tti-. 46 15. Navl-r. 1894. Die Beuroner. Durch die Presse geht gegenwärtig die Nachricht, daß die Beuroner Benedictinercongregation demnächst auch im fernen Auslande Niederlassungen gründen wird. Schon im Vorjahre wurden einige Patres derselben nach Brasilien entsandt, um in die dortigen Ordensverhältnisse Einsicht zu nehmen, da vom HI. Stuhle die Einführung der von den Beuronern angestrebten Reformen in dortigen Klöstern befürwortet wurde, und es soll nun demnächst, sobald die hiezu nothwendigen Anstalten getroffen sein können, eine Colonie nach Südamerika entsandt werden. Auf der Rückreise haben diese Patres in einem Kloster der portugiesischen Provinz Porto Aufenthalt genommen, und während desselben theilte ihnen dessen Abt seinen Wunsch mit, es von Beuroner Mönchen geleitet zu wissen. Es wurde nun beschlossen, daß der vor einigen Jahren in die Kongregation eingetretene Fürst Nadziwill (?. Benedict) mit der Mission nach Portugal betraut werden solle. Gelegentlich dieser Neuigkeiten dürfte es von Interesse sein, Näheres über die so sehr emporstrebende Kongregation zu erfahren. Dieselbe wurde, wie bereits bekannt sein dürfte, vor mehr als zwei Dezennien durch den späteren, nunmehr gestorbenen Erzabt Dr. Maurns Wolter gegründet, der vom hl. Stuhle mit der Reform des Benedictinerordens, zunächst in den Ländern deutscher Zunge, betraut worden war. Zur Ausführung seiner Pläne, zu denen nur die geringsten Mittel vorhanden waren, fand er unerwartet entgegenkommende Unterstützung durch die Fürstin Katharina von Hohenzollern, welche ihm die Gebäulichkeiten ihres Besitzthumes Beuron in Hohenzollern zur Gründung einer ersten Niederlassung in Deutschland überließ. Nach Ueberwindung vieler anfänglicher Schwierigkeiten erreichte dieselbe eine Blüthezeit, welche die Aufmerksamkeit weiter Kreise anzog und speziell die Pflege der Künste in der neuen Communität ließ sie zu hoher Achtung gelangen. Der Name der Beuroner Malerschule wurde seitdem in Erörterungen der neuen christlichen Kunst oft unter Anerkennung der Bedeutsamkeit der von diesen Klosterkünstlern angestrebten Reformen zur Förderung der Würde und Erhabenheit christlich-künstlerischer Schöpfungen in den Vordergrund gestellt. Ferner wurde die eigenartige Wiederbelebung des Choralgesanges durch die Beuroner Mönche bald so geschätzt, daß sogar bei Verbannung der „jesuitenverwandten" Congregationen zur Zeit des Culturkampfes man dem Zugeständnisse nicht abgeneigt war, die Beuroner im Lande zu lassen, falls sie dem Unterrichte in der Kirchenmusik ihr Hauptaugenmerk zuwenden würden. Doch endeten die damals eingeleiteten Verhandlungen derart, daß die Mönche sich in das ihnen gebotene Asyl zu Volders in Tirol begaben. Es waren ihnen aber noch glücklichere Zeiten durch die Gunst des österreichischen Kaiserhauses beschieden. Vorerst wurden sie zur Uebernahme des vereinsamten Benedictinerklosters Emmaus bei Prag veranlaßt. Eine Besichtigung der früher dringend einer Verbesserung bedürftigen, durch ihren historischen Werth in mancher Hinsicht bedeutsamen Gebäulichkeiten in der Gegenwart mag erkennen lassen, was Beuroner Fleiß und Beuroner Kunst in verhültnißmäßig kurzer Zeit zur Vervollkommnung und Veredlung zu schaffen vermag. Die Kirche, die historische Wenzelscapelle, und das Kloster selbst sind durch die herrlichsten Frescogemälde und sculptorische Kunstentfaltung zu einer der hervorragendsten Zierden der altehrwürdigen Stadt geworden. Die stets wachsende Zahl der Mitglieder der Con» gregation wachte bald neue Gründungen nothwendig. Schon vor der geschilderten Besserung der Verhältnisse für dieselbe in den Ländern deutscher Zunge war eine Niederlassung zu Maredsous in Belgien durch die Opferfreudigkeit eines belgischen Edelmannes veranlaßt worden, welcher der Bau einer imposanten, im gothischen Stile gehaltenen Heimstätte für die eifrigen Mönche zu danken war. Der erste Abt dieses Klosters war der Bruder des genannten Erzabtes, Dr. Placidus Wolter, und unter seiner Leitung wurde nicht nur der künstlerische, sondern auch der literarische Werth der neuen Communität gesichert, welch letzterer gegenwärtig eine allgemeine Würdigung erfährt. Das „Cstroinooli Leueätetimim" und die „Lunalas äs l'Orära äo Luiuk-Löiwlk" dürften, was historische Forschung und treffende Kennzeichnung der Neformverhältnisse der Gegenwart anbelangt, zu den geschätztesten Quellen gehören. Das Gedeihen der Neu- stiftnng hat es auch ermöglicht, daß mit diesen Bestrebungen erzieherische Thätigkeit verbunden werden konnte. DaS Kollegium von Maredsous, dessen Schüler meist belgischen Adelskreisen entstammen, ist sehr geschätzt, ähnlich wie das, welches mit der zweiten noch zu erwähnenden Niederlassung im Auslande, in dem Priorate Erdington bei Birmingham, gegründet wurde. In Oesterreich und Deutschland sollte der Kongregation noch weitere Entfaltung beschieden sein. Durch die Bemühung des Cellerars der Präger Abtei, k. Jldephons Schober, gelang die Erwerbung des historisch durch die Fürstbischöfe von Graz bekannten, im Jahre 1140 vom Grafen Adalram von Waldeck gegründeten Klosters Seccau, dessen ausgedehnte, aber sehr reparaturbedürftige Räume zunächst zur Wohnstätte des Beuroner ClcricateS bestimmt wurden. Nachdem im Jahre 1687 das anfängliche Priorat Seccau zur Abtei erhoben war und früher schon der Wiedereinzug der Mönche in ihrem ersten Kloster gestattet sworden, wurde dem Gründer der Kongregation der Titel eines Erzabtes zuerkannt, und wühlte derselbe wieder Beuron zu seiner Residenz. Emmaus erhielt einen neuen Abt in der Person des früheren Priors, k. Benedict Sauter. Der obengenannte Cellerar hingegen wurde zum Abte von Seccau bestimmt. Die spätere Uebernahme des Klosters Maria-Laach darf bereits als bekannt vorausgesetzt werden. Wenn wir nach der Ursache dieses verhültnißmäßig so auffallend raschen Wachsthums dieser unter nicht allzu günstigen Auspicien eingeleiteten Neformbcwegung im Benedictinerorden fragen, so dürfte der energisch vorwärts strebende, fest an den erkannten Principien haltende und doch mit seltenem mildem Zugeständnis; an einzelne Verhältnisse wirkende Geist, der die Führer in ihren Bestimmungen und Handlungen beherrscht und der in dem mehr als unter andern Verhältnissen erzielten Gesammtbewußtsein der Communitäten eine kräftige Stütze findet, verbunden mit dem die Bemühungen reichlich lohnenden schützenden Entgegenkommen von Seite hoher und einflußreicher Kreise, als solche sich ergeben. Die Grundsätze und Gebräuche des Ordens, wenn auch nicht für alle Individualitäten in gleicher Weise 362 geeignet, bieten viele Anschlußpunkte an die durch ihre edle Mäßigung und vornehme Empfindung in der Geschichte eigenartig hervortretenden Zweige des Bencdicüner- ordcns, z B. die Manriner. In neuerer Zeit ergaben sich naturgemäß die meisten verwandtschaftlichen Beziehungen mit den in Frankreich so schwer getroffenen Mönchen von SolcSmes. Wie diese und ursprünglich alle Congregationen strengerer Observanz, haben auch die Beuroner ihre Kräfte in erster Linie auf das OEeiurn divinum con- centrirt. Das bedeutsame Werk des ErzabteS Walter „ksallits Zg-xianter" ist ein Beweis deS trotz der strengsten Beachtung der äußeren ceremoniellen Borschriften erzielten tiefen Eindringens in die kontemplativen Aufgaben des Mönchslebens. Anderseits aber beweisen uns die Werke des Abtes von Emmaus, Sauter, sowie des auch sonst durch historisch-liturgische Forschungen neben seinem nunmehr verstorbenen Cousrnter k. Suitbert Bauemer bedeutsam wirkenden k. Ambrosius Ktenle über die nothwendige Auffassung und die nothwendigen Reformen auf dem Gebiete des Choralgesanges, daß die Kongregation der äußeren Veredlung und der Rückleitung des Gottesdienstes auf frühere Principien in der von Nom in neuerer Zeit befürworteten Weise auf das erfolgreichste sich widmet. Daß die auf Askese gerichteten Bestimmungen der Congrcgalion, wie sie im traditionellen Ordensleben als integrirender Faktor auftreten müssen, dazu beitragen, die Neformrichtung derselben noch mehr hervorzuheben, ist nach dem Gesagten erklärlich. Wenn auch in dieser Hinsicht vielleicht ein allzu rigoroses Festhalten an alten Usancen zu beobachten ist, so muß doch im Allgemeinen anerkannt werden, daß der äußerlichen Strenge, die in andern Orden so sehr hervortritt, wehr die inneren, rein seelischen asketischen Bemühungen vorgezogen werden, die bei dieser Kongregation eine gewisse principielle Uebereinstimmung mit besonders betonten Anschauungen des Jesuitenordens nicht verkennen lassen, wenn auch sonst der Charakter der beiden Gesellschaften, wie er durch manche Verschiedenheiten in den Bestrebungen festgesetzt wird, keineswegs die Behauptung einer näheren Verwandtschaft rechtfertigt. Ch. Th. Saint-Paul. Planeten im Fixsternsysiem. Beitrag zur Astronomie des Unsichtbaren. Von Max Mater (Schaufling). -Motto: „Die Spräche der Analysis des Unendlichen, die vollkommenste aller Sprachen, ist schon an sich selbst ein mächtiges Hilfsmittel und Werkzeug der Entocckung." Pierre Simon Laplace in »Llöeanigus eLkebte«. Die meisten Sterne, .die wir am Himmelszelte erblicken, sind Fixsterne, die von unserer Sonne und von einander durch unermeßlich große Zwischenrüume getrennt werden. Die Spektralanalyse, welche dem Chemiker noch Vsononon Milligramm eines Natriumsalzes nachweisen läßt, hat dargethan, daß jeder Fixstern in seinem physischen Aufbau die größte Aehnlichkeit mit dem Centralkörper unseres Systems, mit unserer Sonne, besitzt und außerdem eine lange Reihe von Entwickelungsstadien von der intensivsten Weißglühhitze bis zu einer massenhafte Kondensationen von Metalldämpfen bedingenden Abkühlung und noch weiter bis zum festen Zustande zu durchlaufen hat, freilich in unmcßbaren Jahrmillionen! Also die Fixsterne lauter Sonnen! Sie erweisen sich aus derselben Materie zusammengesetzt, welche wir hier auf Erden analystren, sie eilen in rastlosem Fluge durch den unendlichen Raum — welchem Ziele entgegen? wir wissen es noch nicht; was liegt da näher als der Gedanke: alle Fixsterne als Sonnen sind Tagesgestirne für besondere Welten, mit anderen Worten: alle Fixsterne sind Sonnen für Systeme von dunklen Körpern, für Planetensysteme. — Nicht nutzlos würden auf diese Weise diese fernen Sonnen ihren ungeheueren Vorrath von Energie durch Vermittlung des Aethcrs, in welchem die Körper reiblos dahingleiten, in den Weltenraum ausgießen, vielmehr würden sie auf großen und kleinen Weltkugeln durch ihre Licht- und Wärmestrahlcn das Leben in der Materie wachrufen und bis zur höchsten Vollendung steigern. Nachdem wir wissen, daß auch auf den andern Welikörpern des Universums dieselben chemischen Bestand- theile existiren, durch welche auf unserem Erdball daS organische Leben bedingt wird, so entsteht von selbst die Frage, ob nicht auf diesen Körpern eine der irdischen Flora und Fauna analoge Stufenreihe von Organismen sich entwickelt, sobald dieselben physikalischen Bedingungen wie auf unserer Erde erfüllt sind. Jeder Weltkörper ist für uns ein Samenkorn, das bei seiner Entstehung schon eine ganze Organismenwelt xoteirtialrtöv enthält, um sie dann unter den günstigen Bedingungen entwickeln zu lassen. (Vgl. die merkwürdigen Spekulationen Kant's im 3. Theile der „Naturgeschichte des Himmels". Ost- wald's Klassiker der exakten Wissenschaften. Leipzig, Engelmann.) Wenn wir auch sicher wissen, daß auf einzelnen Weltkörpern, z. B. den Fixsternen, Organismen nicht existiren können, so lange sie sich im Glühzustand befinden, so thut das der Annahme der Bewohnbarkeit der Welten keinen Eintrag! Wir wissen, daß unsere Erde von ihrem einst gasförmigen, dann glühend flüssigen bis zu ihrem jetzigen Zustande mit erkalteter Rinde eine Entwickelung von mehreren Millionen Jahren durchlaufen hat. Mehr als 10 Millionen Jahre hat sie sich um die Sonne bewegt, bis endlich einmal, vermuthlich in der kambrischen Periode, auf ihr die einfachsten Zellen- orgamsmen entstanden; Menschen haben vermuthlich nicht viel länger als höchstens 10,000 Jahre auf ihr gelebt, die Civilisation besteht auf ihr noch nicht 5000 Jahre; hätte also ein Enge! die Eide in Zwischenräumen von 10,000 Jahren besucht, um Menschen zu suchen, so würde er viele tausend Male enttäuscht worden sein. So würde es auch uns gehen, wenn wir die fernsten Sterne nach lebenden Wesen absuchen würden. Uebrigens wer sagt uns, daß das Leben, die Reizbarkeit des Protoplasmas überall im unendlichen Weltall zwischen denselben Grenzen eingeschlossen ist, wie hier aus Erden! (Vgl. meine Ausführungen in „Natur und Offenbarung". 40. Bd. 1894, S. 193 ff., 272 ff. u. 462 ff.) Diese ganz der Vernunft entsprechende Auffassung würde jedenfalls eine wesentliche Stütze bekommen, wenn man einmal darüber volle Gewißheit hätte, daß die Fixsterne mit Planeten d. h. mit dunklen Körpern ausgestattet feien. Die Astrophysik hat in jüngster Zeit auf einem höchst einfachen Wege Anhaltspunkts erhalten, um auf das Vorhandensein dunkler Fixsternbegleiter zu schließen. Der erste Fixstern, bei dem ein dunkler Begleiter 363 nachgewiesen werden konnte, war der Stern st (Algol) ini Persens. Im Jahre 1667 hatte Montanari erkannt, daß dieser Stern sein Licht verändere, d. h. daß er bald Heller, bald dunkler werde, und erst Arge land er und Schönfeld ersahen aus ihren zahlreichen Beobachtungen, daß das Maximum der Helligkeit Algols 2 Tage 11*/z Stunden anhält, um dann in 4*/» Stunden bis zum Minimum der Helligkeit herabzusinken und in weiteren 4*/z Stunden wieder zur vollen Stärke anzuschwellen. Man hat im Laufe der Zeit noch sieben Fixsterne gefunden, deren Ltcbtwechsel dieselben typischen Eigenschaften wie Algol besitzt. Verschiedene Erklärungen wurden gegeben. Als die plausibelste erwies sich diejenige, welche den Lichtwechsel erklärte durch einen den Algol umkreisenden weniger hellen oder dunklen Himmelskörper. Die Bahnebene mußte sich natürlich nahe in der Gesichtslinie befinden, so daß beim Vorübergehen des dunklen Körpers jedesmal eine Bedeckung d. h. Verfinsterung des hellen stattfand. Die Umlaufszeit der beiden Körper um ihren Schwerpunkt mußte 2 Tage 21 Stunden betragen, d. h. der Periode des Lichtwechsels gleich sein. Daraus lassen sich die Elemente der Bahn dieses Doppelsternsystems berechnen. Aus diesen Berechnungen ergab sich, daß die Distanz der beiden Körper äußerst gering ist, so daß man an die Stabilität eines so engen Systems nicht glauben konnte. Die scheinbare Distanz der beiden Sterne am Himmel konnte nicht viel über den hundertsten Theil einer Bogensekunde betragen, und derartige Distanzen können selbst in unseren Niesenrefraktoren nicht aufgelöst werden. Da machte das Spektroskop, dieser feinste Analyscnr der Materie, den dunklen Begleiter des Algol sichtbar! Nach dem Doppler'schen Princip, nämlich aus der gegenseitigen Verschiebung der Linien im Spektrum, können wir ermitteln, ob ein Himmelskörper sich uns nähert oder ob er sich entfernt, und mit welcher Geschwindigkeit dieses geschieht. (Die höchste Genauigkeit in der Messung der Linienverschiebung in einem Spektrum wird durch die im Jahre 1888 zum ersten Male angewandte spektro- graphische Methode erzielt.) Wie ein Ton immer höher wird, je mehr sich dessen Quelle uns nähert, oder immer tiefer, je weiter sich eine Tonquelle von uns entfernt, weil in dem ersten Falle in der Zeiteinheit immer mehr, im zweiten Falle immer weniger Schallwellen unseren Gehörnerv reizen, so werden auch die Linien im Spektrum eines Sternes, der sich uns nähert und der uns also in der Sekunde immer mehr Aetherwellen zusendet, gegen die violette Seite hin verschoben; im entgegengesetzten Falle, wenn sich der Stern von uns wegbewcgt und uns also immer weniger Aetherwellen in der Zeiteinheit zusendet, so werden die Linien eine Verschiebung gegen Noth hin erleiden. Vogel und Sch einer in Potsdam waren es, welche die Lösung des Algolproblcms auf fpektrographischem Wege versuchten und das Ergebniß ihrer Untersuchungen am 28. November 1889 der Berliner Akademie der Wissenschaften vorlegten. Daß ein Satellit, der so starke Verfinsterungen hervorrufen kann, an Größe und an Masse vom Hauptstern nicht zu sehr verschieden sein kann, ergibt sich bei der einfachsten Ucberlegung. Die Himmels-Mechanik zeigt, daß sich solche Körper, die an Masse sehr wenig differiren, um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen müssen. (Bei unserem Sonnensystem liegt dieser Schwerpunkt in der Sonne wegen ihres Massenüberschusses.) Nun muß Algol, wenn er wirklich um einen von seinem Centrum verschiedenen Punkt kreist, während jedes Umlaufes ein Mal mit großer Schnelligkeit sich von uns entfernen, ein anderes Mal mit ebenso großer Geschwindigkeit uns näher kommen, welche Bewegungen in den Linien- verschiebungen des Algolspektrums sich wiederspiegeln müssen. So fanden Vogel und Sch einer, daß die Bahngeschwindigkeit Algols 42, die seines dunklen Begleiters 89 Kilometer beträgt. Das ganze System bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von nur 4 Kilometer auf uns zu. Die Massen der beiden Körper sind ^/g und 2/g der Sonncnmasse. Der Durchmesser des Hauptsterns ist 1,700,000, der des Begleiters 1,330,000 Kilometer. Die Distanz der beiden Mittelpunkte beträgt 5,480,000 Kilometer! Die Mittelpunkte dieser beiden Körper sind 10 Mal näher aneinander gerückt, als der sonnennächste Planet Merkur bei seinem Tagcsgestirne steht. Die Oberflächen dieser beiden Körper müssen also noch näher sein! Für Merkur hat Schiaparelli vor einigen Jahren nachgewiesen, daß die Zeit seiner Notation gleich der Zeit feines Umlaufes um die Sonne ist. Seit den berühmten Mathematischen Untersuchungen von Georg Darwin und William Thomson wissen wir, daß der Grund hievon in einer sehr starken Fluthwclle zu suchen ist, welche die Sonne seit unermeßlichen Zeiten auf der Oberfläche des Merkur hervorgerufen hat. Um wie viel stärker müssen bei Systemen, wie dem des Algol, die Fluthwirkungen der beiden Körper sein! Algol und sein dunkler Begleiter müssen, wie Wilsing gezeigt hat, Ziemlich stark von der Kugel abweichende Formen besitzen; sie müssen in der Richtung ihrer Mittelpunkte verlängert sein — nach G. Darwin'S Theorie in ciähnlichen Figuren, deren Spitzen einander zugekehrt sind. AuS Unregelmäßigkeiten in der Periode des Lichtwcchsels hat Eh and! er auf einen dritten dunklen Körper im Algol- system geschlossen. Die exacten Untersuchungen hierüber sind aber bis jetzt noch nicht abgeschlossen. (Schluß folgt.) Der Einfluß des Klimas auf die Umgestaltung der Thierrassen. Von H. von Remagcn. (Schluß.) Am augenscheinlichsten sind unter den Veränderungen, welche das Klima rc. hervorruft, jedenfalls diejenigen, welche an den Haaren und Hörnern sich vollziehen. Wie schon bemerkt, haben die meisten Thiere in heißen Gegenden nicht nur weniger, sondern auch kürzere und feinere Haare, als in kälteren Zonen, wie dies z. B. die nackten Hunde Chinas beweisen. In Grönland dagegen sind die Mitglieder dieser Spezies stark behaart, während der Büffelochs Chinas nur wenig einzelne Haare hat. Der Fuchs ist im Norden stark behaart, im Süden dagegen trägt er einen weit feineren und kurzhaarigen Balg. Aber auch die einzelnen Haare werden abgeändert, wenn man Thiere aus einem Klima in das andere versetzt. So wurde, wie schon gezeigt, z. B. die schönste und feinste Wolle der Merinos in Chile und Peru verhältnißmäßig schnell in schlichte und steife Haare verwandelt. Wie das Haar, verhalten sich die Hörner in Bezug auf Form und Construktion, indem sie bei einigen Thierarten kürzer werden, sich in der Masse mehr verdichten und sich dabei Heller und glänzender färben, bei anderen i aber mehr oder weniger gewunden erscheinen. Als Bei- 364 i spiel dienen hiefür einige ostindische Rindvieh- und Schaf- Rassen. Aber auch im Nebligen wirkt das Klima umbildend. So wird der europäische Hund, wenn er nach den heißesten Gegenden von Afrika verpflanzt wird, stumm, das heißt, sein Bellen verwandelt sich in ein Gemurr; dabei bekommt er spitzige, steife Ohren, wird häßlich und verliert die Haare, wie auch seinen ehemaligen Muth; ebenso ergeht es ihm in Südamerika. Was nun die Größe der Thiere betrifft, so steht auch diese offenbar in Wechselwirkung mit dem Klima. Denn unter den wärmeren Himmelsstrichen finden sich im Allgemeinen größere und ausgebildeter« Formen der organischen Welt vor, als in den gemäßigten, und die bildende Thätigkeit der Natur erscheint dort in jeder Hinsicht kräftiger, was man besonders bei den auf dem Lande lebenden Thieren bemerken kann. In den nördlichen Gegenden von Europa findet man die Farnkräuter als kleine Gewächse, während sie in den tropischen Gegenden zu hohen, baumartigen Farnen gedeihen. In unserem Norden findet man durchgehend nur kleine Amphibien- arten, während im Süden die kolossalen Krokodile, Niesenschlangen und Niesenschildkröten Hausen. Wie gering sind nicht die wilde Katze und der Luchs, diese beiden Arten des europäischen Katzengeschlechtes, gegen den mächtigen Löwen und Tiger des Südens? Die hohen Palmen, Giraffen, Elephanten gehören alle dem Süden an, dem Norden dagegen die großen Wasserthiere. — Das Pferd in den heißen Zonen und im hohen Norden ist klein, wie in Arabien, Island und Sibirien. Versetzt man Rindvieh aus den gemäßigten Zonen Europas, z. B. nach Ostindien, so wird es in den folgenden Generationen bedeutend kleiner, ebenso ist's mit den Schweinen. Werfen wir weiter einen Blick auf die Temperamente, Triebe und Eigenschaften der Thiere, so werden wir wiederum einen Einfluß des Klimas spüren. So findet man in den heißen Zonen meist Thiere von lebhaft cholerischem Temperament, von der wilden Katze anfangend bis zum Tiger und zum Löwen hinauf, während die Nanbthiere in gemäßigteren Gegenden weniger raubgierig und meist sanfter sind, wie der Wolf und der Hund. In den gemäßigten Zonen ist auch das Fleisch viel wohlschmeckender und nahrhafter, als in den heißen und kalten. Die Häut ist in weniger warmen Gegenden ebenfalls anders gestaltet, als in heißen; in jenen ist sie weniger porös, daher dichter, zäher und weniger dick. Dasselbe gilt von den Knochen, welche bei den meisten Thieren in einem warmen und gemäßigten oder einem trockenen Klima weit dichter, weniger porös und daher bei gleicher Dicke weit fester als im kalten sind. Allerdings kommt Hiebei auch der Aufenthaltsort und die Nahrung in Betracht. Man muß bei alledem die Tiefen, Höhen, Berge und Sumpfgegenden nicht unberücksichtigt lassen. — In Betreff der Nahrung ist zu bemerken, daß alle Pflanzen, die in Tiefen oder einem feuchten Klima wachsen, weit mehr wässerige als feste Theile in gleichem Gewichte und Volumen enthalten, und daß daher Thiere, die dort heimisch sind, gegen jene in einem entgegengesetzten eine andere Körperform annehmen. Je besser die Weiden sind, desto herrlicher gedeihen die Thiere; so haben die oberen kalten Gegenden Sibiriens, wo die Weiden äußerst schlecht sind, kleines, elendes, oftmals hornloses Rindvieh; so sind die Ochsen Persiens klein, hingegen in der Kalmuckei und Ukraine wegen reicher, guter Nahrung sehr groß; so sind die Ochsen der Schweiz größer, als die Frankreichs. Bei Verschiedenheit der Nahrung nimmt meist nicht bloß die Größe, sondern auch die Form des Körpers eine verschiedene Gestalt an; bei dieser beginnt die Veränderung von innen nach außen, bei den klimatischen Einflüssen dagegen mehr von außen nach innen. Darum hat man wohl gesagt: „das Klima verändere den Typus von außen nach innen, die Nahrung dagegen von innen nach außen." Wenden wir schließlich unsere Aufmerksamkeit noch den Abänderungen in der Färbung zu, welche durch die klimatischen Einflüsse hervorgerufen werden, so finden wir, daß diese besonders groß sind, wenn nämlich Dr. Gloger in Breslau — der diesen Gegenstand ausführlich behandelte und durch Beispiele belegte — Recht hat. Nach ihm wird an Vögeln z. B. das Schwarz oder Braunschwarz in wärmeren Gegenden einerseits tiefer, während es andererseits bei unbestimmter Abgrenzung von hellen Farben sich mit bestimmten Grenzen von diesen abzuscheiden und in schärferen Gegensatz gegen sie zu treten pflegt, so z. B. bei den Dohlen, dem schwarzkehligen Wiesenschmätzer, auf den Flügeln der Nöthlinge, bei der weißen Bachstelze. Theilweise muß es aber auch weichen, wie bei den Schwänzen des rothköpfigen Würgers, der Steinschmätzer-Arten, den Flügeln der Röthliuge, der weißen Bachstelze, beim Schwanz des Erlenzeisiges, mehrerer Grasmücken und Lerchen, besonders aber des Wiedehopfes und der Feldtaube. Die Färbung nimmt hingegen ab bei Standvögeln unter kalten, nördlichen oder östlichen Klimaten, so beim Jagdfalken, bei dem Mäusebussard, bei der Schnee-Eule, bei dem Uhu, bei der gemeinen Krähe und hin und wieder bei dem Wasserschmätzer. Das Graue und Graubraune neigt sich an wärmeren Orten mehr ins Dunklere und geht zuletzt ganz in das Schwarze über, wie z. B. beim Hühnerhabicht, beim Sperber, beim Zwergfalken, bei der Dohle, bei der Wacholderdrossel. Ganz deutlich verdunkelt sich das helle Nothgrau beim Baumläufer. Oft wird ein recht Helles Weißgrau bei denselben klimatischen Einflüssen noch lichter, ja manchmal ganz weiß, so bei dem grauen Kopfe des männlichen rothköpfigen Würgers, an mehreren Theilen der Dohle, an der Stirn und den Hinteren Schwanzfedern der Nöthlinge, an den Flügeln der weißen Bachstelze, an oen Seitenschwauzfedern der Grasmücken und am Schwänze der Feldtaube. Im Norden wird dies Heller, oder es tritt das Weiße an die Stelle des Grauen und Graubraunen, so bei der gemeinen Krähe am nördlichen Laufe und Busen des Obi, beim Hühnerhabicht, Jagdfalken, Mäusebussard, beim Uhu und oft bei der Schneetaube. Das Weiße nimmt meistens in den kalten Ländern an Glanz und Schönheit zu, während es in wärmeren Ländern sich mehr in das Schwarze verliert. Die hellere Nostfarbe wird in den wärmeren Klimaten zu tiefem Rost- oder Rothbraun, z. B. am Bauche des schwarzkehligen Wiesenschmätzers, des GartenröthlingS, Garten- Ammers, Baumläufers und den Hinteren Flügelfedern der Turteltaube. Bei anderen Vögeln werden diese Farben, wo sie oft nur schwach oder bloß angedeutet sind, weiter ausgedehnt, überziehen allmählig größere Strecken und verdrängen dadurch die benachbarten Farben, wie z. B. am männlichen Sperber, Mäusebussard, am rothköpfigen und weiblichen rothrückigen Würger, dem 1 Wasserschmätzer, männlichen Haussperling, ganz besonders aber am einjährigen oder jüngeren Kuckuck und dem jungen Jagdfalken. So nimmt bei den Gänsen im Alter der Körper eine viel höhere Nostfarbe an, während die weißen Schnabelfederchen sich verlieren. Oefters entsteht tiefes Nothbraun aus einem schwefelgelblichen oder blassen Nostgelb, wie beim Wiesenpiper im Sommer oder beim blaukehligen Erdsänger und Gartenammer. Im hohen Norden sind sie gegen eine sehr merkliche Abnahme dieser Farben geschützt. Weniger auffallend werden Blau und Grün in wärmeren Gegenden erhöht; im Alter kommt bei einigen Vögeln das Grüngelb mehr zum Vorschein, so beim Erbsenzeisig und Hänflling. Ebenso verhält es sich bezüglich der Färbung mit den Säugethieren. Von dem gemeinen Eichhörnchen gibt es bekanntlich in unseren Gegenden ein rothes und schwarzes, während letzteres in Skandinavien fehlt. Die rothen Thiere dieser Art sind bei uns im Sommer braunroth, im nördlichen Skandinavien aber noch etwas dunkler gefärbt, werden aber bei uns im Winter grauer, in Skandinavien graubraun und in Sibirien ganz weiß. — So hat der I^vxus doreulis im südlichen Skandinavien, ebenso wie bei uns, während des Sommers eine graubraune, im Winter aber eine weißgraue, in Grönland das ganze Jahr hindurch eine weiße Färbung. Aehnliches bietet das kleine Wiesel und andere Thiere. Die grüne Farbe wird vielfach weißgrau, wenn sie längere Zeit hindurch dem Lichte entzogen wird, so z. B. bei den Laubfröschen. Bewahrt man diese Thier- chen einige Zeit über im Dunkeln auf, so findet dieser Farbenwechsel statt; setzt man sie hingegen dem Sonnenlichte aus, so wird ihre Farbe immer dunkler. Im Allgemeinen werden alle Farben bei den Thieren Heller, je werriger die Luft einwirken kann. So behalten die Larven einiger Nachtschmetterlinge, als des Lomsizx Virrulae, Lpliinx ocollata,, Illgustri, ihre Farben bis fast zu ihrer Verwandlung, wenn man sie in Behältern mit Glasglocken aufbewahrt und sie dem Lichte aussetzt. Werden sie aber mit hölzernen Deckeln bedeckt, so bleichen sie bald. Die grüne Farbe wird gelb; bei der Vinula und Liguster wird sogar das Roth blässer. — Ebenso verlieren Vögcl, die beständig im Zimmer unterhalten werden, endlich die dunkleren Farben, vorzüglich die rothe; doch muß ein Theil dieser Veränderungen der veränderten Nahrung rc. zugeschrieben werden. Aus dein allem geht hervor, daß dem direkten und bestimmten Einflüsse äußerer Lebensbedingungen, wie z. B. dem Klima, bei der Veränderung der Thierrassen ein nicht geringer Airtheil einzuräumen sei, wenngleich das Hauptgewicht auf die Thätigkeit der Menschen zu legen sein dürfte: Die Natur liefert allmnhlig mancherlei Abänderungen, der Mensch summirt sie in gewissen, ihm Nützlichen Richtungen. Einige Scenen aus dem Schwedenkriege. (Auch ein Beitrag zur Beantwortung der Frage: „Ob Deutschland bei der Gustav- Adolf-Feier mitthun soll?") Von k. Emmeram Hcindl, 0. 8. L. (Schluß.) 5. Metten. In ?. Nnpert Mittermüllcrs „Kloster Metten und seine Aebte" lesen wir S. 163 f.: Im Jahre 1633 und 1641 wurde das Kloster theils durch die Feinde, theils durch die Freunde rein ausgeplündert. Im Jahre 1633 war der Andrang des schwedischen Feindes für Metten und die Umgegend am verhängnißvollsten. Die Mönche erhielten am 14. Nov. 1633 ihre Empfehlungsbriefe, um anderwärts Schutz und Unterkunft zu suchen; einige derselben gerathen jedoch in Gefangenschaft und wurden sebr übel behandelt. Der Abt selbst (Johann Christoph Gurtknccht) flüchtete sich einige Tage später nach Oesterreich. Die Plünderung des Klosters war vollständig; als der Abt zurückkam, fand er im Stalle, im Wohnhause, auf dem Gctreidekasten alles leer. 6. Ottobeuren. (Nach k. Maurus Feherabend: „Des ehemaligen Neichs- stistes Ottenbeuren sämmtliche Jahrbücher"; Ottobeuren 1815 bei Ganser; 3. Band.) Das Stift Ottobeuren wurde i. I. 1634 gewaltsam ver- wclilicht, als Besitzthum dem schwedischen Oberst Wurmbraud angewiesen und eine weltliche Verwaltung darüber bestellt. Der Abt und die Convcntualen flohen nach Füssen und von da in das Stift St. Peter zu Salzburg. Dann heißt es wörtlich: „Der einzige, welcher (von Füssen) wieder nach Hause zurückkehrte, war der in unserer Hausgeschichte unvergeßliche k. Jerc- mias Mahr, ein geborner Mindelheimer (geb. 1588, Profeß zu Ottobeuren 1602), ein Mann, der allen Gefahren und Schrecken der Zeit trotzte, der Wächter und einzig sichtbare Schutzgcist des Hauses, der als ein in der Nähe umherwaudernbcr Engel deö Friedens und Trostes unter hundert Lebensgefahren alle Unternehmungen der Feinde genaues) beobachtete, schriftlich bemerkte, der leidenden Menschheit Oel in die Wunden goß, die Pflichten eines allgemeinen Scclcuhirten erfüllte, manchesmal in verschiedenen Pfarrkirchen in einem Tage bei dem Mangel der theils ermordeten, theils flüchtig gewordenen PsariPriester 2- bis 3mal das Wort Gottes predigte und das hl. Meßopfer entrichtete, und welcher bei seinem äußerst mühsamen und gefahrvollen Hirtenleben weder eines bestimmten Tisches noch einer bestimmten Herberge genoß. Erst jetzt ging es zu (so sagte man 20 Jahre später bis jetzt) wie im schwedischen Kriege. DaS hiesige Stift stand leer und war, von allen Klostcrgeist- lichen verlassen, mehr nicht als eine schwedische Burg, und des Raubens sah man kein Ende." Dieser genannte ?. Jeremias Mahr selbst schildert in einem Berichte an seinen (in Salzburg weilenden) Abt Maurus vom 2. August folgendermaßen die Lage der Dinge: „Man besetzt unser Kloster ringsumbcr mit Schranken und Pallisaden, in die Klostermauern werden Schieß- löeber gebrochen, das Klostergebäude selbst ist mit einem Unteroffizier und 40 bewaffneten Schweden besetzt, die nach ihrem Vorgeben stark genug sind, es wieder mit 5—600 Kaiserlichen aufzunehmen. Noch zur Zeit ist an den Klostcrgebäudcn nichts zerstört worden. Noch tönen die Orgel, die Glocken; noch hat weder das kupferne Dach noch die Büchersammlung gelitten, und noch haben die Feinde von den verborgenen Schätzen nichts ausgespäht. UevrigenS leben die Pfarrer unseres Gebietes verschiedener Nachstellungen wegen sehr unsicher, und haben sie an Sonn- und Festtagen den PfarrgotteSdicnst geendigt, so eilen sie alle nach Ottenbeuren, wo sie sich sicherer glauben." In einem andern um einige Tage späteren Berichte schreibt er: „Ober der Orgel haben die Feinde Alles gefunden und mitgenommen, auch die von mir schon einmal gerettete Büchcrsamm- lung haben sie größtcntheils wcggeiübrt. In der geschlossenen Stiftskirche fällt auS Mangel der durchstreichenden Lust das Ghpswerk herunter." In einem Schreiben vom 21. Dezember des nämlichen Jahres 1634 sagt er: „Den 16. d. Mts. schlich ick mich NacktS in mein Kloster ein und schlief aus dem harten Boden meiner Zelle; am folgenden Tage las ich in der Stiftskirche die Messe; alle Diener weinten vor Freude uns grüßten mich bei der Hand. Die Zimmer fand ich so ziemlich ganz, nur wo man etwas Verborgenes ahnte, sind die Böden aufgehoben und alle Schränke, Behältnisse und Tbüren zerhauen und zerschlagen; die Kirche und die Apotheke sind sehr ichonend behandelt. Die Büchersammlung litt Vieles .... die Hausdienerschaft ist unter einander spaltig und zwieträcktig und kommt nirgendwo fleißiger und ciumülhigcr als beim Tische zusammen." Hieraus erzählt der Chronist (k. Feyerabend) weiter: „Nichts aber übertraf die unmenschliche Weise, womit die Schweden von den gemeinen Leuten die verheimlichten Gelder erpreßten. Einigen stießen sie in dieser Absicht Ahlen und Pfriemen durch die Waden, Anderen schössen sie, um Schrecken zu verbreiten, entweder zwischen den Füßen durch oder jagten ihnen Kugeln durch den bohlen Leib; wieder Andere füllten sie unter Bedrohung, mit Füßen auf ihre aufgedunsenen Leiber zu springen, mit einer Menge Wassers so voll an, daß sie bloß zwischen dem Zerplatzen nnd dem Entdecken ihres ver- 366 heimlichten NotbpsennigS zu wählen hatten; noch Andere sperrten sie in die Backöfen und heizten dieselben so lange, bis es die Hitze ebenso weit als der Wasserzwang brachte." Im I. 1635 erreichte das Elend in diesen Gegenden einen Grad. welcher bis zn den unmenschlichsten und verzweifeltsten Unternehmen verleitete. Der erwähnte k. JeremiaS Mahr schildert in einem Berichtsschreiben an seinen Abt Maurns vom 20. Jänner d. I. das Elend folgendermaßen: .... „die Pfarrer zn Otten- benren, Ottenhausen, Günz und Erisricd haben ihre Posten verlassen. In unserm Gebiete sind die meisten Mühlen zerstört und in einen unbrauchbaren Stand versetzt. Mit dem Hunger ist cS auf der äußersten Stufe; Pferdefleisch, ausgebälgte Katzen und geschundene Hunde sind jetzt die gewöhnlichen Delikatessen der bloßen Bürger, die Noth zwingt sie auch, nicht nur alle Gattung der Mäuse, sondern auch das MooS alter Bäume, Brennesseln und gleich den Thieren GraS und andere theils unverdauliche, theils äußerst ekelhafte Dinge zu speisen. AIS dieser Tage dem Herrn Obersten von Wolkenstein ein schäbiger und krätziger Esel fiel, stürzte man sich über das Aas her und fraß dasselbe begierig aus Zn Loos zehrte eine Mutter ihr eigen Kind auf, und eine andere stand eben im Begriffe, mit ihrer doppelten Leibesfrucht ihren Hunger zn stillen, als der Ortspfarrcr dazu kam und die Unmcnfchlichkcit binderte. Von AngSburg und dessen Gegenden meldet der Oberste von Biberack', daß man auch dort Menschcnflcisch speise." Erst im Jahre 1636 nach dem Abzüge der Schweden, dieser grausamen Unmenschen, traten wieder gelindere und menschlichere Tage für Sckwaben ein. Aber erst im I. 1610 kehrten die gcflüchtelcn Mönche unter ihrem Abte wieder in ihr Kloster zurück, und damit kehrte die frühere Ordnung wieder in das Stift ein. 7. Wcihcnstephan. Nach Gcntner'S Geschichte von Weihcnsiephan (München 1854 bei Hübsckmann) plünderten die Schweden bei ihrem ersten Einfalle in Bayern 1632 das Kloster von innen und voi^außen und benahmen sich besonders roh gegen jene vorhandenen «schätze, welche nicht mehr ersetzt werden konnten, nämlich gegen die Docnmcnte und wissenschaftlichen Alterthümer, an welchen Weihenstepban so reich war. Im Jahre 1634 nahten die Schweden wieder und ermordeten viele Leute in Vötting und Bachern, scheinen aber diesmal das Kloster verschont zu haben. 9. Weingarten. Ueber die Schicksale des Klosters Weingarten in dieser Periode entnehmen wir dem >6atalo§ns Lbdatum Iwxerialis Ilonasteiii IVain^artöllsis« von k. Gerhard Heß (Augsburg 1781) folgende Notizen: Im April des Jahres 1632 drangen die zn Ulm sich aufhaltenden schwedischen Soldaten in die umliegenden Klöster ein und plünderten sie; sie jagten eine solche Furcht ein, daß alle Klosterbewohncr die Flucht ergriffen und an andern Orten ein sicheres Unterkommen suchten. In das Kloster Weingarten flohen sehr Viele von verschiedenen Orten her. Am 20. April flohen aber auch 16 Mönche von Weingarten wegen dringender Gefahr, die seitens der Schweden drohte, nach Feldkirch. Am 16. Juli sahen sich auch die übrigen zur Flucht gezwungen. Bald darauf erschien ein schwedisches Heer, das die Bürger und Landlcute, die es antraf, ohne alles Mitleid verjagte oder tövtete. Von der Grausamkeit der Schweden blieb weder das Kloster noch seine Bewohner und Bediensteten verschont. Denn zwei derselben, welche eben krank lagen und deßhalb nicht hatten mitgenommen werden können, wurden grausam ermordet, ?. Nu- pcrt Khuen und der Schreiber Zoh. Maier. ?. Nupert lag auf einem mit trockenen Blättern gefüllten Sacke krank am Boden. Da kam ein lutherischer Fleischer aus der Nachbarschaft und zerschmetterte ihm mit einer Doppelaxt das Haupt. Als nach 11 Tagen die Feinde abgezogen waren, fand man ihn so, mit zertrümmertem «Schädel, tobt aus dem Sacke liegen. Sein Bild war bis über die Hälfte des Leibes auf dem genannte Sacke durch sein eigenes Blut so vollkommen ausgeprägt, daß man alle seine Glieder bis zu den Knöcheln deutlich unterscheiden konnte. Von den Fersen weg war ihm die Haut wie ein Stiefel abgezogen und wurde besonders gefunden. Den barbarischen Soldaten war es noch nicht genug, so grausam gegen die unschuldigen Bewohner gewüthet zu haben; auch daS Kloster selbst sollte jämmerlich verwüstet werden. Der Hochaltar und einige andere Altäre in der Kirche wurden entweiht und zerstört, die Heiligenbilder zerschlagen und mit Schmach überhäuft. Sogar der allcrbciligstc Name Jesu, der oben ain Tabernakel mit goldenen Strahlen umgeben angebracht war, wurde nicht verschont. Alle Kostbarkeiten des Tempels wurden geraubt; die drei Orgeln wurden so zerschlagen und verdorben, daß mau sie nachher nicht mehr gebrauchen konnte. Den Bildern, welche äußerst künstlich in die Chorstüblc geschnitzt waren, wurden mutwilliger Weise die Nasen abgeschlagen. Alle Tbnren deS Tempels wurden zerschlagen; die Zimmer und Säle deS Klosters fand man voll Unrat, Federn, Blätter n. dgl. Die Fenster deS ganzen Conveuts, namentlich des Speisesaales, waren alle zerschlagen. Die Klostcrgänge und der Recreationssaal wurden als Pfcrdcställe verwendet. Alle NahrungSvorräthe wurden nicht bloß von den Feinden, sondern noch mehr von den Freunden und Hausgenossen des Klosters entführt. ES wird auch berichtet, daß die Schweden mit den hl. Kirchengewändern angethan in einem Obstgarten Tänze ausführten und Niemanden zu denselben zuließen, der nicht mit einer ähnlichen Larve verkleidet war. Am 5. Jänner 1633 kehrten endlich wieder einige Patres von der Flucht ins Kloster zurück. Am 10. Juli predigte ein lutherischer Prädjkant auf der Kanzel der Klosterkirche,^und das Kloster wurde wieder von einigen Tausend Soldaten besetzt. Am 27. Jänner 1634 besetzten einige Schwadronen schwedischer Reiter die Klostcrpforle, um den Auö- gang abzusperren. Unterdessen aber entkamen die Meisten sammt dem Abte über eine an die Gartenmauer gelehnte Leiter. Der Klostcrökvnom ?. Peter Molstor, der mit den übrigen nicht entflohen war, mußte 52 Stunden unter den Mühlrädern verborgen bis an die Lenden im Wasser stehen und wurde erst am folgenden Sonntag den 29. Jänner von einem Klostcrbäckcr, welcher sein dort verstecktes Geld zu suchen gekommen war, zufällig entdeckt, mit Speise und Trank erquickt und in ein warmeö Zimmer gebracht, nachdem er vom Donnerstag bis zum Sonntag ganz nüchtern und vor Kälte beinahe erstarrt war. In der folgenden Nacht gelang cS ihm mit den klebrigen, in weltlichen Kleidern mit einer Hacke über der Achsel, als ob's zum Eiöhaucn ginge, nach Bregen; zu entfliehen. Es ist wahrhaft wunderbar, daß er bei der gerade damals herrschenden sehr strengen Kälte nicht ganz erfror. Einige blieben in Bregcnz bei ihren Freunden und Bekannten, andere reisten nach Feldkirch weiter. Erst im Juli des Jahres 1637 konnte man wieder an die Rückkehr in's Kloster denken. Die folgenden Berichte entnehmen wir der -HierarelnL ^.UAnstana I'ars III. reguläres- von k. Corbinian Khamm 0. 8. L., Augsburg 1715. 9. St. Ulrich und Afra (in Augsburg). Im Schwcdenkricge, unter dem Administrator und nachmaligen Abte Bernhard Herdtfclder, wurde ane 19. Mai 1633 der gesammte Klerus, mit Ausnahme der Mönche von St. Ulrich, aus Augsburg vertrieben; 5 Stadtpfarrcien waren ihrer Hirten beraubt. Zur geistlichen Verlassenheit kam noch eine schreckliche Pest; die Mönche von St. Ulrich standen in dieser Noth allein noch den Leuten bei, der Prior deS Klosters wurde von der Pest hinwcggerafft. Dazu gesellte sich eine so schreckliche Hungersnot», daß man mit Hunden und Katzen, dem Aas und der Haut gefallener Thiere den Hunger stillte. Kleingeschnittenes Stroh vermischte man mit ein wenig Mehl und buk Brod daraus; ja sogar vor Menschenfleisch schreckte man nicht mehr zurück. Abt Bernhard war unter all' diesem Unglück der einzige kirchliche Prälat in der Stadt und vom bischöflichen Gencralvikar mit allen geistlichen Vollmachten ausgerüstet. Die 6 Stadtpsarrcien rcdncirte er aus 4: 1) die Dompfarrci; 2) St. Ulrich und St. Moriz; 3) hl. Kreuz und St. Georg; 4) St. Stephan mit der Vorstadt St. Jakob. Einer jeden dieser Pfarreien setzte er einen aus seinen Mönchen als Pfarrer vor. Mit diesen versah er die gesammte Scclsorge der Stadt und der 3 Franenklöster, und widerstand nach Kräften den wilden Stürmen der Häresie, von welchen Augsburg heimgesucht ward. Damit der katholische Glaube in der Stadt nicht ganz zu Grunde gehe, predigte er selbst an Sonn- und Festtagen dem zusammenströmenden Volke, ermunterte cS zum Gehorsam gegen den Papst und waffncte cS mit den heilsamen Lehren deS alten Glaubens. Dazu veranstaltete er noch in der Kirche St. Ulrich öffentliche Gebete und Andachten. Am FrohnlcichiiamSscste (26. Mai) 1633 und dessen Octav veranstaltete er die feierlichen Proccssionen in herkömmlicher Weise unter Theilnahme aller Gläubigen, so daß sogar die zuschauenden Schweden sich wunderten, daß cS noch so viele Katholiken in der Stadt gebe. Am 11. April 1634 wurde der Abt sammt dem Convcnte aus ihrem Kloster vertrieben, und sie mußten in das Jesuitcncollcgium übersiedeln, wo sie wie bisher allein für die ganze Stadt die Scelsorge versahen; sie bildeten noch den einzigen Damm gegen die Häresie und zur Bewahrung deS katholischen Glaubens. Unter allen Stürmen und Verfolgungen, die ihm mitunter sogar von der katholischen Geistlichkeit wegen eines der schwedischen Krone notgedrungen geleisteten EideS von rein politischer Bedeutung bereitet wurden, stand Bernhard unbeweglich wie ein Fels. Als endlich ain 6. April 1636 durch die siegreiche Hand des Kaisers dem Klerus der Stadt seine Kirchen und Klöster wieder zurückgegeben worden waren, wurde Bernhard alsbald zum Abte gewählt. 10. Irsee wurde im Schwedeukriegc 10 mal geplündert, und alle Kostbarkeiten und wichtigen Documentc gingen zu Grunde. Die Religiösen flohen und starben meist in der Verbannung; der Abt allein hielt unter allen Drangsalen im Kloster aus. Recensionen und Notizen. flannaris L. X. et kxlarinoo 6d. Bd,, vommeub xarls- t-on L L.tkenss? Lobo ün tzree moüsruo avso nu cliotiouuairs speeial. 8" xp. 170. Voipsio, R. Ciogler, 1894. Ir. 3,75 oart. ->. Die „Echos" aus dem Verlage von Gieglcr in Leipzig (bereits für Englisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Rumänisch, Russisch und Ungarisch vorhanden) werden mit Recht den übrigen sogenannten Gesprächbüchern vorgezogen, welche durch die nebenstehende Ucbcrsetzuug eine gar zu grosse Verlockung zur Bequemlichkeit bieten; die hier befolgte Methode, zusammenhängende Unterhaltungen ohne Uebersetzung zu geben, verdient entschieden den Vorzug, da man Raum erspart, das eigene Denken fördert und doch mittels des beigegcbencn Wörterbuches die Möglichkeit gibt, Alles zu entziffern, abgesehen davon, da» das selbst Gefundene besser im Gedächtnis; bleibt, als das mühelos Gebotene. Nachdem schon vor einiger Zeit das griechische Echo mit griechisch-deutschem Glossar erschienen ist, besitzen wir nunmehr dasselbe auch mit griechisch-französischem Glossar; beide Ausgaben können angelegentlich empfohlen werden. Das Buch trifft den frischen lebendigen Gesprächston vorzüglich und ist von einem Meister (JannariS) zusammengestellt, dem wir die beste neugriechische Grammatik verdanken. Die Schriftsprache ist zwar in griechischen Büchern und selbst in allen TagcSblätteru nahezu reines Attisch, also nach Ed. Engel „Knnstbuttergriccbisch", dem Kenner des Altzriechischcn soiort verständlich, die Umgangssprache jedoch, und zwar auch die der Gebildeten, weicht sehr bedeutend vorn Schriftgrnchisch ab; so nothwendig es ist, selbe zu kennen, so gibt cö doch fast gar keine Literatur znr Uebung in derselben, und schon darum müssen wir den Verfassern für Herausgabe vorliegender Gespräche dankbar sein, welche einen unentbehrlichen Anhang zu jeder neugriechischen Grammatik bilden. Der Kenner des Altgriechischen, welcher die Athenienscr Zeitungen leicht liest, wird staunen, wie verschieden die Umgangssprache von jenem Griechisch ist, sich aber mit Hilfe des Lexikons ganz leicht hineinlesen und dafür bei einem etwaigen Ausflug ins klassische Hellas reichlich belohnt finden. Baum gar tu er Heinr., Psychologie oder Seelen- lehre für Lehrer und Erzieher. 8°. VIII-s-132S. Freiburg i. Br., Herder, 1894. (III.) M. 1,20. ->. Das recht brauchbare Büchlein, aus der Feder eines tüchtigen Schulmannes hervorgegangen, ist aus den Erfahrungen einer langjährigen Schulpraxis entsprungen und auch ganz besonders für die Lrchulpraxis geschrieben. Vorstände von Lehrerbildungsanstalten thäten sehr gut daran, das klein: und leicht verständliche Werk bei ihren Zöglingen einzuführen, denn ohne Kenntniß des Seelenlebens, wenigstens nach seinen wichtigsten Erscheinungen ist ein vernünftiger und solider Unterricht in Pädagogik und Methodik undenkbar, welche beide geradezu eine angewandte Psychologie genannt werden können. Solche Kenntnisse wären unseren Schallehren!, Pardon! „Ele- mentarprosessorcn" jedenfalls ersprießlicher, als das Herumstöbern in unverstandenen Phrasen Herbart'scher Philosophie oder in den höheren Regionen der Physik und Chemie. Daß sich der fleißige Schüler mit dem, was dieses Büchlein bietet, begnügen soll, ist damit nicht gesagt, aber, wir meinen, es gibt den passendsten Vornntcrricht zur Lektüre größerer Werke, zu deren Verständniß allerdings die Kenntniß der lateinischen Sprache fast nothwendig ist, eine Forderung, die endlich auch einmal bei Schullehrern gestellt werden muß. Kappes Mat., Aristoteles-Lexikon: Erklärung der philosophischen tsrmiui tooliuiei dcsAristo- telcS in alphabetischer Reihenfolge. 8°, 70 S. Paderborn, F. Scköningh, 1894. M. 1,50. So erfreulich es ist, daß dem größten griechischen Denker in neuerer Zeit allmählig wieder mehr die ihm gebührende Ehren- stellung im Studium der Philosophie zugewiesen wird, so bedauerlich ist die Erscheinung, daß die Vorbildung, welche unsere Gymnasien nach Ojährigem Drill in sprachlicher Hinsicht zu geben vermögen, ganz und gar ungenügend ist und mit fortschreitender „Schulreform" immer noch kläglicher wird, trotz aller „klassischen" PnriSmus-Hcuchelei. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat Kappes ein sehr brauchbares Lexikon der aristotelischen Borwini zusammengestellt und reichlich mit den Belegstellen versehen, so daß sich der Anfänger aus einem Gebiete, das ihm so schwierig und fremdartig ist. leicht orientiren kann. Die entsprechenden Ausdrücke der lateinischen Ucbcrsclzer sind nicht überall angegeben, waS sehr zu wünschen wäre, wie überhaupt das ganze Buch besser lateinisch abgefaßt wäre, nachdem doch die Scholastik sich der aristotelischen Philosophie bemächtigt hat und auch Trcndelenburg seine -Llemsnta, logiosz aristotslioab« in Latein geschrieben hat. k. A. v. Doß. Gedanken und Rathschläge. 9. Anfl. mit Titelbild. Herdcr-Freiburg. 1894. Preis 2,40 M. geb. 3,60 u. 5,40 M. G Das allbekannte und allbewährtc Buch, das schon so vielen Jünglingen ein Führer zum Licht und zum edlen Leben war, ist in neuer, neunter Auflage erschienen. Obschon der Preis dieser Auflage um 60 Ps. ermäßigt wurde, ist sie doch ebenso gut ausgestattet, wie die früheren. Der Inhalt des Buches braucht nicht mehr besonders gekennzeichnet zu werden. Möge es recht Vielen im Sturm des Lebens als treuer Freund und Berather dienen! Lebende Bilder in religiösen Dichtungen von Jos. Hcchcr, CanonicuS. II. Aufl. Jos. Noth'sche VerlagS- handlunz, Stuttgart. I. Passionsblumen. Aus dem Leben und der Verherrlichung Jesu. 8", 49. Preis 60 Pf. II. Marienrosen. Die Geheimnisse deS Rosenkranzes. 3°, 62. Preis 60 Ps. III. Märzenveilchcn. Aus dem Leben deS Nährvaters Christi. 8°, 32. Preis 40 Ps. o. Mit diesen drei ganz trefflichen Schristchen werden nicht nur Motive zur Vorführung lebender Bilder geboten, sondern gleichzeitig auch geeignete, stimmungsvolle Texte, die sich bnrch tiefe, erhabene Gedanken und eine schwungvolle Sprache auszeichnen. Es sei noch bemerkt, daß der Gesellenvercin St. Anna in Müncken seinerzeit solche Bilder mit recht erfreulichem Erfolge aufführte. _ Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fachgelehrten von Dr. Ernst Coinnrer, o. ö. Professor an der Universität Brcslau. Paderborn 1894, Ferdinand Schöuingh. 9. v. V. IX. Band, 2. Heft, Inhalt: I. Die Philosophie des hl. Thomas von Aquin. Gegen Froh- schammer. VIII. Psychologie. Von Kanonikus vr. Michael Gloßncr in München. — II. Die Neu-Tho misten. Forts. Von ?. Llax. Tdeol. Gundisalv Feldncr Orcl. Lraoä., Prior in Lembcrg. In der Kritik deS Werkes vonv. Frins: Ls- opvusio all ?. vummsrmntli folgt ?. Feldner dem Molinistiscben Verfasser Schritt auf Schritt, legt unnachsichtig seine Unwahrheiten, seine logischen Fehler, seine Verdrehungen und Entstellungen der Lehre deS hl. TbouraS und der „Tbomistcn" bloß, faßt dann in mehreren Punkten diese Lehre, wie sie tha t- sächlich vorgetragen, nicht wie sie von den Molinisten erdichtet wird, kurz zusammen, erklärt näher, wie unter der xraemotio physios, der Wille durchaus frei bleibe und nicht die Potenz für das Gegentheil verliere, iübrt vor die einstimmige Lehre des hl. Thomas und der „Thomisten" bezüglich des Willens, welcher von Gott nicht vorherbewegt und vorherbestimmt ist, widerlegt die diesbezüglichen Mcliuist- ischen Einwürfe; L. Pcsch (Welträthsel, II, S. 364 ff.) kommt dabei mit seiner Theorie vom „actnellen Bewcgungs- quantum" betreffs der Naturdinge, sowie vom „Uebermaß der Selbstbesti >ninungSfähigkeit" im Menschen sehr in die Enge. Mit jeder Fortsetzung unseres Artikels wird eS immer klarer, was von den Anpreisungen des Frins'schen Buches in verschiedenen Zeitschriften (z. B. Passauer Monatschrist, 1894, 1. Heft. Abhandlung: „St. Thomas' Gegner der liraomotio xh^siea") oder Broschüren zu halten ist. Jeder sachlich urtheilende Leser der k. Feldncr'schen Artikel wird immer bestimmter sagen müssen: „Besser wäre es, wenn V. Frins geschwiegen. Er reitet den Molinismus zu Tode." — III. Der Beweis des Aristoteles für die Unsterblichkeit der Seele. (Forts, folgt.) Von vr. Eugen NolseS, Rektor in Frauweiler (Nheinprovinz). — IV. Dievotöntrs 368 obsäiontialis der Kreaturen. (Schluß.) Von v. 2la§. Misol. Gundisalv Fclducr 0. vr. — V. Literarische Besprechungen. — VI. Ze itschristenschau. — VII. Neue Bücher und deren Besprech nngcn. — Das Jahrbuch erscheint in vierteljährigen Hestcn von 8 Bogen, Lex. 8°. Preis für den Band von 4 Heften 9 Mark. Abonnements übernehmen alle Buchhandlungen. Josef Haydn, Singspiel in 1 Akt, von Franz Lehner; Musik von Jos. Renner jun.; Text ä 25 Pf.; Partitur 3 M.; St. 50 Pf. NegcnSbnrg, Coppenrath. Der Dichter, auch Verfasser mehrerer werihvoller Beiträge zur poetischen Wolfgangsliteratur und einer herrlichen Elegie aus Franz Bonn, bietet in obigem Singspiel eine von idealem Schwung getragene Dichtung, die schon um ihrer deklamatorischen Brauchbarkeit willen allen Seminarien, Instituten rc. zur Ausführung bestens empfohlen werden kann. Die Scenerie ist einfach, die Handlung spannend und interessant; das lyrische Element kommt zur gebührenden Geltung: edle, klangvolle, musikalische Sprache, reiche, lyrische Empfindung und eine lebenSfrische, gefühlvolle Zeichnung des heiteren, jugeudirohcn „Seminarlebens" im Wiener Kapellhausc! Die Musik ist melodiös und schön. Die eingestreuten Lieder und Romanzen, namentlich das Terzett „Weihnacht" sind echte Perlen. Das Ganze ist eine schöne Wcihnachtsgabe besonders für Institute, v. Dr. L. Militärhumorcsken von Fcrd. Bonn. Jllustr. von Nein icke. 2 Bündchen. NeaenSburg, Friedr. Pustet, 1894. kl 8°, 127 u. 168 ä. 75 Pf. s. Den Lesern des Negeusburger Marienkalenders sind diese Humoresken immer noch in recht guter Erinnerung, und daß der Leserkreis sich immer mehr erweitere, dafür sorgen diese lustigen Dinger schon selbst. Mit Recht konnte der Vater deö Verfassers, der bekannte „von MiriS", davon schreiben: „Bilder sind es mannigfalt—lustig, frisch, für Jung und Alt, sroh und fröhlich, lichtumringt, wie'S das Leben mit sich bringt." Theologisch-praktischeMonatsschrift. Central-Organ der katholischen Geistlichkeit Bayerns. Herausgegeben von Dr. Georg Pell und Ludwig Heinrich Krick. 4. Band, 11. Heft. Passan. In Commission der Abt'- schen Buchhandlung. Jnhaltsverzeichniß deS 11. Heftes. I. Wissenschaftliche Aufsätze: Haben die ConsecrationSworte in der hl. Eucharistie Sakramcntönatur? — II. Belehrendes für die seelsorgliche und pfarramtliche Praxis: Die kirchlichen Vorschriften über das Oküeium und die Llissa, els- kunctoruin euw Hbsolutiono. — Die „innere Mission" der Protestanten. — Ueber die Gewissenserforschung, vorzüglich das Partikularcxamcn. — Der Stiftnngsfonds der Raiffcisenvercine. — Die Begräbuißfcier an confcssioncll gemischten Orten. — Die Ausgabe der Mädchencrziehung gegenüber der modernen Gesellschaft. (Forts.) — Beförderung der Armenseelen-Andacht durch den HI. Papst Gregor. — Geschichtliche Reflexionen über die Simultanschule. — Notizen zum -Oanticum tilum xuerorum- im Breviergebctc. — Eine für Kirchcnfabriken der Pfalz wichtige Entscheidung des VerwaltungSgerichtöhoscs. — WaS ist in Betreff von „Litaneien beim öffentlichen Gottesdienste" kirchliche Vorschrift. — Crucifix bei Messen und Aemtern coram Lsino. oxposito. — Besorgung von Meßstipendicn durch Laien. — Acceß und Neccß der Ministranten. — Warnung vor dem Gebrauche von Opium und Morphium als Heilmittel. — Vari- irung der Taxe bei Lcichenaussegming und LeichenanShilse. — Taktvolles Behandeln „schwieriger" Confitcnten. — „Scelsorg- liche Praxis", eine nicht mustergültige Auffassung von derselben. — III. Erlasse der obersten Verwaltungsbehörden und Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. — Novitätcnschau. Literarischer Handweiser, begründet, herausgegeben und redigirt von Msgr. Dr. Franz Hülökamp in Münster. 24 Nrn. ü 2 Bogen Hochqnart für 4 M. p. Jahr. 1894. Nr. 13. Inhalt: Jgnaz v. Felbigcr's Leben und Wirken (Rolfus). — Weitere kritische Referate über 21. sts Llaria, viiitosoplna, xsripatetico - aeliolastica (Huber), Pox o Institutionos tliooloAioao (Depp.), Gräser Predigten und Kolberg Sonntagspredigten (Deppe), Viclilou Piks ok knsez'(Bellcsheim), Frhr. v. Brenner Besuch bei den Kannibalen Sumatra's (Plaßmann), Veldenz Novellen und Ferd. Bonn Mtlitärhumoresken (Keiter). — 10 Notizen über die neuen VivsL'schen Ausgaben von Albertus und Scotus (Deppe), Debes' neuen Handatlas (Plaßmann) und verschiedene andere Nova (HülSkamp). --- Novitätcn-Verzeichniß. Die Pariser Commune 1871 von Freiherrn Dietrich von Labberg, k. bayr. Premicrlicutcnant a. D. Verlag des „Arbeiter", München, Commissiousverlag für den Buchhandel: H. Korff in München. 70 Seiten, Preis 20 Pf. 10 Expl. M. 1.80, 50 Expl. M. 7.-. 100 Expl. M. 12.—. Reinertrag für wohlthätige Zwecke. Man redet oft von der kommenden socialen Revolution, und Viele begrüben sie als den Uebergang zu besseren Tagen. WaS die sociale Revolution ist und waö die Welt von ihr zu erwarten hat, zeigt uns die Pariser Commune. Sie war nicht die sociale Revolution, aber sie war wie Bebe! ganz richtig gesagt hat ein „Vorpostengestcht" zu dem kommenden Kampfe. Die Geschichte der Commune zeigt uns in verkleinertem Maßstab, wie eine Revolution im Großen verlaufen müßte. Die vorliegende Schrift, welche die Geschichte der Commune in gedrängter Kürze und farbigen Einzelbildern bringt, ist darum ein höchst lehrreiches VolkSbllchlein. Der Verfasser, ein Veteran des siebziger KriegeS, schildert theils aus persönlichen Erinnerungen, theils an der Hand bewährter Schriftsteller die Sturmtage der Commune und ihre Gräuelthaten. Der behandelte Gegenstand ist hochinteressant, die Darstellung übersichtlich, frisch und lebendig. Wir empfehlen daö Schriftchcn zur weitesten Verbreitung im Volke. _ Weber I., Katechismus deS katholis chen Ehcrechts. 4. Aufl., besorgt von vr. Konrad Elser, Kaplan an der Auima in Rom. Augsburg 1894. B. Schmid'fche Verlagsbuchhandlung. 261 Seiten. 8°. Preis brach. M. 2.10, Rück u. Eck in Leder gcbd. M. 2.70. Dieser Katechismus deS katholischen EherechtcS muß als recht praktisches Nackschlagebuch sür Jeden, der sich in eherecht- lichcu Fragen schnell und sicher oricntiren will, bestens empfohlen werden, und spricht für die Brauchbarkeit des Werkes schon die bereits nothwendig gewordene 4. Auflage. — In 383 präcis gestellten Fragen behandelt das Buch das ganze Eherecht in klarer, bündiger Weise, und ist dasselbe sehr zu empfehlen für die Vorbereitung zu den einzelnen Examiuas, welche der Theologe zu bestehen hat. _ Epiphanias. Unter diesem Titel ist von Walter E i chner im Verlage von P. Hauptmann in Bonn ein Weihnachts-Drama in vier Akten erschienen, welches in schöner und schwungvoller Sprache die Reise der hl. drei Könige nach Bethlehem, des Weiteren HerodeS' fluchwürdigen Kindcrmord sowie das schandcr- volle Ende des Massenmörders auf dem Throne behandelt. An die Aufführung werden nur geringe Anforderungen gestellt, hingegen ist bei dem dankbaren Stoffe leicht eine tiefgehende Wirkung zu erzielen. Es kann daher das Drama für theatralische Veranstaltungen nur bestens empfohlen werden. „Kreuz und Schwert." Inhalt des Nov.-HefteS: Kreuz und Schwert (Gedicht aus dem Drama „Afrika"). — Der erste Missionär der jetzigen Sambesi-Mission. — Von Sansibar zum Kilimandscharo (Fortsetzung). — Ghclla und Milo (Fortsetzung). — Aus der apostolischen Präfektur Kamerun. — Aus der Togo- Mission. — Von unseren Novizen. — Salia, die kleine Araberin. — Professor Ed. DcscampS' Drama „Afrika". — Kleine Nachrichten. — Eingegangene Gaben. — Gcbctsempfchlungen. — Sprachrohr. — Büchcrschau. — Illustration: Der Zauberer von Kamba. — „Kreuz und Schwert" kann noch vom Juli ab nachbestellt werden. Der dritte Jahrgang dieser so erfolgreichen Zeitschrift beginnt am 1. Januar 1895. Preis halbjährlich 75 Psg. per Post und im Buchhandel; 90 Pfg. unter Kreuzband versandt. (Redacteur und Verleger: W. Helmes, Münster i. W.) _ Historisch-politische Blätter. Jahrg. 1694. 114. Bd Neuntes Heft. Inhalt: Der dänische Luther: Hans Taufen (1494 bis 1561). — Die „konfessionelle Parität" im Beamtenthum des preußischen Staates. (Schluß.) — Das Alter der Lehnin'schen Weissagung. — Socialismus und Frauenfrage. — Zeitkäufe. Das neue Wahlgesetz in Belgien; seine erste Wirkung. — Eine Biographie des Bischofs Nudigier. — Cardinal Päzmäny'S gesammelte Schriften. ' Verantw- Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg. .