öip. 12- 20. Mär; 1896. Adam Weishaupt. Von Adam Hirsch mann. (Fortsetzung.) Die Allegorie, in welche nach Weishaupts Brief vorn 6. April 1779 die Mysterien und höhere Grade eingekleidet werden sollten, „ist der Fenerdienst und die ganze Philosophie Zoroasters oder der alten Parfen: daher heißt auch der Orden in weiteren Graden der Feuerdienst, Feuerorden, Parsenorden, das ist etwas über alle Erwartung prächtiges. . . . Zum Feuerdienst kömmt kein Lta-bono (Novize), sondern nur solche, die viele Vorurtheile gebeichtet haben, und sich dadurch ziemlich gereinigt". (Ebcnd. S. 330.) Zum Dienste der Mysterien beabsichtigte der Ordensstifter einen Feuertempel, in welchem nur Mitglieder Zutritt und Wohnung haben sollten, zu errichten, der „auf allen Ecken und Stellen elektrisch gemacht werde, wo immer die Inrtianäi (Aufzunehmenden) hingestellt werden". (Ebend. S. 244.) Deßhalb wurde das Studium der Elektricität warm empfohlen, denn Weishaupt dachte schon 1778 daran, das alte System der Guebrrs und Parsen wieder aufzuwärmen. (Ebend. S. 230.) „Der Endzweck des Ordens ist also, daß es Licht werde, und wir sind Streiter gegen Finsterniß; dieses ist der Feuerdienst", bemerkte Weishaupt. (Ebend. S. 331.) Zur Durchführung dieser Pläne sollte der Geheim- bund des Jngolftädter Kanonisten nachstehende Klassen und Grade haben: Erste Klasse Minervaleu mit der Unterabtheilung in Novizen, Minerva!, und Mnsrvalis Illnwinatus oder Illurninatus rninor. „Am liebsten hat man Junge von 18 — 30 Jahren, reiche, wiffens- begierige, gutherzige, folgsame, standhafte und beharrliche Leute", hieß eS in der Instruktion für die Aufzunehmenden. (Einige Originalschr. S. 55.) „In Auswahl der Leute, schrieb Weishaupt an Marius, bitte ich auch auf schöne Leute, ootarw xarilzus, zu sehen." (Ebend. S. 237.) 6) Die Handlung der Aufnahme geschah entweder an einem abgelegenen dunklen Orte oder bei Nachtszeit in einem stillen Zimmer, zu einer Zeit, wo der Mond am Himmel stand. Niemand war hiebet gegenwärtig, als der Einzuweihende und derjenige, welcher ihn aufnahm. Nach verschiedenen Fragen und Antworten setzte der Ordens- delegirte dem Novizen den Dolch auf die Brust: „Sollst Du Verräther oder Meineidiger werden, so sehe hier in diesem Degen alle und jede von der Gesellschaft gegen Dich in Waffen. Glaube nicht sicher zu sein, wo Du auch immer hinfliehest." Nunmehr schwor jener mit über den Kops gehaltener flacher Hand: „Ich gelobe auch ewiges Stillschweigen in unverbrüchlicher Treue und Gehorsam allen Obern und Satzungen des Ordens. Ich thue auch hier treuliche Verzicht auf meine Privaieinsicht und Eigensinn, wie auch auf allen meinen eingeschränkten Gebrauch meiner Kräfte und Fähigkeiten." (Ebend. S. 70—76.) Geheimniß und Stillschweigen betrachtete Weishaupt als die Seele seines Ordens; ohne Noth °) Aebnlich lautet die Forderung an Ajax: „Macht euch hinter Oavaliors, ibr Leute! ich glaube zwei liefern zu können, und Domherrn noch dazu. Wenn mir meine Absicht mit den Domkapiteln gelingt, so haben wir grobe Schritte gethan. Suchet junge schon geschickte Leute und keine solche rohe Kerls. Unsere Leute müssen einnehmend, unternehmend, intrigunnt und geschickt sein. Besonders die ersten... Uobilos, xotontss, äivttes, äootos gnaerito." (Einige Originalschr. S. 175.) sollten auch Ordensgcnossen gegenüber nicht die geringsten Umstände Mitgetheilt werden. (Ebend. S. 17, 42, 325.) Ebenso mußte unbedingter Gehorsam, selbst zu unanständigen, ungerechten Sachen, angelobt werden. (Ebend. S. 85, 92, 103.) Die zweite Klaffe theilte sich nach dem System der Freimaurer in Lehrling, Geselle und Meister, während die dritte die Mysterienklasse mit dem Illuminatns major oder schottischen Novizen und dem lilumiiratus cliriZaiw oder schottischen Nitter bildete. „Taugt der Mann zu nichts besserem, so bleibt er schottischer Ritter. Ist er ein besonders fleißiger Sammler, Beobachter, Arbeiter, so wird er Priester. Diese Priester sind die Vorsteher der gesammelten wissenschaftlichen Schätze in Klaffen nach ihren Fächern vertheilt. Sind unter ihnen höhere, spekulativische Köpfe, so werden dieselben Nagt. Diese sammeln und bringen die höheren philosophischen Systeme in Ordnung und bearbeiten eine Volks-Neligion, welche der Orden demnächsten der Welt geben will. Sollten sich diese höheren Genies auch zur Regierung der Welt schicken, so werden sie Regenten." (Nachtrag von weiteren Originalschriften II, 3 -15.) Ueber den Priestergrad und dessen rationalistische Schrifterklärung äußert sich der Stifter: „Ich glaube uuu beinahe selbst, daß, so wie ich es erkläre es wirklich die geheime Lehre Christi war, die Freiheit auf diese Art unter den Juden einzuführen: ich glaube selbst, daß die Freimaurerei verborgenes Christenthum ist, wenigstens passet meine Erklärung der Hieroglyphen vollkommen dahin,') und ant diese Art, wie ich das Cbristcnthm» erkläre, darf sich kein Mensch schämen, ein Christ zu sein; denn ick lasse den Namen und snbstituire ihm die Vernunft. ES ist doch wirklich keine kleine Sache, eine neue Religion, Staats- vcrsassnng und Erklärungen der so dunklen Hieroglyphen in einen Grad so passend zusammen zu drängen. Man sollte glauben, fügt Weisdaupt in eitler Selbstgefälligkeit bei. es wäre das größte: und doch hab ich noch drei größere, ungleich wichtigere Grade für die höheren Mysterien schon da liegen. Diese behalte ich aber für mich, und ertheile sie bloß allein beuo moritis, es mögen solche Arevpageten sein oder nicht." (Nachtrag 1,63.) Ein anderes Mal meldet Weishaupt: „Sie können nicht glauben, wie unser Priester-Grad bei den Leuten Auf- und Ansehen weckt. DaS wunderbarste ist daß große protestantische und rcformirte Theologen, die von Orden sind, noch dazu glauben, der darin ertheilte RcligionS unterricht enthalte den wahren und ächten Geist und Sinn der christlichen Religion. O Menschen l zu was kann man euch bereden: hätte nicht geglaubt, daß ick noch ein neuer Glaubens stifter werden sollte." (Ebend. I, 76 ) In der Anrede an die Illurainatos äiriZontos bezeichnete Weishaupt die geheimen Verbindungen als die „geheimen Weisheitsschulen, die Archive ver Natur und der menschlichen Rechte: durch sie wird der Mensch von feinem Falle sich erholen, Fürsten und Nationen werden ohne Gewaltthätigkeit von der Erde verschwinden, das Menschengeschlecht wird der- ') „Der Hanptgegenstand der manrcrischen Allegorie und. Hieroglyphen ist der Tod HieramS. Wer ist also dieser Hieram? Hier sage ick nun: Hieram ist Christus und beweise mein Assertum aus folgende Art: 1) Aus dem Namen selbst; denn erkläre ich so: 8. -- 8io 1. " llosns 8. — est R. — rssnrZsns L.. — a. Ll. — mortnis. Hier ist schon viel zum vorhinein gewonnen, obwohl ich selbst über diese Explikation im Grunde lachen muß." Diese Aeußerung ist für den Charakter Weishaupts sehr bezeichnend. (Nachtrag H. 122-123.) 90 einst eine Familie und die Welt der Aufenthalt vernünftiger Menschen werden. Die Moral allein wird diese Veränderungen unmerkbar herbeiführen. Jeder Hausvater wird dereinst, wie vordem Abraham und die Patriarchen, der Priester und der unumschränkte Herr seiner Familie und die Vernunft das alleinige Gesetzbuch der Menschen sein. Dieses ist eines unserer großen Geheimnisse." (Nachtrag II, 80. Die neuesten Arbeiten des Spartakus 1794, II. Abth. S. 44.)«) Die Aufnahme der Priester und Regenten in ihre Grade erfolgte unter pompösen Feierlichkeiten, welche vielfach den Ceremonien der katholischen Kirche bei Ertheilung der höheren Weihen nachgeäfft waren. „Die Regenten sollen die Kunst studiren zu herrschen, ohne das Ansehen davon zu haben. Wo man in der Regierung eines Landes die Hand hat, da stelle man sich, als wenn man gerade am wenigsten vermöchte, so wird uns nicht entgegen gearbeitet; und wo man nichts durchsetze» kann, da scheine man alles zu können, damit man gefürchtet, gesucht und dadurch verstärkt werde." (Gemeinste Heuchelei!) „Eine unserer vornehmsten Sorgen muß auch sein, unter dem Volke sklavische Fürsten-Verehrung nicht zu hoch steigen zu lassen. Durch diese knechtischen Schmeicheleien werden diese mchrentheils sehr mittelmäßigen schwachen Menschen noch immer mehr verdorben: man rede und schreibe von ihnen, wie man von anderen Männern spricht, damit sie wissen lernen, daß sie Menschen sind, wie wir andere, und daß sie nur conventionelle Herren sind." „Wenn es darauf ankommt, einem von unseren verdienstvollen Leuten empor zu helfen, so soll man alles in Bewegung setzen, ihm Ruf zu machen." „Militärschulen, Akademieen, Duchdruckereien, Buchladen, Domkapitel und alles, was Einfluß auf Bildung und Regierung hat, muß nie aus den Augen gelassen werden, und die Regenten sollen unaufhörlich Pläne entwerfen, wie man es anfangen könne, über dieselben Gewalt zu bekommen." „Können es die Regenten dahin bringen, daß Klöster, besonders die mit Bettelmönchen besetzt sind, eingezogen und ihre Güter zu unseren Endzwecken, z. B. zur Unterhaltung tüchtiger Erzieher für das Landvolk, verwendet werden, so werden den Obern dergleichen Vorschläge willkommen sein." „Durch Weiber wirkt man oft in der Welt am mehrsten; bei diesen sich einschmeicheln, sie zu gewinnen suchen, sei eines unserer feinsten Studien. Mehr oder weniger werden sie alle durch Eitelkeit, Neugierde, Sinnlichkeit und Hang zur Abwechselung geleitet. Hieraus ziehe man Nutzen für die gute Sache! Dies Geschlecht hat einen großen Theil der Welt in feinen Händen."«) °) Unterm 9. Juni 1782 schreibt Weishaupt an Cato: „Der Grad, wovon ich die zwei letzten Bogen begehrt habe, ist ist der bei CelsnS und MarinS mit 100 Schlössern verwahrte Grad vom patriarchalischen Leben." (Nachtrag I, 41.) Bei Anwerbungen sollten jedoch die deistischcn Tendenzen des Ordens möglichst zurückgedrängt bleiben. So heißt es in dem Briese vom 17. März 1778 über MarinS: „Aber von Religions- absichtcn muß er noch verschont werden. Sein Magen ist noch nicht gänzlich eingerichtet, diese starke Speise zu verdauen." (Einige Originalschr. S. 223.) Mahomet (Baron Schröcken- stein zu Eichstätt) ertheilt den Rath: „Seien Sie ja im Briefwechsel mit Zcno behutsam; er sagte mir, daß er mit dem Manne, der an der Unsterblichkeit der Seele zweifelt, nicht unter einem Dache wohnen wolle, und wenn der Orden je bei Gliedern solche Zweifel erregen konnte, so wollte er gegen Ihn wie gegen Jesuiten arbeiten." (Nachtrag I, 164.) Vcrgl. ebendas. I, 205 Über Verbreitung des Deismus. ") Zur Errichtung eines Weiberordcns machte Zwack ent- „Auch das gemeine Volk muß aller Orten für den Orden gewonnen werden. Dies geschieht am besten durch Einfluß auf die Schulen." (Neueste Arbeiten II, 156—167.) Das waren die Grundsätze, nach denen die Welt von Jngolstadt aus sollte reformirt werden; aber Weis- hanpt scheint selbst mit diesen Graden noch nicht zufrieden gewesen zu sein. In einem Briefe vom 22. Februar, wahrscheinlich aus dem Jahre 1782, au Cato gesteht Weishaupt: „Wenn sie hier (in Jngolstadt) bei mir wären, so würde ich ihnen meinen Grad ohne Anstand ertheilen. — Aber aus Handen gebe ich diesen Grad nicht, er ist gar zu wichtig, er ist der Schlüssel der alten sowohl als neuen Geschichte, zur Religion und zu jeder Staatsverfassung in der Welt." (Nachtrag I, 71.) Unterm 3. Februar 1783 schreibt Weishaupt abermals an Cato, nachdem er sich über den Priestergrad des Philo und den „elenden" schottischen Nittergrad und über den „ebenso elenden Negentengrad" bitter ausgelassen hat: „Aber über diesen hinaus habe ich noch vier Grade schon componirt, wo gegen den schlechtesten der Priestergrad Kinderspiel sein soll; doch theile ich sie Niemand mit, bis ich sehe, wie die Sache geht und wer es verdient: lasse mir auch nichts darin corrigiren." (Ebend. I, 9b.) Weishaupt änderte und feilte immer an den Graden seines Ordens. _(Fortsetzung folgt.) Die Organisation der Gesellschaft.* *) Eine Skizze. I. d. Innerhalb der Menschheit, innerhalb jeder Nation unterscheidet man drei Generalinstitutionen: Gesellschaft, Kirche und Staat. Das einzelne Individuum ist ein Glied jeder dieser drei großen Institutionen; eine bestimmende oder amtliche Stellung innerhalb derselben nimmt jedoch stets nur eine Minorität der Menschheit ein. sprechende Vorschläge. „Der Nutzen müßte sein, dem wahren Orden Geld zu liefern, sichere geheime Nachrichten zu erlangen, Schutz zu bekommen und den Charakteren der wohllüstigen F. M. Genüge zu leisten." Der Weiberorden sollte in die Klasse der Tugcndbaften und der Ausschweifenden eingetheilt werden. (Einige Originalschr. S. 5—6.) In einem monatlichen Provinzialberichte meldet MinoS (RcichSkammergerichts- assessor von Dictsurt in Wetzlar): „Der weitere Vorschlag des Herkules, eine Minervalsckule für Mägdgens anzulegen, verdient «alle mögliche Aufmerksamkeit. Ich habe eben denselben Gedanken schon lange gehabt und Philoni einmal eröffnet. Die Weiber haben zuviel Einfluß auf die Männer, als daß man es hoffen könnte, die Welt zu bessern, wenn sie nicht gebessert sind. . . . Herkules schlägt Ptolomai Lagi (v. Niedesels, Kammcrgerichts- assessors) Frau vor. und ich habe nichts dagegen: ich schlage meine 4 Stieftöchter dazu mit vor; sie sind gute Mägdgens und besonders die älteste ein sehr gutes Mägdzen von 24 Jahren, die sehr viel Belesenhcit hat, über alle Vorurtheile hinweg ist, über die Religion wie ich denkt, alle weibliche Arbeit, Oekonomie und Küche versteht, französisch, italienisch spricht. . . . Diese meine Stieftöchter haben viele Bekanntschaft mit jungen Mädchens ihees Alters, und es wäre bald eine Societät unter Direktion Ptolomai Lagi Gemahlin eingerichtet." (Nachtrag I, 169-172.) *) Das täglich stärker hervortretende Bestreben der BcrufS- stände, sich behufs Geltendmachung ihrer Interessen zu vereinigen, die Neubildung von bäuerlichen Genossenschaften und die Forderung und der Ruf einzelner Stände, besonders des Handwerks, nach einer corporativen Neuorganisation veranlaßt uns, in einer kleinen Skizze die Organisation der Gesellschaft darzulegen und das Prinzip der organischen gesellschaftlichen Gliederung den Gegnern gegenüber zu vertheidigen. Wenn wir auch damit nur oft Gesagtes wiederholen, so halten wir eine solche Wiederholung, der Wichtigkeit der Sache wegen, nicht für überflüssig. 91 Jede einzelne dieser großen menschlichen Institutionen muß, um lebensfähig zu sein und um ihre Aufgabe erfüllen zu können, eine klare und natürliche Gliederung, eine einheitliche und feste Organisation ausweisen. Diese Organisation ist deutlich bei der Kirche und ist deutlich beim Staate sichtbar. Ohne diese feste, gesetz- und naturgemäße Organisation wäre die Existenz von Kirche und Staat undenkbar, ohne diese Organisation würden sie überhaupt nicht vorhanden fein. Auflösung ist Sterben, und die Auflösung der kirchlichen und staatlichen Organisation wäre gleichbedeutend mit dem Ende der beiden Gewalten. Was für Kirche und Staat gilt, das gilt auch für die Gesellschaft. Auch die Gesellschaft muß, um bestehen zu können, eine ihrer Natur entsprechende Organisation ausweisen; denn ein Haufe gleichartiger und zusammenhangloser Individuen stellt keinen Organismus und damit auch keine Gesellschaft vor. Und darum war, gleich Kirche und Staat, auch einst die Gesellschaft or- ganistrt und in Stände gegliedert. Die organisirte Gesellschaft ist eine Schöpfung des Christenthums; vor Christus gab es keine Gesellschaft. Und in den herrlichsten Epochen christlicher Geschichte erhob sich auch der Bau der Gesellschaft am schönsten und lebenskräftigsten. Erst die französische Revolution hat in ihrem hohlen Gleichheitstaumel den organischen Bau der alten Gesellschaft zerschlagen, die Gesellschaft aufgelöst. Die Wahu- sinnsnacht vom 4. August 1789 war die Todesstunde der Gesellschaft. Fortan gab es keine Stände, keine Berufsklassen, keine Genossenschaften mehr, sondern nur Menschenatome, gleichwertige Nummern und Zahlen. Jeder gesellschaftliche Organismus hatte aufgehört. Ist eine Einrichtung vernichtet, so wird eine andere um so mächtiger. Die Zerstörung der alten Gesellschaft erzeugte den Cäsarismus und den omnipotenten Staat, welcher durch seine Schul- und Ehegesetzgebung bis in das Heiligtum der Familie und des Gewissens hineingreift; sie erzeugte die Uebermacht der vielfach zur herzlosen Bureaukratie verknöcherten Beamtenschaft; sie erzeugte den Kampf der durch keine gesellschaftliche Ordnung mehr gebundenen wirtschaftlichen Mächte, den Kampf des Starken gegen den Schwachen, des Kapitals gegen die Arbeit. Soll die Gesellschaft wieder erstehen, soll daS gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder geordnet werden, so muß auch wieder eine der Zeitlage entsprechende Organisation der Gesellschaft geschaffen werden, eine Organisation, welche sich auf der natürlichen Grundlage der Berufsklassen aufbaut. Die gegenwärtige Jnteressenbewegung und die Bildung von Interessengruppen, die Hervorkehrung des Standesinteresses bei manchen der alten Parteien zeigen das dunkle und instinktive Ringen der Volksmassen nach einer auf natürlichen wirtschaftlichen und beruflichen Gesetzen und Bedingungen wieder aufzubauenden Gesellschaft. Diese bis jetzt unbestimmte und tastende Bewegung in richtige Bahnen zu lenken, muß für die Gegenwart eine der ersten und wichtigsten socialen Sorgen und Aufgaben bilden. II. Die liberalen Gegner einer nach Berufsständen einzurichtenden Organisation der Gesellschaft kommen stets mit der banalen und hundertmal widerlegten Phrase und Behauptung, man wolle veraltete mittelalterliche Institutionen wieder aus der Rumpelkammer hervorholen. Mit Nichten! Wir wollen nicht Institutionen einer bestimmten geschichtlichen Epoche, sondern Institutionen, welche in der Natur der Menschheit begründet sind. Wir sind, wenn wir auch die günstigen wirthschaftlichen Verhältnisse des Mittelalters anerkennen, keine Kinder des Mittelalters, sondern Kinder unserer Zeit. Wir sind keine Kinder der Vergangenheit, das ist der (wirthschaftliche) Liberalismus, der seit dem Jahre 1789 oder dem Jahre 1848 nichts gelernt und nichts vergessen hat. Wir stehen nicht auf den in der Schulstube ausgebrüteten Doktrinen eines bestimmten Zeitabschnittes, sondern auf den Forderungen des Lebens. Wir wollen Einrichtungen schaffen, die dem Leben und dem Wesen der Menschheit entsprechen und aus ihnen hervorgehen, und wir wollen die Menschheit nicht in künstliche, der subjektiven Laune entsprungene Schemata einzwängen. Das überlassen wir den modernen Doktrinären und ihrem Anhange. Was wir mit dem Mittelalter gemein haben, das ist die organische Auffassung der Gesellschaft im Gegensatze zu der «touristischen und mechanischen des Liberalismus. Wir wollen den natürlichen, im Volke liegenden Bestrebungen nach einer Organisation oder organischen Gliederung zur gesunden Entwicklung verhelfen, und wir wollen nicht dieser naturgemäßen Entwicklung widerstreben und uns nicht damit begnügen, die zufammenhangslosen Glieder unserer sogenannten Gesellschaft gezählt und numerirt zu haben. Diese mechanische und mathematische Behandlung der Gesellschaft von Seite des Liberalismus und des modernen Staates ist ebenso oberflächlich und unnatürlich wie die bekannte Schrift Sieyös' über den dritten Stand, welche man, wie k. Weiß sagt, als das Eröffnungsprogramm der Revolution und als den Todtenschein der Gesellschaft bezeichnen kann. »Ihre ganze Weisheit umfaßt nur die zwei Sätze, daß der französische Staat etwa aus 26,200,000 Menschenatomen bestehe, und daß 25,000,000 um 125 mal mehr als 200,000 (des Klerus und Adels) seien, folglich letztere kein Recht haben, als eigener Stand zu bestehen." (?. Weiß, Apologie. IV. Bd.) Die Menschen sind keine Atome und keine Nummern. So wenig als zwei Menschen geistig und physisch gleich sind, so wenig als die Lebensweise und die Beschäftigung gleich sind, ebensowenig können die Menschen in ein gleichförmig eingetheiltes, schablonenhaftes System eingegliedert werden. Das wäre der Tod und eine todte Schablone, Mensch und Menschheit aber bedeuten Leben. Dem Leben müssen wir unsere Einrichtungen ablauschen. „Das Wesen und der Vorzug einer socialen Politik ... ist es," schreibt Niehl, „daß sie die Lehre aus dem Leben entwickelt, und nicht umgekehrt das Leben aus der Lehre." Nicht leblose Schablonen, sondern einen lebendigen, d. i. dem Leben entsprungenen Organismus wollen und erstreben wir. III. Wie soll nun dieser Organismus beschaffen, wie soll die Gesellschaft gegliedert sein? „Es ist zu erstreben," sagte Dr. Frhr. von Schorlemer-Alst auf dem Katholikentag zu Köln, „eine Organisation der Gesellschaft nach Berufsstünden auf christlicher Grundlage in einer den gesellschaftlichen und wirthschaftlichen Verhältnissen der Gegenwart angepaßten Form." Diese Organisation muß dem Doppelcharakter des Menschen entsprechen. Denn „der Mensch ist seiner Natur nach selbständig und 92 ein Gesellschaftswesen, und eine Organisation, die von Dauer sein soll, muß diesem Doppelcharakier der menschlichen Natur entsprechen." Diese nach den Berufsstünden eingerichtete Organi» sation muß vor allem scharf zwischen Groß- und Kleinbetrieb unterscheiden, denn die Interessen der beiden stehen sich vielfach diametral gegenüber. Ebenso hat sich dieselbe in eine Hauptorganisation und in eine Unterorganisation oder Untereintheilung zu scheiden. Als große oder Hauptklassen haben wir: die Laudwirthschaft, die Industrie, das Handwerk, den Kaufmanns- und Handelsstand und vielleicht noch den Stand der im Verkehrswesen Beschäftigten. Gelehrte, Beamte u. s. w. können vorerst in diese gesellschaftliche Organisation nicht einbezogen werden, da sie heute in ihrem Berufe mehr ein Glied des Staates als der Gesellschaft sind. Diese vorgenannten Hauptberufsstände theilen sich sodann in die einzelnen fachlichen Genossenschaften oder Corporationen. Die corporative Organisation muß im Handwerk, in der Industrie und im Handel (Groß- und Kleinhandel) durchgeführt werden. Für die Bauernschaft wären räumlich abgegrenzte Genossenschaften einzurichten. In der Spccialisirung der Berufe und Geschäfte darf man indeß nicht zu weit gehen. Die neu- gebildeten Corporationen sollen mit den Rechten juristischer Personen ausgestattet sein, d. h. bewegliches und unbewegliches Vermögen erwerben und verwalten dürfen; sie sollen ferner disciplinäre Befugnisse über ihre Mitglieder haben und schiedsrichterliche Funktionen ausüben dürfen; mit einem Worte: jede Corporation soll in ihrem Bereiche eine vollkommen autonome Körperschaft unter dem Schutze des Staates bilden. Diese Organisation, in den Erundzügen gleich, wird in der inneren Ausgestaltung nach den verschiedenen Ländern verschieden sein und sich der Natur der jeweiligen Verhältnisse anpassen müssen. Das ist, in großen Zügen gezeichnet, die zu schaffende Organisation der Gesellschaft. Ohne Organisation kann keine größere Summe von Menschen auf die Dauer bestehen, ohne Organisation kann man von einer Gesellschaft im eigentlichen Sinne nicht sprechen; ohne Organisation gleicht dieselbe einer Heerde Thiere, in welcher jedes seinem eigenen egoistischen Triebe folgt und die nur die Hand eines starken Treibers zusammenhalten kann. „Ein freies Volk (d. i. ein social aufgelöstes) braucht eine große Polizei." Vus soll! Wehe dem, der allein steht! Die strirrgellte Kraft der Gottesbeweise nocheinmal. Dr. 8tr. In Nr. 9 der Beilage zur Augsburger Postzettung vom 28. Februar hat Herr 6. O. auf meine gegen eine frühere Publikation des angedeuteten Korrespondenten gerichteten Einwendungen eine Erwiderung veröffentlicht. Ich könnte nun wohl die Sache auf sich beruhen und das Urtheil darüber der vergleichenden Lektüre unparteiischer Leser überlassen, um so mehr, da ich keineswegs zu den polemischen und streitlustigen Naturen zu gehören glaube und die Feder nur auf dringendes Bitten eines guten Freundes ergriffen habe, der wie auch andere mir bekannte und befreundete Leser der Postzeitung an den beanstandeten Stellen Anstoß nahm. Auch darüber könnte ich das Urtheil ruhig den geehrten Lesern anheimstellen, ob ich bei meiner Entgegnung mich objektiv und fachlich ausgedrückt oder etwa subjektiver Empfindlichkeit und Animosität Raum gegeben habe, ohne von der sicher hochehrenwerthen Persönlichkeit meines Gegners auch nur die leiseste Ahnung zu haben. Weil aber die Sache zu wichtig ist und weil Herr 6. 6-. neben verschiedenen unrichtigen Auffassungen in seiner Erwiderung gerade das, was ich in meinem Artikel entschieden zurückweisen zu müssen glaubte, neuerdings zu vertreten unternimmt — mich auch mit dem zu befassen, was in seiner Einsendung in Ordnung war, lag für mich kein Grund vor —, so muß ich leider nochmal die Leser mit einigen Worten behelligen, hoffe aber dann nicht weiter mehr zu einer Replik genöthigt zu werden. Zunächst möchte ich bemerken, daß mir nichts fernec lag, als etwa den Verfasser jener Metakritik in Nr. 6 mit den Atheisten in einen Topf zu werfen; im Gegentheil bin ich fest überzeugt, daß wir praktisch in Sachen der Religion denselben Standpunkt einnehmen, aber soviel glaube ich allerdings auch bereits herausgefunden zu haben, daß wir auf theoretisch-philosophischem Boden uns kaum je verständigen werden. Darum wird es auch am besten sein, den Streit möglichst bald abzubrechen. Was nun die Ausstellungen betrifft, welche Herr O. 6l. an meiner „Antikritik" zu machen findet, so muß ich es mir bei der eigenartigen Schreibweise meines Opponenten leider versagen, eine vollständige Behandlung der gemachten Vorhaltungen zu bieten, und mich auf das Allernothwendigste beschränken. Zur Klärung der Situation sei dann vorausgeschickt, daß ich an der citirten Stelle diejenigen Worte unterstrich, an denen ich zumeist Anstoß nahm; wie sollte ich aber damit an eine Irreführung der Leser gedacht haben? An den unterstrichenen Worten haben aber gewiß auch Hunderte anderer Leser gleichfalls Anstand genommen. Dann handelt es sich hier nicht um bloße „Mißverständnisse"; was der „Spektator" in der Allgemeinen Zeitung in der Sache geschrieben hat, das kenne ich allerdings nicht; das hat aber mit unserer Diskussion gar nichts zu thun; worauf es hier ankommt, das ist das Faktum, daß Herr 0-. 6-. in dem fraglichen Artikel sich über die apologetisch so unendlich wichtigen prusamstula. üäai in einer Weise geäußert hat, welche Widerspruch finden mußte. Hier liegt der Schwerpunkt des Konfliktes. Daß unser Opponent thatsächlich einen solchen Sinn in den citirten Passus hineinlegen wollte, wie ich und andere ihn auffaßten, bestätigen seine erneuten Bemängelungen der Stringenz der Gottesbeweise in der Erwiderung selbst. Oder sollen etwa solche unbestimmte Erklärungen, wie: „ich gehe weiter als Kühn und seine Anhänger, ich .halte den Kausalitätsbeweis für sicher genug, um eine weitgehende objektive Beweisbarkeit Gottes zu ermöglichen"', das Gegentheil meiner Behauptung erhärten? Wir möchten es noch einmal betonen: die Gottesbeweise, soweit sie sich ausschließlich auf das Kausalitätsgesetz stützen, erfreuen sich jener vollen Gewißheit und Evidenz, welche überhaupt den Folgerungen aus unmittelbar sicheren Principien eignet. Wenn Herr 6. stringente Gewißheit nur den unmittelbar evidenten metaphysischen und mathematischen Grundgesetzen zugesteht, dann sinken auch die meisten Resultate der verschiedenen Wissensgebiete zur Bedeutung unsicherer Wahrscheinlichkeitsrechnungen herab; denn dort ist das Meiste nicht unmittelbar gewiß, sondern das Ergebniß von Schlüssen und oft eines sehr weitläufigen Diskursus. Im Sinne unseres Opponenten besäße z. B. auch der pythagoräische Lehrsatz nicht den Charakter einer absolut 93 feststehenden Wahrheit. Herr O. 6t. will nur jene Sätze als stringent gewiß gelten lassen, welche unsere Zustimmung erzwingen. Ja, wenn sich Vernunft und Einsicht erzwingen ließen l Wohl ist der Intellekt keine freiwirkende Kraft, und insofern ist es eigentlich unsinnig, von einer Freiheit der Wissenschaft zu reden; aber ist auch der Verstand in Bezug auf den aotus xaroextionis nicht frei, so hat doch der Wille den aetus axercitii in seiner Gewalt. Der Verstand sollte eigentlich immer Führer sein und dem blinden Willen mit seinem Lichte vorangehen, aber wie oft wird hier der Sehende von dem Blinden geführt! Welchen Irrweg und welchen Abgrund gibt es noch, in welchen nicht schon der arme Intellekt von einem durch Leidenschaften und Vorurtheile präokkupirten Willen gezerrt worden ist! Herr 6. O. nenne uns einmal gefälligst auch nur eine einzige absolut feststehende und evidente metaphysische Grundwahrheit, die nicht schon angefochten worden wäre, und das nicht etwa von Idioten, sondern sogar von Geistestitanen. Wird doch schon längst von den „Denkern" selbst die Allgemeingiltigkeit des Kausalitätsgesetzes geleugnet. Ja, sogar das Princip des Widerspruches soll durch eine Ueberleitung der contradiktorischen Gegensätze zu einer höheren Einheit aufgehoben werden. Kurz, der Zwang kann in der Zeit der „freien Wissenschaft" kein zuverlässiges Kriterium für Stringenz und Gewißheit bilden. Heutzutage ist es schon richtiger, in solchen Fragen an den vorurtheilssreten gesunden Menschenverstand zu appelliren, als sich von Atheisten und Pantheisten mit Nebeldunst und Seifenblasen im- poniren zu lassen. Ob sie dann über unsere Naivität mitleidig lächeln oder sich teuflisch ärgern, das kann uns höchst gleichgilttg sein, gewinnen lassen sich solche Leute auch durch die Genialität eines Schell schwerlich; man kann eben Atheismus und Pantheismus durch keine Argumente „überwinden", wenn sie nicht zur gesunden Vernunft heimkehren wollen. Wohl müssen wir mit den Verirrten Mitleid haben, aber einem eingebildeten Wissenschaftsdünkel zu Liebe sich selbst den festen Boden unter den Füßen wegziehen zu lassen und den Tanz über Abgründe und die Luftfahrten eines zügellosen Subjektivismus mitmachen zu wollen, das wäre nicht mehr Mitleid, sondern Selbstmord. Was dann die Behauptung anlangt, die GotteS- beweise müßten „vermittels der unmittelbaren Gottesidee vollendet bezw. ergänzt werden, so muß ich Herrn l). O. schon gestehen, daß ich leider nicht so glücklich bin, eine solche unmittelbare Gottesidee zu kennen. Soll damit etwa die bei allen Völkern aller Zeiten zu Tage tretende Ueberzeugung von der Existenz Gottes gemeint sein? Diese Ueberzeugung hat aber jedenfalls ihren Grund nicht in einer fertig angeborenen Idee, sondern erklärt sich theils aus der Leichtigkeit, mit welcher auch der schlichteste Bauernverstand von der Welt und ihrer Einrichtung auf ihren Schöpfer und Herrn schließt, theils aus einer besonderen Führung und Leitung der Vorsehung, deren sich jeder Mensch und jedes Volk erfreut. Aber das letztere Moment muß bei unserer Diskussion außer Betracht bleiben. Oder soll mit dieser unmittelbaren Gottesidee gar nach alten Mustern von einer jedenfalls recht unvollkommenen Vorstellung des höchsten Wesens feine Existenz erschlossen werden? Aber der saltv iuor- tala vom idealen ins reale Gebiet ist bis zur Stunde noch kein gangbarer Weg geworden. Es ist übrigens unrichtig, daß ich den Passus von der „ursprünglichen Gottesidee" übersehen habe, wie Ohponent wir vorwirft. Ich habe ja ausdrücklich erklärt, daß ich mit einer solchen nichts zu machen wüßte und mir nicht denken könne, waS darunter zu verstehen sei. Wenn ich mit den vorgebrachten Vermuthungen nirgends das Rechte getroffen habe, so bin ich für eine Belehrung sehr dankbar, wenn sie nicht etwa so ausfällt, daß ich sie nicht acceptiren kann. Soll etwa diese Idee ein Ausfluß jenes „geringgeschätzten subjektiven, geistigen Gebietes" darstellen, „das man so leicht preisgibt" ? Das geistige Gebiet preiszugeben, fällt uns gewiß nicht ein; aber dieser Ausdruck „fubjektiv" macht uns die Sache sehr verdächtig. Die subjektivistische Philosophasterei schon seit Cartefius und noch mehr seit Kant hat all den intellektuellen Jammer zur Folge gehabt, in welchem noch immer die außerkirchliche zünftige Spekulation an den Hochschulen befangen ist, und dieser Subjektivismus oder größere oder geringere Concessionen an ihn sollen etwa wieder Rettung bringen? Wir möchten also mehr das geistige Gebiet als objektive Thatsache betont wissen. Auch wir finden in dem durch Denken und Wollen sich bekundenden Wesen des Menschengeistes ein Faktum, das mit unweigerlicher Gewißheit auf einen überweltlichen, persönlichen Urheber und Schöpfer hinweist. Wie will der Atheismus und der nicht minder einfältige Pantheismus z. B. die Thatsache des Erkennens, die ideale Vereinigung von Subjekt und Objekt erklären, da doch beide substantiell nichts mit einander gemein haben? Gerade bei dieser wunderbar harmonischen Zusammenordnung von ganz heterogenen Dingen fällt uns ein schöner Satz von Professor Schell ein, den er in seiner Dogmatik vorbringt: „Die Beziehungen sind Spuren der Gottheit." Uebrigens möchten wir dem hochgelehrten und genialen Herrn nicht auf allen seinen, manchmal auch sehr gewagten Bahnen folgen, aber hinsichtlich der Gottesbeweise und ihrer Gewißheit steht derselbe jedenfalls auf unserer Seite. Wenn Herr 6-. O. meint, ich habe alle Ursache Gott zu danken, daß ich mich einer solchen Glaubens- ficherheit erfreue, so hat er recht, und ich bin bemüht, täglich Gott dafür zu preisen, daß Er mich so gnädig bisher auf der Bahn der Wahrheit geführt und geleitet hat. Aber auch an dieser Stelle spukt in der gebrachten Erwiderung wieder eine Verwechslung. ES handelt sich für uns hier nicht um den dogmatischen Lehrinhalt des Christenthums, nicht um die übernatürlichen Glaubeus- wahrheiten; auch nicht um den Glauben dreht sich die Frage, sondern um die natürliche Voraussetzung des Glaubens. Soll Jemand für das Christenthum gewonnen werden, so muß vor allem für ihn feststehen, daß es einen Gott gibt, daß er sich geoffenbart und die Kirche gegründet hat. Müßten wir diese Grundvoraussetzungen auch mit dem Glauben allein erfassen, dann wäre der Vorwurf von Köhlerglauben und Unvernunft berechtigt, mit dem unsere Gegner so freigebig sind. Aber das Dasein Gottes können wir in Wahrheit wissen, es ist und bleibt eine unabweisbare Forderung einer vernünftigen Weltbetrachtung. Wie soll ich nun mit einer solchen Auffassung der Sachs Wissen und Glauben verwechselt oder identificirt haben? Nicht weniger merkwürdig muthet mich das Kompliment des Herrn Opponenten an, als ob ich die Gewißheit und ihre verschiedenen Grade von der Wahrscheinlichkeit nicht zu unterscheiden vermöge. Von einer bloßen Wahrscheinlichkeit hätte das vatikanische Concil nimmer den Ausdruck eerto aoZnoscü gebrauchen können. Uebrigens erfreut sich natürlich diese Gotteserkenntniß ihrer stringenten Sicherheit nicht wegen der angedeuteten autoritativen Erklärung, sondern umgekehrt fußt diese Erklärung selbst auf dem schon an sich sicheren Thatbestand, und es galt nur, diesen Thatbestand gegen allen- fallsige Versuche eines sich geistreich dünkenden Skepticismus oder gegen Muthwillen im Gewände der Gelehrsamkeit ein- für alle- mal nachdrücklich zu constatiren. Mögen deßhalb auch Millionen moderner Geistesheroen uns den Weg zur causa eausarum mit Irrlichtern und Sophismen zu verlegen suchen, der gesunde Menschenverstand wird dennoch stets unbeirrt durch solche Blendwerke von den irdischen Spuren und Abbildern zur großen Geistersonne aufsteigen. Das beigefügte Fragezeichen wird gewiß jeder verständige Leser richtig aufgefaßt und nicht als eine von meiner Seite gegen Herrn 6-. (1. gerichtete Finte angesehen haben. Wenn ich von einer Vermengung von Wahrem und Falschem und Nichizusammengehörigem sprach, so waren damit ganz andere Dinge gemeint: zunächst die Zusammenstellung von Dasein und Erscheinen. Von einer Erscheinung Gottes in der Welt kann nicht die Rede sein; solche Weisheit überlassen wir dem Pantheismus. Dann wird wieder das Faktum der Offenbarung mit den christlichen Lehren und Wahrheiten zusammengeworfen. Daß Christus lebte und Wunder wirkte, steht in der That für mich und hoffentlich auch für die Mehrzahl der Katholiken als historisches Ercigniß mindestens ebenso fest, als Leben und Thaten eines Hannibal, eines Angustus. Aus der Art des Auftretens und Wirkens Jesu aber folgt seine Gottsssohnschaft und die Göttlichkeit seiner Stiftung, der Kirche, jedenfalls mit nicht geringerer Gewißheit, als jene ist, welche die moderne Gelehrsamkeit für Tausende ihrer Errungenschaften mit Recht in Anspruch nimmt. Nun dürfte Herr 6. wohl auch die Art meiner Unterstreichung in dem vorgeführten Citate begreiflich finden. Daß ich auch den einzelnen übernatürlichen Glaubenswahrheiten wissenschaftliche Evidenz beilegen wollte, eine solche Naivität wird mein Herr Opponent mir doch nicht zugetraut haben. Wenn schließlich Herr 6-. meint, die traditionellen Gottesbeweise seien am Ende wohl gut gegen den Atheismus, taugten aber nichts gegen den Pantheismus, so finde ich darin nur eine weitere Bestätigung meiner gleich anfangs angedeuteten Vermuthung, daß mein Herr Opponent und meine Wenigkeit uns auf philosophischem Gebiete nie zusammenfinden werden. Für mich aber und jene Leute, welche meinen spekulativen Standpunkt theilen, ist der Pantheismus um kein Haar gescheiter als der Atheismus, er ist ja nur ein etwas poetisch herausgeputzter Atheismus, und gegen ihn bieten die herkömmlichen Gottesbeweise resp. die Principien, auf welchen diese basiren, vollkommen ausreichende Waffen; freilich, durch solche Argumente jemand zu belehren und zu gewinnen, der sich nicht belehren lassen will, das würde auch einem Engel vom Himmel nimmer gelingen. Was Herr 6-. 6l. in der Fortsetzung seiner Erwiderung in Nr. 10 der Beilage gegen mich ins Feld führt, bringt zunächst die bereits angedeutete Vermuthung zur vollen Ueberzeugung, daß wir beide uns in philosophischen Fragen nimmer verständigen werden. Da das hier Vorgebrachte zum großen Theile schon in meinen vorausgehenden Darlegungen berührt wurde, so kann ich mich jetzt kurz fassen. Was die Bildung des Gottes- Legriffes anlangt, so ergibt sich derselbe eben aus der natürlichen Erkenntniß Gottes als der ersten und obersten Ursache des Alls, einer Ursache, der gerade deßhalb, weil sie xrinaa. oausa, ist, die Aseität eignen muß. Aus dieser Aseität folgt dann Gottes Unendlichkeit. Der so gewonnene Gottesbegriff wird nun allerdings durch die Offenbarung wesentlich vollkommener ausgestaltet, aber daraus folgt keineswegs, daß die Erkenntniß Gottes auS der Weltbetrachtung — die Geisterwelt natürlich inbe- griffen, soweit sie dem Menschenverstände zugänglich ist — für sich der vollen Stringenz und Evidenz entbehre. Mein verehrter Gegner scheint mir hier wieder vollkommene Erkenntniß mit voller Stringenz zu confundiren. Eine Erkenntniß kann inhaltlich sehr mangelhaft sein und dabei doch vollkommene Gewißheit besitzen. Was wissen wir z. B. über das Wesen der Elektricität? und doch ist die Thatsache selbst absolut sicher. Sodann kann ich es gewiß getrost dem besonnenen Urtheile gütiger Leser überlassen, zu entscheiden, ob dadurch, daß ich die Ursache der Gottesleugnung hauptsächlich in moralischen Defekten finde, die metaphysische Gewißheit und Evidenz der natürlichen Gotteserkenntniß auch nur die geringste Schmälerung erfahre. Soll man die Wahrheit erkennen, so muß man freilich sie auch erkennen wollen und sich der Mühe des erforderlichen Denkprozesses unterziehen. Wenn aber jemand sich an einer unbequemen Wahrheit ohne Kenntnißnahme scheu vorbeidrückt, so folgt daraus nicht, daß die Wahrheit an sich der nöthigen Sicherheit und Evidenz ermangle. Also auch ohne Anleihe bei der Moral bleibt für uns und andere Leute die volle, wenn auch mittelbare Stringenz oder Gewißheit der natürlichen Gotteserkenntniß bestehen. * Erwiderung. Eine Reihe von Vorwürfen hätte mir 8t. sicherlich erspart, wenn ich noch rechtzeitig den angekündigten zweiten Artikel Hütte erscheinen lassen können; so muß ich auf die Gefahr hin, nicht verstanden und ins Unrecht gesetzt zu werden, mich möglichst kurz fassen, um eine endlose Streiterei zu vermeiden. Ich bin ohnehin in einer ungünstigen Lage, da meine größere Zurückhaltung und Vorsicht leicht den Schein des Skepticismus erweckt. Mag 8t. Recht haben, für den Gottesbegriff in seinem Sinn als Voraussetzung der Religion stringente Beweisbarkeit, eine syllogistische Stringenz anzunehmen — ich lehne diese Art Stringenz nicht ab —, so ist mir ihre Annahme leider unmöglich für den erweiterten Gottesbeweis, wie ich ihn im Auge hatte. Wenigstens traue ich mir einen solchen Nachweis nicht zu; einer, der alles beweisen kann, bringt's vielleicht fertig. Wohl halte ich fest an einer mittelbaren Erfahrung Gottes im Geiste und an einer Erscheinung Gottes in der Natur, im Geiste und in der Geschichte, ohne daß ich dem Pantheismus, Mysticismus oder Subjektivismus im üblen Sinne zu verfallen fürchte. Wäre letzteres unausweichlich, dann waren nicht allein die Mystiker, sondern war der hl. Paulus selbst ein Pantheist und Subjektivist, da er vom Sichtbarwerden Gottes in den Crea» turen (Röm. I, 19 ff.) und vom Beweis des Geistes und der Kraft spricht <1. Cor. 2). Wirkungen und Spuren Gottes sind fühl- und sichtbar in der Natur, aber vor allem in der geistigen und geschichtlichen Welt, die uns erst den persönlichen Gott und den Gott der Liebe offenbart; die Seele selbst ist ja ein Hauch Gottes! Solche Spuren liegen vor 1) in der allen Menschen an- geborenen Ahnung des Unendlichen, im Streben nach dem Höchsten, das sich in der „ursprünglichen Gottesidee« ausspricht^), 2) im Gewissen und seinen Einsprech- ungen, 3) in der religiösen Gnade. Aber gerade je höher wir steigen, je näher wir dem Person-. lichenGotte derLiebe kommen, desto schwerer wird die Beweisbarkeit. Die Seelenregungen sind dunkel und schwer faßbar, aber gerade um so werthvoller. Dunkel sind namentlich die Wege der Gnade, von der alles abhängt. — Mag nun 8t. wieder behaupten, hier sei Nichtzusammengehöriges vermischt und verwechselt, — warum ging er dann selbst darauf ein? — ich hatte es nun aber einmal verbunden, und zwar gerade um den Pantheismus zu überwinden. Leider kann ich mich nicht weiter darüber verbreiten. Ich füge nur noch ein Paar Leitsätze aus dem angekündigten zweiten Artikel an, den ich vorläufig zurückhalte, weil die Redaktion eine endlose Debatte fürchtet. DaS Christenthum stellt die höchste absolute Erscheinung Gottes dar. Die durch das Christenthum gegebene Gnade, Bekehrung, Heiligung und Erleuchtung ist das Urwunder, dem alle andern Wunder untergeordnet sind. Hierin, nicht in äußeren Wunderberichten, liegt der Beweis des Geistes und der Kraft, aus den auch Christus selbst anspielt (Joh. 7, 17, v. 8 u. 14). Wer dieses Wunder nicht erlebt hat, wird äußern Wundererzählungen schwerlich Glauben schenken, wenn er nicht ganz naiven Sinnes ist. Denn von Wundern erzählen auch andere Religionen, Wunder wirkt auch der Antichrist: wer aber soll unterscheiden, als der Geist, mit dem daS Geistige erkannt wird (1. Cor. 2, 23) und der Zeugniß gibt, daß wir durch das Christenthum Kinder GctteS geworden sind (Nöm. 8, 16). Sehr belehrend war es, daß gleichzeitig mit dem Angriff von 8t. anderwärts mein „fanatischer Ultramontauismus" der jliberalen Inquisition deiiuucirt wurde und ich gar als „verbissener Socialdemokrat« ausmarschircn mußte. Wem kann's hegte Jemand recht machen, gui viam ventatis ologit? I)r. 6. 6. * * Wir glauben hiemit die Dtscussion über dieses Hherua schließen zu dürfen. D. Red. Gedichte von Max Crorre. (Schluß.) In dein letzterwähnten ChcluS finden sich auch des Ver- fässcrs beste Sonette. Es ist wirklich schwer, aus diesem Neigen von Liedern die Auswahl cer besten zu treffen. Doch hören wir den Dichter selbst. In „Liebe und Leid" singt er: Wir wisscn'S auch: nur bitterwcnig Zeit Bleibt für das Glück auf unsern Erdcnwegen. Doch was ist Glück? DaS ist der alte Streit. DeS Menschen Gluck, cS ist im Leid gelegen, Und Liebe ist vereint getragnes Leid. So wandelt sich der Fluch in eitel Segen. Die kräftige Ermunterung zum Vertrauen in „Weine nicht!« Sollst muthig vorwärts in die Zukunft schauen» Nickt wie ein Feigling zage vor ihr beben; O hadrc nicht, fleh' du um Gottverlrauen, ES wird dir deine Kräfte wiedergeben. Schuf denn der Vater uns zu Tod und Grauen? Nein, für ein immerwährend selig Leben! Wo der. Cultus des „Ich", dort keine wahre Liebe; denn in „Der Liebe Prüfstein« heißt es: Der Liebe Prüfstein ist Selbstlosigkeit. Denkst du an dich, gleich kommt dein Herz in Streit, Es will die Eifersucht sich in dich senken, *) Diese Idee hatte ich ganz deutlich erklärt, anstatt dieß aber nachzulesen, wiederholt 8t. alle möglichen Vermuthungen, die er schon einmal angestellt. Gibt es für ihn überhaupt nichts Apriorisches, auch keine angeborenen Principien und Anlagen? Dein bess'reS JA, dein Liebstes, in dir kränken, Und statt des Glücks bringt dir die Liebe Leid. In „Was die Liebe vermag« wird der „Eigengier«, dem Eigenwillen durch die Liebe der Krieg erklärt. Weiter sagt der Dichter in „Die Liebe und das liebe Ich« Mein Kind, und eh' in Liebe sich Ein Menschcnpaar zusammenschließt, Zu brechen sind zwei trotz'ge Ich, Bis eins, ein heilig Ich, erspricßt. Von den größeren sind hervorzuheben „Glosse«, das reimlose Gedicht „Traum und Wahrheit" und „LiebeSbande" mit dem Schluß: Das Liebesband, das unser Herrgott geknüpft, reicht über alle Ewigkeit. Blättern wir weiter, so kommen wir zu den „Vermischten Gedichten«, unter welchen man einige Bergmanns- und Knappen- lieder nicht unerwähnt lassen darf; so „Glückauf zum neuen Jahrl«, „Das Bergmannslied«, dessen letzte Strophe wir uns herzusetzen nicht versagen können: Und weil ich nun ein Bergmann bin Und von so edlem Stand, So geb' ich ganz auch Herz und Sinn In meines Gottes Hand. Und mit Gebet fahr' ich zur Schicht Und mit Gebet herauf, Mein treuer Gott, dick lass' ich nicht, Hinauf zu dir! — Glückauf! Welch kräftiges Gottvcrtrauen spricht sich in diesen Zeilen aus; jenes unverwüstliche Vertrauen, das gerade den Bergmann vor allen besonders erhebt. Das schöne Gedicht „Glcich- niß« mit der ernsten Mahnung, „still in sich selber zu gehen, will man es im Leben dazu bringen, auf wackeren Füßen zu stehen;« „mit Gott und sich selber zurechtzukommen« bringt Ruhe und Glück. Wer könnte bann das ebenso wahre als ernste Gedicht „Aus Wiedersehen!« mit Stillschweigen übergehen. Das Lied „Im Glück« zeigt anschaulich die Wahrheit vom beständigen Wechsel zwischen Lust und Leid im menschlichen Leben. Dann die „Osterklänge", die auch daS »erbittertste Herz aus dem TodcSbann zu locken verstehen. Im Anschluß an diese Gruppe finden sich die „Sinnsprnche", worunter einige ganz kernige Sentenzen und Lebensregeln an- geführt sind. Wollen wir einige folgen lassen: Getrost im Leide still zu halten Erlernt sich nur durch Händefalten. Oder das „Ich" der ärgste Feind — der beste Freund. Ein anderes heißt: Thu', was du sollst, in dieser Zeit, So wirkst du sür die Ewigkeit. Ein andermal sagt er: Wiewohl an Kirchen und Kapelle» keine Noth, wiewohl Gottes Wort aus tausend Quellen lebendig strömt, findet man doch auf Erden so selten einen wahren, echten Christen. Wie wahr ist folgendes: Ist ein Nechenexempel der Lebenslauf» Dann ist das Sterben die Probe darauf. Und so folgen noch viele kleinere oder größere Sentenzen oder Geistesblitze, die in bündiger Form oft die ernstesten Gedanken nahelegen. An den Schluß der Gedichtsammlung setzt der Verfasser einige Gelegenheitsgedichte, von denen das erste „Zum sünfunddreißigsten Geburtstag des Kaisers« dem Patriotismus des Verfassers schönen Ausdruck verleiht. Die übrigen können wir übergehen. Was nun die Form anbelangt, in welche der Verfasser seine Lieder kleidet, so begegnet und fast am häufigsten der vierfübige Iambus mit Reimpaaren oder gekreuzten Reimen; auch umschlossene Reime (a a b « o b) finden sich. Einmal finden wir den fünffüßigen Iambus (Blankvers). Von trochä- ischen Versen haben wir meistens den fünffüßigen, hie und da auch den schleppenden achtfnßigen Trochäus. Einige kleinere Gedichte sind in Distichen abgefaßt. Unser Verfasser liebt eS nicht, künstliche Formen in Verwendung zu bringen; er bleibt bei den einfachen, schlichten Gattungen und ergreift den Leser vielleicht gerade durch die eckte deutsche Weise, durch die einfache Form. Doch eines müssen wir unserem Dichter zugestehen; Er ist ein Meister des Sonetts, das er denn auch häufig und in ganz ungesuchter, ungekünstelter Weise anwendet. WaS 96 die Reinheit der Reime anbelangt, so kann man auch bei auf- meiksamer Lectüre nur wenige unreine Reime finden. Der Verfasser ist gewiß auch in dieser Hinsicht recht ancrkcnuens- werth, indem uns gerade in der jüngsten Poesie so viele Produkte mit Gezwungcnhcitcn und Härten im Reime begegnen. Wir können unö am Schlüsse kurz fassen: Der Eindruck, den Crone'S Gedichte sowohl im Einzelnen als auch in der Gesammtheit machen, ist ein recht guter und befriedigender. Wir haben einen Dichter vor uns, der sowohl durch Inhalt als auch Form seiner Gedichte viele andere Poeten in den Hintergrund drängt und hinter sich zurückläßt. Wir können daher äuck Crone'S Gedichte jedem auf's wärmste empfehlen, der in unserer so liederreichen und poesievollen Zeit sich noch einen Geschmack für etwas Besseres als Alltagöproduct gewahrt hat. Salzburg. Oswald Flock«. Recensionen und Notizen. Der weiße Sonntag. Belehrungen und Gebete für Erst- communicanten und die gcsammte Jugend, welche würdig und mit Nutzen communiciren will. Mit einer Beigabe: Unterricht und Gebete für Firmlinge und Gesinnte. Von Pfarrer F. X. Fecht. 34. Aufl. Donauwörth» Druck und Verlag der Buchhandlung L. Aucr. O Das obige Büchlein zielt nicht bloß auf eine momentan^ Erregung frommbegeisterter Gefühle beim Empfange der ersten hl. Communion, nein, es verdient mit vollem Recht den Namen eines „geistlichen Excrcierbüchleinö" für's Leben. Es lehrt den göttlichen Kindcrfreund, der sich keinem Lebensalter so gerne naht, wie den kindlichen Seelen, nicht nur lieben, sondern Jbm dienen in gewissenhafter Nachfolge, — Ihm daS ganze Leben weihen. Dieses goldene Büchlein ist wie wenig andere dazu angethan, wahre Christen zu bilden. Nicht umsonst wurde es durch die Empfehlung dreier Bischöfe unter die erstcommuni- circnde Jugend eingeführt. Stets sich wiederholende Auflagen rechtfertigen glänzend diese Empfehlung. Charfreitagsbüchlein für Jung und Alt. Von A. Häuser, bischöfl. geistl. Rath. 3. Auflage. Mit Genehmigung des bischöfl. Ordinariates Augsburg. Preis 15 Pfge. L.. Der Charfreitag, der Gedächinißtag der tiefsten Erden- trauer, wird unter dem katholischen Volke oft mit nicht vollkommenem Verständniß begangen. Das vorliegende Büchlein lehrt das große Geheimniß dieses Tages ersassen im Geiste der Kirche, welche gerade den heil. Charfreitag mit den schönsten, sinnigsten und bedeutungsvollsten Ceremonien und Uebungen ausgestattet bat. Möge dieses unentbehrliche, so außerordentlich billige Handbüchlein für die Charwoche die weiteste Verbreitung finden! Die heilige Stunde zur Verehrung der Todesangst Jesu und zur Sühne für die Sünden der Nacht. Von Alois Hacker, Pfarrer in Kleinaitingcn. Mit oberhirtlichcr Druckbewilligung. A. Das kleine empfehlcnswerthe Broschürchen unterstützt in erbaulichster Weise den frommen Brauch, die zwölfte Stunde der Nacht von Gründonnerstag auf Charfreitag in Betrachtung der Todesangst Jesu betend, sühnend und mit Ihm leidend zuzubringen. K i r ch c n m u s i k a l i s ch e S I a h r b u ch 1896. Von Dr. H a b e r l. Pustet, Negensburg. Preis 2 Mark. >V. Um den literarischen Werth des Jahrbuches zu würdigen und dadurch dasselbe zu empfehlen, genügt es, den Inhalt vorzuführen. Auf 28 Noten-Seiken bringt es Vittoria's kuori Uobraeornm, 4 stimmig, Chorantworten zur Passion nach Matthäus, 4 stimmig, 0 vomins llssu Oliristo, 6 stimmig, Ineigit vamontatio für 2 Alt, Bariton und Baß, für die Char- woche. 110 Seiten sind Abhandlungen und Aufsätzen gewidmet: Kirchenmusikalischc Jahreschronik, Archivalische Excerpte über die Hoskapelle in München (K. Walter), Ein deutsches Missale aus dem Jahre 1529 (R. v. Liliencrcn), Ueber Kataloge von Musikbibliotheken (Haberl), Katalog der Maricnbibliothek zu Elbing, Rhythmische Gliederung des Chorals (Gietmann 8. .7.), DaS vom deutschen Gesang begleitete Hochamt (Langer). Eine bio-bibliographische Studie über Vittoria (Haberl), Die Neumen- forschung (k. Kornmüller). Daran reihen sich 10 größere und kleinere Referate und Anzeigen über neueste kirchenmusikalische Erscheinungen in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache. Und das Alles um 2 Mark! Wer sich für die Geschichte und Aesthetik der Kirchenmusik interessirt, dein kann das Jahrbuch nicht genug empfohlen werden. Das um so mehr, als das Jahrbuch daö einzige deutsche Organ wissenschaftlicher Behandlung der Kirchenmusik ist. Mir scheint es daher eine Art Ehrenpflicht zu sein, dasselbe durch Abnahme zu unterstützen. DaS Kreuz. Sechs Fastenprcdigtcn von vr. Anton Kerfch- baumer. Brixe» 1896. Preis brosch. 64 Pf. V. Daö alte Kreuz, das schwere Kreuz, das blutige Kreuz, daö heilige Kreuz, das starke Kreuz und das triumphirende Kreuz — das ist der Inhalt des nur zwei Bogen umfassenden Schriftchens. Scheinbar ist das Thema mehr als eingehend behandelt; aber die Lehre vom Kreuz ist ein Geheimniß, das wohl von den verschiedensten Seiten anS betrachtet, aber nie erschöpft werden kann. Die reichliche Benützung des alten und neuen Testamentes, einfache, populäre und gleichwohl der Würde des Wortes Gottes entsprechende Darstellung sind besondere Vorzüge dieser Predigten, wcßhalb sie die gleiche Empfehlung verdienen, wie die von demselben Verfasser schon früher erschienenen Sonn- und FesttagSprcdigte». Der Katholik. Nedigirt von Joh. Mich. Na ich, 12 Hefte, M. 12. Mainz, Kirchheim. Inhalt von 1896. Heft III, März. vr. Selbst, Die Bibelwissenschaft dcö Protestantismus im Kampfe gegen das Alte Testament. — vr. L. Bendix, Die Deutsche NcchtLeinheit. — vr. Franz Zigon, Die wirksame Bewegung Gottes und die Freibeit des Menschen. — Der dritte Band der Geschichte der Päpste von L. Pastor. — vr. G. Natzinger, Lorch und Passau. — Literatur: Lic. Joseph Bautz, Grundzüge der katholischen Dozmatik. — Wilhelm Bäumker, Ein deutsches geistliches Liederbuch. — Pbomas O'Cormau, ^.msriean Öliured Ilistorz'. — Vr. G. Natzinger, Die VolkSwirrhschaft in ihren sittlichen Grundlagen. — Franz Laver Kraus, Geschickte der christlichen Kunst. — vr. Georg Hagemann, Logik und Noctik. — k. Ferdinand della Scala, Der heil. FideliS von Sigmaringcn. — Johannes Weißbrodt, Fastcnpredigtcn- Katholische Warte. Jllustr. Monatsschrift zur Unterhaltung und Belehrung. XI. Jahrgang. Heft 12 L 15 kr., 25 Pf. Jahresabonnement fl. 1.80 (M. 3.60). Verlag von A. Pustet in Salzburg. Mit dem nun vorliegenden 12. Hefte ist jetzt abermals ein Jahrgang der heimischen Familienzeitsckrist vollendet. Dieselbe bringt eine kleinere Novelle „Die alte Lampe" von Elisabeth Saint-Louiö und beherzigenswerthe Worte „Für stille Taae und Stunden" von A. v. Liebcnau; du Nords „Die französischen Canadier" und Kujawas Humoreske „Die Ochsenzunge" finden befriedigenden Abschluß. Franz Peters schildert uns endlich in fesselnder Weise den Dichter Leo Fischer." Möge die Monatschrift in alle kathol. Kreise dringen und immer mehr Freunde und Abonnenten finden! Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monatschrift. Jahrgang 1895. 12 Nummern. M. 4 — fl. 2.40 Z. W. — Frciburg im Breisgan. Hcrder'sche Verlags- handlung. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 3: Die blutigen Vorgänge in Armenien. — Aus dem Leben und Wirken eines verbannten sibirischen Priesters. — Eine bischöfliche Hirtcnreise in Norwegen. (Schluß.) — Nachrichten aus den Missionen: Balkan (Augustinermisston in Bulgarien); Syrien (Unruhen); Philippinen (Bencdiktinermission); Acguatorial-Afrika (Uganda); Ostafrika (Süd-Sansibar); Südafrika (Mission am Ober-Sambesi); Nordamerika (Standing Rock' Reservation); Oceanien (Cook-Jnjeln); Aus verschiedenen Missionen. — Misccllcn. — Beilage für die Jugend: Der Zug nach Nicaragua. (Fortsetzung.)— Diese Nummer enthält 9 Illustrationen. Vcrantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.