Nn. 37. zur Altgsvlirger 13. Keptlir- 1894. Die Sendlingerschlacht. xlx Wenn noch einige Jahre vergangen sind, dann ist es möglich, das Wissenswerthe der deutschen Geschichte mit Hilfe eines „kombinirten Fahrscheinheftes" einfach auf einer Theatertournee kennen zu lernen. Welch ein großartiges Bildungsmoment für die Jugend der Zukunft und ihren Unterricht in Geschichte und Literatur! Mit 20 Mark — vorausgesetzt, daß das fortschrittliche Beispiel des schwäbischen „Sandle" unsere Nachahmung findet — wird man alsdann Wochen lang im Bayerland umherreisen dürfen. Und wo ist denn eine Stätte, von der nicht irgend etwas „Romantisches" oder „Geschichtliches" erzählt wird, wo ist ein Ort, an welchem nicht irgend einmal irgend eine „historische Person" so unvorsichtig gewesen ist, durch irgend einen muthwilligen Streich die Pietät der Nachwelt herauszufordern? Wie viele Stätten und Orte kann es bei der augenblicklichen Hausse in der patriotischen Dramatik darum in einigen Jahren noch geben, die nicht werden ihr „Spiel" auszuweisen haben? Es gilt ja allgemein und mit Recht als Ruhmeszeugniß für ein Volk, wenn seine dramatische Poesie sich auf seine große Vergangenheit besinnt und lebendigen Antrieb aus der vaterländischen Gesinnung empfängt. Wir spenden deshalb Leuten, wie den wackeren Kraiburgern, und Männern, wie unserm edelsinnigen Martin Greif und seinem Genossen Oberregisscur Savits, von Herzen ein uneingeschränktes Lob, weil sie ihre schauspielerische oder dramatische Begabung in den adeligen Dienst der Vaterlandsliebe stellen. Anders aber beurtheilen wir den ethischen und ästhetischen Werth so vieler anderer „Spiele", die einzig der Eitelkeit entstammen, irgend eine lokale Spezialität aus der Rumpelkammer der „Romantik" oder „Geschichte" zur Schau bringen zu können, getreulich nach dem Motto des Direktors in Göthe's Faust: „Wird vieles vor den Augen abgesponnen, So daß die Menge staunend gaffen kann, Da habt ihr in der Breite gleich gewonnen, Ihr seid ein vielgeliebter Mann." „Dilettanten und Philister sind Geschwisterkinder", sagt Niehl in der „bürgerlichen Gesellschaft". Und es sind in der That spießbürgerlicher Chauvinismus und dramatischer Dilettantismus meist die einzigen Tugenden, welche aus derartigen Aufführungen erblühen. Neuerdings wollen nun auch die Sendlinger ihr patriotisches Schauspiel haben. Sie brauchen ja auf der Suche nach einem dramatischen Stoffe im Buch der Geschichte nicht so weit zurückzublättern. Das Gedächtniß an den Opfertod für Fürst und Vaterland, dem sich in der „Mordweihnacht" von anno 1705 im Schatten der Sendlinger Kirche eine Leonidasschaar heldenmüthiger Bauern geweiht hat, verdient wohl in unserer Zeit vaterlands- loser Bestrebungen aufgefrischt zu werden; das Gedächtniß an die Zeit, als „die seit 4 Jahrhunderten in den Gemüthern der Unterthanen zum Naturverhältniß ausgebildete Gehorsamspflicht und Anhänglichkeit an ihren Landesherrn" und die Liebe zu dem „im Boden deutscher Volkstreue festgewurzelten Herrscherstamm" (K.A. Menzel, Neuere Geschichte d. D. IX, 359) sich bewährte. Die Geschichtsliteratur zur Sendlingerschlacht ist ziemlich reich, besonders haben sich um sie verdient gemacht Professor Dr. Sepp (München) und der verstorbene Würzburger Kreisarchivar vr. Schäffler. Zwischen beiden Forschern schwebte eine lebhafte Controverse über die Geschichtlichkeit des Schmiedes von Kockel, die von Schäffler bekämpft und von Sepp vertheidigt wurde. Und wer der Promotion des Or. I. W. in der Münchner Aula am 1. März 1889 anwohnte, der konnte Zeuge sein eines interessanten Nedeturniers zwischen dem Promoventen, welcher eine Thesis aufgestellt hatte, die im Sinne Schäfflers den Münchner Literaten Grub er*) bezichtigte, an der Figur des Schmieobalthes tüchtig herumgedichtet zu haben, und zwischen Professor Sepp, der aus dem Auditorium heraus von der Redefreiheit Gebrauch machte und einen feurigen Ansturm auf diese waghalsige Behauptung ausführte. Von den dramatischen Bearbeitungen scheint die von Gustav Adolf Müller den Beifall der Sendlinger gefunden zu haben. Sie hat den Titel: „Die Schlacht bei Sendling (1705). Historisches Schauspiel in vier Aufzügen." Bühl, Concordia. 1892. 8°. 68 S., und ist „den Manen der bei Sendling am Christfest 1705 für Fürst und Freiheit kümpfend gefallenen Helden" gewidmet. „Ich denke es mir", sagt der Verfasser im Geleitsworte, „als eine der schönsten Aufgaben national gesinnter Bühnen, in dieser oder einer anderen Gestalt die Ideale der Treue und heldenhaften Liebe eines seines sittlichen Werthes vollbewußten Volkes der Mitwelt wie ein mahnend Gedenken vor Augen zu stellen." Müllers Stück, ursprünglich für das „reformirte" Oktoberfest bestimmt und von G. Flüggen bühnengerecht gemacht, fußt auf einem verwandten Drama von Pros. Sepp: „Der Jägerwirth und die Sendlingerschlacht." Drama in vier Akten mit einem Vorspiel: „Die Haberfeldtreiber". 2. Auflage. München, Lindauer. 1891. 8°. 15, 107 S., es steht aber durch Wohllaut der Verse und Adel der Sprache unserer Meinung nach weit über seinem Vorbilde, wenn auch Sepps Dichtung einige recht erhebende Partien auszuweisen hat. Die vielumstrittene und niemals, selbst nicht in Lesfings Dramaturgie, recht gelöste Controverse über die Befugniß des Dichters, große historische Begebenheiten durch kleine, freierfundene Anekdoten zu verdunkeln, bezw. zu erhellen, kommt auch in Müllers Drama zur Geltung. Bei ihm ist der Schmted- *) Zu seiner literarischen Qualifikation diene folgendes charlatanartige Inserat in der „Bayer. Staatszeitung" Nr. 40 (1832 April 15.): „Mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung werde ich, gestützt von mebrercn Kunstfreunden, Dienstags den 17. April 1832 im großen Saale zum schwarzen Adler eine Vorlesung religiösen, vaterländisch-geschichtlichen und erbauenden Inhaltes auszugsweise aus mehreren vollendeten Manuskripten, mit musikalischen Produktionen ausgestattet, zu halten, und dieselbe auf 2 bochgefällig anzugebende religiöse Vortragsstoffe als rhetorischer und lyrischer Improvisator zu beschließen, mir die Ehre nehmen. Unter den Vortragsstoffen vaterländisch- geschichtlichen Inhaltes ist ein historisches Familien- und Kriegsgemälde betitelt: Der starke SchmiedbalthcS zu Kochel (nach der von mir der Oeffcntlichkeit mitgetheilten historischen Forschung abgebildet aus dem Kirchengemälde zu Sendling) in seiner Werk- stätte und als Anführer der bayerischen Hochländerbauern am Cbristtage 1705, nach einem schriftlichen Aufsätze im Kalender 1734, welchen mir der nun verstorbene Lehrer Anton Bichl- mayr zu Kochel bchändigte, gezeichnet. Mit musikalischer Zwischen- beglcitung auf dem Fortepiano von dem 11jährigen Musikzögling Peter Cavallo. AIS ein Eingcborner Bayerns rechne ich mit unbegränzter Zuversicht aus einen zahlreichen Zuspruch und werde micb bestreben, dieser stützenden Theilnahme mich ferner als vaterländischer Historiograph und Schriftsteller würdig zu machen. München, am 14. April 1832. Ferdinand Joseph Eruber, Privatdozent und Schriftsteller." 290 balthes nicht bloß der freiheitsdurstige Patriot, sondern außerdem der für die durch einen Oesterreicher beschimpfte Ehre seiner Tochter auf blutige Vergeltung ausziehende Vater. Ob aber dieses Motiv der persönlichen Rachsucht dazu angethan ist, den Helden uns, wie man es nennt, „menschlich näher" zu bringen, ist eine Frage. Jedenfalls schadete es nichts, wenn an der weitausgesponnenen Erzählung, die der Schmied von jenem Attentat gibt, etliches gekürzt wäre. Im übrigen wird zweifelsohne das Stück seinen Eindruck nicht verfehlen. Man macht jetzt Anstrengungen, um der Degeneration des Oktoberfestes durch allerlei Programmneuheiten zu steuern. Wie wäre es denn, wenn man das „vaterländische Schauspiel" allen Ernstes in den Nahmen dieser wohlgesinnten Bestrebungen aufnähme? Wir brauchten da erst nicht, nach den Worten des verstorbenen Grafen Schack (Einleitung zu CalderonS Werken, 13), „die Brosamen von der Tafel vergangener Zeit" aufzulesen, sondern uns nur unserer mitlebenden Dichter zu erinnern. Und wenn in München keine Kräfte zu gewinnen find, dann lassen sich vielleicht die Kraiburger oder die Send- linger zu einem „Gastspiele" bestimmen. Unter den herrlichen Liedern des unsterblichen Sängers von „Dreizehnlinden" befindet sich ein schwungvoller Hymnus „An die Volkspoesie". Er stammt aus dem Jahre 1862 und klingt aus in eine warme Sehnsucht nach „Deutschlands AuferstehungsLage", nach dem Erwachen des „alten Schläfers im Kyffhnuser". An die vaterländische Muse aber richtet F. W. Weber die Bitte: „Sing' unsern Ruhm: dein Liedcrborn Erfrischt den kranken Muth der Schwachen; Sing' unsre Schmach, um Scham zu Zorn Und Zorn zu Thaten anzufachen!" Der Osternigg und der Kirchtag von Göriach im Gailthal (Oberkiirnten). Von Cölestin Schmid. (Fortsetzung.) Am nächsten Morgen zog ich schon frühe den Hügel hinan, von dem der Gvriacher Kirchthurm durch die Lücken des wallenden Thalnebels Ausschau zu halten anfing. Die Kirchengemeinde Göriach umfaßt vier Ortschaften. Zum Fcstgotiesdicnst vereinigt man sich in der gemeinsamen Dorfkirche, das Uebrige spielt sich in jeder Ortschaft gesondert ab. Etwas unterhalb der Kirche weitet sich der Dorfplatz von Göriach uneben um eine mächtige, uralte Linde. Nebenan aus dem Wirthshaus ließ sich bereits die Dorfmusik mehr lustig als feierlich hören. Den Klängen derselben nachgehend, fand ich droben auf dem Tanzboden die ganze Burschenschaft des Dorfes, hemdärmelig, mit der officiellen Virginia im Mundwinkel, versammelt. Ich stieg zur Kirche hinauf. Auf dem Platze vor derselben hatte sich bereits ein ganzer Jahrmarkt entwickelt. Von allen Seiten her zogen die Burschen und die Schönen des Thales; schon von weitem her hob sich die bunte Tracht der Auf- und Abziehenden auf dem mattgrünen Wiesengrunde scharf ab. Die Glocken bimmelten mit hartnäckiger Ausdauer, aber von einem Beginn des Gottesdienstes schien noch lange nicht die Rede zu sein. Nur die gebrochene Gestalt des Dorfpfarrers huschte von Zeit zu Zeit forschend durch das Gewirre, um bald wieder zu verschwinden. Um so freundlicher und voller beschienen allmählig die Sonnenstrahlen den bunten Kram von Buden und gleißenden Kostbarkeiten. Darunter waren besonders auffallend ganze Reihen von Lebzelterbnden, deren Schätze sich in alle möglichen Winkel mythologischer und symbolischer Deutsamkeit verloren: vor jeder stand ein Hackblock mit Beil. Da ist ein alter Volksbrauch im Spiel. Auf dem Block wird nämlich ein lebzeltenes, unbescheiden großes Herz auf zwei Hiebe durchhauen, und zwar so, daß Derjenige dasselbe gewinnt, dessen Hiebe sich in einer geraden Linie fortsetzen. Es war bereits gegen 10 Uhr, da ließ sich Musik von der Dorfgasse herauf hören, und gleich darauf erschienen, hinter der Musik einherzieheud, hemdärmelig, rauchend, die Burschen von Göriach. Während sie sich heroben im Kreise um die fortspielende Musik postirten, folgten auch die Burschen von Draschiz mit Musik, und zu gleicher Zeit ließ sich von Achamiz herüber eine dritte Musikbande mit dominirender großer Trommel recht deutlich hören. Zuletzt erschienen die Trellacher. Während der ganzen Zeit hatten sämmtliche anwesende Musikcorps nebeneinander mit der ganzen Wucht ihrer Kunst gewett- eifert, was ganz rührend zu dem Glockengebimmel paßte. Die berühmte homerische Volksversammlung konnte nicht mehr an elementaren Sinneseindrücken geleistet haben: nur zeitweise unterbrach das Schnadahüpfl irgend eines Burschen das Getöse. Endlich ging es in die Kirche. Da die Predigt in slovenischer Sprache gehalten wurde, zog ich mich alsbald wieder auf den Friedhofplatz zurück und erkämpfte mir die höchste Stufe einer Freitreppe. Von da bot sich nun das anmuthige Bild von ungefähr 200 auf der Mauer zwischen den Grabsteinen sich lagernden Thalbewohnerinnen. Den düstern Nahmen des heiteren Gemäldes bildeten die immer noch nebelumwallten Hänge des Osternigg und Dobratsch. Die Thaltracht besteht in einem faltig gebügelten Rock, der, nur bis zu den Knieen reichend, die meistens auffallend zierlichen Unterfüße sehen läßt. Auch. die seidene, bunte Schürze ist gefältelt. Die weißen Strümpfe sind halb durch hohe, verzierte Schnürstiefletten verdeckt. Das Mieder ist nur auf dem Rücken ganz geschlossen und macht da den Eindruck eines unzerstörbaren Panzers, auf der Vorderseite läuft eS in zwei Haltbänder aus. Zwischen diesen ist ein seidenes Brusttuch hinaufgespannt, das am Halse von einer Spange festgehalten wird. Eine breitfaltige, weiße Krause legt sich um den Hals, ebensolche um die Handgelenke. Um das in reichen Flechten gelegte, von Bändern durchzogene Haar schlingt sich in kühner Weise, etwas nach rückwärts geschoben, ein buntfarbiges seidenes Tuch. Vielfach hangt unter demselben ein banddurchflochtener Zopf hervor, der an dem Gürtel festgemacht wird. Es gibt kaum Farben, die nicht da oder dort bei dieser Tracht vertreten wären. Gewöhnlich sind es deren 4—5, und zwar habe ich dieselben vielfach mit einer geradezu klassisch-harmonischen Wirkung zusammengestellt gesehen, die alle Berechnungen des Wiener Ningviertels übertraf. Meistens sind die Farbennuancen gedämpft hell, und man kann sich dabei ohne Phantasterei in den hellen, farbenreichen Orient versetzt fühlen. Das sechs Stunden lange windische Gailthal ist auch die einzige Gegend, die den Fremden mit all den Phantasiern des trachtenreichen Tiroler- und Kärntnerländls nicht enttäuscht. Ebenso haben sich auch nur da noch uralte Volksspiele wie das Kufenstechen der berittenen Burschen erhalten. Der Gottesdienst war beendet, nach allen Richtungen strömt die Menge auseinander. Während die große Trommel der Achamizer noch lange über den grünen Rücken herüberdröhnt, folgen wir den Göriachern, die feierlich zu ihrer Dorflinde ziehen. Im weiten Umkreis umgibt das Volk den von mächtigen Besten beschatteten Platz. Auf einer Bank, die rund um den Stamm gezimmert ist, nimmt die Musik stehend Platz, die Burschen aber stellen sich wieder, zum Theil sich gegenseitig umschlingend, in ihren Kreis. Eine Weise nach der andern wird gespielt. Den Text singen die Burschen abwechselnd. Zugleich spielen sich geheimnißvolle Ceremonien ab: es handelt sich um die Auswahl der Tänzerinnen. Eine Pause tritt ein; da winken die Burschen gegen den umgebenden Kreis. Die Erwählten stürzen sich aus demselben in die Arme ihres Burschen. Nun werden alle gangbaren Tänze um die Linde herum durchgetanzt, dazwischen immer wieder die Schnadahüpfl der Burschen. Früher spielte sich der ganze Kirchtag, wenn möglich, unter der Linde ab, jetzt dauert der Tanz im Freien 1, 2 bis 3 Stunden, und dann geht es auf den Tanzsaal, durch dessen losgefügte Bretterwand die blaugrüne Thalscenerie freundlich hereinschimmert. Und nun geht es in tollem Jagen fort Tag und Nacht hindurch: das Ganze wiederholt sich genau am zweiten und auf besonders alterthümlichen Kirchtagen, wie auf dem von Sak-Nötsch, an einem dritten Tage. Bei dem Tanz unter der Linde ist nicht nur jeder Fremde, sondern auch jeder Bursche einer andern Dorfschaft und jeder in dem Dorfe nicht Altansässige ausgeschlossen. Doch scheint das Protektorat der Damen auch diese altererbte Schranke zu durchbrechen, wenigstens wurde ich auf einem andern Kirchtag von meiner Wirthin aufgefordert, unter ihrem Schutze den Tanz mitzumachen. Um so freundlicher zeigen sich die Burschen dem Fremden gegenüber auf dem Tanzboden. Ich war auf jenem Kirchtag der einzige thalfremde Eindringling, konnte mich aber unter den 400 — 600 Burschen und Schönen der fünf Tanzplätze vollständig frei bewegen. Einer althergebrachten Sitte zufolge bieten die Burschen selber dem Fremden Tänzerinnen an, wobei sie auch noch teilweise sorgfältige Auswahl treffen. Ablehnung von Seiten des Gastes gilt als tödtliche Beleidigung. Am höchsten galt meine Anwesenheit auf dem Kirchtag in Thörl, wo ich mit dem Bezirksrichter auf dem Tanzsaal erschienen war. Beamte und Geistliche werden als Gäste sehr geehrt, wenn sie Sinn für das Volksleben zeigen, und sind auch vielfach noch bei der ganzen Kirchtagsfeier unter ihren Leuten zu treffen. Die Tänze folgen sehr rasch, fast ununterbrochen aufeinander und haben fast durchweg einen lebhaften, scharfen Rhythmus. Eigenthümlichen Charakter haben sie wenig auszuweisen, mit Ausnahme deS „Steirischen", welcher mit Liedern abwechselt, von den Burschen, die ihre Tänzerinnen an der Hand führen, gesungen. In den kurzen Zwischenpausen stehen die Mädchen in zwei-, dreifacher Reihe an den Wänden umeinander. Nur zeitweise gehen sie zu einem großen Wafferschaff unter der Treppe, um sich etwas abzukühlen. Dafür tanzen sie bis 3 Uhr in der Frühe, ohne zu ermüden. Die Burschen vereinigen sich zu „Zechen" von 6 Mitgliedern. Alles Verzehrte geht hier ganz auf gemeinsame Rechnung, jede Zeche hat eine riesige, bekränzte Weinflasche in der Mitte. Dieser jedenfalls altererbte volkstümliche Zug des Gemeinschaftlichen macht wie das übrige Benehmen der Burschen einen durchaus günstigen Eindruck. Reibereien und Schlägereien find sehr selten. Nur der Kirchtag von Mellweg bei Hermagor hatte etwas schlimmeren Charakter. Thatsächlich begann dort bereits am Nachmittag eine Rauferei; dafür entschuldigten sich die übrigen Burschen, nachdem sie die Uebelthäter hinausgeworfen, mir, dem Fremden, gegenüber. (Schluß folgt.) Aus der Todtenliste der Missionsbischöfe von 18S3. (Schluß.) 3. Msgr. Franz Maria Duboin aus der Genossenschaft vom Hl. Geist und dem hl. Herzen Mariä, ehemal. apostol. Vicar von Senegambien; geboren am 23. September 1827 in Samoens, Diöcese Anuecy, gestorben am 26. August im Ordenshause St.-Coeur Marie in Chevilly. Msgr. Duboin hatte in Folge seiner schwächlichen Gesundheit ein wechselvolles Missionsleben. Er kam im Jahre 1850 in die Mission nach Senegambien, wirkte dort zuerst für einen einheimischen Klerus, dann als Missionär und mußte nach kaum zwei Jahren, schwer erkrankt, nach Frankreich zurück. Dort weilte er fünf Jahre und arbeitete in verschiedenen Ordensämtern. Im Johre 1857 ") ging er als Provinzialoberer nach der Insel Rounion; 1872 in derselben Eigenschaft nach der Insel Mauritius. An beiden Orten schuf er eine Reihe von Anstalten. Am 26. Juli 1876 wurde er zum apostol. Vicar von Senegal und Senegambien ernannt. Wiederum — wie einst vor 26 Jahren — wurde ihm bald gefährlich das mörderische Klima. Im sechsten Jahre seines VicariatS mußte er entkräftet seine schwere Bürde niederlegen und zog 1883 sich in das Mutterhaus zurück, wo er in stiller Zurück- gezogenheit lebte bis an sein seliges Ende. 4. Msgr. Ag apit Dumani, griechisch-melchitischer Bischof von Acca — dem alten Ptolemais und Jean- d'Acre der Kreuzfahrer. Geboren am 1. Januar 1802, erreichte er ein Alter von 91 Lebensjahren. Seine Geburtsstätte war De'ir-el Kamar im Libanon; sein Leben dürftig. Sein Einkommen belief sich auf kaum 2000 Frcs. Seine Hecrde war arm. Dennoch baute er sechs neue Steinkirchen, 8 Schulen und 15 Priesterhäuser. Die ganze Schaar seiner Gläubigen betrug nur 9000 Personen. Msgr. Dumani war ein frommer, seelcneifriger Priester und hatte sich bei seinen eifrigen Studien im Kloster der Basilianer-Möuche vom heiligen Erlöser bei Sidon ausgezeichnet. — Es sind aus Asien noch drei weitere Sterbefälle zu verzeichnen. 5. Msgr. Andreas Simon aus dem Pariser Seminar, apostol. Vicar von Nord-Birma, geboren 1858 zu? — in der Diöcese Lvtzon in Frankreich, gestorben am d in Mandalay. Er unterlag einem frühen Tode. Nur fünf Jahre währte sein Vicariat. Doch mehrte sich unter ihm die Zahl der Katholiken um 2000; auch legte er 1888 den Grundstein zu einer neuen Kathedrale, deren Baukosten ein reicher Birmane trug. Nähere biographische Notizen über den Verstorbenen sind noch nicht vorhanden. Zu bemerken ist noch, daß sich jetzt in Birma unter der neuen englischen Herrschaft die katholische Kirche frei und Achtung gebietend entfaltet. 6) Msgr. Franz Eugen Lions — ebenfalls *) In „Die kath. Miss." ist wohl irrthümlich die Jahreszahl 1855 angegeben, wen» Msgr. Duboin vom Jahre 1852 wirklich fünf Jahre in Frankreich verblieb. aus dem Pariser Missionsseminar, apostol. Vicar von Kwei-tscheu (China); geboren am 1. November 1820 im Dörfchen Barcelonnette, Diöcese Digne, gestorben am 24. April. Bis in sein 14. Lebensjahr hinein hütete er die Schafe seines Vaters. Er war talentvoll, bieder, fromm und fröhlich, und hatte etwas Militärisches in seinem Charakter. Seine äußere Erscheinung und seine chinesische Sprachfertigkeit stempelten ihn im nationalen Anzüge zu einem gleichsam wirklichen Chinesen, was ihm bei den schweren Christenverfolgungen oft zu gute kam. Seine Mission begann eben im Vicariate Kwei-tscheu im Jahre 1848. Er hatte unendlich viel zu leiden. Eine barbarische, blutige Mißhandlung schon frühzeitig äußerte ihre schmerzlichen Folgen noch nach 30 Jahren. In den 1850er Jahren mußte er mit seinen Christen ins Gebirg flüchten. Im Jahre 1860, wo eben eine außerordentliche religiöse Bewegung unter den Heiden eintrat und sich in einer einzigen Subprä- fectur die Heiden von 300 Dörfern zur Annahme des Christenthums anmeldeten, brach von Aünnan aus ein schrecklicher Verfolgungssturm los. Eine große Anzahl von Christendörfern wurden vollständig zerstört und entvölkert. In Folge der Aufregung und des Fiebers brach der heldenmüthige Missionär zusammen. — Im Jahre 1866 übernahm er die Leitung des MissionSseminars. — Nach dem Tode des apostol. Vicars Msgr. Faune wurde Msgr. Lions — am 29. Juni 1872 zum Bischof geweiht — apostol. Vicar von Kweit-tscheu. — Bereits 12 Jahre herrschte ziemlich Ruhe, und es mehrten sich in hocherfreulicher Weise die Zahl der Katholiken, der Kirchen, Schulen und Waisenhäuser rc. Da brach aufs Neue 1884 durch den französisch-chinesischen Krieg die Chrtstenverfolgung aus. Im Missionssprengel wurden 52 Stationen zerstört, Priester, Katecheten und viele Christen getödtet und schwer mißhandelt. Von diesem Schlag hat sich die Mission bis heute noch nicht erholt. Abermals mußte der Bischof flüchten. Da fing er an zu kränkeln, und nachdem er 1885 einen Coadjutor erhalten, zog er sich nach und nach ganz zurück. Er starb inmitten feiner Lieben sanft „in Ruhe und Frieden" am 24. April. 7. Msgr. Johannes Jbaüez (Jbanjes), 0. apostol. Vicar von Amoi (ebenfalls in China). Sechs Tage kaum trug er den Bischofstab. Am 8. Oktober trat er das Vicariat an und am 14. Oktober lag er auf der Todtenbahre. Er war eben schon kränklich. Seine Lebenszeit währte nur 45 Jahre. Er war sehr fromm, eifrig und wirkte auch literarisch; er ist Verfasser eines chinesischen Wörterbuches und mehrerer kleiner Schriften in der Landessprache. 8. Msgr. Felix Nikolaus Joseph Midon aus dem Pariser Seminar, apostol. Vicar von Osaka (Central-Japan), geboren in Bonviller — Diöcese Nancy — am 7. Mai 1840. Zum Priester geweiht 1864, wurde er Professor, dann Vicar an der Kathedrale in Nancy; trat 1869 in das Missionshaus ein und ging 1870 nach Japan, wo damals Msgr. Petitjean als apostol. Vicar das ganze weite Missionsgebiet unter sich hatte. Im Jahre 1674 wurde der tüchtige Missionär Provicar des nördlichen Missionsdistriktes, woselbst er auch nach der Theilung Japans in ein südliches und nördliches Vicariat, welch'letzteres Msgr. Osouf erhielt, verblieb. Hier war er 15 Jahre, da er schon über ein Jahr vor 1674 im Norden wirkte. Schon 1888 wurde d«S Vicariat Centraljapan — Osaka — errichtet und Msgr. Midon übertragen. Dort gab es 15 Missionäre, nur 2 Kirchen und etwa 2000 Neophyten — unter 13 Millionen Heiden. Und dort war das Haupt- boIlwerk des Buddhismus, der in der alten Hauptstadt Kioto (nördlich von Osaka) seine heilige Stadt besitzt, die heute noch an zweitausend Heiligthümer hat und eben erst — in den 1880er Jahren? — einen prachtvollen Tempel gebaut hatte, der über vier Millionen Frcs. gekostet (welche Opferwilligkeit bei Heiden!). Msgr. Midons Hauptbestreben war die Errichtung von Schulen und Waisenhäusern. In Kioto standen zahlreiche Anstalten und Schulen der reichen englisch-amerikanischen Secten und daneben die katholikcnfeindliche Hochschule Do-chicha (Do-schischa), von den Protestanten eifrig beeinflußt. In diese mächtige Götzenstadt baute Msgr. Midon ein solch respektables Gotteshaus, daß dieser Bau im „Fremdenführer" als Sehenswürdigkeit angeführt wurde. Der prachtvolle Bau wurde eingeweiht am 1. Mai 1890. — Trotz seiner schwächlichen Gesundheit war Msgr. Midon ein Mann von Schaffenskraft. Aber mitten in seinem Werke, und unverhofft, raffte ihn der Tod dahin. Auf einer Reise nach Rom befiel ihn zu Marseille die Influenza. Ein Blutsturz machte den Zustand hoffnungslos. In der Nacht vom 11. auf 12. April verlangte und erhielt er die hl. Sterbfakra- mente, ordnete mit aller Seelenruhe noch die dringendsten Geschäfte und verschied am 13. April ohne Todeskampf. Bei seinem Tode hatte das junge Vicariat 45 Christengemeinden, 3 Kirchen, 2 Kapellen, 34 Bethäuser, 10 Schulen, 5 Waisenhäuser, 9 Gewerbeschulen und Werkstätten und eine japanische Zeitung. Die Zahl der Missionäre aber hatte sich auf 20 und jene der Katecheten auf 50 erhöht. Das war das Werk weniger Jahre des so früh dahingeschiedenen Msgr. Midon! 9. Msgr. Christoph August Reynolds, Erzbischof von Adelaide (Australien); geb. am 25. Juli 1835 in Dublin, der Hauptstadt Irlands. Er machte seine Studien bei den Carmeliten, dann bei den Benediktinern im ehrwürdigen Subiaco in Italien, und vollendete sie bei den Jesuiten im Colleg von Sevenhill in Südaustralien. Sein Herz zog ihn hin zum Ordensleben; da er jedoch eine schwächliche Körper-Constitution hatte, konnte er sich den strengen Forderungen des Ordenslebens nicht unterwerfen. Er wirkte darum als Weltpriester. Nachdem er 14 Jahre als solcher mit schönem Erfolge gewirkt hatte, erhielt er 1873 den Bischofsstuhl von Adelaide und ward 1887 dessen erster Erzbischof. Dieses Erzbisthum ist zweimal so groß, wie Frankreich. Seit seiner Bischofsweihe bis ins Jahr 1881 hinein hat Msgr. Reynolds, wie er selbst berichtete, keinen Monat lang zu Hause gewohnt: 85,000 (?) 1cm hat er auf seinen ersten Berussreisen durchmessen, 11,800 Firmlinge gesalbt und zu 30 neuen Kirchen den Grundstein gelegt. Die Zahl der Schicken hat er von 5 auf 56 erhöht, und die 1100 Schüler stiegen auf 6000! Hiezu hat die Regierung nicht einen Heller gesteuert. Bei seinem unermüdlichen Schaffen fand Msgr. Reynolds eine Hauptstütze bei seinen lieben, zahlreichen Ordensgenossenschaften. Er hatte eine lange und schmerzliche Krankheit, die er mit aller Gottergebenheit ertrug, und schied aus dem Leben am 12. Juni 1893, tief betrauert selbst von den Protestanten. 10. Am 26. Januar starb in der Bifchofsstadt Fort Wahne — Nordamerika — Msgr. David Dwenger, ein Deutscher. Er war ein Mann von Frömmigkeit, Entschiedenheit und Geschicklichkeit. (Näheres fehlt.) 11. Dr. Jgnacia Ordoüez, Erzbischof von Quito (Ecuador). Er war es hauptsächlich auf geistlicher Seite, welcher den großen, blutigen Kampf für die kirchliche und politische Neugestaltung Ecuadors treu und kühn Mitgekämpft, welchem der unsterbliche Garcia Moreno und Msgr. Checa im Meuchelmord zum Opfer fielen, und dem Msgr. Ordoirez — damals Bischof von Rumba — mit knapper Noth entkam. — Er war es auch, der, vom Präsidenten Gar. Moreno gesandt, im Jahre 1861 bet Pius IX. das Concordat mit Nom erwirkte. Dr. Ordoüez lebte nach dem Vergiftungstode des Msgr. Chöca (1877) einige Jahre als Verbannter und wurde, als endlich eine bessere Zeit eintrat, von Leo XIII. zum Erzbischof von Quito ernannt. (Geburtszeit und Sterbetag sind nicht angegeben.) R. I. k. Die Briefe des hl. Bonifatius. Von Adam Hirschmann, Pfarrer in Schönseld. (Schluß.) Wohl der hervorragendste unter den Schülern des hl. BonifatiuS war Lul, welcher später sein Nachfolger in Mainz geworden ist. Er scheint das Kind reicher Eltern gewesen zu sein; denn er bittet die Aebtissin Cuneburg um Zusendung zweier Knechte: Beiloc und Man, welche er und sein Vater freigelassen hatten (ex. 49 x. 298). In Bonifatius verehrt er den Lehrer der Metrik und des geistlichen Lebens (ex. 98 x. 385), der seinerseits den reichbeanlagten, wissensdurstigen (ex. 71 x. 338; ex. 103 x 389) Priester zu vertrauten Sendungen an den päpstlichen Stuhl verwendet (ex. 86 x. 368). Wenn auch ein Seufzer über die harte Mis- fionsthätigkeit, über den Mangel an zuverlässigen Mitarbeitern (ex. 100 x. 387) der Brust Luls sich entringt, so läßt er sich doch in der Treue gegen die alten Freunde in England und in der Verehrung gegen Bonifatius durch keine Bitterkeit beirren; in Versen spricht er den Wunsch aus, Gott möge die Arbeit des greisen Erzbischofcs zum Heile der Seelen reichlichst lohnen, und fährt dann, sein eigenes Verhältniß zu Bonifatius berührend, fort: »Llsrnentia cchus (se. Oei) LIe miserum te lar§a monsbat rulirs niaZsistrum Llols Zravi noxas pressns, Line lumins corclis; Otia cluin vgAabunäus amabain; äuleia creäens tzuas eonstant cunetis animabus noxia sempsr. keetoris abtust teuebras scä Aratia äeinpsir Lalvantis Obristi, Zratis via ssnsibus auZens Von» weis stoliäis. 6ui laus vt bonor sma lins. Ltgus tui tibi.erescat inarce laboris Oliiupi — virscti eallis äuetor! — mereesgus coroua luAöuüguo tui, guc> snw pars ultima magni« ' (ep. 103 p. 390). Zugleich mit Lul war Denchard nach Deutschland gekommen (ex. 49 x. 297), welcher das volle Vertrauen seines Oberhirten besaß und daher als Sachwalter der deutschen Mission in Rom thätig war (ex. 61 p. 302; ex. 64 x. 308; ex. 69 x. 316). Ein kleines Brief- chen, das kaum 5 Zeilen umfaßt, zeigt uns Denehard in der angelsächsischen Heimath, wie er im Auftrage des hl. Bonifatius thätig ist für einen Unfreien, Namens Athalhere, welcher sich verehelichen wollte, dem sich aber Schwierigkeiten entgegenstellten. Denehard sollte ihn wie einen freien Mann unterstützen, wenn nothwendig sogar Bürgschaft leisten (ex. 99 x. 387). Dieser kurze Brief, bemerkt Hanck mit Recht (K.-G. I, 446), charaktertsirt Bonifatius und seine nach allen Seiten sich erstreckende Fürsorge für die Seinen besser, als lange Schilderungen. Unter den Frauen, die dem Rufe des Apostels der Deutschen folgten, nimmt unstreitig Lioba oder Leobgyth, eine Verwandte des Heiligen, die erste Stelle ein. In einem Briefe bittet sie den Erzbischof, für ihre verstorbenen Eltern: Dynne und Aebbe, deren einzige Tochter sie sei, zu beten. Unter der Leitung der Aebtissin Eadburg, welche die hl. Schrift nicht aus den Händen legt, habe sie die Kunst, Verse zu machen, gelernt (ex. 29 x. 281). Daß sie auch auf deutschem Boden für literarische Mädchenbildung thätig war, erhellt aus der Verwendung des angelsächsischen Priesters Torhthat bei Bonifatius, der Aebtissin von Bischofsheim die Erlaubniß zu gewähren, einem Mädchen Unterricht zu geben (ex. 96 x. 383). Neben Lioba werden noch andere Frauen genannt: Chunihilt, Chunitrud und Thekla, welche die christliche Bildung, die sich in England so rasch entfaltet hatte, in unser Vaterland übertrugen, welche zuerst nach Hauck'S Ausdruck (K.-G. I, 450) eine höhere Anschauung deS Lebens in Deutschland heimisch machten. Was erzählen uns die bonifatianischen Briefe über unser deutsches Vaterland? Wer an der Hand der taciteischen Germania ein Sittenbild unserer heidnischen Ahnen entwirft, der verfällt gar leicht in ein unberechtigtes Jdealisiren. So sagt Scherr (Deutsche Cultur- und Sittengeschichte S. 26): „Der lichteste Punkt in der Sittengeschichte unserer Vorfahren ist das Verhältniß der beiden Geschlechter zu einander und die Stellung der Frauen, eine Stellung, welche unverhältnißmäßig höher und edler war, als die, welche das antike Zeitalter dem Weibe einräumte, . . Daß die Frau die nährende und wärmende Flamme der Geschichte ist, das haben erst die Germanen erkannt; erst durch sie wurde das Weib wirklich in die Gesellschaft eingeführt. Sie sahen, berichtet Tacitus, im Weibe etwas Heiliges, Vorahnendes; sie achteten auf den Rath der Frauen und horchten ihren Aussprüchen." Gegenüber der raffinirten Sittcnlosigkeit des römischen Lebens mag die derbe Un- geschlachtheit der germanischen Weiber dem zürnenden Historiker der Kaiserzeit als herzerfreuendes Ideal gegolten haben, aber im bonifatianischen Zeitalter war die gerühmte Züchtigkeit deutscher Frauen und Jungfrauen äußerst selten zu finden. °) Denn sonst hätte der Apostel der Deutschen nicht stets Klage führen können über un« enthaltsame Diakone, welche, von Jugend auf in allen Schlechtigkeiten sich wälzend, selbst in diesem Stande oft vier, fünf und noch mehr Kebsweiber bei sich haben, aber gleichwohl das Wort Gottes verkündigen, ja sich nicht scheuen, die Priesterweihe sich ertheilen zu lassen. Im Reiche Karlmanns, berichtet Bonifatius an den päpstlichen Stuhl, gibt es auch Bischöfe ähnlicher Führung (sx. 50 xa§. 300). Ein häretischer Priester, welcher von seiner Concubine zwei Kinder hatte, berief sich zur Vertheidigung seiner Unenthaltsamkeit auf das alte Testament, wornach der überlebende Bruder die Frau des verstorbenen Bruders heirathen sollte (ex. 57 x. 314). °) In den Annalen (lib. IX, aap. 16) äußert sich TacituS über die vinolsntis, se libiäines, Zrata barbaiis se. Oerwanis. Cäsar (vs bsllo galliv. iib. VI o. XXI) berichtet: Intra »nimm vsro vieesimum Iswinae notitiam Iiabuisss in turpissimis bedeut (Oermani) rebus; eusus rsi null» est oeeultatio, guoä et proiniseue in Üuwiaidus perluuntur st pellibus aut parvis rsnonum legimslltis utuutur, waZna vorporis parke nuäa. Vcrgl. Weiß, Apologie des Christenthums, I, 423, 451. Ohne die Hilfe des weltlichen Armes, ohne den Schutz des Frankenkönigs, hätte Bonifatius beim Klerus weder das Cölibatsgesetz, noch bei den Laien die kirchlichen Vorschriften über die Monogamie durchzuführen vermocht (ex. 28 x. 279; ex. 56 x. 310; ex. 63 x. 329). Unter den verschiedenen Widersachern der boni- fatianischen Missiouslhätigkeit werden zwei Namen besonders genannt. Auf der römischen Synode vom 25. Oktober 745 legte Deneard die Klageschriften des hl. Bonifatius gegen den Franken Aldebert und den Schotten Klemens vor; der erstere hielt sich für einen heiligen Apostel und großen Wunderthäter, dem ein Engel des Herrn von der äußersten Ferne Reliquien von wunderbarer und unerhörter Heiligkeit überbracht habe; in Kraft derselben könne er alles, was er wünsche, von Gott erlangen. Sein größtes Heiligthum jedoch war ein Brief des Herrn Jesu Christi: in Jerusalem sei er auf die Erde gefallen und von dem Erzengel Michael am Thore Effrcm gefunden worden; nach verschiedenen Wanderungen sei er in die Hand Aldeberts gekommen. Kamen Leute zu ihm, um ihre Sünden zu bekennen, so sprach er: „Ich weiß all eure Sünden, denn eure Heimlichkeiten sind mir bekannt; es bedarf des Sündenbekenntnisses nicht, sondern es sind euch eure vergangenen Sünden vergeben, kehret getrost und frei von Schuld im Frieden in eure Häuser zurück." Die Wallfahrten nach Nom mißbilligte Aldebert, ebenso wenig liebte er die alten Kirchen der Apostel und Märtyrer, dagegen richtete er an Quellen und auf den Fluren Kreuze auf, baute Kapellen, die er auf seinen eigenen Namen weihte, und feierte dort Gottesdienst. Das Volk hörte die Predigten dieses Mannes, den unwissende Bischöfe sogar mit der bischöflichen Würde ausgezeichnet hatten, gerne an; verehrte seine Nägel und Haare als werthvolle Reliquien und sprach es offen aus: „Die Verdienste des hl. Aldebert werden uns helfen." Noch ist uns ein Bruchstück eines der Gebete dieses Schwärmers erhalten: „Herr, allmächtiger Gott, Vater des Sohnes Gottes, unseres Herrn Jesu Christi, A und O, der Du sitzest auf dem siebenten Throne, über Cherubin und Seraphin: große Frömmigkeit und süßes Glück ist vor Dir. Vater der hl. Engel, der Du gemacht hast Himmel und Erde, und Alles, was darinnen ist, Dich rufe ich an, und zu Dir schreie ich, und Dich lade ich ein zu mir Armen, denn Du hast uns gewürdiget zu sagen: Was ihr vom Vater bitten werdet in weine« Namen, das habe ich euch gegeben. Dich bitte ich, zu Dir schreie ich, auf den Herrn Christus vertraue ich meine Seele." Zu den Engeln sich wendend, beschwört er sie: ^kraecor vo8 st conjuro vvs st suxxlioo me aä vos, anAkünv Ilrisl, cmKölus IlaZusI, anxölus ltusiuel, LNZsIur ölicknöl, rmZelus ^äinu8, rmgelu8 PnßuL3, angelus Lairaoc, anxelus Liwisl." Gewiß, diese fremdartig und gehcimnißvoll klingenden Namen mußten die stets lebendige Phantasie der Menge erregen I (Hauck I. e. I, 509.) Der andere Gegner war Bischof Klemens, welcher das Cölibatsgesetz theoretisch und praktisch mißachtete, welcher die Auctorität der Kirchenversammlungen gering schätzte und das Ansehen des hl. Hieronymus, des hl. Augustinus und Gregorius verwarf. Ueber die Höllenfahrt Jesu Christi, über die göttliche Vorherbestimmung huldigte er Anschauungen, welche mit der kirchlichen Lehre im offenen Widersprüche standen. An volkstümlicher Bedeutung und tiefgehendem Einflüsse stand Klemens weit hinter Aldebert zurück; seine Irrthümer bewegten sich mehr in theologischen Jdeenkreisen. Beide wurden auf der römischen Synode ihres priesterlichen Amtes entsetzt, ihre Lehren als falsch verworfen (ex. 59 x. 317 bis 321). Doch scheinen ihre Irrthümer noch längere Zeit nachgewirkt zu haben (ex. 77 x. 349), indem Pippin die Ketzerei nicht als staatliches Vergehen erachtete und bestrafte. Groß und mannigfaltig waren demgemäß die Hindernisse und Schwierigkeiten, welche der hl. Bonifatius gegenüber den fränkischen Bischöfen, den nikolaitischev Priestern zu überwinden hatte. Aber mit muthiger Unerschrockenheit und heldenmütiger Ausdauer führte er den Kampf bis zum vollen Siege durch. Uoriaiuur, st Osu3 voluerit, xro sauLtis IsZidus xutrnva nostrornm: nov 8imu8 canes matt, noQ 8iinu3 taciti sxsculatorös, non simn8 insrosn- uarii luxuva üagisntss, 8sä xa8tor63 8oI1iciti, vigi- lantes 8uxra Zrsgem Clirtsti, xru6äieants8 rnagori av ininori, ckiviti 6t xanxsri onins eonmlium Oei, om- niliu8 §rnäidu3 vel astatidus, in csuantuiQ O6U3 äona-verlt xv38s, oxortune, inxortuns, eo naoclo cfno 8Lnotu8 6rsZc>riu8 in lißro xastorali eorworixsit (sx. 78 x. 354). Hat der hl. Bonifatius diesen herrlichen Vorzügen des katholischen Priesterthums nicht stets nachgelebt? Steht nicht heute noch sein Bild als hellleuchtendes Muster unverdrossener Pflichterfüllung, treuestcr Hirtensorgfalt vor unserem Auge. Wenn seit dreihundert Jahren nach Gottes uner- forfchlichem Weltenplane der Gedanke des hl. Bonifatius getrübt, sein Einheitsbau — das Herzvolk Europa'S mit Nom zu verbinden — theilweise in Trümmer gesunken ist, sollte nicht eine eingehendere Beschäftigung mit den Briefen dieses epochemachenden Mannes dazu beitragen, daß wir Deutsche aller Stämme wieder eins werden im Glauben, eins in der demüthigen Unterwerfung unter die unfehlbare Lehrauktorität des römischen Pontifex? Verzeichnis bei der Redaction eingegangener Schriften. Erinncrungsblätter an die feierlicbe Ueber- tragnng der Gebeine der hl. Märtyrer Adclarius undCobanuS in die Domkirche zu Erfurt. Erfurt, 1694. Druck und Verlag von G. A. Brodmann. Stimmen vom Berge Karmel. Monatsschrift für das kath. Volk. Graz, 1894. Verlag des Karmeliten-Convents- 12. Heft. Das heil. Land. Organ des Vereins vom hl. Grabe. 38. Jahrg. Heft 2. Commissionsverlag von I. P. Bachem, Köln. Nagel's Jllustr. Klassiker-Bibliothek. Schiller'S Werke I. Druck u. Verlag von G. Nagel. Berlin. Repcrtorium der Pädagogik. Organ für Erziehung, Unterricht und pädagogische Literatur. Herausgegeben und geleitet von Joh. B. Schubert, Oberlehrer in Augsburg. 48. Bd. 11. u. 12. Heft. Ulm, 1894. Druck u. Verlag der I. Ebner'- schen Buchhandlung. Jahresbericht der kgl. bayer. landwirthschaftl. Centralschule Weihenstephan für das 42. Schuljahr 1893/94. Frcising. Buchdrucker« von Dr. Frz. P. Dattcrer. Geschichte deS historischen Museums und der Maillinger-Sammlung der Stadt München. Von Ernst von Destonchcs. München. I. Lindauer'sche Buchhandlung (Schöpping). Jllust rirtcs Familienbuch der Naturheilkunde. Herausgegeben von Ludw. Rexhäuser. Leipzig, Verlag von C. Schremmel. Liefg. 24—27. Recensionen und Notizen. Schneider Eulogius. Sein Lebe» und seine Schriften. Von vr. L. Ehrhard, Oberlehrer in Straßburg. 1894. 1—223 mit Bildniß. ct. Seit dem Jahre 1791 hat dieser unglückliche Priester und SchrcckenSmann in den Tagen der französischen Revolution nicht weniger als 24 Biographen gefunden. Vorliegende Schrift schildert ausführlicher als jede Vorgängerin, wie Schneider in das Franziskanerkloster zu Augsburg eintrat, Hofprcdiger zu Stuttgart, Professor in Bon», Prediger in Stratzburg, Bürgermeister von Hagenau, öffentlicher Ankläger beim Kriminalgericht wurde und endlich sein Leben am 1. April 1794 durch die Guillotine in Paris endete. Wer ein Bild menschlicher Schwäche und die Wandelbarkeit des irdischen Glückes kennen lernen will, lese diese durch Inhalt und Form spannende Schrift. _ Fuhlrott Jos., Materialien für Prediger und Katecheten über die wichtigsten kath. Glaubensund Sittenlehrcn in alphabetischer Ordnung. IV. Bd. 8°, 603 S. Negensburg, VcrlagSanstalt 1894 (N.) M. 7,50. s. Die früheren Bände vorstehenden Werkes haben wir in der „Beilage Nr. 10" d. Bl. bereits (am 8. März d. JS.) angezeigt und lobend empfohlen,- so daß wir uns, da die Bearbeitung eine ganz gleichartige geblieben ist, darauf beschränken können, zu cvnstatiren, daß mit diesem IV. Band das ganze Werk abgeschlossen ist und auch zugleich ein den Gebrauch erleichterndes Univcrsalregistcr erhalten hat. Im übrigen können Wir unser früher gefälltes Urtheil nur wiederholen. Der heilige Papst CLlestin V. (Peter von Morronc), unter dessen Regierung das HauS der heiligen Familie von Nazarcth nach Loreto wunderbar übertragen wurde. Ein kurzes Lebensbild zur sechshundertjährigen Ge- dächtnißfeier entworfen von Don Josaphct, Herausgeber des „Sendbote des heil. AntoniuS von Padua". 8". IV. 76 S. M. 0,50. Commissionsverlag der Akticndruckerei in Fulda. Alle Nationen rüsten sich, zur 600jährigen Jubelfeier der Uebertragung des Hauses der heiligen Familie von Nazareth nach Loreto das Ihrige beizutragen. Auch Deutschland will dabei nicht zurückbleiben, und betreibt ein eigens dazu gebildetes Comite seit langem die würdige Ausstattung der den deutschen Katholiken zugewiesenen Abtheilung dieses ehrwürdigen Heiligtlmms, sowie auch die Or- ganisirung von Pilgerzügen nach dem Guadcnorte. Ohne Zweifel wird es daher jedem Katbolikcn, besonders aber denen, die an einem Pilgerzugc theilzunchmen beabsichtigen, überaus erwünscht sein, die Schicksale des hl. Hauses von Loreto zu erfahren und zugleich das Leben eines Nachfolgers des hl. Petrus kennen zu lernen, der bis zu seiner Erwählung als armer Klausner gelebt und schon nach 3'/,monatlicher Regierung in wahrhaft heroischer Demuth die Tiara wieder niederlegte, weil er sich der ränkesüchtigen französischen Politik Carls II. von Anjou nicht gewachsen fühlte und die Kirche vor Schaden bewahren wollte. In lichtvoller, klarer Darstellung führt uns der Verfasser den Heiligen und seine Zeit vor Augen und begegnet dabei den GeschichtSlügen, die sich über diesen Einsiedler-Papst gebildet hatten. DaS Werkchen verdient weiteste Verbreitung, die ihm bei der guten Ausstattung und dem billigen Preis (50 Pf.) wohl auch nicht fehlen wird. Karl Gempcrle, Wahrheiten zur Erweckung der Neue und Bußgesinnung. Ein Vaäswoouw für Beichtväter. Mit kirchl. Druckgenehmigung. 8°. XIV und 114 Seiten. Preis M. 1.20. Obiges Werkchen bildet mit der vor kurzem erschienenen lateinischen Ausgabe: »Rationss movonäi xosnitsntsa«, Preis M. —.60, eine vorzügliche Ergänzung zu dem unter dem kathol. Klerus weitest verbreiteten Buche von „Nöggl Zuspräche" und wurde von Hocbw. Herrn Universitäts-Professor vr. Krieg, Freiburg i. Br., äußerst günstig beurtheilt und zur Anschaffung bestens empfohlen. Die beiden Serien, die deutsche wie die lateinische, schreibt der hochw. Herr Nniversitätsprofessor, Verdienen gedruckt zu werden; und ich wünsche dies dringend, einmal weil wir sehr arm an derartigen, doch so nöthigen Zusprächen sind, und dann wegen der inneren Gediegenheit der vorliegenden zwei Arbeiten. Gleich die Einleitung, Vorrede genannt, ruht auf sicheren Grundsätzen und zeigt große Erfahrung des Verfassers. Es ist schade, daß der Verfasser gerade diese Gedanken nicht weiter auSgesponnen und die praktischen Grundsätze zusammengestellt hat. Die „Zuspräche" selbst sind durchweg mit Geschick der Epistel oder dem Evangelium entnommen, oft originell, dabei praktisch und gerade wegen ihrer Bündigkeit und Knappheit jedem Seelcnführcr willkommen. Alle sind gut und brauchbar und regen zu neuen Gedanken an; und gerade letzteres Moment ist bei derartigen Schriften sehr zu schätzen. Auch dem Prediger werden die einzelnen Serien sebr gute Dienste thun. Zum Schlüsse bemerkt der Hochw. Herr Univ.-Profcssor vr. Krieg, daß er im „Beichtunterricht" den Theologen gern das Werk Gemperle's als Anhang zu dem trefflichen Werke «Nöggl, Zuspräche" warm empfehlen wird. „Vorwärts" von Pros. Aug. Nincklake, Berlin, Verlag der Germania. (Preis 30 Pfg.) Der Verfasser obiger Schrift weist nach, daß der Ursprung der socialen und meistens auch der wirtschaftlichen Mißstände der Jetztzeit in den unzureichenden Arbeitslöhnen, welche namentlich in den großen Städten gezahlt werden, sowie überhaupt in dem Centralisiren deS Fabrikenwesens zu suchen ist. Der Preis der Waare dürfe nicht den Lohn bestimmen, sondern umgekehrt — der Lohn den Preis der Waare. Die schwierige Ausgabe der Lohnregulirung solle gesetzlich derart gelöst werden, daß die gewöhnlichste normalstündige Arbeit ihrem Vollsührer mindestens den Lebensunterhalt sichern müsse. Für alle Arbeiten, die Intelligenz erfordern, gebe eS durch Zeit und Gewohnheit geregelte feste Vcrhältnißzahlen, durch deren Multiplikation mit den Kosten der Lcbensuntcrhaltung der nicht z» unterschreitende Minimallohn jeder Arbeitsbranche zu ermitteln sei. So solle die halbjährlich zu erneuernde Lohn- festsetzung an allen Orten erfolgen, wonach sich die Löhne in den großen Städten ganz wesentlich höher stellen müßten, als in ländlichen Bezirken. Daraus sei zu folgern, daß die Industrie nach und nach die großen Plätze verlassen würde und sich somit daS Land wieder bevölkere. Für den Rückgang der Grundstückswcrthc in den großen Städten könne ein milder Ausgleich gefunden werden. Die sehr zu empfehlende Schrift bietet sodann auch äußerst practischc Vorschläge in Bezug auf die Wohnungsfrage, wonach die Arbeiterwohnung der Privat- spcculation dauernd entzogen werden kann. Das warme Interesse für daS Wohl der Arbeiter, welches die Schrift durchweht, als auch die kurze, jedes unnütze Wort vermeidende Abfassung derselben machen sie noch besonders lescnswerth. Die kohlcnsäurehaltigen Bäder und deren Heilwerth. Von vr. well. Hugo Zelle. Dresden, Verlag von HanS Hackarath. (Preis: 40 Pf.) In dem vorliegenden Schriftchcn ist es ein Mann der Wissenschaft, ein Arzt, welcher in streng sachlicher und klarer Weise den Werth der Kohlensäure im Bade für Gesunde und Kranke erörtert. Insbesondere beleuchtet vr. Zelle die kohlen- säurehaltigen Bäder als vornehmstes Heilmittel für die in unserer Zeit immer mehr überhandnehmenden Krankheiten der Nerven und des Herzens, wie für viele andere Leiden, und preist eS deshalb als eine außerordentliche Errungenschaft für die leidende Menschheit, daß eS in der Gegenwart gelungen ist, den natürlichen kohlensauren Bädern künstlich hergestellte an die Seite zu stellen. Unter letzter» behandelt er schließlich daS von Friedrich Keller in Dresden erfundene Verfahren ausführlich als dasjenige, welches sich nicht blos bei einem die Keller'- schen Bäder den kohlensäurereichstcn natürlichen Bädern gleich- werthig machenden Nutzeffect durch große Einfachheit und Billigkeit, sondern auch durch die leichte Regulirbarkeit des Kohlensäuregehaltes auszeichnet. Der hl. Wolfgang in Wort und Bild. Zum 900jähr» igen Jubiläum dem kath. Volke dargestellt von Präses Mchler in Negensburg. Pustet. Preis einzeln 50 Pf., 100 Stück 40 M. Mit bischöflicher Genehmigung. Zum 900jährigen Jubiläum des Todestages des hl. Wolfgang ist in vorstehender Broschüre dem kath. Volke reichhaltiger Aufschluß ertheilt über des hl. Bischofs Leben, Wunder und Verehrung. Mit großem Fleiße hat der Hochw. Hr. Verfasser alle Erinnerungen an den Heiligen aus den verschiedensten Ländern gesammelt und so in seiner mit passenden Zugaben, Programmen und sinnigen Gedichten, verbundenen Schrift eine cmpfchlenswerthe JubiläumSgabe geboten. Was daS Interesse am diese gewiß zeitgemäße Broschüre noch besonders lenken dürfte, sind die vielen und meisterhaft gelungenen Abbildungen (mehr als 30 für 103 Seiten), welche in treffender Auswahl Scenen aus dem Leben des hl. Wolfgang, Orte, die er durch 296 seine Anwesenheit geheiligt, und anderes dgl. mehr zur getreuen Anschauung bringen. Möge eine weite Verbreitung dem eifrigen und opferwilligen Hochw. Herrn Verfasser seine Mühe belohnen. k. tz., 0. Oarwel. viso. Beleuchtung antireligiöser Schlagwörter. Ein Beitrag zur Löiung der brennendsten Zeitirage. 40 kr. Unter diesem Titel erschienen bei Heinrich Kirsch in Wien soeben acht Vortrage deS bereits bestens bekannten derzeitigen Nectorö des Präger.Redcmptoristen-Kollegiums ?. Georg Freund, deren Ucberschrften lauten wie folgt: „Religion ist Nebensache", „Ick glaube nichts", „Es ist ein Glaube wie der andere", „Der Glaube ist anliquirt, heute tbut's die Bildung", „Mit dem Tode ist alleö aus". „Es gibt kein Jenseits", „Die katholische Kirche hemmt den Fortschritt", „Nur nichts übertreiben", „Von der Religion hab' ich nichts, die vertröstet auf'S Jenseits". In ungemcin klarer und ansprechender Weise widerlegt der Verfasser in den einzelnen Vortragen diverse Einwürfe gegen die kathol. Religion; Geistliche werden in den Frcund'scben Vortragen so manchen Gedanken finden, den sie vcrwertben können, und auch Laien kann die Lectüre der ungemcin klar und verständlich geschriebenen Schrift nur angcrathen werden. — Die Ucberscbriften der einzelnen Vortrage sind in der Tbat heutzutage antireligiöse Schlagwörter geworden. Möchte daher doch die Frcund'scbe Schrift, die diese Schlagwörtcr so trefflich Widerlegt, recht viel gekauft und gelesen werden. Pünktlich ist der Fuldaer Bonifatiuskalender für 1895, der in diesem Jahre sein erstes Dccennium feiert und aus diesem Anlag ganz besonders reichhaltig und hübsch ausgestattet ist, erschienen. Im Nachfolgenden nehmen wir vom Inhalte kurz Notiz: Zunächst fällt uns ein Farbcndruckbild, 24 X 18 om groß und kunstvoll ausgeführt, „Das Rosen wunder der hl. Elisabeth" darstellend, in's Auge; schon allein dieses an- muthigen Bildes wegen, welches daö für unsere Zeit so be- deutungSwürdige Gebot der christlichen Nächstenliebe versinnbildlicht, verdient der Bonifatius-Kalender weiteste Verbreitung. — Das zweifarbige Kalendarium bringt neben sehr wohl angebrachten Belehrungen über Feld-, Wald-, Garten- rc. Arbeiten die üblichen Denksprüche, Wetterregeln, Notizenraum u. s. w. Die Erzählungen: „Wunderbare Fügungen" (aus dem KricgSjahre 1870), „Sein Princip" (Soziale Erzählung aus unseren Tagen) und „Der Himmel auf dieser Welt" sind zeitgemäß und unterhaltend, voll bcberzigenswertber Lehren. Eine urgelungene Militärhumoreske „Eierkuchen und Johannisbeeren" sorgt für nöthige Erheiterung. Weiterhin folgen: eine flott geschriebene Jabresrundschau» wcrthvolle Abhandlung über Gemüsebau, das hl. Haus von Lorcto, Wasserheilmethode und sonstige schätzenswertbe Aufsätze. Wie früher, so widmet der Bonifatiuskalender auch in diesem Jahre dem Werke des Bonifatiuövereins einen größeren Artikel, der hoffentlich seine Wirkung nicht verfehlen wird. Vollständiges Marktverzeichniß und Wandkalender sind ebenfalls vorbanden. Nickt weniger als 2 Vollbilder, 33 Portraits und 25 sonstige Bilder schmücken den Text. Und das alles für nur 35 Pfg.! In der That ist dieser Kalender wie kein anderer geeignet, in katholischen Kreisen weitesten Eingang zu finden. Allen Verehrern der hl. Elisabeth sei er noch besonders empfohlen. OesterreichischesLiteraturblatt, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien, redigirt von Dr. Franz Schnürer. (Administration: Wien I., Annagasse 9.) Inhalt der Nr. 14 u. A.: Somm ervogel C., Lidliotiitzqus cls la. LowxaZms äs llösus. (v.) — Heiner Frz., Katb. Kirchen- recht, II. Bd. (Tbeol. Pros. Dr. Jos. Scheicher. St. Pötten.) — Albertus Llagnno, vo savrosauoto corxoris vomini saeramsnto ssrnwnss, oä EZ. ssacob. (Domcapitular Rud. Frhr. v. Linde, Wien.) — Neteler B.. Stellung der alt- testamentlichcn Zeitrechnung in der oriental. Geschichte. V.: Untersuchung der Zeitverhältnisse des babylon. ExilS. (Univ.- Prof. vi. Beruh. L>chäfer, Wien.) — Müllen er Eh., Beiträge und Vorschläge zur Reorganisation der Lehrerbildung auf pädagogischer Grundlage. (Pros. Dr. C. Ludewig, Preßburg.) — Mahr Mich., Wolfgang LaziuS als Geschichtsforscher Oesterreichs. (Dr. Jos. Lampe!, Concipist I. Cl. am Geh. Staatsarchive, Wien.) — Wankel, Die prähistor. Jagd in Mähren, (vr. N. F. Kaindl, Privatdocent an der Univ. Czernowitz.) — Limback Hm., Priameln. Eine ausgewählte Sammlung altdeutscher Sinngedichte mit einem erläuternden Vorworte. (Univ.-Prof. vi. I. E. Wackernell, Innsbruck.) — Sorn Jos., Der Sprachgebrauch des Historikers Eutropius.— Spiegel Gebh., Zur Charakteristik des Epigrammatikers M. Valcrius Martialis. — Spandl Jos., Constructionsschwankungen m der latcin. Sprache und deren Ursachen. — Heidrich Gg-, Der Stil des Varro. — Troost K., Seebildcr aus Vergib Versuch einer im Goethe'schen Sinne identischen Uebersetzung. — Hevesi Ludw., Zerline Gabillon. Ein Künstlerleben. (Univ.-Prof. Dr. Laur. Müllner Wien.) — Musikalische Werke der Kaiser Ferdinand III., Leopold I. und Joseph I. Autorisirie Volksausgabe. (Pros. Moriz Prunlechncr, Wien.) — Weichs-Glon Fricdr. Frbr. zu. Das finanzielle und sociale Wesen der modernen Verkehrsmittel (Finanzratb Dr. K. Scheimpslug, Innsbruck) u. s. w. — Personalnacbricbtcn. — Inhaltsangabe von Fachzeitschriften. — Bibliographie. Katechetische Blätter. Zeitschrift für Religionslehrer. Zugleich Correipondenzblatt des Canisius-Kaiecheten- Vercins. Herausgegeben u. redigiert von Pfarrer Frz. Walk, Benesiziat zu GaimerSheim (Oberbayern). Kempten, Verlag der Jos. Kösel'scbcn Buchhandlung. 1894. Preis pro Jahrgang (12 Hefte) M. 2.40. Inhalt des siebenten Hefteö: Fingerzeige für angehende Katecheten zur Ertheilung des Religionsunterrichtes.— Die Weihungcn und Segnungen der Kirche. — Von heiligen Lippen. — Ueber die Liebe zur Jugend. — Literatur und Miscellen. — Correspondcnz des Canisius-Katecheten-Vercines. Theologis ch-praktischeMonatsschrift. Central-Organ der katholischen Geistlichkeit Bayerns. Herausgegeben von Dr. Georg Pell und Ludwig Heinrich Krick. 4. Band, 9. Heft. Passau. In Commission der Abt'- scben Buchhandlung. Jnhaltsverzcichniß des 9. Heftes: I. Wissenschaftliche Aufsätze. Interessantes auö den liturgischen Kalcndaricn (Direktorien) sämmtlicher Diöcesen von Deutschland, Oesterreich, Schweiz und Luxemburg. — Die 69 Jahreswochen des Propheten Daniel. (Schluß.) — II. Belehrendes für die seelsorglicbe und psarramtliche Praxis: Bemerkungen über die läßliche Sünde. — Das Recht deS Psarr- berrn zur Aufrechterhaltung der Disciplin in der Kirche. — Die Aufgabe der Mädchenerzichung gegenüber der modernen Gesellschaft. — Die geltenden Rubriken und Gewohnheiten bei Austheilung des Weihwassers. — Praktische Bemerkungen zum Kapitel „Krankenbesuche". — Wer ist »xaroodna proxrirw- der Schulkinder. — Gewissensfall bezüglich des Stipendiums der Binaiionsmesse. — Soll man die Episteln der Sonn- und Feiertage dem Volke vorlesen? — Knien und Kniebeugungen deS Volkes in der Kirche. — Uneigennützigkeit des Priesters. — Fleißigere Ausnützung deS Paramentenvereines. — Meßstipen- dium für den Ausbilfspriester. — III. Erlasse der obersten Verwaltungsstellen u. Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. (RcligionS- und Kirchensachen.) 1. Kircben- verwaliungswahlen; 2. Einkommensausbesscrung der kathol. Seclsorgsgeistlichcn aus Staatsmitteln; 3) Klage auf Anerkennung der kirchlichen Baupflickn; Compctcnz zur Entscheidung von Streitigkeiten; 4. Acrgernißgcbender Charakter des Con- cubinates; 5) Wiederzulassung der Redemptoristcn und der Väter vom heil. Geiste. — Novitätcnschau. — Literar- ischer Anzeiger. — Zeitschriftcnschau. Literarischer Handweiser, begründet, herausgegeben und redigirt von Msgr. Dr. Franz Hülskamp in Münster. 24 Nrn. L 2 Bogen Hochquart für 4 M. p. Jahr. 1894. Nr. 7. Inhalt: Kritische Referate über tlauäß l)o morali ozcstomato 8. ^.IMonsi äo InAorio (Deppe), L ox an vistinAnishsä Irislimon ot' tds XVI. Century (BclleSheim), Zwerg er ^.pis aseetiea. (Rösler), Krebs ?. Passerat und Leben der ehrwürdigen Mutter de Rozisrcs (Deppe), Oraik LuAlisIr Vroos 8oleotion8 (Zimmermann), Baumgartner Unicrrichtslchre und Rieden Allgemeine Pädagogik (Rolfus), Ludorff In sturmbewegter Zeit, Ludorff Zu spät und P. Weber Kaiser Maximilian (Keiter), Jüngling Erklärung katholischer Kirchenlieder (Schcuermann), Rom stück Personal- statistik und Bibliographie des Eichstätter LyceumS und Fest- bericht über die Jubelfeier des Münchener Georgianums (Hülskamp). — 8 Notizen über verschiedene Nova (Hülskamp). — Novitäten-Verzeichnitz. — Lectionskatalog der Universität zu Freiburg-Schweiz für das Wintersemester 1894/95. Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. - Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.