Von Jerusalem nach Beyruth. Von vr. Seb. Euringer. Am letzten April verließ ich mit meinem Dragoman Michael Schaia, denselben, der mich nach Sinai führte, und einem Mucker (Stallknecht), der mein Gepäckmaulthier ritt, Jerusalem, um durch das Cedronthal nach dem alten, berühmten Kloster St. Sabba zu reiten. Nach drei Stunden ging es bergauf, einem alten Wachtthurm, der, den Quadern nach zu schließen, aus dem Mittelalter stammt, zu. Hinter diesem Wachtthurm, an den beiden Abhängen eines kurzen, aber tiefen Seitenthales, liegt das Kloster, ganz von Mauern umgeben; auf der andern Seite des Seitenthales steht ein zweiter Wachtthurm. Ein griechisches (schismatisches) Kloster ist nicht ein einzelnes Gebäude, sondern ein Conglomerat der verschiedensten Häuser und Hütten, die meistens als Rückwand den nackten Felsen oder eine Felsengrotte haben. Denn ursprünglich lebten die Mönche in Höhlen; später wurden diese Höhlen durch Borbau einer Mauer oder eines Hauses gegen die Witterung geschützt, noch später baute man Klöster ohne Grotten. Da nun die verschiedenen Hütten und Häuser sich dem Felsen anpassen müssen und aus verschiedenen Zeiten stammen, so hat man ein Gewirre von Wohnungen, das gar nicht besonders anziehend ist, sondern an das deutsche Viertel in Frciburg erinnert. Fast sämmtliche Zellen schauen auf das schauderhaft öde, in großen, tief einschneidenden Windungen verlaufende Cedronthal; einige Stunden und wir sind am todten Meere. Aber mich zieht es nach dem Süden und Westen von Palästina. Zu sehen ist außer der Lage in grauenhafter Gebirgsöde und außer dem Kirchlein nicht viel. Man zeigt eine Grotte, in welcher der hl. Abt Sabba, den auch wir Katholiken verehren, gelebt hat. Eine kleine Nebenhöhle war von dem Löwen des Heiligen bewohnt. Dieser Löwe wollte nämlich die Grotte in Anspruch nehmen, die dem hl. Abte zum Aufenthalte diente, aber der Heilige wies ihm die Nebengrotte an, und beide lebten friedlich miteinander. Der Leib des Heiligen ruht in St. Markus in Venedig. Hier wurde der hl. Kirchenvater Johannes Damascenus zum Priester geweiht, das Kloster ist mehr als tausend Jahre alt. Von da nach Bethlehem in drei Stunden, wo ich die Nacht verbrachte und am andern Tag in der Grotte des hl. HIeronymus celebrirte. Der Weg nach Hebron, der Stadt Abrahams, ist guter Weg; an demselben liegt die Quelle Dirwe, wo der hl. Philipp den Kämmerer der Königin Kandaka von Abessynien getauft haben soll. Ungefähr eine Stunde vor Hebron, 300 Schritte links vom Wege, stehen zwei Mauern aus mehreren Meter langen Quadern, welche ohne Mörtel zusammengefügt sind. Man weiß nicht, wozu dieses Gebäude diente, aber es ist von entschieden hohem Alter und steht an der Stelle, wo die drei Engel den Erzvater besuchten. Hier standen einst die Eichen von Mamre, welche eine neuere Tradition nach Hebron verlegt hat. Hier nahm ich mein Mittagsmahl ein und gedachte Abrahams, wie er in der Mittaghitze unter der Thüre seines Zeltes saß und den Besuch der Engel empfing. Hier in der Nähe haben auch die Kundschafter die große Traube abgeschnitten. Am Abend gegen 4 Uhr kam ich nach Hebron, durchritt die gedeckten Bazare und schaute die Moschee Haram esch Scherif von außen an. Sie birgt die Gräber Abrahams, Jsaaks und Jakobs, Sarahs, Ne» bekka's und Lea's. Aber dem Christen ist der Eintritt in die Moschee bei Todesstrafe verboten. Ueberhaupt ist die Stadt Hebron die fanatischste aller Städte in Palästina. Um ohne Beschimpfung die Stadt ansehen zu können, muß man türkische Soldaten als Begleitung mitnehmen. Die Stadt ist nur von Juden und Muhammedanern bewohnt. Christ kann sich dort keiner niederlassen. Von außen ist nicht viel an dieser berühmten Moschee zu sehen, das Mauerwerk stammt aus dem 12. Jahrhundert. Ich hatte Hebron schon im Januar gesehen und wiederholte jetzt noch einmal das Gesehene. In einem Judenhause (spanische Juden) übernachtete ich. Am andern Tage nahm ich von der mit ihren Kuppeldächern und thurmartigen Häusern echt orientalisch aussehenden Stadt Abschied, um nach Bet Dschibrin zu reiten. Dieser Ort ist durch seine Grotten berühmt. Im ganzen Umkreis des Dorfes ist der Boden voll zahlreicher, meist mit Gebüsch verdeckter Oeffnungeu, welche die Luft- und Nauchlöcher der darunter befindlichen Höhlen waren. Manchmal bildet der Höhenzug mehr oder minder große Kessel, in welche man hinabsteigen kann. Ist man am Boden eines solchen KcsselS, so findet man an verschiedenen Seiten Eingänge zu ca. 10 m hohen gewölbten Grotten, welche von Menschenhand geschaffen oder erweitert sind. Die Spitze der Grotte ist meist weggemeißelt und dadurch ein 1 m breites Loch entstanden, das Licht und Luft zuläßt. Die Grotten stehen gruppenweise mit einander in Verbindung. Eine Grotte ist besonders interessant, da in ihr 4 Wendelstiegen auf den Grund führen; man hält diese 4 runden Räume für Cisternen. Diese Grollen, die mich an jene natürliche von St. Kanziau erinnerten und die ein Pendant in der „Nekropole" von Tyrus haben, scheinen Begräbnis;- und zeitweise auch Wohnstättcn gewesen zu sein. Für die letztere Ansicht ist der hl. Hieronymus und Enscbins. Den folgenden Tag besuchte ich einige Orte von geringerem Interesse. Freitags 11 Uhr kam ich nach Gaza, wo ich beim dortigen Missionär Don Gatt, einem Tiroler, abstieg und mein Mittagessen einnahm. Dieser Missionär hat diese Station vor 15 Jahren selbst gegründet und für sie in Deutschland, auch in Augsburg, Almosen gesammelt. Der hochw. Bischof Pankratius gab ihm mehr als 1000 Mark. Es sind 60 Katholiken in der Mission. Gaza ist eine der größten Städte der Philister gewesen; hier hat Samson die Stadtthore aus- gehoben und aus den Berg Mnntar getragen. Die große Moschee war einst katholische Kathedrale. Die Stadt ist ganz orientalisch und hat schöne Oelbaumgärten, die gerade in Blüthe standen. Nachmittags ging es weiter nach Askalon. Wir begegneten einer Unzahl von Kamelen, welche in einzelnen Herden, jede vielleicht zu 50 Stück, an uns vorüberzogen. Diese Thiere kamen von Bagdad, also vom Euphrat- und Tigrisland, und gingen nach Aegypten, das ist ein Weg von über zwei Monaten. In Aegypten werden sie verkauft. Es dämmerte bereits, als wir das Meer rauschen hörten, und eine halbe Stunde später saß ich in meinem Zelte. 210 Askalon ist sehr oft zerstört worden; die jetzigen Trümmer stammen aus dem Mittelalter. Askalon bildete mit seinen Manern einen Halbkreis, der jetzt noch gut zu erkennen ist; gewaltige Mauerreste und Säulenfrag- mente liegen umher; sogar die alte Hafenbefestigung läßt sich noch erkennen. Das Innere des Halbkreises, wo einst die Stadt stand, von der noch Trümmer und an 40 sehr schöne Cisternen vorhanden sind, ist mit fruchtbaren Garten angefüllt. Von dem Ostwall, wo mein Zelt im Schalten eines alten Thurmes stand, hatte ich eine schöne Uebersicht über die Ruinen, die Gärten und das Meer. Nach drei Stunden langem Ritte erreichte ich das Dorf Esdnd, das Asdod der Bibel, wo einst die geraubte Bundeslade im Tempel des Gottes Dagon in den Zeiten Heli's aufgestellt war. Gerade als wir am Eingänge des Dorfes anlangten, fing es zu regnen an. Wir wollten das Mittagsmahl einnehmen und waren gerade im Begriffe, ein Haus aufzusuchen, als unser Blick auf ein mitten in einer Wiese stehendes leeres Zelt fiel. Es war ein ganz europäisches Zelt, ganz leer, und weit und breit Niemand zu entdecken, der der Besitzer sein könnte. Mein Dragoman und ich setzten uns also darin fest und ließen den Regen Regen sein und schmausten gemüthlich. Als ich mit dem Essen zu Ende war, hörte auch der Regen auf, und wir zogen weiter. Vom Besitzer dieses Zeltes habe ich nie etwas gesehen und gehört. Das ist doch alles, was man verlangen kann, zur rechten Zeit, am rechten Ort ein komfortables Zelt, ohne Hand oder Fuß rühren zu müssen. Der Neste aus dem Alterthum find hier wenige, d. h. wenn man graben dürfte, würde man viel finden. Ein Fellache zeigte mir z. B. eine hübsche Handmühle aus Marmor, welche er beim Bau seines Hauses gefunden; ein schöner römischer Sarkophag liegt beim Dorsbrunnen re. Eine Stunde später wurden meinem Pferde die Fliegen zu lästig, und es legte sich auf den Boden und wollte sich wälzen. Da ich gerade Brevier betete, merkte ich es nicht frühzeitig genug, und Brevier und ich wurden nach links ins Gras befördert. Geschehen ist sonst nichts, ich suchte mein Brevier und stieg wieder auf, steckte aber Las Brevier ein, damit mir nicht noch einmal der Gaul einen Streich spiele. Als die Sonne am Untergehen war, kamen wir nach Sebna, wo früher eine berühmte Rabbinerschule sich befand. Es liegt am Abhänge eines kleinen Hügels, der frei aus der Ebene emporragt und mich ganz an Wallerstein erinnerte. Die Aehnlichkeit ist um so größer, weil die Moschee, eine alte Kirche, noch den Kirchthurm bewahrt hat. Da das Gepäck und Zelt anf kürzerem Wege direkt von Askalon nach Akir gegangen war, mußten wir weiter, obwohl die Nacht anbrach. Kein Fellach wollte uns führen, vor der Nacht haben Beduinen und Fellachen den gleichen Respekt; so suchten wir den Weg selbst. Nach einer Stunde war es so dunkel, daß man nur wenig erkennen konnte. Zum Glück hatte uns der Koch Leute entgegengeschickt, allerdings ohne Laterne, und diese brachten uns an den Lagerplatz. Dieser lag gerade an der Stelle, wo das alte Ekron mit seinem Beelzebubtempel ehemals stand. Im Süden davon liegt eine Judenkolonie, welche infolge der Austreibung derselben aus Rußland entstand; dort widmen sich die Juden dem Ackerbau; wie lange? Der nächste Tag war Sonntag. Am Morgen ritt ich bis Namleh, wo ich im Franziskanerkirchlein celebrirte. In Namleh ist eine große, zerfallende Moschee, ehemalige Kirche der 40 Märtyrer, mit sehr schönem Thurme. Eine halbe Stunde davon entfernt liegt Lydda, jetzt Lud, mit dem Grabe des hl. Georg; in Lydda hat der hl. Petrus einen Gichtbrüchigen geheilt. Den Weg von Lydda nach Jaffa legte ich am Nachmittag zurück und kam aus dem Philisterland ins Phönizierland. Das ganze Philisterland ist eine wunderbar fruchtbare Gegend und Ebene; die Viehzucht ist großartig. Wohin man schaut, Getreidefelder, man glaubt im Schwabenland zu reisen, so fruchtbar und so gut bestellt ist alles, ein großer Gegensatz zu dem steinigen Judäa. In der Nähe von Jaffa beginnen die Orangengärten mit ihrem saftigen Grün und goldenen Aepfeln, auch Holder blüht und Jasmin duftet. Der Zaun ist durch Kaktuspflanzen gebildet, deren gelbe Blüthen sich nicht übel ausnehmen. Kaum hatte ich mein Zelt beim Bahnhof betreten, so erhielt ich Besuche: Ein Araber wollte sich mir anschließen bis Beyruth, der wurde gleich gar nicht hereingelassen. Ein anderer kam ohne Erlaubniß, der wurde einfach hinausbefördert, und dann ein Landsmann, Vagabund. Letzteren hielt ich für einen Herrn von der deutschen Karawane und ließ ihn ein; wurde aber bald eines Besseren belehrt. Nach einer halben Stunde, als er keinen Pfennig von mir Herauspressen konnte, ging er. Der gute Mann hatte mir aber zu auffällig mein Zelt gemustert, mich über meine Sicherheitsmaßrcgeln zu deutlich ausgefragt, so daß ich dem Wetter nicht traute. Die Einrichtung des Zeltes wurde verändert, meine Koffer geschlossen und mein Dragoman mußte in meinem Zelte schlafen, da, wo zuvor mein Bett gestanden; die Koffer waren sein Kopfkissen. Meine Pferdeknechte mußten Wache halten, und vor und hinter meinem Zelte brannte eine Laterne. Mein Dragoman hatte Soldaten zur Wache verlangt, aber der Chef hat geantwortet: „Wir sollen nur unser Zelt selbst bewachen." Nette Regierung. Bei solchen Vorbereitungen konnte natürlich nichts gestohlen werden, und jeder Versuch dazu unterblieb auch. Jaffa oder Joppe ist die Stadt, von wo der Prophet Jonas sich nach Tharsus einschiffte. Hier hat der hl. Petrus in dem Hause beim Leuchtthurm (jetzt Moschee) gewohnt und die Vision empfangen von den unreinen Thieren in dem Tuch, das die Engel hielten. (Schluß folgt.) Gottfried August Bürger. Zu sei nein hundertsten Todestage nach seinem Leben und seinen Werken geschildert von A. G. (Schluß.) Wir sagten, Bürger sei verleumderischer Weise angeklagt worden. Die Anklagepunkte aber lauteten also: 1) er suchte weder die allerhöchsten landesherrschaftlichen Hoheitsrechte, noch die Gerechtsame der Familie gegen die Eingriffe ausländischer Nachbarn gehörig zu vertheidigen; 2) er vernachlässigte die ihm obliegende Justiz- und Polizeipflege gänzlich; 3) er Hütte die Kirchensachen in Unordnung gebracht; 4) er beobachtete in Ansehung der ihm anvertrauten Deposita nicht die strengste Ordnung; 5) er legte die Lehensrechnungen nicht zur rechten Zeit ab, fertigte die Lehensbriefe nicht gehörig aus und gäbe . dadurch zu Klagen und Beschwerden der Vasallen Anlaß. 211 Im Jahre 1784 nahm Bürger seine Entlassung, er war wieder frei, aber auch brodlos. Um sich seinen Lieblingswisscnschaften ganz widmen zu können, ging er nach Göttingen zurück, besorgte die Herausgabe des Musen- Almanachs und gab als Privatlehrer Borlesungen über Aesthetik, deutschen Stil rc., sodann gab er auch einigen Studierenden Privatunterricht. Etwas vorher hatte er „das Lied vom braven Mann" gedichtet, das ebenfalls bei der Knabenwelt guten Eingang gefunden hat und das einer Begebenheit entnommen war, welche in Verona spielte und deren Held der Graf von Spolverini war. Hier mag auch der „wilde Jäger" erwähnt werden, von dem Pröhle sagt: „Dieses Gedicht ist einigermaßen der Zwillingsbruder der Lenore, doch noch langsamer, als diese, entstanden (vermuthlich im Jahre 1785). Wie unter Bürgers erotischen Gedichten daS Hohe Lied, so ist unter seinen Balladen der wilde Jäger zwar nicht die vorzüglichste, aber diejenige, worin sein arbeitender Genius die vollsten und stolzesten Formen losgerungen hat." v. Schlegel ist voll des Lobes über dieses Lied. Etwas früher entstanden die „Weiber von Weinsberg", die leider durch eine bei den Haaren herbeigezogene Nohheit und durch mehrere unausstehliche Witzeleien entstellt sind. Ein Vers beweise dies: „O weh, mir armen Korydon! O weh mir! Die Pastores Schrien: Kyrie Eleyson! Wir geh'», wir gch'n kapores! O weh, mir armen Korydon! ES juckt mir an der Kehle schon." Zu erwähnen sind noch sein „Lied von der Treue", sein „Feldjägerlied", des „Pfarrers Tochter von Taubeu- hain", der „Naubgraf" und die „Entführung". Doch, wie ging es Bürger auf seinem neuen Posten in Göttingen S Nach dem Tode seiner hoch gefeierten (!) Molly ist er niedergeschlagen, wie vom „Blitze", und untröstlich, schreibt an seine Freunde ungemein lange und ungemein traurige Episteln und würde seine „Gedichte schwerlich im ganzen Leben wieder zur Hand nehmen, wenn ich mich nicht noch für etwas mehr, als meine armselige Person, zu interessiren hätte". Er mußte Brod haben für sich und seine Kinder. Im Winter 1787 hielt er öffentliche Vorlesungen über die kritische Philosophie, welche zahlreich besucht wurden. Doch stellte sich jetzt schon Krankheit ein und „belastet allzuoft die natürliche Kraft und Thätigkeit meines Geistes mit so drückenden Fesseln". Doch wurde es wieder besser, und er vollendete das „Hohe Lied" und gab eine zweite Auflage seiner Gedichte heraus. Ueber das „Hohe Lied", das seine Molly besingt, sagt Dr. Pröhle: „Das ganze »Hohe Lied' ist ein gewaltiges Schlachtlied der Liebe; der Kraft der Leidenschaft gegenüber verwandeln sich hier alle Hindernisse, welche das Leben ihr entgegenstellt, in feindliche Elemente, und durch Flammen und Wafferfluthen hindurch sehen wir den Dichter siegreich zu der Geliebten vordringen." Das ganze Lied ist überschwenglich gehalten, ganz Bürger! Seine dritte, unglückliche Ehe legte den Grund zu seinem schnelleren Tode: „die Kräfte meines siechen Körpers werden immer schwächer." Bereits im Oktober 1793 verhehlte er sich seinen Zustand nicht — die Lungenschwindsucht packt ihre Opfer unbarmherzig, und wenn sie auch einige Zeit mit den Kranken spielt, ihr Ausgang ist sicher. Er verlor längere Zeit vor seinem Tode die Sprache nahezu ganz, bis endlich der Tod selbst am 8. Juni 1794 ihn erlöste in einem Alter von nur sechsundvierzig Jahren, fünf Monaten und acht Tagen. An Vermögen hinterließ er wenig, und über das Wenige entstand ein Concurs-Verfahren; seine Freunde schössen etwas über dreihundert Thaler zu einem Monumente zusammen. Suchen wir noch Bürger als Menschen und Dichter kurz zu zeichnen! Er hatte viele Fehler, mußte sie aber auch mitunter schwer büßen. Verleitet von andern falschen Freunden, selbst ohne festen Halt, kam er auf sehr abschüssige Bahnen; dessenungeachtet aber hatte er auch sehr gute Seiten. Vor allem ist rühmenswerth anzuerkennen seine Freundschaft und seine Dankbarkeit gegen jede, auch die geringste Wohlthat- Seine Briefe, gesammelt von Adolf Strodtmann, welche nicht weniger als vier ordentliche Bände umfassen, sind vollgiltige Beweise hiefür. Er war sodann von großer Herzensgüte und großem Wohlwollen gegen jedermann, kannte keinen Groll und keine Gehässigkeit. So unterstützte er den Mann, der ihn seinerzeit verleumdet und ihn um seine Stelle gebracht, selbst mit wenigen Thalern, als er in's Unglück kam, und bettelte für ihn gegen hundert Thaler bei Freunden zusammen, die er dem Betreffenden sandte mit der Bemerkung, „daß meine Umstände kaum eine Gabe von einigen Thalern verstatten." Als Dichter kann Bürger nur durch sein Leben allein ganz verstanden werden. Da seinem Charakter die sittliche Würde fehlte, so war dies ein Haupthinderniß, ein wahrer Volksdichter zu werden; das Zeug hiezu hätte ihm nicht gefehlt, seine „Lenore" allein ist Beweis hiefür. Wenn auch Schiller seine Gedichte ungemein scharf re- censirte, was Bürger sehr schmerzte — er hat doch auch Gutes und Schönes geleistet. Die Worte Göthe's über Günther können wir auch auf Bürger anwenden: „er wußte sich nicht zu zähmen, darum zerrann ihm sein Leben wie sein Dichten", und Gödeke sagt über Bürger; „sein Leben selbst war ohne reine Poesie, und seine Gedichte, auch die Balladen, sind innerlich nicht geläutert". Es fehlte Bürger der „männliche" Geist, wie Schiller sagte. Doch ist nicht zu vergessen, daß nicht leicht ein zweiter Mann und Dichter stets so viel mit Nahrungssorgen zu kämpfen hatte, wie Bürger, so daß nicht vergessen werden darf der alte Satz: „insim sann in corpors sano," wenn der Körper hungert, kann sich auch der Geist oft nicht zur rechten einzigen Frische erheben. Immerhin bleibt noch manches übrig, das Bürger würdig macht, nicht vergessen zu werden, der Mensch für sich verdiente es trotz Fehler, mitunter schwerer Fehler, die man eben leichter gewahrt, als das Gegentheil, wie Bürger dies gar nicht übel sagt, indem er die Splitterrichter folgendermaßen apostrophirt: „Das freut mich doch, ihr Herren Falken, Die ihr. Gott weiß warum, erbost. So gern auf meine Fehler stoßt, Daß ihr nicht mehr ersteht, ihr Falken, Als Splitter nur von euren Balken." War Kaspar Häuser ein Betrüger? (Fortsetzung.) I. Zeugen für Kaspar Hausers Unschuld. «rr Die bei Meyer (Anth. Mittheilungen 1872), Daumer (Kaspar Häuser 1873), A. v. d. Linde (Kaspar Häuser 1887) abgedruckten Zeugenaussagen sind mit M., D., L. und der betreffenden Seitenzahl bezeichnet. ( 1) Andreas Hiltel, magistratischer Gefangenwärter des Thurms auf der Beste (— Luginsland) in Nürnberg, hatte Kaspar Häuser vom Tage seiner Ankunft in 212 Nürnberg, 26. Mai 1828, an dem er ihm zwischen 10 und 11 Uhr Nachts zur Beaufsichtigung übergeben wurde, bis zum 18. Juli 1828 in Verwahrung. Siehe dessen Verhör vorn 3. November 1829 und 12. Mai 1834 (M. 62 f. 64 s.). Am Schlüsse des letzteren äußert er: „Nur das muß ich noch beifügen, daß ich für meine Person fest überzeugt bin, daß Kaspar Häuser anfangs durchaus keine Hinterlist hatte, sondern daß er lediglich ein verwahrloster Mensch gewesen ist; denn es wäre ja unmöglich, daß Jemand einen so hohen Grad von Verstettungskunst besitzen könne." Der Werth dieses Zeugnisses ist um so höher anzuschlagen, als Hiltel von früher Jugend an mit den abgefeimtesten Spitzbuben und Bösewicktern zu thun gehabt (D. 149) und Kaspar Häuser (ebenso wie Nr. 2 und 3) gerade in der ersten Zeit seines Auftretens zn beobachten Gelegenheit und Auftrag hatte. 2) Polizcisoldat Joseph Blaimer in Nürnberg hatte Kaspar Häuser vom zweiten Tage seines Erscheinens, also vom 27. Mai 1828 an ungefähr sechs Wochen lang täglich auszuführen und insonderheit an öffentlichen Plätzen zu begleiten. Siehe dessen Verhör vom 29. Dezember 1829 und 10. Mai 1834 (M. 68 f. 69 f.). Am Schlüsse des letzteren äußerte er: „Uebrigens war Kaspar Häuser ein sehr gutmüthiger, reinlicher, ordentlicher Mensch, und mich hat er sehr gedauert. Manche Leute glaubten wohl, daß er sich verstellt hatte, allein ich war doch viel um ihn und glaube nicht, daß sich ein Mensch, wenn er auch noch so schlecht gewesen wäre, so lange hätte verstellen können." 3) Der kgl. Stadtgcrichtsarzt Dr. Paul Sigmund Carl Prcu in Nürnberg besuchte Kaspar Häuser auf Requisition des Magistrats Nürnberg bereits am 28. Mai 1828 und gab nach mehrtägiger Beobachtung am 3. Juni 1828 das Parere ab: „daß dieser Mensch weder verrückt noch blödsinnig, aber offenbar auf die heilloseste Weise von aller menschlichen und gesellschaftlichen Bildung gewaltsam entfernt, wie ein halbwilder Mensch erzogen worden, zur ordentlichen Kost nicht zu bewegen sei, sondern bloß von schwarzem Brode und Wasser lebe (M. 74). Vgl. dessen Gutachten vom 11. Nov. 1829 (übergeben auf Aufforderung des Untersnchungsgerichts Nürnberg) und den von ihm am 3. Dez. 1830 erstatteten Bericht über die Resultate einer auf Requisition des kgl. Kreis- und Stadtgerichts Nürnberg wiederholt vorgenommenen körperlichen Untersuchung des Kaspar Hanser (M. 134 f. 136 f.). 4) Der praktische Arzt Dr. Joh. Karl Osterhausen in Nürnberg lernte Kaspar Häuser ungefähr drei Wochen nach seiner Ankunft in Nürnberg kennen und hatte von da an häufig Gelegenheit ihn zu beobachten, zumal er ihn auch einigemale ärztlich behandelte. Siehe dessen gutachtlichen Bericht über die Resultate einer im Auftrag des kgl. Kreis- und Stadtgerichtsraths Frhrn. v. Rüder vorgenommenen genauen Untersuchung des Kaspar Häuser (M. 144 f.), welcher Bericht (übergeben am 31. Dez. 1830) mit dem vorgenannten des Dr. Preu in allem Wesentlichen übereinstimmt. 5) Stallmeister Wilhelm v. Numpler gab Kaspar Häuser während dreier Monate im Jahre 1828 unentgeltlich Neitunterricht; s. dessen Aussage vom 2. Nov. 1829 und 9. Mai 1834 (M. 177 f. u. 179 f.). 6) Der erste Bürgermeister Binder von Nürnberg, „als solcher Chef der städtischen Polizei", ließ Kaspar Häuser in den Monaten Juni und Juli des Jahres 1828 fast täglich in seine Wohnung bringen und stellte schon am 4. und 7. Juni 1828 eine Art Verhör mit ihm an. Ueber die Ergebnisse desselben siehe die Bekanntmachung Binders vom 7. Juli 1828 „einen in widerrechtlicher Gefangenschaft aufgezogenen und gänzlich verwahrlosten, dann aber ausgesetzten jungen Menschen betr." (M. 72 f.); vgl. auch die gemeinschaftlichen Berichte des kgl. Stadt- commiffärs Faber und Binders an die Regierung des Nezatkreises vom 25. Nov. 1828 und 20. Sept. 1829 (M. 181 f. u. 182 f.) und die von Binder am 18. Dez. 1833 in Nürnberg erlassene Todesanzeige für Kaspar Häuser (L. I, 358). 7) Professor G. Fr. Daumer am Gymnasium in Nürnberg lernte Kaspar Häuser Ende Juni 1828 kennen und war der erste, der ihm Unterricht ertheilte; am 18. Juli dess. Jahres nahm er ihn in seine Wohnung (Haus Nr. 1693 auf der Schütt, Nückgebäude, seit 1890 abgebrochen) auf, wo Kaspar Häuser bis zum Dez. 1829 verblieb. Daumer hielt bis zu seinem Tode (zn Würzburg 14. Dez. 1875) an der Unschuld des Kaspar Häuser fest, siehe dessen Schriften „Mittheilungen über Kaspar Häuser", 2 Hefte, Nürnberg 1832; „Enthüllungen über Kaspar Häuser" Frankfurt a. M. 1859; „Kaspar Häuser, sein Wesen, seine Unschuld, seine Erdnldungen und sein Ursprung", Negensburg 1873. 8) Gottlieb Frhr. v. Tücher, k. Kreis- und Stadt- gerichtsrathsaccessist in Nürnberg, lernte Kaspar Häuser noch im Juni 1828 kennen, wurde alsdann im Dez. 1829 von Gerichtswegen zum Vormund für ihn bestellt und nahm ihn im Mai 1830 in seine Wohnung auf, worin Kaspar Häuser bis zum Nov. 1831 verblieb. Siehe v. Tuchers Aufzeichnungen über Kaspar Häuser aus dem Jahre 1828 (D. 118 f.), seine Zeugenaussage vom 5. Dez. 1830 (M. 165 f.), seinen Bericht über den Charakter des Kaspar Häuser zu Protokoll gegeben am 20. Febr. 1834 (M. 257 f.). Auch v. Tücher hielt bis an sein Lebensende (er starb zu München am 17. Febr. 1877 als Oberappellationsgerichlsrath a. D. im Alter von 79 Jahren) an der Unschuld des Kaspar Häuser fest, siehe seine Erklärungen in der Beilage zur Augsb. Allg. Ztg. Februar und März 1872. 9) Dr. Fr. Bened. Wilh. Hermann, Professor der Mathematik am Gymnasium zu Nürnberg, beobachtete Kaspar Häuser im Jahre 1828 und fragte ihn über seine Vergangenheit aus (siehe seine Aufzeichnungen bei Daumer 107 f.). Ueber den Scharfsinn und die eminent praktische Tüchtigkeit dieses Mannes, der als Universitätsprofessor (für Nationalökonomie und Statistik), Mitglied der bayer. Akademie der Wissenschaften und kgl. b. Staatsrath zu München am 23. Nov. 1868 verstarb, kann nicht der geringste Zweifel bestehen. 10) Anselm Ritter v. Feuerbach, k. b. Staatsrath und Präsident des Appellationsgerichts in Ansbach, lernte Kaspar Häuser schon am 11. Juli 1828 kennen und veranlaßte sofort eine mehr methodische Untersuchung deS Findlings, siehe die amtlichen Schreiben des Ansbacher Appellhofs an die Kreisregierung in Ansbach vom 15. und 22. Juli 1828 (M. 86 f. 89 f.). Die Resultate seiner Forschungen auf Grund der Akten und persönlicher Beobachtung stnd in seiner Schrift: „Kaspar Häuser, Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen", Ansbach 1832, niedergelegt; vgl. noch seine Briefe an Elise von der Necke und Tiedge, Ansbach 20. Sept. und 213 13. Okt. 1828 (gedruckt in der Biographie A. v. Feuerbachs, welche Ludwig Feuerbach, Leipzig 1852, veröffentlichte, Bd. II, 272 f. u. 278 f.), ferner sein Schreiben an die verwittwete Königin Karoline von Bayern vom 27. Januar 1832 und das ihr überreichte Memorandum über Kaspar Häuser (gedruckt ebenda 316 f. u. 319 f.). 11) Dr. Ludwig Feuerbach, Sohn des Vorgenannten, bekannt als Philosoph; siehe dessen Aufzeichnungen aus den Monaten Juli und August 1828 bei D. 124 f. 12) Der k. Kreis- und Stadtgerichtsrathsaccessist in Nürnberg Rudolf Giehrl, Mitglied der wegen Mordversuchs an Kaspar Häuser am 17. Okt. 1829 eingesetzten Untersuchungscommission; siehe dessen Schrift: „Kaspar Häuser, der ehrliche Findling", Nürnberg 1830. 13) Pfarrer H. Fuhrmann an der Gumbertuskirche in Ansbach ertheilte Kaspar Häuser von Oktober 1832 bis Mai 1833 Confirmandenunterricht; siehe dessen Bericht über Kaspar Hausers Confirmationsfeier am 20. Mai 1833, ferner dessen „Trauerrede bei der am 20. Dez. 1833 erfolgten Beerdigung des am 14. dess. Monats meuchlings ermordeten Kaspar Häuser", beide gedruckt zu Ansbach 1833; „Kaspar Häuser beobachtet und dargestellt in der letzten Zeit seines Lebens", Ansbach t834. 14) Generalcommissär (Regierung? - Präsident) von Stichaner in Ansbach, mit dessen Tochter Lila von Stichaner Kaspar Häuser viel verkehrte, wie er ja überhaupt in der vornehmeren Gesellschaft von Ansbach, namentlich bei den Damen und in Offizierskreisen, beliebt war. Präsident v. Stichaner ist der Verfasser der bekannte Inschriften auf dem Grabmal des Kaspar Häuser und auf dem Denkmal im Hofgarten. Gleich günstig, wie er, urtheilte über Kaspar Häuser Hofrath Hofmann in Ansbach, der nach dem Tode des Präsidenten Feuerbach die Oberaufsicht über Kaspar Häuser übertragen erhielt; siehe dessen Briefe an Staatsrath L. v. Klüber, D. 457 f., L. I, 292 f., 368 A. 1 u. a. m. Was bedeutet solchen Zeugen gegenüber die Kritik eines Berliner Polizeiraths Merker, der Kaspar Häuser nie gesehen, sondern seine ganze Kenntniß von ihm aus fremden Berichten geschöpft hatte, ihn aber nichtsdestoweniger zu einem Betrüger stempeln wollte (siehe seine Schrift: Kaspar Häuser nicht unwahrscheinlich ein Betrüger. Berlin 1830). Mit Fug und Recht konnte R. Giehrl (s. oben Nr. 12) entgegnen (S. 44): „Hätte Herr Merker den Unglücklichen auch nur ein Einzigesmal gesehen oder gesprochen, der Herr Polizeirath hätte seine jüngste Broschüre gewiß nicht geschrieben."*) Dennoch war es gerade diese Schrift, welche die nun folgenden Zeugen gegen Kaspar Häuser einnahm. (Fortsetzung folgt.) Die Todeslinmeldungen. Ein Streifzug in das „Nachtgebiet der Natur". Von k. F.. 0. 8. §r. (Fortsetzung.) Um solche, höchst glaubwürdige Berichte in ihrem Werthe zu schwächen, wenden die Nachbeter des modernen StoffglaubenS ein: „Schon oft ward von wunderbaren Vorkommnissen berichtet, welche sich nachher als Produkte einer überreizten Nerventhätigkeit darstellten. Es werden also wohl auch die besprochenen „Spukgeschichten" auf *) Zu schweigen von dem Kopenhagener Philosophieprofessor Fr. Daniel Eschricht, der in ihm gar einen „Idioten" entdeckte (1657). unregelmäßige Zustände des Nervensystems zurückzuführen sein." Wahr ist hier allerdings, daß es gestörte Nervenzustände geben kann, in welchen der Mensch rein innere Phantasie-Gebilde wie äußerlich vor sich gehende erblickt, d. h. überhaupt mit den Sinnen wahrzunehmen glaubt. Infolge allzu angestrengter Thätigkeit der Nerven erlangen die gewöhnlichen Vorstellungen der Seele einen höheren Grad der Lebhaftigkeit, so daß der Mensch schließlich äußerlich zu sehen und zu hören vermeint, was sich lediglich in seinem Innern abspiegelte. Als ein treffendes Beispiel mag hier der Reformator Dr. Martin Luther gelten. Schon nach wenigen Jahren, seit Luther begonnen hatte, „das lautere Evangelium" zu predigen, tauchten in seinem Innern der Zweifel, Beängstigungen und Gewissensvorwürfc viele auf. Des Reformators leidenschaftlich erregte Nerventätigkeit ließ ihm diese rein inneren Vorgänge äußerlich als Angriffe des leibhaftigen Satan erscheinen. So wissen wir, daß Luther auf der Wartburg den bösen Geist der Hölle oft in Gestalt eines Menschen kommen sah und dann mit ihm disputirte; einmal soll er ja sogar in der Erregung das Tintenfaß nach dem Widersacher geschleudert haben. „Mit mir ist's also, bekennt der Reformator selbst, wenn ich Nachts erwache, so kommt der Teufel alsbald und disputirt mit mir und macht mir allerhand seltsame Gedanken". Ein andermal behauptet „der theure Gottesmann": „Der Teufel zieht zuweilen eine Larve an, wie ich selbst gesehen habe rc." Luther spricht von diesen „visierlichen Teufeln" so lebhaft, daß man meinen könnte, er rede von. wirklichen Erscheinungen; wir Katholiken haben schließlich auch keinen Grund, ihm diese Erscheinungen als wirkliche und wahre streitig zu machen, allein nach der allgemeinen Ansicht der Geschichtsforscher sind diese Vorkommnisse einzig und allein als Produkte äußerster Nerventätigkeit anzusehen. Eine solch' krankhafte Nervenüberreizung erzeugt nach der wissenschaftlichen Benennung „ Halluzin ationen". Diese Halluzinationen treten besonders häufig bei einer mehr zur Schwermüthigkeit stimmenden, in sich zurückgezogenen Lebensweise ein; mitunter finden sie sich auch bei einem ganz normalen Lebensgang. „Mit dem Begriff der Halluzination bewaffnet, vermag uns, rief vor mehr als 40 Jahren ein moderner Naturforscher triumphirend aus, keine übernatürliche Erscheinung mehr in Staunen, kein Gespenst mehr in Schrecken zu versetzen ; denn höchstens, wenn es nicht natürlich ist, ist es Halluzination." Dieses vorlaute Wort mag vielleicht hinsichtlich einer gewiß kleinen Anzahl von Todesmeldungen Geltung haben, aber bei den meisten Leuten, welche solche Begebenheiten erlebten, fehlte wohl schon die eigentliche Grundbedingung für eine Halluzination, nämlich ein träumerisches Leben, überreizte Nerventhätigkeit. Gewöhnliche Menschenkinder können im Dränge des Alltagslebens nicht leicht dem Phantasieren und Träumen nachhängen. Denken wir hier zurück an die angeführten Beispiele, so sind in den beiden ersten Fällen Männer Träger des Vorganges, welche streng wissenschaftlich thätig, also gewiß jedem leeren Phantasiespiel unzugänglich waren. Desgleichen zeigten sich in den übrigen Thatsachen die Personen keineswegs als Anhänger eines schwärmerischen Lebens, sie standen vielmehr, wie meistens, mitten im wechsel- vollen, geschäftigen Treiben. Woher soll da eine Halluzi» nation kommen, da zudem jene Personen gar nicht an jene sterbenden Personen dachten; wie sollten sie da eine innere Vorstellung, die nicht vorhanden ist, lebhaft in die 214 äußere umsetzen können?! Aber selbst wenn man zufällig an die sich anmeldenden Personen dächte, so würde man sich dieselben sicherlich nicht so vorstellen, wie sie bei der Todesanmeldung wirklich auftreten oder handeln; man denke z. B. nur an Marsilius Ficinus! Ein solches Zusammentreffen unserer willkürlichen Phantasiethätigkeit mit der Wirklichkeit wäre wunderbarer als die Todes- anmeldnng selbst. Wohl könnte hier auch die Frage aufgeworfen werden, warum der Mensch, wenn die besprochenen Ereignisse wirklich auf Halluzination beruhen, vor seinen ureigensten Gedanken und Vorstellungen plötzlich erschrecken sollte, mit denen er sich doch eben noch beschäftigte, und die er jetzt äußerlich wahrzunehmen glaubt. Wie es fernerhin möglich isi, daß mehrere Personen, die vielleicht ganz zufällig gegebenen Falles anwesend sind, an einen sterbenden Menschen, der möglicherweise nur einer bekannt ist, denken, und wie sie alle zugleich das nämliche Phantasiebild sich vor die Seele zaubern und auch in die scheinbare Wirklichkeit, und zwar im selben Momente bei ganz verschiedener Nerventätigkeit, umsetzen sollten, können uns wohl die triumphirenden Vertreter der Halluzination selbst nicht sagen; die ernstliche Behauptung, derlei Halluzinationen seien möglich, stellt sich sicherlich selbst als Halluzination dar! Nicht viel glücklicher als die Männer der Halluzi- nationstheorie, ist eine zweite Reihe von Gegnern, welche mit einem „Jllusionsbegriff" gegen die Todesanmeldnng zu Felde ziehen. Illusion ist der wissenschaftliche Name für die sich tagtäglich wiederholende Thatsache der Sinnestäuschung. Verleiht die Halluzination einem rein inneren Zustand nach außen hin Leben und Gestalt, so fälscht die Illusion einen äußeren, ganz natürlichen Vorgang, d. h. einen äußeren Sinnenreiz, der wirklich stattgefunden hat. Die Illusion erfordert also zu ihrem Eintreten stets eine äußerliche Sinneswahrnehmung, welche dann unter dem Einfluß der gerade in der Seele herrschenden Stimmung mißdeutet wird. So sieht ein Furchtsamer in der Abenddämmerung beim Durchschreiten eines Waldes sehr leicht einen alten Baumstrunk für einen Menschen an, der ihm auflauert rc. Oder hat man sich den Tag über in Gedanken mit einem Leichnam, den man gesehen, beschäftigt, so kann es beim Eintritt des Zwielichtes leicht geschehen, daß man diesen Leichnam zu erblicken wähnt, sobald ein blasser, weißer Gegenstand uns vor die Augen tritt. Aehnliche Illusionen hat gewiß jeder der geneigten Leser selbst schon erfahren. Mancher Geistererscheinung liegt nun sicherlich nichts anderes zu Grunde, als eine derartige Sinnestäuschung; aber alle derartigen Ereignisse so zu erklären, ist schlechthin unmöglich. Wie kann z. B. Jemand irgend einer äußeren Sinneswahrnehmung gerade jene Gestalt sozusagen anzaubern, die der zufällig sterbenden Person entspricht, an welche man gar nicht gedacht, von deren Krankheit man gar keine Kenntniß, ja vielleicht im Leben nie etwas gehört hatte? Man denke nur an jene Todesanmeldung im Musiksaale des Ordenshauses zu M. rc.l Zudem sucht man sozusagen naturgemäß gegebenen Falles sich sofort zu überzeugen, ob nicht eine Illusion obwalte. Gegen diese Erklärungstheorie spricht sodann auch der Umstand, daß die Todesanmeldungen gewöhnlich unter nahen Verwandten oder lieben Genossen sich ereignen. Berichten solche Personen eine Todesanmeldung, so ist doch wohl nicht anzunehmen, daß sie ihre Liebe und Verehrung gegen theure Dahingeschiedene nicht besser zu -eigen wüßten, als dadurch, daß sie deren Andenken zu frivolen Spukgeschichten mißbrauchten. Eine solche Annahme widerstrebt unserem Gefühl der Verehrung gegen traute Entschlafene. Wollte man die Illusion als die Ursache aller Todesanmeldungen gelten lassen, so müßten wir schließlich mit Recht fragen, ob es dann überhaupt noch einen sicheren Beleg für die Wahrheit irgend eines Vorganges gibt. Durch eine derartige Erklärungsweise auffallender Begebenheiten würde dem Menschen geradezu die Möglichkeit abgesprochen, mit Hilfe seiner Vernunft zwischen Täuschung und Wahrheit zu entscheiden. Die Thatsachen der Todesanmeldung können somit weder einfach ohne weiteres geläugnet, noch durch die Begriffe der Halluzination und Illusion in Bausch und Bogen als Schein bezeichnet werden; wir müssen also die weitaus größere Zahl derartiger Erzählungen als Wahrheit hinnehmen. Einen Einwand, als gebreche es den einschlägigen Begebenheiten an einem vernünftigen Zwecke und seien sie deßhalb schon höchst unwahrscheinlich, werden wir späterhin genügend beleuchten und als nichtig zeigen. (Fortsetzung folgt.) Verzeichnis; bei der Redaction eingelanfener Schriften. Lehrbuch für den kathol. Religionsunterricht in den obern Klassen der Gymnasien und Realschulen. Von vr. Arth. König, Universitätsprofessor. IV. Curs: Die Sittenlchre. 5. Aufl. Freiburg, Herder's Verlag. Preis 1 M. Die lachende Welt! Blüthen des Witzes und Humors aller Nationen. Berlin, Hugo Steinig Verlag, 1. Heft. 1 M. Anzeiger deö germanischen Nationalmuseums. 1694. Nr. 2. Stern der Jagend. Zeitschrift zur Bildung von Geist und Herz. Herausgegeben von Dr. Praxmarer. 15. Heft. Verlag von A. Rassel in Münster. Für unsere Kleinen. Jllnstrirte Monatsschrift für Kinder von 4 bis 10 Jabrcn. Von G. Chr. Diefsenbach. Jährlich 12 Nummern. Preis Vierteljahr!. 60 Ps. Verlag von Pcrthes in Gotha. Vortrüge für christliche Müttervercine, zugleich Lekungen für christl. Mütter. Von Friedr. KösteruS, Pfarrer. I. Bd. Negensburg, Nationale Verlagsanstalt (vorm. Manz). Preis 4 M. Die katholische Bewegung. Monatsschrift. Herausgegeben von G. M. Schüler. 1894. Heft 7. Inhalt: Die Kirche und die Schulvzcsangenen und gefangenen Verbrecher. — Zeitgemäße Ausschau. — Die Maulwurfsarbeit der Loge. — Buddhismus und Christenthum u. s. w. Kirchenmusikal. Viertelsahrs-Schrift. Herausgegeben vonr Salzburger Diöcesan-Cäcilien-Verein. Verlag von Mittermüller in Salzburg. 9. Jahrg. Heft 1 u. 2. Inhalt? Schreiben Cardinal Aianchini's an Generalpräses Fr. Schmidt. — Palestrina. — Die Choral-Responsorien. — Daö liturgische Hochamt. — Stoßseufzer eines Organisten u. s. w. Bayer. Zeitschrift für Nealschulwesen. Nedigirt von Will). Vogt. München, Nieger'sche UniversitätSbuchhdlg. N. F. II. Bd. 3. Hcit. Inhalt: Heide G., Ueber staatsbürgerliche Propädeutik; Ackermann, Neusprachliche Lektüre und Lehrmittel an den technischen Schulen Bayerns; Marschall G. N., Die Verhandlungen der jüngsten Landrathsversammlungen über die Realschulen. Recensionen. Stowasser, Latein.-deutsches Schulwörterbuch; Qniehl, Französische Aussprache und Sprachfertigkeit u. f. w. — Vereinsnachrichtcn. Wie war's? und was wird werden? Ein Glaubensbekenntniß nebst einigen socialpolitischen und staatsrechtlichen Forderungen. Von Dr. K. M. Ehrmann. Negensburg, Verlag von Wunderling. Preis M. 1,60. Katcchetische Blätter. Verlag von Kösel in Kemptcn. Jährlich 12 Heste. Preis M. 2,40. 6. Heft. Inhalt: Die logisch-richtige Dialektik in den Katechesen der einzelnen Unterrichtsweisen, von P. Wiesner. — Unterricht über die Firmung. — Von hl. Lippen. — Literatur und Miscellen. Katholische Volksbibliothek. München, Verlag von C. A. Seysried u. Cie. Einsiedeln, Eberle u. Nickenbach. Ser. I 215 107.—110. Bündchen. Inhalt: „Gaetano" von Otto Landsmann; St. Joseph, bitt' für uns — Segen der kinol. Liebe — DcrMarienthaler, Erzählungen von Emmy Giehrl; Das Kohlen- prinzetzchen — Die Nebelmäunlein — Holländer Lilli, Märchen von Emmy Giehrl. (Diese Volksbibliothek ist zur Verbreitung sehr zu empfehlen.) Rcpertorium der Pädagogik. Herausgegeben von Oberlcbrer Schubert. Ulm, Verlag von I. Ebner. Heft 9. Inhalt: Ueber Salzmann und seine pädagogische Bedeutung. Walter von der Vogelweide und seine pädagogische Bedeutung. Pädagogische Rundreisen. Ein neuer Lehrplan. Charlotte von Schiller über Göthe u. s. w. Das Blaue Heft. Von Graf Leo Tolstoi Sohn. Deutsch von Markow. Berlin, Verlag von H. Steinitz. 1 M. Katholikenorganisation oder tsmxus kaoisnäi. Zeitgemäße Winke von Karl v. Heerdack. Verlag von I. Gürtler. Warnsdorf, Böhmen. Preis 35 Pf. Sociale Thätigkeit der Kirche. Antworten auf kirchenseindliche Anzapfungen. Von vr. Gürtler. Verlag von I. Gürtler. Warnsdorf, Böhmen. Preis 10 Pf. Blumen aus der Wurzel Jesse. Von Louise Hoff- mann. Commiss.-Vcrlag der „Germania", Berlin. Scelenphotographien. Von Louise Hosfmann. Verlag von N. Müntzberg, Ratibor. Die Konfession der Kinder nach dem geltenden daher. Rechte. Von Amtsrichter vr. Lindner. München, Verlag von I. Schweißer. Preis 1 M. Fünf Jahre unter den Horden Afrika's und Afien's. Von einem Soldaten der französischen Fremdenlegion. Brixen. Verlag der Buchhandlung des Kath.-polit. Preßvereins. 50 Pf. Das Hcidenkind, ein Vergißmeinnicht für die katholische Jugend, zum Besten armer Heidenkindcr. — 7. Jahrg. Monatlich 2 Nummern. Halbjähriger Abonnementspreis 50 Pf., ohne Porto. Zu beziehen in St. Ortilien, Post Türkenfeld (OLerbaycrn), durch jede Buchhandlung und die Post. Unter vorstehendem Titel macht seit etlichen Jahren in aller Stille der Bote unserer schwergeprüften, aber lebenskräftig aufblühenden bayerischen Benediktiner-Mission für Dculsch-Ost- afrika mit dem Mutterhausc in St. Ottilien in den kath. Familien die Runde, zum Segen und Frommen, zur Erbauung und Belehrung der Jugend. Wir glauben seine Erfolge nicht besser auSsprechen zu können, als dies in der vorletzten Nummer von 1893 geschehen ist: „Wie viele Kinder sind durch das Lesen dieses Blattes fleißiger im Lernen, sittsamer im Betragen, eifriger im Gebete, dankbarer für den katholischen Glauben nnd anhänglicher an ihre hl. Kirche geworden!" Die zahlreichen Illustrationen in zartester und geschmackvollster Ausführung werden den Sinn für das Schöne bilden, die Theilnahme an den Leiden und Freuden opfcrmuthigcr Missionäre, unserer Landsleutc, das Herz veredeln, und für Anregung des Geistes sorgen Räthsel, Sprüche, Scherzfragen, „Kunststücke", Poesien, vor allem das dem jugendlichen Gemüthe so zusvrcchcnde „Plauderstübchen" des guten Bruders Paulus. Wie nothwendig es aber ist, die Jugend in nützlicher, das sittliche Gefühl befördernder Weise zu beschäftigen, zumal in einer Zeit, da alles nach einem Buche oder einer Zeitschrift greift, um sich die Feierstunden zu verkürzen, da die geistigen Bedürfnisse der Jugend so oft mit Schriften bedenklichster Art befriedigt werden, das wissen alle, die mit der Jugend näher zu thun haben. Wir sind versichert, ein jeder, der auch nur einige Nummern dieses Blattes gelesen hat, wird sich von dessen pädagogischem Werthe überzeugen, weshalb es denn Eltern, Lehrern, Erziehern aufs beste empfohlen werden kann. Für Seelsorger- und Jugend-Bibliotheken wird es eine Zierde und ein wahrhaft nutzbares Buch fein. Indessen hat das Blatt nicht allein bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen längst Eingang gefunden und viele derselben zu Anhängern und dauernden Freunden gewonnen. Zu der trefflichen Ausstattung steht der außerordentlich billige Preis in keinem Verhältnisse. Wir bemerken noch, daß der besonders treffliche Jahrgang 1893 gegen Einsendung von 1,20 Mk. in St. Ottilien zu beziehen ist und Probcnummern auf Verlangen jederzeit zur Verfügung stehen. 'VV. L. Jacob G e., Studien in arabischen Dichtern. Heft I. vr. L. AbelS neue LlukiHacM-Ausgabe nachgeprüft. 8°, IV -f- 80 S. Berlin, Mayer und Müller 1893. k Daß eö an Universitäten mit Aufnahme von Privat- docentcn und „Berufung" von Professoren zuweilen nicht ganz säuberlich und zweifelsohne zugeht, ist männiglich bekannt. Von dem „Ring" der Vettern- und Bascnschaft und dem „Erbrecht" der Professorenkinder gar nicht zu reden, ist in den letzten Jahren ja der Fall bekannt geworden, daß ein „Gelehrter", der zur Zeit als Ausbund philosophischer Findigkeit angestaunt wird, seine „Berufung" zum Professor an eine deutsche Universität einem Buche verdankt, dessen Inhalt er einem anderen von ihm nicht einmal genannten Gelehrten wörtlich abgestohlen hat. Ehrlicher ist es jedenfalls, wenn ein Docent Aufnahme findet, der bescheiden genug ist, der gelahrten Welt zu beweisen, daß er selbst von dem, was er docirt, nichts versteht und doch den Muth zu dociren nicht verliert. Das ist nun der Fall bei einem gewissen Ludwig Abel, Privatdocent der assyrischen und arabischen Sprache an der Friedrich-WilhclmS-Universität zu Berlin, der vor kurzem eine „Sammlung von Wörterverzeichnissen" herauszugeben begann, wovon nunmehr der erste Band vorliegt, nämlich „Die sieben lllu allaeM: Text, vollständiges Wörtervcrzeichniß, deutscher und arabischer Commentar." Darin erweist sich besagter Abel als ein solcher Ignorant, daß er alsbald feinen kritischen Kain gefunden bat, der ihn moralisch todtschlägt, und dieser ist sein AmtSbrnder Jacob, Privatdocent der morgenländischen Sprachen an der Universität GreifSwald. Derselbe zeigt sich durch seine bisher veröffentlichten Studien über arabische Geographen wohl bewandert und darum wohl auch berechtigt, ein vernichtendes Gericht über seinen Collega ergehen zu lassen und einem Buche die Larve der Wissenschastlichkeit abzunehmen. das Anfänger irreführen kann. Abel wird ganz gehörig abgeführt, und cS gewährt einen eigenen Reiz, die grausame, mit boshaft-höhnischem Vergnügen vollzogene Vivisektion an dem armen Sünder bei Jacob Schritt für Schritt zu verfolgen. Es ist aber auch schon arg herausfordernd, was sich Abel erlaubt, „der sich in seiner Arbeit Musterübersctzungen leistet, welche als absoluter Blödsinn jeder vernünftigen Erklärung spotten; wie z. B. eine weibliche Spindel, wie Augcn- splitter, gekrümmter Sand, Kameele mit ausgedrehten Ohren aussehen, hätte Abel wenigstens durch Abbildungen erläutern sollen." Noch störender wirkt die Geschmacklosigkeit, mit welcher Abel die arabischen Klassiker mißhandelt, am erstaunlichsten aber ist seine sachliche Unkenntniß, welche die sprachliche noch übertrifft. Jacob thut es an zahlreichen Beispielen haarscharf dar und spricht es auch aus, daß Abel vom Arabischen, das er an der Metropole deutscher Intelligenz docirt, weniger versteht, als ein Student, der seinen Cafpari im ersten Semester tractirt; er beweist seine vollständige Unfähigkeit damit, daß er nicht einmal Wörterbücher abschreiben kann, wenn sie nämlich lateinisch geschrieben sind, wie Frcytag, Abels Hauptquclle. Dazu bemerkt Jacob (S. 6—7): „Wer bereits mit seiner Muttersprache nicht zurccht kommt, wird voraussichtlich fremde noch weniger meistern. Ich bin fürwahr kein Freund der sogenannten klassischen Bildung und würde Latein unv Griechisch am liebsten von unseren Gymnasien gänzlich verschwinden sehen. Doch glaube ich anderseits, daß sich jeder in kürzester Zeit von diesen Sprachen so viel sollte aneignen können, um nicht, wie vr. Abel im Vorwort thut, vor einem lateinisch geschriebenen Buch in Klagen anszubrcchcn, daß durch Anwendung dieses Idioms ihm die Klarheit der Interpretation beeinträchtigt worden sei, und der VerlagShanolung darob Vorwürfe zu machen." Ja ja, winir ein Privatdocent sich nicht schämt, zu gestehen, daß er eine so leicht erlernbare Sprache, wie Latein, nicht ordentlich verstehe, dann mag er sich das Schulgeld wieder herausgeben lassen, und thäte besser, Latein zu treiben, als Arabisch zu lernen oder gar zu lehren! Was aber Jacob von der „klassischen Bildung" sagt nnd welche Wünsche er mit Latein und Griechisch hat, ist überraschend; damit zeigt er sich nicht als unser „wahrer Jacob", sondern als ein Revolutionär von wahrhaft -bin äs sisels-hancr Beschränktheit, um die ihn wiederum Abel beneiden kann. Soll man im Gymnasium des 20. Jahrhunderts vielleicht Arabisch und Suaheli lernen, statt Latein und Griechisch? Unsere gesammtc abendländische Gesittung und Wissenschaft ist aus dem Boden des griechisch-römischen Alterthums erwachsen, der Sprachbcstand wissenschaftlicher Terminologie ist das Latein in fast allen Zweigen; das Italienische und Französische, die Hauptträgerinncn des Geisteslebens, sind Töchter der Sprache Latiums, was auck immer germanische Selbstüberhebung dagegen sagen mag. So wie Jacob könnte allenfalls ein Araber sprechen, der seine Nase nie aus seinem Bcduincnzelt hinauS- gestrcckt. „Absoluter Blödsinn" ist dazu die Anmerkung Jacobs: „Hat im Mittelalter und vielfach noch in neuer Zeit die Autorität der Alten unsere Erkenntniß gehemmt, so steht heute das die geistige Harmonie störende Uebcrgewicht der klassischen Alterthumswissenschaften vielfach dem Zustandekommen eines großartigen wissenschaftlichen Neubaues im Wege." Nichtig meint 216 er, daß Griechisch und Latein, das am Gymnasium erlernt j wurde, doch im spateren Leben in den seltcnnen Fallen weiier gebraucht und ergänzt werde, um zu einem wirklichen Können zu führen. Wohl wahr; wenn aber unsere Jugend kein böhereS Streben kcnnr, als das unter neunjährigem verbaßtcm Zwange mit Unwillen Erlerme so bald als möglich zu Vergessen, dann liegt die Schuld nickt etwa am minderen Werthe der Disciplinen, sondern am Mangel idealen Sinnes und vielleicht an der Methode deS UmerrickteS der, wie die Geschickte der Pädagogik zeigt, noch vor 50 bis 70 Jahren nicht so erfolglos war, wie heute. Katholische Volksbibliothek. Serie I. München, Verlag von C. A. Seysried n. Comp. X Nr. 101 n. 102. Ein Held des Glaubens und der Liebe. Erzählung aus der Ncforniationözcit in Bayern von l>r. L. Lang. Eine vorzügliche Erzählung, wie reckt viele im Volke verbreitet sein sollen. Nr. 103. AnS dem Leben. Erzählungen von Pfarrer Sckoiber. Einsacke, aber mit gesundem Humor gewürzte Gesckichtlein. Nr. 104. Zum Frieden. Die Tochter deS Juden. Zwei Erzählungen von Fritz Waither. In der ersteren wünschten wir an Stelle der Schülerin einen Schüler, wobei nichts an Reiz verloren ginge und anck sie „ganz" rein genannt werden könnte. Nr. 105. Der alte Bader und sein okn. Von Gottlicb Sckoiber. Nr. 100. Nach Lonrdes. Von I. Langtbaler. Eine spannende Neise- beschrcibnng, des Stiles wegen für die Schuljugend nickt geeignet. Im Allgemeinen sei gesagt, daß vorgenannte Erzählungen für die erwachsene Jugend und für das Volk an ihren, Platze seien; für die Schuljugend jedoch Auswahl zu treffen sei. Dem Verlag dürfte größere L-orgfalt auf Emendirnng zahlreicher lapmwa. ealami anzuempfehlen sein; auch einige lapsus ling'nao sind nnö aufgefallen. Die österreickisch-nngarische Monarchie in Wort und Bild. Böbmcn, Heft 1 — 11. Wien, Alfred Hölder, k. n. k. Hof- n. UnivcrsitätSbnchhändler. H. Vor uns liegen die ersten 11 Hefte, welche das schöne reiche Kronland Böhmen behandeln. Weit zurück reicht die Geschichte Böhmens und bis in die frühesten historischen Zeiten werden wir durch Wort und Bild zurückgeführt. Hervorragende Gelehrte sind an der Herstellung dieses Bandes be- theiligt und Namen wie Dr. Jirccek, die Universitätsprofcssoren vr. Emil Werunöky u. Dr. Anton Bezak, LandeSschulinspektor Dr. Theodor Tnpetz und der verstorbene Landesarchivar vr. Anton Gindety bürgen für die Gediegenheit des Inhalts. Die Geschichte BöhmenS wird im 11. Hefte bis 1848 fortgeführt und ist die Epoche von 1648 an von Universitäisprofessor Dr. Adolf Bachmann in Prag. Geradezu hervorragende Darstellungen sind die zahlreichen Illustrationen bernicnster Künstler und Professoren. Unbeirrt vom häßlichen Gezänke, mit welchem Czecken nndDentsche sich heute befehden, entrollt sich vor unserem geistigen Auge, die reiche Geschichte des schönen Landes, und sehen wir in gelungenen Illustrationen seine herrlichen Städte und Kunstdenkmäler, prächtige Schlösser und schön gelegene Klöster, stille Meldtbäler und rcickgesegnete Fluren. Die landschaftliche Schilderung von Böhmen wird jedem Leser ebenso höbe Befriedigung gewähren, wie sie die interessante Geschichte Böhmens bietet. Sicherlich wird der Band „Böhmen" einen der hervorragcnsten des ganzen Werkes bilden. Literarische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von vr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freibnrg i. Br. Jahrgang 1894. 12 Nummern. M. 9. — Freibnrg im Brcisgan, Herder'scbe Ver- lagsbandlnng. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 6: Neuere Predigt-Literatur. II. (Kcppler.) — Vetter, Der apokryphe dritte Korintberbrief. (Hoberg.) — Straßbnrger Theologische Studien. (Funk.) — Karapet Ter°Mkrttschian, Die Paulicianer im bymiitinischen Kaiserreiche. (Vetter.) — Wahrmnnd, Das KirchenpatronatS- rccht und seine Entwicklung in Oesterreich. (Sckerer.) — Reinhold, Die Lehre von der örtlichen Gegenwart Christi in der Enckaristie. (Schanz.) — Rocholl, Die Philosophie der Geschichte. (Sckanz.) — veosarclius, Oo In libortö yolitiguo claiw 1'Ltat woäorno. (Hcrtling.) — Kenßen, Die Matrikel der Universität Köln 1389—1559. (Ortcrer.) — König, Die päpstliche Kammer unter Clemens V. und Johann XXII. (Gottlob.) — Sckncking, Briefe von Annette von Droste-Hülsbosf und Levin Schücking. (Jostcs.) — Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Spräche. (Jostcs.) — Beflsel, Vaiicannche Miniaturen. (Weizsäcker.) — Noser, Katechet,! für Lehrerbildungsanstalten und Priestersennnarien. (Lein; ) — Leitschnh, Franz Ludwig von Erthal, Fürstbischof von Bamberg und Würzbnrg, Herzog von Franken. (Ehrbard.) — Ereve, Geschichte der Benedictinerabtei Abdingbof in Paderborn. (Wurm.) — Weber, Albrecht Dürer, (von Hüttenback) — Nincklake, „Vorwärts". (Heiner.) — Wasserrad, Die Nationalökonomie. (Heiner.) — Nachrichten. — Büchcrtisch. Der Katholik. Nedigirt von Joh. Mich. Naich, 12 Hefte M. 12. Mainz, Kirchheim. Inhalt von 1894, Heft VI, Juni: Marckese Campo Santo, 1?raotio panis und andere Gemälde in Santa Priscilla. — k. Amb. Kienle 0. 8. L., Die Oblaiion der Elemcme in, Meßopfer. — N. Paulus, Gerhard Lorickins, ein Convertit des 16. Jahrhunderts. — Jos. Aertnys 0. 68. U., Beiträge zur Rechtfertigung des Acgniprobabilismns. — Literatur: Dr. .P Vetter, Der apokryphe dritte Korintherbrief. — Msgr. Emil Bongaud, JesnS Christus. — Xisolas Xobov stell, Ua, Vis ineonnus clo Issne-Ollrwt. — I)r. LI. ZlnAistrstti, Verolllne sivs eeelssias ^mllrosianas Lleckiolan. Xalenckarium. — Oarolo Isriell, 8. I., UntoloAia. —Il o n r. Haun, 8. I., Lllilosopllia natnralis — A. Kluge, Das Seclcnleiden Jesu Christi. — Ilr. Georg Grupp, Reformationszcschichie des Rieses von 1539—1553. — 1?rsä. Uonvior, 6. ü., lles 8aintes, Oontdossnrs st-tllartzws ete. — Domanig, Karl, Kleine Erzählungen. — Miscelle. Theologisck - praktiscke Monatsschrift. Central-Organ der katholischen Geistlichkeit Bayerns. Herausgegeben von Dr. Georg Pell, vr. Anton Linsen mal) er und Ludwig Heinrich Krick. 4. Band, 7. Heft. Passau, Verlag von Rudolf Abt. Jnhaltsverzeickniß des 7. Heftes: I Wissenschaftliche Aufsätze. Neue Funde zur christlichen Archäologie aus Äegyptcn. Von Dr. A. Ehrhard, o. ö. Universnäts- profcfsor in Würzbnrg. — Katholische und protestantische Ethik. Von Dr. Jos. Dippcl, Pfarrer in Dornach. II. Belehrendes für die seclsorglicke und pfarramtliche Praxis: Gnavensckak der heil. letzten Oelnng und darauf bezügliche SeeliorgSpflichten. Von vr. Prnner, Prälat in Eichstätt. --- Bedingungen einer fruchtbringenden Verwaltung des Predigtamtes. Von L. Bernhard Schund, O. 8. B., in Scheycrn (Schluß). — Winke für die Seelsorger über einige Quellen des Irreseins. Von I)r. Anton Schund, kgl. Bezirksarzt in Vicch- tach (Schluß). — Die Irregularität der Diakonen. Von Wilh. Stentrnp, 8. I., Ditton Hall, England. — Luxuriöse Qster- beickt- bezw. Commnnion-Zettel. Von I. B. Gast, Knratns in Mozgast. — Wann und mit welchem Concurrenzbeitrag kann man zur Dezimatorenbaupflickt herangezogen werden? Von vr. Eduard Stingl in Stranbing. — Wird durch den Empfang des »Viatiennw- auch dem Gebote der »6omwnnio xasollalis« genügt? Von Dr. HaSIcr, Professor in Passau. — Das neue Skapulicr des bl. Joseph. Von L. Wolfgang, 0. Oax. — Eine Handschrift deS 15. Jahrhunderts über das „Verhalten des Predigers auf der Kamel", über „Marienverebrnng" und über die „Kraft des Weihwassers". Von I)r. A. Linsenmayer. — Das „Seraphische LiebeSwerk" zur Rettung armer Kinder. — Der Verein für christliche Kunst in München. — Ein Casus zur Altersversorgung. Von I. B. Mehler in Regensburg. — Die Fremdwörter in der Predigt und die Rücksicht auf die Fassungskraft deS Publikums. Von I. Reiter, Pfarrvikar in Althegnen- berg. — Aeußerungen eines Convertiten über gewohnheitsmäßigen WirtbShansbesnch der Geistlichen. Von k. B. Sch. — Bccrdi- gnngsrcckt und davon hergeleitete Ansprüche des Pfarrers. Von Pfarrer Voit in Jllkofen. — Defecte bei der Todtenvigil. Von Dr. P. III. Erlasse der obersten Verwaltungsstellen und Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe: I. ReligionS- und Kirchcnsachen: 1. Stellung der sogen. Ceremonienmeister in Nürnberg zur Reichsgewerbeordnnng. — II. Armcnwesen: 1. Ungehorsam gegen die Anordnungen des Armenpflegschaftsrathes. 2. Mitglieder eines Franenordens zur Aufsicht in einer Gemeindcarmenanstalt sind Beamte. — III. Schulwesen: 1. Bayerische Volksschullehrer sind Beamte. 2 Dauer der Ferien an den Mittelschulen. 3. Benützung der Scheuer des Schnlbanscs zur Aufbewahrung des Schalholzes. 4. Pflicht zur Deckung des Bedarfes einer Gcmeindeschnle. 5. Strafanzeige gegen Schulpflichtige. Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck«. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.