Pierluigi, Palestrina und der Cäcilien-Verein. Ein vorläufiges Wort an die verehrlichen Besucher der 14. General-Versammlung deS Cäcilien-Vereines am 8. und 9. August 1894 zu Regensburg. Motto: „Ihr stürzt nieder, Millionen?!" IV. K. In den „Fliegenden Blättern für kath. Kirchenmusik, offizielles Organ des allgemeinen Cäcilien- Vereins", wurden bis jetzt drei Anträge an die demnächst in Negensburg tagende General-Versammlung veröffentlicht. Während die letzteren zwei (von Prälat Karton und vom Diöcesan-Präses Dr. Walter eingebrachten) geschäftlicher Natur sind und das Verhältniß der Dtö- cesan- und Psarrvereine zum „Allgemeinen Cäcilien- Vereine" betreffen, ist der erste für die Existenz und das Gedeihen des Vereines an sich scheinbar und hoffentlich ganz belanglos, er hat persönlichen Charakter, tangirt sachlich höchstens das Portemonnaie der Vereinsmitglieder, und das nicht bedeutend. Aber die Tendenz, die dem Antrage zu Grunde liegt, und der Charakter des Antrages scheinen uns — sonderbar, und deshalb dürfte es angezeigt sein, in einem öffentlichen Blatte, das von sehr vielen süddeutschen Besuchern der General-Versammlung gelesen wird, sich darüber auszusprcchen, solange es noch Zeit ist. In Nr. 5 der „Flieg. BI." wird nämlich folgender Antrag gestellt: „Die General-Versammlung wolle beschließen, daß aus Anlaß des Palestrina-Jubiläums, und um das Andenken des großen Meisters der Töne zu ehren, Sr. Eminenz dem Kardinal Angela Bianchi, dem erhabenen Protektor unseres Vereins, welcher zugleich Bischof von Palestrina, dem Geburtsorte des unsterblichen Meisters, ist, aus Dritteln des Vereins ein entsprechender Beitrag (etwa 1000 Mark) zur Restauration der Kathedrale daselbst überreicht werde." Es ist etwa anderthalb Jahre her, da wurde dem Schreiber dieser Zeilen ein Aufruf aus Palestrina übermittelt, unterzeichnet von Mitgliedern eines Comitö's für eine Palestrinafeier eben in der Geburtsstadt des Meisters. Dieser Aufruf hatte zum Inhalte zunächst den Hinweis auf das Palestrinajubiläum; sodann versuchte er sich in Geschichte: „Die ganze Welt „wiederholt" (!! offenbar italienisch-deutsch statt „widerhallt"!) vom Ruhme Pa- lestrina's;" er sei es gewesen, der die Musik — Gott weiß aus was für beengenden Fesseln, aus waS für einem Nichts von Unmusik — mit kühner Hand zur höchsten Blüthe, Stilreinheit, Correctheit des Ausdruckes rc. heraus- und emporgeführt habe — „allerdings nur, damit diese erhabenen Klänge nach kurzer Zeit wieder den trivialen Plattheiten einer weltlichen Kirchenmusik Platz machen sollten." Der Zweck des Sendschreibens war der: von den gutmüthigen Deutschen Beitrüge zu erbetteln zur Restauration der Kathedrale in Palestrina, „dem Geburtsorte des unsterblichen Meisters"; die innere Westfayade sollte mit Fresken aus dem Leben Palestrina's geziert werden. Ich sandte damals den Bettelbrief zurück*) mit folgendem Vermerk: 1) aus der Adresse (sie war orthographisch falsch französisch geschrieben) geht hervor, daß die Herren vom Comitö im Französischen nicht ge- ') Eben das ist auch der Grund, warum ich jetzt aus dem Gedächtniß citiren mnß; indeß glaube ich sowohl den Inhalt des Avisos, sowie dessen Wortlaut, soweit ich ihn in Anführungszeichen wiedergebe, ziemlich getrcn gemerkt zu haben. rade stark sind; 2) aus dem Worte „wiederholt" statt „widerhallt" geht hervor, daß die Herren nicht Deutsch können und sich dafür nickt einmal in diesem Falle auch nur einige Mühe gegeben haben; 3) aus der Stellung, welche sie für den „Musilreformator" Palestrina gegenüber seinen Vorgängern vindiciren, geht hervor, daß die Herren die Musikgeschichte gar nicht kennen; 4) wer je einmal in Italien, in Genua, Venedig, Mailand, Florenz — und je südlicher, desto erbärmlicher! — Musik in der Kirche gehört hat, der muß den Italienern (tutti guanbi!) ganz entschieden das Recht absprechen, über Kirchenmusik, vorab über „triviale Plattheiten" auch nur zu reden. Damals dachte ich beileibe nicht daran, daß einem Aufrufe zu einer Palestrinafeier bei uns Gehör gegeben werde, zumal da die Vereinsblätter sich darüber — eine kurze Notiz in der Nusiorr snoru, ausgenommen — meines Wissens vollständig ausschwiegen. Eine Palestrinafeier in Italien! Was wissen denn die Italiener von Palestrina? Daß er wie ein ckeuo ox maostina. gekommen ist mit einer Musik, die vordem auch nicht geahnt werden mochte? Deswegen wäre ein Palestrina noch lange nichts Großes; denn „vor Fröschen ist auch der Hase tapfer"; sicherlich groß ist jener, der auch unter Großen der Größte ist! Oder daß er kein „Niederländer" war, wenigstens seinen niederländischen Lebenssaft allmählig in italienisches Vollblut umwechselte? Aber Palestrina ist Niederländer gewesen und hat stark niederländische Züge auch in seinen vollendetsten Werken dokumentirt (Nissa „l'omms arraä"; vgl. auch die Bemerkungen, die Ambras Bd. 4 S. 16 f. zur Lliosn „ut ro mi" macht). Mir scheint nach allem, was ich von Italien weiß, wissen die Italiener von Palestrina und feinem Werke ungefähr soviel, wie wir Deutsche von Kalidasa und der Sakuntala: einige wenige Kreise sind etwas eingeweiht, die anderen Italiener kennen nichts, weder von Palestrina, noch von seinem Werke, noch von seinem Geiste. Und was der eingeweihteste italienische Palestrinakenner, Gins. Baini, über Palestrina als „Reformator" übertrieben und gefabelt hat, das haben Ambras und namentlich Habers) zur Genüge gezeigt. Die Italiener wollen Palestrina feiern — wie? Sie hatten schon einmal so etwas, wie eine Palestrinafeier; damals schrieben sie an alle lebenden Komponisten um Beiträge zu einem Monstre-Concert — nur keinen oder so gut wie keinen „Palestrina"! Damals hatte R. Wagner den trefflichen Einfall, den Italienern als seinen Beitrag seine herrliche Bearbeitung des zwci- chörigen Linda,!: mator von Palestrina zu senden; das war ein Nasenstüber, wie die italienischen Fest- und °) Kirchcmnus. Jahrb. 1892 u. 1894. Möchte doch Haberl auch einmal den Beweis bringen, daß Palestrina in Bezug auf den gregor. Choral größere als bloß Dilettantenverdicnstc hat! Mir will's immer scheinen, als sei die Kenntniß deS gregor. Chorales ebensowenig Palestrina's als der anderen Contrapnnktiker starke Seite gewesen, ok. Rahm. Schlecht, Geschickte der Kirchenmusik S. 67- Herr Haberl hat zu Nr. 2 der Llus. saera 1894 eine außerordentliche Beilage gegeben: „G. P. da Palestr. u. das osfiz. 6raä. Rom." In dieser Abhandlung scheint mir das „Es würde hier zu weit führen durch Notenbeispicle nachzuweisen" . . . (S. 11 Nr. 8 b) der schwache Punkt zu sein. Ein solcher Nachweis im Einzelnen „führt nicht zu weit," im Gegentheil, er ist nothwendig: der Behauptende muß beweisen; das liegt in seinem Interesse und im Interesse der Sache. 226 Musikmacher ihn verdienten! Nun wollen sie in Italien, speciell in Palestrina, wieder eine Palestrinafeier veranstalten — wie? Durch eine Malerei in ihrer Kirche, zu der wir Moneten spenden sollten. Es braucht sich ja uns nicht gerade um das Kleingeld zu handeln, aber um das Princip: feiert man so Palestrina? „Ihr werdet meine Freunde sein (nicht wenn ihr mich „ikrinoipo äsUa, inusiou", „Herr, Herr" nennet, nicht wenn ihr mich irgendwohin malet oder -gipset, sondern) wenn ihr das thut, was ich euch geboten habe," wenn ihr die Werke, so ich euch hinterlassen, studieret und in schönster Darstellung dem Gottesdienste und der Welt zugänglich machet! Was für ein Verdienst haben denn die Italiener hierin? Sie ließen — mit rühmlicher Ausnahme Batni's — Palesirina's Werke in ihren Bibliotheken vergraben sein; cs war ein Deutscher, der edle Proske, der da hincingriff und Werke Palestrina's an's Tageslicht brachte; es waren Deutsche, voran und zu allermeist Haberl, die mit unermüdlichem Fleiße und mit staunenswerther Findigkeit Palestrina's sämmtliche Werke zusammentrugen und Herausgaben; die verlegende Firma ist auch eine deutsche: Breitkopf L Härtel in Leipzig; und der Handel mit Palestrinabänden gravitirt dem Vernehmen nach durchaus nicht nach Italien! Das Verdienst der heutigen Italiener gegenüber Palestrina? Ich wüßte es nicht zu nennen; aber bei dem Gedanken an die „trivialen Plattheiten" fällt mir ein Geschichichen ein, das ich als Schulknabe einmal im Lesebuch von Hopf gefunden habe: auf dem römischen Forum, wo einst Cicero den Catilina verdonnert hat, wo Cäsar und Augustus im Triumphe eingefahren sind, da erschienen „nachmals" zerlumpte Knaben: kauft's „Hecheln und Mausfall'n, der Welschland Kunst dran, der Deitschland nit kann!" Lapionti sät! „Gotteslästerliches Mnsiktreiben in den meisten ital. Kirchen", sagte Kardinal Bartolini, selbst Italiener, im März 1884. Walter, Biogr. Witt's S. 167. Muß cs demnach erklärlich erscheinen, wenn schon der einzelne Deutsche mit der Pierluigifeier in Palestrina nichts zu thun haben will, so muß es sonderbar erscheinen, wenn dem ganzen Cäcilienvereine bezw. der Generalversammlung zugemuthet wird, sich offiziell und korporativ an dieser Feier zu betheiligen; es muß geradezu verblüffen, wenn dieser Antrag da nicht etwa vom italienischen Fesicomitö in Palestrina gestellt wird, sondern von einem deutschen Landsmanne, einem Cäcilianer, gar von dem Generalpräses des Vereines. O taiuxora, o woros! Oder haben die Italiener vielleicht so große Verdienste um den deutschen Cäcilien-Verein? Der Verein verfolgt — ob mit Recht oder mit Unrecht, braucht hier gar nicht untersucht zu werden — andere kirchen- musikalische Tendenzen als Haydn und Mozart. Nun war es gerade der Kardinal Bartolini, der diese Tendenzen des Vereines desavouirte; Witt selbst hat jenen Brief Bartolini's (ä. ä. 15. Juli 1883) als ein Des- aveu angesehen ^); und alle Deutungen und Erklärungen haben das Wesen jener Angelegenheit nicht alterirt. Dann kam der Ernestine-Bauduin-Nummel (anno 1891): kurz vor der Generalversammlung des Cäcilien- Vereines zu Graz erhielt Frau Gräfin Banduin für eine erbärmliche Sudel-meß-„Composition" „von höchster Stelle" allerhöchste Auszeichnungen. Stehle im „Chorwächter" Nr. 6 richtete damals an den „Generalstab" die denkbar energischste Mahnung zu einem entschiedenen Proteste gegen dieses Gebühren; er machte auf die verderblichen Folgen aufmerksam, die der Fall haben werde, wenn man die Sache ruhig hinnehme. Was geschah in Graz? Gar nichts; dagegen ist in Nusioa saora 1891 Nr. 10/11 S. 160 an verborgenster Stelle zu lesen: „Ein feierlicher Protest gegen den B.-Schwindel wäre der Generalversammlung unwürdig gewesen." Bum, großartig! Aber es war doch nicht unwürdig, noch 1893 in Nr. 6 der Flieg. Bl. den ehemaligen Dorfschöuen Bühler und Consorten wieder einmal in ihr längst er- storbenes, vermodertes Gesicht zu leuchten und ihre Häßlichkeit zu zeigen!! Der sei. Witt war wenigstens Mann genug, sich seinerzeit gegen den Bartolinibrief energisch zu vertheidigen und ein Ultimatum zu stellen. Wie sieht aber nun ein Antrag des jetzigen General-Präses aus? Nicht nur keine Vertheidigung nach oben, sondern ein Antrag auf eine — Handsalbe! Und das unter der Devise „Palestrina-Ehrung" l Ich meine, es gäbe Anträge an die General-Versammlung, mit denen sich ein Präses Verdienste erwerben könnte. Ich weise nur hin auf die erbärmliche Stellung, in die manche gutgesinnte Chorregenten gegenüber ihren Kirchenvorstünden und gegenüber ihrem Personale gezwängt sind. Das wäre ein Kapitel! Es ist bereits einmal ausführlich behandelt worden: im „Chorwächter" 1890/91 — der Präses und sein Organ haben sich natürlich darüber vollständig ausgeschwiegen. Ein Punkt, nicht unwürdig eines Antrags seitens des Generalpräses, wäre z. B. auch der: die General-Versammlung disku- tire die Frage, wie dem Handwerkerthum wirksam und ohne materielle Schädigung der Musiker begegnet werden kann, das auf vielen Chören herrscht infolge allzuvieler kirchenmusikalischer Verrichtungen. Schreiber dieser Zeilen wüßte mehr solcher Kapitel, die ganz würdig wären auf die Initiative des Generalpräses hin von der General- Versammlung behandelt zu werden. Indeß wollen wir heute bet der Palestrinafeier bleiben und als Pendant gegen den Antrag des Herrn Generalpräses einen anderen hier stellen, nachdem dieser Antrag, an competenter Stelle eingebracht, im Vereinsorgan todtgeschwiegen worden ist: „Die General-Versammlung in Negensburg wolle beschließen, daß, aus Anlaß des Palestrina- jubiläums und um das Andenken des großen Meisters der Töne zu ehren, aus Vereinsmitteln und durch Erhebung freiwilliger Beiträge eine entsprechende Summe zusammengebracht werde behufs Transferirung der Gebeine Palestrina's aus Italien auf deutschen Boden (etwa zu Orlando di Lasso nach München), da die Italiener bei dem Stande ihrer Kirchenmusik nicht verdienen, auch nur den Staub Palestrina's zu besitzen." Auf München nun wäre ich hierin nicht gerade versessen, namentlich nach der letzten Orlandofeier; ich glaube, daß z. B. Negensburg viel würdiger wäre, solch theure Ueberreste zu bergen. Die Italiener übrigens könnten sich kaum beschweren über eine Transferirung Palestrina's: als ich (im Herbste 1890) in der Kirche 8anta Oroao in Florenz war, waren soeben die Gebeine Nossini's vom Pöre-Lachatse dorthin gebracht worden: in Paris habe ich nie Rossini in der Kirche gehört (freilich schlimmere Dinge — neben viel plain-estulltl), ok. Walter, Biogr. WittS S. 166 ff. wohl aber in Florenz. Also, wo der Held in Ehren ist, da soll er auch ruhen! Indeß sind das Aeußerlichkeiten, Zufälligkeiten; auf sie kommt an und für sich auch gar nicht viel an, ebensowenig als es an und für sich auf die tausend Mark im Schmidt'schen Antrage ankommt; worauf es ankommt, das ist das Princip und die Tendenz; und diese dürften aus unserem Antrage eben so leicht ersichtlicb sein, wie aus dem des Herrn General- präses. Wieder ein „Leben Jesu". Wieder einmal glaubt der ebenso aufgeblasene und selbstbewußte als oberflächliche und unwissenschaftliche Unglaube einen Fund gemacht zu haben, der geeignet sei, dem Evangelium und dem Christnsglauben den Garaus zu machen. Ein Nüsse, wie sich unten zeigen wird, allem Anscheine nach ein russischer Jude, Namens Not owitsch, will in dem berühmten Hauptsitz des tibetanischen Buddhismus eine Lebensgeschichte Jesu entdeckt haben, die über diesen ganz andere Aufschlüsse ertheilt als die vier Evangelisten. Der großartige literarische Fund des Herrn Notowitsch belehrt uns, daß Jesus mit 13 Jahren heimlich seine Familie in Nazareth verlassen und sich einer nach Jerusalem gekommenen Karawane von Kaufleuten angeschlossen hat, die ihn nach Indien mitnahm. Dort ließ er sich in der Wissenschaft und Religion der Brahmanen unterrichten. Bald aber überwarf er sich mit seinen Lehrern, weil er sich gegen das Kastenwesen erklärte, er wurde verfolgt und mußte sich flüchten. Er ging nun zu den Buddhisten, und deren Lehren bewogen ihn, sich seinerseits als Neligionsstifter zu versuchen. In Gakyamuni's (Bnddha's) Doctrinen eingeweiht, kehrte dieser merkwürdige „Jesus" über Persien, wo er wegen seiner Bekämpfung des Zoroasterismus allerlei Abenteuer zu bestehen hatte, nach Palästina zurück. Dort predigte er seine Lehre, stachelte das Volk zu seinen Gunsten auf, versuchte sich zum König ausrufen zu lassen und ward trotz der Sympathien und Proteste des jüdischen Volkes von Pilatus zum Tode verurtheilt. Diesmal hat der Versuch, dem Jesus der Evangelien und des christlichen Glaubens einen Jesus der Mythe und der Phantasie entgegenzustellen, sofort eine Abfertigung erfahren von einer Seite, die keiner Parteinahme für christliche Auffassung und Anschauung verdächtig ist. Der weltberühmte Orientalist Pros. Leon RoSny am Collöge de France zu Paris, einer der tüchtigsten Kenner des Buddhismus, schreibt vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus über die Leistung des Herrn Notowitsch. „Das .unbekannte Leben Jesu' ermangelt an gewissen Stellen nicht der Originalität; man liest es sogar mit Vergnügen. Jedoch findet man darin einen Fehler, der verzeihlich ist bei einem romanhaften Werke, aber etwas schwer wiegt bei einem Buche, das den Anspruch erhebt, dem Gebiete der Geschichte anzugehören: dieser Fehler besteht darin, alle Anzeichen einer phantastischen Erzählung zu bieten und einen etwas mehr als verdächtigen Ursprung zu verrathen. Der Verfasser war sofort von der Ähnlichkeit der Namen ,Issest (so heißt der Held des .unbekannten Lebens') und .Jesus' betroffen. Recht schön. Aber der Name Majas', dessen Träger am zweiten buddhistischen Concile Theil genommen, ähnelt nicht minder dem Namen Christi. Dasselbe gilt von Buddha; der Name ,6akya-Muni' (so wird nämlich Buddha bei Notowitsch genannt) findet sich wieder bei den Tibetanern im fünfzehnten Jahrhunderte, wo er von einem berühmten Apostel (des Buddhismus) getragen wurde, der aber unter der Reform Tseng-Kabas sein Ansehen verlor, weil er in Gegenwart seines Gegners das Verbrechen begangen hatte, unter seinem Kleide und zwischen seinen Fingern ein kleines weißliches Schmarotzerthier zu zerquetschen, das ihn grausam zerbiß. „Es sei fern von mir, die Ehrlichkeit des Herrn Notowitsch anzuzweifeln; aber man kann offen sagen, daß er Alles gethan hat, um seine Sache zu verlieren. Von der Handschrift, welcher er seine Aufschlüsse entnommen hat, liefert er uns keinerlei Beschreibung, keinerlei Probe; er meldet uns bloß, daß sie auf einem von der Zeit vergilbten Papier geschrieben sei. Er hatte einen Photographischen Apparat bei sich; es kam ihm nicht der Gedanke, auch nur das geringste Bruchstück zu reprodu- ziren. Diese Handschrift ist freilich in einer Sprache (im Pali) geschrieben, die er nicht versteht, und er ist darauf angewiesen, vertrauensvoll die Nebersetzung anzunehmen, die ihm ein Lama liefert, dessen Namen er uns nicht einmal kennen lehrt. Aber er theilt uns nicht daS mit, was ihm jener Lama dictirt hat; was er veröffentlicht, äst ganz seine persönliche Textirung, die er nach seinem Ermessen mit Anmerkungen versehen hat, um so dem ganzen Werke einen einheitlichen Charakter aufzudrücken. „Herr Notowitsch vergißt, uns die Beweggründe mitzutheilen, die ihn glauben lassen, daß er nicht das Opfer eines schlechten Spaßes geworden, und was ihm Vertrauen einflößen konnte auf die (buddhistischen) Mönche, bei denen er übrigens nicht nur falsche Ideen in philosophischer und religiöser Hinsicht, sondern auch historische Irrthümer der gröbsten Art aufgelesen hat. Man hat ihm z. B. gesagt, daß der Buddhismus in China unter der Regierung Mingati's um das Jahr 2050 eingeführt worden sei, während Jedermann weiß, daß dieser Fürst im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte, und daß der Glaube Oakhamuni's durch die chinesische Regierung officiell im Jahre 65 nach Christi Geburt anerkannt wurde. Bloß um 2000 Jahre gefehlt in einer chronologischen Angabe! Man möchte an einen Druckfehler glauben; allein Fehler dieser Art dürften nicht in einer vierten Auflage stehen bleiben. Derselbe Kaiser (als zu einer Dynasti Honi, statt Hnn, gehörend bezeichnet) hätte übrigens zu zwei verschiedenen Epochen leben müssen, denn an einer andern Stelle seines Buches erzählt uns Herr Notowitsch, daß jener Fürst ein Jahr vor Jesu Geburt die Schriften ^akyamnni's, der nie etwas geschrieben hat, nach China bringen ließ. Wäre diese Angabe wahr, so hätte Mingati sein Decret zu Gunsten des Buddhismus 59 Jahre vor seiner Thronbesteigung erlassen. „In derselben Schule der Lamas, die meistens Leute von crasser Unwissenheit sind, hat Herr Notowitsch ohne Zweifel gelernt, daß das Alphabet und das Pergament in China vor MoseS bekannt waren. Das fragliche Alphabet wäre von Fou, dem ersten Kaiser, im Jahre 2800 erfunden worden. Nun weiß Jedermann, daß die Chinesen, selbst heutzutage, kein Alphabet haben, und dem letzten Orientalisten ist es nicht unbekannt, daß man dem genannten Kaiser, der während der mythischen Perioden der chinesischen Phantasie lebte, die Anwendung der Trigramren zuschreibt, die zu der alphabetischen Schrift 228 in keiner Beziehung stehen. Das der Regierung dieses Fou zugeschriebene chronologische Datum ist übrigens ebenso ernst zu nehmen, wie jenes Zoroasters, den Herr Notomitsch in das Jahr 550 bor Christi Geburt versetzt. Ich könnte die Zahl dieser Beispiele leicht vermehren und ihnen philologische Bemerkungen von nicht minderer Wichtigkeit anfügen, die aber nur die Orientalisten interessiern. Das Buch des Herrn Notowitsch ist vielleicht ein sensationelles Werk, aber es ermangelt vollständig des wissenschaftlichen Charakters." Hiemit wäre Herr Notowitsch mit seinem „unbekannten Leben Jesu" wissenschaftlich abgethan. Aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß hinter dem Buche eine jüdische Speculation steckt. . . . Notowitsch läßt die Juden und Pilatus ihre Rollen vertauschen: nicht die Juden haben die Kreuzigung Jesu verlangt, sondern Pilatus ließ ihn trotz und wegen der Sympathien der Juden für ihn kreuzigen. Wäre dem so, so wäre die ganze christliche Geschichte und damit auch das gesummte Christenthum über den Haufen geworfen. In der That ist die „Vraie Parole", ein jüdisches Organ in Paris, von dem Buche so entzückt, daß sie erklärt, daß „die Entdeckung des jungen russischen Gelehrten für das Judenthum der Ausgangspunkt einer heilsamen Entwicklung sein könnte und sollte nach seiner großen Bestimmung, die da ist, eines Tages die Religion der Menschheit zu werden". Die Todesaitmeldungen. Ein Streifzug in das „Nachtgebiet der Natur". Von ?. F., 0. 8. §r. (Schluß.) III. Zweckbewnßtes Handeln allein offenbart denkende Vernunft; alles, was ohne bestimmten Zweck geschieht, erscheint von Anfang an als unvernünftig und darum auch als unwahrscheinlich. Sollen daher die Todesanmeldungen als Thatsachen zugestanden werden, so muß sich in ihnen nothwendig ein vernünftiger Zweck offenbaren; ein solcher ist aber nicht wohl einzusehen, folglich sind derlei Spukgeschichten mit Recht in das Bereich der Fabeln zu verweisen I Wie steht es nun in der Wirklichkeit mit diesem Einwände? „Es ist bestimmt in Gottes Rath, daß man vom Liebsten, was man hat, muß scheiden", singt wehmutsvoll der deutsche Dichter, und das Wort „Tod" überzeugt uns hinlänglich von der bittern Wahrheit dieses Ausspruches. Wenn das „Scheiden wehe thut" jenen, die an ein fröhliches Wiedersehen über kurz oder lang in lichten Himmelsräumen glauben, wenn selbst diese sich glücklich schätzen, dem sterbenden Freunde, den scheidenden Angehörigen zum letzten Abschied die welke Hand zu drücken, um wie viel mehr werden jene Unglücklichen, die an ein besseres Jenseits über den Sternen nicht mehr glauben, sich sehnen, dem „enteilenden Genossen" froher Tage noch ein kurzes Lebewohl zu bieten, ehe er unwiederbringlich zurücksinkt in das trostlose Nichts? Wer sich zur Devise: „Macht euch das Leben angenehm und schön, es gibt kein Aufersteh'n, kein Wiederseht" bekennt, mag den Zweck dieser „Geistergeschichten" darin suchen, daß sich zwei Menschen, durch zärtliche Bande des Blutes oder des Geistes verbunden, vor dem so bittern Scheiden auf immer und ewig in dieser Weise den letzten Scheide- gruß, das letzte Liebespfand weihen. Diesen Zweck scheint auch jene protestantische Dame einzig und allein verfolgt zu haben, wie ihre Worte: „Es ist Zeit, daß ich von dem Pater Abschied nehme!" vermuthen lassen. Sicherlich ist es ein schöner und durchaus edler Gedanke, welcher dieser Zweckbestimmung zu Grunde liegt, aber sollte sich kein erhabenerer Endzweck der Todesanmeldungen finden lassen? Für den gläubigen Christen winkt über den Sternen frohe Hoffnung auf ein Wiederseht, für ihn bricht aber auch beim Scheiden jene Nacht herein, wo er nicht mehr wirken, nicht mehr an seines Schöpfers Güte appelliren kann. Hierin sucht die katholische Theologie für ihre Zweckbestimmung einen Stützpunkt. Nach der tröstlichen Lehre der Kirche reicht die Liebe der Hinterbliebenen bis zum Throne des gerechten Richters und kann dort durch Gebet und gute Werke anderer Art kräftig die zagende Seele unterstützen. Es dürfte sich hiemit der Zweck der Todes- anmeldungen ohne Schwierigkeit also bestimmen lassen: „Wird lieben Verwandten oder trauten Freunden durch eine „Anmeldung" Kunde von dem Hinscheiden einer nahestehenden Person, so soll ihnen dadurch nach dem Willen Gottes Gelegenheit und Antrieb geboten werden, möglichst schnell der verstorbenen Person zu Hilfe zu eilen." Ganz diesen Zweck offenbart jene Todesanmeldung im Leben des hl. Aloysius. Läßt sich wohl hierin nicht eine entsprechende Ursache zum thätigen Eingreifen der Engelwelt mit Gottes Zulassung, ja selbst zur Entfaltung der Wundermacht Gottes in etwas wenigstens denken und finden? Wie Gott aber auf verschiedene Weise ähnliche Zwecke verfolgt durch außerordentliche Begebenheiten, dürfte unschwer aus folgendem, höchst merkwürdigem Vorfalle zu erkennen sein. Ein zwar betagter, aber an Geist und Körper völlig rüstiger Pfarrer der protestantischen Religion hatte einst, wie schon öfters, einen jüngeren Collegen zu Tische geladen. Um seine Ansicht in einer theologischen Streitfrage, über welche sie sprachen, zu begründen, ging besagter Pfarrer in seine Bibliothek, ein Buch zu holen. Wer beschreibt aber sein Erstaunen, da er beim Eintritt bereits sich selbst dort sitzen steht? Die Gestalt schien eifrig in einem Buche zu lesen; beherzt tritt der Geistliche an sie heran, blickt über deren Schulter in das vorliegende Buch und findet, daß die Erscheinung mit ihrem Finger auf jene Stelle des Propheten Jsaias deutet, wo es heißt: „Bestelle dein Haus; denn du mußt sterben!" Erschüttert kehrt der Greis zurück und erzählt die sonderbare Begebenheit, welcher der Freund natürlich jede weitere Bedeutung abspricht. — Wenige Tage später schied der Pfarrer wirklich aus dem Leben. Wird es reiner Zufall gewesen sein, daß jene Gestalt eben auf diese Stelle hinwies? Kann Gott auf diese Weise zu außerordentlichen Zwecken das sogenannte zweite Gesicht benützen, warum sollten dann nicht auch die TodeS- anmeldnngen einem ähnlichen, erhabenen Zwecke dienen können? Daß bei einer solchen durchaus ungezwungenen Theorie an ein thätiges Eingreifen der höllischen Mächte nicht wohl zu denken ist, dürfte leicht begreiflich sein. Sicherlich steht es in Gottes Macht, auch die bösen Geister guten Zwecken dienstbar zu machen; ja in einzelnen wenigen Fällen, wo die Todesanmeldungen in äußerst schreckenerregender Weise eintraten, dürfte sogar eher an diabolische Wirksamkeit zu glauben sein, als an das Walten der guten Engelwelt. So wissen wir z. B., daß mitunter ungerathenen Kindern, frivolen Sünden- genossen der Tod der bisher vergebens warnenden Eltern u. s. w. in erschütternder Weise angezeigt wurde, um jenen Unseligen so eine letzte eindringliche Warnung zukommen zu lassen. In solchen Fällen werden aber sicher die Mächte des Abgrundes nicht aus eigenem Willens- entschluß selbst mit Zulassung Gottes so handeln, sondern widerwillig den höheren Absichten des Herrn sich beugen müssen. Ihr Wirken wäre dann zusammentreffend mit dem der guten Engel. Freien, ungezwungenen Einfluß der satanischen Geister ohne jedweden Zweck können wir aber nimmermehr annehmen, da der böse Feind zwar ein verworfener, aber immerhin höchst vernünftiger Geist ist, der sicherlich ohne höheren Befehl die Menschen nicht zur Einkehr in sich selbst und zur Umkehr vom Wege des Verderbens, überhaupt zu guten Werken antreiben wird. Auch wird Gott niemals zugeben, daß die verstoßenen Engel die Menschen durch derlei Einflüsse in eitlen Schrecken nach Belieben versetzen dürfen. Gegen eine solche Annahme empört sich des Christen Glaube an Gottes hehre Majestät und väterliche Güte. Schließlich sei noch erwähnt, daß es thörichter Aberglaube ist, wenn manche Leute an der Ansicht festhalten, die Todesanmeldungen seien ein untrügliches Vorzeichen eines baldigen Unglückes oder eines neuerlichen Todesfalles in der Familie; hin und wieder mögen solche Ereignisse zufälliger Weise zusammentreffen. Unser Streifzug in das Nachtgebiet der Natur wäre nunmehr zum Endziele gelangt. Möge er dazu beigetragen haben, aus den Herzen der geneigten Leser eitle Angst und abergläubische Furcht vor solchen „Spukgeschichten" zu verbannen und in ihrer Seele den Glauben an eine übersinnliche, übernatürliche Welt auf's neue zu beleben und zu stärken. Gegebenen Falles forsche man zuerst gründlich nach einer natürlichen Ursache; gebricht es an einer solchen, so mag mau sich für einen Erklärungsversuch, je nach dem Bedürfniß des Herzens, entscheiden. Stets aber wird beruhigend und ermnthigend auf des Menschen Inneres wirken das treffliche Wort des Dichters Utz: Die stille Tugend liebt den prächtigen Gedanken: „Gott ist und Gott wird sein, wenn alle Welten wanken!" Von Jerusalem nach Beyrath. Von Dr. Seb. Enringer. (Schluß.) Nach einem langweiligen Ritte längs der Ostseite des Karmel, aber eine Stunde östlich davon, der nur durch einige Prachtexemplare von Steineichen interessant wurde, kam ich nach Akka. Der Golf von Akka ist nicht groß, aber hübsch, an dem westlichen Ende desselben ist das Kap Karmel und Haifa (Kaifa), am östlichen Ende die Stadt Akka, welche nach der dortigen Niederlassung der Johanniter St.-Jean d'Acre hieß und heißt. Die Mauern und einige Häuser sind alt und zum Theil pittoresk; aber im allgemeinen ist wenig erhalten, was über die Krenzzüge hinaufreichen könnte; aber da die Häuser und ganze Straßen aus Steinen von Askalon's und Cäsarea's Ruinen erbaut sind, findet man sich oft mitten im Mittelalter, obwohl die Häuser selbst neu sind. Der Pfingstsonntag traf meinen Dragoman etwas besser, und wir kamen bis Jskanderium. Ich hatte dort, wie noch zweimal, Gelegenheit, die Sonne in's Meer tauchen zu sehen. Am nächsten Tage schaute ich mir die Maulbeer- baumgärten (Seidenwürmer) von Ras el Sin und die 4 alten Wasserbassins an, welche einst das 1 Stunde entfernte Tyrus mit Wasser zu versorgen hatten. Um den nöthigen Hochdruck zu erlangen, hat man die 4 Quellen gefaßt, so daß sie in die Höhe fließen müssen. Alan hat die Quellen einzeln mit viele Meter hohem, festem, cementirtem Mauerwerk umgeben, so daß die immer fortfließende Quelle diesen Cylinder füllen muß; es wird dadurch allmählig eine Wassersäule gewonnen, welche in ihrer Oberfläche mehrere Bieter höher als die darunter liegende Quelle ist und daher genügenden Hochdruck gibt. Von da nach Dar Kanun, wo einige rohe Figuren in den Felsen gemeißelt sind, dann zum Kaba hinan. Es ist dieses ein Grab, das aus einem Sockel aus riesigen Felsblöcken und einem rohen, aber gewaltigen Sarkophage besteht; das ganze Monument ist ca. 10 m hoch und phönizisch. Ich kam mit untergehender Sonne nach Kana, wo einige die Stelle der Hochzeit von Kana suchen wollen, während die Tradition und selbst die der Bewohner von Kana, wie ich mich überzeugte, dieselbe nach Kefr Kana verlegen. Da ich mein Zelt bei Tyrus nicht mehr erreichen konnte, nahm ick bei einer griechisch-katholischen Familie Nachtquartier. Da man wußte, daß ich Priester bin, wurde ich auf's freundlichste empfangen, die erwachsenen Söhne des Hauses und die Weiber küßten mir die Hand und legten dann dieselbe an die Stirne, wie es in Syrien Sitte ist, einen Priester zu bewillkommnen. Ich konnte vor Müdigkeit nichts essen und bezog bald meinen Schlafraum. Das ganze Haus besteht in Galiläa bei Wohlhabenden aus zwei Theilen: 1. aus dem Stall, 2. der Wohnung; bei Armen ist alles beisammen. Dieser Wohnraum ist eine hohe, geräumige Halle, deren Dach durch zwei Bogen getragen wird. Unter Tags wird darin gearbeitet, gegessen rc., am Abend werden die Matratzen auf dem Boden ausgebreitet, und der Vater und seine erwachsenen Söhne nebst resp. Frauen und Kindern schlafen alle in demselben Zimmer, es steht aus wie ein Feldlazareth. Es gab in dem Raume eine kleine Empore, wie eine Musikbühne, eine Leiter führt hinauf; dort wurde ich auf den Boden gebettet; konnte aber wegen Härte des BodenS und der Schnaken wegen nicht schlafen. Unten schliefen und schnarchten der Hausvater und die Hausmutter, 4 erwachsene Söhne und 1 Weib, 3 Kinder und mein Dragoman. Nächsten Tages ritt ich nach Tyrus, wo in der Nähe der Stätte eines alten Tempels mein Zelt war. Zuerst wurde das Schlafen nachgeholt, dann die alten Trümmer von Tyrus besichtigt; darunter die Ruinen einer Kirche, in welcher der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa begraben liegt. Tyrus war einst mit Sidon die Haupthandelsstadt der Welt. Von diesem Lande (Phonizien) aus ging die Cultur nach Griechenland und ganz Europa, und die Schrift, deren wir uns bedienen, wurde dort erfunden, ebenso das Glas und der Purpur; die Schifffahrt wurde von den Phöniziern begonnen und ausgebildet. Es ist ein Landstrich, nicht breit und nur wenige Tagreisen lang: von Jaffa bis Beyruth; aber von ihm aus ging die alte Cultur, und aus denselben Orten segelten die Boten der neuen Cultur des Christenthums ab, als die Zeit dazu gekommen war. In der Nähe von Tyrus sind interessante Höhlen und Grotten und Kreidefelsen, welche denen von Beth Schiba gleichen. Man hält sie für Grabmäler, was ich 230 nicht glauben kann; dazu ist gar kein Anzeichen, da und sie wären nicht recht ausreichend. Am Abend kam ich nach Sarepta. Auf dem Wege dahin sah ich einige interessante Höhlen, Gräber und Sarkophage. Das alte Sarepta lag am Meere, und das Haus der Wittwe ist jetzt ein mnhammedanisches Bethaus; die neue Stadt liegt auf dem Hügel. Andern Tages ritt ich hinauf, um mir mit Mühe einen modernen Krug zur Erinnerung an das Krüglein der Wittwe von Sarepta zu kaufen. Der Abend brachte mich nach Saida, der Schwesterstadt von Tyrus, dem alten Sidon. In der Stadt ist nicht viel los, der französische Chor, die Mauern und Brücken zur Insel stammen aus dem Mittelalter. Aber außerhalb der Stadt liegt die Grotte Ablun, wo man einen schönen Sarg mit Inschrift des Königs Eschmienazar (5. Jahrh, vor Christus) gefunden hat. Ich habe ihn in Paris im Louvre gesehen. Hier sind eine Menge Gänge mit Sarkophagen und Grabnischen, Spuren von Malerei rc. Die Todtenstadt dehnte sich weit aus, ist aber fast alles wieder zugeschüttet. Ich kroch lange in diesen Löchern, Kammern und Zimmern umher; die meisten stehen mit einander in Verbindung. Auf einem Berge ist jetzt die Wallfahrt zu U. l. Frau von der schönen Aussicht (Mautara), eine Marien- kapelle in einer Grotte, die dem Dienste der Göttin Astarte geweiht war. Ich suchte noch die Gräberstadt im Nordosten auf. Sie wird von einem türkischen Soldaten bewacht, damit man nichts stiehlt. Am Abend war ich in Mulaka und am nächsten Tag endlich, 20 Tage nach der Abreise von Jerusalem, in der ganz europäischen Stadt Beyruth, am Fuße des schneebedeckten Libanon. Von Grenoble nach der Grande Chartrense. Von H. Eid. Es war gegen Ende des Monats August. Der Himmel zeigte schon seit langem ein ungetrübtes Antlitz, und infolge dessen war die Hitze fast bis zur Unaus- stehlichkeit gestiegen. In der Frühe des Morgens verließ ich mit einem mir befreundeten Herrn, einem geborenen Grenoblois, die liebliche Alpenhauptstadt an den Ufern der Jsöre. Die Eisenbahn brachte uns in kurzer Zeit nach dem Städtchen Voiron, wo wir ausstiegen, um von hier aus theils zu Wagen, theils zu Fuß den durchs Gebirge führenden Weg zurückzulegen. Die Fahrt von Grenoble nach Voiron bot mir wenig Interessantes, da ich diese Strecke vorher schon theilweise durchwandert hatte. Ueppige Weingärten und blühende Fluren bekränzen hier den Fluß, und grotesk aufgethürmte, nackte Felswände schauen von beiden Seiten, bald nähertretend, bald weit zurückweichend, in die steingraue Fluth. Am Bahnhof zu Voiron standen schon zwei Wagen bereit, die Touristen nach der Grande Chartreuse aufzunehmen. Die beiden Kutscher stritten sich förmlich um unsere Kundschaft, und derjenige, der nach kurzem Wortwechsel den Sieg davongetragen hatte, schaute dann den andern mit einem Blicke voll unsagbarer Ueberlegenheit und Verachtung an. Wir fuhren also allein in dem großen, bequem gepolsterten Wagen bis zu dem großen Marktplatz der Stadt, der vor der schönen gothischen Kirche zum hl. Bruno gelegen ist. Voiron mit seinen 12,000 Bewohnern, seinen behäbig aussehenden Häusern und seiner breiten, luftigen, mit schönen Platanen bepflanzten Hauptstraße macht einen recht angenehmen Eindruck und erinnerte mich lebhaft an Speyer mit feinem platanenbepflanzten Domgarten. An der Haltestelle unseres Wagens fanden sich bald noch mehrere Reisende ein, darunter einige Geistliche und zwei Damen aus der Gegend von Lyon. Nun ging es munter bergan, bis wir die Stadt im Rücken hatten. Welch wundervolles Panorama lag da vor uns ausgebreitet! Hinter uns die Stadt, eingebettet in einen Hain von Mandel- und Kastanicnbäumen, in einen Kranz blühender Gärten, aus deren Mitte da und dort ein prächtiges Landhaus aufragte; und das alles umwunden von der in der Morgensonne blitzenden Jsöre; und weit, weit in der Ferne Grenoble und die Häupter des Hochgebirges in bläulichem Schimmer. — Aber das großartige Bild verschwand, sobald wir um die nächste Biegung des Weges gekommen waren. Es ist ein ziemlich eingeengtes Thälchen, durch welches sich nun die Landstraße sanft hinaufwindet. Die Firste der Schneebcrge zur rechten Hand sind völlig verdeckt; ein frischgrünes Eichenwäldchen auf der einen und ein kleiner Hügel, von einem weit ins Land hinansschauenden Kreuze und einer Wallfahrtskirche bekrönt, auf der andern Seite lassen uns fast vergessen, daß wir der Einsamkeit des Alpenklosters zustreben. Die Unterhaltung in unserm gutbesetzten Wagen beginnt jetzt lebhafter zu werden. Offenbar machen die beiden ältlichen Damen heute zum ersten Male diese Reise, und sie sprechen mehr mit Blicken und Gesten als mit Worten über alles, was ihnen als neu in die Augen füllt. Ihre ganze Haltung verräth, daß sie mit der gespanntesten Erwartung dem Ziel ihrer Reise entgegensehen. Für die Erklärungen und Aufschlüsse, die ihnen mein freundlicher Begleiter bereitwilligst und eigentlich unaufgefordert ertheilt, haben sie wieder nur stumme Blicke freudigen Dankes. Es gehörten jene beiden Damen gewiß nicht zu jenen Mitreisenden, die sich uns durch ihre Bekanntschaft mit der Gegend oder auch durch die Gabe freundlicher Unterhaltung nützlich machen können, aber sie waren mir immerhin in ihrer kindlich unbefangenen, stillen Freude viel lieber, als jene Vielgereisten, die kalt und unnahbar in ihrer Ecke sitzen, so, als ob sie sagen wollten: Das alles kann mich nicht rühren — schon tausendmal Schöneres gesehen! Jener Neulingszustand der beiden Frauen offenbarte sich auch in der Art und Weise, wie sie mich, der ich größtentheils in deutscher Sprache mit meinem Freunde mich unterhielt, betrachteten. Ich glaube nun freilich, daß es sich selten ereignet, daß Deutsche in dieser Gegend Sommerausflüge machen; ich wenigstens habe während meines sechswöchigen Aufenthaltes dortselbst auf allen meinen Fahrten durch die Dauphins zu meinem großen Leidwesen keinen einzigen Landsmann getroffen. So mag denn auch unsern Nachbarinnen meine Sprache seltsam genug geklungen haben. Die Gegend wurde nach und nach recht einförmig. Kleine Eichenbestände und schmale Wiesenründer begrenzten den Weg. Tiefe Ruhe herrschte ringsum, nur hie und da sah man ein einsames Bauerngehöfte oder eine weidende Schafheerde. Der Morgenthau hing in großen, hellen Tropfen auf den Gräsern, und die Luft wurde merklich kühler. Getreidefelder und Obstbäume verschwanden allmählig ganz und machten einem weiten Wiesenplane Platz, der sich als Hochebene zwischen niedrigen Nandbergen ausbreitet. Aus diesem grünen Plateau liegt das Städtchen St.-Laurent du Pont, wo wir beide den Wagen verließen, um den Ortspfarrer, einen guten Bekannten meines Freundes, zu besuchen. 231 Unsere Voiture mit den übrigen Insassen fuhr indessen lustig von bannen, der großen Karthause entgegen. Die Mittagsonne lag jetzt brütend auf der weiten Hochfläche, und die nackten Felsen am Saume der Ebene in ihrem leuchtenden Weiß scheinen förmlich zu glühen. Unser Weg zum Pfarrhof führte durch den größten Theil des unbedeutenden Städtchens, das sich in nichts von seinen Schwestergemeinden in dieser Gegend unterscheidet. Eine einzige, ziemlich breite, aber nur zum Theil gepflasterte Straße mit einem hübschen Monumentalbrunnen aus Stein, aus dem das klarste Bergwasser in mächtigen Strömen hervorspringt, wie denn überhaupt die ganze Umgebung mit Wasser auf's reichlichste versorgt ist; die Häuser niedlich und sauber, hübsch grün angestrichen, die Hausthüre meist aus Glas und mit weißen Gardinen behängen; eine ganze Reihe von Cafes und Depots de Tabac: das ist St.-Laurent du Pont. Wo der Pfarrhof liegt, braucht der Fremde kaum zu erfragen. Eine herrliche gothische Kirche mit zwei auffallenderweise stumpfen Thürmen, aus Mitteln des nahen Klosters erst vor kurzem erbaut, läßt den Ort leicht errathen. Abseits von der Straße, mitten in einem weitläufigen Garten, gerade hinter der neuen Kirche, steht das Pfarrhaus, das uns für kurze Zeit beherbergen sollte. Kaum hatten wir die Gartenthüre hinter uns geschlossen, als auch schon der Pfarrherr, der lesend unter einem Baume gesessen war, uns lächelnd entgegen kam. Eine stattliche Erscheinung von milden, gewinnenden Gesichtszügen, mit schon fast ergrautem Haare und einer angenehm weichtöuenden Stimme, so stand der Geistliche vor uns, das Bild eines würdigen Priesters und Hirten. »Vons Ztes 1'rrini äs wou nini, ob e'est: xonr^noi mou arni aussi" (Sie sind der Freund meines Freundes, und deßhalb auch der meine), redete er mich freundlich an, indem er mich auf's herzlichste bewillkommnete und umarmte. Wie angenehm mich ein solcher Empfang berührte, läßt sich leicht denken. Wie oft sucht man doch bei uns glauben zu machen, es gehöre ein Aufenthalt in Frankreich nicht gerade zu den Annehmlichkeiten! Ich kann indessen nur versichern, daß ich hier allenthalben mit großer Liebenswürdigkeit und oft sogar mit freundschaftlicher Wärme aufgenommen wurde. Unser freundlicher Gastgeber wußte denn auch gar nicht, was er mir alles zur Erfrischung anbieten sollte: Wein, Kaffee, Liqueur, Absinth und andere Dinge! Ich zog, um mich nur schnell zu entscheiden, ein Gläschen Liqueur vor. Nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten, begab ich mich in den Garten hinaus, um im Schatten eines der zahlreichen Bäume einen angenehmen Sitz und womöglich auch größere Kühle zu finden, denn die Hitze war unterdessen auf's höchste gestiegen. Dieser Pfarrgarten mag wohl für die ganze Gegend typisch sein, denn seine Anlage erschien mir durchaus eigenartig. Vor der Front des Hauses breiten sich schöne Rasenflächen aus, von zahlreichen Wegen durchschnitten und mit großen Holunder- und Lindenbäumen und allerlei Gesträuchen bepflanzt. An der Umfassungsmauer gewahrte ich einige Gemüsebeete und hie und da sogar Zierkräuter und Blumen. Aber das Klima in dieser Höhenlage scheint zarteren Pflanzen nicht besonders zuträglich zu sein, da die Morgen- und Abendzeit trotz des heißesten Nachmittags meist recht kühl, ja sogar rauh ist. Indeß zieht man an geschützten Stellen früh reifendes Obst, wie Pflaumen und Pfirsiche, die denn auch stets auf der sommerlichen Tafel erscheinen. Der hinter dem Hause liegende Theil des Gartens ist eigentlich nur ein Kleefeld, und man gewinnt von dem Ganzen den Eindruck der Halbcultur, des behaglich Breiten und Ungezwungenen. Der Tag verging mir in dieser Umgebung auf die angenehmste Weise. Im Laufe des Nachmittags gesellte sich uns ein Pfarrer aus der Umgegend zu, der uns, als er nach kurzer Zeit sich verabschiedete, auf's herzlichste einlud, ihn bei unsrer Rückkehr von der Grand Chartreuse zu besuchen. Mit diesem Herrn besichtigten wir das neue Hospital, ebenfalls eine Gründung des Karthäuferklosters. Nicht weit von demselben erhebt sich über dem Städtchen St.-Laurent ein niedriger Vorhügel, der, ganz in das grüne Festgewand des Sommers gekleidet, auf seiner Höhe ein Ktrchlein trägt, das gar zierlich und unmuthig hinunterschaut in diese Landschaft voll wilder, seltsamer Schönheit. Ein hübsch gepflegter Pfad führt im Zickzack da hinauf. Das kleine Plateau ist mit Gras und Blumen bestanden und scheint ein beliebter Spazier- gang für alle zu sein, die zu größeren Ausflügen keine Zeit oder Lust haben. Drunten liegt das Städtchen, von seiner domartigen Kirche und dem alles überragenden Bau des Hospitales beherrscht. Jetzt gewahren wir auch den Bergstrom, der mit seinen glitzernden Wellen eben erst aus der finsteren Schlucht des Gebirges hervorgetreten ist und nun in weiten Bogen durch die grüne Hochebene eilt. Ueber wohlbebaute Felder gelangen wir an einem reichen Landsitze vorbei an den Friedhof, ebenfalls hoch über St.-Laurent gelegen. Wie angenehm berührt uns hier die Sorgfalt, womit die Angehörigen die stillen Wohnungen der Todten geschmückt haben! Da ist kein Grab verödet; überall ein Denkstein oder ein einfaches Kreuz auf den blumenüberwucherten Hügeln. (Fortsetzung folgt.) Recensionen und Notizell. Griebenow Herm., Perlen griechischer Dichtung ins Deutsche übertragen. 8°. XIII-j-122 S. In Orig.-Pr.-Bd. m. Goldschn. M. 4,00. Leipzig, Th. Knaur, 1893. k. Dieselbe Verlagsbuchhandlung, der wir die herrliche Verdeutschung der poetischen Frithjoss-Sage durch Fr. Ohncsorge verdanken, bietet uns unter obigem Titel eine Auswahl griechischer Lyrik in einer Weise verdeutscht, die den Meister der Sprache in jeder Zeile erkennen läßt; wahrlich, diese Leistung der Ueber- setzungskunst läßt uns ganz vergessen, daß die Gedichte mehr als zweitausend Jahre vor uns entstanden sind; wir meinen, sie seien deutsch erdacht, so lebendig und frisch sprechen sie unS an, und dennoch sind es wirklich Originaltreue Uebertraguugen, nicht freie Nachbildungen mit Aenderungen, Lücken und Zuthaten, die, wie in vielen anderen Anthologien, die Urform oft bis zur Unkenntlichkeit verzerren. Ein besonderes Verdienst ist es, daß wir das Original sofort in bequemster Weise zum Vergleich herbeiholen können, indem der Verfasser die Quellen (kostas Ixr. Ar. sä. LergL; LmtdoloAla Ar. kalat. sä. llaeobs. 1813—17; üpiArammutuw antbol.kalat. sä.vübnsr. 1864—72) bei jedem einzelnen Liedchen ganz gewissenhaft angibt; auch belehrt unS ein Anhang mit kurzen Nachrichten über Zeit und Schicksale der angeführten Dichter. Unter den „Perlen" finden wir 29 über „Wein und Lebenslust" voll jugendlicher Muthwilligkeit, dann 25 über das alte Thema „Liebe", nicht besser und nicht schlechter, als was unsere deutschen „christlichen" Liebesverschmachtungswinseldichterseclen verbrochen haben, ferner 43 Lieder über „Zeit und Leben", worin in der That manches Goldkorn ernster Lebensweisheit; nun folgen noch 16 Skolien, 34 Sprüche und 16 Scherz- und Spottgedichte, worunter wir manch attisches Salzkörnlein bewundern. Die Ausstattung zeigt von feinstem Geschmacke und macht das Büchlein zur Zierde jeden Salontisches; nicht bloß die Decke ist mit zartem Blumenmuster geschmückt, sondern auch der Text hat in Bordüren und Titelverzierungen reichlichen, reizend gezeichneten Blüthenschmuck. Möge das Büchlein beitragen, Viele mit den herrlichen Erzeugnissen griechischer Lyrik bekannt zu machen, die tausendmal die übelriechenden Giftpflanzen moderner Romanschreiberei aufwiegt, und möcbrcn namentlich recht Viele veranlaß! werden, die Originale aufzuschlagen und sich an ilmen zu erquicken, zumal da die griechische Sprache ja nicht zu den schwer erlernbaren gehört und doch so reichlichen Lohn bringt, indem sie uns eine der grobartigsten Literaturen erschließt. Es ist bedauerlich, daß es heutzutage kein Verleger wagen kann. eine griechische Anthologie ,m Urtext in w eleganter Ausstattung „salonfähig" dem Publikum zu bieten! - Der Feierabend. Kathol. Unterhaltungsblätter. Papst Leo XIII. hat aus wohl erwogenen Gründen den Wunsch ausgesprochen, daß auch die katholischen Schriftsteller nack ihrer besten Kraft dabin streben sollten, dem katholischen Volke durch passende Lektüre eine gesunde Nahrung zu bieten. Diesem erhabenen Wunsche kommen die katholischen Unter- haltungSblätter für Jung und Alt, „Der Feierabend", mit mehreren Jugendfreunden von Joseph Gcllrich, Lehrer an der katholische» Volksschule zu Landeshut in Schlesien, herausgegeben, in wirklich trefflicher Weise nach. Vor uns liegt der 38. und 39. Jahrgang; ist schon die lange Zeitdauer, während welcher sich diese Zeitschrift mitten in dem Gcwoge der rasch untergehenden Tageslitcratur erhalten bat, ein Zeugniß für ihre Solidität sowohl als auch für ihren ansprechenden Inhalt, so bieten auch die beiden genannten Bände des Unterhaltenden, Erbebenden und Belehrenden so viel, daß jeder katholischen Familie dieses prciswürdige Unternehmen — jährlich erscheinen vier Bündchen von je 150 Druckseiten um den Gesammtabonnemcnts- preis von nur 2 M. 30 Pf., durch alle Buchhandlungen beziehbar — auf das Wärmste empfohlen werden kann. In reicher Fülle wechseln in diesen Untcrhaltungsblättcrn Gedichte und Prosa in geeigneter Weise ab, so daß der Hochwürdigste Herr Fürstbischof dieser Zeitschrift wegen ihres, gediegenen, sittenreincn und religiösen, dabei aber dock bildenden und erheiternden Inhalts seine besondere Anerkennung ausgesprochen hat. Wir heben noch besonders hervor, daß der Inhalt der frommen Erzählungen nicht Ausfluß der Phantasie, sondern vorwaltend dem wirklichen Leben entnommen ist. Wenn, wie wir hoffen, die Zahl der Abonnenten sich mehrt, wird auch die Ausstattung, wie wir wünschen, eine elegantere werden. OcsterreichischesLiieraturblatt, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien. redigirt von Dr. Franz Scknürer. (Administration: Wien I., Annagasse 9.) Inhalt der Nr. 12 u. A.: Probst F., Liturgie des 4. Jahrh. u. deren Reform. (?. Jld. Veith, Emaus.) — Prill Jos., Einführung in die hebräische Spräche. (Dr. W. Gerber, Pros. an verdeutschen Univ. Prag.) — Lc Camus E., Leben unseres Herrn Jesus Christus, übers. v. E. Kcppler. (Theol.-Pros. Dr. Jos. Schindler, Leitmeritz.) — Caird John, Einleitung in die Religionspbiloiophie, übers. von A. Ritter. (Seminar-Dir. Dr. Gg. Neinhold, Wien.) — Grimmich Birg., Lehrbuch der thcorct. Philosophie. Auf thomistischer Grundlage. (Alumnats- Dir. Dr. I. Gruber, St. Pötten.) — Faulmann K., Im Reiche des Geistes. (F. Sck.) — Truxa H. M-, Hedwig Wolf, eine litcrar. Frauengestalt Oesterreichs. (Secretär Th. Kreß.) — Marburg A., Sandro Botticclli'S „Geburt der Venus" u. „Frühling", (vr. Jos. Neu Wirth, Pros. an der deutschen Univ. Prag. — DukaS-TheodassuS I., Im Zeichen des Halbmondes. Schilderungen aus der türkischen Reichshauptstadt. (Laudesrath vr. H. Misera, Wien.) u. s. w. Die Wocrl'schcn Reisebiicher verdienen für die diesjährige Reisezeit wieder einmal mit allem Nachdrucke empfohlen zu werden. Es werden diesen Herbst schon 17 Jahre, daß die Anregung zu dieser Neisebücher-Sammlung von der im Herbst des Jahres 1877 in Würzburg tagenden Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ausging. Ein thatkräftiger Würzburger Verleger, LeoWoerl. Benjamin Herder'sNeffe, griff die nur allzusehr gerechtfertigte Anregung unverweilt mit großem Eifer aus und begann sodann bereits im nächsten Jahre, dem bis dahin für die Länder deutscher Zunge beinahe vollständig in «katholischen Händen befindlichen Neisebücker-Verlage eine Reibe von Ncisebüchcrn entgegen bezw. an die Seite zu stellen, welche zwar keineswegs für Katholiken allein berechnet waren, aber diese doch als nächste Leser ins Auge faßten. Demgemäß sollte denn — natürlich ohne Andersgläubige jemals im mindesten zu verletzen — nicht bloß alles für Katholiken Anstößige in Bild und Text vermieden, sondern auch das sür Katholiken besonders Interessante — katholische Kirchen und andere Monumental- : bauten, kirchl. Verhältnisse, katholische Vereine. Klöster. Gottes- > dienst u. s. w. — auch besonders achtsam und ausgiebig behandelt werden. Da das Unternehmen einen durchaus gesunden Boden hatte und auch mit praktischem Geschicke angegriffen war, blieb es sofort nickt ohne greifbaren Erfolg, und in Folge dessen nahm eS allmählig immer größere Dimensionen an. So liegen denn zur Zeit, nach beinabe zwei Dezennien voll Aufgebotes eines ungewöhnlichen Maßeö von geistiger Arbeit wie von materiellen Mitteln, die großen wie die kleinen Woerl'fchen Rcisebüchcr in einer Anzahl vor uns, welche geradezu siauncnswürdig ist. In größeren Werken — theils eigentlichen Reiseführern, theils rein wissenickaftl. Darlegungen, theils mehr seuilletonistisch gehaltenen Neisebildcrn — wurden bisher behandelt, und zwar meist von genannten und überdies namhaften Auroren: die 5 Welttheile je für sich, Oesterreich-Ungarn, Ungarn allein, Baden, Bayern, Württemberg, Südventschland, der Rhein und die Rhein- lande, die Schweiz, die deutschen und die Schweizer Alpen, St. Gorthard und der Brenner, die Ufer des Bodensee's, Vorarlberg, Italien und Rom, Cvrsica und Sardinien, Bulgarien, Griechenland, Paxos und Antipaxos, Palästina und Jerusalem, Aegypten, der Orient, Nordafrika, Südamerika Mexiko. Westindien, Sumatra, die deutsch-österr.-ungar.-schweizcr. Benediktiner-, Chorherren- und Cistcrzienserstifte, zuletzt Schweden und Spanien. (Das Werk über Spanien wurde bereits in diesen Blättern besprochen.) Ueber den voin Reichsarckivassessor vr. P. Wittmann in München bearbeiteten „Führer durch Schweden" (mit Plänen und Karten, 16°, 136 S. M. 2) freut es uns, die folgenden Zeilen den: Zarucke'scken „Litcrar. Ccniralblatt" (1894,19) entnehmen zu können: „DaS Büchlein bringt in gedrängter Kürze Alles, was in geschichtlicher, ethnographischer, handelspolitischer und naturgeschichtlicher Hinsicht sür Reisende von Interesse und Wichtigkeit ist, und darf bei seinem billigen Preise jedem Besucher des nordischen Königreichs wohl empfohlen werden. Eine kurze Zusammenstellung der wichtigsten Redensarten, übersichtliche Karren und Pläne sowie eine klare, fesselnde Schreibweise sind beim Gebrauche dieses Führers von besonderem Werthe." Den genannten größeren Werken, welche zumeist ebenso geschmackvoll als reich illustrirt und selbstverständlich mit zahlreichen Karten und Plän.n ausgestattet sind, tritt nun aber eine fast unabsehbar lange Reihe von Städte-, Bäder- und Tourcn-Fübrern zur Seite, in denen wir den eigentlichen Schwerpunkt des Woerl'ichen Neisebücher - Verlages erblicken möchten, wie denn auch bezüglich ihrer der am meisten durchschlagende Verbraucks-Erfolg bisher erzielt ist. In den größer» Ländersührern — ausgenommen vielleicht Rom und Palästina — mag Herr Weerl den älteren und bekannteren deutschen Neisewerken gegenüber immer nock einen reckt schwere» Stand haben; aber bezüglich seiner kleinen Srädtesübrer braucht man die betreffenden Auslagen der seßhaften Buchhändler in unsern Reisecentren und Frcmdenstädten wie ganz besonders die der „fliegenden" Buchhändler in den Wartciälcn der Bahnhöfe auch nur mit einem Blick zu streifen, um alsbald — zur Freude jedes Freundes und Pflegers der katholischen Literatur — zu gewahren, daß Woerl's Srädtesübrer dort nachgerade allen andern „über" sind; man würde ilmen keinen so breite» Platz einräumen, wenn sie nicht Tag für Tag sehr fleißig gekauft würden. Wir zählen in dem Vcrlagskatalogc nickt weniger als rund 700 solcher kleiner Orts- und Landsckaftsführer, alle nach dem nämlichen Plane gearbeitet, alle in gleicher Weise ausgestattet und alle meist nur 50 Pfennige kostend, trotz Beigabe von Plan oder Karte. Abgesehen von der praktischen Einrichtung und deni niedrigen Preise, wird insbesondere der Umstand zu der immer größeren Verbreitung beigetragen haben: daß alle diese OrtSsührcr genau nach demselben, durch die Erfahrung bewährten Plane eingerichtet sind, was dem Vielrcisenden das Durchstiegen und Benutzen, überhaupt das Aufsuchen und Finden außerordentlich erleichtert. Und nun hat der Reisende noch dazu die nicht hoch genug zu schätzende Annehmlichkeit, daß er sich auf jedem fre- quentcn Bahnhöfe auch schon den Woerl'fchen Führer für die nächste Stadt kaufen und ihn so vor seiner Ankunft daselbst studieren kann. 'So untergeordneten Ranges daS hier berührte Literaturgebiet auch scheinen mag, so weitgreifend und weittragend ist doch zweifellos seine Bedeutung, und deshalb dürfen wir uns über den hier in Folge energischer, langjähriger und geschickter katholischer Anstrengung errungenen Erfolg — um nicht zu sagen: Triumph — von ganzem Herzen freuen. Fran z Hülskamp. (Liter. Handw.) Verantw., Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druckn. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.