Ar. 9. 28. Mr. 1896. Der dritte Band von Pastors Geschichte der Päpste. (Schluß.) Für die Bekämpfung der Türken behielt Alexander so wenig Kraft und Mittel übrig; immerhin hat auch er eS nicht an Aufwendungen fehlen lassen, unter seinem Pontifikat ward von der vereinigten päpstlich-venetianischen Kreuzzugsflotte St. Maura, das alte Leukadia, erobert (1501), aber schon zwei Jahre darauf schloß Venedig fast ohne Gewinn Frieden, dem sich auch die andern Mächte wohl oder übel fügen mußten. Es läßt sich denken, daß auch die kirchliche Neform durch Alexander wenig gefördert wurde. Einmal schien er sich aufraffen zu wollen, als 1497 sein Lieblingssohn, der Herzog von Gandia, auf geheimnißvolle Weise, wahrscheinlich auf Anstiften der Orsini, ermordet wurde. Der Papst war aufs tiefste getroffen, er erkannte die Strafe Gottes. „Es ist unzweifelhaft, daß er sich in jenen trüben Sommertagen des JahreS 1497 ernstlich mit umfassenden Neformgedanken getragen hat." Zeugniß davon gibt der Entwurf einer großen Bulle, den Pastor zuerst in brauchbarer Weise aus dem vatikanischen Geheimarchiv veröffentlicht hat. Auf all die schlimmsten Schäden des damaligen Kirchenwesens ist hier die Hand gelegt, die Reformation sollte wirklich, wie es die Deutschen so oft gefordert hatten, „beim Haupte beginnen," — aber sie blieb Entwurf. „Die Reformsache ward zunächst hinausgeschoben, dann vergessen." Aber „trotz aller Mißstände ging die Kirchenregierung im wesentlichen ungestört ihren Gang, was sich freilich zum Theil nur durch die wunderbare Organisation der katholischen Kirche erklärt." Begannen ja unter Alexander VI. auch die folgenreichen Misstonen in der neuen Welt, und er ist es gewesen, der 1493 kraft päpstlicher Autorität die Grenzlinie zwischen den Rechtsansprüchen der Spanier und Portugiesen zog, eine That, aus der ihm nur Unverstand einen Vorwurf machen kann. Es ist ein tragisches Verhängniß, daß sich die päpstliche Autorität in Alexander VI. in einem Streite verkörperte, wo mehr als alles sittliche Reinheit hätte wirken können, in dem Streite mit Savonarola, und ein merkwürdiger Zufall war es auch, daß der Papst die Bulle, welche den Widerspenstigen excommunicirte, der so laut gegen das moderne Babylon gedonnert hatte, kaum einen Monat vor der Ermordung des Herzogs von Gandia erließ, die ihn zu ernster Einkehr in sich selbst veranlassen sollte. Aber auch die Bewunderer des kühnen Mönchs müssen zugeben, daß Savonarola sich selbst sein Grab gegraben hat. Alexander hatte lange Zeit — allerdings mehr mit der kühlen Ruhe eines Weltmannes als mit christlicher Geduld — die Schmähungen Savonarolas gegen ihn selbst ertragen, aber „ein Prophetenthum über der Hierarchie, wie es Savonarola in Anspruch nahm, durfte auch ein Alexander VI. nicht anerkennen", und das Verhalten Savonarolas nach der Excommunication und seine Theorie vom bedingten Gehorsam zeigten, daß er sich nicht mehr in die katholische Kirchenverfassung fügte. Gestürzt hat ihn dann schließlich dieselbe Macht, die ihn empor getragen hatte, das von ihm selbst fanatisirte Florentiner Volk. „Dem katholischen Dogma als solchem ist Savonarola in der Theorie stets treu geblieben; gleichwohl hat er mit seiner Leugnung der Strafgewalt des Heiligen Stuhles und seinen Concilsplünen, die im Fall des Gelingens zum Schisma führen mußten, praktisch unkirchliche Tendenzen vertreten. Zur Entschuldigung gereicht ihm gewiß, daß in Florenz wie in Rom, ja in ganz Italien vielfach sehr traurige sittliche Zustände herrschten, daß die Verwestlichung des Papstthums in Alexander VI. ihren Höhepunkt erreicht hatte. Allein in seinem glühenden Eifer für eine sittliche Erneuerung ließ sich Savonarola nicht bloß zu den maßlosesten Angriffen gegen hoch und nieder fortreißen, sondern er vergaß auch vollständig die Lehre der Kirche, daß das sündhafte, lasterhafte Leben der Obern, auch des Papstes, seine Jurisdiktion nicht zu erschüttern vermag. Er glaubte gewiß aufrichtig und ehrlich, ein gottgesandter Prophet zu sein, lieferte aber auch bald den Beweis, daß der Geist, der ihn trieb, nicht mehr von oben war; denn die Probe göttlicher Mission ist vor allem der demüthige Gehorsam gegen die vor. Gott gesetzte höchste Autorität. Dieser fehlte Savonarola vollständig." Alexander VI. starb am 18. August 1503, sicherlich nicht durch Gift, wie man freilich sogleich geargwöhnt und lange geglaubt hat, sondern an der Malaria. In der That wurde es mit seinem Tode besser in der Kirche. Die Hoffnungen freilich, die man auf Cardinal Piccolomini gesetzt hatte, der sich nach seinem Oheim Pins III. nannte, zerstörte nach kaum einem Monat der Tod. aber schon diese kurze Zeit hatte genügt, Cesare Borjas Tyrannis zu brechen, und daß sie so wenig wiederkehre, wie die Zeiten Alexanders VI. überhaupt, dafür sorgte Giuliano della Novere, der jetzt als Julius II. den päpstlichen Thron bestieg. Allerdings war auch Julius II. nicht ein Papst, wie ihn sich etwa Savonarola gedacht hätte. Er hatte wenig von einem Leo I., der die Hunnen durch Bitten aus dem Lande zu bringen suchte, weit mehr war er nach den Jnnozenzen der Stauferzeit und nach den streitbaren deutschen Kirchenfürsten des Mittelalters geartet, denen ein Panzer kein ungewohntes Kleidungsstück war. Das Beiwort, das er Michel-Angelo gab, „tsrristils", wendet Pastor auf ihn selbst an. Ein in jeder Hinsicht ungewöhnlicher Mann, ein „Kraftmensch der italienischen Renaissance-Epoche" ist dieser Papst, der fast als Greis den Thron bestieg, in den 10 Jahren seiner Herrschaft, wenn nicht der Nestaurator der Kirche, so doch der Wiederherstelle! des Kirchenstaates geworden. Denn das trat als wesentlichster Unterschied gegen die Weise Alexanders VI. gleich am Anfang der Regierung des neuen Papstes hervor, daß der Nepotismus keine Stelle mehr an der Kurie fand. Cesare Borja verließ nach gütlichem Uebereinkommen Rom, um bald darauf in Spanien einen ehrlichen Soldatentod zu sterben. WaS er für sich erobert hatte, kam den Plänen Julius' II. zu gute, es war hohe Zeit, hier in der Nomagna dem Umsichgreifen der landgierigen Venetianer einen Damm entgegen zu setzen. In Venedig sah man mit Staunen und Unglauben den Drohungen des Papstes zu, und in der That dauerte es noch einige Zeit, bis Julius denselben Nachdruck geben konnte. Aber noch größere Verwunderung ergriff die Zeitgenossen, als nun Julius im Jahre 1506 selbst an der Spitze eines Heeres auszog, um die abtrünnigen Städte Perugia und Bologna der päpstlichen Herrschaft wieder zu unterwerfen, und als dieser Zug, wenigstens für den Augenblick, einen glänzenden Erfolg hatte. 66 Allerdings nur für einen Augenblick, denn Italien war damals mehr als je das Schachbrett der europäischen Politik, und Papst und Kirchenstaat schienen nur ein Stein in ihrem Spiele. Die Franzosen, zwar von den Spaniern aus Neapel herausgeworfen und Verbündete des Papstes auf seinem Zuge gegen Bologna, vereinigten sich doch wieder mit jenen in Gcgenstellung gegen Julius II. Von Deutschland drohte der Nömerzug Maximilians, der dem Papste durchaus nicht erwünscht war. Maximilian nun freilich begnügte sich mit dem Titel eines erwählten römischen Kaisers, und der Uebermuth der Venetianer führte selbst den Umschwung der politischen Lage zu Gunsten des Papstes herbei. Die Verbündeten von Cambrai ergriffen gegen Venedig die Waffen und der Papst als Genosse des Bundes bannte die Republik, die so vielfach in seine geistlichen und weltlichen Rechte eingegriffen hatte. Aber als nun nach der Niederlage Venedigs bei Agnadello (1509) Ludwig XII. und Maximilian an eine völlige Vernichtung der Republik dachten, da änderte sich der Sinn des PirpsteZ. Er schloß Frieden, und von jetzt an wird das Streben Julius' II, von dem großen Gedanken beherrscht, die „Fremden" aus Italien zu vertreiben. Aber die Verfolgung dieses Planes sollte dem Papst noch schwere Sorgen bringen. Aufs Neue sah man ihn 1510 zu Felde ziehen, diesmal gegen die Franzosen, mit denen es zum völligen Bruche gekommen war. Nach vorübergehenden Erfolgen ging Bologna verloren, krank und machtlos, aber ungebeugten Muthes, kehrte der Papst im Juni 1511 nach Rom zurück. Seine Lage schien um so gefährlicher, als es den Franzosen gelungen war, die alte Drohung einer jeden Opposition, die Concilsforderung zu verwirklichen. Ein Schisma im Cardinalscollegium entstand, die abtrünnigen Cardinäle beriefen eine Synode nach Pisa. Obgleich mehrfach schwer erkrankt, wußte der Papst doch all diesen Feinden zu begegnen. Gegen Frankreich gaben ihm in der „heiligen Liga" Spanien, Venedig und England den nöthigen Rückhalt, und gegen die abgefallenen Cardinäle hatte er schon zuvor den entscheidenden Schritt gethan, indem er selbst am 18. Juli 1511 ein allgemeines Concil nach Rom berief. Am 19. April 1512 sollte es im Lateran zusammentreten. Die Pisaner Synode kam nun freilich zu Stande, aber wie sehr hatten sich die Zeiten seit Konstanz und Basel verändert. Die Synode fand in Italien selbst gar wenig ehrliche Anhänger, noch weniger war Deutschland zu gewinnen. In diesen Augenblick fällt der phantastische Plan Kaiser Maximilians, für sich selbst die päpstliche Tiara zu erstreben — Pastor stellt sich gewiß mit Recht auf die Seite der Forscher, die in dem Projekte doch mehr als einen „Scherz" oder „diplomatische Scheinmanöver" sehen. Von den Gegnern des Papstes war Maximilian freilich der ungefährlichste. Aber auch der Stern der Franzosen neigte sich. Unmittelbar nach dem Siege, den sie am Ostersonntag 1512 bei Navenna über die päpstlich-venetianische Armee davongetragen hatten und der sie zu Herren der Lage zu machen schien, erfolgte der völlige Sturz ihrer Herrschaft in Italien, vor allem durch die Schweizer, „die Beschützer der Freiheit der Kirche," wie der dankbare Papst sie nannte. Der Lebensabend des Papstes ist umstrahlt von glänzenden Erfolgen. Ein Congreß zu Mautua ordnete die italienischen Verhältnisse sehr zu Gunsten des päpstlichen Stuhles, auch der Kaiser trat zu ihm, und vor dem Lateranconcil verging die Pisaner Synode. Der Papst konnte daran denken, gegen die pragmatische Sanktion der Franzosen, das wichtigste Ueberbleibsel der Basier Concilszeit, Stellung zu nehmen, vielleicht wäre er auch noch an die innere Reform der Kirche gegangen, deren Nothwendigkeit er sich nicht verhehlte. Am 21. Februar 1513 ereilte ihn der Tod. Er verließ die Kirche am Vorabend schwerer Stürme und er hat viel dazu beigetragen, daß sie dieselben überstand. „Wenn es auch zu viel behauptet ist, daß daS Papstthum ohne den weltlichen Besitz in diesen Stürmen untergegangen sein würde, so ist doch sicher, daß dasselbe ohne die feste Grundlage, welche die Neugrnndung des Kirchenstaats geschaffen, in ganz unabsehbare Bedrängnisse gerathen sein würde: vielleicht hätte es noch einmal in die Katakomben hinabsteigen müssen. Vor diesem Aeutzersten sind Welt und Kirche bewahrt worden durch den Heldenmuth und die Energie Julius' II., für welchen Michel-Angelo kein besseres Symbol zu finden wußte, als den kolossalen Moses." An den Stufen des päpstlichen Thrones steht seit Nicolans V. die Renaissancekunst. In dem Zeitalter der hier behandelten Päpste tritt sie in ihre glänzendste Periode ein. Es ist eine lange und glänzende Reihe von Kunstwerken, der Plastik und Architektur, die Pastor in seiner Einleitung auf sieben Seiten zusammenstellt. Sie umfaßt die Jahre 1401—1518, und alle diese Werke sind im Dienste der Kirche entstanden. — Jnnozenz VIII. war zu sehr durch Finanznoth und Kriegsläufte bedrängt, als daß er eine geregelte Kunstpflege hätte üben können. Dennoch sind an seinem Hofe zwei bedeutende Künstler beschäftigt, Pinturicchio und Mantegna. Pinturicchio war es dann auch, der unter Alexander VI. dessen Wohn- gemächer mit Fresken zierte, es ist das sogenannte Appartamento Borja, das, durch die Munifizenz des jetzigen Papstes erneuert und dem Besuche geöffnet, eine neue Sehenswürdigkeit des Vatikans bildet. Aber auch dies verschwindet vor dem Mäcenat Julius' II. mit seinen drei Künstlernamen Bramante, Michel-Angelo und Naffael. Den Künstlern wohlbekannt sind die genialen Entwürfe Bramante's zu einem neuen Pctcrsdom. Am 18. April 1506 wurde der Grundstein dazu gelegt, und noch heute darf man bedauern, daß eine spätere Zeit diese Pläne umgestaltet hat. Weltberühmt ist Bramantes Ausgestaltung des Belvedere, in dessen Statuenhof dann der Apollo und die 1506 neugefundene Laokoongruppe Aufstellung fanden, weltberühmt Michel-Angelo's Decken- fresken in der Sixtina, sein Entwurf für ein Grabmal Julius' II., als dessen Nest der berühmte Moses erhalten ist, weltbekannt die Ausmalung der Vatikanischen Stanzen durch Naffael. Ueber all diese Dinge gibt Pastor genaue, zum Theil durch neue archivalische Daten gestützte Nachweise. Auf seine neue Erklärung der „Disputa" sei hier ganz besonders hingewiesen. Auch wer das päpstliche Rom nur mit den Augen des Kunstfreundes betrachtet, wird so in diesem Bande seine Rechnung finden. Der nächste Band des Werkes wird uns in die Zeiten Lco's X. und der deutschen Kirchenreformation führen. Wir dürfen erwarten, daß Pastor hier mit gleicher Gründlichkeit auch die deutschen Zustände erörtern wird, welche zur Kirchentrennung führten, und die in dem vorliegenden Bande naturgemäß nur geringe Berücksichtigung fanden. Möge ihm Kraft und Frische zur Writcrsührung seines Werkes nicht fehlen. ?. ff—u. 67 Christoph von Stadion, Bischof von Augsburg, und seine Stellung znr Reformation. (Fortsetzung.) H.. R. Christoph von Stadion war, wie wir schon oben gesehen, ein großer Verehrer der Humanisten. Seit dem Jahre 1528 nun war er mit dem bedeutendsten seiner Zeit, mit Erasmus von Rotterdam, in Verbindung getreten.^) Diesen bewunderte er sehr ob seiner bedeutenden humanistischen Kenntnisse und machte ihm auch reiche Geschenke. So übersandte er ihm im Jahre 1533 zwei Saumrosse, von welchen er sich eines auswählen sollte.^) Ja, er verehrte ihn so, daß er eine siebentägige, nicht gefahrlose Reise nach Freiburg i. Br. unternahm, um den Mann zu besuchen und ihn kennen Zu lernen, und auch diesmal beschenkte er ihn reichlich/*) Des Erasmus Bild soll man in allen Gemächern der bischöflichen Residenz zu Dillingen gesehen habend) Unter solchen Umständen wurden denn auch des Erasmus Ansichten über Religion und Reformation die Stadions und er ließ sich in seinem Thun sehr von ihm beeinflussen. Eras- muS aber war wohl ein guter Kenner der antiken Wissenschaften, aber nichts weniger als ein guter, überzeugungs- fester Katholik. Er hatte vielmehr sich schon bald nach dem ersten Auftreten Luthers beifällig über ihn ausgesprochen und schon im Jahre 1518 Luthers Ansichten in Wort und That vertheidigt, er stand mit Luther und mit Mclanchthon in freundschaftlichem Briefwechsel. Und als er sich um die Jahre 1523—1524 wieder von Luther und seinen Lehren zurückzog, that er dies nur, weil er einsah, welche Elemente durch die neue Lehre angezogen und welche Wirren durch dieselbe veranlaßt wurden, es war ihm um seinen guten Ruf und auch um die Gunst des Kaisers und anderer hochgestellter Persönlichkeiten zu thun; er trat äußerlich zur katholischen Kirche zurück, gab aber die reformatorischen Ansichten nicht auf, denn die neue Lehre gefiel ihm, aber die Personen mißfielen ihm.^) So kam es, daß er der Vater der Mittelpartet (wie ihn Pastor nennt) wurde, die eine Versöhnung anstrebte. Aber Erasmus, „dem der Begriff der Kirche gänzlich abhanden gekommen war", war mit seinen Anschauungen nicht im Stande, eine Vermittlung und Vergleichung der großen Gegensätze jener Zeit herbeizuführen. Sein Standpunkt war ein Pietismus feinerer Art, verbunden mit einer Art freidenkerischer Aufklärung; seine Dogmatik und Moral entsprachen ganz der theologischen Methode, welche im 18. Jahrhundert die „aufgeklärte" genannt wurde. Nach seinen Grundsätzen würde es eine streng wissenschaftliche Dogmatik überhaupt nicht mehr gegeben haben. Er wollte allerdings Erhaltung der Einheit der Kirche, Rückkehr zur apostolischen Kirche, allein die Summe des zu Glaubenden würde in dieser „einigen, apostolischen" Kirche des Erasmus nur sehr wenig Artikel ") Braun, Gesch. d. Bisch. v. AugSb. III. 344. «) Ebd. S. 348. ") Veitb, Libl. Xnx. fllxb. IV. 63: kine (nämlich von dem Umstände, daß Christoph ein sehr großer Gönner der Hnm. war) kaetnm, nt lürasmo Uotteräamo non solum se beniAnissimum xraednerit, sei vtiam all oum vissuäum septsin äiernin itinsre b'ridurg'um xrokectus sit, atlsrsns seenin äuo xocnla rsKia enm 60 üorsnis anreis, äskerens insnner omnium kaoultatum suarum eowmunieusm. — Braun, III. 343. ") Allgemeine deutsche Biographie IV. 227. r°) 2. Döttinger, Reformation (Regensburg, 1846) I. Vd., Seite 3 ff., 8 f. und diese in möglichst unbestimmter Form umfaßt haben/°) Derartige Ansichten treten uns auch aus zwei Briefen entgegen, die Erasmus im Jahre 1530 an Christoph geschrieben hat.") Am 24. Juni 1530 meldet er: er bete täglich zu Gott, daß er den Kaiser und die Fürsten mit seinem Geiste erfüllen, ihnen zum Besten der Kirchs heilbringenden Rath ertheilen und durch die Macht und Frömmigkeit des Kaisers dieses unglückliche, alle menschliche Hilfe übersteigende Gewitter stillen möge."") In einem andern Schreiben vom 11. August äußert er sich etwas deutlicher: „Die drei von Dir angeführten Bedingungen können nach meinem Ermessen ohne Nachtheil der Religion zugelassen werden; ich glaube aber/ daß die Häupter der Sekte sich damit nicht begnüget werden. Ich weiß, daß Deine Erhabenheit bis Bisse? dieser Tollen und Starrköpfigen nicht zu fürchten hat/"-') Mit jenen drei Bedingungen sind aber die Zulassung des Laienkelches, die Gestaltung der Priesterehe und die Einführung der Muttersprache in die Liturgie gemeint. Und da diese Bedingungen dem Erasmus als zulässig erschienen, machte sich auch Christoph von Stadion kein Gewissen wehr daraus, für dieselben einzutreten. Er selbst schreibt an Nansca, Bischof von Wien, am 30. November 1537: Erasmus' Schriften seien ihm Führer geworden zur Erkenntniß evangelischer Lehre und christlichen Lebens;") er gesteht mit Erasmus, daß menschliche Satzungen sich der christlichen Religion beigemischt haben, und beklagt mit ihm, daß es Theologen und Neichsstände gebe, welche in Schriften von Lutheranern selbst dasjenige verwerfen, was mit dem Evangelium in Einklang stehe. Am 8. August 1533 tritt Christoph in einem Brief an seinen Freund EraSmus ebenfalls für seine Ansichten ein, wenn er schreibt: „Um die NeligionS- flreitigkeitsn durch die in Deinem Briefe erwähnten Mitte! beizulegen, steht nach meiner Ansicht nichts im Wege, als daß diejenigen, die sich mit dieser Angelegenheit befassen, nicht die Sache Gottes ihrem Vortheil nachsetzen."") Christoph hat sich also zu vertrauensvoll der Führung Erasmus von Rotterdam überlassen; er hat dessen Ansichten als die allein richtigen aufgenommen, und daher kommt seine Nachgiebigkeit gegen die Protestanten. Doch so sehr er bei jeder Gelegenheit daraufdrang, seine Ansicht durchzusetzen, und sich zu Gunsten jener drei Bedingungen verwendete, ins Praktische hat er diese seine An- Die kirchlichen ReunionSbestrebungen während der Regierung Karls V. von Dr. Ludwig Pastor (Freiüurg i. Br.. 1879) Seite 131. °°) Gesch. d. Bisch. v. AugSb. III. 257. °'),Zaps. Chr. v. Stadion. Beilage XXXI. Seite 247: tznotiäie arclentissime äeum comxreeor, ut sno sxiritn Oassaris öd xrineixium animis snZMrere rligmetur consiüa Reixuli. Oliristianas ss.lutm.rla>, xergus Oassaris summam xo- tentiam ot xoenitentiae purem xietatsm fatalem bans et bumanis xraesiäiis inseäadilem temxsstatem in trauguillum vertsre äiZuetur. Ebd. Beilage XXXIII. Seite 249: ll'res oonäitiones, guas recensss, moo inäieio nulla reliZstonis iaetnra eoneeäi xotsrunt, seä minims ereüo seetarum xiveeres illis kors contsntos. Ebd. Beilage XXVIII. S. 241: H guo non minimam ebristianitatis pvrtionem (si sattem in mv aligna rcslävt) ms aceexisse eonüteor. Is tnit, igui veram xivtaris ao reli- gionis viam äi§ito (ut ita loguar) äemonstravit. "*) Ebd. Beilage XXVII. S. 240: tzuo minus religionis äissiäinm üs meäiis, äs gnibus in tnis litteris faota est mentio, eomxonetnr, niliil aliuä viäetnr odstare meo inäioio, nist gnoll isti, gut Poe traotant, maxis axnnt xroxrium guam Del ne§otiuw. 68 ficht nie umgesetzt, wie viele Unannehmlichkeiten ihm namentlich von Seite des Augsburger Rathes vielleicht auch erspart geblieben wären, wenn er durch Stillschweigen dessen Thun und Treiben gleichsam gebilligt hätte. Aber das that er nicht. „Der Reichstagsabschied von Augsburg bildete für ihn die Norm des ferneren Verhaltens, er erwies sich fortan als treuen Bischof der alten Kirche, ohne jedoch früheren informatorischen Gedanken, deren Ausführung er dem Besten der Kirche für förderlich hielt, zu entsagen."««) Daß er sich wirklich d:n Neuerungen in seiner Diözese und namentlich in Augsburg auch fernerhin entgegensetzte, beweisen mehrere Thatsachen. Im Jahre 1533 reichte der Magistrat von Augsburg, begeistert von Luthers Lehre und voll Eifer für das allgemeine Bekenntniß derselben, an den Bischof und an das Domkapitel eine Schrift ein, die ganz widerrechtlich und sehr nachteilig für die Neligions- und Gewissensfreiheit war. Es heißt hier: „Hierum wir zu der Ehre Gottes, Beförderung der Wahrheit und Abstellung der Irrthum eilich Artikel zum kürzesten gestellt baben, darin» E. F. G. wir zn erkennen geben, was wir und die Unsern täglich von unsern Prädicanten durch die Schrift gelehrt werden, das sie in einem freyen Con- cilio mit biblischen Schriften zu erhalten verhoffen und getrauen, was wir auch täglich lesen und herzlich glauben, daß der Ehr Gottes abbrüchig, auch uns und Unsern im Gewissen beschwerlich und der Seligkeit gefährlich sey, das doch nicht destoweniger von E. F. G. oder ihren geistlichen Predigern allhier nncntsetzt geprediget, gelehrt und von ihren Geistlichen unerläßlich geübt wird." Die Artikel, die sodann in dem Schreiben aufgeführt sind, sind hauptsächlich folgende: Es sei wider die „offenbare Schrift", daß die „Steinhaufen sollen Kirchen oder Tempel Gottes und der Papst deren Haupt sein". Ferner wollen die Augsburger nichts wissen von der Hetligenverehrung, von der Ohrenbeicht, vom Fegfeuer und von den Seelenmessen, vom Opfer, von Prozessionen und päpstlichen Messen, von der Bilderverehrung und von Wallfahrten, von der „fremden Sprach" in der Liturgie, von den Klostergelübden und von andern Dingen, „dieweil solch alles und jedes dem Wort und der Ehre Gottes entgegen ist"?«) Auf diese Schrift hin gab der Bischof zur Antwort, er wolle alles thun, was zu Fried, Ruhe und Einigkeit diene. Doch es seien unter jenen Artikeln manche, die er nicht „aus eigener Vermessenheit" abstellen wolle, weil dieselben „als recht und christlich erkannt" und von allgemeinen Concilien approbirt worden seien. Auch dürfe er nicht mehr bewilligen, als was auf dem Reichstage zu Augsburg gewährt worden sei, zudem sich der Magistrat auf demselben erboten habe: „an der Meß, Beicht, noch sonst andern Ceremonien habe er von Alter bisher niemand geirrt oder davon gedrungen, also gedenke er auch fürder niemand davon zu dringen oder daran zu verhindern". „Daher möget ihr selbst ermessen," fährt der Bischof fort, „daß uns ganz verweißlich und beschwerlich, auch keineswegs thunlich, daß wir uns von aller gemeinen freyen christlichen Concilien Erkanntuis, von allen christlichen Nationen, ja der gemeinen ganzen christlichen Kirche absundern und wider unser eigen Gewissen handeln sollten; daraus uns nicht allein K. M. unsers allergnädigsten Herrn, auch anderer Fürsten Un° Allgemeine deutsche Biographie. IV. 225. «) Braun, Gesch. d. Bisch. v. AuM. III. 267-276. gnad und Feindschaft, Widerwillen und unserer Leibs und Güter Nachtheil, sondern auch zum höchsten Bedenken unsers Gewissens und Seelen Schaden erwachsen wurde"??) Diese Antwort des Bischofs ist ein klarer Beweis dafür, daß er sich den Beschlüssen des Reichstages zu Augsburg fügte und daß er den Augsburgern auch solche Dinge nicht erlaubte, die er den Protestanten einzuräumen für seine Person geneigt gewesen wäre. Daraus folgt dann aber auch, daß der Bischof sein persönliches Urtheil demjenigen der katholischen Kirche stets unterworfen hat. Im Jahre 1534 verlangte der Magistrat von Augsburg vom Bischof und von dem Domcapitel ein Neligions- gespräch. Doch der Bischof erklärte: „Ein Zusammentritt und eine Disputation sei unnöthig und ohne Nutzen; denn u) wäre keine Hoffnung zu einer Vergleichung denkbar und, wie es die Erfahrung lehre, nicht einmal von ihren Prädikanten es auf solche abgesehen; b) würden sie keinen Richter, der den Streit vergleiche, anerkennen wollen; o) würde bei unterbleibender und nicht zu erstreckender Vergleichung die Verwirrung unv Erbitterung noch viel bösartiger werden; ä) wären ja diese Differenzen schon lange durch die Concilien entschieden und dergleichen Privatvergleiche durch geistliche und kaiserliche Gesetze verboten worden; s) müßte es jedem Christen sehr schwer, ja auch unverantwortlich fallen, anf den Aussprnch von zwei oder vier Prädikanten seine Ehr, See! und Seligkeit zu setzen"?«) Am 1. August 1534 ließ der Rath ein Dekret wider die Katholiken und ihre Religionsübungen veröffentlichen. In demselben wird jedem das Predigen verboten, der nicht vom Rathe angestellt ist, alle Kirchen mit Ausnahme einiger weniger werden geschlossen, „damit die Ceremonien und vermeinten Gottesdienst, so bisher darinnen mißbraucht worden, fürohin vermieden und nicht mehr gehalten werden," den Klosterbcwohnern wird nahe gelegt, sie sollen sich aus den Klöstern entfernen, einem jeden wird bei Strafe an Gut, Ehren, Leib oder Leben untersagt, katholisch zu predigen oder auch solche Predigten nur anzuhören?«) Die Folge dieses Dekretes war, daß die Pfarr- und Frühmeßaltäre von allem entblößt und der zu Sanct Ulricb in eiserne Bande geschlagen, die übrigen Kirchen gesperrt und von den Mönchen von St. Anna die Klosterzellen verlassen wurden. Der Bischof konnte sich nicht anders helfen, als daß er sich beim Kaiser beschwerte. Er erwirkte wider die Stadt ein Mandat, in welchem dem Rath sein ungerechtes Verfahren wider die katholische Geistlichkeit verwiesen und von königlicher Macht wegen geboten ward, alles Verordnete abzuschaffen, das aus den katholischen Kirchen Weggenommene zurückzugeben und sich aller Neuerungen zu enthalten. Da jedoch dieses Mandat keinen Erfolg hatte, beklagte sich Christoph am 11. April 1535 beim schwäbischen Bunde auf dem Bundestag zu Lauingen und suchte bei den Bundesständen Hilfe. Doch auch dies führte zu keiner Besserung der religiösen Zustände in Augsburg. Der Magistrat berief Martin Buzer, ein „listiges Männleiu", auf die Kanzel in die St. Johanucskirche; ein Lutheraner, Johann Förster, wurde ebenfalls als Prediger in Augsburg angestellt?«) Aus all dem ist ersichtlich, daß Christoph wenigstens den guten Willen hatte, für die katholische Kirche zu ») Ebd. S. 277-280. . °°) Ebd. S. 284. «») Ebd. S. 200-296. 2 °) Ebb. S. 296—390. Wittinan», Augöburger „Reformator-»" 258 ff. 237 f. thun, was in seinen Kräften stand. Um noch größerem Uebel vorzubeugen und um seine Unterthanen davor zn bewahren, hielt er im Jahre 1536 eine Synode, deren Statuten jedoch nicht erhalten sind?!) (Schluß folgt.) Die stringente Kraft der Gottesbeweise. 8tr. In Nr. 6 der Beilage hat ein Mitarbeiter der Postzeitung unter der Aufschrift „Gedanken über Wissenschaft und Christenthum" eine Kritik über den ebenso betitelten Artikel eines anderen Correspondenten in Nr. 4 zum Besten gegeben und dabei verschiedene Sätze aufgestellt, die wir darin lieber nicht gelesen hätten. ES heißt dort unter ander«, „daß die Beweise von Gottes Dasein und Erscheinung in der Natur und Geschichte es zn keiner vollen Stringenz und Evidenz bringen"; dann wird weitergefahren: „Wohl spricht daS vatikanische Concil von einer Erkennbarkeit Gottes, nicht aber von einer sicheren Beweisbarkeit. Alle Bemühungen der Apologeten, Gottes Offenbarung zu beweisen, haben es nie bis zu einem Erkenntnißzwang, bis zu einer inneren Nöthigung gebracht. Die Glaubenswahrheiten wurden nicht als allgemein gültig und nothwendig in dem Sinne erwiesen, wie es philosophische und metaphysische Grundbegriffe sein müssen, und es ist allerdings nicht zu verwundern, daß die exakten und kritischen Wissenschaften, die nur (?) mit sicher Beweisbarem operiren, Thatsachen aus dem Wege gehen, die nach ihrer Ansicht Sachen bloßen Meinens oder Glaubens sind." In dieser Darstellung ist Wahres und Falsches und auch nicht Zusammengehöriges zusammengemengt, aber im allgemeinen bekommt man beim Durchlesen derselben den Eindruck, als ob eS mit der natürlichen und philosophischen Begründung des Gottes- und Christenglaubens gar kläglich bestellt sei, so daß man ihn mit guten Gründen als bloße subjektive Anschauung bei Seite schieben könne. Auf so schwachen Füßen steht nun aber glücklicherweise das Gottesreich noch nicht, und die hohlen und blinden Dunstgeschosss der modernen „Wissenschaft und Aufklärung" werden nimmer den Felsen der Kirche wankend machen. Auch heute noch behält der Satz seine Wahrheit: „Nur der Thor spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott," und jene Geistesheroen sind nicht zu entschuldigen, welche in dem Wunderbar: des Universums den allmächtigen Baumeister nicht finden wollen. Freilich, wenn jene Tollhüusler von Philosophen recht hätten, welche ihre eigenen Grundsätze im praktischen Leben bei jedem Schritte, den sie machen, verleugnen müssen, welche nur das als real gelten lassen, was man greifen und wägen kann, oder gar in ihrem Hyperkriticismus alle objective Erkenntniß hinwcgdisputiren und schließlich beim vollen Nihilismus angelangen, wobei auch der Kritikus selbst in Dunst und Nebel aufgeht, da liegt es allerdings nahe, die unwägbare Voraussetzung aller Phänomene einfach zu negiren, obwohl andrerseits nicht zu ersehen ist, worauf sich denn das eine Welt scheinende Nichts stützen soll, wenn nicht ein erstes, höchstes Wesen oder Urphänomen ponirt wird. Aber was hat denn die Natur- forschung und exakte Wissenschaft entdeckt, wodurch Gott, die einzige Stütze aller Wahrheit und Wirklichkeit, überflüssig geworden wäre? Im Gegentheil, alles, was Astro- Veitii, Itibl. LIpb. IV. 66: sivs gnoä typis exeusLs nou i'usriiw, sivs guoä per bellieas illormu iemporuw iurdcrs mtenverint. nomie, Physik, Chemie, Pflanzen- und Tierkunde, Geologie und Physiologie u. s. w. zu Tage gefördert haben, ist im Grunde genommen nur ein großartiger Commentar zu dem Ausruf des Psalmisten: „Die Himmel verkünden die Ehre Gottes, und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament." Mit aller Entschiedenheit muß darum die Behauptung zurückgewiesen werden, als ob die herkömmlichen Beweise für das Dasein GotteS nicht vollkommen stichhaltig seien oder der vollen Stringenz und Evidenz entbehren. S o wahr das Causalitätsgesetz unumschränkte, ganz ausnahmslose Allgemeingiltigkeit im gesammten Reiche des Werdens uud Wirkens besitzt, so wahr und sicher eignet den auf dieses metaphysische Princip aufgebauten Gottesbeweisen die unerschütterlichste Gewißheit, welche weder durch kantische Antinomien noch durch minder berühmte Paralogismen wankend gemacht wird. Wie der Topf nicht ohne Töpfer, der Tisch nicht ohne Tischler entsteht, so ist Leben nicht vom Schlamme und die unendlich verwickelte Weltordnung und -Harmonie nicht durch Zufall aus dem Chaos erwachsen, abgesehen davon, daß auch der Weltstoff in keinem seiner Theile die Absolutheit und Allgenugsamkeit bekundet, welche gewisse „Denker" ihm vindiciren möchten. Ist etwa die Pracht eines herrlichen Frühlingsmorgens oder die Majestät des Sternen- himmels als Produkt der Evolution und zufälligen Anpassung begreiflicher, denn als Werk einer allmächtigen, allweisen Intelligenz? Soll der Schleim des Meeresgrundes der Vater des Menschengeistcs sein? Diese auf das Causalitätspriucip gründende Gewißheit und Evidenz ist es auch unzweifelhaft, die das Vati- canum andeutet mit den Worten: Li czuis Üixsrit, vaum uinrrn ei vermin, Lreatorein 6b Oowiirrun uostwum, per 6a, Huus flrota surrt, rratuirrli ratrvrirs luurins osrto oogrrosoi rrou xvsso, airatlrarrra sit. Es ist uns darum unerfindlich, wie der 6. 6-.-Cor- respondeut Zu dem Einfall kommt: „Wohl spricht das vatikanische Concil von einer Erkennbarkeit Gottes, nicht aber von einer Beweisbarkeit." Er behauptet zunächst mehr als zulässig ist; denn wenn von Erkennbarkeit im Gegensatz zur Beweisbarkeit die Rede ist, so kann nur etwas gemeint sein, was durch unmittelbare Perception evident ist; von Gott gibt es aber natürlicherweise nur ein durch Schlußfolgerung aus anderer'. Thatsachen und Wahrheiten vermitteltes Erkennen. Andrerseits aber wird ein solches angeblich direktes Ersassen Gottes als so minder- werthig taxirt, daß es weit hinter ein durch Beweis und Schluß gewonnenes zuverlässiges Wissen zurücktreten müßte. Das Vaticanum hat jedenfalls kein unmittelbares oder intuitives Schauen Gottes im Auge; es meint auch nicht ein Erfassen durch Abstraktion, wie wir die uns umgebende sinnliche Welt mit dem Verstände ergreifen; ebenso ist die von dem Urheber des besprochenen Artikels angedeutete innere Gotteserfahrung hier ausgeschlossen, welche nur bei besonders begnadigten Seelen vorkommt und nur snbjective Bedeutung hat; es bleibt demnach nur das durch Schlußfolgerung vermittelte Erkennen übrig, das allein in jenem aerto evZnosoi bezeichnet wird. Eben weil wir Gott nicht in seinem eigenen Sein, sondern in dem Resultate seiner schöpferischen Wirksamkeit als Urheber der vor uns ausgebreiteten Welt zu erreichen vermögen, ist unsere Gotteserkenntniß lückenhaft; wir sehen nicht sein Wesen, sondern können nur aus der Herrlichkeit seines Werkes und der ihm noth» wendig zukommenden Aseität seine Vollkommenheiten erschließen. Aus jeder Wirkung folgt ja mit Nothwendigkeit das Vorhandensein einer Ursache, deren Vollkommenheit mindestens der Größe der Wirkung entsprechen muß; denn wäre die Ursache geringer an Kraft als die Wirkung, so wäre dieses Mehr von Vollkommenheit in der Wirkung ursachlos, ein Ding der Unmöglichkeit. Aber ist auch unsere Kunde von dem höchsten Wesen unvollkommen, ein Stückwerk, so ist doch das relativ Wenige, das wir von ihm wissen, ein vollkommen gesichertes Wissen. Kennen wir Gott in seinem Sein und seinen Eigenschaften auch nicht mit jener unmittelbaren Evidenz und Klarheit wie etwa den algebraischen Satz: 2X2 — 4, so erfreut sich diese Erkenntniß doch jener Zuverlässigkeit und Festigkeit, welche jeder Folgerung aus zweifellos sicheren Principien und Prämissen eigen ist um so mehr, weil wir nicht bloß auf dem einen oder anderen Wege zu Gott emporgelangen, sondern auf zahlreichen Bahnen dieses Ziel mit gleicher Sicherheit erreichen. Der Bau unserer Gotteskunde ruht auf festen Quadern, auf unerschütterlichen Fundamenten, während der Atheismus sein Haus nicht einmal auf Sand bauen kann. Ein überzeugter Atheist ist überhaupt eine Unmöglichkeit; wenn auch ein überkritischer Skeptiker die Behauptung aufstellt, die Argumente für Gottes Dasein scheinen ihm nicht vollständig zwingend zu sein, so kann doch kein Mensch je etwa ausrufen: „Ich weiß es und habe es gefunden, daß ein Gott nicht existirt." Was nun den Charakter der Gewißheit anlangt, auf welcher die Evidenz der Gottesbeweise ruht, so ist diese Gewißheit eine metaphysische, soweit sich diese Beweise wie der kosmologische und Leleologische auf das Causalitätsprincip stützen. Schließt man aber von der Thatsache der Wunder und der in Erfüllung gegangenen Weissagungen auf Gott, dem allein eine solche absolute Macht über Natur und Geschichte eignet, so hängt in diesem Falle die Zuverlässigkeit des Schlusses allerdings von der Glaubwürdigkeit und Sicherheit der Zeugen ab; die hier erreichbare Gewißheit ist eine moralische; aber welche moralische Gewißheit! Welches historische Ereignis; ist besser bezeugt als das Faktum der Wunder? Christus selbst hat unzählige Wunder gewirkt; dasselbe thaten die Apostel und Heiligen in der Kraft Gottes; zu allen Zeiten wurde daS Wirken und Leben besonders begnadigter Personen durch Wunder verherrlicht. Bei manchen dieser Wundervorgänge waren Hunderte und Tausende als Zeugen zugegen; manche von diesen Zeugen haben ihr Zeugniß mit ihrem Blute besiegelt. Welch eine Frivolität gehört demnach dazu, die Möglichkeit eines Wunders zu leugnen! Mit demselben Recht kann ich die ganze Weltgeschichte als Lüge zurückweisen. Steht etwa die Existenz eines Han- nibal oder Cäsar sicherer fest als das Leben und die Thaten des Gottessohnes? Daraus ergibt sich, was von einer Aeußerung zu halten ist wie: „Wer in sich und seinem Schicksale keine Wunder erlebt hat, wird schwerlich an Wunder glauben." Dieselbe Gewißheit wie der Thatsache der Wunder steht auch der Thatsache der Offenbarung Gottes überhaupt zur Seite; durch Wnn'oer hat sich die Kirche als Gottes Werk bekundet und bestätigt. Kein Ereigniß der alten und neueren Geschichte erfreut sich auch nach seiner kritisch-wissenschaftlichen Seite hin einer festeren Basis als die Stiftung und der Bestand der katholischen Kirche. WaS dann der 6. O.-Correspondent mit der „ursprünglichen Gottesidee" meint, ist uns gleichfalls ein schwieriges Räthsel. Eine angeborene Gottesidee gibt es nicht, weil überhaupt keine angeborenen Ideen existiren. Soll etwa diese Idee noch der Nachhall der Uroffenbarung oder der durch Tradition von Geschlecht zu Geschlecht übermittelte Gottesgcdanke sein? Wenn letzteres nicht gemeint ist, so kann diese Gottesidee jedenfalls nur das Produkt jenes jedermann so naheliegenden Gedankenganges sein, der in den Beweisen für das Dasein Gottes gewöhnlich eingeschlagen wird. Was liegt denn dem Menschen näher, als bet allem, was er sieht, nach der Ursache zu fragen? Warum sollte er also nicht auch nach der letzten und höchsten Ursache fragen? Jene Funktion aber, welche unser O. 6l.-Corrcspondent der ursprünglichen Gottesidee zuweist, hat dieselbe ganz gewiß nicht. Aber wie kommt es dann, höre ich mir entgegen- rufen, daß trotz dieser Stringenz der Eottesbeweise so- vicle an Gott und seiner Kirche irre werden? Solchen Fragcrn möchte ich zunächst mit einer Gegenfrage antworten: Warum haben die Jsraelitcn, obwohl sie so große Thaten und Wunder Gottes erlebt hatten, trotzdem das goldene Kalb angebetet? Welch ein Abgrund von Leichtsinn und Bosheit des menschlichen Herzens offenbart sich in diesem Vorgang! Uebrigcns kommen auch noch andere Atomente hier in Betracht. Obwohl im allgemeinen der Gottesgedanke jedem Menschen so nahe liegt und sich förmlich aufdrängt, so ist doch ein tieferes Eindringen in diese Gedaukengänge mit einiger Schwierigkeit verbunden und nicht jedermanns Sache. Sodann kann man die Menschen nicht zwingen, ihren Geist auf solche Probleme zu richten und darin zu vertiefen. Auch bei der Erkenntniß der Wahrheit wie bei der Bethätigung jeder anderen Fähigkeit muß der Wille dabei sein. Soll ich einen Gegenstand sehen, so muß ich das Auge öffnen und ihm meine Aufmerksamkeit zuwenden. Nun aber geschieht es bekanntlich leider nur zu häufig, daß der ganz in die Sinnenwclt und in das materielle Treiben verstrickte und versenkte Mensch für die Dinge über ihm kein Auge mehr hat, daß die Osterglocken der Gottesgedanken von dem Sturme und Geschrei gemeiner Leidenschaften gänzlich übertönt werden. Und wenn man auch nicht gerade immer annehmen darf, daß die ordinärsten Götzen wie Venus, Bacchus, das goldene Kalb den Weg zu Gott verlegt und den Ausblick nach der Höhe versperrt haben, wie oft ist es besonders bei Professoren und Gelehrten der Hochmuth, die Selbstvergötterung, der Hang zu schrankenloser Freiheit und Ungebundenheit im Denken und Handeln, welcher die Geistesklarheit trübt und die Welt in falscher Beleuchtung erscheinen läßt! Oft genug auch gesellt sich dann zur Sünde des Geistes die alles Hohe und Ideale verheerende Sünde des Fleisches und zieht mit Bleigewicht die Schwingen des Geistes von den lichten, erhabenen Gottesideen zur Gemeinheit nieder. Das mögen im allgemeinen die Hemmnisse sein, welche vielen den Ausblick zum Weltenschöpfer versperren oder widerwärtig erscheinen lassen; im einzelnen bei jedem Apostaten den Grad der Verschuldung festzustellen, ist Sache dessen, welcher Herzen und Nieren durchforscht. Jedenfalls aber werden dabei jene nicht am besten wegkommen, welche, nicht zufrieden mit der Oede und Verzweiflung im eigenen Herzen, dieses Gift auch in möglichst viele andere Seelen auszugießen bemüht sind. » » » * Wir haben vorstehenden Artikel vor der Drucklegung dem Verfasser des kritisirten Aufsatzes vorgelegt, welcher uns um Aufnahme des Folgenden ersucht: Erwiderung. Von der obigen Antikritik habe ich nur mit großem Bedauern Kenntniß genommen. Ich hätte nicht geglaubt, daß meine wohlgemeinten Ausführungen, die nur im Interesse der Wahrheit und wissenschaftlichen Objektivität geschrieben worden sind, so vielfachen Mißverständnissen begegnen würden. Es mag ja sein, daß ich selbst ein wenig daran schuld bin, da ich die Stringenz der Gottesbeweise mehr einschränkte oder einzuschränken schien, als es nach der Lage der Dinge und nach meiner eigenen Ueberzeugung nöthig ist; denn man ist der Wirkung seiner Worte nie sicher. Aber schon der Umstand, daß meine Bemerkungen in einem tadellos katholischen Blatte standen, hätten zu einer günstigen Deutung führen sollen. Wenn ich Aergerniß gegeben haben sollte, Hut es mir leid; ärgern wollte ich niemand, sondern bielmehr beruhigen und aufklären. Beruhigen über die Lage der Dinge, die nun einmal Gott zugelassen hat und die wir mit Eifern und Schimpfen nicht ändern; aufklären und auf jenen Standpunkt stellen, der uns allein vor Anfechtungen sicher stellt und eine sichere Operationsbasis für den Apologeten bildet. Gerade das geringgeschätzte subjective, geistige Gebiet, das man so leicht preisgibt, wollte ich als den sichersten Ausgangspunkt darstellen. Daß meine Absicht gänzlich verkannt wurde, nehme ich mit Beschämung wahr, denn ich bin auch hier nicht ohne Mitschuld, da meine Ausführungen zu knapp und nicht gegen alle Mißdeutungen gewahrt worden sind. Ich ergreife die Gelegenheit dieser Widerlegung, um in aller Kürze anzudeuten, wohin meine Gedanken zielen. Im Wesen der Sache bin ich ja mit St. einverstanden, er hätte sich die meisten seiner Einwendungen sparen können, wenn er ruhig meinen Satz erwogen hätte, worin es heißt, ich gehe weiter als Kühn und seine Anhänger, ich „halte den Kausalitätsbeweis für sicher genug, um eine weitgehende objective Beweisbarkeit Gottes zu ermöglichen", nur müsse dieser Beweis vermittelst der unmittelbaren Gottesidee vollendet, bzw. ergänzt werden. Dieser Satz hätte sich mit leichter Mühe weiter ausführen lassen, aber ich wollte mich möglichst kurz fassen, um so mehr als ich im nächsten Hefte der Histor.-poltt. Blatter mich aus Anlaß einer Recension darüber aussprechcn werde. Warum hat der Antikritiker diesen Satz ganz übersehen? Wäre St., oder um seinen geschmackvollen Ausdruck zu wiederholten, der 8t.-Correspondent fachlich und objectiv geblieben, dann hätte er mit mir streiten können über den Begriff und den Umfang der Stringenz oder auch darüber, ob den Gottesbewcisen aus der Natur oder aus dem Geiste mehr Tragweite zukomme. St. mußte doch merken, daß ich die Stringenz in dem Sinn verstehe, wie sie mathematischen Lehrsätzen oder wenigstens durch die Sinne constatirbaren Thatsachen eigen ist, und wenn ich diese Stringenz bei den Glaubenswahrheiten nicht sehe, so ist das gewiß kein Verbrechen, daß man sich darüber zu erregen braucht. Mag St. von sich auch sagen, er glaube nicht bloß, sondern er wisse, daß es einen Gott gibt und daß Christus Gottessohn fei, so sicher, als daß es einen Cäsar gab, mag für ihn Glauben und Wissen gleich bedeutend sein, so wird man sich darüber nur freuen. Aber dann soll er Gott dafür danken und jene, welche Gottes Dasein als eine Voraussetzung des Denkens oder als ein Postulat der Vernunft hinstellen, geschweige die von einer ursprünglichen Gottesidee reden, nicht mit den Atheisten in einen Topf werfen, da sie doch weiter davon entfernt sind als jene, die immer im Buch der Natur blättern müssen, um sich an Gott zu erinnern. Es gibt allerdings Grade in der Zuversicht- lichkeit und Gewißheit, die einen sind behutsamer und weniger kategorisch, als die andern, aber wenn ich in meinen Aussagen vorsichtig bin und von hoher Wahrscheinlichkeit oder von glaubhafter Sicherheit oder gar von innerer Evidenz rede, will ich damit die Wahrheit nicht leugnen, die ein anderer sicher weiß oder zu wissen meint. Herr St. scheint diese Unterschiede nicht zu kennen, sonst hätte er nicht den Schein erweckt, als ob ich die gottesleugnerische Wissenschaft in Schutz nehmen wollte. Er erweckt den Schein! ist eigentlich zu milde gesagt, denn er sagt klar und ausdrücklich, ich erwecke den Eindruck, als sei es mit der Begründung des Glaubens schlecht bestellt, so daß man ihn mit gutem Grunde als bloße subjective Anschauungen bei Seite sehen könne. Diese Aussage stützt St. auf einen aus dem Zusammenhang gerissenen und nicht einmal objectiv richtig wiedergegebenen Satz, der im folgenden Zusammenhang theils widerlegt, theils wenigstens stark eingeschränkt wird. Warum hat St. in diesem Satz wohl das klebrige, nicht aber den entscheidenden Beisatz „nach ihrer Ansicht" unterstrichen und warum fügt er bei „nur sicher Beweisbares" ein Fragezeichen bei, da ich doch selbst unmittelbar nach jenem Satz die Exaktheit der positiven und kritischen Wissenschaften anzweifle und mit einzelnen Beispielen widerlege? Einfach damit er leichten Herzens behaupten kann, in meinem Satze sei Wahres und Falsches gemischt. Freilich ist Falsches gemischt, aber das ist ganz deutlich als Ansicht der exakten und kritischen Wissenschaften hingestellt und gibt bloß das wieder, was der Spcktator viel kategorischer erklärt hatte. Man gewinnt übcrhanpc den Eindruck, Herr St. habe nur den ansgehobenen Satz richtig gelesen und erwogen, das klebrige aber dnrch- flogcn. Er sah nur noch, daß ich vou einer ursprünglichen Goltesidce spreche, aber meine Erklärung derselben cxistirt nicht sür ihm; auch der gesperrt gedruckte Satz: „wer ... keine Wunder erlebt hat rc. 7c." entging ihm nicht, aber ohne auf den nähern und entfernteren Zusammenhang zu achten, deutet er ihn im alleruugünstigsten Sinne und bringt beinahe das Gegentheil heraus von dem, was ich meine. Daß das Schwergewicht (flz) meiner Ausführungen den Beweis der übernatürlichen Offenbarungen betrifft, bemerkte er nicht oder wollte eS nicht bemerke», da er gleich im Eingang nur meine Anfechtung der Gotteöbemejsc unterstreicht und sich dadurch allerdings die Arbeit wesentlich erleichtert. Ich hatte aber schon bei meinen Bemerkungen über den GottesbcwciS weniger die Welinrsache im Auge, welche weniger Schwierigkeit macht und deren Be- sireiinng eine Dummheit ist, als vielmehr den Offenbarnngs- gotr, den lebendigen Gott im Auge. Das habe ich freilich nicht hervorgehoben, brauchte eS aber auch nicht, da es sich um die Ausstellungen des SpcktatorS der Allgemeinen Zeitung handelte, der nur nebensächlich an die GottcSbcweise gedacht haben kann. Allem nach hat St. dessen Ausstellungen gar nicht beachtet, sonst könnte er die Absicht meines Aussatzes nicht so gründlich mißverstehen. Wenn ich die Stringenz der Gottesbeweise bemängelte, so wollte ich damit die Sicherheit des Gottesglaubens nicht antasten, im Gegentheil. Der Gottesglaube ist doch etwas so natürliches, etwas gewissermaßen Angeborenes, daß derjenige, der dieses Bewußtsein auslöscht, allerdings ein Thor und mehr als ein Thor, ein Dummkopf wird. Es kann sich also nur darum handeln, wie man Gott auffaßt und wie und auf welchem Wege man einen festen Begriff gewinnt, und in dieser Richtung bin ich allerdings mit den traditionellen Beweisen und Begriffs» 72 bildungen nicht ganz zufrieden. Die Gottesbeweise aus der Natur in der üblichen Form haben ja innerhalb gewisser Grenzen einen hohen Werth, aber sie richten sich zunächst bloß gegen den nackten Atheismus, beweisen nur eine mehr oder weniger bewußte Weltursache, außer wenn man verstohlene Anlehen bei der Psychologie*) macht, nicht aber die selbst-wirkliche Geistesmacht, den persönlichen Gott, der auch die sittlich-geistige Welt erschaffen hat und in ihr nicht bloß erscheint, den Gott der Offenbarung, der Wunder, des Gebetes. Die ausgedehnte denkende Weltsubstanz Spinoza's wird sowenig überwunden, wie das zweckvoll schaffende Unbewußte Hartmanns, gar nicht zu reden von dem idealistischen Monismus, der mehr und mehr sich aller nichtkatholifchen Forscher bemächtigt. Dieser Monismus, der den meisten Apologeten noch unbekannt ist und den ich hier nicht in Kürze skizziren kann, ist viel verbreiteter und viel gefährlicher, als man sich denkt. Unser schwerster Feind, den wir immer im Auge haben müssen, ist weniger der dumme Atheismus und theoretische Materialismus — der ist denkenden Leuten (sogar Häckel) doch viel zu fad und geistlos —, der eigentliche Feind ist der schillernde, gleißende Monismus und an dem prallen, wie ich übrigens schon oft wiederholte, die meisten Geschosse wirkungslos ab, die nach der herkömmlichen Methode gegen die Gottesleugner abgefeuert werden. Auch die obigen Expcktorationen werden einem modernen Pantheisten wohl höchstens einiges Lächeln abnöthigen, denn sie gehen neben das Ziel. Der einzige Apologet, der diese Sachlage einsieht und den modernen Gegnern auch gewachsen ist, ist, wenn ich wich nicht täusche, Schell, dessen „Grundwahrheiten des Christenthums" ich Herrn St. sehr empfehle. (Schluß folgt.) Münchner Anthropologische Gesellschaft. 8. Donnerstag den 20. Fcbr. Abends 7'/, Uhr hielt die Anthropologische Gesellschaft mit der Geozrapdischen und Co- lonial-Gescllschaft im Chemischen Hörsaal eine gemeinschaftliche Sitzung ab, in der Herr Oskar Neumann „über seine Reisen in Ost- und Central-Asrika" sprach. Der Sitzung wohnten die Kgl. Hoheiten Prinzessin Thcrese, Prinz Ludwig und Prinz Leopold mit zwei Söhnen bei. Neumann begann seine Reise von Sansibar, ging zunächst westwärts nach Jrangi und machte von hier einen Abstecher in das Gebiet der Ussagara. Er war der erste Europäer, der den Gurui-Berg bestieg. Dann zog er nordwärts und kam nach vielen Strapazen und Kämpfen an den Viktoria-See nach Uganda, wo er einige Zeit zum Zwecke wissenschaftlicher Excursioncn verweilte. Von da kehrte er auf dem gewöhnlichen Karawauenweg an die Küste zurück. Er war fast zwei Jahre uuterwcgs u»d bat eine große Sammlung von Thieren, darunter viele neue Arten, mitgebracht. Freitag den 21. Februar. Die gewöhnliche MouatSsitzung im KunstgewerbehauS eröffnete der Vorsitzende Pros. Dr. I. Ranke mit dem Danke an das Kgl. Ministerium des Acußeren, welches den wissenschaftlichen Expeditionen in ferne Länder großes Interesse entgegenbringt. Kaum war nämlich aus Südamerika die Nachricht angelangt, daß die von Herrn Dr. Herrmann Meyer aus Leipzig ausgerüstete Expedition zur Erforschung der »och unbekannten Quellflüsse des Schingu auf der Hochebene von Matto Grosso, an welcher sich auch Dr. Karl Rauke aus München, der Sohn des Vorsitzenden der Gesellschaft, bethciligt» von Indianern überfallen worden sei, als das Kgl. Ministerium aus eigener Initiative sofort an Ort und Stelle Erkundiaungcn einzog. Aus der eingehenden Nachricht des Konsuls in S. Ca- tharina ersieht man, daß die Expedition von Blumeuau in den Urwald des Staates S. Catharina vorgedrungen war und dort von den Bugre-Jndianern nachts überfallen wurde. Der Ucber- 7 --- *) Vgl. Güttler, Wissen und Glauben S. 73. fall verlief ohne jeden Schaden. Die Expedition ging heute bereits wieder nach Nio Grande ab. Dann dankte der Vorsitzende noch im Namen der Gesellschaft Herrn Lieutenant Storch, welcher eine Anzahl von Schädeln von Pare-Negern und Massai dem anthropologischen Institute zum Geschenke machte. Hierauf ertheilte er Herrn Gebeimratb l)r. v. Christ das Wort zu seinem Vortrage mit dem Titel: „Ueber die geschlechtlichen Verhältnisse im Alterthumme bei Griechen und Römern", woran sich eine kurze Diskussion schloß. Recensionen und Notizen. Das glänzend ausgestattete 7. Heft des Deutschen HauS- schatzeS bringt eine reizende Novelle von L. v. Neidegg: Ein Gegenüber, beginnt eine packende Erzählung von M. Herbert mit dem charakteristischen Titel: Die Rache der Jugend und bietet außerdem die wirklich humorvolle Humoreske: Felddienst bei Nacht von Joh. Roesberg. Der Roman von Karl May: Die Jagd aus den Millionendieb wird fortgesetzt. Von den belehrenden Artikeln des Heftes heben wir die folgenden hervor: Ein Besuch aus der Mccrc-burg von Max Kraß, die kleinen Religionen von Paris von Dr. I. M. Höhler, der dritte Band der Pastorschen Papstgcschichte von Karl Hoebcr, der Bund Tirols mit dem göttlichen Herzen Jesu von Franz Peters, das Ohr und der Gehörsinn von Jos. Dackweiler, Aushebung der Undurchsicktigkeit? (Die Entdeckung des Nontgen'schm Lichtes.) Die zahlreichen kleineren Artikel und Notizen zu erwähnen, verbietet uns der Raum. Studien undMitthcilungen aus dem Bencdictiner- und Cistcrcieuser-Orden. XVI. Jahrgang 1895. Preis pr. Jahrg. (4 Hefte ca. 40 Bogen) M. 8 — 4 fl. Nur zu beziehen durch die Administration genannter Zeitschrift im Stift Naigcrn bei Brunn (Oesterreich). JuhaltS-Verzeichniß des IV. Hefteö 1895. Abhandlungen: Leistle, Dr. David (Dillingcn): Wissenschaftliche und künstlerische Strcbiamkeit im Sr. Magnusstiste zu Füssen (II.) Wintera, 8. Laur. (0. 6. 8. Brauuau): Eine Stätte alter Bcuediktiuercultur (Kloster Säzava in Böhmen). Ncnz, G. A. (Regensburg): Beiträge zur Geschichte der Scboltcnabtci St. Jacob und des Priorates Weih St. Peter (0. 8. 8.) in RegcnSburg. (IV.) Vielhaber, 8. Gottfried (Orä. l?raem., Scklägl): Eine Admontcr Rotel vom Jahre 1390. Lerlisre, 8. UrLmar (0. 8. 8. MaredsouS): VisitationSreccsse des Bcncdiktinerklosterö St. Trond a. d. I. 1252 und Statuten des CarvinalS Hugo von St. Sabina. Grilln berger, vr. Otto (0. 6ist., Wtlhering): Kleinere Quellen und Forschungen zur Geschichte des Cistercienser- Ordcns (VI.) — Mittheilungen: Weikert, v. Thomas Ag. (0. 8. 8. von St. Meinrad, Am.): Meine Orientreise (I.) Breitschopf, 8. Robert (0. 8. 8., Altenburg): Zur Wahl Caspar Hofmanns zum Abte von Melk (1587). Ptaine, I. Beda (0. 8. 8., Silos): Os 1'anthsnticits äs la, wission äs 8. Llaur eu Kranes. W. I., 8. (0. 8. 8. von Ad.): Zur Geschichte der Bücherccnsur in Oesterreich. Breitschopf, Ueber das Formulare bei der Abtweibe. Endl» 8. Friedrich (0. 8. 8., Altenburg): Paul Troger. ein Künstler der Barockzeit. (II.) Clauß, Jos. M. B. (Herbitzhcim): Beiträge zur Bau und Kunstgeschichte der Klöster (III.) — Neueste Benediktiner- und Cistercienser-Literatur u. s. w. Literarischcr Haudweiser, begründet, herausgegeben und redigirt von Msgr. Or. Franz HülSkamp in Münster. 24 Nrn. ä 2 Bogen Hochquart für 4 M. P. Jahr. 1895. Nr. 22. Inhalt. Der III. Band von Pastor'S Papstgeschichte (Wurm). — Weitere kritische Referate über Heben streit und Kerschbaumer Fastenpredigten (Dcppe), Röhricht Rsg-ests. Lsgni Ilisrosolz-ivitani und Röhricht Die Deutschen im hl. Lande (Ehrhard), Brümmer Lexikon der deutschen Dichter, K. Fischer Kritische Strcifzüge und Ioft es Der Rattenfänger von Hamcln (HülSkamp), 8 urcs 111-iks ok 6arä. LlanninA (BelleSheim), W. Bäuinker Deutsches gcistl. Liederbuch des 15. Jahrh. (Kreiten), Sandberg er Orlando di Lasso 3. Theil (Bäumker), Krebs Passionsblumen u. St. Joscpbsbüchlein (Deppe). — 23 Notizen über Sckanz Alter des Menschengeschlechts, F. Schöningh'- schc Novitäten und verschiedene andere Nova (HülSkamp). — Zeitschristen-Jnhalt und Novitäten-Verzeichniß. Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. - Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg.