12. Ilttli 1896. 8n- S4. » Allerlei Nandgloffcn. (H. v. Treitschke.) O Jeder Mensch trägt in sich einen Kreis von feststehenden Meinungen, Anschauungen und Vorstellungen, welche ihm theils von seiner Familie und seinem Volke als Mitgift gegeben sind, in HauS und Markt ihm sich aufgedrängt haben, theils aus der allgemeinen Anschauung des öffentlichen Lebens ihm zuflössen. Die Vorurtheile, welche jeden Menschen umgeben, und welche, seiner eigenen Forschung zuvorkommend, feinen Fragen und Antworten stets eine bestimmte Richtung geben, sind nirgends mächtiger, als auf dem Gebiete der historischen Forschung. Die Naturwissenschaft z. B. entflieht ihnen leichter, in dem Maße, als sie in das Detail ihrer Untersuchungen vordringt; die Philosophie dann entzieht sich ihrer Gewalt, je mehr sie sich den Principien zuwendet. Die Geschichtschreibung dagegen, welche der Menschen Leben und Thaten, der Völker Kommen und Gehen behandelt, steht unmittelbar unter der Gewalt der Anschauungen, wit welchen der Forscher an seinen Gegenstand herantritt. Dieser fixirte eigene Geist ist es, wie auch Göthe einmal bemerkt, in welche« die Zeiten sich bespiegeln, und bewußt oder unbewußt gibt jeder Forscher seiner Arbeit das Kolorit seines Geistes, mögen die Facta sich auch schon so und so lange ereignet haben. Diese und ähnliche Gedanken werden mehr oder weniger jedem gekommen sein, der durch den letzthin erfolgten Tod des Historikers Heinrich von Treitschke wieder in specieller Weise auf die Geschichte gelenkt wurde. Die Nachrufe, welche dieser Gelehrte in nord- und süddeutschen Blättern erfahren hat, die Würdigungen, die man seinen Schriften angedeihen ließ, bestätigten wieder einmal den Satz, der uns an bedeutsamer Stelle neulich entgegentrat: „Die gesammte Literatur zerfällt in Parteikreise, die keinen gemeinsamen Mittelpunkt mehr haben." Noch mehr, für die Geschichte ist eS soweit gekommen, daß nicht bloß die historischen Personen, Zustünde und Ereignisse die verschiedenartigste Beleuchtung erfahren, sondern auch die Forscher selbst nichts weniger als einstimmig beurtheilt werden. In Punkten accidenteller Natur ist dies ja bisweilen der Fall; so wird an Treitschke allseitig die reiche, ungewöhnlich begabte Natur, die schwungvolle, glänzende Sprache anerkannt und gerühmt. In der Hauptsache aber, in der Darstellung der Dinge, „wie sie eigentlich waren", wird ihm allerlei Bedenkliches vorgeworfen. Treitschke gilt als ein Schüler Ranke'S; dieser Mann wird oft „der größte Historiker der deutschen Nation", ein „unerreichter Meister der Objektivität" genannt. Und alles dies, obwohl er den Fundamentalsatz aufstellte und befolgte: „Die geschichtliche Auffassung hängt, wofern sie nicht bloß stofflicher Art ist, allzeit von den Umständen ab, unter denen der Autor lebt und schreibt", obwohl — nach des Meisters eigenem Ge- ständniß — das philosophische und das religiöse Interesse eS war, das ihn zur Geschichte geführt. ES ist ja eine gewiß schöne und dankbare Sache, nach Hegel'schem Muster allüberall den erhabenen „Weltideen" nachzuforschen, philosophisch-diplomatischen Betrachtungen nachzuhängen; ob aber damit Janssen's Wort Genüge geleistet wird — daß nämlich die Geschichte die thatsächlichste aller Wissenschaften ist — das ist eben eine andere Frage. In vielen Stücken waren Nankc's Schüler ihrem Herrn und Meister noch „über". Als der im August vorigen Jahres verstorbene Sybel 1838 sich die Doktorwürde erwarb, vertheidigte er die These: „Der Geschichtschreiber soll mit Leidenschaft und persönlichem Antheil schreiben. Nicht von Einrichtungen, sondern von den Persönlichkeiten hängen die Geschicke der Völker ab." Und Treitschke sagt: „Der Mensch versteht nur das, was er liebt l" Nun, Alldeutschland verstand Treitschke nicht, und darum konnte er es nicht lieben. Wenn gewisse Blätter von ihm sagen, daß er „ein echter Sohn des deutschen Volkes", „der tapferste, erfolgreichste und treueste literarische und parlamentarische Vorkämpfer und Vertheidiger des deutschen Reiches" gewesen, so ist dies eben nicht mehr und nicht weniger als ein Kompliment, an denen ja Nekrologe besonders reich zu sein pflegen. Für Treitschke existirte kein Sachsen (sein Heimaihland I), kein Bayern, kein Württemberg, kein Oesterreich. Letzteres betrachtete er nicht als eine deutsche, sondern geradezu als eine fremde Macht; Treitschke kannte nur einen Staat, nur eine Macht, „die zugleich deutsch ist", Preußen. „Seine Offiziere drillen die Truppen der Kleinstaaten, seine Gießereien versorgen dieselben mit Geschützen." Preußens Ruhm und Verherrlichung lieh er seine leidenschaftliche und schneidige Feder, gehörte sein beredter Mund, und die Begeisterung, ja der Fanatismus für diesen Staat war so groß, daß ihn grelle Widersprüche nicht störten, daß er blendende Phrasen und Sophismen nicht verschmähte. Man braucht doch wahrlich nicht gerade ein Süddeutscher zu sein, um in der Geschichte jenes vergötterten Landes so oft einerseits brutales und ge- waltthätiges, anderseits nüchternes und zopfiges Wesen zu entdecken. Zum preußischen Hofhistoriographen war H. v. Treitschke wie geschaffen, und nach Ranke'S Tod konnte man in Berlin nicht in Verlegenheit sein. Er blieb als Geschichtsforscher Politiker, und politisch betrieb er auch das Studium der Geschichte und ihrer Quellen. Daß der unglückselige Kulturkampf an ihm einen warmen Fürsprecher fand, ist leicht erklärlich. Sonderbar hiebet, daß er dankbar „die einfache Großheit des Mittclalters" preist, das doch von einer göttlichen Mission der Hohcn- zollern noch nichts wußte. Zum Schlüsse möchten wir noch einen, allerdings bochbedeutsamen Gedanken Treitschke's der öffentlichen Beachtung empfehlen; er ist zu werthvoll, um verschwiegen zu werden. „Alles Neue, was das 19. Jahrhundert geschaffen, ist ein Werk des Liberalismus," schreibt er einmal. In welchem Sinne er dies verstand, läßt sich leicht denken. Wir legen das kostbare Geständniß nach unserm Dafürhalten aus, wenn wir auch nicht immer „lieben", was wir „verstehen"! Einen „Klassiker" zum Vorbild. ll. 8. Von dem Exjesuiten P. v. Hoensbroech zu schreiben, dürfte bald aus der Mode fein. Der Mann dauert uns in der That, und auch protestantischersetts nimmt man ihn nicht mehr ernst. Seine letzte schriftstellerische That verdient indessen eine gewisse Beachtung, 186 jedoch weniger wegen ihres inneren Werthes, als vielmehr wegen der Aufnahme und Beurtheilung, die sie gefunden. So lange der pietätvolle Edelmann seiner ehemaligen Mutter ins Gesicht schlug, Lehren und Gebräuche der katholischen Kirche bekämpfte, war es einer Menge von Leuten ein Genuß, von den orthodoxen Lutheranern bis herab zu den freisinnigsten Liberalen. Erstere vergaßen in ihrer Verblendung und Kurzsichtigkeit ganz, daß der „gelehrte" Herr Graf sein Geschütz auch einmal gegen sie richten könne und würde; es ging ja gegen „Rom", das war für sie genug. Was Weitersehende ahnen konnten, ist nun wirklich eingetroffen: In seiner neuesten, 24 Seiten umfassenden Schrift über die Civile he wendet sich der vielseitige Hoeusbroech nun auch gegen die gläubigen Lutheraner; noch mehr, er gibt vor, deren Ansichten und Meinungen über die Ehe zu vertreten und auszusprechen. Verschiedene protestantische Zeitungen von der Couleur des „Neichsboten" haben sich daraufhin nun genöthigt gesehen, dem frischgebackenen Glaubensgenossen einen Verweis zu ertheilen; sie bedeuteten ihm, daß er noch lange nicht die Qualität habe, als Repräsentant von Wittenberg zu gelten. In dieser bei allem Ernste einer gewissen Komik nicht entbehrenden Geschichte fiel uns nun ein Mann ein, der bet öen Protestanten ein Ansehen genießt, wie vielleicht kein zweiter, von dem an bedeutsamer Stelle geschrieben steht, daß er „den deutschen Protestantismus bis zu Ende durchgeführt", ein Mann, der uns Katholiken beständig vor die Augen gerückt wird. Es ist Gott- hold Ephraim Lessing. Wer uns nun fort und fort als Muster edler Liberalität und humaner Toleranz empfohlen wird, der muß sich selbstverständlich auch gefallen lassen, daß wir denselben auch einmal ordentlich ansehen. Man entdeckt dann in den meisten Fällen mehr, als was man unserer hoffnungsvollen Schuljugend vom Katheder herab zu sagen beliebt. So haben wir auch am „großen" Lessing eine Seite gefunden, welche haarscharf auf das Gebahren des Grafen Hoensbroech paßt. Und wir möchten uns hiermit gestatten, dieselbe recht warm unsern protestantischen Mitbürgern, ob noch positiv oder nicht, zu empfehlen; vielleicht lassen sie dann etwas davon ab, immer und immer wieder uns all „die herrlichen Früchte am Baume der Reformation" als Muster in /religiösen und sittlichen Fragen hinzustellen. ^ Also nur das Kapitel ü la, Hoensbroech! Als Bibliothekar von Wolfenbüttel — voia bans Bücherreste vom alten Corveyl — gab Lessing „Beiträge zur Geschichte und Literatur" heraus, worin verschiedene theologische Fragen behandelt wurden. Die bekannteste ist die über „Berengar von Tours", den be- —rühmten Abendmahlshäretiker des 11. Jahrhunderts. Daß sich Lessing von vornherein auf die Seite des Ketzers stellt, ist von einem solch kritischen Kopfe ebenso wahr als verwunderlich. Er weist zudem auf gewichtige Zeugnisse hin, daß sich Berengar am Ende seines Lebens unterworfen und bekehrt hat; allein „zu seiner Beruhigung" zweifelt er daran. Was er weiter im Anschlüsse hieran schreibt, ist eine gründliche Abrechnung mit der katholischen Kirche. — Die protestantischen Theologen schwammen in Seligkeit darüber. Genug von diesem Genre! E Was that nun aber Lessing in seinen „Rett- ü.. ungen"? Es sind dies bekanntlich fünf kleine Aufsätze Mr SKrtftstM r aus der Zeit der Kirchenspaltung. Wir erinnern nur an Lcmnius und Cochläus; zu welchen Ansichten kommt hier Lessing über Luther und seine Mitarbeiter? Bezeichnet er hier nicht das Neformations- werk als ein aus menschlichen Leidenschaften, irdischen Absichten entstammende, revolutionäre Bewegung? Der göttliche Nimbus verliert sich hier in einem Bilde des unwürdigsten menschlichen Treibens; das Lutherthum hat in seinen Augen alle Würde, Auktorität und verpflichtende Kraft verloren. — Wo war hier die Zustimmung derer von Wittenberg und Schmalkalden?! Noch mehr! In seiner „Komödie" mit den Theologien, namentlich in dem bekannten Streite mit dem Pastor Götze von Hamburg, kommt Lessing auf die Achillesferse des protestantischen Systems zu sprechen, ein Kapitel, das wir allen Interessenten zur Beachtung empfehlen. Lessing schreibt: „Der Buchstabe — es dreht sich um den reinen Bibelglauben, den doch Götze vertheidigen mußte — ist nicht der Geist, und die Bibel ist nicht die Religion. Folglich sind die Einwürfe gegen den Buchstaben und gegen die Bibel nicht eben auch Einwürfe gegen den Geist und gegen die Religion. Auch war die Religion, ehe die Bibel war. Das Christenthum war, ehe Evangelisten und Apostel geschrieben hatten. Es verlief eine geraume Zeit, ehe der erste von ihnen schrieb, und eine sehr beträchtliche, ehe der ganze Kanon zu Stande kam. Es mag also von diesen Schriften noch so viel abhängen, so kann doch unmöglich die ganze Wahrheit der christlichen Religion auf ihnen beruhen u. s. w." Welch klarer Beweis für die Nothwendigkeit einer zweiten Glaubensquelle, der mündlichen Ueberlieferung und eines kirchlichen Lehramtes. Wo war hier der Beifall der Theologen des „reinen Wortes"? Was wußten sie ihrem Helden zu erwidern? Nichts, gar nichts Stichhaltiges! Warum haben wir diesen kleinen ltterarischen Streifzug unternommen? Unsere Gegner haben uns selbst darauf hingewiesen. Mögen sie für die Folge uns verschonen mit der bedingungslosen Verehrung von Männern, die auch ihrer Sache etwas gefährlich werden können. Altkatholisches. m. Theodor Weber, katholischer Bischof der Ältkatholiken des Deutschen Reiches, wie die Ueberschrift lautet, veröffentlichte nunmehr sein erstes Hirtenschreiben (Altkath. Volksbl. v. 5. Juni 1896), in welchem er berichtet, daß „Se. Majestät der Deutsche Kaiser und König von Preußen, Ihre Königlichen Hoheiten dir beiden Großherzoge von Baden und Hessen allergnädigst geruht haben", ihn auf Grund der Wahl vom 4. März und seiner am 5. August 1895 erfolgten Consecration durch den christkatholischen Bischof der Schweiz Dr. Eduard Herzog für die in ihren Ländern vorhandenen Altkatholiken als katholischen Bischof auch staatsrechtlich anzuerkennen. „Demzufolge, heißt es weiter, habe ich denn für diese, aber nicht bloß für sie, sondern für alle Altkatholiken des Deutschen Reiches das neue Amt angetreten." Wenn aber Weber Bischof für die Altkatholiken ist, warum nennt er sich denn „katholischen Bischof"? Kirchenrechtlich und logisch muß er die Titulatur „altkatholischer Bischof" wühlen. Denn ein „katholischer Bischof", welcher Roms Auktorität nicht anerkennt, dem Papste den Gehorsam und den Eid der Treue verweigert, ist kanomstisch ein Unding. 187 In erhabener Sprache, mit griechischen Citaten, ohne beleidigende Spitze gegen das Papstthum, erläutert Weber die Nothwendigkeit und den Inhalt des christlichen Glaubens und der christlichen Hoffnung, welche in der christlichen Liebe sich zur herrlichen Blüthe entfalten sollen. Bon der Grundlehre des Christenthums, von der gottmensch- lichen Person des Erlösers, wird hervorgehoben, daß dieselbe „mit und neben der andern Grundlehre von der Dreipersönltchkeit Gottes auf den sechs ersten ökumenischen Concilien ausführlich von der Kirche entwickelt worden sei". Wenn aber das Zeugniß der sechs ersten Concilien aufgerufen wird. warum soll dann die Auktorität späterer Concilsentscheidungen keine Geltung haben? Entsprach vielleicht das Vaticanum, die 20. allgemeine Synode, welche vom Papste allein ohne Mitwirkung und Unterstützung weltlicher Mächte berufen und geleitet worden ist, weniger dem Geiste kirchlichen Rechtes als die sechs ersten Kirchenversammlungen, auf denen vielfach der kaiserliche Einfluß mehr als zulässig sich geltend machte? Gerade das dogmatische Schreiben des Papstes Agatha, welches in der vierten Sitzung der sechsten allgemeinen Synode 680 durch die römischen Abgesandten vorgelesen und allgemein angenommen worden ist, betont die Unfehlbarkeit der römischen Kirche sehr stark: Die Deputirten hätten die nöthigen Vollmachten, sollten sich aber nicht herausnehmen, etwas (am Glauben) zu ändern, sondern vielmehr sollten sie die Tradition des apostolischen Stuhles, die von den Vorgängern des Papstes herrühre, einfach auseinandersetzen. Dies habe der hl. Petrus überliefert, unter dessen Schutz diese apostolische (römische) Kirche nie vom Wege der Wahrheit abgewichen sei. Wie sie die reine Lehre von Anfang an von den Apostelfürsten empfangen habe, so bleibe sie bis an's Ende unverfälscht. (Hefele, Conc.-Gesch. III, 255.) Wer somit conscquent sein will, muß entweder die Auktorität aller bisher gehaltenen allgemeinen 20 Kirchenversammlungen annehmen oder alle zugleich verwerfen. Denn das dogmatische Bewußtsein der katholischen Kirche spricht nicht bloß für die sechs ersten Concilien, sondern bezeugt auch die Giltigkeit der übrigen vierzehn. Der Bilderzanver und die modernen Zauberer in Frankreich. Von Charles Saint-Paul. (Fortsetzung.) Nachdem das Resultat dieser merkwürdigen Versuche deS Obersten Nochas in die Oeffentlichkeit gelangt war, suchten einige Gegner des angeblich in Frankreich sehr verbreiteten Satanismus die Identität dieser Experimente mit den Zaubereien nachzuweisen und behaupteten, daß der Bildzauber noch jetzt in Frankreich getrieben würde. „Figaro", „Gil BlaS" und andere Zeitungen brachten darüber spaltenlange Artikel. Besonders aber trat die Bilderzauberfrage in den Vordergrund des Interesses, als gegen Ende des Jahres 1893 in Paris der „König der Exorcisten" starb. Dieser war ein französischer Exabbs, Namens Boullan, der „johanneisches Christenthum", die Wiederkunft des hl. Geistes und sonstige mystische und häretische Lehren predigte, ja sich anserwählt dünkte, das Reich deS Bösen und besonders seine Umtriebe in der Gegenwart durch viele geheime Zauberer und Hexen zu zerstören. Er hatte in Lyon einen abergläubigen Anhängerkrcis um sich geschaart, einen Cultus „vom Berge Karmel" gestiftet und war lange Zeit insbesondere als „Exorcist" thätig gewesen. Er hatte zu seinen Exorcismen wunderliche Mittel erfunden, die dazu geeignet waren, seine überspannten Anhänger zu suggestioniren. Wenn ihm ein angeblich Besessener gebracht wurde, so schläferte er, falls die Rücksprache mit dessen Verwandten und Freunden die Gründe des Uebels nicht erkennen ließ, eine Somnambule ein, damit diese ihm dieselben und eventuell auch den Zauberer oder die Hexe, welche das Maleficiuw verübte, im Zustande der Hypnose nennen sollte. Er nahm eben an, daß man den Hellsehenden unbedingt glauben dürfe. Hatte er dann erfahren, was er wünschte, so ging er mit dem Besessenen und seinen Freunden in seine Hauskapelle, wo er buntfarbige Gewänder anlegte, um als Hohepriester das Opfer Melchisedeks (!) zur Satansvertreibung zu feiern. Dasselbe bestand aus Brod und Wein. Der Altar, auf dem es dargebracht wurde, war mit einem Tabernakel geziert, auf dem sich ein von eine« Tetragramm umgebenes Kreuz befand. Während deS Opfers und der Beschwörungsgebete mußte der Besessene die Hand auf den Altar legen, und dann erhielt er auch etwas von dem Brode und dem Weine. Die Beschwörungsformeln wurden im Namen des Erzengels Michael und mehrerer Heiliger gesprochen. Sie sollen, wie von den Anhängern Boullans behauptet wurde, in manchen Fällen — vielleicht in Folge der Autosuggestion der angeblich Besessenen — gewirkt haben, und man pries dann die Wunderkräfte der „Thaumaturgen und Heiligen von Lyon". Trotzdem nun Boullan sich stets derart im Gebiete des „Occulten" bewegte, war er doch auf die sonstigen modernen „Occultisten", speciell auf den von Stanislas de Gua'üci wieder ins Leben gerufenen Nosenkrenzer- orden, sehr schlecht zu sprechen. Er behauptete nämlich, daß sich besonders unter den Rosenkreuzern schwarze Magier befänden, und soll mehrmals an den bekannten Romanschriftsteller I. K. Huys- mans, den Verfasser von Las", geschrieben haben, daß er selbst von Stanislas de Guaita fortwährend aus der Ferne bezaubert werde. Man kann sich denken, daß der Nosenkreuzcrfürst über diese Beschuldigung entrüstet wurde und daß es zu ernstlichen Zwistigkeiten zwischen beiden kam. Als im Dezember des Jahres 1893 Boullan PariS besuchte, um dort Propaganda zu machen und die Ausgabe eines kabbalistischen Buches zu veranstalten, versäumte er natürlich nicht, bei seinen Freunden, unter andern auch bei Herrn Huysmans und Jules Bois, dem bekannten Mitarbeiter des „Figaro" für Mystik, die Umtriebe der ihn nach seiner Ansicht quälenden Magier aufs neue zur Sprache zu bringen. Und nun wollte es. der Zufall, daß er — man sagt, er sei seit längerer Zeit herzleidend gewesen — plötzlich starb. Die Folge davon war, daß Jules Bois und Hnys» mans, der die Gestalt Boullans in seinen Romanen ^ Redours" und Las" als Dr. Johannes verwerthet hatte, offen den Nosenkreuzerfürsten in den größten Tageszeitungen, besonders im „Gil Blas", beschuldigte, er habe durch Bilderzauber den „Hohenpriester des Para- kletos" geiödtet. Um nun ihre Behauptung zu kräftigen, beriefen sie sich auf die Experimente des Obersten RochaS, welche die Möglichkeit des Bildzaubers erwiesen hätten. Ueberdies veröffentlichte Horace Bianchon am 10. Dezember im „Figaro" eine allerdings nicht ganz ernstz«- 188 nehmende Studie mit dem Titel „I-'Lnvoütswsnt", in welcher er bestätigend mittheilte, Huysmans, sein und des Verstorbenen Freund, habe ihm Folgendes gesagt: Es sei nicht zu bestreiten, daß Gua'üa und sogar Sär Psladan (der katholische Rosenkreuzcrfürst, der alljährlich durch seine „Osstss Lstlisticsusg" in Paris Aufsehen zu erregen sucht) täglich schwarze Magie trieben. Der arme Boullan sei beständig mit den bösen Geistern, die sie ihm sandten, im Streite gewesen. Zwei Jahre hindurch hätten sie ihm solche von Paris nach Lyon gesandt, (!) und seiner Ansicht nach könnte ganz wohl auch der Abbe einer Be- zauberung erlegen sein. „Ich bin sicher", soll Huysmans weiter bemerkt haben, daß Psladan und Gua'üa alles gethan haben, was sie thun konnten, um mir zu schaden. Sehen Sie, jeden Abend, wenn ich einschlafen will, erhalte ich Schläge auf den Schädel und ins Gesicht, von — wie sage ich doch — fluidischen Fäusten! Ich könnte glauben, daß es subjektive Gefühlshallucinationen seien, durch allzugroße Sensibilität meines Nervensystems veranlaßt. Jedoch bin ich geneigt, anzunehmen, daß es sich thatsächlich um Magie handelt. Zum Beweise sage ich Ihnen, daß meine Katze, die gewiß keine Hallucinirte ist, (!) ebenfalls zu gleicher Zeit, wie ich, Schläge auf den Kopf erhält. Und es ist für mich gewiß, daß Madame Thibaut, eine würdige Frau, die ich bei Abbs Boullan kennen lernte, mich bereits einmal von diesem Maleficium geheilt hat. Seit unser Freund gestorben ist, fühle ich jeden Abend doppelte Schläge." Dieser humoristisch anregende Bericht wurde allerdings — zum tiefen Bedauern deS Berichterstatters vom „Figaro" theilweise wieder dementirt. Die Behauptung jedoch, daß Boullan durch Bilder- zauber getödtet worden sei, wurde noch längere Zeit, besonders von Jules Bois, aufrecht erhalten. Gua'üa nun verwahrte sich entschieden in einem Briefe an den Redacteur der „Gil Blas" gegen den Vorwurf, Leute schwarzmagisch umgebracht zu haben. Wir glauben denselben zur Kennzeichnung der Eigenart moderner französischer Occultisten mit einigen Kürzungen hier wiedergeben zu sollen. Paris, 13. Januar 1894. Herr Redacteur des „Gil Blas"! „Seit einigen Tagen verbreitet die Presse gegen mich gewisse lächerliche Angriffe, die wahrlicb entehrender für die Böswilligen oder Naiven sind, welche diese Ente brachten, als für mich. Jeder weiß, daß ich mich der häßlichsten Zauberei ergebe, — daß ich an der Spitze eines Kollegiums von Roscnkreuzern bin, welche für den Satanismns glühende Begeisterung hegen und ihre freie Zeit der Beschwörung des Geistes der Finsterniß gewidmet haben, — daß diejenigen, welche uns unbequem sind, einer nach dem andern unsern Zaubereien zum Opfer fallen, — daß ich persönlich einigen meiner Feinde aus Entfernung zauberisch Schaden zugefügt habe und daß diese dann gestorben sind, indem sie mich als ihren Mörder bezeichneten (im klebrigen wisse jeder, daß seit den neueren Forschungen der Doktoren Lnhs und Cbarcot und besonders des gelehrten Obersten de RochaS die Bezauberung aus der Ferne von der akademischen Wissenschaft nicht mehr bcstritten werde). Das ist nicht alles! Ich mische die schärfsten Gifte mit infernalischer Kunst, das werde allgemein zugegeben; ich verbreite sie mit besonderem Glücke, um aus Hunderte von Meilen Entfernung den toxischen Dunst gegen die Nasen derjenigen, deren Gesicht mir mißfällt, anwehen zu lassen. Ich spiele den Gilles de Raiz (Marschall zur Zeit der Jungfrau von Orleans, dem man als Tenfelsbündner den Proceß machte) an der Schwelle des 20. Jahrhunderts; ich unterhalte, wie Pipelet mit Cabrion, freundschaftliche Beziehungen mit dem furchtbaren Docre, dem Kanonikus im Romane des Herrn HuysmanS. Sodann halte ich in einer Schachtel einen Spiritus tamiliaris gefangen, der aus derselben auf mein Gc- Wb sichtbar herauskommt, Ist das genug? — Nein. Alle diese schönen Belehrungen sind nur ein Vorwort. Die Sache, zu der man kommen will, ist die, daß der ExabbS Boullan, dieser Thaumaturg von Lyon, dessen kürzlicher Tod einiges Aufsehen erregte, — nur meinen infamen Zaubereien erlegen ist, den vereinten Anstrengungen meiner Persönlichkeit und meiner schwarzen Complicen, der Brüder Rosenkrcuzer. Man geht sogar so weit, zu bemerken, daß es gut wäre, weitere Nachforschungen zu veranlassen, nachdem gewisse Briefe des früheren Mönches, die mit Zustimmung deS Herrn I. K. Huysmans, an den sie gerichtet waren, publicirt wurden, mich positiv als den Magier anschuldigen, welcher die Krankheit verursachte, die dem Cultus vom Berge Carmel in Lyon seinen obersten Priester und der Welt der Dämonischen ihren König der Exorcisten raubte. Man könnte wohl auch bemerken, daß Herr Boullan seit langer Zeit an einer Affection des Herzens und der Leber litt. Dieselbe hatte ihren natürlichen Verlauf, nahm zu und nahm ab. Bei jeder neuen Krisis jedoch schrie unser Obcrpriester, er sei von neuem bezaubert worden. Herr Boullan ist todt: Friede seiner Asche! Ich habe anderswo erklärt, was ich bezüglich unserer Beziehungen und der Vorkommnisse, die ihnen folgten, sagen zu müssen glaubte. Ich habe die Wahrheit berichtet und werde nichts hinzufügen. Die, welche genauere Aufschlüsse und authentische Documente wollen, brauchen nur in meinem Werke »Iw Sergent äs Is, Ksnsss« (I. Tom. üs Tsmpts äs Latau, p»A. 423—500) die 72 Seiten durchzusehen, die betitelt sind: -Im 6arms! äLuZöns Viutras st 1s §rrmä kontiks rwtust äs la ssets.« (Fortsetzung folgt.) Veatus Adalbertus ein Graf Z o llern -H o h en b er g-Haigerloch, Mönch, Priester und Prior in der nieder- bayerischen Venediktinerabtei Oberaltaich 1261 — 1311 von I. N. Seefried. (Schluß.) IV. Die Vits, ^.Ibort! in genealogischer und dynastischer Beleuchtung. Auffallend immerhin, aber sehr wohl erklärlich ist eS, daß wir in der Vita, iläMsrti von den Eltern desselben gar nichts erfahren. Die Biographie schweigt sich hierüber vollständig aus. Sehr wahrscheinlich hat Adalbert über Eltern und Verwandtschaft absichtlich das tiefste Stillschweigen beobachtet. Er hatte Eltern und Erzieher (Lehrmeister) durch Ungehorsam und wüstes jugendliches Treiben auf's tiefste verletzt; <") daß aber die Eltern aus Gram hierüber schon zur Zeit des Eintritts AdalbertS in den Benediktineroden gestorben waren, darüber enthält die Vita, keine Silbe. Spätere Kommentatoren, unter ihnen Hemmauer/°) haben den frühzeitigen Tod der Eltern vermuthet und in die Vita hineincommentirt; aus der Vita heraus läßt sich das Ableben derselben vor oder bald nach 1261 nicht entnehmen. Die Annahme Schunds,'") daß Adalbert 12 2 9 geboren worden und 1251 in das Kloster Oberaltaich eingetreten sei, ist unrichtig; unrichtig und falsch sind demnach auch alle Folgerungen, die hieran geknüpft werden, insbesondere jene, Albert der Heilige sei als Sohn dem Grafen Albert I. von Notenburg anzureihen und höchst wahrscheinlich zuzusprechen. Adalbert I., Graf von Hohenberg (1207—1231), der Bruder Burkards II. (1207—1225), war nach Schund . 16. '°) Beilage zur Augsb. Postzeitung 1861 Nr. 33 u. 1894 Nr. 25; Separatabdruck S. 15. °°) Obronio. Ilslvst. I, 141- °>) t. o. I. 183. 190 wenn er von drei Gemahlinnen Rudolfs von Habsburg gesprochen hat; in dem Familiennamen der ersten Gemahlin, Gertrauds, aber, die er eine Freburg-Hochenberg nannte, hat er sich ohne Zweifel geirrt?") Wenn nun auch nach dem Stande neuerer Forschung zugegeben werden muß, daß die größere Wahrscheinlichkeit dafür spricht, daß die Königinnen Gertraud und Anna nur als eine Person aufzufassen sind, so ist doch der wirkliche Thatbestand auch jetzt noch nicht zweifellos festgestellt, und scheint mir insbesondere der Umstand der Beachtung werth zu sein, daß Tschudi den Vater Anna's nicht Burkard, sondern Albert genannt hat. Da wir als Vater des Priors Albert zu Oberaltaich Albert II. postu- lirt haben und postuliren mußten, so könnte dieser der Chronologie zufolge wohl auch der Vater Anna'S gewesen sein. Ich habe wiederholt auf die Urkunde vom 12. Januar 1271 hingewiesen?") in welcher ein Graf Albert von Hohenberg von Friedrich dem Erlauchten, Grafen von Abenberg-Zollern, uvrmouluo d. h. Mutterbruder (Oheim) genannt worden ist. Nun sollen aber der Vater des Priors Adalbert Albert (II.) und seine Gemahlin schon vor dem Eintritt des Sohnes ins Kloster gestorben sein. Ware dieses wirklich der Fall gewesen (die Vita. ^Ilisrti enthält, wie schon gesagt, hierüber nichts Bestimmtes), dann wäre in der Urkunde vom 12. Januar 1271 nicht unser Albert II , sondern Albert III., Burkards III. Sohn, gemeint, und avunoulus hätte hier thatsächlich nicht die ursprüngliche Bedeutung von Oheim oder Mutterbruder, sondern nur diejenige einer durch eine Frau vermittelten ziemlich nahen Anverwandtschaft, in welchem Sinne das Wort im Mittelalter ebenfalls gebraucht worden ist. Albert III. (bei Schmid II.) und Friedrich der Erlauchte waren Geschwisterkinder, avrmculuo würde demnach in der betreffenden Urkunde in diesem Sinne zu erklären sein. Elisabet, die Gemahlin Friedrichs mit dem Löwen, hat vr. Schmid "*) unter Vorsehung eines Fragezeichens mit dem Edelherrn Berthold von Blankenstein vermählt, womit wir uns aus mehrfachen, theilweise schon bekannt gegebenen Gründen nicht einverstanden erklären können. Ebenso wenig wie die Gemahlin Werts II. dem Namen und Geschlechte nach bisher bekannt geworden, läßt sich Name und Geschlecht der Gemahlin Burkards II., der Mutter Burkards III., Werts II., Diepolds, Bertholds von Mühlhausen und Elisabets, näher nachweisen. Der in der gräflichen Familie ungewöhnliche Name Diepold ist wohl aus der Verwandtschaft und dem Geschlechte der Mutter Diepolds herübergenommen worden, allein Diepolde hat es in gar vielen Grafen- geschlechtcrn (Dilltngen, Lechsgemünd - Graisbach, Markgrafen von Cham-Vohburg u. s. w.) gegeben. Schmid hat es für sehr wahrscheinlich gehalten, daß Burkards II. Gemahlin dem Hause der Grafen von Aichclberg, O.-A. Kirchheim, angehört habe; in seiner ersten Stammtafel des Grafenhauses Zollern-Hohenberg hat er jedoch hiezu Mit Recht ein Fragezeichen gesetzt?") Ich habe die heftigen Fehden, welche in der zweiten "") Vcrgl. Gertrud-Anna, Gemahlin Rudolfs von Habs- ßurg. von Dr. NemigiuS Meyer. Beiträge zur vaterländischen Geschichte V. Bd. Basel 1851. S. 177 insbes. 181. Siebe A. 78 l "*) Geschichte der Grafen von Zollern-Hohenberg 1862 S. 334 und I. Stammtafel derselben. «-) i. o. S. 12. Hälfte des 13. Jahrhunderts zwischen den Grafen von Abenberg-Zollern und Zollern-Hohenberg wegen Haigerlochs entstanden sind, mit der Verschwägerung dieser Geschlechter und mit dem Eintritt des Grafen Albert von Haigerloch in den Benediktinerorden in Verbindung gebracht. Ueber den Kampf der Streitstheile nun bei Haigerloch am Feste Allerheiligen (1. Nov.) 1267 haben uns die Sindelfingcr Annalen ziemlich verlässige Kunde überliefert. Dieselben notirten zu diesem Jahre:"") 1267. §rs.vis xugva, tuib LMä HaiZerlooli in tssto oinmurn sunetorura intsr comitss äs 2oIrs at äs HodsnbsrZ. Dbi ooines äo 2oIrs xotsntsr triunixsta-vit? Die Annalen von s. Georg im Schwarzwald lassen den Kampf zwischen Friedrich Graf von Zollern und dem Grafen Albert von Hohinlo (richtig Hohinberg) stattfinden, den Grafen Albert Sieger bleiben und viele Gefangene machen?') Der hier genannte Graf Albert von Hohinberg ist ohne Zweifel Graf Burkards III. Sohn Albert III. (Schmid II.), und Friedrich Graf von Zollern kann nur Friedrich der Erlauchte sein, der Sohn Friedrichs mit dem Löwen und ElisabetS von Hohenberg. Dw NonuwsntuOsrinanius haben hiezu bemerkt:^) „Friedrich ist nachher von Kaiser Rudolf zum Burggrafen von Nürnberg ernannt worden," eine Behauptung, die entschieden als unrichtig bezeichnet werden muß. Zwischen Friedrich dem Erlauchten, vermählt mit Elisabet von Hohenberg, und dem gleichzeitigen Friedrich II., Burggrafen von Nürnberg, dem Gemahl der Herzogin Elisabet von Meran, muß genau unterschieden werden; man kann und darf sie nicht mit einander verwechseln. In den achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts entstanden neue Streitigkeiten und Kämpfe zwischen Abenberg-Zollern und Zollern-Hohenberg, veranlaßt vielleicht, durch das Ableben der Königin Anna 1281 oder jener Anna, welche im nämlichen Jahre auf Hohenberg ledig gestorben sein soll"") und eher eine Tochter Werts II. als III. dieses Namens gewesen sein dürfte. Am 23. Oktober 1286 hatte nämlich Graf Burkard (IV.) mit dem Grafen Friedrich bei Balingen einen Conflikt. Auf Seite des Grafen Burkard und des Grafen Albert von Hohinberg, der damals vor Stuttgart lag, sind viele gefangen genommen und geiödtet worden?") Auf dem Tage zu Ulm am 10. November 1286 wurden sodann zur Beilegung des Krieges zwischen dem von Zolre und seine kint ainhalp und grave Albrecht anderhalp Maßregeln getroffen und als Obmänner des SchiedL- gerichteS der Burggraf von Nürnberg und der Graf von Oettingen aufgestellt, welche eine Sühne und einen dauerhaften Frieden herstellen sollten;"') aber erst Kaiser Rudolf ist es zu Weihnachten 1286 in Hoheu- »") U. 0. 88. XVII. 301. LI. S, 88. XVII. 298. 1267 .. Loäsm anno kaeta 68t puAna intsr sowitem kriäsrioum äs 2olrs st ooinitom ^Ibortnm äo IloliinbsrK st ooinss Ltbertns mnltos oaxtivanäo triuinxbavit. Für Llbsrtnm äo bobinto ist Loodiu- bor§ berichtigt 1. o. A. a. °°) I. o. A. 14 gni xostsa a Rnäolto oaesaro bni'Agravinz Xorimborgensis rsnuntiatus sst. Ll. °°) Geschichte der Grafen von Zollern-Hohenberg 1862 S. 117 (Schmid nach Memminger O--A--Beschreibung vo» Notcnburg S. 14). -°) Ll. O. 88. XVII, 304. Schmid, Geschichte der Grasen von Zollern-Hohenberg 191 berg und Rotweil gelungen, die Eintracht zwischen Graf Albert und den Grafen von Zollern wieder herzustellen. Auffallend ist es, daß für die gräfliche Familie Zollern-Hohenberg der Benediktiner-Prior Adalbert exnl geblieben ist. Weder Albert, Rudolfs Sohn, welcher Bischof von Freising (1349 —1359) geworden war,^) noch spätere Mitglieder dieses seit seiner Verbindung mit Rudolf von Habsburg illustren Hauses scheinen sich um die Beatifikation ihres Stammesgliedes gekümmert zu haben. Deßungeachtet hat an der Zoller'schen Abkunft des seligen Adalbert bisher Niemand gezweifelt. Sein Angedenken haben die Besten der Söhne des hl. Benedikt in Oberaltaich hoch gefeiert und in Ehren gehalten, und wird dasselbe in Bayern (Adalbert ist ja durch Naturalisation Bayer geworden) gesegnet bleiben, solange die Kirche zu s. Peter in Oberaltaich an den Bestand des alten, berühmten Klosters erinnert. Dieses Kloster ist schon zweimal, ja dreimal verlassen bezw. zerstört worden, es wurde aber immer wieder Hergestellt. Das erstemal vom Abte Pirminius unter dem Agilolfinger-Herzoge Hugbert (nicht Odilo) 731, das zweitemal von den überaus mächtigen Grafen von Bogens) zunächst von Iriäarions aävooatno aeolasias klatrs- bvQMsig. Dieser Friedrich war seinem Wappen zufolge ein Graf von Vormbach (Lambach-Wels-Vormbach), und Hie Vögte der bischöflichen Kirche von Bamberg, die Ahnen der Grafen von Abenberg, scheinen seit Lhiemo I. der nämlichen Abstammung gewesen zu sein, wie wir anderwärts bereits angemerkt habend) In dieser Richtung muß weiter geforscht werden, und wäre nur zu wünschen, daß in Bayern wieder Genealogen auftreten, wie wir sie an Moritz zu Ensdorf (Wittelsbacher Stiftung) und an ?. Hermann Sch ollin er von Oberaltaich,°°) dem Akademiker und Redacteur der Non. Loiaa, gehabt haben vor und zur Zeit der Klosteraufhebung des 19. Jahrhunderts. Auf Aventin, welcher nach seinem Kalender am 30. Juni und 5. Oktober 1517 in Oberaltaich gewesen ist, und auf Bayerns alte Grafschaften des Ritters Karl Heinrich v.,Lang kann man sich nicht verlassen. Wie wir gesehen haben, war der selige Prior Adalbert von Oberaltaich ein Geschwisterkind der Gräfin Gertrud von Hohenberg, der Gemahlin Kaiser Rudolfs von Habsburg, mit welcher dieser jene Mechtilde erzeugte, welche die dritte Gemahlin des Bayernherzogs Ludwig des Strengen und die Mutter des Pfalzgrafen Rudolf, des Stammvaters des regierenden Hauses Wiitelsbach, und des Kaisers Ludwig des Bayers geworden ist. Wenn unsere Aufgabe hier nur eine beschränkte war, fo glauben wir doch die Erinnerung an eine berühmte Culturstätte Bayerns geweckt und an dem Benediktiner- Prior Adalbert, welcher als Muster eines Ordensmannes °2) Ll. 6. 88. XVII, 305. ämts nativitatem vomini rsx Kuäoltus venit. vodinberZ st Lotwils. Idiäsm kestum vats.1so8l6bra.vit. OomitsmL.1b6rtnmeteowitss äs 2o11srs rssovoiliavit. Llsivlislbsek Historik vrisinA. tom. II x. 151. Schmid I. o. S. 205-224. Ueber die Grafen von Bogen ist zu vergleichen v. Bcne- dikt Braunmüller (jetzt Abt in Metten) 17. Jahrb. d. hist. B. sich Niedcrbayern S. 144 u. 18. Bd. S. 87. °°) Siehe 54. Bericht d. hist. Ver. zu Bamberg 1892 „die Grafen von Bergthcim" Beil. II, 3 A. 1. °°) Scholliner, geb. 1722 zu Altomünster (Aichach), legte 1733 zu Oberaltaich Profcß ab, wurde 1745 Doktor der Theologie, 1772 Prior und Vicar auf dem Bogenberge. Derselbe lehrte seit 1773 Dogmatik an der Universität Jngvlstadt und starb 1795. in Armuth, Entsagung und Gehorsam gelten kann und auch als Kritiker Anerkennung gefunden hat?') gezeigt zu haben, wie die genealogische Darstellung in der Schmid'schen I. Stammtafel der Zollern-Hohenberg aus der Vita lläalbarti theilweise berichtigt werden kann"») und berichtigt werden muß. Passau, am 25. Februar 1896. Berichtigung. In Beilage Nr. 23 ist bei BeatuS AdalbcrtuS Seite 180 Zeile 3 nach Pez das Wort „hat" zu streichen und dafür das ausgelassene „genannt" zu setzen. Münchner anthropologische Gesellschaft. Freitag den 29. Mai 1896. Der Vorsitzende Professor vr. I. Ranke gibt die Einladung der Nürnberger naiur- bistorischen Gesellschaft zum Besuch ihrer prähistorischen Ausstellung bekannt und knüpft daran die Hoffnung, daß möglichst viele Mitglieder dieser Einladung Folge leisten möchten. Hierauf wird der bisherige Ausschuß per Acclamation wiedergewählt. Das Wort erhält hierauf Pros. vr. E. Selenka zu seinem Vortrage: „Die Sprache des menschlichen Angesichts." Nicht aus der Form, nicht aus dem Schnitt des Gesichts können wir aus die Seelcnstimmung und Gemüthsbewegungen schließen. Die Nassen- und Nationaliypen sind verschieden, die Mimik aber ist bei allen Völkern gleich. Von den vier Arten, um anderen etwas mitzutheilen: Tastsprache, Geberdensprache. Lantfprache und Mimik, soll die letztere behandelt werden. Die Gesichts- zügc werden durch den Zug von Muskeln verändert, wodurch Hautfalten entstehen. Wird der Mensch durch Bilder überrascht oder ist er besonders aufmerksam auf etwas, so werden die Augen weit geöffnet, die Stirn in horizontale Falten gelegt; dazu kommt oft noch der offenstehende Mund, weil man in der Uebcrraschung vergißt, den Mund zu schließen, wie es sich ziemlich drastisch bei Untersuchungen von Kindern beobachten läßt. Die Mimik ist dieselbe, ob Sinneseindrücke oder seelische Erregungen dieselbe bedingen. Wir mimen in derselben Weise, ob uns liebliche, süße Gedanken beschäftigen, oder ob wir etwas SüßeS genießen, ähnlich wie wir abstrakte Begriffe aus dem Sinnlichwahrnchmbarcn hernehmen, weil alle unsere Vorstellungen von uns vergegenständlicht werden. Die Mimik hat den Zweck, die Vorstellungen intensiver zu machen (adjutorische Züge). Wir mimen aber auch, um uns gegenseitig zu verständigen (demonstrative Züge). Die Angesichtssprache ist wort- ärmer als die Lantsprachc; während aber letztere erfunden ist, ist erstere in der natürlichen sinnlichen Mimik gegeben. Die Mimik ist die einzig natürliche Sprache. Sie ist aber auch viel aufrichtiger, weil wir, gute Schauspieler ausgenommen, nicht selbst controliren können. Zu den schon erwähnten horizontalen Stirnfalten kommen senkrechte durch Zusammenziehen dcrBraucn- muskeln, sie entstehen bei dem Bestreben, daö Licht abzublenden; zugleich wird die Lidspalte verengert, es entstehen im äußeren Augenwinkel die sog. Gänsefüßchen, die Oberlippe wird paisiv gehoben, die Zähne kommen zum Vorschein. Es zeigt diese Grimasse Unbehagen an, es ist der verdrossene Zug. Der Vortragende skizzirt dann noch die Mimik der MundmnSkulatnr. Bei süßen Empfindungen preßt man die Lippen leicht aufeinander, bei bittern zieht man Oberlippe und Nase etwas in die Höhe; will man etwas prüfen, so schiebt man die ganze Lippenpartie vor. Beim bissigen Zug pressen wir die Zähne und Lippen aufeinander. Die gleichen Züge treten bei entsprechenden Gemüthsbewegungen auf. Es ist nicht möglich in dem kurzen Rahmen eines Referats die vielen interessanten und geistreichen Details zu bringen, die durch eine Menge von Abbildungen trefflich illustrirt wurden. Zum Schlüsse wies der Vortragende noch aus den Vergleich mit außereuropäischen Völkern und Affen bin. Bei allen Menschen zeigt sich dieselbe Mimik. Wie die Affen keine Lautsprache haben, so haben sie auch keine Angesichtssprache. Erst mit der Begrisfsbildung kann der Wunsch entstehen, sich gegenseitig durch mimische Züge verständlich zu machen. Die derben GesichtSmuskcln der Affen haben sich daher auch nicht feiner differentirt. An der Diskussion betheiligten sich Oberstabsarzt I. Cl. Segge! und Selenka. Nachdem der Vorsitzende dem Vortragenden gedankt hatte, erhielt das Wort Pros. vr. Kühn zu einigen Mittheilungen über die Fakire in Budapest. Nach den vorliegenden Mittheilungen des ") Vergl. Anm. 30 oben! °°) Siehe Beilage 1 des Separatabdruckö. 192 Herrn Pros. von Török hören die LebcnSfunktionen nicht aus, sondern werden nur herabgesetzt, der Sarg wird nicht verschlossen. Kühn und Pros. Nüdinger weisen die Ansicht, daß eS sich hier um eine mystische Kraft der Seele bandle, entschieden zurück. Der Vorsitzende dankt nochmals den Rednern des Abends und schließt für Heuer die Vortragsabende. Recensionen und Notizen. Frox 1996. rHx „'Larcar" 1996. 8° x. 490. är. 4.—. a. Unter der Kalenderliteratur, mit der wir bei jedem Jahreswechsel überschwemmt werden, nimmt auch ein uns zugegangener „Jllustrirter Volkskalender auj'S Jahr 1896" in griechischer Sprache einen ehrenvollen Platz ein. Er nennt sich und wird (Heuer im zweiten Jahrgang) von den ausgezeichneten Philologen und Schriftstellern Drosinis und KasdoniS herausgegeben; hergestellt ist derselbe in der Druckerei der Zeitung ,/Dort'a", eines sehr empschlenswerthen, ganz aus der Höhe der Zeitforderungen siebenden Blattes, dessen Mitarbeiter die bedeutendsten Schriftsteller Griechenlands sind. Nicht schleckt sind die Bilder des Kalenders (Landschaften, Porträte), besonders aber ist sein Lese-Inhalt ein so reicher, daß ihn der Besitzer wohl noch auch für spätere Jahre aufzuheben der Mühe Werth finden wird: Wir finden außer den Zeittabellcn darin Astronomisches, Geschichtliches, Politisches, Erzählungen und Gedichte, sogar eine ganze Komödie in der Volkssprache. Der bunte Wechsel des Gegenstandes wie des Stiles macht die Lektüre sehr unterhaltend und anregend, besonders für die stu- dirende Jugend, welche hier ein paar Mark besser anwenden könnte, als mit manch anderer unvernünftiger Ausgabe. Man bezieht das Buch (gegen 3 M. 40 Pf.) am einfachsten durch die Buchhandlung von M. Spirgatis in Leipzig. Nationale Wohnungsreform. Von PaulLechler und Albert Schäffle, K. K. Minister a. D. Verlag von Ernst Hofmann u. Co. in Berlin 8^V. 48. Preis 1 M. Die vorliegende Schrift beschreibt in fesselnder Weise und mit klaren Zügen einen Weg zur Lösung der Wohnungsfrage. Sie beginnt mit einer Schilderung der Wohnungsnoth und ihrer Gefahren, bespricht im Einzelnen die bisherigen Versuche und kommt dann in logischer Gedankenfolge darauf, daß bei der weiten Ausdehnung der Wohnungönoth nur mit Antheil- nahme des Staates eine durchgreifende Abhilfe geschaffen werden könne. Die folgenden Capitel enthalten einen genau durchdachten und unschwer ausführbaren Plan. Der Vorschlag geht davon aus, daß eine nationale Wohnungsreform für den Staat keinerlei nennenSwcrthe Opfer erheische, daß nur der Staat seinen Credit einzusetzen habe, um, ohne Belastung der Steuerzahler, eine Organisation durchzuführen, welche die brennendste aller socialen Fragen in wirthschaftlicher und moralischer Beziehung zu lösen im Stande sei. Die treffliche Schrift ist durch den Anhang aus der Feder eines unserer bedeutendsten VolkSwirtbschaftS- und StaatSkenner, des bekannten Ministers a. D. Dr. Albert Schäffle bereichert, der die Lcchlcr'schen Ausführungen „nicht blos als kerngesund, sondern als den einzig praktisch zielführlichen Weg zur Lösung der Wohnungsfrage im großen Stil" bezeichnet. Cochem, k. Martin von, Orä. 6ap. Herziges Büchlein oder herzliche Anmuthungcn, Betrachtungen und Gebete. Nach der Originalausgabe aus dem Jahre 1699 hergestellt durch ?. Bcnedikt von Calcar, Orit. 6ap. 7. Auflage^ Mit kirchlicher Approbation. 16. (XVIH und 248 L>.) geh. 90 Pfg., gebunden in Halbleinwand 1 M. 20 Pf. Mainz. Franz Kirchheim. 1996. Aus der großen Zahl der vortrefflichen Werke des sei. ?. Martin von Cochem aus dem Kapuzinerorden bietet f k. Bcnedikt von Calcar allen Christen das vorliegende, bis vor wenigen Jahren völlig unbekannte Original-Büchlein dar, welches er unter dem Titel „Herziges Büchlein" im Jahre 1699 niedergeschrieben, und der Acbtissin des adeligen Stiftes Oehren gewidmet hat. Beim Lesen dieses Büchleins steigt vor unserem Geiste auf das Bild des in das innerliche Gebet versenkten hciligmäßigen Paters, und wunderbar ergreift uns die Lebendigkeit seines Glaubens, die Festigkeit seines Vertrauens, die Gluth seiner Liebe zu Gott. Wohl weicht seine Betrachtungsweise von der gewöhnlichen ab. Wer sie aber eine Zeit lang übt, wird bald erkennen, wie sehr k. Martin von Cochem die wahren Bedürfnisse des menschlichen Herzens verstanden und die denselben entsprechende Betrachtungsweise gefunden, selbst geübt und gelehrt hat. Einführung in die Musik von Adolph Pochhammer. Preis gebunden Mk. 1.—. (Verlag des „Musikführer", H. Bechhold. Frankfurt a. M.) Ein prächtiges Büchlein liegt vor uns, ein Werk, das alles enthält, was der Musikfreund von der Musik wissen sollte: die Hauptpunkte der Musikgeschichte, die Elemente der praktischen und theoretischen Musik, die Musik-Instrumente und ihre Anwendung. Wer hat nicht schon vergeblich Erklärung von Begriffen wie Tonic«, Dominante, Contrapunkt, Orgelpunkt, Suite, Fuge und vielen anderen Kunstausdrücken gesucht? sie sind alle in einer auch für den weniger musikalisch Gebildeten faßlichen Weise erklärt. Zum Schluß enthält das Werk, das sich durch Klarheit der Darstellung auszeichnet, noch ein vollständiges musikalisches Lexikon. Das Büchlein ist recht hübsch ausgestattet und außerordentlich billig. „Wie kommt man mit Wenigem aus?" so betitelt sich eine kleine instruktive Schrift von Julie Navit eine praktische Anleitung zur häuslichen Geldwirihschaft und Buchführung. (Verlag von Lipsius L Tischer in Kiel; Preis 50 Pfg., bei 10 Exemplaren 30 Pfg.) Die Verfasserin ist seit Jahren die Leiterin einer städtischen HauShaltungSschule und theilt aus ihrer reichen Erfahrung auf 61 Seiten das Wesentlichste der Hauswirthschaft mit. Das Büchlein enthält einen Voranschlag für ein Einkommen von 2000 Mark und 900 Mark für einen anfangenden Hausstand, sowie die Beschaffung einer Aussteuer für die erste Einrichtung zu 3000 Mark, ferner Voranschläge für alleinstehende Personen, für Dienstboten und endlich die Einrichtung für eine geregelte Buchführung. Sehr werthvoll, geradezu mustergiltig, sind die in einem Anhang hergegebenen Muster für Aussteuern zu 3000 Mark und 800 Mark, sowie die Anlage eines vom Hausherrn zu führenden Hauptbuches und eines von der Hausfrau geführten Wirthschaftöbuckes. Mrscellen. (Ueber die socialpolitische Thätigkeit der „katholischen Kirche") äußert sich in Conrad's „Jahrbüchern sür Nationalökonomie und Statistik" der protestantische Breslauer Professor Eliesier folgendermaßen: „Die Stellung, welche der deutsche Katholizismus der Arbeiterfrage gegenüber eingenommen hat, ist eine entschieden achtunggebietende, ist eine solche, die ihm meines Dafürhaltens eine weitere Entwickelung für die Zukunft sichert. Die Centrumspartei ist zur Zeit weit niehr eine sociale, als eine kirchliche Partei. Durch die Fürsorge, die sie den arbeitenden Classen schenkt, gewinnt sie die Stimmen der niederen BevölkerungSschickten. Das Hauptmittel dazu ist zweifellos die vortrefflich organisirte Seel sorge. Denn Thatsache ist, daß der Kaplau der einzige ist, der Herz zum Herzen mit dem Arbeiter redet, Frau und Kindern Rath ertheilt, sie im Unglück aufrichtet, ihnen Segen, Trost und Almosen spendet. Ihm ist keine Stube zu eng, kein Arbeiter zu arm, kein Stolz hält ihn ab, selbst mit einem hcrabgekom- mcnen Manne zu reden. Nicht auf dem kalten, dogmatischen Wege, sondern durch werkthätige Liebe wird das Volk im Glauben erhalten und dazu bekehrt. . . . Der Kaplan in den katholischen Gebietstheilen hat in vielen Fällen Unterricht in den socialen und wirthschafllichen Fragen erhalten, und steht, weil er die Wünsche und Bedürfnisse des Arbeiterstandes kennt, demselben um Erhebliches näher, als andere. Haben doch mehrere katholische Geistliche speciell Nationalökonomie studiren müssen; einzelne sind auf Reisen in Jndustriebczirke geschickt, nur um dort die Lage der arbeitenden Classen an Ort und Stelle aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Von allem dem ist bei uns (Protestanten) keine Rede. . . . Die mächtige sociale Bewegung unserer Zeit ist nicht ein Paroxismus, der vorübergehen wird, sondern bekundet einen Fortschritt in der Entwickelung des VölkerlebcnS. Aufgabe der Kirche ist es. sich mit dieser Bewegung zu verständigen. Die Zeit wird dann lehren, ob sich auch heute noch jene viclverheißendcn Worte um das Kreuz bewahrheiten werden: „In diesem Zeichen ist der Sieg!" Veranttv. Redacteur; Air. Haas in Augsburg. 77- Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabbcrr in Augsburg.