Nr. 36 6. Zeptbr. 1894. Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst. Jahresmappe. Wenn die Vereinsgabe des Vorjahres schon durch» schlagenden Erfolg erzielte, so daß Blatter aller Richtungen sich lobend und anerkennend über die Publikation äußerten, so darf Heuer die Gesellschaft in Rücksicht auf ihre neueste Publikation siegesgewiß in den Wettstreit mit allen derartigen Unternehmungen eintreten. Die Organisation der Gesellschaft, die Jurywahl insbesondere verbürgten, daß etwas Tüchtiges geleistet würde, aber auch die Erwartungen begeisterter Freunde des Unternehmens wurden übertroffen. Schon der Umfang der Publikation konnte wieder um ein Bedeutendes erweitert werden. Es sind darin zwar nur 10 Tofeln, gegen 12 Tafeln des vorjährigen Heftes, dafür aber im Texte noch 12 Illustrationen. Gerade letzterer Umstand ist besonders zu. begrüßen. Es ist dadurch das instruktive Moment der Mappe besser ins Licht gerückt und hat zugleich der Gesammteindruck der Mappe auch mit Rücksicht auf die Anordnung und elegante Ausstattung des Textes wesentlich gewonnen. Schon beim Aufschlagen der Mappe tritt uns also ein Fortschritt entgegen, und ist hier die mühsame Thätigkeit des ersten Schriftführers, Herrn Inspektors S. Staud- hamer, der wohl hierauf zunächst einwirkte und aus dessen Feder der ausführliche, fleißig ausgearbeitete Text stammt, in rühmender Weise zu erwähnen. An der Spitze des Textes ist auf einem eigenen Widmungsblatte die „ebenso erfreuliche als aufmunternde Thatsache" verzeichnet: „Seine Königliche Hoheit der Prinz-RegentLuitpold von Bayern, an welchem die Kunst gleich allen idealen Bestrebungen einen unermüdlichen und weisen Förderer besitzt, hat die deutsche Gesellschaft für christliche Kunst mit seinem Beitritt beehrt." Somit erscheint die heurige Mappe auch als eine bescheidene Huldigung an den erhabenen Protektor der Münchener Kunst. Im Folgenden erhalten wir sodann einen Commentar zu den einzelnen Reproduktionen, Aufschlüsse über Lebensverhältnisse und Thätigkeit der Schöpfer der abgebildeten Werke, theils Neues, theils eine Ergänzung der Notizen in der vorjährigen Mappe bietend. Reizende Tert- illustrationen erläutern das Gesagte noch deutlicher. Wir können uns nicht versagen, ganz besonders aufmerksam zu machen auf die vorzügliche technische Ausführung der Reproduktionen, sei es in Kupferdruck oder Phototypie. Herr Obernetter hat sich mit diesem „jüngsten Erzeuguiß seiner Anstalt" nicht nur neuen Ruhm, sondern vor allem auch Dank und Anerkennung seitens der Gesellschaft verdient, da man durchweg wahrnimmt, daß der Interpret eifrigst bemüht war, bei der Uebersetzung in die Sprache deS einfarbigen Druckes dennoch der Klarheit und Schönheit des Urtextes möglichst nahe zu kommen. Man erkennt unschwer, daß hier nicht nur das Geschäftsinteresse maßgebend war, sondern aufrichtige Liebe zu der Sache. Der Inhalt der Mappe ist im Einzelnen folgender: Vollblätter: 1) St. Martinsktrche in Chicago, von Architekt Beckerin Mainz; 2) Entwurf zu einer Brücken- kapelle, von Architekt Wetterwald in Gebweiler im Elsaß, Möbelmagazin; 3) Modell zu einem Marien- altar, von Bildhauer Busch in München, Augusten- straße 75/0 N.; 4) Brunnenmodell, von Bildhauer Gamp in München, Schillerstr. 26/R.; 5) Madonna mit Kind, von Bildhauer Pros. Heß in München, Louisenstr. 17/1.; 6) L. 08 L von Bildhauer Waders in München, Schillerstr. 26/N.; 7) Erinnerungsbild an denseligenGrnfcnLudwig von Arco-Zinneberg, von Maler Baumeister in München, Augustenstr. 29/1. N.; 8) Altargcmälde, von Maler Pros. vonDefreggerin München, Königin- straße 31; 9) St. Pantaleon, Kranke heilend, von Maler Feuerstein in München, Schwanthalerstr. 33 R. II.; 10) Chorbogenbild, von Maler Fuge! in München, Heßstraße 4/1V.; — Bilder im Text: 11 —13) Studien, zu Engeln (aä Nr. 7), von Baumeister; 14) Rast auf der Flucht nach Aegypten, von Maler Benz in München; Schillerstraße 26/11. N.; 15 u. 16) Studienköpfe zum Chorbogenbild (aä Nr. 10), gemalt von Fuge!; 17) Modellstudie zu einem Schriftgelehrten, gezeichnet von Maler Locher in Btünchen, Adnlbertstraßc 76/1.; 18) Martyrium des heiligen Vitus, von Maler Müller-Warth in München, Theresienstr. 81; 19) Religion, von Maler Schleibner in München, Zieblandstr. 16/IV.; 20 u. 21) Profil- u. Vorderansicht der Rosa (aä Nr. 6), von Waderö; 22) St. Magdalena, von Maler Walch in München, Atelier in der Akademie der bildenden Künste. Die Perle der ganzen Mappe ist WaderL's Rosa mxotäoa,, ein Madonnenideal, wie es wohl zu keiner Zeit inniger, erhabener und keuscher gedacht wurde. „Es dürfte unwidersprochen bleiben, wenn mau seine .Uoon rn^tiou' als die bedeutungsvollste Frucht seines Genius bezeichnet." Mit Recht führt der Text die innigen Worte Walthcrs von der Vogelweide an: „Maria, Magd, du hochgelebte Frau, du süße,. i. Dein Schöpfer, Vater, Kind ist z» dir eingegangeni Uns allen Heil, daß du ibn hast empfangen! Den Höhe, Breite, Tiefe, Läng' umfinge nimmermehr» Dein kleiner Leib, mit süßer Keuschheit barg ihn der." Diesem reiht sich würdig der „Marieunltar" von Georg Busch an. Tritt uns in jenem Werk die entzückende Schönheit, die keusche Erhabenheit des Madonnen- ideals selbst entgegen, so in diesem der ganze poesievolle Reiz der Marienverehrung. Zu einem solchen Werk „gehört ein warm empfindendes Gemüth, unverdrossenes Studium der Natur und ein bedeutendes Können. .. . Diese Kindergestalten muthen uns an so frisch wie Luca della Nobbia's, aber sie sind nicht „nachempfunden", sondern aus dem Innern herauscrfnnden und in unmittelbar der Natur abgelauschten Typen zum Ausdruck gebracht; so der Text; darum meinen wir aber, sie seien recht und echt deutsch, und recht und echt innig, wie eben von Georg Busch. Die feinen Detailaufuahmcn im Text erhöhen noch den Genuß der beiden genannten Werke. Von malerischen Werken dürfte sich diesen in ganz origineller Weise Baumeisters Erinnerungsbild an die Seite stellen. Hier ist es wohl am Platze, an die besten Marienbilder des Mittelalters zu erinnern, denn was Schongauers Pinsel angestrebt, haben wir hier vollendet vor uns. Und wieder ist es eine neue Seite der Mariendarstellungen, Maria erscheint hier als Hoffnung der Sterbenden, als Trost der Wittwen. Und welch ein Frieden im Antlitz dieses Todten. ' Ein hübscher Zufall ist, daß in dieser Lieferung so 282 viele Mariendarstellungen enthalten sind, wie ja auch daS Titelblatt annoch provisorisch Wadero's anmuthige „8säes saxiantias" trägt. Unter den Werken der Plastik befinden sich noch zwei Stücke, welche diesem Jdeenkreis angehören. Tafel IV zeigt uns einen herrlichen Brunnenentwurf von Gamp im Stile des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Die Brunnensäule ist in der Vorderansicht geschmückt mit einem von Putten getragenen Neliefbild des Prinz-Regenten, gekrönt von einer katrona LavariLs; der in der Richtung aus das Relief „segenspeudende Arm des Kindes weist darauf hin, es werde der weise Regent und unermüdliche Förderer alles Schönen seinem treuen Volk noch recht lange erhalten bleiben." DaS Werk trug bei der Concurrenz für einen Monumentalbrunnen in Traunstein dem Künstler den II. Preis ein. Möge dasselbe denn anderorts bald ausgeführt werden. Es wäre wahrhaft eine bessere Idee, als die ewigen Städtepersoni- ficationen, deren Namen den Brunnen oft schon vor dessen Vollendung lächerlich machen. Ein Meisterstück der Reproduktion ist die Abbildung der Madonna mit Kind von Heß, worin sich Mutterliebe und jungfräuliche Demuth so zart und reizvoll vereinigen. „Hetz hat sein Relief in Marmor ausgeführt, ein Material, welches der Komposition einen besonderen Zauber verleiht." Die Architektur ist nur mit zwei Blatt bedacht. Wir möchten der reizenden Brückenkapelle fast den Vorzug geben vor der Martinskirche in Chicago, ohne deren Bedeutung abschwächen zu wollen. Dieses kleine Heilig- thum am Wege, über den rauschenden Wogen — es ist ein recht warm empfundenes Gedicht, sobald man auf den Gedanken näher eingeht. Die Malerei ist kaum weniger gut als in den schon genannten Werken auch in den noch übrigen vertreten. Feuersteins Pantalcon ist ein Meisterstück, auf diesem Gebiete das Beste der Mappe. Die mildernste Erscheinung des Heiligen wird noch gehoben durch die herrliche Anordnung und Behandlung der Nebenfiguren, die Spannung im Ausdruck der auf ihn Hoffenden. Eine wunderbare Figur ist der Knabe, welcher Pantaleon die Schale reicht, zart, anmnihig, rein und wahr. Dcsregger hat sich ebenfalls den Verehrern Mariens angeschlossen. Seine HI. Familie ist vielleicht dem einen oder anderen Leser schon bekannt. Er verläugnet auch hier seinen gemüthvollen Sinn, die Anhänglichkeit an feine Heimath nicht, sein hl. Joseph ist meisterhaft. In der prächtigen Com Position Fugels bewundern wir die einfache, klare Ordnung der Gruppen und Ein- zelstguren. Herrlich ist besonders die Gruppe Augustin, David, Jeremias. Letztere Figur insbesondere ist typisch für Fugels Charakter: ergreifende Realistik verbunden mit idealster Empfindung und religiöser Weihe. Sie erinnert uns an sein herrliches Abendmahl im Glaspalast. Die Idee der ganzen Komposition ist die triumphirende Kirche anbetend am Throne der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Im einzelnen bekundet Fuge! auch in diesem Werk eine erstaunliche Erfindungsgabe und Originalität, die anfangs stets überrascht, dann aber hinreißt. Das Können des jungen Meisters ist auch aus den herrlichen Studien- köpfcn im Text leicht zu ersehen. Zwischen den Zeilen des Textes lernen wir auch noch Werke von Severin Benz, Bonifaz Locher, Augnst Müller-Warth, Kaspar Schleibner und Emanuel Walch kennen. Benz und Müller-Warth zeigen uns volks- thümlichste Auffassung, letzterer überdies ein äußerst geschicktes Raumgefühl. In Locher begegnen wir einem rastlos vorwärts strebenden Talente, das wohl noch manche Stufe höher steigen wird. Schleibner zeigt eine Ruhe, welche den Beschauer wohlthuend erquickt. In Emanuel Walchs Magdalena ist die moderne Richtung der Kunst verkörpert, deren oberstes Prinzip Wahrheit ist?) Wir müßten einfach den Text der Mappe abschreiben, wollten wir mehr zu dem Gesagten hinzufügen. Derselbe führt ja in eingehendster Weise den Beschauer in die Schönheiten der Sammlung ein, nicht ohne stets auch auf des Künstlers Lebensgang und auf die Hindernisse zurückzuweisen, welche so oft „Künstlers Erdenwallen" erschweren. Wie wahr und richtig ist der Satz, welcher in die Notizen über Baumeisters Leben und Schaffen eingestreut ist! „Obwohl, heißt es da, der Künstler bis heute rastlos schafft und dabei ein unglaublich einfaches Leben führt — reich ist er nicht. Gar manchmal mögen Unwissenheit und Eigennutz mehr oder minder plumpe Versuche gemacht haben, des Künstlers Großmuth auszubeuten." Bei wie vielen Künstlerleben trifft die schlichte Schilderung des Lebens Schleibners zu! „Die Jahre der Berufswahl waren dornenvoll. Schon als Kind hegte er den sehnlichsten Wunsch, Maler zu werden. Allein da die Verhältnisse solches nicht gestatteten, so wählte er wenigstens ein an die Kunst erinnerndes Geschäft; er ging nämlich zu einem Dekorationsmaler in Bamberg in die Lehre.... Endlich wurde sein Streben soweit erfüllt, daß er an die Münchener Akademie gehen konnte." Walch folgte Defreggers Beispiel, beide machten ihre ersten Zeichenstudien beim Viehhüten. Auf manchen Umwegen — er ward Schloffergeselle — gelang es Benz endlich, sich akademischen Studien widmen und in den Tempel der Kunst als Maler eintreten zu dürfen. So bei diesem und jenem; aber selten sind die, welchen von einem günstigeren Schicksal auch auf Erden von Anfang ein behagliches Loos zu Theil wurde. Möge denn auch diese Seite nicht verschwiegen sein zu Nutz und Frommen unsrer Künstler und zur Aufklärung über den wahren Werth so mancher Phrasen. Vergleichen wir schließlich die heurige Jahrcsgabe der Gesellschaft mit jener des Vorjahres, so wird zwar die erstere gewiß nicht verlieren, aber beide gewinnen im Zusammenhalt. Hat die Gesellschaft voriges Jahr unter glücklichen Auspizien begonnen, so hat sie sich in diesem bereits als lebensfähig und -kräftig erwiesen. Man wird der diesjährigen Publikation auch von Seiten derer endlich „unverklausulirt" die verdiente Anerkennung zollen müssen, die nie erwägen wollen, daß wir nicht mehr anno 1300 oder 1400 schreiben. Erinnert mag sein an die Worte des edlen, kunsterfahrenen k. A. Kühn auf dem vorjährigen Katholikentag zu Würz- burg. Verstummen mögen jene wohlgemeinten Prophezeiungen, Mahnungen und versteckten Denunziationen, wie sie jene Anfragen an die Ritencongregation im Winter dieses Jahres enthielten. Doch es wäre schade, hier solche Bitterkeiten aufzutischen. An den Früchten erkennt man den Baum. Schlechte Früchte sind diese beiden Vereinsgaben nicht. Wir Hütten noch einen Wunsch, vielleicht könnte dieser auf der Generalversammlung im Oktober d. Js. erörtert werden. Es möchten nämlich auch von Seiten der Mitglieder, besonders der betreffenden Künstler selber, *) Dieser Meister erhielt für den Entwurf zuni künftigen Titelblatts der Mappe den ersten Preis. 283 die bereits früher erschienenen bedeutenderen Aufsätze über Leben oder Werke der einzelnen Künstler kurz bibliographisch notirt und gesammelt und dann etwa jährlich vervollständigt werden. Eine solche ganz kurze Statistik wäre eine unschätzbare Vorarbeit für die Kunstgeschichte. So würde der Zukunft eine bedeutende Quelle erschlossen werden. Inzwischen mögen sich recht Viele in der Gegenwart an diesen erwähnten Schöpfungen des Künstlergeistes erfreuen. Glückauf der Gesellschaft! Glückauf den Künstlern besonders, welche sich hier geeint, „die idealsten Güter" zu schirmen und in dauernden Werken der Mit- und Nachwelt vor Augen zu führen! Glückauf allen denen, welche es redlich mit der Kunst meinen! Mindelheim, 26. Aug. 1894. vr. O. Frhr. Lochner v. H. Die Briefe des hl. Bonifatius. Von Adam Hirschmann, Pfarrer in Schönseld. (Fortsetzung.) Als Gregor III. am 29. November 741 dieser Zeit- lichkcit entrückt wurde, versäumte Bonifatius nicht, dem Nachfolger in der päpstlichen Würde, Zacharias, seine Unterwürfigkeit auszusprechen und das Gelöbniß der Treue für sich und feine Schüler zu erneuern. Mit Freimuth bemerkt er aber auch, wie die Alamannen, Bayern, Franken als fleischlichgesinnte Menschen Aergerniß nehmen, wenn sie bei ihren Nomfahrten am Neujahrstage heidnische Tänze und ausgelassene Tafelfreuden bemerken, indem sie dadurch zur Anschauung gelangen: in Nom, unter den Augen des Papstes seien derartige Ausschreitungen erlaubt, während die Priester in der Heimath sie als Sünde verbieten und brandmarken (ex. 50 x. 299—301). Ja er sah sogar in den Gaben und Geschenken, welche bei Verleihung des Palliums an fränkische Bischöfe üblich waren, eine simonistische Handlungsweise, ob welcher der strenge Missionär bitteren Tadel gegenüber dem Papste Zacharias aussprach, welcher sich aber hiegegen scharf verwahrte: 8eä, curissirns traten, ortamnr sanetitatew Irwin, ut nestle äoin- eexs tals rrliguiä ininiwe tun, truteruitas soristat; tzuiu lastiäiosum a nostis st injuriosuin sussixitur, äuin illuä nostis rnAeritur, yuoä uos oinnino äs- testaranr (ex. 58 x. 315). Zu verschiedenen Malen sah sich der Apostel der Deutschen veranlaßt, die lehramtliche Auktorität des römischen Stuhles anzurufen. Außer persönlichen Bedenken über den Verkehr mit schlechten Bischöfen und Priestern, welcher im Interesse der kirchlichen Organisation oftmals nicht vermieden werden konnte (ex. 86 x. 368), über die Nichtbeachtung der kanonischen Weihetage (ex. 87 x. 371), waren es besonders die Schwierigkeiten in der Durchführung der kirchlichen Ehegesetze, welche eine Entscheidung Noms erheischten (ex. 26 x. 275; ex. 50 p. 300; ex. 51 x. 304). Auch auf den Synoden bildeten die Klagen über incestuöse Ehen und die Bestrafung derselben ein ständiges Kapitel. Am Abende seines thatenreichen Lebens konnte sich der hl. Bonifatius in dem Obedienzbriefe an Papst Stefan III. das Zeugniß geben, daß er drei Päpsten mit gleicher Hingebung gedient, daß er 36 Jahre lang nur das Wohl der römischen Kirche im Auge gehabt habe (ex. 108 x. 394). Leider ist sein Werk: äs umtäte öäei eLtstolicue, welches Papst Zacharias (ex. 80 x. 359) wohlgefällig aufgenommen hatte, verloren gegangen: es war das Testament des greisen Oberhirten an den deutschen Klerus, stets treu und unentwegt zum Stuhle Petri zu halten. Diese Gesinnungen finden sich auch klar ausgesprochen in dem inhaltsvollen Schreiben an Cudberht, Erzbischof von Canterbury, aus dem Jahre 747, worin er demselben Mittheilungen macht über die jüngsten Synodnlverhandluugen: Oeersvlrnrw untern In nostro siuoäali eonventu et eonkssei sninns, üäern euistolieuin et snstjeotronern Kowunus seelseiae üns tenns vitae vostrue velle servurs; saneto l'stro et vieario esus velle sustjioi . . . st xsr ornnia, xrue- oeptu s. ketri oanoniee ss^ui äesiäeiure, ut toter ovss ersti oonnneiräutas nninsremnr (sp. 78 x. 351). Sollte dieser Wunsch nach Einheit im Glauben durch Unterordnung unter Noms Auktorität heute seine Berechtigung verloren haben? Von England . war Bonifatius ausgegangen, mit England blieb er zeitlebens in engster Beziehung. Zum Danke, daß Papst Gregor d. Gr. den Mönch Augustinus von Nom abgeschickt hatte, um dem Volke der Anglen den Glauben an den gekreuzigten Gottmenschen zu predigen, sandte England feurige Verkünder der christlichen Lehre in reichen Schaaren über den Kanal und unterstützte durch Gebet und Geschenke die Arbeit der Missionäre. In herzlich bewegten Worten bittet Bonifatius den Abt Aldher, er möge mit feinen Mönchen beten, auf daß die Völker Germaniens dem Götzendienste entsagen und zur Erkenntniß Gottes gelangen mögen (ex. 38 x. 288). Ja, er fordert alle Engländer auf zum Gebete für die Bekehrung der heidnischen Sachsen, welche ihre Bruder, ihre Stammesgenossen seien. Dazu habe er den Auftrag zweier Päpste erhalten (ex. 46 x. 295). Gar oft noch kehrt in den bonifatianischen Briefen die Bitte um das eifrige Gebet seiner Landsleute wieder, auf daß die Gnade Gottes an ihm nicht wirkungslos vorübergehe — yuia, nltimrw et xessiinrw sum, fügt er in demüthiger Bescheidenheit hinzu, ownium lexrrtorum, HN 08 eatlroliou et rrxostoliea Hornana, eeeleeis. uä xraeäieanäuw svrmAsIium äestinuvrt — (ex. 67 x. 335). Von der Aebtisfin Bugga läßt sich der für wissenschaftliche Bildung begeisterte Glaubensprediger (ex. 9 x. 260) die Leidensgeschichten der Märtyrer nachsenden (ex. 15 x. 264), den Erzbischof Nothelm ersucht er um Ueberlafsung der Antworten des Papstes Gregor auf die Fragen Augustins, des Lehrers der Anglen (ex. 33 x. 284); sein Freund Duddus soll ihm Erklärungen zu den Briefen des hl. Paulus schicken, da er nur für den Römer- und I. Korintherbrief Commentare zur Hand habe (ex. 34 x. 285); die Aebtissin Eadburga wird angegangen, in goldenen Buchstaben die Briefe des hl. Petrus durch den Priester Eoban abschreiben zu lassen, um dadurch Ehrfurcht vor den hl. Schriften den Neubekehrten einzuflößen (ex. 35 x. 286). Von Rom hatte der hl. Bonifatius die Briefe des hl. Gregor mitgebracht; da er deren Wichtigkeit für England erkannte, machte er sie dem Bischöfe Egberth von Jork zum Geschenke; erbittet sich aber hiegegen die Traktate Beda's (ex. 75 x. 347), vorzüglich die Homilien zu den Evangelien und zu den Sprüchen Salomons (ex. 91 x. 377)?) °) Ueber Bcda'S (j- 26. Mai 735) exegetische Verdienste s. Kirchcnlex. II, 172. 284 Sein Herz war zugleich sehr empfänglich für die edlen Gefühle treuer Freundschaft; dem Abte Duddus ruft er daher die Worte der Schrift (Lool. 9, 14) ins Gedächtniß: „Halte fest an dem alten Freundei" um in ihm die Eindrücke früherer Jahre neu zu beleben (sx. 34 x. 285; Look. sx. 75 x. 346; ex. 94 p. 381; ex. 104 x. 390). Aber ebensosehr war Bonifatius von glühender Liebe zu seinem Vaterlande durchdrungen. „Ich freue mich, schreibt er nach Jahrzehnte langer Trennung an den Priester Herefrith, an den Vorzügen und dem Lobe meines Volkes, über seine Sünden aber und Schandthaten bin ich bekümmert und betrübt" (ex. 74 x. 346). Im Vereine mit den angelsächsischen Missionsbischöfen — darunter wird auch Wilbalth von Eichstätt genannt — richtet „der Erzbischof Bonifatius, der deutsche Legat der römischen Kirche," an den König Aethilbald von Mercien ein Mahnschreiben, dessen Freimüthigkeit in der Aufforderung eine legitime Ehe einzugehen, statt gottgeweihte Jungfrauen in viehischer Lust zu schänden, gipfelt (ex. 73 x. 339). Den Erzbischof Cudberth von Canterbury ersucht er, geeignete Vorsorge zu treffen, daß die englischen Weiber und Klosterfrauen aus Anlaß der Nomfahrten nicht Schiffbruch leiden an ihrer Ehre; denn fast alle öffentlichen Dirnen in den Städten der Lombardei, Franciens und Galliens sind angelsächsischen Ursprungs. Ebenso scharf tadelt der gottbegeisterte Missionsprediger den zügellosen Luxus in der Bekleidung und die angemessene Trunksucht seiner Landsleute; selbst Bischöfe halten sich nicht frei von diesem Laster und verleiten durch Zutrinken andere zur Unmäßigkeit. Das ist ein specielles Uebel der Heiden und unseres Volkes (stov Mini waluni sxeeials est xa§anoruin ob vostras A6nti8, ex. 78 x. 354—355). Von England erhielt der hl. Bonifatius anderseits aber auch die edelmüthigste Unterstützung in der Verkündigung der evangelischen Wahrheiten, in der sittlichen Erneuerung des deutschen Volkslebens: Priester und gottgeweihte Jungfrauen verließen die angelsächsische Heimath, um unter den Augen eines hochgcfeierten Lehrers an der Bekehrung und Besserung der Sachsen, Thüringer, Bayern U! d Franken zu arbeiten. Wir besitzen noch das Schreiben des Priesters Wiehlberht, in welchem derselbe den Mönchen in Glastonbury seine glückliche Ankunft in Niederhessen mittheilt. Voll Freude berichtet er, wie ihm Bonifatius auf die Kunde seiner Ankunft hin eine weite Strecke Weges entgegengeeilt sei und ihn gar liebevoll empfangen habe. Die Arbeit sei gefährlich und mühevoll in jeglicher Hinsicht: Hunger und Durst, Kälte und die Ueber- fälle der Heiden müsse man ertragen. Aber Wiehberht ist darob nicht kleinmüthig: seine Freunde in der Ferne sollen nur eifrig für ihn beten, damit ihm das Wort gegeben werde in freudigem Aufthun seines Mundes. Denn Gott, der da will, daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen, habe ihn glücklich über das Meer in die Gegend der heidnischen Hessen und Sachsen geführt (ex. 101 x. 388). *) 9 Hauck (Kirch.-Gcsch. I, 439) bemerkt zu diesem Briefe: „WiehbcrhtS Brief charakterisirt den Geist, der Bonifatius und seine Mitarbeiter beseelte: sie waren trotz ihrer Anbänglicbkeit an Rom Verkündiget des Evangeliums." Also Anhänglichkeit an Rom ist eigentlich in den Augen des protestantischen Kirchen- historikcrs ein Hemmschuhs für die Verkündigung des Evangeliums. Dieser Vvrwnrf überragt an Unverfrorenheit sonstige starke Leistungen Hauck's, der sich nicht scheut, von Bonifatius zu sagen: „Wie Hunderte vor und nach ihm, führte ihn das mißverstandene (?!) Wort in die Ferne, daß man um Christi Aus der Todtenliste der Missionsbischöfe von 1893 . ll. 0. Im vergangenen Jahre sind 11 Missionsbischöfe nach einem thatenreichen, mühevollen Leben — und mehr oder minder heimgesucht von Kreuz und Leiden — eingegangen in die ewige Ruhe. Es sind dies — in geographischer Reihe genommen: 1. Msgr. Franz Dominikus Neynaudi, O. Lax., von 1868 bis 1886 Apostol. Vicar von Sophia und Philippopel — Titular-Erzbtschof von Stauropolis, geboren am 4. September 1808 in Villafranca, einem piemontestschen Dorfe der Diöcese Turin, gestorben am 24. Juli 1893, erlebte somit das hohe Alter von 85 Jahren. Als k. Francesco da Villafranca trat er 1841 als einer der ersten Pioniere in die Mission auf der Balkanhalbinsel. Das Vicariat, das die südliche Hälfte Bulgariens und ganz Ostrumelien umfaßte, war eben im Jahre 1841 den Kapuzinern anvertraut worden; Apostol. Vicar ward k. Canova. Fünfzehn Jahre hindurch hatte diese Mission einen traurigen Bestand. Die Furcht vor den „Türken und ihrer Herrschaft" bannte die Entwicklung des kirchlichen Lebens. Die Kirchen waren ärmliche Strohhüten, die Wohnungen der Missionäre „Spelunken". — Erst durch den Krimkrieg und nach dem Vertrag in Paris am 30. März 1856 fiel wenigstens ein Theil der osmanischen Fesseln, und die Missionäre entfalteten nun, insoweit es ihnen gestattet wurde, eine energische Thätigkeit. Die Gleichstellung der Christen mit den Mohammedanern war wohl durch den Vertrag ausgesprochen; zur vollen Geltung jedoch gelaugte sie noch nicht sofort. Doch — die Missionäre konnten nun Kirchen und Schulen bauen. Im Jahre 1861 wurde die schöne Kathedrale zu Philippopel erbaut. Nachdem Msgr. Canova 1866 das Zeitliche gesegnet, wurde sein vieljähriger treuer Mitarbeiter k. Francesco Apostolischer Vicar (1868). Msgr. Neynaudi trug nun vor Allem Sorge für Heranbildung eines einheimischen Klerus und gründete ein Knabenseminar, das 1870 eröffnet wurde. Die Anstalt entwickelte sich in solch gedeihlicher Weise, daß sie im Jahre 1888 bereits 79 Zöglinge hatte (und 1891 allein 18 Theologen). Im Jahre 1872 gründete Msgr. Neynaudi ein Waisenhaus für Mädchen und übergab es später — zugleich mit dem neugegründeten Spital — bulgarischen Klosterfrauen vom dritten Orden, welchen der Bischof selbst eine „den lokalen Verhältnissen entsprechende" Regel und eine sehr praktische Anleitung für den Waisen- und den Krankendienst gegeben. Da zeigte sich ein in der That merkwürdiger Zug der bulgarischen Frauenwelt zum Ordensstand und jungfräulichen Leben. Dieser Zug trat so stark zu Tage, daß er von den Missionären förmlich zurückgedrängt werden mußte. Der Aufstand der Bulgaren gegen die Türkei im Jahre 1876 und der russisch-türkische Krieg brachten schwere Zeiten über die Mission. Msgr. Neynaudi stand felsenfest inmitten der Gefahren; er vertraute der Hilfe deS Allmächtigen. Und seinem Einflüsse, seiner Klugheit, sowie seinem unerschrockenen Vorgehen ist eS zu einem nicht geringen Theile zu verdanken, daß Philippopel vor willen die Eltern und das Vaterland verlassen müsse" (I. e. l, 417). Welche Motive bewegen denn die protestantischen Missionsprediger der Gegenwart, „Eltern und Vaterland" zu verlassen, um in überseeischen Ländern das Evangelium zu verkündigen? Nacü Hauck handeln diese evangelischen Christen ganz un- biblisch. 285 völliger Anarchie und Zerstörung bewahrt wurde. Seine dießfallsigen Verdienste wurden auch von allen Seiten anerkannt; nicht nur von Bulgarien, sondern auch von der Türkei und von Rußland. Auch in der nun folgenden Berathung über die Regelung der Balkanfrage spielte Msgr. Neynaudi als Congreßmitglied eine bedeutende Rolle. Im I. 1881 feierte er sein 50jähriges Priesterjubilüum; und 1882 unternahm er noch den Bau eines großen internationalen Spitals. — Als endlich die Gebrechen seines Alters zu empfindlich hervortraten, legte er mit Bewilligung des hl. Stuhles sein bürdevolles apostolisches Amt nieder und zog sich in das Klösterlein Kalachia (bei Philippopel) zurück — als armer Capuziner ohne Pension und Pfründe — und weihte sich dem Gebete und der Vorbereitung zum Tode. Ein glorreicher Tag war für ihn noch der 4. Oktober 1891: da feierte Bulgarien den 50. Jahrestag feiner Ankunft in Bulgarien. Das war in Wahrheit ein großes Fest, gefeiert unter Theilnahme aller Klassen, Nationen und Religionsbekenntnisse l Ferdinand I. von Bulgarien schmückte den greisen Bischof mit einem der höchsten Orden; der Viceconsul Frankreichs überreichte ihm das Kreuz eines Offiziers der Ehrenlegion; der italienische Consul das Kreuz eines Commandanten vom Orden des hl. Moriz und des hl. LazaruS. Und von Land und Stadt drängten sich Armenier, Juden und Türken — vor Allen aber seine lieben katholischen Bulgaren — um den ehrwürdigen Jubelgreis, um demselben darzubringen ihre herzlichsten Glückwünsche. Das war ein Zeichen jener seltenen allgemeinen Liebe, die hinausreicht über Grab und Zeit! 2. In Port Elizabeth (Südafrika) starb Msgr. Jakob David Ricards, apostol. Vicar des Ost- caps — am 30. November; geboren am 10. Januar 1828 zu Wexford in Irland als der Sohn eines angesehenen Arztes. Die Persönlichkeit dieses hohen Verblichenen, sowie sein hochverdienstlichcs Wirken ist in unserm verehrlichen Leserkreis in den Hauptzügen wohl schon bekannt. Vierundvierzig Jahre wirkte Msgr. RicardS im Missionsdienste des Caplands. Noch als Subdiacon (kaum 22 Jahre alt) folgte er dem apostol. Vicar des Ostcaps, Msgr. Depreux, der nach Europa gekommen war, um opferwillige Priester zu werben, im Jahre 1849 — im Dezember — nach Afrika. Damals war für die katholische Mission das Capland, wo der calvinische Fanatismus herrschte, noch ein sehr unfruchtbarer Boden. Erst im Jahre 1868 wurden die barbarischen Zwanggesetze abgeschafft. Doch war die Stimmung der protestantischen Bevölkerung gegen die Katholiken eine sehr feindselige. DaS hat bald der Neupres- byter Ricards in Grahamstown erfahren, das sein Arbeitsfeld wurde — das „fast noch völlig unbebaut". Da durfte sich kein Priester im klerikalen Rock öffentlich zeigen; man mußte die Vorurtheile zu bannen suchen. Das verstand eben der hochwürdige Herr. Er war sehr talentirt, hatte ein umfangreiches Wissen, besaß eine seltene Rednergabe, dabei so viel Klugheit als apostolischen Muth und Energie — und war überdreh eine liebenswürdige Persönlichkeit. Er verschaffte sich besonders Eingang in die Herzen seiner Gegner durch wissenschaftliche Vorlesungen, die bald sehr beliebt wurden. Er begann mit der Naturwisseuschaft und ging nach und nach, selbst Humoresken gebend, auf religiöse Themata über, wobei man mit gleicher Aufmerksamkeit den Worten des geistreichen Redners lauschte. Dann zog er auch die Presse in sein Hilfsbereich und gründete eine Zeitung und einen Leseverein. Nasch hob sich die kleine kathol. Gemeinde. Im Jahre 1869 zählte das Vicariat 4000 Katholiken, 9 Priester, 10 Kirchen und Kapellen, 1 Priester- Seminar und 9 Schulen. Im Jahre 1871 wurde Msgr. Ricards apostolischer Vicar des Ostcaps, setzte aber, trotz der großen Arbeitslast, seine literarische Thätigkeit fort; was um so nothwendiger war, da die Führer der englisch-protestantischen Seelen die aufblühende katholische Kirche in Wort und Schrift befehdeten. Außer zahlreichen Gelegenheitsschriften verfaßte er mehrere treffliche Controversschriften, von denen daS größere Werk „Oabliolio Otirisiüanit^ anä Noäsrn Ilirbsliek" auch in England und Amerika große Verbreitung fand. — Besonders aber galt es, dem Protestantismus die Alleinherrschaft im Schulwesen zu entringen, und Msgr. Ricards gründete das St. Aidans- Colleg in Grahamstown, die einzige höhere Schule im Ostcap. Im Jahre 1875 gewann er in Europa für dieses Colleg vortreffliche Lehrkräfte bet den englischen Jesuiten. Für die Elementar- und Gewerbschulen gewann er Marienbrüder aus Lyon; für die armen Waisen „Schwestern von Nazareth", welche die Leitung des Na- zarethhauses in Port Elizabeth übernahmen, eine der schönsten Gründungen Ricards'. Die Frauen von der Himmelfahrt weihten sich der Krankenpflege. Ein besonders glückliches Unternehmen des Msgr. Ricards war die Berufung deutscher Dominikanerinnen — aus dem Mutterhause zu Augsburg — im Jahre 1875. Im Jahre 1877 folgten aus dem Mutterkloster St. Ursula 7 Schwestern für einen neuen Convent in King Williams- town, worüber ein Contract mit dem Hochw. Herrn Bischof Pankratius v. Dinkel von Augsburg und der Frau Priorin des Klosters St. Ursula abgeschlossen wurde. „Gottes reichster Segen ward diesem Werke." Daß Msgr. Ricards für die armen Koffern Trappisten berief, welche 1880 die Farm Dumbrodi übernahmen, dieselbe aber wegen verschiedener Hindernisse 1882 wieder aufgaben; daß später diese Station von Jesuiten unternommen wurde, welche bei den Koffern im Keilond u. f. w. Stationen gründeten, und daß die Jesuiten am Sambesi — bei seinem Unterlaufe — wieder begonnen haben, darüber wurde in diesen Blättern und dem Hauptblatte — Postzeitung — jeweilig berichtet. Msgr. Ricards hatte als Bischof sich das Motto „Olraritns omnia sustinot" gewählt. Das ist ein Ausspruch, der, wie Msgr. Strobino, Ricards' Nachfolger, in seiner Leichenrede sagte, „so treffend das ganze Leben und Wirken des Bischofs einschloß". — Ihm verdankt die katholische Kirche im Ostcap ihre heutige, ehrenvolle Stellung. Sein Tod wurde nicht nur von den Katholiken, sondern auch von den Protestanten tief betrauert. Das bezeugt selbst ein herrlicher Nachruf der englischen protestantischen Zeitung „Eastern Province Herald", welcher Nachruf sogar von einem früheren literarischen Gegner Msgr. Ricards' verfaßt ist; von dem gelehrten Vicepropst der anglikanischen Kirche in Port Elizabeth — Nev. Dr. Wirkmann, der da unter anderm sagte: „Den Bischof Ricards kennen lernen, hieß ihn lieben und hochachten, und Alle, alt und jung, arm und reich, fühlten, daß sie bei seinem Tode einen persönlichen Freund verloren." Msgr. Ricards starb im 66. Lebensjahre. R. I. ?. (Schluß folgt.) Der Osternigg und der Kirchtag von Göriach im Gailthal (Oberkärnten). Von Cölcstin Schmid. Nur ungefähr 250 in überragt der Osternigg das 1700 in hoch gelegene Gebiet der Uggowitzer und Feist- ritzer Almen, welche sich auf den grasreichen, südlichen Fortsetzungen der Karawankenkette ausdehnen. Aber glühend brütete es in dem geschürften Felshange, an dem der Weg hinanklimmt. Noch zeigte sich an geschützten Plätzen manch zartes Alpenblümchen, wie die alpine Primel, Nelke und das gelbe Veilchen; doch die Königin der Höhen, das Edelweiß, ließ kraftlos den verblühten Stern hängen. Dafür tauchte nun, oben auf der Schneide des Grates, in weiter Ferne ein erhabenes Bouquct auf, mit riesigen Diamanten besetzt, die in der Mittagssonne flimmerten: Hafnereck, Großglockner, Großvenedigerl Mächtig über ihre Umgebung emporragend, leuchteten sie vom Norden herauf wie entschwundene, zeitferne Gebilde der Göttersage, glitzernd und blendend, aber über die Wolken der Erde in reine, unnahbare Himmelstiefen tauchend, die von dem kleinlichen, boshaften Gewürze der Zeitgeister nichts wissen, die nur dem jugendlich frischen, phantasievollen Sinne des jungen germanischen Volkes, feinen sehenden Führern sich offenbarten. Es wird nicht ohne Grund sein, daß gerade in dem stürmenden, sehnsuchtsvollen 18. Jahrhundert der Großglockner zum erstenmal von dem edlen Fürstbischof von Salm erstiegen wurde. So berückend das unendliche Berggewirre des Ostens zieht, so zart verwoben die Luftlinien des Südens winken, bis vom Po heraus, so wendet sich das Auge doch immer wieder zu den drei bläulich-schimmernden Lichtkegeln, gegen die weder die finstern Bergdämonen noch die Feuermächte des Südens etwas vermögen. Dicht vor uns gegen Nordwesten aufragend, zeigt sich das grau- röthliche Gestein des isolirt stehenden Dobratsch, breit, massig im Aufbau, mit spärlicher Cultur, mit seinen Graten und wilden Wänden auf das Gailthal hernnter- drohcnd, wie ein schatzbehütender Drache. Im Jahre 1347, zur Zeit des schwarzen Todes, stürzte der ganze östliche Felsenhang des langen Rückens ab. Dadurch wurde der Ausgang des Gailthales versperrt, die Gail schwoll zu einem See an. Im Ganzen gingen 17 vollständige Ortschaften zu Grunde. Schließlich brach sich das Wasser bei Arnoldstein Bahn gegen die Schlitzn, und der fruchtbare Schlammboden wurde bald wieder angebaut. Aber noch jetzt liegt es über der Gestaltung der Thalscenerie mit ihrem schwerfälligen Gewässer wie Erinnerung an jene Zeiten. Das ernste, unheimliche Gepräge der Dobratsch-Wände kann nur geeignet sein, diese Stimmung noch zu verstärken. Großglockner und Dobratsch: die Götter sind verschwunden, haben sich vor dem vernünftigen Sinn der Zeit in ihren Himmel zurückgezogen, die Dämonen, die unheimlichen Naturmächte haben ihre Macht ungeschwächt behalten, sie zwingen zum Glauben an sie. Mag der moderne Zeitgeist Hotels und Telegraphenstationen auf den Rücken des Ungeheuers bauen, manchmal rührt der Drache seine Pratzen, dann wehe seiner Umgebung und all den vernünftigen Aufgeklärten, die mit ihm zu thun haben. Nicht umsonst stehen gerade auf dem Luschari und Dobratsch mehrhundertjährige Volksheilig- thümer, und der Glaube, der sie in diese blauen Höhen hinaufgestellt, der weiß auch heute noch, waS er von dem Dobratsch, dem Thorwächter zwischen karnischen und Mischen Alpen, zu halten hat. Horch, da dringt es bebend zu uns an den Hängen herauf. Es ist verhallendes Glockengeläute aus dem tief unten zwischen Osternigg und Dobratsch gebetteten Gailthal I Heitere Ruhe liegt über der still abgeschlossenen Mulde mit ihrem milden, gleichmäßigen Sonnenlichte; nur goldgelbe Getreidefelder und zeitweise dunkler Erlen- und Birkenbusch unterbrechen das Sattgrün des Wiesen- teppichs. Dazwischen in unzähligen Windungen ein grauschwarzes Band, auf dem von Zeit zu Zeit schimmernde Lichtreflexe auftauchen. Das ist die Gail, deren Wasser zwischen ödem Ufergebüsch träge von Tümpel zu Tümpel schleichen. Auf den endlosen, hügligen Ufermatten aber lagert sich Dorf neben Dorf, verlieren sich Weiler und Einödhöfe wie weiße Flecken gegen die Thalwände. Gegen Süden ist in unbestimmten Umrissen der Hauptort des 14 Stunden langen Thales zu erkennen. Er ist der ganz deutsche Markt Hermagor, mitten im Thale als Markstein zwischen deutschem und «indischem Volks- thum gelegen. Nur eine Viertelstunde seitwärts gelegen, bildet Potschach den letzten vorgeschobenen Posten der Slovenen. Doch jetzt hinunter ins Thal: denn morgen ist Kirchtag in GLrjach! Und zwar ein echt windtscher Kirchtag, in der alten Form, mit den alten Liedern und Trachten — und das zwei Tage und Nächte hindurch! Und dann: wer kennt Körnten, ohne von den schönen, tanzlustigen Gailthalerinnen gehört zu haben? Und wer je einmal in Tirol und Kärnten alte Tracht und Sitte suchen geht, der wird sie fast nur mehr im Gailthal finden! Mir war das auf dem Kirchtag von Thörl-Maglern, welches an der Mündung des Gailthales in das Canale- Thal liegt, deutlich geworden. Aus beiden Thälern strömten die Besucher des Festes zusammen: dort Volksthum und Volkstracht, hier alles Alte verwischt und darüber sich breitend nivellirende moderne Civilisation! Dafür aber auch im Gailthal ein wenigstens zu 40 schöner Menschenschlag und Mädchengesichter, die manchmal an italienische Bilder erinnern. Als Erklärungsgrund beider Erscheinungen bot sich mir immer wieder nur das eine: der slovcnische Untergrund des Thales. Mit besonderer Hartnäckigkeit hatte sich hier nicht nur das Heidenthum, sondern auch das Slaventhum gegen die hereinbrechenden christianisirten Germanen gehalten. Als die christliche deutsche Cultur dann doch endlich siegreich eindrang, da scheint sie nicht zerstört, sondern sich als feine, befruchtende Kruste über den zähen Urstoff gezogen zu haben. So sind auch jetzt noch die Schulen des untern, «indischen Thalzuges zweisprachig, die eigentliche Volkssprache aber ist und bleibt das Slovenische. Nebenbei sprechen die Windischen vom 12. Jahre an ganz gut deutsch und manche auch italienisch. In ähnlicher Weise hat der deutsche Cultureinfluß mäßigend auf den slavischen Typus eingewirkt. Aus dieser Mischung erklären sich die neben dem Extremen des Slavischen, das sich noch ganz gut verfolgen läßt, auftretenden schöngeschnittenen Gesichtszüge besonders bei der weiblichen Bevölkerung. Aehnliches ist ja schließlich bei allen Nacen- und Nationalitäts- mischungen der Fall. So habe ich einmal ein wahres Ideal hinreißender Zierlichkeit und Graziösität in einem japanisch-englischen Mädchen gefunden. Andrerseits erklärt sich aus dem conservativen Grundcharakter des Slovenenthums das zähe Festhalten an den alten Bräuchen. Am allerwenigsten oder höchstens ein mißverstehendes Interesse für derartige Dinge fand ich bei den „gebildeten" deutschen Elementen des Thales, Lehrern 287 und Grundbesitzern. Unter den Volksbildnern lernte ich ein wahres Original jener streitbaren Pioniere des österreichischen Deutschtums kennen, die, unter der Acgide des deutsch-österreichischen Schulbereines manchmal recht eigenartig kämpfend, etwas gar zu rührend über Unterdrückung der deutschen Cultur zu jammern Pflegen. Der Mann war noch jung, aber bereits Wittwer mit sechs Kindern. Was er mir aber gleich nach dem ersten Bekanntwerden erzählte, war nicht das, sondern daß er bereits zehn Jahre in der Gemeinde gegen die Slovenen kämpfe, und daß er es mit Hilfe eines deutschen Grundbesitzers und des deutsch-österreichischen Schulbereines durch eine Reihe von Intriguen dazu gebracht habe, daß in der überwiegend slovenischen Gemeinde eine rein deutsche Schule zustande gekommen. Dafür habe dann auch der Schul- verein 2000 fl. zum Bau des neuen Schulhauses beigesteuert. Dieses Schulhaus, isolirt, mitten in einem Garten gelegen, sah denn auch in grellem Kontraste zu dem schmächtigen Doppeldörflein allerdings wie ein Palast aus. Vielleicht wirkt dieses Bewußtsein auch auf den streitbaren Volksbildner ein. Mit gehobenem Pathos, wie früher einmal ein Schulvereinler aus Pilsen auf dem Arber, deklamirte er mir, indem die schwarzen Haarsträhne sein Haupt wie Schlangen umzüngelten, daß er auf diese seine nationale Arbeit sehr stolz sei: seine Gemeinde sei die einzige derartige im Gailthal, und die durch Intriguen bearbeiteten slovenischen Bauern hätten selber mitgründen helfen. Bei der sonstigen Gutmnthig- keit des Mannes errieth ich aus dem wettern Gespräch gar bald, daß er eigentlich die Marionettenfignr des genannten Grundbesitzers in seinem Orts war, und der weitere Hintergrund ergab sich auch alsbald, indem mir ein junger Vetter des letzteren bald einen eingehenden Vortrag über den Protestantismus als wahre Religion der Zukunft gehalten hätte, wenn ihn nicht mein Verhalten aus seiner weittragenden Begeisterung gerissen hätte. Wenn ich noch daznfüge, daß Thörl-Magiern der unmittelbare Nachbarort des durch seine „slovenischen Umtriebe und die Verhetzung des slovenischen Volkes durch Pfarrer Einspieler" berüchtigten Arnoldstein ist, so wird sich dem, der einigermaßen in diesen Dingen unterrichtet ist, der kausale Zusammenhang der politischen Constcllation von sich selbst ergeben. Ich habe die kärntischen Slovenen als das liebenswürdigste, friedfertigste Volk kennen gelernt. Durch die „nationale" Hctzarbeii des deutsch- österreichischen Schulbereines werden sie mit der Zeit der von Krain her arbeitenden panslovenischen Agitation in die Arme geworfen werden. Mögen auch immerhin einzelne slovenische Jungkleriker auf den Kampfruf geradeso einseitig und unklug antworten, wenigstens können sie in Körnten für sich das Moment der Nothwehr beanspruchen. Andrerseits aber Hai das Völklein der windischen Gail- thaler noch gesunde Volkskraft genug in sich, um unbeirrt von derlei Dingen seine eigenen, wenn auch manchmal etwas derben, so doch gesunden Wege zu gehen. (Fortsetzung folgt.) Recensionen und Notizen. Karsch A., Vacksinoonm dotanieum: Handbuch zum Bestimmen der in Deutschland wildwachsenden sowie im Feld und Garten, im Park, Zimmer und Gewächshaus kultivirten Pflanzen. 8°. I.V -s- 1094 -st L SS. ni. 2437 Fig. Leipzig, Otto Lenz 1894. M. 20.00. zp Ein Werk riesenhaften Fleißes liegt vor uns, dessen Erscheinen der fast ein halbes Jakrhuilden an der Akademie zu Münster rastlos thätige Professor der Naturgeschichte Karsch leider nicht mehr erlebte; denn kurz nachdem er das Manu- script des Buches zum Druck fertiggestellt hatte, rief ihn der Tod vom Schauplatz seiner Thätigkeit. Seit Koch's berühmter »bllora. Oormaniao- (1857) ist kein so brauchbares Handbuch mehr erschienen; nachdem jenes klassische Werk keinen Bearbeiter gefunden hat, der es im Sinne des Meisters redigirt und auf der Höhe der Wissenschaft gehalten hätte, müssen wir Karsch doppelt dankbar sein, daß er eine tatsächliche Lücke in der botanischen Literatur so vortrefflich ausgefüllt bat. Das Handbuch, welches an 3000 Genera und an 10000 Species vorführt und beschreibt, ermöglicht durch seine klare und deutliche Fassung auch dem Liebhaber der »Soisntin amabilis- die selbstständige Bestimmung der Pflanzen; Lehrer und Lernende, Gärtner, Forstleute und Botaniker von Beruf haben hicmit ein Nach- schlagebuch, das wohl nicht leicht versagen wird. Die Brauchbarkeit desselben in der Praxis war dem Verfasser vor Allem maßgebend, selbst die wichtigsten Gruppen der Cryptogamen fanden Berücksichtigung. Ist der wissenschaftliche Werth deS (verbesserten) De Candolls'schen Pflanzensystems auch außer aller Frage, da es eben als natürliches jedem andern gegenüber allein Berechtigung hat, so ist in dem Handbuch doch aus praktischen Gründen als grundlegendes System für die Bestimmung der Pflanzen das von LinnS angenommen worden; denn man muß offenbar jene Merkmale der Pflanzen vorzüglich berücksichtigen, die am leichtesten zu entdecken sind, nun aber ist für eine schnelle und gleichwohl sichere Bestimmung der Pflanzen das wissenschaftlich freilich unhaltbare Linns'sche Classensystcm das weitaus geeignetste, wie es der Verfasser in öOjähriger Lehr- und Excursionsthätigkeit erprobt hat. Die § Diagnosen sind kurz und bündig abgefaßt, allerdings, die ^ zweifellose Klarheit der Koch'schen erreichen sie nicht, das ist j aber auch nicht wohl möglich, denn Koch hat seine „Flora" ; lateinisch geschrieben, vorliegendes Buch ist aber zur „Ehre der , deutschen Wissenschaft" deutsch abgefaßt, d. h. in dem Mischmasch von Deutsch und Latein, in der bunten wissenschaftlichen Knnstbntlersprache, die gegenwärtig Mode ist. Wer daher an ältere Werke gewöhnt ist, wird sich schon ein wenig hart thun, sich in die vielfach neue und eigenartige Terminologie einzuleben; nicht umsonst ist schon öfter von Botanikern der beherzigens- werthe Vorschlag gemacht worden, in Werken aus der be- schreibeueen Botanik, falls man sie nicht mehr ganz lateinisch schreiben will (oder kann?), wenigstens die Diagnosen lateinisch mit den wissenschaftlich stereotypen Kunstausdrücken abzufassen. In deutsche» Termini läßt sich ja doch keine Konsequenz herstellen: warum z. B. der Verfasser „steril" und „fertil", ferner „depreß, exotisch, sensitiv" neben „fruchtbar, ausländisch, reizbar" rc., neben „bogigadrig, schülfrig" und anderen, zuweilen ganz unverständlichen Sprachncubildungen stehen läßt, ist nicht klar; jedenfalls bat er selbst das Bedürfniß gefühlt, einen Schlüssel zur Erklärung der KnnstauSdrücke beizugeben. Doch thun natürlich solche Dinge dem Werth des Buches keinen Eintrag; ist man ja bei natürgeschichtlichen Werken gewöhnt, die Anforderungen an philologische Genauigkeit der Darstellungsform nicht hoch zn spannen. Daß der Verfasser die lateinischen Genus- und Species-Bezeichnungen nicht, wie viele ähnliche Schriften, mit den barbarischen deutschen Endungen „beschwäuzt", ist anzuerkennen, ebenso, daß die lateinischen Wörter ihren Accent (nicht immer richtig, vgl. lOanoeöla, S. 1080) tragen; denn wir wissen aus Erfahrung, daß selbst gutbezahlte Umvcrsitäts- professoren die KnnstauSdrücke deS Faches, das sie in Vorlesungen dcciren, oft genug nicht einmal richtig auSzulprechen, geschweige denn ihre Herlcitung anzugeben vermögen. Wesentlich tragen zum Verständniß die beigegebenen schematischen Figuren bei, auch ist es angenehm, daß uns jene Persönlichkeiten, welche einer unseligen Sitte gemäß so Vielen Pflanzen ihre Namen gegeben haben, vorgestellt werden. — Das Werk wird in seiner Art den ersten Platz behaupten; möge es recht viel beitragen zur bewundernden Kenntniß der Natur, die im Kleinen am größten ist und in der Pflanzenwelt einen unermeßlichen Schatz an Farben, Düften und Formen bietet. Anzeiger des germanischen Nation almnseumS. 1894. Nr. 2 — März und April, 3 — Mai und Juni. Nürnberg, Germanisches Museum. Dem „Auze.ger" (Museumschronik) sind als „Mittheilungen" beigegeben: Th. Hampc, Spruchsprccher, Meistersinger und Hochzeitlader, vornehmlich in Nürnberg. S. 25—44, 60—69. Eine sehr gehaltvoll: Studie, als Text zu den im germanischen Museum bewahrten Denkmälern, überdies für die Literatur- nicht minder als für die Cultur- und Sittengeschichte interessantes Thema. Die Nürnberger Hochzeitlader und Leid- 288 bitter des XVH. Jahrhunderts rcknitirten sich hauptsächlich aus den Meistersingern und berührten sich in ihren Funktionen vielfach mit denen des Nürnberger Spruchsprcchers. — I. Kamann, Aus dem Briefwechsel eines jungen Nürnberger Kaufmanns im XVI. Jahrhundert. S. 45—56. (Schluß.) Siehe „Beilage" Nr. 18 (3. Mai 1894). — H. Bösch, Zwei Weintafeln des XVII. Jahrhunderts im germanischen Museum. S. 57—60. Vorläufer unserer Weinkarten. — Th. von Frimmel, Aus der Galerie des germanischen Museums. S. 70—71. Betrifft ein Bild ron Claes Moeyaert „Der Frühling". — H. Bosch, Inhalt eines BalsambüchSleins. S. 71. XVII. Jahrhundert. — Derselbe, Ein rheinisches Wand- kästchen des XVI. Jahrhunderts. S. 71—72. — Sämmtliche Artikel sind illustrirt, besonders der beiden Heften beigelegte „Katalog der im german. Museum vorhandenen zum Abdrucke bestimmten geschnittenen Holzstöcke vom XV—XVIII. Jahrhundert. II.Theil: XVII. und XVIII. Jahrhundert. S. 1—16: Außer Gcschlechtcrwappen eine mannigfache Zahl von Darstellungen aus der hl. Schrift. Fz Die „Mappe", die VereinSgabe der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst für 1894, sist jetzt erschienen. Die eingehende Besprechung derselben bleibt Ihrem ständigen Referenten überlassen. Wir wollen uns hier darauf beschränken, ihren allgemeinen Eindruck festzustellen, indem wir unser aufrichtiges Entzücken an dem vornehmen Inhalte, mit dem sie ihre Vorgängerin von 1893 noch übertrifft, in unverhohlener Weise kund thun. Dabei soll auch die ebenso aufmunternde als ehrende Thatsache verzeichnet werden, daß Se. kgl. Hoheit der Prinzregent die Gesellschaft mit seinem Beitritte beehrt. Weitere Kreise wird cS gleichfalls intcrcssirc», daß die Gesellschaft bereits an die Ausübung des § 14 ihrer Statuten schreiten kaun und als Beitrag zur Ausführung von Altarbildern in Groß-Eislingcn (Württemberg) 600 Mark bewilligt hat. Darum ein begeistertes Vivat, üoroat. orosoad der Deutschen Gesellschaft sür christliche Kunst! _ Friedr. Beetz. Scelenführer. Jllustrirter Katechismus der katholischen Ascese für alle heilsbegierigen Christen, besonders für Tertiären. Mit 42 Abbildungen nach Zeichnungen von A. und L. Seitz. II. Auflage. Frei- burg i. Br. 1894. Hcrdcr'sche Vcrlagshandlung. 12°. XII u. 227 S. Preis 1 M., gebund. zu 1 M. 35 Pf. u. 1 M. 45 Pf. L. Die katholische Ascese in Form eines Katechismus darzustellen, darf ein glücklicher Gedanke genannt werden, und daß vor Ablauf eines Jahres die II. Auflage nöthig wurde, bestätigt dies. Es ist dem Verfasser die gestellte Aufgabe auch gut gelungen, und eS entrollt sich in diesem Büchlein ein gar großer Stoff, von dem in Predigt und Katechese oft wenig und dann erst in sehr langen Zwischenräumen gesprochen wird. Durch die gewählte Darstellungswcise fällt auch der Inhalt deutlich und stark hervortretend in die Augen. Der Gedanke des Verfassers, genanntes Büchlein zur Grundlage von katechetischen Vortrügen bei III. OrdcnSversammlungen zu bcnützcn, kann nur gebilligt werden. Viele Fragen sind mit den Worten der hl. Schrift, Aussprüchen der Väter und Entscheidungen der Kirche beantwortet, überhaupt sind diese 3 Quellen sehr fleißig benützt und muß es so sein; denn sonst wird cS leicht eine Privat- und nicht die katholische Ascese. S. 9 wäre eine Bemerkung über Besuche bei Geistlichen in ihren Wohnungen am rechten Orte. Ein sehr beachtenSwerther Anhang von Gebeten ist beigegeben. Die Bilder sind trefflich und gut gewählt. Der Preis dieser Auflage ist gegen die erste auerkennenöwerth niedriger gestellt. Nallino 6. rV, Olrrestomatbia qorani arabica cum noiis et Klossario. 8°x. VI-f-68-ch-54. Inpsiao, IV. Oerkarä, 1893. L 4,50 Omnibus, czui in arabioa stuäia incumbunb, guanta sib aleorani assicius perloZeväi nocessitas, cuilibst: xatet; boäio- äum ea äicenäi ratio, guain ists indutus hlubainineäanorum über xrosequitnr, veluti exemplar roxutakur. Lüguas srrras blallious ita cleleg-it, ut aäuleseens kacils in menio sua variam kormam ao speeivm ssrinonis eoranici porspicers possit. llsxtus arabions wenäis carens praeclaris tzxis aä kiäem eäitionis Ileäslobianas reeusus est, quem Glossarium arabico latinum sequitvr. kltiamsi autor sermonis eleFantir so consulto ab- stinuisss ipso lateatur, tamen „vox aä Latanam ... transkerta" sie pLA. 41) lapsus est ealami nekanäissimus, gui utinam acl Latanam translatus sit. Oeteroguin übellus moüico xrstio vorrätig tironibus maZno errt cowmoäo. Französ. Volksstimmungen während des Krieges 1870/71 von Dr. E. Koschwitz, Professor an der Universität GreiiSwald. — Verlag von Eugen Salzer, Heilbronn. — PreiS: brosch. M. 1.50; gebunden M. 2.—. Unwillkürlich beschleicht uns die Ahnung, als werde uns Bekanntes geboten, und wir fragen uns, ob wir jenen „schon so oft mit mitleidigem Achselzucken gehörten Stimmen" nochmals lauschen sollen. Aber, was wir bisher gehört, sind mehr oder weniger Fragmente, Einzelheiten, ohne chronologische und kausale Anordnung. Das hier Gebotene ist Studium an den ergiebigsten Quellen, deren einzelne Rinnsale zum Strome „jener Volksstimmung" geworden. Die Zeit, welche seit jenem denkwürdigen Kriege verstrichen, konnte eben zur Untersuchung und Klärung jener Quellen benützt werden — und so liegt vor uns ein Stück Geschichte, das fast nothwendig zur Schilderung jenes Krieges mitgehört. Im Wcrkchcn sind Volkscharakter der Deutschen und Franzosen kurz und treffend gezeichnet, ist durch französische Schilderungen (mit Quellenangabe) unserer Zustände und namentlich unsres Heeres die völlige damalige Unkenntniß mit unsren Verhältnissen bewiesen, so z. B. in den Berichten des Figaro von Eh. Hugo und Milland. In Erstaunen setzt dabei die Unverfrorenheit der Lügenhaftigkeit der betreffenden Autoren. — Bekannt ist die Langsamkeit, Entstellung und Lügenhaftigkeit, mit der das französische Volk über den Fortgang des Krieges und — des unabwendbaren Schicksals — durch die französische Presse u. s. w. bedient wurde. L-ehr durchsichtig schildert das Schristchcn, wie mit dem Eindringen unsrer Truppen in Frankreich die künstlich genährten, falschen Vorstellungen von den „Barbaren" mehr und mehr schwanden, und wie sich unser Heer selbst beim erbosten Feinde die gebührende Schätzung seiner Tugenden und seiner Bildung errang. Theologisch - praktische Monatsschrift. Central-Organ der katholischen Geistlichkeit Bayerns. Herausgegeben von Dr. Georg Pell und Ludwig Heinrich Krick. 4. Band, 8. Heft. Passau, Verlag von Rudolf Abt. Jnhaltsverzeichniß des 8. Heftes: I. Wissenschaftliche Aufsätze. Die 69 Jahreswochen des Propheten Daniel. Von k. Anton Hammerschmied, 0. 8. §r., Lektor der Theologie. — Katholische und protestantische Ethik. Von Dr. Joseph Dippel, Pfarrer in Dcrnach. — Gedanken über christliche Jugendbildung an unsern Gymnasien. Von Dr. Natzinger in München. II. Belehrendes sür die scelsorgliche und pfarramtliche Praxis: Eine Betrachtung über „Firm- gcschenke". Von B. Nepcfny. Benefiziat in Stubenberg. — Die Gewissenspflichten in Bezug auf Kapitalrenteusteuer. Von Dr. Pruncr, Prälat in Eichstätt. — Ist jemand, welcher fremde Kapitalien in seinem Depot und in seiner Verwaltung hat, dafür verantwortlich, daß die Rentensteuer daraus entrichtet werde? Von Dr. Pruncr, Prälat in Eichstätt. — Dia- phanienfcnster für Kapellen nnd Oratorien. Von M. Raith, Pfarrer in Unterhanscn. — LeichengotteSdienste an abgewürdigten Feiertagen. — Hervorsegnung von Wöchnerinnen an Sonn- uud Feiertagen. — Trauung von Auswanderern. Von Ad. Hirschmann in Schönseld (Dollnstein). — Oelebratio Llissas nriurstro masoulo äeüoiorrts. Von k. Bcrnard Schmid. 0. 8. L. in Schcycrn. — Manöver, Einquartierung und Scelsorgc. Von H. Stadler in Nicdenburg. — Kann der Pfarrer gegen eine Katholikin, welche ihr illegitimes Kind protestantisch erziehen lassen will, auf Grund der Staatsgesetze einschreiten? Von Dr. Eduard Stingl in Straubiug. — Ein für die Geistlichen der Grenzorte lehrreicher Erbschaftsstreit. Von vr. Eduard Stingl in Straubing. — Behandlung eines PLnitcntcn, der eine dem Beichtvater bereits anderswoher bekannte Sünde verschweigt. Von L. H. in E. — DaS informc Testament in der Praxis. Von Christian Kunz. — Ein Dcfect in der Tauf- spendung. Von Grüner in Nürnberg. — Eine Warnung für baulustige Kirchcnverwaltungsvorstände. Von Sch., xaroolrus in U. — Ein Verein für arme Schulkinder. Von Voit in Jllkosen (Post MooSham). — Die Augen des Priesters während des Wandlungsaktes. Von L. H. in E. — Eine nachahmcns- werthe Sühne für Sonntagsschändung. Von Rüger, Pfarrer in Bibergau. — Ein Predigtthema für unsere Gegenwart aus dem zweiten Briefe dcö heiligen Petrus. Von A- Gmclch, Kanonikus in Nezensburg. _ Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg.