Christoph von Stadion, Bischof von Augsburg, und seine Stellung zur Reformation. (Schluß.) L. R. Ein sehr merkwürdiges und trauriges Jahr, in welchem die katholische Religion, wie es schien, aus Augsburg für immer auswandern sollte, war das Jahr 1537. Am 18. Januar hatte der Rath dem Bischof und Domcapitel eine Schrift zugestellt des Inhalts, daß die Messe und der katholische Gottesdienst, weil er erschrecklich sei gegen Gott, in der Stadt abgeschafft worden und niemand unter Strafe weder Messen noch Ceremonien mehr halten dürfe. Die Geistlichkeit wurde der bürgerlichen Obrigkeit unterworfen, alle Heiligenbilder aus den Kirchen fortgeschafft; der Klerus sollte sich den Gesetzen der Stadtobrigkcit fügen oder Augsburg verlassen. Wer sich dieser „christlichen, friedlichen und billigen Erkenntniß" nicht unterwerfen wolle, solle längstens binnen acht Tagen die Stadt mit Hab und Gut verlassen; wer aber dawider irgendwie schreibe, rede oder handle, er sei hohen oder niedern Standes, Geistlicher oder Weltlicher, der solle an Ehre, Leib und Gut ernstlich bestraft werden??) Dieses traurige Schicksal berichtete Stadion dem Papste Paul III. und bat ihn, er möchte ihm und seinem vertriebenen Klerus wenigstens Worte des Trostes schicken. Auch dem König Ferdinand schilderte er dieses empörende Unternehmen des Augsburger Senates??) Die Folge davon war, daß sich dieser zu rechtfertigen suchte und über die Geistlichen mit gemeinen Schmähungen und groben Verleumdungen herfiel?^) Daraufhin setzten der Bischof und das Domcapitel am 26. Februar dem Kaiser und den Ständen des Reiches die Vorgänge in einer in ruhigem und würdigem Ton abgefaßten Schrift auseinander. „Obwohl sich der Rath", heißt es darin, „auf dem Augsburger Reichstag ausdrücklich dazu verpflichtet habe, niemand vom katholischen Glauben zu drängen oder dessen Ausübung zu verhindern, so habe er doch den katholischen Gottesdienst abgeschafft und die Kirchen geplündert, die Bilder verwüstet, die Monumente und Grabmäler zerstört. Zur Rechtfertigung seines Verfahrens bringe der Rath die Beschuldigung vor, die Geistlichen seien Anbeter der Heiligen und Bilder, was jedoch widersinnig sei; denn niemand sei so thöricht, die Heiligen anzubeten, als ob sie die rechten Gnadenspender wären. Das jedoch hielten sie nicht für Unrecht, die Bilder der lieben Heiligen zu einer Erinnerung der christlichen Exempel, die sie uns vorgetragen haben, vorzustellen." Auf ähnliche ruhige Weise widerlegte der Bischof alle Beschuldigungen, die der Rath gegen den Klerus beim König vorgebracht. Nebenbei bestritt er aber auch den Augsburgern das Recht, vor der Entscheidung eines allgemeinen Concils die hl. Messe abzuschaffen oder sie auch nur in Sprache und Kleidung zu ändern, das heilige Abendmahl unter °2) Jansscn, Eesch. d. deutsch. Volkes. III. 338. - Braun, III. 302-305. -?) Braun, HI. 307 f. „Die katholische Geistlichkeit habe durch ausgebreitete falsche Gerüchte unter der Bürgerschaft Unruhe gestiftet, den Kaiser und einige Fürsten wider die Stadt übel berichtet, durch ihren unsittlichen Wandel den gemeinen Mann mir geärgert, die von den Kaisern und Königen erworbenen Freiheiten mißbraucht und derselben sich unwürdig gemacht, nbcrdicß der Stadt schon von vielen hundert Jahren her viele Widerwärtig- beiden Gestalten auszutheilen, es den Kranken überhaupt zu enthalten, und anderes??) Alle diese Argumente liefern den Beweis für die Richtigkeit der Behauptung Steichele's: „Der Ncichstags- abschied von Augsburg bildete für den Bischof die Norm des ferneren Verhaltens;" der Bischof ist nicht geneigt, dem Augsburger Rathe nachzugeben, nicht einmal in den Punkten, die er selbst als zulässig erachtet. Deßhalb möchte ich nicht ganz dem Urtheile Zapfs beistimmen: „Aus jenen Schreiben kann erkannt und der Beweis gezogen werden, daß der Bischof blos durch zeitliche Absichten, aber nicht aus Ueberzeugung, vom Bekenntniß der evangelischen Religion abgehalten und von seinem Kapitel zu dergleichen Unternehmungen gegen die Evangelischen angetrieben worden sei." ??) Denn der Bischof tritt nicht nur gegen die Punkte auf, die seine und des Domcapitels Rechte beeinträchtigen, was er übrigens der katholischen Kirche und seinem Domcapitel schuldig war, sondern er wendet sich auch gegen die Punkte, die seine Rechte nicht berührten, die sich aber gegen die althergebrachten Gebräuche der katholischen Kirche richteten, und vertheidigt dieselben ebenso wie jene. Nicht einmal daS räumt er den Augsburgern ein, was nach seiner Ueberzeugung zulässig gewesen wäre, eben weil es die katholische Kirche nicht gestattet hatte. Hütte der Bischof heimlich zur evangelischen Kirche gehalten, dann hätte er sich die Vertheidigung der katholischen nicht so sehr angelegen sein lassen, er hätte sich der Einführung des Lutherthums nicht so entschieden in den Weg gestellt. Ein günstiges Zeugniß über Christoph von Stadion stellt auch der päpstliche Nuntius Vergerio, den Papst Paul III. dem Bischof eigens in einem Schreiben empfohlen hatte, aus. So schreibt er am 16. Mai 1535 an den Geheimsccretür des Papstes Nicalcati, Christoph von Stadion sei ein guter Prälat nud Fürst; er werde ihn um seine Ansicht befragen, wie er sich gegen die meist protestantische und zwinglianische Umgebung desselben verhalten solle?^) Und über die Meinung Christophs über das abzuhaltende Concil berichtet der Nuntius aui 20. Mai 1535 an den König Ferdinand: „Der Bischof von Augsburg erschien mir als ein überaus kluger Mann und geübt im Handeln; derselbe glaubt, man dürfe das Concil nicht in einer deutschen Stadt abhalten, ebensowenig, als man Laien znr Abstimmung beiziehen solle, was allerdings der Wunsch der lutherischen Fürsten sei; denn in Folge der allzuweiten Verbreitung des Protestantismus hätte man einen Ueberfall des Volkes zu erwarten. Nur wenn der Papst zuvor einige augenscheinliche Mißbräuche in der katholischen Kirche abstellen wollte, dürfte man es wagen, das Concil in eine deutsche Stadt zu berufen." Darin stimmte ihm auch der Nuntius bei, der selbst vor Kurzem dem Papste diesen Rath gegeben hatte. Doch in einigen Punkten ging der Bischof zu weit, wie z. B. mit dem Vorschlag, der Papst solle den Laienkelch gewähren, die Fasten mildern und die Verbote unter Todsünde einschränken; denn soweit gehen keilen zugezogen und babe sich bedeutende Eingriffe in die Rechte derselben erlaubt". (Braun, III. 310). °b) Janssen, Gcsch. d. d. Volkes III. 339 f. — Brau», III. 3t1-327. °°) Zopf. Chr. v. St. S. 9l. Nuntiaturberichte auö Deutschland. I. Mth., k. Band, bearbeitet von Walter FriedenSburg (Gotha, 1892) Seite 38A ur. 151. 74 die Befugnisse des Papstes nicht, diese Punkte könnte nur ein Concil zugestehen. „Doch", entschuldigt ihn Vergerio, „ich glaube, daß der Bischof von heiligem Eifer dazu bewogen werde, weil ich sah, daß er sicherlich sehr für diese Angelegenheit begeistert war." Das Zeugniß Vergerio's ist nun allerdings nicht allzu beweiskräftig, da derselbe später selbst zum Protestantismus übertrat. Aber damals war er noch katholisch und kämpfte noch für die katholischen Interessen, und insofern können wir aus seinem Zeugniß entnehmen, daß auch Stadion ernstlich für das Wohl der alten Kirche eintrat und daß er mit jenen Zugeständnissen, von denen er freilich seit 1530 trotz ihrer Verwerflichkeit nicht mehr abstand, nur das Beste derselben im Auge hatte, in der Hoffnung, durch dieselben die Protestanten zur katholischen Religion zurückführen und so Friede und Einigkeit herbeiführen zu können. Sicherlich spricht auch sein Rath, das Concil nicht in einer deutschen Stadt abzuhalten, für ihn; denn wäre er protestantisch gesinnt gewesen, so hätte cS ihm ja erwünscht sein müssen, daß Luther den Sieg davontrage; und dies wäre in einer deutschen Stadt, wo die Protestanten ihren Einfluß auf das Concil hätten ausüben können, leichter möglich gewesen als anderSwo. Auch verwarf Christoph die Abstimmung der Laien beim Concil und nahm so dem Protestantismus einen großen Theil von Stimmen weg. Bedeutend ungünstiger jedoch lauten andere Berichte über Stadion, und nach diesen könnte man wirklich glauben, er sei durch und durch Anhänger Luthers gewesen. Er scheint nämlich bei jeder passenden Gelegenheit feine uns wohlbekannten Anträge zur Ausgleichung der Uneinigkeiten in Deutschland vorgebracht zu haben und für dieselben energisch eingetreten zn sein. Namentlich scheint er den Abendwahlkelch, die Priesterehe und die Muttersprache in der Liturgie verlangt zu haben, und diese Forderungen sind in der That dazu angethan, den Verdacht zu erregen, Christoph sei wirklich ein Begünstiger der Neuerer und ein Anhänger des Protestantismus wenigstens der Gesinnung nach gewesen. Die ungünstigen Berichte aber hierüber fallen um so schwerer ins Gewicht, als sie von tadellos katholischen Männern, von den ersten Vertheidigern der katholischen Kirche geschrieben sind. So äußert sich Held, Neichsvicekanzler und kaiserlicher Orator, im Jahre 1539 über Christoph, daß er sehr von Eras- mus angesteckt sei, namentlich im Punkte der Priester- ehe.^) Dasselbe beklagt auch Dr. Johann Eck in einem Briefe an Aleander mit den Worten: „Ich bedaure, daß der ausgezeichnete Fürst so viel in den Schriften des Erasmus gelesen hat, aus welchen man zwar großen sprachlichen Nutzen ziehen kann, die aber sehr verderblich für ein christliches Leben sind." Noch ungünstiger sind die Aussagen der päpstlichen Legaten über Stadion. In einem Berichte Morone's an den Cardinal Farnese vom 2. Juni 1540 heißt es: „Der Augsburger Bischof wird mehr als Lutheraner, denn als Katholik angesehen. Offen sagt er, man solle die Communion unter beiden Gestalten, die Priesterehe, die Abhaltung des Gottesdienstes in der gewöhnlichen, nämlich in der deutschen Sprache zugeben, obschon ich dieses gegen die Auctorität Ebb. 393 nr. 153. Nuntiaturberichte aus Deutschland, I. Abth., IV. Bd., pax. 389: susxieor, esso sxisooxuw LuAnstannm iokeotuw ab Lraswo, prassortim sugsr uuxtiis gaeer-lot.am. Ebd. xag. 582: voleo, oxtimnm xrinoigem (so. op. LvA.) tauta logässs ir> Lrnsmo, gnia, ex esus scrixEs xotost guw reäirs eisgautior Untz'ua, ssä uou wslior vita. des Apostolischen Stuhles und des Concils erklärte." E) In einem andern Schreiben vom 27. Juni 1540 meint Marone, man könne den Bischof unter diejenigen zählen, die sich offen Lutheraner nennen können. Und Servilst geht in einem Briefe an Farnese vom August 1540 noch weiter und behauptet, Christoph sei noch schlimmer als ein Lutheraner?°°) Es ist nun nicht zu leugnen, baß Christoph von Stadion in seinen Zugeständnissen zu weit ging, und der Umstand, daß er immer wieder für dieselben eintrat, mußte bei jenen Männern den begründeten Verdacht erregen, er sei selbst überzeugter Protestant. Doch wenn man sein sonstiges Verhalten betrachtet, dann muß man von ihm sagen, er war Katholik und ging in seinen Zugeständnissen nur deßhalb so weit, weil er glaubte, eins Einigung sei nur mehr auf diesem Wege möglich. Allerdings ist ein anderer Grund, warum er daran festhielt, auch der Umstand, daß er jene Ansichten von Erasmus überkommen hat; doch ist er deßhalb noch nicht ausgesprochener, überzeugter Anhänger der neuen Lehre. Uebrigens gesteht Marone selbst in einem Berichte an Farnese zu, daß sein Urtheil über den Bischof von Augsburg ein zu strenges gewesen sei. Er schreibt im Jahre 1542: „Der Bischof von Augsburg ist ein Mann von guten Geistesanlagen, mit reicher Erfahrung und mit mehr Gelehrsamkeit, als gewöhnlich bei den deutschen Bischöfen und Fürsten gefunden wird. Er hat sich bei mir entschuldigt, daß er von manchen und vielleicht auch in Nom für einen Lutheraner gehalten werde, was jedoch nicht der Fall sei, wenn es auch den Anschein gehabt habe; was er gethan, habe er nur um des Friedens willen für sein Vaterland gethan; er sei der Ansicht, der Verlust an Seelen wäre ein kleinerer, wenn man den Lutheranern in einigen Punkten, wie in der Ausspendung der Com- munion unter beiden Gestalten, nachsehen würde. Anders könne man das Volk nicht im Gehorsam erhalten.'"^) Wie wir soeben gesehen, ist es nicht gar leicht, Christoph von Stadion richtig zu beurtheilen; doch protestantisch gesinnt war er nach meiner auf Grund der vorausgehenden Darstellung gewonnenen Ansicht nicht, wenn ich ihn auch nicht einen stets entschiedenen Sohn der katholischen Kirche nennen möchte. Jedenfalls ist sein Anschluß, sein Vertrauen auf den freidenkerischen Eras- mus von Rotterdam zu tadeln; denn feit er sich an diesen Humanisten angeschlossen hatte, zeigte er auch seine große Nachgiebigkeit gegen die Protestanten, die auf ihn den Verdacht zog, als wäre er ihr Gesinnungsgenosse. Seit er sich des Erasmus Ansichten angeeignet, gehört er zu jener Mittelharter, die immer noch hoffte, eine Einigung mit den Protestanten herbeiführen zu können. Und an diesem Gedanken hielt er sich fest, da er seiner fried- Nuntiaturbericht Giovanni Morones vom deutschen KonigShosc 1539—1540, bearbeitet von Dr. Franz Dittrich. herausgegeben von der GörreSgesellschaft (Paderborn, 1892): 134, nr. 69. l") Ebd. xag. 177, nr. 96. Ebd. pax. 195, Beil. I: xiü ebs Imtbsrauo. lEinmor, Llau. Vat. nr. 06XXX1I, xag. 402: N vosoovo e buowo öi brisn ingsgno, äi inolta, esxerienM st il piü äotto ebs Äa tra i vssoovi xrineipi äi Cermania. 8. 8ignoris. elogo ibtta uns. exonsirtions ebs ä'o.Ionni ed korsö 8, Kowa si» teunto xsr Imtberano, il ods cüos non sussrs, bsnobs 8in stato öi Miors xsr Irr xaes äsila sua xatria, sd I>or ininors ästrimsnto äoli' anims ki äovessu eonosäsrs gualobs 6088 n Imtksrani onms ssssiniill eausa 1a eom- inunions snb ntragno, ssuna ta gnals von si possono oon- iLllors xoxnli in oküoio. 75 liebenden Natur am meisten entsprach. Bei dieser Partei der sogenannten Vermitilnngsthcologcn blieb er bis zu seinem Tode,^) der am 14. April 1543 zu Nürnberg erfolgte, als er auf dem dortigen Reichstage sich befand.^) Die Protestanten wußten diese seine Stellung zu würdigen und hielten sich an ihm fest, weil sie hoffen konnten, von ihm und seinen Gesinnungsgenossen die weitesten Zugeständnisse zu erhalten. Bucer meldet dem Landgrafen Philipp von Hessen noch im Januar 1540, daß der Bischof von Augsburg zu jenen geistlichen Fürsten zähle, welche zu einer Bergleichung geneigt seien.^) Daher kommt es, daß protestantischen Autoren Christoph von Stadion so sehr wegen seiner Friedensliebe und Nachgiebigkeit loben. Aber wie oft er auch darauf drang, daß den Lutheranern die weitesten Zugeständnisse gemacht würden, so erfüllte er doch immer treu seine Pflichten als katholischer Bischof und wich nie von dem erlaubten Wege ab. so daß man wohl mit Recht behaupten kann, Stadion blieb der katholischen Kirche treu bis zu seinem Tode. Die stringmLe Kraft der GotLesbeweise. Erwiderung. (Schluß.) Vielleicht wird St. einwenden, es handle sich nicht um die Bildung des Gottesbegriffes, sondern um die Stringenz des Gottesbeweises, aber er wird selbst wissen, wie enge das Daß und das Was bei Gott zusammenhängt. Essenz und Existenz fällt zusammen. Wenn ich daher, kein in jeder Hinsicht vollkommenes Wesen, Gott nicht bloß als Schöpfer der Natur, sondern als Herr des Geisterreichcs und der sittlichen Weltordnung, als den persönlichen Gott, mit dem man im Gebet verkehrt, Nachweisen kann, so ist der Gottcsbeweis mindestens in dem Sinne, wie ich ihn im Auge hatte, unvollständig und ermangelt der vollen Stringenz. Das ist keine Verschiebung des Streitpunktes. Verschoben hat St. die ganze Frage. Ich hatte die Erscheinung Gottes in der Natur und Geschichte zusammengefaßt, als ich die stringenie Beweisbarkeit dieser Erscheinung anfocht, St. aber sieht von der Geschichte und der geistig-sitttlichen Welt ab. Das Unglaublichste an Mißverstäudniß wird geleistet, wenn St. allen Ernstes die Sache so darstellt, als ob ich der angeführten Bestimmung des vatikanischen Concils über die natürliche Gotteserkenntniß meine angebliche Ansicht von der unmittelbaren Gotteskenntniß unterschiebe. Nicht bloß habe ich selbst die Annahme einer unmittelbaren Gotteserkenntniß, oder wie St. mit dem scholastischen Ausdruck sagt, einer unmittelbaren Perception deutlich abgewiesen, sondern es lag mir auch der Gedanke vollständig ferne, dem vatikanischen Concil ontologistische Anwandlungen zuzutrauen. Ein solcher Ignorant bin ich denn doch nicht, um die Absicht und Meinung des Concils so gründlich mißzuverstehen. Wenn ich die Erkennbarkeit der Beweisbarkeit entgegenstellte, so sah ich allerdings in der Erkennbarkeit ein weniger, aber „gering taxirt", wie St. meint, habe ich sie deßwegen nicht. Oder sollte daraus, daß ich leugne, man könne den Glauben stricte beweisen, folgen, ich taxire ihn gering? "°) Jansscn, III. 333. "°) Braun. III. 350. — Zapf, Chr. v. Stadion. S. 94. '") Briefwechsel Landgraf Philipps des Großmüthigen von Hessen mit Bucer. herausgegeben vcn Max Lenz; I. Theil (Leipzig, 1880) i>a§. 129, ur. 43. Gerade dasjenige, was man nach Ueberwindung vieler Zweifel uns Kämpfe sich endlich errungen hat, den Glauben und die Gnade, wird man um so höher schätzen, je weniger diese Güicr sich ohne weiteres von selbst verstehen. Wäre der Glaube so selbstverständlich, dann wäre er kein Verdienst mehr. Damit will ich nicht bestreiten, daß den Glaubens- wahrhciten, angefangen von Gottes Dasein bis zur Göttlichkeit der Kirche, ein hoher Grad von Evidenz eigen ist; nach der Ansicht vieler Dogmatiker sogar der höchstmögliche Grad, der alle andern Wahrscheinlichkeiten übertrifft, — es hat mich gewundert, daß St. nicht diese Evidenz gegen mich ins Feld führte. Aber diese Evidenz ist eine innere, geistige, sie ist, wenn ich mir den kühnen Ausdruck erlauben darf, eine subjcctive Gewißheit. Der Ausdruck „subjektiv" hat für viele einen schrecklichen Klang: was subjcctiv ist, scheint Herrn St. und andern unsicher und werthlos zu sein. Darum meint er wohl auch, ich taxire die Erkennbarkeit Gottes aus dem Geiste gering, weil die Erkenntniß Gottes nach meiner Ansicht subjcctiv sei, ja ich lasse den Christenglauben überhaupt bei Seite schieben, weil er eine bloße subjcctive Anschauung fei. Hier liegt allerdings der große Differenzpuukt zwischen St. und mir, und ich muß daher schon näher auf ihn eingehen. ES ist auch der Punkt, den mein angefochtener Aussatz zumeist im Auge hatte. Ich wollte das innere, wenn man will das subjective Kriterium ins Licht setzen. Um das dort Gesagte nun weiter zu ergänzen und gegen die aufgetauchten Mißverständnisse sicher zu stellen, muß ich etwas weiter ausholen und zwar in einem zweiten mehr sachlichen Artikel, der auch auf die Wunderfrage näher eingehen wird. Zunächst nur noch ein paar Kleinigkeietn. St., meint, ein Idealist stehe eigentlich mit sich selbst immer im Widerspruch, da er im Leben die Theorie verleugnen müsse. Aber so einfach ist die Sache doch nicht; das was man so gewöhnlich „Leben" oder noch kräftiger „praktisches Leben" nennt, bildet keinen Gegengrund sowenig, wie der „gemeine Menschenverstand". Der kommt bei jeder erkenntnißtheoretischen Studie gleich in Verwirrung. Der Vorwurf der Tollheit oder Narrheit vollends ist doch zu kategorisch. Wie leicht kann der „kritische Idealismus" den Spieß umdrehen und den „Dogmatismus" aus's Korn nehmen, ohne daß er deßhalb ungläubig zu fein brauchte, — hat St. das „Lob der Narrheit" von dem gläubigen ErasmuS noch nicht gelesen? Es gibt viele gläubige Idealisten, es sei nur der Oratorianer Malebranche und Berkeley genannt. Selbst Fenelon war angesteckt vom cartesianischen Idealismus. Vermuthlich hält St. alle Idealisten, vor allem den Hauptvertreter Kant, für Atheisten, da er sie alle unter die Thoren rechnet, die die hl. Schrift meint. War denn Kant ein Atheist? Oder war es Jacnht Hermes, Kühn? Daß St. in seinem Schlußpassus nur das wiederholt und nicht einmal vollständig wiederholt, was ich schon gesagt hatte — denn ich habe auf das wichtige Nietzsche-Symptom hingewiesen —, ist wohl aus einem Erinnerungsmangel zu erklären. Aber gefreut hat'S mich, daß er doch trotz seiner metaphysischen Sicherheit zur Moral seine Zuflucht nehmen mußte, um die Gottesleugnung zu erklären. Damit gibt er indirekt selbst zu, daß der Metaphysische Beweis in seinem Sinne nicht ganz ausreiche und daß mgn den Gott der Moral darüber 76 hinaus suchen mutz. Bei dem Schlußsatz habe ich mich vergeblich besonne», wer wohl so teuflisch sein könnte, daß er mit der Oede und Verzweiflung seines Herzens andere anstecken wollte; ich bezweifle, ob das auch nur Schopenhauer oder Voltaire beabsichtigte. Oder dachte St. an den Bibelspruch: „Wer die Erkenntnis; mehrt, der mehrt die Pein." Jede neue Erkenntniß bringt in die Seele neben dem Gefühl der Befriedigung eine gewisse Unruhe, reizt die Neugier weiter und der Zweifel ist der Schatten des ErkennenS. Daher ist vielen nichts unsympathischer, als eine neue Idee. Es sind jene, die längst abgeschlossen haben und gewissermaßen in ihrem Erkenntniß- kreis erstarrt sind. 6. 0. Der selige Luitpold zu Vreitvrmm. Von k. Emmeram Heindl 0. 8. L. (Schluß.) Ueber des Seligen Leben wissen die Andcchser und Diessencr Chronisten nur sehr Spärliches zu berichten. Nachdem die Andcchser Chronik von 1715 einen Leopold unter den Kindern Otto's II. von Wolfratshausen aufgeführt, fährt sie fort: „Vermuthlich aber ist dieser Leopold jener gewesen, welcher anjetzo Leupold insgemein genennet wird, und in freiwilliger Armuth, auch großer Frombkeit gelebt"; die Chronik von 1755 weiß noch, daß er viele heilige Orte besuchte und verehrte und zuletzt als Pilgrim nach Ellwang unweit der Burg Andechs kam. Dali' Abaco weiß von diesen Pilgerfahrten nichts, dagegen berichtet er, daß „Luitpold den Stand eines Eremiten erwählte und feine Klause zu Ellwangen, einem kleinen Dörflein unweit vom Ammersee, aufschlug und ein heiligmüßiges Leben da vollführte". Heiligmäßig, wie sein Leben, war auch sein Sterben, indem er laut Chronik von 1715 „endlich zu Ellwang unweit Andex in einem Vaurenhauß^) seinen seligen Geist aufgeben und zu Baybrnnn, wohin ihn wundcrthätiger Weiß^) zwei Ochsen geführt, begraben worden; allwo er noch biß heutigen Tag mit Wunderzeichen leuchtet". Etwas umständlicher erzählt fein Begräbniß Dall' Abaco im Jahre 1776 mit folgenden Worten: „Man findet von ihm aufgezeichnet, daß er nach seinem Tode, sowie er es bei Lebszeiten verlanget, auf einen gemeinen Karren von einem Paar Ochsen bespannet gelegt werden sollte, wie dann sein Leichnam ohne Lcit und Fuhrmann nach Braitbrunn gebracht und allda begraben wurde; leuchtet mit Zeichen und Gutthaten". Während es uach den Andcchser Chroniken den Anschein gewinnen könnte, als sei unser Selige am Ende seiner Pilgerfahrten nur zufällig zu Ellwang verschieden, erfahren wir also durch den Diessener Chronisten, daß er vielmehr längere Zeit vor seinem Hinscheiden als Klausner daselbst zugebracht habe. 23) Nun noch einiges Aktenmäßige über sein Grab „In einer schlechten Vaucrnhütte" sagt die Chronik von 1755. 22 ) „Zn allgemeiner Verwunderung" sagt die Chronik von 1755; einen Sterbetag oder -Datum findet man nirgends angegeben, auch nicht, wann sein Gedächtniß etwa zu feiern wäre. 22 ) Ein ganz ähnliche Legende lebt bekanntlich im Volk über den sel. Willibold, Grafen von Calw, dessen Leib zu Vertheiln in Württemberg ruht. Auch an den sel. Heinrich möchte ich erinnern, der nach der Legende, dem Geschlechte der Grafen von Andechs entsprossen, im 12. Jahrhundert als Einsiedler am Südcnde des Würmsccö lebte und der Wallfahrt St. Heinrich ihre» Ursprung gab; vergl. hiezu die Chronik von Beuerberg und dessen Verehrung beim Volke. Dillitzer ^) hat hierüber Folgendes: „In der Kirche zu Breitbrunn war früher ein Grab berühmt, welches dem seligen Luitpold (Leopold) angehören sollte, der der Sage nach ein frommer Pilger aus dem Geschlechte der Grafen von Andechs gewesen sein soll. Die vom heiligen Berg zurückkehrenden Wallfahrer nahmen häufig Erde von diesem Grabe mit sich nach Hause. 1740 wurde auf eingeholte Ordinariatsbewilligung im Beisein des Blaflus Marx, Pfarrers in Utting, als bischöflicher Commissür, des Georg Faber, Pfarrers zu Oberalting, und Petrus Ferrerius aus dem Kloster Polling als päpstlichen Notarius das Grab eröffnet, durchsucht und nichts gefunden; deßhalb wieder zugeworfen, womit sein Nuhm ein Ende hatte." Dieser Bericht ist zwar im Wesentlichen, doch nicht in allen Einzelheiten richtig; das Protokoll über die Eröffnung und Untersuchung des Grabes des seligen „Leypold" befindet sich im Höchendorfer Pfarrarchiv, und wir geben nachstehend seinen Hauptinhalt: „I. G. Faber, Pfarrer in Alting, ließ nach eingeholter Ordinariatsbewilligung in Gegenwart einer kirchlichen Commission das Grab des (dem Volksglauben nach heiligen) Leypold in Bayr- prun^b) am 4. August 1739 eröffnen und untersuchen. Diese Commission bestand aus dem Pfarrer Blastus Marx von Utting als vom Ordinariat delegirten Com- missär, dem apostolischen Notar Peter Forer Gries, Ca- noniker von Polling, und den beiden Zeugen Ferdinand Kellerzhofer, Dekan in Liessen, und Eusebius Amort, Dekan in Polling. Nach der Versicherung mehrerer Ortsbewohner wurde das Grab des seligen Leypold schon seit mehr als 50 Jahren vom Volk verehrt und Erde davon mit nach Hause genommen. Ueber dem in der Mitte des Kirchenschiffes befindlichen Grab war ein hölzernes, mit Sanderde gefülltes Monument errichtet mit der Inschrift: ,8. 1680*. Es wurden einige Neste von Gebeinen gefunden." Allem Anscheine uach war Pfarrer Faber von Oberalting, welchem Breitbrunn kurz vorher (1736) zur Pastoration übergeben worden war, die Seele dieses ganzen Vorgehens, welchem jedoch erst die Krone aufgesetzt wurde durch einen Erlaß des Patrimonialgerichtes Seefeld an das Pfarramt Höchendorf vom 2. Dezember 1826, worin angeordnet wurde, daß das Grab eingefüllt und dem Kirchenpflaster gleichgemacht werden solle, da die alte Volkssage durch eine Commission vor mehreren Jahren als unbegründet erwiesen worden sei. — Was eS nun mit dem seligen Luitpold und seinem Grabe in Wirklichkeit auf sich habe, scheint mir nichtsdestoweniger damit noch keineswegs außer allen Zweifel gesetzt und wird sich bei dem Mangel von authentischen Nachrichten aus älterer Zeit auch kaum jemals aufhellen lassen. Von wem rührten die gefundenen Gebeine her, und wo kamen sie hin? Darüber schweigt sich das Protokoll vollkommen aus. War das Ganze ein plump angelegter Schwindel? Aber wann, wie und durch wen hätte ein S. 24 ff. im karinwoao boiono; Uaäerns IH, 143; Iwitnvi, Uwtor. VV6Z8okont. I, 163; Sulzbachcr Kalender 1873, S. 49; Vsatrisck, Geschichte von Beuerberg. S. 77; Graf, Cbronik von SeeShaupt, S. 56 ff. — Im Leben der Heiligen finden wir auch fönst öfter die Erscheinung, daß Thiere ihnen Dienste leisten, so beim hl- Corbinian, der hl. Ecnovesa, der sel. Edigna u. a, >") Dillitzer Josef, der die bereits erwähnte Beschreibung des Capitels Oberalting hinterließ, starb am 13. Januar 1802 als Dekan und Pfarrer von Frieding. °2) Ungenaue Schreibweise statt Brayörunn (— Breit- bruun). solcher unter den Augen des Stiftes Diessen wohl in Scene gesetzt werden könnend Bemerkenswerth ist es immerhin, daß die Chronisten von Andechs und Diessen hierüber einhellig berichten, indem sie sich auf ihnen vorliegende ältere Aufzeichnungen berufen und 1715 sowie noch 1776 von „Wunderzeichen und Gutthaten" reden, durch die das Grab des Seligen geleuchtet habe. Auch ist nicht außer Acht zu lassen, daß wohl schon um jene Zeit, da die ebenerwähnte Untersuchungscommission zu Breitbrunn ihres Amtes waltete, jener berüchtigte, allen derartigen Aeußerungen der Volksandacht feindselige, einer falschen, rationalistischen Aufklärung huldigende Zeitgeist, selbst bis in die geistlichen Kreise hinein, sich zu regen begann, der den Greueln der Säkularisation den Weg bereitete. Schon oben haben wir übrigens die Vermuthung ausgesprochen, daß der ursprünglich in Breitbrunn beigesetzte Leib deS sei. Luitpold später exhumirt und in das Familiengrab nach Diessen übertragen oder auch bei einem feindlichen Einfalle^) zerstört worden sein könne. In der Ueberlieferung der Breitbrunner mag sich dann noch immer die Erinnerung von seinem Grabe daselbst erhalten haben, mit dessen Verehrung man fortgefahren, auch als sein Leichnam nicht wehr darin war. Immerhin bleibt es auffallend, daß noch heute die Breitbrunner es sich durchaus nicht nehmen lassen wollen, daß ihr Kirchlein einst wirklich den Leib des seligen Luitpold besessen habe; aber um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als der Zudrang zum Grabe enorme Dimensionen angenommen, hätten zwei Domherren von Augsburg den Leib des Seligen mit sich nach Augsburg fortgenommen; dortselbst sei er schön neugefaßt und an eine Kirche^) geschenkt worden, in der er sich noch befinde. Alle nach- herigen Bemühungen der Gemeinde, den hl. Leib wieder zurückzuerlangen, seien vergeblich gewesen. Soviel konnten wir aus den uns zu Gebote stehenden Quellen — vielleicht wäre in der kgl. Staatsbibliothek und den Archiven der Hauptstadt noch mehr zu finden — über den seligen Luitpold und sein Grab eruiren. Wir hoffen, damit einen bescheidenen Beitrag zur „Davaria saneta" geliefert zu haben, der um so eher auch ein allgemeineres Interesse beanspruchen dürfte, als unseres Wissens S. K. H. unser erhabener Prinzregent diesen Seligen als seinen Namenspatron verehrt. Die deutschen Kolonien in Siidrußland. Von I. E. Biller. (Schluß.) Bezüglich der Schule steht es in den deutschen Dörfern im allgemeinen gut, wenngleich fast während des ganzen Hochsommers der Unterricht eingestellt ist. In der neueren Zeit muß in den Schulen auch Russisch gelehrt werden, was früher nicht der Fall war. Und auch jetzt kann man noch manche Leute treffen, die fast kein Wort Russisch verstehen. Die katholischen Lehrer rekrutiren sich zu einem großen Theil aus denjenigen Zöglingen des bischöflichen Seminars in Saratow, welche nach Zurücklegung einiger Studienjahre sich nicht für den geistlichen Stand entscheiden konnten und darum aus dem Seminare wieder anstraten. Ein Geistlicher ver- °°) Etwa zur Zeit des SckwedeukriegeS; denn 1633 wurde daselbst vom Feinde auck ein Hof niedergebrannt. An welche? Dieser ganzen Ueberlieferung lkgt offenbar die Erinnerung an die bereits berichtete Untersuchung der kirchlichen Commission v. I. 1739 zu Grunde. sicherte mir, daß dieses sogar ein Glück für die Katholiken sei, weil sie dadurch entschieden katholische und auch unterrichtete Lehrer bekämen. Der Religion nach sind von den 945 deutschen Dörfern etwa 263 katholisch, so wenigstens finde ich im neuesten Odessaer Kalender „Hausfreund" angegeben. Die übrigen Dörfer sind weitaus zum größten Theil lutherisch; sodann finden sich auch viele Neformirte, Wiedertäufer, Mennoniten u. s. w. Die Katholiken stehen unter der Jurisdiktion des Tiraspoler Diöcesanbischofs, der aber nicht in seiner Titelstadt residiren darf, weil er hier wegen der größeren Nähe und der besseren Verkehrsbedingungen zu großen Einfluß auf die Katholiken gewinnen könnte, sondern in Saratow an der Wolga, schon nahe der sibirischen Grenze, seine Wohnung hat aufschlagen müssen. Die Zahl der gesammten deutschen Katholiken schätzt man auf ca. 225,000. Die Diöcese, welche zweimal so groß ist wie ganz Deutschland, zählt nur 158 Geistliche. Bei solchen Umständen ist es leicht erklärlich, daß die Pastoration theilweise eine ungeheuer schwierige ist. In die etwas entlegeneren Kolonieen kommt vielleicht alle 20 Jahre einmal ein Bischof zur Spendung der heiligen Firmung. Vermehrt werden die Schwierigkeiten der Seelsorge noch durch die bereits angedeutete mißgünstige Haltung der russischen Regierung. Zwar werden hier die Katholiken nicht so schlimm behandelt wie ihre Glaubensbrüder in Polen, einerseits, weil man doch die den deutschen Ansiedlern ertheilten Privilegien noch etwas respektiren will, und andrerseits, weil auch jene politischen Beweggründe hier nicht so sehr mitspielen, wie gegenüber den unglücklichen Polen. Aber es steht trotzdem noch traurig genug aus. In einem katholischen Dorfe sah ich eine alte, elende Banernhütte, die den dortigen Katholiken als Kirche dienen mußte: keine Sakristei, kein Thurm, keine Orgel, und das Innere bot in seiner grenzenlosen Armuth einen wahrhaft beweinenswerthen Anblick. Der Bau einer Kirche war den Katholiken direkt verboten worden; man kam nun um die Erlaubniß ein, wenigstens die äußerst baufällige Hütte etwas ausbessern zu dürfen, aber auch das wurde strengstens verboten, ja man kündigte sogar die Aufhebung der Pfarrei an; nun letzteres unterblieb vorläufig, und Dank der „Umsicht" der russischen Polizei konnte man doch im geheimen die größten Schäden der „Kirche" wieder ausbessern; doch ist die Pfarrei keinen Tag vor der Aufhebung sicher. Und warum das alles: weil man es versäumt hatte, dem maßgebenden russischen Bischof einige Tausend Rubel „zur besseren Würdigung der Sachlage" zu schicken. Ein weiteres Beispiel russischer Toleranz! In Odessa waren die Katholiken mit dem Bau einer schönen neuen Kirche beschäftigt, deren Thurm nach dem angefertigten Plane sogar höher werden sollte, als jener der russischen Kathedrale war. Und was geschah? Es wurde den Katholiken rundweg untersagt, den Thurm auszubauen. Es darf eben nichts Höheres geben, als die russische Ssobor I Die katholischen Geistlichen sind keinen Tag ihrer Freiheit sicher. Es sind schon oft Fälle vorgekommen, daß einer angeklagt wurde, er habe einen Russen Beichte gehört, oder er habe irgend einer katholischen Person, welche russische Kindererziehung versprochen hat, die Absolution verweigert, oder er habe gegen den Bau einer russischen Kirche agitirt u. s. w. Die Folge einer solchen. Anklage ist Bestrafung ohne vorhergehende Untersuchung, vielleicht sogar Verbannung nach Sibirien. Doch muß man den katholischen Geistlichen das Zeugniß ausstellen, daß sie im allgemeinen trotz all dieser so ungünstigen Verhältnisse mit Klugheit und Eifer ihre seelsorglichen Pflichten erfüllen. Die katholische Bevölkerung selbst ist sehr religiös gesinnt und besucht ziemlich fleißig den sonntäglichen Gottesdienst, der nach lateinischem Ritus abgehalten wird. Gepredigt wird in den deutschen Kirchen nur in deutscher Sprache, und auch die Kirchenlieder sind deutsch. Der Unterhalt des Pfarrers ruht vollständig auf den Schultern seiner Pfarrkinder. Nur in den älteren Pfarreien besitzt der Pfarrer noch Regierungsland; das ist aber auch das Einzige, was der Staat in dieser Beziehung leistet, oder besser, geleistet hat. Die Lebensweise der deutschen Ansiedler kann im allgemeinen nichts weniger als dürftig genannt werden. Ja ich muß gestehen, daß ich während meines dortigen Aufenthaltes eine Küche kennen gelernt habe, welche sich stolz mit unsern besten messen kann. Gewöhnliche Bauern sind hier oftmals ein Frühstück gewohnt, wie man es bei uns nur in bestsituirten Kreisen findet: Thee oder Kaffee, Schinken, Butter, Honig, Eier, Käse und vielleicht auch noch Kaviar! Daß die russische Theemaschine, der berühmte Samowar, in jedem deutschen Hause zu dem unentbehrlichsten Hausrathe gehört, brauche ich bloß anzudeuten. Der Thee muß ja fast die Getränke ersetzen; denn in dieser Beziehung sieht es im allgemeinen nicht gut aus: Schnaps (l), einheimischer Wem, der sich allerdings ganz gut trinken läßt, und dann noch ein Getränk, zu dessen Bezeichnung man leider das ehrliche deutsche Wort Bier mißbraucht; denn meistentheilS sind die dortigen russischen Biere unter aller Kritik. Das Wirthshausleben, wie es bei uns in Deutschland sich findet, fehlt in den Kolonieen vollständig; eS gibt nur eine Schnapsschcnke, und wer dorthin geht, gilt schon als etwas anrüchig. Das gesellschaftliche Leben wird aber in der Weise gepflegt, daß man sich gegenseitig Besuche macht und beim dampfenden Samowar mit Spiel oder Musik sich gemüthlich unterhält. Es hat früher allerdings Zeiten gegeben, wo die Sitten der Kolonisten nicht die besten waren, wo über Trunksucht u. s. w. sehr geklagt wurde. Einen großen Theil der Schuld daran trugen leider die schlechten polnischen Geistlichen, die in der ersten Zeit die Seelsorge in den deutschen Kolonieen ausgeübt, aber nur wenig segensreich gewirkt haben. Jetzt ist es gottlob unter den Deutschen wieder etwas besser bestellt. Besonders zu rühmen ist ihre fast patriarchalische Gastfreundschaft wie überhaupt ihre Freigebigkeit. Auch bethätigen sie einen regen Ge- meingeist und sind im Unglück voll Aufopferung für einander. Die alte deutsche Gemüthlichkeit, jene herrliche Charaktereigenschaft, die man eben nur bei Deutschen findet, hat sich hier in seltener Reinheit erhalten. Bei dem großen Fleiße und der außerordentlichen Strebsamkeit der Kolonisten findet man gar nicht selten Leute unter ihnen, die über alles Wissenswerthe der Neuzeit ganz vorzüglich unterrichtet sind, und besonders von den politischen Vorgängen in Deutschland wissen sie viel, mehr sogar als von den Vorkommnissen in Rußland. Das ist freilich auch leicht erklärlich. Einerseits hält sich ein großer Theil der Kolonisten deutsche Zeitungen und Zeitschriften; besonders häufig traf ich den „Deutschen HaMchgtz". „Alte und neue Welt" u. s. w. Andrerseits aber bringt von allen russischen Vorgängen die inländische Presse nur das, was die Regierung zu erlauben für gut findet, während die ausländischen Blätter unbarmherzig mißhandelt werden. Es ist eigentlich urkomisch zu sehen, in welchem Zustande die ausländischen Zeitungen dort ankommen, wenn irgend ein „gefährlicher" Artikel über Rußland oder russische Verhältnisse darin zu finden ist. Von der vorsichtigen russischen Censurbehörde wird er ängstlich mit schwarzer Lackfarbe vollständig überstrichen und dann erst dem Abonnenten zugestellt. Sogar russische Zeitungen werden nachträglich manchmal noch mit solchen „Illustrationen" versehen. In politischer Beziehung sind die Kolonisten durchaus loyale Staatsbürger, und es ist ihnen noch nie eingefallen, gegen die russische Regierung irgendwie zu in» triguiren. Sie fühlen und betragen sich als russische Unterthanen, als „Nußländer",-und sind voll aufrichtiger Anhänglichkeit an das russische Herrscherhaus, wie sie es schon des öftern in ganz außerordentlicher Weise bewiesen haben. Aber wenn sie sich auch mit Stolz „Nußländer" nennen, als „Russen" wollen sie nicht gelten. Zwar kann man eigentlich nicht recht von einem gespannten Verhältniß zwischen Deutschen und Russen sprechen, aber doch betrachtet man im allgemeinen die Russen nicht als gleichstehend. Eine treffende Illustration dafür ist die fast allgemeine Sitte, die Kinder mit dem Rufe zu schrecken: „Der Rufs' kommt". Daß mehrere Nationalitäten in Rußland beisnmmen- wohnen, finden die Kolonisten übrigens selbstverständlich, ja so selbstverständlich, daß ich oft schon ganz verwundert gefragt wurde: „Ja, gibt es denn in Deutschland keine Russen und keine Nussendörfer?" Es dürfte zum Schlüsse nicht überflüssig sein, nach den Ursachen zu forschen, welche das deutsche Wesen in Südrußland fortdauernd so lebendig erhalten haben. Einen Grund fand ich in dem Verhalten der Russen, die nur mit Neid auf die ihnen überlegenen Deutschen blicken und ihnen dieses Gefühl manchmal auch ziemlich deutlich merken lassen. Das wirkt nun hinwiederum auf die Deutschen und veranlaßt sie dazu, sich enger an einander zu schließen, was das deutsche Bewußtsein selbstverständlich noch mehr stärkt. Der weitaus wichtigste Grund aber ist darin zu suchen, daß die russische Regierung eine Mischehe nur unter der Bedingung der schismatischen Kindererziehung gestattet. Dadurch werden die Deutschen, Katholiken wie Protestanten, gezwungen, immer wieder nur Deutsche zu heirathen, und das ist erfahrungsgemäß das beste Mittel, um deutsches Wesen und deutsche Sitte unversehrt zu bewahren. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, daß da, wo einmal russisches Blut in die Familien gedrungen ist das Deutsch- thum in einem gewaltigen Rückgang sich befindet; ich habe da einen ganz bestimmten Fall im Auge, wo das Einheirathen von Russinnen den Späheraugen der Regierung allerdings entgangen ist, und darum auch nicht russische Kindererziehung besteht; aber die deutsche Sprache ist doch fast völlig verschwunden: man spricht russisch, man lebt und trägt sich russisch. — Was also die intolerante Staatsiegierung angeordnet hat als Nusfifi- cirungsmittel, das dient nun gerade im Gegentheil dazu, die fremdländischen Unterthanen in heimathlich-nationaler Gesinnung zu erhalten. Damit glaube ich nun eine ziemlich vollständige Schilderung von dem Leben und Treiben unserer fernen Stammesbruder an den Ufern des koutus Luxiuus ge- gehen zu haben. Möge nur das Deutschtum dort sich forterhalten, und mögen die Deutschen durch ihr ganzes Leben und Wirken kräftig dazu beitragen, das Ansehen der deutschen Nation auch weiterhin im slavischen Osten zu verbreiten I Recensionen nnd Notizen. Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Wien. Alfred Holder, k. k. Hof- nnd Uni- versitäts-Buchhäudler. Heft 25—38 Böhmen und Heft 12—17 Ungarn. I,. Die vorliegenden Hefte über Bobinen befassen sich mit der Schilderung der romanischen, sodann mit der Entwickelung der gothischen Architektur in Böhmen; anschließend hieran behandelt Dr. Chytil die Schilderung der Architektur-Entwickelung Böhmens in der Renaissance und Neuzeit. Zahlreiche Ansichten romanischer und gothischer Bauwerke, sowie Abbildungen von hervorragenden Baulichkeiten der folgenden Kunstperioden erläutern den Text. Diesen Schilderungen reiht sich würdig eine sehr interessante Arbeit aus der Feder des Professors August Sedlazck in Labor an, welche sich mit der Darstellung und Schilderung der Burgen. Schlösser und Besten Böbmcns, von der heidnischen Zeit an bis zu unseren Lagen, beschäftigt. Zahlreiche Typen solcher Bauten, landschaftlich und architektonisch durchgeführt, erscheinen im Bilde als Begleiter dcö Textes. Die folgenden Hefte umfassen eine Schilderung von Plastik und Malerei vorn Mittelaltcr bis zur Neuzeit, sowie eine solche der Kunstindustrie und Landwirthschaft Böhmens. Der Beschreibung der forstwirtbschaftlichen Verhältnisse schließt sich sachgemäß jene der Jagd von der berufenen Feder des Obcrforstmeistcrö Karl Hcirowsky an. Hier ist eine Abblilduug zu erwähnen, welche des allgemeinsten Interesses sicher sein darf: „Aufbruch zur Jagd auf Schloß Frauenberg", und stammt dieses Bild aus jener Zeit, als weiland Kronprinz Erzherzog Rudolf sich in Böhmen aufhielt und an den großen Jagden iheilnahm. Die weiteren Aufsätze über Bergbau und Hüttenwesen beanspruche» ein hohes Interesse, führt ja die Geschichte des böhmischen Bergbaues zurück zu uralten Zeiten. Seit dem letzten Viertel des ersten Jahrtausends nach Christus ist das Bestehen des böhmischen Bergbaues historisch außer Zweifel gestellt. — Die Eingangs bezeichneten Hefte über Ungarn bringen die allgemeine und spezielle Darstellung der Comitate Eisenburg, Qedeuburg, Wicselburg und Raab. Neben zahlreichen Landscbafts- und Architekturbildcrn sind namentlich sehr interessant die Stadt- ansichten von Grau, sowie bildliche Darstellungen aus den weltberühmten Gestüten von KiSbör und Bäbolua. Namentlich die Abhandlung über die alte Bischossstadt Gran nnd deren Umgebung von Körösy ist sehr dcikcnreich. Im letzten Hefte beginnt eine sehr klar geschriebene Schilderung des Wcißenbiirgcr ComitateS aus der Feder des chcinatigen ungarischen Ministerpräsidenten Alexander Wekerle. Zahlreiche Illustrationen von Kunstschätzen aus Gran sowie Landschafts- und Städtebilder zieren die vorliegenden Hefte und lassen dieselben sich gleich werthvoll an die bereits erschienenen anschließen. Jahresbericht der Herder'schen Verlagsbuchhandlung für 1895. * Dieser Bericht gibt einen Einblick in die umfassende Vcr- lags-Thätigkeit, welche die vornehmste kathol. Verlagsbuchhandlung im Jahre 1895 entwickelt hat. Leider hat die berühmte Firma diesem Bericht einen Nekrolog beifügen müssen, welcher ihrem hochverdienten Theilhaber Frz. Jos. Huttcr gilt. Oettingische Negesten. 1. Heft: 1110 — 1279. Bearb. von Dr. Georg Grupp, fürstl. Oettingen-Wallcrstcin. Bibliothekar. Nördlingen, Ncischle. Kl. 4°. 52 Seiten, geh. M. 1,50. Dr. ck. IV. Ansätze und Vorarbeiten zu einem solchen Werke sind von öttingischcn GescbichtSfreundcn und Historikern freilich schon crlicheinale gemacht worden. Allein erst die löbl. That G. Grupp's bedeutet den rechten, praktischen nnd methodischen Versuch, der einerseits in weitere Kreise verläsnge Nachrichten über das öttingischc Land und sein Tynastengeschlectit bringen kann und anderseits die unentbehrliche Grundlage für eine so lange schon rückständige Geschichte deö Nicsgan's und des vttingische» Fürstenhauses zu bieten vermag. Und diese reiche Geschichte darf nicht ungeschrieben bleiben. Darum ist das Unternehmen Grupp's, mögen auch einzelne, vorn allgemein üblichen Editionsiystem abweichende Eigenarten dieser Veröffentlichung manchem Fachmanne nicht zusagen, ein sehr verdienstvolles Beginnen und sollte beschleunigt und gefördert werden. _ Leben des heiligen Fidelis von Sigmaringen von k. Ferdinand von Scala, Orü. 6ap. Mainz, Franz Kirchheim. Mit 20 Abbildungen. Gebd. 4 M.» brosch. 3 M. Ein wechsclvollcs, farbenreiches Bild, das uns auf diesen Blättern entworfen wird. — Im Jahre 1577 zu Sigmaringen geboren, bezog der Heilige, über dessen erste Jugendschicksale wenig bekannt ist, nach Beendigung seiner humanistischen und philosophischen Vorbildung die Universität Frciburg i. Br., um die Rechte zu studiren, begleitete dann mehrere adelige junge Leute auf einer sechsjährigen Reise in die bedeutendsten Städte Europas und kehrte 1610 reich an Kenntnissen in die Heimath zurück. Ein Jahr darauf erhielt er die Doctorwürde beider Rechte und trat ein in die Advokatur, in der er sich sowohl das Vertrauen der österreichischen Regierung, als auch den Ebrentitel eines Advokaten der Armen erwarb. Aber schon bald erging an ihn ein höherer Ruf; er ließ sich umnehmen in den Kapuzinerorden, in dem er als Prediger, Bcickcvatcr und Oberer an den verschiedensten Orten wirkte. Ein Muster der Armulb und Demuth, zog er mächtig durch seine Predigten an, wirkte Wunder von Bekehrungen, führte zahllose Calviuisicn zurück in den Schooß der Kirche und pflegte zur Zeit der Pest die Kranken mit einer Aufopferung, die ihm die allgemeinste Achtung gewann Als dann Oesterreich im Jahre 1621 das von Neligionsbaß und Partciwnth zerrissene Vcltlin und andere Theile von Graubünden besetzte, und der katholischen Religion dort wieder aufhelfen wollte, wurde Fidelis zum Präsekten der neu errichteten rhäiiscbcn Mission bestellt. Allein seine dornenvolle Thätigkeit dauerte nicht lange; kaum ein halbes Jahr hatte er gegen den Irrthum durch die Macht seines Wortes und seiucr katholischen Ueberzeugung gckänipst, da fiel er unter dc» Streichen fanatischer Calvinisten als Märtyrer auf dem Felde der Ehre. Benedikt XIV. nahm ihn auf in die Zahl der Heiligen. — Das ist in wenig Worten der Inhalt des reich illusirirten Buches, das LebcnSmlv dieses ächten Kapuziners mit seinem lieben, treuen Wesen; als eine herrliche Lichtgestalt hebt er sich ab von dem düsteren Hintergrund des 17. Jahr- bundertS. Die Schilderung, die der Verfasser bietet, ist frisch, lebendig, von reicher Poesie durchhaucht, dabei aber nach Quellen bearbeitet sorgfältig und genau. Keiner wird sie lese» ohne Genuß und Erbauung. „Freu' DichI" Eine Auswahl geistlicher Gesänge. Mit bischöflicher Gcucbmigung. 8° 156 Seiten. Selbstverlag bei I)r. M. Tratter, Benef. in Bozcn (Tirol). Preis Mk. 1.—. Zu beziehen durch die Buchhandlungen oder direkt vom Commissiousvcrlag Joh. Falk III. Söhne in Mainz. Der Inhalt dieses Werkes zeichnet sich durch große Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit aus, indem für Advent 13 Nummern, Weihnachtszeit 18, Namen Jesu 14, Fasten 28, Ostern 17, Bittwocke 6. Christi Himmelfahrt 6, Pfingsten 16, Dreifaltigkeit 6, Fronleichnam 24, Herz Jesu 6, Mutter GoiteS 46 rc. Vorhände» sind, wobei nur in wenigen Fällen dieselbe Melodie zu mcbr als cinem Liedcrtext gehört. ES begegnen unS vor allem jene ehrwürdigen Gesänge, an deren Kraft und Innigkeit sich schon vor'Jahrhunderteu unsere Vorfahren erbauten. „AnS praktischen Gründe» schien es dem Vcriasser aber nöthig, den kostbaren Perlen alter Dich-tkunst auch neue Lieder beizu- geben." In der Fassung des Textes wie der Melcdieen, welch letztere aus guten Gründen in Choralnotcnschrist aus Vierlimen- systcm wiedergegeben sind, ist mit peinlicher Sorgfalt verfahren worden. Musterhaft ist die Ausstattung, was Papier, Tcxt- und Notendruck betrifft, vortrefflich die Einrichtung, daß man bei keiner der 232 Nummern jemals das Blatt zu wenden braucht, also Text und Melodie immer aus Einer Fläche vor vor sich hat. Daß solches nicht aus Kosten der Handlichkeit erreicht wurde, sei noch besonders lobend bervorgehobeu, sowie auch, daß der Preis von 1 Mk. sehr niedrig ist. rv. Professor vi. Chr. Wilh. Hnfelands Makro- biotik oder Die Kunst, daö menschliche Leben zu verlängern, erschien jüngst in einer sehr gut ausgestatteten, von Dr. weil. Alfred Manry bearbeiteten Volksausgabe im Verlage von Hugo Steinitz in Berlin. Daö berühmte Buch des ehemaligen Leibarztes der preußischen Königsiamilie gibt die wesentlichsten Mittel an, die Gesundheit zu erhalten, die erschütterte herzustellen nnd Krankheiten zu beseitigen. Daß die 80 Rathschläge deS groben nnb berühmten Arztes, der selbst ein sehr hohes Alter erreichte, in tausend und abertausend Fällen die segensreichsten Früchte getragen haben, ist bekannt; eS thut sicherlich jedem bessere Dienste als die vielen Geheimmittcl, die jetzt angepriesen werden. Der Preis des 232 Seiten starken Buches ist außerordentlich billig, er beträgt 1 Mk. 50 Ps. Bibliothek der gestimmten Natnrhcilknnde. Bd. IX. Die Naturheil Methode bei Hämorrhoidal- lei den von Dr. Carl Reiß. Berlin, H. Steinitz Verlag. 1 Mk. Die Hämorrhcidcn, dieses verbreitetste und lästigste Uebel der Menschheit, welches meist hervorgerufen ist durch eine den natürlichen Erfordernissen des Körpers nicht entsprechende Lebensweise, können nicht anders beseitigt werden, als durch vernunftgemäße Lebensführung, durch ausgiebigste Verwendung der natürlichen Hcilfaktoren. Von dieser einzig richtigen Anschauung ausgehend ist der vorliegende Band geschrieben, der, was die erschöpfende Darstellung, die Eleganz der Diktion, die Klarheit des Stils anbelangt, vollkommen aus der Höhe der vorausgegangenen Bände steht und volle Beachtung verdient. .Katholische Flugschriften zur Wehr und Lehr." Preis pro Nummer 10 Pf. Verlag der „Germania" in Berlin. Nr. 95/96. Wilhelm Emanuel Frhr. v. Ketteler, der Lehrer und Vorkämpfer der katholisch-socialen Bestrebungen. Von Joh. Wenzel, Mitglied des Reichstages. — Nr. 97. Darwinismus und Socialdemokratie oder Haeckel und der Umsturz. — Nr. 98/99. Ein Blick in die Re- ductionen von Paraguay. — Nr. 100. Ketteler, Die wissenschaftliche Behandlung der socialen Frage. Von Joh. Wenzel. — Nr. 101. Warum ich katholisch geworden bin? Offener Brief des früheren lutherischen Pastors Jenseit an seine Freunde in der dänischen Landeskirche. — Alle Hcft- chcn, ausschließlich von anerkannt tüchtigen Verfassern geschrieben, verdienen die weiteste Verbreitung. Literarische Rundschau sür das katholische Deutschland. Herausgegeben von vr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freiburg i. Br. 22. Jahrg. 1896. 12 Nummern. M. 9. — Freiburg im Breisgau, Herder'fche Vcr- lagShaudluug. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 1: Neuere philosophische Literatur. (Draig.) — Bardenhewer, Der Name Maria. (Nottmanuer.) — Stiglmayr, Das Aufkommen der Pscudo-DionysifchcnSchriften rc. (Bardenhewer.) — Lingcns, Die innere Schönheit des Christenthums. (Schanz.) — Gutberlet, Lehrbuch der Apologetik. (Schill.) — Ldort, Lidliotlwoa llüomistiea. (Dörholt.) — Bürger, Unterweisungen über die christliche Vollkommenheit. (Pruner.) — Mayer, Die krokossio reli^iosa, im kanonischen, gemeinen und geltenden deutschen Neichsrcchte. (Kihn.) — Walter, Das Eigenthum nach der Lehre des hl. TbomaS rc. (Atzbcrger.) — kottliast, LibliotLeoa, Historie». meüii aevi. (Falk.) — Aus dem Leben Unserer Lieben Frau. (Krieg.) — Weiß-Kreiten, Ein moderner Todtcntanz. (Krieg.) — Verschiedene Ncproduc- tionen älterer Kunstschöpfungen. (Krieg.) — Zingcler-Laur, Die Bau- und Kunstdenkmälcr in den Hobcnzollcrnschen Landen. (Keppler.) — Sickenberger, Deutsche Geschichte sür Schule und Hans. (Macke.) — Wychgram, Schiller. (Egen.) — Nachrichten. — Büchcrtisch. _ Linzer theok.-praktische Quartalschrift. Jahrgang 1896. Expedition: Linz, Stiftcrsiraße Nr. 7. Hreiö pr. Jahr 7 M. Inhalt des 1. Heftes u. A.: Die Erneuerung der Gesellschaft. Von I?. A. M. Weiß 0. vr. — Praktische Bemerkungen über das Veichtvateramt und dessen Verwaltung. Von Dr. Jakob Schmitt, Domcapitular zu Freiburg (Baden). — Der Beruf zum Priesterthum. Von Professor Auzustin Lehm- kubl 8. i. in Exaeten (Holland). — Schrift und Schriftlescn. Von k. Hilarin 0. Lax., Lector in Freiburg (Schweiz). — Der Begriff des Gelübdes. Von vr. Ph. Huppert, Ncctor in BcnSheim (Hessen). — Die kirchlichen Benedictionen in ihren Wirkungen gegen Krankheiten. Von v. Ludwig Keller Orcl. List., Prior in Marienstatt (Nassau). — Das Geburtsjahr Jesu Christi. Von ?. Michael Hetze nancr 0. 6ax>., Lector der hl. Schrift in Innsbruck. — Das päpstliche Dccret -tzuem- aämoäum omuium« bezüglich der öfteren Commuuion. Von v. Max Hub er 8. I., PriesterhauS-Director in Klagensurt. — Waffen im Kampfe gegen den Socialismus. Von Joh. Lang- thaler, reg. Chorherr und StistSbosmeistcr in St. Florian. — Pastoral-Fragen und-Fälle, u. A.: Oeoasio proxima. Von v. Augustin Lebmkuhl 8. I. in Exaeten (Holland). Impeäi- insntmiu amsutiae oder erroris? Von vr. Heinrich Kihn, llniversitätSprofcssor in Würzburg (Bayern). Meßstipeudien. Von vr. Fr. A. G oepfert, Univ.-Prof. in Würzburg. Mißbrauch der Ecncralbeicht von Seite der weiblichen Pönitenten. Von vr. Jos. Nig lutsch, Professor in Tricnt (Tirol). Con- scssion der Kinder aus gemischten Ehen nach dem Tode des VaterS. Von Augustin Arndt 8. I., Pros. in Krakau. Wie kaun der Mechanismus beim äußeren Gottesdienste beseitigt werden. Von v. Bernb. Schmid 0.8. V. in Scbcyern (Bayern). — Literatur. — Entscheidungen und Bestimmungen der röm- Kongregationen. Zusammengestellt von v. Bruno AlberS 0. 8. v. in Beuron. — Neueste Bewilligungen oder Entscheidungen in Sacken der Ablässe. Von k. Franz Beriuger 8.1., Consnltor in Rom. — Kirchliche Zeitläufte. Von Professor Vr. M. Hiptmair in Linz. — Bericht über die Erfolge der kath. Missionen. Von Joh. G. Hub er, Siadtvfarrer in Schwaneu- stadt. — Geschichte des Lollexium Vermauioniu IIuvAarionm in Rom. Von Domcapitular vr. Mathias Höhler in Lim» bürg a. b. L. — Kurze Fragen und Mittheilungen. Die von vr. Karl Nuß herausgegebene illustrirte Wochen sehnst sür Vogelliebhaber, -Züchter und -Händler „Die gefiederte Welt" (Preis vierteljährlich IM. 50 Pf.) feiert in diesem Jahr das Fest ihres 25jährigcn Bestehens. Die erste Nummer des Jahrg. 1896 liegt vor uns und läßt ersehen, daß „Die gefiederte Welt" noch immer an der Spitze aller Fachbläiter marschirt. Diese Nummer 1 ist z. B. außer mit zwei Abbildungen im Text, bei vorzüglichster Ausstattung des Blattes selbst, noch mit eiueni Vollbild bedacht, auf welchem eine Gruppe einheimischer und eine solche fremdländischer Stubenvögcl in Schwarzdruck dargestellt ist. Eine Probcnummer des 1896er Jahrgangs versendet die Creutz'sche Verlagsbuchbandlung in Magdeburg auf Wunsch kostenlos und postfrci. Miscelle». 6 . (Der japanisch-chinesische Krieg und das Missionöwerk in China.) Man hat die Frage aufgeworfen, ob der vorbezeichncte Krieg sür daö MissionSwcrk in China von Nutzen sein werde. Manche haben gemeint, diese Frage bejahen zu dürfen. Der Missionär k. T. Garcia in Fokien verneint diese Frage. Vernehmen wir, wie derselbe von dieser Frage urtheilt. „ . . . Die Chinesen scheinen noch widcrhaariger geworden zu sein. Von Japan, dessen leitende Staatsmänner dem religiösen JndifferentismuS huldigen, ist in dieser Hinsicht nichts zu erwarten. Einige Hoffnung knüpfte sich an Frankreich, das entschlossen schien, für die katholische Religion in China volle Bewegungsfreiheit zu fordern. Allein die internationalen Fragen, welche der FricdenSvertrag von Simono-Saki heraufbeschwor, saugten seine Aufmerksamkeit völlig auf und bis jetzt ist noch nichts in der Sache geschehen. Ueberdics glaube ich, daß China trotz der harten Lektion, die es von Japan erhalten hat, der Aufnahme von europäischen Sitten und Ideen nach wie vor abgeneigt bleiben wird. Es leidet an einem Uebel, das zu alt ist, als daß es sobald gesunden könnte. Der Confucianismus, die Lehre Lao-tie's und deS Buddha haben den Chinesen in seiner religiösen Anschauung „stolz" verknöchern lassen, unv er will es gar nicht einsehen, daß er so dem Zustande der Unbeweglichkeit, der muiuien- artigen Vertrocknung und einer ewig unmündigen Kindheit verfallen ist. Was die natürlich-sittliche Veranlagung deS Chinesen angeht, so ist dieselbe zum Verwundern gut: arbeitsam, höflich, verständig und menschenfreundlich. Sie hoffen allein auf die Zeit, wo mit der Ankunft Kiun-tse'S die rechte Ordnung wieder hergestellt werden soll." — Kiun-tse bedeutet „Hirte und höchste Wahrheit" (der Hirte der höchsten Wahrheit). Man könnte mit v. Garcia der Vermuthung sein, Kiun-tse bedeute Christus. - 6. (Eine tröstliche Nachricht aus China.) Gegenüber der jüngsten Cbristeuverfolgung gereicht es den bedrängten Cbristcn zu nicht geringem Troste und erfüllt sie mit erhebender Hoffnung, daß der Kaiser von China einen Katholiken — Tsching-ta-jen — zum „bevollmächtigten chinesischen Gesandten" in Paris erhoben hat. Der Ernannte ist ein vortrefflicher Katholik. Seine Vorfahren wurden vor bereits 200 Jahren von den alten Jesuiten bekehrt. ES ist dieses in der Neuzeit das erste Mal, daß ein Katholik zu einem solch hohen Posten erhoben woroen. Eerantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Jnstii'stö von Haas L Grabhcrr in Augsburg.