Orlando di Lasso. Zu seinem 300jährigen Todestag (14. Juni). Von A. Graf. (Fortsetzung.) Der Herzog von Bayern ernannte Orlando alsbald znm Direktor der Kammermusik und setzte ihm jährlich zweihundert Florin als Gehalt aus; er wäre sicher znm Kapellmeister ernannt worden, aber man wollte dem seitherigen, Laser, nicht wehe thun, und zudem verstand Orlando die deutsche Sprache noch nicht vollständig. DaS große Vertrauen, das dem Meister in seiner neuen Stellung entgegengebracht wurde, rechtfertigte er auch ganz und gar. Er hatte Sänger von Antwerpen mitgebracht, gründete eine eigene große Chorknabenschule, Sänger und Musiker schaarten sich in Liebe und Eifer um ihn, der Hof unterstützte ihn materiell, wie er wollte, und in kürzester Zeit brachte er die Kapelle zu nie geahnter Größe. Er erwarb sich ein eigenes Haus von „Catharine Stemm, Wittib und Bürgerin allhie, in der Graggcnau gelegen, erkaufst, und wozu auf fürstlichen Bevelch Jme Orlando zu einer Khauffstcuer inhalt beiliegenden Zettels 1000 Gulden bezalt wurden." In dieses neu erworbene Heim führte er als Gattin Regina Weckhinger, Ehren- dame des herzoglichen Hofes, mit der er im größten Frieden lebte und aus welcher Ehe vier Söhne und zwei Töchter hervorgingen. Der Herzog Albert übertrug dem Meister die Komposition der Bußpsalmen des königlichen Propheten David, ein Werk, das er in den Jahren 1559 und 1560 in Angriff nahm und vollendete. Man hat früher größtentheils angenommen, Carl IX. von Frankreich habe Orlando aufgefordert, diese Bußpsalmen zu componiren und dieselben in seiner Kapelle zur Aussöhnung und Buße für die Greuel der Bartholomäusnacht aufzuführen. Dem aber ist nicht so, die Zeit selbst widerlegt diese Annahme. Das berührte Blutbad fand ja statt am 24. August 1572, nun war aber der erste Band der Handschrift der Bnß- psalmen, welcher die Musik enthält, wie auch die Erklärung der Bilder bereits im Jahre 1565 und der zweite Band im Jahre 1570 vollendet. Der Herzog von Bayern gab die Veranlassung zu dieser Komposition, vor Carl IX. wurden die Psalmen unter Direktion des Komponisten aufgeführt, wovon später die Rede sein wird. Dieses Werk brachte Orlando die Namen eines „musikalischen Phönix" seiner Zeit, eines Fürsten der Tonkünstler ein, und hätte er weiter keine Note geschrieben, er wäre durch seine Psalmen unsterblich, wie es Palestrina gewesen wäre durch seine eine und einzige LIiasa. kaxus Llaraolli. Auch wir wollen diese Komposition etwas näher besprechen, und zwar an der Hand von Bäumker, wenn auch nicht so eingehend wie dieser Kenner, da der Raum uns enger zugemessen ist, nicht jeden einzelnen Psalm, sondern alle als Ganzes. „Orlandus hat diese Psalmen in wahrhaft künstlerischer Anordnung der Reihe nach vollständig durchcomponirt. Die Komposition richtet sich in ihrer Gliederung nach den einzelnen Psalmversen. Die einzelnen Sätze sind abwechselnd bald zwei-, drei-, vier- und fünfstimmig, der Schlußsatz ist jedesmal scchs- stimmig. Das Werk ist einerseits von großer technischer Vollendung, anderseits tief durchdrungen von echt kirchlichem Bewußtsein. Bald haben wir im gleichen Kontrapunkt Note gegen Note, bald freie Imitation, bald Canon u. s. w. Dabei dürfen wir nicht übersehen, daß die unabhängige Stimmführung und nicht die durch das Zusammentreffen der Stimmen erzeugte Harmonie den Tonsetzern der damaligen Zeit die Hauptsache war. OrlanduL versteht es, in großartiger Weise beides mit einander zu verbinden. Seine Melodie ist fließend, seine Harmonie zeigt Fülle und Kraft. Die größere oder kleinere Stimmenzahl, sowie die vielfach wechselnde Verbindung höherer und tieferer Stimmen verleihen der Komposition eine schöne Mannigfaltigkeit. Wie der Maler die Farben mischt, je nachdem er Licht oder Schatten hervorbringen will, so mischt Orlandus die Slimmgattungen immer wieder anders, bis er dem Gedanken des Textes den zutreffenden Ausdruck gegeben hat. Ebenso wie die Tonlagen, weiß er auch die Tonarten in seinem Sinn als Kunstmittel zu verwerthen, und zwar durch die Wahl derselben und die Modulationen innerhalb derselben. Bewunderungswürdig ist in allen Psalmen der melodische Fluß, hervorgerufen durch die mannigfaltige rhythmische Gliederung der Stimmen und die häufige geschickte Verwendung der Synkopen, d. h. durch die Verlängerung der Noten des leichten Takttheilcs in den folgenden schweren hinüber. Ebenso sind noch hervorzuheben die wunderbar schönen zweistimmigen Sätze, die in reich- figurirter Nachahmung einen so unerschöpflichen Reichthum an zarten und aumuthigen Klängen auszuweisen haben, ferner die schönen harmonischen Kadenzen und die reichbewegten, großartigen Schlußsätze. Orlandus hat sich in den Text der Psalmen vollkommen vertieft und die Empfindungen, welche wir in den Worten ausgesprochen finden, durch seine Töne gestaltet und verklärt. Er versteht es, bis in's tiefste Mark zu erschüttern, aber auch zu erheben und zu trösten." Es sind goldene Kompositionen, golden, möchten wir sagen, ist auch das Werk, in zwei Foliobänden auf Pergament abgeschrieben, nach außen hin und bildet so in der Schatzkammer der bayerischen Hof- und Staatsbibliothek ein wahres Nationalwerk, das von jedem Beschauer mit Ehrfurcht betrachtet wird. Es wurde auf Pergament abgeschrieben und durch den Maler Hans Mielich ausgestattet, zudem im wahren Sinn des Wortes in Gold gefaßt laut einem Auszuge der Hofkammerrechnungen: „Dem Unger Goldschmied um Arbait wegen Bcschlagung eines Puechs 764 Gulden." Erst im Jahre 1584 erschienen die Bußpsalmen im Druck und zwar bei Adam Berg in München, gewidmet dem Pfalzgrafen bei Rhein und Herzog von Bayern, Philipp, postulirtem und bestätigtem Bischof von Negensburg. Mit diesem Werke erstieg Orlando die Höhe seines Ruhmes, er wußte sich aber auf derselben auch zu halten. Infolge der Komposition der Bußpsalmen ernannte ihn Herzog Albrecht zum obersten Kapellmeister, nachdem der bisherige wegen hohen Alters seinen Abschied erbeten und ihn erhalten hatte unter Velassung seines Gehaltes. Aus Dankbarkeit widmete Orlando seinem Gönner schon am 1. Juni 1562 einen Band neuer Motetten zu fünf Stimmen, sowohl von Stimmen als Instrumenten aufzuführen, mit einer großen lateinischen Zuschrift, in der es u. a. heißt: „ea proxtor, Leroo illustiissnns, iäsui- hus I?atron6 eisiusutissiins, üb Arubi aulwi erxrr ts äaolaroiu." Die Zuschrift zeugt von einer geradezu kindlichen Liebe und Dankbarkeit und schließt folgendermaßen: „Was nun meinen Dienst angeht, so werde ich mir Mühe geben, durch Fleiß und Diensteifer 186 Euer Wohlwollen nicht nur zu bewahren, sondern mich desselben in noch höherem Grade würdig zu machen. Der Allerhöchste möge Eure Hoheit noch auf viele Jahre dem christlichen Staate gesund erhalten." Die Zuschrift datirt von Nürnberg aus, wohin Orlando wohl in Begleitung des Herzogs gekommen war, als sich dieser mit Gefolge zur Königswahl Maximilians II. nach Frankfurt begab. Der Kaiser verlieh unserm Meister und seinen Nachkommen beiderlei Geschlechts auf dem Reichstag zu Spcyer unangesucht die Adelswürde und das ritterliche Wappen. In dem Diplom, das datirt ist vom 5. Dezember 1570, ist nicht nur Orlando uugcmein gelobt, sondern sowohl der kirchlichen als profanen guten Musik und dem Gesang höchstes Lob gespendet. Es mag hier sofort auch der Auszeichnung Orlando's seitens des hl. Vaters Gregor XIII. in Nom Erwähnung gethan sein, obwohl wir dadurch der Zeit etwas vorgreifen. Der Meister widmete dem Papste einen Band Messen, und zwar den zweiten Band der Prachtausgabe in fünf großen Foliobänden, die der Herzog Wilhelm auf eigene Kosten drucken ließ. Der erste Band, Motetten, ist dem Herzog selbst gewidmet. Er reiste persönlich nach Nom, überreichte sein Werk persönlich. Papst Gregor empfing ihn auf das wohlwollendste und verlieh ihm die Würde eines Ritters des goldenen Sporus — äo rmrirsro xaitü- vipantiuin — und ließ ihn durch zwei Ordensritter in der päpstlichen Hofkapelle mit dem Sporn und Schwerte feierlich bekleiden und umgürten. Reise und Aufenthalt in Rom ließ der Herzog durch Max und Hans Fugger erlegen laut Rechnung: „Dem Orlando di Lasso in Rhom 400 Cronen." Bevor er dieser Auszeichnungen zu Theil wurde, haben wir noch zu bemerken, daß er in den Jahren 1564—1569 nicht weniger als 32 Bände schrieb, die allermeist in der königlichen Bibliothek in München aufbewahrt sind. Orlando war nicht nur ein genialer Mann, sondern ungcmcin fleißig, fast zu fleißig, handelnd nach dem Grundsatz: uutlg, äi68 sins linsn, er rastete nie, rostete aber auch deßwegen nie. Geehrt von Fürsten, geehrt vom Volke, drang sein Ruhm auch in das Ausland, so auch an den Hof des Königs Carl IX. von Frankreich. Dieser Fürst wollte ein Musik-Akademie errichten. Sei es nun, daß der König selbst Orlando rief, um seinen Rath in Anspruch zu nehmen, sei es, daß Orlando aus eigenen Stücken nach Paris ging, um die Begnindung dieses Instituts zu prüfen, sei es, wie einige auch vermuthen, daß der König, welcher durch das Andenken an das vergossene Hugenottenblut ungemein wehmüthig gestimmt war und die Klagetöne der Bußpsalmen Orlando's von ihm selbst dirigirt hören wollte, um für sein krankes Herz Linderung zu finden — kurz, Orlando ging nach Paris, wohin es ihn schon länger zog, wie er selbst sagt „suin sx Havarier liutstiam, susus ur'ois invisanäaa oupictitats äiu La^raraw, xervsnisosrn" rc., und wohnte bei dem vortrefflicher: Tonküustler Adrian Leroy, der auch als Buchdrucker und Musikalienhändler einen großen Ruf hatte. Durch Leroy wurde Orlando dein Könige vorgestellt und von diesem derart mit Gunstbezeigungen überhäuft, daß Leroy ganz naiv in einer Dedication eines Werkes an den König sagte: „Du hast den Orlando auf eine solche Weise (wovon mehrere Personen Zeugen gewesen sind) empfangen, daß er sich rühmen kann, von Dir mehr Ehrenbezeigungen und Beweise der Herablassung und Freigebigkeit erhalten zu haben, als der größte Theil derer, welche in diesem Jahre aus dem AMande gekommen sind, um Dir ihre Huldigung darzubringen." Nach Leroy wurde Orlando vom König auch reichlich beschenkt „baesam nauusrg. xlans rs§ia., gug.s tu Or- lauckuw. oontulisti", und nach Philipp Vosguier hat der König Orlando durch das Äalteser-Kreuz geadelt. Es könnte scheinen, als ob in den angeführten Worten Leroy's etwas Eifersucht enthalten sei, was bekanntlich auch bei Künstlern sehr gern mitspielt; wir glauben, dies entschieden verneinen zu müssen, denn Leroy schreibt über Orlando: „Dieser große Meister und ausgezeichnete Künstler mit seinem Talente und seiner Gelehrsamkeit könnte allein als Gesetzgeber für die Musik gelten, denn feine bewunderungswürdigen Erfindungen, die sinnreichen Combinationen, die Lieblichkeit, die Naivität, die charakteristische Zeichnung, die kühne Ungezwungenheit, die gefälligen Harmonien bieten Grund genug, seine Musik als ein Muster zur Nachahmung aufzustellen." Gewiß schöne Worte über einen Meister aus dem Munde eines Meisters! Ein Dichter aber singt begeistert: „Thiere hat Orpheus, Felsen Amphyon, Arion Delphine Nach sich gelockt, doch Orlando: Erde und Meer im Vereine. Er hat sie nach sich gezogen mitsammt dem Gewölbe des Himmels. Also, um wie viel ist dieser allein doch größer und stärker Denn jene drei zumal: Amphyon, Arion und Orpheus." Dem König Carl IX. widmete Orlando in Paris ein Buch fünfstimmiger Chansons mit zwei 8stimmigen Dialogen, die in der Dedication eine Ode auf den Monarchen enthielten. Trotz der Gunst des Königs, trotz der liebevollsten Aufnahme in allen Künstlerkreisen, trotzdem er sich durch seine Kunst bei den Franzosen den unbestrittenen Ehrenplatz errang, vergaß der dankbare Mann Orlando seine Heimath und seinen hohen Gönner, den Herzog, nicht, er ließ in Paris eins Reihe fünfstimmiger Lieder, componirt für den Herzog, drucken und sandte sie mit einer Widmung und einem französischen Gedicht an ihn, die Dedication ist wieder ganz und gar vom dankbarsten Herzen dictirt. (Schluß folgt.) Die Könige von Preußen und die Fürsten von Hohenzollern sind Abenverg-Zollern, nicht Zollern-Abenberg. In einer Recension mit der Ueberschrift: „Die Herkunft der Hohenzollern", veröffentlicht in der Beilage der Allgemeinen Zeitung vom 6. Oktober 1893 Nr. 277, ist ausgeführt, daß Professor Schmid in seiner neuesten Schrift: „Die Könige von Preußen sind Hohenzollern, nicht Abenberger"), seinen Gegner, Archivrath Or. Christian Meyer in Breslau, welcher 1889 behauptet hatte, die Burggrafen von Nürnberg, die Ahnherren des deutschen Kaiserhauses, stammen von dem Grafengeschlecht der Aben- berg im Nangau ab (Ausbach bei C. Brügel u. Sohn), gründlich widerlegt habe. Es wird sogar behauptet, Pros. Schmid habe an der Hand des spärlich vorhandenen Urkundenmaterials alle Zweifel mit größter Sicherheit gelöst und den Leser durch die zwingende Logik seiner Thatsachen- gruppirung vollkommen zu seiner eigenen Ueberzeugung zu bringen gewußt, so daß Meyer seine frisch aufgewärmte Theorie gegenüber einem an Gründlichkeit und Genauigkeit der Forschung, überhaupt an gelehrtem Rüstzeug so unendlich überlegenen Gegner nicht weiter zu verfechten vermag. ') Berlin 1892 bei I. A. Stargardt. Ob Archivrath vr. Meyer die ihm in der Allgemeinen Zeitung und von Pros. Schmid zu Theil gewordene Behandlung sich ohne Widerrede wird gefallen lassen, darf wohl bezweifelt werden, entschiedener Widerspruch aber muß gegen die Behauptung eingelegt werden, daß Schmid alle Zweifel, welche von Meyer nach meinem Vorgänge im Jahre 1869 gegen die Hohenzollerntheorie vorgebracht worden sind, mit größter Sicherheit gelöst habe. Schmid hat in seiner neuesten Schrift auch «einer, jedoch wieder unter der falschen Bezeichnung eines Advokaten, gedacht (S. 2 A. 1, 3 und 72), ich nehme deßhalb Veranlassung, ihn auf meine Berichtigung in dem Artikel „Zollern oder Abenberg" (Beilage zur Augsburgs! Postzeitung vom 8. Okt. 1690 Nr. 55) zu verweisen und ihm nochmal zu versichern, daß ich heute nach Ueberlesung seines oben angeführten Werkes noch weit mehr als früher davon überzeugt bin, daß die Grafen-von Abenberg die Ahnen der Burggrafen von Nürnberg zweiter Dynastie, mithin auch der Könige von Preußen und der Fürsten von Hohenzollern wirklich sind. Schmid und Meyer haben zur Vervollständigung und Richtigstellung der Genealogie der Grafen von Abenberg wesentlich nicht beigetragen, dieselbe nicht gefördert und den Erwartungen, die ich dem Recensenten meiner Grafen von Abenberg im Corrcspondentcn von und für Deutschland im Jahre 1869 Nr. 408 ausgedrückt habe, nicht entsprochen. „Ich suchte die Wahrheit, sagte ich damals, und habe mich überzeugt, daß sie dann vollständig an den Tag kommen wird, wenn man für Erforschung der Geschichte der Grafen von Abenberg ebensoviel geleistet hat, wie für die Hohenzollern." Nur das vergleichende Studium führt zu annehmbaren Resultaten. Vergleichen wir deßhalb die gegnerischen Genealogien mit der Stammtafel der Grafen von Abenberg, welche wir 1869 aufgestellt^) und in den Jahren 1879/80, dann 1890 nochmal berichtigt und ergänzt haben, nach den von uns zwischen 1869—1890 gesammelten Regelten, die wir theils unserem um die Geschichte Bayerns sehr verdienten seligen Freunde, dem k. Notare Siegert von Trostberg in Oberbayern, theils einem gleichverdienten, sehr angesehenen Prälaten Niederbayerns verdanken, den größeren Nest davon aber innerhalb des angegebenen Zeitraums selbst gesammelt haben/) um auf dem vergleichenden Wege der Wahrheit endlich Zu ihrem Rechte und zum Siege zu verhelfen. Meyers und Schmidbeginnen ihre Stammtafeln der Grafen von Abenberg mit den Brüdern Wolfram und Otto, welche in der Klosterstiftungsurkunde des Markgrafen Her mann und der Gräfin Albe rada von Banz, seiner Gemahlin, im Jahre 1071 unter Anderen als V/oltrara vomes st traten oju8 Otto äo unterzeichnet sind. Schon iw Jahre 1869 war ich einen Schritt weiter hinaufgegangen und hatte Wolfram I., welcher urkundlich 1045 als Graf und 1058 als Vogt der bischöflichen Kirche von Bamberg auftritt, als Vater der beiden Bruder bezeichnet und als Ge- ") Die Grafen von Abenberg die Ahnen deö preußischen KLnigShauses und der Fürsten von Hohenzollern. München 1869. G. Franz'sche Buch- und Kunsthandlung (Ed. Lolch eck). v) Die Grafen. von Abenberg, die Ahnen der deutschen Kaiser und der Fürsten von Hohenzollern. 1890. Mskpt. 0 I. o. S. 28 u. 79. °) Netteste Geschichte von Hohenzollern. III. Band. Tübingen 1888. mahlin desselben Gerhilde angegeben. Meine weiteren Untersuchungen hatten mich aber schon im Jahre 1879/80 zu der Ueberzeugung geführt, daß Gerhilde die Gemahlin Wolframs II. (am 22. Juli nach 1108) und die Mutter des Domherrn Adalbcrt gewesen, der nicht schon 1108 mit Tod abging, sondern damals noch in den besten Jahren stand. Die Gemahlin Wolframs I. habe ich inzwischen noch nicht auffinden können; daß derselbe aber als Vater Wolframs II. und Ottos I., welche urkundlich ebenfalls Vögte der Haupikirche zu Bamberg genannt werden, anzuerkennen ist, scheint mir zweifellos aus dem Umstände hervorzugehen, daß die Vogteirechte überhaupt erblich waren, die Ahnen bezw. der Vater der genannten Bruder von Abenberg sohin in den Vögten der Kirche 8. Maria, 8. Peter und Georg zu Bamberg gesucht werden müssen, d. h. in Wolfram I. und etwa in Adalbert, sicher aber in dem ersten Vogte der Stiftung Kaiser Heinrichs II., in dem Grafen Tymo. Schmid hat gemeint, ich könne Wolfram I. als Grafen von Abenberg nicht nachweisen; er übersieht, daß ich einen Beweis deßhalb nicht zuführen brauche, weil die.Prä- sumtion dafür spricht, daß sich die Bnmberger Vögte regelmäßig in gerader directer männlicher Abstammung folgten und eine allenfallsige Ausnahme nicht von mir, sondern von demjenigen bewiesen werden müßte, welcher sie aufstellt. Bezüglich der Ascendenz der Vögte der bischöflichen Kirche von Bamberg, welche Schmid weggelassen, Meyer mit einem d versehen hat, verweise ich auf meine Grafen von Bergthcim im 54. Berichte des historischen Vereins zu Bamberg (1892), und zu dem angeblichen Kraft, Grafen von Abenberg, mit dem vorgesetzten Fragezeichen bei Meyer (S. 79), bemerke ich, daß dieser Name allerdings gleichzeitig mit Wolfram II. und Otto I. vorkommt, aber dem Ratenzgangrafeugeschlechte oder den Grafen von Wcrtheim oder Hennenberg angehören dürfte und von mir in die Genealogie der Grafen von Abenberg, bei welchen dieser Name fremd ist, so lange nicht aufgenommen werden kann, bis ganz bestimmte Nachweise für seine Zugehörigkeit zu diesem illustren Geschlechte beigebracht sind. Die drei Namen Otto, Otto, Bischof von Bamberg, und Friedrich, Vater und Söhne, gehören nicht in die Ottonische oder Frcnsdorf'sche Nebenlinie der Grafen von Abenberg/) In Folge specieller Studien über Heimath und Herkunft des hl. Otto, des Apostels der Pommern, war ich schon 1880 veranlaßt, Otto und dessen Gemahlin Adelheid sammt deren Söhnen Friedrich und Otto aus der urkundlich beglaubigten Genealogie der Grafen von Abenberg zu entfernen, weil sie als Edel Herren und Ritter von Mistelbach (jetzt Mischelbach) bei Sandsee, Pleinfcld und Hcideck wahrscheinlich Heidccke waren, jedenfalls aber zu den hochgräflichen Abenbergern nicht gezählt haben. (Beilage zur Augsb. Postztg. 1880 Nr. 83 ff., 1886 Nr. 7—12, 1890 Nr. 55 S. 2 und die Familie des hl. Otto und die Edelherrn von Mistelbach im 54. Jahres-Berichte f1892j des histor. Vereins von Bamberg.) Meyer kannte meine Specialuntersuchungen über den hl. Otto nicht und wollte, wie ich 1869 ebenfalls gethan/) die Edclherren von Mistelbach als Grafen von Abenberg im Hinblick auf die bekannten Stiftungsverse des Klosters Heilsbronn festhalten, allein die Cisterzienser °) Meyer I. «r. S. 30, 32 u. 79. ') Grafen von Abenberg. S. 12, 20 u. 41. 188 daselbst waren Mit der Annahme, Bischof Otto I. von Bamberg sei ein Graf von Abenberg gewesen, ebenso im Unrecht, wie die Benediktiner auf dem Michelsberg zu Bamberg mit der Behauptung, Otto habe dem Grafen- geschlcchte der Audcchs-Meran angehört. Wenn Meyer ^) seine unhaltbare Meinung noch damit begründen zu können glaubt, daß er sagt: «es sei gar nicht abzusehen, wie Otto°), wenn er, wie angenommen wird, einem schwäbischen Hanse entsprossen ist, dazu gekommen sein solle, in Heilsbronn, das nicht einmal zu seiner Diözese gehörte, ein Kloster zu stiften," so hat er damit eben verrathen, daß er die Bedeutung Otto's, der in Thüringen, Franken, der Oberpfnlz, Bayern und Oesterreich so viele Klöster stiftete, nicht erfaßt hat, und daß ihm der Zusammenhang der Glieder des berühmten Abenberger Grafengeschlechts nicht ganz klar geworden ist. Noch weniger als Meyer ist über das Abenberger Geschlecht I)r. Schund in Tübingen orientirt, wie aus seinem sehr mangelhaften genealogischen Schema in ältester Geschichte der Hohenzollern 1888 Bd. III deutlich genug hervorgeht. Schund läßt Otto, Grafen von Abenberg, der 1071 die Stiftnngsnrknnde von Kloster Banz in Franken unterzeichnet hat, bis 1120 leben und mit Hedwig, der angeblichen Erbtochter des Markgrafen Hermann und der Gräfin Alberada von Banz, vermählt sein; Otto II., Wolfram III. und den Erzbischof Konrad von Salzburg hat er in seine Genealogie gar nicht aufgenommen. Die Vita Oonraäi hat er höchst oberflächlich bemängelt und sodann unberücksichtigt bei Seite gelassen. Er nennt das Leben des Erzbischofs im lüssaurns Dmeoclotornm von Bernard Pez Nom. II kars III (bei ihm T. IV) p. 221 sf., worin „die Fabel von dem kinderreichen Helden Babo, des Erzbischofs angeblichem Ahnherrn, welcher ein geborner Graf von Abenberg gewesen sein soll und sonst noch spukt ^°), eine Quelle, welche selbst Haas, wie er sagt, für verdächtig hält." Ob der einst so viel verhöhnte und geschmähte Heinrich Haas, dessen starke Seite die Kritik nicht gewesen, die vita Oonraäi I. arosiispisoopi LalisdnrAormm verdächtigt hat oder nicht, darauf kommt es selbstverständlich nicht an, sondern darauf, wie die Iflonnmonta Olor- inaniao nach Pcrtz ") hierüber genriheilt haben und was die neueste Kritik davon hält. Archivrath Dr. Meyer in Breslan, welcher, wenn ich nicht irre, eingehende Studien über das Leben des großen Abenbergers gemacht hat, erklärt in seiner Herkunft der Burggrafen von Nürnberg den Biographen Konrads als durchaus zuverlässigen Gewährsmann^), ums er im Allgemeinen und insbesondere in genealogischer Beziehung in der That auch war, nur darf man ihn nicht so arg mißhandeln und mißverstehen, wie es Aventin, der angebliche Vater der bayerischen Geschichte, der famose bayerische Ritter von Lang und ihre Nachempfinder gethan Habens. Ich wenigstens habe °) l. o. S. 30. °) Schmid lägt S. 75 seiner neuesten Schrift Bischof Otto 1. von Bamberg 114 3 noch leben und die Schirmvogtci über Klostcrmünchanrach dem Burggrafen Konrad II. übertragen. — -Otto starb bekanntlich am 30. Juni 1139. Vergl. die Grafen von Bcrgtheim S. 14. In der Beilage I, 1 ist 30. Juli 1139 in 30. Juni zu berichtigen. r°) I. o. Bd. III, 219. ") 88. XI. 62. blou. Oerw. tom. XIII. I. o. S. 24. ") Welche heillose Wirren diese Männer durch Verwechslung Babos, des mütterlichen Großvaters des Erz- nach sehr eingehender Beschäftigung mit demselben keinen Grund gefunden, an seiner Zuverlässigkeit zu zweifeln, weßhalb ich schon im Jahre 1869 das Motto zn den Grafen von Abenberg dem ersten Kapitel der viia Oonraäi arostioxmoopi LaliodurAoimm entnommen habe. Professor Dr. Schmid ignoriri die vila Oonraäi und geräth deßhalb schon bei Beginn seiner genealogischen Nachweise über die Grafen von Abenberg in die größten Schwierigkeiten und Irrungen. Nach meinen Erhebungen ist Otto I., Graf von Abenberg, schon um 1105, nicht erst 1120 gestorben. Derselbe hatte eine ungenannte Tochter des kindergesegneten Burggrafen Babo II. von Negensburg zur Gemahlin. Ihre Söhne waren Otto II., Wolfram 111. und Erzbischof Konrad I. von Salzburg. Otto II. war mit Hedwig, der Schwester Diepolds, vermählt, und ihrer Ehe entsproßte Rapoto, der von 1130 bis 1172 als Graf und Vogt oft genug beglaubigt ist. Ein älterer Napoto, urkundlich zwischen 1122 bis 1126 genannt, gehört zur Nachkommenschaft Wolframs II. in der Hauptlinie Abenberg-Zollern. Die Nachweise für die einzelnen Positionen hier beibringen zu wollen, würde zu viel Raum erfordern, ich muß deßhalb auf mein Manuscript „Die Grafen von Abenberg, die Ahnen der deutschen Kaiser und der Fürsten von Hohenzollern" verweisen, glaube aber in meinen bisherigen Ausführungen schon gezeigt zu haben, daß die Doctoren Meyer und Schmid für die Grafen von Abenberg etwas Neues nicht beigebracht und dasjenige noch nicht geleistet haben, was man billig fordern kann. (Schluß folgt.) Der Einfluß des tonischen Acceutes auf die melodische und rhythmische Struktur der gregorianischen Psalmodie. Zu den Studien, welche in unserer Zeit mit großem Eifer und Erfolge betrieben werden, gehören die archäologischen. Sie führen dahin, daß wir mit Entzücken das Augustinische Wort: in vstors novnin latot, in novo velu8 xatot anwenden können: unsere katholischen Lehren und Einrichtungen erscheinen uns in ihrem Ursprünge altehrwürdig und diese altehrwürdigen historischen Thatsachen als die Keime, die in ihrer organischen Fort- entwicklung unter dem Einfluß des Geistes Gottes und der Menschlichen Bemühungen zur gegenwärtigen dogmatischen und liturgisch-rituellen Form sich ausgestaltet haben. Sowohl dem wissenschaftlichen Eifer als dem Erfolge nach ist nicht die mindeste der archäologischen Disciplinen die kirchenmusikalische, welche mit der ursprünglichen Form der gregorianischen Gesänge und ihrer geschichtlichen Fort- und Ausbildung sich beschäftigt. Zu jenen Gelehrten nun, welche sich zur Aufgabe gemacht haben, vor allem auf archäologischer Basis die Grammatik der gregorianischen Sprache zu construiren und dadurch in die Geheimnisse der Komposition, in die Kunst des deklamatorischen Vortrages und in die Schönheit des Gesanges der lateinischen Kirche einzudringen, gehören die Benediktiner von Solesmes. Jede ihrer Publikationen begrüßen wir vom wissenschaftlichen Standpunkte aus mit Freuden, so auch die unter obigem Titel*) erschienene. Herr P. Bohn (Trier) hat sie, die letzte Lieferung der bischofs, mit dem väterlichen Großvater desselben in die Geschlechtstafcln unseres Ncgentenhauscs und der eisten bayerischen Dynastenfamilien gebracht haben, ist allbekannt. *) Bei Herder in Freibnrg i. Br. 1694. 189 kalöoAraxlris musioalo, auf Veranlassung des außer» ^ ordentlich thätigen Herrn k. Andreas Mocquereau, des Herausgebers dieser Zeitschrift, und seiner Mitarbeiter aus dem Französischen in das Deutsche übersetzt. In dem Titel würde ich lieber lesen: Der Einfluß des Tonaccentes (aeosntus acrutns), statt des tonischen. Daß die Psalmen als die Unterlage aller Gesänge betrachtet und behandelt werden — darüber herrscht gegenwärtig unter den gregorianischen Aesthetikern ziemlich Uebereinstimmung. In der Schrift soll bewiesen werden, daß der lateinische Tonaccent in Verbindung mit dem Kursus (dem prosaischen Rhythmus) „einen thätigen Einfluß auf die melodische und rhythmische Formation der gregorianischen Phrase ausgeübt hat, daß beide (zunächst der Tonaccent) die Grundlage bilden, auf welcher das ganze Gebäude ruht, das Knochengerüste, welches diesen melodischen Körper zusammenheilt und trägt." Was gezeigt werden soll, ist also nichts anderes, als was seit ungefähr vier Jahrzehnten immer mehr und jetzt wohl zur allgemeinen Anerkennung kam: der liturgische Gesang ist Sprachgesang; was bekanntlich mit Adam von Fulda „voeos t'ormara, ckorwalas per souum rseta. xro- xortions aoasnimuro" der in Theorie und Praxis des Chorals gleich erfahrene Verfasser des Nagistsr elroralis, Consultor der Nitencongregation Dr. Haberl, in dem Satze ausspricht: Singe, wie du deklamirst l Singe die Worte mit Noten so, wie du sie ohne Noten sprichst! Um nun den wesentlich oratorischen und recitativischen Charakter des Chorals, den am wenigsten derjenige leugnet, der die lLäitio Llaäioaeu zur Hand nimmt, aä oonlo8 zu demonstriren, wird in obiger Schrift eine Reihe von Tabellen vorgelegt, welche eine gewisse Anzahl von melodischen Vorbildern, die den Original-Manuscripten und verschiedenen Texten angehören, enthalten. Diese Vorbilder werden untersucht auf ihre Beziehung zum Accente, und aus ihnen werden dann harmonische und einfache Gesetze abgeleitet, nach welchen sich die Melodien bildeten. Die Reichhaltigkeit und der Umfang der vorgeführten Untersuchungen auf 68 Folio-Seiten ist daraus ersichtlich, daß in vielen instructiven Beispielen der Einfluß des Tonaccentes auf die einfache und auf die verzierte Psalmodie des Jntroitus und der Commnnio, des Tractus, des Gradnal-Nesponsoriums, des Alleluja-Verses und der Nesponsorial-Verse geprüft wird. In den meisten Fällen wird zum Vergleiche die „Ausgabe, Version von Negens- burg" herangezogen. Daran reiht sich § VIII S. 56: Classification und Benennung der Haupimodisicationcn, denen die gregorianischen Typen unterliegen. Das ist eine ganz interessante Studie über die Umstände, durch welche sich zahlreich und verschieden die musikalischen Perioden in Folge der außerordentlichen Beweglichkeit des liturgischen Textes ändern. Hier trägt die Abhandlung die grammatikalische Terminologie der Sprach- oder Wort- Veränderung (der Metaplasmen) auf die Musik über und redet von 5 Arten: die Unterdrückung d. i. die Verminderung der Noten oder Gruppen in einer vollständigen Type — Aphärests, wenn sie Anfangsnoten wegläßt, Synkope, wenn sie mittlere Noten ausscheidet, Apokope, wenn sie Schlußnoten unterdrückt; Anfügung (Pros-, Epcu- und Epithesis); Zusammenziehung d. i. Vereinigung, Zusammenziehen der Noten und Gruppen, welche die Melodie bilden (Synäresis, Krasis und Elision); Theilung einer gewöhnlich auf einer Silbe gesungenen nenmatischcn Gruppe auf mehreren Silben; Vertauschung d. i. Unterschieben einer Note an die Stelle einer andern. Aber — und damit komme ich zu dem, womit ich wissenschaftlich-praktisch mich nicht befreunden kann — wenn gerade der Tonaccent, den k. Mocquereau mit dem Kursus die zeugenden Elemente der Melodie und des Rhythmus nennt, einen so großen Einfluß auf die Bildung und Struktur der melodisch-rhythmischen Phrase hat, so darf nicht, wie mir scheint, der melodischen Phrase, wie sie über gleichem Texte in verschiedenen Handschriften dieselbe ist, eine so große Bedeutung zugeschrieben werden, daß sie überall gefordert wird, wo der gleiche Text in derselben tonartlichen Behandlung sich findet. Eine solche Betonung der musikalischen Phraseologie führt zu Formalismus. Ich fürchte, dieser könnte zu einer Erstarrung, Petrefacirung drängen, welche selbstverständlich der Tod einer lebensvollen Entwicklung wäre. In jeder melodischen Formel ist der Accent das Beseelende und Belebende; die Hauptsache ist die Deklamation, der deklamirende Vortrag. Und nach dieser Richtung hin sind die Tabellen in Wahrheit ein apologetisches Zeugniß für die Däitio üleäioasa; denn gerade diese wird in ästhetisch schöner und correcter Weise dem Gesetze des Tonaccentes, der Deklamation, der Verständlichkeit gerecht. Man dekla- mire und singe (singe deklamirend und deklamire singend) die in den Tabellen als von den Manuscripten abweichend vorgeführten notirten Texte der „Version von Regensburg", und man wird sich davon überzeugen. Daß die Melodien der „Negensburger Version" mit den vorgeführten „Original"-Melodien identisch sein müssen, um — ich sage nicht — our>tu8 s. 6we§c>rii, sondern — aantns ArsAvrianus zu sein, ist von vorneherein eine xstitio prinolxii; denn es ist schon öfters darauf hingewiesen worden, daß man deßwegen, weil die Manu- scrtpte des 9. Jahrhunderts übereinstimmen mit denen des 11. Jahrhunderts, nicht schließen dürfe, daß die des 9. die Originalmelodien des 6. und 7. Jahrhunderts wiedergeben — beim gänzlichen Mangel von Musik-Noten aus der Zeit vom 7. bis 9. Jahrhundert. Vgl. dazu Duchesne, oi-ig-ins du orüts ollrätion x. 98. Freilich finden wir in der Iläitic) Llsäioasa eine Vereinfachung von z. B. 40 Noten über einem Worte auf 20, von 30 auf 10, von 20 auf 6. Allein, da eben der Melodie bildende Tonaccent die Hauptsache ist, wird das doch nichts wesentlich Tadelnswerthes sein und ist selbstverständlich im Interesse des praktischen Gesanges sogar ein großer Vorzug. Was gehört für eine seltene virtuose Gesangskunst dazu, um ästhetisch schön und cor- rcct, wohl gruppirt, in gesetzmäßigen Distinktionen eine melodische Phrase von 30 und 40 Noten (um nicht eine größere Zahl zu nennen) über einem Worte zu singen? Da es außerdem erwiesen ist (vergl. Dr. Haberl, Giovanni Pierluigi da Palestrina und das Oraäuals Ho- inanum der Läitio NeäieaeL von 1614, Pustet, Regensburg 1890), daß unser gegenwärtiges officielles (Iracknals, das bei Pustet erschienen, nichts anderes ist, als ein Neudruck der von Palestrina revidirten und von der Nitencongregation approbirten Lclitio Nackioaea, so ist es doch sehr gewagt, von „Schwerfälligkeit", „Ungeschicklichkeit", von „verächtlichem und unverständlichem Kauderwälsch" der „Negensburger Version" zu reden; kann man denn wirklich annehmen, daß ein Palestrina, Guidctti, Suriano, Anerio in der Theorie und Praxis der gregorianischen Melodie-Bildung so unwissend und ästhetisch roh und verwildert gewesen wären? Daß z. B. Palestrina in seinen Kompositionen ganz gregorianisch empfand und darstellte, kann der verdienstvolle Heraus- 190 geber der Gesammt-Werke Palestrina's, Dr. Haberl, der sich 30 Jahre lang mit Palestrina ebenso eifrig und intensiv beschäftigt, als mit dem römischen Choral, mit Beispielen nachweisen und belegen. Es möge hier außerdem auf den Brief Palestrina's an den Herzog von Mantna vom 5. November 1578 hingewiesen werden: „Es wird mir zur größten Ehre gereichen, auch den Nest des Chorals zu erhalten, um denselben von Barbarismen und von den üblen Klängen (äa OarOurtsrai s äai walt soni) gut zu läutern. Wenn Ew. Hoheit damit einverstanden sind, so können diese Gesänge zugleich mit dem Crraäuuls, dessen Emendirung mir Unsere Heiligkeit aufgetragen haben, gedruckt werden." Zum Schlüsse möchte ich noch auf Folgendes hinweisen: Die Läiiio Lleckiorraa, („Ausgabe von Negens- burg") ist die durch den apostolischen Stuhl als authentisch erklärte und empfohlene Ausgabe. Die „Regensburger Ausgabe" ist die typische; mit ihr sollen alle anderen Ausgaben übereinstimmen; sie ist ein oxus cura, st anotoritats sacwornra rrtuura conAra^ationis äi- gesturn Hoina.6. Es hat denn doch etwas sehr Bedenkliches, dem gegenüber die obigen verächtliche» Prädikate, wie über die Arbeit eines Schnlknaben, zu gebrauchen; oder zu sagen (S. V der Vorrede): Wir möchten die Gesänge auch feststellen, um die Fehler der Systeme (es ist aber später nur von der „Version Regensburg" die Rede) hervortreten zu lassen, welche in unserer Zeit durch gänzliche Verkennnng des wesentlichen oratorischen Charakters der Gesänge die ursprüngliche Version und Ausführung verdorben haben; oder S. 69 zu reden von „Verstümmelungen und Ueberarbeitnngcn, welche schließlich, wenn nicht alles zerstört, doch wenigstens alles verwirrt haben." Wie würde man eine solche Sprache heißen, wenn sie anderen Bestimmungen der kirchlichen Auctorität gegenüber geführt würde? Es ist Zeit, wiederum die „Offenen Briefe über den Congreß von Arezzo" von I. A. Laus (Extra-Beilage zu den „Fliegenden Blättern für katholische Kirchenmusik" Nr. 4, 1883) zur Hand zu nehmen und z. B. S. 40 u. sf. zu lesen! Dr. Walter. Ein nerrer zeitgemäßer Katechismus. ci' Da die Katechismusfrage in vielen Ländern, insbesondere auch in mehreren Diöcescn Bayerns, gegenwärtig eine hervorragende Rolle spielt, so dürfte die Mittheilung allgemein interessiren, daß in jüngster Zeit ein neuer zeitgemäßer Katechismus erschienen ist, der von sehr vielen hochw. Ordinariaten in Deutschland und Oesterreich mit den größten Lobsprüchen ausgezeichnet worden ist. Der Neligionsprofeffor an der Lehrerbildungsanstalt in Trautenau hat nämlich den Ordinariaten in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und Ungarn einen neuen Katechismus zur Approbation und Begutachtung vorgelegt, einen Katechismus, der, wie der Verfasser erklärte, nach den pädagogischen Grundsätzen der Neuzeit ausgearbeitet und den Zeitbedürfntssen der Gegenwart angepaßt ist. Allerdings war dieser Katechismus nicht in erster Reihe für die Schule ausgearbeitet; er ist in der Gestalt, wie er vorliegt, zunächst für das Volk bestimmt und ein Hilfsbuch zu Handen des Neligionslehrers. Doch ist dieses mit dreifachem Druck ausgestattete Werk so eingerichtet, daß ein zeitgemäßer Schulkatechismus aus demselben leicht hergestellt werden kann; es wäre bloß der Kleindruck zu kürzen oder vielleicht wegzulassen. Das Werk zerfällt in drei Theile: in die Glaubenslehre, Sitten- lehre und Gnadenlehre. Alle Partien des Katechismus hängen mit einander innig zusammen. Die Ausdrucksweise ist eine ganz schlichte und einfache; alle Kunstans- drücke sind vermieden. Jene Lehren, die in der Gegenwart von großer Bedeutung sind, wie: Arbeit, Verwendung des Vermögens, Wahlen, Vereine, Zeitungen, Socialdemokratie u. dgl., werden in diesem Katechismus ausführlich und eingehend behandelt. Die Darstellungsweise ist eine sehr interessante; trockene Definitionen sind ganz vermieden. Viele Beispiele und Gleichnisse, die sehr treffend gewählt sind, veranschaulichen die heiligen Lehren. Kurz, dieser Katechismus unterscheidet sich wesentlich von allen übrigen Werken dieser Art. Das Ordinariat Würz- bnrg nannte ihn mit Bezug auf Inhalt, Form und Einrichtung sehr gelungen. Das Ordinariat Paderborn zollie der Eigenart des Werkes die vollste Billigung und erklärte, dieser interessante Katechismus würde segensreich wirken und den Lehrern die Vorbereitung zu einem ersprießlichen Unterrichte wesentlich erleichtern. Der hochw. Herr Bischof von Luxemburg empfahl das Werk als Handbuch an den höheren Lehranstalten und schrieb, als solches würde es die Aufgabe des Lehrers und die Arbeit des Schülers wesentlich erleichtern. Unter den österreichischen Bischöfen lobte diesen Katechismus am meisten der hochw. Fürstbischof von Klagenfurt. Derselbe erklärte, dieser Katechismus besitze viele Vorzüge, namentlich klare und bündige Fassung und eine große Reichhaltigkeit des Stoffes, weßhalb er den Katecheten ein willkommenes Hilfsbuch sein werde. Der hochw. Fürstbischof in Marburg lobte wiederum die zweckmäßige Eintheiluug, die gründliche, leichtfaßliche und erschöpfende Darstellung und erklärte, dieser Katechismus sei ein vorzügliches Hausbuch und zur Belebung der religiösen Gesinnung besonders geeignet. Der hochw. Bischof von Brüim schrieb, in diesem Katechismus werden die Lehren der hl. Religion dem Verständnisse möglichst nahegebracht. Aehnlich sprachen sich noch andere Bischöfe aus: die von Leitmeritz, Königgrätz, Ermland u. a. Alle Zeitungen, die bisher über diesen Katechismus, den der Verfasser „V olks-Katechismus" nannte, geschrieben haben, nannten ihn ein zeitgemäßes Werk und erhoffen von der Ausbreitung desselben die schon seit langer Zeit ersehnte Reform auf dem Gebiete des Katechismus. Im Jnseratentheile unseres Blattes wird dieses zeitgemäße Werk öfters angekündigt. (Dasselbe ist im Verlage des Verfassers Pros. Spirago in Trautenau erschienen und von ihm direct zum ermäßigten Preise von 3 Mk. 20 Pf. zu beziehen.) St. Thomas von Aqnin und seme Lehre. Der hl. Vater, Papst Lco XIII., hört nicht auf, immer wieder auf die hohe Bedeutung der Lehre des hl. Tbomas, als des Fürsten der Scholastik, ausmerksam zu machen. Die andern großen Scholastiker, voran der seraphische Lehrer, der hl. Bona- vcntura, kommen dadurch gewiß nicht zu kurz. Im Gegentheil, je besser wir uns die Lehre des hl. Thomas aneignen, desto leichter wird nnS auch das Verständniß deö hl. Bonaventura und der übrigen großen Scholastiker werden. Denn wenn auch ein jeder von ihnen wieder sein eigenthümliches, mehr sozusagen äußeres, Gepräge hat, so stimmen sie dock im Wesentlichen durchaus überein. Zeigt sich darin dock so deutlich und gewissermaßen greifbar, daß sie lebendige Träger der bl. Ueberlieferung, durchaus würdige Nachfolger der hl. Väter sind. Die Lehre des hl. Thomas ist so recht die echt scholastische. Und diese Lehre erachtet Papst Lco XIII., ivie unter andern Papst Sixtuö V. (Bulle Prlumpbautis, 1588), als gleich nothwendig zur Bekämpfung und Ueberwindung der Irrthümer aller 19L Zeiten, wie zum richtigen Verständniß der hh. Vater und der hl. Schrift. Betreffs der hl. Schrift insbesondere verweisen wir auf das letzte allgemeine päpstliche Rundschreiben „kroviäoutissiwus Dons", äs stuäüs Lerixtnras Lamas, vom 18. Novbr. 1893. Wiederholt weist uns da der hl. Vater, zum richtigen Verständniß der hl. Schrist, an den bl. Thomas, als sicheren Führer. Da lesen wir: ,,8oä nova et lastiara inoremsnta er äisoipüna, Asossssrs 8 allolastiovrum. tzui, stsi in germanam ver- sionis latinas leotionem stuäuerunt ingnirsre, conkoctagus ab ixsis Lorrsetoria didlica iä plane lestavtnr, plus tamsn stuäü inänstrlaegus in interpraetations st explanations eolloeavsrnnt. Lomposito snim äilnciäegus, niliil nt nrellns anten, saoiornm vsrboram sensns varir äistineti; cujnsgus ponäns in rs tstso- loZiea perpensnm; äeünitas lidrorum partes, arAvwsnta par- tinin; investi^ata soriptornin proposita; sxxlioata ssntsntiarum inter ipsas nscessitnäo ot oonnsxio: guidns ex rsdus nsmo uvns non vläet chüantnm sit luminis odseuiioribns loeis aämotnm. Ipsormn prastorea äs 8eriptnris lectam äoetrinas oopiam aä- inoänm proännt, tnm äs tsteoloZia lidri, tum in sasäsm eom- rnentaria; gvo etiam nomins Tkomas Lgninas inter- eos lradnit palmain. — .... Drnvt antem (snvenes aä stnäia didliea) optims eomxarati, si, gua dlosmotipsi Monstravimns et praosoripsimns via, pstilosopdias st tlreolozias institntionvm, soäsm8.Tllomaänos, rsliZioss colnerint psnitusgne xsrcepennt. Ita rsete inosäsnt, guum in re didlioa, tnm in ea tlreoloKias parto guam positivem nowi- nant, in ntragns laetissimv progeossuri." Wie schon öfter, besonders im Rundschreiben „Letsrni Datris" vom 4. August 1879 und im Sendschreiben an die Erzbischöfe und Bischöfe BayernS vom 22. Dezember 1887, betont auch hier wieder der hl. Vater die gründliche Schulung in der Philosophie und Theologie des hl. Thomas. Dieser wiederholten Mahnung und Vorschrift des bl. Vaters ist wohl, im Vergleich zu andern Ländern, in Deutschland und Oesterreich, auch im engern Vaterlande Bayern, bisher nicht allseitig und mit vollem Eiter entsprochen worden. Und doch sollte uns als treuen Söhnen der hl. römisch-katholischen Kirche der Wunsch und Wille unseres hl. Vaters durchaus maßgebend sein. Freilich geht der Zug der Zeit weniger zum ernsten, anstrengenden, ipckulativcn Denken, als vielmehr zu apologetischen, historischen, socialen u. dgl. Studien. Aber ist nicht gerade zu gedeihlichem und nachhaltigem, sowie vor Mißgriffen und sub- jectiven Schrullen gesichertem Wirken auf diesen Gebieten eine gründliche philosophische Durchbildung unerläßlich? Darum eben Weist Papst Leo auch in dieser Hinsicht immer wieder deutlich hin auf die durchaus zuverlässige, echt katholische Lehre des hl. Thomas. Der trügerischen Weisheit, mit welcher die geoffenbarte Wahrheit bekämpft wird, stellt sich in der echt thomistischen Philosophie eiste ihr überlegene Wissenschaft entgegen. Diese allein befähigt auch den Apologeten, jenen Feinden des katholischen Glaubens, welche sich von der Vernunft nur leiten zu lassen vorgeben, zu zeigen, wie gerade der Glaube der Vernunft gemäß ist und von ihr geboten wird (vgl. Rundschreiben „Leterni Deckels"). DaS System des hl. Thomas ist aufgebaut auf der richtigen Bestimmung dcö Verhältnisses der natürlichen und übernatürlichen Ordnung, der Statur und Gnade. Und eben deshalb enthält es den genauen wissenschaftlichen Ausdruck des Christenthums und seiner göttlich übernatürlichen Kraft. Nur durch diese wird das Wohl der Gesellschaft gefördert. Nur durch die echt christliche, thomistische Philosophie wird die Falschheit dcö modernen Rechtes aufgedeckt und seine Verderbnis abgewehrt. Gerade diese Philosophie zeigt uns in ihrem wahren Lichte und in ihrer ganzen Kraft die dein göttlichen Willen entsprungene feste Rechts- und Gesellschaftsordnung, welche der Willkür und Gewaltherrschaft von oben und unten gleichmäßig Schranken auferlegt. Nun aber, wo ist die wahre thomistische Philosophie zu finden? Der hl. Vater sagt es uns ausdrücklich im Rundschreiben „Letsrni Latris" - Deovläets, eck sapleickia Uromas ex ipsis ejas kontidus lururtatur, and saltem ex üs Avis, guos ab ipso kante äeäuctos aälruo iickegros ot illimes äeourrere esrta ot concors äootorum liominum sontentia sst; oeä ab üs gui exinäs üuxisse äremrtur, rs antem alrenis st non saludrürus aguis orovsrnnt, aäolssosntium auiwos areeväos anrate." Gründliche Kenntniß der Lehre dcö Aquinaten als eines systematischen Ganzen geht uns Deutschen zumal noch gar viel ab. Diese können wir aber nur gewinnen durch eifriges Studium der Werke des hl. Thomas unter Anleitung und Führung solcher Männer, welche dessen Lehre gründlich kennm. Offenbar bietet uns da die beste Bürgschaft die eigentliche Thomisten- schulc. Zu dieser Schule zählen auch die Mitarbeiter des für seinen Zweck ausgezeichneten „Jahrbuchs für Philosophie und spekulative Theologie", herausgegeben von Dr. Ernst Commer, o. ö. Professor der Theologie an der Universität Breslau, literarisch vor allem wohlbekannt durch sein treffliches „System der Philosophie" (4 Abtheilungen). Mit Juli d. Js. beginnt daS Jahrbuch bereits seinen 9. Jahrgang. Um den bei der Gediegenheit und schönen äußeren Ausstattung gewiß geringen Preis von 9 Mark, jährlich in 4 Heften, ist dasselbe durch den Buchhandel zu beziehen. Den Verlag hat die Firma Ferdinand Schöningh in Paderborn, Westfalen, welcher die Ausstattung alle Ehre macht. Das beste Zeichen der Empfchlenswürdigkcit dieser thomistischen Zeitschrift ist wohl das Zeugniß der wissenschaftlichen Gegner derselben. Wiederholt schon waren diese gezwungen, sämmtlichen Hauptmstarbeitern des-Jahrbuchs ihre gründliche Kenntniß der Scholastik, insbesondere des hl. Thomas und aller seiner Werke, zuzugestehen. Unter den Abhandlungen des 8. Jahrganges heben wir zur näheren Kenntiüßuahme der werthen Leser folgende hervor. Bereits im 7. Jahrgang begann eine Reihe von Abhandlungen unter dem Titel „Huasstiaues guoälibetales". Der Verfasser, R. k. Thomas Esser, Orä. Deasä., Professor der Theologie an der katholischen Universität Freiburg in der Schweiz, eröffnete damit eine eigene Abtheilung. Diese ist dazu bestimmt, die häufiger vorkommenden scholastischen Grundsätze zu erklären, die wichtigeren Kunstausdrücke zu erläutern und alle jene Schwierigkeiten zu heben, welche dem weniger Geübten beim Lesen der aristotelisch-scholastischen Schriftsteller hinderlich sind. Im letzten Jahrgang wurde unter dieser Rubrik behandelt: „Ursache und Verursachtes". U. D. Gundisalv Felduer, Lieg. 8. Ideal. Orä. Draoä., als tüchtiger Theolog und Philosoph, ganz nach dem Sinne des hl. Thomas, durch mehrere Schriften, insbesondere auch über die Willensfreiheit, sowie Abhandlungen im Jabrbuch Vortheilhaft bekannt, behandelte die kotsntia obeäientialis der Kreaturen. Diese längere Abhandlung wurde veranlaßt durch die Schrift: „Ueber die Empfänglichkeit der menschlichen Natur für die Güter der übernatürlichen Ordnung nach der Lehre des hl. Augustin und des hl. Thomas von Anilin", don Dr. A. Kranich, SubrcgenS am Priestcrseminar rc. in Braunsberg. Manche irrthümlichc Auffassung des hl. TbomaS seitens Dr. Kranichs wird hiebet von D. Felduer gründlichst nachgewiesen. Aus derselben Feder stammt auch die gediegene Abhandlung: „Die Ncn-Thomisten", welche im letzten Hefte des 8. Jahrgangs begonnen hat und im 9. Jahrgang fortgesetzt wird. Veranlassung zu dieser Abhandlung ist das molinistischerseits so sehr angepriesene Werk LeS R. D. FrinS, 8. ll., „8t. Vüomas .4guluatls äoetriua äs cooperrckions Der oum omur ucckura oreata xraosertim üdera sie." Besprochen und als gewissermaßen ausschlaggebend hingestellt wurde dies Werk in der Passauer Monatsschrift, 1. Heft 1891, S. 14—25. Wer etwas sich in R. 1?. Dnmmermuths, 0.1?., Werk: „Draomotio pllxeroo.", sowie in Sckucider's „Wissen Gottes" (4 Bände, Mauz, NegcnS- burg 1881/86) umgesehen, mußte wohl über letztgenannte Besprechung stark die Achsel zucken. D. Duminermuth's Werk wurde seinerzeit von Pros. Morgott (Eichstätt) in zwei Artikeln cingchendst und rühmlichst besprochen im Litcrarischcn Haudweiser. Schneider's genanntes Werk zählt st Regens Schneid (Eichstätt) zu dem Besten, was die neuere Zeit in philosophischer und theologischer Beziehung auszuweisen hat (Jahrbuch, 1. Bd. S. 303). Hoffentlich gelten doch auch beide genannte Herren allgemein als literarisch urtheilsfähig. Ucbrigeus ist eS gewiß nicht ohne Grund geschehen, daß molinistischerseits Schucidcr'S Werk völlig todtgcschwiegen wurde. Wer objektiv urtheilen will, schaue sich auch solche Werke oder wenigstens die genannte Abhandlung des Jahrbuchs genau und ruhig an. Dies so nebenbei, der Wahrheit zum Zeugniß! Von den Artikeln des Kanonikus Dr. Michael Glvßncr (München) erwähnen wir: „Die Philosophie dcö hl. Thomas", Gegen Frohschammer (begonnen im 6. Jahrgang), 6. Art. Die GotteSlehre, 7. Die Naturphilosophie; „Der HerbnrtianiöiuuS rc." (vgl. Beilage der Postztg. 1894, Nr. 11 u. ff.); „Apologetische Tendenzen und Richtungen", begonnen bereits im 4. Jahrgang. Schneider'S: „Die Grundprinzipien des hl. Thomas und der moderne Socialismus" (4 Artikel, 8. Jahrgang) werden auch fortgesetzt. Von den Kritiken heben wir als besonders belehrend bervor die über: Tillm. Pcsch, 8. ll., Die großen Welträthsel; Gutbcrlet, Die Willensfreiheit rc. Doch genug der Empfehlung l Vor allem muß uns auch im Halten der Zeitschriften bestimmen der ausdrückliche Wunsch und Wille des hl. Vaters. Volts et legst 5. v. D. 192 Recensionen nnd Notizen. Bhagavadgita, das Licd von der Gottheit ins Deutsche übertragen von Fr. Hart mann. 8°, p. V-j-162. Braunsckwcig, C. A. Schwctschke 1892. M. 1,50. a Die „Bhagavad-g!la" d. i. Gesang (Offenbarung) des Erhabenen (des KriShna), eine Episode des indischen Niescnepos Mababharata, ist zwar nickt, wie Hartmann will, das „wichtigste, großartigste und erhabenste Bück, welches in der Welt existirt", aber doch nach der Ansicht aller, die „ihren inneren Werth erkennen" (und zwar besser als Hartmann), eine Perle der SanSkritliteratnr. Wir besitzen davon eine treffliche Ausgabe von Schlcgel-Lasscn mit klassischer Uebcrsetznng ins Lateinische (Bonn 1846), sowie eine ausgezeichnete Verdeutschung von Bcxbcrgcr und einen sachlichen, sehr gelehrten Commcntar von F, Lorinser, dem 1893 in BreSlau verstorbenen Domherrn und Polyhistor (BreSlau 1869), der uns inbaltlich jeden nur wünschenSwcrtbcn Ausschluß gibt und auch die christliche Literatur in reicher Fülle zur Verglcickung beranzieht, mehr, als uns probabel scheint. Wärmn nun gleichwohl Hartmann in großer Bescheidenheit sich „bereit finden" hat lassen, eine neue Ueber- sctzung zn fabrizircn, wird dem Leser erst begreiflich, wenn er die Anmaßung deS „theosophischen" Standpunktes würdigt, von dem aus der Uebcrsetzcr das Werk allein richtig erklären will. Dieser Standpunkt aber ist zu finden in der „theosophischen Gesellschaft", um die sich ein hysterischer Blaustrumpf Blavatzky am meisten verdient gemacht hat; diese Leute, welche in Wirklichkeit nichts verstehen, tragen die Aster Weisheit ihrer auf eigene Faust „gotthcitcludcn" Hirngespinste in die indische Literatur b nein und gebe» jene dann als deren wahren Sinn auS, ein System von Fälschung schlimmster Art. Vorliegende „Er- läutcrnng" der Bhagavadgita mag als abschreckendes Beispiel gelten, denn sie ist ganz im Sinn jeirer Bestrebungen gehalten; Wir können nnr warnen vor diesem Machwerk. Daö Studium der so durchsichtigen, fciugcbildetcn und unfaßbar reichen SanSkritsprache gewährt dem Geiste eine hohe Befriedigung und ist auch wichtig genug; aber Hartmann versteht nichts davon. Es ist allerdings keine Schande, nicht Sanskrit zu können, aber dann lasse man die Hand von der Bhagavadgita und gebe sich nickt den Anschein eines UebersetzcrS. Schon dem Laien mag der Leichtsinn auffallen, womit die Eigennamen mißbandclt sind. Orthographien, wie „Kuntibodscha" oder „Gnana Noga", ferner die Erscheinung, daß ein und derselbe Name (z. B. Ärdschuna) auf verschiedene Weise (auch „Arjuna") geschrieben steht (je nachdem natürlich der „Uebcrsetzcr" ein deutsches, englisches oder französisches „Original" abgeschrieben), beweist hinlänglich seine Unfähigkeit; wer übrigens (u. zw. öfter) „das LogoS" sagt, wie Hartmann, mag sich das Schulgeld vom Gymnasium zurückgeben lassen. Die Anmerkungen sind einfach eitel Gefasel. Iiokmau, Radios: Texto Krads snivi ä'uu äietionnairs äs tous los rnots xar H.. 6ir ördonusau. 12° x. 6-j-92. Paris, Uaolrstto 1893. Po. 2,00. k Die Fabeln des weisen Lokman gehören zn den Welt- büchern und bilden zugleich die ersten Versuchsobjekte für Anfänger im Arabischen; venn sie bieten kurze und leichte und doch zusammenhängende Lescstücke, obwohl die Sprache gewiß nicht mustergiltig ist. Das Beste wäre nun freilich aus der jetzt vergriffenen, mit wunderbarer philologischer Genauigkeit gearbeiteten und mit Lexicon versehenen Ausgabe von Noediger (Halle 1839), welche daS vollständige kritische Material bietet, eine billige Schulausgabe zu veranstalten; da dies aber nicht geschehen ist, nehmen wir auch mit obiger sehr billigen und gut ausgestatteten Ausgabe gerne vorlieb, die vielfach die leichteren Lesearten auS den Varianten ausgewählt hat und ein Wörterbuch nicht nur der Wurzeln, sondern auch der schwierigeren Wortformen enthält. Wer noch mehr Erleichterung wünscht, kann auch eine zweite Ausgabe mit (sehr ungeschickt wicder- gegcbencr) Transcription des Arabischen, sowie mit doppelter Uebcrsetznng, einer wörtlichen und einer freiern (Jr. 3,00) erhalten. _ „Das wahre Glück der christlichen Ehe" von Friedrich F. Pcsendorfer, Stadtpfarrcoopcrator in Wels, so lautet der Titel eines kleinen Büchleins, daS in der Dorn'scben Buchhdlg. (Albcr u. Hänle) in Navensburg erscheint. Preis 50 Pfg. Ein kleines Büchlein, und doch enthält cS so viel Belehrendes l ES gibt den Begriff der christlichen Ehe, zeigt die Nothwendigkeit einer ernsten und gründlichen Prüfung und Vorbereitung auf den Ehestand, von welchem das Wohl und Wehe deS ganzen Lebens, ja der Ewigkeit abhängt; es gibt treffliche Winke einer erfahrenen Mutter für die Brautschau; betont tiefwurzelnde Frömmigkeit und wabre Gottesfurcht als die erste Grundbedingung zum Eheglück, verlangt von einem christlichen Manne vor allem gutes Beispiel nnd von einer Hausfrau Gehorsam, Nachgiebigkeit, Geduld, Vertrauen, Häuslichkeit, Einfachheit, Nächstenliebe und Gottesfurcht, und in einem eigenen Kapitel erörtert eS noch die Behandlung der Dienstboten im Hause — überaus richtig und zeitgemäß! Schließlich enthält eS noch einige Blätter für die Familienchronik, in welcher Familien- ereignisse freudigen und traurigen, kirchlichen und weltlichen Charakters eingetragen werden. In der That ein Belehrungsbüchlein für Braut- und Ehelente! Und wer die Winke nnd Rathschläge befolgt, der wird eine glückliche Ehe eingehen und glücklich in der Ehe lebe», der wird sein Ziel, den Himmel, sicher erreichen — und das ist der Zweck, zu dem dieses Büchlein geschrieben, wie der Verfasser selber bemerkt. Dieses Büchlein verdient daher mit Recht die beste Empfehlung, also nimm und lies und befolge es. _ Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1894. Zehn Hefte M. 10.80. — Freiburg im Vrcisgan. Herdcr'sche Verlagshandlung. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt deS ö. Heftes: „Thier-Ethik." (V- Cathrein 8. 3.) — Italienische Grabdenkmäler. II. (Schluß.) (St. Beissel 8. 3.) — Die Beziehungen der Nationalökonomie zur Moral und zn den Gesellschaftswissenschaften. (H. Pesch 8. 3.) — Dechant Stanley und die liberale Strömung im Anglicanismus der Gegenwart. (A. Zimmermann 8. 3.) — Blüthen hellenischer Hymnodie. (G. M. DrevcS 8. 3.) Recensionen: Schanz, Die Lehre von den hl. Sacra- menten der katholischen Kirche (A. Lehmknhl 8. 3.); Probst, Liturgie des vierten Jahrhunderts und deren Reform (St. Beissel 8. 3.); Elser, Die Lcbre des Aristoteles über das Wirken GottcS (K. Frin 8. 3.); Macke. Vom Nil zum Nebo (A. Baum- gartncr 8. 3.) — Empsehlenöwcrthe Schriften. — Misccllcn: Angeblicher und wirklicher Ursprung der Darstellung nnd der Verehrung der sieben Schmerzen Mariä; Eindrücke vom Vaticanischen Concil; Geschichtliches und Statistisches über den Prämonstratenserordcn; Gegen die Theorien Lambrosos; Zur Beurtheilung Büchners. Miscellen. (Ueber daö Veilchenaroma) haben Pros. Ferdinand Tiemann und Dr. P. Krüger Untersuchungen angestellt, über deren Ergebniß sie im neuesten Heste der Sitzungsberichte der Berliner Akademie berichten. Es ist ihnen gelungen, aus der sogenannten Veilchenwurzcl d. h. der Wurzel der Schwertlilie (Iris), die ja bekanntlich auch den charakteristischen Veilchen- geruch zeigt, den Riechstoff zu isoliren. Es ist ein Methylketon von der Formel den die Entdecker zur Erinnerung an seine Herkunft Jron genannt haben. Einen ganz ebenso zusammengesetzten (isomern) Keton gewannen sie auf synthetischem Wege auS dem Cilral, einem im Ciironenöl enthaltenen und überhaupt in wohlriechenden Pflanzen öfter vorkommenden Körper. Diesen zweiten Dintstoff nannten sie Jonon (von Ion — Veilchen). Sein Geruch stimmt fast genau mit dem deS Jrous überein, ist nur etwas milder und erinnert mehr an den der blühenden Veilchen. Die Entdecker nehmen an, daß in den Veilchcnblüthen ebenfalls Jonon oder Jron oder eine Modifikation eines dieser beiden Stoffe vorkommt. Die Untersuchungen sind aus dem Grunde schwierig, weil sowohl in den Veilchen als auch in der JriSwurzcl sich nnr ganz geringfügige Mengen des Riechstoffes vorfinden. Zur Beschaffung deS für die Untersuchung nötigen Materials war daher ein Großbetrieb nothwendig. Zwei Firmen in Holzminden und Paris haben die fabrikmäßige Herstellung der Ansgangöstoffe übernommen und dagegen die Nutznießung der Ergebnisse der Arbeiten erworben. Die Untersuchungen werden fortgeführt, und wenn eS auch bisher neck nicht gelungen ist, das wirksame Prinzip aus den Vcilchcnblütkcn zn gewinnen, und das Jron neck nicht synthetisch dargestellt worden ist, so kann man doch im Vertrauen auf die Gcschicklickkeit unsrer Chemiker annehmen, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo der echte Duftstoff der Veilchen künstlich hergestellt wird. des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg. Jerantw- Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag