Spiritismus und Theosophie. Von Charles Saint-Paul. Dem aufmerksamen Beobachter neuer Strömungen kann es nicht entgehen, daß in der Gegenwart die Kampfesliga gegen den Materialismus sich in einer Weise verbreitet, welche erwarten läßt, daß derselbe binnen Kurzem den Todesstoß erhalten wird. Die hypnotischen Forschungen der Neuzeit haben zur Anerkennung der Mental- suggestion, der rein geistigen Gedankenübertragung ohne physische Vermittlung, sowie der Phänomene geführt, welche in das Gebiet des sogen. Somnambulismus gehören, und von denen das Hellsehen eines der bedeutendsten ist. Ueberdies sind durch die Forschungen der „Loeietx tor Ikeseareli" in England und der ihr verwandten psychologischen Gesellschaften in Deutschland, vornehmlich in München und Berlin, die Geistererschcin- ungen, das Fernwirken Sterbender und Verstorbener, in Tausenden von Fällen constatirt worden, die speciell in dem Werke der berühmten Psychologen Gurney, Myers und Podmore nkdantasius ok dirs lüving" dargelegt wurden. Ja sogar gewisse von den Spiritisten behauptete Phänomene sind auf dem letzten internationalen „Psychiker"congreß in Chicago zur Sprache gebracht worden, und bedeutende Gelehrte haben die Möglichkeit derselben zu erweisen versucht. Wenn also hiedurch die Thatsache hervortritt, daß in der antimaterialistischcn Bewegung der Gegenwart bedeutende Kämpfer sich befinden, die ein wissenschaftliches Bollwerk gegen den Materialismus errichtet haben, so finden wir doch leider anderseits eine Masse ungebildeter, leichtgläubiger und verdächtiger Spiritisten an derselben betheiligt, die sich bei der gegenwärtigen Ausbildung des Spiritismus bereits zu einer Art Cultus der Professionsmedien vereinen, bei denen, da sie meist um Geld arbeiten, Betrug aus Erwerbsrücksichten meist nicht ausgeschlossen ist, und deren Eeistesprodukte vielfach auch an ihrer geistigen Zurechnungsfähigkeit zweifeln lassen. Was den mediumistischen Betrug anbelangt, so finde Ich soeben im „Figaro" (vom 10. November 1894) eine Studie von dem bekannten Mitgliede der Pariser „Oroupa ä'Ltnclss Lsotörliuss", Charles Chincholle, in welcher er Mittheilung von der kürzlich vollzogenen Entlarvung des „berühmten" amerikanischen Mediums Mrs. Williams, das einige Herren nach Paris kommen ließen, macht. Da dasselbe auch in Berlin Vorstellungen geben sollte und daselbst von einigen Spiritisten unglaubliche Reklame für seine Experimente gemacht wurde, *) so glaube ich des aktuellen Interesses halber die Hauptpunkte des Berichtes im „Figaro" hier einschalten zu sollen. Mrs. Williams ist nach demselben in Amerika im Rufe bedeutender mediumistischer Kraft. Sie „verdient" daselbst bedeutende Gelder mit ihren Experimenten; besitzt in New-Iork drei Hotels und überdies 750,000 Fr. Baarvermögen. Trotzdem war ihr die neue Welt nicht groß genug für ihre Thätigkeit; sie wollte auch in der alten ihren Ruhm und ihr Geld vermehren. So schrieb sie nach Paris, ob sie dort Vorstellungen geben könne. Der „Ehrensekretär" der Vereinigung „Sphinx" daselbst gab sogar vor kurzem eine eigene Broschüre über dieses Mevium heraus. und kam auf den Bescheid, daß, falls neues und ernst zu nehmendes geboten werden könne, sie angenehm sei, in die französische Hauptstadt mit ihren! Impresario, M. Macdouald. Vorerst wurde eine Privatsitzung bei Mme. de . . . arrangirt, während welcher Mrs. Williams, die in großer Toilette erschienen war, dem Herzog von H. versprach, eine seiner Verwandten erscheinen zu lassen, die mit ihm dann sprechen werde. Sie setzte sich dann auf einen Stuhl im Dunkelkabinet, das bei so vielen spiritistischen Säancen hergestellt wird, da angeblich oie meisten Geister das Licht nicht ertragen können, und bezeichnete dem Herzog die Stelle, wo seine Verwandte sich zeigen würde. Derselbe sah auch wirklich bald eine Hand und küßte dieselbe, auch hörte er eine Stimme, die zu ihm sagte: „Ich bin hier." Sie schien von der Stimme der Mediums verschieden Zu sein. Plötzlich aber bemerkte er, da das Licht nicht ganz abgedreht war, daß der Sessel, auf dem das Medium sich niedergelassen hatte, während der Erscheinung leer war. Dieses mußte jedoch seine Entlarvung gefürchtet haben und zeigte sich wieder auf seinem Stuhle, ehe man eingehendere Prüfungen anstellen konnte. Die Versammlung schöpfte aber Mißtrauen, und man wollte sich mit ihm nicht mehr abgeben. Sie versprach nun einigen Pariser Psychologen eine Ssance in ihrer Privaiwohnung zu geben, bei öer Materialisationen (Verkörperungen von Abgestorbenen) mit wechselnden Lichterscheinungen sich zeigen würden. Bei der Sitzung, die am 31. Oktober gehalten wurde, und bei der die Eintrittspreise zwischen 10 und 25 Fr. variirten, hoffte man vielfach auf bedeutende Phänomene. Diejenigen aber, welche Verdacht geschöpft hatten, trafen die Bestimmung, einen Entlarvungsversuch, sobald sich der Augenblick dazu bieten würde, vorzunehmen. Einer der Herren aus der Versammlung äußerte im Verlause der Sitzung den Wunsch, einen verstorbenen Arzt zu sehen, und dieser kam angeblich mit seiner Tochter. Als sich die Erscheinungen zeigten, stürzten einige Herren aus dem Publikum auf sie, den Manager der Mrs. Williams und letztere selbst zu, während ein anderer Licht machte. Da entdeckte man nun das Medium, welches Kleider und Schuhe ausgezogen hatte, um besser schwindeln zu können. Der gewünschte und herbcigeeilte Arzt entpuppte sich als ein Weib, das sich als Btann verkleidet hatte. Die zweite Erscheinung aber zeigte sich als Puppe, über die ein Schleier geworfen war und deren Gliedmnßen die Betrügerin durch Gummibänder mit der linken Hand bewegte. In der rechten hatte sie eine Schnur, mit welcher sie den Lichtapparat regulirte, der ihr zur Beleuchtung ihrer „Geister" diente. Das Medium stieß, als es sich entlarvt sah, einen Schrei aus und wollte sich in ein anstoßendes Gemach flüchten. Aber einer der Herren, die aus dasselbe losgestürzt waren, Mr. Lcymarie, der Direktor einer spiritistischen Zeitung, zwang es, zurückzukehren und sich öffentlich beschämen zu lassen. Man sammelte alle Gegenstände, die ihr zu ihren „Experimenten" dienten. Sie hatte dieselben in einem kleinen Sack unter ihrem Rocke verborgen, wenn sie vor dem Publikum erschien. Im Dunkelkabinet kleidete sie sich dann um, entleerte den Sack und spielte mit der Puppe und, wenn nöthig, mit ihren Helfern „Geist". Es kam ihr Hiebei sehr zu 394 statten, daß sie Bauchrednerin war und alle Stimmen, l von der Stimme eines kleinen Kindes bis zu der eines Mannes, imitiren konnte. Es wurde nun ein Protokoll über die Entlarvung abgefaßt und von 22 Personen unterzeichnet. Man drohte der Betrügerin und ihrem Manager mit Auslieferung an die Polizei, falls sie nicht binnen einer Stunde Paris verlassen hätten, und sie zog selbstverständlich vor, dieses zu thun. Sie soll sich dann in Havre wieder nach New-Mrk eingeschifft haben, wohl sehr enttäuscht von ihren Erfahrungen in Europa. Die Spiritisten in Frankreich hoffen, wie Charles Chincholle am Schlüsse seines Artikels bemerkt, in Zukunft von amerikanischen Medien verschont zu bleiben. Es ist nun gewiß keine Frage, daß im Geburtslande des Spiritismus, in den vereinigten Staaten Nordamerikas, am meisten in experimenteller Hinsicht betrogen wird, und deßhalb haben sich ja daselbst auch bereits eine gewisse Kategorie von Personen festgesetzt, die ihr Hauptaugenmerk auf Entlarvung von Medien richten („Neäiunrlluutsrs"). Aber auch im allgemeinen ist zu betonen, daß die Täuschung naturgemäß mit dem niedrigen Phünomeualismus, insofern er zu pecuniären Zwecken ausgebeutet wird, verbunden ist, und daß es jedem Medium naheliegt, falls einmal seine „Geister" es im Stiche lassen, auf andere Weise nachzuhelfen. Aber der Betrug — der erzählte Fall steht gewiß nicht einzig in neuester Zeit da; ich erinnere in dieser Hinsicht nur an den Prozeß gegen das Medium Töpfer — ist es nicht allein, welcher die moderne Entwicklung des Mediumismus bedenklich erscheinen lassen muß. Es kommen auch noch die Schädigungen des Mediums selbst in Betracht, die so häufig beobachtet werden. Nicht nur körperlich verursachen, wie nachgewiesen, die spiritistischen Experimente bei den Medien eine bedeutende Kraftabsorption, die nach und nach zu schweren Nervenleiden und völliger Erschöpfung gesteigert werden kann, falls die Experimente so häufig wie von Professionsmedien wiederholt werden. Auch geistig können sich mit der Zeit schwere Leiden einstellen, Jrrsinnssymptome u. dgl. eintreten; ein Theil der Spiritisten spricht sogar von beobachteter Besessenheit, indem bei Ssancen, besonders wenn sie nur zur Belustigung in Kreisen, die aus Sport Spiritismus treiben, unternommen werden, manchmal einer der gerufenen Geister ganz vvn dem Medium Besitz ergreift, sich durch dasselbe nach seiner Art zu äußern sucht; es treten dann furchtbare Krümpfe auf und man sucht oft lange vergeblich nach Hilfe. Auf diese Folgen hat schon Schneid in seiner bekannten Schrift über den Spiritismus hingewiesen und dieselben haben während der letzten Jahre viele veranlaßt, auf die spiritistischen Experimente, speciell auf solche mit Profesfiousmcdien, zu verzichten und energisch gegen dieselben aufzutreten. Mau hat Hiebei in Betracht gezogen, daß selbst vom spiritualistischen Standpunkte aus der niedrige Phänomenalismus nur geringen Werth besitzt und daß, abgesehen von der vielfach kindischen und rohen Art der Erscheinungen und Manifestationen, speciell bei Professions- medien, auch die anfangs so beliebten „Offenbarungen", die durch Medien im „Pranaa" (Verzückung) gegeben werden, so widerspcuchsvoll und oftmals albern sind, daß der erwachsende Schaden durch den Nutzen der Phänomene nicht ausgewogen wird. ') Eichstält 1630. Offenbar hat man in den leitenden Kreisen der Kirche die erwähnten Uebelstände oder wenigstens einen Theil derselben in Betracht gezogen, wenn man wiederholt gegen die spiritistischen und ähnliche Experimente auftrat. Vom Standpunkte der christlichen Mystik aus betrachtet, mußte überdies diese Art des Verkehrs mit den Geistern noch weniger als nutzbringend, ja im Gegentheile als Verirrnng und in gewisser Hinsicht auch als mit Einflüssen böser Geister zusammenhängend erscheinen. Jedoch ist man wohl im Allgemeinen in der Annahme diabolischer Einflüsse zuweit gegangen, und diesbezüglich dürften, insbesondere auch, wenn Magnetismus und Spiritismus zusammengestellt werden, die Erklärungen in Betracht zu ziehen sein, die schon vor mehr als einem Decennium in einem Artikel der „Augsburger Postzeitung" gegeben wurden. (Einige Blicke ins Nachtgebiet der Natur, von Dippel. Beilage zur Augsburger Postzeitung. Jahrgang 1880 .) ^) In denselben wird die Behauptung aufgestellt, daß wenigstens die magnetischen Erscheinungen als Ausflüsse des physisch-psychischen Wesens der menschlichen Natur zu betrachten seien. In der Zwischenzeit nun haben die neueren Forschungen, speciell die des russischen Staatsrathes Or. Aksakow, nachgewiesen, daß nicht nur diese, sondern auch ein Theil der „spiritistischen" Phänomene auf solche Wirkungen zurückzuführen sind. Man spricht deshalb im modernen Spiritualismus häufig vom Animismus, und der eben erwähnte Gelehrt hat in seinem Werke: „Animismus und Spiritismus. Versuch einer kritischen Prüfung der mediumistischon Phänomene mit besonderer Berücksichtigung der Hypothesen der Hallucinationen und des Unbewußten. Als Entgegnung auf Dr. Eduard von Hartmann's Werk: Der Spiritismus. (2 Bünde. Mutze. Leipzig 1890.) viele Fälle gesammelt, bei denen die Möglichkeit einer Wirkung des Mediums selbst bei Manifestationen und Erscheinungen, bei letzteren durch Auslösung des eigenen „Aetherleibes" im n"Ira,irc:6"zustande, angenommen werden kann. Er hat sogar durch einige Beispiele darauf hingedeutet, daß offenbar viele Phänomene durch Fernwirkung hypnoid veranlagter Lebender veranlaßt werden können. Diese neueren Forschungen werden also wohl auch in Zukunft bei einer endgiltigen Entscheidung berücksichtigt werden müssen. Eine genauere Prüfung der ") Dagegen wird in der Encyclica vom Jahre 1656 eine scharfe Verurtbeilung wenigstens des Somnambulismus ans- gesprowen: »bltoniw comxsrtum sst«, so heißt es in derselben, — »novuw guoääam supsrstitionis ß'snus invsbi sx pbasno- msnis mag'nsticis, guibus baue! scisntiis pb^sicis suuclsanäis, ut par sssst, seil äscipisuäis ac seäucsnäis bominibus stuäent usotsrici plurss, rate posss occulta, rsmota ac kutura ästegl wag'notismi arts, vel prasstigio, prasssrtim ops mulisrcularum, guas unics a maAnotisatoris nutu psnäsnt.... Hinc »8omnam- bulismi st claras intuitionls-, uti vocant, praestigiis mulisr- culas illao, Assticulationibus non ssmpor vsrscunäis, abrsxtas, so iuvisibilia guasgus conspicers sttütiunt, ac äs ipsa rsli^ Aions ssrmonss instituers, auimas mortuorum svocars, rs- sponsa accipers, ignota ac longingua ästsZcrs, allagus iä Asnus superstitiosa sxsrcsrs ausu tsmsrario prassumunt, maZuum guasstuw sibi ac äominis suis äivinamio ccrto cou socuturas. In kiscs omnibus, guascungus äsmum utuntur arte vsl illusiouv, cum oräinontur meäia pb^sica aä stksctus non naturalss, rspsritur äsesptio omnino illicita st basrsti- calis st scauäalnm contra bousstatom worum. Igitur aä tautum notas, st rsligioni st ei rill socistati inksstissimum otücacirsr cobibsnänm, excitari äsbet guam maxims Pastorales sollicituäo, vitzilantia as sein» Lpiscoporum omnium.« Olvilta 6atr. 8. VI, vol. 8, x, 105. einschlägigen Literatur würde in dieser Hinsicht überhaupt sehr förderlich sich zeigen. Dieselbe ist allerdings sehr schwierig. Denn es gibt ja über 100 Zeitschriften über Spiritualismus in allen Welttheilen, und die Bibliographie ist fast unübersehbar geworden. Bei uns in Deutschland allerdings — um dies noch zu bemerken — ist dieselbe nicht von der Bedeutung wie im Auslande. Es existiren hier nur 3 nennenswerte Zeitschriften, die „Psychischen Studien", gegründet von Aksakow im Jahre 1874 und redigirt von Dr. Wittig, dem Uebersetzrr der Werke des amerikanischen Spiritualisten Davis; sodann die „Spiritualistischen Blätter", ein Wochen- organ für den amerikanischen Spiritualismus, herausgegeben von Dr. Eyriax; ferner die „Sphinx", von der wir noch sprechen werden und die nicht ausschließlich spiritualistische Richtung verfolgt. In bibliographischer Hinsicht kommen wohl nur die Schriften des Baron Dr. du Prel, des Ehrenpräsidenten der Gesellschaft für wissenschaftliche Psychologie in München, in Betracht, der die Phänomene durch Wirkung des „transcendentalen Subjects" erklärt, dem er, im Anschlüsse an Andeutungen in Kants „Vorlesungen über Metaphysik", individuellen Charakter zuschreibt. (Fortsetzung folgt.) Gustav Adolf. Nach seinem Leben, seinem Charakter und seinen Thaten geschildert von A. E. (Fortsetzung.) Wir haben gezeigt, daß Pommern nichts mit dem Schweden zu thun haben wollte, Brandenburg wollte ebenso nichts von ihm, und doch sagte der König überall, man habe ihn gerufen, bloß vergißt er beizusetzen, wer ihn gerufen habe. Von Mecklenburg verlangte er, daß es sich mit ihm verbünde, und als es sich weigert, läßt er den mecklenburgischen Ständen vermelden: „wenn sie dem nicht nachkämen, werde er sie mit Feuer und Schwert verfolgen und bestrafen". Dies sind wohl nicht Worte eines „Gerufenen", eines „Befreiers Deutschlands". Mit der Stadt Lübeck stand es gerade so. Nur die Landgrafen von Hessen-Kassel machten Brüderschaft mit dem Schweden, sie, welche schon seit langer Zeit mit jedem verbündet waren, nur nicht mit Kaiser und Reich, sie, welche stets die jämmerlichste Rolle als Deutsche gespielt hatten und mit jedem Fetzen Landes zufrieden waren, kam er her, woher er wolle. Zwei Umstände waren es, welche die Aussicht des Schweden sehr hoben: der Convent zu Leipzig und der Vertrag zu Bärwalde. Auf dem ersten zeigte sich so recht die Uneinigkeit der Fürsten und das Dominiren des protestantischen Geistes, welcher trefflich illustrirt wurde schon durch die Einleitungspredigt des Hofpredigers Hoe von Hoenegg, in welcher dieser Mann des „reinen" Wortes Gottes gemein gegen den Katholizismus loszog. Und nun der Vertrag von Bärwalde. Was wollte Richelieu? was Frankreich? Die Niederwerfung -Oesterreichs. Was wollte Gustav Adolf? Ganz das Gleiche, denn Oesterreich war der natürliche Schutz- und Schirmherr des deutschen Reiches und als solcher der erste und größte Feind des Schweden. So lag die Sache, als der französische Gesandte im Januar 1631 bei Gustav Adolf in Bärwalde eintraf, und hier wurde der berüchtigte Vertrag am 23. Januar geschlossen, dessen Hauptpunkte wir — wenn auch kurz — hier hervorheben müssen: Schweden und Frankreich — Pilatus und Herodes — verbinden sich zum Schutz ihrer Freunde, zur Wiederherstellung der Rechte der bedrängten Stände des römischen Reiches, alles soll in den Stand zurückversetzt werden, in dem es zu Anfang des Krieges gewesen. Da die feindliche Partei jede Genugthuung bis jetzt verweigert hat, soll sie durch die Gewalt der Waffen gezwungen werden. Zu diesem Zweck führt der König von Schweben ein Heer von 30,000 Btann zu Fuß und 6000 Mann zu Pferd nach Deutschland und unterhält es auf seine Kosten. Dafür zahlt Frankreich jährlich eine Million Livres. Sind die Waffen des Königs glücklich, so soll er in allen eroberten Gebieten nach den Neichssatzungen verfahren und die Ausübung der katholischen Religion nicht hindern (doch verflucht gnädig!). Mit dem Herzog von Bayern und den Fürsten der Liga soll Freundschaft oder doch Neutralität gehalten werden, wenn sie zu Gleichem bereit sind (sehr gnädig, aber auch ungemein nach einem Fuchs riechend!). Das Bündniß dauert bis zum 1. März 1636; weil aber der König schon viele Kosten für diesen Krieg aufgewandt hat, so werden ihm für das vorige Jahr 300,000 Livres vergütet (sehr vorsichtig I). Hiemit war der Hauptgrund zur zweiten Coalition gegen Habsburg gelegt. Es schlössen sich ihr in der Folge die übrigen Westmächte an. Der Kriegstanz konnte jetzt erst auf's neue wieder beginnen, und er begann, nachdem Ende 1630 Gustav Adolf bereits Herr von ganz Pommern, mit Ausnahme der beiden Festungen Colberg und Greifswalde, war und ein großes Dankfest am Neujahrstage 1631 in Stettin die Erfolge des Schweden verherrlichen mußte. Das kaiserliche Heer war ungemein geschwächt, Lilly sammelt, was zu sammeln war — Wollenstem schmollt in einem Winkel Deutschlands —, Lilly will eine offene Feldschlacht mit dem Schweden, dieser geht derselben vor der Hand wohlweislich aus dem Wege. Neubranden- burg wird durch die Kaiserlichen eingenommen, Frankfurt a./O. durch den Schweden wahrscheinlich in Folge von Verrath. Beide Städte werden nach dem damaligen Kriegsrecht drei Stunden der Plünderung durch die Soldaten übergeben. Man hat den Kaiserlichen betreffend Neu- brandenbnrg alles Schändliche vorgeworfen, dagegen die Schweden betreffs Frankfurts in Schutz genommen. Untersuchen wir die Sache kurz nach der vollen Wahrheit! Geplündert wurden beide Städte, Neubrandenburg aber erst, nachdem alle gütlichen Mittel erschöpft waren, Frankfurt gegenüber aber hatte der Schwede gar keine gütlichen Mittel angewandt. In Neubrandenburg hatte Lilly mitten im Blutbad die Trommelwirbel rühren und jedem Gnade und Rettung ankündigen lassen, welcher helfe, dem Brand der Häuser zu steuern; in Frankfurt wirbelten auch die Trommeln, die Soldaten rankten und mordeten weiter, die meisten Menschen wurden bis auf das Hemd ausgezogen, denn „die Schweden waren in voller Action begriffen", und erst als der Schwede einige der miserabelsten hängen ließ, ward ein Ende geschafft. Ganz merkwürdig ist noch, daß Gustav Adolf einen theologischen Grund zur Entschuldigung oder Rechtfertigung des Plünderns fand. Als nämlich der reformirte Superintendent Pelargus in Frankfurt sich beklagte, daß auch er mit ausgeplündert fei, erwiderte der lutherische König: „das sei die gerechte Strafe dafür, daß Pelargus falsche Lehren in die Kirche gebracht". Das sagte der gleiche Gustav Adolf, der wenige Wochen zuvor dem hessischen Gesandten Wolf für den reformirten Landgrafen geant- 396 wartet hatte: „den Unterschied zwischen der veränderten und unveränderten Konfession habe der Teufel erfunden". Tilly war bereits vor Magdeburg, als er erfuhr, der Schwede habe sich gegen Frankfurt gewandt; er brach sofort auf, es war aber schon zu spät. Frankfurt und Magdeburg zugleich zu belagern, hätte eine Theilung der Macht verlangt, und eine getheilte Macht hätte zu nichts ausgereicht. Er legte sich also mit seiner ganzen Macht vor Magdeburg und hoffte zuversichtlich, Gustav Adolf werde sich jetzt in offener Seeschlacht mit ihm messen, wenn er Magdeburg retten wollte. Und jetzt wird Magdeburg der Mittelpunkt des Interesses für den deutschen Krieg. Wir wollen auch hier kurz halten. Magdeburg! Tillh! Der jahrhundertlauge Missethäter, bis er endlich in unserm Jahrhundert doch von der ihm auf- und angedichteten Missethat rein gewaschen wurde. Der Administrator von Magdeburg war Verbündeter Schwedens, und die Stadt suchte allein Heil und Segen bei Gustav Adolf. Warum dieser nicht sofort zu Hilfe eilte, wird wohl ein Räthsel bleiben, glaubhaft ist, daß er sich fürchtete, mit Tilly offen zu kämpfen. Letzterer machte Magdeburg ausdrücklich aufmerksam darauf, „daß es auch nicht die allergeringste Ursache habe zu einer Widergesetzlichkeit und daß es unnöthiger Weise zu den Waffen gegriffen". Dreimal forderte Tilly zur Uebergabe auf, umsonst, er läßt seine Batterien ein fürchterliches Feuer gegen die Stadt eröffnen, umsonst. Ein Theil will Kapitulation, aber Falkenbcrg will nicht, denn der Freund, der Schwede, muß ja zu Hilfe kommen, aber der „Freund" kommt nicht — er rückte ja gegen Wittenberg. Falkenberg liest einen Brief vor, den er vom Schweden vor einer Stunde erhalten habe und worin letzterer versichert, er werde sofort zum Entsatz kommen; der Brief war gefälscht. Ein Prediger erzählt dem Volke, einen Engel habe er im Schweigen der Nacht die Wachen und Wälle umwandeln sehen, und dieser habe ihm verkündet, Magdeburg werde aus dem Kampfe mit dem alten Ruhme hervorgehen. So bethörte lutherischer Fanatismus und schwedische Lügekunst das arme Volk. Wir übergehen der Kürze halber die Verhandlungen im Kriegsrathe, Magdeburg wird eingenommen und geplündert. Daß es an sehr vielen greulichen Scenen nicht fehlte, ist selbstverständlich bei der damaligen Soldateska und bei der großen Erbitterung der Soldaten, bald brennt die Stadt an fünfzig bis sechzig Stellen, aber nicht Tilly hat hiezu Befehl gegeben, denn es brannte zu gleicher Zeit in manchen Stadttheilen, wohin die Kaiserlichen noch gar nicht gedrungen waren. Gustav Adolf wollte Magdeburg nicht retten, aber er hat die Stadt zerstört durch die Verrätherei des Schweden Falkenberg, er wollte Tilly als Massenmörder hinstellen und für alle Zeiten brandmarken, er wollte den Religionskrieg, den er so unumgänglich nothwendig zu seinen ehrgeizigen Plänen brauchte, in Deutschland mit aller und voller Gewalt entzünden. Und der Fanatismus der Demagogen und Prediger wollte nicht, daß die Stadt in die Hände des „gottverdammten Liguisten" falle. Tilly rettete zudem ja die herrliche Domkirche und andere hervorragende Gebäude durch seine Vermittlung allein; er schonte Hunderte und aber Hunderte vor dem Untergang durch seine striktesten Befehle, er — der Mordbrenner! Wohl soll der Schwede auf die Kunde von Magdeburgs Fall geweint haben, Thränen sind oft eine sehr billige, auch eine sehr heuchlerische Waare, und er schwor, diese That an den Urhebern zu rächen, er verstand eben den alten Satz nach seiner ganzen und vollen Wahrheit: „Die Welt will für den Narren gehalten sein!" Er heuchelt dem Kurfürsten von Brandenburg, daß so vieler Christen Blut geflossen und er habe nicht helfen können, er droht mit seinem Abgang nach Schweden, wenn ihm nicht alsbald die protestantischen Stände bei- treten; Tilly's Macht ist zu schwach, um sofort offensiv gegen den Schweden vorzugehen, neue gebildete Regimenter waren nicht für ihn bestimmt, sondern für den neu erwachenden Wollenstem und seine Partei, die Gegnerin des liguistischen Feldherrn. Wie Gustav Adolf den Bogislaw überlistet hatte, so überlistet er jetzt den Herrn von Brandenburg, welches Land sich dem Schweden unterwarf und für den Unterhalt des schwedischen Heeres sorgte. Gustav Adolf ging bei Tangermünde über die Elbe und bezog ein festes Lager bei Werben, Tilly lag ihm gegenüber, und wieder kam es zu einer offenen Feldschlacht nicht; der Schwede ging bei Wittenberg zum zweitenmale über die Elbe. ES folgte die Schlacht bei Leipzig. Die Schweden siegten; der „edle" Kurfürst brannte durch, Tilly wurde dreimal verwundet. Es war die erste bedeutende Schlacht, die Tilly verlor, die kaiserliche Sache stand schlecht. Jetzt ruft der Schwede laut: „unsere Sache gilt der Religion", und nicht mehr erscheint er gewissen Deutschen als der nordische Eroberer, sondern als der neue Heiland des unterdrückten Glaubens, und sie rufen dem Schweden ein Vivat! zu, denn der Gewalt weicht füglich auch die Ueberzeugung. Alsbald wurde Halle schwedische Stadt aus Zwang, und so ging es bei dem „Befreier" Deutschlands ruhig weiter. Der Grundplan war jetzt: „die Sachsen sollten den Kaiser in Böhmen und Schlesien angreifen, die Schweden aber durch Thüringen nach Franken vordringen, den Protestanten in Süddentschland Luft machen und die Staaten der katholischen Fürsten erobern, damit man füglich das Schicksal des ganzen Reiches in die Hand bekäme, die Liga Zerschmettern uvo dem Protestantismus durch die Wahl eines römischen KönigS (!!) von dieser Partei ein entscheidendes Uebergewicht geben könne." So schreibt Becker. Hütte er nicht „schwedischer Kaiser" schreiben sollen? Er deutet es wenigstens als Meinung an und hätte gar nichts auszusetzen, wenn es so gekommen wäre. Nach verschiedenen Zügen, kleineren Attaquen kam der Schwede nach Würzburg, aus welcher Stadt der Bischof geflohen war. Die Stadt ergab sich nach kurzem Widerstand, das Schloß wurde erstürmt, und Gustav Adolf setzte eine schwedische Landesregierung ein und ließ sich huldigen. Die Büchersammlung der Jesuiten ließ er einpacken und schenkte sie der Universität zu Upsala. Die Jesuiten hielt der Schwede überhaupt für seine eigentlichen Feinde. Dies bewies er schon in Erfurt, wo er denselben sagte, „er wisse mehr von ihnen, als sie dächten, ihre Pläne seien schlecht, ihre Wege krumm, ihre Grundsätze gefährlich." Ja, was hatten denn die Jesuiten gethan? was konnten sie denn gethan haben? Sie lebten mit allen im Frieden, bis der Schwede kam und den Unfrieden brachte; weil er den Religionskrieg erzwingen wollte, deßwegen mußten die Jesuiten gesündigt haben. Es ist wohl nicht besonders merkwürdig, daß die Angst vor den Jesuiten auch auf diejenigen in vollem Maße bis heute übergegangen ist, welche nicht höher schwöre», als auf den „Vater" Gustav Adolf. tScbluk folgt.) 397 Die Chronologie des hl. Willibald nach der Klosterfrau von Heidenheim a. H., einer bayer. Schriftstellerin des VIII. Jahrh. Von I. N. Seesried. (Schluß.) V. Der hl. Willibald ist am 7. Juli 779, nicht 7 81 gestorben. Ein bisher nicht bekanntes, sehr ins Gewicht fallendes chronologisches Moment hat mit der Freisinger Vita. Willibalds Holder-Egger zur allgemeinen Kenntniß gebracht, die Abfassung des Originals derselben durch die LruiLtimolnalis zwischen dem 23. Juni 778 und dem Beginn des Jahres 779. Ich habe zwar schon 1859 angenommen, daß Willibald an dem bezeichneten Tage des Jahres 778 seine Reiseerlebnisse der Nonne zu Heidenheim mitgetheilt hat/9 weil das Leben Wunibalds von derselben Nonne kurz nach jenem Willibalds und nach dem Ableben Walburga's (25. Februar 779) geschrieben wurde; nun bestätigt uns die Heidenheimer Schriftstellerin noch speciell und ganz bestimmt, daß ihr der Bischof seine Reisen 9 Kai. llulü, priäia ants solstitüa, Nartia, äls erzählte und diktirte.^) Nach Holder- Egger fiel der 23. Juni (9 Kai. lluk, xrickis ants solstitia) in den Jahren 767, 772 und 77 8 auf den äiss Nartiua; und ist demnach dieser Wochentag des Jahres 778 jener Tag, an welchem der hl. Willibald der Nonne seine Reisen in Heidenheim a. H. bekannt gegeben hat. Der dreijährige Kirchenbau von S. Sal- vator in Heidenheim, die Erhebung der Reliquien seines Bruders (777) und die Einweihung der neuen Kirche (778) führten den ersten Bischof von Eichstütt gerade in den Jahren 776 — 778 wiederholt in die klösterlichen Siedlungen des Bruders und der Schwester auf dem sualafeldischen Hahnenkamm. ^). In der Thatsache aber, daß das Itinarariura Konti ^Villikaläi am Dienstag den 23. Juni 778 in Heidenheim der verwandten angelsächsischen Jungfrau erzählt und diktirt worden ist, finden alle Anstünde, welche die Gegner bislang in die 6krono- loZia Villikaläma hineininterpretirt haben, ihre vollständige Lösung. War nämlich der hl. Willibald 77 Jahre alt, als er starb, und lebte er zur Zeit der Abfassung des Lebens des hl. Wunibald (Frühling bis Sommer 7 7 9) höchst betagt^) noch fort. so ist er eben am 7. Juli dieses Jahres d. h. cleclxxix, nicht ckoelxxxi, im Alter von 77 Jahren in die Gemeinschaft der Engel aufgenommen und am 20. Oktober 702 geboren worden (779 — 77 — 702), nicht 700, wie Hirschmanu und seine Gewährsmänner angeben, und wurde er nach der Lanotimonialia im Alter von 41 Jahren Bischof, so ist er es 743 geworden, denn 702 -s- 41 743. Zugegeben muß allerdings werden, daß das Pontifikalbuch Gnndekars auf tolio 7 °') In den Bruchstücken ist Scparatabdnick S. 16 statt 777 das Jahr 778 zu setzen, ebenso Beilage z. AngSb. Postz. 1893 Nr. 51 S. 2 Abs. 1. ") In omnibns eäitäonibus vox Llrrrtii ommissa, sst, quaro annus anten statui noqnivit. Holder-Egger Ll. O. 88. XV, 81 A. 5. ") Ll. S. 1. e. p»F. 115 u. 117 oai>. 11 n. 13. ") In Vit» VVillibübli eap. 1 sagt die Nonne von ihm: usqua seneetntem proeessum et Imoteuus usqns äoorsxitatis »etatom . . (I. o. IMF. 88), und in Vit» IViiuibalsti redet sie ihn 779 noch als lebend an (l. o. x»§. 117 i» Lue). folgenden Satz enthält, welcher die Quelle alles Irrthums sowohl für das Todesjahr Willibalds wie der Errichtung des Bisthums Eichstätt geworden und geblieben ist bis auf den heutigen Tag:^) „Im Jahre der Menschwerdung des Herrn 781 am 7. Juli wurde der hl. Willibald in die Gemeinschaft der Engel aufgenommen, er war 7 7 Jahre alt und saß 36 Jahre auf dem bischöflichen Stuhle." Wir können jedoch nur die Thatsache, daß der ct- tirte Satz, so wie angeführt, im Pontifikale Gnndekars (1057—1075) kok 7 steht und kok 5 wiederholt worden ist, zugestehen, müssen dagegen mit aller Entschiedenheit die Nichtigkeit des Sterbejahres 781 beanstanden. Offenbar ist die römische Zahl äeolxxxi anstatt der glcichziffrigen Jahreszahl äoolxxix nur durch ein Versehen des Schreibers in den Gundekarischen Text eingesetzt worden, was ganz evident schon daraus hervorgeht, daß Gundekar selbst nicht einmal bloß, sondern siebenmal angeführt hat, die Diöcese sei im Jahre 743 errichtet worden?^) Da Hirschmann mit mir hierüber nicht rechten will, so gehe ich der Kürze wegen hierauf nicht näher ein, kann aber die Bemerkung nicht unterlassen, daß es im Pontifikalbuche Gnndekars II., nachdem die auf Willibald folgenden fünf Bischöfe Geruch, Aganus, Adalung, Altun und Otkar ausgezählt sind und das Sterbejahr Otkars (Otgers) herausradirt und dafür die Zahl äaelxxx (780) mit blässerer Tinte von anderer Hand eingesetzt ist, ausdrücklich heißt: „Diese fünf Bischöfe haben die Gesammtzahl ihrer Regierung fleißig in Eins zusammengefaßt, volle hundert Jahre ausgefüllt." Von dem Nachfolger Otkars Gottschalk wird gesagt, daß er am 12. Nov. 882 gestorben sei und drei Jahre Bischof war??) Es folgt daraus, daß Gottschalk im Jahre 87 9 Bischof wurde, denn 882 — 3 — 879; es folgt aber auch, daß an der radirten Stelle bei Otkar ursprünglich gar keine andere Zahl stehen konnte als 8 7 9, denn wäre, wie jetzt, schon ckeeelxxx (880) darin gestanden, dann würde eine Rasur oder Correktur nicht vorgenommen worden sein; die Zahl äoeolxxxi aber konnte schon um deßwillen nicht im Texte stehen, weil in diesem Falle für die bischöfliche Würde Gottschalks keine drei Jahre, sondern bloß ein Jahr übrig geblieben wäre. Otger oder Otkar starb mithin am 6. Juli äeodxxix °°) Hnno »b meai'U. vomini äoolxxxr 8»notus IViNi- bsläns Xoiiis änlii cousvrtinm consceuäit auqelornw, »st»ts quitziio 1 xxv 11 »nnornwseäit annos XXXVI (L1.8.88. VII, 245 u. 243). °°) 1. o. xriA. 246 u. 247. Zur Weihe des Hochaltars s. Lalvritoris ließ Ginidckar II. coiistatircn: .4uno »d ine. vowini 1060, »nno rintem voustitntionis Imius ei>iseoi>ij 66LXVI1, imlivtioiio XIII, re§n»nte quarto Ilcinrico reFo, construvtnrn et eonssor»tnm est koe altars . . . Der letzte Einer der Zahl 317 ist verwischt, 1060 — 317 ergibt das Jabr 74 3. Ich habe unter Hcchw. Herrn Toiiidckan Dr. Drrn- berger, meinem trüberen verehrten Vorstand im Gcorgiaiiriin zu München, das Poniisicalc selbst einüben dürfen, was dem Hcs- historiographcn Falkcnstein noch nicht gestattet war. L1. O. I. e. 245. Ocker obüt (auf radirter Stelle rleoelxrx) anno, 2. Xon. ckul. »Isti gningus vpiscopi owni eoruin äirectionis uiimero rliliZenter in uunm eolle-ety eeutum »nnos vowp iovorniit. Ootosonlvli vdiit: 882. anno, 2. lä. Xov.; seäit »imo» tres. Aus kol. 243 I. e. liest man «Isti quinque exiseoiij.eeutniu »nuos vivsnrla ooiuxteverunt. und am 7. Juli ckovlxxix, gerade 100 Jahre zuvor, sohin nicht ävolxxxi (781), der hl. Willibald?«) Die Rasur und Correktur der Zahl ckaoolxxix (879) bei Otkar wurde erst nach dem LnonzMus HusarMsis oder von ihm, dem Vertrauensmanne Gundekars, selbst vorgenommen, da bei ihm die Stelle bereits lautet: nOtlrsrus (ostiit) 2. Xon. ckulü anno ad i. I). 8 80." Man sieht, es wurde an der unrichtigen Stelle corrigirt, anstatt äeolxxxi (781) bei Willibald in das richtige ckoalxxix (779) umzusetzen, wurde schon vom HusarauLis oder einem seiner Zeitgenossen das richtige ckooelxxix (879) bei Otkar in das unrichtige 880 umgesetzt?') An Rasuren fehlt es dem Pontifikale Gundekars II. keineswegs, und wenn Suttner in ladula Iwonroäiung, x. 1 erklärte, die Zeitangabe auf lol. 5 des Ouuäs- curiuin ^seäit anuv8 XXXVI" stehe auf einer Rasur, ursprünglich habe XXVII gestanden/') so würde die letztere unmögliche Zahl nur beweisen, daß man zu Gundekars II. Zeit die Nonne von Heidenheim und den hl. Willibald gar nicht zu Rathe gezogen oder aber sehr arg mißverstanden hat?') Warum soll es der historischen Kritik nicht erlaubt sein, das ungeschichtliche, offenbar verschriebene Todesjahr 781 aus der Willibaldinischen Chronologie wieder zu entfernen? Dasselbe ist nicht bloß einer liebgewonnenen Meinung unbequem, sondern der geschichtlichen Wahrheit (in vita staati VCIIibaläi nach der Klosterfrau von Heidenhcim) und der älteren beglaubigten Tradition der Diöcese Eichstätt (im Pontifikale bsati duuäacari II.) stracks entgegen. Daß man den Ausdruck im Gundekarium: anno andern eon8ti tntioois Iiujns exi8ooxii auf die Gründung des BisthumS Eichstätt, nicht auf die Erbauung der dortigen Kathedralkirche, beziehen müsse, habe ich im Jahre 1859 schon in ziemlich schneidiger Weise nachgewiesen; ich unterlasse es, die damals gebrauchten kräftigen Worte hier einzurücken, warum auch den Gegner verletzen? llueunäa oritioa si Linien. Warum gerade ich mich mit den vielen Autoritäten, welche den hl. Willibald erst 786 sterben lassen, auseinandersetzen soll, ist nicht einzusehen. Schon die Dompröpste David Popp und Georg Suttner von Eich- stütt haben die Urkunden, welche scheinbar nach dem 7. Juli 781 aus Willibald lauten, beanstandet und zurückgewiesen; ich gehe einen Schritt weiter und bestreite die Beweiskraft und Echtheit einer jeden auf Willibald bezüglichen Urkunde nach dem genannten Tage 779. Will Jemand sich dieser Urkunden bedienen, so muß er") °') Wäre das Sterbejahr 781 im Pontificale richtig, so würde Willibald nacb den übrigen Angaben desselben im Jahre 701 nicht 700 geboren und 745, nicht 741 Bischof geworden sein, chronologische Ergebnisse, welche sich weder mit den genauen Angaben der Laiietimonialis noch init dem Endresultate HirschmannS vereinigen lassen. (Augsb. Postz. 1894 Nr. 19 S. 152 am Schlüsse.) °°) Ll. E. 83. VII. 254 cap. 2. *°) L. C. Bethmann hat I. o. x. 243 ssetit annos XXXVI, einer Rasur und der Zahl XXVII hat er nicht gedacht. Die Vita IVillibaläi III bei v. Falkenstein 6oä. äipl. 468 aus dem 11. Jahrhundert ipricht nur von einer sicbcn- j ihrigen (per soxtom annos) bisckvsl. Wirksamkeit. Hier scheint mir triAinta. vor soptsin ausgefallen zu sein, weil 713 -s- 37 — 760 ist, in welchem Jahre der gleichzeitige Ungenannte von Hcrricdcn den hl. Willibald hat sterben lassen. °2) Hier insbesondere Hauck und Holder-Egger. Die Behauptung des Leistern S. 88. XV, 106 A. 4), Gundc- kar habe das Todesjahr Willibalds 781 unrichtig vorgetragen, trifft den wahren Sachvcrhalt nicht. Nur soviel kaun zuge- beweisen, daß sie echt sind und auf den Bischof Willibald von Eichstätt, den großen Chronologen aus dem 8. Jahrhunderte, sich beziehen. Die Urkunde vom 8. Oktober 786 (v. Falkenstein 6oä. äixl. pa§. 1) bezieht sich nicht auf den ersten Bischof von Eichstätt (Suttner, Pastoralblatt der Diöcese Eichstätt 1881 S. 59). Ich habe nicht Alles besprochen, was sich in der Kritik Hirschmanns beanstanden läßt, sondern nur die wesentlichsten Punkte herausgehoben. Das Resultat der Antikritik konnte nicht zweifelhaft sein, weil gegen die Autorität des hl. Willibald und der Nonne von Heidenheim aus dem 8. Jahrhunderte eine spätere aus dem 11. und 13. Jahrhunderte herrührende entgegengesetzte Chronologie nicht aufkommen kann und niemals ausgekommen wäre, wenn nicht das unkritische spätere Mittel- alter Willibald und Wigbert, Erfurt und Eichstätt bezw. den 1oou8, Hui olim tuit urli8 xaZauoruia und das eingebildete famose ^ursatuw, das niemals cxistirte, mit einander verwechselt hätte. Daß diese Verwechslung d. h. die spät Mittelalterliche Tradition aufgegeben und die Urtradition wiederhergestellt werden muß, kann angesichts der bestimmt und genau gegebenen Daten der Klosterjungfrau von Heidenheim, welche ihre freie Meinungsäußerung und Redefreiheit gegenüber von einigen Autoritäten") ihrer Tage so kühn und glänzend vertheidigt hat, keine Frage mehr sein. Das liebenswürdige Urtheil des Ungenannten von Herrieden, daß die Lanetilrwmalw (nicht wie er angibt die hl. Walburga) vita.3 tratrurir 8iinxlieit6r Zwickern 8vä plenitsr et veraei88irne 8erix3i886 (LI. 6. 88. VII, 255 o. 3), unterschreiben wir recht gern, für das anerkennende mmxlieiter aber mit Holder-Egger 3irnxlioi88iins zu setzen, dazu können wir uns nicht verstehen (LI. 6. 88. XV, 80 A. 4 u. 82). Wir haben eine viel höhere und bessere Meinung von der 8anoti- rnoniaÜ3 Heicksnsioimeiwm und von den Verdiensten Jakob Brückls in Eichstätt als Holder-Egger und theilen die Ansicht desselben nicht, daß die Freisinger vita IVillibalcki fast bis in die Tage unserer heimischen Schriftstellerin hinaufreicht und die vielen Fehler, welche ihr zugeschrieben werden, alle auf ihre Rechnung gesetzt werden dürfen,") doch darum handelt es sich nicht, sondern darum, daß das Bisthnm Eichstätt im Jahre 743 constituict worden ist, wofür sich im Jahre 778, einen Tag vor Sonnenwende, der hl. Willibald und im XI. Jahrhundert der selige Gundekar klar und deutlich genug ausgesprochen haben. Ihnen zufolge wurde Willibald am 20. Oktober 743 Bischof von Eichstätt in einem Alter von 41 Jahren; er war demnach erst im Jahre 702 geboren, folglich 1 Jahr jünger als der 701 geborene Wunibald, und erst 18 Jahre alt, als er sich zum erstenmal auf die Wanderung nach Rom begab (8anotimoniaIi8 IlaickLulisiinoirsio); er hatte den bischöflichen Stuhl in Eickstätt 36 Jahre inne und starb somit am 7. Juli 779 in einem Alter von 77 Jahren (Pon- iifikale). geben werden, daß der Abschreiber die richtige Zahl äoolxxix in die falsche äoalxxxi verschrieben hat. °") Ueber Autoritäten und ihren Werth dürfte die Rede des Rektor Magnificus vr. Kuöpfler in München vom 25. Novellier 1893 zu vergleichen und wohl zu beachten sein. Wir bedauern, daß wir unsere uralten heimischen Quellenschriften nunmehr über Berlin und Hannover beziehen müssen und Commentare dazu erhalten, womit wir uns nicht immer einverstanden erklären können. 399 Wir geben zum Schlüsse die aus der Klostersrau von Heidenheim bereits im Jahre 1859 gewonnenen Resultate und werden, wenn es verlangt wird, von den 18 Nummern unserer damaligen Arbeit noch weitere Bruchstücke oder Fragmente, z. B. über ^urantuni und die exiscoxi ^urentsnsss, Eichstätt ein bayerisches Bisthum u. s. w-, der Oeffentlichkeit übergeben. Passau, am Tage Maria Magdalenä 22. Juli 1894. t/dronalvAi» HVilülralÄjira nach der Klosterfrau von Heidenheim a./H. 778. (Willibald, geboren am 20. Oktober 702.) 720 20.—23. Juni. Willibald (18 I. alt) und sein Bruder Wunib ald (19 I. alt) verlassen mit dem Vater die Heimath. „ c. 1. Juli besteigen dieselben in Hamblehaven das Schiff. „ 11. Nov. (Mariini) Ankunft der Bruder in Rom. 722 nach dem 24. Juni (Johannis) erkranken beide am Fieber. 723 nacb Ostern (28. März). Reise Willibalds in den Orient. 724 Osterseier (16. April) in Paphos auf der Insel Chpern. „ nach dem 24. Juni Abfahrt von Constantia (Sala- mina) nach Syrien. „ Juli bis Dez. Gefangenschaft in Homs (Emesa). 725 Reise nach Damaskus, Galiläa, an den Jordan und Jerusalem. (I) „ (Ostern, 8. April in Tiberias am See Gcnesarcth; im Sommer längerer Aufenthalt in Cäsarea Philipp!; 11. Nov. (Martini) Ankunft in Jerusalem.) 726 Reise über Bethlehem nach Gaza und zurück nach Jerusalem. (II) Reise über Tyrus und Sidon nach Damaökus und von dort über Cäsarea Philippe nach Jerusalem. Pestjabr. 726/27 Ueberwinterung in Jerusalem. (III) 727 Reise nach Syrien. In Salaminias krank bis 1 Woche „ vor Ostern (13. April). Emesa, DamaSkus, Jerusalem. (IV) „ Reise über Sebaste nach Tyrus. „ 30. Nov. (Andreas) Einschiffung in Tyrus nach Konstantinopel. 728 28. März (eine Woche vor dem 4. April, Ostern) Ankunft daselbst. 723—730 zweijähriger Aufenthalt in Konstantinopel. 730 Rückreise nach Italien. 780(Herbst) — 740 Nov. Aufenthalt auf Monte Cassino. 740 30. Nov. (Andreas) Ankunft in Rom. 741 nach Ostern (9. April) Reise nach Bayern. 742 22. Juli Priesterweihe in Eichstätt. 743 20. Oktbr. Bischofsweihe in Sulzebrucke (Tbüringcn). 761 18. u. 19. Dez. in Hcidenheim (Ableben WunibaldS). 765 Willibald unterscbrnbt daS Concil von Attigny. 776—778 befindet sich derselbe im Sommer und Herbst zu Heidcnheim. 778 am 23. Juni erzählte und diktirte er der Nonne seine Reisen. 779 am 7. Juli starb er im Alter von 77 Jahre». -i- 728 Rückkehr WunibaldS nach England, k 729/30 zweite Reise desselben nach Rom. 735 nach Ostern Abgang in die thüringische Mission. 736 Priesterweihe. Steht in Tbüringcn sieben Kirchen vor. 744 an der Vils in der Oberpfalz thätig. 747 in Mainz. 750 in Heidenbcim a./H. Abt. 761 19. Dez. Ableben WunibaldS. 77? 24. Sepr. Erhebung der Reliquien desselben durch Willibald in der Salvatorkirche zu Hcidenheim. Berichtigung. In Beilage Nr. 43 S. 379 Spalte 2 Zeile 5 ist zu lesen Juni statt April, Nr. 49 S. 389 Spalte I Zeile 25 dann statt denn, Nr. 49 S. 390 Spalte 2 Anm. 49 ll.nren.to start Hureo. Recensionen und Notizen. „AlräunchenS Kräuterbuch." Literarischcs Institut von Dr. M. Huttler. —4 „Alräuuchens Kräuterbuch", welches schon bei seinem ersten Erscheinen mit aufrichtiger Freude von Alt und Jung begriffst worden war, ist uns vom Verleger aufs Neue inso- ferne unter dankenSwerth günstigen Bedingungen voraelcgt worden, als für das ganze aus vier Tbeilcn bestehende Werk der Gesammtpreis M. 20 — anstatt M. 25 wie bisher — festgesetzt worden ist. Die einzelnen Theile sollen zu je 5 bezw. 6 M. abgegeben werden. Theil I, „der da handelt von allem, was mit dem täglichen Leben zu schaffen hat", und Theil II, in dem man von den sog. „Zauberkräutern" erfahren wird,, deren seltsamer Gebrauch zumeist der alten Heidenzeit entstammt, können zusammen als der weltliche Theil des Werkes für sich als Ganzes gelten; ebenso der III. u. IV. Theil, welche in die „christliche Pflanzenmystik" einführen. Dadurch dürste die Kenntnißnahme dieses mit ernstem Forscherfleiß gesammelten, mit historischem Sinn ausgearbeiteten und von feinster Naturempfinduug durchdrungenen Werkes für ein größeres Publikum ermöglicht werden. Vor allem möchten wir aber der reiferen Jugend an's Herz legen, sich mit dem durchaus eigenartigen Buch bekannt zu machen, da eö besonders dazu geeignet ist, das Interesse für kulturgeschichtliche Botanik zu wecken. Für eingehendere Studien auf diesem Gebiete bietet daS jedem Theil angefügte Quellenregister einen unschätzbaren Wegweiser. Möchte „AlräunchenS Kräuterbuch" recht viele Weihnachtstische schmücken! Maria im Bilde. 12 Darstellungen im Lichtdruck. Verlag von Paul Neff, Stuttgart. 18 M. * Diese Collectiv» ist das erste Prachtwerk, welches wir zur bevorstehenden Weihnachtssaison anzuzeigen haben. Eö sind hier 12 Marienbilder nach den berühmtesten Darstellungen alter Meister geboten, nämlich: La Madonna di Sän Sistino, Madonna della Sedia und La belle Jardinisre von Naphael, die Conceptio Immaculata von Murillo, die Madonna della Scala von Correggio, die Madonna mit dem Bürgermeister von Holbein, die Vierge aux rochers von Lionardo da Vinci, die Himmelfahrt Mariens von Tizian, Maria mit den Heiligen von Rubens, die heilige Familie mit Engelsknaben von Guido Reist, Madonna mit Engeln von A. Dürer. Die vorliegenden Reproduktionen dieser berühmten Meisterwerke sind in Pboto- typie von der Hofkunstanstalt Rommel u. Co. ganz vorzüglich ausgeführt, und zwar 11 von ihnen nach auserlesenen Kupferstichen und eine nach einem Original-Holzscbnitt. Die Große der Blätter ist (mit Rand) 45:33. Die Sammlung ist von einer magnisik ausgestatteten Mappe umschlossen. Das Ganze eignet sich namentlich als prächtige Gabe auf den Weihnachtstisch, und wir wünschen dem Werke umsomehr recht viele Freunde als der Preis verhältnißmäßig nieder gestellt ist. Gegenüber den Darbietungen verkehrter moderner Kunst ist es immer wieder ein Hochgenuß, sich an jenen Meisterwerken zu laben, in denen zumeist in glücklichster Weise berechtigter Realismus mit dem höchsten Idealismus sich paart. Zum neuen Jahrei Eine Oktave ABC-Studien aus der Fibel und Bibel zur Anregung und Unterhaltung für Junge und Alte, die sich in der Schule des LebeuS für die ewige Oktave vorbereiten. AuS der Mappe eines bemoosten Hauptes von Carl Maria Sam berge r. Bamberg 1895. 175 S. kl. 8°. Druck von Paul Franke. Commiss.-Vcrlag Schmidr'sche Buchhandlung (Schindler). Pr. 2 M- — Wie der launige Titel, so der Inhalt des Büchleins, das wir hicinit anzeigen und empfehlen. Es ist ein wahrer Stapelplatz von hohem Ernst und geflügeltem Scherz, von reicber Erfahrung und Lebensweisheit, von echter Religiosität wie von Wissen und Kunst, aus welchem allem manchmal anhaltenver, manchmal wie im Fluge genippt wird. Mitten aus dein Felsen der Prosa rinnen und sprudeln öfters, wie bei Scb. Brunner, poetische Adern. Obgleich man ein strenges System nach der leicht geschürzten Anlage des WerkchenS nickt suchen darf, so bcrrscbt doch nicht pure Willkür oder Unordnung. Die musikalische Oktave gibt das allgemeine, das Alphabet das untergeordnete Sckema ab, in welches der gciniilhvolle Autor seine Gold- und Silbctkörner unterbringt und wie an einem Faden lose reiht. Auch der Weihnachtstisch, für welchen daS Büchlein sich trefflich eignet, und der Weibnachtsbaum bietet seine Gaben nicht im strengen System, sondern mehr bunt, aber insofern um so angenehmer geordnet, weil man sie, ohne sich 400 besonders anzustrengen, abpflücken und genießen kann. Möge das Werkchcn Viele nützlich crsrencn! Dr. K. Der Gottesbegriff in der neueren und neuesten Philosophie. Von Dr. M. Gloßner, Kanonikus, Mitalied der römischen Akademie des hl. Thomas. S. 80, 8°. Padcrborn 1894, Schöningh. Preis: M. 1,80; für Abonnenten dcö Commer'schcn Jahrbuchs: M. 1,20. 0. v. I/. Zum „Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie" werden von nun an auch Ergänzungöl,efte erscheinen. Abonnenten des Jahrbuchs erhalten dieselben zu einem ermäßigten Preise. Das erste Ergänzungshcft liegt uns unter dem angegebenen Titel vor. Format nnd Ausstattung ist ebenso wie beim Jahrbuch nnd macht der VcrlagShandlung alle Ehre. Wir können das Heft kurz Kritik einer Kritik nennen. In eingehendster Weise bespricht der so rührige Verfechter der Lehre des hl. Thomas, Dr. M. Glvßner, das Werk: „Die deutsche Spekulation seit Kant mit besonderer Rücksicht auf das Wesen des Absoluten nnd die Persönlichkeit Gottes." Von Dr. A. Drcws. 2 Bände, Berlin 1893. Der Verfasser, ein Jünger Ed. v. Hartmann's nnd Anhänger der Philosophie dcö Unbewußten, bietet darin eine ausführliche Darstellung der Geschichte des modernen spekulativen Gottcsbegriffs. Die Absicht ist gerichtet auf eine Prüfung der spekulativen Shsteme (seit Kant) nach ihrem Werthe und ihrer Bedeutung für das Ganze der spekulativen Jdeenentwickelung. Gloßner folgt dem Verfasser auf seinem Gange durch die Jrrpfade der movcrnen Systeme. Der philosophische Nihilismus zeigt sich so handgreiflich als das folgerichtige Endergebniß deö DeScartes-Kant'- schen SnbjectiviSmus. In „I. Allgemeine Erörterung" wird zunächst erklärt, was der sogen, spekulative Gottesbegriff der neueren Philosophie sei, wie er sich entwickelt vom dogmatischen Pantheismus aus durch Kant nnd Hegel hindurch. Vorläufer Kants sind CartcsiuS, Malebranche, Leibniz, Spinoza. Die Uebersicht des Verfassers über die Entwickelung des religiösen und philosophischen Gottcsbegriffs von ihren vermeintlichen Ansängen an (Einleitung des Werkes) wird in manchen Punkten berichtigt. Dann kommen der Reihe nach zur Sprache: II. Der Gottesbegriff Kants. III. Der angebliche naive Pantheismus (Fichte, Schelling, Schleiermacher, Hegel). IV. Der spekulative TheismnS(Baader, Schelling in der späteren Periode, der jüngere Fichte, Weiße, Fischer, Sengler, Günther, Weber, Deutinger, Nosenkrantz, Dörner). V. Ilnitari scher Theismus (Jakobi, Krause, Herbart, Braniß, Rothe, Chalybäns, Fcchner, Lotze, Nohmer Ulrici, Carriere, LiPsiuS). VI. Pseudoth eismuS (Latke, Wirth, Biedermann, Sicndel, Frohschammer). VII. Radikaler Atheismus (Feuerbach, Strauß, Büchner, Häckel, Czolbc, Dühring, Planck, Mainländer, Bahnsen). VIII. Jndifserentistischer Atheismus (Hcllenbach, Du Prel, Wundt). IX. Antitheist- ischer Atheismus (Schopenhauer, Michelet, v. Hartmann). AnS der Besprechung ergibt sich ein entschiedenes Vcrwerfungs- urthcil über diese gesummte Entwickelung, welche endet in der Philosophie des Unbewußten mit einem unbewußten unpersönlichen Gott. Retten kann nur ein Mittel: die Rückkehr znr christlichen, patristisch-scholastischcn d. i. echt theuristischen Philosophie, wie es immer wieder der hl. Vater betont. — Somit liefert denn Gloßner einen wcrtbvollen Beitrag znr Geschichte der neueren und neuesten Philosophie. Eben am GotteSbcgriffe haben wir auch einen Maßstab zur richtigen Würdigung der einzelnen philosophischen Systeme. Und darum müssen wir vr. Gloßner für seine Arbeit allen Dank sagen. Leontius von Byzanz, ein Polemiker aus dem Zeitalter Jnstinians. Von vr. tlwol. k. Wilhelm Rügamcr, 0. 8. L. Preisgekrönte Schrift; Würzburg 1891, bei Göbel; VIII nnd 176 S. ö. Der Verfasser vorstehender Schrift, vier Jahre lang als Kaplan in der Diöcese Würzburg thätig, seit einem Jahre Mitglied dcS Augustiner-Klosters zu Münnerstadt, sowie Ncligions- lebicr und Lobrer der hebräischen Sprache am dortigen Gymnasium, übergibt hier seine als Alumnus im Jahre 1887/88 gelöste PreiSanfgabe in neuer Ueberarbcitung der Öffentlichkeit. Durch die Encyklika Lco's XIII. vom 20. Juni lfd. Js., nt ownes sint nimm, worin er die morgcnländischcn Völker auffordert zum Studium ihrer Vater, um sieb zu überzeugen, daß ihre Vorfahren dasselbe glaubten und lehrten, was die römisch- katbolische Kirche glaubt und lehrt, sowie durch die vor Kurzem in Rom tagende Versammlung der orientalischen öcumenischen Patriarchen, wird die Aufmerksamkeit der Abendländer auf die griechischen Vater der ersten Jahrhunderte in erneutem Maße hingelenkt. Schöne Frückte hat bereits die historisch-kritische Methode der theologischen Wissenschaft hervorgebracht, und dürfen die kath. Theologen hierin nicht zurückbleiben. Im I. historischkritischen Theil behandelt der Verfasser die dem L. zugeschriebenen Werke unter steter Berücksichtigung der neuesten einschlägigen Literatur und dann das Leben desselben, 1—68; im II. dogmen- historischcn Theile wird nachgewiesen, daß die Lehre des Leontius mit der der katholischen Kirche übereinstimmt. Von besonderem Interesse ist es, daß Leontius als Apologet die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon vertheidigt und als Polemiker gegen die Nestorianer und Monophhsitcn, von denen ja verschiedene Sekten noch bestehen, die jetzt zur Wiedervereinigung mit der Kirche eingeladen werden, auftritt. Trug er ja dadurch viel zur Befestigung der Kirchengemeinschaft des östlichen Theiles mit Rom bei. Welchen Einfluß L. auf die Theologie der spätern Zeit hatte, gebt daraus hervor, daß er als „Vorläufer" des Johannes v. Damaskus, des „Vaters der Scholastik", bezeichnet wird. Mag auch manchmal der Kritiker an vorliegendem Werke etwas auszusetzen haben, mag er manchmal eine präcisere oder prägnantere Definition wünschen, — mag auch die Schrift noch nicht eine endgültigte Lösung der Frage nach dem Leben, den Werken und der Bedeutung dcö L. als Kirchen- schriststeller sein, wie Verfasser selbst S. 1 n. 175 bemerkt, — als ein wichtiger Beitrag dazu muß sie aber angesehen werden. Soll der Wunsch des hl. Vaters betreffs Wiedervereinigung der nicht nnirten Orientalen in Erfüllung gehen, so darf daS Studium der byzantinischen Kircbenschriftstcller der ersten Jahrhunderte nicht außer Acht gelassen werden, wie Verfasser mit Recht zum Schlüsse bemerkt. Volle, lsZol L. v. Hammerstein, „Edgar" oder „Vom Atheismus znr vollen Wahrheit". 8. Aufl. Trier, 1891. - „GottcSbcwcise" nnd moderner Atheismus. 4. Aufl. Trier, 1894. Verlag der Paulinusdruckerci. O Von den genannten Büchern werden nnS neue Aus- lagen geboten, die in mehrfacher Beziehung die früheren überflügeln. „Edgar" ist um Vieles vermehrt worden; anderes wurde neu gefaßt nnd überarbeitet. Der Literaturnachweis am Schlüsse ist mit den neuesten Erscheinungen vervollständigt und eine Tafel — graphische Darstellung einiger der bekannteren christlichen Confcssioncn — ist am Schlüsse angefügt. — Die „GottcSbeweise" bilden den ersten Band einer christlichen Apologie; sie wenden sich gegen den Atheismus niid Nationalismus und schaffen die Grundlage für den Beweis des Christenthums. Auch dies Buch wurde einer genauen Durchsicht unterzogen und mehrfach erweitert. Im Interesse der praktischen Bcnutz- barkcit des Buches wäre cS aber doch vielleicht besser gewesen, wenn der Herr Verfasser seinem Impuls gefolgt wäre und die spekulativ-philosophischen Kapitel weiter zurückgestellt hätte. Der christliche Vater in der modernen Welt. Vo» August in Egg er, Bischof von St. Gallen. Verlag von Benziger n. Co., Einsicdeln. Preis M. 1,30. (Fein gcbd. zu M. 2—3,20.) * Der bocbwürdigste Herr Verfasser, dessen Fleiß und Talent die katholische Welt schon eine Reihe sehr dankcnswerther Publikationen verdankt, bietet in diesem von der Verlagshand- lnng sehr hübsch ausgestatteten Buche (handliches Gebetbuch- Format, 511 Seiten) dem christlichen Vater einen treuen Führer, der ihm durch die Schwierigkeiten und Hindernisse der modernen Welt den rechten Weg zeigt, um seiner hohen Ausgabe gerecht zu werden und sich und seine Familie und damit auch die Gesellschaft zu beglücken. Es sind Belehrungen, die aus warm fühlendem Herzen kommen und von einem klaren Geiste diktirt sind. Sie umfassen das Leben und Wirken eines Vaters in seiner ganzen Mannigfaltigkeit nnd in seinem Verhältniß zu Frau nnd Kindern, zur Kirche, zur Oeffentlichkcit u. s. w. Probeweise greifen wir folgende Stelle heraus: „Wenn das Kind sich gut hält, so sei man mit dem Lobe nicht verschwenderisch und mit Belohnungen sparsam. Dieselben sind nicht ausgeschlossen, aber man sehe sich vor, daß man damit daS Kind nicht verziehe. Es ist bald geschehen, daß das Kind nur um einer Art Eigennutzes willen gehorcht, und das darf nicht sein. Ist es auch für höhere Beweggründe noch wenig zugänglich, so muß doch für diese der Raum in seinem Herzen offen bleiben." Möge dies in seiner Art classische Buch, das im zweiten Theil die gewöhnlichen Andachtsübungcn eines kathol. Christen und eine Anzahl Gebete für einen christl, Vater in den verschiedenen Anliegen seines Berufes enthält, recht weite Verbreitung finden und vielen Segen stiften! 'Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erahherr in Augsburg.