tt,'. 33 1894 . Das Martyrium der thebäischen Legion. Vvn Dr. Bernhard Sepp. (Schluß.) II. Schon hieraus hat der Leser ersehen, daß die Argumentation Stolle's kaum ernsthaft zu nehmen ist, sondern eher geeignet sein dürfte, uns ein Lächeln zu entlocken. Recht eigenthümlich muthet uns daher seine Schlußfolgerung auf S. 63 an: „Euchers Werk ist also nicht mehr der reine und ungetrübte Niederschlag dessen, was ihm seine Gewährsleute erzählten." Ist es ihm doch nicht gelungen, auch nur eine einzige Quelle außer der Ortstradition namhaft zu machen, aus welcher Eucher irgend etwas über das Martyrium der thebäischen Legion erfahren konnte. Im Gegentheil versichert Stolle au anderer Stelle (S. 79 f.) selbst, daß kein Schriftsteller vor Eucher von diesem Martyrium Erwähnung thue. Da nun aber kaum anzunehmen ist, daß Eucher die Einzelheiten seines Berichtes frei ersonnen habe (vgl. Stolle S. 81 f.), so erhellt, daß er sie nur den von Bischof Isaak hinterlassenen Aufzeichnungen entnommen haben kann. Allerdings mag zugegeben werden, daß dabei manches Mißverständniß mitunterlaufen sei, denn gewiß in Eucher im Irrthum, wenn er die ganzes thebäische Legion das Martyrium erleiden läßt und den Borfall in die Zeit der großen Chriflenvcrfolgung der Jahre 303—305 verlegt. Immerhin können uns solche Verstoße nicht hindern, die Meldung der Legende, daß eine größere Anzahl von Thcbäern ") nach zweimaliger Dezi- mirung zu Agannnm niedergehauen wurde, in ihrem ganzen Umfang aufrecht zu erhalten. Stolle irrt nämlich auch darin, daß er meint (S. 65) „es werde nur immer vergebliche Blühe sein, die Erzählung Euchers mit dem, was wir von der Geschichte dieser Zeit wissen, in Einklang zu setzen", denn so lückenhaft uns auch die Geschichte Maximians überliefert ist,'^) gibt sie uns doch einen deutlichen Fingerzeig, in welches Jahr wir das in der Legende geschilderte Ereignis; zu verlegen haben. Wie wir nämlich aus einer Rede (des Eumenins?), welche am 1. März 29? zu Trier gehalten wurde, erfahren, zog Maximian im Herbst des Jahres 296 zur Unterdrückung eines Aufstands in Mauretanien mit einem Heere von Gallien (vom Oberrhein) über die Alpen nach Italien und Afrika,") und es unterliegt keinem Zweifel, daß er bei dieser Gelegenheit den Weg über den irrc>i,8 '") Alte Martprologicn, wie das von H. Rosweyde herausgegebene Llartzwoloxinmilomannm, die Kcllendcirien von Biineriin and Bcck sprechen nur von Mauritius und seinen Genossen, ohne eine Zahl zu nennen. ES ist daher recht wohl »löblich, daß nur eine Coborte (die cokors wiliaria?) von dem schrecklichen Schicksal betroffen wurde. ") Da die Tbchais zum Verwaltungsbezirk Orient geborte, so ist der Ausdruck Euchers -Tbsbasi ab Orionti» partibns acciti venerant« ganz richtig. Die Legionen der Tkebäer scheinen erst durch Maximian, ConstantiuS Cblorus und Diokletian gebildet worden zu sein, vgl. Xot. äiAin Orientis o. VI u. VII: -Triwa Llaximiana Tbsbasorum-, »8scunäa Xlavia Oonstantia. Tbsdaeorum-, »Tertia Oioeietiana Tbsbaeorrnn-. "0 Näheres über die Fcldzüge Maximians erfahren wir — was Stolle seinen Lesern klüglich verschweigt — nur gelegentlich aus einigen Paneghrikern, wie Maincrtinus, EumcniuS, und aus Inschriften. Der Beweis sx silsutio ist daher hier wenig am Platze. Im Frühjahr deö I. 296 hatte sich Maximian von Aquilcja her (wo er noch am 31. März 296 weilte, s. H. Schiller kenninus (Gr. St. Bernhard) nahm. Er muß mithin damals Agaunum (— 'Uurnnia, wo eine Abtheilung der 22. Legion Llloxanclriana. pirr kickslm ibre Station hatte, s. Mowmsen, Inser. ccwkoeä. Ilolv. lab. n. 14) und Octodurum pafsirt haben, und zwar um dieselbe Zeit, um welche die Ueberlieferung das Martyrium der Thebäer ansetzt (22. Sept.). Dieses merkwürdige Zusammentreffen der Umstände macht es wahrscheinlich, daß der von der Legende berichtete Vorfall im Herbst des Jahres 296 stattgefunden habe, zumal sich weder vorher noch nachher ein geeigneter Zeitpunkt für dasselbe ausfindig.machen läßt. Denn das Ereigniß früher anzusetzen, verbietet die bestimmte Meldung des Euscbius und Lactantius, daß die diokletianische Christenveifolgung um's Jahr 297 (wohlgcmerkt beim Heere) begonnen habe."") Später kann dasselbe aber darum nicht fallen, iveil Maximian erst Ende des Jahres 307, also lange nach dem Aufgören jener Verfolgung, nach Gallien (ohne Heer) zurückkehrte und bei dem ersten Versuche, sich gegen Konstantin zu erheben, den Tod fand (im I. 310). Wir haben also einen sicheren Anhallspuukt für die Datirung jenes Borfalls gewonnen und nur noch zu untersuchen, ob eine solche Härte dem Charakter Maximians entsprach. Auch dies kann kaum in Abrede gestellt werden, da alle Autoren, welche uns Nachrichten über sein Naturell hinterlassen haben, versichern, daß er äußerst jähzornig, grausam und jeder Bildung bar gewesen sei."') Berücksichtigen wir zudem, daß das schlechte Beispiel des Ungehorsams leicht ansteckend wirken konnte, so darf es uns nicht wundern, wenn er eine Insubordination im Heere mit der größten Strenge bestrafte. Wahrscheinlich hatten sich die Thebäer in dem Momente, wo sie den Paß überschreiten sollten, geweigert, Gallien zu verlassen, um nicht gegen ihre christlichen^) Mitbrüder und Mitbürger in Afrika (die Mauren) kämpfen zu müssen, denn unter dieser Voraussetzung lösen sich alle Schwierigkeiten. Aber selbst wenn unsere Vermuthung irrig wäre und es uns niemals gelänge, das wahre Motiv jenes Massenmords zu eruiren, würde die Glaubwürdigkeit jener Tradition dennoch keine Einbuße erleiden, denn der Werth einer geschichtlichen Ueberlieferung hängt selbstverständlich nicht davon ab, daß wir sie heute, d. i. nach 1600 Jahren, a. ci. O. S. 133 A. 5) nach dem Nhcin begeben, nni in Gallien während ver Abwesenheit des ConstantiuS Cblorus (der eine Expcdiiion nach Britannien unternommen baue) die Nabe aufreckn zu erhalten. Nach der Nückkchr des ConstantiuS nach dem Contincnt, die erst im Laufe des Herbstes eriolgte, zog Maximian in seine Provinz zurück, da sich inzwischen die tzuingnoAentanei in Maurecanien crboben hatten, s. H. Scknller a. a. O. S. 136, 8. elnr. Victor äs Oassar. 39; Ikutrop. brov. IX, 15; ckorn. äs rsb. get. cax. 21; Incsrti pans^xr. Oonstantio Oaesari ckiet. (1. März 297) cap. 5: reservetnr uunriis iam iamgus vsnisntibus dlauris iniuissa vastatio, vgl. ibick. eap. 13. °") Siehe H. Schiller, Geschichte der römischen Kaiserzeit Bd. II S. 153 s. 2') S. 8. ilur. Victor, spit. etc Oaesar. cap. 40: »Lmrelius dkaximianu!!, csAnomento Herenlius, ksrns nalura, aräsns libickins, consilio stoliäus, ortri agrssti kannonioqns.« blutrop. brsv. IX, 16: -Horcntins antsm propaiam ksrns st incivilis intz'onii, asperitatem suam etiain vultus Horrors siguiticans;« X, 2 (Ilsrcniins) > vir all omusm aspsritatem sasvitiamgus proclivns, inüäus, iucowmoäus, civilitatis psuitus sxpsrs«; vgl. Lactantius äs mort. psrsse. 8. ") Daß das Christenthum in der Thebais und in Mauretanien in jener Zeit sehr verbreitet war, lehrt Eusebius bist. esel. VIII, 6 u. 9; äs wart. kalasst. cap. 8; vgl. Tertnllian aäv. änä. 7. 258 noch strikt beweisen können, sondern umgekehrt muß eine Legende, welche so alt und so gut bezeugt ist, wie die vorliegende, so lange für zuverlässig erachtet werden, bis die Unmöglichkeit des darin erzählten Faktums unwider- leglich dargethan ist?") Letzteres dürfte aber bei der Thebäerlegende kaum jemals gelingen, denn Fälle von Nieder'metzelung rebellischer Truppeutheile kamen, wie Stolle S. 76 selbst zeigt, bei den Nömern im Laufe der Jahrhunderte mehrmals vor. Auch ist es kaum denkbar, daß ein Tyrann, wie Maximian, der höhere Offiziere, wie Mauritius. Exuperius, Candidus (nach Stolle), nicht schonte, den gemeinen Mann habe straflos ausgehen lassen. Mithin dürfen wir aus dem Umstände, daß die Legende nur jene drei Märtyrer mit Namen nennt, nicht ohne weiteres mit Stolle (S. 82) folgern, daß diese die einzigen Opfer der Rache Maximians gewesen seien. Ebenso unzulässig ist es, wenn Stolle aus dem Schweigen des Eucherius bezüglich der rheinischen Thebäer") den Schluß zieht, daß die Nachrichten, welche von solchen überliefert sind, falsch seien. Vielmehr müssen wir, da bereits Gregor von Tours deutlich von thebäischen Märtyrern, die zu seiner Zeit — und wohl schon lange vorher — in Köln verehrt wurden, spricht, "") annehmen, daß Maximian seinen Cäsar Konstantins auf die Un- botmäßigkeit dieser Truppe aufmerksam gemacht und ihn zu strengem Einschreiten gegen die Kohorten der Thebäer (und Mauren), welche in den Garnisonen von Köln, Lanten und Bonn lagen,"") ermähnt habe. Allerdings mochten mehrere Wochen verstreichen, bis ein darauf lautendes Schreiben des Kaisers am Niederrhein anlangte und dort in die That übersetzt wurde. Da aber die Mariyrologien in der That erst den 9., 10. und 15. Oktober als Tage der Hinrichtung der rheinischen Thebäer und Mauren bezeichnen,"") so stehen sie mit der Passiv Suchers im besten Einklang und dienen vortrefflich dazu, dieselbe zu bestätigen und zu ergänzen. III. Damit schließen wir diese Betrachtung und wenden uns nun dem im Anhang obiger Dissertation S. 101 f. Stolle scheint umgekehrt nichts Ueberliefertes für wahr zu hallen, was sich nicht heute noch, nachdem so viele Schriften und Denkmäler des Alterthums untergegangen sind, auS gleichzeitigen Autoren erweisen läßt! "0 Da Eucherius ex xrokssso nur von den agaunensischcn Märtyrern handelt, so harte er keine Veranlassung, von den außeraaaunischen Thebäern zu sprechen, falls er überhaupt von dieser Lokaltradition der Kölner, Lantener und Bonner Bevölkerung wußte. 2°) vs Zlor. mark. oax. 62. Wenn Gregor hiebet den Ausdruck äiouutur gebraucht, so will er damit gewiß nicht, wie Stolle ihm unterschiebt (S. 41). andeuten, daß dies nur ein Gerücht war, sondern vielmehr sagen, daß in Köln eine solche Tradition vorhanden sei. Da er aber ferne vorn Nheine in Tours lebte, so darf eS uns auch nicht wundern, wenn er sich über die Zahl der Märtyrer schlecht unterrichtet zeigt (auf der Gesandtschaftsreisc, von der er bist. eeel. VIII, 13 f. spricht, berührte er nur Koblenz und Trier und fand wohl kaum Zeit, antiquarische Studien zu machen). Er kennt die rheinischen Thebäer offenbar nur vorn Hörensagen, und da er nur die Wunder, die ihm zu Ohren gekommen waren, erwähnt, hatte er auch keine Ursache, alle Märtyrer des NheinlanbS aufzuzählen, geschweige denn bei jedem einzelnen anzumerken, ob er Thebäer war oder nicht. Mithin ist aus seinem Schweigen nichts sicheres zu schließen. 2 °) Während die Legionen der Thebäer in der Hot. äiFuit. nach dem Osten verlegt erscheinen, werden darin noch Mauren in Gallien aufgeführt (in der Vendöe und Bretagne); vgl. noch Friedrich K. G. D. I S. 135. 2') S. chlorentillius Vstust. oooiä. scelss. martyrol. Imeea. 1668 S. 907. 910, 919. L. 88. Soll. Ootob. XIII S. XXIV f.; die Kalepdarien von Beck und Binteriin u. a. m. (aus Ruinart) abgedruckten Texte der Passiv zu, da Stolle auch diesen corrigiren möchte. Leider ist er in seinen Emendationsversuchen wenig glücklich. Wohl stimmen wir ihm bei, wenn er jenen Passus des Kapitels VI, welcher von Urfus und Victor, die, am 30. September zu Solothurn gemartert wurden, handelt, als spätere Interpolation betrachtet (s. Exkurs I S. 84 f.), weil derselbe in direktem Gegensatz zu den unmittelbar vorausgehenden Worten des Eucherius "") steht und darum nicht von ihm herrühren kann. Dagegen sehen wir keinen Grund, das ganze Kapitel VI zu eliminiren, denn weder unterscheidet sich die Sprache desselben von der der vorausgehenden Kapitel, noch erregt die Stelle, welche der Bericht über Victor einnimmt (hinter der Erzählung von den Thebäern), Anstoß, da Victor nicht zn den Thebäern zählte, überhaupt nicht Legionssoldat, sondern Veteran war. Dazu kommt, daß Victor bereits in den Akten der Synode von Agaunnm (im I. 515), ferner in den um die Mitte des sechsten Jahrhunderts entstandenen vitas abstatuin cklZuunsnZiunr mit Namen aufgeführt wird und Venantius Fortunatus (P 600) in feinem Hymnus auf die Thebäer von yuatuor pi^nora, savata prooerum spricht (s. Stolle S. 16 A. 1 u. S. 17), unter welchen Victor jedenfalls mitinbegriffen ist?") Es kann daher nicht mit Fug be- stritten werden, daß auch Kapitel VI der ersten Recension angehört. ^-Ebenso unstatthaft ist es, wenn Stolle das von Ruinart in den Text gesetzte oiroa, Ootociurura (oax. II) in ocito äieruin verändert. Denn für's erste verlangt der Ausdruck as tonsstat: (er hielt sich auf) eine nähere Bezeichnung des Ortes, wo sich Maximian aufhielt; zweitens ist eS zwar recht wohl möglich, daß 2°) -Nase nobis tantnm äs numero illo Ilart^rum eom- psrts, saut nomina, iä sst, bcatissimorum Llaurion, Kxuperii, Oanäiäi atgus Vietoris, osksia voro nobis guiäsin inooAnita, ssä in libro vitas soripta. sunt.« Hieraus folgt natürlich nicht, daß das Martyrium des UrsuS und Victor erfunden sei. 2b) Die altgallikanische Messe (Stolle S. 106 f.) spricht nur im allgemeinen von den hl. Agauncnsern, zu welchen ja auch Victor gehört. Zudem gilt der Satz: »a potiori üt äo- uoiuinatio«, was Stolle S. 35 s. übersehen hat. Auch auf die Mariyrologien darf sich Stolle für seinen Zweck nicht berufen, da er vorher (S. 23 f.) die Zuverlässigkeit und Vollständigkeit derselben in Zweifel gezogen hat. Uebrigens kann die Oberflächlichkeit und Leichtfertigkeit, mit welcher Stolle über die Mar- tyrologien urtheilt, nicht strenge genug gerügt werden, und es findet dieselbe nur in der Unerfahrcuhcit dcS jugendlichen Forschers eine gewisse Entschuldigung. In Wahrheit verhält es sich mit den Martyrologien ebenso wie mit den Werken veralten Autoren. Wie es von den letzteren gute und schlechte Handschriften gibt, so gibt es auch gute und schlechte Texte der Martyrologien. Niemand aber wird darum ihr Zeugniß ohne weiteres verwerfen, sowenig als wir die Bücher der Alten darum gering achten, weil sie uns nicht in ihrem unverfälschten Wortlaut erhalten sind. Ein verständiger Forscher wird vielmehr die ältesten und besten Handschriften der Martyrologien mit einander vergleichen und den ihnen gemeinsamen Text zn eruiren suchen, da dieser dem Originaltext am nächsten kommt. Aus diese Weise läßt sich auch Klarheit über den ursprünglichen Inhalt und die späteren Zusätze und Erweiterungen gewinnen. Nebenbei bemerkt, scheint Stolle nicht einmal den Unterschied zwischen Kalendaricn und Martyrologien zu kennen. Kalendarien sind Tabellen in Kalcnderform, welche die kirchlichen Feste und die Gedäcbtnißtage jener Heiligen enthalten, die in einer einzelnen Kirche, Diöcese oder Kirchenprovinz gefeiert wurden. Martyrologien dagegen sind kalenderartige Verzeichnisse der Märtyrer und Bekenncr verschiedener Diöcesen, ja der ganzen Erde. Die älteren Martyrologien enthielten, wie Gregor d. Er. (roglstr. existolar. VIII, 29) uns bezeugt, nur die Namen der Heiligen, ferner Ort und Tag ihres Todes. Erst Beda erweiterte den ursprünglichen Plan dahin, daß er (unter Beibehaltung der Kalcnderform) die nähere» Umstände der Lebens- und Leidensgeschichte der genannten Heiligen angab. Ihm folgten Florus, Ado u. a. m. 259 ein späterer Abschreiber den ihm unbekannten Ortsnamen Oobocluruw mit ooto äisrniu vertauschte, dagegen kaum glaublich, daß octo äisrnm in Ootoäurnm verwandelt worden sei. Auch steht es durchaus nicht fest, daß der Kaiser Maximian von Mailand kam, welches nach Stolle S. 70 etwa acht Tagmärsche (189 röm. Meilen — 80 Wegstunden) von Agaunum entfernt ist, und daß er diese Reise nirgends unterbrach; nach unserer Vermuthung kam er vielmehr vom Nheine her. Endlich ist die Lesart circa, Octcärrrnnr durch den Wortlaut der zweiten Recension, welche eine frühe Ueberarbeitung der ersten ist, gestützt und paßt vortrefflich zu den vorausgehenden Worten der Passio „ülaxirnianus nvn Icu^c afferab", da Octodurum nur 12 röm. Meilen (— 4 Wegstunden) von Agaunum entfernt lag. Oax. V ist für §rsx äominicarnva vvinm die Lesart des coä. ffurensis Zrsx äomiuicns oviurn herzustellen, vgl. coä. Oarol. sä. TaM ex. 10: ns äi- sxerg'Lvtur anrxlius oves Oominici §re^is (Mntth. 26, 31; Zach. 13, 7; Mark. 14, 27). Für „von tantura totere ackclinis" (cax. VII) bieten zwei Handschriften der Münchener Hof- und Staatsbibliothek, nämlich atm. t 8220 (Dcx. 220) s. X u. clm. 22020 (tVessok. 20) s. XII, wohl richtiger „nuo tanturn 1 obere oä- clivis". In der iuamototio wissac (— Präfation) der altgallikanischen Messe ist für nee crun tontis ut (Stolle S. 108) offenbar nee unvtoti surrt zu lesen; weiter unten mag iro oder rotstes vor inimivoruin ausgefallen sein. Zu S. 109 Drojauuin uet Xanten bemerken wir: Die Bezeichnung Drojauum für Tanten stammt davon her, daß unweit von Tanten (— eostra vetero) die ootonio Drasaua angelegt war. Dieser letztere Name wurde frühzeitig zu Iroio in Beziehung gebracht (s. den Anonymus Ravcnnas); daher auch die (schon von Fredegar OrsA. Dur. trist, exitow. 2 berichtete) Sage, daß die Franken (welche Tanten eroberten) von dem alten Troja gekommen seien und am Nheine eine zweite Stadt dieses Namens angelegt hätten. Hie- durch wird die Ansicht Stolle's S. 41 hinfällig, daß der Name Drojonuiu für Tanten vor dem 11. Jahrhundert in der Literatur nicht vorkomme. Uebrigens haben wohl die Bollandisten Recht, wenn sie behaupten, daß die von Mombritius Louutuorruui I, 217 v. edirte kassio sancicruru Oassü «t tilorsrrtii rnaitxrnrrr curn socris eornin et Ocrcouis uuur sociis eins nur ein Auszug aus dem Sermon des Cisterziensers Helinandus (1- 1227) sei (s. H.. 88. Volt. Oot. V S. 36 f. vgl. ebenda S. 17 v. 15), denn erst Heliandus scheint die thcbäischen Märtyrer der Orte Agaunum, Köln, Bonn, Tanten mit einander in Zusammenhang gebracht zu haben. S. 110 ist unter Llcr^issslns LZrixpivos co- clcsias sxiscoxus jener Lkcr^isilus zu verstehen, den Gregor von Tours äs §1or. ruort. 61 und 62 bei einer ähnlichen Gelegenheit erwähnt. Vgl. über ihn noch Irrst. ccclss. X, 15. Ueber Schul- und Studienwesen. (Schluß.) Unsere Vorfahren gaben den öffentlichen Schulen den herrlichen Namen „Werkstätten des Geistes Gottes". Auch Herder wünschte, es möchten unsere Schulen solche erhabene Werkstätten sein; als er fühlte, wie weit auch in seiner Zeit die Schulen davon entfernt seien. Und er schrieb (in seinen Schulreden): „Wir wissen Alle, daß unsern Zeiten (und 1894 erst recht!) noch immer, wie vor einem halben Jahrhundert, der Vorwurf gemacht wird, daß nicht, wie in den alten Zeiten, unsere Weisheit im Leben ausgedrückt wird — und von den Sitten ausgeht und auf Sitten zurückführt. Sie — die Weisheit — wohnt bei uns mehr im Kopf, als im Herzen — und hat meistens mehr unser Gedächtniß berührt, als unsere Denkart und Sinnesart gebildet. Die unermeßliche Luxurie in den Wissenschaften, ihre fast unübersehbare Vermehrung Hai uns zu Sklaven der Wissenschaft gemacht — oft ohne alle Selbstbildung —: wie manche Jugendseele ging im trügerischen Organ des Vielwissens, der,Allgelehrsamkeit' unter." So weit — Herder. — Diese und ähnliche alte Mahnungen scheinen in der modernen Gclehrtenwelt spurlos verhallt zu sein. Eine weitere Eosstimme aus dem Jahrgang 1826 — S. 124 — bietet ebenfalls einen vortrefflichen Spiegel für unsere Zeit. Der Verfasser anerkennt vollständig, daß die Wissenschaften nothwendig; er hätte „auch nichts gegen die Aufklärung", aber meint — und mit Recht, daß man „mit diesem Worte — besonders bei den Oppositionsgliedern der Religion — Etwas mit diesem Namen nennt, was das reine Licht der Wahrheit eher trüben, als die Finsterniß des menschlichen Geistes aufzuhellen scheint". „Die Zeit ist bei Vielen noch nicht vorüber, wo man glaubte, der Mensch müsse so frühzeitig als möglich über religiöse Dinge verständigt' — das heißt, auf ganz natürliche Weise über Gott, menschliche Bestimmung u. s. w. unterrichtet werden; dagegen — ohne bei diesen Dingen lange zu verweilen — mit besondern! Eifer über seine gesellschaftlichen Interessen aufgeklärt und in Allem, was ihm in der Welt Ruhm, Ehre, Nutzen, Vortheil und Genuß gewähren kann, ausgebildet werden." Man hat nach dieser Meinung länger als ein halbes Jahrhundert hindurch die Menschen zu erziehen und zu unterrichten gesucht —: und auf diese Weise der Selbstsucht das Vernichtungsschwert gegen Thron und Altar, gegen Personen und Eigenthum — und gegen die wahre Freiheit und Gleichheit in die Hand gegeben. Wegen der geistigen Vcrirrung will nun der Verfasser den Geist durchaus nicht in Fesseln geschlagen wissen; aber er fordert eine vernünftige Erziehung und Bildung, und zwar auf wahrhaft christlicher Grundlage. Er weist hin auf die Ungeheuerlichkeit des wissenschaftlichen Strebens, auf das „unübersehbare Feld von Theorien und besonders auf die Anforderung an die Jugend, wo durch übermäßige Anhäufung gelehrter Kenntnisse der Geist überladen, jede freie Entwicklung gehemmt, die klare und zweckmäßige Anordnung — und eben dadurch einzig mögliche Benutzung des Gesammelten erschwert, jeder Beurtheilung die eigene Ansicht, jeder Mittheilung die belebende Kraft entzogen — und somit der Geist in jene unbegreifliche Lage versetzt wird, wo er nichts zeigen kann, als das Gewicht der auf ihm lastenden Schätze (die Schütze selbst aber nicht)". „Wir haben (sagt unsere Eosstimme weiter) vor lauter Aufklärerei den erleuchteten und erleuchtenden Glauben, vor lauter Gelehrsamkeit den nüchternen, reinen Sinn und daher auch das klare, faßliche Wort, mithin vor lauter ,umfassender Kenntniß und Verständigkeit' das rechte Verständniß unserer selbst und alles dessen verloren, was uns zunächst liegt." Wiederholt verlangt der Verfasser die Pflege des religiösen Geistes in den verschiedenen Fächern der Wissen» schuft (also auch — und hauptsächlich sogar an deu Universitäten!), indem er sagt: „Die Philosophie muß zur Wahrheit und zur Tugend führen; aber nicht zu dieser oder jener Wahrheit eines Systems, dessen Principien die Philosophen selbst in die größten, die Philosophie selbst herabwürdigenden Streitigkeiten verflechten, sondern zu jener Wahrheit, die in Gott ist; aber wieder nicht in dem von den Philosophen bald so oder so aufgefaßten Gott; sondern in dem ewig unwandelbaren Geiste des uns von der Religion gelehrten einzig wahren Gottes." Wie man nun christliche Philosophie lehren müsse, ebenso verhält es sich mit der Geschichte, der Rechts- und der Naturlehre älterer und neuester Literatur. Alan trage nichts in die Geschichte, man bürde ihr nichts auf, man mache nichts Uuheiliges aus dem Heiligen, nichts Falsches aus dem Wahren, nichts Ncchtsloses aus dem Rechte, nichts Nanmvivrigcs aus Natürlichem. Man lehre jedes Fach in der ihm eigenthümlich (naturgemäß) zukommenden Weise — in klarer Ordnung, jedes für sich, in harmonischer Verbindung zu- und untereinander — und in gleicher, reiner Beziehung auf ihr Allgemeinesund „Höchstes — auf Gott". — So wird ein Glauben, der beseligt, ein Wissen und Handeln, das fruchtet, erzeugt; so erreicht die Schule ihre rechte Bestimmung; die Wissenschaften werden erlernt, ohne daß man die „freien" Studien versäumt; der Mensch reift übcrdieß noch zu ciwas Besserem, als zum bloßen nä lwo. Aber was dieses aä !ic>o betrifft, so wird er nicht nur unterrichtet genug sein, allen Anforderungen seines Gcschüstsberufes entsprechen zu können, sondern auch gewissenhaft und redlich genug, um dem Staate, dem er dient, genügen zu wollen. Also die Philosophie nicht von der Schule verbannen; aber jene Philosophen und Lehrer überhaupt, welche nicht für die positive Religion und die allgemeine Wohlfahrt des Staates eintreten, sondern nach besonderen Absichten erziehen und bilden; deren ganzes Dichten und Trachten dahin zielt, gewisse „Lieblingsidecn der Zeit als vorzüglich einer politischen Partei, einer philosophischen Schule (Zunft) oder religiösen Sccte in den Geist der Jugend zu verpflanzen. — Nach den modernen Weisen müßten, weil die Zeiten wechseln, auch der Glaube und die Ueberzeugung sich ändern, und das Recht und mit ihm die Einrichtung und Verfassung des Staates sich beständig umgestalten". Paffen nun wohl diese Worte, welche vor längst 60 Jahren gesprochen, etwa nicht für unsere Zeit? Man hat auf gewissen Seiten von jeher nicht unterschieden zwischen verändern und richtig verbessern — vervollkommnen. In diesem Sinne soll und mnß die Welt, die Menschheit immer fortschreiten. Der wahre Fortschritt vollzieht sich nach bestimmten Entwicklungsgesetzen, welche die Vernunft im Bereiche des göttlichen Offcnbarungslichtes erkennt. Wohin aber — bei aller Intelligenz — der Fortschritt führt, welcher dieses göttlichen Lichtes sich entzieht, das bezeugen uns — leider in nur zu sinnenfälliger Weise — die Früchte des neuparadiesischen Erkenntnißbaumes, dessen Schlangenkrone nicht mehr der Socialdemokratismns gemeinhin ist, sondern der Anarchismus — das ist der völlige religiöse und politische Nihilismus. Senden wir für unsere Sache nun auch einen Blick in die altheidnische Cultnrwelt. Wie beschämen viele alte heidnische Weltweisen die modernen „Weisen" im christlichen Zeitalter! Wie haben sie doch bei ihren verschiedenen Studien immer die Gottheit gesucht und das Verhältniß des Menschen zu ihr! Mit welcher Ehrfurcht haben sie ihre religiöse Pflicht erkannt und bethätigt. Und wie haben sie vor Allem darauf gedrungen, daß die Jugend religiös erzogen und gebildet — und tugendhaft werdet Denn „die Seele des Menschen ist", wie Cicero lehrt, „gleichsam ein Tempel der Gottheit". Wie scharfsinig, herrlich überraschend, als von einem Heiden kommend, ist seine Erklärung oom Gewissen — von der „nruFnn vis aonsoisntüns etc."*) —und über die Pflichten des Menschen zur Gottheit. Gerade in diesem religiösen Suchen dieser Heiden ist ihre Vernunft erstarkt und erhellt worden, und so ward ihnen die Tugend nicht nur von hohem Werthe, sondern eine heilige Pflicht, und in diesem Sinne erzogen sie die Jugend und lehrten sie die Weltweisheit. Wie hoch auch immer die alten Weisen Griechenlanos und Roms die Wissenschaften schätzten und ihre Pflege förderten, sie achteten sie dennoch wenig, wenn sie nicht zur Tugend leiteten. Ja, sie hielten sie nicht nur für nichts, sondern sogar für gefährlich, wenn sie ohne Gottesfurcht waren, denn sie vermöchten so nicht einen einzigen sittlichen Fehler zu verbessern, nicht die Leidenschaften zu zähmen, sondern sie würden im Gegentheil sie entzügeln und besonders die Jugend hochmüthig machen. Aehnlich spricht Seneca (Lpto. 59), der namentlich den Grundgedanken des Platon folgt: der Endzweck der Erziehung und Bildung sei — die Jugend tugendhaft zu machen; und daß derjenige, der sich von diesem Endzweck entferne, bei all seinen etwaigen sonstigen Verdiensten der Hochachtung und des allgemeinen Beifalls nicht werth sei. Ach — wenn unsere modernen Gelehrten doch beherzigen möchten, was die alten Weisen in ihrer heißen Sorgfalt für die Erziehung und Bildung der Jugend geschrieben und gelehrt haben! namentlich Platon, L'cnophon (in seiner herrlichen Cyropä), Cicero, Seneca, Quintilian — schon diese genügen. Zum Schlüsse wollen wir noch einen besonders zu beherzigenden Punkt des Universitütslebens in Betracht ziehen. Ein höchst wichtiges Kapitel ist die „akademische Freiheit". Die vielen Unbotmäßigkciten, ärgerliche, nicht selten scandalöse Auftritte an den Hochschulen bezeugen klar, daß hier tiefere Uebelstände herrschen, als man gebotenen Ortes sich zugestehen will. Der akademische Bürger ist denn doch noch mehr Jüngling als Mann; da herrscht noch die üppige Kraft — und lodert heiß die schwer zu zügelnde Phantasie: mit diesen Mächten eint sich nicht Maß und Ziel, wenn der Freiheit nicht als Correctiv die religiös-moralische Kraft zur Seite steht. Aber — selbst diese muß verloren gehen — und zwar positiv und negativ zugleich, wenn der Hochschüler ohne religiöse Uebungen, ohne moralische Veredelung mehrere Jahre hinbringt — und dazu noch vom Katheder herab Lehren vernimmt, welche die letzten Wurzelfasern seines positiven Glaubens zerstören. Da muß man doch Respect vor England haben. Die Britten haben es längst erkannt, daß unter den Sternen nur eine relative Freiheit möglich ist — und daß diese auch bei der studierenden Jugend ihr Correctiv in der Religion haben muß: darum gibt es in England keinen „Tempel der Wissenschaft" ohne einen Tempel *) Man lese nur von Cicero äs Usx. lib. n. 44, n. 59; üb. II n. 8—13,15; dazu pro LIil. n. 63; äs nai. vsor. Üb. II n. 164; lib. I äs Oküo. o. 10 u. s. w. L61 der Religion. Ja, an den englischen Universitäten herrscht noch eine Liebe zur Wissenschaft, eine tiefernste Verinnerlichung in dieselbe und eine strenge Ordnung nach jeder Richtung hin. Und dennoch werden auf den englischen Universitäten Charaktere gebildet, welche dann im öffentlichen Leben auftreten erhobenen Hauptes als Männer des freimüthigsten, kühnsten Wortes; während gerade jene unserer akademischen Bürger, welche immer die „Freiheit" im Munde haben, dann in ihrem Berufsleben zumeist sich knechtisch beugen, aus — Selbstsucht, wenn sie einstehen sollten für das wahre Wohl des Staates und die Rechte des Volkes, oder — für die Rechte der Kirche! Ich schliche mit den Worten: Wo immer ein Volk wahre Macht und wahre Größe errungen — und aufrecht erhalten hat, so konnte das nicht geschehen durch die rohe Gewalt der Waffen, sondern durch jene oft wunderbar wirkende Doppelkraft von Moral und Intelligenz, welche da ist Frucht des erhabenen Bündnisses zwischen Religion und Wissenschaft. Darum, ihr Lehrer der Jugend insgesammt: Q pfleget Uefbcsorgt den Wisscnö-Drang! So daß er stets auf jenen Weg auch leitet, Darauf, gleichwie ninrauscht von Engclsang, Der Mensch der Gottheit immer näher schreitet. Augsburg. Joh. Gg. Fußenecker. Maria Luschari nnd Pontebba. Von Cölcstiu Schmid. Niederösterreich hat sein Maria Taferl, Steiermark sein Maria Zell, das kärntische Gebirgsland sein Maria Luggau und Maria Luschari. Ersteres, tief in einem rauhen Thale der krainischen Alpen verborgen, nahe der Tirolergrenze, hat seinen rein deutschen Charakter bewahrt, letzteres, in den julischen Alpen auf dem 1800 irr hohen Luschariberg gelegen, bildet den ideellen Mittelpunkt von deutschen, italienischen und slavischen Cultur- elementen. Au der Paßhöhe von Saifnitz, unweit der italienischen Grenze, schaut der schöne Berg auf das von der Poutebbabahn durchfahrene, im Anfang überwiegend deutsche, später fast rein slavische und schließlich italienische Cannl-Thal herab. Gegen Osten liegt die alte Mark- grafschaft Friaul, in ihrem nördlichen Theil überwiegend slavisch mit romanisirenden Elementen, in die hellen Fels- thäler der Venetianeralpen gebettet, gegen Nordosten liegt krainischcs Land, gegen Norden deutsches Drangebiet, das Villacherland, gegen Westen das halb Windische halb deutsche Gail-, das rein deutsche Bleibergerthal, gegen Süden beginnt sehr bald die italienische Grenze. Wir fahren von Villach aus an dem jetzt weithin bekannten Tarvis vorbei bis zu dem fast rein slovenischcn Paßdorfe Saifnitz. Den ganzen Weg begleiten unS links, immer schärfer, schließlich gigantisch ansteigend, die Felshöhen der julischen Alpen. In der Nähe unserer Haltstation bricht von denselben der wilde Luscharigraben herab, der allen Jngenicurkünsten zutrotz seine Wasser immer wieder vcrmnrend thalwärts schickt. An dem Rande des klüftigen Bettes steigen wir aufwärts. Bald belebt sich der Weg in bezeichnender Weise. Bald da, bald dort treten uns wie hinter Bühncukulisscn hervor zerlumpte, gebrochene Bettlergestalten entgegen. Das ist ganz begreiflich. Morgen ist einer jener Marientage, an denen der Berg von 2000—3000 Wallfahrern besucht wird. Ueberhaupt wälzen die umliegenden Gemeinden ihre Armenlasten so ziemlich auf den „heiligen Berg" ab, und die Platzverhältnisse der Bettler sind demgemäß auch ganz offiziell geregelt. Nach zweistündigem Steigen führt der Weg auf eine kleine, grüne Hochmulde, umsäumt von Tannenwald und breitgelagerten Bergkuppen. Zur Rechten taucht der sanfte Felskegel des Luschari aus dem zwerghaft Hinaufstrebenden Tannengrün. Auch die Kirche mit einigen der Unterkunftsgebüude zeigt sich, malerisch die Höhen umfassend. Marientag! Eben zieht eine kleine Schaar, im Abstiege begriffen, am Fuße der Felskuppen über die grüne Mulde hin. Bereits dringen die abwechselnd gesungenen, choral- artigen Gesänge zu uns herüber, so daß wir den Text als Gemisch von Lateinisch und Italienisch, vielleicht auch als friaulisch unterscheiden können. Langsam tauchen die ärmlich gekleideten, ernsten Männergestalten vor uns auf, bald auch Frauen mit braungebrannten Gesichtern, unter der Korblast, die sie auf dem Kopfe tragen, fast graziös einherschreitend. Jetzt hat die ganze Schaar unsere Waldblöße erreicht, wo der abziehende Wallfahrer die Kirche zum letztenmal vom Felsen winken sieht. Wie auf ein unsichtbares Commandowort verstummen die Gesänge und, den Blick gegen die Luscharikuppe gewendet, sinkt die ganze Schaar lautlos auf dem thaufeuchten Rasen in die Kniee. Es sind Küstenländer, die vielleicht weit aus dem Thal des Jsonzo, aus den Gegenden von Görz bis nach Trieft hinüber, über den Predilpaß gezogen waren und nun, wohl manchmal zum letztenmal, mit schwerem Herzen und sehnendem Blicke von dem einzigen Troste ihres engen, felsigen Thales Abschied nehmen. Langsam verhallen die Gesänge auf den steil abfallenden Pfaden, die gegen Norden ins Schlitzathal, zum Raiblersee hinabführen. Ein sorgfältig gepflegter Weg führt uns, um die Felskuppen sich windend, dem Gipfel entgegen. Einzelne Kapellen und Kreuze zeigen sich am Abhang mit versunkenen Wallfahrern und jammernden Bettlern. Während die Bergwirrnisse der Umgebung, von scharfen Sonnenstrahlen durchleuchtet, immer mächtiger und Wetter vor unserm Auge auftauchen, nimmt der Zauber des bergan bergab fluthenden Lebens der wolkennahen heiligen Stätte immer mehr unsere Seele gefangen. Endlich stehen wir vor dem übermächtigen Anblick der gegen Süden und Osten fast endlos sich dehnenden julischen Alpen. In allen nur möglichen Formen und Linien zieht es nebcu- und durcheinander; in düsterem Grün und Schwarz sinkt es jäh in Klüfte und Schluchten ab und erhebt sich wieder ungebrochen zu himmelstürmenden Zacken und blendenden Schneelagcrn. Direkt vor uns, gegen Süden, die Niesen der schaurigschönen Seiseragruppe mit den tiefeingerissenen, vermurten Thalfurchen, weit entfernt, von intensiverem Blau übergössen, das Venetische Gebirg, im Osten wie zwei geharnischte Kronmächte. Mangart und Triglavl Ermüdet von den unendlich wechselnden Abstufungen der Farbentöne sucht das Auge immer wieder das erlösende Grün des westlich herüberleuchtenden Uggowitzer Almengebietes und der zart verduftenden Höhen des nördlichen Kärntens. Und, wenn es dann, wie von einem Magnet gezogen, zu den versteinerten Titanenkämpfen des Südens zurückgleitet, auf die ätherisches Licht siegreich blendend herabglänzt, so erblickt es jetzt erst die tief zwischen Felsen in Schlangcnwindungen ziehende Thalfurche der Fella mit den Userorten Malborget, Pontafel, Pontebba rc. als weißlichen Flecken. Und hier nun, in dieser Umgebung, das buntwimmelnde 262 Menschengewoge, das sich zwischen den vor der Kirche aufgeschlagenen Reihen der Verkaufsbuden drängt. Bei jener Schaar dort weist die schlichte, unbestimmte Tracht, ein nicht mehr ganz passiver Zug im Gesicht auf die deutschen Thäler Nordkärntens. Daneben schreitet breit angelegt und entwickelt, in farbenreicher, halborientalischer Tracht, oft mit unbewußter Anmuth in den üppigen Gesichtslinien, daS Naturweib aus den Gründen des windischen Gailthnles. Mit ernster, fast düsterer Miene, ebenso ärmlich gekleidet als naiv selbstbewußt, gravitätisch und beweglich macht sich derfriaulische Sprößling, der verbrannte Küstenländer Bahn. Unbestimmt wie die große slavische Nation, äußerlich nur an dem typischen Kopftuch erkenntlich, durch die verhärmten Züge auf harte Arbeit deutend, lagern Schaaren von Krainerinnen auf den Rasenplätzen vor der Kirche. Dazwischen einzelne Gestalten mit den deutlichen Kennzeichen halber und ganzer Civilisation im modernen Sinne. Darüber hinweg das Gedränge der dreisprachigen Beichtstühle, das Feilschen an den Verkaufsbuden. Lateinische Gesänge, italienisch lebhafte Gesprächsformeln, weiches slavisches Gcplauder und die langsame, bedächtige Rede des Deutschen. Schaaren ziehen auf und ab, sammeln sich auf ihren Lagerplätzen zum Abzüge, mancher hat sich noch schnell ein liebes Andenken zu holen, drängt sich eilig durch das Gewühle, während von Zeit zu Zeit bimmelndes Glockengeläute mahnt. Und all dieses oft sehr lärmende Treiben führt äußerst selten zu ernsten Reibereien. Infolge der verhetzenden Politik der letzten Jahrzehnte sind diese trotz des friedfertigen Charakters der Slovenen in den Thälern drunten eben nicht selten. An den größten Feiertagen aber lagern droben 4000 bis 5000 Menschen in der Kirche und im Freien. Dabei entfaltet sich bei den Körben voll Lebensmittel und Kleidung, welche die Wallfahrer oft auf 8—10 Tage mitnehmen, ein regelrechtes, lärmendes Lagerleben. Was alle diese schreienden Disharmonien zu einer verklärten, erhebenden Harmonie einigt, das ist der altererbte, ungekünstelte Volksglaube. Der arme Thalbewohner zieht von dem heiligen Berg mit einem um ein paar Kreuzer gekauften Andenken als Talisman getröstet hinunter zu jahrelangem, schwerem Kampfe mit den feindlichen Naturmächten. Die Zurückgebliebenen preisen ihn glücklich und harren sehnsüchtig auf den Augenblick, wo sie selber die Kirche Maria Luschari zum erstenmal vom Felsen winken sehen werden. Manchem Modernen wird diese Macht tiefwurzelnden Volksglaubens ein Räthsel oder auch ein leeres Hirngespinst beschränkter Leute dünken, nicht aber dem, der diese wunderbare centralisirende Kraft in der Völkergeschichte kennen gelernt und in entscheidenden Lebens» Momenten sie selber empfunden hat. Da gibt es keine künstlich zugespitzte Nationalitäteneifersüchtelei: alle die vielen verschiedenen großen und kleinen Züge der beschränkten culturellen Entwicklung passen in den weiten Nahmen dieser Kraft. Sie alle, bis zu den drei verschiedenen Landessprachen, geben nur den bunten Einschlag: am Webstuhl sitzen hohe, ewige Gesetze. Und all das Kleinliche, Kreischende, Grelle wird erdrückt durch die gewaltigen überirdischen Linien, die da ziehen von Himmelsihüre zu Himmelsthüre, von Berg zu Thal, von allen Seiten zusammen, bis sie dem Unverdorbenen von selbst sich zu luftigen Gestalten fügen und im ewigen Aether, von wo sie gekommen, entschwinden. In solcher Weise hat sich den Germanen der Gottesglaube faßbar geoffenbart, und als dann das Christenthum kam, denselben in seine Bahnen zu lenken, da drang es, von volksentwachsenen Söhnen gelehrt und verkündigt, hinauf zu den Höhen der Volksphantasie und bot dieser ihre eigenen Gebilde in einer milderen, versöhnlicheren Form an, legte den Volksfesten einen andern, noch tiefern Sinn unter und baute seine Hciligthümer hinauf in die luftigen Höhen, wo der stolze Germane sich ganz seiner Phantasie, seiner Vaterlands- und Freiheitsliebe und andrerseits dem Gefühl der Abhängigkeit vom höchsten Wesen überließ. So ist das Christenthum auch eine wahre Volksreligion geworden, und lange noch über das Mittelalter hinaus haben sich die Gebräuche des ersten mächtigen Kampfes zwischen Heidenthmn und Christerrthum, des ersten gewaltigen Durch- dringenS des gewaltigsten Volksthums und der erhabensten überirdischen Lehre erhalten. Das Christenthum des Mittelalters.ist aus dem Volke herausgewachsen und manche spätere Jahrhunderte haben an dieser in Wesen und Form wahren Religion gezehrt. Auch jetzt noch findet sich das Volk, wo es nicht verdorben und verflacht ist, aus dem kleinlichsten Treiben, dem mühseligsten tagtäglichen Kämpfen heraus in seinen unver- derbbaren Grundvesten wieder im Zusammenflüsse der stärksten Dinge: des germanischen und slavischen Natur- gefühles, der Vaterlandsliebe und der Alles bindenden und lösenden Religion. Es wäre hier eine lehrreiche Parallele mit manchen Dingen der allerneuesten Zeit gegeben, wenn sie nicht so leicht falsch verstanden werden könnte: mir drängt sie sich immer auf, wenn ich so vor einem Brrgkirchlein stehe, das vielleicht schon manchen Ungläubigen anders als er gekommen hinabgeschickt Hai, und das liebe, leider hauptsächlich slavische, Volk sehe, wie es da, nur in milderen gczügelten Formen, die unbesiegbare Macht wahren Volksthums immer wieder spiegelt. Ich meine die vielfach jetzt erbauten Lourdes- grotten. Da wird in ein grünes, weiches Wiesenthal auf einmal ein riesiger Aufbau aus Kalk- und Tuffsteinen, Stalaktithöhlen und Wasserfalle hineingelegt, da muß das Volk auf einmal in die an und für sich ja berechtigte und schöne Marienverehruug, das Feld der tiefsten christlichen Spekulation und Mystik, hineingedrängt werden. Don allen irdischen Beziehungen, Naturgefühl, Vaterlandsliebe, verwandten Zügen aus dem täglichen Leben losgelöst, symbolisch-abstrakt, nur für tiefste Mystik durchdringbar, muß diese Art der Marienverehruug dem Volke fremd gegenüberstehen und einfach nicht anders in dasselbe hineingetragen werden, als Fclsgcklüfte in den weichen Bachabhang. Man braucht nur die mittelalterliche Art der Verehrung zu dem schmucklosen, vom Volk geschmückten Holzbild hoch oben im Blauen, daneben mit dem Volke verwurzelte Heilige, wie St. Georg, Martin, Nikolaus, Hildegard, als vermittelnde Stufe zum Vergleichs heranzuziehen, um zu sehen, daß diese neuaufkommenden religiösen Formen Künstlichkcit nicht verleugnen können. Eine weitere lehrreiche Beobachtung wird zeigen, daß dieselben nur da wirklich eindringen, wo dem Volke durch irgend welche Prozesse sein Bestes, das eigene Volksthum, bereits genommen ist. Einer der segensreichsten jener Orte aber, wo ein Glanbenshciligthum innig mit den Elementen der Natur verbunden ist, die auf das menschliche Gemüth am stärksten und unmittelbarsten wirken, ist der heilige Berg Maria Luschari. (Schluß folgt.) 263 Recensionen nnd Notizen. Haberl Fr. Xav., Kirchenmusikalisches Jahrbuch für das Jahr 1894. 8°. SS. IV-s-124. Negcnsbrirg, Fr. Pustet 1891. M. 2.00. zr. Zum neunzehnten Mal erscheint dieses Jahrbuch, zugleich Cäcilienkalender, zur Freude der Förderer und Freunde echter Kirchenmusik; wir hoffen nur, es möchten deren nicht so wenige werden, daß das fernere Erscheinen dieses Jahrbuches nochmals ernstlich in Frage gestellt werden muß, so wie vor etlichen Jahren, obwohl der Preis des hübsch ausgestatteten Heftes spottbillig ist. Das Interesse der Sionswächtcr, welche für LourdeSgrotten und ähnliche Modeartikel immer Geld und Sinn haben, ist freilich zur Zeit noch schwach genug, wenn eS sich um eine musikalisch würdige Feier der hl. Geheimnisse handelt und mit dem liebgewonnenen Schlendrian gebrochen werden soll. Möge dieser Jahrgang die Zahl derer vermehren, welche für eine heilige Musik begeistert sind und die Vorschriften der Kirche, die doch nun einmal da sind, hochachten, unbekümmert, wieviele andere „kirchliche Gesinnung" erheuchelnd ihren Gläubigen Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Kirche predigen, selbst aber nicht darnach thun. Daß dieses Jahrbuch Heuer den beiden Heroen Pierluigi da Palestrina und Orlando di Lasso ganz besonders seine Huldigung darbringt, ist selbstverständlich; ist doch vor 300 Jahren der »Lrineeps Llusisas- in Rom und der deutsche Palestrina in München zu Grabe getragen worden. Dem Herausgeber verdanken wir im laufenden Hefte eine synchronistische Tabelle über Leben und Werke der beiden großen Meister; die Arbeit war schwieriger und mühevoller, als mancher Leser vermuthen kann, und wird bleibenden Werth behalten. Aus A. Walter's (in Landshut) Feder haben wir einen Aufsalz über Witt, der in den letzten Lebensjahren mit Unrecht in den Verdacht einer Abschweifung von den Principien „der Alten" gekommen war. Auch Haberl's Aufsätze über Baun und ProSke sind zugleich eine Ehrung für Palestrina; war doch ersterer der gewaltige Palestrina-Forscher-Dirigent-Biograph, der uns den vergessenen Stern wieder inS Gesichtsfeld gerückt, letzterer aber ein Musikkenner, der die Palestrina-Begeistcrung nach Deutschland gebracht nnd damit die Umgestaltung der Kirchenmusik angebahnt hat. Es folgen noch andere werthvolle Beiträge, sowie eine musikalische Beilage: Palcstrina's herrliche Messe „0 admirakils oommsroinm". deren Verständniß durch Hallcr's treffliche Analyse erleichtert ist. Einige polemische Notizen und kleinere Nachrichten bilden den Schluß des Buches. Schirlitz S.CH., Griech isch-deutsches Wörterbu ch zum neucn Testamente. V. Anst. neu bearbeitet von T h. Eger. 8°. xx. V -s- 456. Gießen, Em. Noth. 1863. M. 6,00. k. Ein -Iwxicon ZMsco-Iatinnm in lidros novi tsstamsuti- (M. III. xp. 474 in 8"; Inpsias, Lrnold. 1888. M. 12.) besitzen wir bereits von Car. Lud. Will). Grimm; daß dieses „ein in vieler Hinsicht nicht zu übertreffendes" Werk ist, gesteht der Herausgeber vorliegenden (zum ersten Mal 1850 erschienenen) Buches unumwunden zu, glaubt aber die Berechtigung des letzteren mit Schirlitz selbst einerseits in dem zu breiten Umfang und hohen Preise, anderseits in dem lateinischen Gewände zu sehen, in welchem die älteren derartigen Werke auftreten. Letzteren Umstand müssen wir gerade für einen Vorzug halten und nicht für einen Mangel, denn gerade die wichtige und altchrwürdige Vulgata-Ucbersctzung, die doch jedem vernünftigen Bibellescr vor Allem zur Hand ist, fordert uns gerade heraus, ihre uns gang und gäbe gewordene Latinität mit der eines Iwxisvu ßrasoo-Iatinuin nach dem heutigen Stande der Philologie und Textkritik zu vergleichen, sei es zu bestätigen oder zu verbessern. Traurig, wenn deßhalb ein derartiges Wörterbuch „nur den Männern vom Fach zugänglich ist"; was müssen da unsere Gymnasien leisten?! Sonst verdient indessen vorliegendes Werk in seiner neuen Bearbeitung vollste Anerkennung; namentlich wirt^ der staunenSwerth niedrige Preis bei vollendeter äußerer Ausstattung auch der Börse eines Studierenden nicht zu wehe thun. Nicht bloß dem sprachlichen Element, sondern auch den Realien ist vorzüglich mit Hcrbeiziehung zahlreicher Beweis- und Parallelstcllen die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Möge das Buch beitragen, die Bekanntschaft mit dem Urtext des Gotteswortes mehr zu verbreiten; es wäre schon angezeigt, daß auch die kathol. NcligiouSlchrer an den Gymnasien ein oder das andere Stück des neuen Testaments im Orginaltext mit den Schülern lesen, statt ihren Kistemackcr, Allioli oder andere noch schlechtere Verdeutschungen auf dem Pulte liegen zu lassen; dadurch, daß die Kirche unter den lateinischen Ucbersetzungen den VulMa-Text apprybirt hat, ist dieser durchaus nicht dem Original etwa vorgezogen; auch erleidet durch die griechische Lektüre dgs „klassische Stilgefühl" der Schüler gewiß keinen Schaden, nachdem mit griechischen Stilübungen zudem neuerdings aufgeräumt worden. Beiträge zur Kunstgeschichte der Stadt Eichstätt. Von Josef Schlecht. Eichstätt, Hornik. 1894. —8t. Als im Herbste 1888 die Görresgesellschaft in Eichstätt tagte, erhielt der Sekretär Schlecht des dortigen historischen VereinS den Auftrag, über Eichstätts Kunstschätze zu sprechen. Sein Vortrug („Zur Kunstgeschichte der Stadt Eichstätt") fand allgemeinen Beifall und wurde sofort im Drucke vervielfältigt. Letzter Tage nun bekamen wir eine interessante Fortsetzung dieser Arbeit in die Hände. Sie betitelt sich „Beiträge zur Kunstgeschichte der Stadt Eichstätt". Es sind Verbesserungen und Nachträge zur ersten Broschüre. Besprechungen früher nicht erwähnter Kuustschätze und gewähren einen vollen Einblick in die hohe Cultur, welche Jahrhunderte laug in der kleinen, romantisch gelegenen Bischofsstab! blühte. Eleganten Stil sind wir beim Herrn Verfasser schon gewöhnt, aber die vielen Fußnoten (218 auf 37 Textseiten) geben dem Büchlein, das in sehr Vieler Hände zu kommen verdient, doch gar zu stark den Anstrich einer Gelchrten-Schrift. Wir wünschen, es möchte jede Stadt, die eine Vergangenheit ausweist, einen eben solchen Schildcrer ihrer Kunstdcnkmäler finden, einen Schilderet, der in Städte- und Kunstgeschichte gleich bewandert ist, wie cö beim Herrn Verfasser zutrifft, der es zwischen dem Erscheinen der ersten und zweiten Broschüre vom Kaplan in Eichstätt zum Doktor und Gcschichteprofessor in Dillingcn gebracht hat. Lxitoms kistorias Arnssas. üdition simpliüss st ZMklnss, avsa uns iutrodnotiou, äss nolss, un vo- cabnlairs, das illustrations d'axrös les monnmsnts st uns sarts gar InI. Oirard. 16" xp. VIII -si 344. lkr. 1,50 oart. Laris, Laokstts 1891 (II). I/Komond, Lpitoms liistorias saoras. 16° x. 173. Tours, LIams 1890. §r. 1,00 oart. l/sjard, Tlorss sanetoruin ssu ds olaris soolssias viris. 16° Tip- XVI -s- 198. Laris, OK. koussislAUö 1893. Ich. 2,00 oart. -r. Hicmit seien gleich drei Büchlein angezeigt und unseren lateinischen ABC-Schützcn empfohlen; alle drei sind mit lateinisch- französischem Glossar versehen zur Einführung in die lateinische Lektüre, die dem Schüler in zusammenhängender Weise jedenfalls angenehmer und nutzbringender sein wird, als mit abgerissenen Uebunzssätzen, wie es in unseren Gymnasien der Brauch ist, solange man dem Lernenden als Anfänger noch keinen „Klassiker" in die Hand geben kann. Die drei Büchlein beweisen und, daß in Frankreich eine etwas geschicktere Pädagogik herrscht, die in überaus praktischer Methode dem Schüler mit der Form auch einen seinem Verständniß angemessenen Inhalt bietet, der ihm Lnst und Liebe zum Lernen mehrt. Ein prächtiges Lehrbuch nnd Lesebuch zugleich ist namentlich das erstgenannte Werk, das dem Anfänger nicht bloß die lateinische Grammatik, sondern auch spielend die griechische Geschichte beibringt ; hübsch ausgeführte Bilder unterstützen die Vorstellungskraft. Merkwürdig, daß wir in unserm hochgelehrten Deutschland, dem Paradies der Schulreformen, derartige pädagogisch vorzügliche Lehrmittel gar nicht haben. Die »Ilistoriii. Araees,- wäre es wirklich werth, in einer Bearbeitung für deutsche Mittelschulen herausgegeben zu werden; in einer „Ausstellung von Lehrmitteln an Gymnasien", glaube ich, würde sie allseitigen Beifall finden. _ Bayer. Bürger-Handbuch für HauS und Schule. Von Amtsrichter Frz. Lindner in Krumbach. Verlag von Palm u. Enke in Erlangen. Ein bewährter Fachmann äußert sich über dieses „Bayer. Bürger-Handbuch" von Amtsrichter F. Lindner wie folgt: „Eine Gcsetzeskuude, die sich an das große Publikum wendet, mutz kurz gefaßt, gemeinverständlich geschrieben und billig sein. DieS alles trifft bei vorliegendem Werke in hervorragendem Maße zu. Was muß ich thun, wenn ich Jemanden verklagen oder pfänden lassen, wenn ich auswandern, ivenn ich heirathcn will; was habe ich als Bürgermeister, als Distrikts- oder Landrath zu thun, waö ist bei einem Wechsel, einem Schuldschein zu beobachten, wie wird ein Vertrag, ein Kauf, eine Pacht abgeschlossen, kurz all' die hundert und aberhundert Fragen des täglichen Lebens finden hier eine kurze, aber genügende Beantwortung. Dazu kommt noch, daß auch eine übersichtliche und klare Darstellung der Reichs- und bayerischen Landesverfassung, sowie der Organisation der Gerichte, der Handels- und Gewerbe- 264 kammern stoben ist. Infolge dieser Vorzüge und seiner enormen Billigkeit ist das Lindner'sche Bück berufen, ein Volksbuch im wahrsten Sinne des Wortes zu werocn. Außerdem aber glauben wir, daß dasselbe sich ganz vorzüglich eignen wird zu einem Leitfaden, nach dem der staatsbürgerliche Unterricht in den Fortbildnugs-, Handels- und Gewerbeschulen ertheilt werden kann, wcSbalb wir cS auch den Herren Lehrern noch besonders empfehlen/' l>r. Dom. Korioth. Katholische Apologetik für die obern Klassen der Gymnasien und Realgymnasien. Frcibnrg i. Br. Herder'sche Vcrlags- haudlung, 1894. Preis 1 M. 40 Pf., geb. 1 M. 65 Pf. 8°. XI u. 162 S. P. Genanntes Schulbuch ist aus der Praxis herausgewachsen und vereinigt in sich auch die Vorzüge, die solcher Eutstchuiigs- weise eigen sind. Die volle Beherrschung des Stoffes verleibt der DarstcllungSwcise die empfehlende Eigenschaft der Frische und Lebendigkeit. Was sodann die Ausführlichkeit anbelangt, so ist dieselbe bei allem Streben, den Rabmeu eines Schulbuches nicht zu überschreiten, ancrkenncnSwerth. Lobend sei u. a. bcs. erwähnt der Abschnitt über die Einrichtung der Kirche Jesu Christi; hier sind Punkte behandelt, von denen Schreiber erst als Tbeologickandidat gehört. Die Bemerkungen S. 112 über den Kanon und die dcuterokanonischcn Bücher wünschten wir etwas prägnanter und mehr auf die Gründe hingewiesen, warum bezüglich des Kanons und besonders der deuterokanon- iscken Bücher ursprünglich nicht die Einheit vorhanden war, welche seht herrscht. Die Definition von Inspiration: „Der HI. Geist hat die Verfasser .... so erleuchtet und geleitet, daß' sie weder in Glaubens- und Sittenlebren noch sonstwie irren konnten", scheint uns mit diesem „sonstwie" nicht ganz glücklich gegeben. Wenn die mündliche Erklärung nicht mehr im Gedächtniß weilt, so ist Gefahr vorhanden, daß dieses „sonstwie" entweder zu weit oder zu eng gefaßt werde. Unserer Ansicht nach wäre die Sache gehoben durch weitere Anführung des AussprucheS des hl. AugustinnS, lilp. 81, 1, 3. XLX. 277: eis soriptmrarrrw libris, gui fürn eanomei axpellaiwur, äiüiei huno tstmoroiu Iwnvremgus dekorrs, ut nnlium oornm auo- torom soriboudo allgnid errasso Lrmissimo ereäam eto. 8i aliguid in eis olkeuäero litteris, grrod videatur contrarium veritati, niliil alinä guam vsl weuüosum esse eoüiosm, vel interprstem uon asseontum esse, guod äiotum est, vel ine minims iutslloxisse non amdiKaw. Wird dieses Bündchen gut aufgenommen, so folgen auch die übrigen Theile der kath. NcligionSlehre im Drucke nach. Nun, wir glauben, daß dies der Fall sein wird. Ueber das Werkchen: Lationss wovsncki poeni- tsntes, auctore 0. 6 em perle. 6°. 60 Seiten. Preis Mk. —.60 (Nationale Verlagsanstalt NegcnSburz) schreibt der hochw. Herr Univ.-Pros. Dr. Krieg in Freiburg i. Br. nach Durchsicht des MauuscriptS u. A.: Die-beiden Serien, die deutsche wie die lateinische, verdienen gedruckt zu werden, und ich wünsche dies dringend, einmal weil wir sehr arm an derartige», doch so nöthigen Zusprächen sind, und dann wegen der innern Gediegenheit der vorliegenden zwei Arbeiten. Die „Zuspräche" sind durchweg mit Geschick der Epistel ovcr dem Evangelium entnommen, oft originell, dabei praktisch und gerade wegen ihrer Bündigkeit und Knappheit jedem Seelensührcr willkommen. Alle sind gut und brauchbar und regen zu neuen Gedanken an; und gerade letzteres Moment ist bei derartigen Schriften sehr zu schätzen. Auch dem Prediger werden die einzelnen Serien sehr gute Dienste thun. Geschichte des deutschen Volkes. Von Dr. S. Wid- mann. Vollständig in 19Licfg. L 40 Pfg. Paderborn, Ferdinand Schöningh. WidmanuS Geschichte des deutschen Volkes ist nun vollständig und erhält ihr eigenthümliches Gepräge dadurch, daß sie auf dem Grund und Boden einer christlichen Weltanschauung fußt und sich mit Glück versucht, ein möglichst allseitiges Bild der deutschen Geschichte zu zeichnen, vor allein aber der Cultur- entwickelung gerecht zu werden und für die Gesammtcntfaltung der materiellen und geistigen Cultur einheitliche Grundlagen und FortschrittSstufen nachzuweisen. W/s Darstellung zeigt, daß er das weitscküchtigc Material vollständig beherrscht und mit selbständigem Urtheil durchdringt. Aber ebenso lobenswerth ist die Art des VortragS, welche den Leser selbst schwierigere Partien und Ausführungen des Verfassers mit Genuß folgen läßt. In Betreff der Ausstattung, des Preises und der Tendenz steht dieses Bück einzig da und eignet sich daher hauptsächlich für solche Laien, welchen JaussenS Geschichte der Deutschen zu wissenschaftlich und zu theuer ist und die ein Bück wünschen, das. vom christlichen Standpunkte aus geschrieben, sich von jenen Produkten liberaler Herkunft unterscheidet, in welchen sich häufig neben GeschichtSlügeu Ausdrücke und Redewendungen finden die für jedes katholische Gemüth verletzend sind. Alle katholischen Zeitungsstimmen äußern sich sehr anerkennend über daö Widmaun'schs Werk, das zur Anschaffung nur bestens empfohlen werden kann. Staatslexikon. Herausgegeben im Auftrage der Görres- Gcscllschait zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland durch Dr. Adolf Bruder. — Erscheint in Heften von 5 Bogen Lex.-8°, oder in Bänden von je etwa 50 Bogen, bezw. in Halbbäuden von etwa 25 Bogen. Preis für das Heft Mk. 1.50, für den Halbband Mk. 7.50, für den Band Mk. 15. — Verlag von Herder in Freiburg. DaS 31. Heft (Anfang des IV. Bandes) enthält u. a. folgende Artikel: Ocsterrcich-IIngaru (Haas). Oldenburg (Sickcn- berger), Oranje-Freistaat (Neuwiem), Orden, religiöse (Lebin- kubl), Ordnung, sittliche, und Sitteugcsctz lNcuniugcr), Pacht (Bctzinger), Vanslavismus (HaaS). Papiergeld (v. Hueue), Papst (noch ohne Schluß) (Bellesheim). Studien undMi Theilungen auö dem Beuedictiner- Or den. XV. Jahrg. 1894. Preis pr. Jahrg. (4 Hefte ca. 40 Logen) Mk. 8 — 4 fl. Nur zu beziehen durch die Administration genannter Zeitschrist im Stift Naigern bei Bräun (Oesterreich). JnhaltS-Verzcichniß des II. HefteS 1894. (Abbau d l u n g e n.) Schmid, ?. Bernhard (0. 8. L. Schützern): Die Gewisscnsvcrpslichtuug der menschlichen Gesetze. Albcrö, V. Bruno (0. 8. IZ. Leurou): Zur Geschichte dcS Beucdictiucr- Ordcns in Polen. Eubel, 1'. Komas (0. A. 6, Rom): Die päpstlichen Provisionen aus deutsche Abteien wäbrend des Schismas und des Pontificats von Martin V. (1378—1431.) (Schluß.) Dolberg, Ludw. (Ribnitz): Die Satzungen der Cistercienser wider das Betreten ihrer Klöster und Kirchen durch Frauen. (Schleiß.) Hammerlc, Älois Ios. (Salzburg): Ein Beitrag zur Geschichte der ehem. Benediciiuer-lluiversität (I). Srölzl, ?. Marc. (0. 61st., Wisheriug): Ein Beitrag zur Geschichte deö östcrr. ErbsolgckriegcS in den Jahren 1741 und 1742. (Schluß.) Plaine, l). Bcda (0. 8 L., LstloS): Os Lanouis Llissao Xpostoliertato oum nova dielst Oauours ox- plauaistous. — Oisguisirio erliste» litur^iea. (II.) Hafner, Otto (Eßlingeu): Negesten zur Geschichte des schwäb. Klosters Hinan. (XIV) Bredl, ?. SigiSm. (0. 6ist., Hoheuiurt): Cistercienscr-Professoren im erzbischöflichen Seminare zu Prag. — (Mittheilungen.) Schmiv, I?. Bernhard (0. 8. B., Scbeyern): Das prlvilsgstum tori in casuislischcr Beleuchtung. Neueste Benedictiuer- u. Cistercicuscr-Litcrarur (IstVIII.) Litcrarische Referate. OrdeuSgeschichtl. Rundschau. Nekrologe. Nekrologische Notizen. Historisches Jahrbuch. Im Auftrage der Görresgcsellichaft herausgegeben von vr. H. Graucrt, Dr. L. Pastor und Dr. G. Schnüren CominissionSvcrlag von Herder u. Cie., München. XV. Jahrgang. 3. Heft. Inhalt: Aufsätze, v. Funk, kritische Bemerkungen zu dogmatischen Reflexionen. Falk, der mittclrbcinische Freundeskreis des Heinrich von Langeustein. Weiß, Beiträge zur Geschichte der WahlLeopoldSl. —Kleinere Beiträge. Gietl, Hincmars Oolleetsto ds seolesiis et eapollis. Sauerland, eine Padcrboruer HS. dcS 12. Jahrh, in der Vatikan. Bibliothek. Paulus, Wolfgaug Mayer, ein baycr. Cistercienserabt des 16. Jahrh. Notizen: (Meister. — C. W(eimnu). — Recensionen und Referate. Roch oll, Philosophie der Geschichte (Weiß). Pisani, tu valmatsts do 1797—1815 (». KroneS). Pisani, Xnm LaZursini immuuos kuoriut? (v. Krones). Seifferi, Denkmäler deutscher Tonkunst (Wagner). — Zcitschriftcnschau. — Novitätcnschau. — Nachrichten. Leipziger Historikcrtag (Helmolt). Llonn- inouta 6orm. Iiistoriea. Bayerische histor. Coinmissiou. Gesellschaft für rheinische GcschichiSkiinde. Reise nach Rom und Neapel (Pastor). Preisfragen. Neue Unternehmungen. Nc- krologische Ilotizen- — Erklärungen. V. Nösler-Finke. Verantlv. Ncdactcur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag deö Lit. Instituts von Haas L Grabhcrr in Augsburg.