Die Apostclgruft liä (ülLtlirriiWlE an der Via Appia. So betitelt sich eine in hohem Grade interessante Schrift des unermüdlichen Archäologen Msgr. Dr. Ant. de Waal, welche vor Kurzem als drittes Supplcmenthcft der von dem nämlichen Autor in Verbindung mit dem Historiker Pros. Finke herausgegebenen Römischen Quartalschrift erschien?) Es ist eine auf Grund der neuesten Ausgrabungen fußende historisch-archäologische Untersuchung über den Ort an der Kirche von S. Sebastians, wo nach verbürgten Zeugnissen des christlichen Alterthums die Leiber der Apostelfürsten eine Zeit lang beigesetzt waren. Ihr großer Werth liegt darin, ein neues kräftiges Beweismoment in dem Complexe von Fragen, welche sich an die Tradition von der Anwesenheit des hl. Petrus in Rom knüpfen, in den Vordergrund gerückt zu haben. Die Kritik, welche sich gegen die traditionellen Nachrichten über den hl. Petrus zu Rom ablehnend verhält, ist gegenwärtig in einem Stadium der Rückbildung begriffen. „Abgesehen von einzelnen Gelehrten, welche hartnäckig den allgemach antiquirten Standpunkt vertheidigen, sagt de Waal, ist der Verlauf der Opposition gegen die römische Tradition folgender: Petrus ist nie in Rom gewesen. Er ist zwar in Rom gewesen, aber er hat doch dort nicht als Bischof gewirkt. Er ist zwar (nicht bloß als einer von den zwölf, sondern als der erste von den Aposteln) dort thätig gewesen, allein er ist nicht in Rom gestorben. Er ist freilich daselbst gestorben; allein sein Grab ist unbekannt." (S. 24.) Daß nun die römischen Ueberlieferungen auch bezüglich der Ruhestätten der Apostelfürsten trotz der Irreleitung, welche sie durch den Wandel der Dinge im Laufe der Jahrhunderte in nebensächlichen Momenten erfahren haben mögen, in der Hauptsache auf einen festen und sicheren Ausgangs- und Anhnltspunkt zurückweisen, das an einem Beispiele zu zeigen, ist de Waal in der vorliegenden Schrift nach unserem Ermessen in ebenso überzeugender als überraschender Weise gelungen. Die Tradition bezeichnet die sogenannte Platonia an der Kirche S. Sebastian», einen unterirdischen halbrunden, nach rückwärts gerade abschließenden Raum, den ein Tonnengewölbe deckt, als zeitweilige Ruhestätte der Apostelfürsten. Inmitten dieses Raumes steht ein ausgemauerter hohler Altarstock, dessen Fenestellä die Kommunikation mit einer kleineren, tiefer liegenden Grab- kammer mit bisomer Tumba (Grab für zwei Leichname) vermitteln. Hicher sollen die Leiber der Apostel gebettet worden sein, als orientalische Christen, wie die Sage berichtet, den Versnch gemacht hatten, sie in ihre Heimath zu entführen, aber durch ein Erdbeben und die nacheilenden Römer beim dritten Meilensteine vor dem Appischen Thore gezwungen wurden, ihren Raub zurückzulassen. Als historischen Kern dieser vielinterpretirten Legende glaubt de Waal folgendes zu erkennen: Die in Rom ansässigen Jndenchristen hätten den Versuch gemacht, gleich nach dem Tode der Apostel sich in den Besitz ihrer Leiber zu setzen, weil sie ein größeres Anrecht darauf zu haben glaubten und ihrer Partei ein kostbares Palladium sichern wollten. Die Absicht einer Neberführung in den ') Rom 1894. In Commission der Herdcr'schen Verlagsbuchhandlung zu Freiburg i. B. und der Buchhandlung Spit- höver zu Nom. Orient sei spätere Zuthat (S. 51). Hier nun hätten die Reliquien ungefähr anderthalb Jahre geruht, nämlich bis zum Bau der Memorier durch Anaklet auf dem Vatikan. Als de Waal über die ersten Ausgrabungen in diesem Raume berichtete 2) — sie begannen im Winter 1892 —, konnte er von mannigfachen Spuren, welche die ersten christlichen Jahrhunderte dort hinterlassen hatten, erzählen, während sich über die ursprüngliche Bestimmung des Raumes noch tiefes Dunkel legte. Erst nach Wiederaufnahme der Arbeiten im folgenden Jahre begann sich dasselbe zu lichten. Nun aber mußte eine Thatsache con- statirt werden, die ganz und gar unerwartet kam, die Thatsache nämlich, „daß die Platonia gar nichts mit den Apostelreliquien zu thun hat", daß sie der Bergungsort der Reliquien des heiligen Bischofs und Marthrcrs Quirinus ist, welche ungefähr in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts aus Pannonicn nach Nom geflüchtet worden waren: „II Nrrusoloo