Die GettemlkerMlmlrmlM der Katholiken und die christliche KrmsL. So ist denn noch vor Ablauf des alten Jahres trotz mancher Hemmnisse der gedruckte Bericht der Verhandlungen der 42. Generalversammlung der Deutschen Katholiken in München in die Hände der Mitglieder gelangt. Er erschien früher als dies in den letzten Jahren der Fall war. Und so kaun denn Jeder an der Hand diese» Berichtes um so leichter die schönen Tage vom 25. bis 29. August 1895 mit der ganzen Fülle ihrer geistigen Anregungen, der aufklärenden und begeisternden Gedanken, Mittheilungen, Rathschläge nnd Resolutionen, wie sie in den berathenden Sitzungen, den beschließenden Versammlungen und den öffentlichen Reden zum Ausdruck kamen, sammt jenen das Gemüth erhebenden Freuden der zusammenschließenden christlichen Geselligkeit und Solidarität noch einmal im Geiste durchkosten. Auf den Katholikentagen tritt so recht der allumfassende Charakter der katholischen Kirche der Welt vor Augen. Die ihrer Pflicht als solche sich bewußten Katholiken, die eifrigen werkihätigen Mitglieder der kathol. Kirche, stehen am allerwenigsten den wichtigen, drängenden Zeitfrageu unthätig gegenüber. Nein, sie bethätigen sich mit bestem Wissen und Können an deren möglichst vollkommener Lösung. So wurden so manche jener „Fragen", wie die Preß-, Schul-, Armen-, Arbeiter-, Kirchengesangs- und andere wichtige Fragen, von katholischen, zielbewußten Männern angeregt, auf den allgemeinen deutschen Katholikentagen in Fluß gebracht und mit ihrer Hilfe der Lösung näher geführt. Als die zwei neuesten Fragen, deren energische Inangriffnahme nicht wehr verschoben werden darf, sind die „Bauern-" und die „Künstlerfrage" aufgetaucht. — Bauern und christliche Künstler! Jawohl, beide halten wir für äußerst wichtige, ja unentbehrliche Faktoren eines soliden christlich-germanischen Staates. Beide sind aber in dem Punkte, der den „narvus omiuurn reruna kuwrnng.rnin" von heute betrifft, gleichgestellt. Sie müssen nämlich, wenn sie ein vollwertiges Produkt ihrer Arbeit herstellen wollen, meist ebensoviel oder noch mehr Geld und Geldeswerth hineinstecken, als sie dafür vom Abnehmer zurückerhalten. Eine genaue und gewissenhafte Enquete würde jene Thatsache bei den christlichen Künstlern vielleicht noch eklatanter bestätigen, als bei den Bauern. Bei solchen Verhältnissen kann nun aber, wie keine leveuskrüftige, gesunde Landwirtschaft, so auch keine blühende, achtunggebietende christliche Kunst bestehen. Selbst nicht die sparsamste klösterliche Genossenschaft, welche sich der Pflege der christlichen Kunst in wahrhaft künstlerischer Weise hingeben wollte, würde bei der jetzigen, bet uns so ziemlich allgemeinen Ablöhnung der christlichen Künstler existiren können, wenn ihr nicht noch weitere Quellen zum Lebensunterhalte zu Gebote ständen. Denn wenn man wirklich „kunstgemäß hergestellte Altarbilder von 2 m Höhe für 100 Mark" und vollständig künstlerisch und anatomisch richtig behandelte Altarbilder von 2 m Höhe für 120 Mark absetzen will oder muß, dann muß auch selbst der spekulativste Kunst- kmstaltsbesitzer bankerott werden, und wenn die ausführenden .Künstler auch nur wahre Hnngerlöhne erhielten. Aber abgesehen davon, wäre das Werk kein würdiges, kein Gott wohlgefälliges, zur himmlischen SegensvermiLt- lung paffendes Kunstwerk und Andachtsbildniß, wenn es außer seiner stumpfen Empfindungslosigkeit den unter Verwünschungen vergossenen Schweiß des Lohnarbeiters, genannt „christlicher Künstler", an sich tragen würde. — Das ist auch ein Stück der socialen Frage! Aber wie ist da abzuhelfen? Bei der Bauerufrage ist die Lösung jedenfalls bedeutend schwieriger. Denn bei dieser ist das Spiel der hohen Politik, der äußern wie der innern, die Rücksicht aus die fremden „meistbegünstigten Nationen", sowie auch die heimischen Kapitalmächte, die Allmacht des Manchesterthnms, ein ungemcin schwer zu überwindendes Hinderniß. Bei weitem leichter dürste die „christliche Künstlerstage" zu lösen sein. Man sollte meinen, eL bedürfe hier bloß der sachgemäßen Aufklärung nnd des guten Willens der maßgebenden Interessenten. Jeder, der eine wahre christliche Kunst will, der muß doch wollen und mitwirken, daß da, wo wirklich etwas Künstlerisches geschaffen werden soll, auch die absolut nothwendigen Vorbedingungen hiezu gegeben werden. Diese dürsten nun aber wohl vor allen folgende drei sein. 1. Der auszuführende kirchliche Kunstaustrag darf nur einem wirklichen Künstler übertragen werden — also nicht einem Faßmaler, Vergolder oder bloßen Techniker, Maurer- oder Baumeister, auch keinem Kunst- fabrikanten oder Engroskünstler, sondern direkt und unmittelbar dem der Aufgabe gewachsenen, durchgebildeten Meister. Nur der letzte hat von Gotts- und Rechtswegen einen begründeten Anspruch wie auf die Ausführung eines für das Gotteshaus bestimmten wirklichen Kunstwerkes, so auch auf die volle, ihm gebührende Entlohnung für die vollbrachte Kuustarbeit. — Daß für das religiöse kirchliche Kunstwerk kein Ungläubiger oder Jude in Anspruch genommen werden darf, versteht sich wohl von selbst, muß aber doch noch eigens betont werden. Ebenso gut könnte man einen solchen auch als Prediger auf die christliche Kanzel zulassen. 2. Es muß dem Künstler durch entsprechende, seine Arbeit, Mühe und Zeitaufwand vollwerthig entlohnende Bezahlung ermöglicht werden, mit Lust und Freude, mit ganzer Hingabe und Begeisterung sich seinem künstlerischen Schaffen zu widmen, zu dessen erster Bedingung ein sorgenfreies Gemüth gehört. Wahrlich, nicht nur eine sichere, niemals versagende Meisterschaft in seiner Kunst, sondern auch ein in echt christlicher Gesinnung festgegründetes Gemüth gehört dazu, trotz der oft unerhört unpreiswürdigen, herabgehaudelten Preissumwe, ein Andachts- und Heiligenbildniß zu schaffen, dessen erhabene Schönheit oder himmlischer Friede keine Spur jener bittern menschlichen Stimmung verräth, die bei jedem Pinselstrich und Meißelschlag im tiefsten Seelengrunde des christlichen Bildners aufwallen möchte. — Wenn der Literarhistoriker Vilmar sich im Stande erklärt, in jedem modernen Volkspoem „das Haar in der Suppe", das heißt: die innere, mehr oder weniger starke Verstimmung des Dichters nachzuweisen, so zeigen dagegen die echten Kunstgebilde unserer wahrhaft christlichen Dichter und Künstler trotz aller Ungunst der Zeiten bis in die neuesten Tage ein ganz reines, von jener Schlacke freies Gepräge. Als hervorstechende und gleichsam monumentale Beispiele 18 mögcn hier nur die Namen eines Dr. Fr. Helle und eines Carl Baumeister genannt werden. 3. Man rede deui Künstler nicht zu viel ein und wolle, was die rein künstlerische Auffassung und Form angeht, nicht klüger und vsrständnißvoller sein, als der gebildete Künstler selbst. Dieses Hineinreden, Vorschreiben und laienhafte Vordemoustriren und Constrniren des zu schaffenden Kunstwerkes hat schon manchem genialen Künstler — man denke nur an die Schöpfungen eines Steinle in Köln — das beste Concept verdorben. Macht doch nur das Subjcciiv-Jndividuclle, d. i. der persönliche Stil, das Werk zum Kunstwerk. Diese drei hier kurz berührten Grundsätze können nicht entschieden und oft genug betont werden. Sie bilden die sachliche und praktische Voraussetzung zur Er- möglichung einer höher« und allgemeinern christlichen Kunstblüthe. Ohne Künstler keine Kunst und ohne genügende Existenzmittel keine Künstler I Auch die allgemeinen Katholikenversammlnugen befaßten sich schon seit Jahren mit der christlichen Kunstsrage und erließen manche beachtenswerthe Resolutionen über die Ausgabe der christlichen Kunst und über Wesen und Form des christlichen Kunstwerkes. Auch wurden manche inhaltsreiche Reden über die Schönheit, Würde und Bedeutung der erhabenen religiösen Muse gehalten. Im „christlichen Jsar-Athen" wurde merkwürdiger Weise gegen Aller Erwarten, dem auch unwillkürlich Herr Or. Orterer in seiner öffentlichen Rede Ausdruck gab, keine vernommen. Mit Stillschweigen ist aber hier, wie überall, nichts geholfen. Auch die Generalversammlung der deutschen Gesellschaft für christliche Kunst bot für den Ausfall jener Rede keinen Ersatz. Die äußerst knapp zugemessene Zeit füllte zum größten Theil die Verlesung des Jahresberichtes, und kaum war es Herrn Professor Dr. Schlecht möglich, in einem kurzen rhetorischen Vorstoß eine kräftige Lanze für unsere christlichen Künstler zu brechen. Die „Künstlerfrage", der praktische Kern der ganzen Sache, wurde aber bisher meist nur so obenhin behandelt und hie und da mit einer nicht beachteten und noch weniger befolgten Resolution abgethan. So kommt dieselbe auch diesesmal wieder in dem Unterabschnitte einer seitenlangen Resolution ein wenig zum Vorschein, indem es da heißt: „Die Generalversammlung erkennt deßwegen für die Kirche ausschließlich die Thätigkeit selbst- ftändig schaffender Künstler und Kunsthandwerker als berechtigt an und verurtheilt den Fabrikbetrieb vieler sogen. Kunstanstalten, welche als die schlimmsten Feinde der echten kirchlichen Kunstthätigkeit betrachte! werden müssen. Die Generalversammlung verwirft die Massenerzeugung auf dem Kunstgebiete und warnt alle, die es angeht, durch Anschaffung solcher Erzeugnisse die Kirchen zu verunzieren und dazu auch finanziell schwer zn schädigen." Die „Künstlerfrage" war aber stets der Refrain oes seligen A. Neichensperger, der schon entschieden betonte: „Will man der christlichen Kunst aufhelfen, so muß uian vor allem dem schaffenden Künstler direkte Auftrüge zuwenden. Geld wäre zu diesem Zwecke genug da. Unsere christlichen Vorfahren hätten auch nicht an offenen Gcldsäcken gestanden." — Letzterer Gedanke ist ebenso wahr wie beachtcus- werth. — Ein Würzburger Decan erklärte mir in Mainz Folgendes: „Bei uns werden alljährlich in jedem Dekanate etwa 30,000 Mk. für kirchliche Nestaurations- zwecke ausgegeben. Wenn nun von oben herab dafür gesorgt würde, daß diese Summe nur für künstlerisch und technisch würdige Arbeiten verwendet würde, dann wäre der christlichen Kunst bald geholfen." Das ist in der That unzweifelhaft! "Doch ich will etwas noch ablassen. Ich behaupte, wenn von diesen 30,000 Mark nur „5000" alljährlich in jedem Dekanate für eine wirkliche Kunstleistuug ausgegeben würden, so würden nach und nach alle Kirchen den einen oder andern durchaus würdigen und erbaulichen Bildschmuck erhalten, und dem Elende der christlichen Kunst wie der Noth der christlichen Künstler wäre in Bälde abgeholfen. — Ncichen- sperger selbst griff vorzüglich in seiner nächsten Umgebung am Rhein mit großer Energie und Sachkenntniß, bei genauer Befolgung seines vorgenannten Grundsatzes, in die christliche Kunstthätigkeit ein, und ist die dortige herrliche Neublüthe kirchlicher Gothik als die reich entwickelte Frucht seiner grundlegenden und fördernden Bemühungen anzusehen. Möchte er nun besonders in allen Kunstcentren ebenso energisch eingreifende Nachahmer finden! Möchten auch besonders die folgenden Generalversammlungen der Katholiken gerade jenes alte Reichensperger'sche Grundthema der „Künstlerfrage" in nachdrücklichster aufklärender Weise den anwohnenden Mitgliedern, unter denen ja besonders der Klerus, der zunächst interessirte und berufene Förderer der bezüglichen Kunstthätigkeit, stets am zahlreichsten vertreten ist, nicht nur als Verstandes-, sondern noch mehr als Gewissenssache immer wieder zu Gehör bringen l Dann muß doch endlich auch auf dem vorwürfigen Gebiete ein ersprießlicher praktischer Erfolg sich zeigen, wie deren auf andern Gebieten die Generalversammlungen der Deutschen Katholiken in der That so manche zu verzeichnen haben. Festing, Die Gründer des Hauses Bourbon-France. Von Charles Saint Paul. (Fortsetzung.) Im Jahre 1310 sandte König Philipp den Grafen und seinen ältesten Sohn, Ludwig, zum Kaiser Heinrich VII., um einen Vertrag gegen die Engländer und Flamländer zu schließen.") Robert wollte sich auch am Kreuzzuge betheiligen. Jedoch entband ihn Clemens V. von dem diesbezügliche» Gelübde, wie aus einem Schreiben desselben vom 25. Februar 1306 hervorgeht, in welchem er den Grafen auffordert, da er durch körperliche Schwäche abgehalten sei, statt des Kreuzzuges eine fromme Schenkung von 10,000 LireZ zu machen.^) Daß Robert sich möglichst von der Verwaltung seiner Herrschaft frei zu machen suchte, ist erklärlich. Er verzichtete im Jahre 1310, nach dem Tods feiner Gattin, auf die Administration des Bourbonnais und gab vier Jahre später auch die Grafschaft Clermont seinem Sohne Ludwig, indem er nur den Titel und eine jährliche Reute für sich behielt. Er starb im Jahre 1317, am 7. Februar, wie aus der Grabschrift erhellt, im 62. Lebensjahre. Seine Be- gräbnißstätte war die Domiuikanerkirche der Nue Saint- Jacques in Paris, wo mehrere Bourbonen ruhten. Sein ") I,a Llurs, ioin. II. xn§. 10, 11; Ooiküsr vemorst, I,o Oonrbounais. ^.rtiels Itobort, toiu. I. '-) In den >?i'onvos snr l'bistoiro äss vnes äs Oonr- bon« von I,?. Lknrs, low. III. krsnvss 114 A. 19 Testament"), am 6. Dezember 1316 zu Paris abgefaßt, enthalt außer einer Stelle, die beweist, das; er zeitlebens im Sinne hatte, das Kreuz zu nehmen, nur einige fromme Schenkungen und einige unbedeutende Bestimmungen. Seine Kürze ist darauf zurückzuführen, daß, wie erwähnt, Robert bereits vor der Abfassung desselben seine Besitzungen seinem Sohne übertrug. Sein Epitaphium zierte eine Statue und die Inschrift: Ostx gisb 1s tits Nss. 8.. Roms, fuäis Hör äs Istmirss L swvoir tzl. Robert, Oornts äs 61srinont, Lstgueur äs Rourbon, Hui trspassu 1o VII° gour äs Isvrisr 1s lcmäi axrss 1u kuriüsution Rotrs Oams. Rris 2 xour I'uins cls . . . (lz?) . . . Später wurde diese Inschrift bei Veränderung des Epitaphiums durch folgende ersetzt: 6z? Zist wsssirs Robsrt, sonats cls Olsrnaont, ssignsur cls Lonrbon, c^ui tut 61s äs lllorwisur 8uint-Roz?8, roi äs Rranes, vsui trssxassL ls V1I° gour äs kövrisr l'un äs grnss N600XVII. kris 2 gsws Dien alt sori anas. Lrnsn.^) Beatrix besaß, als ihre Mutter noch lebte, nur die Chlltellernie Chavroche und 1000 Livres Einkünfte. Ihr väterlicher Großvater aber, Hugo IV., Herzog von Burgund, gab ihr durch sein Testament die Grafschaft Charrollais, die später eine ansehnliche Vergrößerung des Bourbonnais bildete. Ehe Beatrix ihr Erbe in Besitz nahm, hatte sie einen andauernden Streit mit dem Grafen von Artois, mit welchem ihre Mutter Agnes in zweiter Ehe sich vermählt hatte.") Ihr Gatte stellte wegen der Versuche desselben, Beatrix eines Theiles des Bourbonnais zu berauben, Klage beim Könige,") und das Parlament erklärte im Jahre 1282, daß Beatrix allein zur Erbschaft berechtigt und das Land der Fürsten von Bourbon un- theilbar sei.") Doch wollte sich Artois immer noch nicht zufrieden geben und reklamirte nach dem Tode seiner Gemahlin (1288) abermals einen Theil des früheren Besitzes derselben.") Die Angelegenheit wurde erst durch feinen Tod erledigt. '9 Der Text desselben ist in »Bitres äs In LI. O. äs Lonrbon« (xa§. 252) zu finden. ") Eine neuere Jnscription des Poeten Santeuil lautete: M QV8 LB IHV81W8 LXUVILS Lersnissimi kriuoixis, Oomitis äs Olermout, Laneti Imäovivi UsAis Hegias Lorbsniänin kriwasvas Ltärxis Lpitaxliium. Ris Ltirps Lorboniänm, Hie Urimus äs nowins Urinoeps, Oouüitur; Nie tnmuli vslnt in eunadula Usgmm. Uio vsniant xroni Us§ali s Ltirxs lisxotss. Lordonii bis isAnaut invito tunsrs LIanss. Das Epitaphium des Fürsten wurde von den Wütherichen des Jahres 1793 zerstört. Es ist irrig, wenn man noch in den letzten Jahrzehnten im llluses äes kstäts Lngustins in Paris Roberts Statue zu bewahren glaubt. Es ist dies nicht seine, sondern die von Charles de France, dem dritten Sohne Philipps des Kühnen. '9 Die Hochzeit muß vor dem Juni 1277 stattgefunden haben. Denn am 2t. Juni dieses Jahres huldigte Robert zu OrlSanS dem Erzbischof von Bourges für alles, was er von ihm m dem Bourbonnais zum Lehen hatte. (Lartulairs äs l'arobsvZclis äs Lonr^es 660X111, xa§. 41.) '9 Nach Ditrss (xa§. 128) haben Agnes und ihr Gatte sich durch einen Akt vom 26. Juli 1281 dem Richterspruche des Königs unterworfen. '9 bn lllure. Uistoire äss änes äs Lourbou. Bow. III., krsnves. 114 a. ") Wie Chazaud bemerkt, war das Bourbonnais ein weibliches Lehen. Denn nach dem Tode der Agnes lebte noch G rullanme II. von Bourbon-Lcxai, der Neffe Archambaudö VI. Robert und Beatrix ergriffen im Juni 1288, nach dem Tode der Agnes, Besitz von dem Bourbonnais. Das Datum ist durch eins Urkunde des Cartulare von Sou- vigny bestätigt. — Die Herren von Bourbon mußten nämlich beim Antritte ihrer Regierung schwören, die^ Privilegien von Souvigny zu wahren. Robert, der am Hofe des Königs zurückgehalten war, sandte drei Kommissäre nach dem Priorate, um den Eid zu leisten und die außerordentliche Abgabe, welche ihm die Stadt Souvigny schuldete, zu erheben. Es waren dies Gauthier, Bischof von Senlis, Pierre, Archidiakon von Orlsans, und Guy de Nsris, ein Ritter des Königs Philipp. Sie erhielten von den Mönchen die Antwort, daß die Abgabe nur dann gezahlt werden würde, wenn der Fürst selbst käme, um zu schwören. Jedoch erachteten diese es bald für besser, nachzugeben, und beschlossen, die Summe von 920 Livres zu verabfolgen, falls hiedurch ihre Rechte für die Zukunft nicht beeinträchtigt würden und Robert, wenn er später in sein Land käme, den Eis nachträglich leisten würde. Die Urkunde, welche diese Bestimmungen enthält, ist vom Jahre 1288, am Mittwoch nach der Pfingstoctav, datirt, und es wird also kurze Zeit vorher Robert den Besitz angetreten haben. Beatrix starb am 1. Oktober des Jahres 1310, sieben Jahre vor ihrem Gatten. Ihr Grabmal war früher in der Franziskanerkirche zu Champaigue im Bourbonnais zu sehen. Es wurde mit der Kirche zerstört; jedoch existirt noch eine Beschreibung desselben von l?. Andrs.") Es war in der Mitte des Chores zwischen den Gräbern von Guy de Dampierre und Marie d« Hainault, ein herrliches architektonisches Denkmal, ihre Statue weisend mit der Inschrift: si Ist gist trss nolisls Ouvis Naäams Rsutrxx Oovaissss äs Olsrmcmt st äams äs London, yui und es cxistirte noch die Familie Blot, welche in directer und männlicher Linie von Archambaud III. abstammte. Dieselbe war noch von Nager de Blot, Herrn von Montespedon und seinen beiden Söhnen Roger und Gauvain vertreten, von denen der letztere im Jahre 1276 der Dame Agnes für die Herrschaft Fernant im Combraille huldigte. Beatrix führte daö Wappen von Altbourbon, anfangs getheilt mit dem von Burgund, später mit dem ihres Gatten, welcher das Wappen von Frankreich, mit einem Querbalken, zur Andeutung seiner Geniturstellnng, statt dem Wappen von Clcr- mont angenommen hatte. Die alten Fürsten von Bourbon trugen Gold mit rothem Löwen und am Schildrande 10, nach anderen 8 oder 6 blaue Muscheln. Die Zahl der letzteren kann nicht festgestellt werden. Das älteste Monument, an dem dieses Wappen sichtbar ist, eine Grabstatue in der alten Abtcikirche von Bcllaigue bei Montaiguc-en-Combraille (Lnz? äs vüms), zeigt ein Schild mit einem Löwen und 11 Muscheln. Das Siegel Archambaud VIII. von Bourbon dagegen, einem Akte von 1247 beigegebcn, ein Wappen mit 8 Muscheln. Im Ar- morial von Gnillaume Nevcl ist Beatrix abgebildet mir einem goldverbrämten Pnrpnrgcwande, an dessen Untertheil daö Wappen rechts blau, besät mit goldenen Lilien und rothem Qucrstab (Frankreich), links Gold, mit rothem Löwen und 8 blauen Muscheln, eingestickt ist. Diese Figur findet sich auch in den 'Llouumeuks äs !a Llrmaiodis Ikrauxaiss- (tom. 2, pag. 23). — Neben Beatrix befindet sich ihr Gemahl im blauen mit goldenen Lilien besäte» Gewände, über welches sich von rechts nach links ein rother Qucrstab zieht. — Manche behaupten, daß Beatrix aus Hochjchcitzung ihres alten Hauses das Wappen von Bourbon l'Ancicn allein getragen habe, und stützen sich aus ein Wappen, das im archäologischen Museum von Moulins, in der Capelle Bourbon, gesunden wurde, uud iu welchem sich nur der rothe Löwe und die Muscheln befinden. Dem jedoch kann inan ein anderes, vom Grasen von Sonltrait gesunden, entgegenstellen, welches France und Bourbon l'Ancicn getheilt zeigt, und zwar nock mit einigen Fragmente» der Inschrift: »Lour(bon), äams äs-, ein Beweis, jedenfalls noch zuverlässiger als das Armorial von Nevel 20 tresxasss. au Oliatsuu äs Llurnt Is xrswisr jour äs vxlosirs 1'au äs §raos NOOOX. xriss xsr laws äs 1i?°) Der Ehe von Robert und Beatrix entstammten drei Söhne und drei Töchter. Der Erstgeborne war Ludwig I., der Große, dessen biographische Daten wir im Folgenden noch näher ins Auge fassen wollen. Der zweite Sohn war Jean de Clermont, Baron von Charolais und Saint- Just. Als Waffengefährte seines älteren Bruders zeichnete er sich in den Kämpfen mit Flandern aus und starb, kurze Zeit, nachdem er den Entschluß gefaßt hatte, ins heilige Land zu ziehen (1316). Von dem dritten Sohne, Pierre de Clermont, weiß man nur, daß er im Jahre 1330 Archidiakon von Paris war. (6g.I1. 6krist. lorn. VII. eol. 129.) Die erste Tochter, Manche de Clermont, vermählte sich im Jahre 1303 mit Robert VII., Grafen von Auvergne und von Boulogne, dem sie die Graf- schaft von Saint-Just in der Champagne, 11,000 Livres, die Herrschaften von Scmur, Argeuce, la Marche und Terrail im Bourbonnais sowie die Chütcllenie von Remin in der Grafschaft Clermont als Mitgift brachte. Sie starb nach den Autoren des „^nsisir Lourbormgis" schon im Jahre 1304, nach der Angabe des Grafen von Soultrait erst 1312, und wurde in der Cathedralkirche von Boulogne-sur-Mer. beigesetzt. Marie, die zweite Tochter Roberts, wurde in ihrer Jugend Johann, dem Markgrafen von Montferrat, versprochen. Sie zog aber das Klosterleben dem Ehestände vor und nahm im Con- vente von Moutargis den Schleier. Später wurde sie Priorin in dem kgl. Stifte Poissy (1333). Nachdem sie 11 Jahre lang die Vorstandschaft geführt, starb sie als einfache Klosterfrau, erblindet, am 13. Juni 1372 und wurde in der Klosterkirche begraben. Margaretha, das jüngste Kind Roberts, wurde, wahrscheinlich im Jahre 1308, die Gattin Johanns von Namur, Grafen von Flandern, und soll schon im solgenden Jahre, ohne Nachkommen zu hinterlassen, gestorben sein. (Siehe für die Genealogie der Kinder Roberts die Anmerkungen des Grafen von Soultrait zur Ilistoirs äss äuss äs Lour- lioir von La Mure (II. 11—13) und „Anoieu Lour- dsiurgis" (434—435). (Fortsetzung folgt.) „Schwedens Schanze." Ein Wort über die Völker Skandinaviens, besonders über die Schweden von Frau Helene Nhblom, geb. Roos. Frei und gekürzt nach dem schwedischen Original von Dr. P. Wittmann. (Schluß.) Während aber die Norweger zähe und unentwegt am Erbe der Vüter festhalten und die Dänen des Seibst- tobs und der Selbstberüucherung nie müde werden, stehen die Schweden den Schützen und der Zukunft ihres Landes vielfach theilnahmslos gegenüber. Da ich noch Kind war, schilderte man mir sie als Prahlhänsen, die stets von der Größe ihrer Nation zu erzählen wüßten. Ist das je wahr gewesen, so muß diese Generation nunmehr aus- gestorben sein. Ich wenigstens habe bei keiner anderen 2°) Diese Inschrift ist gleichfalls neueren Datums. Die ursprüngliche war ganz zerstört und zeigte nach der Zeichnung des Pöre Montfaucon in seinem Werke >Iws Llonnmonts äo In ülouareilis ^raueaiss« nur mehr die Worte . . . -Lotst kero Lvv LIs to änv Loxs« ... Nation solchen Mangel an Patriotismus beobachtet, ein so trauriges Unvermögen gefunden, eigenen Besitz zu schätzen und für dessen Erhaltung besorgt zu sein. Eine allzulang andauernde Friedensperiode trägt wohl Schuld an dieser moralischen Erschlaffung. Die Partei der Friedensfreunde, deren Stärke stetig wächst, gelangt nicht selten auf Absvege. So vertreten Einzelne die Anschauung, man solle sich überhaupt nicht in Vertheidigungsstand setzen; es sei einerlei, ob Schweden dem deutschen oder russischen Reiche zufiele u. s. w. Mit lächerlicher Inkonsequenz bewundern aber gerade Leute dieses Schlages das ausgeprägte Nationalgefühl der Norweger und gestehen zu, daß der „tapfere Landsoldat" dem kleinen Dänenvolke die Gloriole des Heldenthums verschafft hat. Der Wille, feine nationale Existenz hochzuhalten, entsproßt ebenso einem Naturtrieb, wie jener, das Leben, und zwar nicht bloß das eigene, sondern auch jenes der Kinder und Eltern, zu schützen. Läßt sich z. B. ein Deutscher denken, der gegen französische, ein Engländer, der gegen deutsche Herrschaft sich nicht ablehnend verhielte; würde ein Italiener sich wehrlos dem österreichischen Nachbar unterwerfen? Nimmermehr, und sogar bei den Kaltfinntgsten unseres Volkes müßte solch unnatürliches Gebühren Zorn und Verachtung hervorrufen. Wo aber der eigene Herd und Werth in Frage kommt, da verblassen alle Begriffe. Man schwankt hin und her. Man hält es für inhuman, an einen Krieg nur zu denken. Angriffskrieg gilt überhaupt als undenkbar. Er ist Sache barbarischer Nationen. Aber ein Veriheidigungs- krieg? Pah, welch' ein Zeitaufwand, welch' unnöthige Sorge! Weßhalb an Unangenehmes denken, das vielleicht niemals eintritt. — Manche freilich sind von solch blasirter Anschauung frei. Es gibt Tausende von Männern und Frauen, die zu jedem Opfer für's Vaterland bereit sind, aber diese Vaterlandsliebe ist nicht allgemein. Nur ein Theil des schwedischen Volkes erweist sich als stark und patriotisch gesinnt. Und doch hätte gerade der Schwede hinreichend Grund, stolz auf sein Vaterland zu sein. Was haben nicht dessen Könige und Adelige, seine Bürger und Bauern, Männer und Frauen Alles geleistet! Beide Geschlechter, Hoch und Nieder wetteiferten miteinander in Helden- und Opfermnth. „Ja, das war die Zeit von Schwedens Größe", wird hier von Manchen eingewendet. „Für jene Periode lassen wir Hünen und Heroen gelten. Jetzt aber hat unsere Nation zu viele Fehler und Schwächen an sich, als daß sie die frühere Begeisterung wecken könnte, unserer Hingabe würdig wäre." Eine merkwürdige Vaterlandsliebe, die sich auf bestimmte Epochen der Geschichte beschränkt! Was frommt es, das Schweden der Vergangenheit zu feiern und darüber das Land der Gegenwart mit seinen Fehlern und Tugenden aus dem Auge zu verlieren? Im großen Geisterkampf der Zeit dreht es sich vornehmlich um zwei Punkte, Wahrung des Rechts persönlicher Freiheit und werkthätige Unterstützung der Schwächern. Um dieser Doppelaufgabe gerecht werden zu können, gilt es zunächst das eigene Ich harmonisch auszubilden, ohne dabei individuelle Veranlagung zu beeinträchtigen. Wie langweilig wäre es, wenn alle Menschen einander ähnlich sehen, dasselbe reden und thun würden! Das Erfrischende im Verkehr mit anderen Personen besteht im Gegentheile darin, daß beide Parteien ihre Eigenthümlichkeiten, Sitten, Erfahrungen und Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Gleich 21 förderlich wirken auch zwei Nationen auf einander ein, sofern sie sich nicht zu sehr verschmelzen, vielmehr ihre charakteristischen Merkmale beibehalten. Pflicht der Völker ist es deßhalb, an Gewohnheit, Sage, Sitte und Tracht, kurz an ihrer nationalen Eigenart festzuhalten. Diesem Zwecke soll auch Skansen, jenes herrliche Frei- luftmuseum, dienen, das vr. Arthur Hazelius auf Djurgarden errichtet hat. Von hier blickt man hinaus über die herrliche Stadt Stockholm, die sich mit all ihren Reizen dem Blicke entrollt und zauberisch auf den Fluthen des Meeres zu schwimmen scheint. Kein Gegenstück auf Erden zu dieser sonnenumglänzten, strahlenden Königin des Nordens, welche mit Recht den Stolz der Nation bildet! Ihr Bild allein sollte genügen, um den Söhnen des Landes Leier und Schwert in die Hand zu drücken! — Der Traum eines „einigen Skandinaviens" ist bis auf Weiteres vorüber. Wenn also Björnson Schweden auffordert, die „Fahne des Nordens" zu entrollen, dürfte er wohl wenig Anklang finden. Eilt es aber Existenz und Ehre Schwedens, so soll man die Enkel ihrer Ahnen würdig sehen! Ihnen sei es zugerufen, das Wort des Dichters: „Gemüthsvolk Du, Du Volk der Phantasie, Der innig sceleiivollen Poesie; Sei männlich stark und fasse muthentbrannt Dein Schwert und Dein Panier mit fester Hand!" Der schwarze Berthold, der Erfinder des Schieß- prrlvers und der Feuerwaffen. (Schluß.) ll. I'. Kommen wir nun zum Namen des Erfinders, den alle Geschichts- und Lesebücher als Berthold Schwarz angeben. Wie wir oben schon gesehen, nennt ihn der älteste Zeuge, Hemmerlin, Lertüolclus niZar, d. h. der schwarze Berthold. Aus diesem Lertüoläus niZar machte nun der als nicht sehr scrupulös bekannte Aventin den Lsrtüolclua I^iZen, und das heißt Berthold Schwarz. Diesen Namen übernahm von Aventin der obengenannte Gaffer und von diesem Sebastian Münster u. s. f. Daß dieses nicht die richtige Wiedergabe des lateinischen Namens ist, liegt auf der Hand; nicht bloß Hemmerlin sagt uns, daß er nicht Schwarz, sondern der Schwarze heißen muß; auch der Verfasser eines angedruckten Feuerwerlbuches aus dem Jahre 1432 bezeugt uns dieses. Er nennt den Erfinder einen „Maistcr", so geheißen hat „der schwarze Berthold" und gewesen ist ein ^gaiinantious, ein Schwarzkünstler. Das letztere Wort gibt unS deutlich den Grund an, warum der Pulvererfinder, Meister Berthold, den Beinamen „der Schwarze" bekam; von seiner „Schwarzkunst", der Alchimie. Richtiger als die deutschen Chronisten haben die Franzosen den LarÜioIclus nitzar übersetzt. So nennen ihn Frau?ois de Belleforest 1579 und Andrö Thevet 1584 Lartkolä Is Noir, d. i. Berthold der Schwarze. Der andere Name des Erfinders, Konstantin Antlitzen, hat Veranlassung gegeben, zwei Männer aus demselben zu machen. Dieses scheint aber ohne jeden triftigen Grund geschehen zu sein. Denn es ist bekannt, daß, wer in ein Kloster tritt, seinen Taufnamen ablegt und einen andern bekommt. So wurde der Konstantin der Welt eben im Kloster ?. Berthold, ohne daß man deßhalb vergessen mußte, daß er vor seinem Eintritt Konstantin Antlitzen geheißen habe. In Freiburg kamen in vergangenen Jahrhunderten eine Menge mit „Jsen" (Eisen) zusammengesetzter Geschlechtsnamen vor. So noch 1624 ein Spielmann Angelisen, den die österreichische Regierung dem Stadtrathe zur Anzeige brachte, weil „Georg Angelisen und ein Schreiner Jäcklin, Spiclleute von Freiburg, bei ihrem Durchzuge zu einer Hochzeit nach Kienzheim (Elsaß) zu Neichenweier an einem Freitage Speck gegessen und dadurch großes Aergerniß gegeben hätten." Von Angelisen, bemerkt Hansjakob richtig, ist aber, namentlich im Munde fremder Schriftsteller, nur ein Schritt zu Anklizen und Antlitzen. Man möchte sich nun wundern, daß die Chronisten des Franziskanerordens am wenigsten wissen von dem Pulvererfinder. Es ist aber bekannt, daß die ersten Nachfolger der zu Freiburg vertriebenen Conventualen oder diese selbst Pergamente abschabten, um anderes darauf zu schreiben. Warum aber Notizen über den Pulvererfinder mit Vorliebe vertilgt wurden, wird uns klar werden, wenn wir das Urtheil der Welt über den schwarzen Berthold und seine Erfindung erfahren. Doch zuvor noch ein Wort über die Stadt der Erfindung. Klar weist unser Gewährsmann nach, daß die Erfindung in Deutschland gemacht wurde, und daß das, was verschiedene Chronikanten darüber sagen, daß das „Byssen-Krud" (Büchsen-Kraut, d. i. Schießpulver) in Dänemark, in Italien, in Griechenland, in Böhmen usw. erfunden worden sei, theils Sage, theils Verwechslung ist. Ebenso klar ist sein Beweis, daß unter den fünf Städten, Köln, Goslar, Mainz, Nürnberg, Dortmund, die als Geburtsstätten des Erfinders oder wenigstens der Erfindung genannt werden, keine einen Grund hiezu habe. Freiburg allein hat diese Ehre. Für diese Stadt spricht die Sage, welche doch stets einen historischen Hintergrund hat. Diese Sagen erzählen, daß Meister Berthold, erst Cistercienser, in dem schon im 13. Jahrhundert blühenden St. Blasien, dem Monte Cassino des Schwarzwaldes, seine Studien machte und mit naturwissenschaftlichen Experimenten sich abgeben konnte; hier habe er sich auch seinen Gelehrtentitel, den eines „Meisters der freien Künste" (Mgistar), geholt. Ein „Meister Berthold" erscheint aber im Jahre 1245 in der Kirche St. Martin zu Freiburg als Zeuge. Als ein Sohn des hl. Franziskus wäre Berthold damals, wo Predigt und überhaupt Seelsorge die Hauptaufgabe der Franziskaner war, sicherlich nicht zum Studiren nach St. Blasten geschickt worden. Eine zweite Sage erzählt, daß feine Mitbrüder den Pulvererfinder wegen seiner unheimlichen Studien eingesperrt haben. Ein deutscher Schriftsteller, Buddeus, sagt, in einem Traktat, welches unter Alberti Magui Werken zu finden, stehe, daß Berthold Schwarz ein Barfüßer-Mönch gewesen und das Pulver im Gefängnisse erfunden habe. Damit stimmt überein, was wir mit geschichtlicher Gewißheit wissen, daß nämlich sein Zeit- und Ordcnsgenosse Bacon wegen ähnlicher Dinge wiederholt und jahrelang in Haft sich befand. Die dritte Legende übt das Nichteramt an dem Erfinder einer so „schändlichen Sache"; sie berichtet nämlich, daß der schwarze Berthold sich zu Freiburg selbst in die Luft gesprengt habe, um die Wirkung seiner Erfindung zu zeigen. In einem Scherzgedicht, dessen Dichter nach Dr. Hausjakob wohl noch im 13. Jahrhundert gelebt hat, ist die Rede von dem Schießen mit Büchsen; man hat also damals schon in Freiburg mit Pulver geschossen — und zwar früher als in einer andern Stadt. Daß dieses 22 mit den Angaben Hemmerlins, mit der oben angegebenen ! Urkunde und mit dem, was über die Entwickelungszeit einer solchen Erfindung gesagt wurde, übereinstimmt, bedarf keines Beweises. Daß kein größerer Gebrauch von der Erfindung gemacht wurde vor dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts, läßt sich damit begründen, daß 1348 der schwarze Tod durch das Land ging und 1356 im Breisgau und am Oberrhein die Zerstörung Basels durch ein Erdbeben Entsetzen hervorrief. Solche Zeiten sind für kriegerische Experimente und Unternehmungen nicht geeignet. Uebrigens besitzen wir einen genauen geschichtlichen Nachweis, daß die Freiburger Bürger zu den ersten gehörten, die in Deutschland Gebrauch von der Erfindung machten. In der „Freyburgischen Chronike" des Jakob von Königshoven heißt es vom Jahre 1366: „Darnach belagerten die burger von der Stadt Freyburg die Burg und das Schloß Burghalden dem Graf mit Dreyen lagern und stets hinaufschiessend." Endlich wissen wir, daß diese Stadt durch ihre Büchsenmeister und ihr „Büchsenzeug" renommirt war und daß die benachbarten weit größeren Städte Basel und Straßburg ihren desfallsigen Bedarf in Freiburg deckten. Aus all diesem folgt, daß im Ernst von keiner andern Stadt in Deutschland als von Freiburg als der Geburtsstätte des Pulvers und seines Erfinders gesprochen werde» kann. Dieses möchten wir noch anführen, daß Berthold nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, durch Zufall feine Erfindung gemacht hat. Die meisten älteren Chronisten behaupten, daß er durch Studium und Experimente, auf „geistreiche" Art, durch Scharfsinn, wie Hemmerlin sagt, darauf gekommen sei. Der bedeutendste Chronist der Franziskaner, LucaS Wadding, schreibt: „Berthold habe lange Philosophie studirt und dabei gelernt, daß nicht zwei Körper in demselben Raum sein könnten, und daß Feuer mehr Raum brauche als Erde. Darum habe er Schwefel und Salpeter pulverisirt und in einem geschlossenen Gefäß an's Feuer gestellt, worauf das Gefäß zersprengt worden. Erstellt hierüber, habe er angefangen, das Schießpulver rationell anzufertigen und anzuwenden, und habe zuerst Baumstrünke mit Pulver gesprengt und dann erst mit hölzernen und endlich mit eisernen Röhren ex- perimentirt und Steine und Orgeln aus denselben geworfen." Berthold war also ein Naturforscher und Chemiker oder, nach dem Sprachgebrauchs jener Zeit, ein Alchimist, dessen „Pulverküche" man noch heute hinter dem alten Kreuzgang von St. Martin zeigt. Und wie lohnte ihn die Welt dafür? Daß er von seinen Ordensgenossen ob seiner „Teufelskünste" wahrscheinlich eingesperrt wurde, haben wir schon gesagt. Forcatulus nennt ihn einen „Mönch und Faulenzer, weil nur aus dem Müßiggänge alles Böse komme". Ein Chronist, Erich Adalar, meint: „Büchsen mit Kraut (Pulver) und Lot (Blei) sind erfunden durch einen Mönnich: Wie das Werk ist, so ist auch der Meister gewesen, nämlich ein feuerspeiender Drach." Selbst der „milde" Philipp Melanchthon nennt den Erfinder „einen Münch, Diener und Gehülfen des Teufels", und Busch berichtet, daß die Obrigkeit von Ostfriesland 1379 habe Bussen (Büchsen) Inten soluneäen unä Zseten (gießen), änt inooräelist instruvaent, äoor (durch) äes Havels (Teufels) Onxellnn erkunäen." „Die schlechteste, die gefährlichste und die fluchwürdigste" aller Erfindungen wurde, wie Opmerius meint, „zum Verderben vieler Sterblichen gemacht", was ihm heute noch jedermann bestätigen wird. Der berühmte Dichter Ariost hält seinen folgenden Spruch für „gediegen": „Von den verruchten Geistern allzumal War keiner böser, noch im Frevel dreister, Als dieser greulichen Erfindung Meister. Und daß dafür ihn ewige Rache quäle, Hat in den tiefsten Abgrund Gottes Hand — Das glaub' ich sicher — die verruchte Seele Zu dem verruchten Judas hingebannt." Faber Stapulenfis (1- 1526) meint menschenfreundlich, „es wäre den Sterblichen gut gegangen, wenn der Erfinder beim ersten Versuche verbrannt wäre". Noch eine Reihe von Schriftstellern und Dichtern schließen sich diesem Wunsche an und sind darin einig, daß am besten der Urheber der Kanone zuerst erschossen worden wäre. Noch eine Belohnung haben die Schriftsteller früherer Zeit für den armen Berthold. Jalofsky meint, es wäre eine Art Belohnung für den Erfinder des Pulvers gewesen, daß sein Name für immer ein Geheimniß blieb, damit er nicht zu allen Zeiten von allen Sterblichen verflucht würde. Der spanische Kapitän Diego Uffano, Commandant der Citadelle von Antwerpen zu Anfang des 17. Jahrhunderts, sagt: „Und kompt diese teuffelische invsntion her von einem vorwitzigen Münch Deutscher Nation, einem sonderlichen Philosopho oder Alchymisten, deßen Namen zu seinem Vnglück gleichsam von allen bey allen verschwiegen wird." Wir wissen nun, warum der Name des Erfinders so lange geheim gehalten wurde, „damit ihm nicht zu allen Zeiten von allen Menschen geflucht werde", und begreifen nun auch, warum die Ordenschronisten so lange schwiegen und die etwa vorhandenen Aufzeichnungen möglichst bald vertilgt wurden?) Von dem gläubigen Volke und der Priesterschast wurde die Erfindung als im Bunde mit Dämonen entstanden verdammt, und die „Gelehrten" und Ritter der ersten Jahrhunderte nach Berthold glaubten dies auch, verwarfen sie aber ganz besonders, namentlich die letzteren, weil sie dem Mannesmuth Eintrag thue. Diesem Gefühl gibt Ariost Ausdruck, wenn er fingt: „Gib, armer Krieger, gib der Schmiedezange All' deine Waffen hin, bis auf das Schwert; Die Flint' und Büchse sei dafür genommen! Sonst wirst du wahrlich keinen Sold bekommen. Wie hast du Raum in Mcnschenbrnst gefunden, Erfindung, voll des Frevels und der Weh'n? Durch dich ist Waffendienst der Ehr' entbunden, Durch dich niuß Kriegesruhm zu Grunde gch'n. Durch dich — so weit sind Kraft und Muth geschwunden — Scheint Wackern oft der Schlechte vorzugeh'n. Durch dich sind Stärk' und Hcldensinn enthoben Der Möglichkeit, im Feld sich zu erproben." Dasselbe behauptet M. T. Alpinus; nachdem er die Wirkung der Geschützkugel geschildert, daß sie „alles des sie vor jr findt, zerschütets, zertrennets, zerbrichts, vnd zerknütschets so gar, das gantz kahn ort ist, wiewol vonn natur gantz wol bewaret, des nit leichtlich erkriegt mag werden," fährt er fort: „Darauß ists verfolgt, vnd darzu kommen, das alle krafft der fußknechten, aller glantz oder eer der raysigen, vnd zum leisten, die gantz kriegerische dapfferkayt, daran stehet, ligt vnd fault." Aber auch Lob erhielt der Erfinder des Pulvers und des Geschützes, wenn auch spät und sehr vereinzelt. *) Uebrigens gab es bald einzelne Mönche, die gute Artilleristen waren. So berichtet Gram, daß im Jahre 1469 ein Augustiner-Eremit den Kurfürsten von Brandenburg von der Belagerung von Ukermynde abtrieb durch seine vortreffliche Bedienung des Geschützes. Eines Tages schoß er dem Kurfürsten den Tisch sammt dem Essen „vor dem Maul" weg. Während Felix Heuiiuerlin Beriholds Erfindung „im höchsten Grade bcwundernsmerth" findet, widmet ihr Huldrich Mutins (1539) ein entschiedenes und warmes Lob. Er sagt: „Wenige Deutsche sehen ein, was das Menschengeschlecht den zwei Erfindungen, der Geschütze und der Buchdruckerei, verdankt, und von keinem werden sie genug gerühmt, obwohl sonst jede Kleinigkeit ihren Lobredner findet. . . . Auf den ersten Blick scheint die so nothwendige Erfindung der Geschütze dem menschlichen Geschlecht verderblich. Aber dies ist in Wirklichkeit nicht der Fall, denn bei der jetzigen Zunahme von Habsucht und Bosheit und bei der Abnahme der Nächstenliebe wären die Gesetze nicht im Stande, die Bosheit der Schlechten in Schranken zu halten, und niemand wäre seines Lebens sicher. Wer hätte die Burgen der Räuber von ihren Höhen herabgeworfen, wenn nicht die Geschütze es gethan hätten? Es verdammen viele dieselben und ihren Erfinder, die ohne sie nicht leben würden, ja nicht einmal ihre Eltern. Die mächtigen und reichen Städte existirten nicht ohne sie, und die Kaufleute könnten ihren Handel nicht so frei treiben, und doch macht der Handel zum großen Theil den Reichthum unseres Stüdtewesens aus. Darum soll niemand diese Geschenke Gottes verachten, außer wer die Zähne im Munde des Hundes und die Hörner des Stieres nicht für ein gutes Werk des Schöpfers hält. Entweder muß man alles, was Gott die Menschen zu ihrer Vertheidigung gelehrt hat, verdammen oder den Geschützen einen Platz unter den Gaben Gottes einräumen." Sehr ruhig urtheilt der berühmte englische Historiker Hume (si 1776) über unsere Erfindung; er sagt unter anderem von ihr, daß sie den Krieg im Grunde weniger blutig gemacht und den bürgerlichen Gesellschaften eine größere Festigkeit gegeben habe, ob sie gleich zur Zerstörung des menschlichen Geschlechts und zum Untergang der Reiche erfunden zu sein schien. „Die Völker, führt Hume fort, sind durch diese Erfindung einander mehr gleich gemacht, die Eroberungen sind langsamer und seltener geworden, das Glück im Kriege ist beinahe in eine Sache verwandelt worden, die sich ausrechnen läßt, und eine Nation, die sich von ihrem Feinde überwältigt sieht, willigt entweder in seine Forderungen oder setzt sich durch Allianzen gegen seine Gewaltthätigkeit und Einfülle in Sicherheit." Wie wir in der Einleitung unserer Abhandlung schon sagten, leitete die Erfindung des Schießpulvers eine neue Zeit ein. Pulver und Geschütze haben dem Bürger- und Bauernstande „eine Gasse für die Freiheit" geschossen; denn wie die Freibnrger Bürger, zum Schloß ihres Herrn „hinaufschicssend", sich die Freiheit geholt haben, so haben die Kanonen alle Freiheiten und Privilegien der waffenkundigen Ritterschaft, in deren Händen die Herrschaft auf dem Lande und das Regiment in der Stadt lag, hinweggefegt, die Dienstbarkeit der Bauern und Bürger beseitigt und sie freigemacht. Bertholds Erfindung schuf das, was wir heute mit Stolz „das Volk in Waffen" nennen! Aber noch mehr. DaS Pulver und die Geschütze haben die außereuropäische Erde für die Civilisation geöffnet, dem Dampfroß die Wege geebnet und so den Verkehr durch Berge und Felsen ermöglicht, und endlich ist die Kanone im Männerrathe der Völker immer noch die letzte und stärkste Stimme; sie ist die nltima, ratio der Könige und Völker; unter den Wissenschaften nimmt die des Krieges nicht die letzte Stelle ein. Wenn auch die Erfindung des alten, schwarzen Pulvers durch das im Jahre 1889 erfundene moderne, rauchlose Pulver etwas zurückgedrängt ist, so darf man denn doch nicht aus dem Auge lassen, daß dieses bloß eine neue Lebensphase der Erfindung des schwarzen Bertholt) ist und auf denselben Naturgesetzen beruht, mit denen der geistreiche Mönch operirte. Der Ruhm des armen Franziskaners wird nicht erbleichen vor dem rauchlosen Pulver; denn selbst wenn dieses eine ganz neue Erfindung wäre, bliebe sie werthlos, wenn der schwarze Bertholt) nicht auch der Erfinder der Kanone wäre. Dein hochbegabten Stadtpfarrer von St. Martin in Frciburg, Or. Hansjakob, aber gebührt das Verdienst, festgestellt zu haben, daß das Pulver in der Mitte des 13., nicht 14. Jahrhunderts durch den Freibnrger Franziskanerpater Bertholt), dessen Familienname Konstantin Anklitzen war, erfunden wurde. Da er ein tüchtiger Chemiker war, so wurde er nach dem Sprachgebrauchs jener Zeit „Schwarzkünstler" genannt, und von dieser Bezeichnung erhielt er den Namen Lortsiolckus nigar, d. i. der schwarze Berthold. Recensionen und Notizen. Schloß Hubcrtus. Von Ludw. Gangbofcr. Mit 1 Illustration von Hugo Engl. Stuttgart, Verlag von Sld. Bon; u. Co. 2 Bde. -s. Der fruchtbare Schriftsteller bietet in diesem seinem neueste» Werke einen Familienroman, der seine cnlturbistvrische „MartinSklause" an litcrarischcr Bedeutung unseres ErachtenS bei weitem nicht erreicht. Indessen bewährt sich die reiche Phantasie und die geschickte Mache, welche wir an L. Gang- boicr stets beivunderten, namentlich auch seine Kraft in plastischer Gestaltung der Charaktere und Handlungen, auch in seinem neuesten Werk. Die Hauptperson des Romans, »in welche sich eine große Gesellschaft bandclndcr Personen und eine Menge von Episoden gruppirt, ist der alte Graf Egge, für den es auf Erden nur etwas gibt, waS des Lebens werth ist — die Jagd. Seine Leidenschaft bicfnr, in der er Gattin und Kinder gröblich vernachlässigt, begründet seine Schuld, bringt aber auch die Sühne, indem er bei einem wahnsinnig verwegenen Versuch, ein Ablernest ansjnnchmen. erblindet und schließlich an einer Wunde zu Grunde gebt. die ein Adler ihm geschlagen. An sich isr dieser Vorwnrs des Romans psychologisch gerade nickt sehr interessant. Aber der Autor bat es verstanden, das Hanpt- ihema mit einer Fülle von fesselnden Nebenumständcn zu umgeben und mit den Schicksalen einer Anzahl von andern Personen zu verweben, so daß die Spannung des Lesers bis zum Schlüsse lebendig erhalten wird. Da sind es zunächst die Kinder des Grafen: der blasirte, schließlich an seiner Spielwnth zu Grunde gehende Offizier Graf Robert; der liebenswürdige, aber über alles Maß leichtsinnige Graf Willy, der beim Kamircr- femterln vom Mutsturz betroffen wird und stirbt; der rcchtS- gclcbrtc Graf Tassilo, die Idealfigur des Romans, der natürlich ant GebnrtSadel nicht viel hält und eine Opern-Diva hciralhet; dann die Tockter des Grafen, Kitty, die sich in einen jungen Maler verliebt, der zuiällig der illegitime Sohn ihrer Gcnver- naine und eines gepriesenen Malers ist, dessen Lebensweisheit mit dem irdischen Leben alles anS sein läßt; dann eine Anzahl von braven und bösen Jägern und Mädels, thcilweise etwas sentimcmal aufgeputzt — wie man sieht, eine bunte, gemischte Gesellschaft. Bedeutende Joccn wird man in dem Roman vergeblich suchen; aber die schon erwähnten Vorzüge lebendiger Schilderung und reicher Handlung und das Wehen gesunder Bcrgluft — aus die Bcrgwclt versteht sich Ganghoser ja ganz eminent — machen den Roman zu einer spannenden Lectüre. Das Wesen des Erfinders. Eine Erklärung der scköp'cr- ischen GeisicStbätigkeit an Beispielen planmäßiger Aufstellung und Lösung erfinderischer Aufgaben. Von Emil Cnpitaine, Eivilingenienr. Leipzig, Gnstap Fock. U. Unter Auswand ansehnlicher wissenschaftlicher Miltck verfolgt der Verfasser den Zweck, dem in den meisten Fällen eingebildeten Erfindergcnie, das selbst in den gcringiügigsten Patcitten eine besondere Begabung wittert, den NunbuS zu ncbmcn und das Erfinden nicht als ein angeborenes Talent, sondern als etwas Erlernbares nachzuweisen. Von der Voraussetzung ausgehend, daß wirklich ursprünglich Neues dank der, 24 Jahrtausende alten schöpferischen Thätigkeit des menschlichen Geistes zu den Ausnahmefällen zu rechnen sei, wird in einer mehrere Abschnitte umfassenden tbcoretisch-pbilosopbische» Studie die Möglichkeit vor Augen geführt, im planmäßigen Schaffen dieselben Ziele zu erreichen, für die beispielsweise Harrig das aller Gesetzmäßigkeit spottende Erfinden voraussetzt. Je umfangreicher die Kenntniß der Mittel und Wege, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß Beste für den jeweiligen Zweck zu finden, wobei naturgemäß die Beweglichkeit der inneren Denkthätigkeit bestimmend für Umfang, Schnelligkeit und Sicherheit dcS Auffindens ist. In dem zweiten, praktischen Theil werden an einigen Beispielen planmäßig durchgeführte Erfindungen erläutert; er bietet selbst demjenigen, der au die Behauptungen deS Autors nicht glaubt, des Interessanten genug. Eine gewisse Individualität wird dem Künstler eingeräumt, der nicht erst versucht, um eine Wirkung zu erreichen, sondern die Menschen mit seiner Kunst, so wie er will, zu beherrschen trachtet. Achnlichcs wird mit Bezug auf den Politiker entwickelt. Einen Seitcnbicb erhält der Mediziner, der auf Pro- bircn angewiesen sei. Daß die Kenntniß auf zwei an sich getrennten Gebieten die Erfindungen begünstigt, steht außer Frage; sie wird z. B. vorausgesetzt bei Erfindung der gleichfalls ausgeführten Apparate zur graphischen Feststellung der Vorgänge an verschiedenen Stellen eines zu untersuchenden menschlichen Körpers. Gestreift wird auch das Problem des lenkbaren Luftschiffes. Daß dasselbe sehr wohl lösbar ist, und zwar durch Combination und Vervollkommnung bekannter technischer Mittel, ist eine unbestreitbare Thatsache. Daß aber die Lösung in oer einen oder der anderen Weise trotz zahlreicher Versuche ernster Männer bisher nicht erfolgt ist, dürfte vielleicht als Beweis dafür dienen, daß es Ausnahmen gibt, bei denen selbst planmäßiges Erfinden versagt. Ucbcrhaupt lehnt sich das letztere sehr an diejenige Thätigkeit an, welche der Fachmann mit Con- struiren bezeichnet. Für eine Patentirnng würde die Grenze zwischen beiden Gebieten noch mehr verwischt werden, als sie es jetzt schon ist, ja, die patentfähige Erfindung wird erst aus einer höheren stufe geistiger Thätigkeit vom reinen Zusammenbauen abzweigen, als man unter Belastung von Ersiudcrtaleiiten anzunehmen geneigt ist. _ Das Deutschthnm im Donaureiche. Von Dr. G. Schultheiß. Berlin, Verlag von M. Priber. Geheftet (8 Bogen) 1 M. LI. Das Schriftchen, aus der Feder eines der besten Kenner der südosteuropäffchen Verhältnisse, wird in allen Kreisen, die sich für die Frage interessiern, große Beachtung finden. Auf Grund reichen Thatsachenmaterials werden die Gefahren für das deutsche Element schlagend dargcthan, aber auch der Weg bezeichnet zur Aenderung der Lage, zur Erlösung von dem Druck, welcher auf den Deutschen in allen Ländern des Donau- rcickcs lastet. Sprache und Urtheil, wenn auch scharf, sind ernst und maßvoll. Bayerische Zeitschrift für Realschulwesen. Redigirt von Wilh. Vogt, München. M. Rieger'sche Univ.- Buchhandlung, München. ^ Das 5. Heft des Bandes III (N. F.) enthält u. A.: Hertel E., Das Transscendentale in N. Wagner's Dichtungen; Kleiber H., Ueber Liniengcomctrie u. linearen Complex; Falch E., Die Schulreformbewcgung in Bayern und im Reich. — Recensionen. _ Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1893. Zehn Hefte M. 10.80 (oder zwei Bände ä M. 5.40). — Freiburg im Brcisgan. Herder'sche Verlagshandlung. Durch die Post und den Buchhanoel. Inhalt des l. Heftes: Ziele und Grenzen der staatlichen Wirlhschaftspolitik. I. (H. Pesch 8. 9.) -- Der heilige Bonifaz, UnivcrsnätSprofessor zu Paris, Domscholaster zu Köln, Bischof von Lausanne, Weihbischof in Brabant und den Niederlanden. I. (D. Rattinger 8. I.) — Die neueste Energetik und die chemische Willensfreiheit. (L. Dresse! 8. 7.) — Die arabische Dichtung im Reiche der Chalifen. (A. Baumgartncr 3. 7.) — Das Meeresleuchten und seine Ursachen. I. (E. Wasmniin 8. 7.) — Wie entstand „Des Knaben Wunderhorn"? (W. Kreiten 8. I.) — Recensionen: 1. UeviuZ'tou, Luxlioau kallaoiss, 2. Vaug'lian, M,s wag' ot rouniou ok Oliristsuäom, 3. 8mitb, Deasons pro roseetuiA Hutzlioau Dreiers (A. Lehmkuhl 8. ,7.); Sauren, Die Lauretanische Litanei (G. M. Drevcs 8. 7.); Wilpert, Draotio Pauls (I. Braun 8. 7.); Schwering, Zur Geschichte des niederländischen und spanischen Dramas in Deutschland (A. Banmgartner 8. 7.); Weber, Herbstblätter (W. Kreiten 8. 7.). -- Empfe hlenS werthe Schriften. — Miscellen: Leo Tolstois neuestes Evangelium; „Wissenschaftliche" Bericht- crnattung im „Theologischen Jahresbericht"; DaS Nom der Päpste das Rom der Welt. Kirchenmusikalische Vierteljabrs-Schrift. Herausgegeben vom Salzburger Diöcesan - Eäcilien - Verein. X. Jabrgang 1895. Verlag von M. Mlttermüller in Salzburg. Inhalt des 2. Heftes: Ueber GesangSschnlen (Fortsetzung). — WaS ist die Andacht, und in welchem Verhältnisse stehen zu ihr die Wirkungen der Musik? Die Kunst, die englische Sprache in kürzester Zeit u nd in Bezug auf Verst ä ndn iß, Co ii Vers ation u nd S ch ris t s p ra ch e d urch S elbstil nterricht s i ch anzueignen. Von R. Clairbrook. 5. Anst. gebd. 2 Mark. Verlag von A. Hartleben, Wien. Bei Bearbeitung dcS in fünfter Auflage vorliegenden Werkes war des Verfassers vorzüglichstes Streben dahin gerichtet, den Freunden der englischen Sprache ein Handbuch zu liefern, welches sich als ein verläßlicher und zeitsparender Führer in das Gebäude jener Weltsprache empfehlen dürste. Die Aussprache wird hier gleichwie in bewährten größeren Grammatiken vollständig gelehrt, und zwar nach dein altbewährten System des verewigten Professors der englischen Spräche Charles Gaulis Clairinoni. welches System nicht nur m zuverlässigster W-'ise die allgemeinen Regel» lehrt, sondern auch das einfachste mid doch zugleich schlagfertigste Rüstzeug gegen die vielen vorkommenden Ansnabmen gewährt. Wird das hier gewonnene Material durch die Redensarten und Gespräche dcS praktischen Theiles so viel als möglich ergänzt, so wird endlich dem Lernenden in der bcigegebcnen und mit einem vollständigen Wörter- bnche versehenen Chrestomathie ein willkommener Schlüssel zu dem reichen Schatze der englischen Literatur geboten werden. Und so ist denn hiermit ein Werk geschaffen, dessen Brauchbarkeit dem Freunde der englischen Sprache gegenüber sich in befriedigender Weise bewährt, eine Thatsache, welche die innerhalb kurzer Zeit erschienenen fünf Auflagen dieses cm- psehlenswcrthen Buches verbürgen. Dc u tsch e R un d schci u fürGeographie unb S ta t i st ik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von Pros. Dr. Fr.'Umlauft. XVIII. Jahrgang 1896. (A. Hartlebcns Verlag in Wien, jährlich 12 Hefte L 85 Pf. Präiiliiucration incl. Franco-Zu- scndung 10 M.) Auch das eben erschienene dritte Heft des XVIII. Jahrganges zeichnet sich durch einen reichen, interessanten Inhalt aus, den wir hier im AuSzuge wiedergeben: Das Klima Ost» Asiciis in wcltwirthschaiilicher und sanitärer Beziehung. Von Wilb. Krebs. (Mit 1 K.wte.) — London. Von Rudolf Schück in London. (Mit 1 Illustration.) — Der Kreis Surgut in West-Sibirien. Von Peter von Stenin in St. Petersburg. (Mit 2 Illustrationen.) — Neueste Polarrcise». Von Dr. Gustav v. Hayek. — Astronomische und phvsikalische Geographie. Die Wunder eines Sicbenzöllcrs. — Politische Geographie und Statistik. Ergebnisse der Berufs- und Kcwerbe-ählnng in Preußen. Von A. Tromnali. — Berühmte Geographen, Naturforscher und Reisende. Mit I Porirät: L. v. Lüczy. — Geographische Nckrologie. Todesfälle. Mit 1 Portrait: Moriz Willkomm. — Kleine Mittheilungen aus allen Erdlbeilen. — Geographische und verwandte Vereine. — Vom Büchcrtisch. Eingegangene Bücher, Karten rc. (Mit 2 Illustrationen.) — Kartcn- beilage: Vertheilung der Niederschlüge in China in den einzelnen Jahren 1835—1693 zur Darstellung der Wettervcrlegnng. O Die Nedaction deö Historischen Jahrbuches der Görres-Gesellschaft erfuhr mit dem neuen Jahre eine Veränderung. Die Herausgabe dieser Zeitschrift ist jetzt in verantwortlicher Weise dem kgl. Sccretär am k. Geheim. Staatsarchive in Münckcn Dr. Jos. Weiß übertragen, welcher das Jahrbuch unter Mitwirkung der bisherigen 3 Redacteure Pros. Grauert (München), Pastor (Innsbruck) und Schnitter (Frci- bnrg) und mit Beihilfe des Assistenten an der Münchener Hof- und Staatsbibliothek Dr. Kampers redigiren wird. Veranlw. Redacteur: Ad. HaaS in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Gral-Herr in Augsburg.