An. 52. Wage zur AugckM Weitung. 27. DeM. 1894. Vn. L. Pastor, Geschichte der Päpste feit dem Ausgang des Mittelalters. II. Band.*) T Noch ist der dritte Band von Pastors Geschichte der Päpste nicht erschienen, da ist schon eine neue Auflage des zweiten nöthig geworden. Das ist der beste Beweis für die Vortrcfflichkeit des vorliegenden Werkes, auf das die Freunde stolz sein können und das auch die Gegner anzuerkennen sich genöthigt sehen. Ob- schon ja die Papstgeschichte schon mehrfach behandelt worden ist, besaßen wir dennoch bislang keine im christlichen Geiste geschriebene Geschichte der oatllaclrn katri, keine, die mit solch eminentem Fleiße — der Nachweis der benutzten Literatur füllt bereits 31 Seiten — gearbeitet ist. Dazu kommt noch als unschätzbares Moment die intensive Benützung des päpstlichen Geheimarchives, wie sie vorher keinem Forscher möglich war. Und daneben die Ausbeute von über 90 anderen Archiven und Handschriftensammlungen! Der vorliegende Band umfaßt die Geschichte der Päpste Pius II. (1458-64), Paul II. (1464-71) und Sixtus IV. (1471—84). Er zeigt uns das Ringen der Päpste am Vorabend jenes unheilvollen 16. Jahrhunderts einerseits gegen die sich mehrende Mißachtung ihrer Würde, andererseits gegen die unaufhaltsam gegen das Abendland anstürmende Türkcnwuth, sowie ihr Bestreben, durch eine Reform des Clcrus die Kirche von innen heraus zu läutern und zu kräftigen. Wir sehen die Nachfolger Pctri als die einzigen Vertreter des christlichen Gedankens und der christlichen Einheit gegen den Islam, während die Fürsten und Staaten in gegenseitiger Eifersucht und Mißgunst sich zu keiner wirksamen Bekämpfung des Erbfeindes aufzuraffen vermögen. Der greise Pins stirbt darüber in Ancona; sein Nachfolger will selbst den vierten Theil seiner Einkünfte zu einem Krenzzug bestimmen; er unterhandelt mit den Feinden der Türken im Orient, um diese von zwei Seiten zu fassen, obschon der trübselige Verlauf des Tages zu Wien von Seite Deutschlands wenig oder gar nichts erwarten ließ. Der Papst starb über den Verhandlungen. In Deutschland blieb alles liegen, die Türken mußten erst im Herzen des Landes: vor Wien, stehen, ehe sich der schwerfällige Reichskörper zu einer Reaktion aufraffte. — Die erste Regierungshandlung SixtuS' IV. war wieder die Berufung eines Türken- congresses zur Berathung eines Kreuzzuges — vergebens — „alles scheiterte an der Gleichgültigkeit und den Sonder- intercssen der Fürsten". Der Papst läßt sich nicht ent- muthigen, knüpft Verhandlungen mit dem Turkmanen- fürsteu Usunhassan an, sendet in die christlichen Staaten Legaten, erläßt eine feierliche Bulle und fordert die ganze Christenheit zur Gegenwehr auf. Von 1471 — 72 hatte der Papst 144,000 Golddukaten für die Ausrüstung einer Türkcnflotte aufgewendet. Im Verein mit den Schiffen Venedigs und Neapels waren es 87 Galeeren. Aber Eifersucht zwischen diesen Staaten zerriß den Bund. 1475, als die Türken neue große Erfolge errungen hatten, erhob der Papst wieder seine Stimme, und nochmals 1481. Wie einst *) Zweite vielfach umgearbeitete und verbesserte Auflage. Freibmg: Herder 1894. Ungebd. 10 M., gcbd. 12 M. Eugen IV. wollte er seine Mitra verpfänden, sein noch übriges Silbergeschirr verkaufen. — Alles war vergebens. Der beschränkte Raum verbietet uns, auch auf die Darlegung der anderen großen Ziele des Papstthums jener Zeit des näheren einzugehen. Wir verweisen auf das Buch Pastors selbst, dessen Gründlichkeit und Klarheit auf jeder Seite sich offenbart. Erwähnen wollen wir noch, daß der Verfasser seinem Werke eine Reihe von bislang unbekannten Urkunden (141) angefügt hat, die dem Text zur Ergänzung und Erläuterung dienen. — In einem 38 Seiten umfassenden Nachwort beschäftigt sich Pastor mit einigen seiner Kritiker. Daß ein solches Werk gar vielen unbequem ist, kann nicht Wunder nehmen, und darum wird eben versucht, es kritisch todt zu machen. Pastor wendet sich vor allem gegen Druffel, dessen einseitiger Standpunkt ja auch in der Vorrede zu den „Briefen und Akten zur Geschichte des 16. Jahrhunderts" genugsam hervortritt. Er erfährt eine ebenso ausgiebige, wie verdiente Zurückweisung. Freilich wird das besonders bei verschiedenen Münchener Gelehrten, die mit bayrischem Geld Werke herausgeben, durch welche direkt und indirekt an der Herabsetzung bayrischer Fürsten gearbeitet wird, nicht allzuviel nützen; aber die Art und Weise ihrer Kritik wird wenigstens bekannt. ?. Denza f. * k. Denza, der Direktor des vatikanischen Observatoriums, dessen Tod wir kurz gemeldet, war ein Mitglied des Barnabitenordens. Wie der Osservatore Nomano in einem ausführlichen Lebensbild des Verstorbenen mittheilt, wurde derselbe zu Neapel am 7. Juni 1834 geboren. Im Jahre 1850 trat er zu S. Agostino di Resino als Novize in den Baruabitenorden. Seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt er in dem Kollegium von S. Ftlippo in Macevata und in dem Kollegium S. Carlo in Rom, wo er am 15. August 1855 feierlichst die Ordensgclübde ablegte. Am 18. September 1858 wurde er zum Priester geweiht. Als Professor der Mathematik und Physik wirkte er eine Reihe von Jahren zu Moncalieri, wo er sich durch gediegene wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiete der Mathematik und Meteorologie und als Direktor des dortselbst von ihm begründeten Observatoriums, welches er bis zum Jahre 1890 leitete, einen bedeutenden Namen machte. Im Jahre 1886 erlitt er einen Schlaganfall, welcher seinen rechten Arm lähmte. Das hinderte ihn aber nicht, seine Studien und wissenschaftlichen Arbeiten fortzusetzen. Im Jahre 1859 begründete er das Bolletino Meteorologico, welches er bis zu seinem Tode leitete; er begründete ferner die Corrispondenza Alpino-Apennine, welche in ganz Italien Verbreitung fand. Im Jahre 1860 versuchten ihn der Senator Matieucci und der Unterrichtsminister Berti zur Uebernahme der Leitung der Meteorologie Jtaliana in Florenz zu bestimmen; er schlug aber diese Srellung stets aus. Im Jahre 1876 wurde er zum Mitglied des Direktionsraths der Meteorologie Jtaliana ernannt. Im Jahre 1878 nahm er als Delegirter der Regierung an dem internationalen meteorologischen Kongreß in Paris theil, zu dessen Ehrenvorsitzendem er gewählt wurde. Im Jahre 1881 gründete er die LoeietL vastsorologion ituliaua, welche ihn zu ihrem Präsidenten wählte. Im Jahre 1888 trug er dem Papste den Plan der Wieder- 410 begründung des Vaticamschen Observatoriums vor, welcher beim Papste eine günstige Aufnahme fand und alsbald realifirt wurde. Im September 1890 wurde er zum Direktor des neuen vaticamschen Observatoriums ernannt, welches unter seiner Leitung alsbald einen großen Aufschwung nahm. k. Denza hat ein überaus reiches wissenschaftliches Schaffen entfaltet. Sein eigenstes Gebiet war die Astronomie, doch hat er sich durchaus nicht auf diese beschränkt. Wesentliche Bereicherung verdankt ihm auch die Wetterkunde und die mit dieser eng verknüpfte Klimalehre. Besonders verdient gemacht hat sich Denza um die Organisation der Wetterbeobachtung in Italien. Obenan unter feinen wissenschaftlichen Leistungen stehen seine Beiträge zur Kenntniß der Sternschnuppen. Seine Arbeit hierin reiht sich an diejenigen Heis', Schmidt's, Weiß', Quetelet's, Al. Hirschel's würdig an. Im Einzelnen sind seine Beobachtungen über die Sternschnuppen in der Zeit vom November 1868 bis August 1869, über die Sternschnuppen vom 14. November 1880, über den großen Sternschnuppenregen von 1872 zu erwähnen. Anzureihen sind seine Forschungen über die Protuberanzen, in denen er mit Jansen, Secchi, Zöllner, Tacchini zusammentraf. Ausgedehnte Beobachtungen hat Denza weiterhin über den Erdmagnetismus angestellt. Er veröffentlichte Mittheilungen über magnetische Messungen in Italien, Beobachtungen über tägliche Schwankung der magnetischen Declination u. a. m. Hervorzuheben sind hier Denza's Hypothese über die Beziehung zwischen Erdmagnetismus und Sonnenfinsterniß und seine Nordlichtstudien. Sehr umfangreich ist die Zahl der meteorologischen Veröffentlichungen Denza's. Sie betreffen die Ncgenvertheilung in Italien, die Wetterverhältnisse in den italienischen Gebirgen, die Bestrebungen zur Förderung der Wetterkunde und die Organisation des meteorologischen Dienstes in Italien, vergleichende Luftdruck- messungen in den verschiedenen meteorologischen Stationen Italiens, die Schwankungen der atmosphärischen Elektricität, die Wettervoraussage in ihrer Bedeutung für die Landwirthschaft. Der Medicin zu gute kam eine Untersuchung Denza's über das Klima des Thales Aosta. 1878 erschien von Denza ein Lebensbild Angela Secchi's. Der Verstorbene war im Besitze einer Reihe von Ordensauszeichnnngen. Er war Ritter, Officier und Commendatore des St. Manritiusordens, Ritter und Officier der Krone von Italien, Osficicr der Ehrenlegion, Ritter des Ordens Leopolds II. in Belgien u. s. w. R. I. k. Wie man der „Pol. Corr." aus Rom meldet, ist zum Nachfolger des kürzlich verstorbenen U. Denza in der Direktion des vaticamschen Observatoriums k. Lais, ein Schüler des berühmten Astronomen ?. Secchi, aus- ersehen. Spiritismus und Theosophie. Bon Charles Saiut-Panl. (Schluß.) Hübbe-Schleiden gewann auch, wie er erwartete, mit diesem allgemein gehaltenen Programm zahlreiche Mitglieder sür die neue Gesellschaft in allen Kreisen. Die Zahl derselben soll sogar bereits auf 700 gestiegen sein. Er verlegte zum Zwecke umfassenderer Agitation feinen Wohnsitz nach Berlin oder vielmehr in dessen Borort Steglitz, wo er sich zum Erstaunen aller seiner Bekannten mit dem antisemitischen Agitator Hans von Mosch und dem jungen Dichter Franz EVers verband, die beide allmählig zu Theosophen umgewandelt werden sollten. In kurzer Zeit jedoch, nachdem die „Theosophische Vereinigung" noch kaum ein Jahr bestanden hatte, machte er sich daran, seine Lieblingsidee der Verbreitung blavatskosophischer Ideen in Deutschland durch Gründung eines Zweigvereius der indisch-englischen theosophische» Gesellschaft zu verwirklichen. Inzwischen hatte er zu seinem Vertreter den bekannten Münchener Schriftsteller Thomassin, einen der Leiter der Münchener „Gesellschaft für wissenschaftliche Psychologie" und Generaldele- girten der französischen 6roux>s Lsotärigus für Deutschland, berufen, der den wissenschaftlichen Theil der „Sphinx" leitete, aber nach einiger Zeit, wie wir hören, da er die neue Gottweisheit mit seinen religionsphilosophischen Bestrebungen auf die Dauer nicht in Einklang bringen konnte und die christliche Mystik der indischen vorzog, sich wieder verabschiedete. Es wurde nun vorerst im November des Jahres 1893 zu Berlin ein „Esoterischer Kreis" gegründet, dem das Studium der Werke der Mme. Blavatsky empfohlen wurde. Nachdem sodann der deutsche Theosoph alles Nothwendige mit den „indischen und englischen" Hauptquartieren geregelt hatte, entstand im August dieses Jahres eine deutsche Zweiggesellschaft der indischen Mahatma-Berbindung. Oberst Olcott, der Leiter derselben, war eigens, um den Triumph der Blavatskosophie in Deutschland mitzufeiern, nach Berlin gekommen und wohnte der Gründungsversammlung bei, die allerdings nicht so zahlreich besucht war, als man erwartet hatte. Hübbe-Schleiden ging, nachdem sein Wunsch erfüllt war, nach Indien, und für ihn übernahm nun ein Or. Goering die Leitung des indischen Zweigvereins und der zuerst gegründeten „Theo- sophischen Vereinigung", die merkwürdigerweise noch immer fortbesteht, aber, wie Hübbe-Schleiden in der „Sphinx" bemerkte, „nur für solche geistig niedrig stehende, die noch nicht tiefer in das Wesen der Theosophte eingedrungen sind und deßhalb sich noch an nationale Schranken gebunden fühlen", d. h. mit andern Worten, die theosoph- ischen Werke der englischen Gesellschaft nicht lesen und verdauen können. Nach dieser Aenderung der Verhältnisse wird also gegenwärtig der Lehre der Blavatsky und ihrer Mahatmas das Hauptaugenmerk in Deutschland geschenkt, und es ist deßhalb nothwendig, daß wir uns schließlich noch mit dieser eingehender beschäftigen; es werden hiedurch einzelne Andeutungen, welche im Laufe dieser Erörterungen bereits gegeben sind, erklärt und vervollständigt werden. Mme. Blavatsky ist identisch mit der bekannten Reisenden, die, nachdem sie den 60jährigcn russischen General gleichen Namens im Alter von 17 Jahren aus Eigensinn und Muthwillen geheirathet hatte, ihn eines Tages, als er ihr unsympathisch wurde, mit einem silbernen Leuchter zu Boden schlug, dann in Angst um die Folgen entfloh und in der weiten Welt umherzog. Auf einer ihrer Reisen, und zwar erst im Jahre 1856, behauptet sie in Tibet eingedrungen zu sein und dort drei Jahre lang unter der Brüderschaft der „Mahatmas", d. i. der großen indischen Mystiker, geweilt zu haben und von ihnen in die geheimen Wissenschaften und in die uralte Weisheitsreligion oder Theosophie, aus der alle Volksreligionen hervorgegangen sein sollen und die den großen Religionsstiftern, wie Buddha und Christus, bekannt war, eingeweiht worden zu sein. Es ist sehr schwer glaublich, daß diese Aussagen auf Wahrheit beruhen; denn die indischen weltflüchtigen Mystiker sollen keineswegs zu so vertrautem Verkehre mit Frauen geneigt sein. Bemerkenswerth ist es in dieser Hinsicht, daß in dem Berichte, den der Londoner Psychologe Dr. Hodgson im Auftrage der „Looiotzc kor xs^okioLl resoarolr" in Indien nach den Aussagen der Umgebung der Mme. Blavatsky zusammenstellte, dieselbe nur mit Chelas, d. h. Schülern indischer Mystiker, aber nicht mit diesen selbst, in Beziehung war. Selbstverständlich stellte die Theosophin dies in Abrede, wie sie überhaupt stets allen Einwänden ihrer Gegner energisch widersprach. Sie will nach ihrer Rückkehr aus Indien noch immer mit den „Mahatmas" in geistigem Rapport geblieben sein, sogar, während sie 3 Jahre lang in TifliS in hysterisch-kataleptischem Zustande sich befand, geistig bet denselben ein zweites selbstbewußtes Dasein geführt haben. Ueberdies sollen diese ihr das Material zu ihren beiden Werken „Psts Laoret Dootrius" (Die Geheimlehre) und „Isw unveileä" (Die entschleierte Isis) in geheimnißvoller Weise gesandt und sie mit der Gründung der „Theosophischen Gesellschaft" zur Verbreitung indischer Weisheit betraut haben. Letztere vollzog sie, nachdem sie in Amerika anfänglich sich an der mediumistischen Bewegung betheiligt, am 17. November 1875, in Verbindung mit Oberst Olcott, den sie in New-Aork kennen gelernt hatte. Sie wollte keine neue Neligionsgesellschaft ins Leben rufen, sondern nur die Doktrinen verbreiten, welche nach ihrer Aussage Wissenschaft und Religion vereinen. Allmählig gewann sie in den Ländern englischer Zunge, wo ja jede neue Bewegung, sogar eine Heilsarmee Verbreitung finden kann, immer mehr Anhänger. Das „Hauptquartier" der Gesellschaft wurde im Jahre 1878 nach Adyar bei Madras in Indien verlegt. Gegenwärtig zählt sie etwa 300 Zweigvereine, und im letzten Jahre hielt sie unter dem Vorsitze der Mrs. Annie Besant, welche nach dem am 8. Mai 1891 erfolgten Tode der Mme. Blavatsky deren Nachfolgerin wurde, einen Congreß gelegentlich der Weltausstellung in Chicago ab, der sehr zahlreich besucht war. Die angeblich völlig undogmatische theosophische Gesellschaft hält doch im allgemeinen an den „esoterischbuddhistischen" Lehren fest, deren Hauptpunkte in den beiden genannten Hauptwerken der Blavatsky, in dem Werke „Schlüssel zur Theosophie", einer Summe von Widersprüchen, lächerlichen und gewagten Behauptungen, sowie in Sinnett'L Buch v^soteriv Luäclsiisiu" klargelegt sind. Nach denselben vollziehen sich im Universum — hinsichtlich des Gottesbegriffes strotzen die theosophischen Werke von Phrasen und Widersprüchen, nnd im allgemeinen tritt der indische Pantheismns, nur vielfach verzerrt, entgegen — ewig zwei Processe, die Evolution und die Involution, — das Aus- und Einathmen Brahmas, — die Verstofflichung und Vergeistigung. Das Menschenwesen, welches in 6 oder 7 Theile, 3 obere uno 4 untere „Principien", Atma, Buddhi, Manas, — ManaS, Linga Sharira, Kama Nupa, Nnpa/) zerfällt, wird durch viele Neinkarnationen ge- ') Gottgeist, erleuchtete oder göttliche Seele, Mcnschengcist, (ManaS) Astral- oder Actherleib, Lebensprincip, materieller Leib. läutert und allmählig vom Stofflichen zum Geistigen zurückgeführt. Dieselben erfolgen meist ungefähr alle 3000 Jahre, während welcher Zeit das Menschenwesen in einer Art „Nirwana", nach Art der spiritistischen „vierten Dimension", herumbummelt. Im Indischen wird dieser Zwischenzustand als „Devachan" bezeichnet. Erst nachdem der Mensch sich von aller Anhänglichkeit an das Irdische und an das Sonderdasein gereinigt hat, erfolgt die Rückkehr in das eigentliche „Nirwana", welches Erlöschen eben nur mit Bezug auf das Stoffliche bedeutet. Von der langwierigen Inkarnation kann sich nun ein Mensch schon hier auf Erden befreien, wenn er durch Askese die Höhe eines „Jogi", d. t. Gottmenschen, zu erreichen sucht, der dann schon hier auf Erden in der Ekstase sich ganz mit dem Gottgeiste einen und auf diese Weise das höchste Wissen und die höchste Vollendung erreichen kann. Ein solcher ist ein Gottwciser, Theosoph, im vollen Sinne des Wortes. Die Mahatmas sind auf dieser Entwicklungshöhe in der Gegenwart. Ganz besonders wird von den Theosophen das Gesetz der „Karma" betont, welches alle scheinbare Ungerechtigkeit in der Welt erklären und in allen Verhältnissen Trost und rechte Lebensführung gewähren soll. Nach demselben bestimmt die Gesammtsumme der guten und bösen Thaten eines Individuums in früheren Existenzen kausal die Verhältnisse desselben in den späteren bis zur Rückkehr inS Nirwana. Wenn wir uns mit unserem irdischen Bewußtsein unserer Handlungen im früheren Dasein, von denen nur das höhere geistige Ich Kenntniß hat, nicht erinnern können, so ist dies für uns in der Weise von Vortheil, weil wir noch mehr geprüft nnd znm Selbstdenken über unser und der Welt Wesen angeregt werden. Diese Lehren muß man sich mühsam aus den verschiedenen Werken, in welchen sie keineswegs so klar und verständlich dargestellt werden, zurechtlegen. Wer nun dieselben mit der Aufzählung der Zwecke vergleicht, welche die englische theosophische Gesellschaft haben soll, der muß bekennen, daß letztere wohl keineswegs dem Neuling einen Begriff von dem Glauben geben, dem er entgegenzustrcben hat. Die Theosophische Gesellschaft, so heißt es, hat folgende Zwecke: 1) Einen Kern zu bilden, um welchen die Ideen einer allgemeinen Menschenverbrüderung ohne Unterschied der Nationalität, des Glaubens, Geschlechts, der gesellschaftlichen Stellung oder Hautfarbe krystallisiren und die Ideale der Menschheit sich verwirklichen können. 2) Das Studium der Literatur der Arier und der Religionen, Philosophien und Wissenschaften des Orients und des Alterthums zu befördern und auf dessen Wichtigkeit aufmerksam zu machen. 3) Die noch unbekannten Gesetze der in der Natur und im Menschen schlummernden Kräfte (Wille, Bewußtsein, Vorstellung rc.) zn erforschen. Letzterer Zweck wird jedoch hauptsächlich nur von der „Esoterischen Section" der Theosophischen Gesellschaft, die noch immer in direkter Verbindung mit den Mahatmas stehen und von ihnen mysteriöse Briefe aus Tibet mit Blitzesschnelle durch magische Fernwirkung empfangen soll, verfolgt. Dieses allgemein gehaltene Programm kann wohl Manchen verlocken, sich den Theosophen anzuschließen, der auf ihre sonstigen Lehren und Bestrebungen, wenn er sofort in sie eingeweiht würde, nicht näher eingehen würde. Man wird nach dem Gesagten zu der Anschauung gelangen müssen, daß in Deutschland die Verbreitung ^er Theosophie kaum so rasch erfolgen dürfte, wie in England. Abgesehen davon, daß wir nicht das Interesse an indischen Ideen haben, wie die Engländer, dürfte wohl auch in Betracht zu ziehen sein, daß der deutsche Michel doch Verstandeskraft und Willen genug hat, um sich nicht buddhistisch einschläfern zu lassen. Die gebildeten und tiefer religiösen Kreise werden aber wohl immer mit Befremden und Mißtrauen eine Gottwcisheit betrachten, die auf derartigen Umwegen bei uns eingeführt werden soll und die christliche Mystik noch immer der indischen vorziehen. Dies ahnte wohl auch Graf Lciningen, der kürzlich (am 8. Novbr.) in München einen Vortrag über Theosophie und Mystik hielt, und suchte deßhalb auch das Wesen derselben möglichst von der Theosophischen Gesellschaft, ihrer Stifterin, ihren Mahatmas u. s. w. zu trennen und überhaupt zu betonen, daß er keineswegs ausschließlich indische Mystik vertreten wolle, daß, was er lehre, auch der Kern der christlichen sei. Jedoch waren im allgemeinen die Grundzüge seines Vertrages nur die dargestellten indisch-theosophischen Lehren, und am Schlüsse entwickelte er sogar ein System der praktischen Mystik und Askese aus der Vedanta. Demzufolge wird wohl auch in der süddeutschen Hauptstadt seine Bemühung wohl kaum die angestrebte Förderung realisiren können, und auch die Münchener, von denen doch ein Theil weniger Verständniß für Mystik, zumal für so entlegene, zeigt und gewissen „grobstofflichen" Gewohnheiten nicht allzuschncll entsagen dürfte, werden wohl nicht so bald in die Gemeinschaft der „Mahatmas'' kommen können. Auch ein Beitrag zur Astronomie. Von Georg Sailer (Anistors). Herr Maier (Schausling) hat in einigen Beilagen der Postzcitung deren Lesern mit seinem reichen Wissen aus der Astronomie interessante Aufschlüsse gegeben. In der Beilage Nr. 47 jedoch findet sich ein Satz, dessen Inhalt sich aus dem sonst Gesagten nicht beweisen läßt. Er lautet: „Wenn wir erwägen die Unendlichkeit des Weltalls in Raum und Zeit, wenn wir bedenken, daß unser Erdball nicht einmal einem Sandkorne gleichkommt in Hinsicht auf die zahllosen Körper des Weltalls, so müssen wir von dem Wahne geheilt werden, als wären wir die alleinigen vernünftigen und bedeutendsten Geschöpfe des sichtbaren Universums." Hier ist also, wie es scheint, von einer absoluten Unendlichkeit des Universums in Raum und Zeit die Rede. Mit einer solchen Annahme aber ist vor allem der Erfahrungswissenschaft selbst widersprochen, denn diese hat die allmählige Entwickelung des ganzen Kosmos ermittelt. Alles weist hin auf einen Anfang, den die einzelnen Theile genommen haben, und den man deßhalb folgerichtig auch dem Ganzen nicht absprechen kann. Wenn auch die Erfahrung bis zu diesem Anfang noch nicht gelangt ist, so muß sie ihn doch annehmen, gleichwie sie auch den mathematischen Punkt im Centrum eines Kreises annimmt, obwohl sie ihn mit der feinsten Messung nicht erreichen kann. Die Annahme der Unendlichkeit des Universums der Zeit nach ist auch ein Widerspruch gegen das geoffenbarte Wort Gottes, das uns belehrt, daß Gott im Anfange Himmel und Erde erschaffen hat. Eine Unendlichkeit des Universums der Ausdehnung nach ist ein philosophisches Absurdum. Die Adee der Materie ist nicht denkbar ohne Begrenzung. Mit der Annahme der Unendlichkeit des Universums nach Zeit oder Raum kommt man nothwendiger Weise zur Naturvcrgöttening. Niemand aber wird Widerspruch erheben, wenn man von einer relativen Unendlichkeit des Universums spricht. Für die Erfahrungswissenschaft und menschliche Berechnung mag Anfang und Grenze des Universums unerreichbar sein. Wenn das wirklich ist und so bleiben sollte, so hätte es auch seinen guten Grund. Der heil. Apostel Paulus schreibt: „Was von Gott erkennbar ist, das ist unter den Menschen offenbar. Denn das Unsichtbare von ihm ist aus der Schöpfung der Welt in den geschaffenen Dingen erkennbar und sichtbar, seine unsichtbare Kraft und Gottheit." Also nicht blos die Existenz Gottes, sondern auch seine Kraft und Gottheit, seine Eigenschaften sind in den erschaffenen Dingen erkennbar. Wie aber sollte aus dem Kosmos Gottes Ewigkeit und Unendlichkeit erkennbar sein, wenn nicht der Kosmos dem Menschen unermeßlich scheint nach Zeit und Raum? Wie sollte Gottes unendliche Schönheit, Weisheit und Intelligenz aus den erschaffenen Dingen erkennbar sein, wenn nicht der Kosmos die Spuren dieser Eigenschaften in seinen unerschöpflich neu sich erschließenden Wundern zeigt? Der Eingangs erwähnte Sah stellt es ferner als einen Wahn hin, wenn sich der Mensch als die Krone der Schöpfung, als das vornehmste Geschöpf Gottes in der sichtbaren Welt betrachtet. Bisher haben die Worte des Schöpfers, mit denen er die Erschaffung des Menschen einleitet, die wunderbare Einrichtung des menschlichen Organismus, endlich seine geistige Macht und Ebenbildlich- keit Gottes als Beweis dafür gegolten, daß es kein Wahn ist, wenn man den Menschen als bedeutendstes Geschöpf Gottes in der sichtbaren Welt betrachtet. Was auch soll bedeutender sein als er? Will man ohne jeglichen Anhaltspunkt andere der sichtbaren Welt noch angehörende Geschöpfe aus irgend einem unbekannten Planeten voraussetzen, die bedeutender sein sollen, als der Mensch? Die Erfahrung liefert dafür nicht die Spur eines Beweises. Oder soll die Bedeutung des Menschen etwa verschwinden vor den zahllosen Himmelskörpern? So lange man den Werth der Menschenscele kennt, kann man das nie zugeben. Ausdehnung ist die Haupteigenschaft der Materie. Und wenn der liebe Gott der Materie überhaupt Bedeutung geben wollte, so konnte es nur dadurch geschehen, daß er ihr diese Eigenschaft im reichlichsten Maße verlieh. Aber wirklich geehrt und geadelt, in ein höheres Reich versetzt wurde die Materie erst durch die Verbindung mit dem unsterblichen Menschengeist. Ungezählte Millionen von nur materiellen Welten mit all ihrer Pracht können die Bedeutung eines einzigen Menschengeistes nicht aufwägen. ^ Endlich wird behauptet, daß wir Menschen auf dieser Erde nicht die alleinigen vernünftigen Geschöpfe der sichtbaren Welt seien. Damit entscheidet sich der Herr Verfasser für die mehrfach ventilirte Hypothese von der Bewohnbarkeit anderer Himmelskörper. Der Beweis für diese Hypothese gründet sich hauptsächlich auf Analogie. Es wird angenommen- daß es Himmelskörper gibt mit gleichem Entwicklungsstadium wie unsere Erde, also müsse es auch Leben auf denselben geben. Wenn dieser winzige Erdball bewohnt ist, warum sollen nicht noch viele, viele andere unter den zahllosen Himmelskörpern bewohnt sein? So argumentirt man, um diese Hypothese wahrscheinlich zu machen. 413 Dagegen ist vorerst zu sagen, daß nicht der eben passende Entwickelungszustand erster Grund dafür ist, daß Leben auf Erden herrscht, sondern der freie Willensakt Gottes. Es mochten alle Vorbedingungen für Pflanzen- und animalisches Leben erfüllt sein, gleichwohl hätte die Erde nie das geringste Leben hervorgebracht, wenn nicht des Schöpfers freier Akt die Lebenskraft hineingelegt Hütte. Es können also Millionen von Himmelskörpern das tellurische Entwicklungsstadium betreten haben und dabei dennoch ohne Leben sein. Von der Erde sagt uns die hl. Schrift ausdrücklich, daß sie den Menschen als Wohnsitz übergeben sei. Morruia autoin äsäit ülÜ3 Komin am.« Von anderen Himmelskörpern ist ein solcher Zweck nirgends angegeben. Die verschwindende Kleinheit der Erde spricht nicht vagegen, daß sie alleiniger Wohnsitz des Lebens sei, ebensowenig ihre Stellung als Planet. Gottes Wahl greift so gerne nach dem Kleinen. Nicht Assyrier, Meder oder Perser, auch nicht Griechen oder Nömer, sondern das kleine Volk Israel im kleinen Ländchen Palästina war sein auserwähltes Volk. Das kleine Bethlehem wurde als Geburtsort des Welterlösers bevorzugt vor so vielen anderen weit größeren Städten. Auch in der Natur ist das Edelste nicht immer groß oder durch cen- trale Lage ausgezeichnet. Man denke nur z. B. an das Gehirn des Elephanten oder Walfisches und vergleiche es mit dem übrigen Körper. Der Lage nach liegt nicht einmal das Herz genau im Centrum des Körpers. Wie klein ist das Auge, das so viel umfast aus dem Reiche der Sichtbarkeit! Der menschliche Körper, dieser wunderbare Kosmos im Kleinen, verschwindet völlig vor einem gewaltigen Gcbirgsriesen. Dieser selbst wieder birgt in seinem Innern verschwindend kleine Gänge edlen Metalles oder Gesteines, dessen Werth dennoch unschätzbar ist. Gleichwie die Blüthe der Pflanze, obgleich im Vergleich zum Ganzen unbedeutend an Masse, dennoch der edelste Theil derselben ist, so kann auch die Erde trotz ihrer Kleinheit die Blüthe des Weltalls durch ihre Bestimmung sein und vielleicht auch durch ihre sonstigen Eigenschaften. Jedenfalls ist sie der bevorzugteste Planet unseres Sonnensystems. Hier gilt als erwiesen, daß sämmtliche äußere, jenseits der Asteroiden liegende Planeten sich gegenwärtig noch in einem so geringen Dichtigkeitszustand und auch in Tcmpcraturverhältnissen befinden, welche auf ihnen eine Entwickelung organischen Lebens unmöglich machen. Der kleine, der Sonne am nächsten stehende Merkur besitzt die größte Dichtigkeit. Allein seine sehr dichte Atmosphäre und die wahrscheinlich sehr große Wärme, die auf ihm herrscht, machen die Existenz organischer Gebilde mindestens zweifelhaft. Der Mond kann wegen Mangels jeglicher Atmosphäre gar nicht in Sprache kommen. Es bleiben also außer der Erde nur noch Venus und Mars übrig. Allein für Mars beträgt die Sonnenstrahlung noch nicht die Hälfte von der, welche die Erde empfängt. Die Folge davon ist, daß sein Klima mindestens doppelt so kalt ist, als das irdische. Da zugleich dieser Planet ein sehr großes Absorptionsvermögen für die Lichtstrahlen besitzt, so ist das Licht auf ihm .nicht bloß im Verhältniß des Quadrates seiner Entfernung schwächer als auf der Erde, sondern noch bedeutend geringer. Venus hat fast gleiche physikalische Verhältnisse wie die Erde mit doppelt so großer Erleuchtung und Erwärmung. Bei diesem Planeten allein kann man auf Grund der Forschung die Bewohnbarkeit nicht direkt in Abrede stellen. Da jedoch der Winkel seiner Rotationsachse weit größere Extreme seiner Klimate bedingt, so muß man dieses jedenfalls als einen sehr bedeutenden Nachtheil fürs organische Leben bezeichnen. Aus dem Gesagten geht hervor, daß unsere Erde unter allen Planeten unseres Sonnensystems am meisten begünstigt erscheint für das Gedeihen organischen Lebens. Die meisten Planeten unseres Sonnensystems können nicht bewohnt fein, die übrigen weisen große Nachtheile auf für die Entfaltung von organischem Leben, somit spricht der Erfahrungsbeweis dafür, daß nur unsere Erde bewohnt und belebt ist. Wenn dieses von unserem Sonnensystem gilt, warum sollen wir. dann mit der Hypothese von der Bewohnbarkeit noch weiter ziehen auf unsichtbare Planeten anderer Sonnen? Indem Schreiber dieser Zeilen hiemit sich erlaubt hat, Kritik zu üben an dem, was ihm ungeeignet erschien, bekennt er sich ausdrücklich als Freund der Naturwissenschaft und der Naturforscher. Er wünscht aufrichtig, daß jeder derselben die drohende Gefahr der Einseitigkeit vermeide. Möge man die Natur als geschaffenes Wort Gottes betrachten, welches nie dem geoffenbarten widersprechen kann. So betrachtet schon der hl. Augustin die Natur, wenn er schreibt: Major lider nostor ordia tsrraruw. est: in oo loZo ooinxloturn, Hnoä in likro Del loZo xroinissnra.« Außer Altum hat besonders Lorinser das Gesammtgebiet der Naturwissenschaft in diesem Sinne erfaßt und behandelt in seinem bedeutenden Werke „Das Buch der Natur". Allein es ist dieses, wie er selbst sagt, nur ein Versuch, ein Anfang. Möge Gott bald einen genialen Geist erwecken, der, auf dieser Bahn fortschreitend, uns möglichst Vollkommenes bietet! Dann, wenn man im geschaffenen Buche der Natur nicht mehr falsch liest, sondern recht lesen gelernt hat, wird die Naturwissenschaft nicht mehr vom Glauben hinweg, sondern zum Glauben hinführen. «- * * Herr Maier (Schaufling), dem wir vorstehenden Artikel im Manuscript vorgelegt haben, bemerkt hiezu: Was die Unendlichkeit des Weltalls betrifft, so habe ich zunächst in meiner Arbeit die relative Unendlichkeit des Weltalls oder, strenge genommen, unseres Fixsternsystems behauptet. Diese Unendlichkeit in Raum und Zeit ist ein Satz der Empirie. Wir als endliche Wesen werden nie die Schranken der Unendlichkeit durchbrechen! Ich habe in einem Vortrage vor der natur- forschenden Gesellschaft in Passan und in mehreren Artikeln über „Größe und Bau des Weltalls", welche im 38. Band der Zeitschrift „Natur und Offenbarung" abgedruckt sind,, gezeigt, daß wir mit unseren optischen Hilfsmitteln bis jetzt nicht einmal über unsere höchst wahrscheinlich linsenförmige Weltinsel hinausgedrungen sind, daß wir also nicht wissen, was jenseits unseres Fixsternsystems sich befindet. Ich sehe übrigens nicbt ein, weshalb im absolut grenzenlosen Raum die Zahl der Weltkörper eine begrenzte, endliche sein sollte. Bekanntlich ist ja das Unendliche auch heute noch das Objekt der größten Streitigkeiten zwischen den Mathematikern und Philosophen. Die „Analysis des Unendlichen" oder die „Differential- und Integralrechnung" rechnet sogar mit den unendlich kleinen Größen. Der mathematische Realismus behandelt das Differentiale als eine transfinite, der Nominalismns als eine infinite Größe. Wie Hamilton in seiner genialen Theorie der 414 Ouaternionen die sogenannten complexen oder imaginären Größen benutzt hat, ist ja bekannt. — Wenn man die Arbeiten von Gauß („Briefwechsel zwischen Gauß und Schumacher" Bd. II), Bolzano (Paradoxien des Unendlichen), Paul Du Bois-Reymond („Funktionen- theorie"), Cantor („Mannigfaltigkeitslehre"), Wundt („Logik" Bd. II, S. 150 ff., 223 ff.) u. s. w. liest, dann sieht man, wie die Ansichten großer Denken in Bezug auf das Unendliche auseinandergehen. Ich sage also: Die Wissenschaft kann weder die Endlichkeit noch die Unendlichkeit des Weltalls in Bezug auf Ausdehnung und Anzahl der Körper beweisen. Mit Du BoiS-Neymond müssen wir hier sagen: I§nor- alüraus. Um zu beweisen, daß es sich hier um eine Grenze der Erfahrung und des Wissens handelt, greift Kant zu seinen Antinomien, bei welchen die Vernunft mit sich selbst in Widerspruch kommt, da sie zwei entgegengesetzte Sätze mit gleicher Kraft beweisen kann. Die erste Antinomie heißt: Thesis: Die Welt hat einen Anfang in der Zeit und ist dem Raum nach auch in Grenzen eingeschlossen. Antithesis: Die Welt hat keinen Anfang und keine Grenze im Raume, sondern ist sowohl in Ansehung der Zeit als des Raumes unendlich. (Kant, Kritik d. reinen Vernunft. Ausgabe v. Zimmermann. S. 340 u. 341.) ^ Die Natnrwissenschaft, welche Materie und Bewegung als etwas Gegebenes zu betrachten und nur den gesetzmäßigen Kreislauf des scheinbaren Werdens und Vergehens der Naturformen zu analysiren hat, kann weder die Ewigkeit noch die Nichtewigkcit des Weltalls beweisen. weil dieses nicht mehr Gegenstand der Empirie sein kann. Aristoteles glaubte beweisen zu können, daß die Weltbewegung nothwendig eine von Ewigkeit her bestehende sei. Denn jeder Anfang dieser Bewegung schien ihm das Resultat eines vorangegangenen Prozesses, also wiederum einer Bewegung sein zu müssen. (Aristoteles, Liixs. VIII, eux». 1. — Hertling, Ueber die Grenzen der mechan. Naturerklärung. Bonn 1875. S. 18 ff., behandelt diese Frage genauer!) Und Thomas v. Aquin ist der Ansicht, daß die Vernunft zwar beweisen könne, daß die Welt ex niüilo, tamHuaw. ex nulla, materi» xraeexistente geschaffen worden sei, daß sie aber nicht darzuthun vermöge, daß die Welt xost nikiluin geworden sei, daß ihrem Sein ein Nichtsein vorangegangen wäre. — Wie Kant über diese Frage gedacht, sehen wir aus der oben angeführten Antinomie. In neuester Zeit ist, nachdem durch Robert Mayer, Helmholtz, Joule, Thomson, Maxwell, Clausius, Boltzmann u. A. die mechanische Wärmetheorie begründet wurde, diese Frage in ein neues Stadium getreten. Clausius hat im Jahre 1854 den 2. Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie aufgestellt, welcher sich also in Worten ausdrücken läßt: „Wenn bei einem umkehrbaren Kreisprozesse jedes von dem veränderlichen Körper aufgenommene (positive oder negative) Wärmeelement durch die absolute Aufnahmetemperatur dividirt und der so entstandene Differentialausdruck für den ganzen Verlauf des Kreisprozesses integrirt wird, so hat das Integral den Werth Null." Der mathematische Ausdruck heißt: — 0. Aus diesem Satze folgt jener berühmte Entropte- ^atz, der schon eine große Literatur hervorgerufen hat. Fast bei allen Verwandlungen der verschiedenen Energieformen in einander überwiegen die Verwandlungen von Bewegungsenergie in Wärme die umgekehrten. Und da Clausius die bei einer solchen Energieverwandlung übrig bleibende Wärme Entropie nennt, so wird der zweite Hauptsatz auch in der Form gegeben: „Die Entropie deS Weltalls strebt einem Maximum zu." Clausius, Thomson und Helmholtz haben diesen Satz auf das ganze Universum ausgedehnt. „Das ganze Weltall strebt unaufhaltsam einem Endzustand entgegen, in welchem alle Bewegungsenergie in Wärme verwandelt ist und der ganze Raum in eisiger, gleichmäßig vertheilter Temperatur erstarrt und jede Bewegung unmöglich macht." Diesem Satze ist unter den Astronomen namentlich ?. A. Secchi beigetreten. (Clausius, Mechan. Wärmetheorie. Braunschweig 1887. Bd. I, S. 355 ff. — Helmholtz, Vortrüge und Reden. Braunschweig 1884. Bd. I, S. 27 ff. — Secchi, Die Sonne. Braunschweig 1872. Bd. II, Seite 607 ff. — Secchi, Einheit d. Naturkräfte. Leipzig 1876. Bd. II, S. 342 ff. — Tyndall, Fragmente a. d. Naturwissenschaften. Braunschweig 1874. S. 1 u. 83 ff. — Thomson, Handbuch d. theoret. Physik. Lang, Theoret. Physik. Wüllner, Physik. Bd. III. — Tait, Vorlesungen re. S. 7 u. 123 ff. — Maxwell, Theorie d. Wärme u. s. w.) Gegen den Entropiesatz läßt sich folgendes sagen: Der Satz von Clausius stützt sich auf die Begriffe eines unendlichen Raumes und einer unendlichen Zeit. Beide Begriffe aber sind für uns unfaßbar. (Gauß bemerkt einmal scharfsinnig: Das Unendliche ist nur als ewig Unvollendetes aufzufassen I l) Und da unsere Naturgesetze Abstraktionen aus Erfahrungen sind, so werden wir nicht berechtigt sein, einen solchen Erfahrungssatz auf Zeiträume auszudehnen, die für uns unendlich sind. Einen neuen Einwand gegen die Allgemeingültig- keit des Entropicsatzes hat A. Schmidt (Beiblätter zu den Annalen d. Physik u. Chemie von Wicdemann. Bd. 18, xaA. 1038) aufgestellt. Ein Hauptmerkmal des Zustandes, wo die Entropie ihr Maximum erreicht hat, ist die vollkommene Ausgleichung der Temperatur. In der Meteorologie ist man aber zu der Ueberzeugung gelangt, daß Temperaturgleichheit in der Atmosphäre eines Himmelskörpers als Dauerzustand ganz unmöglich ist. Die Erdatmosphäre zeigt einen Temperaturabfall von unten nach oben, als dessen Ursache die Schwere anzusehen ist. Die selbstthätige Mischung der Atmosphäre vermöge ihrer Wärmcbcwegung ist mit einer Temperaturgleichheit der oberen und unteren Schichten unverträglich. ^ sr? Auf die Einwendungen, die Tait, Maxwell, Boltz- mann, Burton und Eilhard Wiedemann gemacht haben, kann ich hier nicht näher eingehen. — Erwähnen will ich nur, daß der Entropiesatz in seiner Gültigkeit auf Organismen noch nicht im geringsten geprüft ist. Wir Menschen können dnrch unsere willkürlichen Handlungen die Entropie des Weltalls jeden Augenblick um einen freilich sehr kleinen Betrag vermehren. Die Erfinder von Maschinen sind zugleich Vermehrer der Energie. Dann kommt in der Anwendung des Clausius'schen Satzes die Gestaltung des Weltraumes in Betracht. Die Eigenschaften, die wir dem Raume beilegen, sind wesentlich empirischen Ursprunges. Seit den geistreichen Untersuchungen von Gauß, Niemann, Lobatschewski», Bolhay, Klein, Killing u. A. hat man eine von 415 dem Euklidischen Parallelen-Axiom unabhängige, ein- wurfsfreie sogen, „absolute Geometrie" („Pangeometrie") gegründet. (Vgl. Klein, Nicht-Euklidische Geometrie". — Frischauf, Absolute Geometrie. Leipzig. — Hagen, Syn- opsis der höheren Mathematik. Berlin. Bd. II. — Killing, Einführung in die Grundlagen der Geometrie. 2 Bde.) Man unterscheidet eine hyperbolische (Lo- batschewsky), eine parabolische (Euklides) und eine elliptische Geometrie (Riemann). Legen wir dem Raume mit Riemann (Riemann, Abhandlungen der kgl. Gesellschaft d. W. zu Göttingen. Bd. XIII)' ein constantes Krümmungsmaß bei, das einen positiven Werth hat, so würden in einem solchen Raume die Theile einer endlichen Quantität Materie, die sich mit endlichen constanten Geschwindigkeiten entfernen, niemals unendlich weite Punkte erreichen können. Dieselben müßten sich nach endlichen Zeitintervallen, deren Größe von der Geschwindigkeit der Bewegung und dem Krümmungsmaße des Raumes abhängt, wieder nähern und auf diese Weise pendelartig periodisch kinetische Energie in potentielle bei Annäherung und potentielle Energie in kinetische bei Entfernung verwandeln. Es ist ja bekannt, daß der Entdecker des Prinzips der Erhaltung der Energie am Meisten gegen die Anwendung des Gesetzes der Entropie auf das Universum remonstrirt hat. Und I. Robert Mayer war nicht nur ein origineller Denker, sondern auch ein strenggläubiger Christ. (Vgl. Mayer, Die Mechanik d. Wärme. Ausg. v. Wcyrauch. Stuttgart, 1893. S. 347 ff. und Weyrauch, Kleinere Schriften u. Briefe von Robert Mayer. Stuttgart 1893. Namentlich das letztere Werk zeigt uns, von welcher Glaubensinnigkeit Mayer beseelt war.) Die Entropie, auf das ganze Weltall angewendet, ist gar kein physikalisches Problem und gehört dem transcendenten Gebiete an, oder wie (Rüttler in seiner verdienstvollen Abhandlung „Die Entropie des Weltalls und die Kant'schen Antinomien" sagt: „Entropie und Weltende sind in letzter Linie Probleme der sittlich- transcendenten Weltordnnng, sie sind durch die theoretische Vernunft nicht zu lösen, sondern gehören in das Gebiet des Vernunftglaubens und der religiösen Weltanschauung." (Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik. Halle 1891.) Was die Frage über die Bewohnbarkeit der Himmelskörper anbelangt, so kann ich' verweisen auf meine im 40. Bande der Zeitschrift „Natur und Offenbarung" erschienenen Abhandlungen über „Physik der Planeten". Was die Atmosphären der Planeten in unserem Sonnensystem betrifft, so wissen wir darüber nichts Sicheres. Erst fortgesetzte spektrographische und photomctrtsche Untersuchungen werden uns mit der Zeit Gewißheit hierüber verschaffen. Merkur kann trotz seiner großen Sonnennähe von Organismen bewohnt sein! Der Planst darf nur eine dichte Atmosphäre besitzen. Hütte unsere Erde keine Atmosphäre, so würde bei Tage furchtbare Wärme und bei Nacht furchtbare Kälte unser Leben unmöglich machen. Ich erinnere dann an die Grenzen des Lebens der Organismen, die natürlich nicht überall gleich sein müssen. Jeder, der mit dem Mikroskope schon gearbeitet hat, weiß, daß Protozoen nach Tagen oder sogar Jahren wieder aufleben können, wenn man sie wieder in's Wasser bringt. Erst jüngst hat der Physiker Pictet durch Experimente gezeigt, daß Jnsecten noch eine Temperatur von — 28 ° 0, Myriapoden eine solche von — Roherträgen. Bakterien bleiben noch lebensfähig, wenn sie einer Temperatur von — 213° 0 ausgesetzt werden. Wir Menschen haben bekanntlich Augen, die vor» Standpunkt des Physikers und Physiologen aus sehr fehlerhaft gebaut sind. Ich erinnere an Farbenzerstreu- ung, Gefäßschatten, Fluorescenz der Cornea, Astigmatismus, Lückenhaftigkeit im Gesichtsfelde u. s. w. (Vgl. Helmholtz, Physiologische Optik.) Alle diese Fehler haben Fraunhofer, Clark, Steinheil, Abbe u. A. in den optischen Instrumenten corrigiren müssen. Warum sollte es auf Himmelskörpern nicht intelligente Wesen mit teleskopisch oder mikroskopisch eingerichteten Augen geben? Welch eine große Mannigfaltigkeit ist schon unter den Organismen der Erde! Der Physiologe Exn er hat uns durch seine Arbeiten die vielfach aus Krystallkegeln zusammengesetzten Jnsectenaugen kennen gelehrt. Wie einfach ist das Auge von Euglena oder irgend eines Protozoen? Bei mehreren Feuer-Boliden (Meteoriten) wurde durch sorgfältige chemische Untersuchung das Vorhandensein einer kohlenstoffhaltigen Substanz, die mit dem Ozokerit Aehnlichkeit hat, nachgewiesen. Es ist fast unzweifelhaft, daß diese Kohlenstoffverbindung organischen Ursprungs ist, da eigentlich die Organismen die Kohlenstoffträger sind. Die für die meisten in den letzten Jahren beobachteten Feuer-Boliden berechneten hyperbolischen Geschwindigkeiten weisen darauf hin, daß die Boliden aus dem Fixstern- raum zu uns gelangen, und somit wären die auf die Erde gefallenen Meteoriten Zeugen dafür, daß auf den Körpern des Fixstern- raumes Organismen vorkommen. Der anthropozentrische Standpunkt ist wissenschaftlich nicht haltbar. Galilei ist der anthropozentrischen Lehrmeinung zum Opfer gefallen. Für das Vorhandensein von Organismen auf den fernen Himmelskörpern ist unter den Philosophen namentlich Lieb mann (vgl. Liebmann, Analysis der Wirklichkeit. Straßburg 1880. S. 400 ff.) und unter den katholischen Theologen Pohle (vgl. Bewohnbarkeit d. Sternenwelten. Köln. 2 Bde.) eingetreten. Für die „Himmels-Mechanik" und für die Astrophysik hat diese Frage keine Bedeutung. „Das endliche Ziel der theoretischen Naturwissenschaften ist, die letzten unveränderlichen Ursachen der Vorgänge in der Natur aufzufinden. Es ist klar, daß die Wissenschaft, deren Zweck es ist, die Natur zu begreifen, von der Voraussetzung ihrer Begreiflichkeit ausgehen müsse." (Helmholtz, Erhaltung d. Kraft. Leipzig 1889. S. 4.) Jsaak Newton stellt als Hauptregel für die Erforschung der Natur auf: „An Ursachen zur Erklärung natürlicher Dinge nicht mehr zuzulassen, als wahr sind und zur Erklärung jener Erscheinungen ausreichen." (Newton, krirroixiuxlriivsoxirius uuturalis nurtdamutioa,. Ausgabe v. Wolfers. S. 380.) Die Bedeutung des Menschen in Bezug auf die Unsterblichkeit feiner Seele und in Bezug auf die Erlösung gehört nicht in die Wissenschaft des Natürlichen, sondern in die Wissenschaft des Ucbernatttrlichen.*) Schaufling. M. Maier. ") Das Buch Lorim'er'S „Das Buch der Natur" ist gänzlich veraltet. In der Astronomie hat Lorinscr fast alles dem epochemachenden Werke des ?. Secchi über „Die Sonne", Braunschweig 1872, entlehnt. Secchi war ein scharfsinniger, ideenreicher und vielseitiger Mathematiker und Astrophysiker; hätte er neben diesen schönen Eigenschaften auch die der Gründlichkeit und Kritik besessen, so wäre er neben B esset der größte Astronom unseres Jahrhunderts. Recensionen nnd Notizen. * Die Linzertbcol.-Prakt. Quartal schrift, deren 1. Heft pro 1895 die Presse verlassen hat, beginnt damit ihren 48. Jahrgang nnd verbindet mit ihrem hohen Alter einen anerkannt groben Nnf. Ihrem Titel gemäß ist sie stets bestrebt gewesen, den praktischen Theil der Sceliorge zu Pflegen, ohne 'deßhalb aber den wissenschaftlichen Theil zu vernachlässigen, wovon das neueste Heft wiederum den Beweis liefert. Dem Umstände, daß dem Klerus bei der Lösung der socialen Frage ein Hauptanthcil zufällt, trägt die Redaktion in den von der ständigen Feder des hochw. ?. Albert Maria Weiß stammenden Leitartikeln und in der „Kirchlich-socialpolitischcn Umschau" Rechnung und bringt außerdem noch in jedem Hefte zahlreiche interessante Abhandlungen. Die „Pastoral-Fragcn und Fälle" zumeist von bekannten Kasuisten bieten dem Seelsorger eine Fundgrube in schwierigen Fällen; ebenso besprechen die „Kurzen Fragen und Mittheilungen" die verschiedenen Vorkommnisse in der Seclsorge, und finden mannigfache kirchliche Rechtsfragen hier ihre Lösung. Jedes Hest bringt außerdem noch einen Bericht über die Literatur, über die Erfolge in den katholischen Missionen und über neueste Entscheidungen und Bewilligungen in Sachen der Ablässe bezw. Entscheidungen und Bestimmungen der römischen Congre- gationen. Da der Redaction über 500 Mitarbeiter auS allen europäischen Ländern, darunter hervorragende Gelehrte, zur Seite stehen, so können die Verhältnisse der verschiedenen Länder berücksichtigt werden. Die Quartalschrift, die von den meisten bischöflichen Ordinariaten warm empfohlen wurde, erfreut sich in allen Diöcescn Oesterreich-Ungarns und Deutschlands, sowie in der Schweiz, in Holland, Luxemburg und Amerika einer stets wachsenden Verbreitung. Die Auflage stieg von 1889 bis 1894 von 8700 aus 12,000 Exemplare. Das I. Heft 1895 wurde in der Stärke von 17 Bogen mit 15,000 Exemplaren aufgelegt. Die einzelnen Hefte erscheinen stets Ende Dezember, 15. April, 15. Juli und 15. Oktober in der Stärke von 17 Bogen in schöner Ausstattung. Trotz des reichen Inhaltes beträgt der Abonncmeniprcis nur 3 fl. 50 kr. — 7 Mark — 8 Frc. und 75 Cent. Man pränumerirt am einfachsten mit Postanweisung bei der Redaction der Quartalschrift in Linz a. d. Donau, Stiftcrstraße 7. Die Versendung geschieht direkt und portofrei. Auch die Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Lolot I.-8. (s. ck.), Voeadnlairs arade-kiangais L I'usaAö ckos ötncliauts. 8", xx. IX -j- 994. Vr. 10,00. Lsg-- ronth, InMimoris eatlwligus. 1894. (III.) k Ein großartiges Feld der Thätigkeit haben die Jesuiten in dem herrlich gelegenen Beirut, dem Neapel des Orients, eröffnet. Was sie dort aus ihrer vorzüglich eingerichteten Druckerei an arabischer Literatur und Studienwerken für arabische Sprache veröffentlicht haben, ist ein Muster philologischer Genauigkeit und hat auch bei den gelehrten Orientalisten Europas, die sonst giftige Jesuitenfresser sind, vollste Anerkennung und Benützung gefunden. Zu den nützlichsten Büchern des Verlages gehört obiges Wörterbuch, welches jetzt in seiner neuen Auflage, die (in größerem Format, als die vorige von 1688) um mehr als 5000 Wörter reicher geworden ist, kurzwcg als bestes und bequemstes Lexikon bezeichnet werden darf; Staunen erregt der niedrige Preis (der freilich bei Bezug von deutschen Importgeschäften sich auf 10 — 30 Mark erhöht) bei einem Umfange, der das theuere vierbändige arabische Folio- Lexikon von Frcytag vollständig ersetzt; nur den Vortheil hat letzteres, daß cS lateinisch geschrieben ist. Daß bei der com- pcndiösen Form dieses handlichen Wörterbuches der Druck entsprechend klein werden mußte, ist klar; die arabische Schrift ist aber schon wirklich von mikroskopischer Kleinheit, für Beduinenaugen berechnet, die ihre Schärfe freilich gerade dem Nichtlesen verdanken. Weiß, Dr. I. B. von, k. k. Hofrath, Weltgeschichte, dritte verbesserte Auflage. Lieferung 110—116. Grnz und Leipzig 1894. Verlags-Buchhandlung „Styria". Preis der Lieferung 50 kr. — 65 Pfg. Nun liegt von diesem epochalen Gcschichtewerke bereits der XIV. Band vor. Dieser führt uns in der ersten Hälfte in den Abfall Nordamerikas vom Mutterlande ein, schildert unö die Ursachen desselben, die Verhandlungen darüber, den langen, wcchsclrollen Krieg, den FriedcnSabschluß und endlich das riesige Wachsthum der jungen Republik. Die zweite Hälfte zeigt uns wie der nordamerikanische Freiheitskampf nicht ohne Folgen für die alte Welt geblieben und hebt namentlich die Einwirkung Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. — Druck u. hervor, welche selber zunächst auf die gewaltige Bewegung auZ- ausgcübt, die da „französi'cbe Revolution" heißt, und von der nack und nach die meisten Völker beeinflußt werden. Meisterhaft wie immer hat der Verfasser die Zeichnung der Charaktere verstanden; denn unvergleichlich ist die Charaktcrwicdcrgabe dcS erhabenen Freiheitömauncs Washington, des französ. Schriftstellers Rousseau, der Staatsmänner Maurepaö und Necker und hauptsächlich des ersten Redners Frankreichs Mirabeau. Unstreitig gehört dieser Band zu den interessantesten der bis jetzt erschienenen Bände dieses Werkes und nur schwer ist es, das Buch aus der Hand zu geben, wenn man einmal darin zu lesen begonnen. Mit großer Befriedigung erfüllt uns die Nachricht, daß soeben von der ersten Ausgabe der Weiß'schen Weltgeschichte die erste Hälfte des X. Bandes erschienen ist, enthaltend: Allgemeine Geschichte 1806 bis 1809. Mit der zweiten Hälfte dieses Bandes, welche bis 1815 reichen wird, will der Verfasser sein Werk bekanntlich schließen. Die Natnrheilmcthode bei Asthma- und Herzleiden von vr. Carl Reiß. Hugo Steinitz' Verlag, Berlin 1895. Preis 1 Mk. Der vorliegende vierte Band der „Bibliothek der gcsammtcn Naturheilkunde" weist vollständige Beherrschung des umfangreichen Materials, objektive unparteiische Schilderung aller natürlichen Heilfaktorcu und Heilmethoden, klare, lichtvolle, in allen Theilen gemeinverständliche Darstellung auf. Der Leser findet in dem Buche alles das im weitesten Umfange geschildert, waS über daS Wesen und die Ursachen des Asthma und der Herzkrankheiten bekannt ist, und eine ganz besonders sorgfältige Darstellung derjenigen Behandlungsmctbodcn, die sich in langjähriger Erfahrung als unzweifelhaft günstig bewährt haben. Das vierte Heft.des Deutschen Hausschatzes enthält die Fortsetzung des mit so großem Beifall aufgenommenen Romans von M. Lndolfs: Die Einsamen und des Reise- romans von Carl Map: Krüger-Bci. Außerdem bringt es eine sehr feine, kleine Erzählung, betitelt: Eine Erinnerung von Carl Ernest. An belehrend-unterhaltenden Artikeln ist dieses Heft besonders reich. Wir nennen nur: Die Wahrheit überGustav Adolf von Dr, Hcrm. Iosep h. Behrings Diphtheriebeilserum von Dr. Anton Schmid, die Thicrwelt der Eiszeit von vr. O- Fall- mann, Bischof Petrus Hötzl von Augsburg, Janssen's achter Band von H. Kerner u. s. w. Daran schließen sich kleine Artikel über die letzte Flottenparade bei Kiel, über den Komponisten von Hänsel und Gretel, Engelbert Humperdinck, und viele kurze Notizen. Der Inhalt der Beilage: „Für die Frauenwelt" ist ebenfalls reich und gediegen. Die zahlreichen Illustrationen stehen ganz auf der Höbe. — Der Beginn des Neuen Jabrcs ist die beste Gelegenheit zum Abonnement. Das bereits erschienene I. Quartal wird vollständig nachgeliefert. Quartal M. 1.80. 18 Hefte ä 40 P f. Theologisch-Praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heil in der Stärke von 5 Bg. od. 80 S. gr. 8°. Preis ganzjährig 5 Mk. Inhalt des 1. Heftes 1895: Der Klerus und die Gesellschaft. — Lebensweise der Jesuiten vor 190 Jahren, zunächst im Collegium zu Passau. — Das übernatürliche Motiv guter Werke. — Ein Seelsorgcrmuster aus der Regcnsbnrger Diöcese. — Was ist Rechtens in Sachen der Friedhos-Ordnung? — Provisur und Beerdigung von Kindern vor ihrem siebenten Lebensjahre. — BeherzigcnSwerthes über die Leitung der sogenannten „frommen Seelen". — Die Mütter als „Secliorgs- gehilicn". — Die Verpflichtung der Geistlichen zur Quartierleistung für die bewaffnete Macht im Friesen. — Aufenthalt vor der Kircbthüre während des Gottesdienstes. — Erfordernisse zur Giltigkeit eines Beschlusses der Kirchengemeindeversammlung. — Die „Zahl der Auserwähltcn" in der Predigt. — Wann darf der celebrirende Priester das heil. Opfer unterbrechen und vor beendigter Messe den Altar verlassen? — Rechtfertigt die Ueberzahl der Pönitcnten wenigstens ausnahmsweise ein Absehen von der Vollständigkeit der Beicht? — Bei Darreichung des Viatikums zu beachten! — Die äußere Erscheinung des OfsteiatorS beim Gottesdienste. — Ebrcnbczeig- nngcn für unverehelichte Mütter. — Ausnutzung der kirchlichen Ablaßgnaden. — Sittengcsährlicbe Schaustellungen auf Jahrmärkten. — Oommamoratio äs Vsnsrabili in einer Messe, in welcher zwei große Hostien consccrirt werocn. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.