M'. 14 3. Aprtt 1696. Peter von Heß. Ein kurzes Gedenkblatt zu seinem 25jährigen Todestag (4. April) von A. G. Obgleich Hetz von den Nheinlanden stammt, darf man ihn doch als eigensten Laudsmann betrachten, denn in Bayern lebte er die größte Zeit seines Lebens, für Bayern hat er seine allermeisten Kunstwerke geschaffen, in Bayerns Erde ruhen seine irdischen Ueberreste, so daß er wohl würdig ist, daß seiner bei seinem 25 jährigen Todestag kurz gedacht wird. Wir lehnen uns bei den folgenden Zeilen an die Abhandlung deS Kunstkritikers Pecht an, welcher dieselbe in der „Allgemeinen deutschen Biographie" veröffentlicht hat, einmal weil die Quellen ungemein rar sind und weil wir nichts Besseres zu finden vermochten, als eben diese Abhandlung. Peter Heß wurde geboren am 29. Juli 1792 in der alten Kunststadt Düsseldorf und ist einer der Begründer der seinerzeitigen modernen Münchner Schule, vielleicht der erste, bedeutendste Realist derselben. Sich anlehnend an die niederländische Schule, vor allem aber an die Natur selbst, versuchte er eine neue Kunstrichtung zn schaffen, freilich versuchte er es oft mit gleichsam ge- waltthätigen Mitteln, so daß viele Versuche fehlschlugen oder wenigstens nicht so gelangen, wie es die Kunst verlangt und wie er wohl selbst wollte. Deßwegen aber ist doch nicht zu leugnen, daß er unter den Schlachten- und Genremalern stets einen hervorragenden Platz einnimmt und einnehmen wird. Geboren als Sohn des Hofkupferstechers und Akademieprofessors Christian Heß, genoß er im Vaterhause den ersten Zeichenunterricht und machte hierin in Bälde die besten Fortschritte. Nachdem im Jahre 1806 die Akademie nach München übersiedelte, folgte auch er dorthin. Ein großer Freund der Natur, abgeschlossen von der Welt für sich lebend und wirkend, wollte er gleich von Anfang an seine eigenen Wege gehen, sich um keine Schule kümmernd. Seine Haupifreude war das Betrachten und Studiren des Volkslebens, besonders aber des Soldaten- lebcnS, und hiezu hatte er Gelegenheit in Hülle und Fülle sowohl in Düsseldorf gehabt, als auch in der bayerischen Hauptstadt, wir dürfen ja bloß an Wallenstein erinnern. Unter denen, welche wir als seine Vorgänger betrachten können, ist Kobell wohl der bedeutendste, aber bald überflügelte Heß alle und zeichnete sich trotz seiner Jugend derart aus, daß er den Feldzug gegen Frankreich in den Jahren 1813—1815 im Hauptquartier des Fürsten Wrede mitmachen durfte. Hier entstand als erstes großes Schlachtenbild das der Schlacht von Arcis sur Aube, das aber noch ziemlich zu wünschen übrig ließ an eigentlicher Frische und lebenswahrer Darstellung, während seine Militärischen Genrebilder aus jener Zeit dagegen schon den Meister verrathen. Im Jahre 1818 ging er nach dem Beispiele aller Künstler nach Italien, wo er seinen Aufenthalt auf das fleißigste ausnützte und mehrere prächtige Bilder mit in die Heimath brachte. Berühmt ist besonders aus damaliger Zeit sein „Morgen in Partenkirchen", welches Werk die vorzügliche Wirkung ausübte, daß von dieser Zeit an das bayerische Hochland und Tirol mit ihrer Bevölkerung ein Hauptstoff für die deutschen Maler wurden und, dürfen wir beisetzen, bis zum heutigen Tage geblieben sind. Eines seiner berühmtesten Bilder, das „österreichische Lager", entstand im Jahre 1822. Hier sind alle Volksstämme des weiten Kaiserreichs auf das prägnanteste charakterisirt, eine Kunst, die so selten zu finden ist, bei Heb aber deßwegen nicht überraschen kann, weil er allen Nationalitäten kühl gegenüberstand, keine bevorzugte, keine vernachlässigte, sondern sie allein vom Standpunkt des Künstlers aus betrachtete und auf diese Weise auf die Leinwand knnst- und naturgerecht hinzauberte; der Patriot verschwand hinter dem Künstler. Die Anordnung auf den großen Bildern, die damals entstanden und für den Schlachten- saal der Münchner Residenz bestimmt waren, ist ungemein klar, die einzelnen Figuren ganz und gar charakteristisch, trotz der Größe mancher Bilder ist nie ein Huül pro cjuo zu entdecken, nur Eines ist vielleicht auszusetzen, daß er das Kleinste ebenso pedantisch ausführlich acccntuirte, wie das Größte und Bedeutendste; dies aber lag ganz und gar in seinem Künstler-Charakter. Für den Grafen Schönborn malte er damals „die Grundsteinlegung zur Constitutionssäule". Im Jahre 1833 wurde Heß die Ehre zu Theil, im Gefolge des Königs Otto nach Griechenland reisen zu dürfen, wo er sieben Jahre lang wirkte. Sein erstes Bild war der „Einzug König Otto's in Nauplia an der Spitze der bayerischen Truppen" und der enthusiastische Empfang der Bevölkerung. Es dürfte dieses Bild sein vorzüglichstes sein; größere Naiurwahrheit, bessere Anordnung des Ganzen sowohl als des Einzelnen ist wohl auf keinem zweiten besser und mehr zu finden. „Ja sogar", sagt Pecht ausdrücklich, „übt diese Schöpfung heute noch großen Reiz aus, daß man jetzt sogleich sieht, was man damals freilich übersah, daß so heterogene Bestandtheile wie dies hochbegabte Volk und die nicht eben elastische bayerische Bureaukratie unmöglich auf die Dauer sich vertragen konnten." Als Pendant zu diesem Bilde entstand „Der Empfang des Königs in Athen am Thesens- tempel mit der Aussicht auf die Akropolis", ebenfalls ein hervorragendes Werk, wenn es auch nicht dem vorher- genannten in allweg gleichkommt. Den Schluß machte eine Schilderung des ganzen griechischen Freiheitskamvfes in vierzig Kompositionen, die in den Arkaden des Hofgartens in München ul trsseo ausgeführt wurden, ebenfalls Bilder, die großes dramatisches Leben zeigen. Im Auftrage des Kaisers Nikolaus von Rußland begann er eine Reihe von Bildern — acht große Schlachtcn- bilder und eine Anzahl kleinerer —, welche ihn in der Zeit von 1839, wo er nach Petersburg reiste und die betreffenden Schlachtfelder besuchte, beschäftigten bis zum Jahre 1855. Diese Bilder, sowie die unmittelbar folgenden der Schlachten von Austcrlitz und Leipzig, zeigen zwar noch die alte gute Disposition, wohl auch noch bessere koloristische Stimmung wie früher, erreichen aber den Werth seiner früheren großen Werke nicht, wohl deßwegen, weil er, wie Pecht sagt, immer seltener mehr die Natur zu Rathe zog. „Der Schilderung eines Napoleon oder auch nur sonst hochstehender Männer ist hier Heß nicht mehr gewachsen, er sieht sie mit den Augen eines ledernen Philisters." Die nächsten fünfzehn Jahre seines Lebens schuf er Werke von Bedeutung nicht mehr, die Wärme der Begeisterung für Kunst und Leben ließ nach, und am 4. April 1871 nahm ihm der Tod im 79. Lebensjahre den Pinsel aus der müden Hand. Wir schließen mit den Worten Pecht's: „Seine früheren Schöpfungen sind 106 sehr bedeutend und werden immer einen höchst ehrenvollen Platz in der gesummten Produktion dieser Periode einnehmen, schon weil sie einen Respekt vor der Natur, ein liebevolles Eingehen auf sie zeigen, die man bei der damaligen deutschen Historienmalerei schmerzlich genug vermisst, nicht minder, weil sie uns eine Zeit und Verhältnisse von der deutschen Seite her kennen lehren, die wir sonst nur durch die Brille der Franzosen betrachten könnten, die sie allerdings ausführlich und ruhmredig genug in ihrem Sinne geschildert." Adam Weishaupt. Von Adam Hirsch mann. (Fortsetzung.) Umfassendere Ausbreitung und stärkere Mitgliederzahl gewann der neue Bund der Jlluminaten erst durch die Verbindung mit der Freimaurerei, welche durch den schon genannten Knigge herbeigeführt wurde. Freiherr Adolf v. Knigge aus Bredenbeck in Hannover (16. Oktober 1752 — 6. Mai 1796) war schon mit 20 Jahren in Kassel Freimaurer geworden, und besaß Geist und Talent, aber kein Vermögen. Wie Stark angibt (Triumph der Philosophie, Landshut 1834 S. 327), hatte er sich in Frankfurt heimlich in die katholische Kirche aufnehmen lassen; als jedoch das Projekt, um dessentwillen er dem Lutherthume abgeschworen hatte, scheiterte, wandte er derselben alsbald wieder den Rücken. Nach Kluckhohn war Knigge ein jugendlicher Schwärmer mit einem leichten Auslug von Schwindel, an Welt- und Menschenkenntniß Weishaupt weit überlegen, an brennendem Ehrgeiz ihm vielleicht gleich, jedenfalls aber offener, weniger ränkevoll und liebcnswerther. (Beilage z. Augsb. Allg. Zeitung 1874 Nr. 179.) In den Briefen Weishaupts, welcher 1777 zu München in die Loge der strikten Observanz aufgenommen worden war (Nachtrag zur Rechtfertigung meiner Absichten S. 43), wird des hannoveranischen Edelmannes unter dem Ordensnamen Philo zuerst gedacht am 25. Februar 1780 (Einige Originalschr. S. 353); Philo selbst bemerkt, daß er im Juli 1780 zu Frankfurt a. M. durch den Marquis v. Costanza (mit dem Geheimnamen Dio- medes, ehemaliger Hofkammerrath) für die Schöpfung des Jngolstädter Professors gewonnen worden sei (Philo's Endlose Erklärung S. 32 ).^) Dieser selbst schickte im November 1780 einen Brief an Knigge, um ihn für seine Ideen zu begeistern. Denn in Folge der herrischen, aber fehlerhaft geschriebenen Briefe der Münchener Loge „Karl Theodor vom guten Rath", welcher Professor Bader als '°) Unterm 16. Febr. 1732 schreibt Weishaupt: Diomedes ist also in Athen (München). Dieser Mann bat grobe Verdienste um den Orden; denn er hat den Philo angeworben und folglich durch ihn die herrlichen Männer, die unter dessen Direktion stehen. . . . Ich gestehe cS gerne ein, daß im Orden ungleich bessere und gröbere Gelehrte sind als ich: aber das getraue ich mir zu behaupten, daß keiner von allen, auch nicht einmal Philo, so sehr die Kunst verstehe, die kleinsten Umstände zu nützen, und die Mangel und Gebrechen einer derlei künstlichen Maschine zu übersehen. Man glaubt daher oft, viele meiner Einfälle und Forderungen seien Eigensinn und Eigendünkel. (Nachtrag v. Originalschr. I, 33.) Das bekannteste Werk Knigge's ist seine Schrift: „Ueber den Unigang mit Menschen" (Hannover 1788), das nach Kurz, Geschichte der deutschen Literatur, 8. Aufl. III, 710-11, aus tiefer Menschen- kenntniß und tiefer Beobachtung hervorgegangen ist, wie es denn seinerzeit ein „Gesetzbuch der praktischen Lebensweisheit" genannt wurde. Man würde es jedoch besser als eine Anweisung zur Lebensklugheit bezeichnen können, weil ein fester moralischer Standpunkt vermißt wird. Meister vom Stuhle vorstand, war Knigge's erste Zuneigung sehr erkaltet. Das folgende Jahr (1781) kam er selbst nach Bayern und fand in München begeisterte Aufnahme. Doch sah er sich in seinen Erwartungen hinsichtlich des Geheimbundes getäuscht; zwischen ihm und Weishaupt trat gar bald eine eifersüchtige Spannung ein, die in offene Feindschaft überging. Doch hören wir Knigge selbst: „Als Spartakus anfing, mit mir zu correspondiren, da malte er mir den Orden als ein völlig ausgearbeitetes, tief durchdachtes, weit ausgebreitetes System ab und ermunterte mich, aller Orten erwachsene, angesehene, schon gebildete, gelehrte Männer anzuwerben. Es war natürlich, daß diese Männer nicht nur geschwinder befördert werden wollten, sondern daß ich auch die Direktion ohne Nachtheil meiner Gesundheit und meines Geldbeutels nicht lange allein führen konnte. Die Sache griff so geschwind um sich. daß ich endlich 500 Menschen zu behandeln bekam?°) Um nun Mittclobere ansetzen zu können, bat ich um die nöthigen Instruktionen, mit einem Worte, um höhere Grade, und nun machte mich Spartakus (Weishaupt) auf einmal zum Areopagiten und entdeckte, daß alle übrigen Grade nicht fertig wären. Dieß schreckte mich nicht ab, nur bat ich dringend darum, eine gewisse Anzahl Grade, die zur Direktion nothwendig wären, auszuarbeiten und versprach unterdessen alle meine Leute zwei Jahre lang hintanzuhalten. Darauf schrieb er mir: ich solle alles nach Belieben machen, und soviel Areopagiten aufnehmen, als mir beliebte. Ich nahm aber niemand zum Areopagiten auf, hielt durch unerhörte Schwänke und Wendungen die ältesten, klügsten Männer auf, setzte alles ins Feuer, untergrub die strikte Observanz, arbeitete mit Hintansetzung aller meiner häuslichen und anderer theils wichtigen, theils einträglichen Geschäfte 16 Stunden täglich für den Orden; nahm, um allem in diesen Gegenden so gewöhnlichen Verdachte des Eigennutzes auszuweichen, von niemand Geld, gab jährlich 250 fl. Porto auS, ließ mich zu allem brauchen, schrieb gegen Jesuiten und Rosenkreuzer, die mich nie beleidigt haben, mich aber jetzt verfolgen, und arbeitete unterdessen die unteren Klassen aus. Darauf ließ man mich zu Ihnen, meine besten Bruder! (nach München) reisen?') woselbst ich soviel Freundschaft und Güte genossen habe. Dort nun wurden die Grade bis zum Schottischen Rittergrad festgesetzt. Ich kam zurück und führte dies in meinen Provinzen ein und legte Versammlungen und Logen an. Nun aber wurde die Maschine sür meine Schultern zu schwer. Deßsalls bat ich um Festsetzung höherer Direktionsgrade, nemlich a) einen kleinen Priestergrad zur scientifischen Direktion und b) einen kleinen Ncgcntcngrad zur politischen. Alsdann dachte ich, können wir die sogen, größeren Mysterien noch immer sür uns behalten, uns dahinter verstecken und das ganze Gebäude anderen Händen überliefern. Wir sehen, wie diese das Ding dirigircn, bleiben im Hinterhalt und arbeiten nach Muße die höheren Mysterien aus. . . . Unterdessen fing Spartakus an in mich zu dringen, ich soll nach Edessa (Frankfurt) eine rechte Force vom Orden legen. Ich stellte ihm vor, daß daselbst die Leute zu wenig Bedürfniß hätten, zu faul, zu wobllüstig, zu reich, zu republikanisch wären; aber da half nichts. Er erinnerte mich so oft, daß ich endlich alles versuchte. Ich fing nach der Reihe mit 10—12 Leuten an, deren keiner ganz eingeschlagen ist, und da nun diese Leute unter 500 treuen Untergebenen nicht eingeschlagen waren, und viel andere kleine zufällige Umstände machten dann, daß er anfing, mich für einen höchst übereilten mittelmäßigen Menschen zu halten. Er correspondirte hinter meinem Nucken mit meinen Untergebenen.^) Ich habe Briefe von ihm gelesen, darin» er 2") Weishaupt bemerkt hiegegen: „Philo sagt freilich, daß er mir 500 Menschen geliefert: aber 1) sind es nicht so viele. 2) sind seine Provinzen in einer Verwirrung, daß ich mir nicht zu helfen weiß. Nachdem er sich mit allen Leuten abgeworfen, sein Kredit und Vertrauen verloren, so soll ich nun wieder so die Sache in Gang bringen. Philo ist gut zum Anwerben; aber hat die Geduld nicht, um Leute zu erhalten, prüft sie nicht genau: daher muß ich von all den Leuten wohl die Hälfte laufen lassen. . . Beinahe überall sieht es aus, wie in Edessa (Frankfurt), wo selbst nach Philo's Anordnung 4 einzige sich gerettet haben, worunter doch die meisten von Philo engagirt worden." (Nachtrag v. Originalschr. I, 69.) 2') Nachtrag v. Originalschr. I, 147. Denselben Vorwurs erhob Weishaupt: „Philo habe ich 107 mit jenen Leuten, die ich aufgenommen, über mich wie über einen Novizen raisonirte. . . . Ich arbeitete den Presbyter und PriuccpS aus und zwar nach folgenden Grundsätzen: Jesus bat keine neue Religion einführen, sondern nur die natürliche Religion und die Vernunft in ihre alten Neckte einsetzen wollen. ... So war der geheime Sinn seiner Lehre: allgemeine Freiheit und Gleichheit unter den Menschen wieder ohne alle Revolution einzuführen. Es lassen sich alle Stellen der Bibel darauf anwenden und erklären und dadurch hört aller Zank unter den Sekten auf, wenn jeder einen vernünftigen Sinn in der Lehre Jesu findet (eS sei nun wahr oder nicht)!! . . . Alle frcimaurerischcn Hieroglyphen lassen sich auf diesen Zweck erklären. Spartakus hat sehr viel gute Data dazu gc- gesammclt, ich habe daS mcinige hinzugethan und so habe ich die beiden Grade verfertiget und darin» lauter Ceremonien aus den ersten Gemeinen genommen. Da nun hier die Leute sehen, daß wir die einzigen ächten wahren Christen sind, so dürfen wir dagegen ein Wort mehr gegen Pfaffen und Fürsten reden, doch habe ich dieß so gethan, daß ich Päbste (oho!) und Könige nach vorhergegangener Prüfung in diese Grade aufnehmen wollte. Nachdem der Presbyter und PriucepS fertig waren, schickte ich das Concept an Spartakus mit der Bitte, eS an alle Areo- pagitcn herumzuseudcn; ich bekam aber in langer Zeit keine Antwort, meine Papiere nicht zurück. . . . Endlich schrieb nur Spartakus, Mahomct (Baron Schröckenstein in Eichstätt) habe zwar manches zu erinnern, doch wolle er schon sorgen, daß die Grade also angenommen würden. Da ich nun Eile bade, so solle ich die Grade nur nach meiner Art austheilen. Auf einmal schickte mir Mahomet nicht etwa Anmerkungen zu diesen Graden, sondern ganz verändertes verstümmeltes Zeug. Man verlangte, ick sollte meine (an die Ordcuömitgliedcr vertheilten) Hefte zurückfordern und als ich mich weigerte, bestand wenigstens Spartakus darauf, alle Abschriften selbst zu revidircn, den Leuten zu sagen, es hätten sich unächte Zusätze cingeschlichcn, um dadurch mich zum Lügner zu machen. Obgleich ich nun gewiß nickt hcrrschsnchtig bin, so konnte ich doch eine solche Beschimpfung nicht ertragen, und da Spartakus noch dazu grob wird, so sehe ick gar nicht ein, warum ick mich von einem Professor in Jn- golstadt wie ein Student soll behandeln lassen. Also habe ich ihm allen Gehorsam ausgcküudigt." (Nachtrag v. Origiualschr. I. 100-107.) Weishaupt schob die Schuld auf den Eigensinn deö Freiherrn von Knigge. So schreibt er unterm 28. Jan. 1783 an Caio: „Hier folgt abermal ein insolenter Brief von Philo: lesen sie, wie er groß spricht und alle Welt trotzen kann. Das konnte doch Cäsar (Baron Slreitt, Haupiniann unter den Trabanten) und Alexander (Graf Pappenheim) nicht. . . Kurz — ich schreibe nicht mehr an ihn, das ist das Beßte. Es hilft auch nichts, denn er ist unbeugsam und gute Worte kann ich ihm nicht geben, weil er sodann noch unvorsichtiger und insolenter wird. Lrgo tnoodo, um so mehr, als er sich meine Correspondenz verketten." (Nachtrag v. Originalschr. I, 92.) Unterm 7. Februar 1783 äußert sich Weishaupt: „Philo steckt voll solcher Narrheiten (über die äußeren Abzeichen der Priester), welche seinen kleinen Geist verrathen. . . . Wenn Philo sich selbst wieder, wie vordem, an mich wendet, und sein Unrecht erkennt, so werde ich mit ihm wieder der alte sein, aber suchen werde ich ihn auf keine Art: ich muß ihm beweisen, daß er mir nicht wesentlich ist, daß er dadurch, daß er beim Orden ist, nicht mir, sondern der Menschheit dient, daß ich nichts von ihm habe, ich auch durch ihn um nichts klüger geworden bin und daß er durch seinen Umgang und Korrespondenz mit mir keinen Schaden gehabt. Man muß seine ihm und uns so schädliche Eitelkeit nicht ernähren; im Verdacht, daß er hinter unser arbeitet und etwas anders errichtet; denn alle, an die er sonst geschrieben, klagen, daß sie gar nichts von ihm hören: nehmen sie sich also mit ihm in Acht, cö muß sich bald zeigen. Aber da darf er trübe anfstehcu, wenn er mir Herr werden will." (Nachtrag v. Originalschr. I, 81.) eben weck er gebetten sein will, muß vian ihn nicht bitten; ich am allerwenigsten, denn mich yat er schlecht behandelt. .. . Mit dem allen werde ich ihm das Zeugniß allzeit geben, daß er durch Anwerbung wichtiger Leute um den Orden große Verdienste hat; aber außerdem hat er mir wenig genutzt, hat mir oft manches verdorben, die Einheit meines Planes durch elende Einschaltungen von unbedeutenden Graden sehr stark verdorben; ich hab ihm gewiß lang nachgegeben, aber nunmehr» macht er es zu arg." (Nachtrag v. Originalschr. I, 95.) Knigge seinerseits charakterisirt die Herrschsucht deS mißtrauischen Ordensstifters folgendermaßen: „Ein Orden, der auf diese Art die Menschen mißbraucht und tyramüsirt, als Spartakus die Absicht hat, der würde die armen Menschen in ein ärgeres Joch bringen, als die Jesuiten. Ich habe mich zu einer Maschine der Tyrannei brauchen lasten; alle sollen es wissen, daß auch ich betrogen worden und mit dem besten Herzen betrogen worden bin." (Ebendas. I, 117.) „Eine subalterne Rolle, betonte Knigge weiterhin, blinde Befehle von einem Jesuitengeneral anzunehmen, dazu bin ich nicht gemacht." (Ebendaselbst I, 125.) „Ich fange an zu argwöhnen — sollte selbst Spartakus ein verlarvter Jesuit sein — danu bin ich der Mann, der ihn zu Boden schlagen kann. — Gott! welch ein Mensch! — Wohin führen ihn seine unbändigen Leidenschaften? Hätte ich je den Mann einer solchen niedrigen und undankbaren Verfahrungsart fähig geglaubt! — Und unter seiner Fahne sollte ich für die Menschheit arbeiten, sie unter das Joch eines solchen Starrkopfes bringen! — Nimmermehr! lieber gar nichts gethan, und alles geschehene zerstört." (Ebendas. I, 129.) Der Riß zwischen Weishaupt und Knigge — welcher in den Logen zu Frankfurt und Wetzlar das eklektische System eingeführt und dem Jlluminaienthum Thür und Thor geöffnet hatte (Stark, 1. v. 330, Kluckhohn, Beil. zur Augsb. Allgem. Zeitung 1874 Nr. 185), so daß in Thüringen, in Niedersachsen sowie am Rhein Fürsten und Prinzen, Gelehrte und Dichter in wachsender Zahl dem Geheimbunde sich anschlössen, auch Göthe und Herder gehörten dazu — war zu tief, die Gegensätze zu groß, als daß durch die Vermittelung der Ordensbrüder ein dauernder Ausgleich hätte herbeigeführt werden können; um die Mitte des Jahres 1784 wurde der eifrige Hannoveraner, der selbst den Herzog Ferdinand von Braunschweig und den Prinzen Karl von Hesscn-Kasscl für den Illuminatenbund zu gewinnen wußte, mit einem Belobigungsdekret wegen geleisteter Dienste entlassen;^) doch wirkte derselbe auch fernerhin für die Verbreitung der deistischen Anschauungen des Jngolstädter Ordens, ebenso der als Uebersetzer englischer Schriften bekannte Bode und Wilhelm von dem Bussche, einer angesehenen hannoveranischeu Adelsfamilie entsprossen. (Stark 1. o. 332—333.) (Fortsetzung folgt.) "2) DaS Allgem. Handbuch der Freimaurerei H, 25 sagi hierüber: „Weishaupt, der mit seinen Ideen nie fertig werden konnte und der Hilfe eines organisatorischen Talentes bedurfte, war viclzusehr Pedant und ein zu nüchterner (?) Gelehrter (Weishaupt War ein großartiger Phrasenheld), um Geschmack a» dem vielen bunten Flitterwcrk zu finden, mit dem Knigge seine niedergelegten Gedanken ausgeputzt hatte. Sein Eigensinn und rechthaberisches Wesen traten erst dann auffallend hervor, als er zu fühlen begann, daß Knigge ibn in seinem eigene» Bunde überflügele. Weishaupt schadete sich um so mehr, je einseitiger und wankelmüthigcr er auftrat; da er kein Menschenkenner war. glaubte er jedem Schmeichler und zog ihn vor, »rührend er verdienstvolle Mitglieder zurückstieß." Ein Blatt ans der belgische» Kirchengeschichte. (Schluß.) (1. l)l. Am 24. Mai 1814 hielt der drei Jahre lang gefangene Papst Pins VII. seinen glorreichen Einzug in der Hauptstadt der Christenheit. An demselben Tage kehrte auch unter dem größten Jubel bon Klerus und Volk der verbannte Fürstbischof von Gent in sein treues Bisthum zurück. Indessen hatten die gegen Napoleon verbündeten siegreichen Fürsten den Entschluß gefaßt, das katholische Belgien mit dem größtentheils protestantischen Holland zu einem Königreiche der Niederlande unter dem -Dränier Wilhelm I. zu vereinigen. Alsbald sah sich oer Bischof von Gent wieder mitten im heißen Kampfe für die Rechte der Kirche. Es handelte sich um die vom .Könige am 24. August 1815 unterzeichnete Konstitution, die durch kgl. Verordnung von demselben Datum als Grundgesetz des neuen Königreiches ausgesprochen wurde. Sie erschien in verschiedenen Punkten den belgischen Bischöfen als unvereinbar mit den Grundsätzen der katholischen Religion und Kirche und mit der völlig freien -Ausübung ihres oberhirtlichen Amtes. Als die Einführung dieser Konstitution in Vorschlag gebracht wurde, war der erste Schritt der Bischöfe eine gemeinsame Adresse (datirt vom 28. Jult 1815) an den König, in welcher sie denselben auf die kirchenfeindlichen Bestimmungen des neuen Verfassungsgesetzes ehrfurchtsvollst aufmerksam zu machen sich gestatteten und die unterthänigst dringendste Bitte an ihn richteten, „er möge die unterzeichneten Bischöfe nicht in die harte Nothwendigkeit versetzen, bei Erfüllung ihrer Pflichten in einen scheinbaren Widerstand gegen den Staat treten zu müssen, und gegen die Maßregeln, welche seine Majestät zur Aufrechthaltung der Konstitution in ihren Sprengeln nehmen dürften. Der zweite Schritt der vereinten Bischöfe, de Broglie an der Spitze, war der Erlaß einer Pastoralinstruktion vom 2. August an ihre Diözesanen, welche dieselben über die Tragweite all jener Artikel des einzuführenden Ver- sassungsgesetzes, die der Religion und den Kirchengesetzen widerstrebten, belehrte. Schließlich gaben die Bischöfe noch ein theologisches Gutachten („flnFeirrsirt äoatrinal") über den vorgeschriebenen Verfassungseid heraus. In demselben wurde den Katholiken des Landes die Un- schwörvnrkeit des Eides hinsichtlich jener Artikel der Konstitution, die mit dem Gewissen des Katholiken in Widerspruch stünden, dargethan. Es wurde demnach nur ein bedingter Eid auf die Verfassung als kirchlich erlaubt erklärt. Um jedoch in ihrem Widerstände gegen die Konstitution sicher zu gehen, sandte der Fürstbischof von Gent die soeben erwähnten drei Schriftstücke an den hl. Vater irach Rom. Pins VII. setzte zur Untersuchung der in denselben enthaltenen Klagepunkte eine eigene Kongregation von Cardinülen nieder. Nach fünfmonatlicher Prüfung überreichte am 16. Mai 1816 der Kardinal- Staatssekretär dem in Rom residirenden niederländischen Minister eine officielle Note des Inhaltes, „das neue Fundamental-Gesetz enthalte Irrthümer, die gegen die Grundsätze der katholischen Religion streiten; der Widerstand der Bischöfe könne mit Recht nicht getadelt werden, und man könne keinen Eid, dessen Ablegung gegen das Gewissen sei, verlangen". Bereits fünf Tage früher, am 11. Mai, hatte der hl. Vater dem Bischöfe von Gent in einem Breve seine Zufriedenheit über dessen Verhalten in dieser heiklen Angelegenheit ausgesprochen. „Wir glauben nicht," heißt es in diesem Breve, „daß es nöthig sei, Dich und die übrigen Bischöfe ihrer Provinzen über die Pflichten, welche Euch die Ausübung Eures Hirtenamtes bei solchen Umstünden vorschreibt, zu unterrichten; denn wir sehen vollkommen ein, mit welchem Eifer Ihr (Du und die übrigen Bischöfe) für die Sache Gottes und feiner Kirche wachet." Die pflichtmäßige Belehrung, welche die Bischöfe Belgiens durch die Pastoralinstruktion ihren Diözesanen über die Konstitution zukommen ließen, wurde die Losung von Unterdrückungen und Gewaltthätigkeiten jeglicher Art. „Meine Pastoralinstruktion". schreibt Bischof de Broglie in seiner 1819 veröffentlichten „Raolainntioiri'asxeetneusö", „welche acht Tage nach der Eröffnung der Notabeln*) erschien, war eine der ersten Veranlassungen, um gegen Religion, Kirche und Geistlichkeit zu Felde zu ziehen. Polizeiagenten, mit Aufträgen der höheren Behörden versehen, nahmen einige Tage nachher alle bei meinem Buchdrucker noch vorfindlichen Exemplare dieser Instruktion hinweg. Man stellte bei allen Buchdruckern meiner Diözese die strengsten Haussuchungen an, um die noch übrigen Exemplare einzuziehen. Die Polizeiagenten untersagten allen Pfarrern, welche noch kein Exemplar erhalten hatten, dessen Inhalt ihren Pfarrgemeinden bekannt zu machen, obschon ich letzteres der Geistlichkeit als Bischof in meiner Gerichtsbarkeit zur besonderen Pflicht gemacht hatte. Ich legte darüber meine Beschwerdeführung zu den Füßen des Thrones nieder, jedoch ohne Erfolg." Fragen wir, welche Artikel der vielerwähnten Konstitution von den Bischöfen Belgiens als unvereinbar mit den katholischen Grundsätzen erklärt wurden, so waren es insbesondere jene, welche die Freiheit aller religiösen Meinungen in Belgien garantirten und die katholische Kirche auf das Niveau der Sekten heruntersetzten, dem Könige das Recht zuerkannten, darüber zu wachen, daß alle Konfessionen in den Schranken des Gehorsams gegen die Gesetze des Staates bleiben, den Landesbischöfen das Recht, den christlichen Unterricht zu leiten und die Direktion darüber zu führen, absprachen und die ganze Leitung des Unterrichiswesens dem protestantischen Staatsoberhaupte übertrugen. Die Bischöfe erblickten in diesen Verfassungsartikeln mit Recht eine Vernichtung ihrer bischöflichen Gerechtsamen und eine prekäre und illusorische Freiheit für die katholische Religion, welche bis dahin die alleiuherrschende in Belgien gewesen war. Sie erklärten darum in der „Pastoralinstruktion" und in dem „Theologischen Gutachten" über den vorgeschriebenen Con- stitutionseid, „daß die Gläubigen den Eid nicht in der Art leisten könnten, die ganze Constitution zu befolgen und aufrecht zu erhalten, ohne auf irgend eine Art oder unter irgend einem Vorwand davon abzuweichen, und ebensowenig einzuwilligen, daß davon abgewichen würde." Sie gingen hiebet von dem theologisch unanfechtbaren Grundsätze aus: Der Eid darf nichts enthalten, was der Religion, wozu sich der Eidleistende bekennt, und den Gesetzen der Kirche, welche er anzuerkennen verpflichtet ist, widerstreitet. Als die Regierung, auf die Constitution sich stützend, die Erziehung des Klerus in ihre Gewalt zu bekommen versuchte, zu diesem Zwecke alle Diözesan-Scminarien *) Die Notabeln hatten über die Einführung der Konstitution abzustimmen. Von 1603 zur Abstimmung berufenen Notabeln eiklärten sich 796 gegen, 527 für dieselbe und 280 stimmten gar nicht. Auf der Liste der Notabeln war von der gesammten katholischen Geistlichkeit Belgiens nicht ein einziger ausgenommen. 109 schloß und allen Theologen an dem neubegründeten, sogenannten philosophischen Kollegium zu Löwen ihre Studien zu machen gebot, da richtete der gewissenhafte Fürstbischof von Gent, von sämmtlichen niederländischen Bischöfen unterstützt, eine zwar der Form nach milde, aber dem Inhalte nach entschiedene Vorstellung an die Regierung. Diese hielt nun den Zeitpunkt für gekommen, sich dieses eifrigen, ihr immer mehr lästig werdenden Kirchenfürsten zu entledigen. Er wurde von der Regierung vor das Assisengericht von Brüssel gezogen und sechs Anklagcpunkte gegen ihn formulirt. Dieselben waren: 1) das von ihm und den Bischöfen von Namür und Tournay herausgegebene und von den Kapitular- vikaren von Mecheln und Lüttich mitunterzeichnete theologische Gutachten, welches dem Könige selbst überreicht und der verfassungsmäßigen Preßfreiheit gemäß öffentlich gedruckt und versendet wurde; 2) die Erklärung über den nur unter Bedingungen und Modifikationen zu leistenden Constitutionseid; 3) die fast von allen geistlichen Behörden Belgiens an den hl. Stuhl ergangenen Anfragen wegen Auslegung jener Kirchengesetze, in welchen das feierliche Gebet für Nichtkatholiken verboten zu sein scheint; 4) die Bekanntmachung der päpstlichen Bullen, Dispeusationen und andere rein geistliche Angelegenheiten betreffend; 5) die fortgesetzte Korrespondenz mit dem Papste über kirchliche Verhältnisse und Geschäfte; 6) eine Bekanntmachung von Ablaßbreven. Als dem Bischöfe seitens des obersten Gerichtshofes ver Anklageakt unter dem 9. Oktober 1817 zugestellt wurde, sandte er einen schriftlichen Protest ein. Derselbe motivirte in gedrängter Kürze sein wirkliches, den Gesetzen der Kirche entsprechendes Verhalten in den sechs Anklagepunkten. Die Protestation wurde dem Generalprokurator des Königs in Brüssel zugestellt; doch er behandelte dieselbe als ein „Aufruhrslibcll". Gegen den Bischof wurde der Haftbefehl erlassen. Durch Flucht nach Frankreich, von wo aus er gegen solch ungesetzliches Benehmen Protest erhob, entzog sich oe Broglie der Verhaftung. Inzwischen sprach der Nssisenhos zu Brüssel sein schmachvolles Urtheil über den muthvollen Kirchenfürsten. Es ist vom 8. November 1817 datirt und lautete auf Absetzung und Deportation aus dem Lande. Unter Trommel- schlag wurde die Coninmacial-, Absctzungs- und Depor- tationssenteuz gegen einen katholischen Bischof in einem ganz katholischen Lande an einem Sonntage publicirt und auf dem Schandpfahle in Mitte zweier wegen Diebstahls an den Pranger gestellten ehrlosen Menschen angeheftet. So verfuhr die damalige Regierung der Niederlande mit einem Bischöfe, der nur seine Amtspflichten erfüllt, der stets im Verein mit den übrigen Ordinariaten Belgiens und im Einverständnisse mit dem Oberhaupte der Kirche gehandelt, der aber freilich wegen seiner theologischen Kenntnisse, seiner unermüdeten Hirtenthätigkeit und seines festen, unerschütterlichen Sinnes, den er schon Napoleon I. gegenüber bewiesen, den Feinden der katholischen Religion unsagbar verhaßt war. Von Frankreich aus richtete der verbannte Bischof Gents an die zum Cvngresse versammelten Fürsten, den Kaiser von Oesterreich, den Kaiser von Rußland und den König von Preußen, eine vortreffliche Denkschrift, welche in getreuer, freimüthiger Darstellung die Verfolgung gegen die katholische Religion und ihre Diener im Königreich der Niederlande schilderte und deren Schutz und Hilfe erbat. Im darauffolgenden Jahre 1819 ließ de Broglie dieselbe unter dem Titel „Usolawution rssxsotususs" im Drucke erscheinen. Doch in den Niederlanden wurde trotz der daselbst bestehenden allgemeinen Preßfreiheit deren Drucklegung strengstens verboten ; in Frankreich hingegen nahm man keinen Anstand, den, Druck und zwar in einer königlichen Druckerei, öffentlich zu erlauben. Die protestantische niederländische Regierung begnügte sich nicht damit, den edlen muthvollen Bischof zu ächten und seinen Namen an den Schandpfahl zu heften, sie ließ ihren Ingrimm auch an seinen Generalvikaren und seinem Sekretäre aus. Als dieselben im Namen ihres des Landes verwiesenen rechtmäßigen Bischofes die geistliche Gerichtsbarkeit in der Diözese ausüben wollten, wurden sie verhaftet. Monatelang ließ man sie ohne Verhör und ohne Rechtshilfe im Kerker schmachten, trotzdem daß das damalige, in den Niederlanden geltende Recht die schleunigste Untersuchung und Erledigung aller Jnguisitionsfälle vorschrieb. Endlich „unter dem 10. Mai 1821", so berichtet das französische Journal ^rui üs Ig, RsUZioir st äu (Nr. 712 Seite 119), „erschienen die beiden Generalvikare und der Sekretär des Bisthums Gent vor dem Assisenhofe zu Brüssel. Die ersten Sitzungen wurden geheim bei verschlossenen Thüren gehalten." Erst fünf Tage später wurden sie in öffentliche Sitzungen umgewandelt. Vergeblich bemühten sich jedoch das kalvinische Ministerium und der Staatsanwalt Herr Sprüht, die Angeklagten eines Verbrechens gegen die Regierung zu beschuldigen, um dadurch gegen sie das Napoleonische Strafgesetzbuch anwenden zu können. Die Vertheidiger der Generalvikare und des bischöflichen Sekretärs wußten ihre Sache zu gut zu führen. Sie wiesen insbesondere darauf hin, daß es ein großer Mißgriff der Regierung wäre, wenn sie, um ein katholisches Volk zu gewinnen, demselben in allen seinen, auch billigsten Wünschen, in seinen wichtigsten religiösen Angelegenheiten, in Gewisscnssachen und GlaubenSgcgen- ständen widerspreche, die Priester unaufhörlich beunruhige und mit dem Umstürze aller katholischen Institutionen und alles, was dem Volke heilig und ehrwürdig sei, drohe. Endlich am 25. Mai erfolgte die Urtheils- verkündignng des obersten Gerichtshofes. Sie lautete auf Freisprechung. Ein Ausbruch des Jubels und Beifalles erfolgte bei Verlesung des Erkenntnisses. Alles drängte sich herbei, um den drei freigesprochenen ehrwürdigen Priestern Glück zu wünschen. Das ganze katholische Belgien empfand ob dieses gerechten Urtheils die lebhafteste Freude. Indessen nahte auch für den verbannten Fürstbischof die Stunde der Erlösung, allerdings nicht in dem Sinne, daß er wieder zu seiner treuen Heerde zurückkehren durste, wohl aber in einem höheren Sinne. Er sollte eingehen in jenes Land, von dem es in der „Geheimen Offenbarung" des hl. Johannes (21, 4) heißt: „Und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen; der Tod wird nicht mehr sein; noch Trauer, noch Klage, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." Fast vier Jahre seit seiner ungerechten Verurtheilung durch den Assisenhof in Brüssel lebte der Bischof von Gent in der Verbannung in Frankreich. Die meisten Nachrichten aus seiner Diözese waren für den scelcn- eifrigcn Bischof von sehr trarrriger Natur. Einer seiner Gencralvikare wurde gleich ihm verbannt, die zwei andern nebst seinem Sekretär vor Gericht gezogen — ihre Freisprechung haben wir vorhin vernommen —. 110 einige Domherren aus dem Kapitel verstoßen, mehreren Pfarrern daS Pfrünl einkommen gesperrt, eine strenge Untersuchung gegen seine Geistlichkeit verhängt, arme Mönche und Nonnen in ihren friedlichen Klöstern beunruhiget. Alles das wirkte auf seine durch frühere harte Prüfungen bereits erschütterte Gesundheit nachtheilig ein. Im Juni des Jahres 1821 wurde er zur Zeit seines Aufenthaltes in Paris von einer Krankheit befallen, deren tödtlichen Charakter er alsbald fühlte. Am 25. genannten Monats ließ er sich vom Pfarrer von St. Sulpice die hl. Sterbsakramente reichen. Von da ab sprach er nur mehr von göttlichen Dingen. Für einen jeden, der ihn auf seinem Schmerzenslager besuchte, war er ein Gegenstand der Erbauung. Freitag den 20. Juli 1 Uhr morgens hauchte er in einem Alter von 54 Jahren 10 Monaten seine edle Seele aus. Mit ihm war ein Kirchenfürst aus diesem Leben geschieden, auf den voll und ganz das Wort des königlichen Sängers anwendbar ist: „Tolus äoruus tuae comsäit, ine" (der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt). Außer seiner unerschütterlichen Anhänglichkeit an die Kirche, seinem standhaften Eintreten für ihre Rechte und seinem ausdauernden Muthe in allen über ihn hereinstürmenden Widerwärtigkeiten wurden ihm von seinen Zeitgenossen insbesondere Geradheit des Charakters und kindliche Frömmigkeit nachgerühmt. Bei den treuen Katholiken der Diözese Gent, ja ganz Belgiens, steht heutigen Tages noch sein Name im gesegnetsten Andenken. k. Wilhelm Kreisen. Literarhistorische Studie von Ad. Jos. Kiel. (Fortsetzung.) k. Kreiten's Aufsätze bildeten nicht bloß werthvolle Beiträge zur Literaturgeschichte, sondern, was ungleich mehr Bedeutung hat, sie erweckten in den weitesten katholischen Kreisen wieder mehr und mehr das richtige Interesse für Literatur und Poesie. War so ?. Kreiten bestrebt, der antichristlichen Kritik eine christliche gegenüberzusitzen, so that er andererseits zugleich durch seine Arbeiten dar, wie eine reine, edle Dichtkunst ein mächtiges Mittel ist, um das Gemüth und durch dieses das ganze geistige Wesen des Menschen zu läutern, zu wecken und zu veredeln. Und so kann man in der That k. Kreiten mit vollem Rechte einen Mitbegründer unserer heutigen katholischen Poesie und Literatur nennen. Nun ist aber k. Kreiten nicht bloß Kritiker und Historiker, er ist auch selbst ein großes, gottbegnadetes lyrisches Talent. Er beschenkte uns mit einem wundervollen Strauße von Blüthen, die er „den Weg entlang" gepflückt.*) Die „Widmung" dazu schrieb er an einem Allerseelen-Abend, und in seiner tiefmelancholischen Art fühlt sich da der leidende Dichter selber nahe „der stillen Friedensstadt der grünen Hügel". Wegmüd' und wund zuckt oft der Fuß. Gott Dank! schon winkt mit trautem Gruß Die stille FriedenSstadt der grünen Hügel. Am Thore seh' ich den Richter steh'», Der Rechnung heischt von meinem Geb'n, Seit kühn ich fortgestürmt mit verhängtem Zügel, Voll Hoffnung, einst im Jugenddrang, ViS stiller ward des Mannes Gang ,_Den Weg entlang. — *) Wilhelm Kreiten 8. Den Weg entlang. Gedichte. Drifte vermeh rte Auflage der „Heimathweise» aus der Fremde". Von diesem Gedanken des einstigen und vielleicht schon nahen Tages der Rechenschaft beseelt, lenkt der Dichter „rückwärts seiner Seele Schritte". Der Kindheit sinnend Spiel, der Jugend unverstandenes Hoffen, das zieht wie trauter Abendglockenklang durch seine Seele wieder. Doch dann, wie schreckt ihn auf der grause „Hammerschlag, der ihm die Mutter sargte". Durch Schmerz gereift hört er des Heilands »Vom, sscfuörs ws!" (komm', folge mir nach!) und freudig folgt er seinem Banner „durch Nacht und Fährniß trotz Todesdroh'n und Lockgesang". So naht dem Ziele sich die Bahn; Längst Viele, Viele mir voran Heimgingen, die mir treue Weggeiellen. Sie winken mir: nur Muth, nur Muth! Der Herr ist gutem Willen gut, Ihm sollst anheim du all dein Fürchten stellen, Zn ihm trieb doch dein tiefster Drang, Wie oft auch Schwäche dich bezwäng Den Weg entlang. — So will ich geh'n und ihm vertrau'» Den dunklen Schritt durch Todesgrau'n, Das er für mich am Kreuze wollt' besiegen . . . Ihr Freunde, die des Wegs noch geht, Nehmt, daß ihr meiner im Gebet Fromm denket, werd' ich selbst im Grabe liegen. Die Lieder, oft voll trübem Klang, Voll hcit'rcm oft, wie ich sie sang Den Weg entlang. — Der „trübe" ernste Klang herrscht vor in seinen schönen Liedern, k. Kreiten ist eben eine sinnende, nach dem einzigen wahren Gute sich sehnende Natur, die sich immer bewußt bleibt, wie sie hier auf Erden nur „den Weg entlang" zum ewigen Ziele schreitet. Heitere und in leichtem Spiele dahinhüpfende Melodiken klangen kaum von seiner Harfe. Deren Melodieen glichen vielmehr dem ernsten, tiefen, mahnenden Geläute der Ossanna vom Münsterthurme. k. Kreiten theilte seine Gedichtsammlung in fünf Bücher. Den Anfang bildet daS umfangreichste derselben, „das Buch der Andacht". Hat sich im fünften Buche, dem „Buche der Sprüche", Dichter und Kritiker in glücklichster Weise verbunden, und kommt im dritten, dem „Buche des Menschenlebens", in vollem Maße das durchgebildete und formgewandte lyrische Talent des Dichters zur Geltnng, so offenbart sich hier im ersten Buche das ganze schöne, nur nach dem Himmel sich sehnende Herz I>. Kreitens. Die innigsten, weihevollsten Gefühle und Gedanken weiß er in schlichtester Weise, aber gerade deßhalb so ergreifend und erhebend wiederzugeben. Man könnte es ein Trostbüchlein im Leiden nennen. Geduld in Leiden und Schmerz, eine allein an Gott sich anklammernde Liebe und ein heißes Verlangen nach dem, der allein des Herzens Sehnsucht zu stillen vermag, das sind die Grundsaiten des kindlich frommen Gemüthes unseres Dichters. Eine Probe aus all' dem Schönen mag genügen, dieses Urtheil zu erhärten. Es ist das Fragen einer gott- geliebten Seele: Einmal, einmal nur umfangen. Herz an Herz, o könnt' ich Dich, Aller Himmel Glnthverlangen: Jesus Heiland, liebst Du mich? Einmal, einmal möcht' ich schauen In die GottcSaugcu, Dir Alle tiefste Furcht vertrauen, Die nicht lassen will von mir. Mit einem Titclbilde von Ed. v. Steinle. Paderbörn. Ferd. Schöningh. Preis acbd. 6 M. 560 S. 1891. Ach nur eine kurze Frage, Ach ein einzig kleines Wort: Wird die Lieb', die ich Dir trage, Währen bis zum Grabe fort? Werd' iH, wie der Sturm mag treiben, Lassen nie von Dir, wein Lickt? Werd' ich immer treu Dir bleiben? Herr, Du weißt es, schweige nicht! Sage ja! und laß mich wandern Tausend Jahr' im Elend noch. Will nicht schauen auf die Andern, Jauchzend tragen jedes Joch. Ew'ger Treue Gnade senke, Allerbarmer, in die Brust, Daß ich nie vom Pfade lenke, Deiner treuen Huld bewußt. Sagten wir oben, im dritten Buche käme besonders das ganze lyrische Talent des Dichters zur vollen Entfaltung, so wollten wir damit durchaus nicht behaupten, daß dieses in den andern sich verleugne und am wenigsten im zweiten, dem „Buche der Natur". Im Gegentheil, diese sinnige, lebenSwarme, Alles, auch das scheinbar Geringfügigste wahrnehmende Auffassung, wie sie dem echten Naturdichter eigen ist, finden wir in diesem Büchlein vertreten. Hören wir nur einmal, wie der Dichter so prägnant und doch so gefühlvoll den „fremden Frühling" malt: Funkelnd auf dem fremden Land Friihlingshimmel blauet, Lraumgcweckt die Felsenwand Grüßend um sich schauet. Fremde Blumen seh'n mir sacht Fragend in die Augen — Wollten sie mit ihrer Pracht D'rauS die Thränen saugen? Duftumhaucht im Thals steh'n Weiße Mandelbäume, Meereslüste d'rnbcr weh'n, Kühl wie Morgenträume. Stille I welch ein Lied erklingt Dort so hcimatheigen? Waudermüd' die Schwalbe singt In des Oelbaums Zweigen. Weht nur weiter warmen Hauch, ^Linde Lenzeslüfte, Weckt im Land der Heimath auch Sang und Blumendüste. Fort zum Haus am Haidegrund, Möglcin, wollt euch schwingen Und von mir zu jeder Stund' Tausend Grüße bringen. - Freilich schwirrt die Luft voll „Frühlingslieder", doch dieses ist keines von den landläufigen. Schon die Person des Dichters selber, die da mitten drin steht und dem die fremden Blumen so facht und fragend in die Augen sehen, gibt dem Ganzen ein individuelles, eigenthümliches Gepräge und erweckt unsere innigste Theilnahme. Ist doch der Frühling, den hier der Dichter besingt, ein — „fremder", und ist er doch selber aus dem „Haus am Haidegrund", für das er den Vöglein seine Grüße aufträgt — verwiesen und verbannt! Ebenso bietet das folgende Gedicht, „Der Lenz", eine eigene, frische, gemüthvolle Auffassung. Als „holder Blüthenknab'" zieht er ins Land und läutet dem Winter „hinunter ins grüne Grab". Alles sprießt und sproßt, wo er geschritten. Dann kommt die Königin Nose, Hält große Blumcuschau Uno feiert Spiel und Tourniere Des Nachts aus der Waloeöau. Inzwischen hat Lenz, der Knappe, Auch Rüstung angelegt, Schwertblüthe und Eisenblume Und Rittersporn er trägt. Dann kommt Prinz Sommer geritten Und rennt den Frühling an. Daß er zwischen Gras und Blume» Sinkt sterbend aus den Plan. Dem Sieger reicht die Nose Zum Bunde dann stolz die Hand — Und es jubelt, leuchtet und glühet Ihr Brautlauf durch das Land. Nur einsam still eine Jungfrau Im weißen Schleier steht; ES wacht beim Grabe des Frühlings Die Lilie im treuen Gebet. DaS eigene Todesahnen gab dem Dichter wohl auch das kurze, aber tief gefühlte Gedicht „DaS Förstermal" ein: Da drauß' im Walde stehen der schlanken Eichen so viel, Deö Frühlings Säusclwchen treibt in den Kronen Spiel. Die schwellen, knospen und grünen im goldenen Maienstrahl, WaS kümmert die stolzen Hünen am Stamme das kleine Mal? Das hat der Förster gehauen mit seinem Gürtclbeil» Von fern ist's kaum zu schauen, ein Jahr — dann ist es heil! Ein Jahr? — du arme Eiche erlebst nicht so ferne Zeit! Dich hat mit jenem Streiche der Förster dem Tode geweiht. Bald werden die Hauer kommen und spähen nach jenem Mal, Da kann kein Knospen frommen, dich fället der Aexte Strahl. Dann wieder diese herrlichen, stimmungsvollen Abendbilder! Zu dem Besten in unserer gesäumten deutschen Lyrik zählen wohl Lieder wie das folgende: Auf Waldeswipscln funkelt Der Sonnen Flammenpracht, Vom Berg im Osten dunkelt Die weite stille Nacht. O sag'! zu dieser Stunde Was engt die arme Brust, Daß ich dasteh' im Grunde Und klage von Verlust? Mich zieht's mit StrahlenhänböN Fort in die Muth hinein, Ich kann den Blick nicht wenden Vom milden Abendschein. ES ist, als müßt' ich bluten Mein Herz am Himmel seh'n Und mit den Abendgluthcn Auf ewig untergeh'n. (Schluß folgt.) Recensionen nnd Notizen. Förster I. M-, „Das gottselige München". 6tBogen 8° mit circa 140 Illustrationen. (III Theile, stark brosch. M. 7.-.) * Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß die kirchlich-historische Literatur in neuerer Zeit immer mehr aufblüht, da hierin der beste Beweis für die Antheilnahmc des Volkes liegt. Das vorliegende Buch hat die geschichtliche Beschreibung aller Kirchen und Klöster, welche München je besessen hat, zum Gegenstände. Da der Verfasser aber in den meisten Fällen auch die Bau- geschichte, die Beschreibung der Altäre (selbst aus früheren Zeiten), der Glocken, der etwa bestehenden Bruderschaften bringt und verschiedentlich interessante Charakterzüge einsticht (wie z. B. daß bei Aufhebung des früheren Kapuzinerklosters in München Polizeidiener, nachts durch Fanghnnde verstärkt, vor demselben Wache hielten, damit keine Verschleppung erfolge; daß die Mitglieder unseres erhabenen RegcntenbauseS fleißige Kirchenbesncher sind u. s. w.), ist das Buch außerordentlich wcrth- voll und kann jeder katholischen Familie, namentlich der k. D. Geistlichkeit, bestens empfohlen werden. Neben dem Bezug in 3 Theilen ist auch ciu solcher in (64) Heften L 10 Pf. durch jede Buchhandlung oder direkt beim,Herausgeber (München, 112 Wörthstraße 18 a), in dessen Selbstverlag dciS Buch erschienen ist, gegeben. Zn ganz besonderer Empfehlung dürste dem Buche dienen, daß der Magistrat München für sämmtliche Schul- bibliothcken, die Lehrer-, Magistrats- und VolkSbibliothck je ein Exemplar dieses Buches anschaffte, ebenso die Rektorate der Müuckcner Mittelschulen jeweils mehrere Exemplare desselben beschafften. * Schnlchan Nrnch. Am 15. April d. I. erscheint im Verlag der Mechitaristcu-Bnchdrnckcrei in Wien (VII, 2 Mechi- taristengasse t)!r. 4) „Schnlchan Aruch, Die vier jüdischen Gesetzbücher" übersetzt von Heinrich C. F. Löwe sou. 2. Anflöge, 2 Bände, gr. 8°, cn. 75—80 Bogen. — Die Löwe'sche Ucber- sctznng besteht schon seit 1840, die aber nur sehr schwer mehr anizntreiben ist. Da sich Lome sclavisch an das Original hielt, wurde seine Uebcrsetznng holprig und an mancher Stelle fast unverständlich. Die NcuauSgabe ändert an der Uebersetzung nichts Wesentliches, will sie aber in einem lesbaren Deutsch geben. Solange keine authentische Uebcrsetznng des Schnlckan Aruch cxistirt, wird diese Uebersetzung, die hinsichtlich der ersten 160 Paragraphen des Buches OrachChajim mit der Uebersetzung PavlyS verglichen und übereinstimmend befunden wurde, mit voller Beruhigung benutzt werden können. Die neue Auflage des Werkes, das antiquarisch kaum um 100 M. zu erhalten ist, kostet im SnbscriptionSweg 10 M., nach dem 15. April beträgt der Bnchhändlcrpreis 15 M. Bestellungen zum Subscriptions- preiS sind bis 15. April an den oben genannten Verlag zu richten. Die Schädelstätte oder Golgatha. Eine Hochschule christlicher Tugend und Vollkommenheit. Von ?. F. Peters, 0. ss. Q. Mainz, Kirchheim. 1896. Preis M. 1,80. Der hochwürdige Verfasser hat sich in diesem Buche, ähnlich wie in dem „Oclgartcn Gcthsemane" und dem „Ricbtcrstuhl", zur Aufgabe gemacht, über christliche Tugenden, in denen der Erlöser insbesondere bei seinem Lcidcnsgange zur Kreuzigung und bei dieser selbst uns ein so ergreifendes Beispiel war, abzuhandeln und den Gläubigen zu empfehlen, sie zur Bethätigung der Liebe Christi anzuregen. Die Diktion ist fließend, lebhaft und beredt, und getragen von tüchtiger Kenntniß der Wege Gottes im inneren Leben. »Die katholische Familie". Verlag der B. Schmid'schcn Verlagsbuchhandlung in Augsburg. Von G. P. Lauten- schlager redigirt. * Diese Familien-Wochenschrift, welche sich sehr warmer Empfehlung der geistlichen Obrigkeit erfreut, bietet allen einzelnen Familienmitglicdcrn viel Nützliches und zugleich gute Unterhaltung. Sie kostet vierteljährig nur 50 Pfge. und verdient, recht weite Verbreitung zu finden. Alte und Neue Welt. Das Qsierheft der „Alten und Neuen Welt", das 7. dieses Jahrganges, enthält nicht weniger als süuf größere erzählende Beiträge. Wohl selten wird ein Familicnblatt, das sich auch die Belehrung seiner Leser zur Aufgabe macht, mehr bieten. Außer dem effektvollen Schluß des Romans „Das japanische Schräukchen" erwähnen wir die an der Spitze des Heftes stehende musikgeschichtliche Novelle „Emanucl Astorga" von A. Schuppe; die spannende Erzählung „Ein Sonderling" von Hermann Hirschfcld und die mit geradezu Jean Paul'schem Humor gewürzte Humoreske „Dr. Labsals Brautsabrt" von Ncinfried, ein Autor, welchem wir hier zum ersten Male begegnen, und zu dem wir der „Alten und Neuen Welt" Glück wünschen. Ist es ja doch leider Thatsache, daß die meisten unserer heutigen sogen. Humoresken nicht anderes als bessere Schwänke genannt werden müssen. Hier sehen wir uns wieder einmal zum Zeugen eines höchst einfachen Vorganges gemacht, der durch humorvolle Charakteristik ebensowohl unser herzliches Lachen, als auch unsere Shmpathie erregt. Unter den belehrenden Aufsätzen nimmt die Würdigung PcsialozziS, von Schuirath Fr. Wilh. Bürgcl, den ersten Rang ein. Wir sind im voraus überzeugt, daß dieser rühmenswerthc Aufsatz insbesondere in der Lehrerwelt Dank und Beifall ernten wird. Ueber die neue Nöutgen'schc Entdeckung gibt ein klarer, mit instruktiven Illustrationen geschmückter Beitrag auS der Feder von U. F. Kinvler, 0. 8. L., populärwissenschaftliche Belehrung. Als Streiflichter auf die Geschichte der türkischen Vorherrschaft in Europa kaun die geschichtliche Abhandlung „Zwei Grober- , ringen KoustautinvpelS" von Dr. Dcutschmann akiuellcö Juier- > esse beanspruchen. In das Gebiet der Naturgeschichte gehört der Aufsatz „Ueber den Schlaf der Säuzcthicre und Bögel" von E. Rüdiger, in das der Naturiabel das reizvolle Märchen „Ein Besuch beim Osterhasen" von Th. Bertholt». Die veilchenblaue Ausstattung des Umschlags und die Illustrationen sind ebenso geschmackvoll als eigenartig. Engclmann, Dr., II. Staatsanwalt. Die rechtlichen Verhältnisse der unehelichen Kinder nach bayerischem Landrecht. Gcbd. 3 M. 250 Seiten. München, I. Schweißer (Jos. Eichbichler). -os- Der Verfasser behandelt im ersten Drittel seines Buches nach einer rcchtShistorischen Einleitung die rechtlichen Verhältnisse der unehelichen Kinder nach gemeinem Recht, auf Seite 95 bis 220 nach dem bayerischen Landrecht, und zum Schlüsse bringt er einen Abdruck der diesbezüglichen Bestimmungen deS bürgerlichen Gesetzbuches. Soweit der Verfasser diese äußerst schwierige Materie behandelt hat, ist dies durchweg mit großer juristischer Schärfe und Klarheit geschehen, leider bat er sich aber zu oft ein Halt zugerufen, weil die Frage nicht streng zum Thema gehört oder zu weit führen würde. Bei einer so sehr umstrittenen Materie, wie die vorliegende, wäre eS unserer Ansicht nach nur von Vortheil, wenn man alle Streitfragen, die sich um den Begriff außerehelich gruppircn — und deren sind es bekanntlich eine schwere Menge — hereingezogen hätte; daß dies nicht geschehen, bedauern wir mit Rücksicht auf die sonstige Trefflichkeit des Gebotenen und auf die praktische Verwendbarkeit des Buches selbst. Gehet zum heil. Antouius! Von U. Nrscuinö Dossier, 0. 8. Ikr. Würzburg, Göbcl, 1896. Gebunden in Ganzlcinwand 75 Pfennig. G Eine Lebenoskizzc des großen Heiligen von Padua und die üblichen Andachtsübungcn zu demselben! St. Antoniuö ist einer jener Heiligen, die zu den Lieblingen des christlichen Volkes zählen. „Der heilige Antouius ist nicht blos der Heilige von Padua, er ist der Heilige der ganzen Welt", sagte unlängst Papst Leo XIII. Ein Ordensbruder, ein Mitglied der bayerischen Frauziskaucrproviuz vom heil. AutouinS, will in vorliegendem Büchlein das Leben dcö Heiligen weiteren Kreisen bekannt machen und zugleich dessen Verehrung fördern. Der Verfasser weiß die Feder zn führen; präzis im Gedanken, gewandt in der Form, ist er Meister in edler Popularität. Wir können das Büchlein bestens empfehlen. ___ Silbernagl. Dr. Jsidor, o. ö. Professor des KircbenrechtS und der Kirchengeschichte an der Universität zu München, Lehrbuch des katholische» Kircheurechts zugleich mit Rücksicht auf das im jetzigen Deutschen Reiche geltende StaatSkirchenrccht. 3. Auflage. NcgcnSburg, Nationale VerlagSaustalt. M. 8. -w- Silbcrnagl's Kircheurccht, aus dem Bedürfniß nach einem gut geschriebenen, nicht zu umfangreichen Lehrbuche heraus entstanden, bewahrt auch in seiner neuen Auflage noch den Charakter deS Lehrbuchs, indem es bestrebt ist, in großen Zügen dem Leser und insonderheit dem Theologen ein klares Bild dieser Materie zu geben. Wenn der Verfasser dabei von Auflage zu Auflage in steigendem Maße die einschlägige Literatur und Rechtsprechung berücksichtigt hat, so werden ihm dafür nicht nur die Theologen, sondern auch die Juristen dankbar sein, die sich in vielen Fällen auö dem Lehrbuche recht guten Rath für die Praxis holen können. Der heilige Joseph, als Vorbild und Schutzpatron der christlichen Ehemänner. Ein Lehr-, Gebet- und Er- bauungöbuch. Von Joh. Völkl, Stistspropst in Jnnichen. Innsbruck, Vereinöbuchhandluug. Preis gebd. M. 2. §. Der nun in Gott ruhende, hochwürdige Verfasser dieses Buches ist bereits seit langem durch sein berühmtes, in allen Ländern deutscher Zunge viel und gerne gelesenes „Anna-Buch" bestens bekannt. Wie dieses in der Frauen-, so hat sein „Josephi-Buch" in der Männerwelt einen sehr guten Klang, was schon aus dem Umstände ersichtlich ist, daß abermals eine Neubearbeitung desselben nothwendig wurde. Das Buch verdient wegen des praktischen Inhaltes und der leichtverständlichen Schreibart allen Ehemännern bestens empfohlen zu werden. Es wird gewiß großen Nutzen stiften. Verantlv. Redacteur: Lid. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabbcrr in Augsburg.