Abschließende Untersuchungen über die 12 Artikel von 1525. Mit steigendem Interesse hat sich in den letzten Jahrzehnten die geschichtliche Forschung mit dem groben Bauernaufstände von 1525 beschäftigt. Ganz natürlich; denn wenn überhaupt diese Bewegung als unmittelbare, gewaltsam hervorbrechende und weit um sich greifende Aeußerung der Volksstimmung, wie sie die Geschichte nur selten zu verzeichnen hat, der historischen B-trachtnng der Merkwürdigen Punkte genug bietet, so mußte doch vor Allem eine selbst nach nationaler Einigung und socialer Gesundung ringende Zeit dem Studium dieser Volkserhebung besonderen Reiz abgewinnen. Denn bet aller Unklarheit über die zureichenden Mittel und die rechten Wege lagen doch ähnliche Tendenzen der seit 1517 anschwellenden Volksbewegung, die in den Ideen von 1525 ihren Höhepunkt erreichte, zu Grunde. Die Bauernartikel brachten diese Ideen zur Aussprache; „sie erfüllten und entflammten die deutsche Nation 1525 ebenso wie die ,Erklärung der Menschenrechte' 264 Jahre später das französische Volk". Wie sich unter jenen Ideen die des „göttlichen Rechtes" als die wirksamste erwies, so waren unter den verschiedenen Baucrn- programmen die sogenannten zwölf Artikel, welche dem „göttlichen Recht" den entschiedensten Ausdruck verliehen, die weitest verbreiteten. In ganz Oberdeutschland gelangten sie zur Annahme. Ueber dieses bedeutungsvolle Programm erhalten wir soeben eine Monographie aus der Feder Baumanns unter dem Titel: „Die zwölf Artikel der oberfchwäbischen Bauern 1525?") Soweit Oberschwaben d. i. das Land zwischen Donau, Lech und dem Hochgebirge und Bodensee in Betracht kommt, ist ohne Zweifel Dr. Franz Ludwig Banmann der verdienteste Forscher und gründlichste Kenner des Bauernkrieges. Schon vor 25 Jahren führte er sich als Achtung gebietender Forscher auf diesem Felde in die Oeffentltchkeit ein mit der Dissertation: „Die ober- schwäbischen Bauern im März 1525 und die zwölf Artikel", eine Untersuchung, welche in wichtigen Fragen auf neue Bahnen lenkte und von keinem Historiker des Bauernkrieges ungestraft außer Acht gelassen werden konnte. In den Jahren 1876 und 1877 sodann folgten zwei höchst verdienstliche Publikationen, welche das umfangreiche, in bayerischen, Württembergischen und badischen Archiven und Bibliotheken zerstreute, ungedruckte Material für Oberschwaben in mustergiltiger Weise der wissenschaftlichen Forschung zugänglich machten. Es sind die als 129. Band der „Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart" herausgegebene Sammlung von „Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs in Oberschwaben" und das bei Herder in Freiburg verlegte Werk: „Akten zur Geschichte des deutschen Bauernkrieges aus Oberschwaben". An der Hand dieses Matertales hat Baumann ein lebensvolles Bild des Bauernkrieges im Allgäu entworfen und dem dritten Bande seiner trefflichen „Geschichte des Allgäus" einverleibt. Die neuesten Untersuchungen Baumanns beschränken sich auf den Ursprung der „zwölf Artikel", dieses berühmtesten aller Bauernprogramme. Es war jedoch im Interesse der vollständigen Erschöpfung der Frage geboten, auf die ganze Bewegung in Oberschwaben von Ende ') Kempten, Kösel 1896. IV u. 169 S. 1523 an bis zum kriegerischen Eingreifen des schwäbischen Bundes einzugehen. Insofern bietet das Buch mehr, als der Titel auf den ersten Blick besagt^ es ist eine Geschichte des Bauernaufstandes in Obcrschwaben bis März 1525. Eine gedrängte Uebersicht unter Betonung der von Banmann eudgiltig festgestellten Ergebnisse mag manchem Leser erwünscht sein. Im Allgäu machte die Kemptuer Landschaft oen Anfang mit der Erhebung; im Februar 1525 stelle- sie sich auf den Boden des „göttlichen Rechtes". Gleichzeitig suchte sie durch Ueberrcdung und Drohung, bald auch durch Anwendung von Zmangsmaßregeln den Anschluß der übrigen Allgäuer herbeizuführen. In /.rstannlich kurzer Frist gelang das Werk der Einigung; eine Versammlung zu Oberdorf am 24. Februar gab dem „Allgäuer Bund" das Dasein, eine zweite zu Leubas drei Tage später oie Organisation und einheitliche Leitung. Die Artikel des Allgäuer Bundes lassen deutlich erkennen, daß das „göttliche Recht" d. i. das „Princip, daß alle Verhältnisse, seien sie politischer, socialer oder religiöser Natur, nach Vorschrift des Evangeliums als der einzigen und ausschließlichen Quelle und Norm alles Rechtes geordnet werden müssen", das LebcuLelement der Bewegung ist. — Am Vodensce war es der Pfarrer zu Esseratsweiler, welcher das zündende Wort vom göttlichen Recht unter die Massen warf. Eine Versammlung zu Nappers- weil in der zweiten Hälfte des Februar bekannte sich zu diesem Standpunkte. Bald trat die ganze Gegend um den Bodcnsee bei. — An der Spitze des größten unter den drei oberschwäbischen Hansen, des Bnltringer Haufens, welcher die Hochebene südlich der Donau von der Herrschaft Meßkirch (jetzt zu Baden gehörig) bis an den Lech umfaßte, erscheint seit Anfang Februar 1525 als Führer ein Hufschmied von Sulmingen, welchem es gelingt, am 27. Februar seine Anhänger für das göttliche Recht zu gewinnen. In die Dienste dieses Haufens trat kurze Zeit darnach als Feldschreiber der Memminger Kürschner Sebastian Lotzer, ein begeisterter Anhänger des „Evangeliums". Von Lotzer geleitet, beantragte der Baltringer Haufe eine Vereinigung der drei schwäbischen Sonderbünde. Auf einem gemeinsamen Tage der Bundesausschüsse zu Memmingen am 6. März brachte er den von Lotzer redigirten Entwurf einer Bundesordnung ein, welcher in dritter Fassung am folgenden Tage die Zustimmung der Allgäuer und Seebauern erlangte. Gemeinsame Artikel für diese „christliche Vereinigung" wurden der Versammlung wohl vorgelegt, kamen aber noch nicht zur Annahme, weil sie erst den einzelnen Gemeinden vorgetragen werden sollten. Durch nachdrncksame Agitation war es soweit gekommen, daß mit Ausnahme weniger Orte alles Land zwischen Donau, Lech und Bodensee dem Aufruhr verfallen war, als am 14. März der zweite Rauern- tag in Memmingen zusammentrat. Die Aufgabe desselben war vor Allem die endgiltige Annahme eines Programmes, welches die gemeinsamen Forderungen zusammenfaßte. Es sind die berühmten zwölf Artikel, welche die Versammlung vom 14. März zum Programm 2) A. Stern, Ueber die zwölf Artikel der Bauern und einige andere Aktenstücke aus der Bewegung von 1525. Leipzig» 1868. K. Lehnert, Studien z. Gesch. d. zwölf Art. von 1525. Halle. 1894. 138 der oberschwäbischen Bauernschaft erhob. Daß diese zwölf Artikel wirklich das Programm der „christlichen Vereinigung" sind, daß sie auch inhaltlich als deren Eigenthum betrachtet werden müssen, das; sie die von Lotzer redigirte Eingabe der Memminger Bauern vom 24. Februar als Vorlage benutzen und das umgekehrte Verhältniß nicht statthaben kann, wird gegen Stern und Lehnert^) mit schlagenden Gründen nachgewiesen. Redaktor der Artikel war Lotzer, dem Schappelcr, der Memminger Prediger, „bei der Ausgestaltung des Textes und der Auswahl der zum Beweise seiner Schriftgemäß- heit beizusetzenden Bibelstcllen sein Wissen zur Vcrsttgung gestellt hat". Als Richter, welche die Uebereinstimmung der Banernfordcrnngen mit dem Evangelium prüfen sollten, benannte das zweite Memminger Bauernparlawent die hervorragendsten 'Reformatoren und daneben einige den Bauern persönlich bekannte Prädikanten in Oberschwaben. Artikel, Bnndesordnung und Nichterliste wurden sofort in Druck gegeben, nicht zu Agitationszwecken, sondern als Nechtfcrtignngsschriften, um dem beharrlichen und unheimlichen Schweigen des schwäbischen Bundes gegenüber an die öffentliche Meinung Berufung zu ergreifen. Aus diesem Zwecke erklärt sich theilweise die in den Artikeln zu Tage tretende Mäßigung. Die protestantische Geschichtsforschung beruft sich gern auf diese Mäßigung, um darzuthun, daß die Artikel „ein Programm der Reform, nicht eines der Revolution" seien; „wer sie verkündigte, wollte nicht Bürgerkrieg, sondern Versöhnung" ^). Allein bei den Bauern „stimmen Wort und That nicht; ihre Schriften und Programme athmen Frieden und Ruhe, ihre Handlungen sind rücksichtslos und gewaltthätig". Der Haß gegen die bisher allein berechtigten Stände und gegen die altgläubige Geistlichkeit, dazu die Lust an Gewaltthaten waren Leidenschaften, welche zu zügeln die Führer keine Macht besaßen. Es hätte somit die in den zwölf Artikeln angekündigte Neugestaltung der Dinge nie friedlich vor sich gehen können, ganz abgesehen davon, daß die Herrschaften nicht geneigt waren, ihre zumeist wohlerworbenen Rechte friedlich tönenden Programmen zu liebe preiszugeben. Nachdem in der zweiten Memminger Tagsatzung die Bauernbewegnng ihren Höhepunkt erreicht hatte, kam es denn auch alsbald von Seite der Bauern zu neuen Gewaltthätigkeiten, welche den schwäbischen Bund der Mühe überhoben, die unterdessen geschickt eingeleiteten Verhandlungen zum Abschlüsse zu bringen: das Bundesheer, nach der glücklichen Altion gegen Herzog Ulrich von Württemberg frei geworden, stand zur Niederwerfung des Aufruhres bereit. Daß bei der ganzen Bewegung das „göttliche Recht" einen maßgebenden Faktor bildet, tritt in Ban- manns Untersuchung klar zu Tage. War es bei den mittelalterlichen Ausständen, weil man bei Einzeln- beschwerdcn stehen blieb, im schlimmsten Falle zur Erhebung einer einzelnen Landschaft gekommen, so konnte jetzt unter der Losung des göttlichen Rechtes die Einigung weiter Kreise von Unzufriedenen-stattfinden; es ließen sich ja alle Einzeluforderungen unter dieser gemeinsamen Forderung zusammenfassen. Hatte man früher — soweit nicht der Einfluß husitischer Lehren sich geltend machte — die historisch und rechtlich gefestigten Verhältnisse respektirt und lediglich die Rückkehr zu älteren Nechtszuständeu gegenüber der Verschlimmerung der Lage in den letzten °) G. Egclhaaf, Deutsche Geschichte im sechzehnten Jahrhundert. I, 576. Jahrzehnten angestrebt, so trat jetzt in dem göttlichen Recht ein Princip mit dem Anspruch hervor, Maßstab und Grundlage einer völlig neuen, allein berechtigten Ordnung der Dinge zu sein. Es ist klar, daß solche grundstürzende Forderungen dem äußersten Widerstände der berechtigten Klassen begegnen mußten. Mit Recht hat daher Janssen^) betont, daß die sociale Revolution den Charakter der Allgemeinheit und der unmenschlichen Furchtbarkeit erst aus den durch die religiösen Wirren geschaffenen oder entwickelten Zustünden erhielt. „Die Vorspiegelung falscher Freiheit, gesteht der Nördlinger Reformator Billicanus, hat die Bauern verlockt, und jene haben das Feldgeschrei erhoben, welche durch ihr verfälschtes Gotteswort die Einfalt der Menschen bethörten." Die „zwölf Artikel" Bauwanns weisen die bekannten Vorzüge seiner schriftstellerischen Thätigkeit auf: völlige Beherrschung des Stoffes, die sich im Herausgreifen der springenden Punkte der Entwicklung unter Beiseitestellnng bedeutungsloser Fragen geltend macht, Klarheit in der Anordnung und logische Schärfe in der Beweisführung, fesselnde Darstellung und eine geschickte Combtnations» gäbe, welche hier namentlich in der chronologischen Ein- reihung von undatirten oder falsch datirten Schriftstücken glücklich zur Anwendung kommt. Möge es dem verdienten Gelehrten beschicken sein, den Zug ins Große, der seinen Detailforschungen unverkennbar eigen ist, dereinst an einem großen Stoff in Wirksamkeit treten zu lassen. Dr. A. Schröder. Carl LcLrerht Jmmernumn. Zu seinem hundertsten Geburtstag (24. April) von A. G. (Schluß.) Gewaltsam riß die Julirevolutton 1830 Jmmermann aus der befriedigenden Stimmung heraus, sein Freund Beer hatte ihm die Katastrophe in der Hauptstadt Frankreichs in mehreren Briefen auf das lebhafteste geschildert, und in tiefer Erregung hatte er die Briefe beantwortet, er fürchtet Krieg und den Ausbruch der Revolution selbst im lieben Vaterland. Seine Jugendbegeisterung galt der Befreiung des Vaterlandes vom Joche der Fremdherrschaft, und nun wähnte er wiederum, daß die alte traurige Zeit anbreche, was ihn mit Schmerz erfüllte. Friedrich Wilhelm III., König von Preußen, unter dessen Regierung sein bisheriges Leben verfloß, starb, und er widmete ihm ein Gedicht, dessen Schluß lautet: „Friedrich Wilbelm wallet Hinab zu den Vatern, Seine ruhige Gruft Wird umgießen ein Licht, d'rüi die Falschheit bliubet, D'rin der Redliche lieset nrälteste Gebote, Dem Kinde klar." Trotz der politischen Aufregung fand sich Jmmermann bald selbst wieder und arbeitete an seinem Drama „Alexis", das zu seinen bedeutendsten Schöpfungen gehört, an dem er selbst nie sein Interesse verlor. Es war eine große Aufgabe, die Politik mit der Liebe in Einklang zu bringen, die düstersten Seiten neben den größten Eemüths-Empfindungen zu schildern; ob es ihm gelungen, wie er selbst glaubte, dürfte füglich doch noch etwas H Gcsch. d. deutschen Volkes 11°, 4t0. °) Nach dem Citate und der llebersebung bei Döllinger, I Reformation 1, 149. L3ö fraglich erscheinen. Eines aber ist sicher, das Stück zeugt von großer Fülle und Kraft und ist mitunter spannend geschrieben, obwohl es auch, wie bei Jmmermann gebräuchlich, Bizarres enthält. Cotta verweigerte den Druck deS Alexis, sandte ihn zurück, weil die belletristische Literatur zur Zeit so sehr daniederliege, daß er den Verlag eines solchen Dramas nicht wagen möge, weß- wegcn der Dichter sich an eine Umarbeitung machte. Er hatte auf Alexis aber auch finanzielle Hoffnungen gesetzt, da er sich öfters und besonders damals in Geldklemme befand. Sie schlugen fehl, als er zum Glück durch den Tod einer entfernten Verwandten eine kleine Erbschaft machte, die ihn wieder über Wasser hielt. Die damals in Deutschland grassirende Cholera legte auf einige Zeit das Arbeiten des Dichters brach, eine Reise aber nach der Heimath und andere Städte brachte wieder neuen Muth und neue Schaffenskraft, obgleich dieselben durch Todes- gedanken sehr beeinträchtigt wurden. Er glaubte nämlich bald sterben zu müssen und sieht sein baldiges Ende als Strafe manches Leichtsinnes an. Darum ist es auch ganz und gar unbegreiflich, daß trotz dieser Gedanken, trotz innerer Vorwürfe damals das Gedicht „Merlin" entstand, welcher nach der Sage der Sohn des Teufels ist, der sich durch diesen die ihm durch den Sohn Gottes entrissene Welt wieder erobern will. Jmmermann sagt über den Teufel selbst, um nur Einen Satz anzuführen: „er war mir nie das Ungeheuer, vielmehr ging er mir mit Nothwendigkeit aus Gottes Wesen hervor, der Teufel war mir der in der Mannigfaltigkeit geoffenbarte Gott, der durch diesen Akt sich selbst in seiner Einheit verloren hatte." Laxienti saiissiins! Das ganze Gedicht ist durch spätere Erklärungen des Verfertigcrs stets noch geheimnißvoller geworden und dunkler, ein Beweis, daß von Anfang an ihm Klarheit fehlte mehr als je. Zur Todtenfeier Göthes, welcher im März 1832 starb, wurde Jmmermann aufgefordert vom Direktor des Düsseldorfer Theaters, einen Epilog zu dichten, welcher der Aufführung Clavigo's angefügt werden sollte. Er kam dem Auftrag nach, und der Epilog gefiel. Die Schlußworte mögen hier ein Plätzchen finden: „So lcuLt' uns denn voran, verklärte Kraft, DeS deutschen Volkes hehrer geist'ger Held, Zins lichten Wolken schwebend, fort und fort, Und schirme das durch dich befreite Wort!" Im Jahre 1832 übernahm der Dichter die Leiiung des neuen Theaters in Düsseldorf, auf welchem nur Mustervorstellnngen aufgeführt werden sollten — auch einige Stücke von ihm selbst gingen über die Bühne — und es gelang ihm, in Folge des Dürerfestes den Com- ponistcn Mendelssohn, an dem er mit schwärmerischer Begeisterung hing, auf mehrere Jahre für Düsseldorf zu gewinnen, wenn letzterer auch nicht die Stelle eines Kapellmeisters für das Theater selbst annahm; nebenher gab der Dichter Vorlesungen über dramatische Gedichte, ein Beweis, daß er seine Zeit fleißig ausfüllte. Da die finanziellen Verhältnisse sich immer besser gestalteten, so konnte er einen lange gehegten Lieblings- plan ausführen, nämlich eine größere Reise machen. Er durchwanderte Süddentschland, Tirol, Oesterreich, Böhmen, Holland, dann Norddentschlaud, wo er sich besonders in Berlin aufhielt. Ueber die Theater in letzterer Stadt fällte er das Urtheil: „es steht hier schlimmer als schlecht". Auf diesen Reisen traf er mit hervorragenden Männern seiner Zeit zusammen, z. B. mit Humboldt, Schleier- macher, Chcmiisso, v. Eichendorff u. a. Am meisten befriedigte ihn letztgenannter Dichter; mit Chamisso hatte er ein Rededuell, das ziemlich heftig gewesen sein soll, über Voesie und Literatur. Nach der Rückkehr aus Holland widmete er sich wieder nahezu ganz der Leitung des Theaters in Düsseldorf, das er auf eine ziemlich bedeutende Höhe brachte. Aber ein großer Schmerz sollte ihm nicht erspart bleiben, daß nämlich Mendelssohn, der ihm überall mit Rath und That beistand, Düsseldorf verließ. Deßglcichen machten ihm Streitigkeiten mit Grabbe große Sorgen, obwohl er von der Herbeiführung derselben nicht freizusprechen ist. Sein „altes Herz wurde zu damaliger Zeit mit angenehmer Würde erfüllt durch die Bekanntschaft mit einer schönen, liebenswürdigen Frau", wie überhaupt der alte kurze Satz vü est In kemino? von Zeit zn Zeit eine Rolle im Leben Jmmermcmns spielte. Durch stetes Dichten, durch stete Aufführungen auf dem Theater hatte er, wie nicht anders zu erwarten war, die Liebe zu seinem Berufe, dem Justtzdienst, fast verloren, immer wurde wieder um Urlaub eingegeben, endlich „mußte ich zurück". Mit welchen Gefühlen er „zurückkehrte, geht aus dem Satz seines Tagebuches hervor, den er aus die Kunde des Todes Plateus schrieb: „ich wollte, Plntcn säße im Landgericht und ich läge bei Syrncus begraben". „Ueber die Zukunft habe ich gar keine Pläne und Entschlüsse, kann sie auch nicht haben, da meine Armuth mir die Nothwendigkeit auferlegt, in dem juristischen Loch: einen Schritt nach dem andern weiter zu setzen." Freilich, Theaterdirekior, ungebundenes, freies Leben und Justiz- beamter, trockenes Amt, reimt sich sehr schlecht zusammen! 1836 erschien sein Roman „Die Epigonen.", in göthischem Stil und gothischem Muster gehalten, eine neue Auflage des Wilhelm Meister, in der die Frauen nach verschiedenen Seiten hin eine Hauptrolle spielen. Ein moderner Roman, aber mitunter verschwommen; „wir sind, um mit einem Worte das ganze Elend auszusprechen, Epigonen (Nachgeborene) und tragen an der Last, die jeder Erb- und Nachgeborenschast anzukleben pflegt". König sagt über diesen Roman: „Der Kamps der neuen Zeit mit der alten, der weniger zu einem Siege, als zu kühler Ergebung führt, findet seinen lehrhaften Ausdruck in zahlreich eingestreuten Gesprächen und Bemerkungen über sittliche, sociale, ökonomische, liiernrischc und politisch: Zustünde, die oft die Handlung in störender Weise hemmen." Bedeutender war Jmruernramis zweiter Roman oder „eine Geschichte in Arabesken", wie er ihn nannt:: „Müuchhansen"; mitunter sehr satirisch geschrieben, bildet dieser Roman ein Zerrbild aus dem Leben des heruntergekommenen Adels. Was demstlbcn aber seine größte Bedeutung verleiht, ist eine wunderhübsche, urwüchsig- frische Dorfgeschichte, die er hincingewcbt hat, nämlich „Der Oberhos", unter diesem Titel später besonders herausgegeben. Die Charaktere sind meisterhaft gezeichnet, und wird dieses Oberhosidtzll für alle Zeiten ein poetisch wie cnltnrhistorisch gleich bedeutendes Erzeugnis; unserer Literatur sein und bleiben, während Müuchhauseu in dem Maße an Werth verliert, als die Geschichte wegen ihrer zahlreichen Beziehungen auf längstvcrgessene Zustände und Personen immer unverständlicher werden muß. Um die Zeit, da dieses bedeutendste Werk vollendet wurde, hatte der Dichter selbst auch noch im vorgerückten Alter — er zahlt: schon 42 Jahre — ein lang ersehntes Liebesglück gesunden. Durch die Verchelichnng mit einer Enkelin deS Kanzlers Niemeyer löste er das schon erwähnte Verhältniß zu der geschiedenen Gemahlin des Generals von Lützow, des Führers der bekannten Freischaar, das ihn viele Jahre in unnatürliche Fesseln geschlagen hatte. Er ist wieder ganz Feuer und Flamme und singt: „Gestorben war das Herz und lag im Grabe! ^7 Dein Zauber weckt eS wieder auf, der holde, Es klopfet, fühlet neuen Lebens Gabe, Sein erster Laut ist: Tristan und Isolde!" und' „Es hätte stets in mir geruht Und wäre wohl mit mir vermodert, Deck) plötzlich fühl' ich Jugendmuth Und bin von Jugeudgluth durchlodcrt." Er sühlt sich ungemcin glücklich, neubelebt nach langer Zeit, doch sollte es nicht lange dauern, dieses Erdenglück, er konnte nicht einmal mehr sein Gedicht „den ersten Laut: Tristan und Isolde" vollenden. Körperliche Leiden stellten sich ein, auch sein Gemüth wurde sehr erschüttert auf die Nachricht von dem Tode des Königs Friedrich Wilhelm. „Weil ich so ernst geworden, darf ich scherzen, Weil ich so heiter, darf das Roß der Musen Mich tragen durch die Wilduiß grimmster Schmerzen, Denn alles kaun und darf ein freier Busen." Das ist der Schluß des Terzinengesanges, deS SchwanengesangcS Jmmermanns. Starke nervöse Fieber stellten sich ein, rasende Kopfschmerzen quälten den Kranken, welcher am 25. August 1840 zu Düsseldorf seinen Geist aufgab, noch nicht 44 Jahre alt, eine Frau mit 20 Jahren und ein kaum zur Welt gekommenes Kind als Wittwe und Waise hinterlassend. Sein früher Tod erregte schmerzliche Sensation in der ganzen literarischen Welt. Jmmerwann war von starker, kräftiger Statur, stets sorgfältig gekleidet, aber weit entfernt geckenhaft zu sein, seine breite Stirne zeigte Nutze und Hoheit, seine Züge waren liebenswürdig und heiter, konventionelle Formen waren ihm nahezu fremd, die Magdeburger etwas harte Aussprache behielt er zeitlebens bei. Er besaß ein warmes Gemüth, ein starkes Herz und war besonders freigebig gegenüber der Noth und dem Elend der Mitmenschen. Mitunter erregbar, wenn man ihm zu nahe trat, verzieh er schnell und gern. Obwohl er Minderwertiges geschaffen — er schuf eben fast zu viel — er hat seine Talente doch auch recht gut benutzt und wird in unserer Literatur- geschichte stets einen gut klingenden Rainen einnehmen. Finnische Studenten in JesmLencollegien. Von Dr. P. Wittmann in München. (Fortsetzung.) Auf Possevino's Anregung ließ der Papst die Col- legien in Brannsberg und Olmütz entsprechend erweitern und wies zum Unterhalt der Schüler und Lehrer eine bestimmte jährliche Summe an. Die Gesammtzahl der Zöglinge sollte 100 nicht übersteigen, davon auf jede Anstalt die Hälfte entfallen. Beide Seminarien erhielten durch Cardinal Ptolemäus von Como die nämlichen Satzungen. Sie erschienen am 10. Dezember 1578, wie bereits oben erwähnt, in lateinischer Fassung unter dem Titel: „Ilntio et le^os OieZorü XIII. ?ont. blux. nornina xrownlgataa in lunäutions Söininuiivrum Olornuoi in Nova,via, st LrunsdöiAns in krussin." Ihr Inhalt war folgender:") 1- D ie Zöglinge sollen von verschiedenen Ländern, nament- 2 ) Auch abgedruckt in deutscher (Übersetzung bei Theiner a. a. O. S. 535 ff. lich Schweden, Götaland, Wendeulanb, Norwegen, Dänemark, Pommern. Preußen, Livland. Moskau, Rußland, Lithauen und Ungarn ausgenommen werden, um als Arbeiter in diesen großen Weingärten mit Gottes Hilfe den Glauben und die Frömmigkeit der Vater wiederherzustellen. Auch vorn höheren Norden, ebenso aus Sachsen können hoffnungsvolle Knaben ausgenommen werden. 2. Für Anleitung zur Frömmigkeit und zu den Studien sollen hier dieselben Gesetze, wie in anderen päpstlichen Seminarien, gelten. 3. Die Schüler der Anstalten sollen Alles: Speise, Kleider, Wohnung und Unterricht, kostenfrei erhalten. 4. Was vom Jahresetat übrig bleibt, soll entweder zur Vermehrung deS Schülerstatus oder zu Buchankäufen oder zur Bestreitung der Heimfahrt der Jungen verwendet werden. 5. Ebenso soll aus diesen Erübriguugen Possevino für sich, die seinen und alle die. welche er in Schweden zu unterhalten hat, bis sie außer Landes geschickt werden, Zuschuß bekommen. 6 . Die Zahl der Schüler und Lehrer in beiden Anstalten soll zusammen 100 betragen. 7. Auch jene Zöglinge, welche sich ihre Kleidung selbst beschaffen können, sollen sich gleicher Tracht wie die übrigen bedienen, um das sie umschlingende Freundschaftsband desto mehr zu festigen und sich ebenso in Demuth, wie im katholischen und kirchlichen Geiste auszubilden. 8 . Jeder kann sich seinen Lebensberuf nach freiem Ermessen wählen. 9. Deßhalb sollen die Schüler auch nicht auf ihr Gewissen verpflichtet werden, sich später dem Klerikerstande zuzuwenden oder priesterlichen Habit anzulegen, vielmehr steht es Jedem frei, nach Belieben das Eine oder Andere zu thun. 10. Für den Personaletat der Seminarien sind pro Jahr 2400 Zechiuen ausgesetzt, die quartaliter zur Auszahlung kommen. 11. Jedes Semester soll dem Papste gegenüber Abrechnung gepflogen werden. 12. Beim Unterricht sind die Anschauungen und Bedürfnisse der Völker in'S Auge zu fassen, unter denen einst die Schüler wirken müssen. 13. Deßhalb bedürfen auch nicht Alle einen vollen Lehr- kurs in Philosophie und scholastischer Theologie. Die älteren Zöglinge, welche zugleich Beweise aufrichtiger Frömmigkeit gegeben haben, können auch in einer fremden Sprache, z. B. der griechischen oder lateinischen, Unterricht erhalten. 14. Bekehrte Juden-Jünglinge von hervorragender geistiger Begabung und bewährter Tugend sollen in das Ncophhtcn- collcgium nach Nom gesendet werden. 15. Die Lehrgegenstände sind: der römische Katechismus, die Art und Weise der Sakramcntspendung, Casnistik und Polemik, bczw. Apologetik. 16. Ist dieser Grund gelegt, so sollen jene, von denen man Festigkeit im Glauben erwarten darf, in ihre Heimath geschickt werden oder auch, falls es der Rektor für gut hält, ini Missionsdienste zur Verwendung kommen, damit neue Zöglinge Ausnahme finden können. 17. Nach Ablauf einer gewissen Zeit sollen die Seminaristen sich verpflichten, hinfort nicht nur der katholischen Lehre treu zu bleiben, sondern auch alle bisher erlaufenen Kosten zu ersetzen, soserne sie sich ein schwereres Vergehen zu Schulden kommen ließen oder als Nerräther und Ketzer entlarvt würden. Auf diese Weise ist Verführung und Betrug von Seite der Sektircr hintanzuhalten. 18. Wünschenswert!) erscheint auch, daß, um solchen Fällen vorzubeugen, von einem Dritten Bürgschaft für sie geleistet werde. 19. Zöglinge von nördlicheren Gegenden, wie Schweden, Götaland, Finland, die wegen Nähe ihres Vaterlandes der Gefahr ausgesetzt sind, abzufallen oder heimgcrnfen zu werden, foll man nach Olmütz tranSferireu, einem Ort, der sich durch größere Entlegenheit und Sicherheit empfiehlt. 20. In jedem Seminar soll ein Verzeichnis) hinterlicgcn, in welchem Tauf- und Gcschlechtsuamen sowie sonstige die Schüler betreffende Umstände angegeben sind. Alljährlich ist Sr. Heiligkeit hievou Abschrift vorzulegen, damit Selbe zu ersehen vermögen, wieviele Katholiken, deren sich der bl. apostolische Stuhl zur Verbreitung des Glaubens bedienen kann, in jeder Provinz leben. 21. Die Rektoren dieser Anstalten sollen überdies jährlich eine Liste jener Zöglinge einschicken, welche zur Wirksamkeit im Weinberg des Herrn besonders tauglich scheinen, auch darüber berichten, waö jeder derselben durch Gottes Gnade ausgerichtet. 22. Im klebrigen soll man sich nach den Regeln richten, die bereits im OolleZstuw 6 ermamcuw zu Nom und anderen 141 päpstlichen Seminarien Geltung besitzen, auch die Nationak- eigenthümlichkeiten der verschiedenen Völker gebührend berücksichtigen. Außerdem wurde für die Collegien verordnet, daß die Zöglinge fleißig zum Gebet angehalten und auf größtmögliche Einigkeit unter den Angehörigen der einzelnen Stämme hingewirkt werden solle, daß sich dieselben in Liebeswerken, Krankenbesuch rc., übten. Ihr Bett sollte eine Strohmatratze bilden, die Kost einfach sein. Die ökonomische Stellung des Braunsberger Seminars verbesserte sich nachmals durch eine bedeutende Schankung, da Königin Katharina von Schweden (j-1583) der Lehranstalt 10,600 Thaler testamentarisch überwies. Man kaufte für diese Summe Güter in Preußen an, welche jährlich 900 fl. abwarfen. In der Folge wurden hievon mehrere schwedische Studenten unterhalten, (k'and, „viss. äs stuäiosis Lveois in söwiuariis llesulturum versus stirem seouli XVI, xag. 2; vergl. Theiner a. a. O. II, S. 19 ff.) Bezüglich des in Braunsberg eingehaltenen Lehrganges kann man sich aus der bei V/ervinZ „Xouung LiZismunä ooli Louung 6ar1 IX. äes Historien" II, S. 191 f. aufgenommenen eigenhändig verfaßten Schilderung des Johannes Messenius über seine Studien in Braunsberg belehren, wo er im Oktober 1595 als 16 jähriger Jüngling Aufnahme fand, nachdem er zuvor in der Heimath sich entsprechend vorbereitet hatte. Nach Ablauf von sieben Wochen übersiedelte er bereits an das kgl. Seminar, dessen erste Klasse wie in anderen Jssuiten- schulen hier „Kuäimeutum" hieß. Alljährlich um Michaelis erfolgte Vorrücken in die höheren Klassen: Ornmmatioa, Lzuitnxis, koösis, bis er 1599 in die Rhetorik avancirte. Dort verbrachte er zwei Jahre und begann dann mit dem Studium der Philosophie. Außer den speciell für Nordländer bestimmten katholischen Seminarien zu Braunsberg und Olmütz wurde auch das 1569 in Wilna gegründete Jesuitencolleg von mehreren Schweden und Finnen besucht. * » * Nach dieser Auseinandersetzung über Entstehung und Organisation der fraglichen Lehranstalten wollen wir auf Grund der im schwedischen Neichsarchive wie in der Universitätsbibliothek Upsala vorhandenen Quellen über die Finnen berichten, welche zeitweilig Jesnitencollegien angehörten. Einen werthvollen Behelf für diese Schilderung bildeten die von weiland Lektor vr. L. 6. ^.Isthmst dem Neichsarchiv überlassenen Notizen und Abschriften mit dem Titel: „Nancliingai' röruiräs äsn lcatolstca, nensttioireu i LvoriZs nnäor llolmmr III.s reger-lir»-." Ein beträchtlicher Theil dieser Notizen sind übrigens aus Drucken und Handschriften der Bibliothek Upsala entnommen, au welche König Gustav II. Adolf die ganze Bibliothek des katholischen Kollegiums in Braunsberg schenkte, als er 1626 die Stadt einnahm und die Jesuiten vertrieb. Unter dieser Bücherei verdienen die Matrikeln über Braunsberger Studierende besondere Aufmerksamkeit. Als zweite Hauptquelle erwies sich das in veu Jahren 1838/39 von Augustin Theiner herausgegebene, wiederholt angezogene Werk: „Schweden und seine Stellung zum heil. Stuhl unter Johann III., Sigis- mund III. und Karl IX." (Fortsetzung folgt.) ') S. über ihn Schück, -Lvensk Interatm-Ilistoria« I. S. 422 ff. u. a. a. O. Prähistorisches aus Schwaben. -ö- Der historische Verein für Schwaben nnd Neuburg hat jüngst ein sehr wcrtbvolles Stück seinen Sammlungen einverleibt, nämlich ein vollständig erhaltenes Bronzeschwert von 75 am Länge mit gegossenem Griffe und breiter, wulstartiger Klingenrippe, aufgefunden im Februar 1895 bei Stcckheim in der Wertach von Bürgermeister Schöner in Stockheim. Es scheint nicht zweifelhaft zu sein, daß dieses Schwert auS einem der Grabhügel stamme, welche sich in großer Zahl zu beiden Seiten der Wertach von Pforzen abwärts hinziehen. Da jedoch diese Gruppen von Hügelgräbern noch nicht systematisch durchforscht und daher hinsichtlich der Zeit ihrer Anlage dermalen nicht bestimmbar sind, so ist man bei Beurtheilung des beiläufigen Alters dieses Schwertes lediglich aus die Formen desselben angewiesen. Diese Formen nun sind so charakteristisch, daß sich das Schwert sofort als Vertreter jenes in Süddeutsch- land, besonders in Bayern relativ häufig nachweisbaren Typus zu erkennen gibt, welchen der bekannte Prähistoriker Dr. Jul. Nane in München alö Typus L bezeichnet. In der Gestaltung des Griffes und der Klinge nnd selbst in den Ornamenten zeigt das Stcckheimer Schwert die größte Ähnlichkeit mit den von Nane in St. Andrä und am Nicgsee (Oberbayer») gefundenen und in dem Werke „Die Bronzezeit in Oberbaycrn" S. 92—94 und Tafel XV eingehend beschriebenen nnd im Detail abgebildeten Schwertern. Da nun die beiden cbcngenanntcil Schwerter aus Gräbern erhoben wurden, welche sich durch ihren übrigen Inhalt als dem Ende der jüngeren Bronzezeit angehörig erwiesen, so ist damit auch für den Stockheimer Fund eine beiläufige Zeltgrenze gegeben, unter welche er nicht herab- gerückt werden darf, nämlich die zweite Periode der jüngeren Bronzezeit, welche nach Naue's Berechnung um 1050-900 oder 950 vor Christus anzusetzen ist. — In den Sammlungen des historischen Vereins für Schwaben und Neuburg war die für Bayern typische Form des BronzeschwcrtcS bisher nur durch ein bei Gablingen gefundenes Bruchstück vertreten. Mit lebhafter Freude und Dankbarkeit wurde es daher von Seite deS Vereins aufgenommen, daß eine hohe Ministerialentschlicßung vom 1. März d. I. die Ucberlassnng deS Stockheimer FundcS an den Verein genehmigte. Um den ansehnlichen, aus Grund fachmännischer Schätzung festgestellten Preis von 509 Mark kaufte nun der Verein das Schwert vom Finder für die prähistorische Sammlung, deren hervorragende Zierde es jetzt bildet. Recensionen und Notizen. Consessionelle Brunnen Vergiftung. Die wahre Schmach des Jahrhunderts- Von Heinrich Kciter, Redacteur des Hausschatzes. Ncgcnsburg und Leipzig, Verlag von Heiur. Keitcr. Preis M. 1,20. III. Der originelle Titel dieses in seiner Art wohl einzig dastehenden Buches deckt sich völlig mit dessen Inhalt; dieser selbst aber dürste epochemachend wirken, sallS er den weiten und allgemeinen Leserkreis findet, den er verdient. Der von dem rühmlich bekannten Autor inS Auge gefaßte und -- dein Stoff gegenüber — mit Heroismus durchgeführte Zweck ist ein resormatorisch idealer: die in der scbönwissenschastlicheu Literatur, diesem Haupikanal des geistigen VcrkehrSzcbictcs, von protestantischer und israelitischer Seite ausgekramten Begriffsverwirrungen nnd Böswilligkeiten bcz. der kathol. Kirche festzunageln; die daselbst systematisch ins Werk gesetzte und — als unter dem Deckmantel der Dichtung — besonders eindrucksvolle con fessionclle Verhetzung bloßzulegcn; den braven Katholiken vor Hypertoleranz. den ehrlichen Gegner vor ungerechtem Urtheil zu warnen; durch dies alles aber den confcssionellen Frieden, dieses hohe und heilige Gut, anzubahnen und zu wahren. — AuS guten Gründen hat der Verfasser nur aus solchen Werken, die nach 1880 erschienen sind, sein überwältigendes BeweiSmatcrial zusammengestellt; dieses aber gruppirt sich hauptsächlich um Namen allerersten Ranges. In den sechs Kapiteln des BnchcS (1. Standpunkt und Zweck; 2. Wesen und Geschichte der Kirche; 3. Papstthum und Papst, Cardinälc und Bischöfe; 4. Der Orden der Gesellschaft Jesu; 5. Mönche und Nonnen; 6. Die Seclforg-Gcistlich- kcit) beweist Keiter, wie die Hunderte protestantischer nnd israelitischer Tcndenzschriftstcstcr, denen nur der eine Konrad von Bolandcn gegenübersteht, aus Unwissenheit, Voreingenommenheit nnd Haß daS hehre Bild der katholischen Kirche verunglimpfen, die Geschichte verzerren, das Papstthum und dessen Träger nach den berühmten Mustern der Magdeburger Ceuturiatcren verdächtigen und verläumden, den Orden der 142 Gesellschaft Jesu mit Koth beweisen, den Klosterzcdanken und seine Vertreter frivol verhöhnen, die Wcltpricstcr als sittlich Verkommene brandmarken. Und während er solche stetige Verletzung der Elementar-Negeln deö WohlanstandeS, der Sitte und der Schamhaitigkcit aufdeckt, bewahrt der edel- und feinsinnige Verfasser stets die ihm eigene vornehme Objectivitäk, kennzeichnet er unentwegt den hohen sittlichen Standpunkt, von dem anö jeder, der Gott, die hl. Kirche und die Bruder liebt, dem Irrthum Einhalt gebieten soll, je nach den ihm verliehenen Gaben. Dreimal hoch die Eisenbahn! Eine Erzählung für die reifere Jugend und das Volk von Florian Wengeu- mayr. Katholische Jugcndbibliothek. 11. Vändche». Kempten, Kösel 1886. c. Der durch seine Erzählungen für die Jugend und das Volk bereits in weiteren Kreisen bekannte Verfasser beschenkt uns in vorliegender Schrift mit einem neuen Produkte seiner fruchtbaren Muse. Er stellt sich in der Vorrede alö ein großer Freund des Reifens vor, der der Eisenbahn und allen, die zum sicheren und schnellen Betrieb derselben mitwirken, großen Dank schulde. In der Erzählung selbst schildert er das Leben, Sorgen und Mühen eines pflichttreuen, kernbraven Bahnwärters, der sich mit seinem fleißigen Weibe und seinen zahlreichen Kindern recht und schlecht durchkämpft und schließlich das Opfer seines Diensteifers wird. in liebender Hingabe sür den Sohn seines Vorgesetzten, des Expeditorö, dessen zänkische, neiderfüllte Frau ihm wie ihrem Manne schon sovicle bittere Stunden bereitet hat. Obwohl durch den frühen Verlust des Gatten und Vaters aufs schmerzlichste heimgesucht, arbeitet sich die wackere Wittwe mit ihrer Familie dennoch durch, ihr Nettester ist als Techniker beim Bau der Gotthardbahn angestellt, was dem Verfasser Gelegenheit gibt, nnS in anschaulicher Weise mit dem Betriebe eines so gewaltigen Unternehmens bekannt zu machen. Die Erzählung ist in warmem Tone gehalten, und ihr Grundgedanke: wer gewissenhaft das Seine thut, den wird Gott nicht verlassen, kann namentlich in unseren Tagen nur aufmunternd und scgcnstistend auf Volk und Jugend wirken. Krick L. H., Handbuch der Verwaltung des kathol. Pfarramtes i. e. S.. mit Rücksicht aus die im Königreiche Bayern geltenden kirchlichen und staatlichen Bestimmungen. Passau, N. Abt 1895. 735 S. i>. Die beste Empfehlung, die diesem Werke mit auf den Weg gegeben werden kann, ist wohl die, daß man in Wahrheit von ihm sagen kann: eS ist aus der Praxis sür die Praxis geschrieben. Wenn der Herr Verfasser in der Vorrede die Hoffnung anSspricht, daß er seinen Herren AmtSbrüdern, besonders den jüngern, durch Herausgabe eines solchen Handbuches einen erwünschten Dienst leisten werde, so sind wir überzeugt, daß sich dieselbe vollauf erfüllen und das Buch den Herren Seelsorgern bald ein geradezu unentbehrlicher Berather geworden sein wird für alle jene pfarrnmtlichcn Geschäfte, welche eine schriftliche und akienmäßige Behandlung erfordern. Vorliegendes Werk macht uns in seinem ersten Theile mit der formellen Behandlung der pfarramtlichen Geschäfte vertraur, den: GeschäftS- siil, den verschiedenen Arten der amtlichen Geschäftsaufsätze, der Form des Geschäftsverkehrs mit den verschiedenen Behörden, Behandlung der Akten, Post-, Telegraphen- und Gebührenordnung, sodann mit den vorzüglichsten Rechtsgeschäften, den VcrwaltungS- und VcrwaltungSrechtssachcn, der hypothekarischen Sicherung der Forderungen, Verfolgung privatrechtlicher Forderungen, Amortisation verlorener Wcrtbpapicre. Der zweite Theil ist der materiellen Behandlung der pfarramtlichen Geschäfte gewidmet und bespricht u. a. die Handhabung der Kirchenzuckt und -Polizei, Verwaltung des Gottesdienstes, Lehramtes, Spendunz der hl. Sakramente, wobei insbesondere die religiöse Kindererziehung zu eingehender Darstellung kommt. Treffliche Dienste dürfte der dritte Theil namentlich der jüngeren Geistlichkeit leisten durch die reichhaltige Sammlung von Formularien und Mustern für den schriftlichen Verkehr in allen nur erdenklichen amtlichen und Rechtsgeschäften. Ein sorgfältig gearbeitetes Register erleichtert den praktischen Gebrauch des dankenswerthcn BuchcS. 1. Notizen zur Geschichte von Eberfing. 16 Seiten. 2. Der Weiler Dictclhofcn. 21 S. 3. Altcr- tbnmliches von Oderding. 12 Seiten. 4. St. Jörgen und St. IaiS am Peißcnbcrg. 11 S. 5. Das Kirchlein in Graslä. 10 S. 6r. So lauten die Titel der 5 historischen Abhandlungen, tyslche mit Ausnahme von Nr. 2 im Jahre 1885 im Weilhcimcr Tagblatt erschienen und nun hübsch brofchirt in Separatabzügen vorliegen. Sie haben sämmtliche den bochw. Herrn gcistl. Rath Schmidtner in Weilheim zum Verfasser und damit auch Anspruch auf historischen Werth. Geradezu stauncuSwerth ist der Fleiß deö um die Geschichte des Kapitels Weilheim so hoch verdienten Jubilarpricsters, der, hochbctagt und in erster Linie Seelsorger, jedes Jahr nnS mit einer Anzahl neuer Studien erfreut. ES wäre gewiß nur eine Ehrenschuld, wenn der mit dem Ehrenkreuz geschmückte Herr Verfasser zur Anerkennung seiner großen Verdienste um die vaterländische Geschichte zum vootor I,. o. promovirt würde. Freilich mag er unbekannt sein in der hohen Gelehrtenwclt, da er seine Studien nur im Weil- hcimer Tagblatte und nicht in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichte. Und doch beruht die ganze Geschichtswissenschaft auf lokalgcschichtlichcn Arbeiten, wie der stolze Palast aus einzelnen Ziegelsteinen besteht. Martin Greifs Gesammelte Werke. II. Bd.: Dramen Erster Theil. Leipzig, C. F. Amclangs Verlag. Wir haben bereits dem ersten Band dieser trefflichen Gc- sammtansgabe das Zeugniß mitgegeben, daö unser Empfinden dem großen nationalen Dichter ausstellt. Nun löst den voll- werthigen Lyriker Greif der vollwcrthige Dramatiker, zunächst mit seinem älteren Schaffen, mit den Dramen Ccrsiz Ulseldt, Nero, Marine» Falieri, Prinz Eugen, Franccsca da Nimini und Liebe über Altes, ab, die alle auch in der billigen Lieferungsausgabe zu beziehen find. Es wäre die Pflicht unserer deutschen Bühnen, eine Ehrenpflicht vorab der bayerischen, einem so lange verkannten edlen Dichter wie Martin Greif endlich ausgiebige Genugthuung zu gewahren; das ist die einzige entsprechende Kritik von Dramen, die tief im Menschheitswcscn schöpfen und die Probe auf ihre Wirksamkeit zum Theil schon glänzend bestanden habe». Greif erweist sich auch in den Dramen stets als einen Dichter, der auf dem Boden christlicher Weltanschauung steht: sein gewaltiger „Nero", auch geschichtlich und archäologisch betrachtet ein Meisterwerk, endigt aus in den begeisterten und begeisternden Glauben: „Erbarme Gott sich Dein: die Liebe herrscht!" Wir freuen nnS auf den dritten Band, der die nationalen Dramen bringen wird. Dr. 6. L. ÜI. Tbumb Alb.. Handbuch der neugriechischen Volkssprache: Grammatik, Texte, Glossar. 8". XVI-s-2-40 SS. Straßburg, K. I. Trübncr 1895. M. 6.00. ll. An neugriechischen Grammatiken ist kein Mangel; meist aber behandeln sie nur die Litcratursprache, welche mit der alt- griechischen fast zusammenfällt, und wenn die Volkssprache Berücksichtigung findet, geschieht eö nicht in sclbststäudigcr Weise, sondern nur nebenbei als Anhang oder in dürftigen Bemerkungen. Beide Sprachgestalkcn gleichmäßig zu behandeln ist noch am besten dein Buche von Miiiotakis, sowie der neuesten Grammatik von PetrariS (Heidelberg, Groos) gelungen. Für denjenigen, der nur ein biScbcn Sprachsinn hat, ist es meist unerträglich. die unbeholfenen Redewendungen, die geschwätzige Unzulänglichkeit der philologisch ungeschickten Verfasser von sogenannten „praktischen" Grammatiken zu kosten. Da ist Thumbs Buch eine wahre Wohlthat. Er hat zum ersten Mal die neugriechische Volkssprache systematisch und wissenschaftlich zu sclbst- ständigcr Darstellung gebracht, also von der künstlichen Literatursprache losgetrennt und in ihrer eigenen Beleuchtung, nack ihren eigenen Gesetzen betrachtet und das ist eine höchst Verdienstreiche That. Vieles, waß man da und dort in Lehrbüchern zerstreut und am unrechten Platze lesen kann, hat der Verfasser wohlgeordnet zusammengestellt. Daö ganze Buch durchzieht der Gedanke, gleichartige Spracherschcinungcn in Gcsammtrcgeln zusammenzubringen und die Ucbersichtlichkeit, die dadurch entsteht, sticht überaus vorthcilhaft ab von der Zerfahrenheit der „praktischen" Lehrbücher, die meist darin eine große Virtuosität besitzen, Zusammengehöriges auseinander zu reißen. ThumbS Lehrbuch darf sich der Beachtung jedes denkenden Sprachbcflissenen versichert halten. Dem theoretischen Theile folgt eine reichhaltige Auswahl aus der griechischen Nolkslitcratur und ein genaues Wörterverzeichnis;. Die Ausstattung ist ganz vorzüglich. Wenn der Sinn für solide, philologische Behandlung der Grammatik gleichen Schritt hält mit dem Interesse, das man gegenwärtig dem Gricchenvolk und seiner Sprache entgegenbringt, dann wird dem vorzüglichen, in seiner Art einzigen Lehrbuch von Thnmb bald eine neue Auslage nöthig werden. Wir zweifeln nicht, daß Jedem, der dies Buch durchstudirt, derselbe freudige Genuß erwächst, den uuö die Durchsicht dieses ausgezeichneten Werkes gewährte. 143 Morawsky S., Echo der russischen Umgangssprache, mit Specialwörterbuch von H. Sack. 8°. 120 -tz- 72 SS. Leipzig, Rud. Giegler. M. 3,60. Noch haben wir die Zeit nicht ganz überwunden, da man geneigt ist, einen Jeden, der Russisch studirt, mit theil- nehmendem Achselzucken als Sonderling zu betrachten. Ja selbst „gebildet" sein wollende Leute sind vielfach so unverständig. die russische Sprache für das rohe Idiom eines halb barbarischen Volkes zu halten, nicht werth Zeit und Mühe darauf zu verschwenden. Das ist ein großer Irrthum. Ist schon die Literatur dieses Volkes weit reicher, alö mancher westeuropäische Hochträber nur ahnt, so zeigt besonders die Sprache einen edlen, krystallenen Bau und einen Formenreichtbum, der sich getrost neben den klassischen und germanischen Sprachen sehen lassen kann, abgesehen davon, daß das Studium des Russischen auch von Tag zu Tag an praktischer Bedeutung gewinnt. Sind die Elemente der Grammatik, etwa nach dem vortrefflichen Lehrbuch von Moser (Hannover. Habn, M. 5,50 mit Schlüssel) überwunden, so eignet sich zur Einführung in die Umgangssprache kaum ein anderes HilsSmittel besser, als obiges „Echo", daS eine Reihe von wirklich dem Leben entnommenen Gesprächen in zusammenhängender Unterhaltung bietet. Der Text ist mit Acccntzeichcn versehen, was bei der schwierigen, beweglichen Betonung im Russischen für Anfänger absolut nothwendig ist, aber in vielen Büchern (z. B. in dem dickleibigen Conversationsbuch von Fuchs-Stuttgart, Reff) unbegreiflicher Weise vernachlässigt wird. Gieglers Echo-Ausgaben ziehen wir allen ähnlichen Arbeiten vor, da sie durch den Mangel einer nebenstehenden Uebcrsetzung den Schüler zur Selbstthätigkeit zwingen und ihm doch durch das genaue Wörterbuch alle etwaigen Schwierigkeiten lösen. Allen Sprachbcflissenen empfehlen wir also dieses russische „Echo" ebenso nachdrücklich, wie die früher erschienenen, darunter besonders das neugriechische, spanische, italienische und französische. Die Ausstattung ist sehr sauber und der Preis nicht zu hoch. Unterweisungen über die christliche Verkommenheit. Von ?. Bürger. Priester der Gesellschaft Jesu. Freibnrg, Herder. Ungcb. 4 M. 60 Ps., geb. 6 M. I-. An aScetischen Schriften, Büchern, wie Traktätlein von minderer Qualität ist unsere Zeit wahrhaftig nicht arm; um so freudiger begrüßen wir ein Werk, wie vorgenanntes, das auf einer gesunden Dogmatik süßt. Eine AScetik, der nicht daS christliche Dogma zu Grunde gelegt ist, hat keine Bedeutung. — Verfasser schließt sich wohl in seiner Darstellung der christlichen Vollkommenbeir au die Lebre des hl. Thomas an; aber er befolgt auch dabei — die Unterweisungen sind hervorgegangen aus Verträgen, die er bei verschiedenen Gelegenheiten hielt — das Wort des göttlichen Heilands, daß jeder Lehrer einem Hans- vater gleichen soll, der aus seinem Schatze altes und neues hervorbringt. (Matth. 13,52.) Nach der Darstellung des übernatürlichen Lebens und seiner Vollkommenheit in der Welt wie im Ordensstande werden die beiden Grundbedingungen und Hauptmittel für die christliche Vollkommenheit, Gnade und Wille einerseits, Gebet und Selbstverleugnung andererseits, behandelt, und hieran reibt sich der Unterricht über die göttlichen Tugenden und die sogenannten Kardinaltugenden. Die Früchte des Strebens nach Vollkommenheit, Gerechtigkeit, Friede, Freude, bilden den Schluß der Unterweisungen. Wir zweifeln nicht, daß daS Werk gar manchen Priestern und Ordensleutcn, welchen die Leitung geistlicher Personen obliegt, sehr willkommen sein wird. _ Das soeben erschienene Maiheft von „Alte und Neue Welt" beginnt einen neuen in England spielenden Original- Nsoman „Als die Rosen wieder blühten" von der bestbekannten Schriftstellerin Josephiue Flach; enthält eine ausgezeichnete Novelle „Letzte Bilanz" von Ad. Jos. Küppers, dem Dichter der „Edeltrude"; eine reizende Erzählung „Oberon u. Titania" von Fr. v. Minra; und eine ergreifende kleine novellistische Skizze „Abendläuten" von A. Wcnk. Der unterhaltende Theil ist also so reich und dabei so gediegen, wie es der anspruchsvollste Leser nicht besser wünschen mag. An Studien und Schilderungen begegnen wir einem Aufsatz über „DaS Mahdireich im Sudan. Seine Entstehung und sein Fortbestand," von Karl Muth; einer in den Kreisen der Vogel- freunde sicher gut aufgenommenen Abhandlung über die Ablichtung der Stubcnvögel von Walter Kleeberg; und einem mit Ortginal-Tuschzeichnungen geschmückten Aufsatz über das kaiserliche Lustschloß Schönbrunn von E. v. Dombrowski. Dem herrlichen Bildniß der edlen Vittoria Colouna von dem französischen Maler Lefövre ist ein Charakterbild der Freundin Michelangelos von Ncdeatis beigegeben. Dein neuerwählten Stistsabte von Maria Einsiedeln, ?. Kolumban Brugger, 0. 8. v., widmet k. Raymuud Netzhammer einen biographischen Artikel, der von dem wissenschaftlichen Streben unserer Ordensleute lautes Zeugniß gibt und speciell in der Person des neuen Abtes uns mit einer Mönchsgestalt des ausgehenden Jahrhunderts bekannt macht, der gegenüber das dumme Geschwätz unserer Gegner von der „scholastischen Nückständigkeit" der wissenschaftlichen Bestrebungen der Ordenöleute wie wesenloser Rauch aufgeht. Kurz dies Machest, in dem selbstverständlich zur Freude jedes katholischen Herzens auch der Maieuköuigin in Wort und Bild der schuldige Tribut gezollt wird, bietet wiederum eine Fülle sittenreiner Unterhaltung, gediegener Belehrung und wirklicher Erbauung, so daß wir nur wünschen mögen, jeder christliche, für das Wohl seiner ihm anvertrauten Familienglieder bedachte Vater würde die kleine monatliche Ausgabe von 50 Pfg. (25 Kreuzern, 60 Cts.) nicht scheuen und die stattlichen Hefte zur Familienlektüre halten. Die Kunst aus unsern Fehlern Nutzen zu ziehen. Nach dem heil. Franz von Sales. Von I?. Joseph Tissot, Gencraloberer der Missionäre vom heil. Franz v. Sales. Mit vielen Empfehlungen kirchlicher Würdenträger. Mainz. Kirchheim, 1896. 8. (XV u. 18? S.) M. 1,-. geb. M. 1,50. k. Tissot, der Verfasser dieses Büchleins, hat sich treulich an die Lehren des unvergleichlichen ascetischcu Führers, des hl. Franz v. Sales gehalten. Der Verfasser lenkt die Aufmerksamkeit hin auf einen höchst wichtigen und leider allzuwcnig beachteten Punkt des christlichen Lebens. Wer nach einem begangenen Fehler nur einige Zeilen dieses WerkchenS betrachtet, der findet darin mit Gottes Gnade eine Stütze, sich wieder zu erheben. _ Archiv für christliche Kunst. Jahrg. 1896,'Nr. 1—4. Dctzel, Die alten Wandgemälde im Chöre der Pfarrkirche zu Ehestesten. Frühgoihischer Bildercyklus aus oem Leben Mariens und der Passion Christi. — Schön Th., Zur Ban- geschichte der Karthause Güterstein. —Bach M., Ueber Künstler- inschriften an Altarwerken. Hält gegenüber BuSl die Existenz eines Bildhauers Schramm für uuerwiesen und die Inschrift, auf welche sich die gcgcntheilige Ansicht stützt, für apokryph, weil sie gegen die spatmitlelaltcrlichc Sitte die Namen zweier verschiedener Künstler (eines Bildschnitzers und eines Malers) mittheile. — Nueß. Die Baugeschichte der Klosterkirche von Schusscnried. Romanische Anlage, gothische Zubauten, Ausschmückung in Rokoko durch Joh. Zick, Hofmaler in München, 1745. — Pfeiffer Dr. B„ ein berühmter Niederländer in Württemberg. Die von Caspar de Crayer genialten Altarbilder zu Wolfegg, Uutercsscndorf und Amberg (i. d. Oberpfalz) sind zurückzuführen auf Bestellung durch Max Willib. Truchseß von Walbburg und seine Gemahlin, eine geborne von Arenberg, deren Haus in Brüssel rcsidirte. — Die neue Kirche in Lauterbach. Ein dreischiffigcr romanischer Bau mit Raum für 2500 Personen; Kosten 109.000 M. — Die kirchliche Kunst in ihren Beziehungen zum geistlichen Schauspiel. Beachtcns- werthe Besprechung über vr. P. Webers bekannte Studie: Geistliches Schauspiel und kirchliche Kunst in ihrem Verhältniß erläutert au einer Ikonographie der Kirche und Synagoge. — Bach M., Mittelalterliche Holzskulpturcn anö Oberschwaben im bayerischen Nationalmuseum. Besprechung von drei gothischen Figuren. _ 6 aoremoniale für Priester, Leviten u. Ministranten zu den gewöhnlichen liturgischen Diensten von vr. Andr. Schmid, Direktor des Gcorgianums in München, o. ö. Uuiversitätsprosessor, erzbischöfl. geistl. Rath. Kempte», Kösel 1896. V. Schon vor vielen Jahren ließ der Verfasser für seine Alumnen ein autographirtes Büchlein erscheinen, welches die Dienste der wiuistri saeri ziemlich eingehend behandelt. Hier haben wir nun dieses bescheidene Schristchen bedeutend erweitert und mit Illustrationen versehen vor uns. Schon der Name des Verfassers bürgt dafür, daß wir mit diesem Buche einen verlässigcn Wegweiser im bl. Dienste am Altare erhalten, der jedem jüngeren und älteren Priester aufS Wärmste empfohlen werden kann. Abgesehen von der Genauigkeit, mit welcher die Rubriken der hl. Kirche dargestellt werden, gibt der Veiiasser soviele praktische Winke, selbst für scheinbar unbedeutende Dinge (z. B. x. 240), daß jeder Liturge ihm nur dankbar sein kann. Auffallend finden wir, daß der Verfasser das Tragen des Birrets bei Exorcismen als unstatthaft hinstellt, während doch 144 Thalhofer in seinem Handbuch der Liturgik (1883 I. p. 627) ausdrücklich schreibt: „Auch bei den Exorcismen zur Wasserweihe bedeckt der Priester gleich dem Bischof süglich daS Haupt, entblößt kS aber bei der folgenden Oration." Die afrikanischen Missionen sind eine höchst wichtige Sache, welche den deutschen Katholiken ebenso sehr am Herzen liegen muß, wie daS Wiederaufblühen deö GlaubenslebeuS im Mutterlande. Da wir nun einmal in Afrika Kolonien besitzen, ist es auch unsere Pflicht, zu sorgen, daß dort, im schwarzen Deutschland, der katholische Glaube ausgebreitet werde. Den Eifer der deutschen Katholiken für das so eminent wichtige Werk der Christianisiruug und Civilisation des dunklen Erdtheils anzuregen und stets wach und opfer- tmllig zu erhalten, ist der löbliche Zweck, den die illustrirte Afrika-Missious-Zeitschrift „Gott will es!", das oificielle Organ des Asrika-Vereins deutscher Katholiken (Verlag von A. Niffarth in M.-Gladbach), verfolgt. Die sehr interessante, gediegene und mit prächtigen Bildern aus Afrika geschmückte Zeitschrift sei deshalb allen Katholiken bestens empfohlen. Preis Pro Halbjahr (6 Hefte ü 32 Seiten) Mark 1.-. Katholische Warte. XII. Jahrg. Illustrirte Monatsschrift zur Unterhaltung und Belehrung. Preis pro Heft 15 kr. (25 Pf.) Zum zwölften Male tritt die heimische Zeitschrift ihre Fahrt in die Welt an und zeigt bereits im I. Hefte, daß Verlag und Redaction bestrebt sind, das Familienblatt immer besser zu gestalten. Unter den Mitarbeitern finden sich Namen von gutem Klang, wie: Josef Seebcr, Joscfiue Flach, Antonie Haupt, Franz Alfred Muth, k. Pl. Theiler, H. S- Nehm, vr. H. L-am- son, M. A. Zaubzer n. a. Treffliche Bilder zieren das Heft und ist eS gewiß verdient, wenn das salzburaische Diöcesan- Verordnungsblatt 1896 Nr. II der „Kathol. Warte" die empfehlenden Worte widmet: „Der Inhalt der 11 Jahrgänge ist durchwegs vom katholische» Geiste durchweht und kann die Zeitschrift sowohl dem Inhalte wie der Ausstattung nach für christliche Familien bestens empfohlen werden. Der hochw. Klerus möge nicht ermangeln, diese gediegene und dazu wahrhaft billige Zeitschrift christlichen Familien zu empfehlen." Möchte diese oberhirtliche Anerkennung nicht ungehört verhallen! Nepertorium der Pädagogik. Herausgegeben von Oberlehrer I. B. Schubert. Verlag der I. Ebner'schen Buchhandlung in Ulm- (Preis 5 Mark 10 Pfg. für 12 Monatshefte.) Das 6. Heft des 50. Jahrganges enthält u. A.: Ueber die Faulheit. Ein psychologischer Versuch von Dr. Karl Andrea. (Schluß.) — Der Königbauer'schc Rcformvorschlag im Lichte der rcvolutionistischen Pädagogik. Von K. Otto. — Erwiderung auf die Kritik Otto'ö. Von I. Königbauer, kgl. Seminar- inspektor in Lauingen. — Weltsprachen. Von K. A. Geil, Lehrer in Großrohrhcim (Hessen). — Joseph Fischer, k. Seminar- lehrer in Lauingen ch. Vorbeugungs- und Verhaltungsmaßregeln bei Diphtheritis von Dr. wecl. Ad. Thiele, Kappcl- Cbemnitz. Verlag Scitz L Schauer, München. Preis 50 Pfg. Der Verfasser erhielt nach Veröffentlichung eines Theiles dieser Schrift von Seiten zahlreicher Behörden und Aerzte Zuschritten, auf Grund deren er sich entschloß, seine einfachen, erprobten Maßregeln zur Verhütung der mörderischen Krankheit in Broschürcnform herauszugeben. Neues Handbüchlein für tägliche Besucher des Aller heiligsten. Von dem Verfasser der L.vis spiritnels. (Ä. von Hoffclizc.) 4. Auflage. Mit bischöfl. Approbation. Mainz, Kirchhcim, 1896. 8. (VIII u. 328 S.) 90 Pr., geb. M. 1,20 u. M. 1,80. Das vorliegende Büchlein enthält zweimal 33 Besuche des hl. Sakramentes, welche der geistvollen Verfasserin Gelegenheit geben, die unermeßliche Liebe Christi in diesem Geheimnisse nach allen Seiten bin im hellsten Lichte leuchten zu lassen. Das in edelster Sprache geschriebene und höchst gelungene ins Deutsche übersetzte Büchlein lehnt sich genau an die Besuch- nngen deö hl. Alphons an. Von dem beliebten illustrirtcn Familienblatt „Die katholische Welt" gingen uns Heft 4, 5 und 6 zu. Sie enthalten u. And. eine ausführliche Biographie deö hochfeligcn CardinalS Welchers, Aufsätze über Armenien und Transvaal mit zahlreichen sehr schönen Abbildungen. Auch den Humoresken ist ein weiter Spielraum angewiesen. Die zahlreichen illustrirlen Humoresken sind allerliebst, während die weiblichen Handarbeiten in jedem Hefte durch eine Fülle geschmackvoller Muster stets neue Anregung erhalten, und die Beilage „Der Hausfreund" zahlreiche praktische Recepte für alle Bedürfnisse des täglichen Lebens bringt. — Probehefte versendet gratis und srauco die Verlagshandlung A. Niffarth, M.Gladbach. Kunst-Stil-Unterscheidung. 2. Auflage. München 1896, G. Franz'sche Hofbuchhaudlung. M. 1,20. Wer ohne Studium — in wenigen Stunden die Grundzüge aller wichtigen Stilartcn (voin alt-ägyptischen Stile bis zur Gegenwart) kennen und unterscheiden lernen will, dem sei die oben genannte, von dem Kunstmaler und Bildhauer Haus Sebastian Schneid verfaßte und mit 200 instructiven Illustrationen ausgestattete Broschüre, wärmstenS empfohlen. Vorzügliche Gutachten namhafter Künstler und Kuustzeit- schriftcn bürgen für die Trefflichkeit des Werkchens. Die heilige Familie. Jeden Monat 1 Heft, 16—32 S- starr, mit Bildern. Preis jährlich M. 1,—, mit Zusendung der einzelnen Hefte durch die Post M. 1,40. IV. Jahrgang. Verlag und Erpcditiou der Monatschrift „Die hl. Familie" in Freising. Inhalt des 3. HcfteS: Gruß an Nazareth. St. Joseph und die hl. Kommunion. Kinder, ehret und liebet eure Eltern! Vom Trinken und Fasten. KoSciusto und der Sattler. Die Zuchtruthc. Da hat Gott gerichtet. AuS Münchberg. Dasaläs 6., Oomxenäio äs Ksogralia. 8° xx. VlII -j- 270 oon 60 grab VribnrZ'o äs Itrisg-. Herder 1895. 3.— Fr Die vortreffliche Herder'sche Verlagsbuchhandlung in Frei- burg (BreiSgau) macht sich auch um Verbreitung guter spanischer Litteratur hervorragend verdient. Ihren zahlreichen Publiationen dieser Sparte hat sie neuerdings ein mit dem Bildniß des Christoph Columbus geschmücktes, sehr brauchbares Handbuch der Geographie beigesellt, welches selbst denen, die kein- sachliche Erweiterung ihrer Kenntnisse daraus zu entnehmen gedenken, immerhin eine willkommene Uebung in spanischer Lektüre bieten kann. Die Ausstattung ist bei sehr billigem Preise ganz vorzüglich, auch die 60 Abbildungen und 4 Landkärtchen sind hübsch und sauber ausgeführt. Amerika ist in dein schmucken, ansprechenden Büchlein selbstverständlich besonders berücksichtigt, und siebt auch an erster Stelle nach der Einleitung (S. 1—2ö). welche in kurzen Zügen das Wichtigste aus der'physikalischen Geographie bringt. Liebhabern der wohllautenden spanischen Sprache können wir das Werkchen zur leichten und angenehmen Lektüre nur empfehlen. „Kreuz und Schwert" im Kampfe gegen Sklaverei und Heidcnthum. Missions- und Unterhaltungsblatt für daS kath. Volk. (Münster i. W., Walter Helmes. Preis im Jnlaude u. Oesterreich Halbjährlich 75 Pf. per Post u. Buchhandel, 90 Pf. portofrei; im AuSlande 1,20 M.) Diese Zeitschrift ist seit Januar von 12,000 auf 20,000 Exemplare gestiegen, gewiß ein Zeichen, daß sie den Wünschen der Leser gerecht wird. Inhalt deö Märzheftes: Gottes Segen. — Anfänge der Sambesi-Mission im 16. Jahrhundert (Fortsetzung). — Plaudereien aus Kamerun. — Aus der Mission in der deutschen Südscc. — Von Sansibar zum Kilimaudscharo (Fortsetzung). — Wie die Neger telegraphiren. — Brief eines jungen deutschen Arztes aus dem Kaplande. — Die Tochter deS Sklavenhändlers von Sansibar (Fortsetzung). — Kleine Nachrichten. — Afrika-Verein deutscher Katholiken. — Quittungen über eingegangene Gaben. — Sprachrohr. — Büchcrschau. — Illustrationen: Negerdors am Matschame. — Krieger vo» Matschame. i —- Veranttv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck ».Verlag des Lit. Instituts von Haas LGrabherr in Augsburg.