Ein Gederrkblatt zu Möhlers hnttdertjähri^em Wiegenfest. Kein langes Erdenwallen war Mähler beschieden, und doch hat die kurze Spanne Zeit, die ihm in Tübingen und München zu wirken gegönnt war, genügt, um sein Andenken unauslöschlich in die Herzen seiner Freunde wie seiner Gegner einzugraben und ihm die bewundernde Verehrung der einen, die Anerkennung und respektvolle Achtung der andern zu sichern. Was sonst so selten beobachtet wird, erstaunt gewahren wir es bet ihm, daß nämlich Männer der verschiedensten Richtungen in seinem Lobe sich gleichsam zu überbieten streben. Sein erster Biograph Neithmayr, der ihm im Leben befreundet gewesen war, urtheilt: „Als Gelehrter wie als genialer Denker glänzt er unter den ersten kirchlichen Schriftstellern seiner Zeit." Döllinger, der Möhlers Berufung nach München durchsetzte und ihm bis zu seinem Tode nahestand, bezeugt, daß „alle Stimmfähigen in Europa (Möhler) das Zeugniß gaben, daß er der erste unter den lebenden Theologen seiner Kirche sei". I. Friedrich nennt Möhler „den Stolz der deutschen Kirche", vor dessen hohem Geiste, warmer Religiosität und demüthiger, bescheidener Art noch heute jeder, der seiner Persönlichkeit näher trete, verehrungsvoll sich beugen müsse. Der Protestant Kling, der Möhler „in der Zeit seines frischesten Strebens kennen gelernt und über 1^2 Jahre vertraulichen Umgang mit ihm gepflogen", bezeichnet ihn als „einen Epoche machenden Geist und ein hellscheinendes Licht in der römisch-katholischen Kirche unserer Tage" und sagt: „Seine aufrichtige Frömmigkeit, sein hoher sittlicher Ernst, sein zartes und feines Gemüth, sein klarer, durch klassische Studien wie durch tiefes Eindringen in das christliche Alterthum vielseitig und in ausgezeichnetem Grade gebildeter Geist, seine ganze, ebenso milde wie feste und entschiedene Persönlichkeit mußte ihm in und außer seiner Kirche Hochachtung und Vertrauen in seltenem Maße gewinnen; und schon die äußere seelenvolle Erscheinung, das edle Angesicht, das ernst und doch freundlich blickende Auge, die ganze würdige Gestalt des Mannes hatte etwas Anziehendes und zugleich Jmponirendes." Und bei der Bewunderung ließ man es nicht sein Bewenden haben, hüben und drüben glaubte man auf ihn Anspruch erheben zu können. Die Protestanten machten geltend, von ihnen habe Möhler vieles empfangen, mehr als wohl von katholischer Seite zugestanden werde; und auch anderwärts versuchte man, ihn als einen Gesinnungsgenossen darzuthun, der mit der Richtung nicht einverstanden gewesen sei, welche die katholische Kirche in neuester Zeit genommen habe. Schon begann eine Art Legendenbildung ihr wirres Schlinggewächse um das edle Bild zu ranken, dessen Züge mehr und mehr verwischend und entstellend. Da war cS ein verdienstlicher und glücklicher Gedanke des zweiten Nachfolgers Möhlers auf dem Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Münchener Universität, des Professors Dr. Knöpfler, zu dessen hundertjährigem Geburtstage auf Grund sorgfältiger Studien und selbstständiger Forschungen sein Leben und Wirken nochmals zur Darstellung zu bringen,*) wobei es ihm gelang, so manches zu be*) Johann Adam Möhler. Ein Gebenkblatt zu dessen hundertstem Geburtstag von AloiS Knöpfler, Doctor der Theologie und Philosophie, o. v. Professor der Kirchengeschichte richtigen und klarzustellen, was bisher fast traditionell von dem einen dem andern nacherzählt worden war. So wird gewöhnlich angenommen, Möhler habe am dreijährigen Lycealkurs zu Ellwangen den zweiten übersprungen; die theologischen Studien seien dort ganz rationalistisch betrieben worden, und da das Ellwanger Bier zu jener Zeit trefflich war, so seien die Wirthshäuser von Studenten regelmäßig und stark besetzt gewesen. Knöpfler weist das Unrichtige und Uebertriebene dieser Angaben nach; das Lyceum war in seinem philologisch-philosophischen Theil nicht drei-, sondern zweijährig, wcßhalb Möhler nichts überspringen konnte, da er 1813 hier ein- und 1815 zum Studium der Theologie übertrat, und dieses wurde, wenn es sich auch dem Geiste jener Zeit naturgemäß nicht entziehen konnte, keineswegs so leicht betrieben, gerade in der Dogmatik war der tüchtigste Lehrer thätig, und was das Kneipen anlangt, so wird auf die Thatsache verwiesen, daß das Ellwanger Lyceum zu Möhlers Zeit ganze 22 Studenten zählte, so daß es schon deßhalb nicht sehr wahrscheinlich klingt, daß die Wirthshäuser von ihnen regelmäßig und stark besetzt gewesen seien. Im Herbst 1817 wurde die Ellwanger theologische Akademie nach Tübingen verlegt, Möhler übersiedelte daher mit seinen Genossen an die dortige Universität, wo sie im Wilhelmsstift unentgeltlich Verpflegung fanden; am 1. November 1818 traten sie zur unmittelbaren Vorbereitung auf das Priesterthnm in's Seminar zu Rottenburg ein. Auch hier soll nun ein ganz unkirchlicher Geist geherrscht haben; als die Alumnen im Juli 1819, bereits zu Diakonen geweiht, den Antrag Rotte cks in der badischeu Kammer für Aufhebung des Cölibats gelesen hätten, sollen sie einen lauten Jubel erhoben haben, worüber der fromme Repetent die Hände über dem Kopfe zusammenschlug. Dem gegenüber macht Knöpfler aufmerksam, daß die Alumnen zu Rottenburg im Juli 1819 ganz unmöglich in lauten Jubel über einen Antrag ans- brecheu konnten, der vom 20. April 1828 datirt ist! Mit welcher Vorsicht da die andern derartigen Mittheilungen, wie sie über Möhlers Bildungsgang gerne aufgetischt wurden, aufzunehmen sind, liegt auf der Hand. Am 18. September 1819 zum Priester geweiht, kam Möhler nun als Vikar nach Weilderstadt und Niedlingen a. D.; sein Prinzipal an letzterem Orte, Dekan Ströbele, konnte ihm über sein Wirken ein glänzendes Zeugniß ausstellen. Doch schon am 31. Oktober 1820 wurde er nach Tübingen einberufen, um sich auf das Gymnasiallehramt vorzubereiten; bald darauf wurde er zum Repetenten für Kirchengeschichte ernannt. Mit vollstem Rechte hebt Knöpfler bei dieser Gelegenheit hervor, wie Württemberg zur Heranbildung tüchtiger Lehrkräfte über treffliche Einrichtungen verfügt, von denen nur zu wünschen wäre, daß sie anderswo zur Nachahmung dienten; möglich wären sie bei nur einigem guten Willen, und gewiß auch für Lehrende und Lernende von reichstem Gewinne. 1822 wurde Möhler znm Docenten der Kirchengeschichte befördert, zuvor sollte er jedoch eine wissenschaftliche Reise mit Staatsunterstützung machen; i« September reiste er über Würzburg nach Bamberg, an der Universität München. Mit einem Bildnisse Möhlers. München, 1896. I. I. Lentner (E. Stahl jnn.). 6", IX und 149 S. Preis M. 2.S0. besuchte die Universitäten Jena, Leipzig, Halle, Göttingen, Berlin, Breslau, Prag, Wien und Lands Hut, und kehrte im April 1823 über München nach Tübingen wieder zurück, voll reicher Erfahrungen und fruchtbarer Anregungen, um im Sommersemester 1823 seine Vorlesungen zu beginnen. Wenn nun später behauptet wurde, Mähler habe zur Zeit seiner ersten schriftstellerischen und akademischen Thätigkeit noch nicht völlig mit dem positiven Glauben harmonirt, noch habe die Kirche die Liebe seines Herzens nicht von Grund aus gewonnen gehabt, so ist Knöpfler gleichfalls beizupflichten, wenn er diese Darstellung verwirft und darauf hinweist, wie Möhler nach allen positiven Zeugnissen von Haus aus eine tief religiöse, Überzeugungstreue, gläubige Natur war, für die eS keine Aenderung der Gesinnung, sondern nur der Erkenntniß geben konnte; und wahrlich, wer sich mit Möhlers Schriften auch nur einigermaßen vertraut gemacht hat, der wird sich dem Eindrucke nicht verschließen können, daß ihm hier eine religiöse Begeisterung, eine so innige Liebe zur Kirche und ihren Institutionen entgegentritt, wie sie nur aus dem tiefsten Born eines kindlich frommen Herzens quellen, nimmermehr aber als das mühselige Produkt langer, nüchterner Verstandesarbeit, die doch ewig vom Zweifel angefressen bleibt, erworben werden kaun. Auf Kuöpflers Schilderung Möhlers als Gründers der historischen Schule näher einzugehen, müssen wir uns, so schwer uns dies auch ankommt, leider versagen; dagegen sei besonders hervorgehoben der Abschnitt „Der theologische Forscher", worin gewissen Tendenzen und Bestrebungen gegenüber Möhlers Stellung zum Primat ins rechte Licht gesetzt wird; wohl hat derselbe früher das Episkopalsystem möglichst schroff zu vertreten gesucht; aber bei näherer Prüfung kam er bald zur Ansicht, daß sowohl das schroffe Episkopal-, wie das extreme Papal- system in ihrer Einseitigkeit unhaltbar seien. Vielverhandelt wurde auch Möhlers Beurtheilung der Gesellschaft Jesu; auch hier haben wir uns nicht zu überzeugen vermocht, daß er einen incorrecten Standpunkt eingenommen, glauben vielmehr, daß er ihr gegenüber die richtige Linie zwischen rückhaltlosem Lob und unverdientem Tadel nicht überschritten habe. Mit seiner berühmtesten und verdienstvollsten Schrift, der Symbolik, und deren Vertheidigung gegen die Entgegnung Baur's stand Möhler im Zenith seines Ruhmes; von da an neigte der Stern seines Lebens merklich dem Untergänge zu. Nicht als ob seine geistigen Kräfte nachgelassen hätten; schien er ja doch, in den leistungsfähigsten Mannesjahren an einen neuen, aussichtsreichen Wirkungskreis berufen, die reifsten Früchte seines gottbegnadeten Geistes erst noch bringen zu sollen. Aber der zarte, schwächliche Körper hielt nicht aus, auch die Erholung in den weicheren Lüsten des sonnigen Südens brachte nur momentane Erleichterung, keine Genesung, und so siechte er langsam dahin; am Charsamstag dem 14. April 1838 bettete man ihn, der in wenig Jahren einen großen Lauf vollendet, zur letzten Ruhe. Wir müssen Knöpfler aufrichtig dankbar sein, daß er dem Andenken seines Vorgängers und Landsmanu.es dieses schöne Gedenkblatt gewidmet hat. Innige Pietät und Verehrung für den allzufrüh Entschlafenen hat ihm Hiebei unverkennbar den Griffel geführt, und es ist ihm auch vollauf gelungen, den äußern Lebensgang, wie das innere geistige Streben und Weben, Ringen und Schaffen, die ganze lautere, makellose, herzgewinnende Persönlichkeit dieses außerordentlichen Mannes in so anschaulicher und fesselnder Weise zu schildern, daß wir immer wieder gerne zu dem Schriftchen greifen.. Dasselbe gehört auch keineswegs der Gattung der raschverwehenden Fest- und Tagesliteratur an, sondern ist von bleibendem Werthe, nicht bloß wegen der mannigfachen Correcturen und Berichtigungen, die es an früheren Möhlerbiographien übt, sondern insbesondere auch deßhalb, weil es eine so sorgfältige Zusammenstellung aller aus Möhler's Feder geflossenen Schriften, Aufsätze, Abhandlungen und Besprechungen bietet, wie sie in solcher Vollständigkeit nirgends zu finden war. Aber noch aus einem andern Grunde verdient Knöpfler's Schrift weiteste Beachtung. „Begeisterte Verehrung und Dankbarkeit", schreibt er in der Vorrede, „hat bereits an der Geburtsstütte, wie über dem Grabe des gefeierten Lehrers Denkmale aus Stein errichtet; könnte dessen hundertster Geburtstag nicht Anregung werden, an der Stätte seines letzten Wirkens ein noch schöneres, vielleicht auch dauerhafteres, gewiß aber dem Geiste Möhlers mehr entsprechendes Denkmal zu errichten: ein Stipendium zur Heranbildung tüchtiger katholischer Theologen? Hiezu soll der Reinertrag dieser Schrift den ersten Baustein liefern, welchem die Verehrer des um die Kirche Christi so hochverdienten Mannes ihre Dankesgaben beilegen mögen." Wir glauben diesen Worten nichts beifügen zu sollen und schließen mit dem einen lebhaften Wunsch», daß Knöpflers Schrift im katholischen Klerus, namentlich auch unter den Theologiestudirenden, recht viele Leser finden möge! Dr. I. S. Beattts Adalbertns ein Graf Zollern-Hohenberg-Haigerloch, Mönch, Priester und Prior in der niederbayerischen Benediktinerabtet Oberaltaich 1261 — 1311 von I. N. Seefried. Leatus Oouksssor Läalbertus ex Lnsvia cls 9?erritorio Oonetkntienei §ainilik>. Ocnnitnin äe HaMLr'Ioeb xroAenio militari oxortus. (Vita, Läaldsrti eax>. I.) In dem Aussatze „Die Könige von Preußen und die Fürsten von Hohenzollern sind Abenberg - Zollern, nicht Zollern-Abenberg" habe ich die Vermuthung ausgesprochen, Elisabet, die Gemahlin Friedrichs I. von Zollern oder mit dem Löwen, sei als die Schwester Alberts II. von Hohen- berg und als Tante des Benediktiner-Priors von Oberaltaich, Alberts Grafen von Haigerloch, anzusehen, welcher 1239 (nicht 1229 nach Schmid) geboren und am 26. November 1311 (nicht 1316) in Oberaltaich gestorben ist. Meine Begründung für diese Annahme stützte sich auf den Umstand, daß Friedrich II. oder der Erlauchte am 12. Januar 1271 den Grafen Albert II. von Hohen- berg avrmoulus d. h. Oheim oder Mutterbruder genannt hat, wozu ich noch bemerkte, daß die Darstellung vr. Ludwig Schmids über den in Oberaltaich als selig verehrten Hohenberger Grafen nicht genüge, auch manches Unwahre enthalte, weßhalb ich auf den Prior Albert (Adelbert) von Haigerloch später speziell zurückkommen werde?) i) Beilage zur Augsb. Postzeitung 1894 Nr. 25 S. 198; Separatcibdruck S. 16 A. 34. Diesem Versprechen nachkommend, will ich an der Hand der besten, aus Oberaltaich stammenden Vita, des Priors Albert, Grafen von Haigerloch. zeigen, wie weit in chronologischer und sachlicher Beziehung die Angaben unseres Gegners von der glaubwürdig hinterlegten geschichtlichen Wahrheit abliegen und entfernt sind?) I. Geburt, Eintritt in das Benediktinerstift Oberaltaich und Ableben des Grafen Adal- bert (Albert) von Haigerloch. Wenn man auf der bayerischen Ostbahn von Strau- bing, der einstigen Residenz niederbaycrischer Herzoge ^) aus dem Hause Wittelsbach, gegen Plattling (Pledelingen im Nibelungenliede) nach Passau herabsähet, sieht man, sobald die Doppelthürme von s. Peter zu Straubing (^uAustavis) verschwunden sind, links jenseits der Donau fast am Fuße des Bogenberges die doppelthürmige einstige Abtei-, jetzt Pfarrkirche von Oberaltaich herüber- leuchten, jedoch hinter dunklen Fichten- und Tannenwäldern bald wieder verschwinden. Das Benediktinerkloster 8. Peter daselbst, welches im Jahre 1731 das 1000jährige Jubiläum seines Bestandes gefeiert hattet und am Anfange unseres Jahrhunderts mit der Namensschwester Niederaltaich unterhalb Deggen- dorfs der Säkularisation zum Opfer gefallen ist, soll im Jahre 731 von dem agitolfingischen Herzoge Odilo unter Beihilfe des Abtes Pirminius von Neichenau im Bodensee erstmals errichtet und besieoelt worden sein.^) Allein Herzog Odilo kam erst nach dem Ableben Herzog Hugberts am 1. November 736 zur Regierung, und die alte Eiche am Donanstrome war ohne Zweifel schon eine Cultus- und Opferstätte des keltischen Heidenthums, und sind daselbst wohl Menschenopfer dargebracht worden, ehe römische und christliche Cultur, von ver Beste und dem Bischofssitze ^uZustanis (Straubing) ausgehend, die Zelle s. Peter bet der alten Eiche und zahlreiche andere Zellen des bayerischen Waldes und Vorwaldes gegründet hat. Auch der Agilolsinger Herzog Theodo I. wird als Gründer von Oberaltaich bezeichnet, und wenn der heil. Nupert, wie ich früher ausgeführt habe?) in Straubing wirklich seine dritte bischöfliche Kirche in Bayern in der Mitte des 6. Jahrhunderts aufgerichtet hm, um das Heidenthum der zurückgewanderten Bajonren zu bekämpfen, dann ist Oberaltaich, welches den gleichen Patron mit der bischöflichen Kirche zu t1ugu8taiu8 (8. Peter) hat, nicht erst im Jahre 731, sondern ebenfalls schon in der Mitte des 6. Jahrhunderts entstanden und 731 unter °) Geschichte der Grafen von Zollern-Hohenberg von Dr. Ludwig Schmid. Stuttgart, 1862, Gebrüder Schcillin, S. 17 und 327. 2) straubing ist das keltische Sorvioäurum der Ga- bula LsutinAsrlan»,, UnAUstis des Itinorarii Lutomni und Lug'nstaiiiL der ReicbSnoiiz. Siehe A. 0. H Vgl. des Priors Aemilian Hemmauer historischen Entwurf, auch Chronik genannt, aus dein Jahre 1731, gedruckt zu Siranbing bei Cassian Betz (nack Adalbert Ebner wohl erst 1732, siehe Sanunclblätter zur Geschichte der Stadt Straubing von Ed. Wimmer, k. Hauptinaun, S. 591). °) Chronik I. o. S. 18. Hlmns kirmiuius sx ^n§ia ... iu8i§ns praotsr alia in viosessi Lattavisnsi eosuobium Lltaoba, Inksrius ttiotnm . . eouäictit . . atia, guogus Oosnobia in oocksm Ouoatn.. .kirmiuii Xnsxioiis xartim sunt instructa, partim rskormata st re- staurata vüleliest Llt-Hsba Lnxsrins sto. o) Die ece.tesia Lugustaua, zu s. Peter in Straubing, Separatabdruck der Nttcukofer'schen Buchhandlung daselbst 1893 aus dem Uuterhaltungsblatte zum Straubinger Tagblatt 1892 Nr. 46-52 und 1893 Nr. 1-3. Karl dem Hammer und dem Herzoge Hugbert (nicht Odilo) in Bayern von Neichenau aus nur neu besiedelt worden. Nach der Zerstörung des Klosters durch die Ungarn im Jahre 907 (nl. 904) lag dasselbe in Asche, bis es 1102 von Friedrich, Grafen von Bogen, dem Vogte der bischöflichen Kirche von Ncgensburg, wieder hergestellt worden ist. Woher jedoch der erste Abt des damals restaurirten Klosters Namens Egino berufen wurde, war im Jahre 1731 noch nicht ermittelt und ist bis jetzt unermittelt geblieben?) In diesem wiederhergestellten Kloster hat unter dem 16. Abte Poppo (1160—1182), einem Schüler des berühmten Abtes Hermann von Niederaltaich?) der jugendliche Graf Albert von Haigerloch im Jahre 1261 Aufnahme gefunden, °) und ist das Leben dieses hochgebornen, frommen und demüthigen Benediktiners, verfaßt von dem gleichnamigen Prior Albert zu Oberaltaich, der Nachwelt in zwei Editionen bekannt und zugänglich gemacht worden. Eine sehr alte Abschrift der Oberaltaicher Vita tMorti besaß das Kloster 3. Emmeram in Negensburg?") welche k. Bernhard Pez für das Original gehalten zu haben scheint und in seinem Mw8anru8 ^liacclotormri novi88imu8 Pom. I o x. 535—554 zum Abdruck gebracht hat?') Die 1721 edirte Emmcramer Abschrift schließt mit Lax. 34 ab, während die Melker Abschrift, die Pez von dem Prior ?. Paulus auf dem Bogenberge zum Geschenk erhalten hatte, wie die Oberaltaicher Vita in eux. 35 den Epilog und am Schlüsse die Beglaubigung durch Abt Dominikus II. (erwählt 1721) enthält, daß die Abschrift sx antoZi-axlro genommen worden ist??) Die jüngere Veröffentlichung der Vita durch den Druck unter Abt Dominikus II. und Prior Aemilian Hemmauer von Oberaltaich zum tausendjährigen Bestände des Klosters daselbst 1731 hat folgende Ueberschrift: Vita Lsati ^Ibarti, Älonaesti Olwraltaelrsiwm, aerixta ab Tlllierto, sjrwclsm LIona8tarii 0. 8. ?. L. in Lojaria kriors. Lruta sx 6oä. lVl. 8. Obsraltaosteimi et oollata oniri 6oä. N. 8. Impsrialis Nona.8tsrii 8. Lrnmorami katiadonao, und entnehmen wir dieser Vita?2) welche der 3. Emmeramer vorzuziehen ist, die nachstehenden theils chronologischen, theils thatsächlichen Berichtigungen älterer und neuerer Schriftsteller, insbesondere aber Dr. Schmids in Tübingen, des Geschichtschreibers der Grafen von Zollern-Hohenberg. Nach Schmid, welcher die Ausgabe der Vita des k. Bernhard Pez aus 8. Emmeram benützt hat,") soll Abt Poppo den Grafen Albert von Haygerloch 1251 im Alter von 22 Jahren aufgenommen haben, während r) Chronik von Hemmauer S. 120 n. 122. b) Chronik S. 173. Povpo war ein Mann, Gott und den Menschen angenehm. Ein Eiferer der klösterlichen Disciplin. Ll. 6. 88. XVII. 402. S. A. 16! Vita. Llbsrti oax. 1. -°) OIm. der k. Hos- und Staatsbibliothek Nr. 14673 nach ?. GallnS in Metten. ") Augsburg und Grätz 1721. vissertatio Isagoxiea xaZ'. lOXXXIX stsi is (Ooäsx hlmmsramsnsis) auto- Kraplius viclsrstur, onm reeenstori tamen axo§rs,Mo Obsraltalieiwi, guoä ab L. L. st 01. V. Lanlo, Loolssias LvAsnborASllsis kriors, üono aceeximus, eoukorrs non praetermisimns. ker I. o. x. 554. Chronik HeminauerS S. 585. Geschichte der Grafen von Zollern-Hohenberg 1862 S. 327 A. 1. Schmid liest mit Pez RaAgsrlo; Hemmauer richtig LrH'Lsrloell I. v. S. 588. unsere Quelle aus Oberaltaich sagt, die Aufnahme habe anno Douiini 12 61 astabia 1xsiu8 ^.Istsrti viZssiwo sssnnclo stattgefunden. Die Ausgaben von Pez und Hemmauer differiren Demnach bezüglich des Jahres der Aufnahme Alberts in Oberaltaich um volle 10 Jahre, wahrend sie im Alter und der Art der Aufnahme genau übereinstimmen. Allein schon Pez hat zu „anno Doiaini luilssiiao äu- csntWirno . XXI die übereinstimmende Angabe haben, Albert entschlief im Herrn anno Ooinini inilosiino trsosntssiino nnäsoiino ssxto Oalonstas veeoinbris, nachdem er 50 Jahre daS Priesterthum unter dem Joche des Evangeliums und der Ordensregel lobenswerth verwaltet hatte. Die bestimmte Angabe, daß Albert 50 Jahre Laoeräos in Oberaltaich gewesen und am 26. November l311 verstorben ist, hätte den Abschreiber der Emmeramer Vita, welcher als Todestag den 27. November angegeben hat, und Dr. Schund in Tübingen überzeugen können, daß ihre Angaben und Annahmen, Graf Albert von Haigerloch sei schon 1251 zu Oberaltaich in den Benediktinerorden getreten, unrichtig sind, weil vom Sterbejahre 1311 fünfzig Jahre zurück- gerechnet stch das Jahr 1261 als Eintrittsjahr mit Nothwendigkeit ergibt. Einen zwe ien, nicht unbedeutenden chronologischen Fehler hat sich Schmid dadurch zu Schulden kommen lassen, daß er die nicht quellenmäßige Behauptung aufgestellt hat"): „unter außerordentlichen Umständen sei auch sein (Alberts) Abscheiden, das er vorausgesagt, am 27. November des Jahres 1316 vor sich gegangen." Schmid hat ohne Zweifel „rallssirao troosutssimo anäseiiao Huinto" in folgender Weise zusammengelesen: 1300 -j- 11 -j- 5 — 1316, während nur 1311 zusammengelesen werden darf und das c^uinto (aeiliost äis) zu 6a1enäa8 Vooaial>rl8 bezogen werden muß. Die Emmeramer Vita Tlllisrti hat das Todesjahr und den Todestag Alberts angegeben, wie folgt: „äornaivit in Domino anno niilemino troosotssirao unäeoirno yuinto 6aloncia8 Dsesmstris"; und daß die Zahl Huinto zu 6a1onäa,8 Doosnidrm gelesen werden muß, beweist die Thatsache, daß eine jüngere Hand als Sterbetag am Rande den 27. November notirt hat. Die Oberaltaicher Vita und die Bogen - Altaich - Melker Abschrift lesen richtiger soxto (äis) anto Oalsnäas Ds- asmdrj8, und hat Pez diese richtige Zeitbestimmung in seine Ausgabe herübergenommen und daS cjuinto rliminirt?b) Daß aber Graf Albert am 2 6., nicht 27. November 1311 im Herrn entschlafen ist, dafür spricht nicht nur das Xoorologium Oboraltavenss, sondern auch die Inschrift auf AlbertL Scpulchralmonument in der Klosterkirche zu Oberaltaich aus dem Jahre 1395. -°) kor I. o. oap. HI p. 540. >°) LI. S. 88. XVII, 402. Loäew anno (1260) äowinus Lopxo, monnolins -4Itakeusi8, ölig-stur tu abbatew 8uxorior1s LItalie, vir maguo xrnüontio st religiouis. ") Geschichte der Grafen von Hohenberg 1662 S. 328. Bemerkt ist zum angeblichen Sterbejahre 1316: «Nach Angabe dtS Lbronieon äo üueibus Lavarias 1311." ") I. v. eax. XXI x. 518. Das Necrologium des Stiftes Oberaltaich, welches im Jahre 1342 angefangen und fortgesetzt worden ist/o) hat, wie wir mit Sicherheit annehmen dürfen, aus einer früheren Aufzeichnung folgenden Eintrag herübergenommen: VI. stal. Doo. H1bsrtu8 Drssst. st Nou. Xoster oli. xis rasmorias aü. äom. Neosxi. und aus dem noch erhaltenen, sehr schönen Grabsteine Alberts aus Untersberger Marmor^) geht in Uebereinstimmung mit den Lebensbeschreibungen unzweifelhaft und unwiderleglich hervor, daß derselbe am 26. November 1311 im Herrn selig entschlafen ist, nicht am 27. November 1316. Die Sepulchralinschrift lautet nach einer genauen Abschrift, welche ich der gütigen Hand des quiescirten 82jährigen Herrn Lehrers Cajetan Schwert! in Oberaltaich verdanke, wie folgt: 1- LXXO . DXI. U.660.XI.VI. LD . DL6LLRI8.0 . DDVI-. kIL . ÜILLlOIIIL . A?II. LI. LI0X^6D°. DVD. DOOI. xroourats. äüo. xstro. aliats. soulptus. 68t. Iap>i8. i3ts. rao.cooo.vs". d. h. Unno clomini 1311 86xto (anto) Xalenäas Ds- osraliris odiit trater ä.Il>srtu8 xis moiaorio xrssstitsr st raouaoliu8 Irujus looi. Im Jahre des Herrn 1311 am 26. November starb Bruder Albert seligen Angedenkens, Priester und Mönch dahier. Auf Veranlassung des Herrn Abtes Petrus^) ist das Steindcnkmal errichtet worden 1395. Wenn nun Prior Aemilian Hemmauer 1731 schreibt^): „iVrmo 1261 nahm Abt Poppo den seligen Beichtiger (Bekenner) Albert einen Grafen von Hayger- loch seines Alters im 22. Jahr allhier in das Kloster auf und machet ihn nach vollendetem Probierjahr Profeß", und etwas später ergänzend hinzufügt^): „1311 den 26. November ist in Gott selig entschlafen unser Albertus", so kann man als feststehend und ausgemacht betrachten, daß Graf Albert von Haigerloch, geboren 12 39 (nicht 1229 nach Schmid), im Jahre 1261 (nicht 1251) ins Kloster trat, 1262 eingekleidet wurde, 50 Jahre dem Mönchsorden 8. Benedikts angehörte und im Alter von 72 Jahren^) am 26. (nicht 27.) November 1311 (nicht 1316) zu Oberaltaich gestorben ist. Hält man diese chronologisch richtigen Daten fest, dann wird man auch in genealogischer Beziehung zu Resultaten gelangen, welche stch mit den Annahmen Schunds nicht vereinigen lassen. (Fortsetzung folgt.) ") Lloii. Loioa XII p. 293. Xeorolognim anno 1342 ineboatum ot Lueesssivs oorstinuatuw. 2 °) Siehe Facsimile in der Beilage 2 zum Scparatabdrucke. Das Monument ist nach Herrn Lehrer Schwerst mit Nahme 2,37 m lang, 1,18 w breit und 1,35 m hoch. Es ist von Holz, die Decke von rothem Marmor, die Rahme von Messing. Petrus von Urscnböckh (Urscnbach) aus einem guten, alten bayerischen Torniergeschlechte war der 26. Abt zu Oberaltaich (1379-1403). --) Chronik S. 175. -») l. o. S. 198. ") Dr. Schmid sagt in seinem oft citirten Werke S. 328 A. 1: «er muß jedenfalls ein sehr hohes Alter erreicht haben". 16 ? Die Entstehung der Kaiserchronik. (Schluß.) 8. 8. Sehen wir uns nun aber in St. Emmeram nach einer Persönlichkeit um, die zur Abfassung eines so bedeutenden Werkes geeignet gewesen sein dürfte, so erheben sich große Schwierigkeiten. Denn gerade in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts herrschte in diesem Kloster eine arge Verwirrung, indem Bischof Heinrich I. von Negensburg bei seinem Regierungsantritt den Abt Pabo von St. Emmeram entsetzte, weil dieser ihm keinen Beistand gegen den Bayernherzog, den Weifen Heinrich den Stolzen, leisten wollte. Erst im Jahre 1141 erlangte Pabo, der die Hülfe des Papstes Jnnozenz II. angerufen hatte, seine Restitution, doch schied er bald darauf, am 27. Juni 1143, aus dem Leben. Sein Nachfolger in der Abtwürde wurde — da es im eigenen Kloster an einer tauglichen Person gefehlt zu haben scheint — Mönch Berthold aus Adwont, welches Stift unter Abt Gottfried (1137—1165) eine hohe Blüthe erreichte, so daß nicht weniger als dreizehn Aebte während seiner Negierungszeit aus diesem Konvente berufen wurden. Merkwürdiger Weise starb Berthold schon um's Jahr 1149, also in derselben Zeit, in welche wir den Tod des Dichters der Kaiserchronik fetzten (s. Quellen und Erörterungen zur bayrischen und deutschen Geschichte I. S. 88 Urkunde u. 187 aus dem Jahre 1150, in der Adalbert von Admont bereits als Bertholds Nachfolger aufgeführt wird. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß Abt Berthold der gesuchte Autor ist. Auf jeden Fall war der Dichter ein guter Bayer, denn er zeigt sich in der bayrischen Stammsage wohl bewandert (Vers 297 f.): „Die Schwaben, rieihcn Julio (Cäsar) Er kehrte auf die Bayern Wo viel mancher Degen (Held) inne saß Dcemnnd ibr Herzog was Sein Bruder hieß Ingram") Viel schier (bald) besandte» sie ibre Man (Mannen) Ihnen kam an der Stund (sofort) Viel mancher Held jung Mit Halsberg und mit Brünne Sie wehrten sich mit Grimme Sie fochten mit ihm einen VolkökaiM Weder vorher noch seitdem Fiel nie so mancher Held gut Oder es lügen die heidnischen Bücher. O wie gute Knechte (Kämpen) die Bayern waren Das ist in den heidnischen Büchern kund" rc.'°) Noch deutlicher erhellt seine bayrische Abkunft aus der berühmten Erzählung von Scverus und Adelger?°) ") Ein Ingram erscheint auch im deutschen Nolandslied V. 850; vgl. Llon. Lote. VIII S. 42t (Ingram von Hart- kirchen), S. 422 (Ingram von Picsenkam); Edm. Oercle, Gesch. d. Gr. v. Andechs S. 167 U. 379 (Ingram von Sachsenkam). ") Im Folgenden wird mit säst denselben Versen wie im Annolied der Herkunft der Bayern aus Armenien gedacht, vgl. dazu vita. Lltmanni aap. 28 (versaßt nn Kloster Götweih bald nach 1125): »Laavari traäuntur ox Lrmonia oriunäi-, und die jüngere Fassung der Tcgernseer QuirinuSlcgende (nach 1164): »Uorieorum (d. i. der Bayern) in Ultimo orients circa ar- rueniam vel iuüiam nsgus Iwüis manct vrisso«. 2 °) Aehnlichcs berichtet die jüngere Fassung der Tcgernseer QuirinuSlcgende in dem Abschnitt -äs kiorieorum ori§ms st äucatu«, der auch in die sogen, kunäatio mouasterii DeZern- sssusis (bei ksr Miss. onocäot. III, 3 S. 492 f.) überging, Von dem Baycrnherzog Theodo (welcher an die Stelle des Ost- gothcn Thcooorich bei Fredegar Chronik III, 9 und Aimoin von Fleury List. Vraneor. I, 10 getreten ist), nur daß in der eingeschalteten Thicrsabel der Bär als König der Thiers die Rolle des Gärtners in der Kaiserchronik übernommen hat, was V. 6622—7135 (513 Verse), welche geradezu ein Loblied auf die Treue und die Tapferkeit des Bayernvolkes ist, vgl. V. 6770 f. (Worte des Bayernherzogs Adelger): „Auch ist unsre Gewohnheit daheim Was einem geschieht zu Leide Das müssen wir allesammt dulden Wie wir her sind kommen Er sei arm oder reich Das tragen wir alle gleich Unsre Sitte ist also." VerS 7125 f. ruft der — von den Bayern geschlagene — römische Kaiser Severus verzweifelnd aus: „Nom, dich hat Bayerland Geschändet also sehr Nun will ich auch nicht leben mehr." Triumphirend dagegen stößt Adelger seine Lanze beim Haselbrunnen bei Brixen in die Erde und ruft V. 7133 f.: „Das Land hab ich gewonnen Den Bayern zu Ehren Die Mark diene ihnen immermchrl* Wir ersehen hieraus, zu welcher Blüthe die deutsche Dichtung im 12. Jahrhundert gerade bei den Bayern gedieh. ^) Aber wir sind mit der Aufzählung ihrer poetischen Leistungen noch lange nicht zu Ende. Auch das Lied vorn Herzog Ernst — den die Sage zu einem Bnyernherzog macht — ist noch vor dem Jahre 1186 in Bayern, und zwar in Kloster Tegernsee, wo eben um diese Zeit Werinher ein Marienleben dichtete, entstanden. Dies geht deutlich aus einem Briefe hervor, ven Graf Berthold III. von Andechs (gest. 1188) an Abt Nupert von Tegernsee (gest. 1186) richtete (s. Las Isiem Änaoäot. VI, 2 S. 13: „conLsäus railü lisiellum tsutoniouw. cls sisiMASu Lrneston, äouso velocirw soridulur miiii, guo xarsci'ijfto coirtinuo rsmittstur tiki"). Gleiches läßt sich von dem Epos König Rother vermuthen, denn es wird darin neben Hadamar von Liessen und Amalger und Wolfrat von Tengling ein Herzog Verchter von Meran als „Held von Meran" aufgeführt, zu dem offenbar der Vogt von Tegernsee, Berthold IV., Herzog von Meranien (gest. 1204), als Vorbild diente. Besonders aber war die Kudrunsage in der Umgebung von Tegernsee heimisch, und eS darf uns daher nicht Wunder nehmen, wenn.Herwig, der Freund des Ortwin, das Tegernseer Wappen (die Seeblätter) in seiner Fahne führt??) Beherzigen wir außerdem, daß Wolfram von Eschen» bach sich einen Bayer nennt (Parcival III, 153), daß Walther von der Vogelwude im bayrischen Norital (um Sterzing) angesessen war, daß der Kürenberger bei Linz, Heinrich von Ofterdingen bei Wels, der Tannhäuser in der Nähe von Traunstein seinen Wohnsitz hatte (s. M. Fürst „Zur Heimathsfrage Tannhäusers" im Sammler Nr. 58 und 59 des Jahrg. 1891), so gelangen wir zu auf eine ältere Form der Sage schließen läßt, vergl. die vlla blatbilüis des Donizo V. 250— 272 (aus d. I. 1114). 2') Auch der um dieselbe Zeit gedichtete Tuudalus rührr von einem Ncgensburgcr Geistlichen (Namens Albero) her. Im 13. Jabrhundert verfaßte der Minorit Lamprecht in Negensburg die „Tochter von Sion" und ein gereimtes Leben des hl. Franziskus. ^) Schon im Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht, einer Umdichlung der Alexandreis des Franzosen Aibcrich von Besan;oii, die ebenfalls im 12. Jahrhundert in Bayern entstanden ist (s. die Ausgabe von K. Kinzel, Halle a: S. 1884, Vorrede S. 63) und im Ausdruck an das deutsche Nolandslied und die Kaiserchronik anklingt, ist der Kudrunsage deutlich gedacht, s. Vers 1321 f. in der Voran» Handschrift. 166 dem überraschenden Ergebniß, daß die Bayern im 12. und 13. Jahrhundert auf dem Gebiete der Literatur der tonangebende Stamm in Deutschland waren. In der That gehört die Mehrzahl der Epiker und Minnesänger der mittelhochdeutschen Literaturpertode durch Geburt dem Bayernvolke an, zu dem ja auch die Oeiterreicher ihrer Abstammung nach zählen, und nicht der schwäbische, sondern der bayrische Dialekt war es, der im Zeitalter der Hohenstaufen die Sprache des Hofes und der höfischen Dichtung wurde. Erst in unserem Jahrhundert hat man es gewagt, die Fähigkeiten des Bayernstawmes in Abrede zu stellen, und mit einer gewissen Absicht die Meinung zu verbreiten gesucht, als ob derselbe mit den übrigen deutschen Stämmen nicht gleichen Schritt zu halten vermöchte.^) Ja es kam so weit, daß die gebornen Bayern mit den Brosamen, die von ihrem eignen Tische fielen, vorlieb nehmen mußten! Ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte des deutschen Volkes lehrt aber, daß die meisten Erfindungen im Süden und nicht im Norden Deutschlands gemacht wurden^) und daß der Bayernstamm allen übrigen deutschen Stämmen auf dem Gebiete der Künste und deS Kunstgewerbes zu allen Zeiten überlegen war, dank der reicheren Phantasie und der größeren Tiefe des Gemüths, die er besitzt und die eben nur die Folge eines reineren Blutes sind. Denn es ist doch noch ein Unterschied zwischen einem Volke, das wie das der Bayern seit der Völkerwanderung in dem nach ihm benannten Lande wohnt und seine Individualität trotz Beimischung fremder Elemente im großen Ganzen bis heute bewahrt hat, und einer Mischrace von Kolonisten aus aller Herren Ländern, die erst seit dem 12. und 13. Jahrhundert in erobertes wendisches und preußisches Gebiet eingedrungen sind. Hoffen wir, daß es dem gesunden Sinne unseres Bayernvolkes gelingen werde, jenem Nihilismus, Skepticismus und Pessimismus, der sich in neuerer Zeit auf dem Gebiete der Wissenschaft wie der Dichtung gerade von Berlin aus in widerlicher Weise breit macht, einen kräftigen Damm entgegenzusetzen! Münchner anthropologische Gesellschaft. Freitag den 8. Mal 1896. Der Vorsitzende Pros. I. Nanke refcrirt über die in der AuSschußsitzmig crsolgte Recknungsablage und beantragt für den Schatzmeister Herrn Oberlebrer Weis- man» Decharge. Zugleich dankt er im Namen der Gesellschaft Herrn Wciömann sür seine 25jährige wirksame Thätigkeit im Interesse der Gesellschaft und fordert die Anwesenden auf, durch Schon im 8. Jahrhundert hat unser engeres Vaterland Geschichtschreiber, wie Arbeo und die Nonne von Heidcnheim, auszuweisen. Ebenso gingen die Bayern im 15. und 16. Jahr- hunocrt auf diesem Gebiete allen voran; vgl. das Lob, welches Lcibniz dem Bayern Aventin spendet. Bekanntlich haben die Berliner das Pulver nicht erfunden. sondern ein Schwabe war es, der zuerst das Recept zur Bereitung desselben in Deutschland bekannt machte (der Dominikaner Albertus Magnus, ein geborner Graf von Bollstädt bei Lauingen, in seiner Schrift äs wiradilidus wunäi, die von Einigen auch dem Engländer Noger Baco zugeschrieben wird), und ein andrer Schwabe (der Franziskaner Berthold Schwarz auö Frciburg i. Br.) hat das erste Geschütz in Deutschland gefertigt. Ueber die Erfindungen der Bayern vgl. Seb. Güntbner: Geschichte der litcrar. Anstalten in Bayern, München 1810, 2 Bde.; ein dritter Band, München 1815, führt den Titel: Was hat Bayern sür Wissenschaften und Künste gethan; Cl. AI. Baader: Das gelehrte Bayern, 1. Bd., Nürnberg und Sulzbach 1604,- Lexikon verstorbener bayrischer Schriftsteller des 18. und 19. Jahrb., 2 Bde., Augsburg und Leipzig 1824—25; Plcickbard Stumpft' Denkwürdige Bayern, München 1865. Erheben von den Sitzen Herrn Oberlehrer Weismann zu ehren. (ES geschieht.) Zur Neuwahl des Vorstandes werden die bisherigen Mitglieder vorgeschlagen, die auch gewählt werden. Der Vorsitzende dankt den Rednern des vorigen Jahres und begrüßt als Gast den Lanvtagsabgcordneten Frickbinger von Nördlingcn. Hierauf sprach Proi. Dr. S. Günther über den gegenwärtigen Stand unseres Wissens über die Eskimo-Nasse. Die Eskimos bewohnen ein Gebiet von 700 geogr. Meilen (etwa Lissabon bis Ural) mit großer Einförmigkeit der Fauna und Flora. Auch die Menschen sind sich ziemlich gleich hinsichtlich der somalischen Eigenschaften, der Sprache und der LebenSgewohn- beilen. Wenn auch Gleichförmigkeit auf einem der erwähnten Gebiete für sich allein nicht beweisend ist, so dürfte doch auch aus die Gleichförmigkeit in allen drei Gebieten ein Gewicht zu legen sein. Hinsichtlich der Abstammung der Eskimos cxistircn drei Hypothesen. Die eine läßt die Eskimos von den alten PalävlNbikern, also Von Europäern abstammen; die zweite leitet sie von den amerikanischen Indianern her; die dritte endlich läßt sie von Asien herüberwandern. Die erste Hypothese stützt sich Darauf, daß die Eskimos noch dieselben LebcnSgewohn- hciten hätten, wie die Paläolitbiker. Es ist aber Thatsache, daß unter ähnlichen Verhältnissen Menschen bei größter Entfernung ihr Leben sich in ähnlicher Weise einrichten. Außerdem cxistirte die Landverbindung zwischen Amerika und Europa nur in einer sehr frühen Erdperiode. Bis jetzt reicht aber der Mensch auf Grund der wisseniebaftlichcn Untersuchungen nicht übers Diluvium hinaus. Die Ansicht ist also unbewiesen und unbeweisbar und muß durch eine Fülle neuer Hypotbcscn gestützt werden. Gegen die zweite Hypothese ist zu sagen: Die Gründe, welche ihre Anhänger daiür anführen, sind nickt zwingend, außerdem spricht dagegen, daß die Indianer den Schlitten nickt kennen und den Hund ats Ziigthier. Daß die Eskimos das Rennthier nicht haben, liegt an dem Mangel der geringen Existenzmittcl dieser Tbiere. Der geringe Graswuchs, oe» sie in Asien noch zur Verfügung haben, genügt. Die größte Wahrscheinlichkeit besitzt die dritte Hypothese von der asiatischen Herkunft der ESkimoS. Dafür sprechen die somatischcn Eigenschaften: das Schlitzauge mit der Mongolem'alte, die zumeist gelbliche Hautfarbe, die vorspringenden Backenknochen, der ganze mongoloide Sckädclbau. Auch in der Spräche läßt sich eine gewisse Nebn- lickkeit mit den Ostasiaten nachweisen. Wir hätten dann hier eine große arktische Völkerwanderung zu denen in den Tropen und im gemäßigten Klima. Die Ursache der Völkcrverichiebung ist zu suchen in dem raschen Verbrauche der spärlich vorhandenen Lcbensmittcl. Die westlichsten Ek-kimoS, welche am längsten in ein und demselben Gebiete geblieben sind, baden Vieles von jenen angenommen, mit denen sie in Verkehr traten, während die östlichen die ESkimo-Eigenschaslen reiner sich bewahrten. Die Rickknng der Wanderung läßt sich leicht verfolgen an den Ucberblcibieln der Eskimo-Niederlassungen: zerbrochene Gerüche. Knochcnnberreste und die in eigembüinlichen Ringen gelagerten Steine, welche einst znm Beschweren des Scmmerzeltes dienten. Der Weg ging am nördlichen Saum des amerikanischen Comments entlang, von wo auf die benachbarten Inselgruppen Abstecher unternommen wurden. Erwa am 79. bis 80? ieyten sie nach Grönland über und zogen bicr an der Westküste herunter, um allmählig auch die Ostküste zu bevölkern. An der Westküste kämpften sie im 12. Jahrhundert siegreich gegen die dort seßhaften Normannen, welche bereits gegen das 14. Jahrhundert theilweise durch Krankheit und durch den Mangel an frischem Nachschübe, theelweise aber wohl auch durch die Eskimos vernichtet wurden. Ein Tbeil ist vielleicht in den Eskmios aufgegangen. An der Discuision betheiligten sich Pros. Dr. Kühn und der Vortragende. Hierauf reserirte Dr. C. Nöse über seine Untersuchungen an Rekruten über den Einfluß der Gesichtssinn auf die Zahnververbniß. Bei den Rekruten deS oberdayeriichen und niedre bayerischen Bezirkes zeigte sich, daß die Langgesickter schlechtere Zabne hatten, als die Brcitgcsichter. Der Grund dürste darin gesucht werden, daß bei ersteren die Zähne enger aneinander gereiht sind, so daß die Reinigung erschwert ist. und daß die KaunmSkulatur schwächer entwickelt ist. Von Einfluß ist auch der Genuß von schwarzem Broo. In Gegenden, wo hauptsächlich Schwarzbrod gegessen wird, wie im bayerischen Wald, finden sich die besten Zähne. Redner meint, das käme daher, weil die Uebcrreste des schweren schwarzen Brodes viel lästiger sind und deßhalb viel eher aus den Zwischcnräumen zwischen drn Zähnen entfernt werden. Pros. Lindemann weist auf ähnliche Verhältnisse in Ostpreußen hin. Pros. Dr. Kuh» macht Mittheilungen über die Fakire. Die in der Literatur vorkommende» Berichte über das Lebcndigbcgraben der Fakire beziehen sich wahrscheinlich auf eine einzige Person, welche in den Jahren 1828—183? daraus ein Geschäft machte. 167 Bei diesem Experiment handelt eS sich um einen kataleptischen oder vielleicht auch nur narkotischen (mit Haschisch hervorgerufenen) Schlaf, während dessen die Lebensfunktionen stark herabgesetzt sind. Luft kann bei allen derartigen Experimenten zutreten, wenn auch in geringem Matze. Es ist mehr oder weniger eine Hungerkur. Die Vorbereitungen, die in den Berichten erwähnt werden, sind auf eine Täuschung des Publikums berechnet. Pros. vr, Nüdinger erinnert gerave hinsichtlich der Täuschung an den Fakir, der sich vor einiger Zeit in München produzirte. Da er in Zunge und Backen präformirte Kanäle hatte, konnte er leicht ohne Blutung eine Nadel bindurch- stecken u. s. w. Ueber künstliche Herabsetzung der Pulstbätig- keit berichten russische Aerzte bei Rekruten, welche vom Militärdienst frei werden wollten. Der Vorsitzende erinnert daran, dah man durch Athembcwegungen bei verschlossenem Mund und Nase eine ähnliche Wirkung erzielt. Damit schloß die Sitzung. Recensionen und Notizen. Die centrale Leitung der Freimaurerei und ihr derzeitiges Oberhaupt. Auszug aus dem französischen Werke: „Erinnerungen eines Drciunddreißigsten. Adriano Lemmi, oberstes Haupt der Freimaurerei. Von Domenico Margiotta." Verlag von Ferd. Schöningh in Paderborn. Preis 1 M. ?. Seit dein Erscheinen des Werkes von Eckert am Anfang der fünfziger Jahre sind in immer rascherem Laufe eine Reihe hervorragender Arbeiten über die Freimaurerei, wie die von DcScbamp und Claudia Janet, von Pachtler 8. ll., Leo Taxil, De la Rine, dem Bischöfe Mcurin und anderen, geschrieben worden. Aber keines dieser Werke hat solch wichtige Enthüllungen über diesen merkwürdigen Bund, dem sovicle politische Morde, selbst Fürstenmorde, zur Last gelegt werden, über seine Organisation und seine Endziele gebracht, wie die Schrift Mar- giotta'S. Man ersieht aus diesem Bücke, wie die Freimaurerei, die das Volk glauben macht, daß sie keine politischen, sondern nur Zwecke der Wohlthätigkeit und des Friedens verfolge, systematisch vorgeht, die christliche Weltorduung zu zerstören, den christlichen Glauben auszurotten und an dessen Stelle den Satauscult zu setzen. Das Buch zeigt ferner, wie das neue, so unglückliche Italien entstanden, wie sein armes Volk mittels eines falschen Patriotismus betrogen wurde, wie die nationale Einheit für die treibenden Kräite nur Vorwand und Mittel war zur Bekämpfung des Stellvertreters Christi und wie die ganze Revolution nur ein Werk der Freimaurerei war. Die Schrift ist um so interessanter, als gerade heutzutage in den meisten Culturstaaten und namentlich bei uns die Trennung von Kirche und Staat, Staatsmvuopol des Unterrichts, konfessionsloser Staat und konfessionslose Schule, Verwestlichung der Ebc, Civilehe, Civilbegräbmß, Feuerbestattung und all die schrankenlosen, den Wohlstand deS Volkes untergrabenden Freiheiten, die stets von der Loge gepflegt und als Postulate aufgestellt wurden, mehr und mehr an Boden gewinnen, als gerade heutzutage der Freimaurerorden die Zeit für gekommen erachtet hak, an die Ocfsentlichkcit zu treten, wie er sich ja ostentativ als den Beherrscher Frankreichs im Besitze der Präsidentschaft, des Ministeriums und der Majorität des Parlaments dem In- und AuSlaude vorgestellt hat, als gerade heutzutage die Freimaurerei bereit ist, in den offenen Kamps mit der christlichen Weltordnung einzutreten. Der billige Preis dieser nicht genug zu empfehlenden Schrift ermöglicht es, daß sie in die weitesten Kreise dringe. Arnold, Hugo. Unter General von der Tann. Fcld- zugserinnerungen 1870/71. Zweites Bändchen: Der Feldzug an der Loire. Vor Paris. Heimmarsch und Einzug in München. München, C. H. Beck. 1896. (268 S.) L. Vor Weihnachten 1895 habe ich in diesen Blättern auf das erste Bändchen der vorgenannten Arbeit eines verdienten Militärschriststellers aufmerksam gemacht. Jetzt liegt auch das Scklutzbändchen dieser Arbeit vor, das ich den Lesern dieser Blätter ebenso empfehlen kann, wie daö erste. Die Vorzüge deö ersten Bündchens sind auch dem zweiten in hohem Matze eigen: Klarheit der Darstellung, NechtSsinn, der auch dem Feinde Anerkennung widerfahren läßt und die Fehler im eigenen Lager nicht vertuscht, Liebe zu den Kameraden und zum Vaterlande und gesunder Humor. Die Darstellung der im zweiten Bündchen besprochenen Ereignisse während des furchtbaren Winterfeldzugs an der Loire war keine leichte Aufgabe, denn diese scheinbar wirren Märsche dem Leser in ihrem Zusammenhange klar zu machen, erfordert besonderes Talent. Gerade diese Aufgabe aber hat Arnold vortrefflich gelöst; wer seiner Darstellung dieses Winterfeldzugs an der Hand einer Karte des Landes zwischen Paris und der Loire folgt, wird die Operationen der deutschen Heere in der Beauce und am Perche verstehen und mit Bewunderung und Stolz die Großthaten des ersten bayerischen Armeekorps in diesen Landen vernehmen. Zu bedauern ist es, daß Arnold seine Erlebnisse vor Pariö zur Zeit der Commune nickt eingehender erzählt; er handelte also, um seine Arbeit nicht zu sehr anschwellen zu lassen. Ich glaube aber nickt, daß seine Leser unzufrieden wären, wenn er diesen Erlebnissen einige Bogen mehr gewidmet hätte; er schreibt ja so anziehend, daß man am Schlüsse seines Werkes geradezu bedauert, schon am Ende zu sein. Interessant ist Arnolds Beurtheilung des Bischofs Dupanloup, den er mit Döllingcr vergleicht; ob dieselbe aber allgemeinen Anklang finden wird, möchte ick anzweifeln. Auch seine Bemerkung über den Fanatismus der Priestex in OrleanS wird kaum unbeanstandet bleiben; warum sollten nickt auch diese Patrioten gewesen sein? Möge Arnold's Büchlein nach Verdienst weite Verbreitung und Anerkennung finden! Eugen Ankelcn, Markus Heller. Eine Malergeschichte. München. Verlag von Seitz und Schauer. 126 Seiten. Preis M. 1,50. Dr. Eine Malergcschickte — von einem feinsinnigen Malet geschrieben, der über allem Realismus des Lebens die leuchtenden Ideale des Herzens hocbbält. Die Novelle, ein Stück gewaltigen Seelen- und LiebcSlcbens eines ringenden Künstlers in intimen Strichen zeicknenv, ist hock erhaben über der beliebten Dutzendwaare des Alltags — sie ist Herzblut eines echten Menschen unserer Zeit. Ankclen, der prächtige Feuilletonist und hochgebildete Künstler, bat eine überaus edle Sprache. Ihm ist ferner die große Kunst eigen, lebenswahre, typische und dabei doch außergewöhnliche Charaktere darzustellen: die beiden Mädchengcstalien, Mathilde und Hedwig, sind Schöpfungen von majestätischer, raffinirter Wahrheit. Ich will nicht mehr verrathen. Ich habe seit Jahren kein solches Buch mehr gelesen. Bei aller Ungeschminkthcit ist es decent, echt künstlerisch. Markus Heller ist ein gutes Buch. Ludwig K., Die Schulregcln der.hebräischen Grammatik nach den Ergebnissen der neueren Sprachwissenschaft zum Mcmoriren und Nepetiren. 8°, SS. VI -s- 78. Gießen, I. Nicker. 1895. M. 2,00 geb. Vosen - Kaulen, Kurze Anleitung zum Erlernen der hebräischen Sprache. 8°, SS. IV -s- 149. Freiburg i. Br., Herder, 1895. (XVII.) M. 1,30. L Trotz des Ucbcrflusses an hebräischen Grammatiken für den Unterricht an Mittelschulen und trotz des unübertrefflichen Lehrbuches von Strack erscheinen fortwährend neue Bücher dieser Art, als ob die Verfasser gar nicht wüßten, daß der moderne Durchschnitts-Gymnasiast im Allgemeinen jeder Geistesthätigkeit abhold ist und kaum das schleckst genug lernt, wozu er gezwungen ist, geschweige denn etwas, dessen Inangriffnahme Ernst und ideales Interesse voraussetzt. Da helfen auch die besten Lehrmittel nichts. — Die „Schulregcln" können auch neben Strack sehr gut Verwendung finden; die eigenthümliche Austastung, die klare Airordnung des Stoffes, das Altlehnen an die grundlegende, alte Traditionen über den Haufen werfende Grammatik von Stade machen das Büchlein auch noch für den interessant, der es nicht mehr nöthig hat, gerade grammatischeRegeln daraus zu lernen. Bedenken gegen die Einführung des Buches an Mittelschulen veranlassen uns nur einige Bemerkungen des Verfassers, worin er in gar zu großem Vertrauen auf die „Ergebnisse" der Bibelkritik die Berichte unseres Offcnbarungs-Codex anzweifelt. Solche Dinge hätte er besser für sich behalten: für unreife Schüler passen sie nicht. Sonst ist das Buch alles Lobes werth; es läßt bekannte Dinge unter neuen, wissenschaftlichen Gesichtspunkten hervortrercn und verräth auf jeder Seite den gründlichen Kenner und tüchtigen Lehrer. — Auch über Voscns „Anleitung" sind unS schon günstige Recensionen zu Gesicht gekommen. Nur die Gedankenlosigkeit und der verführerische, billige Preis konnte diese unbrauchbare und jetzt gänzlich wertblose „Anleitung" zur erstaunlichen Höhe von 17 Auflagen bringen. Es wäre besser, dieses Lehrbuch endlich einmal der verdienten Vergessenheit anheimfallen und von der Bildfläche verschwinden zu lassen, anstatt einem unserer besten Gelehrten, Dr. Kaulen, die undankbare Last aufzubürden, ein Opus stets neu herauszugeben, an dem jede Liebesmühe verschwendet ist und das in der Gestalt, wie eS ist, kaum je so verbessert werden kaun, daß es sich neben anderen Lehrbüchern wenigstens mit Anstand sehen lassen darf. Aus Einzelnes können wir nicht eingehen, wir müßten die meisten 168 Paragraphen verurteilen, da sie nicht im Stande sind, Zweifel zu lösen, sondern nur zu erzeugen. Soll aber der Lebrer Alles leisten, wozu dann ein Buch? Schließlich haben wir die bescheidene Ansicht: Blau begnüge sich stillschweigend mit Strack, solang unsere katholische Literatur nichts Ebenbürtiges an die Seite stellen kann! „Das mathematische Pensum des humanistischen Gymnasiums und der Realschule. Eine übersichtliche Zusammenstellung des Wichtigen zur Wiederholung und zugleich zur Vorbereitung auf daS Schlußexamcn sowie aus das Einjährig - Freiwilligen - Examen" ist Heuer zum erstenmal erschienen und ist enthüllen im Bayerischen Studie lila len der 1895/96 (Verlag von C. Gerber in München), der um 75 Ps. bei allen Buchhandlungen erhältlich ist. Es ist das ein praktischer Führer, namentlich für Absolventen, der sie durch die Fülle des Durchgenommencn leitet und zu ersolgreicher Nepetition sich eignet. Miscellen. 8. (Eine sehr denkwürdige Begebenheit aus dem Leben Pius' IX.), welche bisher nur wenigen bekannt sein dürite, finden wir in dem soeben erschienenen neuesten Hefte des „Natclisfian". der Zeitschrist von Natclisfe College. Dort bringt nämlich in seiner Biographie des sel. Nectors und Präsidenten L. Hirst sein Biograph I?. Emery folgenden Tagcbuchs- Eintrag k. Hirst's (vom 3. Febr.) aus der Zeit seines Aufenthaltes in Rom — einige Monate nach der Schlacht von Meutana. „Wie mir Msgr. Talbot, Graf Viliers und W. Wells erzählen, wurde am letzten Freitag ein Meuchelmord- versuch auf Papst Pius IX. gemacht. Ein Italiener, welchem der Papst Privataudienz gewährte, zog plötzlich einen Revolver aus der Brusttasche. Der bl. Vater sagte: .Schießen Sie nur auf mich, ich bin ganz bereit'. Daraufhin stürzte der Mann ohnmächtig vor den Füßen des Papstes zu Boden. Man fand bei ihm zwei sechsläufige Revolver und einen Dolch." — Nicht weniger dürfte der folgende, gleichfalls nicht allgemein bekannte historische Zwischenfall aus dem nämlichen römischen Tagebuch ?. Hirst's interessiren, welches Aufschluß gibt, warum Napoleon III-, welcher bald nach der Schlacht von Mentana seine Truppen von Rom zurückgezogen hatte, sie nicht lange darnach wieder zurückbeorderte: Der hl. Vater erzählte dieser Tage dem RcdemptorislenpaterX. Folgendes: „Nachdem die Caserne Serrestori in die Luft gesprengt war, sei General Kanzler zu ibm gekommen und habe erklärt, daß er sich keine 24 Stunden mehr haltet! könne. Darauf habe er — der Papst — sich gegen ein Madonnabild gewendet und geklagt: O Madonna, hast du mich denn in diesen Nöthen verlassen? Darauf habe er auf ein Blatt Papier ein Telegramm an den Nuntius Chigi in Paris geschrieben und dasselbe unterzeichnet PiusIX. P ap st. In dein Telegramm stand: der Nuntius solle das päpstliche Wappen herunternehmen, seinen Paß verlangen und unverzüglich zu ihm kommen. Der Nuntius theilte dies sofort dem Minister de Moussier mit. .Warten Sie ein Bißchen', sagte Moussier, .bis ich's dem Kaiser sage'. Der Kaiser berief einen Natb, bei dem die Kaiserin, de Moussier, Lavalctte, Nouher (?) uno ein Admiral N. zugegen waren. Der Nuusius gewährte dem Rathe eine Stunde Zeit, nach deren Ablauf aber mau zu keinem Resultate kam. Darauf erklärte de Moussier: .Wenn der Nuntius Paris verläßt, so verlieren Sie in 24 Stunden Ihre Krone'. Darauf der Kaiser ganz bestürzt: .Aber jetzt ist cS zu spät'. .Nein', sagte der Admiral, .meine Schiffe liegen bereit, und in 3 oder 4 Tagen kann ich eine Brigade in Civita Vccchia landen'. Darauf ergingen sogleich per Telegramm die nöthigen Ordres." „Sehen Sie", sagte der Papst, „wenn ich selbst etwas in die Hand nehme, wie eö dann gleich geht — ganz anders, als wenn ich die Sache den Händen der Diplomatie überlasse." Ein 8 Tage vorher gemachter Eintrag des Tagebuches lautet: „Msgr. Talbot erzählt uns, daß man unter dem Vatican ein Faß Pulver gefunden hat. Sechs weitere dort gelegte Pulverfässer — was man sicher weiß - hat man noch nicht gefunden. In der Stadt Rom selbst hat man eine Liste von 9000 Geächteten entdeckt sammt einer Guillotine." Die sehr zahlreichen Tagebücher des vorigen Herbst verstorbenen Nectors und Präsidenten ?. Hirst umfassen einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren. Bei seinen nahen Beziehungen zu den höchsten und berühmtesten Persönlichkeiten geistlichen und weltlichen Standes in ganz Europa sind dieselben eine reiche Fundgrube des Interessanten und Belehrenden. 8» (Feierst Hochamt in den Katakomben von St. Callixt in Rom.) Einem Briefe des L. PiuS M. Stcinherr (aus der Gesellschaft des göttlichen HeilanoeS) an seine Familie in Lindau entnehmen wir Folgendes: Am Samstag vor dem weißen Sonntag ward uns eine nicht gcrmge Freude zu theil. Au diesem Tage zog ich um 5 Uhr morgens mit zwei Patres, zwei Leviten, unserm Gesaugschore und mit etwa 40 unserer Oblaten, d. h. jener Mitglieder, welche »och niedere Studien betreiben, hinaus vor die hl. Stadt nach der via L.ppia antigua, der alten Appischcn Straße. Während die meisten Römer noch der Ruhe pflegten, ginge» wir schweigend, von herrlichem Wetter begünstigt und dem Gesänge der lieben Vögelein erfreut, die großcntheils noch geräuschlosen Wege entlang, jeder seiner Betrachtung sich hingebend, wozu die Erinnerung an die Vergangenheit und au die Cbristenhelden, welche einst dieselben Wege gewandelt, Stoff genug darbieten konnte. Um Uhr bei den Trappistenpatres angelangt, welchen die Obhut der Katakomben von St. CallixtuS anvertraut ist, wurden wir freundlichst empfangen, und in möglichster Stille ward alles zur bevorstehenden Feier Erforderliche zugerichtet. Verschiedene Kerzen werden angezündet, ein Zeichen gegeben, und alle. einer nach dem andern,^ steigen hinab in die Gruftgänge der ersten Christen, um gleich diesen ebendaselbst dem hl. Opfer beizuwohnen. Bald sind wir in der Kapelle der hl. Cäcilia, wo der freundliche Trappislenpater Paul schon das Nöthige in Bereitschaft gebracht hat. Unsere Leute vertheilen sich so gut als möglich in dem engen Raume, der theilweise durch eine Oeffnung von oben her (Imesruarinin) Licht und Luft erkält, theilweise durch Kerzenlicht erhellt werden muß. Der aus mehreren unserer stuck. pdil. und tlwol. gebildete Chor nimmt beim Eingang Ssilluug, während ich mit den Leviten die hl. Gewänder anlege. ES beginnt das feierliche Amt pro 8abdato in LIbis. Der Chor bringt eine 4stimmige Messe von Aug. Wiltbergcr zum Vertrag, daS Lrscko singt er olroralitsr. Beim Otkortorinm: Lsgina eoeli laetars (Freue Dich, 0 Himmelskönigin) von Lolli, dessen jubelndes Alleluja in den weithin verlaufenden Katakomben eigenthümlich verhallt und nebst den andern ergreifenden Eriuuerungen dieser merkwürdigen Orte daS Christenherz am'S Tiesste bewegt, bei der hl. Wandlung beseelt uuö der Wunsch, jene Gluth von GottcSlicbe möchte uns durchziehen, welche unsere Vorfahren zu so heldenmüthigen Thaten befähigte. Bei der hl. Commuuion singt der Diacon feierlich das tlonütsor, und etwa 30 unserer Studenten empfangen den Leib des Hcrrn. Das Hochamt naht seinem Ende, und so hören wir in diesem Jahre nach dem Its lftissa ost das letzte doppelte Ostcr-Alleluja an einem jener Orte singen, wo unter ganz andern Umständen und Verhältnissen unsere Vorfahren zur Zeit der Verfolgung dem hl. Opfer beiwohnten. — Nach Beendigung des Amtcs lasen l?. AihanasiuS Funke aus Essen a. Ruhr und k. Epiphanias Dcibele, ein Württemberger, in Katakomben-Kapellen stille hl. Messe. Nach Einuahme eines einfachen Frühstücks auf einer Wiese über den Katakomben traten wir unter Anführung und Belehrung seitens des hockn). L. Paul einen Nuudgang durch dieselben an, beginnend bei der Gruft des Papst-Martyrers Cornelius, und kamen nach verschiedenen Kreuz- und Qucrgäugen wieder zur Cäcilieu-Kapclle. Während dessen sangen mir wechselweise die Allerbcil-gcu-Litauei, lateinisch und einige Psalmen, bei einigen Haltssillen trug der Chor seine Weisen vor, und zwar daö bereits einmal gesungene Log-ina, Oooli von Lotti, ein 4stimmiges I-anckato vominum, Gott grüße Dich, von Mücke und die Papsthymue von Billigmann, welche auf Verlangen noch zwenual wiederholt werden mußte, bei welcher Gelegenheit Hochrufe in deutscher Sprache auf den bl. Vater ausgebracht wurden. Auch daS deutsche „Großer Gott, wir loben Dich" kam an die Reihe. Zum letztenmal unsern Blick auf diese ehrwürdigen Stätten werfend, verließen wir dieselben, nicht ohne die Aufmunterung mitzunehmen, gleich den alten Streitern Christi alle Leiden, Sorgen und Kümmernisse dieses Lebens auö Liebe zum Hcrrn in Geduld und Ergebung zu tragen bis zum Abend unseres Lebens, nach welchem wir einzugehen hoffen in den Frieden, welcher den Dahingeschiedenen manchmal auf den alten Grabsteinen gewünscht wird: Vivas in Laos, oder vivas in 8piritu 8anotc>, lebe in Frieden, lebe im hl. Geiste. Auf die Oberfläche der Erde zurückgekehrt, sang der Chor noch: „Felsenkreuz" von Kreutzer und „Still ruht die Erde" (Sabbathfcier) von Abt. Nach herzlichem Dank verabschiedeten wir uns von den guten Trappistenvätcrn und machten uns auf, den Rückmarsch anzutreten, unter dem- , selben die in den verflossenen Stunden gewonnenen Eindrücke j gegenseitig austauschend. Leranttv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.