7. Fevr. 1896. Gedanke» über Wissenschaft und Christenthum will uns in Nr. 4 der Beilage ein Kritiker des „Spectators" der „Allg. Ztg." bieten. Er bietet aber bloß Gedanken über die Objektivität des Erkennens und einige wohlgemeinte Ermahnungen an die Gelehrten. Von einer Widerlegung des „Spectators" aber ist keine Rede, und der eigentliche Kern der Sache ist gar nicht erfaßt. Es handelt sich nicht darum, ob Denken und Sein übereinstimmt, sondern darum, ob etwas Uebernatür- liches, Göttliches, Wunderbares in der Natur und Geschichte objektiv sicher und unanfechtbar festzustellen sei. Diese Frage wird in der Apologetik behandelt, und zwar so weit es sich um die natürliche Offenbarung Gottes handelt, unter den Gottesbeweisen, soweit es sich um die geschichtliche oder positive Offenbarung Gottes handelt, in den Capiteln über die Offenbarung und die Wunder im allgemeinen, sodann über die Offenbarung des alten und neuen Testaments im besondern. Sowohl in der einen als in der andern Hinsicht ist bekannt, daß die Beweise von Gottes Dasein und Erscheinen in der Natur und Geschichte es zu keiner vollen Stringenz und Evidenz bringen. Wohl spricht das vatikanische Concil von einer Erkennbarkeit Gottes, nicht aber von sicherer Beweisbarkeit. Alle Bemühungen der Apologeten, Gottes Offenbarung zu beweisen, haben es nie bis zu einem Erkenntnißzwang, bis zu einer innern Nöthigung gebracht; die Glaubenswahrheiten wurden nicht als allgemein gültig und nothwendig in dem Sinne erwiesen, wie es philosophische und metaphysische Grundbegriffe sein müssen, und es ist allerdings nicht zu verwundern, daß die exakten und kritischen Wissenschaften, die nur mit sicher Beweisbarem operiren, Thatsachen aus dem Wege gehen, die nach ihrer Ansicht Sachen bloßen Meinens oder Glaubens sind. Man muß ihnen zugeben, daß der Glaube auf dem Gebiet des Erkennens nicht allein auszumachen ist, denn der Glaube ist ebensosehr Sache des Willens, oder wie man heute sagt, des Gemüthes, wie des Intellektes, anderseits aber ist jenen Wissenschaften, der Natur- und Geschichtswissenschaft, nahezulegen, daß ihre vorgebliche Exaktheit und kritische Stringenz eben doch oft bloß eine vorgebliche und vermeintliche ist. Schon die Naturwissenschaften leben von einer Menge Hypothesen (Aether- und Atomtheorie), noch unsicherer aber ist die historische Kritik, worüber ein Aufsatz über Ranke in den Histor. polit. Blättern ausführlicher handeln wird. Ohne Meinen, Vermuthen, Schließen geht es in der Geschichte nicht ab; schon die Grundlage, das Vertrauen auf die Quellen, auf die Berichterstatter und Zeugen einer historischen Thatsache ist eben ein Glauben, ein Glauben, der zwar nicht ganz gleichartig, aber ähnlich dem religiösen Glauben, der Hingabe an kirchliche und geschichtliche Autoritäten ist. Ein subjektiver Faktor bleibt überall, namentlich bei der Geschichte, übrig; wie wäre denn sonst die ganz verschiedenartige, ja entgegengesetzte Auffassung geschichtlicher Erscheinungen möglich? Daß auch beim Glauben ein subjektiver Faktor constatirt werden muß, darf uns daher nicht erschrecken. Dieser subjektive Faktor ist das Gefühl für das Unendliche, Ewige, das Streben nach dem höchsten bleibenden Gute, nach der Vollkommenheit und Seligkeit, das sich in der Idee GotteS ausspricht. Ohne diese Idee ist kein Gottesbeweis möglich, unrichtig ist es nur, diese Idee als angeboren zu betrachten, wie der Ontologismus, oder als bloß ererbt oder überliefert, wie der Traditionalismus, oder von einer unmittelbaren Offenbarung Gottes im Gemüthe zu sprechen, wie der pantheistische Ontologismus. Man kann ein ganz guter Katholik sein — der Verfasser könnte sehr hochgestellte kirchliche Personen nennen — und doch Kants Kritik der Gottes beweise mit Kühn in soweit gelten lassen, als sie das unmittelbare Gottesbewußtsein nicht anfechten. Der Verfasser selbst geht zwar noch weiter und glaubt, der Kausalitätsbeweis sei sicher genug, um eine w-it« gehende objective Beweisbarkeit Gottes zu ermöglichen, aber vollendet kann dieser Beweis nur vermittelst der ursprünglichen Gottesidee werden. Noch wichtiger sind indessen die Beweise für die Offenbarung im Allgemeinen und im Besonderen. Sie und nicht so fast die Gottesbeweise hat der Spectator im Auge, wenn er davon spricht, daß alles zuletzt auf innere Erlebnisse, Erfahrungen und Thatsachen des Gemüthes hinauskommt. In der That, wer in sich und seinem Schicksale kein Wunder erlebt hat, wird schwerlich an Wunder glauben. Solche Wunder zu erleben und zu erfahren, ist aber nicht so schwer, als es bei einem Blick in die weite Welt den Anschein hat, das ist jedem möglich, der läutern Sinnes, empfänglich für höhere Anregung und dankbar für die Vorsehung ist. Das ist zuletzt eine moralische Frage, mag man sagen was man will; denn sonst wäre es unwahr, daß Gott jedem seine hinreichende Gnade schickt. In diesem Punkte steckt auch die eigentliche Unentschieden- heit und Zweideutigkeit des Spectators, die sein Kritiker wohl fühlte, aber nicht herausfand. Nach ihm könnte es scheinen, als sei es bloßer Zufall, ein unverdientes Geschenk, daß Gott seine Gnade einem erzeige; Gott aber offenbart sich jedem und gibt jedem die Möglichkeit, gerecht zu sein, der bereit ist, mitzuwirken: das ist eine Lehre, die nicht blos dem Molinismus, sondern überhaupt der katholischen Kirche eigen ist. Es kommt zuletzt auf den Willen oder darauf hinaus, daß einer seine Seele und sein Herz für die höhere Welt offen hält, daß einer, eingedenk seiner Schwäche und Endlichkeit, seiner Beschränktheit und Hilflosigkeit, seine Hand und sein Auge zu den höheren Machten emporhebt, die sein Schicksal gestalten. Man muß ebenso dankbar für erwiesene Gnaden, als für die geschichtliche Offenbarung, wie ehrfurchtsvoll für die christlichen Vorbilder und christlichen Autoritäten sein. Nun hat aber gerade der Zeitgeist die entgegengesetzten Tugenden gezeitigt, die Undankbarkeit, Ehrfurchtlosigkeit und Rücksichtslosigkeit, und daher ist der große Abfall vom Christenthum leicht zu erklären. Seinen Gipfelpunkt fand der Zeitgeist in Nietzsche, der die Rücksichtslosigkeit, die Gefühllosigkeit, den Egoismus und die Bosheit verherrlicht und als Grundlage der Moral hinstellt, und er hat sich selbst mit Recht Antichrist genannt. Ich habe in den Histor. polit. Blättern (116. Band) ausführlich über Nietzsche berichtet und verweise hierauf. Es ist also, ich wiederhole, eine moralische Frage, auf die es im Streit zwischen Glauben und Unglauben ankommt. Das wußte man freilich schon lange, und man hat von gläubiger Seite nicht unterlassen, bei den Heroen des Unglaubens nach allerlei moralischen Flecken und Gebrechen zu spüren, man hat sich dabei aber oft lächerlich und kleinlich gemacht, und die Gegner hatten leichtes 42 Spiel, mit ihren Splitterrichtern fertig zu werden. Denn jene Apologeten glaubten ihr Ziel nicht erreicht zu haben, wenn sie nicht den Vorwarf grober Unsittlichkeit aus einzelnen Vorkommnissen Herausgestalten konnten. Oder wenn die Apologeten gar in den Ton von Moralpredigern fielen, so waren die Gegner gleich bereit zu sagen, sie wüßten nichts anderes, als die Entscheidung theoretischer Fragen einem ins Gewissen zu schieben. Die Gegner wiesen immer schadenfroh darauf hin, wie ihre Helden ehrliche und brave Menschen waren, wahre Heilige wie Spinoza, edel wie Schleiermacher und Strauß, brave Familienvater und rastlose Arbeiter wie Renan, daß die Apologeten an Sittlichkeit weit hinter diesen bösen Freigeistern zurückbleiben. Und in der That kann das wohl der Fall sein, der Apologet kann äußerlich betrachtet in der sittlichen Schätzung der Menschen hinter einem Freigeist zurückstehen, aber dann ist sicher auch das Bewußtsein seiner Gebrechlichkeit, Hilflosigkeit und Beschränktheit viel großer, und während der Freigeist sich stolz auf einsame Höhe stellt und sich in seinem Glänze berauscht, wird jener demüthig sein Haupt neigen und seine Sündhaftigkeit bekennen. Der Wissensstolz und die Selbstgefälligkeit ist eine viel größere Sünde als die Schwäche, und der Heiland hat wohl den Sündern, nicht aber den Pharisäern verziehen. Der Spectator hat also unrecht, wenn er das Auge vor den erwähnten Thatsachen verschließt — er muß es ja verschließen, weil er, nun einmal in die Gesellschaft von Freigeistern gerathen, doch nicht unhöflich sein kann —, aber recht hat er, wenn er behauptet, es komme zuletzt auf innere Erfahrungen an. Ob es Wunder gibt, und ob die Bibel Gottes Offenbarung enthält, das kann nur bis zu einem gewissen Grade objectiv ausgemacht werden. Die Apologetik kann z. B. die Echtheit der hl. Schrift erweisen und einen hohen Grad von Evidenz erreichen, aber ein subjectiver Factor bleibt besonders bei der Frage nach der Glaubwürdigkeit der historischen Zeugen. Die zeugenkritische Untersuchung muß bestimmte Voraussetzungen über die einem Zeugen nothwendige geistige und sittliche Beschaffenheit machen. Es muß feststehen, daß religiöse Stimmung und Erhebung mit der klaren Erkenntniß subjectiver Thatsachen vereinbar und der Ruhe des Sinnes und Klarheit des Urtheils nicht hinderlich sei, daß religiöser Enthusiasmus, religiöse Be- geisterungundErleuchtungnichtnothwendigjeneschwärmerisch schwüle Atmosphäre erzeugt, in welcher die concreten Gestalten und Geschehnisse der Wirklichkeit nebelhaft zerfließen. Viel wichtiger indessen als diese Voraussetzung, welche selbst wieder in allgemeinem Ansichten über Religion und die durch sie geschaffene normale und abnormale Stimmung wurzelt, ist der historische Nachweis, daß die Zeugen der Offcnbarungsthatsachen sich durch ihren Wandel und ihr Wirken als Männer bewähren, denen wir uns geistig hingeben, denen wir glauben und vertrauen dürfen. Freilich, was sie sahen und hörten, das waren vorübergehende Erscheinungen und flüchtige Worte. Um für alle Menschen eine Geltung zu beanspruchen, scheinen diese Thatsachen und Worte wegen ihrer räumlichen und zeitlichen Beschränktheit unfähig zu sein. Deßhalb verlangt Hartmann von den Offenbarungsthatsachen, daß sie sich jedem Menschengeiste speciell enthüllen. Erst so sollen sie sich zum Rang von allgemeingültigen Vernunftswahr- heiten erheben. Indessen erhalten diese Thatsachen und Wahrheiten eine gewisse räumliche und zeitliche Allgegen- Wrt und deßhalb Allgemeingültigkeit durch die lebendige. überall hinbringende Ueberlieferung der Kirche, in welcher ein Zeuge an Stelle des andern tritt und deßhalb selbst Zeuge wird. Die Kirche, in welcher der gleiche hl. Geist wie vor Jahrhunderten lebt, versetzt uns über die Schranken der Zeit hinüber in die Gegenwart der Ereignisse, welche die Grundlage des Glaubens sind. Das heute noch rr- fahrbare Wirken der kirchlichen Organe gewährleistet uns die Wahrheit und den Werth der uns schriftlich bekannt werdenden Anfänge, die Göttlichkeit ihres Ursprungs und Ausgangs. Durch ihre Vermittlung werden wir selbst Augenzeugen der Ereignisse und vermögen wir weiter zu zeugen. Wenn wir von der Glaubwürdigkeit der biblischen Schriftsteller fest überzeugt sind, werden wir auch ihren Wundererzählungen gerne Gehör schenken, mögen sie noch so sehr unsere Fassungskraft übersteigen. Gerade je größer ein Wunder ist, je außerordentlicher, unglaubhafter und räthselhafter, um so größer ist das Staunen vor der in ihm sich offenbarenden Gottesgewali. Wer an einen Gott glaubt, der wird auch Wunder nicht ablehnen können, mag ihm auch nie in seinem Leben ein wirkliches Wunder, ein Durchbrechen der Naturgesetze, vorgekommen sein. Denn er wird sich sagen, daß seine beschränkte Erfahrung nicht ausreicht, eine solche Möglichkeit zu verneinen. Eine fortgesetzte Reihe von Erfahrungen gleicher Art gibt allerdings einen Jndnctions- beweis, aber eine Iuduction hat nie den Werth eines Syllogismus. Man hat allerdings aus dem Begriff des Naturgesetzes die Unmöglichkeit eines Wunders deducireu wollen, allein man hat nicht beachtet, daß das Wunder gar nicht das Naturgesetz aufheben will. Gott benützt im Wunder die Naturkräfte und -gesetze, um eine höhere oder entgegengesetzte Wirkung hervorzubringen, ähnlich wie der Mensch täglich dem Walten des einen Naturgesetzes ein anderes entgegensetzt und die Wirkung des Wassers z. B. durch Dämme, Schiffe, Feuer aufhebt. Gott kann dies aber viel rascher und stärker ohne viele Vermittlungen thun, das Brod vermehren, ohne zu säen und zu ernten, den menschlichen Körper gegen Feuer und Fall stärken, die erloschene Lebenskraft ohne Arzneien wieder erwecken. Am schnellsten fertig sind jene Gegner der Offen- barung, welche überhaupt die Möglichkeit leugnen, daß Gott in anderer als der gewöhnlichen gesetzlichen und naturgemäßen Weise wirkt. Ein Heraustreten Gottes aus dieser Ordnung und eine Offenbarung an einem bestimmten Punkte des Raumes und der Zeit sei durch den Begriff eines unendlichen, über Zeit und Raum erhabenen Wesens, welches über jede beschränkte Erscheinung hinausgeht, und durch den Begriff göttlicher Gesetzlichkeit und Gerechtigkeit, welche keine einzelne Person und Zeit bevorzugen könne, ausgeschlossen. In der That vermag keine irdisch beschränkte Erscheinung Gottes Wesen zum vollen Ausdruck zu bringen, und die geschichtliche Bevorzugung einzelner Völker und Menschen bietet zumal nach der streng prädestinatianischen Ansicht erhebliche Schwierigkeiten. Allein abgesehen von anderen Gründen würde man Gefahr laufen, Gottes Freiheit, seine Liebe und sein lebendiges Wirken gegen eine starre Gesetzlichkeit aufopfern zu müssen, wollte man jede besondere Einwirkung auf die Natur und den Geist des Menschen leugnen. Dadurch würde nicht nur jede religiöse Mannigfaltigkeit und die Individualität des religiösen Lebens zur Unmöglichkeit, sondern man müßte auch die Ueberweltlich- keit, das Fürsichsein und das Eigenleben Gottes leugnen, und wirklich haben auch alle Gegner der Offenbarung einen mehr oder weniger pautheistischen Gottesbegriff gehabt. O. Christoph von Stadion, Bischof von Augsburg, und seine Stellung zur Reformation. (Fortsetzung.) L. H.*) Grund zu der Annahme, daß Christoph von Stadion schon frühzeitig für Luther günstig gestimmt war, könnte allerdings die Berufung des Ockolampadius zum Domprediger in Augsburg geben. Ockolampadius war zwar, als er im Jahre 1518, nachdem er kurz vorher in der Theologie den Doktorgrad erlangt hatte, diese Stelle annahm, noch katholisch, aber er begann in Augsburg, wo er Luther persönlich kennen gelernt hatie, zu schwanken. Er schrieb gegen Eck und trat mit Luther und Melanchthon in Briefwechsel??) Nach Zapf hätte er schon als Domprediger von Augsburg sehr stark gegen die Mißbrauche der Kirche und den ehelosen Stand der Geistlichen geeifert und die öffentliche Beicht eingeführt, wodurch er sich viele Feinde auf den Hals gezogen, so daß er um seine Entlassung nachgesucht habe. Demun- geachtet habe ihn der Bischof nicht gehen lassen wollen, da er ihm, obgleich er ziemlich evangelisch predigte, sehr lieb gewesen sei, aber durch öfteres Zureden habe er ihn endlich entlassen im April 1520?") Einige Jahre später nun tritt er in Basel als der Hauptreformator dieser Stadt auf. Hier ertrotzte er vom Rathe 1527 durch Zusammenrottung und Bildersturm freie Religionsübung, hier verheirathete er sich 1528, und 1529 unterdrückte er hier den alten Cultus völlig, vertrieb die Ordensleute und führte die Alleinherrschaft des Zwinglianismus durch?") Nachfolger des Ockolampadius auf der Domkanzel zu Augsburg wurde Urbanus Nhegins, der ebenso verdächtig war wie Oekolampad, und deßhalb schon 1521 wieder entlassen ward. Er kehrte jedoch, vom Rathe zurückberufen, im Jahre 1525 wieder nach Augsburg zurück und war nun ein entschiedener Vertreter des Lntherthums. Er war in Augsburg unter den ersten, die das hl. Abendmahl unter beiderlei Gestalten und ohne vorhergehende Ohrenbeicht spendeten, er hielt 1526 eine feierliche, starkbesuchte Hochzeit?") er war überhaupt einer der ersten Reformatoren Augsburgs, und deßhalb liegt wohl die Vermuthung nahe, daß er schon im Jahre 1520 wenigstens der Gesinnung nach Lutheraner gewesen sei, und Noth nennt ihn schon in dieser Zeit einen «viel gefährlicheren Neuerer" als Ockolampadius war?*) Durch Berufung solcher Männer zu seinen Dompredigern lädt Christoph von Stadion allerdings den Verdacht auf sich, als ob auch er selbst im Geheimen Lutheraner gewesen wäre und als ob er diese Männer berufen hätte in der Absicht, durch dieselben die neue Lehre in seinem BiSthum verbreiten zu lassen. Zapf natürlich, der den Bischof schon von Anfang an auf die lutherische Seite zieht, faßt solche Daten bereitwilligst *) Die Signatur X. in Nr. 5 war irrthümlich. D. R. Wetzcr und Weite, Kircheulexikon. IX. Bd. 2. A. (Frei- bnrg im Breisgau, 1895); Seite 702 f. ") Zapf, Cbr. v. Stadion 11. Hciele, Concilieugcschichte, fortges. von Cardinal Hergen- röther, IX. Band (Frciburg i. B., 1890) S. 651. -°) Braun. Gesch. d. Bisch.- V. Slugsb. III. 238 f. ?') Neioriuationsgcjchichtc Augsburgs (Münchm, 1881)' Seite 61. als Beweismaterial für seine Ansicht auf. Doch läßt sich oie Berufung jener beiden Männer, die für die katholische Kirche Gefahr zu bringen drohten, nach meiner Ansicht wohl erklären aus der großen Vorliebe, die von Stadion für die Humanisten hegte. Außerdem waren dieselben bei ihrer Berufung auf die Augsburger Domkanzel noch auf Seite der katholischen Kirche, und der Bischof wird wohl von ihrer reformatorischen Gesinnung kaum etwas gewußt haben. Beweise für diese meine Meinung finden sich bei Veith und bei Noth. Ersterer berichtet nämlich, daß der Bischof ein sehr großer Gönner der Humanisten gewesen sei und daß er den Oekolampad, der außer Deutsch auch Latein und Griechisch verstand, und den Nhegius, der Doktor der Theologie, kaiserlicher Orator und xoöta, lauraatus war, eben wegen seirr.c Vorliebe für die Humanisten, „mit großer Gunst überhäuft und eine Zeit lang sogar ihre Dienste in der Kirche benützt habe," setzt jedoch ausdrücklich hinzu: „ämrr in orblaocloxa ticls ststsrunb? so lange sie den rechten Glauben bekannten?") Ebenso spricht auch Noth für die gute Absicht des Bischofs bei der Berufung jener beiden Humanisten nach Augsburg, wenn er schreibt: „Während der Bischof einen ihm gefährlich scheinenden Neuerer — nämlich Oekolampad — in die Fremde trieb, rief er ahnungslos einen andern, viel gefährlicheren in die Stadt — UrbanuS Nhegius, wobei sich Stadion wieder durch seine Vorliebe für humanistische Studien leiten ließ."?') Braun sagt von Nhegius, daß derselbe keineswegs den „christlich gesinnten Bischof befriedigte, sondern vielmehr den guten Absichten desselben entgegenarbeitete." "^) Den Ockolampadius nennt Erasmus von Rotterdam noch 1518 xlarrs uaonaolrus und supörstitwirs suiovaolestus. Derselbe hatte damals gewiß noch nicht die Absicht, sich gegen die katholische Kirche aufzulehnen. Davon zeugt die Übersetzung einer Rede des heiligen Gregor von Nazianz, die voll ist von herrlichen Schilderungen eines gottgeweihten Lebens und durch die er eine Tochter Peutingers zum Eintritt in ein Kloster zu bewegen suchte. Ja, sogar er selbst trat im April 1520 in das Brigitten- kloster zu Altomünster, um vor der Gefahr, seinen Glauben zu verlieren, zu flüchten, und ob dieses Schrittes mußte er oft den Spott der Anhänger Luthers hinnehmen. Er wendete sich erst, als er 1522 das Kloster wieder verließ, mehr und mehr den Neuerern zu?") Man kann also Christoph nicht den Vorwurf machen, er habe absichtlich solche Prediger berufen, die die Verbreitung des Lntherthums förderten. Außer den angeführten Zeugnissen sprechen auch verschiedene Thatsachen für die wahrhaft katholische Gesinnung des Bischofs. Im Jahre 1520 versammelte er, als er merkte, daß nach der berühmten Leipziger Disputation zwischen dem Professor und Prokanzler der Universität Jngolstadt Dr. Johann Eck und Luther die Gegensätze immer schärfer wurden, zu Dillingen eine Synode, auf welcher neben den Aebten und Prälaten 160 Pfarrer erschienen. Es wurde hier, um dem Ein- ^) Libliotdees. ^utzustauo, Llydodsties. (LnAUStas Vin- äsliens 2lv60I,XXXVI1I). Llpdabstuin IV. pa§. 62 s.: Ut- tsrsrnm st littsrntornm lauter ina.xiinn8; Kino kaetum, nt loannem Oeeolainiiailimn st post dune Crbrnnin KbsAiam, änin in ortdocloxa üäo srstorunt, inntto kavors proseentns st rttiguanäo tsu>Voris spstio soruin oxera aä saeras eon- eiones Usus 8it. 23) Rtt'oriuationSzesch. Augsburgs Seite 61 f. -*) Gesch. d. Bisch. v. AugSb. III. 210. 22) Wetzer u. Weite, Kircheulexikon. 1X2. 703. 44 dringen der immer weiter um sich greifenden neuen Lehre einen Damm entgegenzusetzen, Luthers Schriften zu lesen verboten, den Priestern ward die Ehe aufs strengste untersagt und das Concubinat mit kanonischen Strafen belegt?") Ein anderer Beweis sind das schon oben erwähnte Vorgehen gegen Aquila, die Bestrafung des Abtes Franz von Donauwörth und die Untersuchung gegen den Prediger Kaspar Haslach. Wäre die Gesinnung des Bischofs wirklich dem Lutherthum zugeneigt gewesen, so würde er kaum durch solche Exempel andere vor dem Uebertritt zu demselben zurückgeschreckt haben. Was die Verbreitung der von Eck in Nom 1520 erwirkten Bannbulle betrifft, die Luthers Hauptlehrsätze als ketzerisch verurthcilte und ihn mit der Excommuni- kation bedrohte, falls er nicht innerhalb 60 Tagen widerriefe, so gehen die Berichte hierüber auseinander. Während die einen behaupten, Christoph habe die Bulle bereitwilligst verbreitet, nachdem er dazu von Eck den Auftrag erhalten,^) meinen andere, er habe sie ungern und erst nach vielem Drängen und Mahnen von Seite Ecks publizirt?") Es ist wahr, als Christoph die Bulle von Eck bekommen hatte, schickte er dieselbe wieder an den Usberbringer nach Deutschland zurück, stellte aber, wie Braun mittheilt, Eck zugleich ein Mandat zu, das ihn bei der Verbreitung der Bulle im Bisthum Augsburg empfehlen sollte, weil Christoph eben weinte, Eck werde die Bulle selbst veröffentlichen. Daraufhin schrieb jedoch Professor Eck dem Bischof zurück, er sei vorn Papst beauftragt, die Bischöfe, nicht aber deren Untergebene zur Publizirung der Bulle zu requiriren. Nun ließ Stadion die Bulle „ungesäumt" drucken und nebst einem am 8. Mai 1520 zu Dillingen ausgefertigten Mandat an die Geistlichkeit seiner Diözese ergehen und befahl derselben „unter dem Gehorsam und den in der Bulle angedrohten Strafen dieselbe auf den Kanzeln der Kirchen und Klöster, und wo, wann und so oft es von Nöthen sein würde, zu veröffentlichen und die Gläubigen zu ermähnen, daß sie sich der in der Bulle angezeigten Irrthümer und Lehre des Martin Luther und der Vertheidigung, Verbreitung und schriftlichen Bekanntmachung derselben gänzlich zu enthalten habe; auch nicht die einige irreführende Sätze Luthers aufstellenden Bücher, Predigten, Schriften, Zettel gutheißen, drucken, verkaufen, bekannt machen und heimlich oder öffentlich in'Schutz nehuien, oder aufbewahren und verbergen, sondern vielmehr nach der Publikation der Bulle den Vorständen und Dekanen zum Verbrennen überliefern sollten"?") Druffel sagt dagegen in seinem Vortrag: „Ueber die Aufnahme der Bulle Lxurgs Oominv": „Der Augsburger Bischof erhob erstlich Gegenvorstellung bei Eck und ließ dann nach einer zweiten Aufforderung desselben ein Mandat, welches die Veröffentlichung der Bulle anordnete, verfassen und drucken; einstweilen aber Braun, Gesch. d. Bisch. v. Augsb. III. 20? s. -') Braun, lll. 209. - Vcith, Libl. ä.u§. IV. 56. — Kirchcnlexikon. X. 326. -°) Allgemeine deutsche Biographie. IV. 224. — Zapf, Chr. V. St., Scae 20. — Vortrag von Druffel (Sitzungsberichte der philosophisch-philologischen und historischen Klasse ver k. bayer. Akademie der Wissenschaften zu München, Jahrgang 1880) Seite 573. -°) Braun. Gesch. d. Bisch. v. AugSb. III. 208. — Veith, 8ibl. ^UA. iV. 56: tllonnit guam impensiosimo wauäato opiscoxali anno 1520 eäito et Luilao Imonw X. aäversus I/Utlieri äootrinam s> so xromulZatas praomisso. — Das Mandat findet sich gedruckt bei Veith, Libl. L.NA. IV. xas-. 56 bis SS, Zapf, Chr. v. St. Beilage II. Seite 136 f. blieb dasselbe noch liegen, wenn der Bischof freilich, wie wir sehen, auch bereit war, dasselbe wirklich in die Welt zu schicken, falls sich die Verhältnisse nicht ändern sollten. Ausdrücklich aber gibt der Bischof zu erkennen, daß er der lästigen Angelegenheit gern ausgewichen wäre, indessen Rücksichten nehmen zu müssen glaubte auf die Nachtheile, welche dadurch ihm und seinem Bisthum hätten erwachsen können.""") Nach meiner Ansicht nun läßt sich mit den Gegenvorstellungen, die der Bischof Eck gemacht haben soll, daS Mandat nicht gut vereinigen, das nach Braun Christoph an Eck zur Verbreitung der Bulle übersendet hat. Ferner geht aus dem Mandat vom 8. November 1620 hervor, wie genau und strikte er die Verbote der Bulle durchgeführt wissen wollte und wie sehr er die allseitige Verbreitung derselben in seinem Bisthum anbefahl. Wenn er schließlich auch mit der Verbreitung der Bulle etwas gezögert, so hat er es sicher nicht gethan, um durch Nichtverbreitung der Bulle der Lehre Luthers Vorschub zu leisten, sondern er richtete sich wahrscheinlich nach den andern Bischöfen, die der Meinung waren, durch die Verbreitung der Bulle werde Luther eher abgestoßen als zur Rückkehr zur alten Kirche und zum Widerruf bewogen. Immerhin war Stadion unter den ersten Bischöfen, die die Bulle in ihren Diözesen veröffentlichten. Ich glaube nicht, daß dieser Punkt einen Beweis bietet für das Hinneigen Christophs zur neuen Lehre. (Fortsetzung folgt.) Ein Künstler aus dem Chiemgan. Von Christ. Scherm. (Fortsetzung statt Schluß.) Balthasar Permoser war einer der originellsten Plastiker der Barockzeit in Deutschland, ein Künstler des Barockstils, dem die Kunstgeschichte einen ehrenvollen Platz nicht versagen darf. Schon die Zeitgenossen erkannten seine Bedeutung, und nichts beweist besser das Ansehen, in dem er bei der künstlerischen Mitwelt stand, als die Reise, die der Wiener Bildhauer Naphael Donner nach Sachsen zu dem Zwecke unternahm, den berühmten Meister und seine Werke kennen zu lernen?") „Eigenartig feurig und voll barocker Einfälle, wie sie feinen Zeitgenossen gefielen, beherrschte Balihasar Permoser überdies Technik und Stoff in hervorragender Weise. Daß er auch über die Aeußerlichkeiten des Barockstils hinauszugehen vermochte, zeigt das im Ausdruck wie in der Gewandung fast edelschön zu nennende Hochaltarbild zu Hubertusburg." "1) Sein eigentliches Element war der Sandstein und der Marmor, aber auch in Elfenbein schuf er, wie wir gesehen, herrliche Arbeiten. Während späterhin und noch heute die Ablehnung dieses Materials seitens der Künstler, den Rückgang der künstlerischen Elfenbeinschnitzerei verschuldet hat. haben damals die großen Meister sich solcher Arbeiten nicht geschämt und diese Kunstart zur Blüthe gebracht. Auch Fürsten, wie Maximilian I. und Max Emanucl von Bayern, haben die Elfenbeinschnitzerei ausgeübt. Es war zur Mode geworden, derartige Kunstgegenstände, vor allem Kruzifixe aus Elfenbein, zu besitzen. In letzteren kam das Streben der damaligen Künstler nach anatomisch möglichst getreuer Darstellung des menschlichen Leibes zur vollen Geltung: die naturwahre Darstellung der zum Tode 2 °) Siehe Anmerkung 28. °°) Hagedorn, üolairoisssinsnts 332. Paul Schumann in Lützew's Zeitschr. l. o 45 krampfhaft gefesselten und verzerrten Glieder war hier beabsichtigt und erreicht. Für die Kruzifixbilder gilt wohl in erster Linie das oft wiederholte Urtheil über Permoser, daß er gerne fein anatomisches Wissen zur Schau getragen habe?«) Unser patriotisches Interesse an dem Künstler Bal- thasar Permoser wird erhöht durch das freundliche Licht, in dem er uns als Mensch und Christ erscheint. Er war ein frommer, freundlicher, fröhlicher Mann, eine gerade, ehrliche Natur, ein wohlwollender Charakter, der gerne half, wo er konnte: ein würdiger Repräsentant des Alibayernthums. Seinem geordneten Leben verdankte er ein hohes und kräftiges Alter mit ungeschmälerter Rüstigkeit bis ans Ende. Machte er doch als Greis noch große, damals so beschwerliche Reisen, so als 67jähriger nach Salzburg in dem obenerwähnten Auftrage seines Herrn; ja mit 74 Jahren noch unternahm er eine Fußretse nach Rom, auf der er zum letzten Mal in fein geliebtes Salzburg und gewiß auch in sein Heimathdörfchen kam. Permoser war unvermählt geblieben?«) und dieser Stand erlaubte ihm die ungestörte Pflege unschuldiger, kleiner Eigenthümlichkeiten, die ihn seinerzeit als Sonderling erscheinen liehen und die seine Biographen gewissenhaft überliefert haben. So habe er bei Niemand speisen mögen, habe nie einen Stock getragen und habe sich im Gegensatz zur herrschenden Mode, der „bedrängten Zeiten" wegen, wie er vorgab, einen ansehnlichen Bart wachsen lassen, gleich seinem Zeitgenossen und Mitbürger, dem Miniaturmaler Gabriel Donath in Dresden. (Lange Bärte trugen damals nur die Juden, weßhalb dem Donath oft „Mauschel" nachgerufen und faules Obst, einmal sogar ein Ziegelstein nachgeworfen wurde.) Zur Vertheidigung der Bärte, an denen also „der Spott sehr stark zupfte", soll Permoser ein „Traktätchen" geschrieben oder veranlaßt haben, daS den stolzen Titel führt: „Der ohne Ursach verworffeue und dahero von Rechtswegen aufs den Thron der Ehren wiederum erhobene Barth. Beh jetzigen ohnbärtigen Zeiten sonder alle Furcht zu männigliches Wohl und Vergnügen ausgefertigt vor und von Laltiin8ar I^srnrosorn Königl. Pohl. und Churfürst!. Süchß. bestallen Hosf-Bildhauern. Ans Kosten guter Freunde zum Druck gebracht durch U. Larloabirun Lolrönlonrb." Frankfurt a. M. __1714.6b) „Seine Stärke war Anatomie und leideuschaftl. Ausdruck." Magazin der Sachs. Gcich. I, 150. °^) Ein eigenes Hans mit Grund und Boden kann er nicht leicht gehabt haben, da im damaligen Dresden allen Nicht- proiestanten die Erwerbung von Grundbesitz versagt war. Ueber die schwierigen consessioncllen Verbältnisse in DreSden zu Per- moierS Zeit vcrgl. Lindau M. B., Geschickte der Haupt- und Ncsioenzstadt DreSden. Dresden, Nnd. Kuntze, 1862. II. Bd. S. 269. 273, 282. „Er hieß gemcinigl. nur Balthasar mit dem Barte. Weil der wundert. Mann ans Singularität einen Viertel langen Bart trug." Magazin d. Sackn Gcsch. I. Theil, S. 150. Dasselbe Magazin II. Theil, S. 656 spricht von einem Freunde PcrmoserS, dem Btaler Balthasar, der nach des Freundes Tode ihm zu Liebe einen ebenso langen Bart getragen habe. Verwechselung mit Donath? °°) Herr Dr. Heuer in Frankfurt forschte auf meine Bitte «ach dem Büchlein, aber ohne Ersolg. K. Heinrich von Heknecken behauptet?«) die „etwaS satirische" Schrift sei von Hofrath und Ceremonienmeister Ulrich von König dem Künstler zu Gefallen und Ehren geschrieben worden. Wichtig an dem Büchlein ist, daß dem Titelblatt das Btldniß des Künstlers, ein Stich von Moriz Bodenehr, beigegeben wurde. Als weitere Sonderbarkeit wurde dem Meister die Thatsache angerechnet, daß er bei gesunden Tagen seinen Leichenstein gemeißelt habe?^) Da aber Permoser auf feinem Grabe das sinnige Bild der Kreuzabnahme aufrichten und seine christliche Hoffnung mit eigener Hand bezeugen wollte, konnte er wohl nicht warten, bis die letzte Krankheit seinen Arm gelähmt hätte. Wunderlich allerdings und unheimlich erschien manchem des Künstlers Einfall, sich bei Lebzeiten seinen Sarg machen zu lassen, den er dann mit einem in Holz geschnittenen Todten- kopf versah. Wie jeder Künstler, war auch Balthasar Permoser stolz auf die Erzeugnisse seiner Kunst. Wir erinnern an seine an einem Künstler sehr löbliche Gewohnheit, seine Werke deutlich und ausführlich zu bezeichnen. Von dem verlangten Preise ließ er sich nichts abhandeln und abfeilschen?«) Wurde der bedungene Preis nicht bezahlt, so behielt er das Werk zurück oder zerstörte es gar. So zerschlug er — wenn die Erzählung richtig ist — im gekränkten Ehrgefühl ein in Elfenbein geschnitztes Bild- niß einer hohen Dame, weil deren Gemahl die ausbe- dungene Summe nicht voll bezahlen wollte. Hagedorn erzählt, daß auch die geringste an seinen Werken geübte Kritik ihn derart „wild machen" und erzürnen konnte, daß er oft, ohne auf irgend welche Vorstellungen zu hören, seine Schöpfungen zertrümmerte; ein Grund mehr, fügt Hagedorn bei, warum man so wenig von seinen Werken steht. Einen anderen Beleg seines Selbstgefühls und zugleich des ihm anhaftenden Eigensinns bietet ein interessanter Ausspruch Balthasars. Permoser war ein aufrichtiger Bewunderer des Schwedenkönigs Karl XII., des Wittelsbachers, jenes wagemuthigen Drauflosgehers, der mit 18 Jahren schon Sieger über Dänemark und Rußland war, der August den Starken aus Polen vertrieb, der dann, im Unglück so groß wie im Glück, gleich einem Meteor, noch im Schimmer der Jugend unterging (1718). Permoser sprach gern von den Thaten dieses Helden. Einmal meinte nun ein Gegner des Schwedenkönigs, Permoser möchte doch das Standbild seines Helden meißeln. Balthasar antwortete: „Oh, ja, recht gern, wenn er nur nicht so eigensinnig wäre und mir stände!" AIs nun jener entgcgnete, daß „beide mit einander aufheben könnten" (d. h. daß beide den gleichen Starrsinn hätten), versetzte Balthasar: „Allerdings, denn er ist König, und ich bin Künstler." Die Zeit dieses Ausspruches mag in die Jahre 1706—7 zu fetzen sein, als Karl den Kurfürsten von Sachsen und König von Polen, August II.. zum Frieden von Altranstädt gezwungen hatte. (Schluß folgt.) °°) Nachrichten v. Künstlern n. Kunst-Sachen. I, 70. Hier und im Magazin der Sachs. Gcich. I, 150 ist ein Kupferstich vou Bernigerolb, Periuviers Bilvniß 1732, erwähnt. ") Vcrgl. Ersck u. Gruber l. v. und den hieraus geschöpften Aussatz in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung, 1831. Nr. 75. S. 417. 6°) I» Bezug auf die Eugengruppe sagt Hagedorn, nachdem er Permosers Widerwillen gegen das Abhandeln erwähnt hat: »On assürs quäl auroft repris eette Heils Ltatue, eil ea eür ste ls lllaitro.« blelaireissemonts Hist. x. 331. 46 Die Gründer des Hauses Bourbon-France. Von Charles Saint Paul. (Schluß.) Ludwig war schon früher, als nach der Thronbesteigung Carls des Schönen der Krieg zwischen Frankreich und England ausgebrochen war, mit Charles von Valois vorn Könige in die Guyenne gesandt worden, um daselbst die Uebergrisfe der Engländer zurückzuweisen. Er eroberte damals das Agsnois, während Valois den Nest der Guyenne, mit Ausnahme Bordeaux's, einnahm; bekanntlich wurde aber in dem nachfolgenden Vertrage nur das Agsnois an Frankreich abgetreten, während die Engländer eine Entschädigung von 50,000 Livrss Sterlings zahlen mußten. Während der Streitigkeiten ferner, die dadurch entstanden, daß Eduard III. sich weigerte, sich als IIowras-IiAS des Königs von Frankreich zu erkennen, bewerkstelligte er, von demselben mit mehreren andern Herren und Bischöfen nach England gesandt, daß Eduard diese Huldigung für das Herzogthum Aquitanien und die Grafschaften von Ponthieu und Montreuil (in Akten, zu Eltham am 30. März 1331 abgefaßt) leistete. Charles-le-Bel war in Clermont geboren und wollte gerne die Grafschaft Clermont in seinem Besitz- haben. Er legte deßhalb seinem Cousin nahe, ihm dieselbe für die Grafschaft La Marche, die nach dem Tode Hugos XIII. von Lufignan im Jahre 1303 mit der Krone vereinigt worden war, zu überlassen, indem er ihm zugleich die Erhebung des Bourbonnais zur Dnchs-Pairie in Aussicht stellte. Neben der Grafschaft La Marche sollten auch noch die Burgen von Jssoudun im Berry, von Saint-Pierre-le-Monstier im Nivernais und von Mont- ferrand in der Auvergne das Eigenthum Ludwigs werden. Die Grafschaft wurde ferner gleichfalls zur Pairie erhoben. Die beiden Urkunden der für den Fürsten so vortheilhaften und ehrenden Bestimmung und Erhebung sind am 14. (?) Dezember 1327 im Louvre gezeichnet, und es werden in denselben die Verdienste Ludwigs hervorgehoben. Sie sind in dem Werke Coisfier-Demorets über die Genealogie des Hauses Bourbon, in dem Werke Alliers „^nsisn Lourffannais" (I, 455) und den »Mtrss äs 1» waison Ouoals äs Lourdou" (x>a§. 320) zu finden. Indem Ludwig den Titel eines Herzogs von Bourbon annahm, bewahrte er das Wappen Frankreichs mit Hinsicht auf seine königliche Abstammung. Die Graf- schaft Clermont kam im Jahre 1329, zur Pairie erhoben, wieder in seinen Besitz zurück, während die Graf- schaft La Marche ihm forterhalten blieb, da der König sich gegen ihn, der ihm kurz zuvor das Leben gerettet, dankbar erweisen wollte; der Herzog konnte demnach drei Pairs in seiner Familie zählen, ein Privilegium, welches er einzig besaß und welches sein Haus über alle andern in Frankreich erhob. Die Rettung des Königs hatte Ludwig während des wiederausbrechenden Krieges mit Flandern vollzogen. Philipp von Valois war mit den Königen von Böhmen und Navarra, den Herzögen von Burgund, Bourbon und der Bretagne nach dem Kriegsschauplätze geeilt, wo sich das Volksheer unter Führung Colin Zonnekins begeistert vertheidigte und durch die Sorglosigkeit der französischen Truppen, welche glaubten, es leicht überwältigen zu können, in den Stand gesetzt wurde, in die Nähe des französischen Lagers zu gelangen und einen Angriff zum großen Schaden der Gegner zu bewerkstelligen. ZonnckinS kam an der Spitze einer Schaar bis zum Königszelte, und der König hatte kaum wehr Zeit, die Rüstung anzulegen; er widerstand aber mit den Herren in seiner Nähe den Eindringlingen, bis der Herzog von Bourbon, der auf die Nothlage aufmerksam geworden war, herbeieilte, die Feinde vertrieb und niederhieb und so die Gefahr beseitigte, worauf er mit der Reiterei die festgeschlosseue Schlachtreihe deS Volksheeres durchbrach und den Franzosen den Sieg vom 23. August 1328 sicherte, welcher die Unterwerfung der Aufständischen zur Folge hatte. Die Nachkommenschaft Ludwigs war so zahlreich daß eine Festigung des nengegrüudeten Hauses sicher erschien. Von seiner Gemahlin, die 1354 starb und in der Franziskanerkirche von Champaigue, deren Wohlthäterin sie war, begraben wurde, hatte er 8 Kinder, von denen zwei sehr früh starben. Diese hießen Jacques (-f 1318) und Philippe. Man kennt nur ihre Namen durch ihr Grabmal in der Franziskanerkirche von Chamvaigne. Die andern Söhne und Töchter waren: I. Pierre, der Thronfolger, der 1313 geboren wurde. Er zeichnete sich in den folgenden Kriegen gegen die Engländer aus, vermittelte vielfach die Verträge mit denselben und siel nach einem thatenreichen Leben in der Schlacht von Poitiers. Er hatte seine Cousine, Jsabella von Valois, die Tochter von Charles de Valois, geheirathet. II. Jacques, Graf von La Marche. Er wurde wegen seiner Tapferkeit von seinen Zeitgenossen „die Blume der Ritterschaft" genannt, nahm an den Kämpfen in der Bretagne und Normandie theil und rettete in der Schlacht von Crscy (1346), in welcher er verwundet wurde, Philipp von Valois das Leben. Im Jahre 1349 wurde er zum Generalkapitün der Languedoc, im Jahre 1354 zum Connetable ernannt. Er wurde in der Schlacht von Poitiers gefangen genommen, nach dem Vertrage von Bretigny aber wieder frei gelassen, und starb im Jahre 1362 an den Wunden, die er im Treffen von Brignats bei Lyon erhalten hatte. Von ihm stammt die Linie Bourbon-Vendvme. III. Jeanne, die älteste der Töchter Ludwigs, wurde im Jahre 1311 geboren und vermählte sich im Jahre 1318 mit Guigucs VII., Grafen von Forez. Sie verwaltete Forez für ihren Sohn Johann und starb im Jahre 1403 im Schlosse Clepps; ihr Grab war in der Franziskanerkirche von Montbrison. Durch ihre Nichte Anna, die Dauphins von Auvergne, die an ihren Neffen, Ludwig II. von Bourbon, vermählt war, kam das Forez in den Besitz des Hauses Bourbon, nach dem Tode des Grafen Johann, mit dem der Mannesstamm des Hauses Forez erlosch. IV. Margaretha, die zweite Tochter, heirathete im Jahre 1320 Johann von Seuly, aus einer der ältesten Familien des Berry, die bereits mit dem Hause Bourbon-Dampierre durch Heirath verbunden war. Ihr zweiter Gatte war Hutin de Vermeilles, ein pikardischer Edelmann und Kämmerer des Königs, der sich im Jahre 1356 bei der Vertheidigung von Bourges gegen den Prinzen von Wales auszeichnete. Sie starb im Jahre 1362. V. Beatrix, die dritte Tochter, wurde im Jahre 1334 die Gattin von Johann von Luxemburg, dem Könige von Böhmen und Polen, der im Jahre 1346 in der Schlacht von Crscy für Frankreich kämpfend starb. Sie war im Jahre 1321 mit Philipp von Sicilien, dem Fürsten von Tarent und von Achaia, verlobt worden. Das Ehebündniß wurde aber nicht geschlossen. Der zweite Gatte Beatricens war der Herr Endes von Grancey in Burgund. Sie behielt aber immer am französischen Hofe die Ehren einer Königin. Aus ihrer Ehe mit dem Könige von Böhmen stammte ein Sohn, Wenzeslaus, für den Kaiser Carl IV. das Herzogthum Luxemburg errichtete. Sie starb am 25. Dezember 1383 und wurde in der Jakobinerkirche zu Paris begraben. VI. Marie, die vierte Tochter, heirathete im Jahre 1809 Gut) de Lusignan, den Fürsten von Galiläa, den ältesten Sohn Hugo's IV., Königs von Cypern. Ein zweites Ehebündniß schloß diese Fürstin nach dem Tode ihres Gatten mit Robert von Sicilien, dem Fürsten von Achaia und Tarent und Titularkaiser von Constantinopel, welcher ihr nach seinem Tode im Jahre 1364 den größten Theil seiner Besitzungen in Griechenland und Sicilien hinterließ. Sie starb im Jahre 1387 tu Neapel, wo sie in der Kirche der heiligen Clara begraben wurde, und fetzte vor ihrem Tode, da sie keine Kinder hatte, ihren Neffen, Ludwig II., den dritten Herzog von Bourbon, »u ihrem Universalerben ein?^) Ludwig der Große starb zu Paris in den letzten Tagen des Januar 1342, im Alter von 62 Jahren, betrauert vom Könige, der seine großen Verdienste um Frankreich und sein Herrscherhaus zu würdigen wußte, und wurde an der Seite seines Vaters in der Jakobinerkirche beigesetzt. Es war ihm bestimmt, durch seine Tüchtigkeit und die Gunst der Verhältnisse das Haus Vourbon-France, dessen Gründung mit ihm vollendet wurde, zu einem der mächtigsten zu machen und ihm dauerndes Gedeihen ,u sichern. Recensionen und Notizen. Brockhaus' Konversationslexikon. Verlag von F. A. Brockbaus in Leipzig. * Die neue 14. Ausgabe dieses bedeutenden lilerarischcn Werkes ist mit dein 16. Band glücklich vollendet worden und hat damit ein lOOjährigcs Jubiläum erreicht. Es marschirt jetzt an der Spitze der lexikographischen Literatur, sowohl was Umfang als ihpographiiche Ausstattung betrifft, und enthält über 126.000 Artikel, 10,000 Abbildungen und 130 Tafeln im Buntdruck, abgesehen von den 300 Karten und Plänen, die dem Werke beigcgcben sind. Die Fülle und Mannigfaltigkeit des Stoffes, welchen über 400 Mitarbeiter verarbeitet haben, ist in der That riesig. Man wird wohl nur in sehr seltenen Fällen, ohne Aufschluß zu erhalten, das Lexikon zur Hand nehmen. Ueber die Beschaffenheit der Länder, Gebirge, Tbäler, Steppen ». s. w. geben die ausgezeichneten Karten, besonders die trefflichen Gebirgskarten, über die der Städte die Pläne und deren Beschreibungen Auskunft; der Techniker findet in allen Zweigen seines Gebietes gute Artikel und sachgemäß angefertigte Maschinen- dilder, der Baumeister die neuesten Constructiouen. der Chemiker »nd Mediciucr Auskunft über alle Fragen ihrer Wissenschaft. Der Landwirth lernt die neuesten Maschinen und Muster-Einrichtungen kennen und der Gewerbetreibende jedes Faches die Erfindungen, die ihm in Dampf und Elektricität zn Hülse kommen. Auch der Kunst ist größte Aufmerksamkeit gewidmet, Neben diesen Kindern hinterließ Ludwig auch einen außerehelichen Sohn, Johann von Bourbon, der sich mit Agnes de Cbailleu, der Dame von Crozet im BourbonnaiS, vermählte, die ihm einen Sohn Namens Wilhelm gebar. Er starb im Jahre 1375 und wurde in Souvigny begraben, k. Anselm, der Autor des Werkes »Zweien Bourdonnais« und andere Autoren haben den Irrthum begangen, denselben mit Gny de Bourbon, dem Herrn von Classy und La Ferts-Cbauberon, zu verwechseln,^der aus einer ander» Familie stammte, und Johann als Sohn von Pierre I., Herzog von Bourbon, anzuführen. Siehe über die Nachkommenschaft Ludwigs die aufklärenden Anmerkungen Stcyert's in La Mure's Ilistoirs clss Duos äs Bourbon. (II. 24—32.) in Buntdruck, Bilder» und einem trefflich geschriebenen Texte. Ueber alle militärischen Fragen gibt das große Werk ebenso sachgemäße Belebrung, wie über die Marine, über Handel und Wandel, wie über den Weltverkehr. Fleißig ist die Länder- und Gcschichtökunde gearbeitet. In den wirthschaftlichen und politischen Fragen tritt das Bestreben nach Unparteilichkeit hervor, die aber natürlich, wie das in der Natur der menschlichen Dinge liegt, nicht durchaus erreicht werden kann. Da wo sich's um positiv-christliche und kirchliche Anschauung oder deren Gegentheil bandelt, macht sich leider durchwegs die liberalistische Auffassung geltend. Und das ist für uns die Schattenseite an dem sonst so bedeutenden Werke, das ein Zeugniß großer Schaffenskraft und unternehmenden Geistes ist. 6uw talis sis, utinam nootsrossss — möchten wir rufen, d. h. hätten wir doch einmal ein auf positiv-christlichem und katholischem Boden stehendes gleichartiges Werk, das sich mit dem „Brockhaus" messen -Löunte. Das wird aber auf absehbare Zeiten ein frommer Wunsch bleiben und wir also genöthigt sein, zn Brcckhans u. A. zu greisen. Der Preis des Lexikons stellt sich für die 16 Bände auf 160 M., scheinbar hoch, aber angesichts der Unsumme von Arbeit und Leistung, die in dem Werke steckt, doch überaus billig. Es mag noch erwähnt sein, daß die Verlagsfirma elegante Regale für das Lexikon herstellen ließ, welche einen hübschen Wandschmuck bilden uns in Eichen- oder Nußbaumholz in langer oder hoher Form zu 30 bezw. 36 M. zu beziehen sind. Anton Weber, Vortrüge und Ansprachen. Ne* gensburg, Habbel, 1895. 109 S., Preis 75 Ps. Sieben Vortrüge und Ansprachen und zwar vier Reden größeren Umfanges und drei Anreden im ernst-heiteren Kreise von Studenten, Arbeitern rc. bietet uns in vorliegender Schrift der aus andern literarischeu Arbeiten wohlbekannte, geist- und gcmülhvolle Lhcealvrosessor Dr. Weber. Die vier Vortrüge/ behandelnd 1) Die Druckkunst, 2) Römische Katakomben. 3) Moderne bildende Kunst, 4) Ludwig den Großen, sind Essais von hervorragender Bedeutung in Bezug auf historische, religiöse, kunstsinnige und politische Weltanschauung. Der erste Vertrag erörtert die Ansänge, den Verlauf, die Entwickelung der Buchdruckerkunst — angefangen von Gutenberg bis zur Jetztzeit, ein Bild voll dramatischer Momente, geschichtlicher Belehrung, praktischer und idealer Gesichtspunkte. Bei dem bevorstehenden Jubiläum des öOOjäbrigcn Geburtstages EutenbcrgS wird dieser Vertrag manchen Rednern, welche bei der Feier eine Ansprache zu halten haben, sehr willkommen sein. Der zweite Vortrug führt uns in die römischen Katakomben, behandelnd die Entstehung, Anlage, Geschichte, Verwendung, Inschriften, bildliche Darstellungen rc. der Katakomben. Da wir selbst das Glück hatten, in die Katakomben niederzusteigen und dieselben mit einem kundigen Führer, Monsignor de Waal, kreuz und quer zn durchwandern, so müssen wir sagen, daß die Darstellung Dr. Webers eine ebenso lehrreiche als gründliche ist. Auch die neuesten Forschungen (stehe S. 49—51) sind in Betracht gezogen. Wir stehen nicht an, zn sagen, ein jeder Besucher der Katakomben thäte gut, wenn er Dr. Webers Abhandlung studirt hätte; sie würde ihm ein so gründlicher und belehrender Behelf sein, daß er beim Betreten der Katakomben, wo die verschiedensten Eindrücke aus ihn einstürmen, nicht wie ein Neuling und verwirrt diese Stätten durchwandern, sondern im Verein mit den Erklärungen des Führers ein volles, klares Bild all dieser neuen, geheimnißvollen Dinge erhalten würde. Aber auch derjenige, dem es nickt gestattet ist, diese heiligen Stätten persönlich zu schauen, wird vr. Webers Darstellung der Katakomben mit hohem Interesse lesen. Der dritte Vortrag bespricht zunächst die Münchner Kunstausstellung v. I. 1888. Anknüpfend an die daselbst ausgestellten Werke, ergeht sich dann der Autor über die moderne bildende Kunst. Er bespricht die neuen Malwciscn: Impressionismus und Freilichtmalerei sowie Tendenzmalerei rc., und polemisirt gegen die in der Neuzeit so sehr cultivirte Manier der Nudi- tätcumalerei, beweisend, daß die wahre Kunst dieser Unsitte durchaus abhold ist. Im weiteren werden besprochen die positiven und negativen Resultate der gegenwärtigen Historien- und religiösen Malerei u. s. w. Der Vortrag schließt mit einem Appell, daß die ewigen Grundsätze des Christenthums nicht nur die socialen Verhältnisse durchgingen, sondern auch den Bildwerken ihr Gepräge ausdrücken möchten. Der vierte Vortrag ist gewidmet der Kunsttbätigkeit Ludwigs I. des „Großen", wie ihn der Autor feiert. ES wird hier geschildert, welch hoben Dienst der König leistete seinem Lande und der Kunst selbst, da er der begeisterte und hochherzige Mäcenas derselben wurdep eö werden vorgeführt die großartiger Schöpfungen der Architektur, welche dem König ihre Existenz verdanken, ferner wie 48 er jeden Zweig der Kunst förderte und zur Blüthe brachte. Es ist ein herrliches Lebensbild, das der Autor darbietet und in welchem er den König preist als „trefflichen LandeSvntcr, starken Schirmherrn der Religion, weisen Pfleger der Wissenschaft und verständigen Erneuerer der Kunst". An diese vier Vortrage größeren Umfangs schließen sich noch drei Ansprachen, gehalten in studentischen Festversammlungen und beim Besuche eines Gcsellenvereins. Von Herzen kommend und zu Herzen gehend, sind diese Ansprachen ein Weckruf zu idealem Streben, zu Religion und Tugend. Ernste Gedanken, gekleidet in gemütbvolle Worte, sind sie geeignet, die jugendlichen Herzen mit behrcr Begeisterung zu erfüllen. Wir können demnach vr. Webers Schrift bestens empfehlen. H- L. K.LeMaire, Katholische Kirchengeschichte. München, Oldenburg, 1895. IV und 144 Seiten, geb. 1,75 M. In vorliegender Arbeit hat sich Seminarpräfekt Le Maire das Ziel gesteckt, ein leicht verständliches, nicht umfangreiches Lehrbuch der Kirchengeschichte herzustellen. Es ist dieses ihm auch gelungen. In gedrängter, dabei fließender Sprache bat er die erbebenden und betrübenden Erscheinungen im Reiche Christi auf Erden dargestellt und dabei auf die Culturgeschichte entsprechende Rücksicht genommen. Randbemerkungen bilden Marksteine und unterstützen das Gedächtniß des Lernenden. Man sieht es dem Buche an, daß langjähriger Unterricht und vielfache Erfahrung dem ReligivnSlebrer die Feder geführt haben. Liebe zur Sache und zur Kirche leuchtet aus jeder Seite uns entgegen. Obwohl das Buch „zunächst für die oberen Kurse der Lehrerbildungsanstalten und der Realschulen" bestimmt ist, so kann es auch von andern, namentlich als Nachschlagebuch zur raschen Orientirung, mit Vortheil benutzt werden. — Mit der Eintheilung des Stoffes in zwölf Zeiträume bin iä> jedoch nicht einverstanden. Kleinere Versehen wird eine neue Auflage beseitigen. Möge das treffliche Buch diese bald erleben! Negensburg. A. Weber. Repertorium der Pädagogik. Herausgegeben von Oberlehrer I. B. Schubert. Verlag der I. Ebner'schen Buchhandlung in Ulm. (Preis 5 Mark 40 Pfg. für 12 Monatshefte.) Das 1. Heft des 50. Bandes enthält u. And.: Schulrath Friedrich Polack. Ein Lebensbild. Von Ernst Schreck. — Die verschiedenen Ansichten über das Wesen der Seele. Eine psychologische Studie von L. E. Seidel. — Socialistische und ethische Erziehung oder Social- und Jndividualpädagogik. Von Alex. Schultz. — Für und wider die Zahlbilder. Von I. Grab. Danner, Wachet über Gottes Kinder! Ein Büchlein über katholische Kindererziehung. 3. Auflage. Martins- bühel, Verein katholischer Kindersrcunde. Preis geb. 40 Pfg. o Eine ganz gediegene, praktische Anleitung zur Kindererziehung! Der Inhalt ist aus den besten katholischen Schriften über Pädagogik entnommen, übersichtlich geordnet und in anziehender, packender Form dargestellt. Wir wünschen das Büchlein in die Hand jedes Katecheten, jedes Predigers, jedes Seelsorgers und aller christlichen Eltern. „Stadt Gottes.* Jllustr. Zeitschrift für das kathol. Volk. Missionsdruckerei in Stchl, postlagernd Kaldenkirchen (Nhcinb.). Preis franco 3 M. pr. Jahr. 12 Hefte. Die uns vorliegenden zwei ersten Hefte des neuen Jahrgangs der illustrirtcn Monatsschrift „Stadt Gottes" lassen ihr unablässiges Streben nach Fortschritt deutlich erkennen und bieten einen mannigfaltigen Inhalt: längere und kürzere Erzählungen von vortrefflicher Richtung. Biographien von Männern des Tages (z. B. Fürst Ferdinand, Louis Pastcur und die Schutzimpfung gegen die Tollwnth); Schilderungen (z, B. von München, namentlich in kunstgeschichtlicher Beziehung); Berichte und Schilderungen aus den Missionen; belehrende Artikel n, s. w. Ucbcrdies enthält jedes dieser Hefte auf 40 S. groß 4° über 30 Bilder. Der Ertrag dieses schonen Blattes wird dem Werke der Heidenmission zugewendet. Dr. H. Cardauns, „Die Märchen Clemens Brentano' s". Comm.-Verlag von I. P. Bachc m in Köln. * Diese Schrift bildet die dritte Veremsgabe pro 1895 seitens 0er GörreSge feilsch äst. Mit großer Akribie und sicherem Urtheil führt der Verfasser die Entstehung und Quellen der Märchen, die uns Brentano erzählt bat, vor und verbilft, soweit das möglich war, durch seine sorgfältigen Untersuchungen in dankenSwerther Weise zum Verständniß und zu einer objectiven Würdigung dieser literarischcn Erzeugnisse Brcntano's, welche seither von den widersprechendsten kritischen Urtheilen betroffen worden sind. Mayer Otto, Deutsches Verwaltnngsrecht. I. Baiw. Leipzig, Duncker L Humblot. IX und 482 S. 11 M. VI. Äbth. I. Band des Binding'schen Handbuches der deutschen Rechtswissenschaft. -co- Von allen bisher erschienenen Bänden dieser Sammlung wird vorliegender sicher den meisten Beifall bei den Praktikern finden. Würde das Werk unter einem Pseudonym erschienen sein, so würde man den Alltor für einen mitten in der Praxis siebenden, erfahrungsreichen Verwciltnngsbeamten mit umfassendem Wissen auf dem Gebiete des Verwaltungs- und des Civilrechts halten. Der Autor hat allem Anscheine nach vor Beginn seines Werkes die gesummte verwaltnngsrcchtliche Spruch- praxis Deutschlands und insonderheit Bayerns eingebend durcharbeitet, da Satz für Satz soweit nothwendig und möglich aus obcrstrichtcrliche Entscheidungen Bezug genommen ist. Dieselben sind durchaus in die Anmerkungen verwiesen und geben in Kürze den Thatbestand und juristischen Kern der Entscheidung, woran sich dann in vielen Fällen eine kurze, treffende und von umfassender Litcraturkenntniß zeugende Kritik an schließt. Ebenso setzt sich der Verfasser in den Anmerkungen auch mit der Ansicht anderer Autoren über diese oder jene Frage auseinander, und zwar in ebenso klarer als kurzer Art. Ein bninoristischcr, ein sarkastischer Ausruf, eine kurze, boshafte Frage präzisiren seinen Standpunkt und weisen auf die schwache Stelle der angegriffenen Entscheidung oder Ansicht hin (ok. die Anmerkungen auf S. 345, 353, 403, 453 rc. rc.). Außerdem aber enthalten diese Anmerkungen auch die Ansicht des Verfassers über eine Reihe von Controverscn auf dem ganzen Gebiete jder Rechtswissenschaft (ok. die ebenso kurze als treffende Behandlung der Frage, ob die Krone ein Recht auf Erlaß von Steuern habe, S. 430). Leider leidet aber unter dem Bestreben, sich kurz zu fassen, öfters die Klarheit bei Wiedergabe des Inhalts von Entscheidungen (ok. S. 250 Anm. 2!). Die Behandlung von „Polizeistrafe, polizeiliche Zwangsvollstreckung, unmittelbarer Zwang und Zwang durch Gewaltanwendung" (8 22 mit 25) muß entschieden die bisher beste genannt werden. Die hier an einzelnen Entscheidungen geübte Kritik und die von dem Verfasser aufgestellten Gesichtspunkte und Grundsätze verdienen die höchste Beachtung. Praktikern und Studircnden wird das Mayer'sche Werk den größten Nutzen bieten, besonders wenn einmal das für den Praktiker unentbehrliche Register erschienen ist. Der I. Band behandelt außer dem allgemeinen Theil noch die Lehre von der Polizei- und Finanzgewalt. Heft 6 des Deutschen Hausschatzes führt den prächtigen Roman von Melati von Java: Prada, einen der besten, die von der beliebten Zeitschrift je veröffentlicht worden sind, zu Ende und bringt die Fortsetzung des Romans: Die Jagd auf den Millionendicb von Karl May. Außerdem enthält das Heft die ausgezeichnete Novelle: Wimpics Soldat. Von den zahlreichen belehrend-unterhaltenden Artikeln nennen wir nur die Biographie des hervorragenden Gelehrten k. Franz Ehrle, die Schilderung der Landsknechte von Jos. Weiß, die Biographie des hochseligcn Kardinals Paulus Melchers, das reizende Wanderbild von Anton Ender: Im kleinsten Fürstenthum Europas, Zum Kapitel der Bergkrankheit von Paul Friedrich u. s. w. Auf die zahlreichen kleinen Artikel können wir nur hindeuten. Der Jllustrations- schmuck ist wieder reich und schön. Katechetische Blätter. Zeitschrift für NeligionSlehrer. Zugleich Corrcspondenzblatt des Canisius-Karechcten- Vereins. Herausgegeben u. redigiert von Pfarrer Frz. Walk, Bcnefiziat zu Gaimersheim (Oberbayern). Kempten, Verlag der Jos. Kösel'scbcn Buchhandlung. Preis pro Jahrgang (12 Hefte) M. 2,40. 21. Band 12. Heft enthält u. A.: Schriftgemäße Erklärung deö Evangeliums für den 3. Sonntag nach Erscheinung. — Die katechetische Definition der Sünde. — Die confcssionellen Unterscheidungslehren im Jugend- und Volksuntcrricht u. s. w. Verantw. Redacteur: Ad. HgaS in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.