutung, die man ihm beigab. Bei den Heiden war der Pfau Symbol der Apotheose. Daß sein Fleisch für unverweslich galt, war bestimmend für seine „christliche Conversion", für seine Aufnahme durch die altchristliche Kunst: hier ward er ein Sinnbild der Auferstehung von der Verwesung des Fleisches und theilte sich demnach in die Symbolik Mit Baum und Adler, Phönix und Ei. Zu den aus den Katakomben bekannten Darstellungen treten nunmehr die gleichartigen Funde von Achmim. Wie sonst vielfach, so- sehen wir auch in diesem Falle auf den koptischen Gewändern eine schärfere, kräftigere Bildlichkeit der Gedanken, als wir dies im Occident meist gewöhnt sind. Trefflich illustrirt diese Beobachtung ein im Original 20 am langes Clavusstück von Achmim. .Freilich sagt uns die färben- und claven- reiche Gewandung der nimbirten Christusgestalt, daß wir eine Darstellung mindestens des IV. Jahrhunderts vor uns haben. Nichtsdestoweniger ist die Symbolik des Bildes eine altübliche und vielsagende. Die Gestalt mit dem Kreisnimbus ist Christus, der die Rechte an» *) Eine neue Jahresnuippc mit hervorragenden Werken ist bereits in Vorbereitung und wird biö Juli d. I. erscheinen. scheinend vorwärts, die Linke aber aufwärts erhebt zu einem über seinem Haupte befindlichen und, wie man annehmen möchte, von einem Blumenhorn nippenden Pfau. Deutlicher, wie hier, kann die innige Beziehung des Pfaus zur Auferstehung von der Symbolik nicht erreicht werden. Das Bild spricht direct die Verheißung des Herrn aus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch stirbt. Ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage". In formaler Hinsicht beachtenswert ist der Umstand, daß der Pfau auf den Stoffen von Achmim statt des „Rades" einen langgestreckten Schweif trägt. Ist dies vielleicht auf dem vorigen Bilde weniger deutlich gemacht, so zeigt es umsomehr eine Thonlampe. Hier ist der Schweif ziemlich weit ausgestreckt. Ich halte die Frage für discutirbar, ob wir die zwcigartige Linien- schattirung auf demselben nicht für eine Palme zu halten haben, eine Verbindung, die in dem mit dem Monogramm Christi geschmückten Hirschgeweih ein Pendant und gleichzeitig ein Docu- ment für ihre Möglichkeit besitzt. Ferner glaube ich, meinem verdienten Freunde Forrer allzugroße Vorsicht zum Tadel anrechnen zu sollen, wenn er gerade diese Lampe als „jedenfalls wesentlich jünger" wie das IV. Jahrhundert bezeichnet. Warum dies „jedenfalls" und auch noch dies „wesentlich"? Weil der Pfau „in jener Auffassung wie in den Stoffen wiederkehrt" ? Aber wir haben gar keine Veranlassung, z. B. den oben erwähnten Stoff mit Christus und dem Pfau wesentlich jünger als in das IV.—V. Jahrhundert zu datiren. Der Nimbus des Erlösers hindert uns durchaus nicht, den Stoff in die zweite Hälfte des IV. oder in das V. Jahrhundert zu setzen. Auf Goldgläsern des III. und der ersten Hälfte des IV. Jahrhunderts ist der Nimbus allerdings selten, öfter erscheint er auf Mosaiken seit dem IV. Jahrhundert. Forrer selbst datirt seine hochinteressante Figur „Christus — Georg als Drachentödter" in das IV. Jahrhundert, und man wird ihm unbedenklich beistimmen. Abgesehen vom Nimbus, ist aber Christus auf unserer Darstellung mit dem Pfau wesentlich gleich aufgefaßt wie auf dem genannten Stoffe, ja Haltung und Bewegung, oder sagen wir Linienführung, sind dieselben. Ganz gewiß ist jedoch die Lampe mit Pfau und Palmzweig nicht jünger als unser erstes Bild: die Symbolik mit ihrer schlichten Einfachheit schließt ein späteres Alter als das IV. Jahrhundert zwar nicht als „unmöglich" aus, aber sie macht dasselbe in hohem Grade aus inneren Gründen unwahrscheinlich. Das Pferd. Die Eigenschaft der Schnelligkeit hat das Pferd mit dem Hasen gemein, und dies ist ein symbolischer Grund, weßhalb wir es zuweilen neben dem Hasen dargestellt finden. Aber die Schnelligkeit ist nicht der einzige Grund. Das Pferd nahmen die christlichen Künstler nicht in Folge „Vergleichs" mit dem Hasen, sondern aus der geläufigen Vorstellung des Wettlaufs. Bald stehen auf altchristlichen Monumenten die Pferde, bald sehen wir sie im Laufe; hier sind sie mit einer Palme geschmückt, dort nicht; ja etliche Mal ist das Ziel angedeutet, das sie erreichen sollen. Die christlichen Gräber von Achmim haben auch für dieses Kapitel der Symbolik Beiträge geliefert. Doch muß gesagt werden, daß auf Gewandstücken und sonstigen Gegenständen das Pferd für sich allein, also in direct symbolischer Bedeutung, verhältuißmnßig selten zu beobachten ist. Ob hieran lokale Momente — wir befinden uns in einem Lande, wo Esel, Maulthier und Kamel vielfach das Pferd vertreten! — die Schuld tragen, wollen wir nicht entscheiden. Um so häufiger erscheint, sicherlich in Abhängigkeit von italisch-ravennatischen oder asiatischen Einflüssen, das Pferd in figuralen Scenen, wie in Darstellungen des heiligen Georg, in Gazellen- und Löwenjagdsccuen, in Bildern des Hercules, von denen ich selbst Beispiele besessen habe und u. a. Herr Forrer noch besitzt. Ein Claims mit aufgestickter Pferdfigur, dem IV. Jahrhundert ««gehörig, befand sich ehemals in meinem Besitze. Da jegliches weiteres Anzeichen dabei fehlte, möchte ich nicht eine symbolische Bedeutung für durchaus gewiß erachten. Daß dem Pferd aber auch in Achmim ein symbolischer Charakter überhaupt zukomme, dafür ist Beweis eine Fibula der Sammlung Forrer in Form eines Pferdes, die wir allerdings mindestens in das Ende des IV. oder V. Jahrhunderts datiren müssen, die aber als ein Glied in der Kette zahlreicher thierischer Symbole von ähnlicher Form und Verwendung erscheint. Die Schlange. Die Symbolik der Schlange ist — christlich gedacht — so alt, wie die Urgeschichte vom Paradies und dem ersten Sündenfalle. Aus der Schlange sprach der Satan, der „Verführer von Anbeginn", und ihr galt der göttliche Fluch, laut dessen ihr vom Weibe (Maria) der Kopf zertreten würde. Und dann wieder war die Schlange ein Sinnbild der göttlichen Gnade geworden, da Moses ihr ehernes Bild vor dem Volke errichtete. Endlich hat Christus, die böse Symbolik nicht aufhebend, auch ein gutes Moment in sie gelegt, indem er Schlangenklugheit als Accidens zur Taubeneinfalt seinen Hörern empfohlen hat. In das Christenthum übertragen, hat die Schlange ihren symbolischen Doppelcharakter bewahrt. Sie ist auch hier das Bild des Verführers, das Vorbild des Erlösers. Jnsoferne sie aber den ersteren darstellt, vergegenwärtigt sie daS Böse überhaupt, eine Allgemeinheit des Begriffs, die sich dann wieder in alle möglichen Einzel- begriffe zergliedern läßt. Nur so ist es zu verstehen, wenn wir in ihr das dem Christenthum feindliche Heide nthum personifizirt sehen. Und zwar ist letzteres als solches, nicht etwa als „Unglauben im Allgemeinen" gedacht: wenigstens auf sehr vielen Darstellungen von Achmim-Panopolis. Auf dem Boden von Achmim müssen wir allerdings der Schätzung gedenken, in der die Schlange (die „ägyptische Brillenschlange") bei den alten Bewohnern des Nillandes gestanden hat. Auch davon künden uns monumentale Urkunden. So besaß ich aus entschieden vorchristlicher, d. h. römischer Periode einen prächtigen, leider etwas dcfecten Claims mit dem sein ausgeführten Bild einer vielgewundenen, schön gefleckten Schlange. Das werthvolle Stück Habs ich im Münchener Alterthumsvercin, wo es auch einen begeisterten Liebhaber fand, mit andern Stoffen von Achmim durch den damaligen Ncchtsprakti- kanten Karl Hollfelder besprechen lassen. Insonderheit ist es aber die Idee des Sieges Christi oder des Christenthums über das Heidenthum, die in Achmim zu bildlichem Ausdruck gekommen ist. Hiebei muß zuerst die Rede sein von dem Verhältniß von Schlange und Drache. Ich idcutificire Beide als gleichwerthige Begriffe, gestützt auf die offenbare Anschauung der alten Allegorie. Wer sich in der Welt- poesie und Weltsage einigermaßen auskeimt, weiß, wie die alte Welt den Drachen bald eine Schlange, bald die Schlange einen Drachen nennt. Aus der christlichen Anschauungsweise erhellt das Gleiche: die „Bibel der Allegorie", nämlich die Apokalypse kann uns dies am besten zeigen. Hiezu treten unsere Monumentalbeweise. Wie sehr der alte Künstler bei seiner allegorischen Conception die Umgebung auf sich einwirken ließ, sehen wir an der Thatsache, daß wiederholt die Schlaugen- siguren von Achmim eine „krokodil ähnliche" Gestalt ausweisen. Der heilige Georg ist der Schlangensicger der Legende, der Drachentödter des Orients: ihn gerade erblicken wir — sicherlich in der oben skizzirten höheren Symbolik — als Feind und Verruchter der krokodil- ähnlichen Schlange. Für die Allegorie des Sieges über das Heidenthum ist diese Halbmetamorphose nicht unwesentlich: das heidnische Aegypten erblickte ja auch im Krokodil eine Weihe des Götterglaubens. (Schluß folgt.) Reise-Briefe aus dem Orient von Dr. Seb. Enring.er. (Schluß.) Gegen 4 Uhr langen wir bei Palmengärten an, ein wohlthuender Airblick nach soviel Staub und Sand und kahlen Höhen. Es ist ein kleiner Fleck Erde, cl Hcswe, wo der Qnellbach der eine halbe Stunde entfernten Oase Firan plötzlich im Sande verschwindet. Dieses hübsche Plätzchen liegt bald hinter uns, und wir haben wieder eine Zeit laug die Wüstenvegetation, nur etwas üppiger, vor uns. Ein großer Hügel, ein Fclsblock von 30 m Höhe, liegt quer im Thal, an seinem Fuße fließt ein Büchlein, und hinter dem Hügel, Mehnrrct heißt er, harrt das Zelt unser. Der Lagerplatz ist einer der schönst gelegenen Punkte der Halbinsel. Vor der Thüre meines Zeltes konnte ich den Anblick der Oase Firan, des alten Raphidim, genießen, rechts schaute der majestätische Serbal, den manche (mit Unrecht, glaube ich) für den Sinai halten, auf das Thal herab. Die rings das Thal einschließenden Berge tragen Ruinen alter Kirchen, Kapellen, Forts aus den Jahrhunderten vor dem Eindringen des Islam. Hier hat einst Israel gelagert, von dem Felsen des Serbal hat Moses das Wasser mit seinem Stäbe geschlagen, hier hat Moses seinen Schwiegervater Jcthro empfangen; auf dem Hügel Meharret hat Moses, von Aaron und Hur unterstützt, während der Amalekiter- schlacht gebetet. Es ist wohl keine Stelle außer dem Sinai so beglaubigt, wie die Lage von Naphidim. Ich stieg auf den 30 in hohen, von allen Seiten freien Hügel, auf dessen erster Terrasse die Ruinen einer christlichen Kirche liegen. Ein Kapitäl mit vier Kreuzen liegt am Boden. Die Spitze des Hügels krönt ein verfallenes schon vielleicht mehr als ein Jahrtausend verlassenes, Kloster, dessen Lehmwände auf Steinmauern ruhten. Am nächsten Morgen durchwanderten wir die liebliche Oase Firan. Denkt euch einen Palmengarten mehr als eine Stunde lang; herrliche Palmbänme wechseln mit Palmgebüsch, das ohne Stämme seine mehrere Meter langen Blätter dircct aus der Wurzel hervorbringt. Die Sonne am tiefblauen wolkenlosen Himmel verschönert durch ihren Glanz das an sich schon so freundliche Grün der Königin unter den Bäumen. Mitten durch den Garten plätschert freundlich murmelnd ein Quellbächlein, dem es niemand ansehen würde, daß ihm all' diese Pracht zu verdanken ist. An beiden Seiten des Büchleins stehen sanft gefiederte Tamariskensträucher; Vöglein singen in den Zweigen, Beduinen lagern in ihren Zelten oder in steinernen Häusern mit Veranda im Schatten der schönen Bäume, der Boden ist mit Nasen bedeckt, und als Hintergrund dienen die steilen grauen Granitfelswände, welche das Thal einschließen. Wenn ich das Paradies zu malen hätte, würde ich die Oase Firan Zur Grundlage nehmen. Jede dieser Dattelpalmen hat einen Besitzer; die Datteln von Firan sind berühmt. Einst war diese Oase berühmt unter dem Namen Pharan und hatte selbst einen eigenen Bischof; aber der Islam hat alles weggefegt, und von den vielen Klöstern und Eremitenzellen am Serbal und Sinai und den umliegenden Thälern ist nur das Sinaikloster geblieben. Ich kann mich nicht genug satt sehen an dem üppigen Grün, den edlen Formen der Palmen, nicht genug den Vöglein und dem Büchlein zuhören ; denn nach langer Wüstenfahrt ist all dieses doppelt schön, doppelt erwünscht. Noch haben wir das Ende der Oase nicht erreicht, da zeigt mir Schech Schema einen hohen Berg, welchen die Araber Gebe! Munäga, d. i. Berg des Zwiegespräches zwischen Gott und Moses, nennen. Alle Jahre im September, wenn die Dattelernte vollendet ist, versammeln sich in diesem Thale alle Beduinen der Halbinsel, der Schech Musa, das Oberhaupt des ganzen Bedninen- stammes, steigt auf den Berg und schlachtet in einem Steinkreise ein Kamel, das Fleisch essen die Armen, das Blut wird ausgegasten und zwar zu Ehren Moses'. Die Araber singen dabei: „O Berg des Zwiegespräches des Moses! Wir bitten dich um deine Gunst. Bewahre dein gutes Volk, und wir wollen dich alle Jahre besuchen." Daran schließt sich im Thale eine weltliche Belustigung, Phantasia genannt, wobei die Reiter ihre Künste zeigen. Es sind noch zwei oder drei Feste im Jahre, wo die Beduinen noch auf einigen andern Bergen Opfer darbringen. Das ist aber auch ihr einziger Gottesdienst. Das Thal schließt mit einem Kessel ab, aus dem ein kleiner, schmaler Engpaß, Bauweb d. i. Pförtchen genannt, in das nächste Thal führt. Dieser Engpaß sieht genau so aus, als ob ihn Menschenhände gefertigt hätten, und doch ist es Werk der Natur; die Berge mit beiden Seiten treten je 1 — 1 Vz Meter zurück, und es kommt einem vor, als müsse sich dieses Pförtchen hinter einem wieder schließen. Vorn Bauweb führen zwei Wege nach dem Sinai, der eine, bequemere durch das Wadi esch-Schöch in 11 Stunden, welches Wadi man für die Wüste Sinai halten und als Marschroute der Jsraeliten annehmen kann, da es unmittelbar vor dem Fuße des Sinai endet; der andere, welcher über einen höchst beschwerlichen, aber interessanten Paß führt, erreicht in lOstx Stunden das Kloster. Da letzterer landschaftlich schöner ist, so wählte ich denselben. Was diesen Weg vor allem auszeichnet, das ist die Aussicht auf den majestätischen, fünfzackigen Serbal, der sich hier in seiner ganzen Breite den Blicken darbietet. Man will ihn für den Sinai nehmen, was ich aber nicht unterschreiben möchte. Aber auch, wenn man ihn nicht für den Berg des Gesetzes hält, ist er in seiner würdevollen Majestät ein imposanter Anblick. Mein Lager wurde so aufgeschlagen, daß ich den Berg mit seiner fünfzackigen Krone möglichst lange betrachten konnte. Am letzten Tage mußte unser Gepäck einen langen Umweg machen, während wir in 5 Stunden über den steilen el Hauwi-Paß die Ebene Nliha erreichten. Erst in den letzten Stunden tritt der imposante Gottesthron, der Sinai, vor das erstaunte Auge, und zum erstenmale schaut mau mit Ehrfurcht den Berg, der nach dem Calvarienberg der erhabenste Berg der Welt ist. Hier treffen alle Religionen, welche an einen Gott glauben, zusammen, Juden, Christen und Muhammedaner verehren in ihm eine hl. Stätte. Nach einiger Zeit tritt auch der Berg der heiligen Katharina hervor; aber immer wieder kehrt der Blick zum Gottesberg zurück. Noch ein kurzer Ritt und wir haben den Klostergarten erreicht, der seinen vollen Schmuck angelegt hatte: Mandeln und Aprikosen stehen in voller Blüthe, Citronen leuchten unter den grünen Blättern hervor, die Oelbäume zeigen ihren Blätterschmuck, nur die Feigen haben noch keine Triebe; dieses alles in einer Höhe von 1528 wr über dem Meere. Nur eines stört: die langweiligen zahlreichen Cypressen, diese Pickelhauben unter den Bäumen. Endlich Mittags 12 Uhr stehen wir vor dem festungs- artigen Kloster. Ursprünglich eine Festung, hat es diesen Charakter nach außen bewahrt, und da mit den Festungs- manern die Peripherie gegeben war, so ist das Innere zu einem gewaltigen Winkelwerk geworden. Denn das Kloster ist kein einheitliches Gebäude, sondern ein Com- plex von Häusern und Hütten. Das Kloster gehört den schismatischen Griechen, gegenwärtig sind 22 Mönche da. Nachdem wir in den Hof eingelassen waren, geben wir unsre Empfehlungsschreiben ab; der Oekonom nahm uns freundlich auf und erlaubte uns die Zelte im Hofe aufzuschlagen. Ein junger Mönch, der französisch sprach, zeigte mir Kloster, Kirche und Bibliothek. Doch davon das nächstemal. Recensionen und Notizen. Dr. L. B enari o: Die Stolgebühren nach bayerischem Staatskirchcn recht. (Preisgekrönt von der Ju- ristensakultät Würzbnrg.) C. H. Bcck'schcr Verlag in München. (Preis kart. 2 M. 50 Psg.) * Eine gründliche Darstellung der gesammten Rechtsverhältnisse, die für die Stolgebühren in Betracht kommen, auf welche die Geistlichkeit nachdrücklich hingewiesen zu werden verdienn Folgende Kapitel deuten den Faden an, welchen der Verfasser bei seiner wissenschaftlich und praktisch gleich bedeutsamen Untersuchung verfolgte: Kap. I. Begriff und Name der Stolgebühren; Kap. II. Der Umkreis der geistlichen Amtshandlungen. aus deren Anlaß Stolgebühren entrichtet werden; Kap. III. Das Recht auf Stolgebühren; Kap. IV. Die Competenz zur Bestimmung der Höhe der Stolgebühren; Kap. V. Der Umkreis der Bezugsberechtigten; Kap. VI. Die Verpflichtung zur Zahlung der Stolgebühren; Kap. VII. Die Organisation des Rechtsschutzes; Kap. VIII. Die Frage der Aufhebung der Stolgebühren bczw. der Einführung einer allgemeinen Stolgebührcu-Ordnung. Als willkommene Beilage sind in einem Anhang beigegeben: 1)LandtS und Policey Ordnung der Fürstenthumbcn Obern undNidcrn Bayern von 1616, 3. Buch; 2) Kirchenordnnug für das Hochstift und Bistum Wirzburg vom 36. Juli 1693; 3) Stolgebühren- Orduung für die katholischen Stadtpfarreien München l. d. Jsar vom 5. Mai 1876; 4) Verzeichnis der in der katholischen Stadt- pfarrei Dillingcn bei Taufen, Hochzeiten, Leichenbegängnissen, Gottesdiensten rc. zu entrichtenden Gebühren u. Taxen; 5) Preußisches Kircheugesetz vom 23. Juli 1392 betreffend die Aufhebung der Stolgebühren für Taufen, Trauungen und kirchliche Aufgebote; 6) Preußisches Staatsgesetz dazu vom 3. September 1892. Wir denken, diese Mittheilung werde genügen, um den Leser auf den interessanten Inhalt dieser Schrift aufmerksam zu machen, 176 welche gewiß bald in vielen Pfarrbibliothekcn Aufnahme gefunden haben wird. Es liegt über diesen Gegenstand keine andere Publikation vor, welche sich auch nur im entferntesten mit der vorliegenden an Vollständigkeit und solider Durcharbeitung messen könnte. Wie ersichtlich, ist auch zur Frage der Aufhebung der Stolgebühren, sowie zur Frage der Einführung einer allgemeinen Stolgcbührcn-Ordnung Stellung genommen. Wanderfahrten und Wallfahrten im Orient, von Dr. Paul Kcppler. Freiburg, Herder. —e. Dein Werke sind 106 Abbildungen beigefügt, ein ausführlicher Plan von der Kirche des hl. Grabes, eine Karte von Palästina in seinem heutigen Zustand und ein Plan des jetzigen Jerusalem. Der erste Theil handelt von den Wanderfahrten im Pharaoncnland, wie sie der Verfasser vor zwei Jahren gemacht von Trieft über Alexandricn nach Kairo und Umgebung, durch das Land Gosen an's Notbc Meer, durch den Suezkanal nach Portsaid. — Im zweiten Theil sind die Wallfahrten im HI. Land geschildert: Durch die Ebene Saron und das Gebirge von Judäa nach Jerusalem, von Jerusalem nach NabuluS, Dichennin, Nazareth, Labor, Liberias, über den Hermen nach Damaskus, durch den Libanon nach Baalbek und Beirut. — Rückreise über Gricchculaud und Konstantinopel. Schon der Name dcS Autors bürgt dafür, daß wir in dem Buche etwas ganz Gediegenes vor uns haben. Und in der That, jedes Blatt liefert davon den Beweis. Wir rennen den Orient aus eigener Anschauung und haben schon viele Werke darüber gelesen, aber daö von Kepplcr verdient wenigstens unter denen von kleinerem Umfang die Palme. Es ist in des Wortes vollster Bedeutung ein wahres Prachtwerk. Keine Neiseschilder- ungeu von gewöhnlicher Sorte, alles ist hier originell, die ganze Darstellung und Auffassung, von so vielseitigen und erhabenen Gesichtspunkten auS geschrieben, wie es eben nur ein Gelehrter von großem Geiste vermag. Und das Ganze ist wieder durchweht vom Hauche eines kindlich frommen Gemüthes. So fesselt das Buch, wie kaum ein anderes, Geist und Herz zugleich. — Die Bilder und Karten sind außerordentlich fein nnd naturgetreu. — Wir können somit das Werk allen, welche dieselbe Reise schon gemacht haben oder noch machen wollen, allen, die sich überhaupt um den Orient interessieren, nicht genug empfehlen. Es bildet eine Zierde jeder privaten und öffentlichen Bibliothek, cö sollte namentlich in keiner Schule fehlen. — Der Preis beträgt ungebunden 8 M.. scheinbar etwas viel, wer daö Buch aber liest, wird sagen müssen, eö ist goldeöwcrth. Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vortrage. Achte Serie. Heft 191: „Die Zukunft des Silbers" von I. Fränkel. — Heft 192: „Die NeligionS-Nnschauungen des Euripidcs" von vr. plstl. Erich Bußler. Hamburg 1894. Vcrlagsanstalt nnd Druckerei A.-G. Das kleine Werkchen Fränkels behandelt die Frage, wie bei der enormen Produktion und dem infolge dessen immer mehr sinkenden Werthe dcS Silbers sich wohl dessen Zukunft gestalten werde. Nachdem sich die eigentlichen Culturstaaten von der reinen Silbcrwährung abgewendet, fiel der Werth des Silbers allmählich um ^g, also fast um die Hälfte. Der Autor glaubt zwar nickt, daß in absehbarer Zukunft die Cultur- länder wieder auf das Silber als Währunzsmetall zurückkommen werden, doch hofft er, da auch infolge des niedrigen Preis der Betrieb der minder ergiebigen Minen eingestellt werden müßte, daß das Silber eine gewisse Stellung als Gcbrauchsmetall für den Cousum, als Währungömetall für Staaten, die noch nicht zur Goldwährung übergehen könnten, und überhaupt als Scheidemünze seinen Werth behalten werde. Die Abhandlung dient, auch wegen dcS darin verwertheten statistischen Materials, gut zur Orientiruug in der Silbcrfrage. — Die Schrift BußlerS soll eine Ehrenrettung sein. Euripidcs, „den man gewöhnlich als den Verkündcr einer stachen und trivialen Lebensweisheit hinstellt, ist — als Mensch hetrachtct — bisher wenig zu seinem Recht gekommen". Und es sind deßhalb so ziemlich alle Stellen auS des Dichters uns überlieferten Werken zusammengetragen, welche die religiöse Seite berühren. Es ist allerdings nicht bewiesen, daß der Dichter seine eigene Anschauung damit aus- sprcchcn wollte, und daß die Ansicht, cS seien gerade die religiösen Aeußerungen nur ironisch gemeint, oder für den Charakter der in den Dramen auftretenden Personen nöthig gewesen, unrichtig sei. Immerhin bietet der Vertrag eine Sammlung von religiösen Ansichten, die viel Interessantes enthält. Schade nur, daß die Stellung des EuripideS zu dem Leben der Seele nach dem Tode nicht berührt ist. ÜV. L. vr. K. Krogh-Tonning, Die Gnadeulehre und die stille Reformation. Cbristiania. In Commission bei Jakob Dybwad. 1894. Preis 2,80 Mk. —I. Nicht gerade häufig sind heutzutage die Stimmen zu hören, die mahnen, der in immer breitere Schichten des Volkes eindringenden Gottlosigkeit gegenüber innerhalb der christlichen Ncligionsgcnosscnschastcn treu zu hüten, was an lebendigem Glauben und frommer Sitte noch wirksam ist, und längst veraltete Vorurtheile und Mißverständnisse aufzugeben. Um so dankcnswcrthcr ist daö durch den evangelischen Dogmatiker Krogh-Tonning in vorliegender Studie festgestellte Ergebniß, daß die stille Macht der Zeit oder, sagen wir cö dankbar, das leise Walten der göttlichen Gnade dazu gedient hat, einen der schwerwiegendsten dogmatischen Gegensätze zwischen der Reformation und der römischen Kirche, den bezüglich der Rccht- fcrtigungSlebre bestehenden, verschwinden zu machen. Den Nachweis dafür halten wir bezüglich der von der katholischen Kirche und den namhaftesten protestantischen Theologen vertretenen Lehrpunkte für erbracht; was allerdings die Massen darüber denken, ist uns unbekannt. Ein bedeutsamer Schritt der Annäherung wäre damit gethan; gebe Gott, daß diese Erkenntniß sich mehr nnd mehr der Gemüther bemächtige, -nt omnss unum sind«. Wir empfehlen die mit vornehmer Ruhe und gründlicher Sachkenntnis; geschriebene Broschüre mit gutem Gewissen den Theologen beider Bekenntnisse auf's wärmste; auch gebildete Laien werden sie mit Nutzen lesen. (In Deutschland zu haben in der Buchhandlung Michael Seitz, Augsburg, Carmcliter- straße.) Dr. C. Aus dem Hcrdcr'schcn Verlag: Scheebcn, Dr. M. I. Die Herrlichkeiten der göttlichen Gnade nach ?. Euseb. Nierembcrg 8. ck. frei bearbeitet. Fünfte Auflage besorgt durch Pr. Alb. M. Weiß 0. Ist. XVI und 600 S. Preis 3 Mk., gcbd. 3,60 Mk. » Ein Psiugstgescheuk in des Wortes edelster Bedeutung kann dieses längstbckauute treffliche Buch Scheebcns genannt werden; denn es handelt von dem höchsten und herrlichsten Geschenke des hl. Geistes, der Gnade, und zwar von dem Wesen der Gnade, von der erhabenen, gehcimnißvollen Verbindung mit Gott, in welche uns die Gnade einführt, von den Wirkungen und Früchten der Gnade nnd von der Erwerbung, Anwendung, Vermehrung und Erhaltung derselben. Das Werk vermag den Leser für den behandelten Gegenstand zu begeistern, und dies gelingt um so besser, als der Verfasser aufs gewissenhafteste bestrebt ist, nur die alte katholische Lehre einzuprägen, wie sie gegründet ist auf die Worte der hl. Schrift, auf die Lehre der Vater und auf die AuSsprüche des kirchlichen Lehramtes. Das Buch ist auch für Laien geschrieben, welche „nicht so sehr durch gelehrte Bildung als vielmehr durch ein christlich-gläubiges und von der Gnade erleuchtetes Gemüth für das Verständniß ihrer überirdischen Herrlichkeit empfänglich sind"; besonders aber werden Priester für sich heilsame Belehrung und vorzüglich für ihren Seelencifcr neue Kraft und Begeisterung schöpfen. Der Text dieser neuen Auflage ist mit der größten Treue behandelt worden, nur einige unbedeutende Aenderungen wurden vorgenommen, einzelne Citate richtig gestellt. Von den Lebensbildern kathol. Heiliger von Rede atis, Verlag von Beuziger u. Cie. in Einsiedcln, sind Nr. 41—46 erschienen, behandelnd die Heiligen Robert, Hugo, Richard, Mathias, Genovcfa, Katharina. Diese allerliebsten Schristchcn, nach Inhalt und AuSstattung vortrefflich, seien hiemit abermals empfohlen. Preis per Schristchcn 10 Pf. Die Echtheit und Glaubwürdigkeit der Schriften dcS Neuen Testamentes. Von Bischof Egger von St. Gallen. Verlag von Benziger, Einsiedcln. Preis 1S Pfg. Der Verfasser ist als Meister populärer Darstellung schwieriger Themata bekannt, als welcher er sich in seinem „populären Nachweis" oben genannter Eigenschaften der heiligen Schriften wieder bewährt. Das Schristchcn verdient weiteste Verbreitung im Volke behufs Aufklärung und Belehrung. Vcrautw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.