21. Febr. 1896. Der dritte Band von Pastors Geschichte der Päpste. k. —n. Seit dem Jahre 1884, wo der erste Band von Pastors Geschichte der Päpste erschien, hat sich dieses Werk die steigende Anerkennung der gelehrten Welt und, wie die zweite Auflage des ersten und zweiten Bandes beweist, auch die Theilnahme eines größeren Leserkreises erworben. Der jetzt vorliegende dritte Band*) wird dieselbe sicherlich noch steigern. Er ist, wie die früheren, das Ergebniß eines staunenswerthen Fleißes, einer Gelehrsamkeit, die das gedruckte wie das »»gedruckte Material gleich vortrefflich beherrscht, und für die es kaum etwas Unbekanntes zu geben scheint. Man sollte glauben, daß über eine Periode, für welche eine Reihe bekannter Forscher wie Ranke, Gregorovius, Reumont, Brosch, Maulde - la - ClaviSre, Unarte, Thuasne, Delaborde, Luzio-Nenier u. v. a. die italienischen und auswärtigen Archive so vielfach durchforscht haben, kaum mehr Neues zu finden wäre: Pastor hat nicht nur aus dem von ihm zum ersten Mal benützten päpstlichen Geheimarchiv, sondern fast noch mehr aus den längst zugänglichen Archiven zu Mantua, Moden« und Mailand eine Fülle unge- druckter Dokumente von allerdings unterschiedlichem Werthe zusammengebracht. Ein Theil derselben ist dem Bande als Anhang beigegeben, ein andrer Theil einer besonderen Sammlung vorbehalten, deren baldiges Erscheinen sehr zu wünschen wäre. Der vorliegende Band umfaßt die Jahre 1484 bis 1513, die Pontifikate Jnnozenz' VIII., Alexanders VI., Pius' III. und Julius' II. Es ist in vieler Hinsicht keine erfreuliche Zeit für den Geschichtschreiber des Papstthums. Ueber seine Stellung zu Alexander VI. läßt Pastor schon in der Vorrede keinen Zweifel: „jeder Rettungsversuch Alexanders VI. erscheint fortan als aussichtslos", seiner Gesinnung gibt das als Motto vorangestellte Urtheil Leo's I. Ausdruck: „kstri äiguitas atiaur in inäiZllo Ueracis von äesioit„die Würde des heiligen Petrus geht auch in dem unwürdigen Nachfolger nicht verloren," was Pastor in dem Buche selbst dann näher ausführt. Wie in den früheren Bänden, baut Pastor auch hier seine Darstellung auf breiter kulturhistorischer Grundlage auf. Ein umfangreiches Einleitungskapitel führt die im ersten und zweiten Bande begonnene Scheidung zwischen wahrer und falscher, zwischen christlicher und heidnischer Renaissance für die letzten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts durch und fügt werthvolle Bemerkungen darüber hinzu, wie auch in dieser scheinbar so stark verweltlichten Gesellschaft ein fester Untergrund von Religiosität sich zeigt. Pastor malt nicht in großen Strichen, er liebt es wehr, aus tausend kleinen Steinen ein Mosaik zusammenzusetzen, das der Leser gleichsam vor sich entstehen sieht. Das Material ist ja fast überreich. Wir sehen in das Haus des einfachen Bürgers wie in den Palast der Medici, in Kirchen und Klöster, wissenschaftliche Zirkel und lüderliche Theateraufführungen. Die gewaltigen Gegensätze der Zeit verkörpern sich schließlich in zwei Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters. Mit Benutzung des päpstlichen Geheimarchivs und vieler anderer Archive bearbeitet von Dr. Ludwig Pastor. з. Bd. Geschichte der Päpste im Zeitalter der Renaissance von der Wahl Jnnozenz' VIII. bis zum Tode Julius' II. Erste и. zweite Aufl. Freiburg, Herder. LXII u. 886 S. 11 M. Mitgliedern desselben Gemeinwesens: dem Politiker Niccolo Macchiavelli und dem Bubprediger Girolamo Savonarola, von denen ein jeder auf seine Art seinen Namen der spätesten Nachwelt merkwürdig gemacht hat. Jnnocenz VIII. (1484—1432) war ein Gennese. Seine Wahl verdankte er dem Umstände, daß weder Rodrigo Borja noch Giuliano della Novere damals genug Stimmen erhalten konnten, um selbst Papst zu werden. Der Mangel an Entschlossenheit, der Jnnozenz anhaftete, verhinderte ihn, sich, etwa wie später Julius II., zum Herrn der Parteien zu machen. Colonna und Orsint setzten fast während seines ganzen Pontifikats den Kirchenstaat in Aufregung. Dazu kamen beständige auswärtige Verwickelungen, vor allem mit dem gewissenlosen Ferrante von Neapel. Für das Papstthum war es, zumal seit sich im Norden die kräftigen Dynastien der Sfoxza und Medici gebildet hatten, und seit Venedig immer eifriger danach strebte, seinen Besitz auf der torra, tirma. zu erweitern, eine Lebensfrage, seinen Einfluß auf den südlichen Theil der Halbinsel aufrecht zu erhalten. An den niemals ganz vergessenen und eben von dem Franzosenkönig Karl VIII. mit neuer Kraft aufgenommenen Ansprüchen der Anjous auf das Neapolitanische Königreich hätte eine geschickte Diplomatie ein starkes Pressionsmittel gegen die aragouesische Dynastie gehabt. Aber Jnnozenz verstand nicht, das zu benutzen; zwischen Freundschaft und Krieg mit Ferrante hin- und herschwankend, fand er, der 1489 Ferrante abgesetzt hatte, es am Ende seiner Regierung doch gerathen, die aragonesische Thronfolge in Neapel zu bestätigen und die Ansprüche Frankreichs abzuweisen. — Begreiflicher Weise hinderten solche Verwicklungen auch die Bestrebungen des Papstes zur Bekämpfung der Türken. Es war zwar ein gewisser Erfolg, daß er den zu den Nhodiserrittern geflüchteten Prinzen Dschem, einen Bruder des Sultans, in seine Gewalt bekam, aber der Türkcncongreß zu Rom vom Jahre 1490 erinnerte nur allzu lebhaft an die erfolglosen Verhandlungen zu Mantua von 1459, und selbst eine Feuernatur wie Raimund Peraudi begegnete in Deutschland vor allem bei seinen Geldforderungen dem entschiedensten Widerstände. Fiel auch 1492 das letzte Bollwerk der Muhamedaner in Spanien, Granada, in die Hände der Christen, so war es doch klar, daß der Sultan dauernd in den Kreis der europäischen Mächte eingetreten war. Die Zeit war nicht mehr fern, wo selbst die Päpste dies durch Verhandlungen mit ihm anerkennen mußten. Von den kirchlichen Maßnahmen Jnnozenz' VIII. ist eine der bekanntesten seine Hexenbulle vom 5. Dezember 1484. Pastor weist nach, daß die auf Gnmd derselben gegen den Papst gerichteten Angriffe sehr übertrieben sind, daß insbesondere von einer Begründung des ganzen Hexenprozesfes durch dieselbe keine Rede sein könne. Hat die Bulle, wie auch Pastor bemerkt, die Hexenverfolgnng theilweise befördert, so lag doch der wesentlichste Antrieb zu derselben in dem Zuge der Zeit zur Grausamkeit und Wildheit, der im 16. Jahrhundert so oft entsetzenerregend hervorbricht. Gegen die kirchlichen Mißstände geschah unter Jnnozenz VIII. leider nichts Durchgreifendes. Der päpstliche Hof selbst bot einen schlimmen Anblick, die Käuflichkeit der Aemter nahm zu, das Cardinalcollegium verweltlichte mehr und mehr, und eine Hauptrolle in 58 demselben spielte Nodrigo Borja, als Papst der Nachfolger Jnnozenz' VIII., Alexander VI. Auch Alexander VI. war nicht durch die Thüre in den Schafstall Petri gekommen, ebenso wie bei der Wahl seines Vorgängers sind auch bei ihm simoniflische Beeinflussungen sicher nachweisbar, und schon sein Vorleben als Cardinal war nicht geeignet, ihn streng denkenden Gemüthern zu empfehlen. Nichtsdestoweniger fehlten auch bei seinem Regierungsantritt hoffnungsvolle Stimmen nicht, zumal aus der Fremde, aus Deutschland, wo man die Dinge nicht so genau übersah. Gerade auf die Deutschen aber hat dann freilich das Rom Alexanders VI. einen tiefverlctzenden Eindruck gemacht, und in nicht wenigen haben die Erlebnisse des Jubiläumsjahres 1500, wo sich wiederum alle Welt in der Hauptstadt der Christenheit versammelte, schwere Zweifel und Gewiffenskämpfe geweckt. Der böse Geist der Regierung des Papstes ist sein Sohn Cesare Borja, ein Mann, in dem alle schlechten Eigenschaften der römischen Cäsaren wieder aufgelebt zu sein schienen. Die Chronik der Stadt Rom ist in diesen 11 Jahren angefüllt von Blut und Mord, und wenn auch von den gräßlichen Dingen, die noch Ranke in wenigen Zeilen zur Charakteristik der Borja-Herrschaft zusammengetragen hat, sich gar vieles als Erzeugniß der vergrößernden Fama erweist, so bleibt doch noch genug übrig, um Pastors eingangs erwähntes Urtheil über diesen Pontifikat zu rechtfertigen. Auch die Versuche einer Rettung der Lukrezia Borja, deren Bild Gregorovins mehr glänzend als treu gezeichnet hat, werden nun wohl verstummen müssen. Daß Cesare und Lukrezia in der Geschichte dieses Pontifikats eine so große Rolle spielen, zeigt eben, wie sehr der Papst von der Sorge für seine Familie beherrscht war. Auch für Alexander VI. ist in der äußeren Politik oas Verhältniß zu Neapel und zu Frankreich das wichtigste gewesen. Und in seinen Pontifikat fällt der Kriegszug Karls VIII., des neuen Cyrus, der nach den Scharmützeln der Condottieri-Kämpfe die Italiener zum ersten Male wieder den wirklichen Krieg kennen lehrte. Ferrante von Neapel war todt, Alexander blieb in den Bahnen seines Vorgängers, indem er Alfons II. dort anerkannte. Aber es war ein morscher Thron, den er stützte, und Giuliano della Novere ergriff die aussichtsvollere Partei, als er nach Frankreich floh. Fünf Monate später stand Karl VIII. in Rom, der Papst sah sich in der Engcls- burg eingeschlossen und zu einem demüthigenden Vertrage mit dem Sieger genöthigt, in dem er Neapel preisgab. Cesare Borja selbst sollte als Cardinallegat, in Wirklichkeit als Geisel, die Franzosen auf ihrem märchenhaft schnellen Siegeszug nach dem Königreich Neapel geleiten. Hier freilich wendete sich das französische Kriegsglück. Die heilige Liga vom März 1495 vereinigte Spanien, Oesterreich, Venedig und Mailand mit dem Papste gegen Karl VIII., nur mit Blühe konnte sich derselbe durch die Schlacht bei Fornuovo, die einer Niederlage gleichkam, den Rückzug nach Frankreich bahnen. — Mitte 1496 schien Italien für einen Augenblick von den Fremden befreit, da der Vorstoß Maximilians nach Oberitalien nur die Bedeutung einer Episode hatte, aber der Nachfolger Karls VIII., Ludwtg XII., nahm mit um so größerer Kraft dessen italienische Pläne wieder auf. Und diesmal fand es der Papst — nicht zum wenigsten auf Cesare Borja's Betreiben — gerathen, sich alsbald auf die Seite Frankreichs zu stellen. Die Venetianer wurden die Dritten im Bunde. Ludovico Moro aber bezahlte seine Gegenstellung mit dem Verluste von Mailand, 1499, der ein Jahr später durch die Schlacht bei Novara ein endgiltiger wurde. Die neapolitanische Beute konnten die Franzosen freilich nur erlangen, indem sie dieselbe mit den Spaniern theilten. Am 25. Juni 1501 billigte der Papst den Vertrag, in dem Ferdinand der Katholische sein eigenes Blut verrieth. Man versteht diese wie andere Ereignisse der Regierung Alexanders VI. erst recht, wenn man beachtet, wie wenig der Papst Herr im eigenen Hause war. Der Streit der Colonna und der Orsini ging auch in seinem Pontifikat weiter; bald die einen, bald die andern setzten sich gegen den Papst. Sein Versuch, die Orsini zu unterjochen (1496), endete mit der Niederlage bei Soriano. Glücklicher war dann sein Sohn Cesare, der es trefflich verstand, die Gegner gegen einander auszuspielen und sich in kurzer Zeit zum Herzog der Nomagna machte. Die Cardinalswürde hatte er bereits 1489 niedergelegt. Der weltliche Stand und der Herzogstitel paßten besser für diesen zum Kriegsmanne geborenen Borja, der alle Welt und schließlich Alexander selbst vor sich zittern machte. (Schluß folgt.) Christoph von Stadion, Bischof von Augsburg, und seine Stellung zur Reformation. (Fortsetzung.) H. k. Um einen Halt zu gewinnen, schloß sich Christoph im Jahre 1524 dem Bündnisse katholischer Fürsten zu Negensburg an, dessen Spitze scharf gegen die Neugläubigen gerichtet war. Man ward einig, der lutherischen Lehre so viel als möglich Einhalt zu thun, kein Landeskind auf die Universität Wittenberg zu schicken und diejenigen, welche trotz dieses Verbotes auf derselben studirten, weder zu einem geistlichen noch zu einem weltlichen Amte zuzulassen. Diese Beschlüsse machte der Bischof am 1. Oktober 1524 nebst den sehr nützlichen Verordnungen deS Cardinals Campegio, die sich auf die Kirchenzucht und besonders auf die Sitten der Geistlichen bezogen, vermittelst eines Mandates seinem Klerus bekannt.^) Trotz aller dieser Verordnungen konnte der Bischof in den Religiousangelegenheiten keine Wendung zum Bessern in seiner Diözese erzielen, die neue Lehre gewann immer festeren Boden. Wie sich der Memminger Magistrat nicht mehr um den Bischof kümmerte, so machte es auch der Augsburger, der auf Andringen der Neuerer im Jahre 1524 verschiedene katholische Kirchengebräuche, besonders aber das Fasten, abschaffte. Er duldete und unterstützte die abtrünnigen Mönche und Prediger, und durch diese wurde beim Pöbel ein fanatischer Eifer entzündet. Christoph mußte, um eine Stütze zu haben und um feinen Anordnungen Gehör zu verschaffen, seine Zuflucht zum schwäbischen Bund nehmen, der die Parteien durch eine Commission auszugleichen beschloß.^) Es konnte jedoch nichts die Verbreitung der Irrthümer Luthers verhindern. In Augsburg wurde das hl. Abendmahl unter beiden Gestalten ausgetheilt, die Karmeliten legten den Ordenshabit ab, Or. Frosch und Urban Nhegius vrr- heiratheten sich, ein gewisser Herbort hob die gestifteten Jahrtage auf. In Memmingen wurde seit 1527 das Fastengebot verachtet, mehrere Kirchen wurden von den Lutheranern verunehrt und die Katholiken verfolgt, einem ") Braun, IH. 229. - Hcfele. Conc.-Gesch., IX. 374 f. Braun, III. 236 f. katholischen Prediger Johann Mack verbot man das Betreten der Kanzel?") Christoph that, was er bei diesen Gewaltthätigkeiten und bei dem raschen Umsichgreifen des Lutherthums noch thun konnte; er erneuerte die Constitution des Legaten Campegio vorn Jahre 1624 und ließ sie in deutscher Sprache an seine Diözesanen geistlichen und weltlichen Standes ausgehen?^) Im Jahre 1628 ließ Ambras Blaurer in Memmiugen die Messe bis auf eine rechtmäßige Kirchenversammlung abschaffen und die Altäre in den Kirchen Zerstören. Sobald Stadion von der katholischen Geistlichkeit über diesen Vorfall Bericht erhalten hatte, ahndete er dieses widerrechtliche Verfahren und verwies es dem Magistrat auf's schärfste; er verlangte ernstlich, daß das Verbot aufgehoben und alles in den vorigen Stand gebracht werde?«) Im Jahre 1629 begab er sich auf den Reichstag zu Speyer,"") auf welchem hinsichtlich der Religion durch Stimmenmehrheit beschlossen wurde, „daß diejenigen, welche bisher bei dem Wormser Edikt geblieben waren, noch ferner dabei verharren, hingegen die, welche die lutherische Lehre angenommen hatten, sich aller Neuerungen enthalten, die dem Saerament des Altares entgegengesetzte Lehre nicht beibehalten und sie zu predigen und zu lehren nicht gestatten, die Messe nicht abthun, noch sie zu hören rc. verhindern sollten.""") Wie wir nun bisher die Haltung Christophs von Stadion den Neligionsncuernngen gegenüber verfolgt haben, so können wir nicht anders sagen, als: Der Bischof war bisher ein treuer Sohn der katholischen Kirche, der sie mit Wort und That vertheidigte, der durch Güte und Strenge, wie es eben die Umstände erforderten, diejenigen, die sich vorn verderblichen Einfluß der Irrlehren hinreißen ließen, auf den rechten Weg znrückzuleitcn suchte, der namentlich in seiner Diözese alle Vorkehrungen traf, um den Neuernngen den Eingang zu versperren und sie da, wo sie bereits eingedrungen waren, wieder zu unterdrücken. Im Jahre 1530 jedoch scheint, wie Zapf meint,eine Sinnesänderung bei dem Bischof eingetreten zu sein. Wollen wir im Folgenden sehen, in wie weit sich die Behauptung Zapf's bewahrheitet. Das Jahr 1530 war in Hinsicht auf die Religion eines der wichtigsten; denn es sollte auf einmal der Ne- ligionsspaltung ein Ende machen und die heilbringende Einigkeit herbeiführen« Karl V. veranstaltete einen Reichstag zu Augsburg, auf welchem alle Fürsten und Stünde erscheinen sollten. Am 15. Juni, dem Vorabend von Frohuleichnam, kam er selbst in die alte Reichsstadt. Er wurde von den Reichsfürsten vor der Stadt erwartet, vom Mainzer Primas mit einer Anrede begrübt und dann in glänzendem Zuge nebst seinem Bruder Ferdinand und dem ihn begleitenden Legaten Campegio zum Dom und dann Zu feinem Absteigequartier geleitet. Am nächsten Tage nahm der Kaiser mit allen Fürsten an der Frohn- leichnamsprozession theil, die seit einigen Jahren in Augsburg unterblieben war?^) Am 20. Juni wurde der Neichs- °°) Ebd. S. 238 f. °') Ebd. S. 245. -y Ebd. S. 248. °°) Voitli, Lid!. LIM. IV. 59: gnew consiiüs suis aäjuvit. °°) Broun, III. 249. Christoph von Stadion, S. 61. °°) Daennnsr, Llonuinsnta Vatieo.ua (Freibürg im Brcis- gau, 1861): ur. XXXIII. pag-. 39 f. — Baunigarten, Karl V., 3. Band, S. 28. Lag feierlich eröffnet, während man am 24. Juni mit den Verhandlungen der Neligionsstreitigkeiten begann. Cam- pegio hielt eine ausgezeichnete Rede über Beseitigung deS Zwiespaltes, in der sorgfältig jedes die Protestanten beleidigende Wort vermieden war. Am 25. Juni wurde sodann vor dem Kaiser und den Neichsständen auf der bischöflichen Pfalz die von Melanchthon verfaßte und von Luther gutgeheißene sogenannte AugSburger Confcssion abgelesen und dem Kaiser überreicht?") Hicbci war auch Christoph von Stadion gegenwärtig. An ihn hatte Papst Clemens VII., der auf seine Tugend und Frömmigkeit und die bisher gegen den päpstlichen Stuhl bezeigte Anhänglichkeit großes Vertrauen setzte, am 29. März 1530 geschrieben und ihn ermähnt, „daß er während des Neichsconventes die Vertheidigung der hl. Religion auf sich nehmen und den Legaten Lorenz Cam-- pegio mit seinem Rathe und seinem Ansehen unterstützen möchte, damit nach vernichteter Ketzerei der päpstliche Stuhl zum Besitze seiner Rechte und zu seiner vorigen Würde gelange." "^) Das Ansehen, das Christoph besaß, war in der That groß; dies beweist der Umstand, daß er am 15. August in den kleinen Ausschuß gewählt wurde, welcher mit der lutherischen Partei die Streitigkeiten ausgleichen und eine Einigung herbeiführen sollte."") Der Kaiser war nämlich mit der verlesenen AugSburger Konfession sehr unzufrieden, und er stellte sie den gelehrtesten Männern der kathol. Kirche zur Widerlegung zu und berathschlagte sich mit den katholischen Ständen, was zu thun fei. Von diesen riethen einige, wie namentlich Joachim von Brandenburg, Georg von Sachsen und die Theologen Eck und Faber, zur Strenge, während die meisten geistlichen Fürsten, unter ihnen auch Christoph, und des Kaisers Räthe sich zu friedlichen Maßregeln geneigt zeigten?") Da man lange Zeit kein Einvernehmen mit den Protestanten zu Stande brachte, schlugen dieselben vor, einen kleinen Aus- schuß von 14 Personen zu ernennen, was denn auch, wie oben erwähnt, am 15. August geschah. Was die Wirksamkeit Christophs auf dem Reichstage zu Augsburg betrifft, so lauten protestantische Berichte schon aus den ersten Tagen der Reichsversammlung dahin: „Der Bischof von Augsburg habe sich günstig über das vorgelesene Glaubensbekenntniß ausgesprochen und zeige sich mildgesinnt gegen die Bekenner desselben, wie überhaupt die Bischöfe eine versöhnlichere Stimmung darthäten, als die katholischen weltlichen Fürsten; er habe im Fürstenrathe ungeschcut erklärt, ,ehe er wollt, daß man unvertragen abscheiden sollte, wollt' er ehe die zwen Artikel von beder Gestalt des Sacramcnts und von der Priesterehe nachgeben, und ob es Noth wäre, noch mehr zu thun, sollte zur Erhaltung Friedens und Einigkeit auch nit erwindeist. Diese Rede hätten viele der Fürsten dem Bischof hoch verarget und gleichsam dafür achten wollen, als ob er auch lutherisch wäre."*") Auch dem °-) Janssen, Gcsch. d. deutschen Volkes. 3. Vd., S. 165 f. — Hefele, Conc.-Eesch. IX. 704 f. °*) Braun, Gesch. d. Buch. v. AugSb. III. 252. «°) Hefele, Conc.-Gescbichte IX. 716. — Braun, III. 253. — Veith, Libl. XuZ-. Xlpd. IV. 59 f.: XuZustano (so. vonvsntni aclluit Obr.) kennt 1530, in qno non solum nt Or- äinariue loei, seä ut äoetus eonstansqns vir ab Imperators Larolo V. ornn aliis Oatboliois sex äeloetus knit, gut onm totictsln Xeatliolicio äs inennäts Ooneoräias rationidus in» vioom oonsultarent. — Janssen, III. 176. °°) Hescle, Conc.-Gcsch. IX. 703. — Braun, III. 253. ") Allgemeine deutsche Biographie, IV. 226. — Zapf, Chr. v. Stadion. S. 74. 60 ebenfalls in Augsburg anwesenden Prediger von Saalfeld, jenem Caspar Aquila, mit dem er einst so strenge verfahren war, begegnete er nun mit Freundlichkeit. Daraus ist also schon ersichtlich, daß Christoph den neuen Lehren und ihren Anhängern gegenüber andere Ansichten bekommen habe. Auch scheute er sich nicht, Luthers Mahnbrief an den Erzbischof von Mainz öffentlich im Fürstenrath zu verlesen; ja in der Versammlung des Neligionsausschnffes vom 6. August mahnte Christoph so eindringlich zu Friede und Eintracht, daß es zu heftigen Auftritten zwischen ihm einerseits und dem Cardinal Matthäus Lang 6«) und dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg andererseits kam, doch die mildern Stimmen, zu denen besonders auch die des Erzbischofs von Mainz zählte, wurden zurückgewiesen?") Einen Beweis für das ernstliche Eintreten Christophs für die Protestanten liefert auch der Brief, den Melanchthon an ihn schrieb, datirt vom 13. August, in welchem ihm derselbe seinen besonderen Dank ausdrückt für seine hohe Mäßigung und für seine Einsprache gegen Maßnahmen der Gewalt?") In einem Schreiben an Luther berichtet Melanchthon, daß sich der Bischof von Augsburg ganz ernstlich um sie annehme. ?') Der Legat des Papstes, Campegio, fügt einem Schreiben an den Staatssccretär Salviato über Christoph die Bemerkung bei, daß er einiges zu dessen Ungunsten gehört habe?") Hiemit ist also die Behauptung Zapfs, seit 1530 sei bei Stadion eine Sinnesänderung bemerkbar, erwiesen. Unleugbar war er auf dem Augsburger Reichstag gegen die Protestanten viel milder gestimmt als früher, ja er trat sogar zu ihren Gunsten auf. Wie läßt sich aber dieser Umschlag bei oem Manne, der bisher ein so eifriger Vertheidiger der alten katholischen Kirche war, erklären? Steichele gibt die Antwort: „Dem Gemüthe des Bischofs that es wehe, daß die religiöse und politische Zerrissenheit, die in das deutsche Reich eingedrungen war, immer weiter um sich zu greifen drohte, und deßhalb erschien ihn: jeder zulässige Weg Zur Ausgleichung willkommen"?") Es ist wahr, Christoph hatte ein weiches Gemüth und liebte den Frieden über alles, und deßhalb suchte er auf gütigem Wege die Einigung mit den Protestanten zu bewerkstelligen. Wir haben bei ihm diese Bemerkung schon gemacht auf dem Reichstage zu Worms und wiederum gegen den Memminger Magistrat, den er durch väterliche Ermahnungen zum Gehorsam gegen die katholische Kirche zurückzubringen suchte. Aber diese Charaktereigenschaft des Bischofs erklärt doch nicht ganz sein Verhalten auf dem Reichstage zu Augsburg. Während er vor demselben immer energisch protestirte, Derselbe hielt eine Einigung mit den Protestanten für unmöglich: „Der Cardinal Lang soll nach protestantischen Quellen zu Melanchthon erklärt haben: Zur Wiedervereinigung der Katholiken und Lutherischen gebe es nur vier Wege: Erstlich, das; wir Katholiken euch Lutherischen nachgeben — das wollen wir nicht; dann, daß ihr Lutherische uns weicht — das könnt ihr, wie ihr sagt, nicht thun; ferner, baß man beide Theile vermittle — das ist aber unmöglich; so bleibt demnach nichts übrig, als jeder Theil denke und trachte, wie er den andern aufhebe". (Willibald Hautbaler. 0. 8. L., Des Car- dinals und Erzbischofs MathäuS Lang Verhalten zur religiösen Bewegung seiner Zeit (1519-1540 (Wien, 1895) Seite 15). °°) Zapf, Seite 75. r°) Braun, III. 253; Zapf. Seite 78 und Beilage VII. Seite 149 f. 'j) Zapf. S. 73. E l-asinwor, Llou. Vat. xa§. 44: äs auo tuiio aliauiä -suustri auilio. ?°) Allgemeine deutsche Biographie IV. 224. wenn es sich um den Laienkelch oder um die Priestereh handelte, ist er jetzt bereit, diese Zugeständnisse den Protestanten einzuräumen und auch noch mehr, „wenn es von Nöthen wäre". Demselben Aquila, dem er einst so hart mitgespielt hatte wegen Bruches des Cölibats und wegen Verkündigung lutherischer Lehren, begegnet er auf einmal mit Freundlichkeit, und doch hat sich derselbe nicht bekehrt. Hier kann der Grund nicht allein in der Friedfertigkeit des Bischofs liegen, hier hatten jedenfalls noch andere Ursachen mitgewirkt, die eine Aenderung in der Gesinnung Christophs zur Folge hatten. (Fortsetzung folgt.) Der selige Luüpold zu Breitbrunn. Von k. Emmcrain Heindl 0. 8. L. Am östlichen Gestade des Ammersees, in einem Querthale des von Jnning bis zum Schlosse Ried längs des Sees sich erstreckenden Höhenzuges, liegt das 38 Anwesen zählende Dörfchen Breitbrunn, das wegen seiner unmuthigen Lage und der stärkenden Seebäder schon seit Jahren ein beliebter Sommeraufenthalt geworden ist. Einen Hauptanziehungspunkt für Naturfreunde bildet namentlich die kaum eine Viertelstunde nordöstlich vom Orte gelegene kahle, sanftgerundete Höhe. vom einge- bornen Volke noch immer der „Jaudesberg"') genannt, auf dem seit uralter Zeit an Ostern und Johanni (oder Peter und Paul) ein Feuer angezündet wird, um das dann die liebe Dorfjugend herumtanzt und sonst noch mancherlei Schabernack treibt?) Ueber den Berg selbst, der ohne Zweifel eine altheidnische Cultusstätte war, gehen im Volke unheimliche Sagen um, und er wird bei Nacht möglichst gemieden. Bei den Sommerfrischlern führt er den Namen „Königshöhe" oder „Königsberg", den er nach König Ludwig I. erhalten hat. Denn die Fernsicht, die man von seinem Gipfel") besonders über den Seespiegel und das Gebirge genießt, ist so bezaubernd, daß der König, als er i. I. 1836 mit seiner Gemahlin Therese im Bade zu Greifenberg weilte, gerne hieherkam und daselbst einen Aussichtsthurm errichten ließ, der aber jetzt verfallen ist. Ja er soll sich sogar mit dem Plane getragen haben, hier ein Schloß zu erbauen. Das später errichtete kleine Sommerhaus, worin eine Bank zum Ausruhen einlud, steht ebenfalls nicht mehr. Ein sehr hohes Alter scheint auch dem Dorfe Breit» brunn selbst zuzukommen, wie schon aus dem Umstände hervorgeht, daß es, obwohl bereits feit undenklichen Zeiten eine Quasifiltale, bis auf den heutigen Tag pfarrliche Rechte (mit Sanctissimum, eigener Sepultur u. s. w.) genießt. Wir möchten zwar nicht darauf schwören, was Or. A. Huber ^) meint, zu Breitbrunn sei nach Name und Lage des Ortes die ursprüngliche Tauf- kirche des Missionsbezirkes um den Wörth- und Pilsensee gewesen, worauf auch der Kirchenpatron (Johann d. T.) hindeute. Denn die Lage der jetzigen Kirche ist nicht gerade derart, daß diese zu einer Taufkirche, wozu bekanntlich ein womöglich stehendes Gewässer erforderlich Wohl verdorben aus „JudaZberg", weil hier am Char- samstag in dem vorher von Haus zu Haus erbettelten Holze „der Judas verbrannt wird". 2) Siebe vr. I. Scpp, Kirchengeschichte von Oberbayern (4: „Das Feuerhupfen und der Sonnwendtanz"). 2) Derselbe erhebt sich nach dem „Topographischen Atlas" 617,7 Meter über die Meercsfläche. *) Geschichte der Einführung des Christenthums in Südostdeutschland (III, 455). 61 war, geeignet gewesen wäre. Allerdings ist unser Ort, und zwar gerade in unmittelbarer Nähe der Kirche, sehr reich an Quellen und hat wohl davon — nicht, wie Huber meint, von einem ehemaligen Taufbrunnen — seinen Namen erhalten; man müßte denn annehmen, daß die Kirche ursprünglich unten am Gestade des Sees gestanden habe und erst später auf die Höhe transferirt worden sei. Aber daß Breitbrunn in ältester Zeit eine eigene Pfarrei gewesen sei, dürfte kaum einem Zweifel unterliegen. Urkundlich kommt unser Ort, wenn Freudensprung 5) Recht hat, zuerst unter Bischof Heinrich I. von Fretstng (reg. 1098—1137) vor, wo der Edle Kobalt äs kröittanxrullnnQ Zeuge einer Gutsschankung ans Freifinger Hochstift ist?) Jedenfalls aber gehört Msr- dnrärw äs Lraitdruiursn, um 1185 Ministerin! des Markgrafen Berthold von Andechs?) unserm Orte an. — Die Kirche von Breitbrunn, die uns für unsern Zweck zunächst interessirt, wird zuerst in der Chronik von Andechs vom Jahre 1755 (I, 52) erwähnt, wonach Graf Heinrich von Andechs ums Jahr 1225 seiner Schloßkapelle dortselbst unter anderen auch das Oollaturns" der Kirche in „Praibrunn" verleiht, welche nach einer Andeutung der Andechser Chronik von 1715 (S. 44) einstmals von den Grafen von Andechs gegründet und dotirt worden zu sein scheint. Das erwähnte Vermächtnitz des Grafen Heinrich war übrigens nicht von langer Dauer; nach dem Aussterben des Andechsergeschlechtes (1248) scheinen vielmehr die bayrischen Herzoge, denen die Güter der Andechser in Bayern zufielen, auch das Patronatsrecht der Kirche von Breitbrunn sich angeeignet zu haben. Denn am 2. August 1266 schenkt Herzog Ludwig der Strenge die Kirche zu Lraitdrunan sammt Kirchensatz und aller übrigen Zugehörde dem Kloster Liessen?) was Bischof Hartmann von Augsburg 1268 bestätigt?) Daraus geht hervor, daß die hiesige St. Johanneskirche damals eine Pfarrkirche war, welche das Kloster Liessen anfangs, gemäß einer von Bischof Hartmaun 1273 für alle ihm untergebenen Pfarreien erhaltenen Erlaubniß?") wohl durch einen hieher exponirten Conventualen versehen ließ, zumal es feit 1304 auch sonst bedeutende Besitzungen (3 Höfe) hier hatte.") Später aber wurde deren Pastoration einem weltlichen Pfarrer aus der Umgebung, und zwar zunächst ums Jahr 1415 jenem von Frieding, anvertraut; aus diesem Jahre liegt nämlich ein Vtkariats- entschetd des Ordinariats Augsburg vor, aus dem hervorgeht, daß die Kirche Breitbrunn keineswegs mit der Pfarrei Frieding unirt werde; sie war daher, wenn sie auch keinen eigenen Pfarrer mehr hatte, doch niemals eine eigentliche Filiale weder von Frieding noch von einer anderen Pfarrkirche, sondern wurde stets als eine eigene Kirche betrachtet, die der Propst von Liessen jedem beliebigen entsprechenden Nachbarpriester übergeben konnte. 1723 kam die Seelsorge von Breitbrunn provisorisch, 1738 aber definitiv an die Pfarrei Oberalting, bis durch Revers vom 7. Dezember 1760 Pfarrer Mathias Wid- man von Höchendorf dieselbe übernahm, bei welcher Pfarrei sie bis heute verblieben ist, wahrend das Präsentationsrecht bis zur Säcularisation dem Kloster Messen °) Ueber die Ortschaften des 1. Bds. der Meichelbcck'fchen Uistoria. VrisinAensis. ") Usielwtd. Liot. ikris. I, b, n. 1283 , b. -) 21. L. VII, 71. «) 21. L. VIII, 191. °) I^UA L Vroxderg', Lög'ssts, III. *°) 21. L. VIII, 192. '* *) LsAssta V; 21. L. VIII. 202. gehörte. Zur Kirche Breitbrunn waren schon seit alter Zeit noch die beiden Einöden Ellwang und Was ach zuständig?") Diese Vorbemerkungen sollen hauptsächlich dazu dienen, unser eigentliches Thema zu beleuchten und verständlicher zu machen. Die Kirche St. Johann in Breitbrunn, welche nach Dillitzer") im Jahre 1489 eingeweiht worden sein soll und außer einer alten Thurmglocke und einer am nördlichen Seitenaltar befindlichen, dem 16. Jahrhundert ungehörigen Holzfigur des hl. Nikolaus") nichts Interessantes bietet, erfreute sich nämlich einstmals längere Zeit hindurch eines hohen Ruhmes und bedeutenden Volkszulaufes wegen des angeblichen Grabes des seligen Luitpold, das sie in sich bergen sollte — und hicmit stehen wir beim eigentlichen Gegenstände unserer Abhandlung : welche Bewandtniß hat es mit diesem Seligen und mit seinem Grabe zu Breitbrunn? Nach den Andechser Chroniken von 1715 (S. 22) und 1755 (I, 33) war der selige Luitpold*") — auch Leupold, Liupold, Leopold, Leutgeb u. a. genannt — ein Sohn des Grafen Otto II. von Wolfratshausen (1' 1122 als Mönch zu Seeon) und seiner im Tode ihm bereits vorangegangenen Gemahlin Lauritta. Daß indessen diese Angabe mit Mißtrauen aufzunehmen ist, geht schon aus den offenbaren sonstigen Unrichtigkeiten hervor, die sie enthält; denn nach Oefele*") starb Otto erst 1127, während seine Gemahlin noch 1140 am Leben ist; auch hatte er keinen urkundlich nachweisbaren Sohn dieses Namens. Mehr Glauben verdienen daher die Dicssener historischen Nachrichten;") diese machen ihn zu einem Sohn des Grafen Otto I. von Wolfratshausen (j- 24. April 1122) und seiner Gemahlin Jusiitia, einer gebornen Gräfin von Wtttelsbach, welche am 30. Januar 1070 im Gerüche der Heiligkeit starb und in einer eigenen Kapelle in der Pfarrkirche zu Thanning bei Wolfratshausen begraben liegt?") Dall' Abaco, der*") unsern Seligen unter dem Namen „Luitpold" erwähnt, weiß von seiner Genealogie nur zu berichten, daß er „aus dem Geschlechte der Grafen von Diessen und Wolfratshausen" gewesen sei. Urkundlich läßt sich jedoch nur Folgendes feststellen: Allerdings hatte Otto I. (nach Oefele Otto II.) von Wolfratshausen (Gemahlin Justitia) einen Sohn Namens Liupold,"") der gegen 1102 lebte und am 19. Februar ca. 1127 starb. Doch wurde dieser nach dem ^acroloZiniu von Diessen in der dortigen Stiftskirche St. Stephan begraben; immerhin wäre es denkbar, daß sein (anfänglich zu Breitbrunn begrabener) Leichnam später cxhuwirt und ins gemeinsame Familiengrab nach Diessen transferirt worden sei. (Schluß folgt.) *") Schreiben des Propstes Berthold von Diessen v. I. 1757 (Kopie in der Pfarrregistratur zu Frieding). *o) Handschriftliche Beschreibung des Kapitels Oberalting v. I. 1890, Eigenthum dcS Kapitelarchivs. "I Bezold-Riehl, Kunstdenkmale d. Königreiches Bayern (I, 858). *°) Im Volksmunde hieß er auch der „heilige" Leupold. *°) Geschichte der Grafen von Andechs (S. 18 Nr. 17); wir richten uns nach der Zählunaswcise der Dicssener und Andechser Chronisten; bei Oeicle ist es Otto III. *') Nach Mittheilungen des ch H. H. Pfarrers Gschwind von Diessen (Stadlcr's Heiligcnlexikcu III, 956). *°) Vgl. Mayer-Wesiermay-r, Statist. Beschreibe des Erz- bisthumS Müuchen-Freising (III, 659 f.). In seiner in der k. Staatsbibliothek befindlichen handschriftlichen Chronik von Diessen v. I. 1776/77. "°) Oefele S. 18 Nr. 16. u. S. 117. 62 Die deutschen Kolonien in Südrrchllmd. Von I. E. Biller. (Fortsetzung.) Wenn man nach den Ursachen sich erkundigt, welche die Musterhafte Ordnung in den deutschen Dörfern geschaffen haben, so wird man fast regelmäßig auf frühere deutsche,.. Verwaltung hingewiesen. Für alle deutschen Kolonisten in ganz Rußland war nämlich anfangs eine eigene Verwaltung aufgestellt worden, in welcher die sogenannten Inspektoren vielleicht den wichtigsten Theil zu besorgen hatten, nämlich die Visitation der Dörfer u. a. Die Kolonisten wurden von ihnen, wie ich hörte und auch aus den alten Verordnungen ersehen konnte, fast wie Leibeigene behandelt, aber nur zu deren eigenem Wähle. Und es war auch eine eiserne Strenge nothwendig, um eine Gleichheitlichkeit zu erzielen in diesen Niederlassungen, deren Bewohner aus den verschiedensten Gauen Deutschlands sich zusammengefunden und welche die verschiedensten Sitten, Lcbensgewohnhciten und Ve- wirthschaftungsweisen mitgebracht hatten. Von der deutschen Verwaltung war die Anpflanzung von Wäldern befohlen und deren Instandhaltung überwacht; sie sah auch darauf, daß die Gärten gut gepflegt würden, daß überall Ordnung und Reinlichkeit herrsche, und ließ es sich auf alle mögliche Weise angelegen sein, den Gemeinstnn zu nähren und zu heben, kurz die Kolonisten wurden beständig überwacht und zur Arbeit angehalten. Der Paragraph 314 der alten Kolonialordnung lautete sogar: „Sobald die vorschriftsmäßige Zeit zum Ackerbau eintritt, haben die Schulzen bekannt zu machen, daß alle Einwohner früh morgens auf das Feld sich begeben und mit gehörigem Fleiß an die Arbeit gehen; die Aufsicht darüber führen die Zehntmänner." Einzelne Bauern, welche die Ackerbestellung nachlässig vornahmen, wurden eingesperrt und deren Felder auf ihre Kosten von andern bestellt. Doch die weise Strenge der Verwaltung brachte überraschende Erfolge. Die deutschen Kolonien galten bald als Muster von Schönheit und Ordnung, ja von den Russen wurden sie geradezu als landwirthschaftliche Musterschulen betrachtet. Und als man später daran ging, Judendörfer zu bilden und deren Bewohner zum Ackerbau anzuhalten, wurde sogar angeordnet, daß in jedem Judendorfe 4—6 deutsche Musterwirthe sich niederlassen sollten, damit die Juden die Bewirthschaftnngs- wcise bei ihnen erlernen könnten. Und wirklich findet man auch jetzt noch in jedem Judendorfe die vorgeschriebene Zahl Deutscher, deren Höfe sich durch reichere Baumanlagen, durch größere Ordnung und Wohlhabenheit in erfreulicher Weise von den übrigen Häusern unterscheiden. Seit etwa 20 Jahren ist die eigene deutsche Verwaltung aufgehoben und dafür überall die russische eingeführt. Es bedeutete das freilich einen Schaden für die Entwicklung der deutschen Kolonien, aber trotzdem wäre eL ungerecht, das System der jetzigen Dorf- und Wolost- verwaltung ein schlechtes nennen zu wollen. Ich bin im Gegentheil zur Ueberzeugung gekommen, daß die großartige Selbständigkeit, welche den Bauern in der Verwaltung eingeräumt ist, unserer oft nur allzu bureau- kratischen Verwaltung vorzuziehen sei; Mißbräuche sind freilich nicht ausgeschlossen. Aber wo in der Welt gibt es etwas, das nicht mißbraucht werden könnte? Der Vorstand jeder Dorfgemeinde heißt Schulze oder Starost, und es steht ihm eine große Machtbesugniß zur Seite. So hat er beispielsweise das Recht, ohne vorherigen Nichterspruch jemanden bis zu 24 Stunden einsperren zu lassen. Ein ganz außerordentliches und sehr wcrthvolles Recht besitzt ferner die Gemeinde darin, daß sie unverbesserliche Subjekte aus der Dorfgcmeinschaft ausschließen und durch Vermittlung des Gouverneurs nach Sibirien verbannen kann, eine Befugniß, von der auch zur rechten Zeit Gebrauch gemacht wird. Neben der Erledigung der gewöhnlichen Gemeindeangclegenheiten hat die Verwaltung auch den treffenden Steuersatz nach Maßgabe des überwiesenen Steuerquantnms für die einzelnen Gemeindemitglieder festzustellen, für die Eintreibung zu sorgen, ferner Schule und Lehrer zu unterhalten u. s. w. Eine sehr lobenswerthe Institution fand ich auch noch in der Einrichtung der Getreidespeicher; jeder Bauer ist verpflichtet, alle 2—3 Jahre das für seine ganze Bewirth- schaftung nöthige Samengetreide in den Dorfspeicher zu schaffen, um im Falle einer Mißernte wenigstens den vorräthigcn Samen zu besitzen. In den Händen der Gemeindeverwaltung ruht auch die niedere Polizeigcwalt. Von je 10 Bauern wird einer als Zehntmann (Dessatski) und von je 100 einer als Hundertmann (Ssotski) zum Polizeidienst ausgewählt. Von der Regierung werden nur die höheren Polizei- organe bestellt. Ucbrigens wird diese Dorf-Polizeigewalt im allgemeinen sehr „human" ausgeübt. So z. B. ist auch in Rußland die Erlaubniß zur Jagd von der Lösung einer Jagdkarte abhängig gemacht; mit einer solchen ausgerüstet, rann man jagen, wo und wann man will, und wer keine besitzt, kann gleichfalls pürschen, wo und wan» er will! Mehrere Gemeinden zusammen bilden eine sogenannte Wolost, die am besten mit unsern alten Landrichtereibezirken verglichen werden kann. Ein russischer Adeliger hat darüber in der Regel als Landvogt (Natschalik) die oberste Aussicht, die jedoch faktisch ohne größere praktische Bedeutung ist. Das eigentliche Oberhaupt der Wolostverwaltung ist der Oberschnlze oder Starfchina; Mitglieder sind alle Schulzen und die Abgeordneten von je 10 Bauernfamilieu. Die Wolost hat von den Dorfgemeinden die Steuern einzufordern und an den Staat abzuliefern, sie unterhält ferner ein eigenes Wolostgericht, dessen bäuerliche Richter bis zu 14 Tagen Haft und bis zu 40 Knutenhieben „verordnen" können; sie richtet auch gemeinschaftliche Schulen ein und verwaltet dieselben u. s. w., kurz, die Wolost ist nicht bloß die oberste autonome Landgemeine, sie ist auch die fast einzige Vermittlerin zwischen der Regierung und den Bauern. Auch viele sociale Einrichtungen haben in derselben ihren Sitz und ihre Verwaltung, so z. B. besteht eine Viehversicherung, eine Brandvcrsicherung (natürlich auf Gegenseitigkeit gegründet), eine Centralschule, deren Zöglings sich zu Schullehrern ausbilden können, eine Handwerkerschule, eine Baumschule rc. rc., lauter Dinge, die vielleicht mancher in Rußland nicht gesucht hätte. Den Hauptcrwerbszweig in jenen Niederlassungen bildet selbstverständlich der Getreidebau, wozu sich auch der schwarze, fruchtbare Boden außerordentlich gut eignet, indem er eine fast unerschöpfliche Keimkraft in sich birgt und vielleicht noch lange Jahre einer Düngung nicht bedürftig sein wird. Man versicherte mir, daß unter den jetzigen Verhältnissen eine Düngung für die Frucht sogar schädlich wäre, weil in heißen Sommern durch die dadurch bewirkte größere Erhitzung das keimende Getreide verbrennen, bet etwas feuchterem Wetter aber der Weizen Zn sehr in die Halme schießen würde. Neben dem Ackerbau wird auch Pferdezucht betrieben, und jeder Bauer hält sich eine ziemliche Anzahl, oft bis zu 30 und 40 Stück, die vom Dorfhirten, dem Tabuntfchik, Tag und Nacht auf der Steppe geweidet werden. Die Tabune kehrt nur darum jeden Tag ins Dorf zurück, damit sich der Besitzer seine Arbeitspferde für den folgenden Tag auswählen kann. Und es ist ein prächtiger Anblick, wenn die ganze Tabune, die oft herrliches Pferdsmaterial enthält, im schärfsten Galopp die lange Dorfstraße hinabrast. In ähnlicher Weise, wie die Pferde, wird auch das Rindvieh auf der Steppe tagsüber geweidet, während es nachts meist auf dem Hofe angepflockt wird. Zu Winterszeit ist es natürlich in Ställen untergebracht. Schweine züchtet der Deutsche fast ausschließlich nur zu seinem Bedarf, und jedes Jahr bei Eintritt des Winters beginnt die herkömmliche große Schlächterei, indem auf jedem Hofe 4—6 Schweine auf einmal geschlachtet, eingepökelt und geräuchert werden. Der Schinken reicht dann gewöhnlich für das ganze Jahr. Die Lcbensmittelpreise sind im Vergleich zu unseren Verhältnissen unerhört niedrig, was sich zur Genüge aus dem mangelhaften Absatz erklären läßt. Ein ca. dreiwöchentliches Kalb kostet nur einen Rubel (— 3,20 M.), ein Pfund Rindfleisch 10—16 Pf., ein Spanferkel 60 Pf. bis IM. — Die Dienstbotenlöhne dagegen sind sehr hoch; die Nachfrage ist eben groß und das Angebot gering. Meist halten sich die deutschen Kolonisten russische Knechte (großentheils aus der Poltawa stammend). Vor der allgemeinen Einführung der Getreidemähmaschinen, wie fast jeder Kolonist sie jetzt benützt, mußten die Bauern für einen Mäher 7 M. und darüber als Tageslohn bezahlen und das Essen noch eigens beschaffen. Als Brennmaterial wird ganz allgemein, wie im Oriente, so auch hier, der Viehmist verwendet, und besonders der Schafmist gilt als ganz vorzüglich. Da die Schafe des nachts über in großen Pferchen zusammengetrieben werden, bildet sich von dem Miste allmählig eine dicke Kruste, die von Zeit zu Zeit, wie Torf, in viereckigen Stücken ausgehoben und getrocknet wird. Die Vornehmeren und Reicheren gebrauchen freilich auch Steinkohlen, welche immerhin noch leichter zu haben sind, als das seltene Holz. Im Allgemeinen sind die deutschen Kolonisten wohlhabende, vielleicht sogar reiche Leute. Eine Wirthschaft umfaßt meist circa 180 Tagwerk Grundstücke. Doch wurden mir auch Beispiele berichtet von wahrhaft fürstlichen Besitzungen. Im Cherson'schen z. B. leben fünf Brüder; von den vier ältesten besitzt jeder ein eigenes Bauerngut von 6000 Tagwerk; außerdem haben sie gemeinsam ein Gut gepachtet, über welches der jüngste Bruder als Verwalter gesetzt ist, und das nicht weniger als 42,000 Tagwerk umfaßt. Darauf halten sie 25,000 Stück Schafe u. s. w. Ueberhaupt, wer fleißig, strebsam und einigermaßen intelligent ist, der kann es in Rußland leichter als irgend wo anders zu etwas bringen. (Schluß folgt.) Recensionen und Notizen. Wanderers Weisen. Gedichte von Leo Fischer ch. Cor- dicr, Heiligenstadt. Saionband mit Portrait des Verfassers. 3 M. I'. Leo Fächer ist das berechtigte Lob geworden, erhabene Gedankentiefe in prägnanter Kürze und klassischer Wärme und Klarheit meisterhaft in eine gefällige Form zu gießen und in harmonischer Abrundung der Verse musikalisch die Leser zu bestricken. Kein Zweifel, jeder vorurtheilslose Sammler des Ursprünglichen und Genialen in deutscher Lyrik müßte diese zarten Melodien und harmonischen Verögcfälle Leo, Fischers ganz besonders in Erwägung ziehen. Leo Fischer hat sich dem eisernen Zwange des Taktstocks allmählig entzogen, er hat sich aber nickt, gottlob nicht, cmancipirt von der hoben, klassischen Formenschönheit, mit der er von jeher seine Dichtungen so glanzvoll schmückte, er hat hier in „Wanderers Weisen" die Poesie mit der Form in innige Harmonie gebracht. Echte Poesie ist undefinirbar, und wenn Jemand aus den Dichtungen FiscbcrS „allgemeine Regeln für angehende Dichter" herauslesen wollte, so müßte er ihnen gleich das Büchlein hergeben mit den Worten: „hier; macht's nach!" „Die Kunst verlangt ein rein Gewissen." Ja, Fischers kindlich frommes Gemüth, sein ungetrübter Blick für alles Hohe und Hehre, seine innige Vertrautheit mit den Wundern und Schönheiten der weiten Gotteswclt und sein eigener künstlerischer Genius, das sind die Regeln, aus denen er sich seine Poesie construirt hatte, oder vielmehr, die ihn zuin ganzen Dichter machten. Freilich, nicht jeder wird ihm folgen, er sagt: Die Ideale, Sie werden nur Vom Muth errungen, Der niemals wankt; Es ist die schmale Und steile Spur Von Leid umschlungen, Vom Dorn umrankt. Wunderbar schöne StimmungSliedcr bieten UNS „Wanderers Weisen". Wenn die dunkle Nacht verdämmert und von ferne das Posthorn klingt, da steht lockend vor des Dichters Sinn das Wclschland, unv das Meer: O holdes Land Jtalia, So reich an Glück und Zier, Wer Dich gekannt. Wer einst Dich sah, Den treibt's zurück zu Dir! Die sanfte Ruhe und der süße Friede eines Frühlings» abends weht uns an, wenn wir das Büchlein dieses sinnigen Poeten durchblättern, und cS klingt beinahe wie ein Anachronismus in unsere realistische Zeit, dies sanfte Saitcnspiel einer gottgeweihten Harfe. Doch mit wahrem Herzcnsgenuß habe ich daS hübsch ausgestattete Büchlein durchgelescn, und ein solcher poetischer Anachronismus ist mir denn doch viel lieber, als all die Erzeugnisse eines übersättigten Realismus. Leser, nimm und lies, und es reut' Dich nit! SchererM., vr.jnr., RechtSanwalt. Die Entscheidungen! des Reichsgerichts und des bayer. obersten Landesgerichts zum gemeinen Recht. Leipzig. Otto Wigand. -oe- Der Verfasser bringt im Anschluß an die Paragraphen des I. Entwurfes des bürgerlichen Gesetzbuches einen kurzen AuSzug aus den jeweils diese Materie behandelnden Entscheidungen. Der Auszug ist wie bei den anderen vom gleichen Verfasser herausgegebenen Sammlungen zwar kurz, doch leidet keineswegs die Klarheit darunter, weil der Verkäster mit großem Geschick auS den langatbmigen Entscheidungen den juristischen Kern herauszuschälen verstanden bat. Da die Zusammenstellung außer den beiden oificiellcn EntscheidnngSsammlungen noch auö 16 weiteren Zeitschriften und Sammlungen Material benutzt bat, erreicht sie an Vollständigkeit den denkbar höchsten Grad. Nach Einiübrung des Bürgert. Gesetzbuches und gegenwärtig zum vergleichenden Studium wird vorliegendes Buch die besten Dienste leisten. Kuhlenbeck L., vr.jnr., Nechtsanw. DieRechtsprechnng des Reichsgerichts in Beziehung aus die wickiigstcn Begriffe und Institute des CivilrechtS in systematischer Folge dargestellt und kritisch besprochen. Berlin. W. Möscr. -06- Auf ungleich anderer Basis als das Scherer'ick: Werk ist vorliegendes aufgebaut. Der Vers. untersucht die Eiiisckeid- ungen des Reichsgerichts auf ihre juristische Haltbarkeit und gibt gleichzeitig an, in welcher Richtung seiner Ansicht nach eine Aenderung eintreten muß. Obwohl gerade bei einer solchen Darstellung die Gefahr nahe liegt, bewußt oder unbewußt „in der Hitze des Gefechts" manch' brauchbares Korn mir der Spreu auszuscheiden, müssen wir dem Vers. nachrühmen, daß er auf 64 Grund einer mehr als gewöhnlichen Kenntniß der Literatur, die umfassendes juristisches Wissen mit feinem juristischen Gefühl vereinigt, aus der Enncheidungen Menge nur herausgegriffen hat, was absolut unhaltbar in. Man hat beim Studium die'er Lieferung das wohlthuende Gefühl, daß nicht d>e Sucht zu kritischen, sondern das edle Bestreben, die Rechtsprechung in richtige Bahnen zu lenken, dem Verfasser die Feder in die Hand gedrückt hat. Wir können deßhalb daö Studium dieser kritischen Besprechungen Richtern wie Rechtsanwälten nicht warm genug empfehlen- _ Annegarns Weltgeschichte in acht Bänden. Neu bearbeitet und bis zur Gegenwart ergänzt von vr. Aug. Enck und vr. V. Huyökens. Siebente Auflage. — Münster i. W., Verlag von Theissing. „Wenn ein katholischer Historiker, wie der geniale JobauncS Janssen, von sich das Bekenntniß ablegt, daß AnnegarnS Weltgeschichte ihm die erste Anregung zum Studium der Geschichte gegeben habe, so ist dies die beste Empfehlung, die man einem Buche dieser Art mit auf den Weg geben konnte. In der That ist die lebensvolle Darstellung, die übersichtliche Anordnung deS Stoffes und die Auswahl dessen, was zum leichten und sicheren Verständniß der Thatsachen und der Zeitvcrbält- nisse führt, unübertroffen. Mit pietätvoller Hand, aber sicherem Blick und richtigem Verständniß ist die Aufgabe gelost, den wissenschaftlichen Erfordernissen gerecht zu werden, ohne die übrigen Vorzüge des Buches anzutasten.Hochwillkommen ist die Berücksichtigung der culturhistorifchen Momente, die in einem GeschichtSwerkc nickt fehlen dürfen." Die neue Auflage erscheint in halbmonatlichen Heften von 80 Seiten zum Preise von 50 Pt. pro Heft; das ganze Werk umfaßt deren 32 — wird also in ungefähr einem halben Jahre vollständig sein. 24 Hefte sind bereits erschienen. Reperrorenm der Pädagogik. Herausgegeben von Oberlehrer I. B. Schubert. Verlag der I. Ebncr'schen Buchhandlung in Ulm. (Preis 5 Mark 40 Pfg. für 12 Monatshefte.) Das 3. Heft des 50. Jahrganges enthält u. A.: Was läßt sich zur Pflege einer gediegenen echt volksthümlichen Bildung in den Arbciterkreisen thun? Von Anton Mcndler, Lehrer in Tundorf (Oberbayern). — Die Kladde. Von vr. Frd. Horn, Neal-Oberlchrer in Mona. — Veranschaulichungsmittel beim ersten Rechcnuntcrricht. Von L. Hohmann, Rektor in Berlin. — Goethe in Straßburg. Von Jakob Esselborn, Lehrer in Ludwigöhascn a. Rh. — Grundriß der europäisch-abendländischen Musik. Von Troppmann, Lehrer a. D. in Tirschenreuth. — Die Frauensrage vor den Anthropologen. — Liebe und Brautstand im deutschen Volksglauben. U. f. w. Philosophisches Jahrbuch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der Görrcsgescllschaft herausgegeben von vr. Sonst. Gutberlet. Verlag der Fuldaer Aktien- Druckcrei. IX. Jahrgang. 1. Heft. Inhalt: I. Abhandlungen. C. Gutberlet, Ist die Seele Thätigkeit oder Substanz? B. Paqus, Zur Lehre vom Gefühl. L. Schütz, Der Hypnotismus. I. Ucbinger, Die mathematischen Schriften des Nik. Cufauus (Fortsetzung). — II. Recensionen und Referate. A. Bullinger, Das Christenthum im Lichte der deutschen Philosophie, von P. Schanz. P. Natorp, Die Ethika des Demokritos, von Frhr. von Hertling. Al. Wernicke, Kant. . und kein Ende, von B. Adlhoch 0.8.L. Al. Wernicke, Kant-Studien, von demselben. I. Straub, Der teleolozijcke Gotteöbcweis und seine Gegner, von C. Gutberlet. L. Filkuka, Die metaphysischen Grundlagen der Ethik bei Aristoteles, von M. Kappes. M. Novaro, li ooneotto sti Inünito o U Probleme cosmolvAieo, v. B. Adlhoch 0. 8. v. Jg. Pctrone, Va käse recentissiwa, stelle Llosoüe stel stritt» in 6ermenie, von I. W. Aren hold. Nud. Eisler, Geschichte der Philosophie im Grundriß, von demselben. I. Möller, Jean Paul und seine Bedeutung für die Gegenwart, von A. Otten. I. Möller, Die Seelenlehre Jean Paul'ö, von demselben. — III. Zeitschriftenschau. — IV. Miscellen und Nachrichten. Der Katholik. Redigirt von Joh. Mich. Naich, 12 Hefte M. 12. Mainz, Kirchheim. Inhalt von 1896. Heft I, Januar, vr. Albert Stöckl. — vr. Adolph Franz, Die kirchlichen Bruderschaften und, die protestantische Polemik. — Fr. Schneider, Theologisches zu Raffael. — Wie lange wird sick die Kirche der neuen Freiheit nock zu erfreuen haben? — A. Zimmermann 8. st., Ein irischer Richter über Irland. — Literatur: E. Le Camus, Leben unseres Herrn Jesus Christus. — vr. Paul Scbanz, Apologie des Christenthums. — Andreas Schill, Theologische Principienlehre. — vr. C. Gutberlet, Lehrbuch der Aplogetik. — Herm. Jos. Fugger-Glött, Kreuzfahrerblättcr u. s. w. Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fachgelehrten von vr. Ernst Coinnrer, o. ö. Professor an der Universität Breslau. Paderborn 1896. Ferdinand Schöningh. X. Band 3. Heft. Inhalt: I. Giovanni Battista Tornatore, 6. II. Portrait nach einer Photographie von Gregori in Piacenza. II. Selbst» er ursachnng Gottes? — Kennzeichnung und Beurtheilung einer These des Herrn Pros. vr. Schell. Von vr. B. Dörbolt, Dozent an der Akademie in Münster. III. Die Neu-Tho nisten. (8.) Von ?. Llaxe. Mreol. Gundisalv Fcldner, 0. vraest., Prior. IV. Zur neuesten philosophischen Literatur. (2.) Von Kanonikus vr. M. Gloßncr, Mitglied der röm. Akademie des hl. Thomas, in München. V. Die Grundprinzipien deö hl. Thomas von Aquin und der moderne Sozialismus. (7.) Die Gnade und die Freiheit. Von vr. C. M. Schneider, Pfarrer in FloiSdorf. U. s. w. Historisches Jahrbuch der GörreSgesellschaft. Kommissionsverlag von Herder rr. Cre., München. XVI. Jahrgang. 4. Heft. Inhalt: Aufsätze: Stiglmayr. Der Neuplatoniker Proclus als Vorlage des sogen. DionysiuS Arcopagita in der Lehre vorn Uebel. Merkte. Hercules Sevcroli und sein Tagebuch über daö Trienter Concil. Kleinere Beiträge: Pieper, Zur Frage über den Verbleib der Corm'pondcnz des Papstes Hadrian VI. Paulus, Zur Literatur über Luthers Lebensende. Unkel, Der erste Kölner Nuntiaiurstrcit und sein Einfluß auf die kirchlichen Nejormbestrcbnngen im Erz- bistbnm Köln um die Wende des 16. Jahrhunderts. — Recensionen und Referate: Württcmbergifche Geschichts- quellen (Banma n n). Stäbelin, Huldreich Zwingli (Büch i). Jnritsch, Geschichte der Babcnbcrger und ihrer Länder (Dö- berl). U. s. w. — Zeitschriftenschau. — Novitäten- schau. — Nachrichten. _ Zeitschrift des Kathol. Universitäts-Vereins von L-alzburg. Redigirt von Stadtpfarrer vr. Kalten- hauser. Druck von A. Pustet in Salzburg. Preis per Jahrg. (4 Hefte) 1 fl. ö. W. Das 1. Qnartalheft 1896 enthält u. A.: Welche Rechte werden Kirche und Staat der srcien kathol. Volksschule gegenüber beanspruchen? Der St. Pöltncr Katholikentag und die freie kath. Universität. Qnartalbericht m s. w. DaS Apostolat der christlichen Tochter oder „St. Angela-Blatt". Wien, I. Johannesgasse 8. Preis fl. 1.— per Jahr (per Post fl. 1.15, für Deutschland M. 2.50). Bei der gegenwärtigen Frauenbewegung verdient alle Beachtung die Monatsschrift „Apostolat der christlichen Tochter", welche seit sieben Jahren dahinstrebt, die katholischen Jungiraucn und Frauen zur Ausübung eines ihrem Geschlechte und Stande entsprechenden Apostolatcö anzueifcrn. ch Negensburg. Mit der Vollendung des großen Lebens Jesu von dem verstorbenen Pros. vr. I. Grimm hat die Pustct'sche VerlagShandlung Herrn Subregenö vr. Zahn in Würzburg betraut. Grimm selbst hat die Hälfte des noch ausstehenden 7. Bandes bearbeitet, so daß die Besitzer der ersten Bände in nicht allzulanger Zeit das Werk vollendet erhalten. Berichtigunng. Zu dem Scklußartikcl „Ein Künstler aus dem Chiemgan" ist berichtigend zu bemerken, daß die Zinsen der Pcrmoser'schen Sckulstiitung seit der Gründung einer eigenen Schule in Kammer (1853) zur Aufbesserung des Lehrcreinkommcns verwcnvet werden. Vcranttv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabhcrr in Augsburg.