4. N xerei Ut >8s1dn-2 Neovitalismus. / ^ Von Proscssor vr. L. Haas in Possau. (Vgl. Beilage znr Augsb. Postzcitung Nr. 41 vom 4. Oktober 1895 und Eäa XXX, S. 705 sf.) Erfreulicherweise erheben sich mancherlei Stimmen gegen die materialistische Naturerklärung, insbesondere gegen die des Lebens. Zwar hält man auf der einen Seite immer noch starr daran fest, daß in der Zelle die Atome dieselben Kräfte haben, wie außerhalb einer solchen (Du Bois-Neymond, Rede in d. öffentl. Sitzung d. preuß. Akad. d. WW. am 28. Juli 1894), daß es also eine Lebenskraft nicht gibt; doch finden wir die Ansicht, die im Leben ein Problem sieht, welches nicht nur mechanistisch, sondern sogar physikalisch-chemisch auflösbar sei, ohne weiters als beschränkt bezeichnet. (Driesch, Biologie als selbstständige Grundwissenschaft.) Bunge führt in seinem Lehrbuch der physiologischen Chemie die von ihm be- strittene Behauptung, daß in den lebenden Wesen einzig und allein die Kräfte und Stoffe der unbelebten Natur wirksam seien, darauf zurück, daß wir zur Beobachtung der belebten und unbelebten Natur immer nur ein und dieselben Sinnesorgane benützen, welche nur einen beschränkten Kreis von Bewegungen percipiren. Er verweist dagegen auf den inneren Sinn zur Beobachtung der Zustände und Vorgänge unseres Bewußtseins. Dieser zeigt uns Qualitäten der verschiedensten Art, Dinge, die nicht räumlich geordnet sind, Vorgänge, die nichts mit einem Mechanismus zu thun haben. Die physiologische Forschung beginnt mit dem complicirtesten Organismus, dem Menschlichen, weil wir durch die Selbstbeobachtung, den inneren Sinn, in dessen innerstes Wesen eindringen können, um der von außen vordringenden Physik die Hand zu reichen. „In der Aktivität steckt das Räthsel des Lebens." Der Referent der Gäa (Or. Klein?) bemerkt mit Recht, daß Neymond übersieht, daß in der That in den Lebewesen andere Kräfte auftreten als in den Atomen außerhalb der Zelle, nämlich die Motive, welche Aktionen hervorrufen, und zwar mit der gleichen Nothwendigkeit, wie die Schwere den nicht unterstützten Stein zum Fallen bringt. So anerkennenswerth dergleichen Anschauungen und Bestrebungen sind, so würde man doch sehr irren, wenn man in ihnen sofort eine principiell und wesentlich verschiedene Lösung der Frage erblicken wollte. Nur der Ausgangspunkt ist vorläufig ein verschiedener. Der Neovitalismus, welcher in neuerer Zeit sich geltend macht, unterscheidet sich dadurch von dem älteren Vi- talismus, wie ihn die christliche Philosophie und u. a. Joh. Müller und E. H. Weber vertreten, daß er nicht wie dieser zwischen der organischen und anorganischen Kraft unterscheidet. Ein Hauptvertreter desselben ist der Würzburger Professor I)r. Rindfleisch, der schon in seiner Nektoratsrede und neuerdings auf der 67. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Lübeck Zeugniß von demselben abgelegt hat. In seiner Nektoratsrede spricht sich vr. Rindfleisch in folgender Weise aus: „Ganz unabhängig von jenen älteren Vitalistischen Theorien hat sich der Neovitalismus entwickelt, welcher die Lebenskraft nur in der innigsten Verbindung mit einem zu ihr gehörigen Lebensstosi kennt und beide gleichzeitig zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung macht. Derselbe ist lediglich bemüht, die Erscheinungendes Lebens aus der chemisch-physikalischen Beschaffenheit des Lebensstosfes zu erklären." .. . „Er verhehlt sich aber nicht, daß cs abgesehen von den Erscheinungen des Bewußtseins Thatsachen gibt, welche der Forschung vielleicht unübersteigliche Hindernisse bieten werden." Eingehender und zuversichtlicher sind die Darlegungen in der Rede zu Lübeck, die wir in einer kurzen Erörterung auf ihren Werth und ihre Bedeutung prüfen wollen. Gegenüber der mechanistischen Weltanschauung, die zur Erklärung der Vorgänge in der Natur vom Einfachsten und Kleinsten, dem Atome, ausgeht, von dem wir aber immer noch nicht wissen, waS es ist, setzt der Neovitalismus bei dem Verwickelt- sten, dem Weltganzen, ein und sucht den Geist dieses Wcltganzen auch in die elementarsten Bildungen und Vorgänge der Körperwelt hineinzutragen. Der Mechanismus hat insbesondere das „Wie" der Verbindung von Kraft und Stoff nicht zu erklären vermocht. Der Neovitalismus hilft sich da ganz einfach: er sucht etwas, bei dem Kraft und Stoff schon möglichst verschmolzen sind, und findet dieses Etwas in einem Stoffe, der sich selbst bewegt. Ein solcher Stoff ist die Welt als Ganzes. Das sich das Weltall selbst bewegt, sei ja eine uns allen geläufige Ueberzeugung, und nichts hindere, sie zum Ausgangspunkt der ferneren Betrachtung zu machen und zu behaupten, daß das die ganze Welt bewegende Princip nicht auch in den Theilerscheinnngen zu einer den Umständen angepaßten Darstellung drängte und in etwelchen Versuchen und Nachbildungen zum Vorschein käme, wie etwa an einem gothischen Tome die Idee des Ganzen auch an der kleinsten Dachverzierung sich ausprägt. Von den gelungeneren (sind nicht alle gelungen? warum nicht?) unter solchen Nachbildungen werden vorsichtige Rückschlüsse auf das Ganze gemacht, welches ja kein sterbliches Auge mit einem Blick zu umfassen vermag. Das die Grundanschauung des Neovitalismus. Näthselhaft und unverständlich ist in dieser Darstellung, daß der sich selbst bewegende Stoff, das Weltganze, in den Theilerscheinungen es nur zu mehr oder minder gelungenen Versuchen bringen soll. Wo liegt der Grund hievon? Das Weliganze muß doch als unabhängig und absolut gefaßt sein. Was als Ganzes vollkommen ist, das ist es doch auch in seinen einzelnen Theilen in ihrer Art; sind die einzelnen Theile (Theilerscheinnngen) oder auch nur ein Theil derselben minder gelungen, so ist es auch das Ganze. Die „Umstände" können auch keinen Einfluß ausüben; denn sie gehören jedenfalls auch zum Ganzen und sind von diesem abhängig. Es bleibt für den Neovitalismus nur die Annahme übrig, daß der sich selbst bewegende Stoff, das Weltganze, in seinen Theilerscheinungen sich selbst unbegrciflicherweise behindert und beschränkt, ein Widerspruch, der jeder monistischen Weltanschauung von Hause aus anhaftet. Ist die Grundanschaunng des Neovitalismus neu? Sie erinnert zu sehr an den Hylozoismus der älteren Mischen Naturphilosophen, die in naiver Auffassungs- wcise einfach die unmittelbare Einheit von Materie und Leben annahmen. Dieses Leben findet sich bei ihnen in allem. Den Satz des Thales (geb. um 640 v. Chr.), daß alles voll von Göttern sei, kann der Neo» 2 oitalismus ohne weiters herübernehmen, wie sich besän- , ders aus seiner weiter unten zu besprechenden Vorstellung von Gott ergibt. Wie steht es weiter mit dem Ausgangspunkt? Das Weltall bewegt sich; woher der Beweis, daß es sich selbst bewegt? Ist vielleicht beides eins? Wir finden diese Bewegung in ihrem Gange vor. Soll etwa darin der Beweis liegen, daß sie eine Selbstbewegung ist? Dann gilt für mich eine Uhr, die ich im Gange finde, als selbstbewegt und belebt, sowie jeder Fluß, dessen Lauf ich mich nähere. — Soweit wir die Bewegungen der Himmelskörper kennen, folgen sie mechanischen Gesetzen. Folgt etwa daraus, daß die Gesammtbewegung eine lebendige ist? Oder verlieren die Einzclbewegungen dadurch, daß die Gesammtbewegung ohne weiters als lebendige, als Selbst- bewegung genommen wird, ihren mechanischen Charakter und werden lebendige? Wo wir eine Bewegung in der Natur treffen, da finden wir Bewegtes und Bewegendes: wer gibt das Recht, die Gesammtnatur" als lediglich bewegend, als sich selbst bewegend zu behaupten, wenn nicht der erste Beweger (der aristotelische „unbewegte Beweger") durch eine kühne xotitio xrinoixii in die Natur und in die passive Bewegung mit hereingezogen wird, also seine reine Aktivität verliert? An einen Anfang der Bewegung kann man Hiebei auch nicht denken, sie ist einfach gegeben, ewig. Die hieraus sich ergebenden Conscquenzen will ich nicht weiter verfolgen. Von einer Selbstbewegnng legt allein das menschliche Bewußtsein Zeugniß ab. Aber gerade diese Selbstbewegnng, die sich im seelischen und geistigen Leben des Menschen kundgibt, muß der Neovitalismus leugnen; er kann sie nicht als eigentliche Selbstbewegung fassen, sondern nur als Folge, also als Wirkung der Gesammtselbstbewegung des Weltganzen. Seine Grundanschauung fußt ja in der potitio xrinoixii, daß alle Bewegungen der lebenden Wesen dieselben sind wie die des Weltganzen. Würde der Neovitalismus von der einzigen Selbstbewegung, die wir beobachten können, von der menschlichen, ausgehen, dann würde er zu ganz anderen Resultaten gelangen. Schon das Thierleben (um vom Menschenleben nicht weiter zu reden) zeigt Bewegungen, die sich von den im Weltall der Beobachtung zugänglichen Bewegungen diametral unterscheiden. Man nehme einfach das Beispiel eines in die Luft geworfenen Steines und eines in die Luft geworfenen lebenden Vogels t Von der in der Bewegung des letzteren sich zeigenden Willkür findet sich in den bis jetzt beobachteten Bewegungen im Weltall keine Spur. Soll man daraus etwa gar schließen dürfen, baß sie sich in den nicht beobachteten oder gar in den der Natur der Sache nach gar nicht der Beobachtung zugänglichen, d. h. den uranfänglichen, ewigen findet? Es bleibt da für den Neovitalismus nur die unbeweisbare Annahme übrig, daß sich Las Weltall ein- für allemal für seinen gegenwärtigen Bewegungsgang selbst (willkürlich) bestimmt hat. Kein sterbliches Auge vermag das Weltganze mit einem Blicke zu umfassen. Und doch die Ueberzeugung von seiner Selbstbewegung mit den weiteren auf sie gebauten Behauptungen! Was wir als Ganzes nicht erfassen, von dem dürfen wir als Ganzem nur dann etwas behaupten, wenn uns die Einzelbeobachtungen dazu berechtigen. Nicht aber dürfen die allein maßgebenden Einzelbeobachtungen von vorneherein und ohne Grund eine bestimmte Färbung und Bedeutung von einer vorgefaßten Meinung bezüglich des Ganzen erhalten. Wer einen Menschen von vorneherein für einen Taugenichts oder einen Tugendbold hält, der findet den Widerschein davon leicht in den einzelnen Handlungen desselben. Die Grundanschanung des Neovitalismus beruht also auf einer xatitio xrlneixii und. demzufolge auf einem logischen Zirkel. Ohne Beweis steht ihm fest: Das Ganze ist belebt. Daraus folgt freilich logisch, daß auch die einzelnen Theile belebt sind. Die einzelnen Theile müssen also, mögen sie auch wie immer sein, als belebt genommen werden, damit von ihnen (vorsichtige) Rückschlüsse auf das Ganze möglich sind. Wozu denn überhaupt solche Rückschlüsse, wenn man sich über - das Ganze schon klar ist? Heißt das etwas anders, als eine aufgestellte Behauptung aus dem beweisen, was nur durch sie gewiß ist? (Schluß folgt.) „Negensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart."*) (Bearbeitet von Hugo Graf von Walderdorff.) Negensburg, in der Herzgegend Bayerns gelegen, in einer Gegend, die „eine Stadt Herlocken mußte," — ein Compliment, das man Goethe nie vergessen wird —, vor alter Zeit die Hauptstadt des Landes, Jahrhunderte lang eine Centralstätte der Cultur, Sitz zahlreicher Stifter und Klöster, berühmter Bischöfe, blühender Geschlechter, oftmals der Versammlungsort der Stände des heiligen römischen Reiches: darf sich einer Vergangenheit rühmen, wie wenige der Schwesterstädte im engeren und weiteren Vaterlande. Und hat auch sein Stern längst den Zenith überschritten, er steht noch in achtunggebietender Höhe; und der Glanz der Vergangenheit, krystallifirt in herrlichen monumentalen Werken aus allen Perioden der christlichen Aera, wie die Blüthe der Gegenwart vereinigen sich dort an der nördlichsten Biegung der Donau zu einem der anziehendsten Städtebilder im südlichen Deutschland. „Negensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart" ist soeben Gegenstand einer Beschreibung geworden, die der geschichtlichen und kulturellen Bedeutung der Stadt in jeder Beziehung entspricht und ohne Umschweif als mustergiltig in ihrer Art anerkannt werden muß. Der Verfasser, Graf Hugo von Walderdorff, seit Jahrzehnten mit der Geschichte der Stadt in eingehender Weise beschäftigt, hatte bereits im Jahre 1869 bei Gelegenheit der Generalversammlung der deutschen Geschichts- und Alterthums - Vereine einen dankbar aufgenommenen Wegweiser durch Regensburg erscheinen lassen. Nunmehr, in der 4. Auflage, ist die Schrift zu dem respektablen Umfange von ungefähr 700 Seiten angewachsen und damit ein Hausbuch geworden für jede BürgerSfamilie, ein vorzüglicher Führer für alle jene Fremden, deren Interessen den gewöhnlichen Horizont überragen, ein unentbehrliches Ortentirungsmittel für den Geschichtsforscher und Kunstfreund. Bei dieser neuen Auflage, welche sich gegen die unmittelbar vorausgehende um mehr als das Doppelte vergrößerte, hatte sich der Verfasser die Aufgabe gestellt, nicht nur der emsigen Lokal- und Spezialforschung auf historischem Gebiete, welche gerade in Negensburg einen sehr ergiebigen Boden fand, auf allen Punkten zu folgen, *) Vierte, vollkommen umgearbeitete und vielfach vermehrte Auflage. Negensburg, Fr. Pustet, 1896. ö M- 3 ihre Resultate an den Quellen kritisch nachzuprüfen und zu einem Ganzen zusammenzuarbeiten, sondern auch dieselben zu ergänzen und vielfach selbstständig weiterzuführen. Einen besonderen Werth und Reiz verleihen dem Buche die zahlreichen (bei 200) gelungenen und instruktiven Illustrationen. Die Disposition des Inhaltes betreffend bemerkt der Verfasser: „Die Einrichtung des Buches ist in der Hauptsache dieselbe wie früher geblieben, doch wurde der Stoff etwas übersichtlicher gestaltet. Einer allgemeinen geschichtlichen Einleitung, wobei namentlich, wie auch in den früheren Auflagen, die etwas verwickelte Verfaffungs- geschichte näher beleuchtet wurde, folgt eine längere Abhandlung über die örtliche Entwicklung der Stadt in den verschiedenen Zeitperioden. Besonders eingehend wurde Hiebei die alte Römerstadt mit ihrer wieder neu aufgedeckten porig. prnstoria, und den römischen Todten- seldern behandelt; es schien dies um so mehr geboten, als über die hiesige Römerzeit mehrfach unrichtige und unhaltbare Meinungen verbreitet worden waren. .Hieran schließt sich eine gedrängte Beschreibung der einzelnen kirchlichen und profanen Bauten, sowohl in geschichtlicher als architektonischer Beziehung. Nm auch der Neuzeit gerecht zu werden, folgt ein kurzer Abschnitt mit statistischen und praktischen Notizen, und endlich schließt das Werk mit einem Ausfluge durch die ebenso denkwürdigen als wechselvollen und reizenden Umgebungen von Regensburg" (p. XI 8.) Dieses schöne Werk gereicht wie dem Verfasser, io auch dem einheimischen Pustet'schen Verlage, dessen Interesse und Opfcrwilligkeit für die Sache die treffliche reiche Ausstattung des Buches ermöglichen half, zu hoher Ehre. Ncgensburg. Dr. Endres. „Schwedens Schanze."*) Ein Wort über die Völker Skandinaviens, besonders über die Schweden von Frau Helene Nyblom, geb. Noos. Frei und gekürzt nacki dem schwedischen Original von Or. P. Wittmann. Wem immer Gelegenheit geboten war, sich längere Zeit mit dem Studium eines Landes und seiner Bewohner zu beschäftigen, der gewinnt allmählig den Eindruck, als trete ihm eine selbstständige, ausgeprägte Persönlichkeit entgegen. Geschichtliche Erinnerungen, eigene Erfahrung, schöne und häßliche Züge vereinigen sich zu einem Ganzen. Das Wesentliche haftet, das Zufällige verschwindet. Auch die Vorzüge und Mängel der Heimath fallen besonders dann in's Auge, wenn man nach längerer Abwesenheit wieder dorthin zurückkehrt. Nur reife Erfahrung berechtigt übrigens dazu, die eigene Ansicht weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Denke ich mir die skandinavischen Länder als drei belebte Wesen, so repräsentirt für mich Dänemark das Bürgerthum, Norwegen den Bauernstand, Schweden den Adel. Natürlich ist das nicht so zu verstehen, als ob ich glaubte, Dänemark sei nur aus bürgerlichen, Norwegen ausschließlich aus bäuerlichen Elementen zusammengesetzt, ") „Schanze" (Lcansen) betitelt sich daö von Dr. Hazelius, dem Vorstand d. Nord. Museums aus Djurgürdcn bei Stockholm angelegte „Freiluft-Museuin", welches schwedisches Volksleben alter und neuer Zeit darzustellen bestimmt ist. Während die Schweden sich sammt und sonders edler Ahnen rühmen könnten. Ich meine bloß, daß jede der drei Nationen die Licht- und Schattenseiten genannter Gesellfchaftsschichten in vorzüglichem Maße wiederspiegle. Im schwedischen Landmanne tritt ein ritterlicher, im dänischen Aristokraten ein bürgerlicher Zug zu Tage, während dem Normann fast immer etwas Bäuerisches anklebt. Dänemark gleicht gewissermaßen einer freundlichen, wohlhabenden Bürgcrsfrau, welche ihr gemüthliches Heim gerne auch Anderen erschließt und in liebenswürdiger Weise znr Theilnahme am Familien- tische einlädt. Das Zimmer ist hübsch und wohnlich eingerichtet; Thorwaldsen'sche Bildwerke und Gemälde dänischer Meister schmücken die rothbraunen Wände; Kopenhagener Werkstätten entstammt die Einrichtung. Alles athmet Behaglichkeit. Ueberall treten uns Erzeugnisse einheimischen Gewerbeflcißcs entgegen. Auf der Tafel prangen lockende Gerichte, und die letzte Vorstellung des kgl. Theaters, das neueste dänische Werk, eine Ausstellung in Char- lottcnbnrg oder die reichlich gebotenen Zerstreuungen der Hauptstadt bilden den Gegenstand munterer Unterhaltung. Betritt man in Kopenhagen ein conservatipes oder liberales Haus — die Bewohner versichern uns, daß sie sich gegenseitig Haffen und verachten — so beobachtet man doch überall gleich große Gemüthlichkeit und Gastfreiheit. Man gewahrt ein gewisses allgemeines Wohlbefinden und eine weitverbreitete Bildung von stark ausgeprägter nationaler Färbung, die selbst längerer Aufenthalt im Aus- lande kaum zu beeinflussen vermag. Auch der stark mar- kirte Tonfall des Hauptstädters verschwindet trotz aller Berührung mit fremden Nationen niemals. Die Dänen sind eben Inselbewohner. Hierin liegt ebensowohl die Ursache ihrer Stärke wie ihrer Beschränktheit. Für daS, was aus ihrer Mitte hervorgeht, Zeigen sie ausgesprochene, leicht zu lächerlichem Dünkel ausartende Vorliebe. Und doch hat andererseits auch dieser Stolz auf eigenes Können dem kleinen Lande Kraft verliehen, bei Vertheidigung feiner Existenz wahre Wunder von Heldenmuth zu vollbringen. Die Ansammlung einer nach Hunderttausenden zählenden Volksmenge in Kopenhagen, der einzigen bedeutenden Stadt des Reiches, erinnert etwas an kleine Männer mit zu großem Kopfe, an Personen, welche sich von Kindheit all altklug geberdeu und, um länger zu scheinen, als sie in Wirklichkeit sind, recht hohe Hüte tragen. Faßt man aber nicht die Residenz allein, sondern das gesawmte Land in's Auge, so erweisen sich die Dänen, als wackere Bürger, als fleißige, sparsame und gutmüthige Leute. Sie nehmen das Leben von seiner heiteren Seite und sind wohlwollend und hilfsbereit gegen Jedermann. Freunde edler und gemeinnütziger Ideen, zeigen sie alle eine auffällige Gleichartigkeit der Sinncs- richtnng. So wie ihr Boden verhältnißmäßig wenige, dabei nur kleine Erhöhungen zeigt und die Sprache etwas monoton klingt, so ist auch das ganze Volk jeglicher Uebertreibung abhold. Was das Gewöhnliche übersteigt, mißfällt und muß die Geißel des Spottes fühlen. Welch' gewaltiger Unterschied zwischen dem norwegischen und dänischen Bauer! Letzterer hat allzulang seinen Herren Knechtsdienste geleistet, als daß er der Nation noch ein bestimmtes Gepräge zu der- 4 leihen im Stande wäre. Die Norwegischen Landleute dagegen sind stets freie Männer gewesen; Könige und Heerführer gingen aus ihrem Schoße hervor. Gleicht doch schon ihr Land einem solchen breitschulterigen Ackersmann, wie er hochgewachsen und stattlich, dabei hüftenschlank, mit marktrten Zügen, fest- geschlossenem Munde und hervortretendem Kinn unter buschigen Brauen seine scharfen Blicke auf uns richtet. Die ausgesprochene Individualität, will er seinen Staat nicht nur durch eine Stadt vertreten wissen; das eigene Thal, der eigene Fjord bildet seinen Stolz; er versteht es, sein Heim zu einer Welt für sich zu gestalten. Hat ja der Schöpfer das herrliche Nordland gar mannigfach abgetheilt und gegliedert. Allenthalben überwiegen die Kuppen mächtiger Berge, und der Mensch sieht sich darauf angewiesen, die zwischen ihnen liegenden Thalspalten dienstbar zu machen. Wenige Gegenden der Erde erreichen Norwegen an Schönheit. Selbst der Schweiz mangelt diese Unzahl von Wasserfällen, die Fülle der Buchten, das erhabene Meer. Und dennoch scheint auf den Bewohnern dieses gewaltigen Berglandes eine Art Druck zu lasten. Ueberall ruft gewissermaßen die Natur dem Menschen zu: „Bis hieher und nicht weiter!" Der Verkehr zwischen den verschiedenen Bezirken und deren Hauptplätzen gestaltet sich nirgends wie im offenen Lande; geistige und körperliche Absperrung der Menschen ist hievon natürliche Folge. Jedes der kleinen Gemeinwesen führt sein eigenes, beschränktes Dasein; hoffnungslose Jsolirtheit bildet sein Gepräge. Im Gegensatze hiezu bietet der norwegische Bauer ein vollkommen abweichendes Bild. Jeder Zug seines Wesens verräth den Normannen; sein Charakter ist der eines auf sich bauenden, thatkräftigen Mannes. Nicht selten artet sogar bei ihm Kraft zur Derbheit, Eigenart zum Unschönen aus. Der überflnthenden Fülle von Mannhaftigkeit könnten einzelne weiblich-weiche Züge durchaus nicht schaden, würden ihr vielmehr sicher zur Zierde dienen. Mit Recht stellt man Norweger und amerikanische Westmänner zu einander in Parallele. Muth und Begeisterung eines jungen Volkes zeichnen beide gleichmäßig aus. Das Sagenzeitalter liegt hinter ihnen, während die Periode fortschreitender Cultur noch andauert. Was manche Europäer beim Besuch gewisser Theile Amerikas vermissen — Mangel von Spuren früherer Civilisation — zeigt sich beim norwegischen Bauer: die guten Eigenschaften eines Kindes, gepaart mit den großen Fehlern eines Neuansiedlers oder Wikings. Denke ich mir somit Dänemark im Bürger, Norwegen im Bauersmann verkörpert, so steht Schweden als adeliger Jüngling vom alten Schlage eines Sten Sture oder Gustav Wasa vor mir, ein Junker, der sich auf der Welt umgesehen und dabei Schätze von Wissen und Kunstfertigkeit erworben hat, schließlich aber doch wieder zur lieben Heimath zurückkehrt, um hier leben und sterben, sie im Fall der Noth mit Gut und Blut vertheidigen zu können. Die schwedischen Aristokraten waren nicht nur Schlemmer und Bauernschinder, wie vielfach anderwärts der Fall, sie erwiesen sich vielmehr von jeher als wahre Repräsentanten der Staatsidee und leisteten ihrem Vaterlande gute Dienste. Sie vermittelten ihm zugleich die höhere Cultnr anderer europäischer Völker. In Schwedens zahlreichen Herrenhöfen empfängt man beständig neue Eindrücke wohlthätigster Art. Gemälde - Sammlungen, Büchereien, von den Ahnen erworbene, mit Pietät und Stolz bewahrte Kunstgegenstände legen Zeugniß ab, wie Generationen hindurch höhere Ziele verfolgt wurden, wie mächtig und bedeutsam der Staat bei den großen europäischen Verwickelungen eingegriffen hat. Betritt man aber die Residenzstadt, so „scheint einem die ganze schwedische Geschichte in weitem Umriß entgegenzutreten". Ich erwähnte bereits, daß es mir ferne liege, die politische Geschichte des Reiches mit der seiner Nobtlität zu identificiren, zu behaupten, daß gerade sie den Kern der Nation bilde. Nur darauf möchte ich hinweisen, wie bei all' dem Guten, das man in Schweden antrifft, sich eine gewisse Vornehmheit bemerklich macht, die Landes- geschichte den Stempel der Großartigkeit an sich trägt. Noch zur Stunde erblicken wir in den Bewohnern DalarneS jenes stolze Racevolk, das einst mit gleichem Muth wie die Großen für die Sache der Freiheit eintrat; beim Laydmann und Tagewerker entdecken wir ein augebornes Schicklichkeitsgefühl, einen Takt, wie man ihn sonst selten findet. Am wahrsten und treffendsten drücken die Volks-Lieder die GrundstimMung der Volks- Seele aus; sie sind der beste Beweis für den hochentwickelten ästhetischen Sinn derselben. Dieses ange- borne Schönheits-Jdeal, daS sich oft mit merkwürdiger, harmonischer Vertheilung ungleicher Eigenschaften vereint, hat Individuen von ungewöhnlicher Vollkommenheit auf dem Gebiete der politischen und Literaturgeschichte erzeugt. Anlangend Kunst will ich hier nur Jenny Lind erwähnen. Ich glaube kaum, daß sie außerhalb Schwedens hätte geboren werden können. Hervorgegangen aus dem Volke, hatte sie keinerlei Vorschule genossen und sah sich überdies von all' den Versuchungen und Gefahren umgeben, welche eins Jüngerin der Kunst auf der Bühne bedrohen. Gleichwohl nahm sie eine ganz vereinzelte Stellung ein: sowohl durch Reinheit des Charakters wie durch ungewöhnliche Leistung in ihrem Fache. Diese strahlende Unschuld, vor der sich ein Jeder beugen mußte, das Vermögen, die Gefühle der Menschen zu erfassen und ihnen vollkommen adäquaten Ausdruck zu verleihen, hat vor und nach ihr kein Weib besessen. Trotz der Befähigung zum Universellen, dem Stigma höchster Begabung, hing Jenny mit allen Fasern ihres Herzens an Volk und Natur ihres HeimathlandeS, ja die Liebe zu diesen bildet sogar den einzigen leidenschaftlichen Charakterzug, den wir an ihr bemerken. Wenn ich von Jenny Lind rede, so geschieht es, weil sie mir als bekanntestes Beispiel dafür erscheint, welch' geniales Neceptionsvermögen die schwedische Nation besitzt. In Dänemark sind die großen Massen gebildeter, obschon sich hier oft das Wissen auf einen recht engen Gesichtskreis beschränkt; in Norwegen macht sich die ausgeprägteste Stammeseigenthümlichkeit geltend; nur die Schweden können fast Alles mit Liebe umfassen und auch erfassen. So begabte, harmonisch gestimmte Naturen, wie sie in Schweden, und zwar in jedem Stande, vorkommen, finden sich bei anderen Völkern nur ganz vereinzelt. (Schluß folgt.) Der schwarze Bertholt», der Erfinder des Schieß- pnlvers und der Feuerwaffen. F. k'. Nach der Buchdruckerkunst wird keine andere Erfindung so hoch gewerthet und ist keine von so hohem Einflüsse auf die Entwickelung der Völker gewesen, als eben die des Schteßpnlvers und der Feuerwaffen. Wohl soll jeder Volksschüler den Namen des Mannes wissen, der diese epochemachende Erfindung machte, und sagen können, wie diese geschehen; allein über dieses hinaus ist selten über „Berthold Schwarz" weiteres zu hören. Ja, es ist noch gar nicht lange her, daß man es geradezu in Zweifel gezogen hat, daß der Freiburger Franziskaner- Mönch überhaupt der Erfinder sei. Da ist es nun höchst erfreulich, daß kein Geringerer als der bekannte Volksschriftsteller Dr. Heinrich Hansjakob, Stadtpfarrer von St. Martin in Freiburg, es in letzter Zeit unternommen hat, „durch eine kritische und wissenschaftliche Untersuchung den berühmtesten Franziskaner von St. Martin und den bekanntesten Mann FreiburgS — der Stadt und dem Kloster zu vindiziren". An der Hand dieser, bei Herder in Freiburg erschienenen, höchst dankens- werthen Arbeit*) wollen wir den Lesern dieses Blattes das Wichtigste über den schwarzen Berthold und seine Erfindung vorführen. In den Mythen der Alten lesen wir, daß der Sohn des Japetus, Prometheus, den Göttern das Feuer stahl; von Salmoneus, dem Sohne des Königs Aeolus in Thessalien, berichten sie, er habe donnern und blitzen gekonnt und sei deßhalb vom Donnergott erschlagen worden. Dio Casfius erzählt uns in seiner römischen Geschichte, der Kaiser Caligula habe eine Maschine machen lassen, mit welcher er bei Gewittern, dem Jupiter zum Trotz, gedonnert und geblitzt habe. Und Philostratus berichtet in dem Leben des Apollonins von Tyana von den Indern, daß sie Blitz und Donner auf die Feinde geworfen hätten. Es ist nun sehr wahrscheinlich, daß Caligula seine Maschine über den Hauptstapelplatz der östlichen Welt, Alexandrien, von ostindischen Völkern erhalten hat. Von den Chinesen wissen wir endlich, daß sie eine Art Pulver lange vor uns hatten, aber nicht Zum Schießen, sondern nur zu Spielereien. Diese Feuerwerke der Alten hängen wohl zumeist mit dem zusammen, was wir unter dem Namen „griechisches Feuer" kennen, das im 7. Jahrhundert nach Europa kam, von den ost- römischen Kaisern als Staatsgeheimniß bewahrt und vielfach zu Kriegszwecken benützt wurde. Dasselbe war ein Gemisch aus Naphtha, Bergpech, Schwefel und Harz. Von den Griechen erfuhren zuerst die Venetianer das Geheimniß des griechischen Feuers; es war dieses in den Kämpfen der oströmischen Statthalter mit den Sarazenen und Normannen in Unteritalien, in welchen sie auf Seite der Griechen standen. So schössen schon 1003 vor dem belagerten Bari die Venetianer mit feurigen Pfeilen auf die Schiffe der Sarazenen, ebenso 1082 „aus verborgenen Röhren" gegen die Normannen in der Schlacht bei Dnrazzo. Jene Pfeile trugen einen Ring aus Pech, Werg, Harz, Schwefel und Oel, der unmittelbar vor dem Abschießen angezündet wurde. Wohl durch Gefangene oder Ver- räther gelangte das griechische Feuer zur Kenntniß der Sarazenen, welche es zum Werfen von Steinen in den Kriegen benutzten. So berichtet der Schriftsteller Join- ville, daß bei dem Feldzuge Ludwigs des Heiligen von Frankreich nach Aegypten die Sarazenen 1250 bei der Belagerung von Damiette „griechisches Feuer" auf die Befestigungswerke der Christen warfen aus einem Rohre, das die Größe einer Essigtonne hatte und mit einem donnerähnlichen Geräusche losging. Aber diese Geschosse *) Der schwärze Berthold, der Erfinder dcS Schießpulvcrs und der Feuerwaffen. Eine kritische Untersuchung von Dr. S. Hansjakob. Mit Titelbild. VI u. 91 S. Pr. 1.80 M. und das Pulver der Mauren hatten, wie der gelehrte dänische Professor Christian Temler nachweist, nichts Verwandtes mit unsern Pulvergeschützen. Was nun die Erfindung des Schleifpulvers betrifft, so steht fest, daß die ersten Kenner desselben zweifellos abendländische Mönche waren. Die Geschichte kennt außer dem schwarzen Berthold von Freiburg noch zwei Zeitgenossen desselben, welche in Chemie und Alchemie hoch erfahren waren und das Pulver kannten und mit demselben experimentirten; es sind dieses Albertus M eign us, der durch seine Theologie und Philosophie berühmte Dominikanermönch (geboren um das Jahr 1200 zu Lauingen an der Donau aus dem altadeligen Geschlechte derer von Bollstädt, gestorben zu Köln im Jahre 1280), und der englische Franziskanermönch Nager (Robert) Bacon, einer der merkwürdigsten und originellsten Gelehrten des Mittelalters (geboren 1214 auf einem Schlosse bei Jlchester in England und gestorben zwischen 1292 und 1294). Neben theologischen Werken schrieb Albertus Magnus auch naturwissenschaftliche, und durch physikalische Kenntnisse überragte er weit alle seine Zeitgenossen. Da er allerlei physikalische und künstliche Experimente machte, so galt er allgemein als Wundermann und Hexenmeister. Wenn das Albertus unterschobene Buch Da mirnsiilidus rrmncli (über die Wunderdinge der Welt) ächt wäre, so hätte er bestimmt „das Schwarz'sche Pulver" gekannt. In dem genannten Büchlein ist nämlich ein Recept zu einem „fliegenden Feuer", das anS Schwefel, Weidenkohle und Salpeter zusammengesetzt wird, angegeben. „Diese Mischung wird in eine Patrone gefüllt, kurz, dicht und halb voll, und dann geschlossen und angezündet" (Rakete). Der Schriftsteller Matthäus de Luna nennt Albert den Großen geradezu den Erfinder der Feuerbüchsen und der Handröhren (Gewehre). Nager Bacon, noch bedeutender als Albertus, galt als Erfinder der Fern- und Vergrößerungsgläser und des Vrennspiegels; auch über Strahlenbrechung und die Größe von Mond und Sonne lehrte er Neues. Wegen seiner erstaunlichen, an Wunder grenzenden Experimente wurde er vootor mirndilis (der wunderbare Gelehrte) genannt. Ja, wegen dieser seiner „Künste" brachte man ihn in Verbindung mit dem Teufel und leider wiederholt in den Kerker. Er mußte eben auch erfahren, daß diese Erde nicht für Gentes eingerichtet ist. In einem kleinen Buche I)s ssoretis oxorlbns nitw ed unturns sagt Bacon: „Aus Salpeter und anderen Dingen machen wir durch die Kunst ein brennendes Feuer; außerdem kann man einen heftigen Donnerknall in der Lust machen, wie die Natur ihn hervorbringt." Er gibt dann ein Recept an, wie viel Schwefel und Salpeter zu nehmen sei, aber verräth das Geheimniß nicht, denn er fügt hinzu: „So wirst du Donner und Blitz hervorbrigen, wenn du diese Kunst kennst." Weiter sagt er, daß diese Kunst im kleinen als Knabenspkl an manchen Orten getrieben werde, daß damit aber auch „ganze Städte und Kriegs- heerc zerstört werden könnten". Nirgends jedoch sagt Bacon, daß er dieses Pulver erfunden habe. Diese Angaben Bacons erklären sich daraus, daß er, wie wir sehen werden, ein Zeitgenosse des schwarzen Berthold war; wahrscheinlich haben englische Franziskanermönche, die auf ihren Pilgerfahrten nach Rom auch in Freiburg in St. Martin ein- und ausgingen, das „Geheimniß" ihrem gelehrten Landsmann heimgebracht. Wenn nun auch beide vielleicht sich mit Pulver- 6 experimenten abgegeben haben und jeder für sich die Mischung des Pulvers erfand, so entdeckte der dritte Mönch, der im Franziskanerkloster zu Freiburg die Netorte gebrauchte, allein dessen Schießkraft und wandte sie praktisch an. Wenn er auch bezüglich seiner Gelehrsamkeit erst an dritter Stelle genannt werden muß, so gebührt doch ihm die Palme. So geschieht es sehr häufig. Die meisten wichtigen Erfindungen sind nicht von Gelehrten, sondern oft ganz zufällig und von Laien gemacht worden. Gehen wir nun zum schwarzen Berthold über. Das erste gedruckte Zeugniß über ihn verdanken wir dem ebenso gelehrten, freimüthigen und charakterfesten als unglücklichen Manne, dem Geistlichen Felix Hemmerlin von Zürich (geboren 1389, gestorben um das Jahr 1464, als Opfer einer noch rohen, barbarischen Zeit). Dieser Geistliche erzählt in seinem um das Jahr 1450 geschriebenen Dialog „Ueber den Adel und die Bauernschaft", „daß der schwarze Berthold (Lartlrolrius nixer), ein allgemein bekannter, feiner Alchimist", das Quecksilber fixiren, hammerfest machen wollte, damit man es behandeln könne wie reines Silber. Er wollte deßhalb zunächst den „Geist", den „Basilisken", wie Hemmerlin in jener naturwissenschaftlich so naiven Zeit das „Leben" des Quecksilbers nannte, todten. Und da „der Geist dem Feuer feindlich ist und durch Rauch entweicht, wenn er dem Feuer nahe gebracht wird", so stellte er das Quecksilber an's Feuer. Aber er konnte es nicht tödten. Jetzt beschloß der schwarze Berthold einen andern Versuch. Er kam auf den Gedanken, den „Geist" sammt dem Quecksilber selbst zu vernichten. Er wußte, daß Gegensätze einander nicht dulden, und that deßhalb den von Natur feurigen Schwefel und den kalten Salpeter mit dem Quecksilber in ein Gefäß von Erz zusammen, verschloß dieses und setzte es dann dem Feuer aus. Die Wirkung war eine verblüffende. Der Schwefel entzündete sich, konnte neben dem kalten Salpeter nicht mehr cxistiren und zerriß unter furchibarem Knall die Büchse. Durch dieses Ereigniß aufmerksam geworden, experimentirte Berthold weiter, er band starke Metallgefässe mit Eisen und wiederholte obige Prozedur. Sie zerrissen und schlugen die Wände des Laboratoriums in Stücke. Nun erzählt Hemmerlin weiter: „Als Berthold das sah, machte er durch seinen Erfindungsgeist zum Staunen aller die durch einen Zufall erfundenen Gefäße zu dem, was wir uueigentlich Büchsen nennen, und da er seine Erfindung von Tag zu Tag verbesserte, so kam eS, daß er alle früheren Kriegsinstrumente übertraf. Es geht aus Schriften hervor, daß die Erfindung innerhalb zweihundert Jahren zum erstenuiale bekannt wurde." Hansjakob führt eine ganze Reihe Schriftsteller auf, welche von dieser neuen Erfindung sprechen. Von den alteren Italienern spricht ganz ausführlich Guido Porn- cirollus davon. Er sagt. daß unter den Erfindungen der Deutschen die metallenen Maschinen, welche durch Feuer und Schwefclpulver unter furchtbarem Donnern eherne Kugeln und Steine weithin schleudern, die Mauern der Städte und alles, was ihnen in den Weg kommt, niederwerfen, nicht den letzten Platz einnehmen. Man nenne sie „Lombarden" von dem griechischen Worte Koinl>ci8 (das Brummen), und der Schriftsteller Robert Valtnrius vergleiche sie „einem feurigen Brummen". Er zählt dann von Archimedes an alle Erfinder ähnlicher Kriegsmaschinen auf und meint, diese seien Kinderspiele gewesen gegen die Bombarden, welche mehr zu fürchten j seien als Blitz und Donner. Wahr sei, baß der Erfinder ein Deutscher gewesen, wie verschiedene Schriftsteller von ihm auch behaupteten, ob nun sein Name unbekannt oder ein Mönch von Freiburg, Konstantin Anklitzen oder Berthold Schwarz sei, wie er von Forculatus (j- 1573) genannt werde. Mit großer Sachkenutniß weist nun Dr. Hansjakob nach, daß man mit Hemmerlin annehmen muß, der Erfinder des Schießpulvers habe um 1250 gelebt. Die verbreitetste Annahme, welche besonders in Deutschland durchgedrungen ist, setzt die Erfindung in das Jahr 1354, eine Jahreszahl, welche auch auf dem im Jahre 1853 errichteten Monumente des Berthold Schwarz zu Freiburg Platz gefunden hat. Der „erste Verbreiter dieser Jahreszahl" ist niemand anders als der 1505 in Lindau geborene und 1577 in Augsburg als Arzt und Geschichtkschreiber gestorbene Dr. Achilles Pirminius Gaffer, welcher diese Zeitangabe auch dem ehemaligen Franziskaner und späteren Professor in Basel Sebastian Münster (1489—1552) übermittelte. Aus der Kosmographic Münsters schrieben es dann zahlreiche spätere Schriftsteller nach. Gaffer selbst hatte die Notiz von dem bekannten Johannes Aventinns (Johannes Thurmayr aus Abensberg, 1466 bis 1534) entlehnt. In seiner lateinisch geschriebenen und von ihm selbst verdeutschten Chronik schreibt er: Dieser Zeit (zur Zeit Karls IV.) hat gelebt Meister Berthold Schwartz, ein Barfüßer, ein großer Künstler der heimlichen Kunst Alchimey und dergleichen mehr; hat die Geister (des Quecksilbers!) können zwingen und bannen. Und hat die Büchsen und das Pulver erfunden, die nachmals durch andere gebessert worden und bei unserer Zeit auf das Höchste sctznd kommen." Zweifellos wurde Aventin von Hemmerlin bedient. Da nun dieser um 1454 seinen oben genannten Dialog „Ueber den Adel und die Bauernschaft" herausgab und darin sagte, daß innerhalb zweier Jahrhunderte vorher das Pulver erfunden worden sei, so nahm Aventin ein Jahrhundert, die Mitte, an;- so ergibt sich 1354. Daß Hemmerlin allein die richtige Zeit getroffen hat, wenn er auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, folgt auch aus einem andern Umstände. Gewiß braucht eine Erfindung von weltgeschichtlicher Bedeutung bis zu ihrer vollen Entfaltung Jahrhunderte. Es sei nur an die Dampfmaschine hier erinnert; Abt Luger von St. Denis, mit dem Beinamen „Vater des Vaterlandes", war vor 700 Jahren deren Erfinder; der Spanier Blasco de Garay machte 1543 weitere Versuche ; bis zur Ausführung praktisch anwendbarer Dampfmaschinen durch den Kapitän Savertz 1698 vergingen 150 und von da bis zur ersten Eiscnbahnlokomotive fast ebensovicle Jahre. Demgemäß können wir wohl annehmen, daß von der ersten Erfindung des Geschützes bis zu seinem öffentlichen kriegerischen Gebrauche mindestens hundert Jahre vergangen sein können. Der historische Nachweis wurde von Dr. Hansjakob erbracht, daß weder bei den Deutschen, noch bei den Italienern, noch Franzosen rc. rc. vor der Mitte des 14. Jahrhunderts das Schießpulver und dessen Gebrauch erwähnt wird. Und Tcmler weist ganz vorzüglich nach, daß „kein einziger glaubwürdiger, recht verstandener Schriftsteller mit irgend einem klaren Zeugnisse darthne, daß vor dem Jahre 1354 das Schießpulver in Europa bekannt und im Gebrauch gewesen sei". (Schluß folgt.) 7 Münchner anthropologische Gesellschaft. —Nachdem der Vorsitzende Herr Pros. Dr. I. Ranke in der Sitzung von: 13. Dez. die neuangemeldeten Mitglieder mitgetheilt hatte, stellte er die gegenwärtig im Panoptikum sich produzirenden Kongonegcrinnen vor. Sie sind anthropologisch deßhalb interessant, weil sie einem Stamme angehören, der nach Burmeistcr den eigentlichen Negertypus darstellt. Gerade die vorgestellten Negerinnen zeigen die Unhaltbarkett von Bur- meisters Behauptungen. Ihre allgemeinen Körperpropvrtionen nähern sich in keiner Weise den Affen Hierauf demonstrirte der Vorsitzende die von Herrn Direktor E. v. Lange erfundene Meßvorrichtung. Scala. Dieser Apparat ist bestimmt zur Messung der Körpergröße in der Familie und der Schule und erfüllt seinen Zkvcck voll und ganz. Hierauf hielt Herr Hofrath Dr. msä. L. Martin seinen interessanten Vortrag über die Völker des östlichen Himalaya: Nepal, Sikkim, Bhutan. Martin war zweimal, und zwar auf längere Zeit (14 Tage und 6 Wochen), in Sikkim, das zwischen Nepal und Bhutan in der Nähe der höchsten Berge der Welt liegt. Das Land verbindet mit einem sehr gesunden Klima viele landschaftliche Reize und wird von den Europäern als GesundheitSstation benutzt. Da eS mehr als 7000 Fuß über dem Meere liegt, ist eS frei von dem Malariaficber. Von Calcutta erreicht man eS mit der Eisenbahn in 24 Stunden. Die Fahrt ist sehr genußreich. Es dürfte wohl die interessanteste Gebirgsbahn der Erde sein. Ohne Zahnrad werden die Höhen überwunden. Die Bahn fährt im Zickzack, indem die Lokomotive bald zieht, bald schiebt. Die Flora ist nicht unähnlich der von Südeuropa. Die Jesuiten haben dort ein Kloster mit einem berühmten Institute zur Erziehung von Kindern unter der Leitung von rheinischen und belgischen Patres. Dieses Institut ist bei Katholiken und Protestanten gleich beliebt. Letztere lassen oft ihre Kinder katholisch taufen und erziehen, um sie in jenem Institute unterzubringen. Die Bewohner SikkimS zeigen mongoloide Züge. Ihre Kleidung besieht aus einer kurzen Jacke und einem weiten, bis zu den Knöcheln enger werdenden Beinklcide. Die Bevölkerung befielst aus den Lcptschanern, welche die eigentlichen Eingeborenen sind, den Nepalesen und den Bhutanern. Erstere zeigen mongolische Züge und gehören zur tibeto-birmanischen Rasse. Sie tragen aber keinen Zopf, sind sanft, unkriegerisch und sehr geeignet als Diener. Sie haben ein sehr großes Verständniß für die sie umgebende Natur. Da sie eine Art Bier, Murwa- bicr, sehr lieben, sielst man häufig Scenen, die an die Salvator- und Bccksaison in München erinnern. Es ist ein im Aus- sterben begriffenes Völklcin von ca. 20,000 Seelen. Die zweite Gruppe sind Einwanderer von Nepal. Sie zeigen deutlich ein mongolisches AcnßercS, haben eine geringe Körpergröße. Jrr- thümlicher Weise werden sie der arischen Nasse beigezäblt. Sie sind ein kriegerisches, tapferes, anspruchloscs, an Embchrungen gewöhntes Gebirgsvolk. Die dritte Gruppe ist aus Bbutan eingewandert. Die Bhutaner sind rein und nnvermischte Mongolen mit chinesischer Tracht und Zöpfen. Ihre Beschäftigung besteht in Handel und Ackerbau. Sie sind klein und gedrungen, offen, frei und fröhlich. Es ist angenehm mit ihnen zu Verkehren. Die geringe Schönheit der Weiber läßt sich durch die jrühe schwere Arbeit erklären. Der Schmuck der Frauen besteht größtenteils anS Türkisen. Die Religion ist die buddhistische, aber mit einigen Aenderungen. Zum Schlüsse dcmonstrirt Martin verschiedene Gegenstände aus jener Gegend, wie Waffen, Kleidungsstücke, Gcbetöniühle und andere Cultgcgenstände. An der Diskussion betheiligen sich Pros. Kühn und Furtwängler. Hierauf theilt Pros. I. Rauke mit, daß das Ehrenmitglied Herr Sanitätsrath Bartels der Gesellschaft sein Werk „Das Weib" geschenkt hat und läßt das Werk von E. u. L. Selenka »Sonnige Welten" circulircn. Zum Schlüsse legte Professor Selenka Photographien anS Vorderindien und moderne japanische Drucke vor. Dr. Schund wies im Anschluß an die letzte Sitzung auf den großen Unterschied in der japanischen Malerei md Plastik hin. Letztere zeigt von hoher künstlerischer Begabung. Pros. I. Ranke dankt den Rednern und theilt mit, vaß Pros. Selenka versprochen hat, einen Vertrag über seinen Aufenthalt in Japan zu halten, verbunden mit einer Demonstration von Photographien mittels des Scioptikon. Damit schloß die sehr genußreiche Monats-Sitzung. Recensionen und Notizen. Theologisch-praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. od. 80 S. gr. 8°. Preis ganzjährig 5 Mk. Inhalt des 1. Heftes 1896: Die theologische Literatur der griechischen Kirche rc. Von Vk. A. Ehrhard, Professor der Theologie in Würzbnrg. — Der Klerus und die Laien. Von Domkapitular Dr. Kuudlach in Passau. — Mitwirkung des Seclsorgsklcrus zur Förderung der Gürrcsgesellschaft. Von Dr. Pell in Passau. — Die Religion und die Mittelschulen. Von Max Steige nberger, Domprcdiger in Augsburg. — Aus der seelsorglichen Kasuistik über die Ehe. Bon Prälat Dr. Pruner in Eichstätt. — Der Kampf gegen die Genußsucht und der Klerus. Von A. Häuser, geistl. Rath in Augsburg. — Die Lssistentia Passiva bei Mischehen im GellungS-Berciebe der Tridentincr Eheschließunzssorm nach Vortrauung des mi- nistsr aeatlroliaus und bei Verweigerung katholischer Kinder- Erziehung. Von Domkapitular Dr. P. Schmitt in Würz- burg. — Ueber die Bettelbriefe der Diaspora-Geistlichen. Von X. Z. — Ausnutzung der lebrplanmäßigen katcchetischen Unterrichtsstunden. Von Georg Sailer, Pfarrer und DistriktS- schulinspektor in Arnstors. — 6asus propositns ab aliguo eon- kessario cks nsu watrimonii. Von Dr. Pruner in Eichstätt. — Die Spinnstuben. Von Dr. H ünnn er in Würzbnrg.— Zur Behandlung der Glocken. (Wichtig für jeden Kirchenvcrstand.) Von Dr. Walter in Landshut. — Antheilnahme am häretischen Gottesdienste. Von Dr. HaSler in Passau. — Ist der Pfarrer zur Beherbergung der sog. Gemeindeumsuhrcr verpflichtet? Von L. H. Krick. — Verwendung des Armenopferstcckgeldes. Von L. H. Krick. — Postportosreiheit der Pfarrämter. Von L. H. Krick. Leichtes Mittel, um Meßwein auf seine Echtheit zu prüfen. Von L. Henmann in Feucht. — Der Tertiarpriestcr und die Generalabsolution. Von Anst. Kronseder, ExposituS in Föcknng. — Neueste Erlasse und Entscheidungen der römischen Congregationen. — Erlasse der obersten Verwaltungsstellen uno Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. — Literarische Novitätenschau. — Litterarischer Anzeiger. Das Lehrbuch der Metaphysik für Kaiser Joseph II. Verfaßt von D. Joseph Frantz, weil. Direcior der philos. Facnltät der Universität Wien rc. rc., herausgegeben von Fr. Thomas M. Wchofer, 0. Lraocl. Paderborn 1890. Ferdinand Schöningh. Gr. 8°, S. IX, 167. chj: Vorliegendes Lehrbuch der Metaphysik bildet das Er- gänzungsheft II zum Commer'schen Jahrbuch für Philosophie und speculative Theologie. Der Preis desselben ist für die Abonnenten des Jahrbuchs M. 2.60, für Nichtabonncnten M. 3.60. Der Dominikaner-Pater Wehofcr^hat das Buch zunr erstenmale nach dem in der Allcrh. k. k. Privat- und Familien- bibliothck befindlichen Orginale herausgegeben und mit Benützung der im k. k. HauS-, Hof- und StaatS-Archivc befindlichen und anderer angedruckter und gedruckter Quellen philosophic- geschichtlich erläutert. Ein doppeltes Moment verleiht der Arbeit deS L. Frantz große Bedeutsamkeit: 1) ist er der Lehrer keines geringeren gewesen als deS nachmaligen deutschen Kaisers Joseph II., 2) ist der Tracstatms ülotapdxsicao des gelehrten Oberösterreichers eine höchst merkwürdige Etappe in der Geschichte deS Cartesianismus und seiner Berührung mit der Leibniz-Wolff'schcn Philosophie. Das Buch des ?. Wehofer erhielt die Approbation der Wiener Linker ü-mlolpliina, und verhalf dem Verfasser mit zur akademischen Doctorwürde an der ersten Universität der österreichischen Monarchie. Bescheiden will es nur der erste Spatenstich sein auf einem bisher leider sehr vernachlässigten Felde, auf dem Gebiete der Geschichte der österreichischen Nachscholastik in deren Zersetzung durch andere ganz fremde Elemente. . Fern von allem Tendenziösen wird nur die Feststellung der reinen, lauteren, geschichtlichen Wahrheit gesucht. Von den in der Einleitung versprochenen 3 Theilen behandelt k. Frantz nur den 1. Theil: Noetik und Kriteriologie, und den 2. Theil: Ontologie, Kos- mosophie und Pneumatologic. Der 3. Theil über die Principien, welche die einzelnen besonderen Wissenschaften entlehnen, ist, vielleicht aus Zeitmangel, weggeblieben. Des k. Frantz philosophisches System setzt sich im Großen und Ganzen zusammen aus der nach Leibniz-Wolff zum Theil modificirtcn Scholastik einerseits, aus dein Eartcsianismus anderseits. Erstere Richtung brachte er mit aus der im Jesuitenorden empfangenen Erziehung; die letztere ist zurückzuführen aus seine damalige Stellung in Wien und auf die ganz eigenthümlichen Verhältnisse um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Den eingehenden Nachweis dieses Urtheils bildet der Abschnitt: Die philosophiegeschichtliche Bedeutung von k. Frantz Traotatus Llstaxtiz'sieas in 8 Capiteln (S. 95—167). Vorausgeht (es. 1—53) die diplomatisch getreue Wiedergabe des Manuskriptes, die nähere Inhaltsangabe deS Traetatns (S. 56), sowie (S. 59) Gedankmgang. uns EintheilustL desselben. Hos- 8 fcntlich wird der Verfasser in Nom, woselbst er sich behufs weiterer Studien aufhält, Muße finden zu ähnlichen tüchtigen Arbeiten. Die Wunder des heiligen Antonius von Padua in unserm Jahrhundert. Mainz, Verlag von Franz Kirch- heim 1895. 80 Seiten, Preis 40 Pf. Die ungläubige Welt protestirt gegen das Wunder, und Gott protestirt gegen die ungläubige Welt, indem er auch in unserm Jahrhundert zahllose Wunder wirkt. Ein Beleg dafür ist obiges Büchlein, welches die Geschichte eines neuen Licbes- werkcs: „Brod der Armen" schildert, welches vor fünf Jahren in Toulon zu Ehren des heil. AntoniuS von Padua seinen Anfang genommen und inzwischen die größte Verbreitung gesunden hat. Diese Schrist, welche der siebeuhundertjährigen Wicgcnscier deS hl. Antonius von Padua gewidmet ist, ist ganz geeignet, auch in Deutschland die Verehrung dieses großen Heiligen mächtig zu fördern. Altheimland. Ein zweites Bayernbuch von I. Schlicht. Bamberg, Büchner. 8°. VI, 192 S. kart. 2.50 M., elcg. geb. 3 M. Das Buch, eine Art Volkskunde AltbayernS im belletristischen Gewände, ist gewiß gut gemeint. Das darf man bei dem geistlichen Verfasser wohl annehmen. Es enthält auch prächtige Partien, die fast an Alban Stolzischen Stil erinnern. Andere Stellen wiederum, und es sind leider viele, können aber wegen ihrer Derbheit fast nicht genossen werden. Und man braucht gerade kein zimperlicher Leser zu sein. Das ist recht schade! — Litcrarischc Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von Dr. G. Hobcrg, Professor an der Universität Freibnrg i. Br. Jahrgang 1895. 12 Nummern. M. 9. — Freibnrg im Brciszan, Herdcr'scbc Vcr- lagshandlnng. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 11: Neuere Prcdigiliterntur. (Keppler.) — äo lluwmolauer, Onrsus Lcrixturae saerao. (Schäfer.) — I-aFrs»§o, 8aint Ltienns et sou kauetnairs ä lorusalow. (Schiffers.) — Nolffs, Urkunden aus dem antimontaiiistischcn Kampfe des Abendlandes. (Funk.) — Lauchert, Die Lehre deS heiligen AthanasiuS des Großen. (Funk.) — Harnack, Eine bisher nicht erkannte Schrift des Papstes SixtuS II., zur Petrusapokalhpse, Patristischcö zu Luc. 16, 19: Jselin, Eine bisher unbekannte Version des ersten Theiles der „Apostcllchrc". tWeyinan.) — Harnack, Eine bisher nicht erkannte Schrift NovatianS. (Wcyman.) u. s. w. — Nachrichten. — Büchertisch. Heft 4 deS Deutschen HausschatzeS, welches in seiner prächtigen Ausstattung den früheren sich anreiht, bringt Fort- setzuiig'der sehr spannenden Romane: Prada von Melati von Java und Die Jagd auf den Millivnendieb von Karl Map, sowie die sehr unterhaltende Humoreske: Der Knoten im Taschentuch. Von den zahlreichen Artikeln können wir wegen Mangels an Raum nur die folgenden hervorheben: Erzbischof Dr. Zardetti, von I. Mchler; Eine Plauderei vom deutschen Wein, von A. I. Cüppcrs: Morgen- ländische Romantik, von Viktor Henze; Philippinc Weiser, von I. Hirn,- Centrums - Jubiläum und Ceutrums-Jubilare, von NhenanuS; Die heil. Drei Könige, von vr. Dreibach; daran reiht sich, wie in jedem Heft, eine Fülle kleiner inhaltreicher Mittheilungen. — Neue Abonnenten werden zu jeder Zeit angenommen und erhalten daS bereits erschienene I. Quartal bei allen Buchhandlungen und Postämtern sowohl in der Nummern- a!S Heftaus- gabe (Quartal L M. 1,80) nachgeliefert. Stimmen aus Mari a-La ach. Katholische Blätter. Jahrgang 1895. Zehn Hefte M. 10.80 (oder zwei Bände L M. 5.40). — Freibnrg im Breisgau. Herder'sche Verlagöhaudlung. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 10. Heftes: Die Methoden der Volks- wirthschaftSlehre. (H. Pesch 8. I.) — Das Leuchtvermögcn im Thierrcich. (E. Wasmann 8. I.) — Ein Besuch in Val-dcs- BoiS. (A. Lebmkuhl 8. I.) — Altcnglische Weihnachtslieder. (G. M. Dreves 8. I.) — Die religiös-communistischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten. (O. Pfülf 8.1.) — Eine neue JguatinS-Biograph-e. (W. Krciten 8. N) Recensionen: 8tentrnx, 8z-nvMS Nraetatus sedolastioi äs veo Duo. (E. Lingens 8.).); Das Mahabharata als Epos und Ncchtsbuch (G. Gictmann 8.1.); HoäZ-kin, lialz- anä der Invaäars (A. Zimmcrniann 8. N); Fabri de Fabris, WaS die Blumen erzählen. (W. Kreiten 8.1.)-- EmpfehlenSwerthe Schriften. — Miöcellen: DaS große religiöse Testspiel von Vourgcs; Erinnerungen eines Couvertiten. Katholische Warte. Jllustr. Monatsschrift zur Unterhaltung und Belehrung. XI. Jahrg. Heft 8/9 L 15 kr.» 25 Pf. Jahresabonnement fl. 1.80 (M. 3.60). Verlag von A. Pustet in Salzburg. Die vorliegenden Hefte beweisen durch ihre textliche und illustrative Ausstattung wieder, daß dieses Familienblatt immer mehr verbessert wird und recht weite Verbreitung vollauf verdient, zumal allen Ansprüchen Genüge geleistet ist. Als Erzähler finden wir M. Buol, Cl. Borges und den Volkshumoristcn Josef Wichner, landschaftliche und geschichtliche Schilderungen bieten uns S. Orrcf, Archivar ?. Fr. Engl und Dr. H. Sam- son, die Zunft der Poeten ist vertreten in Anna Esser, Fritz Fuuder, du Nord, Jda von Lißberg, von Zerboui u. a. in. Schweizerische Leser werden sich freuen an dem Lebcnöbilde deS Buudespräsidcntcn Dr. Zemp, im Ländchen vor dem Arlberg wird die eingehende Biographie des fi Priors von Mehrerau LaurcntiuS Wacher gewiß Vielen willkommen sein. So sucht die Monatsschrift ihren Ruf zu wahren, ihren Freundeskreis zu mehren: möge ihr Letzteres allüberall glücken I OesterreichischesLitcraturblatt, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien, redigirt von Ist-. Franz Schnüren. (Administration: Wien I., Aunagasse 9.) Inhalt der Nr. 22- Libliotlioos. Tliomistioa, I. 8. Dramas A.g. Oompeiulium Disolo-giac, eä. Vr. Lbart. (Univ.-Prof. Dr. F. M. Schindler. Wien.) (681.) - Schlatter D. A.. Zur Topographie und Geschichte Palästinas. (lluiv.-Prof. vr. Bb. Schäfer, Wien.) (682.) - Friedrich I., I. N. Möblcr, der Shmbclikcr. (?. Aug. Rösler, Mautern in St.) (684.) — Weib A. M., Apologie des Christenthums, II. 3. Anst. (V.) (685.) — Vidmar C., Geschichte und Festschrift der „Confraternität" in Wien. (k.) (685.) - Behrich Conrad, Das System der Uebcrgewalt. (I)r. R. von Kralik, Wien.) (686.) — Natorp Paul, Die Etlnka des Demokritos. (Ders.) (687.) — Limbonrg Max, Kant's kategorischer Imperativ. (Pfarrer N. Eichhorn, Wien-Nußdorf.) (688.) — Lange Conr., Die bewußte Selbsttäuschung als Kern des künstlerischen Genusses. (R.) (688.) — Klopp Onno, Der dreißigjährige Krieg bis zuin Tode Gustav Adolfs 1632. III. Bd., 1. Th. (Geh. Rath Jos. Freiherr von Helfert, Wien.) (689.) — Clauß Jmm., Die Lehre von den Staatsdicnstbcn keilen. (Fi- nauzrath vr. Carl Scheimpflug, Innsbruck.) (700.) — Gengler, Die Verfassuugszustände im bahr. Franken bis zum Beginne deS XIII. Jahrh. (Dr. Hs. Th. Soergel, Nürnberg.) (701.) — Stcnglcin M., Wider die Berufung. (Dr. v. Wein rieh, Franks, a. M.) (701.) — Hagen I. G., Synopsis der höheren Mathematik. (Univ.-Prof. i>r. Leopold Gegenbaucr, Wien.) (703.) — KleS F., Herzkrankheiten und ihre Behandlung durch die diätetische Heilmethode. (Univ.- Prof. Dr. Joh. Kirste, Graz.) (705.) — Dittmer Nich.» Handbuch der Sccschifffahrtökunde. (K. u. k. Schisfs-Licut. Alfr. Frhr. v. Koudelka, Pola.) (706.) u. s. w. Zum Artikel: Dcharbe'scher Katechismns. Lediglich einer sachlichen Berichtigung wegen ersuche ich die verehr!. Redaction Folgendes aufzunehmen: Seite 424 der Beilage sagt der hochw. „Veteran", ich hätte dafür plaidirt, daß in einen neuen Katechismus Gefühlsergüsse aufgenommen werden sollen. Das ist nickt zutreffend. Denn der unzweideutige Sinn meiner Ausführung Seite 391 (drittens) ist dieser: Im Katechismus sollen die dogmatischen Lichtseiten mehr in den Vordergrund gestellt werden, wodurch dann bei den Kindern eine Glaubens- frcndigkeit erregt würde, welche Glaubensfreudigkeit in dem Gedanken — natürlich bei den Kindern (und bei Erwachsenen) — gipfeln soll u. s. w. ES ist nicht möglich, meine Worte anders aufzufassen. Also im Katechismus sollen die dogmatischen Lichtseiten (nicht GesühlSergüsse) einen breiteren Raum einnchmen — dafür spricht eine hohe Autorität, Kanonikus Ginelch (viäs Passauer Zeitschrift 1892) — für die Gefühl-ergüsse ist der richtige Platz das Menschenherz, und nicht ein Lehrbuch. Mitbin fallen 70 Zeilen des Artikels vom hochw. „Veteran", welche diesen Punkt behandeln, hinweg. Der Expositns. Lcrantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L. Grabherr in Augsburg.