ttl-. 45 Sct. Thomas und die moderne Wissenschaft. Von Dr. S. Hubcr. (Schluß.) Herr Dr. Müller stoßt sich auch an der aristotelisch- scholastischen Definition der Seele als korwg, suffstantiLlis stornines. Ohne näher darauf einzugehen, verweisen wir kurz auf die Bestimmung des Concils von Bienne. Hält etwa Herr Dr. Müller diese Lehre für einen solchen Theil der Dogmatik, welchen man „nach seinem ketzerischen Gedanken über Bord werfen müsse?" Wie gesagt, auf die Vertheidigung dieser Hauptpunkte, auf die Darlegung der Gründe, warum solche Lehren auch von der Neuscholastik noch beibehalten werden — aus Gedankenfaulheit meint Herr Vr. Müller! — gehen wir nicht ein. Aber das müssen wir Zurückweisen, daß der Neuscholastik in die Schuhe geschoben wird, sie reprisiinire jene Lehren der Alten, welche nunmehr als falsch sicher dargethan sind. Eine schlechte Sophistikation ist es und eines Gelehrten, der es ernst meint, unwürdig, Ansichten dem Gegner zuzuschieben, welche er nicht hat, und ihn deshalb zu bekämpfen. Uebrigcns ein zweiter Punkt scheint uns noch mehr das Verfahren Dr. Müllers zu offenbaren und zu cha- rakterisiren. Einmal wird Thomas in Widerspruch mit den: Vaticannm gesetzt. „Streitet nicht die Behauptung, daß die zeitliche Schöpfung der Welt nur durch die Offenbarung gewiß sei, mit der constitutio äs orontions des Vaticanums?" (2. A.) Mit welchem Satz, müssen wir entgegcnfragen, hat denn das Vaticannm in der ooustitutio „äo Oeo omniuin raruur Orea-ioro" — so lautet der Titel — die Streitfrage berührt, ob es durch die Vernunft erkennbar sei, daß die Welt in der Zeit geschaffen worden sei? Mit diesem Argument gegen den hl. Thomas ist es also nichts. Was wird weiter versucht? Einige Stellen aus der Moral des hl. Thomas werden im Auszuge mitgetheilt und dadurch der Mißdeutung ausgesetzt. Oder ist es anders mit der Stelle: „ein Richter dürfe auf die Aussage eines falschen Zeugen" (den er als solchen kennt!) „einen Unschuldigen verurjheilcn, weil nicht er das Unrecht begehe, sondern der Zeuge"? Ist hier nicht der wesentlich die Sachlage klärende Satz unterdrückt: juäex (lastet seeuiuluur aUeZata, juäioawö? (8. ist. 2, 2 9 64, 6 aä 3). Der Hinweis auf Pilatns ist geradezu perfid. Nicht anders verhält es sich mit dem anderen Satze: „ein Angeklagter sündigt schwer, wenn er seine Schuld nicht gesteht". Warum ist nicht gesagt, daß Thomas den Fall im Auge hat, in welchem der Angeklagte dem Richter Gehorsam schuldet? Wirklich horrend ist es aber, wenn behauptet wird, Thomas lehre, die Laienbeichte erfahre im Nothfall ein suxxleruöirtuni durch den höchsten Pon- tifex (Christus) (statt der Neue!). Es ist uicht klar erkennbar, wie der Zusatz in Klammern „statt der Reue!" vom Verfasser gemeint ist. Wahrscheinlich soll er sagen, Thomas lehre, die Laienbeichte erhalte insoferne ein Luxxlöirieutuw, daß die Neue weiterhin nicht nothwendig sei; an ihre Stelle trete die Laienbeichte, oder die Neue werde durch die Laienbeichte ersetzt, und es werden auch ohne die Neue Sünden vergeben. Wie lautet aber die Lehre des Aqninaten? Wir setzen sie wörtlich her: „Beim Sakramente der Buße geschieht nicht bloß etwas von Seite des Spenders, nämlich Lossprechung und Auflage der Buße, sondern auch von Seite des Empfängers, was anch zum Wesen des Sakramentes gehört, nämlich Reue und Beicht.Wenn aber die Noth drängt, muß der Pönitent thun, was ihn angeht, nämlich Neue erwecken (und zwar vollkommene, aontöri!) und beichten, wenn er kann; denn wenn auch derjenige, dem er beichtet, das Sakrament nicht vollenden kann, weil er nicht zu thun vermag, was Sache des Priesters ist, nämlich loszusprechen, so wird dies durch den obersten Priester ersetzt." (Die Laienbeichte ist nun längst außer Brauch in der Kirche.) Wer kann aus diesen Worten, herauslesen, was der Verfasser dem hl. Thomas zuschiebt? Hätte Dr. Müller recht, Thomas Hütte wegen dieses einen Satzes jenes ehrende Lob der Vüter vom Triden- tinum nicht erhalten. Was andere Sätze in der Summe des Aqninaten betrifft, welche als unhaltbar bezeichnet werden müssen, möchten wir Herrn Or. Müller bitten, jenen milden Sinn walten zu lassen, welchen ihm die historische Betrachtung verleiht; er wird dann wohl Thomas nicht allzu hart richten. Mit vielen Worten wird die historische Forschung und Methode am Schlüsse des zweiten Artikels gerühmt; wir geben Vieles gerne zu und möchten uns nicht zu den an die Wand gemalten Feinden derselben rechnen lassen, deren Existenz wir selbst bei den — Jesuiten vergebens suchen. Wir finden es besonders gerechtfertigt, wenn Verfasser sagt, die historische Betrachtung verleihe dem Urtheile Milde und Scharfblick für die Beurtheilung einer Epoche. Aber es ist zu weit gegangen, wenn die Kirchengeschichte geradezu als Grundlage der Theologie hingestellt wird. Denn solches ist ausgesprochen, wenn gesagt wird, daß durch den Mangel der Geschichte der Scholastik der Unterbau gefehlt. Es ist wahr, daß bei den Scholastikern mangelhafte Gcschichtskenntniß hier und dort gefunden wird; was über Albertus Magnus gesagt wird, ist nicht abzuleugnen. Aber dann ist es eben um so mehr zu verwundern, daß im Ganzen und Großen wenige Mißdeutungen der Lehren der früheren Zeit vorkamen, im Gegentheil ein solches Verständniß für griechische Philosophcme sich zeigt, daß die historischen Kenntnisse eines Cartesius und Kant dagegen wahrhaftig verschwinden müssen. Und wegen des Mangels der Gc- schichtskenntuisse fehlte noch nicht der Wissenschaft der Unterbau. Wie Hütte denn das Gebäude der Scholastik ein solides sein können? Allerdings ist der Werth der Geschichte für die Theologie nicht zu unterschätzen. Die Geschichte ist eine wichtige Hilfswissenschaft der Dogmatik, welche vor allem eben Theologie ist; für letztere aber ist sie nicht deren Unterbau, ohne welchen diese gar nicht bestehen könnte. Die Grundlage einer jeden Wissenschaft sind deren Principien, objective und subjective. Das snbjective Princip der Theologie im genannten engern Sinne ist der Glaube, das objective aber die göttliche Offenbarung oder das von der kirchlichen Autorität bewahrte und vorgetragene äöxosituru kicisi. Das ist die Anschauung der katholischen Theologie, wie aus allen Lehrbüchern der Dogmatik und manchen Aeußerungen der kirchlichen Autorität zu ersehen ist. Wohin aber die Ansicht des Verfassers führt, sehen wir an — DLllinger und auch an der ersten Auflage der Kirchengeschichte von Kraus, den zu citiren Herr Dr. Müller zur Unterstützung seiner Ansicht für 354 nothwendig erachtet. (Okr. Schroeder, Liberalismus in der Theologie u. Geschichte. Trier 1883.) So haben wir denn trotz der scharfen Sprache Dr. Müllers keinen Grund, hinsichtlich der Berechtigung der Neuscholastik zu zittern. Wir können uns auch nicht bestimmen lassen, jenen schon für einen Thomisten zu halten, „weicher für unsere Zeit das leistet, was Thomas für seine Zeit: nämlich harmonische Verknüpfung des bewährten zeitgenössischen Geisteslebens mit dem altkirchlichen Bewußtsein". Wir müssen verlangen, daß er es so und mit denselben Principien leiste, wie Thomas. Will Jemand zur Schule eines Meisters gehören, so ist vor Allem nothwendig, daß er die Principien desselben verstehe und festhalte und im Geiste dieser Principien die von der Zeit gebotenen Kenntnisse beurLheile; nur der ist demnach Thomist, welcher die Principien des Agninaten festhält oder der Weisheit des Lehrers der Schule folgt, wie Leo XIII. sagt, nicht aber wer sie opfert. Streiflichter anf die pädagogische Wissenschaft in den Lehrerseminarien. ll. D. IV. Es muß für die weitesten Kreise von Interesse sein, welche „Wissenschaft" den künftigen Lehrern von ihrem „Fache" beigebracht wird. In einen! katholischen Lehrerseminare Bayerns werden im friedlichen Nebeneinander drei Handbücher gebraucht, die hie- mit kurz gewürdigt werden sollen: 1. „Kehrein - Kellers Handbuch der Erziehung und des Unterrichtes, zunächst für Seminarzöglinge und Volksschullchrer. Achte, verbesserte Auflage, bearbeitet von vr. A. Keller und I. Brandenburger. Paderborn, Ferdinand Schöningh." — Das Buch genießt, was Nichtigkeit und Faßlichkeit der Doktrin im Allgemeinen anlangt, verdiente Anerkennung; doch ist es keineswegs durchaus einwandfrei. Es finden sich allenthalben philosophische Unklarheiten, ja Ungereimtheiten, namentlich betr. Gefühl und Gemüth. Die Verfasser und Bearbeiter haben es noch nicht übers Herz gebracht, diese ausschließliche Errungenschaft der „deutschen" Philosophie, das Gefühlsvermögen als eigene Potenz der Seele, getrennt von höherem und niederem Strebevermögcn, fallen zu lassen. Das Werk bedürfte einer gewissenhaften Durcharbeitung von einem zünftigen Philosophen der alten Richtung. Der große empirische Wahrheitsgehalt des Buches würde diese Mühe wohl verdienen. Die ächte, alte Philosophie macht heutzutage auch in Deutschland Fortschritte, und müssen sich auch früher grundlegende Werke die Vervollkommnung gefallen lassen. 2. „Grundzüge der empirischen Psychologie und der Logik. Für die Hand des Schülers bearbeitet von I. Helm, Inspektor des kgl. Schuliehrer- seminars Schwabach. Vierte verbesserte Auflage mit neun Figuren in Holzschnitt. Bamberg, Verlag der Buchner'- schen Buchhandlung 1887." Der psychologische Theil ist völlig ungenießbar, nichts als Herbart mit seinen falschen Analogien von Mathematik, Mechanik und Chemie auf die Erkenninißlehre. Wenn der Maler auf der Palette Weiß und Schwarz mischt, so gibt das Grau; aber wenn im Kopfe des Kindes die Vorstellungen von Weiß und Schwarz zusammentreffen, so erzeugen ste nicht die Vorstellung des Grauen; letztere kann höchstens durch Association geweckt werden, wenn sie schon da ist. Sonst dürfte man dem Kinde nur Schwefel und Quecksilber zeigen, und aus dieser ersten Wahrnehmung müßte die bisher dem Kinde unbekannte Vorstellung von Zinnober entstehen!! Seit Jahrtausenden huldigt die denkende Welt dem Grundsätze: Oontraria, jnxta, ss posita nraZis alaraseunt, Gegensätze beleuchten sich; Herbart-Helm behaupten das Gegentheil: Entgegengesetzte Vorstellungen verdunkeln sich! Auf dieser irrthümlichcn Voraussetzung aufgebaut, ist die vorliegende empirische Psychologie eine hohle Seifenblase, wird aber den Lehramtskandidaten als Wissenschaft verkauft. Der „Gefühle" wird auch Helm nicht Meister. Nach Kehrein - Keller sind die Gefühle bewußte seelische Zustände der Lust oder Unlust, nach Helm dagegen ist Gefühl ein unbewußtes Wollen, ein bewußtes Streben. Der Schüler wird das Rechte schon durch selbstständige „Forschung" (ein vielmißbrauchtes Wort) finden!? — Die „Logik" ist ein dürres Gerippe des landläufigen Lehrstoffes von zweifelhaftem Werthe für den Anfänger. 3. „Allgemeine Erziehungslehre." Von Schulrath Dr. G. A. Lindncr, o. Universitätsprof. rc. 7. verbess. Auflage, für deutsche Lehrer- und Lrhrerinnen- bildungsanstaltcn nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft neu bearbeitet von Dr. Gustav Fröhlich in St. Johann a. d. Saar. Leipzig u. Wien, 1890, Pichlers Wittwe u. Sohn." — Lindners Büchlein empfahl sich durch ein bescheidenes Format, Fröhlich als Verbesscrer mußte es umfangreicher machen; Lindner war ein strenger Herbartiancr, Fröhlich will seine Lehre mäßigen nach den sorgfältigen „Forschungen" von neuen Philosophen und Pädagogen, z. B. Lotze, Ostermann, Dittes, Strümpell, Lazarus, Wnndt. Lindner hielt die Erziehung für allmächtig, so daß sie den Zögling bearbeitet, wie der Bildhauer den Marmor, Fröhlich läßt den Zögling als lebendes Wesen gelten und macht den Erzieher zum Pfleger und Führer. Wie von Herbarts Leistungen selbst, gilt auch von diesem Buche seiner Nachahmer: Das Wahre darin ist nicht neu, und das Neue ist nicht wahr. Vielfach werden Thatsachen, wie das Erziehungsbedürfniß des Menschen, geschildert, aber keine Begründung dafür gegeben. Unwissenschaftlich! Beim Lichte betrachtet, ist der sittliche Gehalt des Werkchens trotz mancher schönen Phrase nur eine seltsame Ver- quickung von Naturalismus und Nationalismus. Derartiges sollte in einer katholischen, überhaupt in einer positiv christlichen Lehranstalt unmöglich sein. Ueber das Ziel des Menschen und der Erziehung wird Kant citirt. Gemächlichkeit und Wohlleben (wozu ein thierischer Hang drängt) nennt der Christ nicht Glückseligkeit, wie Kant meint und Fröhlich nachbetet. „Thätig im Kampfe mit den Hindernissen, die ihm von der Nohheit seiner Natur anhangen, sich der Menschheit würdig machen" — ist das nicht die kantianische Definition der Freimaurermoral? Darf man dem Leibe einen selbststündigen, von der Seele unabhängigen Zweck zuschreiben? Was soll sich ein Zögling denken, wenn er liest: „Die sogenannten Seeleuvermögen: Verstand, Vernunft, Einbildungskraft u. s. w., gehören nicht zn den Uranlagen, es sind dies vielmehr abgeleitete Vorgänge, die sich aus der Wechselwirkung der Vorstellungen in der Seele ergeben"? In Z 3 der Einleitung finden sich auch dar- winische Anklänge. Fast auf jedem Blatte trifft man Sätze, die als irrig entschieden zurückgewiesen werden müssen. Von den „Musterbegriffen" der Ethik wollen wir schweigen. Die größten Egoisten und Verbrecher im Lichte der Grundsätze der Vernunft und des Christen- 355 thuMs können sich dieselben zurecht richten als Lebens- regcln. Sind etwa derartige Lehrbücher in den Lehrer- seminarien deßhalb eingeführt, damit ihre Irrthümer widerlegt werden? Eiu Wort über die alten Sprachen und den Einfluß der klassischen Studien in politischer und religiöser Beziehung. (Schluß.) R. In der klassischen Lcciüre sehen wir also, wie die reichbcgabten Griechen und die Nömcr, zwei Völker, die in geistiger Entwickelung in der Heidcnwelt den ersten Rang einnehmen, unablässig nach der Erkenntniß Gottes und seines Willens gerungen, aber trotz ihres Talentes, trotz ihres unverdrossenen Strcbens die große Aufgabe auch nicht zur Hälfte befriedigend zu lösen vermochten, sondern im Gegentheil sich immer mehr in den Irrthum verwickelten und dadurch ihre geistigen Schöpfungen auf diesem Gebiete immer mehr in sich selbst zerfallen sahen. Es ist in der That nicht ohne Bedeutung, daß eben diese Völker gerade beim Erscheinen des Christenthums alle Kräfte und Mittel, jene Aufgabe zu lösen, gänzlich erschöpft hatten. Don ihnen aus können wir durch Juduction auf das Wesen und den Werth der heidnischen Religionen überhaupt schließen, an ihnen können wir die Verirrungen, denen der menschliche Geist ausgesetzt ist, wenn er im Suchen nach Wahrheit auf sich allein beschränkt ist, gründlich kennen lernen. Und wie man von dem Vorhandensein des Gottesbewußtseins bei allen Völkern mit Neckst auf seinen Urquell und nothwendigen Grund, auf das Dasein Gottes, zurückschließt, so gelangt man durch die Kenntniß der heidnischen Religionen zu dem ebenso sicheren historischen Beweise von der Beschränktheit des menschlichen Geistes und seiner Unzulänglichkeit, aus und durch sich selbst eine Religion zu gründen, welche eine würdige Erkenntniß Gottes gewährte und überhaupt den religiösen Bedürfnissen der Menschheit genügte. Und wirklich ist die Menschheit in diesem Punkte bisher um nichts weiter gekommen, als die Griechen und Römer es schon waren, indem die Resultate der Philosophie dcS christlichen Zeitalters, insoweit sie allein aus dem menschlichen Geiste gewonnen sind und ohne Benützung und Einfluß der Offenbarung erzielt wurden, in der Hauptsache so mangelhaft und ungenügend für die geistigen Bedürfnisse des Menschen sind, als die Philosophcme des Alterthums; während die neue Zeit doch in den anderen Wissenschaften weit vorange- schritten ist und in der Erkenntniß dessen, was durch sinnliche Wahrnehmung erkannt und durch Berechnung gefunden werden kann, sehr hoch über dem klassischen Alterthum steht. Wir werden daher durch die Lcciüre der heidnischen Schriftsteller nothwendig auf die eng gezogenen Grenzen des menschlichen Erkennens hingeleitct, das gerade in Bezug auf die höchsten Dinge und wichtigsten Wahrheiten am meisten beschränkt und der Gefahr des Irrthums mehr als in anderen Dingen ausgesetzt ist. — Die Alten selbst haben es oft und deutlich ausgesprochen, wie gering die Summe des menschlichen Wissens sei. (Oorst. kirrt. Lpol. IX.) Sokratcs bekämpft sowohl bei Plato als bei Lcnophon den Wisscnsdünkel der Sophisten. — Cicero sagt in dieser Beziehung (^caci. Zurrest. I., 12): Lara Kanone, ut acoejurlrus, sidi uinuö cwrtaraen iustiturt, iwn xoi tinaeia aut ktuciio vinaensii, ut uriin yuiclain viclatur, secl earuin rarum obsouritate, quao aä ooulussiouaur iAirorrrtiouig uck- äuxorant Locrateiu, et.säur antu Locratsur, Vönao- ariturn, XnaxaZoraw, Linxoclooloin, ornnea xaencr votore8; uriril aoZnosci, uilril xareixi, uilril seiri I>0880 äixerunt; anFustov 86usus, imkociUoa rrniiuoa, bravia. currieula. vitao, et (ut Oernoorrtrw) in pro- tnncko veritrrtern crwe eleinerMin; opinioniluw et in8tituti3 ornnirr teneri; nrirrl verstatt rolin<)ui, äe- ineepw ornnirr tenebrst eireurnstwrr o830 ckixerunt. — Wir halten aus obigen Gründen nichts für geeigneter, den Menschen vor Ucberschütznng seiner Kräfte und seines Wissens, vor der eitlen Meinung, alles erforschen und durchdrängen zu können, vor dem himmclstürmcnden Titanenstolz, dem geistigen Hochmuihe der Selbstvergötternng zu bewahren, als eben das Studium der alten Klassiker, das uns so vielfach mit der Beschränktheit des menschlichen Geistes und seinen Verirrungen bekannt macht/ Gerade auf diesem Wege können wir uns am leichtesten von dem Bedürfnisse und der Nothwendigkeit einer göttlichen Offenbarung überzeugen; wir werden das hehre Licht des Christenthums und die Fülle seines geistigen Reichthums dadurch erst recht erkennen und über alles hoch schätzen lernen, daß uns der schroffe Gegensatz, die Finsterniß und Armuth des HeidenthumL vor Augen tritt, wie der Reiche sich seiner Schätze erst wahrhaft bewußt wird, wenn er in die Hütte des Armen geht. Diese Erkenntniß, die wir aus den klassischen Autoren ziehen können und sollen, ist in der That ein großer Gewinn; man fürchte dabei nicht, daß durch die Ueberzeugung von der Beschränktheit des menschlichen Wissens der Muth zum wissenschaftlichen Streben gebrochen und die Schwingen des Geistes gelähmt werden. Der nach Erkennen und Wissen strebende Geist wird dadurch nur zum voraus auf daS aufmerksam gemacht, was erreicht und was nicht erreicht werden kann, er wird in die rechte Bahn und Sphäre eingelenkt, vor dem Jcarns-Fluge und seinen Folgen gewarnt. Denn warum sollten wir die Wahrheit des Heils, die uns von oben gegeben ist, erst aus uns selbst finden wollen und zu diesem Zwecke denselben Weg einschlagen, von dem wir aus den alten Klassikern gesehen haben, daß er nicht zu dem erwünschten Ziele, sondern in die Jrrgänge eines unentwirrbaren Labyrinthes führt? Wenn wir uns in dasselbe hinein begeben und nicht durch das darin Hansende Unihier: den sich weise dünkenden Wahn — aufgezehrt werden wollen, sondern wieder unversehrt herauszukommen wünschen, so müssen wir den gefährlichen Weg an dem leitenden Faden der göttlichen Offenbarung zurücklegen. Zu diesem Schlüsse und Resultate gelangen wir durch das Studium des heidnischen Alterthums. — Allein wir lernen daraus nicht nur, auf welchem Wege wir nicht zum vorgesteckten Ziele gelangen, sondern wir stoßen daselbst auch auf manches Beispiel, das, obgleich von Heiden gegeben, Nachahmung verdient. Wir sehen, wir die Griechen und Römer mit lebhaftem Interesse nach religiöser Wahrheit streben und in allen Lcbensvcrhültnissen Religiosität an den Tag legen. Mit Unrecht spricht man häufig den Alten die Religiosität ab, und mit Unrecht belegt man oft einen Menschen, der, wie man sagt, nichts glaubt und von Gott und Religion nichts wissen will, mit dem Namen „Heide", während er doch noch eine ziemliche Stufe unter den Heiden sieht. Alle wichtigen Handlungen begannen im Alterthum mit einem religiösen Acte, mit Befragen des Willens der Götter (Orakel, 356 Auspicien rc.), mit Gebet und Opfern. Bei Opfern wurden immer die besten Früchte und auserlesene Thiere"") dargebracht, man scheute überhaupt bei religiösen Feierlichkeiten weder Mühe noch Aufwand/") Alle gemeinsamen Feste und Spiele hatten einen religiösen Ursprung, sie waren von religiöser Tendenz getragen und gehoben. Die Künste, besonders Architectur, Plastik, Musik und Poesie, standen wesentlich im Dienste der Religion und betrachteten als ihre Hauptaufgabe die Verherrlichung der Götter. Obgleich überall in Prosaikern und Dichtern der oben berührte Dualismus von Göttermacht und Fatum zum Vorschein kommt, so tritt doch in den Tragödien besonders die Demüthigung des Stolzes und Frcvelmuthes der Menschen durch die Götter in den Vordergrund, während im Epos überall ein persönliches Eingreifen der Götter in die Handlung vorherrscht. Ueberall zeigt sich das Gefühl der menschlichen Schwäche, überall die Ueberzeugung, daß der Mensch nichts Großes durch sich allein thun könne, daß er alles Große, Gute und Schöne der Hilfe und Gnade eines Gottes zu danken habe. Homer ist reich an solchen Beispielen; nichts Außerordentliches geschieht dort ohne besonderen Beistand einer Gottheit. Wir erinnern nur an die Heldenthaten des Diomedes (II. V.) und an die Be- siegung Hcctors durch Achilles (II. XXII.), wobei die Göttin Pallas der Tapferkeit des Helden wenig mehr zu thun übrig läßt, so daß der Held weniger durch seine eigene That groß erscheint, als eben dadurch, daß ihn die Göttin liebt und ihres besonderen Schutzes und Beistandes würdigt. Der Dichter stellt seine Helden oft unter den Schutz eines besonderen Gottes oder einer Göttin, läßt sie vor jedem wichtigen Unternehmen und Kampf zur Gottheit flehen und erst so von dieser zum Siege geführt werden/') Nach vollbrachter That werden den hilfreichen Göttern Dankgebete und Dankopfer dargebracht, ihnen weihen die Helden ihr Theuerstes, die Denkmäler ihres Ruhms, die im Kriege erbeuteten Waffen und die im Wettkampfe errungenen Preise. (Die zahlreichen Weihegeschenke in den Tempeln.) In der Erfüllung der Gelübde, in der Heilighaltung des Eides waren die Alten in der Regel sehr gewissenhaft und streng; denn sie gingen von dem Glauben aus, daß der Meineid sicher die Feindschaft der Götter und große Strafe nach sich ziehe, die Gewissenhaftigkeit im Schwören und Halten der Eide aber dem ganzen Geschlechte Segen bringe."") In manchen anderen Dingen begegnen uns löbliche Muster von Gottesfurcht, Hochschätzung der Tugend''") als des höchsten und einzig wahren Gutes, Geringschätzung irdischer Güter, Verachtung des Todes") und anderer scheinbaren Uebel. Dieses alles bekundet den religiösen Sinn jener heidnischen Völker, das Streben nach Wahrheit und Tugend, das als lobenswerth anerkannt werden muß, wenn auch ihre Religion eine irr- thümliche war und als solche keine ächte und allseitige --) 6ovk. Ilom. II. II, 102, ibiit. VI, 91, iöiä. I, 315. Vir§. ä.ev. VI, 38. ") vemostli. aävers. Uliil. I, 35 und Lall. 6ad. 9. «') 6ouk. II. X, 276 und XXIII, 872 Lgg. Vir§. äeu. V, 513 8gg. ") Xeuoxli. Lual). II, 5, 7. — 6ouk, Uow. II. IV. 170. ") Oouk. Ulkt. Lxol. Loer. XVII. Mciu vergleiche über diesen Punkt die Schriften der Philosophen, besonders des Plato und Cicero. ") klot. Lxol. Locr. XX. l?Iat. 6rlt. VI. 6io. tzuaest. Misoul. üb. I. Tugend erzeugen konnte. Doch in manchen Punkten siegte der bessere Zug der Natur, und manche Leucht- funken der Vernunft durchbrachen und erhellten theil- weise das Dunkel, je nachdem die Vernunftideen mehr oder weniger zum klaren Bewußtsein kamen. Das verschiedene Maß der Entwickelung dieser ist für uns von keiner untergeordneten Bedeutung. Denn wenn wir dort viele Ideen mangelhaft entfaltet sehen und dieselben im Christenthum vollkommener ausgeprägt und geläutert wieder finden, so erkennen wir daraus nicht nur den ungleich höheren Standpunkt, auf den das Christenthum den Menschen erhebt, sondern wir sehen auch zugleich, wie manche Glaubenswahrheiten des Christenthums, die uns auf den ersten Blick als unbegreifliche und völlig vernunftwidrige Dogmen erscheinen, schon bei den Heiden in gewissem Maße auftauchten, daß sie also, indem die Heiden sie nur auS der Vernunft schöpfen konnten, in der Vernunft selbst begründet sein müssen und somit durch das Christenthum uns nicht als etwas für die Vernunft Fremdartiges gleichsam aufgedrungen, sondern nur zum volleren Erwachen gebracht worden sind; während sie vor dem Hinzutreten des göttlichen Lichtes sich erst verworren aus dem Schlummer hcrauszuringen suchten. In dieser Hinsicht kann das Heidenthum viel dazu beitragen, daß wir erkennen, wie die Vernunftidecn durch das Christenthum nur zu größerer Klarheit erwacht und in der rechten Richtung ausgebildet worden sind, so daß das Christenthum, auch wenn es in manchen Punkten über unsere Fassungskraft hinausgeht, doch im Ganzen hauptsächlich nur den Inhalt der menschlichen Vernunft aus den tiefsten Keimen an das Licht hervorgebracht hat. Dasselbe kann und muß daher die wahre Ver- nunftrcligion im edelsten Sinne des Wortes genannt werden. Und wirklich ist keine andere Religion der menschlichen Natur, deren Wesen und Hauptmerkmal eben die Vernunft ist, so anf allen Stufen der geistigen Bildung angepaßt, keine umfaßt so den ganzen Menschen nach allen Seiten seines Wesens und unter allen Verhältnissen des Lebens. Wenn wir nun das Gesagte zusammenfassen, so müssen wir den Schluß ziehen, daß die Lcctüre der heidnischen Klassiker sich mit der entschieden christlichen Erziehung der studircnden Jugend nicht nur vertrage, sondern ihr sogar in mancher Hinsicht sehr förderlich sein könne und müsse, wenn man nur den Standpunkt und das Wesen jener heidnischen Religion näher ins Auge faßt und die sich dann von selbst ergebenden Konsequenzen daraus zieht. Also nur eine höchst oberflächliche Kenntniß des Hcidenthnms kann dem Christenthum schaden, während eine wahre und gründliche Kenntniß die Niedrigkeit und Mangelhaftigkeit der von Menschen geschaffenen Religionen aufdeckt und in ihrer ganzen Blöße zeigt, wodurch uns eben die Höhe und Vollkommenheit der christlichen Religion, ihr Triumph über alle Erfindungen menschlicher Weisheit erst recht zum vollen Bewußtsein kommt. Wer durch das Studium des heidnischen Alterthums nicht zu diesem Schlußsätze gelangt, hat aus den Klassikern soviel als nichts gelernt. — Wenn es nun in der klassischen Lcctüre nicht an solchem Stoffe fehlt, der geeignet ist, uns in politischer und religiöser Hinsicht zu belehren und besonders vor demjenigen zu warnen, was auf beiden Gebieten nicht zum Heile, sondern zum Verderben führt, so wird es die unerläßliche Pflicht und Aufgabe der Schule sein, diesen Stoff für den Zweck der Erziehung zu bcnützen 357 und nicht indifferent über ihn wegzugehen. Hiemit ist nicht gesagt, daß man bei der klassischen Lectüre jede sich darbietende Gelegenheit ergreifen solle, um Bemerkungen über den religiösen und politischen Standpunkt der Alten anzuknüpfen und sich darüber mit weitschweifender Kritik zu verbreiten; dieses würde von dem jedesmaligen Gegenstände des Unterrichts leicht zu weit abführen und das Fortschreiten in der Lectüre selbst offenbar hemmen. Auch muß dcui nur zu oft hervortretenden Streben der Jugend, alles verstehen und beurtheilen zu wollen, sich mit Selbstüberschätzung und wegwerfender Kritik über die verschiedensten und ihrem Gesichtskreis oft ganz fern liegenden Gegenstände zu äußern, so viel als möglich entgegengewirkt werden; denn die Jugend soll zwar nichts gedankenlos, oberflächlich und mechanisch erlernen, aber sie ist auch nicht zum Näsouniren und Kritisiren berufen. Von einer solchen Behandlung des klassischen Alterthums, die das entgegengesetzte Extrem zu dem gleichgültigen Ueber- gehen der wichtigsten und lehrreichsten Punkte bildet, ist hier keine Rede; nicht das eine oder andere Extrem, sondern das rechte Maß (arM-- ä'pav), die bei den Alten so hoch geschätzte goldene Mittclstraße („anrsa, raeckio- oritas"), ist auch hier das Nichtigste und Zweckmäßigste. Es wird ohne Zweifel für den Zweck der Schule vollkommen genügen, wenn bei solchen Stellen der Klassiker, die den politischen oder religiösen Standpunkt der Alten charakterisircn und das Verhältniß desselben zu dem unseligen, die Uebereinstimmung oder den Gegensatz leicht nachweisen lassen, eine kurze Bemerkung angeknüpft oder auch manchmal nur ein flüchtiger Wink gegeben wird, der die Schüler anleitet, den Gegenstand von dem richtigen Gesichtspunkte aus zu betrachten und aufzufassen. Daß dabei stets auf das Alter und die Bildungsstufe der Schüler Rücksicht genommen werden mutz, versteht sich von selbst. Während es daher in den unteren und mittleren Klaffen die Hauptaufgabe ist, der Grund- anschauung der jungen Leute die rechte Richtung zu geben, falsche Begriffe zu beseitigen, das Aufkeimen irr- thümlicher Ansichten und schlechter Grundsätze zu verhüten, wird es die Aufgabe der höheren und obersten Klassen sein, das Wesen der antiken Bildung, das Leben und den Jdeenkreis der Griechen und Römer genauer kennen zu lernen, klare Begriffe und Vorstellungen davon zu erlangen, so daß die Studirenden vor dem Ueber- tritt zur Universität besonders auch von den religiösen Ansichten und politischen Einrichtungen des Alterthums, ihrem Werth und Unwerth im Allgemeinen hinreichende Kenntniß besitzen und feste Anhaltspnnkte für die Zukunft gewonnen haben. Durch diese Art der Auffassung und Behandlung des klassischen Alterthums wird mancher Verirruug sowohl auf religiösem als politischem Boden vorgebeugt. Es wird sich daher das Studium der alten Klassiker, wenn es nur recht getrieben wird, auch in dieser doppelten Hinsicht, nämlich in der Erziehung der studirenden Jünglinge zu guten Mitgliedern der christlichen Kirche und zu tüchtigen Bürgern des monarchischen Staates, als zweck« dienlich und somit als praktisch erweisen. Der Einfluß des Klimas auf die Umgestaltung der Thier-rassen. Von H. von Reinagen. (Nachdruck vlrvoUn) „Die Natur schafft ewig neue Gestalten; was da ist, war noch nie; was war, kommt nicht wieder: Alles ist I neu und doch immer das Alte. Sie baut immer und zerstört immer, und ihre Werkstätte ist unzugänglich. Es ist ein ewiges Leben, Werden und Bewegen in ihr," sagt Goethe. Ein solches Leben und Weben, Werden und Vergehen findet namentlich im Thicrreich statt. Unzweifelhaft haben sich in ihm die ausfallendsten Umgestaltungen vollzogen; denn gar mannigfaltig sind die im Laufe der Zeit vorgekommenen Veränderungen der Thiere, Thierarten und Nassen. Ganz sicher cxistirt jetzt kein Dinotherium, kein Ichthyosaurus und kein Lepido- centrid mehr auf der Erde. Wollen wir den Grund dieser Erscheinung finden, so müssen wir die heutige Erde beobachten, ob darauf nicht ähnliche Erscheinungen vorkommen, die bloß wegen der Kürze der Zeit unserer Beobachtung etwas dürftiger ausfallen werden. Es liegen eine Menge von Beweisen vor, daß der Wechsel der äußeren Lebensbedingungen tief eingreifende Veränderungen in der Körperbeschaffenheit der Thiere und Pflanzen bewirkte. Wir finden nahe verwandte Thiere in weit auseinander liegenden Gegenden körperlich so verschieden, daß man sie als sclbstständige verschiedene Arten aufgestellt hat. So wird der ceylonische und afrikanische Elephant, das ein- und zweihöckerige Kameel, die Antilopen verschiedener Länder, das einhörnige oder asiatische und das zwcihörnige oder afrikanische Nashorn, das Krokodil Afrika's und der Kaiman Amerika's unterschieden, da sich wirkliche Unterschiede auffinden lassen. Es ist aber trotzdem möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß diese Thiere von je einer und derselben Art abstammen und sich nur in den ungleichen Verhältnissen ungleich gestaltet haben. Australien, ein in Bezug aus Klima, Wasservcr- thciluug, Flüsse, Trockenheit der Luft ganz eigenthümliches Land, hat auch eine eigene Flora und Fauna. Kein Lastthier, kein Hausthier, kein Singvogel findet sich dort, dagegen das Känguruh, die Känguruh-Ratte, der Wombat, das Schnabclthier, der Vampyr, der Manati und andere abenteuerliche Gestalten. — Die Bäume haben keine grünen, schattengebenden Blätter, sondern schmale, mattweiße, lanzettförmige Blätter, und die Stiele sind häufig mit Stacheln versehen. Alles ist wie zum Nachtheile des Menschen gemacht, daher auch der armselige Urzustand des Australiers, des Tasmaniers. Die arme unwirthbare Nordküste von Ncuholland sticht auffallend von dem gegenüber liegenden, gleich einem Garten blühenden Timor ab, wo Mensch und Thiere von jenen Neuhollands so sehr verschieden sind. In Südamerika sind alle Thierspezics kleiner als die parallelen Arten der alten Welt: der Kaiman ist kleiner als das Krokodil, der Puma geringer als der Löwe, der Strauß kleiner als der afrikanische, der Jaguar schwächer als der Tiger, die Onze kleiner als der Panther. Viele Veränderungen sind auch schon mit Sicherheit wahrgenommen worden. Die Süugcthiere in Syrien und Persien zeichnen sich durch langes, weiches Haar aus, und die dort erst akklimatisirtcn Thiere haben ähnliches angenommen. Auf Korsika werden die verschiedensten Thiere, Hunde, Pferde u. s. w. bald gefleckt; die zur Wollzncht aus Spanien nach Paraguay verpflanzten Schafe sind vollkommen ausgeartet und haben kurze, rauhe Haare bekommen. Auch die dorthin vor 300 Jahren eingeführten Hauskatzen sind um ein Viertel kleiner geworden, schmächtig und zartgliederig, und zeigen nicht Lust, sich mit frisch eingeführten Katzen zu paaren. Die verwilderten Schweine haben auf Cuba eine be- 358 deutende Stärke und Körpermasse angenommen, mehr aufrecht stehende Ohren und schwarze Borsten bekommen. Auf Kubagua erhielten sie ungewöhnlich lange Schalen. Im Winter bedecken sich in unseren Klimaten alle Thiere mit einem dickeren Pelze als im Sommer. Der Alpenhase des äußersten Nordens hat seinen Winterbalg das ganze Jahr hindurch, der lappländische während zehn Monate, der norwegische acht bis neun Monate, im mittleren Deutschland fünf bis sechs Monate lang. Unter den Tropen findet man keinen Winterbalg mehr, weil es keinen Winter gibt. Thiere, welche nach den südlichen Gegenden verpflanzt wurden, verlieren die Dichte des Balges, in nördlichen gewinnen sie ihn. Das Mammuth hatte einen doppelten, über Meter langen Balg, und sein Abkömmling, der Elephant, hat in Ceylon die Haare fast ganz verloren. Die ächten Pelzthierc finden sich in Sibirien, am Kupferminenflnß, während der Süden schwach behaarte und nackte Thiere erzeugt. Es ist demnach klar, daß Wärme und Kälte einen bedeutenden Einfluß aus Erzeugung von Haaren und Wolle haben, und daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen beiden Erscheinungen stattfindet. Bis jetzt kennen wir die Wirkung nicht, aber der Zusammenhang ist klar. Ebenso einleuchtend ist, daß, wenn sich die Temperatur eines Landes ändert, dies auch auf die Behaarung der Thiers und ihre ganze Körperbeschaffenheit einen Einfluß haben müsse, weil sich ja auch das Wachsthum der Pflanzen ändert. Daß sich in lange dauernden Zeiträumen Pflanzen und Thiere nach den klimatischen Verhältnissen eines Landes einrichten, beweisen unter Andern: die Galapagos- odcr Schildkröten-Inseln, die nicht weit vom Continent von Amerika in der Südsee gerade unter der Linie liegen. — Anderson, der die Fregatte „Eugenie" begleitete, berichtet, daß unter 26 Arten Landvügeln nur 25 dort, aber sonst nirgends, angetroffen werden. Die kolossalen Schildkröten und großen Ottern-Arten sind alle eigenthümlich; 15 Fischarten sind nur dort zu Hause, und von 16 Landmuscheln sind 14 auf jene Inseln beschränkt. Auch von 90 Seemnschcln sind 49 fast überall sonst unbekannt, und alle Insekten-Arten, etwa mit Ausnahme von dreien, sind gleichfalls neue Arten. Demnach kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die körperliche Beschaffenheit der lebenden Wesen von den äußeren Bedingungen abhängig ist, und daß mit den Veränderungen dieser auch die Ersteren wechseln müssen. Solche äußere Bedingungen sind die Feuchtigkeit der Luft, die Nähe des Meeres, das Vorhandensein großer Ströme oder nahe liegender Hinterländer; ferner die chemische Beschaffenheit des Bodens, d. h. ob er Mineralbestandtheile für Pflanzen enthält, oder die Summe des Negens auf das Jahr und seine Vertheilung. Vorwaltende Windrichtungen, die östliche oder westliche Lage zu einem großen Continent, oder die Nähe zum Acqnator hin, ob viel Land oder viel Meer vorhanden sei, die Temperatur des Meerwassers und dessen Strömungen, sowie vor Allem die mittlere Warme des Jahres und die Mittlere Wärme des Sommers und des Winters für sich allein, wie noch viele andere Beziehungen sind vom stärksten Einfluß. Die Körpertheile der Thiere aber, welche durch diese äußeren Bedingungen mancherlei Veränderungen unterworfen werden, gehören namentlich zu denjenigen, welche zur Aufnahme der Nahrungsmittel und zur Fortbewegung bestimmt sind, als Kopf, Hals, Leib, Kreuz und Hiutertheil, besonders aber auch die Bekleidung, im Allgemeinen also gerade diejenigen Theile, welche die wichtigsten Nassenkennzeichen bieten. Besonders groß ist indeß auch die klimatische Einwirkung auf die Färbung der Bedeckungen in allen den verschiedenen Tinten und Nuancen, auf Häute, Haar und Gefieder, wie auch auf die Größe eines oder des anderen Körpertheiles sowohl im freien Zustande, als auch in der Gefangenschaft. Denn es ist bekannt, wie außerordentlich, ja oft ungeheuer der Einfluß ist, den der Mensch dadurch ausübt, daß er Thiere in andere Weltgegenden versetzt, wo sie, obwohl sie immer dieselbe Spezics bleiben, sich nach und nach zu klimatischen Rassen umwandeln, welchen die am neuen Aufenthaltsort gewonnenen charakteristischen Züge so fest aufgeprägt sind, daß sie diese endlich auch beim Zurückbringen an den früheren Ort durch viele Generationen beibehalten. Warum werden die Schafe in Chile und die Schweine auf Cuba so groß, aber in den deutschen Haiden so klein? Warum erhalten die Schafe in manchen Gegenden von Asien Fettschwänze? Warum werden sie in verschiedenen anderen Gegenden ganz schwanzlos und erhalten Fettpolster auf den Steiß? Warum sind sie in Aegypten und den angrenzenden Ländern ebenso wie die Ziegen hängeohrig, dort und am Senegal oft ungehörnt oder nur mit ganz kleinen Hörnchen begabt, dagegen auf Island, auf den Anden, in Südamerika vielhörnig? Warum sind in der Walachei und auf Kreta die Hörner der Ziegen denen des Kndu (^Vntilops sdi-opsioeros) ähnlich? Warum find Schafe um den Aeguator herum, wie auf Island, rauhhaarig u. s. w.? Warum besitzen gerade die hohen Gebirgsstriche zwischen Persien oder China außer den feinwolligsten aller Ziegen und Schafe auch andere sehr lang- und reichhaarige Thiere, wie z. B. den Los Zruvnious? Warum hat gerade der Bezirk von Angara Ziegen, Kaninchen und Katzen mit so langen seidenartigen Haaren? Jedenfalls nur, weil in der eigenthümlichen Beschaffenheit der Himmelsstriche die Ursachen dazu vorhanden sind. (Schluß folgt.) Einige Scenen aus dem Schtvedenkcicge. (Auch ein Beitrag zur Beantwortung der Frage: „Ob Deutschland bei der Gustav- Adolf-Feier mitthun soll?") Von k. Emmeram Heindl, 0. 8. V. Wir haben aus den uns zu Gebote stehenden Quellen zusammengesucht was die Benediktinerklöster im 30jährigen Kriege seitens der Schweden zu erdulden hatten. Die schwedischen Soldaten haben als getreu; Söhne Luthers nur in seinem Sinne und nach seiner Mahnung gehandelt, wenn sie Kirchen und Klöster niederbrannten, ihre Bewohner mordeten oder verjagten. Daß Luther zu solchen Gräuelthaten gegen die „götzendienerischen Papisten" wirklich aufgefordert, dafür finden sich in seinen Schriften hinlängliche Beweise (vgl. hierüber das Werk von Janssen ec.). Vielleicht sind diese Zeilen auch für einige der geehrten HH. Mitarbeiter, denen noch andere Quellen zur Verfügung stehen, ein Anstoß, um durch Aufführung ähnlicher Beispiele diese Berichte zu vervollständigen. 1. Andc chs. Dem Tagebuche des Abtes Maurus Frksenegger (abgedruckt in I>. Sattlers Chronik von AnvechS) einnehmen wir Folgendes: AIS die Nachricht voin Einfalle der Schweden in Bayern sich verbreitet hatte, wurden die Kostbarkeiten, insbesondere der heilige Schatz, rechtzeitig an sicheren Orten untergebracht; auch 359 die meisten Klostcrbcwohner flüchteten sich. Um gar nicht zu reden von dem, was das Kloster von den übrigen Feinden, ja selbst von Freunden zu leiden hatte, soll nur berichtet werden, wie die Schweden in demselben hausten. Anno 1632 den 18. Mai früh Morgens kamen 16 schwedische Reiter vor das Thor des Klosters hl. Berg, und da sie nicht gleich eingelassen wurden, hieben sie das Thor mit Hacken und Gewalt ein und nur mit Mühe retteten sich die zwei Herren, Hausmeister und Psarrcr mit den Bedienten, die noch da waren, durch den Garten in das Kientbal und nahmen die Flucht weit über den Ammer- see nach Liessen. Die Reiter raubten 26 Pferde und das Bessere, was sie im Kloster fanden. Es kamen aber bald mehrere feindliche Soldaten nach. Was sich in der Zeit von 3 Wochen und darüber bei Anwesenheit des Feindes am hl. Berg zugetragen, hat sich nach der Hand, nach dem Abzug der Schweden und der Zurückkauft einiger Domestiken und Geistlichen gezeigt. Das Gotteshaus war voll Gestank und Pferdemist, auf den Altären Ueberbleibsel von Futter, die Opfcrstöcke alle zerbrochen und die Grabstätte des Stifters geöffnet. Jedoch waren die Altäre uns die Bildnisse derselben alle unverletzt, ausgenommen das Bildniß des hl. Rasso, das, verstümmelt und mit Kcth befleckt, außer dem GottcShause gefunden wurde. Den beiden Guadcnbildern der MuttergotteS konnten die Feinde nichts anhaben; auch suchten sie mehrmals vergeblich Feuer au die Ge- bäulichkeiten zu legen. Auch im ganzen Kloster war eine abscheuliche Verwüstung: keine ganze Thür, kein Schloß, kein Kasten, kein Schrank, kein Fenster, daö nicht zerbrochen war; alle Gänge, alle Zimmer, das Nefcctorium. Dormitorium und Kollegium waren mit Stroh, zerschlagenen Fenster-, Thür- und Kästeniplittern, mit Pferd- und Meuschenunrath, mit Gestank und Grausen so angefüllt, daß 5 Mann 10 Tage genug zu thun hatte», das Kloster nur vom größten Unrath zu reinigen. Vom ganzen Hausrath, von Küchen- und Tischgeräthe war nichts mehr da, oder zerbrochen. Von der Menge der Betten fand man kaun; eines oder das andere, und diese ohne Leinenzeuge, ohne Kissen und Polster; von anderen lagen die Federn in den Gängen und Zimmern mit auderm Unrath zerstreut. Auch in der folgenden Zeit schwebten die Klostcrbewohuer beständig zwischen Furcht und Hoffnung und mußten mehrmals sich zur Flucht bereit halten. Am 17. April 1633 sielen wieder einige schwedische Freibeuter iuS Kloster am hl. Berge ein. zu denen immer mehrere nachkamen und sich bei 13 Tage aushielten. Sie zerbrachen Thüren und Kästen, Fenster und Tabulatcn, und raubten Geschirre, Kleidungen, Getreide und Hafer, sowie das, was sie vom Kloster und den Dorflenten darin fanden. Den 1. April 1631 wurde auch das benachbarte Kloster Wessobrnnn von den Schweden überfallen und zwei Religiösen gefangen nach Kaufbcurcn geführt. In ganz ähnlicher Weise wie in AndechS machten es die Schweden auch in den meisten übrigen von ihnen heimgesuchten Klöstern. 2. Benedictbcnern. 8. Karl Mcichclbek erzählt in seinem -dbronieon vsns cliotodurannm- (herausgegeben 1753 von I?. Alfons Haidcn- fcld) folgendcrwcise den Martcrtod des 8. Simon Speer: 1'. Simon Speer, der sich im Jahre 1591 unserem Kloster durch die feierlichen Gelübde einverleibte, wurde am 19. Mai 1632 von den Schweden aufs grausamste ermordet. Diesem Manne lag die Erhaltung deö Klosters mehr am Herzen als das eigene Leben. Als daher wegen des Einfalles der Schweden in diese Gegend alle unsere Bruder zugleich mit dem Abte auf den benachbarten Bergen sich versteckt und auch die besseren Geräthschaflcn, sowohl heilige als profane, an sicheren Orten untergebracht hatten, entwich 8. Simon allein nicht aus dem Kloster, sondern wollte bei unsern Sachen bleiben, solange es möglich wäre. Die Anzahl der eingefallenen Schweden war bei weitem geringer als der Ruf davon, der sich durch furchtsame Leute verbreitet hatte; und wenn man den Berichten älterer Landleute und Diener unseres Hauses, die ich selbst vor etwa 50 Jahren noch ganz gut gekannt habe, glauben darf, so waren ihrer nicht mehr als zwanzig. Dieser unbedeutende Trupp schwedischer Reiter hätte von den Uusrigen ohne Mühe in die Flucht geschlagen oder überwältigt werden können; indessen die Furcht, welche bei weitem größer war als die Zahl der Feinde, trieb die Uusrigen in die Flucht und auf die Berge. Uebrigens erschienen diese wenigen feindlichen Reiter so rasch in unserem Kloster, daß 8. Simon weder Ort noch Zeit fand, sich ihrer Wuth zu entziehen. Außer 8. Simon selbst befand sich in dem Kloster Niemand als einige Knaben und Mädchen, welche aus Furcht vor den Feinden aus der Nachbarschaft zu uns geflohen waren. Die Schweden drangen nun eiligst in unser Kloster ein, und da sie Niemanden fanden, der ihnen Widerstand leistete, stießen sie endlich auf8. Simon als willkommenes Opfer ihrer Wuth. Auf diesen stürmten sie also los und begehrten wüthend von ihm, daß er ihnen die werthvollen Sachen des Klosters sogleich verrathen sollte. 8. Simon sagte ihnen, es sei nichts von besonderem Werthe mehr im Kloster vorhanden. Der Abt und die Brüder hätten sich sammt den beweglichen Sachen in den Bergen versteckt; indeß sei ihm ganz unbekannt, in welchen Theilen des Gebirges sie gegenwärtig verweilten. Da die Schweden dies durchaus nicht glauben wollten, so mißhandelten sie den guten Mann alsbald mit schauderhaften Schlägen, um etwas von ihm zu erpressen. Da sie aber nichts ausrichteten, beraubten sie ihn sämmtlicher Kleider und hängten ihn ganz nackt im Speisezimmer der Klostcrdicnerschaft beim Ofen an einer eisernen Stange aus; hierauf zündeten sie um seinen ganzen Leib herum Stroh an und marterten ihn so, bis der gute Mann dem Tode nahe war. Die Schweden wünschten aber, daß er noch eine Zeit laug leben sollte, weil sie hofften, ihm endlich durch die Gewalt der Marter irgend ein Geständnis; zu entlocken. Daher verschafften sie ihm in seiner hängenden Lage einige Erleichterung und suchten einige Zeit im Kloster herum nach Beute. Als sie einiges gefunden, viel verwüstet und zerbrochen hatten, kehrten sie in erwähntes Speisezimmer zurück, ließen den 8. Simon von der Stange herab und schleppten ihn mit sich zum Kloster hinaus gegen die Alpen zu. Da sie aber mit größter Habgier in den umliegenden Dörfern nach Beute suchten, ließen sie ihn endlich halbtodt liegen. Inzwischen kamen einige unserer Bauern und erblickten den I?. Simon nackt, auf allen Seiten versengt und mit Wunden bedeckt. Von innigstem Mitleid gerührt, fragten sie ihn, womit sie ihm dienlich sein könnten. Er verlangte mit schwacher Stimme etwas, womit er seine Blöße bedecken könnte. AIS mau es ihm gebracht, bat er, man möge ihn in eines der nahen Gebüsche tragen, damit er nicht dem Anblicke Aller ausgesetzt wäre. Unsere Bauern willfahrten seiner Bitte. Aber schon am nächsten Tage hauchte 8. Simon seine Seele aus, nachdem er sie unaufhörlich und voll Andacht Gott empfohlen hatte. Als die Nachricht von seinem Tode den Uusrigen, die auf den Bergen versteckt waren, hinterbracht worden war, wurde der Leichnam des guten Mannes nicht in unserm Kloster (wo man vor den Feinden nicht sicher war), sondern in unserer Pfarrkirche zu Kochcl beim Hochaltar beigesetzt. Der Grabstein enthält die Inschrift: >Häm. 8. 8. Limon Lpeor Orll. 8. 8. a 8nsoi3 oeoimw 1632.« So bildete 8. Simon einen glückseligen Zuwachs zur Anzahl derer von den Uusrigen, die einst von den Hunnen und anderen gottlosen Menschen ähnliche Martern um ihres Glaubens oder ihrer Treue willen erlitten haben. Und wir zweifeln nicht, daß er auch jetzt im Himmel noch unser Kloster liebe, dem er einst auf Erden mit solcher Anhänglichkeit zugethan war. 3. St. Emineram (in Regenöburg). (Aus Uatisdona monastica I. Theil, Ncgeusburg 1752; vom Fürstabt I. B. Kraus von St. Emmcram.) Die Bürger der Stadt fielen größtenthcils der neuen Lehre zu seit 1535; diese Lehre wurde in Ncgeusburg 1542 öffentlich anerkannt. Als die Stadt am 5. Nov. 1633 sich dem schwedischen Feldherrn Bernhard von Weimar übergeben hatte, wurden die Mönche und Nonnen aus ihren Klöstern vertrieben, die meisten Geistlichen aus der Stadt verjagt, Das Stift St. Emmcram kam in weltlichen Besitz, und die herrliche Bibliothek mit den kostbaren Werken und Handschriften wurde elend verschleudert. 4. Ettal. 8. Ludwig Babcustuber, Conveutualc von Ettal, erzählt in seinem Werke >8unllatrix lüttalerwrs« (München 1691 bei I. L. Sträub) Folgendes: Unter Abt Othmar Eoppelzrieber fiel der Schwebeukv'nig Gustav Adolf in das röm. Kaiserreich deutscher Nation ein, und zuletzt auch in Bachern. Mau sah sich darum bei Zeiten durch die Flucht vor, und alles Wcrtbvollerc wurde an sicheren Orten verborgen. Abt Othmar selbst und alle Mönche suchten Schlupfwinkel auf. Der einzige 8. Josef Hcß aus Augsburg weigerte sich, das Kloster zu verlassen, und gab aus eigenem Antriebe das handschriftliche Versprechen, er würde daö Hauswesen bewachen und besorgen, solange vom Kloster noch eine Mauer übrig wäre. Dean nahm seine hochherzige Großmuth an, und die Uebrigen begaben sich in ihre verschiedenen Zufluchtsstätten, wo ihnen solche geboten wurden; das war am 4. Juni 1632. Bald darauf erschien eine Schaar feindlicher Reiter, nachdem Solche, welche sogar mit Gefahr ihres Lebens es hätten verheimlichen sollen, ihnen den Weg durch die Alpen gewiesen hatten. Bei ihrer Ankunft begehrten sie mit ächter Soldaten- 360 rohheit Einlaß, und k. Josef empfing sie ausS freundlicbstc. Hierauf bewirthete er sie wie liebe Gäste reichlich mit Speise und Trank. Mau hätte unu sicher glauben sollen, die Gäste hätten ihm wegen einer so ausnehmenden Freundlichkeit wenn nicht das Geld, doch wenigstens das Leben gelassen, allein die Sache kam ganz anders. Plötzlich Miethen sie nämlich in Wuth und schlugen ihren Gastwirth, der sie bei Allem, was heilig ist, vergeblich um Schonung anflehte, zuerst unmenschlich mit Knitteln, verwundeten ihn dann köstlich mit ihren Säbeln und durchbohrten ihn mit Spießen. Er fiel an der Klostcr- psorte in die Kniee, indem er ununterbrochen bis zum letzten Athemzuge Gott und die seligste Jungfrau, die Gründerin unseres Klosters, anrief. Es war damals ein gewisser Job. Zieglmair, ein sehr braver junger Mensch, im Kloster Organist. Dieser war mit ?. Josef, während die ganze übrige Dienerschaft sich durch die Flucht zerstreut hatte, zurückgeblieben. Als er nun den ?. Josef in seinem Blute liegen sah und erkannte, daß auch er sterben müsse, fiel er auf seine Kniee nieder und erhielt von dem nämlichen Meuchelmörder den Todesstoß. Im Fallen umfaßte er noch den l?. Josef und gab allsvgleich den Geist auf. Nach diesem Doppelmord- stürzten die Feinde, von einem geheimuißvollen panischen Schrecken ergriffen, in eiliger Flucht aus den Bergen und ließen das Kloster im llebrigcu unverletzt. Jener gottcsräuberische Mörder aber wurde bald darauf von Landlcntcn erschlagen und empfing so die wohlverdiente Strafe für seine Unthat. Die unschuldigen Opscr dieser barbarischen Grausamkeit, welche die gleiche Ursache und Art des Todes getroffen hatte, nahm dann auch in der Kirche das gleiche Grab aus. DaS war die blutige Einkehr der Schweden zu Ettal. (Schluß folgt.) Recensionen und Notizen. In der Festung wegen einer katholischen Predigt über die Ehe. Von I. Bcchtold, Pfarrer in Thaunweilcr. Straßburg. Druck von F. X. Le Noux, bischöfl. Buchdr. 144 S. 60 Pf. O Eine vierzehntägige Gcfängnißhaft durch kaiserl. — von dritter Hand angerufene — Gnade in Festungshaft von gleicher Dauer umgewandelt, bot dem Verfasser hinreichende Muße, über seine Missethat, über die Anwendung des § 166 dcS N.-St.- G.-B. auf katholische Priester, auf evangelische Bundes- und andere Brüder und über die beiderseitige Behandlung auf dem Rechts- und Gnadenwege reiflich nachzudenken und die Ergebnisse seiner Betrachtungen aufzuzeichnen. Der beigefügte Wortlaut der Predigt und eine anmuthige Sammlung der saftigsten Schimpfereien gegen die katholische Kirche, die nachweislich in protestantischen Versammlungen, in Flug- und sonstigen Schriften, in Witzblättern gebraucht wurden, und der darauf ergaugeuen Urtheile bieten dem Leser lehrreichen Stoff zu nützlichen Vergleichungcn. Die gegen den Verfasser beliebte strafrechtliche Verfolgung, die vom juristischen Standpunkt schwer, vom politischen unbegreiflich ist, bat eine in das Werkchen aufgenommene scharf abfällige Kritik in der protestantischen Zeitschrift für Kirchcurecht gefunden, die in Leipzig, dem Sitz des NeichSgerichtS, von Geheimrath und Professor der Rechte Dr. Emil Friedbcrg dortselbst und von Dr. Emil Schling, Professor der Rechte in Erlangen, herausgegeben wird. Die Trost- gedanken des Herrn Verfassers, der, wie es scheint, keineswegs zerknirscht das Dcckwerk der Schleuse 88 verlassen hat, verdienen daher die allgemeine Beachtung, insbesondere in theologischen und juristischen Kreisen. Sie geben viel zu denken. Lehrbuch der Apologetik. 3. Band. Von der katholischen Religion von Dr. Coustautin Gnt- berlet, Professor am bischöflichen Seminar zu Fnlda. 290 S. in 8°. Preis 3 M. Verlag der Thcissing'schen Buchhandlung in Münster i. W. T Den früher erschienenen und von der Kritik sehr günstig bcurtbeiltcu ersten beiden Bänden schließt sich der dritte Band von Gutbcrlct'S Apologetik würdig an. Eutberlct hatte bei der Abfassung der ersten Bände („Von der Religion überhaupt" und „Von der geoffenbarten Religion") noch die Absicht, die katholische Apologetik der Dogmatik zu überlassen. Die Verhältnisse haben sich aber geändert und den Verfasser veranlaßt, den Kreis weiter zu ziehen. Denn der Protestantismus richtet seit einiger Zeit fast mit derselben Kampfeslust wie in den schlimmsten Tagen der religiösen Spaltung unseres Vater- , landcS seine Angriffe auf die katholische Kirche. Diese leidige I Thatsache ist eS, welche Dr. Gutberlet dazu führte, in einem dritten Band auch die katholische Apologetik zu behandeln. Auch dieser Band weist die Vorzüge auf, welche Herrn vr. Gutberlet's Ruf als Gelehrter und Schriftsteller sicher gestellt haben. Klarheit der Darstellung, Gründlichkeit der Behandlung, Schärfe der Bewcissührung zeichnen auch seine katholische Apologetik in hohem Maße aus. Möge das Buch nicht bloß in geistlichen, sondern auch in gebildeten Laienkreisen zahlreiche Leser finden l _ Unserer Töchter Erziehung zur Schönheit von Hor- tcnse deGouph. Fried. Stahn, Verlagsbuchhandlung. Berlin SW., Wilhclmstraße 122 ^.. O Die Schönheit des Körpers ist eine hochschätzbarc Mitgift der Natur, sie nimmt ein und empfiehlt, bevor noch der Geist zum Aus- und Eindruck gekommen ist; die Erziehung zur Schönheit ist aber auch eine Erziehung zur Gesundheit. Deßhalb ist sie ein wichtiger Bestandtheil der Erziehung überhaupt, insbesondere der Meidchencrziehung. Die Verfasserin bietet nun in ihrem eigenartigen Buche eine auf die Natur und die körperliche Entwicklung des WeibcS gegründete, wohl durchdachte Anleitung, wie unsere Töchter zur Schönheit heranzuziehen seien von dem zartesten Alter bis zur vollendeten Reife, und füllt mit ihrer Gabe eine fühlbare Lücke der Erziehungs- litcratur aus. Es ist sehr gut geschrieben und allen, die mit der Mädchen-Erziehung zu thun haben, insbesondere den Müttern, den Vorsteherinnen von Mädchen-Erziehungs-Anstaltcn weltlichen und geistlichen Charakters, zu empfehlen. Zu berichtigen wäre die falsche Aufstellung, daß durch der Sinne Pforten der Geist in den Körper einziehe und durch die Sinnes- wahrnehmnngen die (Leistest Heftigkeit entstehe. Wahrscheinlich ist dem richtigen Gedanken, daß durch die Sinnes- empfindungcn dem im Körper wohnenden Menschengeist die Auffassung der Außenwelt vermittelt wird, nur ein unrichtiger Ausdruck gegeben. Welche Mittel stehen uns zu Gebote im Kampfe gegen die öffentliche Uusittlichkeit? Vertrag von vr. Bren necke, pr. Arzt in Magdeburg. Albert Rathke's Verlag. 29 Seiten. O Eine bemerkenswerihe Gabe deS Magdeburger Männcr- bundes zur Wahrung und Pflege der öffentlichen Sittlichkeit, der den vor ihm gehaltenen Vortrug durch Druck weiteren Kreisen zugänglich machte. Der Redner sieht die Ursache der zunehmenden Sittcnfäulniß in der zunehmenden religiösen Ver- flachnng, in der Entchristlichung deö Volkes und folgerichtig das Hauptmittcl zur Bckäumpfnug dcS öffentlichen Lasters in der Zurückeroberung des Volkes für das Christenthum. In diesen Hauptpunkten sind wir mit dem Redner ganz einverstanden, weniger mit seinen Erörterungen über den für uns Katholiken nicht vorhandenen Unterschied zwischen Kirche und Christenthum, auch nicht mit der auch nur vorläufig noch zu duldenden Kasernirung deö Lasters. DaS Schriftchcn verdient übrigens auch aus katholischer Seite alle Beachtung, insbesondere der Rath, das öffentliche Laster und seine Förderer durch daS Vereinswcsen zu bekämpfen. Kirchenmni'ikalische Vierteljahrsschrift. Hcransgcz. vom Salzburgcr Diöccsan-Cäcilien-Vercin. Verlag von Mittcrmüller in Salzburg. Preis, 2 M. per Jabr. Das Heft III 1894 enthält n. A.: Orlando di Lasso, die Ehoralrcsponsorien, über Gesangschnlen, Statuten für Kirchen- sänger aus dem 18. Jahrh. n. s. w. Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1891. Zehn Hefte M. 10.80. — Freibnrg im BrciSgan. Hcrdcr'sche Ncrlagshandlnng. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 9. Heftes: Henry George und die En- cyklica -Herum normrum«. I. (H. Pesck 8. 9.) — Die Geschichte eines unglücklichen Fürstensohnes. III. (O. Pfülf 8.9.) — Die Reblaus und ihre Vorgänger. (E. Wasmanu 8. 9.) — Die Mosaiken von Navcnna. I. (S. Bcissel 8. 9.) — Mohammed und die Literatur der Araber. (A. Baumgartner 8. 9.) Recensionen: Korioth, Katholische Apologetik (A. Pergcr 8. 9.); tzuillist, vo eivilis yotootatis ori§ino tlrooria eatlwlioa, (A. Lehmknhl 8. 9.); Kepplcr, Wanderfahrten und Wallfahrten im Orient. — Empfehlenswerthe Schriften. — Mis- ccllen: Ein Nachtrag zum Artikel über Picrlnigi da Palestrina; Die Ceremonie des Fnßknsses; Das internationale Schiedsgericht. Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabhcrr in Augsburg.