»I,-. IS. ie 27. Wir? I«. k. Wilhelm Kreitcn. Literarhistorische Studie von Ad. Jos. Kiel. So vieles schon hat man über den Aufschwung unserer katholischen Literatur geschrieben und gesprochen, und da ist es wohl auch angebracht, einmal desjenigen Mannes zu gedenken, der nicht zum wenigsten zu diesem Aufschwünge beigetragen hat. Es ist das der Jesuiten Pater Wilhelm Kreiten. Um jedoch die Verdienste dieses Mannes ganz und voll würdigen zu können, ist eS nothwendig, vorher eine kurze Rückschau zu halten auf den Stand, den die Literatur zu jener Zeit einnahm, da k. Kreiten zum ersten Male eingriff und durch seine literarischen Arbeiten bahnbrechend wirkte. Wie eine prächtige Rakete war zu Beginn unseres Jahrhunderts die Romantik zum nächtlichen Himmel emporgestiegen. Von allen wurde sie begeistert und bewundernd begrüßt. Doch nur kurze Zeit erleuchtete ihr funkelnder Glanz die nächtliche Gegend, dann zerplatzte sie in tausend bunte Sterne, die anseinanderstobeu und — erloschen. Hervorgegangen war die Romantik aus der Unbe- friedigtheit des deutschen Gemüthes. Sowohl die, wenn auch formvollendete Klassicität Goethes, die sich lediglich an die Natur anlehnte, als auch der Idealismus Schillers, dem die höhere Weihe fehlte, ließen in dem Herzen des Deutschen das Gefühl einer gewissen Leere zurück. Leider entsprach das Leben der gebildeten Deutschen in jener Zeit im Allgemeinen nicht mehr der christlichen Weltauffassung; aber man fühlte weithin doch, daß es ein höheres Drittes geben muffe, in dem sich die Gegensätze zwischen dem Realismus Goethes und Schillers Idealismus harmonisch ergänzten und vereinigten. In diesem Gefühle, und diese Idee allmählig erfassend, erklärte sich die junge Generation in jugendlicher, feuriger Begeisterung zu Rittern des Christenthums wider den herrschenden Rationalismus. Freilich äußerte sich dies Bestreben zunächst, da die Jünger ihre Milch an einer anderen Brust getrunken und in einer ganz anderen Luft aufgewachsen waren, als ein unsicheres Suchen und Herumtappen einer sich selbst kaum verständlichen Sehnsucht. Immerhin war es eine wunderbare Zeit, da die Romantik ihr melodienreichcs Lied an- hub, da die Natur ihr uraltes Märchen wieder zu erzählen begann und an den verfallenen Burgen und Kirchen mit dem immergrünenden Epheu die Sagen und Geschichten emporrankten, die Glocken wie von selbst anschlugen und die Wipfel sich rauschend neigten, als ginge der Herr durch die weite Stille, und als müsse der Mensch ob all des Glanzes niedersinken. Es war, als erinnere sich das altgcwordene Geschlecht plötzlich wieder seiner schöneren Jugendzeit, und eine tiefe Erschütterung ging durch alle Gemüther, da Schclling, Steffens, Görres, Novalis, die Schlegel und Tieck ihr Tagewerk begannen. Indeß die wenigsten von ihnen hielten auch späterhin noch den Curs ein, den sie von Anfang genommen. Die meisten Vertreter der Romantik vermochten nicht, den Subjectivismus des Protestantismus zu überwinden, den sie mit der Muttermilch eingesogen. Die Poesie hatte sie vor das im Waldesdicktcht versteckte und längst vergessene Hetligthum hingeführt und vor die mit grünem Epheu überrankten Thore der katholischen Kirche; doch ihre Absicht war nicht kindlich rein genug, als daß ihnen der Spruch geoffenbart worden wäre, auf den hin sich diese Thore öffnen sollten. Nur wenigen war es mit Friedrich von Schlegel vergönnt, auch in das Innere dieses Heiligthums einzutreten, um sich dort in die unendliche Schönheit des Allerhöchsten zu versenken; die anderen begnügten sich. statt ein Glied der lebendigen sichtbaren Kirche zu werden, mit einer manchmal pantheistischen, in träumerischem Halbdunkel schwebenden Symbolik dieser Kirche. Und so wurde naturgemäß der Katholicismus der Romantiker zu dem, für was ihn später auch Tieck zu seiner Rechtfertigung ausgab, zu einer bloßen Staffage ihrer poetischen Gefühle. Lange konnte dieser Zustand nicht andauern. Heine war der Erste, welcher Reißaus nahm. Er war es welcher das vauvs gui xaut! in die Massen warf, mik zweischneidiger Ironie an dem in der eigenen Phantasterei stecken gebliebenen „Munitionskarren" der Romantik rasch die letzten Gurten und Stränge durchschnitt und dann mit Sattel und Zeug zu dem schon lange schadenfroh gegenüber lauernden Heidenthume überging. Eine ganze Freischaar romantischer Trainkuechte, Nachzügler und Marodeurs, ja Alles, was inzwischen am Glauben Schiffbruch gelitten, folgte seinem willkommenen Signalrufe ebenso frech, nur mit weniger Geist und Witz. Mit einem Schlage hatte nun die specifisch änlich ri st liche Poesie fast das ganze Feld erobert. Was kurz vorher doch wenigstens noch scheinbar geehrt und verherrlicht worden war, das war jetzt auf der ganzen Linie in den Koth getreten. Der Geist eines Byron rauschte nunmehr durch den deutschen Dichterwald. Aber zur Ehre der Deutschen sei's gesagt, zu jenem dämonischen Hasse dieses unglücklichen Britten gegen Gott und alles Göttliche brachten sie es meist doch nicht, wenn sie auch die innere Oede und Zerrissenheit mit ihm theilten. Man muß die ganze Trostlosigkeit der Lage kennen, die zu jener Zeit herrschte, da das „JungeDeutschland" tonangebend geworden war, um den lauten Jubel begreifen zu können, mit dem die „Amaranth" von Nedwitz begrüßt wurde. Im Grunde genommen krankte doch auch diese Dichtung an Hyperromantik. Aber es waren wenigstens katholische Ideen, welche da auftraten. Und wenn diese auch noch in einer gewissen Verschwommenheit und manchmal in ungesunder pietistischer Sentimentalität erschienen, so setzte man doch große Hoffnungen auf des kühnen Dichters Jugend, der es sich zur Lebensaufgabe gestellt zu haben schien, den Kampf mit dem herrschenden modernen Heidenthume aufzunehmen. Leider ist uns das formgewandte Talent Nedwitz' verloren gegangen. Seine Verschwommenheit und sein krankhafter Pietismus wurden ihm selbst eine Schlinge zum Falle. Pantheismus und nackter Materialismus waren die Systeme, in deren Dienste seit den vierziger Jahren durch drei volle Decennien die deutsche Dichtung vorherrschend stand. Von katholischer Seite geschah dem gegenüber wenig, oft soviel wie gar nichts. Die Ungunst der Verhältnisse, die Allmacht der liberalen Tagespresse, kurz, Alles hatte sich verbunden, jedes aufstrebende katholische Talent entweder todtzufchweigen oder positiv zu bekämpfen. Nur so ist es erklärlich, wie man vielfach katholischerseits allmählig dazu kommen konnte, ein gewisses Vorurtheil gegen jegliche Art von Literatur zu fassen. Man war gar oft geneigt, die gegenMrtige. V e,r- L8 Irrung der Poesie mit ihrem Wesen zu verwechseln. Und man dachte nicht daran, daß diese formvollendeten krystallenen Schalen erst dann ihren wahren Werth erhielten, wenn der echte, reine, goldene Lebenswein in sie gegossen wird, und daß die Poesie, getragen und durchdrungen von einer großartigen Weltanschauung, wie das Christenthum sie bietet, ungleich mehr Gutes stiften werde, als sie im andern Falle Unheil anrichtet. Das war ungefähr die trostlose Lage und Stimmung in jener Zeit, da k. Kreiten auf der literarischen Arena erschien und seine volle Kraft sammt seinem reichen, ausgedehnten Wissen in den Dienst einer katholischen Poesie stellte. In einer ereignißvollen, gährenden Zeit, am 22. Juni 1847, zu Gängelt in der Nheinprovinz geboren, besuchte k. Kreiten zunächst die Bürgerschule und trat dann schon mit 16 Jahren zu Münster in den Orden der Gesellschaft Jesu ein. Hier vollendete er seine klassischen Studien und ging 1867 zum Studium der Philosophie nach Maria-Laach, woran sich ein zweijähriger Aufenthalt zu Amiens in Frankreich anschloß. Im Jahre 1870 kehrte er nach Münster zurück und hörte auf der dortigen Akademie ein Jahr lang Geschichte und Aesthetik. Hier verkehrte er besonders viel mit dem ausgezeichneten Aesthetiker, dem erblindeten Professor Schlüter. Als er hierauf in Folge des Jesuitengesetzes im Dezember 1872 die Heimath verlassen mußte, wurde er nach Aix in Südfrankrcich gesandt, wo er 1873 die Priesterweihe empfing.'"" 1874 — 75 absolvirte er zu Castres bei Toulouse sein drittes Probejahr und ward dann als Seelsorger und Lehrer am Kollegium nach Lyon und 1876 als Mitredacteur der „Stimmen aus Maria-Laach" nach Schloß Tervueren bei Brüssel geschickt. In dieser Eigenschaft lebt er seit 1878 zu Kirchrath in Holland. Das ist in Kürze der Lebensgang k. KreitenS. Seine Hauptschaffenszeit beginnt mit dem Jahre 1876, von jener Zeit an, da er zum Mitredacteur der Laacher Stimmen ernannt worden war. Ueber die Bedeutung dieser Zeitschrift brauche ich an dieser Stelle wohl nichts mehr zu sagen. Es ist ja ausgemacht, daß die aus ihrem Vaterlands vertriebenen Jesuiten gerade durch diese Blätter einen großen Einfluß auf die Hebung der katholischen Wissenschaft und Literatur in Deutschland und auch auf die Richtung der Geister ausgeübt haben. Obgleich sehr leidend und oft wochenlang an das Krankenlager gefesselt, entwickelte k. Kreiten doch eine ungemeine Rührigkeit. Vor Allem beschäftigten ihn literarische und literarhistorische Arbeiten, die er in den Laacher Stimmen veröffentlichte. Hier hatte er bald die Rolle eines Vertheidigers, bald die eines Angreifers zu übernehmen: immer aber bewährte er sich als einen gerechten, scharfsinnigen und geistreichen Kritiker. Eine kurze Uebersicht über die Aufsätze, die er seit 1874 in der genannten Zeitschrift veröffentlichte, mag einen Begriff geben, von dem Willensstärken Bienenfleiße und der Vielseitigkeit k. Kreitens. Jahrgang 1674 Die FrohnlcichnamSspiele des KönigS Rens. „ 1875 Felibre und Felibrige. Studien über die proveiixalische Literatur der Gegenwart. „ 1876 Jacques Cretincau-Joly. „ 1877 George Sand. Eine literarhistorische Skizze. „ 1877/78 Fernan Caballero. „ 1878 Friedrich August von Klinkowström. , „ Soldat und Christ. » , Vier ungedruckte Briefe von Clemens Brentano. Jahrgang 1879 Dreizehnlinden. „ 1880 Aus einem alten Stammbuch. „ 1889/31 Clemens Brentano'S Chronika eines fahrenden Sckülcrs im ersten Entwurf. „ 1881/32 Dichterklänge aus Wcstphalcn. „ 1882 Zur Entstellung deö Exercitienbüchleins. „ „ Der Singschwan. „ 1882/83 Weibnachtcn in der Provence. , 1883 Eugene Tue oder Professor der Kirchen- gcschichte? „ „ Louis Venillot. „ „ Annette von Drostc-Hülöhosfs literarischer Entwickelungsgang. „ 1684/65 Molisre. Eine Episode aus Bischof LaurentS Leben. Der neueste Neligionsstifter und sein Evangelium. Die Rudhard-Sagc. Ist Voltaires Glaubenöbekenntniß vom Jahre 1769 „gefälscht" und ein „Muster psäjfischer Jntriguenkunst" ? Ncrto. Eine provengalische Dichtung. Zu spät erkannt. Der Tod BaldurS. Ist Voltaire todt? Randglossen zu preisgekrönten und nicht preisgekrönten Gedichten der Gegenwart. Dahnö neueste Erzählungen. Säculäquat oder statuarisch. Ein seltsamer Roman. Wie man „Probleme" löst, von denen man nichts versteht, oder „Dahiel, der Convcrtit". Ein Roman. Zwei neue erzählende Gedichte: I. Unterm Krummstab, II. Jörg von Falkenstein. Ein Wort über „Jesus Romane". Die Fahne deS gebildeten Oesterrcichcrthums? Ungedruckte Briefe von Joseph v. Eichcn- dorff und Karl Ernst Jacke an Lebrccht Dreves. Es geht lustig weiter! (Besprechung eines Enstav-Adolph-Festspiels von Haiser.) Dichterisches aus Amerika. Wie man Wörterbücher schreibt. Der heil. AloysiuS und sein Mahnwort an unsere Zeit. (Zur Fcstfeier des 21. Juni 1891.) Zwei neue christologische Gedichte. Blasinö Pascal. Ein Charakterbild. Die Provinzialbriefe Pascalö. Pascals letzte Jahre. Die Lieder des Mirza-Schasfy. Felix Dahn's neuester Roman „Julian der Abtrünnige". Bedenkt man, daß Vieles hiervon, ja vielleicht das Meiste auf dem Krankenlager entstand, dann kann man nicht genug die hingebende Liebe und die Akribie bewundern, mit der all diese gehaltvollen Aufsätze geschrieben sind. Dazu ist der Stil k. Kreitens klar und durchsichtig und gewandt, so daß selbst die Gegner niemals diesem ihr Lob vorenthalten konnten. An dieser Stelle möchten wir auch darauf hinweisen, daß wohl recht viele Freunde k. Kreitens ihm zu großem Danke verpflichtet sein würden, falls er all diese Aufsätze in einem eigenen Buche sammeln und herausgeben wollte. Viele kleinere Recensionen und Besprechungen, in denen der Kritiker die bemerkenswerthesten katholischen Novitäten des literarischen Marktes notirte und re- gistrirte, mußten wir natürlich in dem vorstehenden Register übergehen. Außerdem aber betheiligte sich k. Kreiten noch an der Abfassung einer Biographie und Charakteristik Brentanos, gab die nachgelassenen Gedichte und Novellen seines Freundes und Ordensbruders Diel heraus. 1885 § 1886 1663 1889 1839/9L 1890 1891 1892 1893 1894 99 veranstaltete eine Sammlung der Gedichte unserer größten deutschen Dichterin, der Annette v. Droste-Hülshoff, deren echte, reine Katholicität er protestantischen Literarhistorikern gegenüber in seinen „Studien" nachwies; schrieb ein Leben Voltaires und MoliereS und übersetzte endlich den Liedercyklus „Bethlehem" deS proven?alischen Troubadours Abbs Lambert. Das ist in großen Zügen die Wirksamkeit des Kritikers und Literarhistorikers k. Kreiten. So gedrängt auch diese Notizen sind, so wird doch Jedermann zugestehen müssen, daß ein solches Wirken und Schaffen nicht ohne Einfluß auf die gleichzeitig erst im Entstehen begriffene katholische Literatur sein konnte. Adam Weishaupt. Von Adam Hirschmann. (Fortsetzung.) Um nun die deistischen, antimonarchischen Grundideen des Jngolstädter Geheimbundes, welche nach Knigge's eigenem Urtheil „für die Welt wahrhaftig gefährlich waren", durchzuführen, forderte der Stifter von seinen Anhängern blinden Gehorsam, vollständige Unterwürfigkeit gegen unbekannte Obere. (Einige Originalschriften S. 28, 40, 300.) „Höhere Grade, heißt es in den Maximen für den Negentengrad (Neueste Arbeiten II, 166), müssen den untern allezeit verschwiegen bleiben. Man ist geneigter von Personen, die man nicht kennt, Befehle anzunehmen, als von Bekannten, an denen man uach und nach allerlei Mängel wahrnimmt. Man kann auch die Untergebenen besser beobachten, und diese werden sich besser und vorsichtiger betragen, wenn sie immer von Ausschern umringt zu sein glauben, und solange gut handeln, bis ihnen die Tugend zur Gewohnheit wird." Der Orden forderte eine totale Unterwürfigkeit in Rücksicht auf Ordens-Angelegenheiten. „Die Mitglieder haben die Kunst zu erlernen, sich zu verstellen, andere zu beobachten und auszuforschen." „Stillschweigen ist das größte Gesetz, deßwegen ist es nicht erlaubt, auch gegen vermeinte Ordensbrüder von dem Orden, von seiner Aufnahme zu reden." Die Gesellschaft sollte so verborgen als möglich bleiben, damit nicht die ganze Gesellschaft auf einmal verrathen werden konnte und damit die obern Knigge sagt: „Wenn ich die Entstehungsgeschichte, ihre wahrhaftig für die Welt gefährlichen, von mir in allen Heften moderirten Grundsätze gewissen Männern vorlegen wollte — wer würde bleiben? Was ist der Priestergrad gegen ihre Mittel zu guten Zwecken, gegen die unverzeihlichen Unbilligkeiten gegen Walter, Leveling u. s. w.?" (Nachtrag I, 124.) Das allgem. Handbuch der Freimaurerei, Leipzig 1865, sagt II, 14: „Denn so edel die Absichten des Stifters waren, so verkehrt waren die Mittel, mit welchen diese in das Leben gesetzt werden sollten." Um die „edlen Absichten" WeiöhauptS zu erhärten, beruft sich das Handbuch aus die Stelle in Pythagoras S. 35, wo WeiS- baupt sagt: „Was ist größer als die Kunst, sclbstdenkcnde Menschen aus allen Welttheilen, von allen Ständen und Religionen, unbeschadet ihrer Denkfrciheit, trotz aller so verschiedenen Meinungen und Leidem chasten, durch ein gegebenes höheres Interesse, in ein einziges Band dauerhaft zu vereinigen, sie dafür glühend und aus den Grad empfänglich zu machen, daß sie in der größten Entfernung als gegenwärtig, in der Unterordnung als Gleiche, daß Viele wie ein einziges Handeln und Begehren und aus eigenem Antriebe, aus wahrer Ueberzeugung von selbst thun, waS kein öffentlicher Zwang, seit Welt und Menschen sind. bewirken kann? — Die Gesellschaft, welche dieses leistet, und diese ganz allein, ist das Meisterstück der menschlichen Vernunft; .in ibr und durch sie bat die Ne- gicrungSkunst ihre höchste Vollkommenheit erreicht." Allem Wcisbauvt spricht hier ganz allgemein; und die Gcscbichie seines eigenen Ordens beweist, daß diese Gründung nicht das Meisterstück der menschlichen Vernunft war. verborgenen Glieder die unteren um so bester beobachten konnten. (Einige Originalschr. S. 40—43.) Ja, Weishaupt scheute auch vor wissentlichem Betrüge nicht zurück, wenn es das Interesse seines GcheimbundeS erheischte: „So, wie er sie betrogen hat, schreibt ir über Ajax (Hofkammerrath Mässenhauser) nach München, so betrügen sie ihn ebenfalls." (Ebendas. S. 198; vergl. S. 326.) Den Vorgesetzten mußten alle Vierteljahre genaue Berichte — tzuibrm lioot genannt — von den Untergebenen eingereicht werden, welche dann dem General deS Ordens vorgelegt wurden. In Folge dieser Ueberwachung nach Art der Geheimpolizei konnte Weishaupt 1779 über Eichstätt berichten: „Da kenne ich Leute, die mir nicht einmal von Person bekannt sind, so genau, als wenn ich täglich mit ihnen umginge." (Ebendas. S. 334.) Die Eichstätter waren aber auch sehr naiv; sie leben und sterben darauf, sagt Weishaupt, die Sache sei so alt als Methusalem! (Ebendas. S. 202.) Wirklich einsichtsvolle, denkende Männer wurden indessen durch die Heimlichkeit vorn Eintritts in den Orden abgehalten; so äußerte Lamezan: Er könne sich nicht entschließen, in eine Gesellschaft zu treten, deren Obere und Mitglieder ihm gänzlich unbekannt seien und die gleichwohl Gehorsam von ihm fordern und ihm neue Verbindlichkeiten auflegen wollen. Dann sei es ihm auffallend und bedenklich, daß heimliche Aufseher angeordnet seien, die über die Sitten und Aufführung anderer Mitglieder Acht haben sollen. Sowohl mit der Erfahrung als auch besonders aus den Jesuiten-") und Mönchsschnlen wäre ihm erinnerlich, daß dadurch keine wahrhaften und tugendhaften Menschen gebildet, sondern meistens nur Scheinheilige und Heuchler gezogen würden. (Nachtrag I, 176.) Um die Geheimnißthuerei zu steigern und sich vor Entdeckung zu schützen, führte Weishaupt eine eigene Ordensgeographie ein. So nannte er Bayern Achaja, Schwaben Pannonien, Franken Jllyrikum, Oesterreich Aegypten; München hieß Athen, Freising Theben, Eichstätt Erzerum, Bamberg Antiochia, Nürnberg Nicora, Landshut Delphi, Jngolstadt Eleusis ober auch Ephesus; Würzburg Karthago, Erlangen Sagunth. Die Zeitrechnung war den Persern entlehnt; die Zahlen dienten als eigene Ordens-Chiffre; 12 bedeutete a und bildete den Schlüssel. Die Mitglieder selbst erhielten eigene Namen, welche MeistentheilS der griechischen oder römischen Geschichte entnommen waren. So nannte sich Weishaupt sehr bezeichnend Spartakus (Vergl. Histor.-polit. Blätter 1891 Bd. 107 S. 124—135); der kurfürstliche Hofkammcr- rath Mässenhauser hieß Ajax; Professor Bader Celsus; Bassus Baron von Sanderstorf führte den Namen Han- nibal; Buecher, Pfarrer von Englbrechtsmünster, wurde Ulrich von Hütten genannt;^) Repetitor Duschel von Jngolstadt Deucalcon; Dosch, Stiftspfarrer zu Strau- bing, Lucianus; Fischer, ehemaliger Stadtoberrichter zu Jngolstadt, Menippus; der Benediktinermönch Finner Mnsonius; Gerstner, Stadtschreiber zu Eichstätt, Ottin;- Pfarrcr Gerhardinger Plato; ein Kanoniker zu Eichstätt bei St. Walburg hieß Moyses; ein anderer unbenannter Priester Eichstätts Tasso; Häffelin, Vicepräsident deS ") Die Studienordnung von 1599 kennt keine geheimen Aufseher. Pachtlcr II. 366 nr. 37, 394 ur. 36, 458 ur. 7. '-) Umcrni 13. August 1783 schreibt Marius (Hcrtel) an Hannioal (Baron Bassus zu Sandersdorf): „Ich muß schließen, weil wir den Ulrich von HuUen stants xeäs zum Gr. Jllum. befördern müssen." (Nachtrag v. Originalschr. I, 141.) geistlichen Rathes, Philobiblius; Hohenadel, Kloster- richter zu Steingaden, Pisistratus; der Benediktinermönch k. Placidus Herler im Kloster heil. Kreuz zu Donauwörth wurde Viucentius Garaffa benannt, wahrend Dompropst Kobenzl zu Eichstätt Arminius hieß. Bene- fiziat Lanz trug den Namen Sokrates; Lang, kapitlischer Beamter in Eichstätt, jenen von Tamerlan; der Hofrath Baron MontgelaS hieß Musäus; Michl, Priester und Hofmeister beim Baron Weiden zu Freising, Solon; Graf Pappenheim, Stadthalter zu Jngolstadt, Alexander; die beiden Pettenkofer wurden Pylades und Orestes benannt ; Graf Preysing in Moos Pelopitas; Graf Seinsheim, Oberlandes-Negierungs-Viceprüsident, Alfred; Sauer, Kanzler zu St. Emmeran, hieß Attila; Speer, geheimer Kabinetskanzlist beim Bischöfe zu NegenSburg, Argus; Sedlmaher, Pfarrer zu Biburg, Cäsar d'Avalos; Graf Spauer, Domherr zu Salzburg, Diogenes; Socher, Pfarrer von Haching, Hermes; Kanonikus von Schneid in Straubing Horatius; Trexel,") Weltpriester und Schuldirekior in Jngolstadt, Pythagoras; Winterhalter, Physikus zu Landsberg, Democedes; Zwack, Regierungsrath in Landshut, Cato; der Pfarrer zu Windisch- Eschenbach, dessen bürgerlicher Name in der Liste nicht genannt ist, hieß Demetrius Valerius; von Löwenthall, Kanzler zu Amberg, Ephorus; Baron Egcker zu Amberg, Negierungsrath, Periklcs; Pfarrer Niedermayer zu Williug Suetonius u. s. w. (Hist.-pol. Blätter 1883 Bd. 103 S. 926—941.) Fragen wir nunmehr nach der Ausbreitung des Ordens, so war die Mitgliederzahl anfänglich eine sehr beschränkte; im Jahre 1778 belief sich dieselbe auf 40 Köpfe. (Einige Originalschr. S. 297.) In Eichstätt hatte Weishaupt selbst im September 1776 Boden zu gewinnen versucht; als erster wurde Lang unter dem Ordensnamen Tamerlan im Dezember 1776 aufgenommen; im Laufe des nächsten Jahres folgten noch einige Neuwerbungen, so daß Weishaupt unterm 13. März 1778 berichten konnte: „In Eychstätt werden sie die wenigsten kennen. Genug 2. 12. 13. 6 (d. h. Lang) unter dem Namen Tamerlan dirigirt und seinem Eifer habe ich zu danken Odin (Gerstner), Tasso, Osiris (Barth), Lukullus (Klug), Sesostris und Moyses (Starkes Derselbe wurde 1802 Professor an der Universität Lands- hnt, 1618 Pfarrer in Viechtach. Von ihm liegt oaS Stamm- bucbblatt vor: „Welches ist die Religion eines Menschen oder Volkes ohne Aufklärung? Nichts weiter als Gedächtnißwerk, als Cäremoiüeuwerk, als Heuchlerdienst, als Selbstbetrug. Die niedrigsten Begriffe von der Gottheit und ebenso niedriges, knechtisches, kindisches Verhalten gegen dieselbe, die abergläubigsten Vorstellungen von der Wunderkraft gewisser Worte (Trexel meinte wohl die Consccrationöworte) und feierlichen Gebräuche und Außenhandlungcn, und ein ganz blindes Vertrauen auf diese Worte und Gebräuche und Handlungen, ängstliche Ge- wisscnbastigkeit in glcichgiltigen und roher Leichtsinn in den wichtigsten Dingen, sklavische Furcht und eitle Hoffnung. Eifer ohne Verstand, Glaube ohne Tugend, Frömmigkeit ohne Menschenliebe, strenge Beobachtung willkürlicher Vorschriften und Gebote und gemeinschädliche Entbindung von den unablässigsten Pflichten! And welches ist die Religion des aufgeklärten Mannes und eines Volkes, wo man das Licht nicht scheut, wo man ihm den Zugang zu dem Verstände des Menschen gerne öffnet? Das Gegentheil von jenem." > Lxmlio!: vises saxoro et lastari. Jngolstadt, den 9. Junius 1785. . Dehnliche Anschauungen hegte Wolfgang Hobmann, Priester bei den Bartholomäern in Jngolstadt, der 1808 als k. b. Obcr- Schul- und Studicnrath das Elemcntarschulwescn des ganzen Königreichs Bayern in die Hände bekam. Past.-Bl. des Bislh. Eichstätt 1865, 211. mann). Sind diese nicht gute Progressen?" (Ebend. S. 221.) In einem anderen Briefe, datirt aus Erzerum den 25. Merdedmeh 1148 (Eichstätt den 25. August 1778), bemerkt er: „Ich wünsche, daß in Athen (München) mit so vielem Eifer und Fortgang gearbeitet werde, als es in hiesiger Gegend geschieht. Dieser Tagen wird von Tamerlan ein allhiesiger Domherr B. v. 17 — (Ried- heim?) engagirt werden.^) Und ich habe auch vor kurzem wiederum einen angetroffen, der an Eifer und Arbeitsamkeit Tamerlan übertrifft. Hier ist es den Leuten wirklich Ernst. Ihre Genauigkeit in Befolgung ihrer neuen Pflichten ist äußerst und sie lassen sich sozusagen maschinenmäßig dirigiren. Mit den Freisingern bin ich nicht zufrieden." (Ebend. S. 257.) Die Eichstätter Loge hieß zu den Plejaden (ebend. S. 311 )^) und war im jetzigen bischöflichen Palais rückwärts eingerichtet. In München konnten im Jahre 1778 zwei Convente und zwei Logen eingerichtet werden. (Ebend. S. 219.) Nach den Angaben Schreibers (Geschichte Bayerns II, 245) lebten damals (1778) in München allein über 300 Jlluminaten aus allen Beamtenzweigen, sowie der höheren und niederen Geistlichkeit, darunter der Vicepräfident des „Geistlichen Rathes" Häffelin, welche ihre Loge in einer Ecke der Hackergasse hatten. In Rücksicht auf die von Dr. Max Lingg in den Historisch-politischen Blättern Bd. 103 mitgetheilte Liste der Mitglieder vor 1782 dürfte jedoch diese Zahl zu hoch gegriffen sein, da sich daselbst nur 227 Namen verzeichnet finden, welche aber nicht ausschließlich auf München entfallen. Weishaupt selbst schreibt unterm 2. September 1778 von Eichstätt nach München: „Denn waren in dem elenden Erzerum 8 bis 10 tüchtige Personen aufzutreiben, warum sollte es in dem weitläufigen Athen ebenfalls nicht geschehen können?" (Einige Originalschr. S. 263.) Freilich waren nicht immer die besten Männer Anhänger des Jngolstüdter Geheimbundes. So jammert Weishaupt über München: „Urtheilen Sie weiter, wenn ein solcher Mann, wie Markus, erführe, wie elend es in Athen (München) aussieht: welchen Auswurf von unmoralischen Menschen, von Hurern, Lügnern, Schulden- wachern, Großsprechern und eitlen Narren Sie unter sich haben? wenn er das alles sähe, was glauben Sie, daß der Mann denken würde?" Ja, Weishaupt steht nicht an, den harten Ausdruck zu gebrauchen: „Diese Lumperleute find ohnehin nicht zu erhalten; sind keiner Disciplin fähig, versprechen und zahlen nicht, wie es ihre Ausstände beweisen." (Nachtrag von Originalschr. I, 42—44.) Unterm 12. Februar 1781 beklagt sich der Stifter dem Cato (Zwack, Regierungsrath in Landshut) gegenüber in einem vertraulichen Briefe: „Der Zustand ihrer Provinz ist erbärmlich, so elend, daß ihm nicht mehr zu helfen ist. . . . Wenn Philo (Knigge) das alles erführe, so ging er den Augenblick zurück, er, der in dem Orden auch nach der Entdeckung nichts als Ordnung, Schönheit und das vortrefflichste Gebäude zu finden glaubt. Nicht nur ihre Provinz, auch alle, die unter dem Direktorio der athenienser Areopagiten stehen, sind elend, verwahrlost." (Einige Originalschr. S. 867—368.) Noch schlimmer stand es in Freistng: «Von Theben, schreibt Weishaupt, höre ich fatale Nachrichten, sie haben das Skandal der ganzen Stadt, den liederlichen Schulden- ") Sich, Die Bischöfe und ReichSsürsten von Eichstätt II, 690. >°) Saö. I. °. II. 686. II. 659. 101 wacher Propertius") in die Loge aufgenommen, der nun das ganze Personal von Athen (München), Theben (Frei» sing) und Erzerum (Etchstätt) aller Orten austrompet: auch soll D — — ein schlechter Mensch sein. Sokrates (Benefiziat Lanz), der ein Kapital-Mann wäre, ist beständig besoffen, AugustuS (Graf Königsfeld, Domherr zu Freising) in dem übelsten Ruf, und' Alcibiades (Hoheneichner, Hofrath zu Freising) setzt sich den ganzen Tag vor die Gastwirthin hin und seufzet und schmachtet; Tiberius (Merz aus Naumburg) hat in Corinth (Regensburg) des Democedes (Winterhalter, Arzt in Landsberg) Schwester nothzüchtigen wollen und der Mann kam dazu. Um des Himmels willen, was sind das für Areopagiten l" Am Schlüsse fügt der Stifter noch die Klage bei: „O Areopagiten, Areopagiten! hätte ich, wenn es Möglich gewesen wäre, gar keine oder doch wenigstens thätigere und folgsamere dazu gemacht." (Nachtrag von Originnlschr. I, 39—40.) Uebrigens hatte Weishaupt, der mit nebelhaften Ideen und knabenhaften Einfällen die Sitten der Welt verbessern wollte, keinen Grund, mit pharisäischem Hochmuths auf die Ausschreitungen seiner Ordensbruder herabzusehen; er selbst war am wenigsten tadelfrei, wie wir später noch hören werden. Eine sehr mißliche Sache für den jungen Geheim- bund waren die finanziellen Schwierigkeiten. Jeder Kandidat sollte vor seiner Aufnahme einen Geldbeitrag leisten: Leute von Vermögen eine Karolin (11 fl.), weniger Reiche einen Dukaten, geringere nach Belieben. (Einige Ori- ginalschr. S. 36.) Aber gar manche Ordensmitglieder dachten an ihr Privatinteresse. So klagt Weishaupt in einem Briefe an Cato aus dem Jahre 1778: „Wenn Ihnen der Abzug für Korrespondenzen erlaubt ist, so gilt dem Scipio (von Berger, Nevifions-Nath), Marius (Benefiziat Hertcl in München), Tiberius (Merz aus Naumburg), Alcibiades (Hoheneichner, Hofrath zu Freising), Solon (Mohl, Priester und Hofmeister beim Baron Melden zu Freising) und mir ein gleiches. Mich kostet die Ordenscorrespondenz jährlich über 30 fl.") Verrathet dieß wieder neuerdings Ihre Absicht, den Orden nur zu Ihrem Privatvortheil zu gebrauchen. Ich bin bereit, mein Hab und Gut für das Beste der Gesellschaft abzuziehen. Und Sie nehmen bei dem ersten Erlag von 17 fl. über 11 fl. hinweg; ist das socialisch? Was läßt sich da hoffen? Mir möchte das Herz bluten, wenn ich an einem Theil gar soviel Eigennutz und sowenig Liebe für's Ganze sehe. . . . Von was werden wir nunmehr die Jnsignien, Wappen u. s. w. bezahlen? Weil ich sehe, daß man mit unserem Gelde so umgeht, so kann man mir ja nicht verdenken, wenn ich von Erzerum (Eichstätt) keinen Beitrag nach Athen (München) machen lasse. Diese Oekonomie gefüllt mir nicht, und ich habe Sorge, wir gerathen auch noch durch Administration unserer Kassa in Schand und Spott." (Einige Originalschr. S. 295.) Jene, welche nicht im Stande waren, eine Geldeinlage zu machen, sollten kleine, der Zeit entsprechende satirische Aufsätze und Gedichte liefern, welche zum Drucke befördert werden könnten, um „etwas Geld daraus zu lösen. Denn nur für die Kassa gesorgt, das ist das -°) Nach Hist.-pol. Bl. Bd. 103 S. 930 u. 940 war Pro- pertiuS mit dem bürgerlichen Namen: Franz, Wachs- Hof- und Ehrghrts.-Sckret. zu Hanau. Weishaupt scheint auch die amtliche Postfreiheit für seine Zwecke benutzt zu haben. So fragt er am Schlüsse eines BriefeS nach München vom Jahre 1778: „In wiefern kann die Post- freiheit des Cato noch benutzt werden." (Einige Originalschr. S. 263.) erste; sobald ich weiß, daß schon eine Einlage und wie viel geschehen, so folgt meine Karolin auch." (Ebend. S. 319.) Wirklich sehr vorsichtig und schlau gehandelt von Weishaupt! Er empfahl den Schriftstellern: „eine Parodie von den Lamentationen Jeremiä. Ein Klage» lied in poetischer Prosa über den Zustand von Baiern in dem Geschmack von Thomsons Britania oder Uoungs Nachtgedanken, v. g. Lavaria,. Hier müßte Baiern redend eingeführt werden. Oder auch Prophezeiungen im orientalischen Stil. Satyrische Schriften, die nicht zu sehr in das pasquillenmäßige verfallen. Ich für meinen Theil, gesteht der Ordensstifter im Briefe vom 4. April 1779, will die Parodie von den Lamentationen Jeremiä übernehmen. Schickt sich gut auf die Zeit" (ebendaf. S. 323), aber schlecht für einen gebildeten Mann! Um die Kassa auf besseren Fuß zu stellen, faßte Weishaupt ein andermal den Plan, in alle Genueser Lotto die nämliche Nummer zu setzen, und zwar zu gleicher Zeit. (Ebend. S. 250.) Ein weiterer Rathschlag ging dahin, Lesebücher, Romane, Komödien sammeln zu lassen. Weishaupt war bereit, auch von seinen Büchern einen großen Beitrag herzugeben; „ich habe ausspekulirt, schreibt er an Ajax (Hofkammerrath Mässenhauser zun.), daß sie für uns eine Finanzquelle werden." (Ebend. S. 177.) Aengstlich war hierin der Ordensstifter durchaus nicht. So schrieb er am 6. April 1779: „Marius (Benefiziat Hertel) hat noch etwas davon (von Handschriften) aus der Hofbibliothek, er soll es uns mittheilen, und soll sich durchaus keinen camuri oonseisntiaa (Gewissensbedenken) machen; denn nur was Schaden bringt, ist Sünde; und wenn der Nutzen größer wird als der Schaden, so wird es gar zur Tugend. (Saubere Moral!) Bei uns nützen sie gewiß mehr, als wenn sie hundert Jahre in ihrem Orte eingesperrt stehen. Tiberius (Merz aus Naumburg) hat die im beiliegenden Katalog aufgeschriebenen Bücher alle in der Karmelitenbibliothek zu Navcnsburg erobert. Was thun die Kerls mit diesen Büchern? . . Den überschicktcn Vücherkatalog senden Sie auch dem Tiberius; denn er ist vielleicht im Stande, auf seinen Feldzügen in den schwäbischen Bibliotheken manchen zu erhäschen. "^) (Ebend. S. 330.) (Fortsetzung folgt.) Em Blatt aus der belgischen KircherrgeschichLe. H,. N. Bei der neuen Diözesaneintheilung der Niederlande unter Philipp II. im Jahre 1559 wurde Gent, die Hauptstadt Ostflanderns, Bischofssitz und bekam in der Person des hochgefeierten Exegeten Jansenius — nicht zu verwechseln mit dem berüchtigten Jansenius von Apern, nach welchem die Sekte der Jansenisten ihren Namen erhielt — seinen ersten Bischof. Einer seiner bedeutendsten Kircheufnrsten ist zweifellos der dem französischen Hochadel entsprossene Mauritius Johannes Magdalena de Broglie. Bereits unter dem 17. November 1805 Bischof von Acqui in Piemont geworden, wurde er von Papst Pius VII. unter dem 3. August 1807 auf den belgischen Bischofsstuhl zu Gent transferirt. Fast 14 Jahre war er der geistliche Oberhirte dieser volkreichen, gut kathol» ischen Diözese, hatte aber während genannter Zeit einen fast beständigen Kampf für die Rechte der Kirche zuerst Hohencicher hat sich erboten, zu unserer Gewcin-Dibliothek nach München zu saniineln und er wird insbesondere aus der domkapitliichen zu Freising sehr wichtige Beiträge liefern. (Einige Originalschr. S. 242.) gegen die StaatSomnipotenz Napoleons I., dann gegen die Eingriffe der holländischen Regierung unter dem Dränier Wilhelm I. in das innerste religiöse Leben der Kirche zn führen. Den größten Theil seiner bischöflichen Amtsthätigkeit brachte er in der Verbannung zu. Welch bewunderungswürdigen Eifer dieser edle Kirchenfürst während seiner 14jährigen Regierung (3. Aug. 1807 bis 20. Juli 1821) in der Vertheidigung der Rechte der Kirche entfaltet, waS er im rechtmäßigen Kampf mit der alles erdrückenden Staatsallmacht Napoleons I. und dem katho- likcnfeindlichen Geiste der protestantischen Regierung Wilhelms 1. von Holland erduldet, soll in Nachstehendem dem freundlichen Leser als eine traurige Episode der belgischen Kirchengeschichte im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts vor Augen geführt werden. Schon im Jahre 1809 hatte der Fürstbischof von Gent, Broglie, die Unzufriedenheit des Kaisers Napoleon erregt. Ein offizieller Bericht deS Cultusministers an den Bischof that letzterem kund, der Kaiser sei unzufrieden ob der geringen Aufmerksamkeit, welche der Bischof seiner Person schenke. Er bringe zu viel Vertrauen einem seiner Generalvtkare, der nicht geeignet sei, die Gemüther für die Regierung zu stimmen, entgegen. Die Folge dieser ministeriellen Rüge war, daß der Bischof diesen dem Kaiser nicht genehmen General- vikar entlassen mußte. Ein Jahr später wurde Broglie zum Mitgliede der sogenannten „Ehrenlegion- ernannt, weigerte sich jedoch, den damit verbundenen Eid zu leisten, weil derselbe gegen Recht und Gerechtigkeit verstoße. Er entwickelte diese Weigerung in einer eigenen Denkschrift an den Minister. Als ihn bald nachher Napoleon zornig hierüber zur Rede stellte, erklärte der Bischof freimüthig : man könne nicht von ihm etwas verlangen, was mit seinem Gewissen im Widerspruch stünde. Doch all das waren nur leichte Vorpostengefechte. Der Hauptkampf begann im Jahre 1811. Napoleon hatte für dieses Jahr ein Nationalconcil nach Paris zusammenberufen. Unter andern ließ er den dort versammelten Bischöfen die Frage vorlegen, ob das Naiionalconcilium befugt sei, über die kanonische Einsetzung der Bischöfe zu beschließen, ohne die vorherige Dazwischenkunft des Papstes in den Fällen, wo das Concordat als abgeschafft erklärt wäre. Die Mehrzahl der Concilsväter entschied sich, den kirchlichen Satzungen entsprechend, für die Nichtbcfugniß und ließ am 10. Juli (1811) durch eine Commission, deren Mitglied der Bischof von Gent war, dem Kaiser die ablehnende Antwort zukommen. Der fein gesponnene Plan Napoleons, selbstthätig, d. i. ohne die Zuhilfenahme des Papstes, die Bischofsstühle seines Reiches nach seinem eigensten Belieben zu besetzen, war damit gründlich zu nichte gemacht, sein Zorn aber auch auf's heftigste erregt. Noch am selben Abend erschien das von ihm unterzeichnete Dekret der Concilsauflösung. In der darauffolgenden Nacht vom 10. auf den 11. Juli wurden drei Bischöfe, Msgr. de Broglie von Gent, Mfgr. Hirn von Tournay und Msgr. de Boulogne von Trotzes, aus den Betten geholt und mit den Theologen der zwei erstgenannten Bischöfe, den Herren Van de Vclde und Duvivier, in den Kerker zu Vincennes geworfen; denn diese drei Bischöfe galten dem Kaiser als die Verführer der Uebrigen, und darum sollten sie vor allem erfahren, was es heiße, den Plänen des gewaltigen Kaisers entgegenzutreten. Weder List noch Gewalt wurde gespart, um die Bischöfe zur Abdankung zu bewegen und nachgiebigere Persönlichkeiten an ihre Stelle zu bringen. Man rang zwar ein vom 22. November 1811 datirtes Versprechen, sich nicht mehr in die Regierung ihrer Diözesen einmischen zu wollen, den drei Bischöfen ab, doch das genügte Napoleon nicht. Er wollte eine bestimmtere Abdankungs- Urkunde. So wurde denn mit der größten Härte besonders gegen den Bischof de Broglie vorgegangen. Man schleppte ihn in den verschiedensten Kerkern und Verbannungsorten herum, bis er schließlich nach Dijon gebracht wurde. Hier verlangte der Unterpräfect geradezu unter Todesdrohungen die Abdankung. Erschöpft durch Krankheit und Entbehrungen aller Art, unterschrieb endlich Broglie am 8. Juli 1813 nach achtstündigem, heißem Kampfe mit sich selbst die vorgelegte Erklärung; aber alsbald ergriffen ihn die größten Gewissensbisse ob dieses Wankelmuthcs, und er gab in einem Schreiben an den heiligen Vater und in einem Hirtenbriefe an seine Diö- zesanen seiner Neue hierüber den edelsten und offenherzigsten Ausdruck. Als man ihm daher am 30. November 1813 eiue neue, noch eingehendere Verzichtleistnng abverlangte, widerstand er trotz aller Drohungen auf'S unerschütterlichste. Während man den Bischof in seinen Gefängnissen mit der Unterschreibung der Abdankungsurkunde quälte und peinigte, ging man in Gent gegen den seinem Bischöfe treu gebliebenen Klerus und die Alumnen des Priesterseminars zu Gent mit ähnlicher Rücksichtslosigkeit und Gewaltthätigkeit vor. Sofort nach der Gefangensetzung des Bischofes zu Paris in der vorhin erwähnten Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1811 wurden im bischöflichen Palaste zu Gent die strengsten Untersuchungen vorgenommen, die Papiere des Bischofes confiscirt und dessen Sekretär verhaftet. Die Regierung erklärte das Bisthum als rechtmäßig erledigt und befahl dem Domkapitel die Ernennung von Kapitularvikaren. Die durch diese Re- gierungsmaßregel angestiftete Verwirrung in der Gcnter Diärese eingehender zu schildern, würde zu weit führen; ich erwähne darum sofort jene Thatsache, daß Napoleon im April des Jahres 1813 einen Domherrn von Dijon, de la Brue de Saint-Bauzille zum Bischof von Gent ernannte. Durch diesen kirchlich ungesetzlichen Akt hatte Napoleon das Schisma in die Gcnter Diözese hineingetragen ; doch, wie es sich alsbald zeigte, mit sehr geringem Erfolge. Von den 1200 Priestern des Bis» thums ergriffen höchstens 30 die Partei des Staats- bischofeS. Die Alumnen deS Priesterseminars verweigerten gleichfalls dessen Anerkennung und blieben den feierlichen Gottesdiensten in der Domkirche, welchen der NegierungS- bischof beiwohnte, aus freiem Antriebe fern. Auch das Volk stand treu zu seinem rechtmäßigen Oberhirten. Als am 15. August, zugleich Napoleonstag, die feierliche Prozession in Anwesenheit des Staatsbischofes im Freien stattfand, nahmen außer demselben und seinem Sekretär nur 10 Geistliche theil, nämlich seine 4 Wähler, 3 Pfarrer und 3 andere Priester. Die Alumnen und die Bruderschaften blieben dieser Prozession ostentativ fern. Ueber die widerspenstigen Pfarrer wurde nun vom kaiserlichen Vikariate die Suspension verhängt. Ein Gerichtsbote überbrachte die Sentenz, sie wurde an den Kirchenthüren angeschlagen; darnach hatten sich die Schuldigen sofort aller Funktionen zu enthalten und durften nirgends im Bereiche der Diözese Messe lesen. Daß der Suspension von einer solch unkirchlichen Behörde seitens des seinem rechtmäßigen, in der Verbannung lebenden Bischöfe treu ergebenen Klerus keine Kraft beigemessen wurde, war selbstverständlich. War man ja doch bereits so weit ge- 103 kommen, nicht bloß auf die Befehle deS kaiserlichen Vi- kariates nicht mehr zu achten, sondern dieselben geradezu mit Spott zu erwidern. So hatte z. B. der Pfarrer von Moen die Ernennung zu einer Pfarrei höheren Ranges erhalten. Er sandte das Dekret sofort wieder zurück, nachdem er vorher unter dasselbe die bezeichnenden Worte des 49. Psalmes geschrieben: „Narr aeoipiuw äs äorno tun vitulo8, lie^u.6 äs grsgidus tuig lüroo8." „Von Deinem Hause nehme ich keine Kälber an, und die Böcke Deiner Heerde kannst Du selbst behalten." Besonders schwer mußten für ihre Ergebenheit an ihren verbannten Bischof die Alumnen oder Priesteramtskandidaten leiden. Nach der mißglückten Prozession am Napoleonstage (15. August) ließ der Departementspräfect durch ein Circular die Alumnen auf den 18. August Vormittags 10 Uhr inS ehemalige Kapuzinerkloster zu Gent vorladen. Sämmtliche Erschienene, 77 an der Zahl, blieben dem Versprechen, das sie sich einige Wochen vorher gegeben hatten, „lieber das Leben zu lassen, als gegen ihr Gewissen zu handeln", unerschütterlich treu. Zwei von ihnen, vornehmen Familien angehörig, ließ der Präfect zuerst in die Uniform der kaiserlichen Ehreu- garde stecken, und als sie auch jetzt noch die Anerkennung des Staatsbischofes verweigerten, ihnen die glänzende Uniform vom Leibe reißen und sie ins Zwangsarbeitsthaus (Rasxliuis) sperren. Weitere vier, die als Nädels- iführer galten, schleppte man sofort tns Gefängniß; alle Äbrigen, auch diejenigen, welche auf die Vorladung im Kapuzinerkloster nicht erschienen waren, im Ganzen ungefähr 150, wurden der Strafkolonne in der Festung Wesel am Rhein zugetheilt. Dort langten diese jungen, lüberzeugungstreuen Männer im September 1813 an. WaS sie von da ab während eines Zeitraumes von 8 Monaten und 8 Tagen zu erdulden hatten, erinnert geradezu an die Leiden christlicher Märtyrer. Krankheit und Tod lichteten ihre Schaar in der Weise, daß von den 150, die Wesel betreten, am 8. Mai 1814 nur mehr 38 die Festung verließen. Erschütternd ist die Schilderung, welche einer von ihnen über das Militär- lazareth, in dem er eine Zeit lang krank lag, entwirft. „In dem Saale, in dem ich wich befand, fand man jeden Morgen 3, 4, zuweilen sogar 7 Leichen. Die einen waren in ihrem Bette gestorben, die andern, während sie sich zur Mulde (welche die Entleerungen aufzunehmen hatte) schleppten. Wieder andere, indem sie über den Rand in die Mulde glitten. Die Wärter waren meistens gottlose und jeglichen Gefühles bare Menschen. Ein junger Mann von etwa 24 Jahren, Festungsgefangener, bekam die Ruhr. Vollständig erschöpft und eher einem Skelette als einem lebenden Wesen gleichend, befand er sich schon seit einigen Tagen in einem solchen Zustande der Schwäche, daß es ihm nicht mehr möglich war, seinen Strohsack zu verlassen, und er deßhalb in Blut und Unrath schwamm. Da packten ihn die Wärter, schleppten ihn unter die Wasserpumpe, legten ihn auf den Boden und reinigten den Halbtodten mit Besen. Des andern Tages war er eine Leiche. Triftige Gründe liegen zu der Annahme vor, Herr Silos (einer von den Alumnen) sei auf dem Sterbebette von den Wärtern erstickt worden. Die Herren Van den Daele, De Keyzer und Gonthyu hat man in daS „Todtenloch" geworfen, noch ehe sie den letzten Seufzer ausgehaucht. . . . De Keyzer lag schon zwischen den Leichen. Da bemerkte ein Seminarist noch ein Lebenszeichen an ihm; auf's Bett zurückgebracht, starb er erst nach einigen Stunden." So viel des Leides und des Jackuiers hatte Napoleon durch seinen Despotismus über die Diözese Gent gebracht, und das nur deßhalb, well sein Bischof, sein Klerus und sein Volk den Gesetzen der Kirche treu geblieben. Doch für daS schwer bedrängte BiSthum kam wenigstens auf kurze Zeit die Erlösung. Die verbündeten Fürsten hatten den Despoten Europas überwunden. Kirche und Völker athmeten neu auf. Münchner anthropologische Gesellschaft. L. Am 13. März hielt die Münchner anthropologische Ger sellschaft ihre Monatssitzung im Festsaale der k. Akademie der Wissenschaften ab, wozu auch die Dameu der Mitglieder einge- laven waren. Nach der Proklamirung von zwei neuen Mitgliedern theilte der Vorsitzende Pros. I. Ranke eine Einladung der geographischen Gesellschaft zu dem Vortrage des Herrn kgl. Raths Fr. Martin über „Indische Städtebilder" mit. Zugleich lädt die geographische Gesellschaft die anthropologische definitiv zu allen ihren Vortrügen ein. Hierauf kam ein Schreiben von Pros. E. Sclenka zur Verlesung, in welchem mir einem Gruß das Bedauern zum Ausdrucke gebracht wurde, daß er durch seine plötzliche Erkrankung verhindert ist, den projekiirten Vertrag zu halten. Für ihn ist im letzten Augenblick Pros. Dr. Furiwäugler eingetreten mit einem Vortrage über „Die Völker des äaäischen Meeres in der mykenischen Epoche". Aus dieser Zeit haben wir zweierlei Quellen: die Ausgrabungen in Griechenland und Aegypten und die Nachrichten der Aegyptcr über kriegerische Einfälle von Secvölkern. Beide Quellen ergänzen sich. Die ägyptischen Inschriften aus dem Anfange des 15. Jahrhunderts v. Chr. erzählen von Völkern, Kephto genannt, welche den ägyptischen Herrschern Gesäße aus ihrer Heimath zum Geschenke machten. Der Sitz dieser Kephto dürfte auf Kreta zu suchen sein. Ihre Cultur stimmt ganz überein mit der Blüthezeit der mykenischen Periode. Zum ersten Mal werden See- völker erwähnt als Verbündete der Hethiter gegen Ramses II. Unter andern werden auch Jawana aufgezählt, welche wohl identisch sind mit den Jonicrn. Zum zweiten Male verbündeten sich Scevölker mit den Libyern gegen Mcrenptah. Hier werden Völkernamen genannt, welche auf die Achäer (Akaiwascha) und Sardinier (Schardana) hindeuten. Ein dritter Einfall barbarischer Völker wird erwähnt von Nordcstcn, welche nach der Unterwerfung der Hethiter zu Wasser und zu Lande gegen die Aegypter zogen. Die auf den Darstellungen der Kämpfe vorkommenden Krieger weisen in ihrer Tracht und ihrem Typus aus die Völker des ägäischeu Meeres in der mykenischen Epoche. Die Schilderungen in der Jlias mögen sich theilweise auf Erlebnisse in diesen Kriegen gründen. Nach diesen Kämpfen beginnt der Verfall der mykenischen Cultur. Der Vortragende weist darauf hin, daß wohl auch die Philister hellenischen Ursprungs sind. Die Gestalt und das Auftreten des Niesen Goliath erinnern ganz an die homerischen Helden. Den lehrreichen Vertrag illustrirtc Pros. Furiwäugler durch eine große Reihe von Lichtbildern, durch welche den Anwesenden die reiche mhkcmsche Cultur und deren Wechselbeziehung zur ägyptischen klar vor Augen trat. Pros. Ranke dankte im Namen der Gesellschaft für den interessanten und lehrreiche» Vertrag. Recensionen und Notizen. Homilien über die festtäglichen Evangelien deS Kirchenjahres von Alois Welcher, bischöfl. Wallfahrtsdirektor. Keuchten, Kösel 1695. I-. Wer den Verfasser, der vor einigen Jahren aus dem Zeitlichen geschieden ist, gekannt hat, weiß, welch einfacher, bescheidener und eifriger Priester er war. So, wie seine Person, waren auch seine Predigten, von welchen ein Theil hier gegeben wird. Beim Lesen derselben wird man erinnert an das Wort des hl. Paulus: Meine Reden und Predigten bestanden nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisungen deS Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Weisheit der Menschen, sondern auf Gottes Kraft beruhe. 1. Kor. 2, 4. 5. Die Homilien über die sonntäglichen Evangelien sind schon früher erschienen und vom literarischcn Handweiser günstig rccensirt worden. Die FesttagSbcmilien verdienen wohl dieselbe Kritik. Fern von aller Effekthascherei, geben sie das Wort Gottes einfach und klar mit unzesuchten Anwendungen aus das tägliche Leben und dürsten gerade deßhalb nicht ohne Segen bleiben. 104 I. v. Massow, Dorotheenkörblein. Aus der Zeitschrift „vt 0 MNS 8 unum". Herausgegeben von I. Beer, Priester der Diöcesc Negcusburg. Augsburg, Mich. Seitz. D Julie v. Massow ist die Gründerin des bekannten Psalmcnbundes der Katholiken und Protestanten zu gemeinsamem Gebete vereinigt, um für die Christenheit die Einheit im Glauben voni Himmel zn erflehen. Der irenische Geist, der diesen Gedanken eingegeben, weht uns auch aus vorliegenden Blättern entgegen, welche „Beiträge zur NennionSfrage" liefern wollen. Der Duft reiner Gottes- und Menschenliebe, die klassische Bildung, wie sie nur einer Frau von Massow eigen ist, die Eleganz der Sprache, alles wirkt zusammen, um den Leser zu fesseln. Möge das „Dorotheenkörblein" dazu beitragen, der LiebliugSidec Lco's XIII. neue Freunde und Förderer zu schaffen! k. Bernard M. Spörr: Lebensbilder aus dem Servitenorden. III. Bd., 656 Seiten. JnnSbruck, Marianische Vcrcinsbnchhandlung. 1894. -s- Schön schreibt vr. Stamminger in der vramwnia saneta: „An welchem Orte das Kreuz aufgerichtet wird, sehen wir eö bald darauf von einem dovvclten Kranze umschlungen: der eine ist gewunven aus den Passionsblumen des MariyriumS, der andere aus den Lilien der Jungfräulichkeit. Wenn der Kranz der Märtyrer leuchtender ist, so erscheint jener der Jungfräulichkeit um so lieblicher. Sie sind die erste Blüthe des Menschengeschlechtes, jene Blüthe, die noch ihren Thautropfcn trägt, in welchem nur der Glanz der aufgehenden Sonne sich abspiegelt, , die noch keine rauhe Hand gestreift, kein Erdenstanb beschmutzt ' hat — eine reizende Blüthe, deren süßen Wohlgcruch nicht selten selbst der Verworfene bewundert." Dieses gilt auch vom Servitenorden. Kaum hatten der hl. Philipp Benizins und seine Genossen angefangen, die Verehrung der schmerzhaften Mutter zu predigen, als sich auch eine Schaar frommer Frauen ihnen anschloß und so der Orden der Servitinnen entstand. Als Stiftern: des 2. Ordens der Servitinnen wird allgemein die hl. Jnliana Falconieri, die Braut des hl. Sakramentes, wie sie Svörr nennt, verehrt. Daher beginnt der Verfasser seinen III. Band mit der Lebcnsgeschichte der hl. Jnliana. 32 Lebensbilder von seligen oder ehrwürdigen Servitinnen folgen. Jeder Biographie ist ein Lehrstück oder eine kleine Betrachtung über eine Glaubens- oder Sittenwahrbeit beigegeben. Das Buch ist mit Liebe und Begeisterung einfach, aber herzlich geschrieben, nur manchmal etwas zu breit. Die Ausstattung ist eine vorzügliche. Die Vignetten lassen zwar an Feinheit der Ausführung einiges zu wünschen übrig; um so schöner, seiner, zarter sind die zahlreichen Darstellungen der im Buche besprochenen Servitinnen. Die den betreffenden Bildern beigegebcnen Sprüche sind vorzüglich ausgewählt. Das Buch bietet eine gute und empfehlenswcrthe Lektüre. brauoouia saora, Geschichte und Beschreibung deS BisthumS Würz bürg. Liefg. 2, I—VI, 260. Von Dr. Amrbein. Wnrzbnrg, Bücher. 1696. Preis br. 2 M. 60 Pf. 6. Endlich einmal hat das von Dr. Stamminger 1869 begonnene Werk der Geschichte und Beschreibung des BisthumS Würzburg die längst ersehnte Fortsetzung erhalten. Herr Aug. Amrhein, Dr. xbil,, Pfarrer in Roßbrunn, hat sich der mühe- sainen Arbeit unterzogen, die in vielen Archiven, Registraturen und Bibliotheken verborgenen Schätze zu heben. Geschickte und geschichtliche Studien gelten so ziemlich unbestritten als Zeichen menschlicher Cultur, und die Historiker wurden stets als Repräsentanten derselben hochgehalten. Die allgemeine Geschichte aber baut sich auf der Lokalgeschichte auf. Eine vollständige Würdigung der ersteren ist aber ohne letztere nicht möglich. Dazu soll aber das vorliegende Werk behilflich sein, indem es uns die Geschichte der einzelnen Pfarreien und der dazu gehörigen Orte vorführt. Allerdings wird es dabei nicht möglich sein, großartige Geschichtsbilder zu entwerfen — das ist auch nicht sein Zweck; eö soll nur ein Sammelwerk sein, aus dessen Mosaikarbcit später das Bild der ganzen Diöccse sich herausbilden wird. Für den gediegenen Inhalt des Werkes spricht der rühmlichst bekannte Name des Verfassers. Außerdem hat daS Werk auch einen eminenten praktischen Werth. Die Vergangenheit ist der Spiegel der Zukunft. Pflege der Geschichte der Heimath, dcö Vaterlandes ist heute das Schlagwort, weil man davon ausgeht, daß mit der Kenntniß der Geschichte des Vaterlandes auch die Liebe zu demselben wächst. Vorliegende Lieferung enthält vom Kapitel Lengfurt die Geschichte der Pfarreien: Böttigheim, Eisingen, Erlenbach, Helmstadt und Hcttstadt. Wir hegen den Wunsch: möge einerseits die Fortsetzung des mit so viel Schwierigkeiten verbundenen Werkes nicht so lange auf sich warten lassen, andrerseits das Werk gefördert werden durch Abonnement — hier gilt einer für Alle und alle für den Einzelnen —, sodann auch durch Mit-, beziehungsweise Vorarbeit hiczu! Der Inhalt des Werkes ist reich, und man nimmt mit Freuden Kenntniß von dessen Inhalt. Dolls, le^o! Stammbaum und Ausbreitung der Germanen. Von Dr. Ludw. Wilser. Bonn, Homstein. 1895. gr. 8° 59 S. M. 1,20. — 2 . Die etwas ungleiche Schrift besteht aus früheren Aufsätzen des Verfassers (in den Rhein. Geschichtsblättern 1,4 und der Alemannia XXIII, 1) über die Franken, Hessen, Schwaben, Alemannen, Thüringer, Bayern und Sachsen, und neuen Untersuchungen über die Kimbern, Teutonen, Dänen, Frisen, Burgunder, Wandalen und Goten. Nach der Auffassung Wilscrs sind an Stelle der alten Stämme der Marscr, Semnonen, Sueben und Lygier als ihre Fortsetze! die Stämme der Franken, Alemannen, Schwaben und Bayern getreten. Dagegen läßt sich mancherlei einwenden. Besonders was er gegen Baumann sagt, scheint uns auf schwachen Füßen zu stehen. Die Urheimath der Arier erblickt Wilser in Skandinavien. StaatSlexikon. Herausgegeben im Auftrage der GvrreS- Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland durch Dr. Adolf Bruder. — Erscheint in Heften von 5 Bogen Lex.-8°, oder in Bänden von je etwa 50 Bogen, bezw. in Halbbänden von etwa 25 Bogen. Preis für das Heft Mk. 1.50, für den Halbband Mk. 7.50, für den Band Mk. 15. - Verlag von Herder in Freibnrg. Das soeben ausgegebene 39. Heft enthält u. a. folgende Artikel: Schwurgerichte (Nintelen); Scerccht (Schaffeld); Selbst- mord und Selbstverstümmelung (Stöckl); Seminarien (Hipler); Serbien (Pöppelmann); Siam (Pöppelmann); Sittenpolizei (Pjctschka); Sittlichkeit, Verbrechet» gegen die (Stieve); Sklaverei (Stöckl); Smith, Adam (Bach); Socialdemokratie (Brüll); Socialismus (Kämpfe); Socialpolitik (Brüll); SonntaaSfeier (Stieve); Souveränität, staatsrechtliche (noch ohne Schluß). Theologisch-praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. od. 80 S. gr. 8°. Preis ganzjährig 5 Mk. Inhalt des 3. Heftes1896: Anregung und Anleitung für geistliche Herren zu wissenschaftlichen Beobachtungen in der Gegend ihres Aufenthaltes und auf Reisen. — Der Schauplatz der Siiufluth. — Vater Raiffeiscn. — Bemerkungen über das Beichtsizill mit Bezug auf die modernen Einwendungen gegen dasselbe. — Die Mcßstipcnbien in Bayern keine Stolgebühren! — Dienstbotenscelsorgc. — Schulprüfung und Erstcommnnion. — Nordamerika und die KatechiSmuSfragc. — Soll der Prediger die Cbristgläubigcn von der Kanzel mit „Ihr" oder „Sie" anreden? — DaS Abziehen des McßweineS mittels Gummischlanch. — Meßweinprobe. — Verstöße gegen die Dogmatik in gemeinsamen Volksgebeten. — Auferlegung der Buße vor der dazu gehörigen Beicht. — Beachtenöwerthe Kleinigkeiten. — Neueste Entscheidungen der römischen Kongregationen. — Erlasse der obersten Verwaltungsstellen und Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. — Novstätenschau. AnnegarnS Weltgeschichte in acht Bänden. Neu bearbeitet und bis zur Gegenwart ergänzt von vr. Aug. Enck und vr. V. Huyskens. Siebente Auflage. — Münster i. W., Verlag von Theissing. Annegarns Weltgeschichte war von jeher ein Lieblingsbuch für Volk und Jugend. Die neue Ausgabe hat die Fortschritte der geschichtlichen Wissenschaft sorgfältig benutzt, mehrere Abschnitte sind umgearbeitet oder vollständig neu bearbeitet, dabei ist aber in der Darstellung jene Frische und Anschaulichkeit bewahrt, welche das Werk zu einer so anziehenden Lektüre jür Jung und Alt machte. Die neue Auflage erscheint in halbmonatlichen Heften von 80 Seiten zum Preise von 50 Pf. pro Heft; das ganze Werk umfaßt deren 32, von denen bereits 26 fertig vorliegen — wird also in ungefähr 4 Monaten vollständig sein. Lcrantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg'